Wonders of the World,
Trials of the Soul,
and Revelations of the Spirit
GA 129
18 August 1911, Munich
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Erster Vortrag
Eleventh Lecture
[ 1 ] Das erste Wort dieser diesjährigen Münchner Veranstaltungen wurde dem Götterboten Hermes übertragen, und wir dürfen gegenüber dem, was wir in unserer Geisteswissenschaft sehen wollen, was wir an ihr fühlen wollen, gerade diese Übertragung der Worte des Hermes vielleicht in einer sinnbildlichen Art auffassen. Ist uns ja Geisteswissenschaft nicht allein etwas, was uns Wissen oder Erkenntnis bringt ähnlich dem anderen Wissen, der anderen Erkenntnis der Welt, sondern ist sie uns doch ein wirklicher Vermittler in jene Welten hinauf, von denen nach der Anschauung des alten Griechenlands Hermes den Menschen herabgebracht hat, was in ihnen selbst die Kräfte entzünden konnte, die hinaufführen in diese Reiche des Übersinnlichen. Und anknüpfend an diese Worte sei es mir gerade heute in diesem einleitenden Vortrage gestattet, einiges hinzuzufügen zu dem, was uns aus den Darbietungen der letzten Tage ertönen konnte, so daß es sich mit allem Folgenden, in den nächsten Tagen zu Besprechenden, zu einem Ganzen zusammenschließen kann.
In honor of Goethe's birthday
[ 2 ] Diese Darbietungen sind ja nicht nur deswegen gegeben, um etwa eine Art Verschönerung unserer Veranstaltung zu bewirken, sondern sie sollen angesehen werden als im innigsten organischen Zusammenhang stehend gerade mit dem, was in dieser seit vielen Jahren bestehenden jährlichen Mittelpunktsunternehmung unseres hiesigen geisteswissenschaftlichen Wirkens steht. Es wurde in diesem Jahre möglich, diese Veranstaltung einzuleiten durch die Wiedererneuerung desjenigen Dramas, das geradezu am Ausgangspunkt aller Dramatik des Abendlandes überhaupt steht, desjenigen Dramas, das wir nur dann wirklich ins Auge fassen können, wenn wir den Blick noch über alles hinauswenden, was die durch die Geschichte überlieferte Dramatik als Kunst dem Abendlande gebracht hat. Und damit hängt es ja auch zusammen, daß dieses Drama eine würdige Einleitung gerade einer Unternehmung ist, die auf geisteswissenschaftlichem Boden steht. Denn es reicht dieses Drama hinauf in diejenigen Zeiten europäischer Kulturentwickelung, in welchen die einzelnen menschlichen Geistesströmungen, die uns heute als Wissenschaft, Religion und Kunst entgegentreten, noch nicht voneinander getrennt, sondern innig miteinander verbunden waren. Wir wenden damit unser Gefühl gewissermaßen zu Urzeiten der europäischen Kulturentwickelung hinauf, zu jenen Zeiten, als eine Einheitskultur, die unmittelbar aus dem tiefsten Geistesleben herausgeboren war, die menschlichen Seelen durchsprühte mit religiöser Erhebung zu dem Höchsten, was der Mensch überhaupt für seine ganze Seele erreichen kann, so daß in dieser Kultur unmittelbares religiöses Leben pulste. Und es darf gesagt werden: Diese Kultur war Religion. — Religion war nicht etwas, zu dem sich der Mensch als einem besonderen Zweige der Kultur erst hinwandte, sondern selbst wenn er von denjenigen Teilen des Geisteslebens sprach, die unmittelbar in die praktischen Zweige des Alltags eindringen, so sprach er doch von Religion, denn dieses Eindringen war Erhebung zur Religion, die ihre Strahlen über alles ausdehnte, was der Mensch erleben konnte.
[ 1 ] The *Faust* cycle accompanied Goethe from his youth—one might well say, in the truest sense of the word—until his death. For the second part of *Faust* had been left by Goethe, sealed, as his literary testament. And the completion of individual important sections of this “Faust,” the second part, truly belongs to the final years of this universal spirit’s life. Anyone who has the opportunity to follow Goethe a little in his intellectual development, as it is expressed in this life’s work, will be able to discover many highly interesting things, particularly regarding the way in which Goethe, as he returned again and again to this poem—his life’s poem—always arrived at different ideas about how it should unfold. There is, for instance, an interesting note regarding the conclusion of Goethe’s *Faust*, as it was once intended to be according to Goethe’s views at the time—a period we can roughly place in the late 1780s or early 1790s. There, alongside a few notes—“disposition” would not be the right word for them—on the first and second parts, we find a short sentence, a hint about the ending. And this hint contains the words written by Goethe in pencil: “Epilogue in chaos on the way to hell.” - From this you will see that Goethe once considered not granting his Faust at the end that kind of ascension to heaven which now appears in the poem he completed in his very old age, but that he intended, in the spirit of that journey hinted at in the prologue—from heaven through the world to hell— wanted to conclude *Faust* with an “Epilogue in Chaos on the Way to Hell.” These were thoughts that lived in Goethe’s soul at the time and which suggested that knowledge, when it crosses certain boundaries, can only lead into chaos. And in a certain sense, we may connect the mood from which these words emerged—which I was able to cite to you as Goethe’s words—with what was said yesterday about our trials of the soul, when the soul, on the one hand, plunges out into nothingness, and on the other hand, into the dense inner essence of the human being, and cannot yet find the union. Goethe is a personality who indeed had to conquer everything step by step, who had to go through everything personally. That is why everything Goethe created strikes us as so sincere and so honest, though sometimes so vast that we cannot immediately grasp it, because we cannot always immediately find our way into the individual configuration of the personality that was present in Goethe at this or that point in his life. We can therefore note a truly great advancement in Goethe from the point when he wanted to conclude his “Faust” with an “Epilogue in Chaos on the Way to Hell” to the point where he concludes entirely in the spirit of the succinct sentence: “Whoever strives with effort, we can redeem.” For when Goethe wrote down the conclusion to his *Faust*—now known everywhere—that intuition we spoke of yesterday lived within him, but so did that energy which gives us the certainty that, even if we must pass through all trials of the soul, we must ultimately arrive at the conclusion that was outlined yesterday. Let this be said, my dear friends, to point out a little ‘what is the most striking feature of Goethe’s life.’
[ 3 ] Aber diese Religion war innerlich stark und gewaltig in ihren einzelnen Kräften, so daß sie nicht stehenblieb bei der allgemeinen Erhebung des religiösen Empfindens zu den großen Weltenmächten; diese Urreligion der Menschheit war so mächtig, daß sie die einzelnen Kräfte des menschlichen Geisteslebens inspirierte, so daß sie Formen annahmen, die unmittelbar Kunstformen waren. Es ergoß sich religiöses Leben in kühne Gestaltungen, und eins war Religion mit Kunst. Die Kunst war die unmittelbare Tochter der Religion, die im innigen Familienzusammenhang noch lebte mit ihrer Mutter, der Religion selber. Es gibt kein Gefühl von solcher religiöser Tiefe in unserer Zeit wie das, was alle beseelte, die teilnehmen durften an den alten Mysterien und hinblickten, wie sich ergoß das religiöse Leben in das, was künstlerisch den Menschen vor Augen gestellt wurde. Aber diese Urreligion mit ihrer Tochter, der Kunst, war zu gleicher Zeit so geläutert, so sehr in die Äthersphären des Geisteslebens hinaufgeläutert, daß, indem sie auf die menschlich Seele wirkte, aus ‚ dieser Seele heraus auch alles das kam, wovon wir heute einen schwachen, abstrakten Abglanz in Wissenschaft und Erkenntnis haben. Wenn das vertiefte Gefühl sich begeistern ließ von dem, was als Religion in die künstlerische Form sich ergoß, dann entzündete sich in der Seele das Wissen von den Göttern und den göttlichen Dingen, das Wissen von dem Geisterland. Und so war Wissen oder Erkenntnis die andere Tochter des religiösen Lebens, die ebenso noch in innigem Familienverband lebte, intim zusammen lebte mit der Urmutter aller Kultur, mit der religiösen Kultur.
[ 2 ] Those people who love a straightforward life, who shy away from grappling with the contradictions that are, after all, the very essence of a life in progress, will take offense at the fact that, if one looks closely, one does indeed find many contradictions in Goethe’s life—that Goethe judged many things differently in old age than he did in his youth. But this stems solely from the fact that Goethe first had to fight for every truth of life. And it is precisely in Goethe’s personality that we see how this life, directly on the physical plane, challenges our inner experiences, and how necessary this life, in its successive unfolding, is to make us fully human. For what appears so magnificently to us in Goethe when we survey his entire life and engage with its successive stages is the universality of his spirit, the all-encompassing, all-pervading nature of this spirit. And it is of the utmost importance to study Goethe from precisely this perspective in his own time, and also to measure what he was through the universality of his spirit against our own time, and then to ask: What can Goethe be for our time through the universality of his spirit?
[ 4 ] Fragen wir heute unser Gefühl: Bis wie weit wollen wir es denn bringen mit dem, was wir gegenwärtig erst als einen schwachen Anfang geben können? Wozu wollen wir es denn eigentlich bringen? - Wir wollen es dazu bringen, wieder so etwas in der Menschheit zu entzünden wie die Vereinigung, die Harmonie zwischen Kunst und Wissenschaft. Denn nur dadurch kann der Blick der Menschenseele, befeuert von dem Gefühle, durchkraftet von dem Besten in unseren Willenskräften, jene Einheit ausgießen wollen über alle menschliche Bildung, welche ebenso den Menschen wieder in die göttlichen Höhen seines Daseins hinaufführen wird, wie sie eindringen wird in die alleralltäglichsten Handgriffe unseres Lebens. Und heilig wird alles das sein, was sonst nur profanes Leben ist und was erst dadurch zu diesem profanen Leben wurde, daß vergessen war sein Zusammenhang mit dem geistig-göttlichen Urquell alles Daseins.
[ 3 ] It is therefore beneficial for us to take a brief look at the inner nature of our time, our present, and our spiritual culture. For the anthroposophist, it is of particular importance to take a close look at the spirit of our age. It is often said that our time is the age of specialization, the age in which rigorous science must reign. And time and again, people quote the words of the great physicist Helmholtz: that in our time there can be no mind capable of comprehending the individual branches of human knowledge—as they exist today. It has practically become a catchphrase that there can be no Doctor universalis in our time, that one must be content with an overview of this or that specialty. But when we consider that life is a unified whole, that everything in life is interconnected, and that life does not depend on whether we can grasp with our soul what belongs to the entire spiritual organism of our time, we must say: It would actually be a tragedy for our age if it were not possible to gain, at least in some way, the spirit that reigns in all specialization. And one will be able to grasp it most easily by attempting to penetrate through those approaches that spiritual science alone can open up. It must be universal; it must, in a certain sense, survey the specialties of the individual sciences and the individual fields of the entire cultural life at a glance. And let us at least take a look today from one perspective at how our present spiritual life appears in the light of spiritual science. We will not speak—because there is not enough time—of those scientific fields that remain more or less the same for all time, at least in their meaning and spirit, even though they have undergone such tremendous enrichment in our time. We shall leave aside the field of mathematics, although we could also point out there that 19th-century mathematics, through its serious considerations in certain branches, has virtually conquered the supersensible realm. But we wish to point out that in the most diverse branches of modern science, over the course of the last few decades, tremendous discoveries have been made which, when viewed in the proper light, show us everywhere that the spiritual-scientific interpretation corresponds exactly to them, whereas all the theories that have been taught up to our time do not at all correspond to the facts that have been gathered with such diligence and energy over the course of the last few decades. We can already see from the single example of physics and chemistry how remarkable the course of development has been in recent decades.
[ 5 ] So soll durch eine solche Unternehmung, wie wir sie in diesem Jahre pflegten, gerade auf dieses Gefühl hingedeutet werden, das uns beleben soll und muß, wenn wir mit der Geisteswissenschaft das meinen, was in die tiefsten Tiefen der menschlichen Seelengründe hineingehen soll. Damit sind die Gründe dargelegt, warum es im besten Sinne des Wortes geisteswissenschaftlich empfunden werden darf, gerade das Mysterium von Eleusis als eine Art von Sonne zu betrachten, deren Strahlen, in unser Herz sich ergießend, uns von dem, was eigentlich Geisteswissenschaft ist, die rechte Empfindung hervorrufen können.
[ 4 ] When we were young—in the 1970s, 1980s, or earlier—there were so-called atomistic theories in physics and chemistry that attributed all phenomena to certain forms of vibration, whether of the ether or some other material substance. And one might say: Back then, it was fashionable to ultimately attribute everything we encounter in the world to movements. Then, toward the 1890s, it became apparent from the facts that were gradually coming to light that the theory of motion, the atomistic theory, no longer held up, and it was, in a certain sense, a significant act—though in the most limited sense—when Ostwald, known primarily as a chemist and natural scientist, proposed the so-called energetics, the energy theory, at the Lübeck conference in place of that atomistic theory. That was, in a certain sense, a step forward. But what has subsequently become apparent in the fields of physics and chemistry right up to our own time has ultimately led to a certain skepticism, a certain disbelief, arising toward all that is theoretical. And only backward-thinking minds still believe today that external physical phenomena, such as light phenomena or other physical or chemical phenomena, can be attributed to the movements of minute particles or to mere manifestations of energy. This was undoubtedly influenced in particular by what has become known in recent years about the substances that led to the theory of radium, and the remarkable fact has already emerged that great physicists, such as Thomson and others, were forced by certain circumstances that gradually came to light to essentially throw all theory overboard, above all the ether theory with its elaborate forms of oscillation, which had once been pursued with such great seriousness and calculated with such diligent work involving differentials and integrals. It has thus come to pass with this theory of motion that the great physicists have cast it aside and, in a certain sense, have returned to a kind of vortex theory that had already taken shape under Descartes, one might say on the basis of ancient occult traditions. But even these theories were abandoned, and a certain skepticism toward all theorizing has set in, particularly in the fields of physics and chemistry, after it was observed that matter, so to speak, has crumbled in our hands under modern physical experiments. The fact is that, in the face of contemporary physics as it has developed up to the present day, the atomistic theories of motion and energy are no longer tenable. Everything that could still have been defended five, six, or even a few years ago—on which so many hopes were pinned when we were young, when even gravity was attributed to motion—has crumbled to nothing in recent years for those who have come to know the facts. But of course, one repeatedly encounters the strangest phenomena among those who lag behind. I would like to point out something interesting to you, since today I intend to discuss what characterizes our time and Goethe.
[ 6 ] Dasjenige, was man sonst als Dramatik kennt, was das Abendland als dramatische Kunst empfindet und was in Shakespeare seine Höhe erreicht hat, es ist ja eine Geistesströmung, die ausgegangen ist von dem alten Mysterium, eine Verweltlichung des alten Mysteriums. Wenn wir also zu den Urbeginnen der dramatischen Kunst gehen, so kommen wir eben zu dergleichen zurück, wie es das Mysterium von Eleusis ist. Habe ich damit im allgemeinen die Gedanken angedeutet, die schon vor Jahren uns beseelten, als wir beim Münchner Internationalen Theosophischen Kongreß gerade dieses Drama vorführten, so darf ich nun vielleicht auch einiges im speziellen erwähnen, das, weil ja das Alltägliche innig zusammenhängt — das Alltägliche jetzt im besten spirituellen Sinne gemeint mit dem, was uns als geistiges Ideal vorschwebt, das einiges Licht zu bringen geeignet ist auf unser Wollen, auf unsere Ziele. Erinnern durfte ich, als wir vor einiger Zeit darangingen, «Die Kinder des Luzifer» aufzuführen, daß mir selbst dazumal ein Gedanke vor die Seele trat, der für mich tief zusammenhängt mit unserer mitteleuropäischen geisteswissenschaftlichen Entwickelung in der Gegenwart. Als ich selber die Zeit für gekommen erachten durfte, mein geistiges Streben in Zusammenhang zu bringen mit dem, was Anthroposophie oder Geisteswissenschaft genannt werden darf, da war die Türe, durch welche ich versuchte, in die Anthroposophie hineinzuleiten, eine Besprechung, welche anknüpfte an dieses Drama «Die Kinder des Luzifer». Und dann ließen wir eine siebenjährige Entwickelungsperiode der von uns gedachten geisteswissenschaftlichen Arbeit verlaufen. Der Keim aber, der dazumal in unsere Seele gelegt wurde mit jenen Worten, die über die «Kinder des Luzifer» gesprochen waren, entwickelte sich mittlerweile in einer gesetzmäßigen siebenjährigen Epoche in unseren Herzen ganz im stillen. Und nach sieben Jahren waren wir so weit, das Drama «Die Kinder des Luzifer» als eine Einleitung unserer Münchner Unternehmungen darbieten zu können.
[ 5 ] A small book has been published that more or less takes the position that gravity does not exist—that is, that matter and celestial bodies do not attract one another. This has always been a difficulty for science: how to account for this so-called attraction, because one asks oneself: How can the sun attract the Earth if it does not extend anything out into space? Then, in recent days, this treatise appeared, which attributes attraction to impact forces, so that, for example, if we have a body—a celestial body or even just molecules—impacts are constantly being exerted on it from all sides by other celestial bodies and molecules. Why is it that these bodies collide from all sides? For naturally they also collide internally—one goes this way, the other that way, and so on. The most essential point now would be, if you consider the total number of collisions exerted externally and internally, and then the collisions exerted in between, that a difference arises. The impacts exerted in between are fewer and exert smaller forces than the external ones. The result is that the external impacts drive the two—be they molecules or celestial bodies—together. Thus, what we otherwise call a force of attraction is traced back to the impacts of matter. It’s cute when one finds something like a new idea today, but for those who investigate the matters, it is simply just cute. For the simple reason, for example, that it is cute because, when I was still a very young boy, this theory was expounded with all its mathematical intricacies by a certain Heinrich Schramm in a book that is, admittedly, out of print today: “The General Motion of Matter as the Fundamental Cause of All Natural Phenomena.” It is treated much more thoroughly there. Such things occur time and again among those who do not take the development of spiritual life into account. One can witness the strangest things there, such as how, from a one-sided point of view, the same errors are made over and over again. I would like to emphasize how the achievements of physics and chemistry in recent years have provided ample evidence that what is called matter is merely a human concept that disintegrates under experimentation, and that, beyond all motion and all energy, physics and chemistry are heading directly toward the point where matter converges with the spirit underlying it. The factual world of physics and chemistry is already challenging the need for a spiritual foundation today.
[ 7 ] Ich darf in dieser heutigen Stunde, die einleitenden Worten zu meinen Vorträgen der nächsten Tage gewidmet sein soll, vielleicht diesen Gedanken anknüpfen an einen anderen, denn ich spreche vor Ihnen, meine lieben Freunde, aus dem vollsten Herzen heraus und zu gleicher Zeit aus der tiefsten Überzeugung meiner Seele heraus. Dasjenige, was als spirituelles Leben in der Zukunft immer mehr und mehr die Geister des Abendlandes ergreifen wird, das wird eine ganz besondere Form haben müssen. Man kann heute über Anthroposophie oder Geisteswissenschaft in der verschiedensten Weise denken. Die Menschen denken ja nicht immer nach den Notwendigkeiten des Daseins, nach den Kräften, die im Menschenwerden wirken, sondern sie denken aus ihrem Willen, aus ihren Empfindungen heraus, und dann kann der eine dies, der andere jenes als das richtige Ideal ansehen. So wird es viele anthroposophische Ideale geben, je nachdem die menschlichen Herzen geartet sind, je nachdem sie mit ihren Empfindungen und Gefühlen nach dieser oder jener Seite hinneigen. Wahrer Okkultismus in einer gewissen höheren Ausgestaltung läßt uns aber eine solche Hinneigung zu den Idealen noch immer als etwas erscheinen, was nur an unserer Persönlichkeit haftet, was doch noch so charakterisiert werden darf, daß man sagt: Solche Ideale sind eigentlich doch nur, was der eine oder der andere gerne als Anthroposophie sehen möchte, wovon er nach seinen besonderen Herzensempfindungen und nach der besonderen Konfiguration seines Intellekts glaubt, daß es eben das Beste ist. - Haben die Menschen doch auch über andere Dinge des Lebens nur jene Meinung, die aus solchen Herzensempfindungen, aus solchen persönlichen Motiven heraus entspringt. Geisteswissenschaft selbst muß aber dazu führen, das, was aus unseren persönlichen Herzensempfindungen heraus entspringt, gar nicht für etwas allgemein Maßgebendes anzusehen. Als Persönlichkeiten können wir immer irren, wie sehr wir auch glauben, daß wir einem selbstlosen Ideale huldigen. Eine Meinung über dasjenige, was geschehen soll im Menschenwerden, können wir uns erst dann bilden, wenn wir unsere persönlichen Meinungen über das Ideal ganz unterdrücken und wenn wir gar nicht mehr fragen, was wir selbst als die beste Art betrachten, die Geisteswissenschaft zu vertreten. Dann erst können wir zu einer wahren Meinung gelangen, wenn wir die Notwendigkeiten des Lebens sprechen lassen, ganz gleichgültig, wozu wir selber neigen - ob zu dieser oder jener Ausprägung des spirituellen Lebens, ob uns dieses oder jenes lieber ist, wenn wir uns fragen: Wie hat sich seit Jahrhunderten das europäische Kulturleben gestaltet, und was verlangt es für die nächste Zeit? Wenn wir uns diese Frage, ohne daß wir uns persönlich für die Antwort engagieren, vorlegen, dann erhalten wir eine zwiefache Antwort. Die eine, die große, die uns aus allem, was heute geschieht im geistigen Leben, überall hervorgeht: Das europäische Kulturleben verlangt, wenn es nicht verdorren und veröden soll, Geisteswissenschaft. — Die andere Antwort aber ist diese: Das europäische Kulturleben verlangt eine solche Geisteswissenschaft, welche den Grundbedingungen entspricht, die durch Jahrhunderte nicht in einem einzelnen von uns, sondern in der europäischen Menschheit geworden sind. - Eine Geisteswissenschaft aber, welche diesen Grundbedingungen des europäischen Kulturlebens entgegenkommt, können wir nur bringen, wenn wir uns selbstlos fragen: Was haben die Menschen seit Jahrhunderten in Europa fühlen und denken gelernt, und wie lechzt heute der Europäer nach geistiger Vertiefung seines Lebens?
[ 6 ] Geology and paleontology present a very similar case. Until the 1860s and 1870s, there were still certain more comprehensive theories that took into account large-scale forces. Today we see skepticism everywhere, and among those who are our best geologists or paleontologists, we see a tendency to limit themselves to merely recording the facts, because they do not dare to synthesize them through thought. It does, after all, take a certain courage to develop thoughts that synthesize the corresponding series of facts. But today people are afraid to take the step that geology and paleontology also demand: from the material into the spiritual, the step that would also lead beyond the Kant-Laplacean theory. One does not dare to acknowledge that what is a dreamt-of cosmic nebula ultimately flows into the spiritual, into the totality of hierarchies, of which only an outer garment is all that one might call the external physical—or, for my part, astrophysical—theory.
[ 8 ] Wenn wir uns diese Frage vorlegen, dann zeigen uns alle Zeichen der Zeit, daß es nicht die Fortsetzung unserer gewöhnlichen Mystik sein kann, wie wir sie seit Jahrtausenden kennen, wie sie seit Jahrtausenden so segensreich auf die verschiedenen Völker gewirkt hat. Die Fortsetzung dieser Mystik allein in dem Sinne, wie sie immer gewesen ist, wie sie von der Geschichte überliefert ist, würde nicht aufgenommen werden können von den Bedürfnissen des europäischen Kulturlebens. Wollten wir uns bloß in alte Mystik vertiefen, dann würden wir uns an diesem europäischen Kulturleben und allem, was damit zusammenhängt, versündigen, dann würden wir unsere persönlichen Neigungen über die Notwendigkeit des Daseins stellen. Unsere persönliche Neigung — möge sie auch zu irgendeiner Form alter Mystik neigen -, unterdrücken wir sie und fragen wir: Wessen bedürfen die Menschen nach den Bedingungen, wie sie sich entwickelt haben durch die Jahrhunderte? — Ebenso zeigen uns die Zeichen der Zeit, daß dasjenige, was wir gegenwärtiges wissenschaftliches Treiben nennen - in so hohem Ansehen es auch heute steht, eine so hohe Autorität es auch genießt -, in einem Zustande ist wie ein Baum, der eben abdorrt und nurmehr spärlichste Früchte für die Zukunft zeitigen kann. Ich weiß, daß damit ein gewisses «großes Wort», aber allerdings nicht «gelassen» ausgesprochen wird, wenn gesagt wird: Das, was heute im Umkreis des europäischen Lebens die äußere Wissenschaft genannt wird, ist ein verdorrender Zweig am Geisteshimmel der Menschheit. — Sie hat ihre Dienste geleistet, sie wird dadurch nicht erniedrigt, daß man in ihre Daseinsbedingungen so hineinleuchtet, wie es jetzt mit einigen Worten gesagt worden ist.
[ 7 ] The situation is different, however, when we turn to those sciences that deal more closely with life—or, rather, with the soul. First among these is biology. Well, you know what tremendous hopes were pinned on the progress of biology, the study of life, when Darwin’s great work *On the Origin of Species* was published. You may also know that in the 1860s, Ernst Haeckel, with rare boldness, extended at the naturalists’ congress in Stettin in 1863 what Darwin had apparently until then applied only to the animal kingdom to human beings as well. And then we see a curious development with regard to this science of life, or biology. We see the more cautious minds, who limit themselves more to recording the facts, but also others who rush forward and construct bold theories based on what emerges from investigations into the relationships among the forms of individual living beings. Haeckel, in particular, we see boldly stepping forward and constructing family trees, showing how the most complex organisms are said to have arisen from simple ones through ever-new branches.
[ 9 ] Weder alte Mystik noch neue Wissenschaft wird die Menschheit der Zukunft brauchen können, wenn sich die tiefsten Bedürfnisse geltend machen werden, die ein Band herstellen wollen zwischen menschlicher Seele und geistigen Offenbarungen. Das stand wie mit goldenen Lettern geschrieben vor dem Ideale, das damals uns vorschwebte, als wir vor Jahren begannen, das spirituelle Leben in einem breiteren Maße zu entwickeln. Und wenn ich jetzt jenes Wort aussprechen darf, von dem ich sagte, daß es mir ebensosehr ein Herzenswort wie ein Überzeugungswort ist, so möchte ich ganz objektiv und sachlich betrachtet im Sinne der Frage, die ich eben aufgeworfen habe - sagen: Der bedeutsamste literarische Anfang mit jener Art geistigen Lebens, das die europäische Menschheit der Zukunft im weitesten Umfange brauchen wird, das mitten darin steht zwischen der bloß historischen Mystik, die irgendwo aufgelesen wird aus historischen Urkunden, und der Wissenschaft, die ein verdorrender Zweig der Menschheitskultur ist —, der bedeutsamste Anfang in wahrhaft anthroposophischem Sinn, der das unmittelbare Leben betrachtet, wie es jetzt langsam als geistiges Leben rieselt, wie es sich weiter verbreiten wird, sind «Die großen Eingeweihten» unseres verehrten Edouard Schuré. Ich durfte schon am Beginne meines Münchner Kursus im vorigen Jahre darauf hinweisen: Wer ein wenig den Blick zu richten weiß in die Zukunft, nach dem, was diese Zukunft von uns fordern wird, der weiß, daß damit jene goldene Mittelstraße zwischen alter Mystik und moderner, aber eben verdorrender Wissenschaft für das literarische Leben eingeschlagen worden ist und daß der schöne, der bedeutungsvolle Anfang, der jetzt schon für alle europäischen Völker mit «Les grands Inities», den «Großen Eingeweihten», gemacht worden ist, sich immer weiter und weiter gestalten wird und daß damit eine Farbennuance charakterisiert ist, die nicht deshalb auf uns einen sympathischen Eindruck macht, weil wir aus unseren persönlichen Neigungen gerade dieses oder jenes wollen, sondern weil wir schauen, wie die immer mehr sich geltend machenden europäischen Kulturbedingungen herausforderten aus ihren geistigen Bedingungen heraus, daß ein solcher literarischer Anfang gemacht werde. Wenn Sie dieses Werk kennen, meine lieben Freunde, dann wissen Sie zugleich, in welch bedeutungsvoller Weise dort hingewiesen ist auf das, was dann weiter ausgestaltet ist in den «Heiligtümern des Orients» von Edouard Schur&, wie in bedeutungsvoller Art hingewiesen ist auf das Mysterium von Eleusis. Was kann uns dieser Hinweis in den «Großen Eingeweihten» in wahrhaft anthroposophischem Sinn und diese Neuschöpfung des Mysteriums von Eleusis für Gedanken in der Seele anregen?
[ 8 ] But alongside these, one might say, more strikingly obvious lines of thought, there is a school of research that is also important to consider, and which I would like to characterize by the name of the anatomist Carl Gegenbaur. Gegenbaur essentially held the view that one should not initially ask how all this relates—this kinship among individual living beings. But he regards the Darwinian theory in such a way that, if one takes it as a guiding principle of research, one then investigates certain facts in the external world of forms or living beings. Let’s say the attitude of such a researcher could be expressed with the words: I don’t want to say right away that, as far as I’m concerned, higher animals are descended from birds or fish, but I want to take as my starting point the principle that a relationship exists, and I want to examine the gills and fins in light of that, I want to investigate how ever finer and finer relationships emerge. — And indeed, by viewing Darwinian work as a kind of guiding principle for inquiry, important and increasingly significant research findings have emerged. These have also emerged where this research—inspired by the Darwinian impulse—sought to investigate human descent, to trace all the evidence of paleontology and geology.
[ 10 ] Nun, meine lieben Freunde, wenn wir hinaufschauen in die Urbeginne des europäischen Kunst- und Geisteslebens, dann stehen zwei Figuren gleichsam am Ausgangspunkt, die eine tiefe Bedeutung für wahrhaft spirituelle Erfassung des ganzen neuzeitlichen Geisteslebens haben, die zunächst uns wie sinnbildliche Darstellungen großer geistiger Impulse erscheinen. Diese zwei Figuren, die für denjenigen, der einen tieferen Blick tut in das gegenwärtige Geistesleben, wie Lichtstrahlen hereinfallen, die Bedeutungsvollstes verkündigen, sind Persephone und Iphigenia. Wir berühren, wenn wir diese beiden Namen aussprechen, wesentlich in gewisser Beziehung zwei Seelen unseres modernen Menschen, jene zwei Seelen, deren Vereinigung die tiefsten Seelenprüfungen dieses Menschen herausfordert. Wir werden es noch genauer sehen in den nächsten Tagen, wie Persephone in unserem Herzen den Gedanken an jenen Impuls anregt, den wir nun in unseren geisteswissenschaftlichen Auseinandersetzungen hier schon öfter berühren durften. Es war einstmals der ganzen Menschheit beschieden, in anderer Art zu ihren Erkenntnissen zu kommen als heute. Wir wissen aus diesen geisteswissenschaftlichen Vorträgen von einem alten Hellsehen der Menschheit, das aus der menschlichen Natur in uralten Zeiten wie selbstverständlich heraussprudelte, so daß, wie Hunger und Durst und Atembedürfnis, aus dieser menschlichen Seele sich die hellseherischen Bilder herausgestalteten, in welche sich die Geheimnisse der geistigen Welten hineinergossen. Das ist etwas, was der Mensch einmal als Gabe uralten Hellsehens besaß und was dem Menschen gleichsam geraubt ist von dem, was später im menschlichen Leben Erkenntnis wurde. Teils fühlend, daß gerade in seiner Zeit dieser Raub des alten Hellsehens durch moderne Erkenntnis sich vollzog, teils voraussehend, wie das in künftigen Zeiten, die jetzt die unsrigen sind, immer mehr und mehr geschehen sollte, wandte der alte Grieche seinen Seelenblick hinauf zu derjenigen Göttergestalt, welche die Kräfte, die zu jenem alten Hellsehen führten, in der menschlichen Seele loslöste aus der unmittelbaren elementarischen Natur heraus. Er sah zu jener Göttin auf, die die Regentin des alten an die menschliche Natur gebundenen Hellsehens war, und nannte sie Persephone. Und dann sagte sich der alte Grieche: An die Stelle der alten Seherkultur wird immer mehr und mehr eine andere treten, die von Menschen dirigiert wird, von Menschen geboren wird, denen das alte Hellsehen schon verlorengegangen ist. - In derjenigen Kultur, die der alte Grieche anknüpfte an die Namen Agamemnon, Odysseus, Menelaos, ist das gegeben, was wir heute als unsere äußere, nicht mehr von hellseherischen Kräften berührte geistige Kultur erkennen.
[ 9 ] Wherever greater caution has been exercised, this is the approach that has been taken: one seeks to identify relationships, using the Darwinian theory simply as a guiding principle. And this has led to the curious result that the Darwinian theory, as such a guiding principle, has proven to be immensely fruitful in recent years, and that through the facts to which it has led us up to the present day, it has refuted itself, it has negated itself! So that today we are faced with the curious fact that in hardly any field is there as much disagreement among researchers on every point as there is in the field of Darwinism. There are still those today—they are the most backward of all—who trace human beings directly back to the human-like apes that are still alive today or perhaps only slightly modified. There are, in particular among those who follow modern blood research, those who have taken up this older form of Darwinist theory—those who study the kinship of individual blood substances—and there are those, such as Klaatsch, who say: It is quite impossible, based on the facts that have emerged, to trace human beings back to any animal form that exists today. All shades of opinion exist, ranging from those who still wish to trace humans back to the ape as it is today, to those who do not trace them back to this ape, nor to the ancestors of these apes or other mammals. One must go back to animals of which one cannot form a conception and from which, on the one hand, humans are descended and from which, on the other hand, mammals have diverged, so that apes are quite distant from humans. - And the peculiar thing is that when such researchers then attempt to use the present forms that present themselves to us to evoke an image of those true pre-humans, all physically existing forms dissolve into all sorts of nebulous stuff. Nothing comes of it. Why not? Because we have, once again, a point in biology where external physical research into honestly investigated facts leads to the conclusion that one must not imagine the ancestors of humans in physical terms, since all physical imagination fails. One arrives at the spiritual archetype of the human being, at that which was the result of earlier planetary development, at the spiritual proto-human of whom we speak in spiritual science.
[ 11 ] Heute fühlen es die Menschen im weiteren Umkreise nicht mehr, daß diese Kultur, die ein Wissen erzeugt, das ebenso benutzt werden soll, die Geheimnisse des Daseins philosophisch zu ergründen, wie es auf der anderen Seite Kanonen baut durch die Kenntnisse der Naturgesetze, daß in einem tieferen Sinn diese Art der Geisteskultur Opfer fordert, die der Mensch erbringen muß den höheren geistigen Wesenheiten gegenüber, die die übersinnlichen Welten lenken. Diese Opfer werden auch gebracht, nur merken es die Menschen heute nicht, weil sie auf diese Dinge noch nicht acht haben. Der alte Grieche merkte es, daß diese moderne Kultur, die er zurückführte auf die Namen Agamemnon, Menelaos, Odysseus, Opfer forderte, daß sie jene Tochter des menschlichen Geistes ist, die in einer gewissen Weise immer wieder und wieder geopfert werden muß. Und der alte Grieche stellte dieses immerwährende Opfer der intellektuellen Kultur in der Opferung der Tochter des Agamemnon, in Iphigenia dar. So klingt uns eine wundersame Antwort auf die Frage, die uns aus den Iphigenien-Opfern gestellt wird. Wenn es nur jene äußere Kultur geben würde, welche zurückgeführt werden kann im wahren Sinn des alten Griechen auf die Namen Agamemnon, Menelaos, Odysseus, dann wäre die Menschheit unter dem Einflusse dieser Kultur längst in ihren Herzen, in ihren tiefsten Seelenkräften verdorrt. Nur dadurch, daß die Menschheit sich das Gefühl bewahrte, immer wieder und wieder Opfer zu bringen und herauszuschälen aus dieser allgemeinen intellektuellen Kultur jene Kultur, die man in einem tieferen, nicht im oberflächlichen Sinne eine Priesterkultur nennen kann, ist diese Kultur vor dem Verdorren bewahrt geblieben. Gleichwie Iphigenia der Artemis als Opfer dargebracht wurde, aber durch dieses Opfer zur Priesterin ward, so mußten immerzu in den verflossenen Jahrhunderten und Jahrtausenden gewisse Elemente unserer intellektuellen Kultur geläutert und gereinigt, mit einem priesterlich-religiösen Charakter den höheren Göttern dargebracht werden, damit diese äußere intellektuelle Kultur die Menschheit in ihren Herzen, in ihren Seelen nicht verdorre. So stellt uns Persephone dar die Lenkerin und Leiterin der alten hellseherischen Kultur, so stellt uns Iphigenia dar die Repräsentantin des immerwährenden Opfers, welches unsere äußere Intellektualität an das tiefere religiöse Leben zu bringen hat.
[ 10 ] Thus, the fully valid evidence consists precisely of the facts researched in the 19th and 20th centuries, and the disagreement among researchers is actually only masked by the fact that students listen to only one professor and do not examine what the others say. If they were to compare what one scholar says with what another says, they would make a curious discovery today. For example, one might find a passage quite clearly underlined in the books of one naturalist where he says: If someone studying under me who wants to take the doctoral exam were to put forward this claim that is made by the other scholar, I would fail him without hesitation. — But this assertion is none other than the one made by some colleague at another university. And this disagreement is the most striking feature in the field of biology, whereas in the fields of physics and chemistry it is a general resignation regarding theories. It is even more interesting, however, when one moves into physiology.
[ 12 ] Die Dinge, die ich eben jetzt ausgesprochen habe, sind immerdar lebendig gewesen in dem ganzen Strome europäischen Kulturlebens vom alten Griechenland herauf bis in die modernsten Zeiten herein; sie haben immerzu gelebt von jenen Zeiten an, als Sokrates zuerst das reine wissenschaftliche Denken von der alten Einheitskultur loslöste, bis in die Zeit herein, da der arme Nietzsche an der Trennung der drei Zweige der gesamten Kultur, Wissenschaft, Religion und Kunst, in Schmerzen seiner Seele sich wand und an dieser Trennung zugrunde ging. Die neuere Zeit mußte, weil schon hereinwirken die Kräfte, die die Vereinigung dessen wieder bewirken sollen, was durch Jahrtausende getrennt gehen mußte, und weil aus der Zukunft schon die Forderungen für die Gegenwart hereinleuchten, wieder anknüpfen in ihren Repräsentanten, die von den Zeitengeistern inspiriert sind, an jene beiden Impulse, die soeben charakterisiert worden sind: an die Namen Iphigenia und Persephone. Und derjenige, der solches überblickt, fühlt noch in einem viel tieferen Grunde, was es für eine Tat war, als, sich voll versenkend in altes Griechenleben, Goethe das, was er selbst als den Gipfel seiner Kunst empfand, in dem Symbolum der Iphigenia darstellte. Oh, mit dieser Tat Goethes, in der in einer gewissen Weise sinnbildlich alles Wirken Goethes zum Ausdruck kommt, mit der «Iphigenie», ist die erste Anknüpfung gegeben an uraltes europäisches Geistesgut. Und im Geheimsten klingt uns aus jener Tat Goethes heute entgegen: Wir müssen uns wiederum erinnern an das immerwährende Opfer, welches die intellektuelle Kultur der religiösen Kultur bringen muß, wenn die Intellektualität die europäische Menschheit nicht veröden soll.
[ 11 ] We see how this physiology leads everywhere to highly peculiar, fantastical doctrines. We see how the purely external aspects of physiology today are already being influenced everywhere—even among materialistically minded people who do not wish to be so but are, in fact, materialists in their entire way of thinking—by all manner of things that lie beneath or within the physical realm. I could point to hundreds of examples here, such as the strange theories that have emerged in recent times under the influence of a Viennese school, the so-called Freudian school: theories about how the subconscious life of human beings, insofar as it expresses itself in dream life or other life phenomena, plays a role in the physiological realm. I wish to point to such facts, which I can only touch upon, for the sole reason that they demonstrate how the compulsion—which also emerges theoretically in other contexts—to channel empirical, external, sensory factual material into the spiritual realm is indeed evident everywhere. At the same time, however, we see that the moment a kind of comprehensive grasp, a kind of overall view of what the scientific impression of the present must be, asserts itself, a certain resignation sets in.
[ 13 ] Rauh für höheres Geistesleben wie der König Thoas in der «Iphigenie» ist in gewisser Weise dasjenige, was die intellektuelle Kultur im weiteren Umfange leistet. Milde und harmonisch, um nicht mitzuhassen im Menschheitsleben, sondern mitzulieben, ist dasjenige, was uns in dem Symbolum der Iphigenia entgegentritt. Und so war die erste Erinnerung an bedeutsamste Impulse des europäischen Geisteslebens in dem Augenblick gegeben, da Goethe sein Herz mit der Inspiration durchdrang, die Iphigenia als das Zeugnis des immerwährenden Opfers der Intellektualität vor die europäische Menschheit hinzustellen. So kann man das Hereinleuchten der geistigen Inspiratoren der neueren Zeit in Goethes Seele empfinden.
[ 12 ] We see this resignation in the realm of philosophy as well. You may be aware that, under the influence of William James in America, F. C. Schiller in England, and other researchers in the field of philosophy, a curious theory has developed which, in truth, is born of that striving of facts toward the spirit, yet refuses to admit that one must turn toward the spirit. It is so-called pragmatism, which holds that one must view the various phenomena of life in such a way that we invent theories about them as if they were indeed summarizable, but everything we devise is there only for the economy of the mind, having no inner, constitutive, or real value. This is the final dross of the most burnt-out minds of the present. This is a complete disbelief in the spirit, which seeks only to appeal to feeble theories and allows them to be invented to hold the facts together, but which does not believe that the living spirit first placed the thoughts within the things that we ultimately find in them.
[ 14 ] Eine zweite Erinnerung ward notwendig, auf die etwas länger gewartet werden mußte, jene Erinnerung, die hinzielt auf jene Zeiten, in denen noch rege war die alte hellseherische Kultur, die anknüpfte an den Namen Persephone. Und man fühlt an derjenigen Stelle, wo sich zu einem gewissen Höhepunkt die «Großen Eingeweibten» erheben, in dem Hinweis auf das Mysterium von Eleusis, wie europäisches Geistesleben mit seinen Inspiratoren da arbeitet, um hervorzuzaubern aus dem Dämmerdunkel der Zeiten, was immer mehr und mehr führen muß zu der Erkenntnis, daß in einer neuen Form die alte, in dem Namen Persephone repräsentierte, hellseherische Kultur wieder aufleuchten muß. Ein Pol im europäischen Geistesleben der Neuzeit war gegeben mit der Wiedererneuerung der alten griechischen Iphigeniengestalt, der andere Pol ist gegeben mit der Neuschöpfung des Mysteriums von Eleusis durch Edouard Schuré. Und wir müssen es als einen der besten Sterne, die da walten über unserem Streben, betrachten, daß wir diese Inauguration leuchten lassen konnten gerade auf unser anthroposophisches Leben in Gegenwart des Neuschöpfers des Mysteriums von Eleusis, der uns mit seiner Gegenwart jetzt schon durch mehrere Jahre unseres mitteleuropäischen Geisteslebens beglückt hat.
[ 13 ] The most curious aspect in this regard, however, concerns the science of the soul itself. There are certain psychologists who cannot quite penetrate to a living spirit in which the soul is found as rising up in things. Yet they cannot deny that, if one is to establish any kind of harmony between the soul and things at all, one must then carry something from the soul into things. What one experiences in the soul must have something to do with things. And so a curious word has emerged that haunts German psychology today, a word that truly flies in the face of any philological thinking: the word “empathize.” One cannot imagine a word more embarrassing in the face of all thorough thinking than the word “empathize.” As if it depended on our ability to feel something into things when we cannot find the objective, real connection to what we see in things from the things themselves. It is the spiritual desolation of the science of the soul, or psychology, that seeks to help itself with such words of embarrassment.
[ 15 ] Ich sagte: Das, was ich eben gesprochen habe, ist nur nach der einen Seite hin ein Herzensgedanke; nach der anderen Seite hin ist es ein Gedanke, der ganz der objektivsten, nüchternsten Überzeugung entspringt. Und daß ich ihn heute ausgesprochen habe, rührt daher, daß ich es halten muß mit dem Goetheschen Worte, das wie eine wundersame Weisheitsperle hereinklingt in unser Erkenntnisleben: Nur das ist wahr, was fruchtbar sich erweist. Und wenn in dem, was wir treiben durften seit Jahren, einiges von Fruchtbarkeit bemerkt wird, so darf auch anerkannt werden, daß der Gedanke, der dieses unser Wirken seit vielen Jahren beseelte, der immer wie ein geheimer Gast, wie ein geheimer Mitkämpfer vorhanden war, sich eben durch seine Fruchtbarkeit als wahr erwiesen hat. Auf alles das, was sich nun an dieser Stelle anschließen würde an die Gedanken, die eben geäußert worden sind über die Namen Iphigenia und Persephone, werden wir ja bei der Besprechung der Naturwunder, der Seelenprüfungen und Geistesoffenbarungen — wie illustrierend - in der mannigfaltigsten Weise in den nächsten Tagen zurückkommen. Nur sei noch erwähnt, daß ebenso wie Iphigenia die Tochter Agamemnons ist, der zu denjenigen Heroen gehört, auf welche das alte Griechenland die Pflege der Intellektualität im weitesten Umfang mit all seiner praktischen und auch kriegerischen Gestaltung zurückführt, daß ebenso Persephone die Tochter der Demeter ist. Nun, wir werden sehen, wie die Demeter die Regentin ist der größten Naturwunder, eine Urgestalt des menschlichen Fühlens, Denkens und Wollens, deren wahrhaftiges Kind Persephone ist. Jene Urgestalt, die auf Zeiten hinweist, in denen das menschliche Gehirnleben noch nicht getrennt war von dem allgemeinen Leibesleben, in denen sozusagen Ernährung durch die äußeren Stoffe und Denken durch das Instrument des Gehirns nicht getrennte menschliche Verrichtungen waren. Da fühlte man noch, wie der Gedanke da draußen lebt, wenn die Saat auf den Feldern gedeiht, wie die Hoffnung wirklich da draußen sich ausbreitet über die Felder und durchdringt das Naturwunderwirken gleich dem Gesang der Lerche. Man fühlte noch, daß hereinzieht mit dem materiellen das geistige Leben, untertaucht in den menschlichen Leib, sich läutert, zum Geist wird als die Urmutter, aus welcher elementar herausgeboren wird Persephone in der menschlichen Wesenheit selber. In jene Urzeiten der Menschheitsentwickelung, in denen die menschliche Natur noch so einheitlich wirkte, daß alles leibliche Leben zugleich ein geistiges war, daß alles leibliche Verarbeiten innig vereint war mit dem geistigen Verarbeiten des Gedankens, weist uns der Name Demeter hinauf. Und wie es da ausgeschaut hat, das kann uns heute nur der Blick in die Akasha-Chronik lehren. Daß die Persephone die wirkliche Tochter der Demeter war, das lehrt uns eben dieser Einblick in die Akasha-Chronik. Und ebenso wird sich ergeben, daß in jener Gestalt, die sogleich in der Neuschöpfung des Mysteriums von Eleusis auftritt, in Eros, in der Tat nach alter griechischer Empfindung dasjenige gegeben ist, wodurch die Kräfte der Demeter in der sich allmählich entwickelnden Menschheit zu dem geworden sind, was sie heute sind. So ist aber das ganze Wunder der menschlichen Natur sogleich vor unsere Seele hingezaubert, wenn Demeter vor uns steht mit der ernsten Mahnung einer Urgewalt, die zauberhaft hindurchzieht urewig durch alles menschliche Fühlen. Wenn Demeter vor uns steht, da steht etwas vor uns, was durch die Ewigkeiten der Zeiten als ein Impuls der menschlichen Natur spricht. Das fühlen wir herunterströmen von der Bühne, wenn Demeter vor uns steht, der größte Repräsentant jener Urgewalt, die wir heute nur mit dem abstrakten Namen der menschlichen Keuschheit bezeichnen, mit all ihrer fruchtbaren Wirklichkeit, wo sie nicht Askese ist, wo sie einschließt die Urliebe der Menschheit zugleich. Auf der anderen Seite, was spricht uns aus Eros? Die knospenhafte unschuldige Liebe. Ihr Regent ist Eros, so empfanden die Griechen.
[ 14 ] And so we could find many similar tricks that such unserious psychologies bring to light in our time. Other schools of psychology limit themselves entirely to describing the external instruments of the soul’s life—the brain or other such instruments—and things have already reached the point where psychologists are taken seriously who seek to prove experimentally that nothing is lost of the forces and energies we take into ourselves through eating and drinking and so on, which we thereby force into ourselves. This is then supposed to prove that the law of conservation of energy must also be the guiding principle for psychology, and that there is not, as it were, a purely distinct soul-being at work within the body through its instruments. Such a conclusion is truly devoid of all logic. For anyone who draws such a conclusion—who even finds themselves in the predicament of conceiving such a thought—would also have to admit that it is reasonable to stand in front of a bank building, count how much money is carried in, recount how much money is carried out, count how much money remains in the cash register, and then to conclude from this that there are no people inside the bank who are working there. Such conclusions are drawn today, and they are regarded as scientific conclusions. These are the theories that are built upon the facts of current research and that, like a fog, obscure the true state of the facts.
[ 16 ] Nun entwickelt sich das Drama. Und welche Kräfte wirken mit belebender tragischer Kraft von Anfang durch das ganze Drama hindurch? Das Wechselspiel der Keuschheit, die zugleich Urliebe mit ihrer Fruchtbarkeit ist, und die unschuldige, noch knospenhafte Liebe, das waltet in dem Drama, wie draußen in den trivialen Naturwundern positive und negative Elektrizität waltet. So kann durch den Raum, in den hineingegossen wird dieses bedeutsame menschliche Urdrama, etwas von mehr oder weniger unbewußter oder bewußßtter Empfindung fließen gegenüber Kräften, die aus den Urzeiten der Menschheit heraufwirken und sich durch unser modernes Leben hindurchziehen. Nur daß - und hier deute ich wiederum auf etwas hin, was in den folgenden Tagen weiter ausgeführt wird - in gewisser Weise jene Urströmungen, die Demeterströmung und die Erosströmung, immer mehr und mehr aufgenommen werden in der menschlichen Zukunft von jenen Strömungen, die angedeutet werden sollten in den drei Gestalten Luna, Astrid, Philia. Ein lebendiger Zusammenhang soll sich vor unsere Seele hinstellen zwischen den Strömungen, die jene des Menschenursprungs sind: Demeter, Eros, und dem, was dazwischensteht, Persephone einerseits - und auf der anderen Seite dem, was heute hereindämmert in einer noch nicht persönlich gestalteten Form. Es ist wie ein geistiges Gewissen, das noch aus dem Unbestimmten hereintönt und heute noch nicht auf die Bühne darf. Es ist nur eine Stimme von außen, und es sind die drei Gestalten, als wirkliche Töchter der Demeter: Luna, Philia, Astrid.
[ 15 ] We can observe the true state of psychology through a highly interesting phenomenon: a truly significant figure who wrote a work on psychology in the 1870s, Franz Brentano. He wrote the first volume of a multi-volume work on psychology. Anyone who is able to engage with what is written in this first volume of a multi-volume work on psychology, anyone who knows how to approach it from the true perspective of psychological facts, can say to themselves: Based on the starting points taken by Franz Brentano—assuming one could proceed further on the basis of these starting points at all—everything would have to lead into spiritual science. There is simply no other way forward. - And if one did not wish to lead into spiritual science and were to make such—albeit weak—beginnings in order to understand the life of the soul in a reasonable way, one would have to assume that one could go no further. And here we have the interesting fact that this first volume of the multi-volume work on psychology has indeed not been followed by any further volumes. It remained at the first volume, and in smaller works Brentano made attempts to understand this or that; but he found nowhere the access, the gateway to spiritual science, and therefore could not at all enable the further progress of psychology for himself. From such a significant fact, you can see how even the negative aspects we encounter in our present day everywhere call for the convergence of minds—minds grounded in the facts that have emerged so wonderfully in recent decades—into spiritual science. Admittedly, this convergence is still too difficult for some today; for others, different reasons stand in the way. We do not wish to delve into these reasons now, but only to show that wherever we seek the true forces present in the actual substance of today’s scientific culture, wherever we wish to proceed honestly, sincerely, comprehensively, and energetically, the convergence with spiritual science must necessarily take place.
[ 17 ] Ich habe Ihnen die Empfindungen zu charakterisieren versucht, aus denen heraus das Mysterium von Eleusis in seiner Neuschöpfung von Edouard Schure an den Ausgangspunkt unserer geisteswissenschaftlichen Betrachtungen gestellt worden ist. Sie, meine lieben Freunde, werden ja wohl durch alles das, was in diesen Jahren vorangegangen ist, mit jenem Blick unsere heutigen Ausführungen über dies so bedeutende Werk betrachten, der so natürlich sein sollte für alle, die innerhalb unserer anthroposophischen Strömung stehen. Was fordert denn dieser Blick von uns? Nun, es ist heute ungeheuer leicht, wahrhaft kinderleicht, in Anknüpfung an das, was dramatische Kunst draußen in der Welt bietet, uns die Fehler und vielleicht auch die Dilettantismen vorzurechnen, die wir alle machen, wenn wir mit unseren schwachen Kräften an ein so bedeutungsvolles Werk, wie es das «Mysterium von Eleusis» ist, gehen. Es kommt uns aber gar nicht darauf an, oder besser gesagt, es darf uns nicht darauf ankommen, in derselben Weise zu charakterisieren, wie draußen auf unseren gegenwärtigen Bühnen charakterisiert, dargestellt wird. Diejenigen aber, die heute schon etwas empfinden von dem, was wir durch die Einprägung der Eigenart der Geist-Erkenntnis in die Kunst bewirken sollen, die werden wissen, daß es uns eben auf etwas ganz anderes ankommt. Sie werden auch wissen, daß alles das, was eine gewisse Vollkommenbheit erst in der Zukunft erreichen kann, unvollkommen in der Gegenwart auftreten muß. Unser Beruf ist es nicht, zu konkurrieren mit äußeren Bühnenleistungen. Wir denken gar nicht daran, in irgendeiner Weise ein gleiches zu tun, und schon der bloße Vergleich mit äußeren sonstigen Bühnenleistungen ist ein Irrtum. Mag ein Kunsturteil in bezug auf das, was heute in äußeren Bühnendarstellungen gefordert wird, sagen, was immer es will, es ist ein Dilettantismus in bezug auf das, was Geisteswissenschaft wirklich will, wollen muß, auch in bezug auf die Kunst.
[ 16 ] However, history—as it is practiced today—is the furthest removed from this convergence with the humanities. It seems that those historians come closest to this who do not merely see in the facts of history a random interplay of successive human impulses and passions and other facts of the physical plane, but who speak of ruling thoughts. As if abstract thoughts could have an effect! Unless one attributes a will to them, they are not spiritual beings; they cannot act. Therefore, it is meaningless to speak of insubstantial ideas in history. Only when one introduces living life into history, when one conceives of the spiritual life-principle as flowing through the souls, living itself out ever more highly from soul to soul, when one understands history as it is understood in *Les grands Initiés*, in *The Great Initiates*, has one reached the point where history also flows into spiritual science.
[ 18 ] Und diejenigen von Ihnen, welche so fühlen mit mir, die so teilen können jenes tiefe Dankbarkeitsgefühl, das ich jedesmal am Ausgangspunkt unserer Münchner Unternehmungen gegenüber all denen empfinde, die hilfreich sind bei diesen Unternehmungen, jene Freunde unter Ihnen, die das fühlen, werden es nicht als unsachlich betrachten, nicht als irgend etwas Persönliches, wenn ich auch in diesem Jahre wieder dieses tiefsten Dankgefühles am Schlusse dieser meiner einleitenden Betrachtung gedenke. Es gehören nicht nur viele Hände dazu, diese Unternehmungen möglich zu machen, sondern es gehören dazu Seelen, welche wirklich sich schon durchdrungen haben mit dem, was die schönste Frucht des geistig-strebenden Lebens sein kann und was ich nennen möchte die geistige Wärme. Und es bleibt ja diese geistige Wärme wirklich niemals ohne ihre Folgen, niemals ohne ein sich allmählich entwikkelndes Können für das, was man will auf dem entsprechenden Felde. Und so stehen wir jedesmal da, wenn wir darangehen, zunächst als das kleine Häuflein derer, die hier in München Vorläufer sind der größeren Gemeinschaft, die sich dann zusammenfindet, durchdrungen von spiritueller Wärme, und wir haben den Glauben in unserem Wirken, auch wenn es anfangs recht holperig mit allem geht: es muß gehen. Und es geht bis zu dem Grade, den wir eben erreichen können. Wir finden immer bei dieser Unternehmung den Realitätenbeweis, daß geistige Kräfte durch die Welt walten, daß sie uns helfen, daß wir uns ihnen überlassen können. Und wenn es uns manchmal scheinen wollte, als ob es nicht ginge, dann sagen wir uns, daß, wenn es nicht gehen würde, es im Sinne der Kräfte läge, die hinter unserem Wirken stehen. Und dann wäre es recht, daß es nicht ginge. Und so handeln wir, und so denken wir gar nicht an das, was zuletzt als Vorstellung herauskommen soll. Wir denken an die geistigen Kräfte, denen wir im Sinne unserer Zeit auch ein schwaches, kleines Opfer bringen wollen, das Opfer der gegenwärtigen Intellektualität an die religiöse Vertiefung des Menschenherzens. Und es ist schön, zu sehen, wie tatsächlich diese spirituelle Wärme bei jenem kleinen Häuflein in wunderbarer Weise vorhanden ist, wie jeder einzelne tatsächlich Geistiges erlebt, indem er die keineswegs leichte Opferarbeit unternimmt. Es ist eine Bruderarbeit, die uns die anderen, die da mitwirken, leisten; und wer mich in diesen Worten versteht, wird mit mir die Dankgefühle empfinden, denen ich eben in diesem Augenblick Ausdruck verleihen will.
[ 17 ] We can thus say quite plainly: To an unbiased observer, it becomes clear how all scientific inquiry challenges the spiritual-scientific perspective. - But those spirits who delve more deeply into spiritual life, who truly wish to walk the paths of knowledge with their whole soul—who do not merely pursue theories, but whose very lifeblood is devoted to knowledge—oh, such spirits also demonstrate in their lives how everything is led into spiritual science. There was a man who, for a number of years, was known to the outside world as a famous poet, who lay on his sickbed for decades and, in the last years of his life, wrote down what he had conceived, what had come to him on the path of knowledge, in order to pass it on to posterity: a poet whom the philosophers, of course, did not take seriously philosophically. I am referring to Robert Hamerling. But Robert Hamerling—who was perhaps taken seriously enough only by Vincenz Knauer, who also gave lectures on him —- was not a theoretical philosopher, but one who embarked on the paths of knowledge with his heart and soul, who, to the extent it was accessible to him, brought together the chemical, physical, philosophical, physiological, biological, and historical knowledge of our time and enriched it with poetic intuition. Robert Hamerling, who was able to enrich thoughts about the world through what his poetic intuition gave him, set down in his *Atomistik des Willens* everything he found on his path of knowledge, and this path of knowledge was not one that so many today follow—based on mere theory or academic training—but one that sprang directly from life itself. In this *Atomistik des Willens*, he recorded various insights that are of interest to those concerned with the convergence of external scientific inquiry and intellectuality with spirituality. Let us read a passage from *Atomistics of the Will* here to show what this 1891 book contains of his solitary thoughts, which he gathered for himself on the path of knowledge as he had embarked upon it. “One could,” says Hamerling on page 145 of the second volume of his *Atomistics of the Will*, “at least conceive of the possibility of living beings whose physicality is thinner than atmospheric air. At least for other celestial bodies, the assumption of such beings is not unreasonable. Beings of such low physical density would, being invisible to us, correspond entirely to what we “customarily call spirits.” Likewise, to what is referred to as “etheric bodies,” which are said to survive the death of the individual.” And so it goes on. Here, in the midst of a work written from the spiritual life of the present, you have referred to the etheric body. Now consider, my dear friends, if truth and sincerity were to prevail everywhere, along with a thorough striving to acquaint oneself with what truly lives as thought within human beings; if one were to engage honestly with what already exists; if—in other words—people did not write so many books before they have learned what is already written in other books: then there would be a very different kind of work in our time, then there would be continuity, but then one would also have to say that in our last few decades, spiritual life has sprung forth everywhere from true, serious science, offering glimpses of spiritual goals and perspectives. For there are a great many cases like that of Robert Hamerling.
[ 19 ] Es geht natürlich unser erster Dank an den Neuschöpfer des «Mysteriums von Eleusis», es gehen aber dann die mannigfaltigsten Dankgefühle an meine Mitarbeiter in dieser Münchner Zeit. Da darf ich vor allen Dingen gedenken derer, die sich durch ihre von solch liebevoller spiritueller Wärme im Dienste der Geisteswissenschaft durchzogenen Leistungen durch viele Jahre hindurch berufen gemacht haben, heute ihr schönes, ihr warmes Können mit dem, was wir hier wollen, zu vereinen. Da lassen Sie mich zunächst den tiefen Herzenswunsch befriedigen, hinzuweisen auf jene beiden Persönlichkeiten, die da in einer ganz besonderen Weise mitwirkten, so daß heute schon die schönste Einheit ihres spirituellen Denkens und ihrer rein technischen Arbeit bei unserer Münchner Unternehmung uns überall entgegenstrahlt: auf Fräulein Stinde und Gräfin Kalckreuth. Lassen Sie mich hinweisen auf unseren lieben Freund Adolf Arenson, welcher den musikalischen Teil wie in den vorigen Jahren so auch in diesem Jahre für alle drei Vormittage geleistet hat. Zu beurteilen diese Leistungen überlasse ich Ihren eigenen Herzen, Ihren eigenen Seelen. Ich selbst empfinde es als ein besonders gutes Geschick, daß gerade in dieser Weise der musikalische Teil unserer Leistungen von unserem lieben Freund Arenson zu unserer Gesamtarbeit beigesteuert wird. Und ich empfinde es weiter als ein besonders günstiges Geschick, daß das, was mir vorschwebte als ein von wirklich religiösem Geiste durchhauchtes Bühnenbild, daß das von unserem lieben Fräulein von Eckhardtstein in einer so ausgezeichneten Weise geleistet werden kann. Mir, meine lieben Freunde, ist jeder rote und blaue Fleck, ist jeder Glanz und jeder matte Ton in dem Bühnenbilde wichtig und bedeutungsvoll, und daß das von der bezeichneten Persönlichkeit gefühlt wird, gehört zu dem, was wir als wirklich geistgetragene Arbeit empfinden müssen. Und ich brauche Sie ja nur hinzuweisen auf alles das, was Ihnen entgegengetreten ist im weiteren Umkreis in den Bühnenbildern, die unsere Maler Herr Linde, Herr Volckert und Herr Haß beisteuern zu unseren dramatischen Inaugurationen; und ich darf dann durch diesen Hinweis in Ihnen den Gedanken anregen, wie in den Seelen dieser Persönlichkeiten sich der spirituelle Gedanke so ergossen hat, daß er wirklich bis in den Pinsel hinein seine Kraft behält. Es ist Spiritualität, was Sie in dem Bühnenbild sehen, wie es die drei Genannten beisteuern. In alledem, was hier erwähnt wird, erblicken wir natürlich nicht ein Vollendetes, sondern etwas, was der Anfang eines Wollens ist, und wir möchten nun gerne, daß man durch alles das, was gewollt wird, was nicht jetzt schon geleistet werden kann, ersieht, wie man sich die Fortgestaltung der Kunst denken kann. Deshalb ist es uns von so unendlicher Wichtigkeit, daß auch die innere dramatische Gestaltung nur in den Händen von Darstellern liegt, die nach geistiger Erkenntnis streben, denn ich möchte - nicht aus persönlicher Neigung, sondern deshalb, weil ich muß - nicht ein einziges Wort in diesen unseren dramatischen Unternehmungen auf der Bühne gesprochen wissen von einem Andersgesinnten, und wenn dieses Wort auch mit der höchsten künstlerischen Vollendung und mit dem äußersten künstlerischen Raffinement der gegenwärtigen sprachlichen Bühnentechnik gesprochen würde. Denn etwas ganz anderes wird gewollt als diese äußere Bühnentechnik. Das, was heute Kunst genannt wird, wird nicht gewollt. Gewollt aber wird, daß in jeder Seele, die da oben steht und mitwirkt, das Herz aus spiritueller Wärme heraus spricht, daß ein solcher Hauch durch die ganze mehr oder weniger gute Darstellung geht, daß wir Geisteswärme als Kunst, Kunst als Geisteswärme erleben. Deshalb müßte jeder, der teilnimmt an diesen unseren Inaugurationsunternehmungen des Münchner Zyklus, die Empfindung haben: es gibt da kein Wort, das nicht, indem es gesprochen wird, zugleich in tiefster Seele von dem Darsteller mitempfunden wird. Das bewirkt in mancher Hinsicht jene künstlerische Keuschheit, die derjenige, der nicht spirituell fühlen will, als Dilettantismus empfinden mag, die aber der Anfang ist von etwas, was da kommen soll, der Anfang von etwas, was man einstmals als künstlerische Wahrheit in tiefstem, in geistigstem Sinne des Wortes empfinden wird, so unvollkommen und anfänglich es Ihnen auch heute entgegentreten mag. Deshalb wird niemals daran gedacht werden, meine lieben Freunde, Ihnen, die Sie ja das Verständnis haben, etwa mit dramatischen Strichen zu kommen. Sie werden ruhig aushalten alle Längen, die einmal die Sache notwendig macht. Uns ist nichts zu lang, uns ist nichts zu undramatisch in dem gewöhnlichen heutigen Sinne, weil wir uns nicht nach äußeren dramatischen Forderungen, weil wir uns nach den inneren Notwendigkeiten der Sache richten, und wir werden niemals unsere dramatischen Überzeugungen verleugnen. Nehmen wir zum Beispiel das Märchen, das Felicia im fünften Bilde der «Prüfung der Seele» Capesius erzählt, so würde der gewöhnliche Theaterbesucher sagen: Das ist zum Sterben langweilig. — Diese Langweiligkeit auf die Bühne zu bringen, werden wir uns niemals scheuen, wenn es die dramatische Wahrheit im spirituellen Sinne von uns fordert. Und die dramatische Freiheit fordert, daß eine jede Individualität, die uns die Liebe erweist, mitzuwirken, an ihrem Ort in freier Weise walten kann, so daß jeder das, was er tut und spricht auf der Bühne, als sein eigenes von ihm ausgehendes Wort und Gefühl empfinden kann. Eine tyrannische Regie, wie sie neuerlich vielfach geliebt wird, werden Sie nicht walten sehen in unserer Unternehmung. Sie werden dafür, wenn auch nur anfänglich und unvollkommen, jenen Geist walten sehen, der sich unsichtbar wie ein Hauch ausbreitet über die Unternehmung als Einheit, dafür aber als Vielheit in jeder einzelnen Seele wirken kann. Deshalb empfindet man vor allen Dingen, wenn man mittendrinnen steht in einer solchen Unternehmung, jene tiefe Dankbarkeit gegenüber dem, was alle einzelnen Darsteller als Opfer brachten. Ihnen allen gegenüber, von Fräulein von Sivers an bis zu denen, die auch kleinere Rollen hatten, muß dieses Dankgefühl hier erwähnt werden. Sie einzeln aufzuzählen ist ja nicht möglich, weil so viele ihre Hilfe geboten haben. Aber alle haben viel geleistet. Ich brauche nur hinzuweisen auf denjenigen, welcher in hingebungsvoller Art sich einer diesjährigen Hauptrolle gewidmet hat, einer Rolle, die mir besonders ans Herz gewachsen ist und die sehr schwierig ist, weil sie innere große Schwierigkeiten bietet: ich meine die CapesiusRolle, die von unserem lieben Herrn Doser dargestellt wurde. Ich brauche nur hinzuweisen, in welch opferwilliger Weise unser lieber Herr Seiling sich jetzt schon beide Jahre der Darstellung jener Wesenheit gewidmet hat, die ich nennen möchte das dramatische Gewissen, das heute noch nicht auf die Bühne darf, das seine Lebendigkeit erweisen kann dadurch, daß es nicht in Person auf der Bühne auftritt, und wie derselbe Herr Seiling im vorigen und in diesem Jahre die Strader-Rolle mit großer Meisterschaft vor uns hingestellt hat. Solche Leistungen wie das, was das vierte Bild am dritten Tag geboten hat in jenem dramatischen Dialog zwischen Capesius und Strader, geben schon unserer Seele etwas von dem, was werden wird, wenn Kunst von Geist-Erkenntnis wie von ihrem Lebensblut durchpulst und Geist-Erkenntnis von Kunst wie von ihrer Körperlichkeit einmal gestaltet werden wird. Daher mußte ich so tiefen Dank empfinden, als dieser schöne Punkt dramatischer Leistung im vierten Bilde vor unsere Augen trat.
[ 18 ] Thus the specialties of the individual sciences come together and call for what today can be provided solely by a comprehensive worldview, as has been attempted, for example, in “The Secret Science,” which I was recently able to outline and into which, without one noticing it, the findings of all of today’s sciences have been woven alongside spiritual research. When we consider this, we must say: In truth, there is no lack of open doors to spirituality anywhere; it is simply that they are not noticed. — Anyone familiar with contemporary science will find everywhere that it calls for spirituality in its facts, not in its theories. Once we are able to emancipate ourselves, in relation to external science, from all theories—from atomistic and kinetic theories, from energetics, and from everything that, with similar one-sidedness, repeatedly seeks to encompass the world with a few fixed concepts—we will let the vast sum of facts that modern science brings to light speak for themselves, then one will find no further contradiction between what is pursued here as spiritual science and the true scientific results of contemporary research.
[ 20 ] Und jetzt könnte ich diese Dankesbetrachtung vielfach fortsetzen. Ich könnte zuletzt Ihnen selber danken, allen, die Sie Verständnis erwiesen haben in Ihrer Seele für das, was einmal notwendig wird in einer künftigen Dramatik, daß das Unsichtbare neben dem Sichtbaren waltet, daß die Andeutung einhergehen darf neben der gröberen äußeren Darstellung, daß Gestalten hinausgestellt werden müssen, ich möchte sagen, in günstigere Rampenbeleuchtung, und anderes, was mehr hineingeheimnißt werden muß in das Tiefste des Menschenwortes. Was gemeint ist und was man mehr und mehr empfinden wird als wahre Meinung in den drei Gestalten Philia, Astrid, Luna, das kann nur von einer Seite aus in der Beleuchtung gegeben werden, in der es uns eben entgegentritt, in den drei Gestalten, wenn sie leibhaftig auf die Bühne treten. Aber mit diesen drei Gestalten, in denen wichtige Impulse der Menschheitsentwickelung gemeint sind, sind auch intime Seelengeheimnisse angeschlagen, mit denen man nur zurechtkommt, wenn man verbindet, was auf der einen Seite in scharfe aufdringliche Rampenbeleuchtung gedrängt wird und auf der anderen Seite angedeutet ist in den drei Frauengestalten durch die Intimität des Wortes. Diese drei Frauengestalten, die im Mondensilberlichte wirken und aus den vergänglichen Gestaltungen des Wassertropfenwesens jenes Kelchgefäß formen, das ein intimer Repräsentant ist für das, was sie in ihrer offenbareren und in ihrer intimeren Beleuchtung wollen diese Gestalten, die uns im Mondensilberlicht des Märchens entgegentreten und uns zeigen, wie sie die Menschenseelen begleiten als die intimen Freunde unserer Seele, wie sie sich gestalten in den Kindertagen und wie sie sich gestalten, wenn dreimal dreihundertsechzig Wochen verlaufen sind, sind nur zu verstehen, wenn man auf beides eingeht: auf das, was den Sinn gefangennimmt und äußerlich offenbar in gröberer Art auf die Bühne gestellt ist, und das, was den modernen Theaterbesuchern so langweilig sein würde, die Erzählung eines intimen Märchens, was aber einzig und allein jene Intimität geben kann, die in solchen drei Gestalten liegt wie Luna, Astrid, Philia. Und wenn man sieht, daß es heute schon eine Anzahl von Seelen gibt, die unbefangen und rein fühlen können gegenüber dem, was sonst nicht leicht auf der Bühne vergeben wird, dann kann man sagen, den Tiefen dieser Seelen, Ihnen allen, ist die Geisteswissenschaft dankbar, daß Sie lenken und leiten wollten Ihre Seelen, um mitzuempfinden, aufzunehmen, was im Dienste der Geist-Erkenntnis hiermit gewollt wird. Aus alledem heraus werden Sie es als etwas Objektives betrachten, wenn am Ende dieser Einleitung zu unseren kommenden Betrachtungen gerade eben diesen Dank-Gefühlen Ausdruck gegeben wird. Und eine dankbare Freude empfinde ich immer wieder, wenn ich nicht nur unsere lieben Mitarbeiter zusammenwirken und in das Neue sich hineinfügen sehe, wie sich zum Beispiel unser lieber Herr Mercklein hineinfand in die Rolle des Ahriman, sondern wenn ich auch sehe, wie diejenigen, die heute dem geisteswissenschaftlichen Leben noch ferne stehen, wie die Bühnenarbeiter für uns gerne arbeiten. Man sieht das, und ich empfinde es eigentlich immer als eine gewisse Dankbarkeit, wenn dieser oder jener Arbeiter kommt und verlangt, er möchte auch ein Buch haben. Es ist alles das - ich weiß es wohl, meine lieben Freunde — etwas Anfängliches und Unvollkommenes, aber etwas, von dem wir sagen können, es ist etwas Fruchtbares, etwas, was wirken wird. Und wenn von dem, was wir da tun durften im Beginne unserer Münchner Mittelpunktsunternehmung, das eine in unsere Seele zieht: daß Geisteswissenschaft nicht sein soll etwas Abstraktes, was man so nebenher auch im Leben betreibt, sondern daß sie zusammenhängt mit unseren gesamten Lebensbedingungen, dann hat die schwache Leistung, die damit vollbracht werden soll, für den Anfang zunächst ihre Wirkung getan. Dann ist etwas von dem erreicht, was wir wollten. Aus diesem Geiste heraus begrüße ich Sie heute für diesen Zyklus, der gewidmet sein soll einigen Betrachtungen über mancherlei, was uns entgegentritt, wenn wir den Blick in die große Welt richten und das empfinden, wovon in der alten Griechenzeit gesagt worden ist, daß von ihm alle Theosophie, alle Philosophie ausgeht; wenn wir das empfinden, was man Verwunderung nennt und wovon das Wort Wunder doch kommt, wenn wir etwas erleben von einem Vorgefühl dessen, was man Seelenprüfung nennt, und etwas empfinden von dem, was als Erlösung von aller Verwunderung, als Befreiung von aller Prüfung erscheint: den Geistesoffenbarungen. Das, was man von allen diesen dreien: von den Naturwundern, den Seelenprüfungen, von den erlösenden Geistesoffenbarungen, empfinden kann, das soll der Gegenstand unserer nächsten Betrachtungen werden.
[ 19 ] In this way, Goethe can be of great assistance, as he fulfilled all the criteria of a universal mind in a magnificent way. Even in a superficial sense; for anyone familiar with Goethe’s correspondence knows that, during his lifetime, countless natural scientists from all fields corresponded with him on the most important questions. From Goethe’s study, from his physics and other cabinets, threads extended in every direction to the various branches of science. With botanists, opticians, zoologists, anthropologists, geologists, mineralogists, historians—indeed, I would have to list all the sciences—Goethe corresponded with them all. And while the narrow-minded minds of his time certainly refused to acknowledge him—because his research far surpassed their own—he found minds that took him most seriously and heeded his judgment when it came to resolving this or that specific question. This is, of course, merely a superficial aspect, but we can also see how Goethe collaborated in thought and in fact with the most significant philosophers of his time, such as Schelling and Hegel, and how a number of philosophers were inspired by Goethe, as Goethean ideas recurred in their works in different or similar forms. Finally, we can see how, throughout his life, Goethe seriously engaged with botany, zoology, osteology in particular, and anthropology in a broader sense, and how he engaged with optics and physics in a broader sense. Today, some scientists in the biological field do give Goethe some credit. One must, however, take the physicists quite seriously and understand from the standpoint of color theory that they cannot make sense of Goethe’s color theory, that they do not understand it, because this color theory will only be understood in later times—unless one has already become acquainted with it through spiritual science—perhaps not until the second half of the 20th or the first half of the 21st century. Today’s physics can only view Goethe’s theory of colors as nonsense. But this is not due to the theory of colors itself, but to the current forms of science. And if you read what is meant in my book on “Goethe’s Worldview” as well as in the preface to Goethe’s Scientific Works, edited by Kürschner, then you can see that it contains a view of color theory that is scientific in the deepest sense, compared to which all contemporary physical theories are amateurish.
