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The Rudolf Steiner Archive

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The Revelations of Karma
GA 127

26 February 1911, St. Gallen

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The Mission of the New Spiritual Revelation, tr. SOL
  1. Die Offenbarungen des Karma, 8th ed.

7. Vom einfließen spiritueller Erkenntnisse in das Leben

7. How Spiritual Insights Flow into Life

[ 1 ] Wenn wir im Laufe unseres Zweiglebens uns die Begriffe aneignen vom Wesen des Menschen, von der Entwickelung des Menschen, also wenn wir etwa lernen: der Mensch besteht aus physischem Leib, Ätherleib, Astralleib und Ich, so haben wir zwar gegenüber dem Wissen, das heute in der Welt ist, durchaus etwas gewonnen, allein wir können noch nicht sagen, daß wir mit einem solchen mehr oder weniger theoretischen Wissen dasjenige uns angeeignet haben, was 'Theosophie dem Menschen in Wahrheit eigentlich sein kann. Theosophie wird dann erst das, was sie für den einzelnen Menschen und auch für die menschliche Gemeinschaft sein soll, wenn sie übergeht ins Leben, wenn sie zur Lebenspraxis wird, und bei solchen Gelegenheiten, wo ich selbst die lieben Freunde wiedersehen darf, ergreife ich auch gern einmal die Gelegenheit, aufmerksam darauf zu machen, wie diejenigen Ideen, Welten- und Menschheitsgesetze, die wir sonst uns im Verlaufe des jährlichen Zweiglebens aneignen, ihre große Rolle im menschlichen Leben spielen. So wollen wir denn heute auch eine solche Betrachtung anstellen von dem Einfließen der Theosophie in das Leben.

[ 1 ] As we progress through our studies in this branch, we come to understand the concepts of the nature of the human being and human development; in other words, when we learn, for example, that human beings consist of a physical body, an etheric body, an astral body, and an I, then we have certainly gained something compared to the knowledge that exists in the world today; yet we cannot yet say that, with such more or less theoretical knowledge, we have truly grasped what Theosophy can actually be for human beings. Theosophy only becomes what it is meant to be for the individual human being and also for the human community when it passes into life, when it becomes a way of life, and on such occasions, when I myself am able to see my dear friends again, I also like to take the opportunity to draw attention to how those ideas, world and human laws that we otherwise acquire in the course of the annual branch life play their great role in human life. So let us also undertake such a reflection today on the infusion of Theosophy into life.

[ 2 ] Es liegt manchmal die Frage auf der Zunge, insbesondere denen, die noch wenig von Theosophie wissen: Ja, es wird gesprochen von Tatsachen und Wahrheiten übersinnlicher Natur, aber wie kann denn der Mensch, der noch nicht hellseherisch geworden ist, überhaupt viel reden von diesen geistigen Welten, wie etwas wissen von diesen Welten, außer daß man ihm eben diese Dinge erzählt? — Das ist ein sehr gebräuchliches Vorurteil, aber es ist recht unbegründet. Allerdings ohne hellseherisch zu sein, kann man zum Beispiel nicht den Astralleib des Menschen sehen, aber was an diesem Astralleib geschieht, das kann man am eigenen Dasein wohl erleben, und da wirkt 'Theosophie ungemein.

[ 2 ] The question is sometimes on everyone’s lips, especially those who know little about Theosophy: Yes, there is talk of facts and truths of a supersensory nature, but how can a person who has not yet become clairvoyant speak at all about these spiritual worlds, or know anything about them, except that these things are simply told to him? — This is a very common prejudice, but it is quite unfounded. Although one cannot, for example, see the human astral body without being clairvoyant, one can certainly experience in one’s own life what happens within that astral body, and this is where Theosophy has an immense effect.

[ 3 ] Ich will einen Fall anführen, wo der Mensch erleben kann, daß er einen Astralleib hat. Sie wissen, daß die Menschen im Alltagsleben gewöhnt sind, sehr vieles zu tun, worüber sie nicht nachdenken, daß sie auch gewöhnt sind, vieles zu tun, was gar nicht nach ihrem Sinne ist. Denken Sie nach, wieviel die Menschen vom Morgen bis Abend gedankenlos tun, ohne es sich recht voll zu überlegen, ohne mit den Gedanken dabei zu sein; wieviel die Menschen tun so, daß sie nachher sagen: Ganz einverstanden bin ich mit dem nicht, was ich getan. Können wir da nicht sagen, daß wir dann etwas tun, was wir nur zum Teil bedenken, nur zum Teil mit Gedanken begleiten? Namentlich solche Gewohnheiten liegen unserem Hang zugrunde, die wir von außen aufgenommen haben, die wir nicht hätten, wenn wir uns selbst erzogen hätten.

[ 3 ] I would like to cite an example where a person can experience that they have an astral body. You know that in everyday life, people are accustomed to doing many things without thinking about them, and that they are also accustomed to doing many things that are not at all to their liking. Think about how much people do from morning to night without thinking, without really considering it fully, without their thoughts being present; how much people do in such a way that they say afterward: I don’t entirely agree with what I did. Can we not say, then, that we are doing something that we only partially consider, that we only partially accompany with our thoughts? It is precisely such habits that underlie our inclinations—habits we have adopted from the outside, which we would not have if we had educated ourselves.

[ 4 ] So schaut das Leben betrachtet im materialistischen Sinne aus, als wenn es gleichgültig wäre, ob wir solche Dinge tun, mit denen wir einverstanden sind oder nicht, Dinge, vor denen wir uns rechtfertigen können oder nicht. Für das hellseherische Auge ist es nicht so. Für das hellseherische Auge ergibt es sich, daß bei jeder Tat, bei jeder Handlung derjenige Teil, welcher nicht so ist, daß wir uns bezüglich seiner moralisch rechtfertigen könnten, einen Eindruck auf unseren Astralleib macht. Gleichsam einen Rückschlag bewirkt eine solche Handlung auf unseren Astralleib. Und so kann man von einem solchen Menschen sagen: Der hat so viel Risse, so viel Grübchen in seinem Astralleib, weil er viele solche Dinge tut, welche er, wenn er darüber nachdächte, moralisch nicht rechtfertigen würde.

[ 4 ] This is what life looks like when viewed from a materialistic perspective: as if it were irrelevant whether we do things we agree with or not, things for which we can justify ourselves or not. To the clairvoyant eye, this is not the case. To the clairvoyant eye, it becomes clear that with every deed, with every action, the part that is not such that we could morally justify ourselves regarding it leaves an impression on our astral body. Such an action has, as it were, a recoil effect on our astral body. And so one can say of such a person: He has so many cracks, so many dimples in his astral body, because he does many such things which, if he were to think about them, he would not be able to morally justify.

[ 5 ] Ich denke hierbei nicht an Berufsangelegenheiten, sondern von Gewohnheitshandlungen sage ich das. Da wirkt jeder solcher Einschlag auf den Astralleib, und weil er nicht mehr vergeht, wie er ist, wirkt er weiter auf den Ätherleib, prägt sich wie ein Siegeldruck ab und bleibt da sitzen, so daß der Mensch herumgeht mit Siegelabdrücken in seinem Atherleib. Bis hierher kann der Mensch, der kein Hellseher ist, sagen, er kann das nicht wissen; aber was hier geschieht, erlebt der Mensch. Die Dinge bleiben in gewisser Weise vorhanden, eigentlich das ganze folgende Leben hindurch, und wirken nun wieder zurück auf den Menschen, daß er manchmal sagt: Wenn ich nur von dem ganzen Leben nichts mehr wüßte! — Oder er zeigt der ganzen Umgebung einen Mißmut, und dieses mürrische Wesen wirkt zurück auf seine Gesundheit. Es ist außerordentlich wichtig, daß man sich über solche Dinge klar ist, denn es tritt oftmals, beispielsweise in unserem siebenunddreißigsten Jahre, irgend etwas auf, was uns innerlich — ohne äußeren Anlaß mürrisch macht, verstimmt, melancholisch macht, und das dann auf unsere Gesundheit einen schädigenden Einfluß hat, unser Verdauungssystem zugrunde richtet und dergleichen mehr. Im zwanzigsten Jahr ist vielleicht der Grund dazu gelegt, daß der Eindruck des Astralischen auf den Ätherleib bewirkt worden ist.

[ 5 ] I am not referring here to professional matters, but rather to habitual actions. Each such impact affects the astral body, and because it does not simply fade away, it continues to affect the etheric body, imprinting itself like a seal and remaining there, so that the person goes about with these imprints in their etheric body. Up to this point, a person who is not a clairvoyant might say they cannot know this; but what happens here is experienced by the person. These things remain present in a certain way, actually throughout the entire subsequent life, and now have a retroactive effect on the person, so that he sometimes says: If only I knew nothing more of that whole life! — Or he displays a sullen disposition to everyone around him, and this morose nature has a retroactive effect on his health. It is extremely important to be clear about such things, for it often happens, for example in our thirty-seventh year, that something occurs which makes us inwardly—without any external cause—grumpy, out of sorts, melancholic, and this then has a harmful influence on our health, ruins our digestive system, and so on. Perhaps the foundation for this is laid in the twentieth year, when the astral has made an impression on the etheric body.

[ 6 ] So können wir also sagen: Was im Astralleib darin ist, kann nur der Hellseher sehen, was aber im Leben daraus wird, das erlebt der Mensch. Mancher Mensch würde eben nicht mürrisch, mit einer gewissen Halt- und Hilflosigkeit der Seele und mit zerrüttetem Leibessystem herumgehen, wenn die Menschen sich überlegen würden, daß dasjenige, was nicht gleich als die Folge unserer Handlungen in der sichtbaren Welt wirksam wird, in unseren unsichtbaren Teil hineingeht und dann später sichtbar wird. Ein Mensch, der sagt: Ich will einmal beobachten, ob das, was der Hellseher sagt, richtig ist, kann auf diese Weise wohl einsehen und fühlen, daß das wahr ist, was die Hellseher sagen. — Es ist so: Bei Taten und Handlungen, die wir täglich unternehmen und vor uns nicht rechtfertigen können, haben wir es mit den Folgen zu tun.

[ 6 ] So we can say: Only the clairvoyant can see what is within the astral body, but what becomes of it in life is experienced by the individual. Many people would not go about grumpy, with a certain stagnation and helplessness of the soul and a disrupted physical system, if people would consider that what does not immediately take effect as the consequence of our actions in the visible world enters our invisible part and then becomes visible later. A person who says, “I want to observe whether what the clairvoyant says is correct,” can in this way come to understand and feel that what the clairvoyants say is true. — It is this: With the deeds and actions we undertake daily and cannot justify to ourselves, we are dealing with the consequences.

[ 7 ] Nehmen wir den entgegengesetzten Fall an, daß der Mensch mehr bedenken, sich weitere Gedanken machen kann, als in seine Handlungen übergeht. In diesem Fall ist ein jeder Idealist. Er weiß, daß sich Ideale nicht alle verwirklichen lassen, sondern nur ein Teil davon. Wenn wir große Ideen haben, müssen wir zufrieden sein, daß wir nur einen Teil davon ausführen können. Wenn wir imstande sind, uns Gedanken zu machen weit über das hinaus, was uns das Leben gestattet, so wirkt auch das zurück auf den astralischen Leib, aber anders, so daß der Mensch ihn mit gesunden Kräften durchsetzt, daß es ihn kraftvoll, innerlich fest und ruhig macht. Wenn zum Beispiel der Mensch um sein zwanzigstes Jahr herum Idealist war und nicht hingehorcht hat auf die Materialisten, wenn er sich Glauben und Vertrauen zum Idealen bewahrt hat, dann zeigt sich das darin, daß er im späteren Alter nicht durch jeden kleinen Unglücksfall, auch nicht durch Kränklichkeit gleich aus dem Häuschen gerät, daß er fest steht und die Dinge mehr an sich vorübergehen läßt, als das bei anderen der Fall ist.

[ 7 ] Let us assume the opposite case, that a person is capable of contemplating and thinking more deeply than is reflected in their actions. In this case, everyone is an idealist. They know that not all ideals can be realized, but only a part of them. When we have great ideas, we must be content that we can carry out only a part of them. If we are capable of thinking far beyond what life allows us, this also has an effect on the astral body, but in a different way, so that the person infuses it with healthy forces, making it powerful, inwardly firm, and calm. If, for example, a person was an idealist around the age of twenty and did not listen to the materialists, if they preserved their faith and trust in the ideal, then this is evident in the fact that in later life they are not thrown off balance by every little misfortune, or even by ill health, that they stand firm and let things pass them by more than is the case with others.

[ 8 ] Das also gibt uns Festigkeit und Ruhe, was wir an Gedanken haben, die über das hinausgehen, was uns das Leben an Idealen verwirklichen läßt. Darauf werden schon offiziell Ärzte aufmerksam, aber sie wissen nicht, wie man das real anstellen kann, daß der Mensch in einem recht weiten Ausmaß positive Gedanken haben kann über das, was über das Alltagsleben hinausgeht.

[ 8 ] It is this—the thoughts we have that go beyond what life allows us to realize in terms of ideals—that gives us strength and peace. Doctors are already officially taking notice of this, but they do not know how to actually achieve it—that a person can have positive thoughts to a significant extent about what goes beyond everyday life.

[ 9 ] Gewiß gibt es populäre Schriften, die als förderlich für die seelische Gesundheit angepriesen werden. Darin steht dann, man müsse, um Festigkeit zu haben, innere Ruhe, Gleichmäßigkeit zu haben, mit den Gedanken nicht irrlichtelieren und dergleichen mehr. Für manche sind solche Schriften über die seelische Gesundheit ein ganz guter Anfang. Sehr weit kommt man aber nicht damit, wenn man wirkliche Nahrung für seine Seele haben will. Ganz gut sind solche Schriften von Duboc, Ralph Waldo Trine und so fort, für den Anfang ganz gut. Gegenüber den wirklichen Anforderungen seelischer Gesundheit nehmen sie sich so aus, als ob wir fragen würden: Wie müssen wir in physischer Weise leben, um gesund zu sein? — und darauf die Antwort bekommen: Dann mußt du eine Nahrung zu dir nehmen, die der Gesundheit zuträglich ist, eine Nahrung, deren Substanzen in deinen Organismus leicht übergehen können. — Ganz richtig! Aber jeder, der ernsthaft auf die Sache eingehen will, wird fragen: Was ist denn das für eine Nahrung? Nennt mir das doch in genauerer Weise, was ich da zu mir nehmen soll!

[ 9 ] Certainly, there are popular writings that are touted as beneficial for mental health. They claim that, in order to have strength, one must possess inner peace and equanimity, keep one’s thoughts from wandering aimlessly, and so on. For some, such writings on mental health are a very good start. But they won’t get you very far if you want real nourishment for your soul. The works of Duboc, Ralph Waldo Trine, and others are quite good—very good for a start. Compared to the real demands of spiritual health, they seem as if we were asking: How must we live physically to be healthy? — and receiving the answer: Then you must eat food that is beneficial to health, food whose nutrients can easily be absorbed by your body. — Quite right! But anyone who wants to seriously address the matter will ask: What kind of food is that? Tell me in more detail exactly what I’m supposed to eat!

[ 10 ] Solche Schriften, die sich zur seelischen Gesundheit so verhalten, wie diese Regeln für die physische Gesundheit, mögen für den Anfang ganz gut sein, aber für den weiteren Verlauf des seelischen Suchens ist nicht viel damit zu machen. Dagegen gibt uns die Geisteswissenschaft Gedanken, die in der präzisesten Weise gehalten sind, ganz bestimmte Gedanken, wie sich der Mensch in jedem Zeitalter entwickelt hat, wie er sich in der Gegenwart entwickelt. Das eröffnet sich uns immer mehr aus den theosophischen Weistümern, so daß wir sagen können: Geisteswissenschaft gibt uns viel Gelegenheit, mit unseren Gedanken weit hinauszugehen über das, was wir verwirklichen können. Daher ist Theosophie das, was uns in der Seele zu gefestigten Menschen macht, welche, wenn dies oder jenes in der Umgebung geschieht, was sie aus der Fassung zu bringen droht, aus ihrem Inneren etwas heraufholen können, was ihnen das Gleichgewicht gibt.

[ 10 ] Writings that approach mental health in the same way these rules approach physical health may be quite good as a starting point, but they are of little use for the further course of the spiritual quest. In contrast, spiritual science provides us with ideas that are expressed in the most precise manner—very specific ideas about how humanity has developed in every age and how it is developing in the present. This becomes increasingly clear to us through theosophical wisdom, so that we can say: Spiritual science gives us ample opportunity to take our thoughts far beyond what we can actually realize. That is why theosophy is what makes us, in our souls, steadfast human beings who, when this or that happens in our surroundings that threatens to unsettle us, can draw from within something that gives us balance.

[ 11 ] Es ist nicht entscheidend, ob etwas, das in unserer Umgebung geschieht, an unser Ohr dringt, damit wir gestört werden, sondern es kommt darauf an, ob wir daran Anteil nehmen und dem Vorgang unsere Aufmerksamkeit zuwenden. Das gilt nicht bloß für Außerlichkeiten, sondern auch für unsere innere Verfassung, in der wir einmal himmelhoch jauchzend, ein anderes Mal zutode betrübt durch die Welt gehen, wodurch wir unsere moralische und physische Gesundheit untergraben. Es gibt eine Menge von schmerzhaften Zuständen der Seele, die mit dem Klappern der Mühle verglichen werden können: der Müller, der in der Mühle arbeitet, hört das Klappern nicht mehr. So kann man sich jedem solchen Schmerz, auch dem kleinsten, hingeben, um sozusagen das Klappern seiner eigenen Mühle zu hören, oder man kann seine Aufmerksamkeit abwenden. Man kommt nicht darüber hinweg, wenn man eine leere Seele hat. Das gelingt nur, wenn man einen seelischen Inhalt hat, aus dem man schöpfen kann.

[ 11 ] It is not decisive whether something happening in our surroundings reaches our ears in order for us to be disturbed; rather, what matters is whether we take an interest in it and turn our attention to the event. This applies not only to external circumstances but also to our inner state, in which we go through life one moment elated, the next moment deeply sorrowful, thereby undermining our moral and physical health. There are many painful states of the soul that can be compared to the clatter of a mill: the miller working in the mill no longer hears the clatter. So one can surrender to every such pain, even the smallest, in order to hear, so to speak, the clatter of one’s own mill, or one can turn one’s attention away. One cannot get past it if one has an empty soul. This is only possible if one has a spiritual substance from which to draw.

[ 12 ] Nehmen wir ein Beispiel. Von zwei Menschen lebt der eine so: Des Morgens verrichtet er im Büro seine gewöhnliche Arbeit, nachmittags nimmt er sein Schöppchen und pflegt eine kleine Unterhaltung, abends nimmt er noch einmal sein Schöppchen, und dann geht er ins Bett. Ein solcher Mensch wird, wenn irgend etwas vorkommt, was seinen gewöhnlichen Lebensgang stört, davon gleich überwältigt werden: er hört das Klappern seiner eigenen Mühle oder seines eigenen Schmerzes. Denn er hat nichts in der Seele, nichts, was er herausholen kann, um das Klappern zu übertönen.

[ 12 ] Let’s take an example. Of two people, one lives like this: In the morning, he does his usual work at the office; in the afternoon, he has a drink and engages in a little conversation; in the evening, he has another drink, and then he goes to bed. Such a person, if anything happens that disrupts his usual routine, will be immediately overwhelmed by it: he hears the clatter of his own mill or his own pain. For he has nothing in his soul, nothing he can draw upon to drown out the clatter.

[ 13 ] Ein anderer lebt geradeso in seinen Alltagspflichten, nur hat er in sich viele große Gedanken, wie sie uns die Geisteswissenschaft gibt. Die klingen dann aus seinem Inneren heraus, er hört dann das Klappern nicht mehr. Das ist dann nicht so, daß wir uns anstrengen oder lange Zeit verwenden müßten, um es hervorzuholen, sondern ganz von selbst kommt es hervor, dadurch daß wir daran starke Gefühle entwickelt haben. So werden wir unter den Störungen des Lebens weniger leiden und immer mehr Trost finden durch das, was sich durch jahrelanges geistiges Streben in der Seele angesammelt hat. Das ist ein Besitz, ein Besitz von besonderer Art, der einzige, den uns niemand nehmen kann. Was wir uns sonst in der Welt erwerben, oder was uns sonst in der Welt zukommt, gehört zu dem, was uns genommen werden kann. Was wir aber für den Geist erwerben, ist der einzige Besitz, der uns nimmermehr genommen werden kann.

[ 13 ] Another person lives just as fully in their daily duties, but they harbor within themselves many profound thoughts, such as those provided by spiritual science. These then resound from within him, and he no longer hears the clatter. It is not that we have to exert ourselves or spend a long time bringing it forth, but rather it emerges all by itself, because we have developed strong feelings for it. In this way, we will suffer less from life’s disturbances and find ever more comfort in what has accumulated in the soul through years of spiritual striving. This is a possession, a possession of a special kind, the only one that no one can take from us. Whatever else we acquire in the world, or whatever else comes to us in the world, belongs to that which can be taken from us. But what we acquire for the spirit is the only possession that can never be taken from us.

[ 14 ] Man pflegt zu sagen: Der Tod macht alles gleich. - Gewiß, aber ebenso wahr ist, daß sich keine Situation denken läßt, auf die das hier Gesagte nicht in gleicher Weise zuträfe. Da hilft nichts weiter in der Welt, nicht ob man reich ist, ob man der Abkömmling eines reichen Adelsgeschlechtes ist — will man zu diesem geistigen Besitz kommen, so muß man den gleichen Weg machen, ein und denselben Weg machen. Nicht nur der Tod macht alles gleich, es ist das geistige Leben, vor dem alle gleich sind. Das gibt diesem geistigen Leben eine weittragende Bedeutung, denn ihm entquillt etwas, das uns über den täuschenden Sinnenschein emporhebt.

[ 14 ] People often say: Death makes everything equal. - Certainly, but it is equally true that no situation can be imagined to which what has been said here would not apply in the same way. Nothing else in the world matters—whether one is rich, whether one is the descendant of a wealthy noble family—if one wishes to attain this spiritual possession, one must take the same path, the one and only path. It is not only death that makes everything equal; it is spiritual life before which all are equal. This gives this spiritual life a far-reaching significance, for from it springs something that lifts us above the deceptive appearance of the senses.

[ 15 ] Es mag dagegen jemand einwenden: Mich kann ein Ziegel treffen und ich kann dann ein Krüppel werden, oder ich kann mein Gehirn so verletzen, daß ich idiotisch werde. -— Wer aber die Schätze der Theosophie sich so zu eigen machen kann, daß er sie in der Seele mit sich trägt, der weiß, daß ein solcher Fall nur ein vorübergehender Zustand ist. Selbst wenn das Gehirn zerbrochen wäre, so wäre das nicht anders, als wenn wir etwas tun wollten und das Instrument zerbricht uns; zum Beispiel als wenn wir einen Nagel einschlagen wollten und der Hammer zerbräche. Da können wir nichts anderes tun, als einen anderen Hammer nehmen; und so machen wir es mit dem Gehirn auch. Das Bewußtsein kann seine Werkzeuge verlieren, aber in einem neuen Leben können wir sie wieder herstellen, so daß wir uns in unserem Ewigkeitsgefühl nicht stören lassen gegenüber der Unverlierbarkeit dieses geistigen Besitzes. Es handelt sich nicht darum, daß wir etwas wissen, sondern wie es in unser Herz dringt, und es vermag in unser Herz so hineinzudringen, daß wir die Frucht davon behalten und daß es auch über den Verlust dieses Werkzeuges hinwegführt.

[ 15 ] Someone might object: A brick could hit me and I could become crippled, or I could injure my brain so badly that I become mentally disabled. — But whoever can make the treasures of theosophy their own to such an extent that they carry them within their soul knows that such a case is only a temporary condition. Even if the brain were shattered, it would be no different than if we wanted to do something and the tool broke; for example, as if we wanted to hammer in a nail and the hammer broke. There is nothing we can do but take another hammer; and so we do the same with the brain. Consciousness may lose its tools, but in a new life we can restore them, so that we do not allow ourselves to be disturbed in our sense of eternity regarding the indestructibility of this spiritual possession. It is not a matter of what we know, but how it penetrates our heart, and it is able to penetrate our heart in such a way that we retain the fruit of it and that it also carries us beyond the loss of this tool.

[ 16 ] Das alles ist ein Zeugnis dafür, daß wir in einer gewissen Beziehung sagen können: Es wirkt auf unseren Astralleib, was wir eben charakterisiert haben. Wie es wirkt, kann nur der Hellseher wissen, aber die Folgen erlebt jeder in seinem alltäglichen Leben. Es wird ein Mensch, der viele Handlungen vollzieht, für die er nicht moralisch einstehen kann, und der dadurch mürrisch wird, in mißlichen Lebenslagen besonders leicht dem Schmerz ausgeliefert sein. Kann sich dagegen ein Mensch den gleichen Zwischenfällen gegenüber sagen: Sie sind wenig gegen meine inneren Erlebnisse, die Ideale —, so wird von dieser Gewißheit eine gesundende Wirkung ausgehen. Er wird sich dann in allen Fällen an das halten, was als Ewiges in ihm lebt. Wenn in dieser umfassenden Weise der Geist der Ewigkeit an uns herantritt, wie das in der Theosophie der Fall ist, dann sind wir gesichert für alle Lagen des Lebens.

[ 16 ] All of this serves as evidence that, in a certain sense, we can say: what we have just described has an effect on our astral body. Only a clairvoyant can know exactly how it works, but everyone experiences the consequences in their daily life. A person who commits many acts for which they cannot take moral responsibility, and who thereby becomes morose, will be particularly vulnerable to pain in difficult life situations. If, on the other hand, a person can say to themselves in the face of the same incidents: “These are insignificant compared to my inner experiences, my ideals”—then a healing effect will emanate from this certainty. They will then, in all cases, hold fast to what lives within them as eternal. When the spirit of eternity approaches us in this comprehensive way, as is the case in Theosophy, then we are secure in all situations of life.

[ 17 ] Nun, meine lieben Freunde, gibt es noch andere Dinge, durch die wir uns wohl überzeugen können, daß das Geistige, das wir aufnehmen, von dem wir uns durchdringen lassen, mit unserem ganzen Lebensglück, mit unserer Lebenstüchtigkeit im innigen Zusammenhang steht. Wie der Mensch gute Stimmungen haben kann, so kann er auch schlechten Stimmungen ausgesetzt sein, die vielleicht durch sein ganzes Leben gehen und ihn niemals froh werden lassen, die das ganze innere Seelengefüge beherrschen. Da sagt der Geistesforscher: Solche Stimmungen wirken sich aus in der übersinnlichen Natur des Menschen; im Ätherleib wirken sich solche Stimmungen aus, drücken sich ab auf den physischen Leib und wirken auf das Blut. Dadurch daß eine Stimmung im menschlichen Ätherleib sich auswirkt, wird auf das Blut gewirkt, und die Folge davon ist, daß eine solche Stimmung, die den Menschen nicht froh werden läßt sein ganzes Leben lang, die Blutzirkulation beeinträchtigt, sein Blut schwer macht. Hier haben wir ein solches Beispiel, wo wir sagen können: Die Wirkung dessen, was in der Seele vorgeht, geht in den physischen Leib hinein. Auch der Mensch, der nicht hellsehend ist, kann das bemerken und kann sich sagen: Ich leide unter meiner Körperlichkeit. Das kommt aus meiner Gesamtstimmung. Könnte ich meine Gesamtstimmung ändern, dann könnte ein heilsamer Einfluß ausgeübt werden auf meine ganze Konstitution.

[ 17 ] Well, my dear friends, there are other things that can convince us that the spiritual realm we take in—and allow to permeate us—is intimately connected with our overall happiness in life and with our ability to live well. Just as a person can have good moods, so too can they be subject to bad moods that may persist throughout their entire life and never allow them to be happy, moods that dominate their entire inner soul structure. Here the spiritual researcher says: Such moods have an effect on the supersensible nature of the human being; such moods have an effect in the etheric body, are reflected in the physical body, and affect the blood. Because a mood in the human etheric body has an effect, it acts upon the blood, and the consequence of this is that such a mood, which prevents a person from being happy throughout their entire life, impairs blood circulation and makes their blood heavy. Here we have an example where we can say: The effect of what is happening in the soul penetrates into the physical body. Even a person who is not clairvoyant can notice this and say to themselves: I suffer from my physical condition. This stems from my overall mood. If I could change my overall mood, then a healing influence could be exerted on my entire constitution.

[ 18 ] Man mag nun meinen: es kommt darauf an, daß der Mensch sich frei macht vom physischen Leib. Aber es handelt sich nicht darum, daß wir einfach die Forderung aufstellen, er solle erkennen, daß der Körper abhängig ist vom Geiste, sondern um die Realität, daß wir durch die Kraft des Geistes nicht abhängig zu sein brauchen von dem Leibe. Wir werden unabhängig dadurch, daß wir ihn zu einem Instrument unseres Geistes machen.

[ 18 ] One might think: what matters is that human beings free themselves from the physical body. But the point is not simply that we demand they recognize that the body is dependent on the spirit, but rather the reality that, through the power of the spirit, we need not be dependent on the body. We become independent by making the body an instrument of our spirit.

[ 19 ] Nicht der Materialist ist der schlimmste, der an die Lehren des Materialismus glaubt, der da glaubt an die Lehre von «Kraft und Stoff», sondern der ist der schlimmste, der abhängig ist von Kraft und Stoff, so zum Beispiel, wenn er im Winter nur an diesem, im Sommer nur an jenem Orte leben kann, sich ganz vom Stoff abhängig macht, um nicht neurasthenisch zu sein. Darum handelt es sich also nicht bloß, daß man nicht glaubt an diese Lehre von Kraft und Stoff, sondern darum, daß wir unabhängig werden vom Stoff. Was ist das für ein Leben, wenn einer nur im Winter in einer großen Stadt, im Sommer nur auf dem Lande leben kann. Bei einem solchen Menschen hilft das Beten nicht und das Glauben nicht, denn er ist ein Materialist, er ist abhängig von «Kraft und Stoff».

[ 19 ] The worst kind of materialist is not the one who believes in the teachings of materialism, who believes in the doctrine of “force and matter,” but rather the one who is dependent on force and matter—for example, when he can live only in this place in winter and only in that place in summer, making himself entirely dependent on matter so as not to become neurasthenic. Therefore, it is not merely a matter of not believing in this doctrine of “force and matter,” but of becoming independent of matter. What kind of life is it when one can live only in a big city in winter and only in the countryside in summer? For such a person, prayer does not help and faith does not help, for he is a materialist; he is dependent on “force and matter.”

[ 20 ] Wenn wir Gedanken, die der geistigen Forschung entstammen, auf uns wirken lassen, zeigt sich uns unser Zusammenhang mit der geistigen Welt. Aber noch etwas anderes sehen wir. Wenn wir recht unglücklich sind, so daß ein anderer nicht fertig werden könnte mit solchem Unglück, zeigt es sich, daß ein Theosoph damit fertig werden kann. Nehmen wir zum Beispiel an, daß ein Mensch, der achtzehn Jahre alt geworden ist und seinem Vater auf der Tasche gelegen hat, nun erlebt: der Vater wird bankerott. Da ist er genötigt, zu arbeiten. Das kann er als ein Unglück empfinden. Er wird darüber fünfzig Jahre alt und ist dabei etwas Ordentliches geworden. Da kann er sagen: Gott sei Dank, daß dieses Unglück geschehen ist, sonst würde ich ein Taugenichts geworden sein. - Wenn man dann nicht mehr im Unglück steckt, kann man das Unglück als ein Erziehungswerkzeug ansehen. Wir müssen uns sagen können: Wir selbst sind es, die uns durch unser Karma zu diesem Unglück gebracht haben, weil wir es in diesem Leben brauchen zu unserer Erziehung. Wenigstens wird ein Mensch, der solche Gedanken fassen kann, in unglücklichen Stunden nicht gegen die Weltenlenkung murren, sondern deren Weisheit erkennen. Das bereitet uns aber nach und nach Stimmungen, die in ganz anderer Weise wirken als solche, die wir haben, wenn wir uns ganz abhängig von «Kraft und Stoff» fühlen. Jetzt weiß man, daß man abhängt von der geistigen Weltenlenkung. Das teilt sich der Stimmung mit, und dann entzieht man sich durch die Einflüsse auf den Ätherleib der Abhängigkeit von «Kraft und Stoff». Dann brauchen wir nicht an die Riviera zu gehen, um unsere Stimmung zu erhöhen, sondern unser geistiger Besitz ermöglicht es uns, unsere Werkzeuge so zu gestalten, daß wir vom Äußeren unabhängig sein können.

[ 20 ] When we allow thoughts derived from spiritual research to take effect within us, our connection to the spiritual world becomes apparent. But we see something else as well. If we are so deeply unhappy that another person could not cope with such unhappiness, it becomes clear that a theosophist can cope with it. Let us suppose, for example, that a person who has turned eighteen and has been living off his father now experiences this: his father goes bankrupt. He is then forced to work. He may perceive this as a misfortune. He reaches the age of fifty and has become a respectable person in the process. Then he can say: Thank God this misfortune happened, otherwise I would have become a good-for-nothing. — Once one is no longer in the midst of misfortune, one can view the misfortune as a tool of education. We must be able to tell ourselves: It is we ourselves who, through our karma, have brought this misfortune upon ourselves, because we need it in this life for our education. At least a person who can entertain such thoughts will not grumble against the guidance of the worlds in times of misfortune, but will recognize its wisdom. This, however, gradually creates moods within us that have a completely different effect than those we experience when we feel entirely dependent on “force and matter.” Now one knows that one is dependent on the spiritual guidance of the universe. This is communicated to the mood, and then, through the influences on the etheric body, one withdraws from dependence on “force and matter.” Then we need not go to the Riviera to lift our spirits, but our spiritual possession enables us to shape our tools in such a way that we can be independent of the external world.

[ 21 ] In den Seelen-Gesundheitsschriften eines Ralph Waldo Trine und anderer findet man nicht, wodurch man diese Stimmung erhält. Hineingießen in die Stimmung die Weisheit der 'Theosophie, das macht uns unabhängig von Stoff und Kraft, das erschließt uns einen Quell, der uns über Raum und Zeit erhebt. Dann entziehen wir uns der Macht der Materie und wirken auf das Instrument unseres Leibes zurück. So eignen wir uns nach und nach durch die Geisteswissenschaft Lebenspraxis an. Daran, meine lieben Freunde, glaubt nicht gleich jeder, weil die wenigsten Menschen heute, wo alle so abhängig sind von Stoff und Kraft, angelegt sind, solche Dinge einzusehen. Sie sollten sich durch Erfahrung überzeugen, daß das so ist, denn die Erfahrung wird ihnen immer mehr die Lebensbeweise liefern können. Das ist überhaupt das Ergebnis der Geisteswissenschaft, daß sie in die ganz gewöhnliche äußere Handhabung des Lebens hineinwirkt.

[ 21 ] In the writings on spiritual health by Ralph Waldo Trine and others, one does not find what brings about this state of mind. Infusing this mood with the wisdom of Theosophy makes us independent of matter and force; it opens up a source that lifts us above space and time. Then we withdraw from the power of matter and act back upon the instrument of our body. In this way, through spiritual science, we gradually acquire a way of life. Not everyone, my dear friends, believes this right away, because very few people today—when everyone is so dependent on matter and force—are predisposed to understand such things. You should convince yourselves through experience that this is so, for experience will be able to provide you with more and more evidence from life. This is, in fact, the result of spiritual science: that it works its way into the very ordinary, external conduct of life.

[ 22 ] Ich will Ihnen dasjenige, was die Geisteswissenschaft lehrt, durch Beispiele belegen; ich will Ihnen dafür einiges aus den Trivialitäten des Lebens anführen. Wir müssen zum Beispiel dadurch, daß wir jetzt auf dem physischen Plan mit der äußeren Materie leben, in gewissen Fällen die Fähigkeit haben, auch in der äußeren Materie um uns herum überall den Geist wahrzunehmen. Denn Materie ist ja nur ein 'Trugbild, Maja, alles ist verdichteter Geist. So daß wir für das gewöhnliche Leben unter den Gegenständen der Materie den Geist zu spüren haben. Wir müssen also zu ihr in ein äußeres Verhältnis kommen können, daß wir gewissermaßen intime Beziehungen einzugehen vermögen mit den Dingen. Es gibt Menschen, die sich oft die Hände waschen, und es gibt solche, die waschen sich selten die Hände. Nun, in gewisser Beziehung ist ein gewaltiger Unterschied zwischen den einen und den anderen. Der Mensch ist hinsichtlich seiner verschiedenen Körperteile tatsächlich ganz unterschiedlich vom Übersinnlichen durchdrungen. So sind zum Beispiel nicht Brust und Oberschenkel in gleicher Weise vom Atherleib durchdrungen wie die Hände. Gerade von den Fingern aus gehen mächtige Strahlen des Ätherleibes. Weil das bei den Händen so ist, können wir gerade in den Händen ein wunderbar intimes Verhältnis zum äußeren Leben entwickeln. Die Menschen, die sich oft die Hände waschen, stehen in feinerer Beziehung zu ihrer Umgebung, sind in feinerer Weise empfänglich für ihre Umgebung, weil durch den im Blut materialisierten Geist die Wirkung ausgeübt wird, daß der Mensch in seinen Händen sensitiver wird. Dickhäuter in bezug auf die äußere Welt waschen sich nicht oft die Hände. Sehen Sie, wie wenig solche robusten Leute zugänglich sind für die Eigentümlichkeiten ihrer Mitmenschen, während die, welche sich öfter die Hände waschen, geistig in ein intimeres Verhältnis zur Umwelt treten. Würde ein Mensch versuchen, an einer anderen Stelle dasselbe bewirken zu wollen, zum Beispiel an den Schultern, so würde sich zeigen, daß er, wenn er diese auch so viel waschen würde, neurasthenisch werden würde. Was den Händen gesund ist, ist den Schultern nicht gesund. Der Mensch ist so organisiert, daß er dieses intime Verhältnis zur Umwelt durch die Hände einzugehen vermag.

[ 22 ] I want to illustrate what spiritual science teaches through examples; to do so, I will cite a few instances from the trivialities of life. For example, because we now live on the physical plane with external matter, we must, in certain cases, have the ability to perceive the spirit everywhere in the external matter around us. For matter is, after all, only an 'illusion, Maya; everything is condensed spirit. So that in ordinary life we must be able to sense the spirit within material objects. We must therefore be able to enter into an external relationship with it, so that we can, as it were, form intimate connections with things. There are people who wash their hands often, and there are those who rarely wash their hands. Well, in a certain sense, there is a tremendous difference between the two. The human being is, in fact, permeated by the supersensible in quite different ways through his various body parts. For example, the chest and thighs are not permeated by the etheric body in the same way as the hands. Powerful rays of the etheric body emanate precisely from the fingers. Because this is the case with the hands, it is precisely through the hands that we can develop a wonderfully intimate relationship with external life. People who wash their hands often have a more subtle relationship with their surroundings and are more finely attuned to them, because the spirit materialized in the blood exerts an effect that makes a person more sensitive in their hands. People who are thick-skinned in relation to the outside world do not wash their hands often. See how little such robust people are receptive to the peculiarities of their fellow human beings, while those who wash their hands more often enter into a more intimate spiritual relationship with their environment. If a person were to try to achieve the same effect in another part of the body, for example on the shoulders, it would become apparent that, even if they washed them just as much, they would become neurasthenic. What is healthy for the hands is not healthy for the shoulders. Human beings are organized in such a way that they are able to enter into this intimate relationship with the environment through their hands.

[ 23 ] Es würde auch abträglich wirken, wenn der Mensch geneigt wäre, sich genau so oft das Gesicht zu waschen. Das Gesicht so behandeln, würde auf die Gesundheit nicht fördernd wirken. Bei anderen Teilen des menschlichen Leibes liegt die Sache ganz anders. Menschen, die nicht durch die Geisteswissenschaft ordentlich geschult sind, materialistisch denkende Ärzte beispielsweise, merken den Unterschied nicht und empfehlen den Kindern kalte Abwaschungen; fanatisch werden solche Dinge betrieben. Man dürfte wissen, daß mit nichts mehr Unfug getrieben wird! Das ist die Grundlage zu sehr viel Neurasthenie, daß man in solch abstruser Weise seine Gesundheit beeinträchtigt. Die Hände vertragen das, der übrige Körper wird dadurch für das Materielle empfänglich. Da sehen Sie die Wirkung des Materialismus. Ich spreche hier von der Regel. Da, wo es sich um eine vorübergehende Kur handelt, liegt die Sache anders.

[ 23 ] It would also be detrimental if people were inclined to wash their faces just as often. Treating the face in this way would not be beneficial to health. The situation is quite different for other parts of the human body. People who have not been properly trained in spiritual science—materialistically minded doctors, for example—do not notice the difference and recommend cold washes for children; such practices are carried out fanatically. One should realize that nothing causes more mischief! This is the basis for a great deal of neurasthenia—that one impairs one’s health in such an abstruse manner. The hands can tolerate this, but the rest of the body becomes susceptible to the material as a result. There you see the effect of materialism. I am speaking here of the general rule. Where a temporary cure is involved, the situation is different.

[ 24 ] Nicht nur die kleinsten Kinder suchen sie abzuwaschen in systematischer Weise — jeden Morgen werden sie gequält —, es beschränken sich die Menschen nicht darauf. Sie laufen in der Sonne herum, um Lichtbäder zu nehmen, um im ganzen das Materielle der äußeren Welt auf sich wirken zu lassen. Wir sollten froh sein, daß wir imstande sind, vom inneren Zentrum nach außen wirken zu können und sollten uns nicht immer abhängiger und abhängiger machen von dem Materiellen. Dieses Sich-Aussetzen mit allen Teilen ist das gleiche, wie wenn der Müller alles tun würde, um das Klappern seiner Mühle ständig zu hören, und nicht zufrieden sein wollte, daß er es nicht mehr hört. Auszunehmen sind natürlich wieder die Fälle, wo es sich um eine vorübergehende Kur handelt. - Wenn das in der Jugend betrieben wird, dann wird der Mensch dadurch geeignet gemacht, jeden geringsten Einfluß in seinem Organismus wirken zu lassen. Er härtet sich ab, das heißt, er härtet sich in einer Weise ab, daß er schließlich ganz «abgehärtet» ist und keine äußeren Einflüsse mehr empfindet.*)

[ 24 ] It is not only the youngest children who seek to wash themselves in a systematic manner—they are put through this ordeal every morning—but people do not stop there. They walk around in the sun to soak up the light, to allow the material aspects of the external world to affect them as a whole. We should be glad that we are able to act outwardly from our inner center and should not make ourselves increasingly dependent on the material world. This exposure to all its elements is the same as if a miller were to do everything possible to constantly hear the clatter of his mill, and were not content to no longer hear it. Exceptions, of course, are again those cases involving a temporary cure. — If this is practiced in youth, it makes a person capable of allowing even the slightest influence to affect his organism. He hardens himself, that is, he hardens himself in such a way that he eventually becomes completely “hardened” and no longer perceives any external influences.*)

[ 25 ] Derartige Einsichten entspringen nicht einfach nur der gewöhnlichen Lebenspraxis — das ist ja nicht möglich -, sondern das kann man erst beurteilen, wenn man den ganzen Menschen kennt. Und daß der Mensch ein kompliziertes Wesen ist, und daß in bezug auf seine einzelnen Glieder die verschiedensten Verhältnisse bestehen zwischen dem physischen, Äther- und Astralleib und so weiter, das können Sie aus sehr einfachen Dingen entnehmen. Heute hat es Ihnen vielleicht etwas spaßhaft geschienen, was im Zusammenhang damit gesagt wurde, daß der Mensch mit seinem Astral- und Ätherleib in ganz besonderer Beziehung steht zum physischen Leib. Auf der anderen Seite haben Sie vielleicht gehört, daß die Entfernung oder Krankheit eines bestimmten Organes den Menschen einem Zustand nahebringt, welcher sich wie Idiotismus ausnimmt. Wenn man nun aber den Schilddrüsensaft zum Beispiel vom Schaf einem solchen Menschen eingibt, so wird er wieder aus einem Idioten zu einem denkenden Menschen. Das ist eine bekannte Tatsache. Richtig beurteilt werden diese Tatsachen erst von der Geisteswissenschaft. Denn, warum ist das so? Ja, sehen Sie, das ist deshalb so, weil nicht nur in der Schilddrüse, sondern auch in der weit größeren Zahl der Drüsenorgane Werkzeuge gegeben sind, die aus dem Ätherleib auferbaut sind. Wir brauchen unsere Werkzeuge in der physischen Welt, um etwas anzufangen. Wie wir einen Hammer brauchen, um einen Nagel einzuschlagen, so brauchen wir die Werkzeuge, wozu sie uns gegeben sind. Wenn sie herausgenommen sind, so haben wir das Werkzeug nicht mehr. Das ist aber kein Beweis, daß das Vermögen genommen ist, ihre Wirkung zu ersetzen. Aber wir müssen wissen, daß auch eine solche Wirkung nur dann möglich ist, wenn der Ätherleib in Funktion tritt.

[ 25 ] Such insights do not simply arise from ordinary life experience—that is, after all, impossible—but can only be assessed once one knows the whole person. And the fact that the human being is a complex being, and that with regard to its individual members there are the most varied relationships between the physical, etheric, and astral bodies and so on, you can deduce from very simple things. Today it may have seemed somewhat amusing to you what was said in this connection, namely that the human being, with its astral and etheric bodies, stands in a very special relationship to the physical body. On the other hand, you may have heard that the removal or disease of a certain organ brings a person close to a state that appears to be idiocy. But if, for example, one administers thyroid fluid from a sheep to such a person, he is transformed from an idiot back into a thinking human being. This is a well-known fact. These facts are only properly understood through spiritual science. For why is this so? Well, you see, it is because not only in the thyroid gland, but also in the far greater number of glandular organs, there are tools that are built up from the etheric body. We need our tools in the physical world to accomplish anything. Just as we need a hammer to drive in a nail, so we need the tools for which they are given to us. When they are removed, we no longer have the tool. But that is no proof that the ability to replace their effect has been taken away. However, we must know that even such an effect is possible only when the etheric body comes into function.

[ 26 ] Bei denjenigen Organen, die in Beziehung zum Astralleib stehen, kann nicht in Betracht kommen, daß wir durch Ersatz des Sekretes irgend etwas an den Organen ändern. Ich habe gesehen, daß Leute, die ein defektes Hirn hatten, Schafgehirne oder dergleichen gegessen haben ohne Hebung des Verstandes, weil das Gehirn ein Organ ist, das zum Astralleib in Beziehung steht. Da sehen wir, wie die Geisteswissenschaft hineinleuchtet auch in diese Dinge. Man kann den Menschen nicht verstehen, wenn man nicht eingehen kann auf diese höheren, übersinnlichen Glieder der Menschen, und man weiß dann im Grunde überhaupt nicht, was in Betracht kommt.

[ 26 ] In the case of organs related to the astral body, it is out of the question that we could alter anything in the organs by replacing their secretions. I have seen that people with brain damage have eaten sheep brains or the like without any improvement in their mental faculties, because the brain is an organ related to the astral body. Here we see how spiritual science sheds light on these matters as well. One cannot understand human beings if one cannot take into account these higher, supersensory aspects of human beings, and then one really has no idea what is at stake.

[ 27 ] Wenn Sie heute medizinische Bücher lesen, wird das so geschildert, als wenn der Mensch seinen Verstand verliert durch die Krankheit oder das Fehlen der Schilddrüse. Nein, er verliert nur die Anteilnahme, das Interesse, er wird stumpf und wendet seinen Verstand nicht an. Man wird nicht dadurch dumm, daß man nicht denken kann. Wenn man kein Interesse hat, bleibt der Verstand doch intakt. Was verlorengeht, ist der lebendige Anteil, den der Mensch nimmt an den Dingen, das Interesse, die Aufmerksamkeit auf die Dinge zu lenken. Derjenige, der kein Interesse hat, lenkt auf nichts seine Aufmerksamkeit, weil ihm das Werkzeug fehlt. Wir geben ihm nicht Verstand mit der Schilddrüse, sondern wir geben ihm ein Werkzeug, um lebendigen Anteil zu nehmen an den Dingen der Welt. Man beurteilt den Menschen ganz falsch, wenn man gar nichts weiß von der übersinnlichen Welt, und ein großer Teil von dem, was gelehrt wird in unseren wissenschaftlichen und populären Büchern, steht auf diesem Niveau. Wenn Sie lesen, daß der Mensch durch Verlust der Thyreoiden ein Tor und durch Aufessen von Thyreoidin gescheiter werde, so ist das nicht wahr. Wahr ist, daß seine Aufmerksamkeit geweckt wird. Überall kann an den Folgen eingesehen werden: das, was aus hellseherischer Forschung gesagt wird, ist nicht phantastisch. Wenn auch nicht ein jeder es sehen kann, belegen kann man, daß das da ist, was die Hellseher sehen. Es ist überall da. Ich empfehle Ihnen immer wiederum und wiederum an den Satz zu denken: Wenn man an sich nicht einsehen kann, was an hellseherischer Forschung ergründet wird, in der Welt kann man es erleben. - So kann man sich in mittelbarer Weise Beweise verschaffen für das, was geisteswissenschaftlich mitgeteilt wird,

[ 27 ] When you read medical books today, it is described as if a person loses their mind due to the disease or the absence of the thyroid gland. No, they merely lose their empathy and interest; they become dull and do not use their intellect. One does not become stupid simply because one cannot think. Even if one has no interest, the mind remains intact. What is lost is the lively engagement that a person has with things—the interest and the ability to direct one’s attention to them. Someone who has no interest does not direct their attention to anything because they lack the tool. We do not give them intelligence through the thyroid gland, but rather we give them a tool to take a living interest in the things of the world. One judges people completely wrongly if one knows nothing at all about the supersensible world, and a large part of what is taught in our scientific and popular books is at this level. If you read that a person becomes a fool through the loss of the thyroid and becomes smarter by taking thyroxine, that is not true. What is true is that their attention is awakened. The consequences can be seen everywhere: what is said through clairvoyant research is not fantastical. Even if not everyone can see it, one can prove that what the clairvoyants see is there. It is everywhere. I recommend that you think again and again of the following: If you cannot personally comprehend what is discovered through clairvoyant research, you can experience it in the world. - In this way, one can obtain indirect evidence for what is communicated through spiritual science,

[ 28 ] Nun habe ich Ihnen manches gesagt über die Art und Weise, wie der menschliche Astralleib in bezug auf das Leben seinen Einfluß zeigen kann. Ich habe Ihnen gesagt, wie sich der Ätherleib auf das Leben auswirkt. Ich möchte auch jetzt in bezug auf das Ich einiges sagen, woraus Sie die Brücke schlagen können von der theosophischen Theorie zur Lebensrealität. Sie kennen alle die weitverbreitete Erscheinung im Leben, welche mit zwei Worten bezeichnet wird, weil sie in zweierlei Weise sich äußert: Tränen vergießen und traurig sein.

[ 28 ] I have now told you a great deal about the ways in which the human astral body can exert its influence on life. I have told you how the etheric body affects life. I would now also like to say a few things regarding the ego, from which you can build a bridge from theosophical theory to the reality of life. You are all familiar with the widespread phenomenon in life that is described in two words because it manifests itself in two ways: shedding tears and being sad.

[ 29 ] Was bedeutet es im menschlichen Leben, eine von außen verursachte Traurigkeit zu empfinden, die sich physisch in Tränen äußert, oder ein inneres Seelenerlebnis zu haben, das sich ebenfalls in Tränen äußert? Der Mensch hat etwas in sich, wodurch er nicht bloß dasjenige erleben kann, was er in seinem eigenen Leibe hat, sondern schon im gewöhnlichen, normalen Bewußtsein das miterleben, mitfühlen kann, was in seiner Umgebung vorgeht. Wir stecken dann mit darin in unserer Umgebung, wenn wir traurig sind über diesen oder jenen Verlust, zum Weinen traurig. Was beweist das? Daß wir in uns selber hineinnehmen können, was in unserer Umgebung lebt, und es recht in uns selber im Herzen tragen können. Es bedeutet, daß wir in uns ein Ich haben, das mit unserer ganzen Umwelt in einer geheimnisvoll magischen Verbindung steht. Durch diesen magischen Zusammenhang der Menschen mit dem, was nicht in ihnen selber lebt, wird ein Zusammenhang mit dem Außeren erlebt. In zweifacher Weise kann das Ich in sich sein: Erstens auf egoistische Weise; dann kommt es insbesondere darauf hinaus, daß wir uns durch Tränen Erleichterung verschaffen gegenüber dem Schmerz. Weil wir keinen [wahren] Anteil haben wollen. Zweitens kann aber die Traurigkeit auch voll berechtigt sein, weil wir etwas, was in unserer Umgebung lebt, in uns selber hineingießen. Darum bedeuten Tränen am meisten beim Menschen, wenn er traurig sein kann über Dinge, die ihn persönlich möglichst wenig angehen. Es gibt Menschen, die weinen aus bloßem Egoismus, weil sie nicht ertragen können, was in ihrem Leben vorgeht, oder ihren eigenen Verlust nicht tragen können. Wohl, es gibt auch Menschen, die über Dinge weinen, die sie nichts angehen, so daß die Welt sagt: der heult wie ein Schloßhund über eine Stelle in einem Roman oder in einem Drama. Und diese Möglichkeit kann bei ihm einen gewissen Glanz erzeugen, der von seiner Trauer auch auf alle anderen Tränen und andere Traurigkeit ausgehen mag, denn um so größer ist unsere Traurigkeit, je mehr wir über alles andere gerührt werden. Und in seiner Trauer wird der Mensch in gewissem Sinne doch auf unegoistische Weise zu seinem Ich geführt. Was kein Ich hat, kann nicht weinen und nicht traurig sein. Die Behauptung, daß auch Tiere weinen, ist daher im Grunde barer Unsinn. Richtig ist vielmehr, daß die Tiere nicht weinen und nicht traurig sein können wie der Mensch. Traurig scheint der Hund nur, weil ihm nicht alles das zufließt, was er bekam, als der Herr noch da war. Recht haben die Psychologen, welche sagen: Tiere können nur heulen, Menschen aber können weinen. — Denn das Weinen und die Traurigkeit kann der stärkste Beweis dafür sein, daß die Ich-Vertiefung in uns selber ist und daß wir dadurch mit dem, was um uns ist, in Zusammenhang kommen. Daher geschieht eine Verdichtung unseres Ich, was dann in Tränen herauskommt. Weil das so ist, können wir sagen: Im Grunde genommen ist Weinen und Tränen etwas, was mit dem innersten Wesen der Menschennatur zusammenhängt.

[ 29 ] What does it mean in human life to feel a sadness caused by external factors, which manifests physically as tears, or to have an inner spiritual experience that also manifests as tears? Human beings have something within them that enables them not only to experience what is happening within their own bodies, but also, even in ordinary, normal consciousness, to share in and empathize with what is taking place in their surroundings. We are then immersed in our surroundings when we are saddened by this or that loss, sad enough to weep. What does this prove? That we can take into ourselves what lives in our surroundings and carry it truly within our own hearts. It means that we have an “I” within us that stands in a mysterious, magical connection with our entire environment. Through this magical connection of human beings with what does not live within them, a connection with the external world is experienced. The “I” can be present within itself in two ways: first, in an egoistic way; in this case, it essentially amounts to us seeking relief from pain through tears. Because we do not want to have a [true] share in it. Secondly, however, sadness can also be fully justified because we pour something that lives in our surroundings into ourselves. That is why tears mean the most to a person when they can be sad about things that concern them as little as possible personally. There are people who cry out of sheer selfishness because they cannot bear what is happening in their lives, or cannot bear their own loss. True, there are also people who weep over things that do not concern them, so that the world says: he’s wailing like a lapdog over a passage in a novel or a play. And this possibility can create a certain radiance in him, which may extend from his grief to all other tears and other sadness, for the more we are moved by everything else, the greater our sadness becomes. And in his sorrow, man is, in a certain sense, led to his self in an unselfish way. What has no self cannot weep and cannot be sad. The claim that animals also weep is therefore, at its core, sheer nonsense. It is rather true that animals cannot weep and cannot be sad as humans do. The dog only seems sad because it does not receive everything it used to get when its master was still there. The psychologists are right when they say: Animals can only howl, but humans can cry. — For crying and sadness can be the strongest proof that the deepening of the self is within us and that through this we come into connection with what is around us. This leads to a condensation of our ego, which then emerges in tears. Because this is so, we can say: Ultimately, crying and tears are something connected to the innermost essence of human nature.

[ 30 ] Wenn der Mensch seinen inneren Halt wiederfindet, dann kann er diesen Zustand am besten dadurch zum Ausdruck bringen, daß das in Tränen übergeht. So sind aus dem Tiefsten heraus gesprochen die Worte im «Faust», nachdem Faust vom Selbstmord zurückkommt und den Giftbecher vom Munde nimmt: «Die Träne quillt, die Erde hat mich wieder!» Das Ich spricht in diesem Augenblick. Das drückt sich aus in diesem Wort: Die Träne quillt, die Erde hat mich wieder.

[ 30 ] When a person rediscovers their inner stability, the best way to express this state is through tears. Thus, spoken from the depths of the soul, are the words in *Faust*, after Faust returns from his attempt at suicide and removes the poisoned cup from his mouth: “The tear wells up, the earth has me again!” The ego speaks at this moment. This is expressed in these words: The tear wells up, the earth has me again.

[ 31 ] Daher hängt das mit dem innersten Wesen des Menschen zusammen, was wir in Trauer mit unserer Umgebung miterleben. Und was mit dem innersten Wesen zusammenhängt, fordert, daß es der Mensch mit richtigem Ernste nimmt und daß wir über das Elend in unserer Umgebung traurig werden können, allerdings niemals durch das bloß vorgestellte Elend. Alle die Dramen, die das Elend lediglich auf die Bühne bringen, können nur unnatürliche Seelenregungen hervorbringen. Alles unwirkliche Elend auf der Bühne können wir mit unserer Menschenwürdigkeit nur dann verbinden, wenn der Sinn damit verbunden ist, daß der Held, auch wenn er fällt, als Sieger hervorgeht. Die Dramen, die das Elend darstellen, können wir nur ertragen, wenn wir den Sieg des Guten sehen. Dann hat es ein Recht auf unsere Traurigkeit und unsere Tränen, weil es so recht in unser Inneres hineinversenkt die Trauer der Wirklichkeit gegenüber. |

[ 31 ] Therefore, what we witness in our surroundings when we grieve is connected to the innermost essence of the human being. And what is connected to this innermost essence demands that we take it with true seriousness and that we be able to feel sorrow for the misery in our surroundings—though never for mere imagined misery. All the dramas that merely bring misery to the stage can only evoke unnatural emotional responses. We can only reconcile all unreal misery on stage with our human dignity if it is accompanied by the meaning that the hero, even if he falls, emerges as a victor. We can only endure dramas that depict misery if we see the victory of good. Then it has a right to our sadness and our tears, because it so deeply sinks into our innermost being the sorrow of reality. |

[ 32 ] Ganz anders ist es in bezug auf ein anderes Erlebnis unseres Ich, das wir mit vielen Namen bezeichnen können. Was im Lachen, Lustigkeit, Freudehaben, vielleicht sogar im Witze sich ausdrückt -, in dem Anteil an dem Komischen ist die Sache umgekehrt. Über einen Toren in Wirklichkeit zu lachen ist unmenschlich, über das vorgestellte Törichte zu lachen, ist eigentlich unendlich befreiend. Die Torheit soll man erleben, weil sie gesundend wirkt — selbst im Zirkus kann man dieses gute seelische Heilmittel erleben -, denn es ist wiederum ein Finden des eigenen Ich. Wenn wir imstande sind zu lachen, so erheben wir uns über die Situation. Da werden wir gewahr unseres eigenen inneren Wertes, dadurch erheben wir uns. Etwas ungeheuer Gesundendes liegt in den burlesken Scherzen des Kasperletheaters bis zu den Komikern, die alle möglichen Torheiten begehen, in alle möglichen Widersprüche sich verwickeln, während Lachen über Torheit, wenn sie wirklich ist, den Unmenschen verrät.

[ 32 ] The situation is quite different when it comes to another experience of our self, which we can describe by many names. What is expressed in laughter, merriment, joy, and perhaps even in jokes—in our engagement with the comic—the situation is reversed. Laughing at a fool in reality is inhuman; laughing at imagined folly is actually infinitely liberating. One should experience folly because it has a healing effect—even at the circus one can experience this good remedy for the soul—for it is, in turn, a rediscovery of one’s own self. When we are able to laugh, we rise above the situation. There we become aware of our own inner worth, and through this we rise above it. There is something tremendously healing in the burlesque jokes of the Punch and Judy show, right up to the comedians who commit all manner of follies and entangle themselves in all manner of contradictions, while laughter at folly, when it is genuine, betrays the inhuman.

[ 33 ] Merkwürdig zeigt sich das Ich in seinem gesunden Verhältnis zur Umwelt. Dem Elend gegenüber sind wir zum Weinen gestimmt, dem wirklichen, nicht dem dargestellten gegenüber. Umgekehrt beim Lachen und beim Scherzen. Da sind wir Unmenschen, wenn wir über die Torheiten, die als Natureigenschaften in einem Menschen sitzen, lachen. Aber sie sind gesund und arbeiten an der gesunden Menschenerziehung, wenn wir an dem dargestellten Burlesken und Komischen unsere Freude haben können. Denn das weist auf das gesunde Ich in uns hin.

[ 33 ] The ego reveals itself in a curious way through its healthy relationship with the environment. In the face of misery, we are moved to tears—by the real kind, not the depicted kind. The opposite is true of laughter and jesting. We are inhuman when we laugh at the follies that are inherent in human nature. But it is healthy and contributes to sound human development when we can take pleasure in the burlesque and the comic as they are portrayed. For this points to the healthy ego within us.

[ 34 ] Da sehen Sie, wie auch das Gesundende in der Umwelt verstanden werden kann, wenn wir bemerken, daß wir auch ein Ich haben. Nun fragen wir: Zeigt sich das in unserer materialistischen Menschheit auch im Verhältnis zur Kunst? Ja, es zeigt sich sehr charakteristisch und eigentlich. Wenn die Menschen wirklich dem gegenüberstehen würden, was zum Beispiel in Hauptmanns oder Sudermanns Dramen dargestellt wird, wie viele würden da ohnmächtig werden! In der Darstellung können sie das gleiche ertragen, das sie im Leben in Traurigkeit versetzen und zum Eingreifen bewegen müßte. Das ist auf der Bühne nicht möglich. Woher kommt eine solche Verkehrung der Tatsachen? Daher, weil in unserem materialistischen Zeitalter die Menschen am meisten in der Peripherie leben, wo das Ich sich nicht bewahrheitet. In der Tat kann uns am meisten zur Traurigkeit stimmen, was als das Furchtbarste in der Weltenentwickelung in dem Mysterium von Golgatha geschehen ist, im Leiden, in der ganzen Tragik des Christus Jesus. Und da können wir am meisten zum Frohlocken gestimmt sein, wo der Sieg, der unmittelbar für die Reiche der Ewigkeit dargestellte Sieg des Lebens über den Tod errungen ist in der Auferstehung. Kein anderer Sieg existiert, wo sich höchstes Halleluja so vereint mit tiefster Traurigkeit, alles Leid in dem Tod auf Golgatha und alle Herrlichkeit der Osterzeit in der Auferstehung - es gibt kein anderes Ereignis, in dem beide, tiefste Traurigkeit und höchstes Frohlocken, so zum Ausdruck kommen.

[ 34 ] There you see how the healing aspect of the environment can also be understood when we realize that we, too, have a self. Now we ask: Does this manifest itself in our materialistic humanity, even in relation to art? Yes, it manifests itself very characteristically and genuinely. If people were truly confronted with what is depicted, for example, in Hauptmann’s or Sudermann’s dramas, how many would faint! In the portrayal, they can endure the very same things that, in life, should fill them with sorrow and move them to act. That is not possible on stage. Where does such a reversal of facts come from? It comes from the fact that in our materialistic age, people live mostly on the periphery, where the ego does not assert itself. Indeed, what can move us most to sadness is what happened in the Mystery of Golgotha—the most terrible event in the development of the world—in the suffering, in the entire tragedy of Christ Jesus. And we can be most moved to rejoicing where the victory—the victory of life over death, depicted as directly pertaining to the realms of eternity—is won in the Resurrection. No other victory exists in which the highest Hallelujah is so united with the deepest sorrow, all suffering in the death on Golgotha and all the glory of the Easter season in the Resurrection—there is no other event in which both the deepest sorrow and the highest joy are expressed in this way.

[ 35 ] Daher gibt es keine tiefere Weisheit als diejenige, die Paulus im Hinblick auf dieses Geschehen verkündet hat: Nicht ich, sondern der Christus in mir! — Da sehen wir, wie wir den richtigen Schwerpunkt finden, um das Ich in uns so fest als möglich zu machen, indem sich das Ich durchdringt mit dem, was die Christus-Offenbarung ist. Indem die Theosophie sich durchchristet, dringt das auch hinein in unser Ich, um uns so die größtmöglichste Lebenssicherheit zu geben, die größte Lebensstärkung. Denn nur durch das Verständnis des Christus, wie wir es durch die Geisteswissenschaft erlangen, bekommen wir in uns den richtigen Schwerpunkt.

[ 35 ] Therefore, there is no deeper wisdom than that which Paul proclaimed regarding this event: Not I, but Christ in me! — Here we see how we find the right center of gravity to make the “I” within us as firm as possible, by allowing the “I” to be permeated by what the Christ-revelation is. As theosophy becomes permeated by Christ, this also penetrates into our “I,” thereby giving us the greatest possible security in life, the greatest strengthening of life. For it is only through the understanding of Christ, as we attain it through spiritual science, that we find the right center within ourselves.

[ 36 ] Wenn also die Theosophie so wirken soll, wie Sie das auch angedeutet finden in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß», dann wird der Versuch gemacht, etwas zu geben, was in den Menschen eine solche Festigkeit hineingießen kann, wie in dem Spruch liegt: Nicht ich, sondern Christus in mir! —, durch den immer mehr der Mensch verwandelt werden kann, so daß in uns jenes Ewigkeitsbewußtsein aufquellen kann, von dem wir sagen können: Was in uns aufgenommen werden kann, kann uns nicht genommen werden.

[ 36 ] If, then, theosophy is to have the effect that you will find hinted at in my *Outline of Esoteric Science*, an attempt is made to offer something that can instill in people the kind of steadfastness expressed in the saying: Not I, but Christ in me! — through which the human being can be increasingly transformed, so that within us that consciousness of eternity may well up, of which we can say: What can be received within us cannot be taken from us.

[ 37 ] Dann empfinden wir ein solches Wort wie das, welches Johann Gottlieb Fichte, der große Erkenner der Theosophie, ausgesprochen hat, fühlen das, was es heißt, was er etwa sagt: Wenn ich fühle und begreife meinen Zusammenhang mit dem Ewigen - und nichts kann uns diesen Zusammenhang mehr vermitteln als die Theosophie -, wenn ich fühle und begreife meinen Zusammenhang mit dem Ewigen - so sagt es Johann Gottlieb Fichte - und wenn wir ebenfalls diesen Zusammenhang begreifen, stehen auch wir da auf der Erde und sagen mit ihm: Ich schaue zu euch, ihr Felsen, und zu euch, Berge; stürzet hernieder und begrabet meinen Leib bis auf das letzte Sonnenstäubchen und vernichtet alles, was meine physischen Werkzeuge sind — und ich trotze euch, denn ihr seid nicht ewig; ich aber hänge mit dem Ewigen zusammen, bin ewig!

[ 37 ] Then we perceive a statement such as the one made by Johann Gottlieb Fichte, the great scholar of theosophy; we feel what it means, what he is saying, for example: When I feel and comprehend my connection with the Eternal—and nothing can convey this connection to us more than theosophy—when I feel and comprehend my connection with the Eternal—so says Johann Gottlieb Fichte—and when we, too, comprehend this connection, we, too, stand here on Earth and say with him: I look upon you, O rocks, and upon you, O mountains; come crashing down and bury my body down to the last speck of sun-dust, and destroy all that are my physical instruments—and I defy you, for you are not eternal; but I am connected with the Eternal, I am eternal!

[ 38 ] So spricht der Mensch, der den Wert der Weisheit des Ewigen begreift. So redet der Mensch, welcher Theosophie in sich aufnimmt, zu seiner leiblichen, astralischen, ätherischen Gesamtheit, zur Erhöhung seines Daseins, zu seiner Einverleibung in die geistigen Welten, von denen er nur wissen muß, daß er Geist von ihrem Geiste ist. Denn der Mensch ist nicht nur Fleisch vom Fleisch, sondern ist Geist vom Ewigkeitsgeist.

[ 38 ] Thus speaks the person who comprehends the value of the wisdom of the Eternal. Thus speaks the human being who absorbs theosophy into himself, to his physical, astral, and etheric totality, for the elevation of his existence, for his incorporation into the spiritual worlds, of which he need only know that he is spirit of their Spirit. For the human being is not merely flesh of flesh, but is spirit of the Spirit of Eternity.