Paths and Goals of Spiritual Man
GA 125
21 November 1910, Leipzig
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Paths and Goals of Spiritual Man, tr. SOL
10. Die Phantasie als Vorstufe höherer Seelenfähigkeiten
10. Imagination as a Prerequisite for Higher Spiritual Abilities
[ 1 ] Während ihres schönen, für das neuere Geistesleben so bedeutsamen Freundschaftsbundes tauschten Goethe und Schiller die Werke aus, an denen sie arbeiteten, und als Schiller von Goethe Teile des «Wilhelm Meister» erhielt, schrieb er an Goethe, überwältigt von dem Eindruck des Kapitels, das er soeben empfangen hatte: «Soviel ist indes gewiß, der Dichter ist der einzige wahre Mensch, und der beste Philosoph ist nur eine Karikatur gegen ihn.»
[ 1 ] During their beautiful friendship, which was so significant for modern intellectual life, Goethe and Schiller exchanged the works they were writing. When Schiller received parts of Wilhelm Meister from Goethe, he wrote to Goethe, overwhelmed by the impact of the chapter he had just received: “This much is certain, however: the poet is the only true human being, and even the best philosopher is merely a caricature in comparison.”
[ 2 ] Damals mochte dies vielleicht sonderbar klingen, aber für uns heute ist das nicht mehr der Fall. Wir versetzen uns in Schillers Seele und erlangen Aufschluß über die Wahrheit seiner Worte, wenn wir sie an dem bedeutungsvollen Brief messen, den Schiller an Goethe kurz nach Beginn ihrer Freundschaft geschrieben hat. Beide hatten sich in ihren Gesprächen über Natur- und Weltanschauung verbreitet. Schiller bringt nun in dem erwähnten Brief zum Ausdruck, wie Goethe seine Anschauung nicht auf spekulativem Wege gewinnt, sondern in der Allheit der Erscheinungen der Welt ein Notwendiges sucht. In Goethes Intuition liege alles beschlossen, und er habe wenig Ursache, von der Philosophie zu borgen, die nur von ihm lernen könne.
[ 2 ] At the time, this may have sounded strange, but for us today that is no longer the case. We can put ourselves in Schiller’s shoes and gain insight into the truth of his words when we measure them against the significant letter Schiller wrote to Goethe shortly after their friendship began. Both had expounded on their views of nature and the world in their conversations. In the aforementioned letter, Schiller now expresses how Goethe does not arrive at his views through speculation, but rather seeks a necessity within the totality of the world’s phenomena. Everything is contained within Goethe’s intuition, and he has little reason to borrow from philosophy, which can only learn from him.
[ 3 ] In Goethes Art, die Welt anzuschauen, in seiner inneren Haltung, aus der heraus er seine Werke geschaffen hat, sieht Schiller also etwas, was den Menschen ganz besonders tief in die Geheimnisse des Daseins einführt. Wenn man prüft, was zwischen Goethe und Schiller an Gedanken und Meinungen spielt, sieht man Schiller aufgehen in Goethes Phantasie, in der inneren Wahrheit von Goethes Phantasie. Schiller schrieb damals die «Briefe über die ästhetische Erziehung des Menschen», in denen er darlegt, wie der Mensch durch Entwickelung zum Vollmenschentum gelangen kann, das in jedem Menschen als der höhere Mensch veranlagt ist. In Goethes Art, seine Phantasie ausstrahlen zu lassen, fand Schiller etwas, was den Menschen zum Vollmenschen macht, er sah darin einen Weg, sich hineinzuleben in dasjenige, was den Menschen zum wahren Zusammengehen mit den Urgründen der Dinge bringen kann.
[ 3 ] In Goethe’s way of viewing the world, in the inner attitude from which he created his works, Schiller thus sees something that introduces human beings particularly deeply into the mysteries of existence. When one examines the ideas and opinions shared between Goethe and Schiller, one sees Schiller absorbed in Goethe’s imagination, in the inner truth of Goethe’s imagination. At that time, Schiller wrote the “Letters on the Aesthetic Education of Man,” in which he explains how human beings can attain full humanity through development—a state inherent in every person as the higher human being. In Goethe’s way of allowing his imagination to radiate, Schiller found something that makes a person a fully human being; he saw in it a path to living oneself into that which can bring a person into true communion with the primal sources of things.
[ 4 ] Wenn man große Geister so über Phantasie reden hört, nimmt es sich anders aus, als wenn heute über Phantasie geredet wird. Jetzt, da man sie in Gegensatz zur objektiven Beobachtung stellt, ist es, als ob die Phantasie etwas Willkürliches wäre, was den Menschen dazu brächte, in beliebiger Weise Dinge zusammenzustellen. (Lücke im Stenogramm.)
[ 4 ] When one hears great minds speak of imagination in this way, it strikes one differently than when people speak of imagination today. Now that it is contrasted with objective observation, it is as if imagination were something arbitrary that leads people to piece things together in any way they please. (Gap in the transcript.)
[ 5 ] Wenn wir bedenken, daß Goethe als Naturforscher sozusagen Fachmann war, so haben seine folgenden Aussprüche doppelten Wert: Der Mensch strebt danach, die Geheimnisse der Natur zu ergründen und sehnt sich nach ihrer würdigen Auslegerin, der Kunst. Die Kunst und das Schöne sind Manifestationen geheimer Naturgesetze, die ohne sie nie ergründet werden könnten. Wenn die Phantasie die Vorstellungsweise, die nur aus Gefühlen und Impulsen heraus spielt, mit anderen Errungenschaften der menschlichen Seele vermischt, müssen wir zugestehen, daß sie manchmal von der Wahrheit wegführt. Sie ist nichts für Wissenschaft und Forschung. Doch als Vorläuferin höherer Erkenntnisfähigkeiten zeigt sie den Weg für verborgene Zusammenhänge zwischen den Dingen, die man ohne sie nicht sehen würde. Aber für gewisse Gebiete des Lebens ist es absolut nötig, daß das, was die Phantasie kombiniert, durch Forschung in strengen äußerlichen Beweisen belegt, bewahrheitet wird.
[ 5 ] When we consider that Goethe was, so to speak, an expert as a naturalist, his following statements take on double significance: Man strives to fathom the mysteries of nature and longs for its worthy interpreter, art. Art and beauty are manifestations of secret laws of nature that could never be fathomed without them. When the imagination mixes the mode of perception—which arises solely from feelings and impulses—with other achievements of the human soul, we must admit that it sometimes leads us away from the truth. It is of no use to science and research. Yet as a precursor to higher cognitive faculties, it points the way to hidden connections between things that one would not see without it. But for certain areas of life, it is absolutely necessary that what the imagination combines be substantiated and verified through research in strict external evidence.
[ 6 ] Demnach scheinen die Worte Goethes oder die Stellung Schillers es notwendig zu machen, daß wir bei Goethe feststellen, wie er in der Phantasie etwas sieht, was Wahrheitsgehalt bietet, im Gegensatz zu einem willkürlichen, regellosen Spiel, das wir als phantastisches Spiel der Vorstellungen bezeichnen können. Wenn wir wissenschaftlich forschend die Gesetze der Natur zu ergründen suchen, zwingen unsere Beobachtungen uns zu unserem Urteil. Bei der Phantasie ist das nicht so. Gewisse Vorstellungen oder Gedanken müssen doch durch innere Notwendigkeit verbunden sein, wenn sie wahrheitsberechtigt sein sollen. Es muß etwas da sein, was sie von Gedanken zu Gedanken nach innen in einer bestimmten Richtung führt.
[ 6 ] Accordingly, Goethe’s words or Schiller’s position seem to make it necessary for us to observe in Goethe how he perceives in the imagination something that contains an element of truth, as opposed to an arbitrary, rule-less play that we might call a fantastical play of ideas. When we seek to fathom the laws of nature through scientific inquiry, our observations compel us to form our judgment. This is not the case with the imagination. Certain ideas or thoughts must nevertheless be linked by an inner necessity if they are to be considered true. There must be something that guides them inwardly from thought to thought in a specific direction.
[ 7 ] Wenn wir große denkende Geister von solchen Wahrheiten reden hören, ist es wohl gestattet, an ihre Erkenntnisse den Maßstab der Methoden zu legen, deren sich die spirituelle Forschung bedient und die zu den oft besprochenen Wahrheiten führen. Die Methoden sind die sogenannten hellsehenden, die Mitteilungen über die Tatsachen und Wesenheiten der geistigen Welt ermöglichen. Bei ihrer Darstellung werden wir auch die niederen Formen des Hellsehens berühren, aber höchstens streifen, denn sie können nie zu wirklichen Zielen führen. Dagegen werden wir die Methode und Tragweite des höheren, durch sachgemäße Schulung erzielten Hellsehens zum Gegenstand unserer Betrachtung machen.
[ 7 ] When we hear great thinkers speak of such truths, it is surely permissible to measure their insights against the methods employed by spiritual research, which lead to these often-discussed truths. These methods are the so-called clairvoyant ones, which enable communications regarding the facts and beings of the spiritual world. In describing them, we will also touch upon the lower forms of clairvoyance, but only briefly, for they can never lead to true goals. In contrast, we will make the method and scope of higher clairvoyance—achieved through proper training—the subject of our consideration.
[ 8 ] Manche, die nur das niedere Hellsehen kennen, das etwa als Somnambulismus auftritt, halten es für Krankheit. Da gibt es Zustände, in denen der Mensch sein Seelenleben von Bildern aus anderen Welten ausgefüllt hat. Es ist eine Art von Schlaf, vielleicht so geringen Grades, daß der Laie ihn für vollständiges Wachsein hält. Wenn ein solcher «Hellseher» in dem schlafähnlichen Zustand Bilder wahrnimmt, so bieten diese manchmal Absonderliches, Staunenerregendes. Sie können prophetischer Natur sein. Ein solcher Mensch kann Aussagen machen über Krankheitszustände, bevor sie eingetreten sind, oder, was dem Laien noch staunenswerter scheint, er weiß genau anzugeben, was dagegen hilft und so weiter. In derartigen Zuständen hat der betreffende Mensch eine andere Welt vor sich. Wer das leugnet, hat nicht geforscht. Was durch solches niederes Hellsehen gewonnen wird, ist aber nicht Gegenstand unserer heutigen Betrachtung, sondern das, was auf dem Weg geschulten Hellsehens erworben wird.
[ 8 ] Some people, who are familiar only with the lower forms of clairvoyance—such as somnambulism—consider it a disease. There are states in which a person’s inner life is filled with images from other worlds. It is a kind of sleep, perhaps so shallow that the layman mistakes it for complete wakefulness. When such a “clairvoyant” perceives images in this sleep-like state, they sometimes present something strange and astonishing. They can be of a prophetic nature. Such a person can make statements about medical conditions before they have occurred, or—what seems even more astonishing to the layman—he can specify exactly what will help, and so on. In such states, the person in question has another world before them. Anyone who denies this has not investigated the matter. However, what is gained through such lower clairvoyance is not the subject of our consideration today, but rather what is acquired on the path of trained clairvoyance.
[ 9 ] Jeden Schritt macht der angehende Hellseher bewußt, mit strenger Kontrolle seiner selbst. Die Frage ist nur diese: Wie haben wir uns den Werdegang eines solchen Hellsehers vorzustellen? Wollen wir das Wesentliche definieren, so können wir es durchaus vergleichen mit den Mitteln der äußeren Forschung. In der Wissenschaft sucht der Forscher die Geheimnisse der Natur mit Hilfe von Instrumenten zu ergründen. Auch der geschulte Hellseher arbeitet mit einem Instrument, sogar mit einem sehr komplizierten Instrument, ohne das er nichts erforschen kann. Sein Instrument ist eben er selbst — nicht im Alltagszustand, sondern erst, wenn er durch die geisteswissenschaftlichen Methoden sein Erkenntnisvermögen in eine andere Seelenkonstellation umgewandelt und sich neue geistige Organe geschaffen hat, wenn er also aus eigenen Erlebnissen aussagen kann. Es kann nicht sein, daß die äußeren Sinne die Erkenntnisse erschöpfen. Mit jedem neuen Organ bildet sich ein neuer Inhalt der Umwelt. Es können um uns verborgene Welten sein. Für den geschulten Hellseher wird die sonst verborgene Welt ebenso wirklich wie die äußere. Wie nach der Operation dem Blindgeborenen, so strömt dem Hellseher eine ganze Welt entgegen, die sein Erlebnis ist.
[ 9 ] The aspiring clairvoyant takes every step consciously, exercising strict self-control. The question is simply this: How are we to imagine the development of such a clairvoyant? If we wish to define the essential, we can certainly compare it to the methods of external research. In science, the researcher seeks to fathom the mysteries of nature with the aid of instruments. The trained clairvoyant, too, works with an instrument—indeed, with a very complex instrument—without which he can explore nothing. His instrument is none other than himself—not in his everyday state, but only once he has transformed his cognitive faculties into a different soul constellation through spiritual scientific methods and has created new spiritual organs for himself; that is, once he can speak from his own experiences. It cannot be that the external senses exhaust all knowledge. With every new organ, a new content of the environment takes shape. These may be worlds hidden from us. For the trained clairvoyant, the otherwise hidden world becomes just as real as the external one. Just as after an operation for someone born blind, a whole world flows toward the clairvoyant, which is his experience.
[ 10 ] Man darf nicht glauben, daß dies durch äußerliche Mittel erreicht werden kann. Ich kann natürlich nur andeuten, wie das geschieht. Später hoffe ich Ihnen noch mehr sagen zu können, auf welche Weise so geforscht wird. Der Mensch wird am treuesten beobachten, wenn er das, was die Sinneswelt ihm sagen wird, unbeeinflußt von subjektiver Wirkung aufnimmt. Es kommt darauf an, daß der Mensch nur der Natur Gelegenheit gibt, damit sie sich ausspricht. Je weniger subjektive Kombination dabei im Spiel ist, um so besser ist es. Der Mensch kann nicht umhin, über die Außenwelt nachzudenken, aus der er die Wahrnehmungen gewinnt, aber es ist durchaus nicht der Fall, daß alle seine Begriffe, Ideen, Vorstellungen aus der Außenwelt in ihn hineinströmen. Das Wesentliche schöpft er doch aus seinem eigenen Inneren heraus. Das zeigt sich zum Beispiel an der Art und Weise, wie neuzeitliches Denken auf den Bau des Sternensystems gekommen ist. Wohl haben Kopernikus und Galilei dasselbe gesehen, was sich dem äußeren Auge von jeher dargeboten hat. Die Gesetze aber sind erst von ihnen aufgestellt worden. Kopernikus hat zu dem alten Beobachtungsmaterial neue Kombinationen hinzugetragen und dadurch das Wesentliche getan. Das gilt auch für den orthodoxen Darwinismus. Vor Darwin und Haeckel wurde Ähnliches beobachtet, aber sie sind mit neuer Geistesverfassung an die Dinge herangetreten. Wir müssen uns klarmachen, daß Begriffe und Ideen nicht das sind, was von außen in uns einströmt, sondern etwas, was der Mensch selbst hervorbringen muß. Wenn Sie auf das Meer hinausfahren, wo Sie kein Land sehen, scheint das Himmelsgewölbe in Form eines Kreises auf der Oberfläche des Meeres zu ruhen. Warum sich dies so verhält, werden Sie erst verstehen, wenn Sie in Ihren Gedanken den Kreis um den Punkt in der Mitte herum zu konstruieren vermögen. So können Sie sich alle Gesetze klarmachen, und dann muß die Wirklichkeit damit übereinstimmen. Nie hätte Kepler den Lauf der Planeten finden können, wenn nicht vorher elliptische Bahnen in seinem Geist aufgetaucht wären.
[ 10 ] One must not believe that this can be achieved through external means. Of course, I can only hint at how this happens. Later, I hope to be able to tell you more about how such research is conducted. A person observes most faithfully when they take in what the sensory world tells them without being influenced by subjective factors. What matters is that a person simply gives nature the opportunity to express itself. The less subjective interpretation is involved, the better. A person cannot help but reflect on the external world from which they derive their perceptions, but it is by no means the case that all their concepts, ideas, and images flow into them from the external world. After all, he draws the essential from within himself. This is evident, for example, in the way modern thinking arrived at the structure of the solar system. Copernicus and Galileo certainly saw the same thing that has always presented itself to the external eye. But the laws were first formulated by them. Copernicus added new combinations to the old observational data and thereby accomplished the essential work. This also applies to orthodox Darwinism. Similar observations were made before Darwin and Haeckel, but they approached things with a new mindset. We must realize that concepts and ideas are not something that flows into us from the outside, but something that human beings themselves must bring forth. When you sail out to sea, where you see no land, the vault of heaven seems to rest in the form of a circle on the surface of the sea. You will only understand why this is so when you are able to construct the circle around the point in the center in your mind. In this way, you can grasp all laws, and then reality must correspond to them. Kepler could never have discovered the motion of the planets if elliptical orbits had not first appeared in his mind.
[ 11 ] So tragen wir unsere Ideen zu den äußeren Dingen, die uns sagen: Was du gedacht hast, vollbringen wir. - Und so kommen Sie dazu, einzusehen, daß dasselbe, was in Ihrer Seele lebt, dieser äußeren Sinneswelt als Gesetzmäßigkeit zugrunde liegt. Nun denken Sie sich einmal, daß der Mensch versucht, einen Gedanken festzuhalten, welcher in seiner eigenen Seele konstruiert ist. Wenn der Mensch es fertigbringt, abzusehen von aller äußeren Beobachtung und seine ganze innere Aufmerksamkeit auf den Gedanken zu richten, so vollzieht sich ein seelischer Vorgang, den man als Konzentration bezeichnet. Die Menschenseele muß sich zuerst an etwas halten, was nur in der Seele lebt und daran in aller inneren Strenge festhalten. Nun genügt das natürlich nicht einmal, sondern es muß oft und oft wiederholt werden. Wirksam ist Jedoch nicht, was der Mensch an Gedankenbildern festhält, die von außen kommen.
[ 11 ] Thus we bring our ideas to the external world, which tells us: “We will accomplish what you have thought.”—And so you come to realize that the very same thing that lives in your soul underlies this external sensory world as a law. Now imagine that a person tries to hold onto a thought that has been formed within their own soul. If the person manages to set aside all external observation and direct their entire inner attention to the thought, a psychological process takes place that is called concentration. The human soul must first hold onto something that lives only within the soul and cling to it with all inner rigor. Of course, this alone is not enough; it must be repeated over and over again. However, what a person holds onto in terms of mental images that come from the outside is not effective.
[ 12 ] Nun liegen Erfahrungen auf diesem Gebiete vor, es stehen Ratschläge zur Verfügung, durch welche Konzentration die Seelenkräfte am besten entwickelt werden. Es gibt gewisse Kernsätze. Man braucht nicht von vornherein von ihrer Realität überzeugt zu sein. Je größer die Vorurteilslosigkeit ist, desto besser ist es. Eine Anweisung sagt zum Beispiel: Erfülle deine Seele mit einem bestimmten Inhalt, gib dich einzig diesem Seeleninhalt hin. Du brauchst nicht daran zu glauben, mußt es aber in dir wirken lassen, dich darauf konzentrieren, und du wirst finden, daß du in deiner Seele durch den Inhalt eine Wirkung erzielst. Es mag sein, daß die äußere Wahrheit auf den Satz nicht anwendbar ist; das ist gleichgültig, es kommt auf die wirkende Kraft in der Seele an. Du wirst sehen, es stellen sich innere Erlebnisse bei steter Wiederholung ein.
[ 12 ] We now have experience in this area, and advice is available on how best to develop the soul’s powers through concentration. There are certain key principles. You do not need to be convinced of their reality from the outset. The more open-minded you are, the better. One instruction, for example, says: Fill your soul with a specific content; devote yourself solely to this soul content. You do not need to believe in it, but you must allow it to work within you, concentrate on it, and you will find that you achieve an effect in your soul through this content. It may be that the external truth does not apply to the statement; that is irrelevant; what matters is the active force within the soul. You will see that inner experiences arise through constant repetition.
[ 13 ] Von besonderer Wirksamkeit sind symbolische Bilder. Besonders möchte ich an eines erinnern: das tief bedeutsame Symbolum vom schwarzen Kreuz mit den Rosen. Wir wollen uns da den abstrakten Sinn des Rosenkreuzes vor die Seele führen, Goethes «Stirb und Werde», die Forderung nämlich, daß wir uns beim Entwickeln der Seele erheben müssen über die Dinge der sinnlichen Welt, so daß sie um uns verschwindet, abstirbt. Wessen Seele leer bleibt, ist nur ein «trüber Gast auf der dunklen Erde». Wenn es dir gelingt und du ganz sicher bist, daß aus den verborgenen Tiefen deiner Seele etwas Höheres erwächst, dann bist du in höheren Welten neu geworden. Absterben im Kreuz, auferstehen in den Rosen — das liegt in dem Symbol des Rosenkreuzes. In der mineralischen, in der pflanzlichen Welt lebt überall ein Geistiges, und die Ahnung läßt empfinden, daß das zugrunde liegende Geistige des Physischen Ursprung ist. Die äußere Welt ist letzten Endes nur die Physiognomie einer geistigen Welt. Die Menschenseele ist wie der Stahl oder Feuerstein; sie zaubert aus sich in dem Menschenseelenleben göttlich-geistigen Inhalt. Es handelt sich darum, das richtige Symbol zu finden. Es kann jemand sagen: Ihr mögt gut spintisieren, was das Rosenkreuz bedeuten soll. Dem Forscher ist das gleichgültig. Wenn wir in der Physik ein Naturgesetz konstatieren, so sagt uns das etwas, erklärt die Wissenschaft. Das Rosenkreuz sagt uns nichts. — Darauf kommt es aber nicht an. Am wirkungsvollsten ist es, wenn Symbole vieldeutig sind. Man versetzt sich in eine reine, innere Seelentätigkeit, und indem man sich an das Symbol anlehnt, um eben von etwas auszugehen, konzentriert man sich in der Seele auf dieses Symbol.
[ 13 ] Symbolic images are particularly powerful. I would especially like to recall one: the deeply meaningful symbol of the black cross with the roses. Let us bring to mind the abstract meaning of the Rose Cross, Goethe’s “Die and Become”—namely, the demand that in the development of the soul we must rise above the things of the sensory world, so that they disappear around us, die away. Whose soul remains empty is but a “gloomy guest on the dark earth.” If you succeed and are quite certain that something higher is emerging from the hidden depths of your soul, then you have been reborn in higher worlds. Dying in the cross, rising in the roses—this is the meaning of the symbol of the Rosicrucian Cross. In the mineral and plant worlds, a spiritual element lives everywhere, and intuition allows us to sense that the underlying spiritual is the origin of the physical. The outer world is, in the final analysis, merely the physiognomy of a spiritual world. The human soul is like steel or flint; it conjures up divine-spiritual content from within itself in the life of the human soul. The point is to find the right symbol. Someone might say: You may speculate at will about what the Rosicrucian symbol is supposed to mean. The researcher is indifferent to that. When we establish a law of nature in physics, it tells us something; science explains it. The Rosicrucian symbol tells us nothing. — But that is not the point. Symbols are most effective when they are open to multiple interpretations. One enters into a pure, inner activity of the soul, and by leaning on the symbol—simply to have a starting point—one concentrates the soul on this symbol.
[ 14 ] Betrachten wir, was da bewußt die Seele tut; darauf kommt es an. Was im Menschen wirkt, sind Kräfte, die geeignet sind, Schlummerndes wachzurufen, Erlebnisse, die erst die Gewährleistung geben, daß es sich um eine innere Wirklichkeit handelt, wenn der Mensch zu dem Gefühl kommt: Eigentlich ist das Kreuz nur eine Art Brücke gewesen. Jetzt habe ich in meinem Seelenleben etwas empfangen, etwas ganz anderes, was in meiner Seele aufsteigt, ein Erlebnis, wie ich es nicht durch Äußeres erhalten kann. - Zunächst weiß der Schüler nicht, ob er eine Fata Morgana oder Wirklichkeit vor sich hat. Es kommt darauf an, weitere Fähigkeiten zu entwickeln, denn auch das eben Beschriebene ist noch ein Umweg für den Hellseher, es sind Bilder. Auf dem weiteren Übungsweg stellt sich die Empfindung ein: Es kommt darauf an, was sich in den Bildern ausspricht. — Wenn Sie auf Ihr Auge drücken oder elektrischen Strom hineinleiten, kann ein Lichtschein aufglimmen, bedingt durch die innere Konstellation des Auges. So ungefähr ist es, wenn die Bilder auftreten; sie zucken durch die Seele wie geistige Blitze. Sie wissen, wenn Sie einem Gegenstand gegenübertreten, daß er nicht durch Ihr Auge hervorgebracht wird, aber sich Ihrem Auge mitteilt. Das tritt ebenso ein im Geistigen. Der Schauende weiß jetzt ebenso sicher, daß er den Gegenstand nicht gemacht hat, daß der Gegenstand sich ihm durch seine inneren Organe ausspricht. In der Tat — wie jetzt die Bilder erlebt werden, sprechen sich objektive Tatsachen aus. Wie man äußerlich Phantasie und Wahrnehmung unterscheidet, so ist es notwendig, daß der Schauende bei seinen gesunden Sinnen erhalten werde, denn auf kaum einem Gebiet sind Verwechslungen so leicht möglich wie auf dem des inneren Erlebens. Deswegen muß anderes parallel damit gehen.
[ 14 ] Let us consider what the soul is consciously doing here; that is what matters. What is at work within a person are forces capable of awakening what lies dormant, experiences that only provide the assurance that this is an inner reality when the person comes to feel: Actually, the cross was only a kind of bridge. Now I have received something in my inner life, something quite different that rises within my soul—an experience I cannot obtain through external means. —At first, the student does not know whether they are facing a mirage or reality. It is a matter of developing further abilities, for even what has just been described is still a detour for the clairvoyant; they are images. As the path of practice continues, the sensation arises: What matters is what is expressed in the images. — If you press on your eye or conduct an electric current into it, a glimmer of light may appear, caused by the inner constellation of the eye. It is much the same when the images appear; they flicker through the soul like spiritual flashes of lightning. You know, when you encounter an object, that it is not produced by your eye, but communicates itself to your eye. The same occurs in the spiritual realm. The seer now knows just as surely that he has not created the object, that the object reveals itself to him through his inner organs. In fact—as the images are now experienced—objective facts reveal themselves. Just as one distinguishes externally between imagination and perception, so it is necessary that the beholder remain in possession of his sound senses, for in hardly any other realm are confusions so easily possible as in that of inner experience. That is why something else must proceed in parallel with it.
[ 15 ] Würde der Schauende nur das eben Geschilderte üben, so könnte er ein Wahnsinniger werden, der glaubt, durch seine Persönlichkeit den Schein für Wirklichkeit vorzaubern zu können. Es ist notwendig, daß der Mensch lernt, im Erleben der höheren Geisteswelt auf alles zu verzichten, was mit seinen Wünschen und Neigungen zusammenhängt. Psychologisch verhält sich der gegenwärtige Mensch anders. Wohl korrigiert er die äußeren Sinneseindrücke, aber dabei spricht allzu leicht Gefühl und subjektive Neigung mit. Einem Erleben der geistigen Wirklichkeit muß der Verzicht auf jeden Wunsch vorangehen, daß etwas so oder so sein könne. Erst wenn jede Sympathie ausgeschaltet ist, kann man objektives Geistiges erleben.
[ 15 ] If the observer were to practice only what has just been described, he could become a madman who believes he can conjure up the illusion of reality through his own personality. It is necessary for a person to learn, in experiencing the higher spiritual world, to renounce everything connected with their desires and inclinations. Psychologically, modern people behave differently. They may correct external sensory impressions, but in doing so, emotion and subjective inclination all too easily come into play. The experience of spiritual reality must be preceded by the renunciation of any desire that something might be one way or another. Only when all sympathy is set aside can one experience the objective spiritual realm.
[ 16 ] Wesentlich ist noch etwas. Für diejenigen, die auf den Weg zum Hellsehen fachmännisch, nicht dilettantisch geführt werden, die so schauen lernen, daß es der Wahrheit entspricht, ist es von großem Wert, daß sie nicht ohne bestimmte Vorbedingungen den Weg antreten. Es ist ein schwieriger Weg. Man muß deshalb vorher Wahrheiten aufgenommen haben, Mitteilungen von solchen, die schon geforscht haben. Man kann auch mit geringerer Kenntnis den Weg beschreiten, aber dann bleibt die Seelenwelt arm, ihr Inhalt drängt sich wie fixe Vorstellungen zusammen. So kommen jene Hellseher zustande, die dann zum Beispiel glauben, sich mit Gott vereinigt zu haben, ihn beschreiben und so weiter. Wenn derartige Hellseher die höheren Welten beschreiben, nehmen sich ihre Schilderungen trivial aus. Wer aber mit den erprobten Erfahrungen des Geistesforschers an die höheren Welten herantritt, dem erscheint ein mannigfaltiger Welteninhalt, und alles Außere erweist sich dagegen nur als ein kleiner Ausschnitt der großen Welt. Der Mensch, der sich diese Erfahrung zu eigen macht, weiß, daß ihn nicht betrügt, was er da erlebt. Er kann mit der gleichen Sicherheit wie in der äußeren Sinneswelt geistig wahrnehmen. Das ist geschultes Hellsehen.
[ 16 ] There is one more essential point. For those who are guided along the path to clairvoyance by experts rather than amateurs—those who learn to see in a way that corresponds to the truth—it is of great value that they do not embark on this path without certain prerequisites. It is a difficult path. One must therefore have previously absorbed truths, messages from those who have already explored these realms. One can also embark on the path with less knowledge, but then the soul’s world remains impoverished, its contents crammed together like fixed ideas. This is how those clairvoyants come into being who, for example, believe they have united with God, describe Him, and so on. When such clairvoyants describe the higher worlds, their accounts seem trivial. But to those who approach the higher worlds with the proven experience of the spiritual researcher, a manifold world-content appears, and everything external proves to be, by contrast, only a small fragment of the great world. The person who makes this experience their own knows that what they are experiencing there is not deceiving them. They can perceive spiritually with the same certainty as in the external sensory world. This is trained clairvoyance.
[ 17 ] Was hat nun zu geschehen, damit diese höheren Sinne entwickelt werden? Der Mensch ist für die Geisteswissenschaft nicht nur äußerer physischer Leib, sondern er hat für das höhere Schauen auch noch den sonst unsichtbaren Ätherleib und den Astralleib, den Träger von Lust und Leid. Sie wissen, was der Schlaf für die Geistesforschung darstellt. Da sind der physische und der Ätherleib im Bett liegen geblieben, während der astralische Leib und das Ich von außen auf den physischen Leib wirken. Beim Erwachen kehrt der astralische Leib in den physischen und ätherischen Leib zurück, und die Sinneswelt taucht von neuem auf. So ist der Schlaf ein Heraustreten von Astralleib und Ich aus dem physischen Leib. Wodurch kann nun der Mensch die Sinneswelt hören und sehen? Mit Augen und Ohren, sonst wäre die Welt farblos, lichtlos, tonlos. Tritt der astralische Leib aus dem physischen Leib heraus, so ist er wohl in der geistigen Welt, besitzt aber keine Organe. Hätte er solche Organe, so könnte er die geistige Umwelt wahrnehmen, wie er im Physischen seine Umgebung wahrnimmt. Soll der Mensch also die geistige Welt wahrnehmen, so müssen ihm geistige Sinne erwachsen. Das geschieht durch jene methodische Schulung des Seelenlebens. Wenn bei einem solchen, nach geistigen Methoden geschulten Menschen der Astralleib herausgeht, so ist dieser in einer ganz anderen Lage als unter gewöhnlichen Umständen. Es ist so, als ob das, was vorher eine chaotische Masse im Astralleib war, sich gliedert und Organe bildet. Was früher nebelhafte, rauchige Masse war, wird schön geformt. Das dauert lange. Seit alten Zeiten nennt man diesen Vorgang Katharsis, die Reinigung oder Läuterung. Das Innere des Menschen ist dann gereinigt von Trieben, Begierden und Leidenschaften. Das ist die erste Stufe.
[ 17 ] What, then, must happen for these higher senses to be developed? For spiritual science, the human being is not merely an outer physical body; for higher perception, he also possesses the otherwise invisible etheric body and the astral body, the bearer of pleasure and pain. You know what sleep represents for spiritual research. There, the physical and etheric bodies remain in bed, while the astral body and the ego act upon the physical body from the outside. Upon awakening, the astral body returns to the physical and etheric bodies, and the sensory world reappears. Thus, sleep is a stepping out of the physical body by the astral body and the ego. By what means, then, can a human being hear and see the sensory world? Through eyes and ears; otherwise, the world would be colorless, lightless, and soundless. When the astral body steps out of the physical body, it is indeed in the spiritual world, but it possesses no organs. If it had such organs, it could perceive the spiritual environment just as it perceives its surroundings in the physical world. If a person is to perceive the spiritual world, therefore, spiritual senses must develop within them. This occurs through that methodical training of the soul life. When the astral body emerges from a person trained in this way using spiritual methods, it is in a completely different state than under ordinary circumstances. It is as if what was previously a chaotic mass within the astral body becomes structured and forms organs. What was once a misty, smoky mass takes on a beautiful form. This takes a long time. Since ancient times, this process has been called catharsis, purification, or refinement. The inner being of the person is then purified of instincts, desires, and passions. This is the first stage.
[ 18 ] An diese erste schließt sich eine zweite Stufe an. Kehrt der Mensch am Morgen in seine physisch-ätherische Hülle zurück, so haben die äußeren Organe die stärkeren Kräfte, sie übertönen die feinen neuen Töne in den inneren Organen. Diese sind zwar immer vorhanden, aber so lange schwach, als sie von den Kräften des Ätherleibes in den Sinnesorganen übertönt werden. Später lernt der Mensch die inneren Organe handhaben, so daß er neben den Sinneswahrnehmungen auch die Geisteswahrnehmungen erblickt. Diesen Vorgang nennt man die Erleuchtung, Photismos. Das sind durchaus reale Vorgänge, die erlebt worden sind.
[ 18 ] This first stage is followed by a second. When a person returns to their physical-etheric body in the morning, the outer organs possess the stronger forces; they drown out the subtle new tones in the inner organs. These are always present, but remain weak as long as they are drowned out by the forces of the etheric body in the sense organs. Later, the human being learns to use the inner organs so that, alongside sensory perceptions, they also perceive spiritual perceptions. This process is called enlightenment, Photismos. These are entirely real processes that have been experienced.
[ 19 ] Schritt für Schritt, in jeder Einzelheit wendet der Mensch die angegebene Methode an, um sich zu einem Wahrnehmungsinstrument auszubilden. Daß er seinen inneren Menschen mit Organen versieht, soll also durch die Schulung bewirkt werden. Wie die Natur den äußeren Menschen vollkommen gemacht hat, so wird der Entwickelungsweg fortgesetzt, und vom Menschen selbst wird weitergeführt, was die Natur angefangen hat. Wenn der Mensch auf solche Weise Einblick ins Geistige gewinnt, verdankt er dies dem Umstand, daß sein innerer Mensch Herrscher über physischen und Ätherleib geworden ist. Der Mensch ist sein eigener Herr geworden. Zunächst erlangt er die Herrschaft über seinen Ätherleib. Beim geschulten Hellseher geht dies so vor sich, daß der Ätherleib dem Astralleib seine Kräfte anpaßt, er wird elastisch. Stellt sich das Hellsehen in krankhaften Zuständen einmal von selbst ein, rührt das von anderem her. Es fällt zwar unter die gleichen Gesetze, ist aber unkontrollierbar. Wenn in gewisser Weise auf den Menschen gewirkt wird, oder wenn er krank ist, kann der Ätherleib teilweise oder ganz frei werden vom physischen Leib; er kann gelockert werden. Das ist nicht normal. Dann hat der Mensch einen Ätherleib, der nicht so angefesselt ist an seinen physischen Leib, wie dies beim normalen Verbundensein der Fall ist, und der deshalb leicht zu handhaben ist. Dagegen stärkt der Geistesschüler den Astralleib und verhilft ihm dadurch zur Herrschaft über den Ätherleib. Im Krankheitsfall kann ein Teil des Ätherleibes frei werden, der dann vom astralischen Leib gehandhabt wird. Solche Menschen können dadurch, daß der Zustand auf denselben Prinzipien beruht, mitunter richtige Einblicke in die geistige Welt bekommen, aber sie sind nicht zuverlässig. Nicht auf diesem Wege werden die strengen Resultate der Geistesforschung erreicht.
[ 19 ] Step by step, in every detail, the individual applies the prescribed method to train themselves to become an instrument of perception. The training is thus intended to endow the inner self with spiritual organs. Just as nature has perfected the outer human being, so the path of development continues, and what nature has begun is carried forward by the human being himself. When the human being gains insight into the spiritual in this way, he owes it to the fact that his inner being has become the ruler of the physical and etheric bodies. Man has become his own master. First, he gains mastery over his etheric body. In the trained clairvoyant, this occurs in such a way that the etheric body adapts its powers to the astral body; it becomes elastic. If clairvoyance arises spontaneously in pathological states, this stems from other causes. Although it falls under the same laws, it is uncontrollable. If a certain influence is exerted on the person, or if they are ill, the etheric body can become partially or completely detached from the physical body; it can be loosened. This is not normal. Then the person has an etheric body that is not as firmly bound to their physical body as is the case in normal connection, and which is therefore easy to handle. In contrast, the spiritual student strengthens the astral body and thereby helps it to gain control over the etheric body. In the event of illness, a part of the etheric body may become free, which is then controlled by the astral body. Because this state is based on the same principles, such people can sometimes gain genuine insights into the spiritual world, but they are not reliable. The rigorous results of spiritual research are not achieved in this way.
[ 20 ] Man hört manchmal die Frage: Wie kann ein Krankheitsprozeß außersinnliche Wahrnehmungen hervorbringen? — Gesundheit und Erkenntnis brauchen nicht gleiche Wege zu gehen, darin liegt kein Widerspruch, aber auch keine Empfehlung. Jedenfalls sehen wir, worauf das beruht, was dem Menschen Tatsachen der höheren Welt ins Blickfeld führt. Wie wir uns an der umliegenden Welt erfreuen, so finden wir in der geistigen Welt das, was uns erst die sinnliche Welt erklärlich macht. Die Mitteilungen des Geistesforschers beruhen auf Vorgängen, die er erlebt hat. Indem er das erzählt, vermittelt er Tatsachen einer Welt, die auch vom gewöhnlichen Verstand verstanden werden können, während unsere Seelenwelt sonst von dem bestimmt wird, was im Physischen vorgeht. Daß zum Beispiel das Bild der Rose auf mich wirken kann, ist dadurch möglich, daß die Rose ihre Kräfte auf mich einströmt. So ist es auch auf geistigem Gebiet. Es erlebt der geschulte Hellseher in seinem Seelenleben die geistige Außenwelt. Er sagt sich: Die Sinneswelt ist gesetzmäßig bestimmt durch Wesenheiten, deren Wirken und Walten sich mir eröffnet. Daß eine Blüte mir in dieser Weise entgegentritt, aus dem Geistigen heraus gearbeitet, aus geistigen Untergründen, sehe ich. Ich muß im Seelenleben Opfer bringen, um die Welt der höheren geistigen Wesenheiten auf mich einströmen lassen zu können. — Denken Sie sich, daß diese Welt da ist und wirkt, daß der Mensch in sie eintreten könnte. Um ihn herum ist diese Welt, die der Hellseher sieht. Sie wirkt auf den Menschen als bestimmende Kraft, die er zwar nicht sieht, die aber auf eine ihm unterbewußte Weise auf ihn einströmt. Der Hellseher ist nicht damit zufrieden, den Menschen nur zu sehen, wie er im Äußeren gestaltet ist.
[ 20 ] One sometimes hears the question: How can a disease process give rise to extrasensory perceptions? — Health and insight need not follow the same path; there is no contradiction in this, but neither is there any recommendation. In any case, we see what underlies the process that brings facts of the higher world into a person’s field of vision. Just as we take delight in the surrounding world, so do we find in the spiritual world that which first makes the sensory world comprehensible to us. The communications of the spiritual researcher are based on experiences he has had. By recounting these, he conveys facts about a world that can also be understood by the ordinary mind, whereas our inner world is otherwise determined by what takes place in the physical realm. That, for example, the image of the rose can have an effect on me is made possible by the rose’s forces flowing into me. So it is in the spiritual realm as well. The trained clairvoyant experiences the spiritual outer world in his soul life. He says to himself: The sensory world is governed by laws set forth by beings whose workings and activities are revealed to me. I see that a flower appears to me in this way, shaped from the spiritual, from spiritual depths. I must make sacrifices in my inner life in order to allow the world of higher spiritual beings to flow into me. — Imagine that this world exists and is active, that a human being could enter it. This world, which the clairvoyant sees, surrounds him. It acts upon the human being as a determining force, which he does not see, but which flows into him in a way that is subconscious to him. The clairvoyant is not content merely to see the human being as he is shaped on the outside.
[ 21 ] Auch die Phantasie kann als Seelenkraft wirken, die von den geistigen Welten befruchtet wird. Da haben wir den realen Grund der Phantasie und begreifen Schillers Ausspruch, der das, was auf diese Weise geschaffen wird, charakterisiert. So können wir es begreifen, daß Goethe sagt: Es gibt eine Phantasie, die eine innere Bestimmtheit hat. - Es gibt eine Phantastik, die kombiniert, und es gibt die Phantasie, die befruchtet ist von den Kräften, die der Hellseher schaut. Schiller konnte damals nach seiner ganzen Lebenslage nichts von der Geisteswissenschaft ahnen, aber er ahnte und fühlte, daß es berechtigt ist, wenn Goethe der Phantasie die Fähigkeit zuschrieb, gewisse Geheimnisse zu ergründen. |
[ 21 ] Imagination, too, can function as a power of the soul that is inspired by the spiritual worlds. Therein lies the true basis of imagination, and we come to understand Schiller’s statement, which characterizes what is created in this way. Thus we can understand why Goethe says: There is an imagination that possesses an inner certainty. - There is a kind of fantasy that combines, and there is the imagination that is inspired by the forces perceived by the clairvoyant. Given his life circumstances at the time, Schiller could not have foreseen spiritual science, but he sensed and felt that Goethe was justified in attributing to the imagination the ability to fathom certain mysteries. |
[ 22 ] Mag uns der Verstand noch so viele äußere Tatsachen liefern, die echte Phantasie kann viel wahrer sein. Der Mensch ist veranlagt, hinaufzusteigen in die Welten des Geistigen, denn in jedem Menschen schlummern die entsprechenden Fähigkeiten. Jeder Mensch, wenn auch durch viele Leben hindurch, wird es erreichen. Bis dahin kann er sich durch die Kunst befruchten lassen, in der nicht bloß die Sinneswelt zum Ausdruck kommt, sondern der schaffende Geist selbst, der durch das Medium der Phantasie gegangen ist. Sie ist das äußere Abbild desselben. So dürfen wir sagen, daß dem Menschen Phantasie und Hellsehen als Anteil am geistigen Leben, als großes Ziel gesetzt sind, als etwas, was manche schon erreicht haben, und was allem anderen Dasein übergeordnet ist. Das geschulte Hellsehen führt den Menschen in die höheren Welten. Seine Stellvertreterin in der sinnlichen Welt ist die Phantasie. Deshalb kommt ihr unter den menschlichen Seelenkräften eine hervorragende Bedeutung zu. Die Phantasie ist der Statthalter des Hellsehens in der sinnlichen Welt.
[ 22 ] No matter how many external facts our intellect may provide, true imagination can be far more real. Human beings are predisposed to ascend into the spiritual realms, for the necessary abilities lie dormant within each of us. Every human being, even if it takes many lifetimes, will attain this. Until then, they can be inspired by art, in which not merely the sensory world is expressed, but the creative spirit itself, which has passed through the medium of imagination. It is the outward reflection of that spirit. Thus we may say that imagination and clairvoyance are set before humanity as a share in spiritual life, as a great goal, as something that some have already attained, and which stands above all other forms of existence. Trained clairvoyance leads humanity into the higher worlds. Its representative in the sensory world is imagination. That is why it holds a preeminent significance among the powers of the human soul. Imagination is the representative of clairvoyance in the sensory world.
