Paths and Goals of Spiritual Man
GA 125
26 November 1910, Bremen
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Paths and Goals of Spiritual Man, tr. SOL
11. Lebensfragen im Lichte von Reinkarnation und Karma
11. Life Questions in the Light of Reincarnation and Karma
[ 1 ] Wir wollen heute einmal in dieser Zweigversammlung den Ausgangspunkt von einigen Lebensfragen nehmen, die das unmittelbare Menschenleben berühren. Dann wollen wir ein wenig zu höheren spirituellen Gesichtspunkten aufsteigen. Ich möchte von zwei menschlichen Eigenschaften ausgehen, zwei menschlichen Fehlern oder Untugenden, die als etwas Unsympathisches empfunden werden, als etwas, was des Menschen Wert herabmindert. Wir wollen über das sprechen, was man den Neid und die Lügenhaftigkeit nennt.
[ 1 ] Today, in this branch meeting, let us begin by examining some questions of life that directly affect human existence. Then let us rise to higher spiritual perspectives. I would like to begin with two human traits, two human faults or vices that are perceived as unpleasant, as something that diminishes a person’s worth. Let us speak about what are called envy and deceitfulness.
[ 2 ] Wenn Sie im Leben Umschau halten, werden Sie leicht finden, daß gegen diese beiden menschlichen Eigenschaften eine ganz natürliche Antipathie herrscht. Und auch wenn wir zu Menschen hinaufsehen, die führend für andere Menschen im Leben stehen, sehen wir, daß von ihnen Wert darauf gelegt wird, gerade diese beiden Untugenden nicht zu haben. Zum Beispiel Goethe, der sich viel damit beschäftigt hat, Seelenerkenntnis zu üben, über seine Fehler nachzudenken, erwähnt: Ich habe diesen oder jenen Fehler, diese oder jene Vorzüge, aber was mir das Wichtigste scheint, ist, daß ich den eigentlichen Neid nicht unter meine Untugenden rechnen kann. — Und der große Benvenuto Cellini sagt, er sei froh, daß er sich keiner Lüge zu zeihen brauche. — So sehen wir, daß diese großen Persönlichkeiten die Wichtigkeit, diese beiden menschlichen Eigenschaften zu bekämpfen, empfanden. Und der einfachste, naivste Mensch stimmt in der Wertung beziehungsweise in der Antipathie diesen Untugenden gegenüber mit den Führern der Menschheit überein.
[ 2 ] If you look around in life, you will easily find that there is a very natural aversion to these two human traits. And even when we look up to people who serve as leaders for others in life, we see that they place great importance on not having precisely these two vices. For example, Goethe, who devoted much time to cultivating self-knowledge and reflecting on his faults, remarks: “I have this or that fault, this or that virtue, but what seems most important to me is that I cannot count actual envy among my vices.” — And the great Benvenuto Cellini says he is glad that he need not accuse himself of lying. — Thus we see that these great personalities recognized the importance of combating these two human traits. And even the simplest, most naive person agrees with the leaders of humanity in their assessment—or rather, in their aversion—to these vices.
[ 3 ] Wenn wir uns fragen, warum diese beiden Eigenschaften ganz instinktiv verurteilt werden, so werden wir gewahr werden, daß kaum etwas so wenig einer der wichtigsten irdischen Eigenschaften entspricht wie Neid und Lüge. Wenig entsprechen sie dem, was wir das Mitfühlen mit anderen Menschen nennen. Denn wenn wir irgend jemanden beneiden, so sind wir nicht geneigt, uns jener Tugend hinzugeben, die auf den tiefsten, innersten Wesenskern, auf das Göttliche des anderen Menschen eingeht. Denn Mitfühlen hat erst dann Wert, wenn wir nicht nur Mitgefühl haben, sondern wenn wir den Kern, die geistige Wesenheit des anderen Menschen schätzen können. Menschenschätzung aber, als Grundlage des Mitgefühls, schließt in sich, daß wir die Vorzüge des anderen Menschen gelten lassen und uns über die Erfolge, die Entwickelungsstufen anderer Menschen freuen können. Und das alles schließt den Neid aus. Neid zeigt sich als Eigenschaft, die mit dem allerstärksten Egoismus des Menschen nahe zusammenhängt.
[ 3 ] If we ask ourselves why these two traits are instinctively condemned, we will realize that hardly anything is as far removed from one of the most important earthly virtues as envy and lying. Nor do they correspond to what we call compassion for other people. For when we envy someone, we are not inclined to devote ourselves to that virtue which responds to the deepest, innermost core of being, to the divine in the other person. For compassion only has value when we not only feel compassion, but when we can appreciate the core, the spiritual essence of the other person. But appreciation of others, as the foundation of compassion, implies that we acknowledge the merits of another person and can rejoice in the successes and stages of development of others. And all of this excludes envy. Envy manifests as a trait closely linked to the strongest form of human selfishness.
[ 4 ] Ein Gleiches können wir von der Lüge sagen. Wenn wir eine Unwahrheit sagen, so übertreten wir das Gesetz, hinsichtlich der Wahrheit, ein alle Menschen umfassendes Band zu begründen. Was Wahrheit ist, ist für alle Menschen Wahrheit, und in nichts können wir so üben, ein Bewußtsein zu entwickeln, das alle Menschen umfaßt, als in der Wahrheit. Sagen wir eine Unwahrheit, so begehen wir einen Frevel gegen das Band, das sich von Menschenbrust zu Menschenbrust schlingen sollte. So stellen sich die Dinge dar, wenn wir sie als Menschen betrachten. Und wenn wir sie geisteswissenschaftlich betrachten, so wissen wir, daß sich in diesem Leben unsere früheren Verkörperungen auswirken und daß wir mancherlei Einflüssen ausgesetzt sind. Zwei große Einflüsse müssen immer wieder durchgemacht werden: die beiden Einflüsse, die wir den luziferischen und den ahrimanischen Einfluß nennen. Wir wollen uns über diese heute nicht kosmologisch verbreiten, wir wollen beim Menschenleben bleiben und uns vorstellen, daß wir durch viele Inkarnationen durchgeschritten sind, und daß, als wir die erste Inkarnation durchmachten, die luziferische Macht auf unseren astralischen Leib gewirkt hat. Seit jener Zeit war diese luziferische Macht die versuchende Macht auf unseren astralischen Leib. Es gibt Kräfte, die von Luzifer auf unseren astralischen Leib ausgeübt werden. Es ist im Grunde genommen das Bestreben Luzifers, auf unserer Erde Einfluß auf den Astralleib des Menschen zu gewinnen. Wir haben ihn in alledem zu suchen, was diesen herabzieht. Wir müssen ihn in all den Eigenschaften suchen, die als egoistische Leidenschaften, Begierden, Triebe und Wünsche im Astralleib leben, und so uns darüber klar sein, daß Neid einer der schlimmsten Einflüsse Luzifers ist. Alles was in unserer Seele leben kann und unter Neid zu registrieren ist, gehört in sein Gebiet, und jedesmal, wenn wir eine Anwandlung von Neid haben, packt uns Luzifer an unseren 'Trieben in unserem Astralleib.
[ 4 ] The same can be said of a lie. When we tell a falsehood, we violate the law that establishes a bond encompassing all people through truth. What is true is true for all people, and there is no better way to cultivate a consciousness that encompasses all people than through truth. If we tell a lie, we commit a sacrilege against the bond that should entwine from human breast to human breast. This is how things appear when we view them as human beings. And when we view them from a spiritual-scientific perspective, we know that our past incarnations have an effect in this life and that we are exposed to various influences. Two major influences must be endured time and again: the two influences we call the Luciferic and the Ahrimanic influences. We do not wish to expand on these cosmologically today; we wish to remain with human life and imagine that we have passed through many incarnations, and that, as we underwent our first incarnation, the Luciferic power acted upon our astral body. Since that time, this Luciferic power has been the tempting power acting upon our astral body. There are forces exerted by Lucifer upon our astral body. It is, in essence, Lucifer’s endeavor to gain influence over the human astral body on our Earth. We must seek him in everything that draws us down. We must seek him in all the qualities that live in the astral body as selfish passions, desires, instincts, and cravings, and thus be clear that envy is one of Lucifer’s worst influences. Everything that can live in our soul and be classified as envy belongs to his realm, and every time we have a pang of envy, Lucifer seizes us by our ‘instincts’ in our astral body.
[ 5 ] Ahriman dagegen hat Einfluß auf unseren Ätherleib, und alles, was mit Störungen des Urteils zusammenhängt, ist auf ihn zurückzuführen, sowohl das Unwillkürliche, wenn wir ein falsches Urteil fällen, als auch das Willkürliche, wenn wir eine Lüge sagen. Verfallen wir der Lügenhaftigkeit, so wirkt in unserem Ätherleib Ahriman.
[ 5 ] Ahriman, on the other hand, exerts an influence on our etheric body, and everything connected with disturbances of judgment can be attributed to him—both the involuntary, when we make a wrong judgment, and the voluntary, when we tell a lie. If we succumb to a tendency to lie, Ahriman is at work in our etheric body.
[ 6 ] Interessant ist es, daß wir Menschen diese Einwirkungen so stark fühlen, daß wir eine derart starke Antipathie haben, wenn sie auftreten, und daß die Menschen alles tun, um diese beiden Eigenschaften, Lüge und Neid, zu bekämpfen. Es wird nicht leicht Menschen geben, die bewußt gestehen: Ich will neidisch sein. — Zwar hat sich in der deutschen Sprache ein Sprachgebrauch eingeschlichen: Ich beneide dich. — Aber das ist nicht so schlimm gemeint. Der Mensch meint damit nicht den eigentlichen Neid. Sobald wir merken, daß wir neidisch sind, daß wir lügen, tun wir jedenfalls alles, es zu bekämpfen. Damit nehmen wir also auf diesem Gebiete den Kampf gegen Luzifer und Ahriman auf.
[ 6 ] It is interesting that we humans feel these influences so strongly that we develop such intense aversion when they arise, and that people do everything they can to combat these two traits, lying and envy. It would be rare to find people who would consciously admit: “I want to be envious.” — Admittedly, a certain turn of phrase has crept into the German language: “I envy you.” — But that is not meant in a negative sense. The speaker does not mean actual envy. As soon as we realize that we are envious, that we are lying, we do everything we can to combat it. In this way, we take up the fight against Lucifer and Ahriman in this realm.
[ 7 ] Nun tritt aber häufig etwas auf, was wir beachten sollen, wenn wir uns der Geisteswissenschaft widmen. Wir können die einzelnen Anwandlungen von Neid und Lüge bekämpfen, aber wenn diese Eigenschaften in unserer Seele sitzen, wenn wir sie in früheren Inkarnationen erworben haben und sie nun bekämpfen, dann treten sie als andere Eigenschaften auf. Wenn wir versuchen, eine aus früheren Inkarnationen herrührende Neigung zum Neid zu bekämpfen, so nimmt der Neid eine Maske an. Luzifer sagt: Der Mensch kämpft gegen mich, er ist auf sein Neidgefühl aufmerksam geworden. Ich übergebe diesen Menschen meinem Bruder Ahriman. — Und es tritt eine andere Wirkung ein, die eine Folge der Bekämpfung des Neides ist. Bekämpfte Eigenschaften treten in Masken auf. Und der Neid, den wir bekämpfen, tritt dann häufig im Leben so auf, daß wir die Begierde bekommen, die Fehler anderer Menschen aufzusuchen und recht viel zu tadeln. Wir begegnen im Leben manchem Menschen, der wie mit einer gewissen hellsichtigen Kraft immer die Fehler und Schattenseiten anderer Menschen herausfindet, und wenn wir dieser Erscheinung auf den Grund gehen, so liegt er darin, daß der Neid sich in Tadelsucht umgewandelt hat, und diese scheint dem betreffenden Menschen eine recht gute Eigenschaft zu sein. Es ist gut, so sagen sie, daß man auf das Vorhandensein dieser schlechten Eigenschaften aufmerksam macht. Hinter solcher Tadelsucht steckt aber nichts anderes als umgewandelter, maskierter Neid. Und wir sollten lernen zu erkennen, ob solche Eigenschaften ursprünglich sind, oder ob sie aus anderen umgewandelt sind. Da müssen wir überlegen, ob jemand in der Jugend neidisch war. Vielleicht haben wir ihm diesen Neid ausgetrieben, er ist jetzt ein tadelsüchtiger Mensch geworden.
[ 7 ] However, there is something that frequently occurs which we should take note of when we devote ourselves to spiritual science. We can combat individual bouts of envy and lying, but if these traits are rooted in our soul—if we have acquired them in past incarnations and are now fighting against them—then they manifest as different traits. When we try to combat a tendency toward envy stemming from past incarnations, the envy takes on a mask. Lucifer says: “The human being is fighting against me; he has become aware of his feeling of envy.” I hand this person over to my brother Ahriman.” — And another effect sets in, which is a consequence of fighting envy. Traits that are fought against appear in masks. And the envy we fight against then often manifests in life in such a way that we develop a desire to seek out other people’s faults and to criticize them quite a lot. We encounter many people in life who, as if with a certain clairvoyant power, always uncover the faults and dark sides of others, and when we get to the bottom of this phenomenon, it lies in the fact that envy has transformed into a habit of fault-finding, and this seems to the person in question to be quite a good quality. It is good, they say, to draw attention to the existence of these bad qualities. But behind such a habit of finding fault lies nothing other than transformed, masked envy. And we should learn to recognize whether such traits are innate or whether they have been transformed from others. We must consider whether someone was envious in their youth. Perhaps we drove that envy out of them, and now they have become a person with a habit of finding fault.
[ 8 ] Auch die Lüge wandelt sich im Leben sehr häufig und zeigt sich in anderer Maske. Lügenhaftigkeit kann dazu führen, daß wir uns ihrer schämen. Aber wir rotten sie nicht leicht mit der Wurzel aus, sie wandelt sich sehr häufig in eine gewisse Oberflächlichkeit gegenüber der Wahrheit. Es ist wichtig, daß wir so etwas wissen, dann beachten wir, was uns an einem anderen Menschen im Leben gegenübertritt. Solche Menschen sind mit einer Antwort befriedigt, von der wir uns fragen: Wie kann er von einer solchen Antwort befriedigt sein? — Sie sagen leicht: Ja, ja, so ist es, so ist es! — Das ist sehr häufig das Umwandlungsprodukt der eigentlichen Lügenhaftigkeit. Wir müssen das Karmagesetz insbesondere auf solche Eigenschaften hin prüfen. Die Menschen achten nicht darauf, denn sie sind die vergeßlichste Rasse gegenüber allen anderen, die sich auf den verschiedenen Planen geltend machen.
[ 8 ] Lies, too, change frequently in life and appear in different guises. A tendency to lie can lead us to feel ashamed of it. But we do not easily root it out; it very often transforms into a certain superficiality toward the truth. It is important that we know this, so that we may take note of what we encounter in another person in life. Such people are satisfied with an answer that makes us wonder: How can he be satisfied with such an answer? — They readily say: Yes, yes, that’s how it is, that’s how it is! — This is very often the transformed product of actual deceitfulness. We must examine the law of karma particularly in relation to such qualities. People do not pay attention to this, for they are the most forgetful race compared to all others that assert themselves on the various planes.
[ 9 ] Es zeigt sich zum Beispiel, daß jemand mit uns bekannt war. Wir bleiben ihm im Leben nahestehend und beobachten: mancherlei wandelt sich an ihm. Wir stehen ihm nach dreißig Jahren noch nahe, und wenn wir im Leben zurückschauen, würden wir in seinem Leben merkwürdige Zusammenhänge finden. Aber der Mensch selber weiß nichts davon, er hat alles vergessen. Aber man sollte im Leben wirklich so etwas beobachten. Es zeigen sich dann wesentliche Zusammenhänge. Ein Mensch ist zum Beispiel in seiner Jugend neidisch. Der Neid tritt nachher nicht mehr hervor, und es zeigt sich die Umwandlung desselben im Alter wieder dadurch, daß der Betreffende sich mit der Eigenschaft der Unselbständigkeit zeigt, des Abhängig-sein-Wollens von anderen Menschen oder von Vorstellungen des Nicht-vertragen-Könnens, auf eigenen Füßen zu stehen, immer andere Menschen haben zu müssen, die raten und helfen. Eine gewisse moralische Schwäche tritt als Folge des umgewandelten Neides auf, und wir werden immer sehen, wenn jemand diese moralische Schwäche hat, daß da die karmische Folge des umgewandelten Neides vorliegt.
[ 9 ] For example, it turns out that someone was acquainted with us. We remain close to him in life and observe: many things change in him. We are still close to them thirty years later, and if we look back on our lives, we would find strange connections in their life. But the person themselves knows nothing of this; they have forgotten everything. Yet one really ought to observe such things in life. Significant connections then become apparent. For example, a person is envious in their youth. The envy no longer manifests itself later on, and its transformation becomes apparent again in old age through the fact that the person in question displays the trait of lack of self-reliance, of wanting to be dependent on other people or of the notion of being unable to cope on their own, always needing other people to advise and help them. A certain moral weakness arises as a consequence of this transformed envy, and whenever we see someone exhibiting this moral weakness, we can be certain that the karmic consequence of the transformed envy is at work.
[ 10 ] Und umgewandelte Lügenhaftigkeit erzeugt im späteren Leben ein scheues Wesen. Wer in seiner Jugend lügenhaft war, getraut sich im Alter nicht, den Leuten in die Augen zu schauen. Auf dem Lande hat man ein instinktives, elementares Wissen davon, das sich zwar nicht in Begriffen auslebt. Man sagt, man solle dem Menschen nicht trauen, der einem nicht ins Auge schauen kann. Scheuheit, Zurückhaltung, nicht aus Bescheidenheit, sondern aus Furcht, anderen Menschen gegenüberzutreten, ist die karmische Folge der Lügenhaftigkeit schon in einer Inkarnation.
[ 10 ] And a transformed tendency to lie gives rise to a shy disposition in later life. Those who were prone to lying in their youth do not dare to look people in the eye in old age. In the countryside, people have an instinctive, basic understanding of this, even if it is not expressed in words. It is said that one should not trust a person who cannot look one in the eye. Shyness and reserve—not out of modesty, but out of fear of facing other people—are the karmic consequences of a lying nature in a previous incarnation.
[ 11 ] Was so als moralische Schwäche in einer Inkarnation auftritt, wirkt organisierend in der nächsten Inkarnation. Die seelische Schwäche, welche die Folge des Neides ist, kann in der gegenwärtigen Inkarnation, wo der Leib schon aufgebaut ist, diesen Leib nicht besonders zerstören. Aber wenn wir durch den Tod hindurchgehen und zu einer neuen Inkarnation zurückkehren, wirken diese Kräfte so, daß sie organisch-leibaufbauende Schwäche werden, und wir sehen, daß ein schwacher Leib von solchen Menschen aufgebaut wird, die den umgewandelten Neid in einer vorhergehenden Inkarnation gehabt haben. Wenn wir sagen, daß ein Mensch schwach ist — aber ohne Vorurteil, denn die Menschen müßten wissen, was schwach oder stark ist —, wenn ein Mensch leicht empfänglich ist für diese oder jene Einflüsse, keine Widerstandskraft hat, dann wissen wir, daß sein Leib schwach ist und, daß er diesen schwachen Leib als Folge früheren umgewandelten Neides hat.
[ 11 ] What appears as moral weakness in one incarnation has an organizing effect in the next. The spiritual weakness resulting from envy cannot particularly destroy the body in the present incarnation, where the body is already fully formed. But when we pass through death and return to a new incarnation, these forces act in such a way that they become a weakness that builds up the physical body, and we see that a weak body is built up by those who had this transformed envy in a previous incarnation. When we say that a person is weak—but without prejudice, for people should know what is weak or strong—when a person is easily susceptible to this or that influence, has no resistance, then we know that their body is weak and that they have this weak body as a consequence of earlier transformed envy.
[ 12 ] Nun müssen wir uns aber sagen: Wenn ein Kind in eine gewisse Umgebung hineingeboren ist als schwaches Kind, haben wir uns nicht nur dieses innere Karma wirksam zu denken, sondern auch, daß wir mit Menschen unserer Umgebung aus Gründen zusammengeführt sind — nicht zufällig. Gerade diese Seite des Karma, daß wir unserer Umgebung angepaßt sind, ist ungeheuer leicht einzusehen. Ein Edelweiß zum Beispiel kann ja auch nur in der Umgebung gedeihen, der es angepaßt ist. Auch der Mensch kann nur in der Umgebung gedeihen, die ihm angepaßt ist. Die allereinfachste Logik müßte das sagen, denn man kann das Leben nur verstehen, wenn man dies in Betracht zieht. Jedes Wesen paßt zu seiner Umgebung, nichts ist zufällig.
[ 12 ] But we must tell ourselves: If a child is born into a certain environment as a frail child, we must consider not only this inner karma, but also that we have been brought together with the people in our environment for specific reasons—not by chance. It is precisely this aspect of karma—that we are adapted to our environment—that is incredibly easy to understand. An edelweiss, for example, can only thrive in the environment to which it is adapted. Human beings, too, can only thrive in the environment that suits them. The simplest logic would suggest this, for one can only understand life if one takes this into account. Every being is suited to its environment; nothing is by chance.
[ 13 ] So werden wir unter diejenigen Menschen hineingeboren, die wir beneidet haben, oder die wir getadelt haben. Und so stehen wir mit einem schwachen Leib unter denjenigen Menschen, die wir in der vorhergehenden Inkarnation beneidet haben um das, was sie erreicht haben, oder dergleichen. Es ist von unendlicher Bedeutung, so etwas zu wissen, denn nur wenn man dies erwägt, können wir das Leben verstehen. Wenn ein Kind mit einem schwachen Leib in eine Umgebung hineingeboren wird, sollten wir uns fragen: Wie haben wir uns da zu verhalten? — Das richtigste Verhalten muß dasjenige sein, was moralisch das hochsinnigste ist: zu verzeihen. Dies wird auch hier am besten zum Ziel führen, und dies ist auch die beste Erziehung für den betreffenden Menschen. Es wirkt ungeheuer erzieherisch, wenn wir einem schwachen Kinde, das in unsere Umgebung hineingeboren ist, liebend verzeihen können. Derjenige, durch den das wirklich kraftvoll geschieht, wird schon sehen, daß das Kind dadurch stärker und stärker wird. Bis auf das Denken hinein muß verzeihende Liebe wirken, denn dadurch kann das Kind Kräfte sammeln, um sein früheres Karma umzubiegen und in die richtige Richtung zu bringen. Das Kind wird auch leiblich stark werden. Ein solches Kind zeigt oftmals Eigenschaften, die unangenehm sind. Wenn wir es lieben — bis ins allertiefste Herz, so wirkt das als das intensivste Heilmittel, und wir werden bald finden, wie wirksam dieses Heilmittel ist.
[ 13 ] Thus, we are reborn among those people whom we have envied or whom we have criticized. And so, with a frail body, we find ourselves among those people whom we envied in our previous incarnation for what they had achieved, or the like. It is of infinite importance to know this, for only by considering it can we understand life. When a child is born into an environment with a frail body, we should ask ourselves: How should we behave in this situation? — The most appropriate behavior must be that which is morally the most noble: to forgive. This will also lead to the best outcome here, and this is also the best education for the person in question. It has an immensely educational effect when we can lovingly forgive a frail child born into our environment. The one through whom this is done with true strength will see that the child thereby becomes stronger and stronger. Forgiving love must work right down into the child’s thinking, for through this the child can gather strength to redirect their past karma and steer it in the right direction. The child will also grow physically strong. Such a child often displays traits that are unpleasant. If we love them—down to the very depths of our hearts—this acts as the most powerful remedy, and we will soon discover how effective this remedy is.
[ 14 ] Entsprechendes gilt, wenn wir die andere Eigenschaft nehmen, die Lügenhaftigkeit: In einer Inkarnation wird da der Mensch im Alter scheu. Das ist eine seelische Eigenschaft. Aber in der nächsten Inkarnation wirkt diese Eigenschaft sich als Architekt des Leibes aus. Da tritt das Kind nicht nur schwach auf, sondern so, daß es überhaupt kein rechtes Verhältnis zu seiner Umgebung gewinnen kann, daß es schwachsinnig ist. Da müssen wir uns denken, daß wir die Menschen sind, die von einem solchen Menschen oft belogen worden sind, und wir sollten dasjenige, was uns als Schlimmes zugekommen ist, mit dem Besten vergelten. Man muß versuchen, einem solchen Menschen recht viel von dem beizubringen, was Wahrheiten des geistigen Lebens sind, dann werden wir sehen, wie er aufblüht. Immer sollten wir da den Gedanken haben: Wir sind in früheren Inkarnationen von einem solchen Menschen viel belogen worden, und wir müssen alles tun, um ein wahres Verhältnis eines solchen Kindes zu seiner Umgebung herzustellen.
[ 14 ] The same applies when we consider the other characteristic, a tendency to lie: in one incarnation, the person becomes shy in old age. This is a psychological trait. But in the next incarnation, this trait manifests itself as the architect of the body. In that case, the child not only appears weak, but in such a way that it cannot establish any proper relationship with its surroundings at all—that is, it is mentally deficient. We must then remind ourselves that we are the people who have often been lied to by such a person, and we should repay what has come to us as evil with the best. We must try to teach such a person quite a lot about the truths of spiritual life; then we will see how they blossom. We should always keep this thought in mind: We have been lied to many times by such a person in past incarnations, and we must do everything we can to establish a true relationship between such a child and their surroundings.
[ 15 ] Da sehen wir, wenn wir diese Dinge ins Auge fassen, daß wir als Menschen immer berufen sind, den anderen Menschen zu helfen, ihr Karma in richtiger Weise auszutragen. Der versteht nichts von Karma, der meint, er müsse den Menschen seinem Karma überlassen. Wenn wir einen Menschen finden, der uns angelogen hat, und wir würden glauben, er müsse sein Karma austragen, so würden wir damit zeigen, daß wir nichts von Karma richtig verstehen. Denn die richtige Idee würde sein, daß wir zunächst möglichst Hilfe spenden. Wenn gesagt wird, wir sollten den Menschen seinem Karma überlassen, so könnte es höchstens auf esoterischem Gebiet gesagt werden, aber im Leben niemals.
[ 15 ] When we consider these things, we see that, as human beings, we are always called upon to help others work through their karma in the right way. Anyone who thinks they must leave people to their own karma understands nothing about karma. If we encounter someone who has lied to us and we were to believe that they must work out their karma, we would thereby demonstrate that we do not truly understand karma. For the correct approach would be to offer help as much as possible first. When it is said that we should leave people to their karma, this could at most be said in an esoteric context, but never in everyday life.
[ 16 ] Denken wir uns, wir bemühten uns, anderen Menschen je nach ihrem Karma zu helfen. Nehmen wir einen Menschen, der ein scheues Wesen hat. Wir bemühen uns liebevoll um ihn. Da stellen wir einen Zusammenhang zwischen diesem Menschen und uns her. Wir werden dann sehen, daß bei diesem Menschen im Alter wiederum irgend etwas zu uns zurückkommt. Aber wir müssen das dem Karma überlassen, wir dürfen nicht darauf spekulieren. Wir müssen es als Pflicht ansehen, einem anderen Menschen zu helfen. Und hier komme ich auf ein subtiles Gesetz. Alles, was wir dem anderen tun zum Ertragen und Überwinden seines Karma, wird immer dazu führen, daß nicht nur dem anderen geholfen wird, sondern auch dazu, daß wir etwas für uns selber tun. Aber was wir uns selber tun, zum Beispiel um recht schnell vorwärtszukommen, wird uns in der Regel nicht viel helfen. Fruchtbar werden kann für den Menschen nur das, was er für andere tut. Uns selber können wir nichts Gutes erweisen. Wenn wir einem Menschen sein Karma zu überwinden helfen, ergeben sich die besten Wirkungen, denn was wir für andere tun, ist Gewinn für die Menschheit. Für uns selber können wir nichts tun, das müssen wiederum die anderen tun. Darum müssen wir im höchsten Sinne auffassen: Mitgefühl für andere Menschen. — Entwickeln wir dieses Mitgefühl im höchsten Sinn, dann fühlen wir auch in bezug auf Neid und Lüge diese Pflicht des Mitgefühls anderen Menschen gegenüber. Wir entwickeln auf diese Weise ein Solidaritätsgefühl, das sich auf alle Menschenseelen erstreckt.
[ 16 ] Let us imagine that we strive to help others according to their karma. Take, for example, a person who is shy by nature. We care for them with love. In doing so, we establish a connection between that person and ourselves. We will then see that, in their old age, something comes back to us from that person. But we must leave that to karma; we must not speculate about it. We must regard it as our duty to help another person. And here I come to a subtle law. Everything we do for another person to help them endure and overcome their karma will always lead not only to helping the other person, but also to doing something for ourselves. But what we do for ourselves, for example to make rapid progress, will generally not help us much. Only what a person does for others can bear fruit. We cannot do anything good for ourselves. When we help a person overcome their karma, the best results follow, for what we do for others is a benefit to humanity. We can do nothing for ourselves; that, in turn, must be done by others. That is why we must understand compassion for other people in the highest sense. — If we develop this compassion in the highest sense, then we also feel this duty of compassion toward other people with regard to envy and lies. In this way, we develop a sense of solidarity that extends to all human souls.
[ 17 ] Die Menschheit ist überhaupt daraufhin veranlagt, daß jeder einzelne Mensch seinen Zusammenhang mit dem ganzen Menschentum immer fühlt. Und dieses Gefühl in seinen verschiedenen Lebensäußerungen sollte auch in seinen Kämpfen gegen Luzifer und Ahriman leben. Indem wir versuchen, schwächlichen Menschen, die einen physischen Leib haben, der unter dem Einfluß des überwundenen Neides schwach geworden ist, zu helfen, indem wir uns klar werden, wie wir uns gegen diese Menschen verhalten sollen, kann uns deutlich werden, daß die Welt erfüllt ist von diesen Impulsen von Luzifer und Ahriman, und wie sie überwunden werden können im Laufe der Erdenentwickelung. Da kommt nun jeder Mensch, wenn er solche Zusammenhänge im Gefühl verfolgt, notwendig dazu, ein immer tieferes Gefühl von dem Menschentum überhaupt zu haben. Gewissermaßen gibt es für jeden Menschen die Möglichkeit, etwas zu fühlen, was ihn mit allen Menschen verbinden kann. Dieses Gefühl hat sich im Laufe der Menschheitsentwickelung gar sehr verändert.
[ 17 ] Humanity is fundamentally predisposed to the point where every single person always feels their connection to the whole of humanity. And this feeling, in its various expressions of life, should also be present in humanity’s struggles against Lucifer and Ahriman. By attempting to help frail human beings—those whose physical bodies have been weakened by the influence of overcome envy—and by clarifying how we should behave toward these people, we can come to realize that the world is filled with these impulses from Lucifer and Ahriman, and how they can be overcome in the course of Earth’s evolution. When a person follows such connections with feeling, they inevitably come to have an ever-deeper sense of humanity as a whole. In a sense, every person has the opportunity to feel something that can connect them with all humanity. This feeling has changed greatly in the course of human development.
[ 18 ] Gehen wir drei bis vier Jahrtausende zurück, da war das Gefühl von dem, was die Menschen als Allgemeinmenschliches haben, deutlich bei allen Menschen ausgeprägt. Gehen wir immer weiter zurück, zurück durch die nachatlantischen Kulturen, zurück zur alten Atlantis immer waren wir da verkörpert —, und wenn wir noch weiter zurückgehen, so kommen wir zu einer Inkarnation, in der wir zum ersten Mal in einen physischen Leib herabgestiegen sind. Vorher waren wir in einem Geistigen, so sagten sich die Menschen noch vor drei bis vier Jahrtausenden. Solche weisheitsvollen Gefühle finden wir um diese Zeit bei allen Menschen. Und die Seele fragte sich: Was bist du dadurch, daß du ein Mensch bist? — Und sie antwortete sich: Ich war, ehe ich zum ersten Mal in meinen Leib herabstieg, vorher in einem Meer göttlich-geistigen Lebens und Webens. Da war ich darin, und darin waren auch alle anderen Menschenseelen. Das war unser gemeinsamer Ursprungspunkt. — Ein solches Grundgefühl in den Menschenseelen gab die Möglichkeit, brüderlich, allgemein menschlich zu fühlen, da der Ursprung aller Menschenseelen als ein gemeinsamer gefühlt wurde. Und wenn wir uns daran erinnern, wie in allen alten Mysterienschulen auf die Menschen gewirkt wurde, um sie zu guten Menschen zu machen, so war es überall so, daß man, um die Menschen zu guten Menschen zu machen und sie für die tiefsten, intimsten, ergreifendsten Gefühle empfänglich zu machen, auf den gemeinsamen Ursprung hinwies, auf das Hervorgehen aller Menschen aus der gemeinsamen göttlichen Quelle. Und es war leicht, dies in der Seele anzuschlagen. Aber es wurde immer schwieriger und schwieriger. Wenn man zum Beispiel bei einer so großen Anzahl von Menschen, wie sie hier sitzen, dies angeschlagen hätte, würde das damals einen überwältigenden Eindruck erzeugt haben.
[ 18 ] If we go back three or four millennia, the sense of what people share as a common humanity was clearly pronounced in all people. If we go further and further back, through the post-Atlantean cultures, back to ancient Atlantis—we were always embodied there—and if we go even further back, we come to an incarnation in which we descended into a physical body for the first time. Before that, we were in a spiritual realm, as people still said to themselves three to four millennia ago. We find such wise sentiments among all people around this time. And the soul asked itself: What are you by virtue of being a human being? — And it answered itself: Before I descended into my body for the first time, I was in a sea of divine-spiritual life and activity. I was there, and all other human souls were there as well. That was our common point of origin. — Such a fundamental feeling in human souls made it possible to feel in a brotherly, universally human way, since the origin of all human souls was felt to be a common one. And if we recall how people were influenced in all the ancient mystery schools to make them good people, it was the case everywhere that, in order to make people good and to make them receptive to the deepest, most intimate, and most moving feelings, one pointed to the common origin, to the emergence of all human beings from the common divine source. And it was easy to strike this chord in the soul. But it became increasingly difficult. If, for example, one had struck this chord among such a large number of people as are sitting here, it would have made an overwhelming impression at that time.
[ 19 ] Aber immer kälter wurden die Gefühle der Menschheit gegenüber diesem gemeinsamen Ursprung. Das mußte geschehen, da die Menschheit durch einen gewissen Punkt der Entwickelung durchgehen mußte. Wenn ich diesen charakterisieren will, so müssen wir auf die menschliche Zukunft, auf das Ziel der Erdenentwickelung schauen.
[ 19 ] But humanity’s feelings toward this common origin grew increasingly cold. This was inevitable, as humanity had to pass through a certain stage of development. If I am to characterize this stage, we must look to the future of humanity, to the goal of Earth’s development.
[ 20 ] Geradeso wie der Ursprung ein gemeinsamer ist und alle Menschenseelen aus einem gemeinsamen Urgrund entstanden sind, werden sich alle Menschenseelen in einem gemeinsamen Ziel zusammenfinden. Und wie können wir Menschen dies Ziel finden, damit wir uns weiter entwickeln, wenn die Erde an ihrem Ziel angelangt sein wird und als materielle Kugel unter uns Menschen versinkt und zerstiebt? Wie können wir uns über dieses Ziel so verstehen, daß wir gemeinsam in eine Zukunft hineingehen? Bis in die tiefsten Fasern der Seele muß das Bewußtsein dieser Gemeinsamkeit gehen. Das ist nur möglich dadurch, daß wir als Menschen gegenüber der Zukunft so fühlen lernen, wie die alten Menschen gegenüber dem Menschenursprung gefühlt haben. Dies Gefühl ist in der Menschheit immer mehr erkaltet. Aber immer mehr muß in den Seelen das Leben, das Gefühl, die Gewißheit erwarmen, daß etwas für alle Menschen gemeinsam sein kann als Menschenziel. Ob wir diesen oder jenen Entwickelungsgrad haben, wo wir auch stehen im Leben, dadurch, daß wir Menschen sind, muß etwas in unserer Seele stattfinden können, daß wir uns sagen: Wir streben alle einem Ziel zu. Und auf dieses Ziel hinschauend, müssen wir uns sagen können: Das ist etwas, was jeden Menschen angehen kann. — Wir müssen in unserem tiefsten Inneren etwas finden können, in dem wir uns in einem Punkte gemeinsam zusammenfinden.
[ 20 ] Just as we share a common origin and all human souls arose from a common source, all human souls will come together in a common goal. And how can we humans find this goal so that we may continue to develop once the Earth has reached its end and sinks and shatters beneath us as a material sphere? How can we understand this goal in such a way that we may enter the future together? The awareness of this commonality must penetrate to the deepest fibers of the soul. This is only possible if we, as human beings, learn to feel toward the future as the ancient people felt toward the origin of humanity. This feeling has grown increasingly cold within humanity. But life, feeling, and the certainty that something can be common to all human beings as a human goal must grow ever warmer in our souls. Whether we are at this or that stage of development, wherever we stand in life, simply because we are human beings, something must be able to take place in our souls that allows us to say to ourselves: We are all striving toward a common goal. And looking toward this goal, we must be able to say to ourselves: This is something that concerns every human being. — We must be able to find something deep within ourselves in which we come together on a common ground.
[ 21 ] Im Okkultismus ist dieses mit dem Namen Christus gegeben. Denn gerade so, wie man vor Jahrtausenden fühlen, empfinden, wissen konnte, unsere Seelen sind alle aus dem gemeinsamen Gottesurgrunde und -ursprung herausgeboren, so werden die Menschen immer mehr lernen, sich zu sagen: Wie wir, wenn wir denken, uns in einem Gemeinsamen zusammenfinden, wie wir uns einig sein können in einem gemeinsamen Denken, wie das in allen Menschenhäuptern leben kann, so gibt es etwas, was wie ein Gemeinsames in allen Herzen leben kann. Es gibt etwas, was wie ein Lebensblut gemeinsam in allen Menschenherzen fluten kann. — Wenn uns das immer mehr durchglüht in den folgenden Inkarnationen, dann werden diese so verlaufen, daß, wenn die Erde ihr Ziel erreicht haben wird, so daß sie in den künftigen planetarischen Zustand, den Jupiter, übergehen wird, die Menschenseelen sich in dem Gemeinsamen, dem Christus, zusammenfinden werden, eins sein werden. Darum, damit dies geschehen kann, mußte das Mysterium von Golgatha stattfinden. Dazu ist der Christus im Jesus Mensch geworden, daß dieser gemeinsame Strom der Wärme von Menschenherz zu Menschenherz fließen kann. Das Gefühl für das gemeinsame Menschenziel geht aus von dem Kreuz auf Golgatha. So verbinden sich Vergangenheit und Zukunft. Das ist das Ziel der Zukunftsentwickelung der Menschheit. Ob die Menschen diesen gemeinsamen Namen des Christus beibehalten werden, darauf kommt es nicht an, sondern darauf, daß alle Menschen begreifen lernen, daß dasselbe Gefühl, welches die Menschen ursprünglich von ihrem gemeinsamen Ursprung hatten, in ein Gefühl einer gemeinsamen Erdenzukunft umgewandelt werde.
[ 21 ] In occultism, this is given the name Christ. For just as people thousands of years ago were able to feel, sense, and know that our souls are all born from the common divine source and origin, so will people increasingly learn to say to themselves: Just as we, when we think, come together in a commonality, just as we can be united in a common thought, just as this can live in every human mind, so there is something that can live as a commonality in every human heart. There is something that can flow like a life-giving blood through all human hearts. — If this burns ever more intensely within us in the coming incarnations, then these will unfold in such a way that, when the Earth has reached its goal and transitions into the future planetary state, Jupiter, human souls will come together in the common ground, the Christ, and will be one. Therefore, for this to happen, the Mystery of Golgotha had to take place. For this purpose, the Christ became human in Jesus, so that this common stream of warmth might flow from human heart to human heart. The sense of the common human goal emanates from the Cross on Golgotha. Thus past and future are united. This is the goal of humanity’s future development. Whether people will retain this common name of Christ is not the point; rather, it is that all people learn to understand that the same feeling which people originally had regarding their common origin is transformed into a feeling of a common earthly future.
[ 22 ] Die Erdenentwickelung ist geteilt in diese zwei Hälften: Die eine geht bis zu dem Kreuz auf Golgatha und die andere von dem Kreuz auf Golgatha bis zum Erdenende. Und die Menschen haben viel, viel zu tun, um den Christus und seine Entwickelung zu begreifen. Und wenn diese begriffen sein wird, dann werden sich die Menschen in gemeinsamem Ziel für die Jupiterentwickelung finden. Und alle unsere einzelnen Erkenntnisse laufen darauf hinaus, dieses Prinzip des Christlichen zu finden.
[ 22 ] The development of the Earth is divided into these two halves: one extends up to the Cross on Golgotha, and the other from the Cross on Golgotha to the end of the Earth. And people have much, much work to do to understand Christ and his development. And when this is understood, people will unite in a common goal for the development of Jupiter. And all our individual insights ultimately lead to discovering this Christian principle.
[ 23 ] Wenn wir heute versucht haben zu erkennen, wie Karma von einer Inkarnation zur anderen leibgestaltend wirkt, dann verstehen wir, wie die Menschen immer vollkommener werden können im Durchgang durch die Inkarnationen. Ohne daß wir ihn Christus nennen, sprechen wir noch von dem Christus. Wir sehen ab von dem Persönlichen. Wenn wir ein Kind vor uns haben, ‘das uns anlügt, sagen wir uns: Dies Kind hat uns belogen. Wie können wir ihm helfen, daß es sein Karma umwandelt? — Wir fragen nicht danach, daß es uns schadet. Wir sehen auf den Wesenskern des Kindes, und damit bringen wir das Karma vorwärts. Tief menschliches Zusammenfühlen wird sich in solcher Art in der Welt immer mehr geltend machen.
[ 23 ] If we have tried today to understand how karma shapes the physical form from one incarnation to the next, then we understand how human beings can become ever more perfect as they pass through their incarnations. Without calling him Christ, we are still speaking of the Christ. We look beyond the personal. When we have a child before us who lies to us, we say to ourselves: This child has lied to us. How can we help him transform his karma? — We do not ask that he harm us. We look to the child’s inner essence, and in doing so we help his karma move forward. Deep human compassion will assert itself more and more in the world in this way.
[ 24 ] So ist dasjenige, was wir Geisteswissenschaft nennen, wenn wir darunter wirklich Verständnis der Lebensvorgänge im Sinne von Reinkarnation und Karma begreifen, die Vorbereitung zu einem wahren Erfassen des Christus-Impulses in der Welt. Es kommt nicht darauf an, wie der Mensch seine Worte setzt, sondern wer wirklich das Entwickelungsgesetz begreift, der kann gar nicht anders als Christ sein, sei er Hindu oder Mohammedaner oder Angehöriger eines anderen Religionssystems. Es kommt darauf an, daß man den Impuls aufnimmt in die Seele, welcher der Impuls zu dem gemeinsamen Ziel der Menschheit ist, wie einst in den alten Menschen der Impuls lebte, hinzuschauen auf den gemeinsamen Ursprung der Menschen.
[ 24 ] Thus, what we call spiritual science—if by that we truly mean an understanding of the processes of life in the sense of reincarnation and karma—is the preparation for a true grasp of the Christ impulse in the world. It does not matter how a person chooses their words; rather, whoever truly grasps the law of evolution cannot help but be a Christian, whether they are a Hindu, a Muslim, or a follower of another religious system. What matters is that one takes into the soul the impulse that is the impulse toward humanity’s common goal, just as the impulse once lived in the ancient people to look toward the common origin of humankind.
[ 25 ] Daher führt Geisteswissenschaft immer zu dem Christus-Impuls. Sie kann gar nicht anders. Man könnte also einfach Geisteswissenschaft, wie sie heute auftritt, auch so auffassen, daß man sagt: Wenn auch derjenige, der sie kennenlernt, vielleicht nichts wissen wollte vom Christentum, wenn er Anthroposoph wird, so wird er schon in Wahrheit zu Christus geführt. In der Realität würde er schon dahin geführt werden, selbst wenn er mit Worten dagegen kämpfen wollte.
[ 25 ] That is why spiritual science always leads to the Christ impulse. It cannot do otherwise. One could therefore simply understand spiritual science, as it appears today, in such a way that one says: Even if the person who becomes acquainted with it perhaps wanted nothing to do with Christianity, once he becomes an anthroposophist, he is in truth led to Christ. In reality, he would be led there even if he wanted to fight against it with words.
[ 26 ] So haben wir heute an unsere Seelen herangebracht, was unmittelbar mit dem Leben zusammenhängt. Wir haben gesehen, wie wir uns zu verhalten haben, wenn ein Kind lügt oder Neid fühlt. Wir müssen uns klar sein darüber, daß der karmische Faden durch alle Inkarnationen der Menschenseele verläuft, daß Karma schicksalsgemäß für sie gesponnen wird, und daß wir, wenn wir zurückschauen auf den Ursprung in Gott und dann hinschauen zum Menschenziel, wiederum hinschauen zu Gott.
[ 26 ] Today, we have brought to our souls what is directly connected to life. We have seen how we should behave when a child lies or feels envy. We must be clear that the karmic thread runs through all the incarnations of the human soul, that karma is woven for them by destiny, and that when we look back to the origin in God and then look toward the human goal, we look back to God again.
[ 27 ] Wir schauen zurück auf die Kultur der alten Rishis. Sie haben auf den Menschenursprung verwiesen. Hingewiesen haben sie in jene Welt, in welcher der Mensch war, bevor er zu seinen Inkarnationen herabgestiegen ist. Diese Lehre drang durch die Jahrhunderte und Jahrtausende. Der große Buddha hat sie gelehrt, indem er sagte: Alles dies ist den Menschen durch den Hang zur Verkörperung verlorengegangen, was den Zusammenhang mit der Welt des Ursprungs schuf. — Er forderte auf, die Welt der Verkörperungen zu verlassen, damit die Seele wiederum in den geistigen Welten des Ursprungs leben kann. Und hingewiesen haben die Propheten, indem sie den Christus vorherverkündeten, auf eine Zukunft, in welcher die Menschen wiederum ihr rechtes Erdenziel finden werden. Und dann steht der Christus selber da, dann vollzieht er das Mysterium von Golgatha. Und dann kann der Mensch durch dieses Mysterium von Golgatha entgegengeführt werden der göttlich-geistigen Erdenzukunft. Es gibt vielleicht kaum etwas so Erschütterndes als zwei Aussprüche, die ähnlich bei Buddha wie bei Christus sind und die den Gegensatz zwischen alter und neuer Zeit uns vor die Seele stellen können. Buddha steht unter seinen Schülern, er weist sieh in auf den Leib und sagt: Ich schaue zurück von Inkarnation zu Inkarnation, wie ich immer wieder hineingegangen bin in einen solchen menschlichen Leib, wie ich ihn jetzt trage. Und dieser Leibestempel ist mir immer von neuem aufgebaut von den Göttern. Und immer wieder suchte die Seele in neuen Inkarnationen in diesen Leibestempel hineinzukommen. Jetzt aber weiß ich, daß ich nicht mehr nötig habe, in einen Leibestempel zurückzukehren. Ich weiß, es sind zerbrochen die Balken, verfallen die Pfosten. Ich habe durch meine Erkenntnis meine Seele von diesem Leib frei gemacht. Getötet ist Wunsch und Begierde, in einen solchen Leib zurückzukehren. — Das war ein großes, ein gewaltiges Ergebnis der alten Zeit des Zurückschauens auf den Menschenursprung. Buddha und mit ihm seine Schüler und Nachfolger streben an, frei zu werden von dem Leibe. Welch ein gewaltiger Unterschied, wenn der Christus vor seinen intimen Schülern steht und also spricht — ganz gleichgültig, wie wir es auffassen; wir nehmen es als Worte des Christus, wie sie sind —, Christus sagt: Reißet nieder den Tempel meines Leibes, und ich will ihn in drei Tagen wiederum aufbauen. — Er, der Christus, sehnt sich nicht danach, frei zu werden von diesem Leibestempel. Er will ihn wieder aufbauen.
[ 27 ] We look back on the culture of the ancient Rishis. They pointed to the origin of humanity. They pointed to that world in which humanity existed before descending into its incarnations. This teaching has endured through the centuries and millennia. The great Buddha taught it, saying: All of this—which created the connection with the world of origin—has been lost to humanity through the inclination toward incarnation. — He urged people to leave the world of incarnations so that the soul might once again live in the spiritual worlds of origin. And the prophets, by foretelling the coming of Christ, pointed to a future in which human beings will once again find their true purpose on Earth. And then Christ himself stands there; then he accomplishes the Mystery of Golgotha. And then, through this Mystery of Golgotha, humanity can be led toward the divine-spiritual future of the Earth. There is perhaps hardly anything as profound as two sayings, similar in both Buddha and Christ, that can set before our souls the contrast between the old and the new age. Buddha stands among his disciples; he points to his body and says: I look back from incarnation to incarnation, seeing how I have entered time and again into a human body such as the one I now bear. And this physical temple has been rebuilt for me anew by the gods time and again. And time and again the soul sought to enter this physical temple in new incarnations. But now I know that I no longer need to return to a physical temple. I know that the beams are broken, the posts decayed. Through my insight, I have freed my soul from this body. The desire and longing to return to such a body have been killed. — That was a great, a tremendous result of the ancient time of looking back to the origin of humanity. Buddha, and with him his disciples and successors, strive to become free from the body. What a tremendous difference when Christ stands before his intimate disciples and speaks thus—no matter how we interpret it; we take them as the words of Christ as they are—Christ says: “Destroy this temple of my body, and I will raise it up again in three days.” — He, the Christ, does not long to be freed from this temple of the body. He wants to raise it up again.
[ 28 ] Nicht als ob der Christus selber wiederum in folgenden Inkarnationen in einem solchen physischen Leibe da sein würde. — Aber was er seine Schüler und alle Menschen lehrt, das ist: wiederum zurückzukehren in diesen Erdentempel von Inkarnation zu Inkarnation, um in einer jeden den Christus-Impuls größer, intensiver zu machen, damit wir Menschen immer mehr von dem Erdendasein werden aufnehmen können, um zuletzt so dazustehen, daß wir sagen: Wir haben in diesen Inkarnationen gearbeitet, um ähnlicher dem Christus zu werden. Und wir werden ihm ähnlicher, indem wir in diesen Leibestempel aufnehmen, was der Christus vom Kreuz auf Golgatha hat ausströmen lassen als sein eigenes Wesen. Das lassen wir strömen von Menschenseele zu Menschenseele, denn nur dadurch verstehen wir uns jetzt. Das ist das Gemeinsame für alle Menschenseelen der Erdenzukunft. Und dann wird der Zeitpunkt kommen, wo die Erde als Planet vergehen wird, wo sie zerschellt, zerstäubt, und wo die Menschen in vergeistigtem Zustand zur nächsten Verkörperung auf einen anderen Planeten übergehen werden.
[ 28 ] It is not as though Christ himself would be present again in such a physical body in subsequent incarnations. — But what he teaches his disciples and all people is this: to return again and again to this earthly temple from incarnation to incarnation, in order to make the Christ impulse greater and more intense in each one, so that we humans may be able to take in more and more of earthly existence, until we finally stand in such a way that we can say: We have worked in these incarnations to become more like the Christ. And we become more like him by taking into this temple of the body what Christ allowed to flow forth from the cross on Golgotha as his own being. We let this flow from human soul to human soul, for only through this do we now understand one another. This is what all human souls of the Earth’s future have in common. And then the time will come when the Earth as a planet will pass away, when it will shatter and disintegrate, and when human beings, in a spiritualized state, will pass over to another planet for their next incarnation.
[ 29 ] Das Wort des großen Buddha: Ich fühle, wie die Pfosten meines Leibestempels nicht mehr tragen, wie die Balken zusammenbrechen — das kann uns vor der Seele stehen wie ein Schlußpunkt des gemeinsamen Menschenursprungs. Und wenn wir hinschauen auf dasjenige, was der Christus zu seinen Jüngern spricht: Ich will aufbauen diesen Leibestempel in dreien Tagen — das kann uns sein wie der Beginn der Zeit, die auf das Erdenziel hinweist. Und wir dürfen diesen Ausspruch erweitern, denn wir können sagen: Es breche ab dieser Tempel im Tode, aber wir wissen, daß wir die besten Kräfte, die wir uns in dieser Inkarnation angeeignet haben, für unsere nächste Inkarnation verwenden werden. Wir haben diese Kräfte empfangen, indem wir unsere Seelen der Christus-Erkenntnis hingaben. Wir werden auf diese Weise von Inkarnation zu Inkarnation immer weiterkommen. — Wenn die Menschen diesen Leibestempel zum letzten Mal aufbauen, werden sie zum Verständnis des zukünftigen, gemeinsamen Erdenziels gekommen sein.
[ 29 ] The words of the Great Buddha: I feel how the pillars of my physical temple can no longer bear the weight, how the beams are collapsing—this can stand before our souls as a full stop to our common human origin. And when we look at what Christ says to his disciples: I will rebuild this temple of the body in three days—this can be for us like the beginning of the time that points toward the earthly goal. And we may expand upon this saying, for we can say: Let this temple fall apart in death, but we know that we will use the best powers we have acquired in this incarnation for our next incarnation. We have received these powers by dedicating our souls to the knowledge of Christ. In this way, we will continue to progress from incarnation to incarnation. — When human beings build this temple of the body for the last time, they will have come to an understanding of the future, shared earthly goal.
[ 30 ] Allein das Mysterium von Golgatha ist es, was der ganzen Menschheit der gemeinsame Impuls der Menschheits- und der Erdenentwickelung sein kann.
[ 30 ] The mystery of Golgotha alone is what can serve as the common driving force for the development of humanity and the Earth.
