The Revelations of Karma
GA 127
25 February 1911, Zurich
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The Mission of the New Spiritual Revelation, tr. SOL
6. Die Arbeit des Ich am Kinde ein Beitrag zum Verstandnis der Christus-Wesenheit
6. The Work of the “I” in the Child: A Contribution to the Understanding of the Christ Being
[ 1 ] Wenn man einen öffentlichen Vortrag hält wie den gestrigen über «Geisteswissenschaft und Menschenzukunft» oder einen ähnlichen, so ist man genötigt, sehr deutlich mit der Empfänglichkeit unserer gegenwärtigen Welt zu rechnen, sehr damit zu rechnen, daß diese Empfänglichkeit eine eingeschränkte ist. Man muß sich klar sein darüber, daß in unserer Zeit aus den geistigen Welten herunter allerdings schon Erkenntnisse fließen, welche der Menschheit als solcher notwendig sind, daß sie aber heute von den wenigsten unbefangen aufgenommen werden können. Die meisten Menschen, die nicht entsprechend sich für eine solche Aufnahme vorbereitet haben, würden das Tieferliegende unserer Geisteswissenschaft doch noch wie einen Schock empfinden, wie etwas, was sich phantastisch oder wie ein Traum ausnimmt.
[ 1 ] When one gives a public lecture like yesterday’s on “Spiritual Science and the Future of Humanity” or a similar topic, one is compelled to take the receptivity of our present-day world very much into account—and to fully anticipate that this receptivity is limited. One must be clear about the fact that, in our time, insights are indeed flowing down from the spiritual worlds that are necessary for humanity as a whole, but that today they can be received with an open mind by very few. Most people who have not prepared themselves accordingly for such a reception would still experience the deeper aspects of our spiritual science as a shock, as something that seems fantastical or like a dream.
[ 2 ] Um so mehr müssen wir uns in bezug auf die wichtigsten Fragen weiter in das vertiefen, was wir unserem Gefühl und unserer Empfindung im Verlauf eines längeren Zweiglebens einverleiben konnten. Und da möchte ich darauf hinweisen, daß es notwendig ist, die große Wahrheit von der Einpflanzung des Ich in die menschliche Natur näher zu betrachten und diese große Wahrheit doch etwas komplizierter anzusehen, als man dies gewöhnlich tut.
[ 2 ] All the more reason, then, to delve deeper into the most important questions by drawing upon what we have been able to internalize through our feelings and perceptions over the course of a long branch of life. And here I would like to point out that it is necessary to examine more closely the great truth of the implantation of the “I” into human nature, and to view this great truth in a somewhat more complex way than is usually done.
[ 3 ] Wir wissen, daß der Mensch zuerst während der alten Saturnzeit die Anlage zum physischen Leib erhalten hat, während der Sonnenzeit die Anlage zum Atherleib, während der alten Mondenzeit die Anlage zum Astralleib, und daß eigentlich unsere Erdenentwickelung die Aufgabe hat, den übrigen Wesensgliedern das Ich einzuverleiben. Wenn wir am Ende der Erdenentwickelung angelangt sein werden, werden wir erst vollständig durchdrungen sein, so wie es geschehen kann, von der IchNatur. Betrachten wir den Erdenmenschen als solchen, können wir sagen, der eigentliche Mittelpunkt seines Wesens, das Zentrale in ihm ist die Ich-Natur. Aber da muß es uns auffallen, daß dieses Ich in den verschiedenen Perioden unseres gegenwärtigen Lebens doch in verschiedener Art mit uns verbunden ist, nicht immer in der gleichen Weise. Wir müssen uns überhaupt vorhalten, daß die verschiedenen Wesensglieder noch nicht gekannt werden, wenn wir nur wissen, daß der Mensch aus physischem, ätherischem, Astralleib und Ich besteht. Sehen wir nun, in welcher verschiedenen Weise diese Glieder miteinander verbunden sein können, sowohl in den verschiedenen Epochen der Menschheitsentwickelung wie auch im einzelnen Leben des Menschen.
[ 3 ] We know that human beings first received the potential for the physical body during the ancient Saturnic era, the potential for the etheric body during the Solar era, and the potential for the astral body during the ancient Lunar era; and that the task of our Earth evolution is, in fact, to incorporate the “I” into the remaining members of the being. When we reach the end of Earth’s evolution, we will finally be completely permeated, as far as is possible, by the ego-nature. If we consider the human being on Earth as such, we can say that the actual center of his being, the core within him, is the ego-nature. But we must note that this ego is connected to us in different ways during the various periods of our present life, not always in the same manner. We must bear in mind that the various members of the being are not yet known to us if we merely know that the human being consists of a physical, etheric, and astral body and an ego. Let us now see in what different ways these members can be connected with one another, both in the various epochs of human development and in the individual life of the human being.
[ 4 ] Betrachten wir zunächst das Kind. Wir wissen, daß es verhältnismäßig spät lernt, zu sich «Ich» zu sagen. Das ist sehr bezeichnend. Wenn auch eine heutige Psychologie, die Wissenschaft sein will, das nicht begreift, ist es doch tief bezeichnend, weil das Kind zu der Vorstellung, zu dem inneren Erlebnis des Ich verhältnismäßig spät kommt. In den ersten Lebensjahren, ja bis zu drei oder dreieinhalb Jahren, hat das Kind, auch wenn es uns hie und da das Wort Ich nachplappert, noch kein richtiges Ich-Erlebnis. Da können Sie ein Buch finden, «Die Seele deines Kindes», von Heinrich Lhotzky, in dem der kuriose Satz steht, daß das Kind früher denken lernt als reden. Das ist Unsinn, weil das Kind am Reden das Denken lernt. Der geisteswissenschaftlich Strebende muß vorsichtig werden gegenüber dem, was heute als Wissenschaft auftritt. Das Kind lernt erst so recht im Ich leben, vom Ich zu wissen, etwa nach dem dritten Jahr.
[ 4 ] Let us first consider the child. We know that it learns to refer to itself as “I” relatively late. This is very significant. Even if modern psychology, which claims to be a science, fails to grasp this, it is nonetheless deeply significant, because the child arrives at the concept of the “I”—at the inner experience of the “I”—relatively late. In the first years of life, indeed up to the age of three or three and a half, the child, even if it parrots the word “I” to us now and then, does not yet have a true sense of self. You can find a book, *The Soul of Your Child*, by Heinrich Lhotzky, which contains the curious statement that the child learns to think before it learns to speak. That is nonsense, because the child learns to think through speaking. Those pursuing the humanities must be cautious regarding what passes for science today. It is only after about the third year that a child truly begins to live in the “I” and to know the “I.”
[ 5 ] Es hängt damit noch etwas anderes zusammen, nämlich daß wir uns im normalen Bewußtsein — also nicht im höheren, hellseherischen Bewußtsein — gar nicht hinter einen bestimmten Zeitpunkt unseres Lebens zurückerinnern. Denken Sie nach: Wenn Sie zurückforschen, werden Sie erkennen, daß die Erinnerung einmal abreißt. Sie reicht nicht bis zur Geburt. Man kann manchmal das, was einem erzählt wird, verwechseln mit dem, was man selber erlebt hat, aber der Faden reißt ungefähr an derselben Stelle ab, wo das Ich-Erlebnis auftritt. Als kleines Kind hat man es nicht, man bekommt es erst, und dann fängt die dunkelste Erinnerung an.
[ 5 ] There is another factor at play here, namely that in our normal state of consciousness—that is, not in a higher, clairvoyant state of consciousness—we cannot recall anything beyond a certain point in our lives. Think about it: If you look back, you will realize that your memory breaks off at some point. It does not extend all the way back to birth. Sometimes one can confuse what one has been told with what one has experienced oneself, but the thread breaks off at roughly the same point where the sense of self emerges. As a small child, one does not have it; one acquires it only later, and that is when the darkest memories begin.
[ 6 ] Nun fragen wir uns: Wenn das Ich-Erlebnis in den ersten drei Jahren nicht da war, war da auch das Ich nicht da im Kinde? - Man muß unterscheiden, ob wir von dem, was in uns ist, etwas wissen, oder ob es ohne unser Wissen in uns ist. Das Ich ist im Kinde, nur weiß es nichts davon, so wie der Mensch im Schlaf mit dem Ich verbunden ist, aber nichts davon weiß. Es ist, daß wir von etwas wissen, nicht maßgebend dafür, daß etwas da ist. Wir müssen sagen: Das Ich ist da, aber es ist nicht bewußt beim Kinde.
[ 6 ] Now let us ask ourselves: If the sense of self was not present during the first three years, was the self also absent in the child?—We must distinguish between whether we are aware of what is within us, or whether it is within us without our knowledge. The ego is present in the child, only the child is unaware of it, just as a person is connected to the ego while asleep but knows nothing of it. The fact that we are aware of something does not determine whether that something is present. We must say: The ego is there, but it is not conscious in the child.
[ 7 ] Wie ist es denn mit dem Ich? - Ja, das hat seine eigene Bewandtnis. Wenn Sie das menschliche Gehirn rein physisch untersuchen würden, so würden Sie sehen, daß das Gehirn nach der Geburt im Verhältnis zur späteren Gestalt ziemlich unvollkommen aussieht. Manche von den feinen Windungen müssen erst später ausgestaltet, müssen erst in den nächsten Jahren plastisch ausziseliert werden. Das macht das Ich beim Menschen, und weil es das zu tun hat, deshalb kann es nicht zum Bewußtsein kommen. Es hat das Gehirn auszubilden als etwas anderes, in feinerer Gestalt so, daß es später denken kann. Das Ich ist sehr arbeitsam in den ersten Jahren.
[ 7 ] What about the ego? — Well, that’s a matter in itself. If you were to examine the human brain purely from a physical standpoint, you would see that, after birth, the brain looks quite imperfect compared to its later form. Some of the fine convolutions must first be developed later; they must first be sculpted into shape over the next few years. The ego does this in humans, and because it has to do this, it cannot come to consciousness. It has to shape the brain into something else, into a finer form, so that it can think later on. The ego is very hard at work in the early years.
[ 8 ] Wenn nun dieses Ich bewußt wird, dann könnten wir vergeblich an dieses Ich die Frage stellen: Wie hast du es gemacht, daß du dieses Gehirn so kunstvoll ausgebaut hast? — Sie werden gestehen, daß das Ich im ganzen Leben zwischen Geburt und Tod nicht zu einem solchen Bewußtsein kommt, wie es das Gehirn herausgestaltet. Dennoch können wir uns diese Frage stellen. Und da erhalten wir die Antwort, daß das Ich bei seiner Tätigkeit unter der Anleitung der Wesenheiten der höheren Hierarchien steht. Wenn wir einen kindlichen Menschen vor uns haben und ihn hellseherisch betrachten, so ist sein Ich als Ich-Aura wohl da, aber von dieser Ich-Aura gehen die Strömungen zu den höheren Hierarchien, zu den Engeln, Erzengeln und so weiter, und herein strömen die Kräfte der Hierarchien. Wenn daher im naiven Bewußtsein gesagt wird, das Kind ist von einem Engel beschützt, so ist dies eine sehr reale Wahrheit. Später hört dieser engere Zusammenschluß auf: das Ich erlebt sich mehr in den Nerven und kann seiner selbst bewußt werden. Es ist das eine Art Abschnürung. So haben wir im kindlichen Menschen eine Art «Telephonverbindung», indem das Ich sich fortsetzt in die göttlich-geistigen Hierarchien. Wir müssen geisteswissenschaftliche Aussprüche ernst nehmen. Ich habe einmal gesagt: Der Weiseste kann von einem Kinde viel lernen. -— Er kann auch aus dem Grunde viel vom Kinde lernen, weil er nicht bloß das Kind selber zu sehen braucht, er sieht auch durch dieses in die geistige Welt hinein, denn das Kind hat den «Telephonanschluß» zur geistigen Welt, der später durchschnitten wird. So daß wir in den ersten drei Jahren ein ganz anderes Wesen vor uns haben im Menschen als später. Wir haben ein kindliches Ich, das plastisch arbeitet unter der Anleitung der Wesen der höheren Hierarchien an der Ausgestaltung der menschlichen Denkwerkzeuge. Dann geht es da hinein, kann aber nicht mehr daran arbeiten. Es müssen dann die menschlichen Denkwerkzeuge schon ausgestaltet sein. Sie können sich wohl weiter entwickeln, aber das Ich kann nicht mehr daran arbeiten.
[ 8 ] If this “I” were to become conscious, we might ask it in vain: How did you manage to develop this brain so artfully? — You will admit that throughout the entire life between birth and death, the “I” does not attain the level of consciousness that the brain brings to fruition. Nevertheless, we can ask ourselves this question. And we receive the answer that the “I,” in its activity, is guided by the beings of the higher hierarchies. When we have a child before us and observe them clairvoyantly, their ego is certainly present as an ego-aura, but from this ego-aura currents flow out to the higher hierarchies—to the angels, archangels, and so on—and the forces of the hierarchies flow in. Therefore, when it is said in naive consciousness that the child is protected by an angel, this is a very real truth. Later, this close connection ceases: the ego experiences itself more in the nerves and can become conscious of itself. It is a kind of severing. Thus, in the child, we have a kind of “telephone connection” through which the ego extends into the divine-spiritual hierarchies. We must take spiritual scientific statements seriously. I once said: The wisest person can learn much from a child. — He can also learn much from the child for the reason that he need not merely see the child itself; he also sees into the spiritual world through the child, for the child has the “telephone connection” to the spiritual world, which is later severed. So that in the first three years we have before us a very different being in the human being than later on. We have a childlike ego that works plastically under the guidance of the beings of the higher hierarchies to shape the human tools of thought. Then it enters into them, but can no longer work on them. The human tools of thought must already be shaped by then. They can certainly continue to develop, but the ego can no longer work on them.
[ 9 ] Wir können also schlechtweg den Menschen trennen in den Menschen, der in den ersten dreieinhalb Jahren vor uns steht, und in den übrigen Menschen. Im Esoterischen nennt man den ersten Menschen den göttlichen Menschen, weil er in Beziehung steht zu den höheren Hierarchien, oder den Gottessohn; den anderen nennt man den Menschensohn. In diesem ist das Ich darin und bewegt die Glieder und arbeitet, soweit noch gearbeitet werden kann, von innen heraus. So daß wir unterscheiden müssen zwischen Gottessohn und Menschensohn.
[ 9 ] We can therefore simply divide the human being into the person who stands before us during the first three and a half years, and the rest of the person. In esotericism, the first person is called the divine human being because he is connected to the higher hierarchies, or the Son of God; the other is called the Son of Man. In the latter, the ego is present and moves the limbs and works, as far as work is still possible, from within. Thus, we must distinguish between the Son of God and the Son of Man.
[ 10 ] Wir haben uns also eine Kluft zu denken zwischen dem Gottessohn und dem Menschensohn. Der Gottessohn, der vorzugsweise tätig ist bis zu dreieinhalb Jahren, enthält alle belebenden Kräfte, das was dem Menschen den Ansporn gibt, immer mehr und mehr Lebenskräfte in seinen Organismus hineinzugießen. Diese Kräfte enthalten auch etwas Aufbauendes, Gesundendes, Belebendes im Verhältnis zum späteren Menschen. Wenn wir im späteren Lebensalter nicht bloß den Menschen haben wollen, der auf seine Sinne angewiesen ist und auf die Werkzeuge seines physischen Leibes, und sich dadurch mit seiner Umwelt in Verbindung setzt, sondern wenn wir auch im späteren Leben in die geistige Welt hinaufragen wollen, dann müssen wir versuchen, auf eine künstliche Weise etwas von diesen Kräften in uns wachzurufen; wir müssen appellieren an die Kräfte, die in uns sind im ersten Kindesalter, nur mit dem Unterschied, daß wir sie jetzt bewußt wachrufen, während das Kind sie unbewußt wachruft. So sehen wir denn, daß der Mensch in dieser Beziehung eine Zweiheit ist. Was kommt in dieser Kraft der ersten dreieinhalb Jahre eigentlich zutage? In diesen Kräften, die da unter der Leitung der höheren Hierarchien arbeiten, kommt das zur Geltung, was aus früheren Inkarnationen herüber wirkt. Sie können sich leicht davon überzeugen, wenn Sie den menschlichen Schädel abgreifen. Da finden Sie individuelle Erhöhungen und Vertiefungen. Kein Schädel ist dem anderen gleich, daher gibt es auch keine allgemein gültige Phrenologie. Sie muß individuell zu Werke gehen. Die Kräfte, die im menschlichen Schädel arbeiten, kommen aus früheren Inkarnationen herüber, und sie hören auf, ihre Stoßkraft zu haben, wenn diese dreieinhalb Jahre vorüber sind. In diesen dreieinhalb Jahren ist alles noch biegsam, da kann der Geist noch hineinarbeiten. Später ist alles fest geworden, dann kann er nicht mehr hineinarbeiten.
[ 10 ] We must therefore conceive of a divide between the Son of God and the Son of Man. The Son of God, who is primarily active up to the age of three and a half, contains all the life-giving forces—that which spurs human beings to infuse ever more life forces into their organism. These forces also contain something constructive, healing, and vitalizing in relation to the later human being. If, in later life, we do not merely want to be people who rely on our senses and the tools of our physical body to connect with our environment, but if we also wish to reach up into the spiritual world in later life, then we must try to artificially awaken some of these forces within us; we must appeal to the forces that are within us in early childhood, with the only difference being that we now consciously awaken them, whereas the child awakens them unconsciously. Thus we see that the human being is a duality in this respect. What actually comes to light in this force of the first three and a half years? In these forces, which work there under the guidance of the higher hierarchies, what carries over from earlier incarnations comes to the fore. You can easily convince yourselves of this by feeling the human skull. There you will find individual elevations and depressions. No two skulls are alike, which is why there is no universally valid phrenology. It must be applied individually. The forces at work within the human skull carry over from previous incarnations, and they cease to exert their driving force once these three and a half years have passed. During these three and a half years, everything is still malleable; the spirit can still work its way into it. Later, everything has become fixed, and then it can no longer work its way in.
[ 11 ] Was macht es denn nun, daß wir später nicht mehr arbeiten können mit diesen Kräften? Woher kommt es? Es kommt von unserer speziellen Erdenentwickelung. Nachdem das Ich im Leibe seiner selbst bewußt geworden ist, setzt das voraus, daß der Leib festgefügt ist und nicht mehr von den eben charakterisierten Kräften bearbeitet werden kann. Wir haben es mit solchen Kräften zu tun, die dem Menschen als Artwesen, als Gattungswesen eigen sind, die ihn aufbauen in Menschenarchitektur. Wenn wir länger als die dreieinhalb Jahre, welche die angemessene Zeit sind, mit den Kindheitskräften im physischen Leibe arbeiten würden, würde dieser physische Leib dies nicht aushalten. Er würde zerreißen, würde zerbrechen, denn es werden nun die Kräfte wirksam, die ihn von der physischen Vererbungslinie her festmachen. Würde die andere Kraft nicht aufhören, so würde er zerbrechen, auseinandergehen, er würde es nicht aushalten. Wir sinken unter in unseren Menschensohn; der Gottessohn kann nicht mehr aufkommen gegen unseren Menschensohn nach drei Jahren. Aber wir tragen dennoch diesen Gottessohn in uns; es wirken diese Kräfte innerhalb des physischen Leibes das ganze Leben hindurch, nur können sie sich nicht mehr direkt am Aufbau beteiligen. Wenn wir in uns hineinschauen, so finden wir doch die Fortsetzung des Ich, das den «telephonischen Anschluß» hatte. Nur ist der physische Leib zu derb, zu grob, zu verholzt, als daß der Gottessohn weiter plastisch daran gestalten könnte. Die besten Kräfte sind in diesen ersten drei bis dreieinhalb Jahren enthalten; wir zehren das ganze Leben davon. Sie werden verdunkelt, aber sie sind in den späteren Jahren doch in der verschiedensten Art vorhanden. Es ist so, wie wenn wir von diesen Kräften durchsetzt würden und sie nur nicht unmittelbar ausleben lassen könnten. Wenn wir durch die Geisteswissenschaft Begriffe von den höheren Welten aufnehmen wollen, so können wir dies um so besser, je mehr wir von dem in uns haben, was in den ersten drei Jahren in uns war, wo das Ich selbstlos in uns war. Je frischer, je biegsamer diese Kräfte sind, je weniger greisenhaft sie bis ins hohe Alter geworden sind, desto mehr eignen wir uns dazu, uns durch diese Kräfte des Geistes umzugestalten. Es ist der Menschheit bestes Teil, was wir in diesen drei Jahren um uns haben. Nur der dichte physische Leib hindert uns leider, diese Kräfte voll zu gebrauchen. Wenn sie jemand in späteren Jahren besonders entwickeln kann, so kann er dadurch nicht mehr seinen physischen Körper umändern, er ist nicht mehr so weich wie Wachs. Aber wenn er sie voll gebrauchen kann durch esoterische Weisheit, dann fließt diese Kraft aus durch die Fingerspitzen, und er bekommt die besondere Gabe der Heilung, der Gesundung durch Handauflegen - wenn sie noch wirksam sind, jene geistigen Kräfte, die nicht mehr den eigenen Körper umgestalten, die aber, wenn sie ausfließen, segensreich wirken.
[ 11 ] So what does it matter that we can no longer work with these forces later on? Where does this come from? It stems from our specific earthly evolution. Once the “I” has become conscious of itself within the body, this presupposes that the body is firmly established and can no longer be shaped by the forces just described. We are dealing with forces that are inherent to human beings as a species, that build them up into human architecture. If we were to work with the forces of childhood in the physical body for longer than the three and a half years that constitute the appropriate time, this physical body would not be able to withstand it. It would tear apart, would break, for the forces that anchor it through the physical line of inheritance are now becoming active. If the other force did not cease, it would break apart, fall apart; it could not endure it. We sink down into our human self; the divine self can no longer rise up against our human self after three years. Yet we still carry this divine self within us; these forces work within the physical body throughout the whole life, only they can no longer participate directly in its formation. When we look within ourselves, we do find the continuation of the I that had the “telephone connection.” Only the physical body is too coarse, too rough, too ossified for the Son of God to continue shaping it plastically. The best forces are contained in these first three to three and a half years; we draw upon them throughout our entire lives. They are obscured, but they are still present in the most varied ways in later years. It is as if we were permeated by these forces but simply could not live them out directly. If we wish to take in concepts of the higher worlds through spiritual science, we can do so all the better the more we possess within us of what was in us during the first three years, when the ego was selflessly present within us. The fresher and more flexible these forces are, the less they have become senile with advancing age, the more suited we are to transforming ourselves through these spiritual forces. What we have around us during these three years is humanity’s greatest treasure. Unfortunately, only the dense physical body prevents us from making full use of these forces. If someone can develop them particularly well in later years, they can no longer transform their physical body through them; it is no longer as malleable as wax. But if they can make full use of them through esoteric wisdom, then this power flows out through the fingertips, and they receive the special gift of healing, of restoration through the laying on of hands—provided those spiritual powers are still effective, powers that no longer transform one’s own body but which, when they flow out, have a beneficial effect.
[ 12 ] Das Ziel der Erdenentwickelung ist, diese besten Kräfte in uns nach und nach zur Geltung zu bringen. Wenn die Erdenentwickelung zu Ende sein wird und wir durch die vielen Inkarnationen durchgegangen sein werden, werden wir uns ganz durchdrungen haben müssen bewußt mit dem, was wir unbewußt haben in den ersten Kindheitsjahren. Es ist ein Unterschied, ob wir diese Kräfte unbewußt haben oder bewußt. Die Menschen werden dann ganz durchdrungen sein müssen von einem solchen kindhaften Bewußtsein. Und es wird dann, weil es nur langsam ausdehnen wird seinen Körper, ihn auch nicht zersprengen.
[ 12 ] The goal of Earth’s evolution is to gradually bring these best qualities within us to the fore. When Earth’s evolution comes to an end and we have passed through many incarnations, we will have to be fully and consciously imbued with what we possessed unconsciously in our earliest childhood years. There is a difference between having these forces unconsciously and consciously. People will then have to be completely imbued with such a childlike consciousness. And because it will expand its body only slowly, it will not shatter it either.
[ 13 ] In der Weltentwickelung mußte ein Vorbild gegeben werden für dieses Hereintreten der Kindheitskraft in die Menschheit. Daß dieses Vorbild nicht im Kinde gegeben werden konnte, ist selbstverständlich. Es mußte ein Mensch, der schon ein gewisses Alter erreicht hat, durchdrungen werden in bewußter Weise mit denselben Kräften, die in der ersten Kindheit unbewußt den Menschen durchdringen. Würden wir einen Menschen vor uns haben, dem wir sein Ich herausnehmen, entfernen, den wir leer machen von diesem Ich, und würden wir dasjenige, was das Kind in den ersten Lebensjahren hat, hineingießen, so würde er das mit dem entwickelten Gehirn zum Bewußtsein bringen. Es wäre das in ihm bewußt, was in den ersten Kindheitsjahren in ihm war. Wie lange erträgt ein Menschenleben auf Erden diese Elemente? Drei Jahre, länger nicht, dann muß er darunter zerbrechen. Wenn es sich nicht umwandeln kann — beim Menschen wandelt es sich um in der gewöhnlichen Entwickelung -, dann erträgt es der Menschenleib nicht länger als drei Jahre. Sollte es überhaupt einem Wesen möglich sein, die Kindheitskräfte bewußt in sich zu tragen, dann muß das Karma dieses Menschen so eingerichtet sein, daß nach drei Jahren der physische Leib, in den dieses Wesen versenkt ist, zerbricht.
[ 13 ] In the course of world development, a model had to be provided for this entry of the power of childhood into humanity. It goes without saying that this model could not be found in a child. A person who had already reached a certain age had to be permeated in a conscious manner with the same forces that unconsciously permeate human beings in early childhood. If we were to have a person before us from whom we were to take away, remove, or empty out the ego, and if we were to pour into them what a child possesses in the first years of life, they would bring this to consciousness through their developed brain. What was within them in the first years of childhood would be conscious within them. How long can a human life on earth endure these elements? Three years, no longer; then they must break down under them. If it cannot be transformed—in humans it is transformed in the course of normal development—then the human body cannot endure it for longer than three years. If it were at all possible for a being to consciously carry the forces of childhood within itself, then this person’s karma must be such that after three years the physical body in which this being is immersed breaks down.
[ 14 ] Es ist also denkbar, daß das, was der Mensch durch alle Inkarnationen bis ans Ziel der Erdenentwickelung erlangt, durch ein Vorbild in die Welt gebracht wird, indem ein Mensch in die Welt gestellt würde, der durch seine Leiblichkeit es möglich macht, daß sein Ich entfernt und ein anderes Wesen ihm eingepflanzt wird, welches seinen Inkarnationen nach den Weg hierzu offen hat. Dann würde der menschliche Leib nicht länger dieses Wesen in sich dulden als drei Jahre. Es würde dann der menschliche Leib zerbrechen seinem Karma nach. Das ist geschehen. Wir sehen bei der Johannestaufe im Jordan diesen Menschenleib, der geeignet war, daß sein Ich, das Zarathustra-Ich, heraustrat. Dann senkte sich ein Wesen in diesen Leib. Die Christus-Wesenheit füllte ihn aus, konnte aber nur drei Jahre darin bleiben. Nach drei Jahren zerbrach es diesen Leib im Mysterium von Golgatha.
[ 14 ] It is therefore conceivable that what humanity attains through all incarnations up to the goal of Earth’s evolution is brought into the world through a model, by placing a human being in the world whose physical nature makes it possible for his ego to be removed and another being implanted within him—a being whose incarnations have opened the path to this. Then the human body would not tolerate this being within itself for more than three years. The human body would then break down according to its karma. This is what happened. We see in the baptism of John in the Jordan this human body that was suitable for its I, the Zarathustra I, to step out. Then a being descended into this body. The Christ-being filled it, but could remain in it for only three years. After three years, it broke this body in the Mystery of Golgotha.
[ 15 ] Was damals drei Jahre im menschlichen Leib leben konnte, das muß der Mensch hegen und pflegen und nach und nach durch Inkarnationen wesenhaft in seiner Seele lebendig machen, damit es am Ende der Inkarnationen voll und ganz in der menschlichen Wesenheit gegenwärtig sein kann. Wir sehen da einen merkwürdigen Zusammenhang zwischen dem Gottessohn im Menschen und dem Christus-Ereignis. Denn alle die Dinge, die wir auf okkultem Felde finden, können von verschiedenen Seiten beleuchtet werden. Solche Beweise, wie sie die gewöhnliche Wissenschaft verlangt, können dem Okkultismus nicht genügen. Sie müssen dadurch überzeugend werden, daß Wahrheiten von allen Seiten zusammengetragen werden, die sich gegenseitig halten und tragen. Wir können das Christus-Ereignis wieder von einer neuen Seite kennenlernen, indem wir es heute aus der menschlichen Natur selber abgeleitet haben. Wir haben uns klargemacht, wie wir am besten den Christus begreifen, indem wir die Gesinnung entwickeln, die sich durch solche Wahrheit ergibt. Wir müssen uns klarmachen, daß bei voll entwickeltem Menschenleib durch die Jordantaufe ein Wesen im Leibe des Jesus von Nazareth war, welches in jedem Menschenleib weset, aber nur unbewußt, in den drei ersten Jahren des Lebens. Und schauen müssen wir da auf die drei Jahre, wo dieses Kind ins Bewußte umgesetzt ist. Dann lernen wir das Christus-Wesen am besten kennen.
[ 15 ] What was able to live for three years in the human body at that time, humanity must nurture and care for, and gradually bring to life in its soul through incarnations, so that by the end of the incarnations it may be fully present in the human being. We see here a remarkable connection between the Son of God in the human being and the Christ event. For all the things we find in the occult realm can be illuminated from various angles. The kind of evidence demanded by conventional science cannot satisfy occultism. It must become convincing through the gathering of truths from all sides that mutually support and sustain one another. We can come to know the Christ event from a new perspective by deriving it today from human nature itself. We have made it clear to ourselves how we can best understand the Christ by developing the attitude of mind that arises from such truth. We must realize that, in a fully developed human body, through the baptism in the Jordan, there was a being within the body of Jesus of Nazareth that dwells in every human body, but only unconsciously, during the first three years of life. And we must look to those three years when this child is brought into consciousness. Then we come to know the Christ-being best.
[ 16 ] Alte Aussprüche haben einen verschiedenen Sinn. Ein solcher Sinn ergibt sich uns auch aus dem Ausspruch: Wenn ihr nicht werdet wie die Kindlein, so könnt ihr nicht eindringen in die Reiche der Himmel. —Da sehen wir tief hinein in den tieferen Sinn, der manchmal in einzelnen Sätzen der religiösen Urkunden liegt.
[ 16 ] Ancient sayings have various meanings. One such meaning is also revealed to us in the saying: “Unless you become like little children, you cannot enter the kingdom of heaven.” —Here we glimpse the deeper meaning that is sometimes hidden in individual sentences of religious texts.
[ 17 ] Betrachten wir dieses kindhafte Leben besonders in dieser Zeit, in der es sich nun recht herausentwickelt. Die Wissenschaft weiß heute noch nicht viel von dem, was beitragen kann, den Menschen in seiner wahren Wesenheit zu studieren. Da muß es uns erst einmal klar sein, daß der Mensch sich von Anfang an ganz radikal unterscheidet von allen übrigen Wesen. Wenn Sie etwas Nahestehendes, etwa ein Affenwesen, betrachten: Es ist diesem von allem Anfang an durch eine eigentümliche Gleichgewichtslage eingepflanzt sein Gang; durch die eigentümliche Gleichgewichtslage, wie seine Glieder angebracht sind. Der Mensch kann zunächst überhaupt nicht gehen, er muß erst die Gleichgewichtslage im Leibe erringen. Er muß seine Glieder durch die Arbeit seines Ich in jene Lage bringen, in der er sich aufrechterhalten und gehen kann. So muß dieses Ich in den ersten Kindheitsjahren nicht nur daran arbeiten, das Gehirn plastisch auszugestalten, es muß auch die Gleichgewichtslage erringen, die dem Menschen nicht so von vorneherein gegeben ist wie den Tieren. Der Mensch muß seine Knochen erst in die Winkelrichtung bringen, die er gemäß seinem Schwerpunkte haben muß, um gehen zu können, um seinen Weg zu finden. Dem Tier ist dieses von vorneherein eingepflanzt, bis herauf zum höchsten Tier. Beim Menschen muß dies erst durch die Arbeit des Ich nach und nach errungen werden. Vorher kriecht er oder fällt um. So würde der Mensch an den Boden gefesselt sein, an denselben Ort, wenn sein Ich nicht arbeiten würde in den ersten Jahren seines Lebens.
[ 17 ] Let us consider this childlike life, especially at this stage when it is now truly coming into its own. Science today still knows very little about what can help us study human beings in their true essence. We must first realize that from the very beginning, the human being differs radically from all other beings. If you consider a creature closely related to us, such as a primate: from the very beginning, its gait is determined by a unique balance; by the unique balance of how its limbs are arranged. At first, a human being cannot walk at all; they must first achieve this state of equilibrium in the body. Through the work of their ego, they must bring their limbs into the position in which they can maintain their upright posture and walk. Thus, in the early years of childhood, this ego must not only work to shape the brain plastically; it must also achieve the state of equilibrium that is not given to humans from the outset as it is to animals. Humans must first align their bones in the angular direction required by their center of gravity in order to walk, to find their way. In animals, this is innate from the very beginning, right up to the highest forms of animal. In humans, this must first be achieved gradually through the work of the ego. Before that, they crawl or fall over. Thus, humans would be chained to the ground, to the same spot, if their ego did not work during the first years of their lives.
[ 18 ] Wir haben schon gesehen: das Ich arbeitet an seinem Gehirn, ziseliert es so aus, daß wir später erkennende Wesen werden. So daß wir sagen können: Wir eignen uns Erkennung der Wahrheit im Leben dadurch an, daß das Ich sein Werkzeug formt. — Es muß uns klar sein, daß es ein Weiterleben gar nicht geben kann, ohne daß wir es erarbeiten.
[ 18 ] We have already seen: the ego works on the brain, shaping it in such a way that we later become beings capable of cognition. So that we can say: We acquire the ability to recognize truth in life by the ego shaping its instrument. — We must realize that there can be no life beyond this one unless we work to achieve it.
[ 19 ] Was ferner den Menschen so radikal unterscheidet von allen anderen Wesen, ist seine Sprache. Die Sprache muß auch erst errungen werden durch das Ich. Der Mensch ist nicht veranlagt zu sprechen. Zu dem, wozu der Mensch von vorneherein veranlagt ist, gehört die Sprache nicht. Gewiß, die Kuh sagt Muh; aber das ist noch keine Sprache. Die Erwerbung der Sprache hängt davon ab, daß das Ich unter anderen Menschen-Ichen weilt. Wenn der Mensch auf eine ferne Insel verpflanzt wird, lernt er nicht sprechen. Daß wir die zweiten Zähne bekommen, ist uns angeerbt; daß wir wachsen, ist uns angeerbt. Wir würden auch Zähne bekommen, wenn wir auf einer einsamen Insel wären. Die Sprache aber erwerben wir uns durch das Ich im Kreise des menschlichen Lebens. Diese Unterschiede sind wichtig. So daß in dem, was wir menschliches Leben nennen, die Sprache das Dritte ist, was unser Ich sich aneignet.
[ 19 ] What further distinguishes humans so radically from all other beings is their language. Language, too, must first be acquired by the self. Humans are not naturally predisposed to speak. Language does not belong to the things for which humans are naturally predisposed from the outset. Certainly, a cow says “moo”; but that is not yet language. The acquisition of language depends on the ego dwelling among other human egos. If a human being is transplanted to a remote island, he does not learn to speak. That we get our permanent teeth is something we inherit; that we grow is something we inherit. We would also get teeth if we were on a desert island. But we acquire language through the ego within the circle of human life. These distinctions are important. Thus, in what we call human life, language is the third thing that our ego acquires.
[ 20 ] Durch die Betätigung dieser Kräfte findet der werdende Mensch den Weg auf Erden, er erkennt die Wahrheit, und er lebt mit der Umwelt das menschliche Leben mit. Wenn das Kind aussprechen könnte, was es so erwirbt, könnte es sagen: Das Ich in mir verwandelt mich so, daß ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. — Denken Sie sich das umgesetzt ins höhere Geistige, Spirituelle: wie muß zu den Menschen ein Wesen sprechen, das mit voll bewußten Kindheitskräften drei Jahre im menschlichen Leibe lebt? Es muß sagen: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. - In der Tat, indem die Kindheitskräfte auf eine höhere, voll bewußte Stufe heraufkommen, haben wir darin wiederum das große Vorbild dessen, was sich im Kinde auf niederer Stufe zeigt. Wie eine Grundwahrheit geht es durch den Christus Jesus. Nicht nur der Ausspruch: Wenn ihr nicht werdet wie die Kindlein, könnt ihr nicht eingehen in die Reiche der Himmel -, kann nicht erfaßt werden, wenn man nicht weiß, was Geisteswissenschaft von dem eigentlichen Zusammenhang mit den belebenden Kindheitskräften zu sagen hat, sondern auch das, was wie ein radikaler Ausspruch klingt: «Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben», begreifen wir am besten, wenn wir das Vorbild sehen in dem, was das Ich erarbeitet im kindlichen Leibe.
[ 20 ] Through the activity of these forces, the developing human being finds their way on Earth, recognizes the truth, and participates in human life alongside their environment. If the child could express what it gains in this way, it might say: The I within me transforms me so that I am the way, the truth, and the life. — Imagine this transposed into the higher spiritual realm: how must a being who lives for three years in a human body with fully conscious childhood forces speak to human beings? It must say: I am the way, the truth, and the life. - Indeed, as the powers of childhood rise to a higher, fully conscious level, we find in this once again the great model of what manifests in the child at a lower level. This runs through Christ Jesus as a fundamental truth. Not only the saying, “Unless you become like little children, you cannot enter the kingdom of heaven”—which cannot be grasped unless one knows what spiritual science has to say about the actual connection with the animating powers of childhood—but also what sounds like a radical statement: “I am the way, the truth, and the life”—we understand this best when we see the model in what the I develops within the child’s body.
[ 21 ] Aus solchen Dingen eignen wir uns an, was uns die Möglichkeit gibt, doch wenigstens für die Seele, wenn auch nicht für den Leib, etwas von den belebenden Kräften durchzubringen, die wir wieder brauchen auf der Erde. Der heutige Mensch, sofern er nicht die geistige Welt anerkennt, hat gar kein richtiges Gefühl für solche Tatsachen. Gehen Sie zu zahlreichen Menschen, die draußen im äußeren Leben stehen, und sagen Sie zu ihnen etwas, wie das, was heute hier gesagt worden ist: Wenn ihr nicht werdet wie die Kindlein, so könnt ihr nicht eingehen in die Reiche der Himmel -, so werden Sie sehen, daß die Leute draußen sagen: Nun ja, das sind ganz geistreiche Vergleiche, aber was soll man damit anfangen? — Die Leute werden es nützlicher finden, irgendein Sensationsdrama, wenn nicht Schlimmeres anzusehen. Wer nicht so recht ein Gefühl dafür hat, daß diese Wahrheiten eine Bedeutung haben, wird sie wenig berechtigt finden, weil in dem Gefühl für solche Dinge gerade die Kraft liegt, die kindliche Auffassungsgabe hereinzutragen in unser Leben. Wenn wir nicht dazu kommen, Sympathie und Enthusiasmus für so etwas zu haben wie den Vergleich des Christus mit der Tätigkeit des menschlichen Ich in den ersten Lebensjahren, wenn wir fähig sind, so etwas für kindisch zu halten, dann haben wir keine Begabung dafür, die ersten Kindheitskräfte wachzurufen. All die vertrockneten Gelehrten haben so wenig Kraft, die ersten Kindheitskräfte wachzurufen und dadurch zur spirituellen Welt zu kommen! Wenn wir dafür Enthusiasmus haben, uns mit so etwas zu beschäftigen, dann wirkt das in unserer Seele so, daß wir uns durchdringen mit diesen Kräften der ersten Kindheit. Damit ist aber etwas von dem gegeben, was dem Menschen möglich macht, sein Christentum weitherzig zu erhalten. Habe ich nicht oft gesagt, wir stehen erst im Anfange einer Auffassung des Christus? Da gab es Jahrhunderte hindurch bis ins 12., 13. Jahrhundert ein Christentum, das hatte nicht die Möglichkeit, die Bibel zu lesen, es mußte sich halten an die Predigten und an das, was die Geistbeseelten sagten. Dann kam das Christentum, das sich an die Bibel hielt, das sein Wissen von dem bekam, was in der Bibel steht. Und wir sind nicht eingedenk der Christus-Kraft, wenn wir nicht daran festhalten, daß Er wirklich seinen Ausspruch wahrgemacht hat: «Ich bin bei euch bis an das Ende der Zeiten.» Christen sind wir, wenn wir darüber klar sind, daß in jedem Zeitalter der Christus, nachdem er sich einmal manifestiert hat, sich wieder manifestieren wird für jeden, der ihn sehen will. Der Christus ist nicht so arm, daß er nur das zu sagen hat, was in den Evangelien niedergelegt ist. Wir dürfen uns nur nicht immer berufen auf die Worte: «Ihr könntet es jetzt noch nicht ertragen», sondern es mache sich die Menschheit reif, den Christus zu erkennen.
[ 21 ] From such things we acquire what enables us to bring back—at least for the soul, if not for the body—some of the life-giving forces that we need again on Earth. Modern people, insofar as they do not acknowledge the spiritual world, have no real sense of such realities. Go to many people who are out there in the outer world and say to them something like what has been said here today: ‘Unless you become like little children, you cannot enter the kingdom of heaven’—and you will see that people out there will say: ‘Well, those are quite witty comparisons, but what are we supposed to do with them?’ — People will find it more useful to watch some sensational drama, if not something worse. Anyone who doesn’t really have a sense that these truths have meaning will find them of little value, because it is precisely in the feeling for such things that the power lies to bring childlike receptivity into our lives. If we cannot bring ourselves to feel sympathy and enthusiasm for something like the comparison of Christ with the activity of the human ego in the first years of life, if we are capable of regarding such a thing as childish, then we have no aptitude for awakening the forces of early childhood. All those dried-up scholars have so little power to awaken the forces of early childhood and thereby enter the spiritual world! If we have enthusiasm for engaging with such things, then this works in our soul in such a way that we become imbued with these forces of early childhood. This, however, provides something that makes it possible for a person to maintain their Christianity with a broad-mindedness. Have I not often said that we are only at the beginning of an understanding of Christ? For centuries, up into the 12th and 13th centuries, there was a Christianity that did not have the opportunity to read the Bible; it had to rely on sermons and on what the spiritually inspired ones said. Then came the Christianity that adhered to the Bible, deriving its knowledge from what is written in the Bible. And we are not mindful of the power of Christ if we do not hold fast to the fact that He truly fulfilled His promise: “I am with you always, even to the end of the age.” We are Christians when we are clear that in every age, Christ, having once manifested Himself, will manifest Himself again to everyone who wishes to see Him. Christ is not so limited that He has nothing more to say than what is recorded in the Gospels. We must not always rely on the words: “You cannot bear it now,” but rather let humanity become ready to recognize Christ.
[ 22 ] Zu solchen Dingen gehört es, daß wir uns in der richtigen Weise zu stellen vermögen zu dem, was durch die Johannestaufe sich ergießt, zu den gesunden, befruchtenden Kräften des Kindheitsalters. Das wäre eine tief befruchtende Idee. Auch wenn kein Mensch etwas wüßte von dem Namen des Christus und von den Evangelien - wir sind durchaus nicht darauf aus, uns am Namen zu halten -, es kommt auf das Wesen an. Anderen überlassen wir es zu sagen: Wer nicht auf Buddha schwört, ist kein richtiger Bekenner. — Nicht am Namen, sondern an die Sache halten wir uns. Das tun wir zum Beispiel, indem wir erkennen, wie in den ersten Lebensjahren Kräfte im Menschen sind, die einmal sich niederließen auf den Leib des Jesus von Nazareth.
[ 22 ] Part of this involves being able to relate in the right way to what is poured out through the baptism of John—to the healthy, life-giving forces of childhood. That would be a deeply enriching idea. Even if no one knew anything about the name of Christ or the Gospels—we are by no means intent on clinging to the name—what matters is the essence. We leave it to others to say: Whoever does not swear by Buddha is not a true believer. — We do not cling to the name, but to the thing itself. We do this, for example, by recognizing how, in the first years of life, there are forces within the human being that once settled upon the body of Jesus of Nazareth.
[ 23 ] Denken Sie, Sie wären auf einer einsamen Insel, wo gar keine Urkunde über das Mysterium von Golgatha je hingekommen ist: wenn Menschen da so arbeiten, daß sie durch ihr spirituelles Leben vollbewußt die Kraft des ersten Kindheitsalters aufnehmen bis ins höchste Alter hinauf, wären sie Christen im wahren Sinne des Wortes. Dann brauchen sie nicht in den Evangelien zu suchen, denn das Christentum ist etwas Lebendiges, und es wird sich weiter und weiter fortentwickeln. Das ist etwas, was wir im Unterschied streng festhalten müssen. Dann werden wir immer klarer werden können darüber, wie innig eigentlich zusammenhängt die Christus-Mission mit dem ganzen Erdenwesen. Wir werden uns dann sagen können, diese Christus-Mission ist etwas, was wir am heutigen Menschen selber erkennen können. Die Notwendigkeit der Durchchristung, des Auslebens des Paulinischen Spruches «Christus in mir» ergibt sich dadurch, daß wir sagen: Wir müssen uns mit der Umwandlung dessen, was in der ersten Kindheit in uns lebt, das ganze Leben durchdringen, dann ist der Christus in uns.
[ 23 ] Imagine you were on a desert island where no record of the mystery of Golgotha had ever reached you: if people there lived in such a way that, through their spiritual life, they fully and consciously absorbed the power of early childhood all the way into old age, they would be Christians in the true sense of the word. Then they would not need to search the Gospels, for Christianity is a living thing, and it will continue to develop further and further. This is something we must strictly hold fast to as a point of distinction. Then we will be able to see ever more clearly how intimately the Christ mission is actually connected with the entire earthly being. We will then be able to say to ourselves that this mission of Christ is something we can recognize in people today. The necessity of becoming permeated by Christ, of living out the Pauline saying “Christ in me,” arises from the fact that we say: We must allow the transformation of what lives within us from early childhood to permeate our entire lives; then Christ is within us.
[ 24 ] Dies gibt durchaus die Möglichkeit, das Christentum im weitherzigsten Sinne zu erfassen, und die Perspektive, daß das Christentum ganz andere Formen annimmt. Es werden Zeiten kommen, wo man den Christus ganz anders nennen wird, wo ganz andere Urkunden da sein werden, wo man gar nicht auf die äußere Geschichte hinweisen wird, daß einmal ein solches Wesen da war, sondern wo man aus dem Menschheitsbewußtsein heraus diese Tatsache erkennen wird.
[ 24 ] This certainly offers the possibility of understanding Christianity in the broadest sense, and the prospect that Christianity will take on entirely different forms. There will come a time when Christ will be called by a completely different name, when entirely different records will exist, when people will no longer refer to external history to prove that such a being once existed, but will instead recognize this fact from within the consciousness of humanity.
[ 25 ] Alles dies bringen wir vor, weil wir gerade mit solchen Dingen immer wiederum zeigen können, wie Geisteswissenschaft in die ganze Gestaltung des Menschheitsfühlens denkbar tief eingreifen kann und zur Lebenspraxis werden muß. Dann wird uns von da aus erst richtig verständlich, was wir in Urkunden finden. Die Urkunden sind für viele Menschen denn doch ein Buch mit sieben Siegeln. Ein heutiger Mensch steht vor uns: am Ende der Erdenzeit ist er so weit, daß er innerlich seine Seele durchchristet hat, heute ist er erst am Anfang seiner Arbeit. Aber es lebt der Christus in ihm, und durch alle folgenden Inkarnationen wird er immer mehr und in immer weiterem Sinne in ihm leben.
[ 25 ] We present all this because it is precisely through such matters that we can repeatedly demonstrate how spiritual science can have a profoundly deep impact on the entire structure of human feeling and must become a way of life. Only then will we truly understand what we find in the ancient texts. For many people, these documents remain a complete mystery. A modern human stands before us: at the end of the Earth period, he will have reached the point where he has fully permeated his soul with Christ; today, he is only at the beginning of this work. But Christ lives within him, and through all subsequent incarnations, He will live within him more and more fully and in an ever-wider sense.
[ 26 ] Wie war es nun, bevor der Christus sich geoffenbart hat auf der Erde? Da war das Ich erst in Vorbereitung. Der Christus ist das, was dem Ich seinen Sinn gibt, so daß früher das Ich nur in Vorbereitung war. Jedesmal, wenn ein Wesen noch in Vorbereitung ist, müssen die Wesenheiten, die ihm vorangegangen sind, ihm helfen. Der Mensch war in Vorbereitung, seinem Ich einen Sinn zu geben, bis zu dem Ereignis von Golgatha. Bis dahin mußten ihm andere Wesen helfen, die früher die Menschheitsstufe erreicht haben, nämlich auf dem alten Monde. Wir wissen, daß das die Wesen der höheren Hierarchie der nächsten Stufe sind, die Engel. Sie stehen eine Stufe höher als der Mensch. Diese Wesenheiten haben vorzugsweise die Leitung der Menschheit zu übernehmen gehabt, so lange der Mensch noch nicht imstande war, zu Christus hinzublicken und zu sagen: Christus gibt meinem Ich den Sinn. — Daher konnte nicht der Mensch selber sich zu Christus hinführen, sondern er mußte von den Wesenheiten, die seine älteren Brüder sind, dahin geführt werden.
[ 26 ] What was it like, then, before Christ revealed himself on Earth? At that time, the “I” was still in the process of development. Christ is what gives the “I” its meaning, so that previously the “I” was only in the process of development. Whenever a being is still in the process of development, the beings who have gone before must help it. Humanity was in preparation to give its I a meaning until the event at Golgotha. Until then, other beings who had previously reached the human stage—namely on the ancient Moon—had to help humanity. We know that these are the beings of the higher hierarchy of the next stage, the angels. They stand one step higher than humanity. These beings were primarily tasked with guiding humanity as long as human beings were not yet able to look to Christ and say: Christ gives meaning to my I. — Therefore, human beings could not lead themselves to Christ, but had to be led there by the beings who are their elder brothers.
[ 27 ] Das gibt die biblische Urkunde mit wunderbarer Genauigkeit wieder. Nehmen wir den Vorläufer des Christus Jesus, Johannes. Wenn er wirklich der Vorläufer sein soll, kann er nicht das Wesen sein, das in der äußeren Geschichte dargestellt ist, denn er hat noch nicht das Ich in dem Sinne, wie das jetzt dargestellt worden ist. Daher kann man nicht sagen, sein Vorläufer, der Täufer Johannes, ging voran. Merkwürdigerweise beginnt das Markus-Evangelium sogleich mit den Worten des Propheten: «Ich sende meinen Engel vor dir her, der soll dir den Weg bereiten.» Das heißt, es muß etwas beachtet werden, was man so abstrakt in Theologenkreisen wohl sieht, wenn man aber ins Konkrete geht, sehen die Menschen darüber hinweg. Die äußere Welt ist zunächst eine Maja. Wir müssen erst lernen, sie in richtiger Weise anzuschauen, dann ist sie nicht mehr Maja. Wenn die äußeren Ereignisse auf dem physischen Plane von Johannes erzählt werden, so ist das Maja. Wir verstehen sie nicht. Die Bibel sieht die Person des Johannes als Maja an. In Johannes lebt, von seiner Seele Besitz nehmend, ein Engelwesen, das die Menschen zu Christus führt. Er ist eine Hülle für die Offenbarung der Engelwesenheit. Der Engel konnte in ihn hineingehen, weil der wiedergeborene Elias bereit war, den Engel aufzunehmen. Da sprach der Engel aus ihm, der wurde hingeschickt, der bedient sich nur des Johannes als Werkzeug. So genau spricht die Bibel.
[ 27 ] This is reflected in the biblical account with remarkable accuracy. Let us take John, the forerunner of Christ Jesus. If he is truly to be the forerunner, he cannot be the being depicted in external history, for he does not yet possess the “I” in the sense in which it has now been described. Therefore, one cannot say that his forerunner, John the Baptist, went before him. Curiously, the Gospel of Mark begins immediately with the words of the prophet: “I will send my angel before you, who shall prepare the way for you.” This means that something must be taken into account which is seen quite abstractly in theological circles, but when one moves into the concrete, people overlook it. The outer world is, at first, a maya. We must first learn to view it in the right way; then it is no longer maya. When the outer events on the physical plane are recounted by John, that is maya. We do not understand them. The Bible regards the person of John as maya. Living within John, taking possession of his soul, is an angelic being who leads people to Christ. He is a vessel for the revelation of the angelic being. The angel was able to enter him because the reborn Elijah was ready to receive the angel. Then the angel spoke through him; he was sent, and he uses John merely as an instrument. This is exactly what the Bible says.
[ 28 ] So daß wir sagen können: Der Mensch konnte nur dadurch zu dem Ich hingeführt werden, daß diejenigen, welche die Menschheitsstufe auf dem alten Monde vollendet hatten, in der vorchristlichen Zeit die Lenker der Erdenmenschen wurden. Alle alten Menschheitsführer sind dadurch die Lenker geworden, daß Engel durch sie wirkten. Was würde mit dem modernen Menschen geschehen? In vorchristlichen Zeiten wirkten die Engelwesen in sein Wesen, weil der Mensch noch nicht das Ich als Eigenvorbild in sich hatte. Seit er das Christus-Sonnenlicht hat, kann der Mensch sein Antlitz hinwenden zu Christus, und dadurch zieht wieder eine solche Kraft in ihn ein wie vorher die Engel. So wie er vorher die Engel aufnahm, muß der Mensch heute durch Hingabe an die Christus-Wesenheit den Christus aufnehmen. Hat noch Johannes sagen können: Nicht ich, sondern der Engel in mir ist hergesandt und benützt mich als Werkzeug, um vorzubereiten -, so muß heute der Mensch sagen wie Paulus: Nicht ich, sondern Christus in mir. - Er soll den Christus so verstehen lernen, wie Geisteswissenschaft ihn lehrt.
[ 28 ] So that we can say: Humanity could only be led to the “I” because those who had completed the human stage on the ancient Moon became the guides of the people of Earth in pre-Christian times. All the ancient leaders of humanity became such because angels worked through them. What would happen to modern humanity? In pre-Christian times, the angelic beings worked into human nature because humanity did not yet possess the “I” as its own model within itself. Since humanity has received the light of the Christ-Sun, it can turn its face toward Christ, and through this, a power similar to that of the angels draws into it once more. Just as he once received the angels, so must humanity today receive Christ through devotion to the Christ-being. Whereas John could still say, “Not I, but the angel within me has been sent and uses me as an instrument to prepare,” so must humanity today say, like Paul, “Not I, but Christ within me.”—They must learn to understand Christ as spiritual science teaches him.
[ 29 ] Man kann das aussprechen, was zum Beispiel heute über die drei ersten Lebensjahre gesagt worden ist. Die Notwendigkeit zu betonen, daß das kindliche Zeitalter seinen sonnigen Glanz über das ganze Leben ausbreitet, das ist Verchristen eines Menschen. Während die moderne Wissenschaft das Greisenhaftwerden, das Nicht-sich-Durchdringen mit den Sonnenkräften des Kindesalters, das Vertrocknenlassen der Gehirnpartien und manches andere bewirkt.
[ 29 ] One can articulate what has been said, for example, about the first three years of life. The need to emphasize that childhood spreads its sunny radiance over one’s entire life—that is what it means to become Christian. Whereas modern science brings about senility, a failure to be permeated by the solar forces of childhood, the withering of parts of the brain, and many other things.
[ 30 ] Also nehmen wir von solchen Wahrheiten die Idee mit auf, daß es möglich ist, das Christentum wesenhaft zu erkennen, wenn man absieht von allen Urkunden und nur auf die Betrachtung des Menschen hinsieht. Wenn man Geisteswissenschaft nicht so anschaut, daß man sagt: Nun weiß ich, daß der Mensch aus vier Gliedern besteht, aus physischem, Ather-, Astralleib und Ich, sondern so, daß es darauf ankommt zu wissen, wie diese einzelnen Glieder in der Menschennatur verbunden sind, dann kann man einsehen, daß das erste Kindheits-Ich verwandt ist einer anderen Wesenheit, daß dieses Ich gleichsam wie eine Hülle ist, und wie es dann nach drei Jahren ganz und gar seine Lage zu den anderen Gliedern, zu der übrigen Menschennatur ändert.
[ 30 ] So we take from such truths the idea that it is possible to recognize the essence of Christianity if one sets aside all documents and focuses solely on the observation of human beings. If one does not approach spiritual science by saying, “Now I know that the human being consists of four members—the physical, etheric, astral, and ego, but rather in a way that emphasizes the importance of knowing how these individual members are connected within human nature, then one can see that the first childhood ego is related to another being, that this ego is, as it were, like a shell, and how, after three years, its relationship to the other members—to the rest of human nature—changes completely.
[ 31 ] Diese Erkenntnis bekommt einen rechten Wert, wenn sie in uns zur Kraft wird, und wenn wir uns sagen: Wir haben viele Inkarnationen auf Erden in Zukunft durchzumachen; wir wissen, daß wir sozusagen dasjenige, was in uns ist, immer weiter und weiter ausbilden können, zu immer größerem und größerem Bewußtsein bringen können; wissen, daß wir den höheren Menschen, den Gottessohn in uns ganz ausgießen können über den Menschensohn, und dadurch von Inkarnation zu Inkarnation immer weiter hinaufsteigen können, bis die Erde an ihrem Ziel angekommen sein wird. - Da wird die Erde ein Leichnam werden, wie der einzelne Mensch physisch ein Leichnam wird, und wie im einzelnen Menschen der Leichnam zur Erde hinunterfällt und die Seele in die geistige Welt aufsteigt, so wird es auch mit der ganzen Erde sein.
[ 31 ] This realization takes on true value when it becomes a source of strength within us, and when we tell ourselves: We have many future incarnations on Earth to go through; we know that we can, so to speak, continue to develop what is within us further and further, bringing it to ever greater and greater consciousness; we know that we can fully pour out the higher human being, the Son of God within us, through the Son of Man, and thereby ascend further and further from incarnation to incarnation until the Earth has reached its goal. - Then the Earth will become a corpse, just as the individual human being physically becomes a corpse; and just as in the individual human being the corpse falls down to the Earth and the soul ascends into the spiritual world, so it will be with the whole Earth.
[ 32 ] Wenn wir die ganze Erde als den Leib der ganzen Menschheit betrachten, so können wir sagen: Die Erde stirbt als Leichnam ab, geht auf in der Materie des Weltenraumes, wird zerstäubt, um materiell aufs Neue verwendet zu werden. Der Mensch aber steigt hinauf in geistige Welten, um in den nächsten planetarischen Zustand hinüberzugehen. Und wir sollen uns vor Augen halten, daß dies keine abstrakten Worte sind.
[ 32 ] If we regard the entire Earth as the body of all humanity, we can say: The Earth dies as a corpse, dissolves into the matter of outer space, and is scattered to be reused in a material form. Human beings, however, ascend into spiritual worlds to pass over into the next planetary state. And we must bear in mind that these are not abstract words.
[ 33 ] Es ist doch sonderbar, daß es Menschen gibt, die glauben, daß unsere Erde mit der Sonne und den anderen Planeten einmal ein großer Dunstnebel war und nichts sonst, und daß sich da herausgebildet haben Sonne, Erde, und durch Zusammenschießen der Materie der Mensch, und daß er sich immer so weiter entwickelt und einmal in der Erde begraben sein wird: das Ganze eine sinnlose Episode! Die künftige Kulturgeschichte wird viel Mühe haben, dieses krankhafte Phantasiegebilde zu begreifen; zu begreifen, wie einmal die menschliche Phantasie so krank werden konnte, dies als ernsthafte Vorstellung anzunehmen. Eine Kant-Laplacesche Theorie zu geben, bedeutet ganz dasselbe, wie den Menschen erklären zu wollen aus dem Staube, in den er zerfällt bei der Verbrennung. Solche Wissenschaft ist todbringend, sie belebt nicht die lebendige Kraft in unserer Seele. Geisteswissenschaft soll die Kraft beleben, zu höherer und höherer Gestalt uns auszubilden, und uns fähig machen, nicht mit dem Staube der Erde uns zu verbinden, sondern uns hinüber zu entwickeln zu neuem planetarischem Dasein.
[ 33 ] It is strange, after all, that there are people who believe that our Earth, along with the Sun and the other planets, was once a great misty nebula and nothing else, and that the Sun, the Earth, and—through the collision of matter—humanity emerged from it, and that humanity will continue to develop in this way until it is one day buried in the Earth: the whole thing a meaningless episode! Future cultural history will have great difficulty comprehending this morbid figment of the imagination; comprehending how human imagination could once have become so diseased as to accept this as a serious notion. To put forward a Kant-Laplacean theory amounts to exactly the same thing as trying to explain to people that they are made of the dust into which they disintegrate upon burning. Such science is deadly; it does not enliven the living force in our soul. Spiritual science is meant to enliven the force to develop us into ever higher forms, and to enable us not to bind ourselves to the dust of the earth, but to evolve beyond it toward a new planetary existence.
