Paths and Goals of Spiritual Man
GA 125
11 December 1910, Munich
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Paths and Goals of Spiritual Man, tr. SOL
12. Karmische Wirkungen: Anthroposophie als Lebenspraxis
12. Karmic Effects: Anthroposophy as a Way of Life
[ 1 ] Ich möchte heute auf einige anthroposophische Lebensfragen zu sprechen kommen und dann von diesen Lebensfragen aufsteigen, vom Alltäglichen zu dem Umfassenden, Prinzipiellen. Das soll der fruchtbarste Gewinn unseres Strebens sein, daß wir durch die Geisteswissenschaft das Leben in seiner Wahrheit, in seiner Wirklichkeit immer mehr und mehr beurteilen lernen, es so beurteilen lernen, wie uns diese Beurteilung selbst am tüchtigsten, am tatkräftigsten in das Leben hineinführen kann, wie sie uns hinstellen kann an den Platz, den wir auszufüllen haben nach unserem Karma, den wir auszufüllen haben nach dem, was unsere größere oder kleinere Mission in der Zeit ist, in der wir im irdischen Leibe verkörpert sind.
[ 1 ] Today I would like to address some anthroposophical questions of life and then move from these questions of life—from the everyday to the all-encompassing and fundamental. The most fruitful gain of our striving should be that, through spiritual science, we learn more and more to assess life in its truth and reality, to judge it in such a way that this judgment itself can lead us most effectively and energetically into life, that it can place us in the position we are meant to fill according to our karma, according to what our greater or lesser mission is during the time we are incarnated in an earthly body.
[ 2 ] Und da möchte ich zuerst von einigen Eigenschaften im Leben ausgehen, die sich uns tagtäglich an uns selbst oder an unserer Umgebung bieten, von Eigenschaften, deren ganze Tragweite und Bedeutung wir erst einsehen, wenn wir sie im Lichte der Geisteswissenschaft betrachten können. Ich möchte von zwei Untugenden des Lebens ausgehen und dann von einigen Tugenden sprechen, möchte ausgehen von den Tugenden des Wohlwollens und der Zufriedenheit und von den Untugenden der Lügenhaftigkeit und des Neides.
[ 2 ] And so I would like to begin by discussing certain qualities in life that we encounter every day in ourselves or in our surroundings—qualities whose full scope and significance we can only grasp when we view them in the light of spiritual science. I would like to begin with two vices of life and then speak of some virtues; I would like to start with the virtues of benevolence and contentment and the vices of deceitfulness and envy.
[ 3 ] Wollen wir zuerst diese zwei Untugenden, die uns im Leben oftmals entgegentreten, in Betracht ziehen. Es ist nicht zu leugnen, daß in weitesten Kreisen, sowohl bei dem einfachsten Menschen als auch bei denjenigen, die gewissermaßen schon zu den Führern des Lebens gehören, eine tiefe, tiefe Abneigung und Antipathie herrscht gegenüber dem, was wir Neid und Lügenhaftigkeit nennen können. Um gleich solche Menschen zu nennen, die zu den Führern des Lebens gehört haben, weise ich auf den Bildhauer Benvenuto Cellini und auf diejenigen Stellen seiner Selbstbiographie hin, wo er sagt, er müsse sich bei einer guten Selbstbeobachtung mancherlei Untugenden beschuldigen, dürfe aber doch sagen, eine wirklich im Ernst so zu nennende Lügenhaftigkeit sei ihm niemals eigen gewesen. Es findet also dieser Künstler eine gewisse Befriedigung darin, daß er bei seiner Selbstbeobachtung die Lügenhaftigkeit aus seinen Charaktereigenschaften ausschließen kann. Und Goethe sagt einmal als das Ergebnis seiner Selbstbeobachtungen, er müsse sich mancherlei Dinge beschuldigen, aber der Neid, diese häßliche Untugend, hätte doch eigentlich nicht an seinem Herzen gefressen. So sehen wir gleichsam an den Gipfeln des Lebens, wie man Lügenhaftigkeit und Neid antipathisch empfindet, wie man sich überall sagt, wo man gewohnt ist, das Leben etwas tiefer zu betrachten, auch da, wo gewissermaßen große Fähigkeiten im Leben der Seele eigen sind: Du mußt dich gerade vor diesen Untugenden hüten. — Und wer wollte leugnen, daß durch alle, alle Schichten unserer Menschheit diese gründliche Antipathie gegen Lügenhaftigkeit und Neid geht. Sie brauchen sich nur einmal zu erinnern, wie sehr es an Ihren Herzen fressen müßte, wenn Sie sich in einem gewissen Momente bei wirklich ehrlicher und richtiger Selbstbeobachtung sagen müßten: Ich bin eine neidische Persönlichkeit. — Sie würden ganz gewiß, wenn Sie sich das resolut gestehen müßten, schon in diesem Geständnis fühlen, daß Sie etwas aufnehmen müßten in sich wie Kampf gegen diesen Neid, Bekämpfung des Neides. Das ist ein tief eingewurzeltes Gefühl, daß die Lügenhaftigkeit und der Neid häßliche menschliche Eigenschaften sind. Warum fühlen wir denn eigentlich so? Ja, sehen Sie, es macht sich der Mensch nicht immer ganz. klar, warum er gegen dieses oder jenes eine so tiefe Antipathie hat. Er macht sich oftmals nicht ganz klar, was in dem mehr oder weniger unterbewußten Teil seines Seelenlebens schlummert und ganz unzweifelhaft vorhanden ist. Gegenüber Neid und Lügenhaftigkeit fühlt der Mensch, daß er mit ihnen gegen etwas verstößt, das mit dem Allerallermenschlichsten und allerallermenschlichsten Wert zusammenhängt. Wir brauchen nur ein Wort auszusprechen, und wir werden das fühlen. Die Geisteswissenschaft soll uns ja allmählich zum Bewußtsein bringen, daß es außer den einzelnen Persönlichkeiten, die im Fleisch inkarniert sind, so etwas gibt wie ein einheitliches, allgemein Menschliches, das in gleicher Weise in allen Seelen als das Göttlich-Menschliche wohnt. Und da ist es eben die Geisteswissenschaft, die uns das als ein großes Ideal hinstellt und die es allmählich dahin bringt, Verständnis für das allgemein Menschliche zu haben. Und in gefühlsmäßiger Art findet sich doch in allen menschlichen Herzen etwas, was in gewisser Weise immer ausspricht: Suchet nach einem Bande, das alle Menschen zusammenhält, das sich immer von Seele zu Seele schlingt, und ihr werdet es finden. — Und das entsprechende Gefühl drückt sich aus in dem Worte «Mitgefühl». Mitgefühl ist eine so allgemeine menschliche Eigenschaft, daß wir sagen müssen: Es kündigt sich in diesem Mitgefühl wie dunkel an das Band, das von jeder Seele zu jeder Seele geht. - Und da fühlt man wiederum im Unterbewußtsein, wie man gerade mit Lügenhaftigkeit und Neid gegen das Mitgefühl, gegen die Anerkennung des in allen Menschen Gemeinsamen im eminentesten Sinn verstößt.
[ 3 ] Let us first consider these two vices, which we often encounter in life. It cannot be denied that in the broadest circles, among both the simplest of people and those who, in a sense, already belong to the leaders of society, there prevails a deep, deep aversion and antipathy toward what we might call envy and deceitfulness. To name just a few such people who have been among the leaders of society, I point to the sculptor Benvenuto Cellini and to those passages in his autobiography where he says that, upon careful self-examination, he must accuse himself of various vices, but that he may nevertheless say that a deceitfulness worthy of the name has never been his own. This artist thus finds a certain satisfaction in the fact that, upon self-examination, he can exclude deceitfulness from his character traits. And Goethe once says, as the result of his self-examinations, that he must accuse himself of many things, but that envy, this ugly vice, had not actually gnawed at his heart. Thus we see, as it were, at the pinnacles of life, how deceitfulness and envy are viewed with antipathy, how it is said everywhere where one is accustomed to contemplating life more deeply, even where, so to speak, great capacities are inherent in the life of the soul: You must guard yourself against precisely these vices. — And who would deny that this profound antipathy toward deceitfulness and envy runs through all, all strata of humanity? You need only recall how deeply it would gnaw at your heart if, in a moment of truly honest and accurate self-observation, you had to say to yourself: I am an envious person. — You would certainly, if you had to admit this to yourself resolutely, already feel in this confession that you would have to take up within yourself a struggle against this envy, a fight against envy. It is a deeply rooted feeling that deceitfulness and envy are ugly human traits. Why do we actually feel this way? Yes, you see, people do not always fully why they have such a deep antipathy toward this or that. They often do not fully realize what lies dormant in the more or less subconscious part of their inner life and is undoubtedly present there. When faced with envy and deceitfulness, people feel that they are violating something connected to what is most human and of the highest human value. We need only utter a word, and we will feel this. Spiritual science is meant to gradually bring us to the realization that, apart from the individual personalities incarnated in the flesh, there is such a thing as a unified, universal humanity that dwells in the same way in all souls as the divine-human. And it is precisely spiritual science that presents this to us as a great ideal and gradually leads us to an understanding of the universal human. And on an emotional level, there is something in every human heart that, in a certain way, always expresses: Seek a bond that holds all people together, that always winds from soul to soul, and you will find it. — And the corresponding feeling is expressed in the word “compassion.” Compassion is such a universal human trait that we must say: In this compassion, the bond that runs from every soul to every soul is dimly foreshadowed. — And there, in the subconscious, one feels once again how one is violating, through deceitfulness and envy, compassion itself, and the recognition of what is common to all human beings in the most profound sense.
[ 4 ] Was tun wir denn eigentlich, wenn wir einem Menschen eine Lüge sagen? Nichts anderes tun wir, als eine Scheidewand zwischen uns und ihm aufrichten. Was uns mit ihm verbinden sollte, das gemeinsame Wissen um irgendeine Wahrheit, die. in unserer und in seiner Seele leben müßte, wenn die Dinge richtig wären, dies zerreißen wir, indem wir ihm eine Unwahrheit sagen. Wir anerkennen in dem Augenblick, wo wir die Unwahrheit sagen, nicht, daß wir eigentlich mit dem besten Teil unseres Selbstes auch im anderen leben sollten.
[ 4 ] What are we actually doing when we tell someone a lie? We are doing nothing other than erecting a barrier between ourselves and that person. What should connect us to them—the shared knowledge of some truth that ought to live in both our souls and theirs if things were right—we tear apart by telling them a falsehood. At the very moment we tell the falsehood, we fail to acknowledge that the best part of ourselves ought to live in the other as well.
[ 5 ] Und wenn wir jemand beneiden, sei es um Fähigkeiten, sei es um anderes im Leben, dann versündigen wir uns in der Art gegen das Mitgefühl, daß wir den Menschen nicht als das anerkennen, was er eigentlich uns sein müßte, als etwas, was doch zu uns gehört und über dessen Vorzüge und Gaben und Glücksfälle wir uns eigentlich freuen müßten, wenn wir uns so recht mit ihm verbunden fühlten.
[ 5 ] And when we envy someone—whether for their abilities or for other things in life—we sin against compassion in that we fail to recognize that person as what they ought to be to us: as something that belongs to us, and whose virtues, gifts, and good fortune we ought to rejoice in if we truly felt connected to them.
[ 6 ] Also gegen das Schönste im Menschenleben, gegen das Mitgefühl, versündigen wir uns, wenn wir neidische und lügenhafte Menschen sind. Und warum drückt sich denn eigentlich dies in einer so vehementen Weise in der Unzufriedenheit über diese beiden Eigenschaften aus? Warum denn? Nun, beide Eigenschaften können uns so recht zeigen, wie das, was in unserer Seele sitzt, sich fortpflanzt, fortschreitet zu den Hüllen unserer Wesenheit und eine Bedeutung hat für diese Hüllen.
[ 6 ] So we sin against the most beautiful thing in human life—against compassion—when we are envious and deceitful people. And why, exactly, does this manifest itself so vehemently in dissatisfaction with these two qualities? Why is that? Well, both qualities can truly show us how what resides in our soul propagates, progresses to the outer layers of our being, and has significance for those layers.
[ 7 ] Neid ist etwas, was sich für eine okkulte Beobachtung — wenn es beim Menschen vorhanden ist — klar ausdrückt in einer ganz bestimmten Beschaffenheit des astralischen Leibes. Und ein neidischer Mensch, wenn er auch imstande ist, diesen Neid gegenüber der Außenwelt noch so sehr zu verbergen, offenbart die Eigenschaft des Neides in seinem astralischen Leibe. Unser astralischer Leib hat ganz bestimmte Grundeigenschaften. Wenn er auch bei jedem Menschen anders ist und bei den verschiedenen Menschen die mannigfaltigsten Verschiedenheiten zeigt, so hat er doch gewisse Grundeigenschaften. Und wenn wir ihn mit dem hellseherischen Schauen als Aura betrachten, hat er ganz bestimmte Farbeneigenschaften. Diese verblassen in einer bedenklichen Weise beim neidischen Menschen, sie verblassen, sie werden schwach und matt. Und der astralische Leib eines neidischen Menschen wird gewissermaßen arm an Kraft, die er dem ganzen menschlichen Organismus zuführen sollte.
[ 7 ] Envy is something that, when present in a person, manifests itself clearly in a very specific quality of the astral body during occult observation. And an envious person, even if they are able to conceal this envy from the outside world as much as possible, reveals the quality of envy in their astral body. Our astral body has very specific fundamental qualities. Although it differs from person to person and exhibits the most diverse variations among different people, it nevertheless possesses certain fundamental qualities. And when we observe it as an aura through clairvoyant vision, it possesses very specific color characteristics. These fade in a concerning manner in an envious person; they fade, becoming weak and dull. And the astral body of an envious person becomes, so to speak, deficient in the strength it should be supplying to the entire human organism.
[ 8 ] Bei der Lügenhaftigkeit ist es wiederum so, daß sie, und auch jede einzelne Lüge, sich im Ätherleibe ausdrückt. Der Ätherleib verliert an Lebenskraft und Lebensenergie, wenn der Mensch verlogen ist. Das kann man sogar äußerlich konstatieren. So sonderbar es für unser Zeitalter klingt, wahr ist es aber doch, daß bei Menschen, die viel lügen, zum Beispiel Wunden unter sonst gleichen Bedingungen schwerer. zu heilen sind als bei wahrhaften Menschen. Selbstverständlich darf man da nicht absolut schließen, es können auch andere Gründe da sein. Aber alles übrige in gleicher Art vorausgesetzt, sind bei verlogenen Menschen Wunden schwerer zu heilen als bei wahrhaftigen Menschen. Es ist gut, solche Dinge im Leben zu beachten. Und das ist auch leicht erklärlich. Der Ätherleib des Menschen ist das eigentliche Lebensprinzip, ist das, was die Lebenskräfte enthalten muß. Diese werden aber untergraben durch die Lügenhaftigkeit. So daß nicht so viel Lebenskraft von dem Ätherleib abgegeben werden kann, wie es zu einer Heilung notwendig ist, wenn dieser Ätherleib die Lebenskraft durch Lügenhaftigkeit entzogen bekommen hat, wenn er das nicht hat, daß er immer durchdrungen war von jenen Bewegungen, von jenen Tatbeständen, die von der Wahrhaftigkeit herrühren. Wir sollten solche Dinge wohl beachten, denn wir werden das Leben in mancher Beziehung besser verstehen, wenn wir dies tun.
[ 8 ] As for dishonesty, it is the case that it—and indeed every single lie—manifests itself in the etheric body. The etheric body loses vitality and life energy when a person is dishonest. This can even be observed externally. As strange as it may sound in our age, it is nevertheless true that, under otherwise identical conditions, wounds heal more slowly in people who lie frequently than in truthful people. Of course, one must not draw absolute conclusions here; there may also be other reasons. But assuming all other factors are equal, wounds are harder to heal in dishonest people than in truthful people. It is good to take such things into account in life. And this is also easily explained. The human etheric body is the actual life principle; it is what must contain the life forces. But these are undermined by deceitfulness. So that the etheric body cannot release as much life force as is necessary for healing if this etheric body has had its life force drained by deceitfulness, if it has not been constantly permeated by those movements, by those realities, that stem from truthfulness. We should take such things to heart, for we will understand life better in many respects if we do so.
[ 9 ] Nun wissen Sie, daß wir das, was an den Menschen herantritt, sehen müssen im Lichte von zwei Mächten, die auf das menschliche Leben so, wie es sich von Inkarnation zu Inkarnation entwickelt, ihren Einfluß haben. Wir müssen das menschliche Leben betrachten unter dem Einfluß der luziferischen und der ahrimanischen Gewalten. Die luziferischen Gewalten sind die, welche auf unseren astralischen Leib wirken, welche ihre Kraftwirkungen in unseren astralischen Leib hereinstrahlen und uns in bezug auf diesen versuchen. Die ahrimanischen Gewalten sind die, welche uns in bezug auf unseren Ätherleib versuchen. Ja, es ist Luzifer, der uns sozusagen am Kragen packt, wenn wir neidische Menschen sind. Der Neid ist so recht eine luziferische Eigenschaft, eine Eigenschaft, die von Luzifer kommt, wogegen die Lügenhaftigkeit eine Eigenschaft ist, die von Ahriman kommt. Denn Ahriman sendet die Kräfte und Mächte aus, die in unseren Ätherleib einstrahlen.
[ 9 ] Now you know that we must view what approaches human beings in the light of two forces that influence human life as it develops from one incarnation to the next. We must view human life under the influence of the Luciferic and Ahrimanic forces. The Luciferic forces are those that act upon our astral body, that radiate their forces into our astral body and tempt us in relation to it. The Ahrimanic forces are those that tempt us in relation to our etheric body. Yes, it is Lucifer who, so to speak, grabs us by the collar when we are envious people. Envy is truly a Luciferic quality, a quality that comes from Lucifer, whereas mendacity is a quality that comes from Ahriman. For Ahriman sends forth the forces and powers that radiate into our etheric body.
[ 10 ] Nun können wir sagen: Es war zwar durchaus absolut notwendig, daß Luzifer und Ahriman von den weisen Weltenmächten abgeordnet wurden, damit sie auf uns wirken zu unserer Selbständigkeit. Indem sie bewirken, daß wir unsere Selbständigkeit mißbrauchen, sind sie in gewisser Weise Feinde der höheren Entwickelung der Menschheit. Aber wenn sie auch dem Menschen in einer gewissen Weise in seiner höheren Entwickelung Feinde sind, sind sie sehr befreundet und beschließen untereinander ganz sonderbare Kompromisse. Wir können gerade von diesen Kompromissen sprechen, wenn wir solche menschliche Eigenschaften wie Neid und Lügenhaftigkeit betrachten.
[ 10 ] Now we can say: It was indeed absolutely necessary for the wise world powers to send Lucifer and Ahriman to influence us so that we might achieve independence. By causing us to abuse our independence, they are, in a certain sense, enemies of humanity’s higher development. But even though they are, in a certain sense, enemies of humanity in its higher development, they are very much on friendly terms and strike quite peculiar compromises among themselves. We can speak of these very compromises when we consider such human qualities as envy and deceitfulness.
[ 11 ] Neid! Der Mensch, der nicht ganz verdorben ist, wird in dem Augenblick, wo er sich sagen muß: Ich bin eine neidische Natur -, wirklich alles tun, man braucht gar nicht besonders hochzustehen, um alles zu tun, diesen Neid zu bekämpfen. Aber die Dinge sitzen manchmal viel tiefer, als unsere Macht reicht, die vom Bewußtsein ausgeht. Und der Mensch stellt sich manchmal doch zu leicht vor, wie es mit dem Bekämpfen solcher Dinge liegt. So kommt es dann vor, daß er solche Dinge bekämpft, weil er sie als häßlich empfindet, daß sie aber nicht fortgehen, daß sie eigentlich nur ihre Form ändern, daß sie in einem anderen Gebiet wiederum auftreten. In Masken, in Verlarvungen treten sie dann auf. Und weil man den Neid so haßt, bekämpft man ihn, aber wenn die Seele noch nicht stark genug ist, um ihn gründlich zu bekämpfen, verliert er sich als Neid, tritt aber in anderer Form auf.
[ 11 ] Envy! A person who is not entirely corrupt will, the moment they have to admit to themselves, “I am an envious person,” truly do everything in their power—one need not be particularly noble to do everything possible—to combat this envy. But things sometimes run much deeper than our power—which stems from consciousness—can reach. And people sometimes imagine too easily what it takes to combat such things. So it happens that they fight such things because they find them ugly, yet they do not go away; they merely change their form and reappear in another realm. They then appear in masks, in disguises. And because one hates envy so much, one fights it; but if the soul is not yet strong enough to fight it thoroughly, it disappears as envy but reappears in another form.
[ 12 ] Sie alle kennen jene Eigenschaft der Menschen, die man so häufig findet und die man nennen könnte: Kritikasterei und Tadelsucht, das Aufmerken auf die Fehler unserer Nebenmenschen. Wenn sich jemand sagen muß: Ich bin ein neidischer Mensch, ich will nicht haben, daß meine Mitmenschen Vorzüge haben —, fühlt er sich schlecht. Er fühlt, daß er das bekämpfen muß. Wenn er sich aber sagen kann: Der oder die hat das oder jenes Schreckliche getan -, da fühlt er, daß die Tadelsucht in gewisser Weise berechtigt ist, da fühlt er sich so recht in seinem Element. Denken Sie sich doch einmal, wenn das nicht so wäre, wie viele Kaffeegesellschaften und Biergesellschaften wegfallen müßten, wo im Grunde genommen so sehr häufig nichts anderes getan wird, als daß man dieser Kritikasterei und Tadelsucht die Zügel schießen läßt. Und da findet sich der Mensch dann vor sich selbst gerechtfertigt. Er sagt sich: Ja, man sieht die Fehler, man muß sie sehen, man kann sich die Augen nicht verschließen. — Es handelt sich nur darum, aus welchen Gründen wir die Fehler unserer Mitmenschen sehen, ob wir sein der Absicht sehen, das Leben zu verbessern, oder ob wir einem Hang unserer Seele folgen, der oftmals nichts anderes ist als ein maskierter Neid. Den Neid bekämpfen die Menschen, weil sie ihn hassen, aber sie können ihn nicht ausreißen, weil sie zu schwach sind. So nimmt er das Gewand der Tadelsucht an und wandert in der Seele auf diese Weise weiter. Dann hat man den Neid nicht bekämpft, man hat ihn nur in eine andere Metamorphose gezwungen. In Wahrheit ist dann das geschehen, daß der Mensch den Luzifer bekämpft hat, weil er über den Neid der Regent wie über vieles ist. Aber Luzifer sagt dann zu Ahriman, wenn ich mich so ausdrücken darf: Sieh, lieber Ahriman, mein Regiment des Neides haßt der Mensch, er will nicht neidisch sein. Nun nimm du ihn in bezug auf diese Eigenschaft! Dann sagt Ahriman: Ja, dann werde ich das in den Ätherleib hineinpressen. — Und es wird in den Ätherleib hineingepreßt als Tadelsucht, als Kritikasterei, als irregeführtes Urteil über die Mitwelt. Denn Urteilsfähigkeit hat immer etwas zu tun mit den Bewegungen und Kräften des Ätherleibes. Da geht dann das Regiment in bezug auf unsere Seele von Luzifer auf Ahriman über. Und so treten viele Eigenschaften, die wir, wenn sie sich uns in ihrer ursprünglichen Gestalt zeigen würden, haßten und bekämpften, maskiert auf. Da treten sie manchmal so auf, daß wir sie eigentlich sehr gerechtfertigt finden und uns sogar etwas zugute darauf tun, daß wir uns aufschwingen können, das Richtige im Leben zu sehen. Dann sind wir so recht in den Fangarmen der anderen Macht, der ahrimanischen Macht. Da dürfen wir nicht vergessen, daß eine Eigenschaft viel gefährlicher ist, wenn sie in der Maske auftritt, als wenn sie in ursprünglicher Gestalt auftritt. Daher ist es immer gut zu fragen, wenn wir dieses oder jenes im Leben sehen: Ist das nicht vielleicht bloß eine verwandelte andere Untugend? — Das ist außerordentlich notwendig, daß wir so das Leben in seiner Wahrheit betrachten lernen. Das können wir im Grunde genommen nur, wenn wir die Richtlinien, die uns die anthroposophische Weisheit gibt, benützen, um das Leben ordentlich anzuschauen.
[ 12 ] You are all familiar with that human trait that is so common and that one might call: a tendency to criticize and find fault, a focus on the mistakes of those around us. When someone has to admit to themselves: “I am an envious person; I don’t want my fellow human beings to have advantages”—they feel bad. They feel that they must fight against it. But when they can say to themselves: “He or she has done this or that terrible thing”—then they feel that their tendency to find fault is, in a certain sense, justified; then they feel right at home. Just imagine, if that weren’t the case, how many coffee parties and beer gatherings would have to be canceled, where, when it comes down to it, so very often nothing else is done but letting this criticism and fault-finding run wild. And there, the person then finds themselves justified in their own eyes. They tell themselves: “Yes, one sees the faults; one must see them; one cannot close one’s eyes to them.” — The only question is, for what reasons do we see the faults of our fellow human beings—whether we do so with the intention of improving life, or whether we are following a tendency of our soul that is often nothing more than envy in disguise. People fight against envy because they hate it, but they cannot root it out because they are too weak. Thus it takes on the guise of fault-finding and continues its journey in the soul in this way. Then one has not fought envy; one has merely forced it into another metamorphosis. In truth, what has happened is that the human being has fought Lucifer, for he reigns over envy as over many things. But Lucifer then says to Ahriman, if I may put it this way: “Behold, dear Ahriman, humanity hates my dominion of envy; they do not wish to be envious. Now take them over in regard to this quality!” Then Ahriman says: “Yes, then I will press this into the etheric body.” — And it is pressed into the etheric body as fault-finding, as nitpicking, as misguided judgment of the surrounding world. For the power of judgment always has something to do with the movements and forces of the etheric body. There, then, the dominion over our soul passes from Lucifer to Ahriman. And so many qualities, which we would hate and fight if they appeared to us in their original form, appear in a masked form. They sometimes appear in such a way that we actually find them quite justified and even take some credit for being able to rise above and see what is right in life. Then we are truly in the clutches of the other power, the Ahrimanic power. We must not forget that a trait is far more dangerous when it appears in disguise than when it appears in its original form. Therefore, it is always good to ask, when we see this or that in life: Is this not perhaps merely another vice in disguise? — It is absolutely essential that we learn to view life in its truth in this way. Fundamentally, we can only do this if we use the guidelines provided by anthroposophical wisdom to look at life properly.
[ 13 ] Nun müssen wir sagen: Was so im Leben auftritt als diese oder jene Untugend, sei es in wahrer Gestalt, sei es in der Maske, das sehen wir oftmals schon karmisch wirksam in einer einzelnen Inkarnation. Wir brauchen gar nicht den Übergang von einer Inkarnation in die andere abzuwarten. Wir sehen in einer Inkarnation schon die karmische Auswirkung einer Eigenschaft, die in irgendeiner Lebensepoche auftritt. Und diejenigen, die das Leben wirklich betrachten wollen und ein wenig darauf achten, daß man das Leben nicht kennenlernt, wenn man morgen immer schon vergißt, was heute geschehen ist, sondern wenn man längere Lebensepochen der Menschen ins Auge faßt, die werden Karma schon wirksam finden auch in einer Verkörperung, in einem Leben. Es ist wirklich notwendig, daß man in gewisser Weise sehr, sehr sorgfältig darauf achtet, wie die Sünden des Lebens sich im Grunde genommen erst nach Jahrzehnten zeigen. Aber die Menschen sind ein vergeßliches Geschlecht. Von all den Rassen, die beim Menschengeschlecht anfangen und sich in alle höheren Welten hinauf erstrecken, sind die Menschen wirklich das vergeßlichste Geschlecht. Wenn wir mit irgend jemand auch Jahrzehnte bekannt sind, wir vergessen, was vor zehn Jahren zutage getreten ist, wir lassen das sehr gern aus dem Gedächtnis schwinden. Ich habe vielleicht auch schon hier ein kleines Beispiel erwähnt, das uns aber wiederum zeigen kann, wie wir das Leben in größeren Zeiträumen betrachten müssen, wenn wir es in seiner wahren Gestalt erkennen wollen — etwas Äußerliches, das ich nur einschieben will. Es handelt sich um die Zeit, in welcher ich Gelegenheit hatte, in verschiedenen Familien viele Kinder zu beobachten. Wenn man Kinder erzieht, hat man ja nicht nur diejenigen Kinder zu beobachten, die man selber zu erziehen hat, sondern auch die mehr oder weniger kleinen Sprößlinge der Onkel, Tanten, Nichten und Neffen und so weiter. Und da kann man sich manches für das Leben notieren. Nun, es ist ja lange her, die Moden ändern sich. Es war damals, als ich Kinder zu erziehen hatte, Mode, daß zur Stärkung kleiner Kinder von den Erziehern manchmal am Tage recht viele Dosen Rotwein zu den Mahlzeiten gegeben worden sind. Es war so, man hat das für etwas Gutes gehalten. Wenn man sich das dazumal notiert hat: dies und dies Kind hat Rotwein bekommen und das andere nicht, kann man jetzt, wenn man wieder Gelegenheit hat, wie ich es immer versuche zu beobachten, was aus diesen Kindern geworden ist, eigentümliche Erkenntnisse sammeln. Ich kann sagen: die zwei- bis drei- bis vierjährigen Kinder von dazumal - jetzt Menschen von siebenundzwanzig, achtundzwanzig, neunundzwanzig Jahren -, die als Kinder Rotwein bekommen haben, sind zappelige, nervöse Menschen, haben es manchmal außerordentlich schwierig, sich im Leben zurechtzufinden. Natürlich darf man nicht bloß über fünf Jahre seine Beobachtungen anstellen. Das ist heute so sehr Usus, daß man dieses oder jenes ausprobiert, und wenn es in den nächsten Monaten einigen Erfolg zeigt, flugs ist es ein weitverbreitetes Heilmittel. Es sind auch auf diesem Gebiet die Menschen vergeßlich. Wieviel Heilmittel nach fünf Jahren außer Mode gekommen sind, haben die Menschen auch wieder vergessen. Aber, wie gesagt, wenn man über Jahrzehnte seine Beobachtung ausdehnt, dann kann man schon spüren, wie das Leben wirkt. Es ist wirklich ein großer Unterschied zwischen den Kindern, die dazumal Rotwein bekommen haben, und denen, die keinen bekommen haben. Aber man müßte erst drei Jahrzehnte seine Beobachtungen sozusagen anstellen, um das zu sehen. Und so ist es ja. Das habe ich eingeflochten, um zu zeigen, daß es notwendig ist, wenn man Karma am Werke sehen will, nicht vergeßlich zu sein, sondern seine Beobachtungen über größere Zeiträume zu erstrecken. So ist es auch mit dem, was mehr in seelischer Weise zutage tritt.
[ 13 ] Now we must say: Whatever appears in life as this or that vice—whether in its true form or in disguise—we often see it already having a karmic effect within a single incarnation. We do not need to wait for the transition from one incarnation to the next. We can already see in a single incarnation the karmic effect of a trait that appears at some point in a person’s life. And those who truly wish to observe life and pay a little attention to the fact that one does not come to know life by forgetting tomorrow what happened today, but rather by taking into account the longer periods of human life—they will find karma already at work even within a single incarnation, within a single life. It is truly necessary to pay very, very careful attention to how the sins of life, in essence, only reveal themselves after decades. But human beings are a forgetful race. Of all the races that begin with the human race and extend up into all the higher worlds, human beings are truly the most forgetful race. Even if we have known someone for decades, we forget what came to light ten years ago; we are very happy to let it fade from memory. I may have already mentioned a small example here, but it can once again show us how we must view life over longer periods of time if we wish to recognize it in its true form—a brief aside I would like to insert. It concerns the time when I had the opportunity to observe many children in various families. When raising children, one has to observe not only the children one is raising oneself, but also the more or less young offspring of uncles, aunts, nieces, and nephews, and so on. And there one can take note of many things for life. Well, it was a long time ago, and fashions change. Back then, when I was raising children, it was fashionable for caregivers to sometimes give small children quite a few glasses of red wine with their meals during the day to fortify them. That was the way it was; people considered it a good thing. If one had made a note of it back then—that this or that child received red wine and the other did not—one can now, when one has the opportunity again, as I always try to do, observe what has become of these children and gather some peculiar insights. I can say: the two-, three-, and four-year-old children of that time—now people aged twenty-seven, twenty-eight, and twenty-nine—who were given red wine as children are fidgety, nervous people who sometimes find it extraordinarily difficult to find their way in life. Of course, one must not limit one’s observations to just five years. It is so common today to try this or that, and if it shows some success in the coming months, it quickly becomes a widely used remedy. People are forgetful in this area as well. They have also forgotten how many remedies have gone out of fashion after five years. But, as I said, if one extends one’s observations over decades, then one can really sense how life works. There is truly a great difference between the children who were given red wine back then and those who were not. But one would first have to conduct observations over three decades, so to speak, to see this. And that is indeed the case. I have woven this in to show that if one wants to see karma at work, it is necessary not to be forgetful, but to extend one’s observations over longer periods of time. The same applies to what manifests itself more in a spiritual sense.
[ 14 ] Man kann durchaus, wenn man die zweite Hälfte des Menschenlebens mit der ersten im Zusammenhang betrachtet, sehen, wenn der Mensch in einer gewissen Epoche lügenhaft oder neidisch war, oder den Neid unter der Maske der Tadelsucht gehabt hat, wie die Wirkung schon in der zweiten Hälfte des Lebens karmisch hervorrritt. Lügenhafte Menschen zeigen immer schon in der einen Inkarnation eine ganz bestimmte karmische Wirkung der Lügenhaftigkeit: eine gewisse Scheu, eine Unmöglichkeit, man möchte sagen, glattweg den Menschen in das Auge zu schauen. Das erfüllt sich sicher. Versuchen Sie nur, die Sache zu beobachten. Sie werden das bestätigt finden. Volkssprichwörter haben manchmal einen tiefen, weisheitsvollen Kern. Nicht umsonst sagt man in vielen Gegenden, daß man sich vor einem Menschen hüten müsse, der einem anderen nicht ins Auge schauen kann. Denn das ist die karmische Wirksamkeit der Lügenhaftigkeit.
[ 14 ] If one considers the second half of a person’s life in connection with the first, one can certainly see that if a person was deceitful or envious during a certain period, or harbored envy under the guise of a critical nature, the karmic effect of this becomes evident as early as the second half of life. Deceitful people always display a very specific karmic effect of deceitfulness in one incarnation: a certain shyness, an inability—one might say—to look people straight in the eye. This certainly comes to pass. Just try to observe this phenomenon. You will find it confirmed. Folk proverbs sometimes have a deep, wise core. It is not for nothing that people in many regions say one must be wary of a person who cannot look another in the eye. For that is the karmic effect of deceitfulness.
[ 15 ] Neid dagegen oder Neid maskiert als Tadelsucht und Kritikasterei, zeigt sich in einer späteren Lebensepoche derselben Inkarnation so, daß der betreffende Mensch die Eigenart hat, nicht recht auf eigenen Füßen stehen zu können, so daß er die Sehnsucht hat, sich an andere anzulehnen, daß er zu allen Kleinigkeiten Rat braucht, am liebsten immer zu einem anderen laufen möchte, der ihm Rat geben soll. Selbständigkeit im Leben geht verloren durch Neid, Kritikasterei, Tadelsucht. Seelisch schwach wird ein solcher Mensch.
[ 15 ] Envy, on the other hand—or envy masked as a tendency to find fault and nitpick—manifests itself in a later stage of life within the same incarnation in such a way that the person in question has a tendency to be unable to stand on their own two feet, so that they have a longing to lean on others, need advice on every little thing, and would prefer to always run to someone else to ask for advice. Independence in life is lost through envy, nitpicking, and fault-finding. Such a person becomes emotionally weak.
[ 16 ] Nun treten uns diese Eigenschaften mit ihren karmischen Wirkungen seelisch entgegen, wenn wir die eine Inkarnation betrachten. Wir wollen gleich nachher ein wenig Rücksicht nehmen darauf, wie sich die karmischen Wirkungen ausleben, wenn wir von einer Inkarnation in die andere gehen.
[ 16 ] Now, when we consider a single incarnation, these characteristics and their karmic effects confront us on a spiritual level. We will shortly take a closer look at how these karmic effects play out as we move from one incarnation to the next.
[ 17 ] Wir wollen aber jetzt, damit wir nicht einseitig sind, auch gute Eigenschaften in Betracht ziehen: Wohlwollen und Zufriedenheit. Was ein wohlwollender Mensch ist, weiß ein jeder. Ein wohlwollender Mensch ist jemand, der sich in gewisser Beziehung befriedigt fühlt, wenn ein anderer einen Erfolg hat, dieses oder jenes erreicht, wenn er gute Eigenschaften an dem oder jenem bemerkt. Wohlwollen ist dann vorhanden, wenn man gewissermaßen das, was der andere erlebt, wie sein Eigenes miterlebt. Dieses Wohlwollen hat wiederum eine ganz bestimmte Wirkung auf unseren astralischen Leib, und zwar so ziemlich das Gegenteil der Wirkung von Neid. Wir sehen, wie die Lichter des astralischen Leibes bei den Äußerungen des Wohlwollens des Menschen aufglänzen. Heller und strahlender wird der astralische Leib, wenn Regungen des Wohlwollens in der Seele des Menschen sind. Die Aura wird lichtvoller, strahlender und damit reicher, sie wird in sich gesättigter, und sie ist dann imstande, in den Menschen erst etwas wie Seelenwärme und dann sogar etwas von einem Sich-Gesundfühlen hineinzugießen.
[ 17 ] But now, so as not to be one-sided, let us also consider some positive traits: benevolence and contentment. Everyone knows what a benevolent person is. A benevolent person is someone who feels a certain sense of satisfaction when another person succeeds, achieves this or that, or when they notice good qualities in this or that person. Benevolence is present when one, so to speak, experiences what the other is experiencing as if it were one’s own. This benevolence, in turn, has a very specific effect on our astral body—namely, pretty much the opposite of the effect of envy. We see how the lights of the astral body shine brightly when a person expresses benevolence. The astral body becomes brighter and more radiant when feelings of goodwill are present in a person’s soul. The aura becomes more luminous, more radiant, and thus richer; it becomes more saturated within itself, and is then able to infuse the person first with something like soul warmth and then even with a sense of well-being.
[ 18 ] Und wenn wir einen zufriedenen Menschen vor uns sehen, einen Menschen, der nicht geneigt ist, von vornherein über alles grämlich zu sein, über alles unzufrieden zu sein, dann zeigt uns der Ätherleib ganz bestimmte Eigenschaften. Das ist wichtig, daß wir das wiederum in einer gewissen Art beachten. Denn eigentlich sollten wir uns doch klar sein, wieviel von unseren Unzufriedenheiten im Grunde wirklich von uns selber abhängen. Der eine kann gar nicht genug tun, überall das aufzustöbern, was ihn unzufrieden machen kann. Und wir fühlen, daß das nicht nur glücklichere Naturen, sondern schon auch bessere Naturen sind, die imstande sind, viel darauf zu achten, daß selbst, wenn noch so schlimme Dinge an uns fortwährend herankommen, wir doch Gründe haben, über das oder jenes uns zu freuen. Es gibt solche Gründe. Und wer nicht zugeben will, daß es diese gibt, an dem liegt es eben selber. Zufriedenheit, namentlich wenn sie durch eine bessere Eigenschaft unserer Seele bewirkt ist, verstärkt den Ätherleib in bezug auf seine Lebenskraft. Und wiederum ist es der Fall — alle übrigen Bedingungen in der gleichen Art vorausgesetzt —, daß Wunden oder sonstiges bei einem zufriedenen Menschen, der gewissen Anlaß hat, leicht befriedigt zu sein, sich nicht viel aufzuregen über das, was ihm zustößt, leichter heilen bei ihm, als bei dem Grämlichen und Unzufriedenen, der sich über alles aufregt und von allem unbefriedigt weggeht, wie gesagt unter sonst gleichen Umständen. Nun können wir auch wiederum in einem Leben recht genau sehen — und das ist wichtig, daß wir so etwas, wenn wir zu erziehen haben, gut beachten -, daß bei jemandem, der in einer gewissen Lebensepoche so recht von Zufriedenheit durchdrungen ist und sich bemüht, die Dinge aufzusuchen, die ihn befriedigen können, vielleicht trotz Schmerz und Leid, daß bei ihm eine karmische Auswirkung noch im selben Leben, wenn auch erst nach Jahrzehnten geschieht, was sich namentlich dadurch zum Ausdruck bringt, daß ein solcher Mensch, der also Zufriedenheit sich anzueignen bestrebt hat, in einer gewissen Epoche seines Lebens, ein gewisses wohltuendes Gleichmaß des Lebens auf seine Umgebung ausströmt. Sie wissen, daß es das gibt. Es gibt solche Menschen, in deren Umgebung andere ungeheuer leicht zappelig werden müssen, und solche, die einfach dadurch, daß sie da sind, andere beruhigen. Menschen, die sich bestrebt haben, in einer Epoche ihres Lebens zufrieden zu sein, erringen sich als karmische Wirkung für eine nächste Epoche desselben Lebens diese Möglichkeit, harmonisierend auf ihre Umgebung zu wirken, gewissermaßen rein durch ihr Dasein Wohltäter für ihre Umgebung zu sein.
[ 18 ] And when we see a contented person before us—someone who is not inclined to be grumpy about everything from the outset, to be dissatisfied with everything—then the etheric body reveals certain specific qualities to us. It is important that we, in turn, take this into account in a certain way. For we should really be clear about how much of our dissatisfaction actually depends on ourselves. Some people can’t do enough to seek out everything that might make them dissatisfied. And we feel that it is not only happier natures, but also better natures, that are capable of paying close attention to the fact that even when terrible things keep coming our way, we still have reasons to be happy about this or that. Such reasons do exist. And if someone refuses to admit that they exist, that is entirely their own fault. Contentment, especially when brought about by a better quality of our soul, strengthens the etheric body in terms of its life force. And again, it is the case—assuming all other conditions are the same —that wounds or other ailments heal more easily in a contented person who has good reason to be easily satisfied and not to get overly upset about what befalls them, than in the gloomy and discontented person who gets upset about everything and walks away dissatisfied with everything, as said, all other things being equal. Now we can also see quite clearly in a single lifetime—and it is important that we take such things into account when we are educating others—that in someone who, at a certain stage of life, is so thoroughly imbued with contentment and strives to seek out the things that can satisfy them, perhaps despite pain and suffering, a karmic effect occurs in that same life, albeit only after decades, which manifests itself notably in the fact that such a person, who has thus strived to attain contentment during a certain phase of their life, radiates a certain soothing balance of life into their surroundings. You know that this exists. There are people in whose presence others inevitably become restless, and others who, simply by being there, calm others. People who have strived to be content during a certain phase of their lives earn, as a karmic effect for a subsequent phase of the same life, this ability to have a harmonizing effect on their surroundings—to be, so to speak, benefactors to their environment simply by their very presence.
[ 19 ] Wohlwollende Menschen — das können wir immer beobachten — die sich bestrebt haben, wohlwollend zu sein, erringen sich die karmische Wirkung, daß ihnen in einer späteren Lebensepoche merkwürdig alle Dinge gelingen, die von ihnen abhängen, die von ihnen beabsichtigt werden. Das scheint uns manchmal unerklärlich, daß manchem Menschen alles gelingt, daß er sich dem gewachsen fühlt, was er unternimmt, und daß es einem anderen nicht gelingt, daß ihm alles versagt, was er anfaßt. Das führt zurück auf die karmische Ursache des Wohlwollens oder des Mißwollens. Sie können diese Dinge, die ich Ihnen wie Leitlinien anführe, im Leben beobachten. Wenn Sie die Fehlerquellen ausschließen, die es gibt, so werden Sie sehen, daß Ihnen das Leben das bestätigt, was ich gesagt habe.
[ 19 ] Benevolent people—as we can always observe—who have strived to be benevolent, achieve the karmic effect that, in a later phase of life, everything that depends on them and that they intend to do succeeds remarkably well. It sometimes seems inexplicable to us that some people succeed at everything, that they feel up to whatever they undertake, while others do not succeed, and everything they touch fails. This leads back to the karmic cause of goodwill or ill will. You can observe these things, which I present to you as guidelines, in life. If you eliminate the sources of error that exist, you will see that life confirms what I have said.
[ 20 ] Wenn wir jetzt von einer Inkarnation in die andere übergehen, so müssen wir sagen: In einer Inkarnation können sich die karmischen Wirkungen eigentlich nur seelisch zeigen, zeigen sich nur seelisch. Da zeigen sich die Wirkungen des Neides in gewissen Schwächen und in Unselbständigkeit, die Wirkungen der Lügenhaftigkeit in der Scheuheit, die Wirkungen von Wohlwollen und Zufriedenheit, so wie ich es Ihnen geschildert habe. Wir haben in der einen Inkarnation eben nicht jene gründlichen, tiefgehenden Einflüsse auf unsere Leibesorganisation, daß wir mit den karmischen Wirkungen weiterkommen könnten als bis zu einer seelischen Grundlage. In den Leib hinein, in den Aufbau und die Organisation des Leibes hinein wirken diese Dinge erst in der nächsten Inkarnation. Und während wir uns seelisch zu unselbständigen Menschen machen in einer Inkarnation durch Neid und Tadelsucht, wirken diese den Leib schwach konstituierend, ihn schwach aufbauend in die nächste Inkarnation hinüber. Es wird ein schwacher Leib aufgebaut von einem, der früher vom Neid geplagt war oder von maskiertem Neid, von Tadelsucht, Kritikasterei.
[ 20 ] When we now pass from one incarnation to another, we must say: In an incarnation, karmic effects can actually manifest only in the soul, and do manifest only in the soul. There the effects of envy manifest in certain weaknesses and in a lack of independence, the effects of deceitfulness in shyness, and the effects of goodwill and contentment, just as I have described to you. In a single incarnation, we simply do not have those profound, deep-seated influences on our physical constitution that would allow us to progress with the karmic effects beyond a soul-level foundation. These things only begin to affect the body—its structure and constitution—in the next incarnation. And while we make ourselves spiritually dependent in one incarnation through envy and a tendency to criticize, these qualities have a weakening effect on the constitution of the body, carrying it over into the next incarnation in a weakened state. A weak body is built up by one who was formerly plagued by envy or by masked envy, by a tendency to criticize, by nitpicking.
[ 21 ] Nun müssen wir aber auch, wenn wir uns ein wenig mit dem befaßt haben, was uns die Geisteswissenschaft sonst zeigt, sagen, daß es doch wahrhaftig nicht zufällig ist, wenn wir in einer neuen Inkarnation mit diesem oder jenem Menschen zusammengeführt werden. Wir werden hineingeführt in die Familie, in die Umgebung, mit der wir etwas zu tun haben. Und so werden Sie es nicht sehr sonderbar finden, wenn ich sage: Wenn einer in einer Inkarnation ein neidischer Mensch war, so wird er mit den Menschen wieder geboren - sei es, daß sie seine Eltern oder andere sind -, die er beneidet hat, die er gerichtet oder verklatscht, die er getadelt hat. Mit denen wird er wieder zusammengeführt. Und wir werden vielleicht dadurch zusammengeführt, daß wir in diese Umgebung mit einer schwachen Organisation hineingeführt werden. Da wird die Sache sehr praktisch, da wird die Lehre vom Karma an die Lebenspraxis herangerückt. Da können wir sagen, wenn ein Menschenkind mit einer schwachen Organisation hereingeboren wird: Dies ist die Folge der neidhaften Anlage der früheren Inkarnation, und wir, wir sind diejenigen, welche beneidet worden sind, und es ist dieses Menschenkind karmisch mit uns zusammengeführt worden, weil wir diejenigen sind, hinter denen es mit seinem Neid und seiner Klatschsucht her war. Das ist fruchtbar, wenn wir uns sagen: Wenn Karma überhaupt einen Sinn hat, so ist es berechtigt, die Sache so anzusehen. Also sehen wir sie einmal so an.
[ 21 ] However, having considered what spiritual science generally reveals to us, we must also acknowledge that it is certainly no coincidence when we are brought together with this or that person in a new incarnation. We are led into the family, into the environment with which we have a connection. And so you will not find it very strange when I say: If someone was an envious person in one incarnation, they will be reborn with the people—whether they are their parents or others—whom they envied, whom they judged or slandered, whom they reproached. He is reunited with them. And we may be brought together in this way by being led into this environment with a weak constitution. Here the matter becomes very practical; here the doctrine of karma is brought into the practice of life. Then we can say, when a human child is born with a weak constitution: This is the consequence of the envious disposition from a previous incarnation, and we—we are the ones who were envied, and this human child has been karmically brought together with us because we are the ones whom it pursued with its envy and its love of gossip. This is fruitful if we tell ourselves: If karma has any meaning at all, then it is justified to view the matter in this way. So let us look at it this way for once.
[ 22 ] Natürlich, fruchtbar wird die Sache erst, wenn wir uns fragen: Was sollen wir nun tun gegenüber einem solchen schwachen Menschenkinde? Da brauchen wir uns nur zu fragen: Was erscheint uns denn moralisch als das Beste schon im gewöhnlichen Leben, wenn uns jemand mit seinem Neid und seiner Tadelsucht verfolgt? Vielleicht ist es im gewöhnlichen alltäglichen Leben nicht immer möglich, das Beste auszuführen. Was erscheint uns aber als das Beste? - Nun ganz gewiß erscheint uns das Verzeihen, das Vergeben als das Allerbeste. Man kann sagen: Unser Leben ist vielleicht nicht so, daß wir immer vergeben können, aber das Beste ist ohne Zweifel das Vergeben, und das Wirksamste und auch das Fruchtbarste im Leben ist das Verzeihen. Können wir vom gewöhnlichen Leben schon sagen: Es ist das Beste, wenn wir es auch nicht immer ausführen können, das Verzeihen, so zeigt sich, daß aber unter allen Umständen die wirkliche Anwendung des Prinzips des Verzeihens dann am richtigen Platz ist, wenn wir als karmische Wirkung aus früheren Inkarnationen das konstatieren müssen, was ich gesagt habe. Wenn ein schwaches Menschenkind in unsere Umgebung hereingeboren oder mit uns zusammengeführt worden ist, müssen wir uns dann sagen: Da Karma nicht bloß eine theoretische Idee bleiben soll, müssen wir uns denken, daß wir die Beneideten, die Verklatschten waren. Jetzt können wir unter allen Umständen in unserem tiefsten Herzen das Gefühl der Verzeihung, der Vergebung üben. — Wir können sozusagen ein solches Menschenkind wie einhüllen in eine Atmosphäre von immer wieder rege gemachten Verzeihungsgefühlen. Wenn man das täte im Leben, wenn man sich zusammengeführt fühlt mit Menschen, die schwach sind, und würde nicht bloß theoretisch die Idee des Verzeihens fassen, sondern immer erneut in der Seele die Empfindungen rege machen, ich habe dir etwas zu verzeihen, ich will dir verzeihen, und immer erneuern dieses Gefühl, dann wäre das eine praktische Einführung der anthroposophischen Gesinnung ins Leben. Man würde schon die Wirkung sehen. Man versuche einmal, das praktisch durchzuführen, und man wird sehen, daß die Menschen, denen man auf diese Weise verzeiht und das Gefühl des Verzeihens immer erneut, wenn sie schwach in unsere Umgebung hereingeboren werden, dann aufblühen, daß unser Gefühl eine gesundende, aufblühenlassende Wirkung auf sie hat. Und wir können zu Heilern, zu Gesundern der Menschen, mit denen uns Karma zusammengeführt hat, dadurch werden. So wird Anthroposophie, wenn wir sie nicht bloß als eine Summe von Ideen betrachten, die uns interessieren, fruchtbar. Es ist im Grunde genommen recht egoistisch, wenn wir anfangen, uns für Anthroposophie zu begeistern, weil uns die Gedanken der Anthroposophie begeistern, uns als wahr erscheinen. Denn was befriedigen wir dann? Wir befriedigen das, was unsere Sehnsucht nach einer harmonischen Weltanschauung ist. Das ist sehr schön. Das Größere ist aber, wenn wir unser ganzes Leben durchdringen von dem, was sich aus diesen Ideen ergibt; wenn die Ideen in die Hände, in jeden Schritt und in alles gehen, was wir erleben und tun. Dann erst wird Anthroposophie ein Lebensprinzip, und bevor sie das nicht wird, hat sie keinen Wert.
[ 22 ] Of course, the matter only becomes meaningful when we ask ourselves: What should we do in the face of such a weak human being? We need only ask ourselves: What does seem to us, morally speaking, to be the best course of action even in ordinary life, when someone persecutes us with their envy and their tendency to criticize? Perhaps it is not always possible to do what is best in ordinary, everyday life. But what seems to us to be the best?—Well, certainly, forgiveness seems to us to be the very best. One might say: Our life may not be such that we can always forgive, but forgiveness is undoubtedly the best, and the most effective and also the most fruitful thing in life is forgiveness. If we can already say of ordinary life: It is best to forgive, even if we cannot always do so, then it becomes clear that, under all circumstances, the true application of the principle of forgiveness is most appropriate when we must acknowledge, as a karmic effect from past incarnations, what I have said. When a weak human child has been born into our environment or brought together with us, we must then say to ourselves: Since karma is not meant to remain merely a theoretical idea, we must consider that we were the envied ones, the ones who were scolded. Now, under all circumstances, we can practice the feeling of forgiveness in the depths of our hearts. — We can, so to speak, envelop such a human child in an atmosphere of feelings of forgiveness that are constantly renewed. If one were to do this in life, if one felt united with people who are weak, and were not merely to grasp the idea of forgiveness theoretically, but to constantly rekindle in the soul the feelings: I have something to forgive you for, I want to forgive you, and to continually renew this feeling, then that would be a practical introduction of the anthroposophical attitude into life. One would already see the effect. Try putting this into practice, and you will see that the people whom you forgive in this way—and the feeling of forgiveness, renewed again and again—when they are born into our environment in a state of weakness, will then blossom; that our feeling has a healing, life-giving effect upon them. And in this way we can become healers, bringing health to the people with whom karma has brought us together. Thus, anthroposophy becomes fruitful when we do not merely regard it as a collection of ideas that interest us. It is, in essence, quite selfish when we begin to become enthusiastic about anthroposophy because the ideas of anthroposophy inspire us, appear true to us. For what are we satisfying then? We are satisfying our longing for a harmonious worldview. That is very beautiful. But the greater thing is when we permeate our entire life with what arises from these ideas; when the ideas enter our hands, every step we take, and everything we experience and do. Only then does anthroposophy become a principle of life, and until it does, it has no value.
[ 23 ] Wir können auch in bezug auf die anderen Eigenschaften in ähnlicher Weise sprechen. Wenn wir zum Beispiel lügenhafte Menschen in einer Inkarnation waren und wiedergeboren werden, dann werden wir gerade mit denjenigen zusammengeführt, denen wir vielleicht den Buckel voll gelogen haben. Gar häufig kann man das finden, wenn man wirklich okkultistischer Untersucher ist, daß ein Menschenkind in eine Umgebung hereingeboren wird, zu der es nicht ein richtiges Verhältnis gewinnen kann, von der es nicht verstanden wird und die es nicht versteht. Es ist manchmal so, daß wir in eigentümlicher Weise auf unsere Umgebung wirken. Ich weiß nicht, ob Sie das schon beobachtet haben, daß das im Grunde genommen noch viel weitere Kreise als nur zum Menschen zieht. Es gibt bestimmte Menschen: wenn sie Blumen aufziehen wollen, so gedeihen diese Blumen, sie haben eine glückliche Hand dafür. Dadurch, daß sie es sind, welche die Blumen aufziehen, gedeihen diese. Andere Menschen können machen, was sie wollen: die Blumen dorren ab. Das gibt es. Es gibt eben viel geheimnisvollere Beziehungen zwischen den einzelnen Wesenheiten des Daseins, als man gewöhnlich meint. Diese geheimnisvollen Beziehungen sind natürlich hauptsächlich von Mensch zu Mensch da. Und wenn wir durch das Karma mit einem Menschenkind zusammengeführt werden, das uns in der früheren Inkarnation wacker angelogen hat, so ist es so, daß wir sozusagen schwer ein Verhältnis zu diesem Kinde finden. Das sollten wir beachten. Nicht bloß nach unserem Temperament dürfen wir das beurteilen, sondern karmisch müssen wir das beurteilen. Wir sollen sagen: Das kommt davon her, daß wir vielleicht von diesem Menschenkind oft angelogen worden sind. Jetzt können wir wiederum diesem Menschenkind helfen, es stärken und kräftigen.
[ 23 ] We can speak in a similar way regarding the other characteristics. For example, if we were deceitful people in one incarnation and are reborn, we will be brought together precisely with those whom we may have lied to relentlessly. It is quite common, if one is a serious student of the occult, to find that a human child is born into an environment with which it cannot establish a proper relationship—an environment that does not understand the child and which the child does not understand. It is sometimes the case that we have a peculiar effect on our surroundings. I don’t know if you’ve observed this yet, but it actually extends far beyond just human beings. There are certain people: when they want to grow flowers, those flowers thrive; they have a knack for it. It is precisely because they are the ones growing the flowers that they thrive. Other people can do whatever they want: the flowers wither away. That happens. There are simply far more mysterious relationships between the individual beings of existence than is commonly thought. These mysterious relationships exist, of course, primarily from person to person. And when karma brings us together with a child who has lied to us brazenly in a previous incarnation, it is the case that we find it difficult, so to speak, to establish a relationship with this child. We should bear this in mind. We must not judge this merely according to our temperament, but we must judge it karmically. We should say: This stems from the fact that we may have been lied to often by this human child. Now we can in turn help this human child, strengthen and invigorate them.
[ 24 ] Womit vergibt man am besten etwas, was also sich etwa so ausdrücken läßt, ein anderer sagt einem eine Lüge. Man vergibt das am besten, wenn man ihm eine Wahrheit beibringt. Mit dem anderen, daß man die Lüge rektifiziert, tut man schon einiges Gute, hat dadurch aber den Menschen nicht weiter gebracht. Weiter bringt man ihn, wenn man versucht, ihm eine nützliche Wahrheit beizubringen. Man muß eine Art Politik seines Umganges mit dem Menschen befolgen, das bringt den Menschen weiter. Wenn wir genötigt sind, die Sache karmisch zu betrachten, ist es insbesondere von Vorteil, daß wir Menschen gegenüber, mit denen wir karmisch zusammengeführt werden, von denen wir wissen, sie finden kein Verhältnis zu uns, weil sie scheu uns gegenüber sind, daß wir uns bemühen, recht wahrhaftig ihnen gegenüber zu sein. Dann werden wir sehen, wie diese Menschen wiederum aufblühen unter unserer Offenherzigkeit und wie ihnen diese Offenherzigkeit von großem Vorteil ist. So sehen wir, wie wir Lebensprinzipien gewinnen können, wenn wir das Wirken des Karma praktisch betrachten.
[ 24 ] What is the best way to forgive something—for example, when someone tells you a lie? The best way to forgive is to teach them the truth. By correcting the lie, you are doing some good, but you have not helped the person move forward. You help them move forward by trying to teach them a useful truth. One must follow a certain approach in dealing with people; that is what helps them progress. If we are compelled to view the matter from a karmic perspective, it is particularly advantageous that we strive to be truly honest with those people with whom we are karmically connected—people we know cannot relate to us because they are shy toward us. Then we will see how these people, in turn, blossom under our openness and how this openness is of great benefit to them. Thus we see how we can gain principles of life when we view the workings of karma in a practical way.
[ 25 ] Was wir vorhin charakterisiert haben als die Wirkung des Wohlwollens schon in einem einzelnen Leben, das können wir so sehen, daß es wirklich so etwas bewirkt wie Harmonisierung des Lebens, aber seelisch zunächst. Menschen, bei denen das von einer Inkarnation in die andere hinüberwirkt, bei denen finden wir, daß sie tatsächlich mit einer glücklicheren Organisation, die wir «geschickt» nennen können, geboren werden. Wohlwollen, Zufriedenheit in einer Inkarnation, bewirken Geschmeidigkeit, Geschicklichkeit in einer anderen Inkarnation. Wahr ist es, daß es so ist, denn dasläßt sich auf dem Gebiet der okkulten Forschung immer nachweisen. Und man kann sehr gut sich selbst beobachten und einiges von dem erfahren, wie die frühere Inkarnation in die gegenwärtige herüberwirkt. Wir können ganz sicher sein, daß es so ist bei Menschen, deren Finger ganz ungeeignet sind, einen Knopf, der abreißt, selber anzunähen, oder bei Menschen, die, wenn sie ein Glas in den Wandschrank tragen sollen, dieses glücklich zu Boden schmeißen ich übertreibe jetzt etwas. Aber in feineren Nuancen gibt es sehr zahlreiche Menschen, die so organisiert sind, daß sie gar nicht anders können, als ihre Finger nicht in der richtigen Weise zu bewegen, daß sie immer Ungeschicklichkeiten machen. Das hat eine tiefe Bedeutung für das Leben, ob man sein Instrument des Leibes wacker gebrauchen kann oder ob es einem alle Augenblicke sozusagen tückisch Hindernisse bietet. Das ist außerordentlich wichtig. Und wenn wir ein ungeschicktes Kind heranwachsen sehen, so müssen wir voraussetzen in den meisten Fällen, daß es ihm in der vorigen Inkarnation an Zufriedenheit und Wohlwollen gefehlt hat. Wenn wir Geschicklichkeit auftauchen sehen, so daß der Mensch, wenn er etwas angreift, die Sache schon förmlich vorher kann, dann ist das ganz sicher die karmische Wirkung von Wohlwollen und Zufriedenheit.
[ 25 ] What we described earlier as the effect of goodwill even within a single lifetime can be understood as bringing about something akin to a harmonization of life—though initially on a spiritual level. In people in whom this carries over from one incarnation to the next, we find that they are indeed born with a happier constitution, which we might call “skillful.” Benevolence and contentment in one incarnation bring about flexibility and skill in another. It is true that this is the case, for it can always be demonstrated in the field of occult research. And one can very well observe oneself and experience some of how the previous incarnation carries over into the present one. We can be quite certain that this is the case with people whose fingers are completely unsuited to sewing on a button that has come off themselves, or with people who, when they are supposed to carry a glass into the cupboard, manage to knock it happily to the floor—I am exaggerating a bit now. But in finer nuances, there are very many people who are so constituted that they simply cannot help but move their fingers in the wrong way, so that they are always making clumsy mistakes. This has a profound significance for life: whether one can use one’s physical instrument skillfully or whether it presents one with treacherous obstacles at every turn, so to speak. This is extraordinarily important. And when we see a clumsy child growing up, we must assume in most cases that in a previous incarnation they lacked contentment and goodwill. When we see dexterity emerge, so that when a person undertakes something, they already know exactly how to do it beforehand, then that is most certainly the karmic effect of goodwill and contentment.
[ 26 ] Wenn wir dies so betrachten, dürfen wir sagen: Eigentlich können wir da in wunderbarer Weise von einer Inkarnation in die andere hinüberwirken. Es eröffnet sich uns die Möglichkeit, wirklich schon zu arbeiten an unserer nächsten Inkarnation. Und wir werden vieles ändern für unsere nächste Inkarnation, wenn wir einmal ernsthaft den Entschluß fassen, zu beobachten, ob wir doch nicht ein klein wenig von Tadelsucht und Kritikasterei in uns haben. Wenn wir versuchen, uns zu prüfen, ob wir das ein klein wenig in uns haben, so finden wir sogar, daß wir es in erheblichem Maße in uns haben. Es ist schon gut, wenn wir versuchen, uns zu prüfen, ob wir. es ein klein wenig in uns haben. Dann beginnt die Sache, daß wir an uns arbeiten. Und wir bewahren uns vielleicht davor, daß wir in der nächsten Inkarnation schwach und bleich geboren werden, bewahren uns in diesem Leben schon davor, daß wir sozusagen unselbständige Menschenkinder werden,
[ 26 ] When we look at it this way, we can say: In fact, we can influence one incarnation from another in a wonderful way. This opens up the possibility for us to truly begin working on our next incarnation. And we will change many things for our next incarnation if we once seriously resolve to observe whether we might not have just a little bit of fault-finding and criticism within us. If we try to examine ourselves to see if we have even a little bit of that within us, we will find that we actually have it to a considerable degree. It is already a good start if we try to examine ourselves to see if we have even a little bit of it within us. Then the process of working on ourselves begins. And we may protect ourselves from being born weak and pale in our next incarnation; we may already protect ourselves in this life from becoming, so to speak, dependent human beings,
[ 27 ] Wenn wir diese Dinge ins Auge fassen, werden wir uns sagen: Es ist keine Phantasterei mehr, die einzelnen Inkarnationen wie Kettenglieder des Menschen zusammenzufassen und die Erde wirklich als eine Art von Schulung zu betrachten, durch die wir lernen, das, was sich uns in den einzelnen Inkarnationen bietet, so zu gebrauchen, daß wir immer höher und höher kommen, immer weiter und weiter schreiten. Denn warum werden wir, im Grunde genommen, inkarniert? Wir können uns am besten einen Begriff davon machen, wenn wir uns fragen nach den zwei großen Verschiedenheiten, nach den großen Unterschieden, die bestehen zwischen unseren Inkarnationen in alter vorchristlicher Zeit und unseren jetzigen Inkarnationen, die verfließen, nachdem der Christus-Impuls da war. Da ist nämlich ein sehr, sehr beträchtlicher Unterschied.
[ 27 ] When we consider these things, we will say to ourselves: It is no longer mere fantasy to view the individual incarnations as links in the chain of human existence and to regard the Earth truly as a kind of training ground through which we learn to make use of what is offered to us in each incarnation in such a way that we rise higher and higher, advancing further and further. For why, after all, do we incarnate? We can best grasp this by asking ourselves about the two major differences, the great distinctions that exist between our incarnations in ancient pre-Christian times and our present incarnations, which unfold after the Christ impulse has come. For there is indeed a very, very significant difference.
[ 28 ] Diesen Unterschied zwischen unseren Inkarnationen in alter vorchristlicher Zeit und unseren jetzigen Inkarnationen könnte man am besten dadurch bezeichnen, daß man sagt: Wenn man zurückblickt auf die Inkarnationen der Menschen der vorchristlichen Zeit, so hatten bis zu einem gewissen Grad die Seelen in dieser vorchristlichen Zeit alle noch irgend etwas von dem behalten, was alle Seelen beim Anfang der Erdeninkarnationen hatten. Es war für alle Seelen ein natürliches Hellsehen da, ein Hineinschauen in die geistige Welt. Und der Fortschritt der Inkarnationen besteht gerade darin, daß dieses Erbstück aus der geistigen Welt, vom geistigen Ursprung her, nach und nach sich verloren hat, daß die Menschen immer mehr herausgetreten sind auf den physischen Plan, immer mehr ihnen die geistige Welt geschwunden ist. Der Christus-Impuls bedeutet, daß, wenn wir die Möglichkeit finden, den Christus in uns aufzunehmen, ihn mit unserem Ich zu verbinden, wir wiederum anfangen, immer mehr und mehr aufzusteigen zu dem, was wir am Anfang waren, nur reicher. Daß wir am Ende der Inkarnationen wiederum im Geistigen so darin sind, wie wir am Anfang unserer Inkarnationen drinnen waren, wird bewirkt durch die Aufnahme der Christus-Kraft, wenn wir unsere nächsten Inkarnationen so anwenden, daß wir immer mehr von dem Christus aufnehmen. Das sind die großen Unterschiede zwischen den vorchristlichen und nachchristlichen Inkarnationen. Wir sind jetzt eigentlich noch in einer Übergangszeit darin. Wir sind tief herausgedrängt für alles normale Menschenerkennen auf den physischen Plan, auf das bloße physische Wahrnehmen, und eigentlich ist heute ein Höhepunkt in bezug auf das physische Wahrnehmen. Denn der Christus-Impuls ist erst am Anfang, und in folgenden Inkarnationen werden die Menschen so recht den Christus aufnehmen, werden erst diese Inkarnationen liebgewinnen, weil sie ihnen Gelegenheit geben, zu erfahren, was nur durch das Erdendasein erfahren werden kann: die Aufnahme des Christus-Impulses in die Seele. Das können wir selbst bei großen Persönlichkeiten beobachten, wie sozusagen der gewaltige Unterschied da ist zwischen den Inkarnationen vor dem Christus-Impuls auf der Erde und nachher. Ich möchte Ihnen eine Einzelheit erzählen.
[ 28 ] The best way to describe this difference between our incarnations in ancient pre-Christian times and our current incarnations is to say: When we look back at the incarnations of people in pre-Christian times, to a certain extent the souls of that era had all retained something of what all souls possessed at the beginning of earthly incarnations. All souls possessed a natural clairvoyance, a capacity to look into the spiritual world. And the progress of incarnations consists precisely in the fact that this legacy from the spiritual world, stemming from a spiritual origin, has gradually been lost, that human beings have stepped out more and more onto the physical plane, and that the spiritual world has increasingly faded from their lives. The Christ impulse means that, if we find the way to take Christ into ourselves and connect him with our ego, we begin once again to ascend more and more toward what we were at the beginning—only richer. That at the end of our incarnations we will once again be in the spiritual realm as we were at the beginning of our incarnations is brought about by the reception of the Christ force, if we use our next incarnations in such a way that we take in more and more of the Christ. These are the great differences between pre-Christian and post-Christian incarnations. We are actually still in a transitional period regarding this. We have been deeply driven out of all normal human perception onto the physical plane, onto mere physical perception, and today is actually a high point in terms of physical perception. For the Christ impulse is only just beginning, and in subsequent incarnations people will truly take in the Christ; they will come to cherish these incarnations because they give them the opportunity to experience what can only be experienced through earthly existence: the absorption of the Christ impulse into the soul. We can observe this even in great personalities, in the enormous difference, so to speak, between the incarnations before the Christ impulse on Earth and those afterward. I would like to share a specific example with you.
[ 29 ] Ich war vor einiger Zeit veranlaßt, einige Tage in unserem südlichsten europäischen Zweige zu sprechen — ich meine insofern wir von Rosenkreuzer-Theosophie sprechen -, in Palermo. Und als ich mit dem Schiff von Neapel aus in Sizilien einfahren konnte, hatte ich schon das ganz bestimmte Empfinden, daß es da etwas über okkulte Tatsachen zu lernen gibt, die es schwer ist, bloß im Norden zu untersuchen. Denn es gibt eine Persönlichkeit, eine Individualität, die aufgetreten ist, die ich jetzt nicht nennen kann, die so an der Wende des Mittelalters und der neuen Zeit eine gewisse Rolle gespielt hat, die in unseren und in den benachbarten Gegenden viel von sich reden gemacht hat und bei der sich der Okkultist gerne fragt: Wie stand es denn mit der vorhergehenden Inkarnation dieser Persönlichkeit? — Das war für mich eine wichtige Forschungsfrage, und merkwürdigerweise bot sich mir die Hoffnung, gerade bei dieser Einfahrt in Sizilien vielleicht etwas über diese Frage durch die dort möglichen okkulten Forschungen zu erfahren. Und das war auch sehr bald der Fall. Es ist natürlich etwas Intimes, was damit erzählt wird, aber innerhalb unserer Zweige braucht man jetzt mit diesen intimen Dingen nicht etwa mehr völlig zurückzuhalten. Es ist etwas in der ganzen geistigen Atmosphäre von Sizilien — ich sage nicht der äußeren, sondern der geistigen Atmosphäre — ausgegossen, etwas sehr, sehr Merkwürdiges. Und die Verfolgung dieses Merkwürdigen führte wirklich zuletzt zu seinem Ursprunge, zu einem großen Weisen, der auf Sizilien gewirkt hat, der auch mit ein paar Worten in der Geschichte der Philosophie abgetan wird, den man aber eigentlich äußerlich exoterisch wirklich recht wenig kennt. Es ist Empedokles.
[ 29 ] Some time ago, I was invited to speak for a few days at our southernmost European branch—I mean, insofar as we are speaking of Rosicrucian Theosophy—in Palermo. And as I sailed into Sicily from Naples, I already had the distinct feeling that there was something to be learned there about occult realities that are difficult to investigate solely in the North. For there is a personality, an individuality, who appeared—whom I cannot name at present—who played a certain role at the turn of the Middle Ages and the modern era, who caused quite a stir in our region and in neighboring areas, and about whom the occultist often wonders: What was the situation regarding this personality’s previous incarnation? — That was an important research question for me, and strangely enough, I had the hope that, precisely upon entering Sicily, I might perhaps learn something about this question through the occult research possible there. And that was indeed the case very soon. Of course, what is being told here is something intimate, but within our branches there is no longer any need to hold back completely when it comes to these intimate matters. There is something permeating the entire spiritual atmosphere of Sicily—I do not mean the external, but the spiritual atmosphere—something very, very strange. And the pursuit of this strange phenomenon ultimately led to its origin, to a great sage who worked in Sicily, who is dismissed with a few words in the history of philosophy, but about whom, in fact, very little is actually known exoterically. It is Empedocles.
[ 30 ] Wenn man nun - und das will ich gleich Ihnen gegenüber tun - als Okkultist diesen Empedokles charakterisieren will, dann muß man sagen: In gewisser Beziehung war Empedokles seiner Zeit sehr voraus, er war für seine Zeit überreif. In anderer Beziehung aber konnte er wiederum nicht über seine Zeit hinaus. Es gab einen tiefen Zwiespalt in seiner Seele. Empedokles ist wirklich eine große, umfassende Persönlichkeit. Er wirkte auf Sizilien nicht nur als Philosoph, nicht nur als Mysterienführer, sondern auch als Staatsmann, als Architekt, als alles mögliche — er war eine Art Organisator, dieser wunderbare Empedokles. Nun lebte Empedokles also etwa vier, fünf Jahrhunderte vor dem Christus-Impuls dazumal in Sizilien, und er war insofern seiner Zeit vorausgerückt, als er den Drang hatte, sich in das Materielle der Welt hineinzuvertiefen. Man hatte sich früher nie bloß so äußerlich in die Materie hinein vertieft wie heute. Wenn man vom Wasser sprach wie etwa T'hales, so meinte man etwas Geistiges. Empedokles war derjenige, der in gewisser Beziehung doch ein materialistisches Prinzip vorausnahm, indem er sich alles Sein zusammenstellte aus den vier Elementen, die er aber materiell dachte. Und durch das Mischen und Entmischen dieser Materie dachte er sich die Konstitution der Welt. Das Geistige ging ihm verloren, weil er — gerade als eine okkulte Persönlichkeit, zurückblickend in seinen Inkarnationen — den Christus-Impuls hätte finden müssen; er wäre schon dazu berufen gewesen. Wenn wir heute zurückblicken in der Akasha-Chronik, finden wir an ganz bestimmter Stelle den Christus-Impuls; derjenige aber, der vor dem Christus-Impuls gelebt hat, konnte das nicht. Er konnte ihn nicht aufnehmen als einen Erdenimpuls, denn er war noch nicht physisch dagewesen. Das fehlte dem Empedokles, das konnte sich nicht in seine Seele ergießen. Er hatte nicht das Gegengewicht gegen den in ihm aufflammenden Materialismus. Weil er aber doch eine Persönlichkeit mit starken Impulsen, jedoch mit den Impulsen des Okkultisten war, brachte ihn das dazu, diese Disharmonie auszuleben. Das ist es, was sich als Wahrheit herausstellte. Das brachte ihn dazu - so wie man sonst, wenn man die Wahrheit sucht, im Geiste sich mit diesem Geistigen vereinigen will -, eins sein zu wollen mit dem Materiellen der vier Elemente. Und er stürzte sich in den Atna. Er hat sich wirklich hineingestürzt, um eins zu sein mit den Elementen. Materiell hat er nach der Identifizierung mit dem Göttlichen, das ihm im materiellen Bild erschienen ist, gesucht. Und ich möchte sagen: Dieses Verbrennungsprodukt des Empedokles in den Feuerfluten des Ätna ist heute noch durchaus in der Atmosphäre Siziliens vorhanden als ein Befruchtendes, wie die Wirkung eines Opfers. Es ist etwas Großes, Gewaltiges vorhanden, aber es ist ausgehend von diesem, man möchte sagen, falschen, blasierten, falsch in die Zeit hineingestellten — mißverstehen Sie nicht den Ausdruck «falsch» — Materialismus. Empedokles, der zurückblickend den Christus nicht finden konnte, obwohl er ihn hätte finden müssen, wirft sein Leben von sich. Daher kam es, daß er in einer so merkwürdigen Weise am Beginn der neueren Zeit wiederum auflebt und da ganz anders dann lebt. Es ist noch nicht an der Zeit, von der Persönlichkeit zu sprechen, in der er wiedergeboren worden ist. Da ergibt sich ein wunderbarer Ausblick auf das, was der ChristusImpuls im Verlauf der Entwickelung eigentlich ist. Zwischen der vorigen und der späteren Verkörperung des Empedokles steht mitten darinnen das Christus-Ereignis. Und an der Individualität des Empedokles kann man sehen, wenn man die zwei Inkarnationen vergleicht, was das bewirkt, ob man als ein Geist, der der neueren Betrachtung angehört, zurückblicken kann und den Christus-Impuls findet, oder ob man ihn nicht findet. Das macht einen gewaltigen Unterschied. So wie die Seelen in uralten Zeiten von Inkarnation zu Inkarnation zurückgehen mußten, um zu sehen, wie sie sich in früheren Inkarnationen mit dem göttlich-geistigen Wesen verbündet haben, so müssen wir die Möglichkeit haben, wenn wir von unserer eigenen Inkarnation zurückgehen und verfolgen die Zeit von unserer Geburt bis zum vorigen Tode und wiederum von diesem bis zur vorherigen Geburt und so weiter — zu finden auf diesem Wege den Christus-Impuls. Den muß insbesondere der Geistesforscher finden. Dieser Christus-Impuls zündet ihm ein Licht an, während er sonst in diesem Moment in Finsternis taucht und alles, was vorhanden war, in Finsternis lag. Wir brauchen den ChristusImpuls gerade auf dem Gebiet der Geistesforschung wie eine Fackel, sonst kommt Finsternis, sonst können wir nicht hellsichtig hineinblikken in die wahren Gründe der Akasha-Chronik der alten Zeit. Das kann man an einem solchen Beispiele wie dem des Empedokles in wunderbarer Weise beobachten. Da bekommt man dann ein Gefühl dafür, wie diese Inkarnationen in unserem Erdendasein aufeinanderfolgen; wie sozusagen der Mensch in absteigender Richtung sich bewegt hat bis zum Christus-Impuls, wie er immer weiter und weiter herausgetreten ist auf den physischen Plan, und wie wir wieder dabei sind, nach und nach aufzusteigen in das geistige Gebiet hinauf. Der letzte große Geist des Abstiegs ist der große Buddha, der erste große Impuls für den Aufstieg ist der des Christus Jesus, und man kann vielleicht durch nichts anderes so tief innerlich empfinden den gewaltigen Unterschied zwischen dem Buddha-Prinzip und dem Prinzip des Christus Jesus, als wenn man eines ins Auge faßt, was einmal der große Buddha zu seinen intimeren Schülern gesagt hat, hinblickend auf seine Erleuchtung, die man symbolisch die Erleuchtung unter dem Bodhibaum nennt. Da sagt Buddha: Wenn ich zurückblicke auf frühere Inkarnationen, sehe ich, wie ich ausgegangen bin von göttlich-geistigem Urgrund der Welt, wie ich von Inkarnation zu Inkarnation gegangen bin, immer wohnend mit dem geistigen Wesenskern im äußeren Leibestempel, heruntersteigend in die physische Welt. Jetzt aber, in dieser Inkarnation habe ich die Möglichkeit gefunden, nicht mehr zu einer Inkarnation zurückkehren zu müssen. Von Leibestempel zu Leibestempel bin ich gegangen, in jeder Inkarnation hat mir die Gottheit den Tempel meines Leibes aufgerichtet. Ich fühle aber jetzt, indem ich zum letzten Male in ihm verkörpert bin, wie in diesem Leibestempel die Balken krachen, und daß ich nicht mehr zu einem solchen Tempel zurückzukehren brauche. — Denn das verkündigte er, daß das wahrhafte Streben danach gehen muß, hinaus aus dieser Erdenwirksamkeit zu kommen, nicht mehr einen Zusammenhang zu haben mit diesem Leibestempel, sondern hinaus aus diesem zur letzten Inkarnation zu streben, um nur im Geistigen weiterzuleben. Das ist der letzte Hinweis gewesen auf den Abstieg des Menschen, auf die Erinnerung, welche die Menschen an die Urweisheit haben können, an das, was im Anfang des Menschengeschlechtes steht.
[ 30 ] If one were to characterize Empedocles as an occultist—and that is precisely what I intend to do here—then one must say: In some respects, Empedocles was far ahead of his time; he was too mature for his era. In other respects, however, he was unable to transcend his time. There was a deep conflict within his soul. Empedocles is truly a great, multifaceted personality. In Sicily, he was active not only as a philosopher, not only as a leader of the mysteries, but also as a statesman, as an architect, as all sorts of things—he was a kind of organizer, this wonderful Empedocles. So Empedocles lived in Sicily some four or five centuries before the Christ impulse, and he was ahead of his time insofar as he had the urge to delve into the material world. People had never before delved into matter so superficially as they do today. When people spoke of water, as Thales did, for example, they meant something spiritual. Empedocles was the one who, in a certain sense, anticipated a materialistic principle by composing all of existence from the four elements, which he, however, conceived of in material terms. And through the mixing and separating of this matter, he conceived of the constitution of the world. The spiritual was lost to him because—precisely as an occult personality, looking back over his incarnations—he should have found the Christ impulse; he would have been called to do so. When we look back today into the Akashic Records, we find the Christ impulse at a very specific point; but he who lived before the Christ impulse could not do so. He could not receive it as an earthly impulse, for he had not yet been physically present. That was what Empedocles lacked; it could not pour into his soul. He lacked the counterbalance to the materialism flaring up within him. But because he was, after all, a personality with strong impulses—albeit the impulses of the occultist—this led him to act out this disharmony. That is what turned out to be the truth. That led him—just as one would otherwise, when seeking the truth, wish to unite with the spiritual in the mind—to want to be one with the materiality of the four elements. And he threw himself into Etna. He truly threw himself into it to be one with the elements. Materially, he sought identification with the Divine, which appeared to him in the material image. And I would like to say: This product of Empedocles’ burning in the fiery floods of Etna is still very much present in the atmosphere of Sicily today as a fertilizing force, like the effect of a sacrifice. There is something great and mighty present, but it stems from this, one might say, false, smug, misplaced in time—do not misunderstand the term “false”—materialism. Empedocles, who, looking back, could not find Christ, although he should have found him, casts his life aside. Hence it came to pass that he revived in such a remarkable way at the dawn of the modern era and then lived quite differently there. The time has not yet come to speak of the personality into which he was reborn. This offers a wonderful insight into what the Christ impulse actually is in the course of evolution. Between Empedocles’s earlier and later incarnations, the Christ event stands right in the middle. And in Empedocles’s individuality, one can see—by comparing the two incarnations—what effect this has: whether, as a spirit belonging to the modern era, one can look back and find the Christ impulse, or whether one does not find it. That makes a tremendous difference. Just as souls in ancient times had to go back from incarnation to incarnation to see how they had allied themselves with the divine-spiritual being in earlier incarnations, so must we have the opportunity, when we go back from our own incarnation and trace the time from our birth to our previous death and again from that to our previous birth and so on — to find the Christ impulse in this way. The spiritual researcher, in particular, must find it. This Christ impulse kindles a light within him, whereas otherwise he would be plunged into darkness at that moment, and everything that existed would lie in darkness. We need the Christ impulse precisely in the field of spiritual research like a torch; otherwise darkness comes, otherwise we cannot look clearly into the true reasons of the Akashic Records of ancient times. This can be observed in a wonderful way in an example such as that of Empedocles. There one gets a sense of how these incarnations follow one another in our earthly existence; how, so to speak, humanity has moved in a descending direction up to the Christ impulse, how it has stepped further and further out onto the physical plane, and how we are now in the process of gradually ascending into the spiritual realm. The last great spirit of descent is the great Buddha; the first great impulse for ascent is that of Christ Jesus, and perhaps nothing else allows one to feel so deeply within the immense difference between the Buddha principle and the principle of Christ Jesus as when one contemplates what the great Buddha once said to his innermost disciples, referring to his enlightenment, which is symbolically called the enlightenment under the Bodhi tree. There the Buddha says: When I look back on past incarnations, I see how I set out from the divine-spiritual source of the world, how I went from incarnation to incarnation, always dwelling with my spiritual core within the outer temple of the body, descending into the physical world. But now, in this incarnation, I have found the possibility of no longer having to return to another incarnation. From one physical body to another I have gone; in every incarnation the Deity has erected the temple of my body for me. But now, as I am embodied in it for the last time, I feel how the beams are cracking in this physical body, and that I no longer need to return to such a temple. — For he proclaimed that the true striving must be directed toward emerging from this earthly existence, no longer having any connection with this temple of the body, but striving out of it toward the final incarnation, in order to live on only in the spiritual realm. This was the final reference to the descent of humanity, to the memory that people may have of primordial wisdom, of that which stands at the beginning of the human race.
[ 31 ] Oh, es muß uns ergreifen, wenn wir den Buddha stehen sehen, sagend: Von Tempel zu Tempel des Leibes bin ich geschritten; jetzt fühle ich, daß es zum letzten Male ist. Wenn wir das vergleichen — und absehen von allen metaphysischen Hintergründen — mit einem intimen Wort, das Christus zu seinen intimen Schülern gesagt hat, mit dem Wort: «Reißt diesen Tempel nieder, und in drei Tagen werde ich ihn wieder aufbauen» -, so sehen wir, daß in dem Buddha die große Sehnsucht vorhanden war danach, daß die Balken des Leibestempels krachen und nicht mehr die Notwendigkeit sei, in ihn zurückzukehren; daß aber in dem Christus das Versprechen war: «Reißet ihn nieder, und ich werde ihn in drei Tagen wieder aufbauen.» Die Liebe zur Erdenwelt drückt sich darin aus, zu den folgenden Inkarnationen der Menschen, in denen diese die Möglichkeit finden, immer wieder und wiederum sich ihren Leibestempel aufzubauen, damit sie immer wieder lernen können und höhersteigen; damit dann, wenn die Erde angelangt sein wird an ihrem Ziel, die Erde selber ein Leichnam wird, sozusagen von der Seelenhaftigkeit der gesamten Menschheit abfällt, so wie unser Leib abfällt von der Seele, wenn wir durch die Pforte des Todes gehen. Dann aber sind die Menschen immer höher und höher gekommen. Indem die Menschen verchristet sein werden, sind sie fähig, hinüberzuleben zu neuen Daseinsstufen als Gesamtmenschheit. Nicht ist gemeint mit dem Ausspruch Christi, daß er selbst in den physischen Leib zurückkehren will, aber daß er zum Prinzip des Leibesaufbauens zurückkehren werde, daß er bei dem Erdendasein bleibt bis ans Ende der Erde.
[ 31 ] Oh, it must move us deeply when we see the Buddha standing there, saying: “From temple to temple of the body I have walked; now I feel that this is the last time.” If we compare this—setting aside all metaphysical implications—with an intimate word that Christ spoke to his closest disciples, with the words: ‘Tear down this temple, and in three days I will rebuild it’—then we see that in the Buddha there was a great longing for the beams of the temple of the body to crash down so that there would no longer be a need to return to it; whereas in Christ there was the promise: ‘Tear it down, and I will rebuild it in three days.’ Love for the earthly world is expressed in the subsequent incarnations of human beings, in which they find the opportunity to build up their physical temple again and again, so that they may learn anew and ascend to higher realms; so that when the Earth has reached its goal, the Earth itself will become a corpse, so to speak, shedding the soul-bound nature of all humanity, just as our body sheds the soul when we pass through the gate of death. By then, however, humanity will have ascended higher and higher. Because humanity will have been Christianized, they will be capable of passing over to new stages of existence as a whole. Christ’s statement does not mean that he himself intends to return to the physical body, but that he will return to the principle of building the body, that he will remain with earthly existence until the end of the Earth.
[ 32 ] Das versuchte ich zum Ausdruck zu bringen in dem, was ich durch Theodora, die Seherin im Mysteriendrama, ausspreche, wo Sie sehen können, wie der Christus immer mehr und mehr vertraut werden wird dem menschlichen Leben, obwohl er nicht in einen physischen Leib zurückkehrt. Erlebt wird er aber in den physischen Leibestempeln der Menschen. Und in diesem seinem Ausspruch «Reißet diesen Tempel nieder, und ich werde ihn in drei Tagen wieder aufbauen», liegt das Versprechen: Ja, ich will es wahr machen, daß ich einziehen kann in die Seelen der Menschen, damit immer mehr und mehr Menschen kommen können, die im Sinne des Paulus sagen können: «Nicht ich, sondern der Christus in mir!»
[ 32 ] I tried to express this through the words spoken by Theodora, the seer in the Mystery Drama, where you can see how Christ will become more and more familiar to human life, even though he does not return to a physical body. But He is experienced in the physical temples of human beings. And in his words, “Destroy this temple, and I will raise it again in three days,” lies the promise: Yes, I will make it come true that I may enter into the souls of human beings, so that more and more people may come who can say, in the spirit of Paul: “Not I, but Christ in me!”
[ 33 ] So sehen wir, wie wir im Kleinen betrachten können Geisteswissenschaft als Lebensprinzip, indem wir die Möglichkeit gewinnen, schon zwischen Geburt und Tod karmisch wirksam zu sehen gewisse Eigenschaften unseres Charakters, unserer Seele, und indem wir diese hinüberwirken sehen in die Leibesorganisation der nächsten Inkarnation. Und so sehen wir, wie Geisteswissenschaft im großen die hehrsten Ideale vor uns hinstellt und uns sagt, was aus uns werden wird — verchristete Menschen —, wenn die Erde ein Leichnam werden wird und abfällt vom Seelenhaften des Menschen, wenn der Mensch berufen werden wird, fortzuschreiten zu anderen planetarischen Zuständen. Die größten Ideale kann uns die Geisteswissenschaft also geben und in die kleinsten Lebensverhältnisse kann sie hineinfließen. Dadurch wird sie Jebenspraktisch, und das kann und soll sie mehr und mehr werden. Wenn wir Anthroposophen in dem Sinn werden, daß all unser Gebaren - und wenn es auf diesem oder jenem Platze des Lebens steht, der von eigentlich anthroposophischer Betätigung scheinbar noch so sehr entfernt ist - in allen Einzelheiten von anthroposophischer Gesinnung, von anthroposophischem Sinnen und Denken durchdrungen wird, dann erst ist das gekommen, was man nennen kann Erfüllung unseres Wesens mit der Anthroposophie. Anthroposophie muß nicht als eine Theorie, sie muß zugleich als eine Lebenspraxis betrachtet werden, aber als eine Lebenspraxis, die eben gelernt sein will. Und im Grunde genommen müssen wir uns klar sein, daß wir uns aneifern müssen, durch den wahren konkreten Inhalt der Anthroposophie, wenn sie Lebenspraxis für uns sein soll, nicht sagen zu wollen: Ich verstehe das von der Anthroposophie, und das ist das Richtige -, sondern, daß wir uns erst tief, tief bekanntmachen mit dem, was uns Geisteswissenschaft zu sagen hat. Dann muß sie uns Kraft des Lebens werden. Und das kann sie erst, wenn wir uns mit ihr durchdringen. Dann wird sie es aber im Kleinsten und im Größten, dann eröffnet sich uns die Perspektive für die Zusammenhänge des Menschenfortschritts und für die kleinsten Tatsachen des Alltagslebens.
[ 33 ] Thus we see how, on a small scale, we can regard spiritual science as a principle of life by gaining the ability to perceive, even between birth and death, the karmic effects of certain qualities of our character and soul, and by seeing how these qualities carry over into the physical constitution of our next incarnation. And so we see how spiritual science, on a larger scale, sets before us the loftiest ideals and tells us what we will become—Christianized human beings—when the Earth becomes a corpse and falls away from the soul-life of humanity, when humanity will be called to advance to other planetary states. Spiritual science can thus provide us with the greatest ideals, and it can flow into the smallest circumstances of life. In this way it becomes practical for every aspect of life, and it can and should become so more and more. When we become anthroposophists in the sense that all our behavior—even when it occurs in this or that sphere of life that seems so far removed from actual anthroposophical activity —is permeated in every detail by an anthroposophical attitude, by anthroposophical feeling and thinking, only then has what can be called the fulfillment of our being through anthroposophy come to pass. Anthroposophy must not be regarded merely as a theory; it must also be regarded as a way of life, but as a way of life that requires learning. And fundamentally, we must be clear that we must strive, through the true concrete content of anthroposophy—if it is to be a way of life for us—not to say: “I understand this about anthroposophy, and that is the right thing”—but rather that we must first become deeply, deeply acquainted with what spiritual science has to say to us. Then it must become a life force for us. And it can only do so if we allow it to permeate us. Then, however, it will do so in the smallest and the greatest things; then the perspective for the connections of human progress and for the smallest facts of everyday life will open up to us.
