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The Revelations of Karma
GA 127

26 December 1911, Hanover

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16. Die Geburt des Sonnengeistes als Erdengeist

16. The Birth of the Sun Spirit as the Earth Spirit

[ 1 ] Wenn wir in dieser Zeit am Tannenbaum die Lichter anzünden, dann ist es der Menschenseele so, als ob ein Sinnbild eines Ewigen vor ihrem geistigen Auge erstünde und als ob dieses Sinnbild in urfernster Vergangenheit immer dasselbe hätte sein können. Denn wenn im Herbste die Natur draußen allmählich dahinwelkt, wenn die Sonnenwerke im äußeren Lichte sozusagen schlafen gehen und die Menschenseele die äußeren Organe abwenden muß von dem, was die Offenbarungen der Sinneswelt sind, dann hat diese Menschenseele die Gelegenheit, und nicht nur die Gelegenheit, sie fühlt die Aufforderung, in ihr tiefstes Inneres einzukehren, um zu fühlen, zu empfinden: Jetzt ist die Zeit, da das äußere Sonnenlicht am wenigsten scheint, da die äußere Sonnenwärme am wenigsten wärmt, die Zeit, da die Seele sich zurückziehen kann in die äußere Finsternis, dafür aber durch die Wege ihres Inneren das innere geistige Licht finden kann. Denn als Sinnbild dieses inneren geistigen Lichtes, entfacht in der Nacht der äußeren Finsternis, erscheinen uns die Lichter am Weihnachtstannenbaum. Und weil das, was wir so fühlen wie das Hereinscheinen des Geisteslichtes der Seele in die natürliche Finsternis, uns ein Ewiges dünkt, kommt es uns wohl so vor, daß der leuchtende Tannenbaum in der Weihnachtsnacht uns gestrahlt habe in allen Zeiten, die wir zurückwandeln könnten von Inkarnation zu Inkarnation bis in urferne Vergangenheiten.

[ 1 ] When we light the candles on the Christmas tree at this time of year, it is as if a symbol of the eternal were to arise before the human soul’s inner eye, and as if this symbol could have always been the same in the most ancient past. For when nature outside gradually withers away in the fall, when the workings of the sun in the outer light go to sleep, so to speak, and the human soul must turn its outer senses away from the revelations of the sensory world, then this human soul has the opportunity—and not merely the opportunity, but feels the call—to turn inward to its deepest core in order to feel and perceive: Now is the time when the outer sunlight shines least, when the outer solar warmth warms least, the time when the soul can withdraw into the outer darkness, but in return can find the inner spiritual light through the paths of its inner being. For as a symbol of this inner spiritual light, kindled in the night of outer darkness, the lights on the Christmas tree appear to us. And because what we feel as the shining in of the soul’s spiritual light into the natural darkness seems eternal to us, it seems to us that the glowing Christmas tree on Christmas night has shone upon us throughout all the ages we could retrace from incarnation to incarnation, back into the distant past.

[ 2 ] Der Weihnachtsbaum selber ist jedoch verhältnismäßig jung. Kaum ein bis zwei Jahrhunderte, daß der Weihnachtsbaum ein Symbolum der Weihnachtsgedanken und des Weihnachtsempfindens der Menschen geworden ist. Ein junges Symbolum ist dieser Weihnachtsbaum, aber er verkündigt den Menschen jedes Jahr aufs neue eine große, ewige Wahrheit. Daher scheint sein Bestand so, als ob er auch in den Zeiten urferner Vergangenheit gewesen wäre. Immerzu klingt uns wiederum, wie vom Weihnachtsbaum selbst als Klang hervorgerufen, was sich in Weltenweiten, in Himmelshöhen an Göttlichem offenbart. Der Mensch kann es fühlen als seiner Seele zuversichtlichste Friedenskräfte, die aus seinem guten Willen hervorsprießen. Und so klang es ja auch, der Weihnachtslegende gemäß, als die Hirten des Kindes Geburtsstätte besuchten, dessen Feier heute am Weihnachtstag begangen wird. Da erklang aus den Wolkenhöhen den besuchenden Hirten: Es offenbaren sich aus Weltenweiten und Himmelshöhen die göttlichen Urkräfte und ziehen ein als der Menschenseele zuversichtlicher Frieden, wenn diese Menschenseele eines guten Willens ist.

[ 2 ] The Christmas tree itself, however, is relatively young. It has been only one or two centuries since the Christmas tree became a symbol of people’s Christmas thoughts and feelings. This Christmas tree is a young symbol, yet every year it proclaims anew to humanity a great, eternal truth. That is why its existence seems as though it had been present even in the times of the distant past. Time and again, it resounds to us—as if evoked by the Christmas tree itself—what is revealed of the divine across the vastness of the world and the heights of heaven. Human beings can feel this as the most confident forces of peace within their souls, springing forth from their good will. And so it resounded, according to the Christmas legend, when the shepherds visited the birthplace of the Child whose feast is celebrated today on Christmas Day. Then, from the heights of the clouds, a voice rang out to the visiting shepherds: “From the vastness of the worlds and the heights of heaven, the divine primal forces reveal themselves and enter as the most confident peace of the human soul, when that human soul is of good will.”

[ 3 ] Man konnte Jahrhunderte und Jahrhunderte hindurch nicht glauben, daß mit dem Weihnachtsfest ein Symbolum in die Welt gestellt ist, welches irgendeinmal einen Anfang genommen habe. Man fühlte die Ewigkeit dieses Sinnbildes. Daher hat auch der christliche Kultus sozusagen das Ewig-Dauernde dessen, was als Sinnbild in der Weihnachtsnacht geschieht, in die Worte gekleidet: Uns ist aufs neue der Christus erstanden! — So wie wenn die Seele jedes Jahr aufs neue dasjenige fühlen sollte, wovon man meinte, daß es sich doch nur einmal abgespielt haben könnte. Das Ewige dieses Symbolums, es tritt so urkräftig vor unsere Seele, wenn wir das Symbolum selbst im richtigen Sinne fühlen. Und doch, noch im Jahre 353 unserer Zeitrechnung nach der Erscheinung des Christus Jesus auf Erden wurde nicht einmal in Rom, in Rom selber, das Jesus-Geburtsfest gefeiert. Denn 354 wurde dieses JesusGeburtsfest, wie wir es jetzt feiern, zum ersten Mal in Rom selber gefeiert — 354. Vorher wurde nicht am 24. beziehungsweise 25. Dezember ein Jesus-Geburtsfest gefeiert. Vorher war als höchste Feier begangen bei denjenigen, die so etwas verstanden wie die tiefe Weisheit des Mysteriums von Golgatha, der 6. Januar: die Erscheinung Christi. Sie wurde wie eine Art Christus-Geburtsfest in den drei ersten christlichen Jahrhunderten gefeiert, und gefeiert als dasjenige Fest, das die menschlichen Seelen an das Herabsteigen des Geistes erinnern sollte, den man als den Christus-Geist bezeichnet, in den Leib des Jesus von Nazareth durch die Johannestaufe am Jordan. Was durch die Johannestaufe am Jordan als Geschehen vorgestellt werden konnte, dessen Andenken wurde wie ein Geburtsfest des Christus am 6. Januar gefeiert bis in das Jahr 353. Denn das, was unter allen Mysterien von der Menschheit am schwierigsten zu verstehen ist, das Einkehren der Christus-Wesenheit in den Leib des Jesus von Nazareth, das ist wenigstens als ein ahnungsvoller Gedanke noch lebendig in den ersten christlichen Jahrhunderten.

[ 3 ] For centuries upon centuries, it was impossible to believe that Christmas had introduced into the world a symbol that had ever had a beginning. One sensed the eternity of this symbol. That is why Christian worship has, so to speak, clothed the eternal duration of what takes place as a symbol on Christmas night in words: Christ has risen anew for us! — Just as if the soul were to feel anew each year that which one thought could have happened only once. The eternal nature of this symbol stands so powerfully before our soul when we feel the symbol itself in its true sense. And yet, even in the year 353 of our era, following the appearance of Christ Jesus on earth, the Feast of the Nativity was not celebrated even in Rome, in Rome itself. For it was in 354 that this Feast of the Nativity, as we now celebrate it, was celebrated for the first time in Rome itself—in 354. Before that, the Feast of the Nativity was not celebrated on December 24 or 25. Previously, the highest celebration observed by those who understood the profound wisdom of the Mystery of Golgotha was January 6: the Epiphany of Christ. It was celebrated as a kind of Feast of the Nativity of Christ during the first three Christian centuries, and celebrated as the feast that was meant to remind human souls of the descent of the Spirit—referred to as the Spirit of Christ—into the body of Jesus of Nazareth through the baptism by John at the Jordan. What could be conceived as an event through the baptism of John at the Jordan was commemorated as a feast of the Nativity of Christ on January 6 until the year 353. For what is most difficult for humanity to understand among all mysteries—the indwelling of the Christ-being in the body of Jesus of Nazareth—remained alive, at least as an intuitive thought, throughout the first centuries of Christianity.

[ 4 ] Wie empfand man bei denjenigen, die den Geheimnissen des Christentums dazumal nahegestanden waren in den ersten christlichen Jahrhunderten? So etwa empfand man: Da durchwallt und durchwebt der Christus-Geist die Welt, die sich uns durch die Sinne und durch den Menschengeist offenbart. Es offenbarte sich in urferner Vergangenheit dieser Christus-Geist dem Moses, dem er ertönte wie das Geheimnis des menschlichen Ich, so wie es uns aus den symbolischen Lauten hier entgegenklingt am Weihnachtsbaum, wenn wir die Laute IAO — Alpha und Omega, vorher das I gesetzt — in unserer Seele klingen lassen. So etwa klang es in der Mosesseele, als im Dornbusch, dem brennenden, der Christus-Geist erschien. Und dann führte derselbe Christus-Geist den Moses dahin, wo er ihn in seiner wahrsten Wesenheit erkennen sollte, was in der Bibel des Alten Testaments ausgedrückt ist dadurch, daß gesagt wird: Es führte Jahve den Moses auf den Berg Nebo, gegenüber Jericho, und zeigte ihm alles das, was noch zu geschehen hat, bevor dieser Geist selber in einem Menschenleibe sich verkörpern könne. — Als dieser Geist dem Moses gegenüberstand, auf dem Berg Nebo gegenüber Jericho, da sagte er ihm: Du aber, dem ich mich geoffenbart habe vorzeitig, du darfst mit dem, was du in deiner Seele trägst, nicht hinein in diejenige Evolution deines Volkes, die erst vorbereiten soll das, was zu geschehen hat, wenn die Zeiten erfüllt sind.

[ 4 ] How did those who were close to the mysteries of Christianity in the early centuries of the Christian era perceive things? They perceived it this way: The Christ Spirit surges through and interweaves the world that reveals itself to us through the senses and through the human spirit. In the distant past, this Christ Spirit revealed itself to Moses, to whom it resounded as the mystery of the human I, just as it echoes to us here from the symbolic sounds at the Christmas tree when we let the sounds IAO—Alpha and Omega, with the I placed first—resound in our soul. This is roughly how it sounded in Moses’ soul when the Christ Spirit appeared to him in the burning bush. And then this same Christ Spirit led Moses to the place where he was to recognize Him in His truest essence, which is expressed in the Old Testament by the words: “The Lord led Moses up Mount Nebo, opposite Jericho, and showed him all that was yet to come to pass before this Spirit Himself could incarnate in a human body.” — When this Spirit stood before Moses on Mount Nebo, opposite Jericho, He said to him: “But you, to whom I have revealed Myself prematurely, you must not enter, with what you carry in your soul, into that phase of your people’s evolution which is meant to prepare what must happen when the times are fulfilled.”

[ 5 ] Und nachdem die Evolution die Menschheit vorbereitet hatte, Jahrhundert über Jahrhundert, da offenbarte sich derselbe Geist, der den Moses zurückgehalten hatte. Er offenbarte sich, Fleisch werdend, Menschenleib annehmend, in Jesus von Nazareth. Da wurde hinausgeführt die ganze Menschheit von der Stufe der Einweihung, die angedeutet wird durch das Wort Jericho, zu jener Stufe, die angedeutet wird durch das Durchschreiten des Jordan. Da wurde hingestellt durch diejenigen, die in den ersten christlichen Jahrhunderten den eigentlichen Sinn des Christentums verstanden, der im Jordan getauft werdende Jesus von Nazareth, in den sich ergießt der Sonnen-Erdengeist des Christus. Dies wurde als ein Mysterium gefeiert, als die Geburt des Christus, in den ersten christlichen Jahrhunderten. Denn das, wozu wir uns heute durch Anthroposophie wiederum reif machen, wozu wir uns reif machen aus der Weisheit der fünften nachatlantischen Kulturperiode, das leuchtete wie geschaut durch letzte Erbstücke alten Hellsehertums in der Zeit, da sich das Mysterium von Golgatha vollzog, den Gnostikern auf, jenen merkwürdigen Theosophen um die Wende der alten und der neuen Zeit, die auf eine andere Art als wir das Christus-Mysterium durchschauten, aber, indem sie es aussprachen, ihm einen gleichen Inhalt gaben. Was sie sagen durften, sickerte durch, und obwohl man in der breiten Öffentlichkeit nicht verstand, was eigentlich geschehen war in dem Ereignis, das symbolisch angedeutet wird durch die Johannestaufe am Jordan, so ahnte, empfand man, daß dazumal der Sonnengeist als Erdengeist geboren worden ist, daß ein Kosmisches aufleuchtete in einem Erdenmenschen. Und so feierte man in den ersten christlichen Jahrhunderten den 6. Januar als die Geburt des Christus in dem Leibe des Jesus von Nazareth, als die Erscheinung des Christus auf Erden. Aber immer mehr und mehr ging der Menschheit die Einsicht verloren, auch nur die ahnungsvolle Einsicht in dieses tiefe Mysterium. Es kam die Zeit heran, in der man nicht mehr verstehen, nicht mehr begreifen konnte, daß eigentlich das, was man Christus nannte, nur drei Jahre in einem physischen Menschenleib verweilte. Immer mehr und mehr wird es den Menschen aufgehen, daß es zu den schwerstverständlichen, daß es zu den tiefsten Weisheiten gehört, was da drei Jahre in einem physischen Menschenleib einmal durch die ganze Erdenentwikkelung sich vollzogen hat. Zu schwach wurde für die materialistische Zeit, die da kommen sollte, die sich vorbereitende Menschenseele, um vom 4. Jahrhundert ab das große Mysterium zu verstehen, das erst wiederum von unseren Zeiten an immer mehr und mehr verstanden werden wird. So kam es denn, daß in demselben Maße, als das Christentum an äußerer Macht gewann, das innere tiefere Verständnis gerade des Christus-Mysteriums verlorenging, und nicht mehr konnte man der Feier des 6. Januar einen Inhalt geben. Man verlegte zurück um dreizehn Tage die Geburt des Christus und stellte sie so vor, als wenn sie sich vollzogen hätte mit der Geburt des Jesus von Nazareth gleichzeitig. Aber gerade an dieser Tatsache tritt uns eines entgegen, das uns immerdar mit tiefer Beseligung, mit tiefer Befriedigung erfüllen muß. Eigentlich ist festgesetzt dieser 24., 25. Dezember als Christi Geburtstag durch den Verlust einer großen Wahrheit, wie wir eben gesehen haben. Dennoch: gewirkt hat der Irrtum im Grunde genommen wie der Verlust einer großen Wahrheit, aber das ist wiederum geschehen mit solcher weisheitsvoller Tiefe, daß wir — obzwar die Menschen, welche alles das festgesetzt haben, nichts davon wußten — doch die unterbewußte Weisheit bewundern müssen, die da waltete in der Festsetzung dieses Weihnachtstages.

[ 5 ] And after evolution had prepared humanity, century after century, the same Spirit who had held Moses back revealed Himself. He revealed Himself, becoming flesh and taking on human form, in Jesus of Nazareth. Thus all of humanity was led out from the stage of initiation, symbolized by the word Jericho, to the stage symbolized by the crossing of the Jordan. There, through those who understood the true meaning of Christianity in the first Christian centuries, was set forth Jesus of Nazareth, being baptized in the Jordan, into whom the Sun-Earth Spirit of Christ pours forth. This was celebrated as a mystery, as the birth of Christ, in the first Christian centuries. For that for which we are once again preparing ourselves today through anthroposophy, for which we are preparing ourselves from the wisdom of the fifth post-Atlantean cultural epoch, shone forth, as if beheld through the last heirlooms of ancient clairvoyance, to the Gnostics at the time when the Mystery of Golgotha was unfolding—those remarkable theosophers at the turn of the old and new eras who perceived the Christ Mystery in a different way than we do, yet, by speaking of it, gave it the same content. What they were permitted to say seeped through, and although the general public did not understand what had actually taken place in the event symbolically indicated by John’s baptism in the Jordan, they sensed, they felt, that at that time the Sun Spirit had been born as an Earth Spirit, that something Cosmic had shone forth in an earthly human being. And so, in the first Christian centuries, January 6 was celebrated as the birth of the Christ in the body of Jesus of Nazareth, as the appearance of the Christ on earth. But more and more, humanity lost the insight—even the intuitive insight—into this profound mystery. The time came when people could no longer understand, could no longer grasp, that what was called Christ actually dwelt in a physical human body for only three years. More and more, it will dawn on people that what took place over the course of three years in a physical human body—throughout the entire development of the Earth—belongs to the most difficult-to-understand, to the deepest wisdom. For the materialistic age that was to come, the human soul, which had been preparing itself, became too weak to understand, from the 4th century onward, the great Mystery that will only be understood more and more again from our own times onward. Thus it came to pass that, to the same extent that Christianity gained in outward power, the inner, deeper understanding of the Christ Mystery itself was lost, and it was no longer possible to give substance to the celebration of January 6. The birth of Christ was moved back thirteen days and presented as if it had taken place simultaneously with the birth of Jesus of Nazareth. But it is precisely this fact that confronts us with something that must always fill us with deep bliss and deep satisfaction. In truth, December 24th and 25th were established as Christ’s birthday through the loss of a great truth, as we have just seen. Nevertheless: although the error has essentially functioned as the loss of a great truth, this has in turn occurred with such wisdom-filled depth that we—even though the people who established all this knew nothing of it—must nevertheless admire the subconscious wisdom that prevailed in the establishment of this Christmas Day.

[ 6 ] Es waltete göttliche Weisheit auch in dieser Festsetzung. Und wie man die göttliche Weisheit lesen kann draußen in der Natur, wenn man nur richtig zu entziffern versteht, was sich da allüberall offenbart, so kann man ablesen, in der unbewußten Menschenseele wirkend, göttliche Weisheit, wenn man eine Tatsache ins Auge faßt. Man schlägt den Kalender auf und findet am 24. Dezember «Adam und Eva» im Kalender verzeichnet und darauf folgend das Christi-Geburtstagsfest. Das heißt, der Verlust einer alten Wahrheit hat um dreizehn Tage zurückverlegt die Geburt des Christus für die Erde, hat sie identifiziert mit der Geburt des Jesus von Nazareth, aber in Zusammenhang gebracht in wunderbarer Weise die Geburt des Jesus von Nazareth mit dem Gedanken an des Menschen Ursprung selber in der Erdenentwickelung bei Adam und Eva. Und wenn man all die dunklen Gefühle, all die wunderbaren Empfindungen, die da in der Menschenseele gegenüber diesem Jesus-Geburtstagsfest walten, ohne daß das Oberbewußtsein des Menschen davon weiß, wenn man diese Gefühle alle in den Tiefen der Menschenseele erforscht: in der Tat, sie sprechen eine wunderbare Sprache.

[ 6 ] Divine wisdom was at work in this decree as well. And just as one can read divine wisdom out in nature, if only one knows how to correctly decipher what is revealed everywhere there, so too can one discern divine wisdom at work in the unconscious human soul when one considers a fact. One opens the calendar and finds “Adam and Eve” listed for December 24, followed by the Feast of the Nativity. This means that the loss of an ancient truth has shifted the birth of Christ for the Earth back by thirteen days, identifying it with the birth of Jesus of Nazareth, yet miraculously linking the birth of Jesus of Nazareth with the idea of humanity’s very origin in Earth’s evolution with Adam and Eve. And if one explores all the dark feelings, all the wondrous sensations that prevail in the human soul in relation to this celebration of Jesus’ birthday, without the human’s conscious mind being aware of them—if one explores all these feelings in the depths of the human soul: indeed, they speak a wondrous language.

[ 7 ] Als man nicht mehr verstand, was eigentlich aus den Weltenweiten der Menschheit zugeströmt ist — denn das hätte man am 6. Januar feiern müssen —, da verfiel man, wie durch verborgen in den Seelentiefen wirkende Kräfte, darauf, vor die Menschheit den Menschenseelengeist hinzustellen, wie er sich darstellt, als er noch nicht vollständig durchgegangen ist durch des Menschen physische Leiblichkeit, wie er dasteht am Ausgangspunkt eines Menschen eben selber, da wo der Menschenseelengeist erst Besitz ergreift von diesem menschlichen physischen Leib. Das Kind bei seiner Geburt, da die Seele noch nicht in sich aufgenommen hat das, was nur hervorgerufen wird durch die Berührung mit der physischen Leiblichkeit, das Kind am Ausgangspunkt des physischen Erdenwerdens steht da, aber nicht bloß das Kind, wie es als Kind für jeden Menschen da ist, sondern das Kind, wie es da war, bevor die Menschen in der Erdenevolution zur allerersten physischen Verkörperung gekommen sind, was die Kabbala genannt hat «Adam Kadmon», den Menschen, der aus göttlich-geistigen Höhen herabgestiegen ist mit alldem, was er sich durch die Saturn-, Sonnen- und Mondenzeit angeeignet hat. Den Menschen in seiner Geistigkeit am Ausgangspunkt des Erdenwerdens, durch das Jesuskind geboren werdend, das stellte eine wunderbare, eine göttliche Weisheit in dem Jesus-Geburtstagsfest nunmehr vor die Menschen hin. Da wo man nicht verstehen konnte, was da aus Weltenweiten, aus Himmelssphären auf die Erde herab kam, prägte sich in die Menschenseelen die Erinnerung an des Menschen Ursprung ein, die Erinnerung an das, was der Mensch war, bevor die luziferischen Kräfte im Erdenwerden an ihn herangetreten sind. Und als man nicht mehr verstand, daß man im höchsten Sinne sagen konnte zu dem, was bei der Johannestaufe im Jordan herunterdrang zur Menschheit: Aus Weltenweiten und Himmelshöhen dringt in Menschenseelen ein, was sich Göttliches offenbart, um zu wirken als zuversichtlicher Friede der Menschen, die eines guten Willens sind —, als man nicht verstand dieses Symbolum als Festesfeier vor die Menschen hinzustellen, da stellte man statt dessen eine andere Zuversicht hin: die Zuversicht, daß der Mensch, bevor im Beginne des Erdenwerdens die luziferischen Kräfte gewirkt haben, einmal auch auf der Erde eine Natur hatte, eine Wesenheit, auf die er vertrauen kann.

[ 7 ] When people no longer understood what had actually flowed in from the vast realms of humanity—for that is what should have been celebrated on January 6— people fell into the habit, as if driven by forces working hidden in the depths of the soul, of presenting to humanity the human soul-spirit as it appears when it has not yet fully passed through the human physical body, as it stands at the very starting point of a human being, right where the human soul-spirit first takes possession of this human physical body. The child at birth, when the soul has not yet taken in that which is brought about solely by contact with the physical body, the child at the starting point of physical existence on earth stands there—but not merely the child as it is present for every human being, but the child as it was before human beings in the Earth’s evolution had come to their very first physical embodiment—what Kabbalah has called “Adam Kadmon,” the human being who descended from divine-spiritual heights with all that he had acquired through the Saturn, Sun, and Moon periods. The human being in his spiritual essence at the starting point of earthly existence, born through the infant Jesus—this presented a wondrous, divine wisdom to humanity in the feast of Jesus’ birth. Where people could not understand what was descending to Earth from the vastness of the worlds, from the heavenly spheres, the memory of humanity’s origin was imprinted upon human souls—the memory of what humanity was before the Luciferic forces approached it during the process of becoming earthly. And when people could no longer grasp that one could say, in the highest sense, of what descended to humanity at the baptism of John in the Jordan: From the vastness of the worlds and the heights of heaven, that which is divine reveals itself and enters into human souls to work as a confident peace among people of good will—when people no longer understood how to present this symbol as a festival before humanity, they instead set forth a different kind of confidence: the confidence that, before the Luciferic forces began to work at the dawn of earthly existence, human beings once had a nature on Earth as well, a being in whom they can trust.

[ 8 ] Wir wissen aus den bisherigen Darstellungen, daß der Jesusknabe, der uns durch das Lukas-Evangelium, nicht derjenige, der uns durch das Matthäus-Evangelium dargestellt wird, es ist, vor dem wir anbetend die Hirten finden, die in ihrer Seele diesen Spruch von der Offenbarung des Göttlichen aus Weltenweiten und Himmelshöhen zum Frieden der Menschenseele, die eines guten Willens ist, vernehmen. Und so trat für die Jahrhunderte, welche das Höhere nicht verstehen konnten, jene Festesfeier ein, die jedes Jahr aufs neue den Menschen daran erinnern soll: Wenn du auch nicht hinausblicken kannst in die Himmelshöhen, um den großen Sonnengeist zu erkennen, du trägst von deinem Erdenursprung aus in deiner Kinderseele, solange sie unberührt ist von äußerer physischer Verkörperung, die Kräfte, welche dir die Zuversicht geben können, daß du Sieger werden kannst über alles Niedere, was dir anhaftet durch Luzifers Versuchung. — Daher rückte man dieses Jesus-Geburtsfest an die Erinnerung an Adam und Eva heran, hinweisend darauf, daß man sich vorzustellen habe, es werde an dem Ort geboren, den die Hirten besuchen dürfen, eine Menschenseele so, wie die Menschenseele einstmals war, bevor der Mensch die erste irdische Inkarnation durchschritten hatte.

[ 8 ] We know from the accounts so far that the boy Jesus, as portrayed in the Gospel of Luke—not the one depicted in the Gospel of Matthew— is the one before whom we find the shepherds in adoration, who in their souls hear this message of the revelation of the Divine from the vastness of the worlds and the heights of heaven for the peace of the human soul that is of good will. And so, for the centuries that could not understand the Higher, that festival celebration came into being, which is meant to remind people anew each year: Even if you cannot look out into the heights of heaven to perceive the great Sun Spirit, you carry within your childlike soul—as long as it remains untouched by external physical embodiment—the powers that can give you the confidence that you can triumph over all that is base, which clings to you through Lucifer’s temptation. — Therefore, this feast of Jesus’ birth was brought closer to the memory of Adam and Eve, indicating that one should imagine that, in the place the shepherds were permitted to visit, a human soul was being born—just as the human soul once was, before humanity had passed through its first earthly incarnation.

[ 9 ] Für den Gott, dessen Geburt man nicht mehr verstand, wurde des Menschen Geburt hingestellt in diese Festeszeit. Denn aus zwei Quellen entspringt im Grunde genommen das, was den Menschen, wenn noch so sehr seine Kräfte zu sinken drohen, wenn noch so sehr seine Schmerzen und Leiden überhand zu nehmen scheinen, aus zwei Quellen kommt das, was ihn immerdar befriedigen, beruhigen, durchkraften kann. Die eine Quelle ist diejenige, die wir verfolgen können, wenn wir in die Weltenweiten hinausschauen, die durchwebt und durchströmt und durchleuchtet und durchwärmt sind von dem, was man den göttlichen Geist nennt. Und wenn der Mensch sich dem Gedanken hingeben kann: Du wirst, wenn du nimmer erlahmen läßt deine Kräfte, dich selber durchdringen können mit der Kraft dieses die Welt durchwebenden Göttlich-Geistigen —, wenn der Mensch diesen Gedanken in seinem Herzen fassen kann, dann faßt er den Ostergedanken, den Gedanken, durch den wir gleichsam aus Weltenweiten saugen Weltenzuversicht. Und die andere Quelle ist diejenige, die aus der dunklen Ahnung hervorgehen kann: Bevor der Mensch von den luziferischen Kräften am Ausgangspunkt des Erdenwerdens befallen wurde, war er als seelischgeistiges Wesen noch ergossen in denselben Geist, den er nun erwartet aus Weltenfernen und Raumesweiten im Ostergedanken. - Wenn da der Mensch sich zur Quelle begibt, die er erschauen kann in seines eigenen Wesens Ursprung vor dem Einfluß der luziferischen Kräfte, kann er sich sagen: Was auch über dich kommen mag, was auch dich quälen mag, was auch dich herabziehen mag von den lichten Sphären des Geistigen, in dir ist göttlicher Ursprung einmal gewesen, er muß in dir verblieben sein, wenn er auch noch so sehr sich in deinen Seelentiefen verbirgt. Erkennst du diese innerste Kraft deiner Seele, dann eröffnet sich dir die Zuversicht, daß du zu den Höhen emporsteigen darfst und kannst. Und wenn du dir alles das nimmst, was du dir als unschuldvolles, noch von des Lebens Versuchungen befreites Kindliches vor die Seele zaubern kannst, und davon alles das entfernst, was durch die vielen Inkarnationen seit dem Beginn des Erdenwerdens auch diejenigen menschlichen Seelen schon befallen hat, die durch solche Inkarnationen gegangen sind, dann erlangst du ein Bild jener Menschenseele, die am Ausgangspunkt des Erdenwerdens war, bevor die irdischen Inkarnationen begonnen haben.

[ 9 ] For the God whose birth was no longer understood, the birth of humankind was placed within this festive season. For what ultimately springs from two sources—even when a person’s strength threatens to wane, even when their pain and suffering seem to be getting the better of them—comes from two sources: that which can always satisfy, soothe, and sustain them. One source is that which we can trace when we look out into the vastness of the world, which is interwoven, permeated, illuminated, and warmed by what is called the divine spirit. And if a person can surrender to the thought: You will, if you never let your strength slacken, be able to permeate yourself with the power of this divine-spiritual force that weaves through the world—if a human being can grasp this thought in their heart, then they grasp the Easter thought, the thought through which we, as it were, draw confidence in the world from the vastness of the cosmos. And the other source is the one that can emerge from a dark premonition: Before humanity was afflicted by the Luciferic forces at the outset of earthly existence, as a soul-spiritual being it was still immersed in the very same Spirit that it now anticipates from the far reaches of the cosmos and the vastness of space in the Easter idea. — When humanity turns to the source that it can perceive in the origin of its own being before the influence of the Luciferic forces, it can say to itself: Whatever may come upon you, whatever may torment you, whatever may draw you down from the luminous spheres of the spiritual, there was once a divine origin within you; it must have remained within you, even if it is hidden so deeply in the depths of your soul. If you recognize this innermost power of your soul, then the confidence opens up to you that you may and can ascend to the heights. And if you take all that which you can conjure before your soul as innocent, childlike, and still free from life’s temptations, and remove from it all that which, through the many incarnations since the beginning of earthly existence, has already afflicted even those human souls who have passed through such incarnations, then you will attain an image of that human soul which was at the starting point of earthly existence, before earthly incarnations began.

[ 10 ] Aber in diesem Falle ist nur eine einzige Seele verblieben, jene Seele, von der uns das Lukas-Evangelium spricht als der Seele des einen Jesusknaben, jene Seele, welche in derselben Zeit, wo die anderen Menschenseelen begannen, ihre Verkörperungen durch die Erdenentwickelung zu vollbringen, zurückgehalten wurde in dem geistigen Leben. Eine solche Seele wurde am Ausgangspunkt des Erdenlebens zurückgehalten, aufbewahrt in den heiligsten Mysterien durch die atlantischen Zeiten, durch die nachatlantischen Zeiten bis in die Zeit der Ereignisse von Palästina. Da wurde sie hingesandt in jenen Leib, der sie aufnehmen sollte und der den einen der Jesusknaben gebären sollte: denjenigen Jesusknaben, den uns das Lukas-Evangelium schildert.

[ 10 ] But in this case, only a single soul remained—the soul of which the Gospel of Luke speaks as the soul of the child Jesus, the soul that was held back in the spiritual life at the very time when other human souls began to undergo their incarnations through the course of Earth’s evolution. Such a soul was held back at the starting point of earthly life, preserved in the holiest mysteries through the Atlantean ages, through the post-Atlantean ages, right up to the time of the events in Palestine. There it was sent into that body which was to receive it and which was to give birth to one of the Jesus-children: the very Jesus-child described to us in the Gospel of Luke.

[ 11 ] So wurde aus der Feier des Christus-Geburtstagsfestes die Feier des Jesus-Geburtstagsfestes. Wenn wir sie richtig verstehen, diese Feier, dann müssen wir sagen: Ja, das, von dem wir denken, daß es geboren werde sinnbildlich in jeder Weihnachtsnacht, das ist die ursprüngliche Natur der Menschenseele, das ist der Menschen-Kindheitsgeist, wie er am Ausgangspunkt des Erdenwerdens war. Betrachten wir ihn in der Art, wie er am Ausgangspunkte des Erdenwerdens war, so ruft er uns immer zu, daß er dazumal heruntergestiegen ist als eine Offenbarung aus den Himmelshöhen. Und wenn wir ihn in der Menschenbrust fühlen, dann ergießt sich in die Menschenseele das Gefühl des zuversichtlichen Friedens, der uns zu unseren hohen Zielen tragen kann, wenn unser Wille ein guter ist. Gewaltig also ist der Ton, der zu uns, wenn wir verständig sind, sprechen kann in der Weihnachtsnacht.

[ 11 ] Thus, the celebration of Christ’s birthday became the celebration of Jesus’ birthday. If we understand this celebration correctly, then we must say: Yes, what we think is symbolically born on every Christmas night is the original nature of the human soul, the spirit of human childhood as it was at the very beginning of our existence on Earth. If we consider it as it was at the very beginning of human existence, it constantly calls out to us that it once descended as a revelation from the heights of heaven. And when we feel it within the human breast, a sense of confident peace pours into the human soul—a peace that can carry us toward our lofty goals, provided our will is a good one. Mighty, then, is the voice that can speak to us on Christmas night, if we are receptive.

[ 12 ] Und warum wurde gerade das Christus-Geburtstagsfest um dreizehn Tage zurückversetzt und zum Jesus-Geburtstagsfest gemacht? Da muß man allerdings, wenn man das verstehen will, in tiefe Mysterien der Menschenseele eindringen. Von der äußeren Natur glaubt der Mensch, weil er es mit seinen Augen sieht, daß das, was im Frühling der Sonnenstrahl aus den Tiefen der Erde hervorzaubert, was dieser Sonnenstrahl aus den Tiefen der Erde den Frühling und Sommer hindurch zur schönsten Herrlichkeit entfaltet, daß das immer mehr sich zurückzieht in die Erdentiefen — das ist die Zeit, in welcher die äußere Erdensonnensphäre am dunkelsten ist —, daß in den Tiefen der Erde, in den Keimen sich das vorbereitet, was wiederum im nächsten Jahr heraustreten soll aus diesen Erdentiefen. Ja, vom Pflanzensamen, weil er es sieht, glaubt der Mensch, daß er einen Jahreszyklus durchmacht, daß er hinunterdringen muß in die Erdentiefen, um sich wieder an der Wärme und an dem Licht des Sonnenstrahls im Frühling entfalten zu können. Daß ein solcher Zyklus auch für die Menschenseele selber da sein kann, ja fortwährend da ist, davon merkt der Mensch zunächst nichts. Er merkt es erst, wenn er in die großen Mysterien des Daseins eingeweiht wird. Verbunden, wie die Kraft eines jeglichen Pflanzensamens mit den physischen Erdenkräften, ist mit den geistigen Erdenkräften unser eigenes Seeleninneres. Und wie der Pflanzensame in die Tiefen der Erde in der Zeit heruntersteigt, die wir die Weihnachtszeit nennen, so steigt in tiefe, tiefe Geistesregionen die Menschenseele in diesen Zeiten hinunter, sich ebenso Kraft holend in tiefen Regionen wie der Pflanzensame zum Blühen im Frühling. Das gewöhnliche Menschheitsbewußtsein schaut nichts von dem, was da mit der Seele in der Erde Geistestiefen vorgeht. Für denjenigen aber, dem die geistigen Augen geöffnet werden, für den ist die Zeit der dreizehn Tage und dreizehn Nächte eine tiefe Zeit des geistigen Erlebens.

[ 12 ] And why was the Feast of the Nativity of Christ moved back thirteen days and turned into the Feast of the Nativity of Jesus? To understand this, however, one must delve into the deep mysteries of the human soul. From the external world, people believe—because they see it with their own eyes—that what the sun’s rays conjure up from the depths of the earth in spring, what these sun’s rays unfold from the depths of the earth throughout spring and summer into the most beautiful splendor, that this retreats more and more into the depths of the earth —this is the time when the outer solar sphere of the Earth is at its darkest—that in the depths of the Earth, within the seeds, what is to emerge again from these depths next year is being prepared. Indeed, because of the plant seed—since he sees it—man believes that it undergoes an annual cycle, that it must descend into the depths of the earth in order to unfold again in the warmth and light of the sun’s rays in spring. That such a cycle may also exist for the human soul itself—indeed, that it exists continuously—man initially takes no notice of this. They only realize it when they are initiated into the great mysteries of existence. Just as the power of every plant seed is connected to the physical forces of the earth, so is the innermost being of our own soul connected to the spiritual forces of the earth. And just as the plant seed descends into the depths of the earth during the time we call the Christmas season, so the human soul descends into deep, deep spiritual regions during these times, drawing strength from these deep regions just as the plant seed does to bloom in spring. Ordinary human consciousness perceives nothing of what is taking place with the soul in the spiritual depths of the earth. But for those whose spiritual eyes are opened, the time of the thirteen days and thirteen nights is a profound time of spiritual experience.

[ 13 ] Ja, parallel mit dem Erleben des Pflanzensamens in der Erde natürlichen Tiefen geht ein geistiges Erleben in der Erde Geistestiefen — parallel geht es. Und hinuntersteigend kann sich der Seher fühlen, der durch Schulung dies vermag, oder der Seher, dem durch irgendwelche vererbte Seherkräfte dies ermöglicht wird, hineindringend in solche Geistestiefen kann sich der Seher fühlen. Schauen kann in dieser Zeit der dreizehn Tage und der dreizehn Nächte der Sehergeist, was alles über den Menschen deshalb kommen muß, weil dieser Mensch jene Erdeninkarnationen durchgemacht hat, die, so wie sie sind, durch die Kräfte des Luzifer vom Beginn des Erdenwerdens bis in unsere Zeit geworden sind. Was über den Menschen in der geistigen Welt an Kamalokaleiden dadurch kommen muß, daß Luzifer an ihn herantrat, seitdem der Mensch auf der Erde inkarniert wurde, das ist am deutlichsten in den großen, gewaltigen Imaginationen zu schauen, welche der Seele entgegentreten können in jenen dreizehn Tagen und Nächten zwischen dem Weihnachtsfest und dem Feste des 6. Januar, der Erscheinung Christi. Wenn der Pflanzensame da unten seine wichtigste Zeit in den Tiefen hat, hat die Menschenseele ihre tiefsten Erlebnisse in diesen Zeiten. Es schaut die Menschenseele alles das, was der Mensch in geiistigen Welten erleben muß, weil sie sich entfernte unter dem Einfluß Luzifers von den schöpferischen Mächten der Welt. Das alles schaut die Menschenseele am besten in dieser Zeit. Daher ist sie durch dieses Schauen auch am besten vorbereitet zu der Erscheinung jener Imagination, welche wir die Christus-Imagination nennen können, wo wir gewahr werden, wie der Christus der Besieger des Luzifer wird und damit über die Taten der Menschen richtet, die entspringen aus den Inkarnationen, welche unter dem Einfluß des Luzifer stehen. So lebt die Menschenseele, des Sehers Seele, sich von dem Jesus-Geburtstagsfest bis zum Christi-Erscheinungsfeste hin, so daß ihr das Mysterium Christi aufgeht und sie am tiefsten in dieser Zeit erkennen kann, was mit der Johannestaufe im Jordan gemeint ist.

[ 13 ] Yes, just as the seed is planted in the natural depths of the earth, so too does a spiritual experience take place in the spiritual depths of the earth—the two proceed in parallel. And as he descends, the seer—who is capable of this through training, or the seer to whom this is made possible by some inherited clairvoyant powers—can feel himself penetrating into such spiritual depths. During this period of thirteen days and thirteen nights, the seer’s spirit can see all that must come upon the human being because this person has undergone those earthly incarnations which, as they are, have come about through the forces of Lucifer from the beginning of the Earth’s existence up to our time. What must come upon the human being in the spiritual world as kamaloka suffering because Lucifer approached him since the human being was incarnated on Earth—this can be seen most clearly in the great, powerful imaginations that may confront the soul during those thirteen days and nights between Christmas and the Feast of January 6, the Epiphany of Christ. Just as the plant seed has its most crucial time in the depths, so the human soul has its deepest experiences during these times. The human soul beholds all that humanity must experience in the spiritual worlds because, under the influence of Lucifer, it has distanced itself from the creative powers of the world. The human soul beholds all this most clearly during this time. Therefore, through this beholding, it is also best prepared for the manifestation of that imagination which we may call the Christ Imagination, where we become aware of how Christ becomes the conqueror of Lucifer and thus judges the deeds of human beings that arise from incarnations standing under the influence of Lucifer. Thus the human soul, the soul of the seer, lives from the Feast of the Nativity of Jesus to the Feast of the Epiphany, so that the Mystery of Christ unfolds to it and it can recognize most deeply during this time what is meant by the baptism of John in the Jordan.

[ 14 ] Es ist merkwürdig, wie überall dahin, wo in den christlichen Jahrhunderten die Möglichkeit geistigen Schauens in richtigem Sinn drang, auch dieser merkwürdige Zusammenhang drang von dem Schauen der Seherseele in den dreizehn Nächten, in der eigentlichen Winterwendezeit. Man lernte aus gar mancher Seherseele kennen, die entweder geschult war in den Mysterien der neuen Zeit oder die ererbte Seherkräfte noch hatte, man lernte sehen, wie in der finstersten Winterwendezeit die Seele alles das schauen kann, was der Mensch durchzumachen hat durch seine Entfernung von dem Christus-Geist, und wie diesem Menschen die Ausgleichung werden kann, die Katharsis dadurch, daß das Mysterium der Johannestaufe im Jordan und dann das Mysterium von Golgatha sich vollzogen hat, und wie gekrönt sind die Visionen der Seher in den dreizehn Nächten mit dem 6. Januar durch die Imagination des Christus. So ist es richtig, den 6. Januar als den Geburtstag des Christus anzusetzen, richtig, diese dreizehn Nächte als jene die Menschenseelen-Seherschaft repräsentierende Zeit anzusetzen, wo man alles wahrnimmt, was der Mensch durchmachen muß durch das Leben in den Inkarnationen von Adam und Eva bis zu dem Mysterium von Golgatha.

[ 14 ] It is remarkable how, wherever the possibility of spiritual vision in the true sense took hold during the Christian centuries, this remarkable connection also emerged from the vision of the seer’s soul during the thirteen nights of the actual winter solstice. From many a seer, who was either trained in the mysteries of the new age or still possessed inherited seeric powers, one learned to see how, during the darkest time of the winter solstice, the soul can perceive all that a human being must undergo through their separation from the Christ Spirit, and how this human being can find balance, the catharsis, through the fact that the mystery of John’s baptism in the Jordan and then the mystery of Golgotha have been fulfilled, and how the visions of the seers during the thirteen nights are crowned on January 6 by the imagination of Christ. Thus it is correct to designate January 6 as the birthday of Christ, and correct to designate these thirteen nights as the time representing the seership of the human soul, when one perceives all that the human being must undergo through life in the incarnations from Adam and Eve up to the Mystery of Golgotha.

[ 15 ] Es war mir interessant, diesen Gedanken, der Ihnen nur mit etwas anderen Worten entgegenströmt aus so mancherlei Vorträgen, die über das Christus-Mysterium gehalten worden sind, bei meinem letzten vorjährigen Aufenthalt in Kristiania schön verkörpert zu sehen in einer Sage und Legende: der sogenannten Traumlegende, die merkwürdigerweise in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren in Norwegen aufgetaucht ist und in das Volk sich eingelebt hat, welche allerdings auf frühere Zeiten zurückführt. In ganz wunderbarer schöner Weise erzählt uns jene Legende, wie Olaf Ästeson gleichsam durch natürliche Kräfte eingeweiht wird, indem er am Weihnachtsabend einschläft, durch die dreizehn Tage bis zum 6. Januar schläft und alle die Schauer dessen durchmacht, was der Mensch durchleben muß durch die Inkarnationen vom Erdenbeginn bis zum Mysterium von Golgatha. Und wie Olaf Ästeson dann schaut, als er sich nähert der Zeit des 6. Januar, das Eingreifen des Christus-Geistes in der Menschheit, dem der Michael-Geist vorangegangen war. Ich hoffe, wir werden bei einer anderen Gelegenheit noch in diesen Tagen dieses Gedicht von Olaf Ästeson Ihnen vorführen können, damit Sie sehen, wie da heute noch lebt, ja geradezu wieder auflebt das Bewußtsein solcher Seherschaft in den dreizehn Tagen. Nur die eine charakteristische Strophe vom Anfang sei angeführt:

[ 15 ] During my last visit to Kristiania last year, I found it fascinating to see this idea—which you encounter, albeit in slightly different words, in many lectures on the Mystery of Christ—beautifully embodied in a myth and legend: the so-called “dream legend,” which, curiously enough, has emerged in Norway over the last ten to fifteen years and taken root among the people, though it actually dates back to earlier times. In a truly wonderful and beautiful way, that legend tells us how Olaf Ästeson is, as it were, initiated through natural forces, falling asleep on Christmas Eve, sleeping through the thirteen days until January 6, and undergoing all the trials that humanity must endure through the incarnations from the beginning of the Earth to the Mystery of Golgotha. And how Olaf Ästeson then beholds, as he approaches the time of January 6th, the intervention of the Christ Spirit in humanity, which had been preceded by the Michael Spirit. I hope that on another occasion in the coming days we will be able to present this poem by Olaf Ästeson to you, so that you may see how the consciousness of such seership still lives on today—indeed, is virtually revived—during these thirteen days. Let me quote just the one characteristic stanza from the beginning:

So höre meinen Sang!
Ich will dir singen
Von einem flinken Jüngling:

Es war das Olaf Åsteson,
Der einst so lange schlief!
Von ihm will ich dir singen.
Er ging zur Ruh’ am Weihnachtsabend,
Ein starker Schlaf umfing ihn bald,
Und nicht konnt’ er erwachen,
Bevor am dreizehnten Tag
Das Volk zur Kirche ging.

Es war das Olaf Åsteson,
Der einst so lange schlief!
Von ihm will ich dir singen.

So listen to my song!
I will sing to you
Of a nimble young man:

It was Olaf Åsteson,
Who once slept for so long!
Of him I will sing to you.
He went to rest on Christmas Eve,
A deep sleep soon overcame him,
And he could not awaken,
Until on the thirteenth day
The people went to church.

It was Olaf Åsteson,
Who once slept so long!
Of him I will sing to you.

[ 16 ] Und das geht dann weiter, bis er geführt wird in seinem Traum der dreizehn Nächte durch all das, was der Mensch in der heute geschilderten Weise zu durchleben hat infolge der Versuchung des Luzifer. Anschaulich wird geschildert, wie Olaf Åsteson durch alle die Gefilde geht, wo die Menschen das erleben, was wir so oft bei unseren Erzählungen von Kamaloka schilderten, wie hereinströmt in dieses geschaute Kamaloka der Christus-Geist, geführt von Michael.

[ 16 ] And this continues until, in his dream of the thirteen nights, he is led through everything that human beings must experience—in the manner described today—as a result of Lucifer’s temptation. It is vividly described how Olaf Åsteson passes through all the realms where human beings experience what we have so often described in our accounts of Kamaloka, and how the Christ Spirit, guided by Michael, streams into this visioned Kamaloka.

[ 17 ] So wird sich für die Menschen immer mehr und mehr mit dem, was wir den im Geist kommenden Christus nennen, die Möglichkeit eröffnen, wirklich auch zu erkennen, wie die geistigen Kräfte walten und weben, wie das, was wir Feste nennen, nicht willkürlich festgesetzt worden ist, sondern festgesetzt worden ist durch die den Menschen so oft unbewußte, aber durch die Geschichte waltende Weltenweisheit. Diese Weltenweisheit hat an den Anfang der dreizehn Tage gesetzt das Jesus-Geburtstagsfest. Wenn uns andererseits das Osterfest immer ermahnen kann daran, daß wir in uns die Kräfte finden werden aus der Betrachtung der Weltenweiten und Raumesweiten, Sieger werden zu können über alles Niedrige, so sagt uns der Weihnachtsgedanke, daß wir in uns finden können, wenn wir das Symbolum dieses Menschenursprunges verstehen, dieses Menschen-Gottesursprunges, das Symbolum, das uns als das Jesuskind am Weihnachtstag entgegentritt. Dieser Menschenursprung ruft uns immerdar zu: Mensch, du kannst in dir die starken Kräfte finden, die dir das geben, was man im wahren Sinne des Wortes den Seelenfrieden nennen kann. — Denn der Seelenfrieden ist nur vorhanden, wenn er zuversichtlicher Friede ist, das heißt, wenn er die Kraft darstellt, daß der Mensch immerdar weiß: In dir lebt etwas, was dich hinaufführen kann und muß, wenn du es nur richtig in dir zur Geburt bringst, zu göttlichen Höhen, zu göttlichen Kräften. — Die Lichter hier, Symbole sind sie uns für jenes Licht, das in unserer eigenen Seele erglänzt und erglüht, wenn wir das fassen, was uns symbolisch das Jesuskind in der Weihnachtsnacht aus seinem Unschuldsdasein kündigt: die innerste Wesenheit der Menschenseele selber, die da ist unschuldig, kraftvoll, friedlich für unseren Lebensweg zu den höchsten Erdenzielen. Und wenn wir von diesen Lichtern unserer Seele sagen lassen: Ja, du Menschenseele, wenn du jemals schwach wirst und glaubst, du könntest sie nicht finden, die Erdenziele, so denke an des Menschen Gottesursprung und werde gewahr in dir die Kräfte, die da sind zugleich die Kräfte höchster Liebe. Und bei höchster Kraftentwikkelung werde gewahr in dir die Kräfte, welche dir immerdar Zuversicht und Sicherheit geben in all deinem Wirken, in all deinem Leben jetzt und in fernsten Zukunftszeiten.

[ ] Thus, for human beings, the possibility will open up more and more—through what we call the Christ coming in the Spirit—to truly recognize how spiritual forces govern and weave, how what we call festivals has not been arbitrarily established, but has been established by the world-wisdom that is so often unconscious to human beings, yet governs through history. This world-wisdom has placed the feast of Jesus’ birth at the beginning of the thirteen days. If, on the other hand, the Easter festival can always remind us that we will find within ourselves the powers, through the contemplation of the vastness of the worlds and the vastness of space, to be victorious over all that is base, then the Christmas idea tells us that we can find within ourselves—if we understand the symbol of this human origin, this origin of the God-man—the symbol that meets us as the Christ Child on Christmas Day. This origin of humanity calls out to us ceaselessly: Human being, you can find within yourself the powerful forces that give you what can be called, in the true sense of the word, peace of mind. — For peace of mind exists only when it is a confident peace, that is, when it embodies the strength that enables a person to know always: Within you lives something that can and must lead you upward—to divine heights, to divine powers—if only you bring it to birth within yourself in the right way. — The lights here are symbols to us of that light which shines and glows within our own soul when we grasp what the infant Jesus symbolically announces to us on Christmas night from his state of innocence: the innermost essence of the human soul itself, which is there—innocent, powerful, and peaceful—for our life’s journey toward the highest earthly goals. And when we let these lights of our soul speak to us: Yes, human soul, if you ever grow weak and believe you cannot find these earthly goals, then think of humanity’s divine origin and become aware within yourself of the powers that are at once the powers of the highest love. And as your powers reach their highest development, become aware within yourself of the forces that will always give you confidence and security in all your actions, in all your life now and in the most distant times to come.