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The Rudolf Steiner Archive

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Wonders of the World,
Trials of the Soul,
and Revelations of the Spirit
GA 129

24 August 1911, Munich

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Siebenter Vortrag

7. The Dionysian Mysteries

[ 1 ] Wie können wir dasjenige charakterisieren, was Gegenstand der Betrachtungen dieser Tage in diesen Vorträgen war? Wir können sagen, wir versuchten das, was wir durch die Geisteswissenschaft oder Geheimwissenschaft in unserer Gegenwart empfangen können, in den grandiosen Bildern der altgriechischen Mythologie als eine alte Weisheit wiederzufinden. Und wir haben ja gesehen, in welch hohem Maße die Dinge, die wir heute auf andere Art erkennen, ungezwungen und wie selbstverständlich in dieser griechischen Mythologie zu finden sind. Die gewohnten Vorstellungen von dieser griechischen Mythologie müssen allerdings sehr ins Wanken kommen wegen ihrer Oberflächlichkeit, wenn man so etwas gewahr wird; insbesondere aber dann, wenn man die Entdekkung macht, daß selbst die tiefsten und bedeutungsvollsten, selbst heute noch nicht gehobenen Wissensprinzipien schon in dieser griechischen Mythologie bildhaft zum Ausdruck gekommen sind.

[ 1 ] What is it that has been the theme of our lectures during the last few days? We have been trying to bring to light again in the impressive pictures of Greek mythology, as the expression of an ancient wisdom, what in our own time we can come to know through Spiritual, or Occult Science; and we have certainly seen how much of what we come to know today in quite another way is to be found there as something quite obvious. When we realise this, especially when we discover that the deepest and most significant principles of knowledge, principles still today not fully recognised, were already expressed in pictorial fashion in this Greek mythology, our usual very superficial ideas about it are bound to be severely shaken.

[ 2 ] Tiefer noch als alles dasjenige, was sich an den, sagen wir, oberen Götterkreis der Griechen knüpft, an Zeus, Poseidon, Pluto, Apollo, Mars und so weiter, bedeutungsvoller als alles dieses empfanden die Griechen das, was sie mit einer gewissen Anknüpfung an die Gestalt des Dionysos in ihren Mysterien verbargen. Denn während mehr oder weniger alles das, was sich anknüpfte an die oberen Götter, in die exoterischen Vorstellungen der Außenwelt hineingelegt war, verbarg man das, was sich an die Gestalt des Dionysos knüpfte, in die Heiligkeit der Mysterien, und man überlieferte es nur jenen Menschen, welche eine gründliche Vorbereitung durchgemacht hatten. Was war denn der Gegensatz zwischen dem, was die Griechen empfanden durch die Vorstellungen über die oberen Götter, und dem, was in die Heiligkeit der Mysterien hineinverlegt war? Was lag da eigentlich für ein Gegensatz zugrunde? In die Vorstellungen der oberen Götter, des Zeus, Pluto, Poseidon, Apollo, Mars und so weiter wurde hineingelegt alles das, was man gewahr werden kann durch einen tieferen Blick in die Weltenwunder, in das, was sich abspielt um den Menschen herum, und durch die Gesetze dessen, was sich so abspielt. In das aber, was an die Figur des Dionysos sich anknüpfte, wurde hineingelegt auch noch ein wesentlich anderes: dasjenige, was die tiefsten Schicksale der nach Erkenntnis und Erlangung des Eintrittes in die übersinnlichen Welten strebenden Menschenseele bedeutete. In die Schicksale der erkennenden und in den Tiefen lebenden Menschenseele mit all ihren Prüfungen, die sie auf diesem Wege durchzumachen hat, wurde hineingeleuchtet durch die Mysterien, die in einer gewissen Beziehung an den Namen des Dionysos anknüpfen. Und wenn wir überhaupt ein Verständnis von der Gestalt des Dionysos und von seiner Beziehung zu den Seelenprüfungen erlangen wollen, werden wir heute schon ein wenig eingehen müssen auf das, was vom Standpunkte der heutigen Geisteswissenschaft zunächst über die erkennende Menschenseele zu sagen ist,

[ 2 ] The Greeks felt that what they hid in their Mysteries and associated with the figure of Dionysos was still deeper and more significant than all that they associated with the upper gods—with Zeus, Poseidon, Pluto, with Apollo, Mars and so on. For whereas they expressed pretty well everything which had to do with the upper gods exoterically, by means of the world around them, they veiled what had to do with Dionysos within the sanctity of the Mysteries, and only communicated it to those who had undergone a thorough preparation. What then was the contrast between what the Greeks felt in their ideas about the upper gods, and what was withdrawn into the sanctity of the Mysteries? What was the fundamental difference? In their ideas about the upper gods, about Zeus, Poseidon, Pluto, Apollo, Mars and so on, they expressed everything of which one can become conscious through a deeper insight into the wonders of the world, a deeper insight into what takes place all around us and into the laws which govern it. But something essentially different was involved in what was associated with the figure of Dionysos; Dionysos had to do with the deepest vicissitudes of the human soul struggling for knowledge and for entry into the super-sensible worlds. The Mysteries associated with his name threw light upon the lot of the soul struggling for knowledge, living in the depths; they shed light upon all the testings which the soul had to undergo on its way. If we would understand the figure of Dionysos and his connection with these tribulations, we must first give some thought to what modern Spiritual Science has to say about the human mind in the act of cognition.

[ 3 ] Es könnte scheinen, daß der heutige Mensch im Übermaße Gelegenheit hat, sich über die Frage zu unterrichten, was denn eigentlich Erkennen der Welt ist. Denn wir haben ja - so sagt man - in allen Ländern eine ausgebreitete Philosophie, und man erwartet von dieser Philosophie, daß sie die Frage beantwortet, wie Erkenntnis zustande komme. Allein vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft ist die Philosophie in der Antwort auf diese Frage, wie Erkenntnis zustande kommt, noch nicht besonders weit gediehen, und Sie können sich auch leicht denken, warum das so sein muß. Solange die Philosophie der äußeren exoterischen Welt sich sträuben wird, das anzuerkennen, was die Wahrheit über den Menschen ist: die Zusammensetzung des Menschen aus physischem Leibe, Ätherleib, Astralleib und Ich -, so lange kann diese äußere Philosophie zu keinem irgendwie erheblichen Erkenntnisbegriffe kommen. Denn Erkenntnis ist gebunden an die gesamte Wesenheit des Menschen, und die Frage nach Erkenntnis muß immer zur Antwort bloß leere Phrasen herausrufen, wie sie ja in unserer gegenwärtigen Philosophie so heimisch sind, wenn auf die wirkliche reale Wesenheit des Menschen, auf seine viergliedrige Natur, keine Rücksicht genommen wird.

[ 3 ] It might seem that modern man has abundant opportunity to become instructed as to what cognition really is. For the study of philosophy is accessible in all countries, and it is to this that we look to supply the answer to the question of how knowledge comes about. But from the standpoint of Spiritual Science philosophy has not been very successful in answering this question, and you can easily see why this is. So long as philosophy—the ordinary philosophy of the day—refuses to recognise the truth about the human being, that he consists of physical body, etheric body, astral body and ego, it can come to no viable theory of knowledge. For knowledge is bound up with the whole being of man, and unless the true being of man, his fourfold nature, is taken into account, the question as to what knowledge is will only be answered by the empty phrases which are so familiar in modern philosophy.

[ 4 ] Ich kann natürlich an diesem Orte und wegen der Beschränktheit der Zeit auf diese Dinge nur hinweisen, kann daher nur von einer gewissen Seite her über die Natur und das Wesen der menschlichen Erkenntnis einige Worte zu Ihnen sprechen. Aber wir werden uns verstehen, wenn wir zunächst ausgehen von der Frage: Wodurch verschafft sich denn der Mensch Erkenntnis, ganz gleichgültig, was die Erkenntnis bedeuten mag? Wodurch erlangen wir Erkenntnis? - Nun, nicht wahr, Sie wissen alle, der Mensch könnte niemals Erkenntnis erlangen, wenn er nicht denken würde, wenn er in seiner Seele nicht so etwas vollziehen würde wie Vorstellungs- oder Denkarbeit. Erkenntnis kommt nicht von selber. Der Mensch muß im Innern arbeiten, muß Vorstellungen ablaufen lassen in seiner Seele, wenn er erkennen will, und wir müssen als Bekenner der Geisteswissenschaft uns fragen: Wo in der Menschennatur spielen sich nun jene Vorgänge ab, welche wir mit dem Vorstellen bezeichnen, das zu der Erkenntnis führt?

[ 4 ] Because of the limited time at our disposal I can of course only briefly refer to this, I can only say a few words about the nature of human knowledge. But we shall understand one another if we begin by asking how it is acquired as distinct from what it may signify. You all know that the human being could never attain to knowledge if he did not think, if in his mind he did not carry on something akin to work in ideation or thinking. Knowledge does not come of itself. The human being has to undertake work within himself, he has to allow ideas to pass through his mind if he wants to know. As adherents of Spiritual Science we have to ask ourselves where in human nature those processes take place which we designate as ideation, as mental representation, and which lead to knowledge.

[ 5 ] Der materialistische Erkenntnistraum unserer Zeit, die philosophische Phantastik unserer Zeit glauben, daß Erkenntnis dadurch zustande kommt, daß eine Gehirnarbeit verrichtet wird. Gewiß wird bei der Erkenntnis eine Gehirnarbeit verrichtet, aber wenn wir ins Auge fassen, daß zunächst die Hauptsache bei der Erkenntnis die innere Arbeit der Seele im Vorstellungsleben ist, dann müssen wir die Frage aufwerfen: Hat dieses Vorstellungsleben in seinem Inhalte, wohlgemerkt ich sage Inhalt, irgend etwas zu tun mit der Arbeit, die im Gehirn verrichtet wird? - Das Gehirn ist ein Teil des physischen Leibes, und alles das, was Vorstellungsleben seinem Inhalte nach ist, was unsere die Erkenntnis herbeiführende Vorstellungsarbeit der Seele ist, alles das geht nicht bis zum physischen Leib, alles das vollzieht sich in den drei höheren Gliedern der menschlichen Wesenheit, von dem Ich durch den Astralleib zum Ätherleib herunter. Und Sie werden in allen Elementen des Vorstellungslebens dem Inhalte nach nichts darin finden, was irgendwie im äußeren physischen Gehirn vor sich gehen würde. Wenn wir also bloß von dem Vorstellungsinhalt, von der Vorstellungsarbeit sprechen, so müssen wir diese lediglich in die drei höheren übersinnlichen Glieder der menschlichen Wesenheit verlegen, und dann können wir uns fragen: Was hat denn nun das Gehirn mit dem zu tun, was da übersinnlich sich abspielt in der menschlichen Wesenheit? - Die triviale Wahrheit gibt es allerdings, auf die sich die heutigen Philosophen und Psychologen berufen, daß, während wir erkennen, Vorgänge im Gehirn stattfinden. Gewiß, diese triviale Wahrheit ist richtig, kann und soll gar nicht abgeleugnet werden. Aber von der Vorstellung selbst lebt nichts im Gehirn. Welche Bedeutung hat das Gehirn, hat überhaupt die äußere leibliche Organisation für die Erkenntnis, sagen wir zunächst nur für das Vorstellungsleben?

[ 5 ] According to the materialistic illusion, the typical philosophic fantasy of today, knowledge comes about as a result of work carried out by the brain. Admittedly, work does take place in the brain in the act of cognition, but if we bear in mind that the main thing in knowledge is the work within the soul in the life of ideation, the question must arise: ‘Has the content of the process of ideation anything to do with the work which goes on in the brain?’ The brain is part of the physical body, and what constitutes the content of our life of ideation, what constitutes the work of our soul in ideation, in mental representation, which is what brings knowledge about, does not go as far as the physical body; that all takes place in the three higher members of the human being, takes place from the ego through the astral body down to the etheric body. As far as its content goes, you will find nothing in any element of our process of ideation which takes place in the physical brain. Thus, if we are talking expressly of the content, or of the activity of mental representation, we must attribute that solely to the three higher super-sensible members of the human being, and then we can ask ourselves what the brain has to do with all this that goes on supersensibly in the human being. The obvious truth upon which modern philosophy and psychology are based, that in the act of cognition processes do take place in the brain, has of course to be admitted, it cannot and should not be denied, but it is relatively unimportant. Nothing of the mental representation itself lives in the brain. What significance, then, has the brain, has the external bodily organisation in general, for knowledge, or let us say to begin with, for the life of ideation?

[ 6 ] Da ich eben kurz sein muß, so kann ich sie nur durch ein Bild andeuten. Gerade dieselbe Bedeutung hat die Arbeit des Gehirns zu dem, was eigentlich vorgeht in unserer Seele, wenn wir vorstellen, denken, wie der Spiegel für den Menschen, der sich darin sieht. Wenn Sie mit Ihrer Persönlichkeit durch den Raum gehen, da sehen Sie sich nicht zunächst. Wenn Sie einem Spiegel entgegengehen, da sehen Sie das, was Sie sind, wie Sie aussehen. Derjenige, der nun behaupten wollte, das Gehirn denke, es ginge die Vorstellungsarbeit im Gehirn vor sich, der redet gerade so gescheit wie der, der einem Spiegel entgegengeht und sagt: Ich, ich bin nicht da, wo ich gehe; das bin nicht ich; ich muß einmal da hereingreifen - in den Spiegel -, da drinnen stecke ich. - Da würde er sich bald davon überzeugen, daß er im Spiegel gar nicht darin steckt, daß der Spiegel allerdings der Veranlasser ist, daß das, was außerhalb des Spiegels ist, sich sieht. Und so ist es überhaupt mit aller physischen Leibesorganisation. Das, was da durch die Arbeit des Gehirns erscheint, das ist innere übersinnliche Tätigkeit der drei höheren Glieder der menschlichen Organisation. Daß diese für den Menschen selber erscheinen kann, dazu ist der Spiegel des Gehirns notwendig, so daß wir das, was wir übersinnlich sind, wahrnehmen durch den Spiegel des Gehirns. Und es ist lediglich eine Folge der gegenwärtigen menschlichen Organisation, daß das so sein muß. Der Mensch würde seine Gedanken zwar denken, aber er könnte nichts wissen von ihnen als gegenwärtiger Erdenmensch, wenn er nicht den spiegelnden Leibesorganismus, zunächst das Gehirn hätte. Aber alles das, was die modernen Physiologen und zum Teil die Psychologen tun, um das Denken zu erkennen, ist eben gerade so gescheit, als wenn ein Mensch im Spiegel darin seiner Wirklichkeit nach sich suchen würde. Das alles, was ich Ihnen hier mit ein paar Worten gesagt habe, das kann man heute auch schon vollständig erkenntnistheoretisch begründen, kann es streng wissenschaftlich aufbauen. Eine andere Frage ist diejenige, ob man natürlich mit einer solchen Sache irgendwie verstanden werden kann. Die Erfahrungen sprechen heute noch dagegen. Man kann diese Dinge heute in einer noch so strengen Weise auch Philosophen auseinandersetzen, sie werden kein Sterbenswörtchen davon verstehen, weil sie auf diese Dinge eben nicht eingehen wollen, ich sage ausdrücklich: wollen. Denn es ist heute noch in der äußeren exoterischen Welt gar kein Wille vorhanden, auf die ernsthaftesten Fragen des menschlichen Erkenntnisvermögens wirklich einzugehen.

[ 6 ] Since I must be brief, I can only indicate it pictorially. As regards what really happens in our souls in the forming of ideas and in thinking, the work of the brain has precisely the same significance as a mirror has for the man who sees himself in it. When you with your personality move through space, you do not see yourself—unless you meet a mirror; then you do see what you are, you see how you look. A man who claims that the brain thinks, a man who professes that the work of ideation, of representation, goes on in the brain, is just about as shrewd as the man who looks at a mirror and says: ‘I am not walking about out here, that is not me. I must get inside the mirror, that is where I am.’ He would soon become convinced that he was not in the mirror, but that the mirror was reflecting what was outside it. So it is with the whole of the physical organisation. What becomes evident through the work of the brain is the inward super-sensible activity of the three higher members of the human organisation. The mirror of the brain is needed in order that this activity may become evident to the human being himself, in order that through the mirror of the brain he may perceive what he is supersensibly; this is an inevitable result of our contemporary human organisation. If, as an earthly being today, man had not this reflecting bodily organism, primarily the brain, he would still think his thoughts but he would not be aware of them. The whole endeavour of modern physiology and a good deal of modern psychology to understand thinking is about as clever as looking into a mirror to find your own reality. What I have here said in a few words can be epistemologically and scientifically substantiated in the strictest manner. It is of course quite another question whether the argument would be at all understood. Experience indeed suggests the contrary. In however strictly logical a manner one argues today even with philosophers, they do not understand a mortal word, because they just do not want to go into these things. For in the outer world today there is still absolutely no will to tackle the most serious problems concerning the human faculty of cognition.

AltName

[ 7 ] Wollen wir in einer richtigen Weise uns ein schematisches Bild von dem menschlichen Erkenntnisprozesse machen, so müssen wir sagen — nehmen wir das als das Schema der äußeren physischen menschlichen Leibesorganisation -: In alledem, was äußere physische Leibesorganisation ist, geht gar nichts vor von dem, was Denken, was Erkennen ist, sondern das geht in dem anschließenden Ätherleib, Astralleib und so weiter vor. Da drinnen sitzen die Gedanken, die ich hier schematisch mit diesen Kreisen anzeichne. Und diese Gedanken gehen nicht etwa in das Gehirn hinein — das zu denken wäre ein völliger Unsinn -, sondern sie werden gespiegelt durch die Tätigkeit des Gehirns und wiederum zurückgeworfen in den Ätherleib, den Astralleib und das Ich, und die Spiegelbilder, die wir selbst erst erzeugen und die uns sichtbar werden durch das Gehirn, die sehen wir, wenn wir als Erdenmenschen gewahr werden, was wir eigentlich treiben in unserem Seelenleben. Da drinnen im Gehirn ist gar nichts von einem Gedanken. So wenig ist im Gehirn etwas von einem Gedanken, wie hinter dem Spiegel etwas von Ihnen ist, wenn Sie sich darin sehen. Aber das Gehirn ist ein sehr komplizierter Spiegel. Der Spiegel, in dem wir uns da draußen sehen, ist einfach, das Gehirn aber ist ein ungeheuer komplizierter Spiegel, und es muß eine komplizierte Tätigkeit stattfinden, damit das Gehirn das Werkzeug werden kann, um nicht unsere Gedanken zu erzeugen, sondern sie zurückzuspiegeln. Mit anderen Worten, bevor überhaupt von einem Erdenmenschen ein Gedanke zustande kommen konnte, mußte eine Vorbereitung geschehen. Und wir wissen, daß dies geschehen ist durch die alte Saturn-, Sonnen- und Mondenzeit und daß schließlich der heutige physische Leib, also auch das Gehirn, ein Ergebnis der Arbeit vieler geistigen Hierarchien ist. So daß wir sagen können: Mit dem Beginne der Erdenentwickelung war der Mensch auf der Erde so gestaltet, daß er sein physisches Gehirn ausbilden konnte, daß es werden konnte der spiegelnde Apparat für das, was der Mensch eigentlich ist und was erst in der Umgebung dieser physischen Leibesorganisation vorhanden war.

[ 7 ] Let us take this diagram to represent the human physical bodily organisation. When we wish to express in correct diagrammatic form the human process of cognition, we have to say: ‘No part of what thinking is, nothing of the act of cognition, takes place anywhere within this external physical organism; it all takes place in the adjacent etheric and astral bodies and so on.’ It is there that all the thoughts which I have indicated diagrammatically by these circles are to be found. These thoughts do not enter into the brain at all—it would be nonsense to think that they do—they are reflected through the activity of the brain and thrown back again into etheric body, astral body and ego. And it is these images which we ourselves have first produced, and which are then made visible to us by the brain—it is these mirrored images which we see when as earthly men we become aware of what actually goes on in our soul-life. Within the brain there is absolutely no thought; there is no more of thought in the brain than there is of you in the mirror in which you see yourself. But the brain is a very complicated mirror. The external mirror in which we see ourselves is simple, but the brain is tremendously complicated and of necessity a complex activity takes place in order that it can become the instrument, not indeed for producing thought but for reflecting it. In other words, before a single thought of a single earthly man could come into existence, there had to be a preparation. We know that this preparation took place during the Saturn, Sun and Moon evolutions, and that in fine the present physical body, and with it the brain, is the result of the work of many spiritual hierarchies. So we can say that by the beginning of Earth evolution man on Earth was so formed that he could develop his physical brain to become the reflecting apparatus for what the human being really is, for the real man, who is at first only to be met with in the environment of this our physical bodily organisation. That is how we put it today, and it can surely be understood, at all events by an. audience of anthroposophists. Fundamentally this process of cognition we are examining is quite easy to understand.

[ 8 ] So sagen wir heute, und so kann es unter Umständen eine anthroposophische Zuhörerschaft schon verstehen. Im Grunde genommen ist dieser Erkenntnisprozeß sogar recht leicht zu verstehen. Das, was wir heute in dieser Art verstehen können, das empfand der alte Grieche, das fühlte er, und aus dem Grunde sagte er sich: Hier in dieser physischen Leibesorganisation ist, ohne daß der Mensch natürlich ein unmittelbares Bewußtsein davon hat, etwas ungeheuer Bedeutungsvolles verborgen. Diese physische Leibesorganisation ist zwar aus der Erde genommen, da sie aus Stoffen und Kräften der Erde besteht, aber es ist etwas hineingeheimnißt, was zurückspiegeln kann das ganze menschliche Seelenleben. - Das, was da von der Erde heraus, also wiederum makrokosmisch, an dem Aufbau des Gehirnes beteiligt ist, das nannte der alte Grieche, wenn er sein Gefühl auf den Mikrokosmos, auf den Menschen anwendete, das dionysische Prinzip, so daß in uns der Dionysos dahin wirkt, unsere Leibesorganisation zum Spiegel unseres Geisteslebens zu machen.

[ 8 ] What we today are able to understand in this way was felt by the ancient Greek, and therefore he said to himself: ‘There is concealed in this physical bodily organism, without man's having any direct consciousness of it, something of great significance. This physical organism is undoubtedly from the Earth, since it consists of the materials and forces of the Earth, but there is something secreted within it which can reflect back the whole life of the human soul.’ When the ancient Greek was directing his feeling upon the microcosm, upon man, he called this element—coming from the Earth and thus macrocosmic—this element which played a part in the constructing of the brain, the Dionysian principle; so that it is Dionysos who works in us to make our bodily organism into a mirror of our spiritual life.

[ 9 ] Nun können wir, wenn wir anknüpfen an diese, ich möchte sagen, rein theoretische Auseinandersetzung, die leiseste erste Seelenprüfung daran erfahren; sie ist die leiseste Seelenprüfung, und da der heutige Mensch nicht gerade in der allerfeinsten Weise organisiert ist, so geht er an ihr zumeist vorbei. Es muß schon gröber kommen mit diesen Prüfungen, wenn der heutige Mensch sie empfinden soll. Erst dann, wenn man in gewisser Weise enthusiasmiert ist für die Erkenntnis, wenn man Erkenntnis als Lebensfrage betrachtet, dann fühlt man das, was gesagt werden soll, eben doch als erste große Seelenprüfung. Sie tritt dann ein, wenn man sich aus einer solchen Erkenntnis heraus etwa das Folgende sagen muß: Da tönt uns herüber aus uralten Zeiten das große Weisheitswort: «Erkenne dich selbst!» - Selbsterkenntnis als Angelpunkt aller anderen wahren Erkenntnis leuchtet uns als ein hohes Ideal vor, das heißt, wir versuchen anzustreben, indem wir überhaupt zu einer Erkenntnis kommen wollen, zuerst uns selbst zu erkennen, das zu erkennen, was wir sind. Nun verläuft aber all unser Erkennen im Vorstellungsleben. Das Vorstellungsleben, das wir vor uns haben, das uns auch alle äußeren Dinge wiedergibt, dieses Vorstellungsleben erfahren wir als Spiegelbild. Es dringt überhaupt gar nicht ein in das, was wir zunächst als physische Leibesorganisation sind, es wird uns zurückgeworfen, und ebensowenig wie der Mensch sehen kann, was hinter dem Spiegel ist, ebensowenig kann der Mensch in seine physische Wesenheit hineinschauen. Er dringt auch nicht ein, weil sein Seelenleben ganz ausgefüllt ist vom Vorstellungsleben. Man muß sich sagen: Es ist also dann überhaupt unmöglich, sich selbst kennenzulernen, man kann gar nichts anderes kennenlernen als sein Vorstellungsleben, was uns erst zum spiegelnden Apparat gemacht hat. Unmöglich können wir da eindringen, denn wir können nur bis an die Grenze kommen; da wird das ganze Seelenleben zurückgeworfen, so wie im Spiegel das Bild des Menschen zurückgeworfen wird. — Werden wir so aufgefordert durch ein unbestimmtes Gefühl, uns selbst zu erkennen, so müssen wir uns gestehen: Wir können uns gar nicht selbst erkennen, es ist uns unmöglich, uns selbst zu erkennen.

[ 9 ] Now if we apply ourselves to this purely theoretical exposition, if we enter into it, we can experience that the soul is being put to a first and very gentle trial; it is very slight, and since the organisation of present-day man is not tuned to the most delicate refinements, it usually passes unnoticed. These challenges will have to become ruder if the man of today is to feel them. It is only when one is filled with enthusiasm for knowledge, when one looks upon the attainment of knowledge as a matter of life itself, that one feels what I am about to describe as a first tremendous challenge to the soul. It comes about when this very knowledge leads us on to recognise that the mighty word of wisdom ‘Know thyself’, resounds towards us out of primeval times. Self-knowledge, as the cardinal maxim upon which all other true knowledge turns, shines before us as a high ideal. In other words, if we want to attain knowledge in general, we must first endeavour to get to know ourselves, to get to know what we are. Now all our knowledge takes its course in the process of ideation. Our life of ideation, or mental representation, which reproduces for us all the things outside us, we experience in the form of mirrored image. The process does not penetrate at all into what we are as physical bodily organism; it is thrown back to us, and the human being can no more see into his own physical being than he can see what is behind the mirror. Moreover he does not penetrate into his physical organisation because his soul-life is completely filled by this process of representation. One is obliged to say: ‘Then it is quite impossible to learn to know oneself, one can come to know nothing but this process of ideation which has turned one into a reflecting apparatus. It is impossible to penetrate further, we can only reach as far as the frontier; and at the frontier the whole life of the soul is thrown back again, as a man's image is thrown back in a mirror.’ If an undefined feeling challenges us to know ourselves, we have to confess that we cannot do it, that it is impossible for us to know ourselves.

[ 10 ] Das, was ich jetzt gesagt habe, ist für die meisten Menschen der Gegenwart eine Abstraktion, weil sie eben nicht einen Enthusiasmus der Erkenntnis haben, weil sie nicht die Leidenschaft entwikkeln können, die sich abspielen muß, wenn wir die Seele hingestellt sehen vor die Notwendigkeit dessen, was sie eigentlich haben muß. Aber denken Sie sich das als Gefühl ausgebildet, dann haben Sie die Seele vor eine harte Prüfung gestellt, vor die Prüfung: Du mußt etwas erreichen, was du gar nicht erreichen kannst! Geisteswissenschaftlich ausgedrückt, würde das heißen: Alle äußere Erkenntnis, alles das, was der Mensch exoterisch erreichen kann, führt überhaupt zu keiner Selbsterkenntnis. — Daraus ginge hervor das Bestreben, auf einem ganz anderen Wege als auf dem der gewöhnlichen Erkenntnis zu dem vorzudringen, was die Arbeit des Dionysos in uns ist, zu unserer eigenen Wesenheit. Und das sollte in den Mysterien geschehen. Mit anderen Worten: in den Mysterien wurde den Menschen etwas überliefert, was mit dem gewöhnlichen Seelenleben, das sich nur spiegelt an unserer Leibesorganisation, überhaupt nichts zu tun hat. Die Mysterien durften den Menschen nicht auf das exoterische Wissen beschränken, denn dadurch hätten sie ihn nie in sich selbst hineinführen können. Wer also bloß das äußere exoterische Wissen zugeben will, der müßte konsequenterweise sagen: Die Mysterien müssen überhaupt ein Humbug gewesen sein, denn sie haben nur einen Sinn, wenn etwas ganz anderes angestrebt wird als das äußere Wissen, um zum Dionysos zu kommen. — Wir haben in den Mysterien also eine gewisse Art von Vorgängen zu suchen, welche in ganz anderer Weise an den Menschen herantreten als alles das, was im exoterischen Leben äußerlich an den Menschen herantreten kann. Da stehen wir dann unmittelbar vor der Frage: Gibt es überhaupt ein Mittel, hinunterzusteigen in das, was sonst nur der spiegelnde Apparat ist?

[ 10 ] What I have just been saying is for most men of today an abstraction, because they have no enthusiasm for knowledge, because they are incapable of developing the passion which must come into play when the soul is confronted by its own absolute need. But imagine this realisation developed into feeling, and then the soul is faced with a hard task indeed: ‘You must attain something which you cannot attain!’ In terms of Spiritual Science that means that no knowledge which man can acquire by exoteric means will lead to any degree of self-knowledge. From this springs the endeavour to press on by quite another path than that of ordinary knowledge to what the work of Dionysos within us is—to our own being. That has to take place in the Mysteries. In other words, something was given to man in the Mysteries which had nothing to do with the ordinary soul-life, that is only mirrored in our bodily organisation. The Mysteries could not confine man within the limits of exoteric knowledge, for that would never have enabled them to lead man into himself. Anyone determined to recognise only exoteric science would consequently have to say: ‘The Mysteries must have been pure humbug, for they only make sense on the assumption that something quite different from ordinary knowledge was cultivated in them, with the object of reaching Dionysos.’ Thus in the Mysteries we have to expect happenings of a kind which approach man in quite another way from all that man meets in ordinary exoteric life. This brings us directly up against the question: ‘Is there really any means of penetrating into what is ordinarily only a reflecting apparatus?’

[ 11 ] Ich möchte zuerst bei Kleinstem anfangen, meine lieben Freunde. Schon wenn man den allerersten Schritt macht in der Darstellung der höheren geistigen Wahrheiten, die zu der Wirklichkeit und nicht zu der äußeren Maja, zu der Illusion gehen, ist man gezwungen, in einer ganz anderen Weise sich zu verhalten, als man sich verhält bei der Darstellung des äußeren wissenschaftlichen oder sonstigen äußeren Lebens. Deshalb wird man auch so schwer verstanden. Die Menschen streben heute danach, alles in Fesseln hineinzubringen, Goethe würde sagen, in spanische Stiefel hineinzuschnüren, welche einmal für die äußere Wissenschaft geformt und gemacht sind, und was nicht so auftritt, gilt nicht als wissenschaftlich. Aber mit solchem Wissen kann man gerade nicht in das Wesen der Dinge eindringen. Daher sehen Sie, daß schon in den Vorträgen, die hier über Geisteswissenschaft gehalten werden, ein anderer Sul, eine andere Darstellungsweise eingehalten wird als in der gewöhnlichen äußeren Wissenschaft, daß die Dinge so charakterisiert werden, daß man sie von verschiedenen Seiten her beleuchtet, daß man in einer gewissen Weise die Sprache wiederum ernst nimmt. Und wenn man die Sprache ernst nimmt, so kommt man zu etwas, was man den Genius der Sprache nennen könnte. Bei einer anderen Gelegenheit habe ich das hier in diesen Vorträgen schon gesagt, und nicht umsonst gebrauchte ich in dem zweiten RosenkreuzerMysterium, in der «Prüfung der Seele», für eine ursprüngliche Tätigkeit der Welten-Schöpfer das Wort «dichten» oder in der «Pforte der Einweihung» für Ahriman das Wort «er schafft in dichtem Lichte». Derjenige, der nach unseren heutigen Gewohnheiten solche Worte beurteilt, wird glauben, das sind halt Worte, wie andere Worte auch. Nein! Das sind Worte, welche auf den ursprünglichen Sprachgenius wieder zurückgehen, die aus der Sprache dasjenige herausholen, was noch nicht durch das menschliche bewußte IchVorstellungsleben durchgegangen ist. Und die Sprache hat vieles von dem.

[ 11 ] I should like to begin from something seemingly quite unimportant. As soon as one takes the very first step in describing spiritual truths—truths which lead to reality and not to the maya of the outer world, not to illusion—one has to set about it in quite a different way from the way one sets about describing scientific or other matters in ordinary life. That is why it is so difficult to make oneself understood. Today men try to confine everything within the fetters which have been forged for modern science, and nothing that is not presented in this form is accepted as ‘scientific’. But with such knowledge it is impossible to penetrate into the nature of things. Hence in the lectures on Spiritual Science which are given here, a different style, a different method of presentation is used from the one to which ordinary science is accustomed; here things are so described that light is thrown upon them from several sides, and in a certain way language is taken seriously again. If one takes language seriously, one reaches what one might call the genius of language. In one of the earlier lectures of this course I said that it was not for nothing that in my second Rosicrucian Mystery Play, The Soul's Probation, I used the word dichten for an original activity of the World Creator, or that in The Portal of Initiation I said of Ahriman that he creates ‘in dichtem Lichte’.1dichten = to compose, as author or a poet, to make literature; dicht = thick. In Ahriman's speech in Scene 4, he says: ‘Ich wirke diese Schönheit in dichtem Licht’—translated in the English version as ‘which charm I weave for thee in light condensed’. Anyone who appraises such words in the light of present-day usage will believe that they are just words like any other. Not at all. They are words which go back to the original genius of language, words which draw out of the language something that has not yet passed through the conscious human ego-life of ideation. And language has many instances of this.

[ 12 ] Ich habe in meiner neuesten Schrift, die jetzt morgen oder übermorgen hier aufliegen wird, aufmerksam gemacht, was für ein schönes Wort noch in der alten deutschen Sprache für das vorhanden war, was man im abstrakten mit «geboren werden» bezeichnet. Wenn heute ein Mensch auf die Welt kommt, sagt man, er ist geboren worden. In der alten deutschen Sprache hatte man noch ein anderes bezeichnendes Wort dafür. Man war sich nämlich als Mensch nicht bewußt, was da eigentlich vorgeht bei der Geburt, aber der Sprachgenius, an dem Dionysos einen Anteil hat und bis zu dem das Vorstellungsleben, das sich sonst nur reflektiert, herunterreicht, wußte: wenn der Mensch durch die Pforte des Todes tritt, dann wirken in ihm zunächst in den ersten Zeiten zwischen Tod und einer neuen Geburt diejenigen Kräfte, die er sich aus dem vorigen Leben mitgenommen hat und die ihn im vorigen Leben haben alt werden lassen. Bevor wir sterben, werden wir alt, und die Kräfte, die uns alt werden lassen, die nehmen wir mit hinüber. In den ersten Zeiten unseres Lebens zwischen dem Tod und einer neuen Geburt wirken diese Kräfte, welche uns alt werden lassen, weiter. Dann aber beginnt in der zweiten Hälfte jenes Lebens zwischen Tod und neuer Geburt eine ganz andere Art von Kräften. Da greifen diejenigen Kräfte ein, die uns wiederum so formen, daß wir als kleines Kind zur Welt kommen, daß wir jung zur Welt kommen. Auf dieses Mysterium deutete die mittelalterliche Sprache hin, wenn sie nicht bloß das abstrakte Wort «geboren werden» nahm, sondern wenn gesagt wurde im Mittelalter «der Mensch ist jung geworden!» Ein ungeheuer bezeichnendes, bedeutsames Wort, «der Mensch ist jung geworden!» Im zweiten Teil von Goethes «Faust» treffen wir dieses Wort «im Nebellande jung geworden». Nebelland ist ein Ausdruck für das mittelalterliche Deutschland. Im Nebellande jung geworden heißt nichts anderes, als in Deutschland geboren worden sein, aber es liegt in diesem Worte das Bewußtsein des Sprachgenius, also einer höheren Wesenheit, als der Mensch es ist, die mitschöpferisch war an der menschlichen Organisation. Daß man von Dichtung in der deutschen Sprache spricht, dem liegt das Bewußtsein zugrunde, daß der Dichter den Sinn, der sonst ausgebreitet liegt in der Welt, zusammendichtet, daß er dasjenige, was sonst draußen in der Welt verbreitet ist, kondensiert. Es wird einmal eine Sprachwissenschaft geben, die nicht so trocken und nüchtern sein wird wie die heutige, weil sie auf den lebendigen Sprachgenius eingehen wird, der heute noch unterhalb dessen liegt, was bei den Ich-Menschen der Gegenwart das bewußte Vorstellungsleben ist. Aus diesem Sprachgenius muß manches herausgeholt werden, wenn man die Dinge der geistigen Welt charakterisieren will, die ja auch hinter demjenigen liegen, was das gewöhnliche Bewußtsein umfaßt.

[ 12 ] In the book The Spiritual Guidance of Man and of Mankind, I have pointed out what a beautiful expression there still was in old German for what is indicated in an abstract way by geboren werden (to be born). When a man comes into the world today he is said ‘to be born’. In old German there was another expression for this. The human being was of course not conscious of what really takes place at birth, but the genius of language, in which Dionysos plays a part, reaching in this way right into the activity of mental representation as distinct from the mere reflection of it—the genius of language knew that, when the human being goes through the gate of death, then in the first part of the time between death and a new birth, forces are at work in him which he has brought with him from his previous life and which are the forces which caused him to grow old in that life. Before we die we become old, and the forces which make us old we carry over with us. In the first part of the time between death and a new birth these forces go on working. But in the second half of the life between death and rebirth quite different forces set in. Forces take hold of us which fashion us in such a way that we return to the world as little children, that we become young. The language of the Middle Ages hinted at this mystery, by not using merely the abstract phrase geboren werden but by saying: Der Mensch ist jung geworden (the man has become young). This is an extremely significant expression! In the second part of Goethe's Faust2Part II Act 2. Laboratory Scene. Spoken by Homunculus. we find this phrase: im Nebellande jung geworden. Nebelland is an expression for the Germany of the Middle Ages; it means no more than to have been born in Germany, but in this expression there lies an awareness of the genius of language, thus of a higher Being than man, who participated in the creation of the human organism. That one speaks of ‘Dichtung’ in German is based on awareness that the ‘Dichter’ brings together what is outspread in the world, condenses it. One day there will be a philosophy which is not so dry and prosaic, not so philistine as that of today, because it will enter into the living genius of language, which in the ego-man of today underlies his conscious life of ideation. Much has to be elicited from this genius of language if one wants to characterise the things of the spiritual world, which lie beyond what ordinary consciousness can grasp.

[ 13 ] So muß ein anderer Sprachstil, ein anderer Stil der Darstellung auftreten, wenn geistige Dinge charakterisiert werden sollen. Daher das Befremdliche, das da auftritt in mancherlei Charakteristik der höheren Welten, welches notwendigerweise auftreten muß. Also schon wenn wir nur anfangen, die Dinge der geistigen Welt zu besprechen, dann kommen wir dabei zu etwas, was eigentlich zurückgehen müßte hinter das, was der Mensch in seinem Bewußtsein hat. Es muß aus den unterbewußten Seelengründen heraufgeholt werden. Dabei ist für den heutigen Menschen, der das tut, tatsächlich etwas notwendig, was sich ja recht kleinlich ausnimmt, was aber doch wichtig ist. Will man nämlich im wahren Sinn Dinge der Geisteswissenschaft charakterisieren, dann muß man zuerst auf die gewöhnlichen gangbaren Mittel des sprachlichen Ausdrucks verzichten. Man muß vielleicht so weit gehen, daß man sagt: Wenn du auf diese Mittel des gewöhnlichen Ausdrucks im Sprachgebrauch verzichtest, dann werden dich die Professoren und sonstige gescheite Leute einen Menschen nennen, der seine Sprache überhaupt nicht in der richtigen Weise beherrscht. Die werden allerlei zu tadeln finden, die werden deine Ausdrucksweise unklar finden, die werden allerlei mäkeln an der Art und Weise, wie in der Geisteswissenschaft ausgedrückt wird. - Das aber muß man schon bewußt hinnehmen, denn das muß so sein. Dem muß man kühn ins Auge schauen, daß man vielleicht für einen Dummkopf gehalten wird, weil man darauf verzichtet, in der gewöhnlichen äußeren Ausdrucksweise das sogenannte logisch Vollkommene, das in höherer Beziehung ein logisch höchst Unvollkommenes ist, zum Mittel seines Ausdrucks zu machen.

[ 13 ] Thus another method of presentation has to be used in the description of spiritual things. Hence the strangeness which is bound to be felt in many descriptions of the higher worlds. When we speak of the spiritual worlds we already meet at the very outset with something which must have originated behind what the human being has in his consciousness. It has to be drawn from the sub-conscious depths of the soul. Moreover, if one does this today something is necessary which seems quite trivial but is nevertheless important. If one wants to describe spiritual-scientific things in their true sense, one must forego the use of the customary terminology. One has perhaps even to go so far as to acknowledge quite consciously: ‘If you reject the customary terminology then the professors and all the other intellectuals will say you have no proper command of language. They will find all manner of things to object to, they will find you lacking in clarity; they will carp at all sorts of things in the way in which Spiritual Science is expressed.’ One has to accept that quite consciously, for it is inevitable. One must face up to the fact that one will probably be looked upon as stupid, because one fails to make use of the customary ‘perfectly logical’ terms, which in a higher connection are the height of imperfection.

[ 14 ] Was ich Ihnen so im Kleinlichen, nicht einmal bloß im Kleinen angedeutet habe, das war für den Mysterienschüler im griechischen Altertum und ist heute noch für den Mysterienschüler notwendig. Er muß sich gerade, um zu seinem vollen Selbst zu kommen, um zu seiner inneren Wesenheit hinunterzudringen, die sich sonst nur spiegelt an der äußeren Leibesorganisation, entäußern der gewöhnlichen äußeren bewußten Art des Wissens. Oberflächliche Menschen könnten jetzt natürlich gleich sagen: Du verlangst aber doch, daß der Mensch seinen gesunden Menschenverstand immer behält und alles auch in bezug auf die höheren Welten nach dem gesunden Menschenverstand beurteilt -, jetzt aber sagst du: Der Mensch soll sich der gewöhnlichen äußeren bewußten Art des Wissens entäußern. — Das ist ein scheinbarer Widerspruch. In Wirklichkeit ist es möglich, durchaus möglich, mit allem gesunden Menschenverstand die Dinge der höheren geistigen Welten zu prüfen und dennoch sich der äußeren Form des bewußten Wissens, das wir gewohnt sind von der äußeren Welt her, zu enthalten. Dabei stehen wir aber wiederum vor einer starken Prüfung unserer Seele. Worin besteht diese Prüfung unserer Seele?

[ 14 ] What I have pointed out to you as a small matter—or not so small—was in ancient Greece a necessity for the pupil of the Mysteries, and is still so today. In order to come to his full self, in order to penetrate into his inmost being, which otherwise is only reflected by his external bodily organisation, the pupil must divest himself of the usual conscious external method of acquiring knowledge. Superficial persons could of course immediately say: ‘But you claim that the human being always retains his common sense, and judges everything in the higher worlds in accordance with it; yet you now say that he must renounce normal external knowledge. Surely that is a contradiction!’ In reality it is quite possible to test the things of the higher spiritual worlds with common sense and intelligence while nevertheless withdrawing from that form of conscious knowledge to which we are accustomed in the outer world. Here our souls are once more faced by a severe ordeal. In what does this ordeal consist?

[ 15 ] Wie das heutige Leben nun einmal ist, ist die Seele gewohnt, in denjenigen Formen zu denken und den gesunden Menschenverstand anzuwenden, die im gewöhnlichen Vorstellungsleben an der äußeren Welt geschult sind. Daran ist die Seele gewöhnt. Und nun stellen wir uns einmal irgendeinen Professor, irgendeinen Gelehrten der äußeren Wissenschaft vor, der in diesen Formen des äußeren Wissens ganz außerordentlich gut denken kann. Da können Menschen kommen und sagen: Da willst du nun diesem Professor etwas begreiflich machen, der ganz gewiß wissenschaftlich im heutigen Sinne denken kann; wenn der dich nicht versteht, so mußt du etwas gesagt haben, was überhaupt nicht zu verstehen ist. — Es soll gar nicht geleugnet werden, daß dieser Professor den gesunden Menschenverstand hat für die Dinge der gewöhnlichen äußeren Welt. Dasjenige aber, was in unserm Falle erzählt wird, sind die Dinge der geistigen Welt, und er muß nicht mit jenem Teile seiner Seele zuhören, der den Menschenverstand anwendet auf die gewöhnlichen Dinge der äußeren Welt, sondern mit einem ganz anderen Teil seiner Seele. Und es ist nicht gesagt, daß einem der gesunde Menschenverstand folgen muß, wenn man andere Dinge begreifen will, als es die Dinge sind, die der äußeren Welt angehören und für die man den gesunden Menschenverstand wohl hat; man kann ihn haben für die gewöhnlichen Dinge der äußeren Welt, kann aber völlig von ihm verlassen werden bei Dingen, die der geistigen Welt angehören. Was verlangt wird, wenn man eindringen will in die geistigen Welten, ist nicht die Kritik der geisteswissenschaftlichen Dinge mit den Mitteln des gesunden Menschenverstandes, sondern daß wir unseren gesunden Menschenverstand mit hinaufnehmen, daß wir ihn nicht verlieren auf dem Wege von der äußeren Wissenschaft in die innere, in die Geisteswissenschaft. Wichtig ist, daß die Seele stark genug ist, nicht das Schicksal zu erleben, das so zahlreiche Menschen heute erleben und das man so charakterisieren kann: Wenn solche Menschen, die wirklich, sobald es sich um die äußere Wissenschaft handelt, wahre Musterbilder von Logikern sind, von Geisteswissenschaft hören, dann müssen sie den Weg machen von dem, was ihnen erzählt wird von äußeren Dingen, zu dem, was den geistigen Welten angehört. Auf diesem Wege aber verlieren sie gewöhnlich den gesunden Menschenverstand und bilden sich dann ein, weil sie ihn am Ausgangspunkte des Weges gehabt haben, sie hätten ihn auch später noch. — Es wäre eine böse Täuschung, wenn man glauben wollte, daß man deshalb nicht mit dem gesunden Menschenverstand herandringen könnte an die Dinge der geistigen Welt. Man darf diesen gesunden Menschenverstand unterwegs nur nicht verlieren.

[ 15 ] As things are today, it is the habit of the soul to think and to apply the judgments of common sense within certain moulds, namely in those forms which in the ordinary process of mental representation are taught by the external world. That is the normal thing. And now imagine some professor or other, who is learned in the science of the outer world—and within the forms appropriate to that kind of knowledge an exceptionally able thinker. People come and say: ‘You want to make yourself understood by that professor; he obviously knows how to think scientifically in the modern sense of the term, if he can't understand you, you must have said something it is impossible for anyone to understand!’ Well, there is no need to dispute that our professor has a sound common sense judgment for the things of the ordinary external world. But our subject matter is the things of the spiritual world, and it will not do for him to listen with that part of his soul which brings common sense to bear on the ordinary things of the external world; he would have to listen with quite a different part of his soul. It does not follow that his common sense will continue to accompany a man when he seeks to grasp anything other than the things belonging to the outside world. Those are the things for which common sense is adapted; and a man may well possess an understanding for those things—and yet it may leave him in the lurch when he comes to the things of the spiritual world. What is required if we intend to penetrate into spiritual worlds is—not a critique of spiritual-scientific things conducted by the instrument of common sense, but that we should take our common sense along with us in our approach to them, and not lose it on the way from outer science towards inner, spiritual science. What matters is that the soul should be strong enough to avoid the experience so many people endure today. You could describe it like this. As long as it is only a question of external science, these people are paragons of logic, but when they hear of Spiritual Science, then they have to make the journey from information about external things to information about the spiritual world. And on this journey they generally lose their common sense. Then they fancy that, because they had it with them when they started, they must have had it later on too! It would be a bad mistake to conclude that it is not possible to enter into the things of the spiritual world with common sense. It is just that one must not lose hold of it on the way there.

[ 16 ] In einem viel höheren Sinn war dasjenige, was ich Ihnen jetzt im Kleinlichen vorgelegt habe, für die Mysten Griechenlands notwendig. Notwendig ist es auch für die Mysten der heutigen Zeit. Sie müssen ablegen alles dasjenige, was das gewöhnliche Bewußtsein hat, dennoch aber aus diesem gewöhnlichen Bewußtsein mittragen den gesunden Menschenverstand und dann von einem ganz anderen Gesichtspunkt aus mit dem Werkzeug dieses gesunden Menschenverstandes urteilen. Ohne die Resignation auf das gewöhnliche Bewußtsein ist kein Myste möglich. Dessen muß er sich entäußern, was dienlich ist in der gewöhnlichen äußeren Welt. Und die Prüfung der Seele, die schon hier auftritt, besteht darin, daß man auf diesem Wege von der äußeren gewöhnlichen Welt zur geistigen Welt nicht den gesunden Menschenverstand verliert und dann das für Unsinn hält, was sich als Tieferes ergibt, wenn man den gesunden Menschenverstand behalten hat. So war es auch notwendig für die griechischen Mysten, alles dasjenige, was sie in der äußeren exoterischen Welt erleben konnten, abzulegen und in eine ganz andere Seelenverfassung sich zu begeben, und das ist auch heute noch für den Mysten in Wahrheit notwendig. Daher nehmen die Dinge der äußeren Welt, wenn sie in das Gebiet der Mystik eintreten, zuweilen ganz andere Namen an, und es hat eine tiefe Bedeutung, wenn in dem Rosenkreuzer-Drama «Die Prüfung der Seele» gesagt wird von Benedictus, daß sich in seiner Sprache manche Dinge dem Namen nach wandeln, so wandeln, daß sie sogar die entgegengesetzte Bezeichnung annehmen können. Was Capesius Unglück nennt, muß Benedictus Glück nennen. So wie unser Leben nach dem Tode zunächst rückläufig sich abspielt, daß wir die Dinge zurückerleben, so müssen sich die Namen fast in ihr Gegenteil wandeln, wenn wir in wahrem Sinn von den höheren Welten sprechen. Da können Sie ermessen, welch eine ganz andere Welt es war, die die alten Griechen als den Inhalt ihrer heiligen Mysterien anerkannten.

[ 16 ] What I have just put before you in a petty example was in a far higher sense a necessity for Greek pupils of the Mysteries, as it is for modern mystics also. They have to slough off completely as it were their normal consciousness, yet for all that they have to keep with them the sound common sense which goes with normal consciousness and then make use of it as an instrument for judgment in an entirely different situation, from an entirely different viewpoint. Without relinquishing his normal consciousness no one can become a mystic. He has to do without the consciousness which serves him well in the everyday world. And the challenge to the soul which emerges at this point, on the way from the customary outer world to the spiritual world, is that it should not lose its common sense and treat as nonsense what, if it has held on to its common sense, reveals itself as a deeper experience. Thus the pupil in the Greek Mysteries needed to divest himself of all that he was able to experience in the outer, the exoteric, world, and this is also necessary for the mystic today. Hence the things of the world outside sometimes assume quite different names when they enter into the sphere of mysticism. When in my Rosicrucian play The Soul's Probation it is said of Benedictus that in his speech the names of many things are changed, that they even take on a completely opposite meaning, this is something of deep significance. What Capesius calls unhappiness, Benedictus is obliged to call happiness.3The Soul's Probation, Scene I. Just as after death our life to begin with runs its course backwards and we experience things in backward order, in the same way we have to change the names of things into their opposites if we are speaking in the true sense of the higher worlds. Hence you can estimate what an entirely different world it was which the ancient Greeks acknowledged as the content of the holy Mysteries.

[ 17 ] Und was war in diesem Mysteriensinn selbst der Dionysos innerhalb der Mysterien? Wenn Sie das Büchelchen lesen, das in den nächsten Tagen erscheinen wird, so werden Sie darin sehen, daß es zu allen Zeiten große Lehrer der Menschheit gibt, die unsichtbar bleiben, die sich nur dem hellseherischen Bewußtsein offenbaren. Sie werden daraus sehen, daß es eine Wahrheit war, wenn die alten Ägypter den Griechen, die sie fragten, wer ihre Lehrer seien, antworteten, daß sie, die alten Ägypter, von den Göttern belehrt worden seien. Das war so gemeint, daß die hellsichtigen Menschen inspiriert wurden von den nicht auf die Erde herabsteigenden Lehrern, die im Ätherraum erschienen und sie belehrten. Ich sage Ihnen nicht irgendeine Träumerei, Phantasterei, sondern etwas, was völlig der Wahrheit entspricht. Wenn die Mysten des alten Griechenlands, die eingeführt wurden in die Mysterien, ihre richtige Vorbereitung durchgemacht hatten, so daß sie nicht in einer leichten, oberflächlichen Art solche Dinge fühlten —- wie heute mit abstrakten Worten gesprochen wird -, wenn sie hineingeführt wurden in die heiligen Mysterien, dann waren sie in der Tat in einer Lage, etwas anderes zu sehen, als das gewöhnliche Bewußtsein sieht. Dann waren sie in der Lage, innerhalb der Mysterien den Lehrer zu sehen, der nicht mit physischen Augen gesehen werden kann, der nur dem inspirierten Bewußtsein sichtbar werden konnte. Die physischen Vorsteher der Mysterien, die mit physischen Augen gesehen werden konnten, das waren nicht die Wichtigen. Die Wichtigen waren diejenigen, die in den Mysterien dem hellseherischen Bewußtsein sichtbar wurden. Und in den Mysterien, auf die es uns in diesen Vorträgen ankommt, in den Dionysischen Mysterien, war der größte Lehrer der genügend vorbereiteten Mysten des alten Griechenlands tatsächlich der junge Dionysos selber, jene Gestalt, von der ich schon gesagt habe, daß sie eine reale Gestalt war, die, von Silenen und Faunen gefolgt, den Zug von Europa nach Asien und wieder zurück gemacht hat. Diese Gestalt war auch der wahre Lehrer der Mysten der Dionysischen Mysterien. Dionysos erschien als eine Äthergestalt in diesen heiligen Mysterien, und von ihm konnte man jetzt Dinge wahrnehmen, die nicht bloß als Spiegelbilder geschaut werden im gewöhnlichen Bewußtsein, sondern die unmittelbar heraussprudelten aus der inneren Wesenheit des Dionysos.

[ 17 ] What was the meaning of Dionysos in these Mysteries? If you read the little book The Spiritual Guidance of Man and of Mankind, which is to be published within the next few days, you will see that in all ages there have been great teachers of mankind who have remained unseen, who only manifest themselves to clairvoyant consciousness. You will see that when the ancient Egyptians said, in answer to a question from the Greeks as to who their teachers were, that they were instructed by the gods, it was the truth. They meant that men who were clairvoyant were inspired by teachers who did not descend to Earth, but who appeared to them in the etheric sphere and taught them. I am not putting it fancifully, what I am saying is absolutely true! When in ancient Greece pupils were introduced into the Mysteries, after having undergone due preparation so that they did not take such things lightly, superficially—as is done today when they are discussed in abstract terms—they were then in a position to see within the Mystery the teacher who was not to be seen by physical eyes but was visible only to the inspired consciousness. The hierophants, who were to be seen with physical eyes were not the important people. The important Beings were those visible to clairvoyant consciousness. In the Mysteries with which we are concerned in these lectures, in the Dionysian Mysteries, the highest teacher of the pupils who were sufficiently prepared was in fact the younger Dionysos himself—that figure which I have already told you was a real one, he who was followed by a train of sileni and fauns and who made the journey from Europe to Asia and back again. He was the real teacher of the pupils in the Dionysian Mysteries. Dionysos appeared in an etheric form in the holy Mysteries, and from him it was then possible to perceive things which were not merely seen as mirror-images in normal consciousness, but things which welled forth directly from the inner being of Dionysos.

[ 18 ] Weil aber der Dionysos in uns selber ist, so sah der Mensch sein eigenes Selbst in dem Dionysos und lernte sich erkennen - nicht etwa dadurch, daß er in sich hineinbrütete, wie es aus Unkenntnis der realen Tatsachen heute so oft anempfohlen wird, sondern für die griechischen Mysten war der Weg zur Selbsterkenntnis gerade der, aus sich herauszugehen. Nicht in sich hineinzubrüten und bloß die Spiegelbilder des gewöhnlichen Seelenlebens zu erblicken war der Weg, sondern dasjenige zu schauen, was sie selber waren, in das sie aber gewöhnlich nicht untertauchen konnten, nämlich den großen Lehrer. Diesen großen Lehrer, der noch nicht sichtbar war, wenn der Schüler in die Mysterien eintrat, schauten die Mysten als ihre eigene Wesenheit. Draußen in der Welt, wo ihn die exoterischen Menschen nicht anders kannten denn als Dionysos, da machte er auch als physischer, im Fleische inkarnierter Mensch den Zug von Europa nach Asien und wieder zurück, da war er ein auf dem physischen Plan stehender, wirklicher Mensch. In den Mysterien erschien er in seiner Geistgestalt, die aber durchaus in gewisser Beziehung ähnlich war der wirklichen menschlichen Leiblichkeit, wie sie heute als Leiblichkeit des Ich-Menschen vor uns steht. Das ist das Wesentliche, das wir wohl ins Auge fassen müssen, daß draußen in der Welt in seinen Zügen der Dionysos als ein im Fleische inkarnierter Mensch herumging. In den Mysterien aber, um die Mysten zum höheren Bewußtsein zu erziehen, da erschien der Dionysos in seiner Geistesgestalt.

[ 18 ] But because Dionysos is in us, the human being saw his own self in Dionysos, and learnt to know himself—not by brooding upon himself, as is so often recommended by people who know nothing of reality—but the way to self-knowledge for the Greek Mysteries was to go out of himself. The way to self-knowledge was not to brood upon himself and to gaze only upon the mirror-images of ordinary soul-life, but to contemplate that which he himself was, though he could not reach down to it in normal consciousness, to look upon the great Teacher. The aspirants looked upon the great Teacher, who was not yet visible when they entered into the Mystery, as upon their own being. In the world outside, where he was recognised merely as Dionysos, he made his journey from Europe to Asia and back, actually incarnated in a fleshly body; there he was a real man standing upon the physical plane. In the Mysteries he appeared in his spirit-form.

[ 19 ] Es ist in einer gewissen Beziehung auch heute noch so. Wenn da draußen in der Welt in ihrem Menschengewand die heutigen Führer der Menschheit herumgehen, dann werden sie in der äußeren exoterischen Welt nicht erkannt. Und reden wir auf dem Boden der Geisteswissenschaft von den Meistern der Weisheit und des Zusammenklangs der Empfindungen, dann würden sich die Menschen oftmals wundern, in welcher einfachen, schlichten Menschlichkeit durch alle Länder diese Meister der Weisheit und des Zusammenklangs der Empfindungen kommen. Sie sind vorhanden auf dem physischen Plan. Die wichtigsten Lehren aber erteilen sie nicht auf dem physischen Plan, sondern sie erteilen sie auf dem Geistplan. Und derjenige, der sie hören will, um Lehren von ihnen zu empfangen, der muß nicht nur den Zugang haben zu ihrem physischen, fleischlichen Leibe, sondern er muß Zugang haben zu ihrer Geistgestalt. Das ist in gewisser Beziehung heute noch immer der alten Dionysischen Mystik ähnlich.

[ 19 ] In a certain way it is still so today. When in the world outside the modern leaders of men go about in human garb, they are unrecognised by the world. When from the standpoint of Spiritual Science we talk about ‘The Masters of Wisdom and of the Harmony of Feelings’ people would often be surprised to know in what simple, unassuming human form these Masters are to be found in all countries. They are present on the physical plane. But they do not impart their most important teachings on the physical plane, but following the example of Dionysos of old, they impart them on the spiritual plane. And anyone who wishes to listen to them, to be taught by them, must have access to them not only in their physical bodies of flesh, but in their spiritual forms. In a certain way that is true today as it was in the Dionysian Mysteries of old. Thus one of the tests we have to undergo is to obey the exhortation ‘Know thyself’ by going out of ourselves.

[ 20 ] So gehört es wiederum zu den Prüfungen der Seele, daß wir das Wort «Erkenne dich selbst» dadurch befolgen müssen, daß wir in gewisser Beziehung aus uns herausgehen. Aber es war mit den Dionysischen Mysterien noch eine andere Prüfung der Seele verknüpft. Ich sagte, die Mysten lernten kennen den Dionysos als eine Geistgestalt; sie wurden sogar unterrichtet von ihm in den Mysterien; sie lernten ihn erkennen als eine Geistgestalt, die ganz und gar beherrscht war von dem Wesentlichsten und Wichtigsten in der menschlichen eigenen Natur, die das auf der Erde feststehende menschliche Selbst darstellt. Wenn die griechischen Mysten ihren hellseherischen Blick hin richteten auf diese Gestalt des Dionysos, dann erschien ihnen dieser Dionysos namentlich in seiner Geistgestalt als eine schöne erhabene Gestalt, welche das Menschentum äußerlich in herrlicher Weise darstellte. Nehmen wir einmal an, ein solcher Myste wäre da herausgegangen aus den Mysterienstätten, nachdem er den Dionysos darin gesehen hatte als eine schöne erhabene Menschengestalt. Ich bemerke ausdrücklich, daß der Dionysos auch damals noch geistiger Lehrer war, als der reale Mensch Dionysos, von dem ich erzählt habe, daß er den Zug von Europa nach Asien und wieder zurück gemacht habe, schon gestorben war. In den Mysterien blieb der jüngere Dionysos noch lange Zeit Lehrer. Wenn aber ein solcher Myste herausgegangen wäre aus den Mysterienstätten und draußen in der exoterischen Welt den wirklichen, fleischlich inkarnierten Dionysos gesehen hätte, jenen Menschen, zu dem der höhere Mensch gehörte, den er in den Mysterien gesehen hatte, dann hätte er keinen schönen Menschen gesehen. Gerade wie heute der Mensch, der in den Mysterien steht, nicht hoffen darf, dieselbe Gestalt, die er in der geistigen Welt in hoher Schönheit vor sich sieht, in eben solch hehrer Schönheit auf dem physischen Plan zu sehen, wie er sich klar sein muß, daß die physische Verkörperung der Geistgestalt, die ihm in den Mysterien entgegentritt, vielfach eine Maja, eine Illusion ist und die hehre Schönheit der Geistgestalt verhüllt, dadurch, daß sie in der physischen Welt in gewisser Weise häßlich ist: so war es auch in bezug auf Dionysos. Und was uns als das äußere Bild des Dionysos überliefert wird, der uns als eine nicht so vollkommene Göttergestalt dargestellt wird wie der Zeus, ist tatsächlich das Bild des äußeren, im Fleische verkörperten Dionysos. Der Dionysos der Mysterien war der schöne Mensch; der äußere, im Fleische verkörperte Dionysos wäre damit nicht zu vergleichen gewesen. Daher müssen wir die Gestalt des Dionysos nicht unter den schönsten Menschentypen der alten Zeit suchen. So stellt sie uns auch nicht die Sage vor, und namentlich diejenigen, die zum Gefolge des Dionysos gehören, müssen wir uns so vorstellen, daß sie in einer gewissen Beziehung als Satyrn, als Silenen verhäßlicht die äußere Menschengestalt vorstellen.

[ 20 ] But in the Dionysian Mysteries the soul was exposed to yet another test. I told you that the aspirants learned to know Dionysos as a spirit-form. In the Mysteries they were actually instructed by him, they learned to recognise him as a spirit-form governed entirely by what was most essential and most important in man's own nature, by what represented the human self firmly planted upon the Earth. When the Greek pupils directed their clairvoyant sight upon the figure of Dionysos, then this Dionysos seemed to them a beautiful, sublime figure, a noble external representation of humanity. Now just suppose that one of these pupils had left the Mystery Temple, after having seen Dionysos there as a beautiful, sublime human form. I expressly draw your attention to the fact that the younger Dionysos still remained a teacher in the Mysteries long after the real man, of whom I have told you that he journeyed from Europe to Asia and back again, was dead. If however one of these pupils had left the place where the Mystery was enacted and had encountered in the world outside the real Dionysos incarnated in the flesh, if he had met that human being who corresponded to the higher man whom he had seen in the Mystery, he would have seen no beauty! Just as today the man who has entered into the Mystery may not hope to see the figure which he had before him in sublime beauty in the spiritual world in the same august beauty on the physical plane, just as he must be clear that the physical embodiment of the spiritual form which he met in the Mystery is maya, is complete illusion, and conceals the sublime beauty of the spiritual figure, so that in the physical world it becomes in a way hideous—so it was in the case of Dionysos. And what tradition has given us as the external appearance of Dionysos, who is not represented as such a perfect divine form as Zeus, is in fact the image of the Dionysos who was manifested in the flesh. The Dionysos of the Mystery was a beautiful being; the fleshly Dionysos was not to be compared with him. Hence it is no good looking for the figure of Dionysos among the finest types of antique human beauty. He is not so represented by tradition, and we have in particular to think of those who constituted his followers as being hideous in appearance, like the satyrs and sileni.

[ 21 ] Ja, wir finden sogar etwas höchst Merkwürdiges in der griechischen Mythologie. Uns wird gesagt, was wiederum wahr ist, daß der Lehrer des Dionysos selber ein recht häßlicher Mensch war. Diesen Menschen, der der Lehrer des Dionysos selber war, lernten auch die Mysten der Dionysischen Mysterien kennen: Silen! Silen wird uns aber als eine weise Individualität geschildert. Wir brauchen uns nur zu erinnern daran, daß eine große Anzahl von Weisheitsaussprüchen dem Silen in den Mund gelegt wird, Weisheitsaussprüche, die vielfach darauf hindeuten, wie wertlos das gewöhnliche Leben des Menschen genannt werden muß, wenn es nur in seiner Äußerlichkeit aufgefaßt wird, in seiner Maja, in seiner Illusion. Da wird uns erzählt ein Wort, das auf Nietzsche einen großen Eindruck gemacht hat, daß der König Midas den Lehrer des Dionysos, Silen, gefragt habe, was das Beste für die Menschen sei. Da sagte der weise Silen das bedeutungsvolle, schwerverständliche Wort: Oh, ihr Eintagsgeschlecht, es wäre das Beste für euch, nicht geboren zu sein, oder, da ihr schon geboren seid, so wäre das Zweitbeste für euch, bald zu sterben! -— Das muß richtig verstanden werden, dieses Wort. Es will andeuten das Verhältnis zwischen der geistigen Realität der übersinnlichen Welt und der äußeren Maja, der großen Illusion oder Täuschung.

[ 21 ] What is more, we discover in Greek mythology something extremely remarkable. We are told something which is in fact the truth—that the teacher of Dionysos was himself a very ugly man. This person, Silenus who was the teacher of Dionysos himself, the aspirants in the Mystery came to know also. But Silenus is described to us as a wise individual. We need only recall that a great number of wise sayings are attributed to him, sayings which repeatedly stress the worthlessness of the normal life of man if it is only viewed from the outside in its maya or illusion. Then we are told something which made a great impression upon Nietzsche—we are told that King Midas asked Silenus, the teacher of Dionysos, what was best for man. The wise Silenus gave the significant but puzzling reply: ‘Oh, thou race of brief duration, the best would be for thee not to have been born, or since thou hast been born, the second best for thee would be swiftly to die.’ This saying has to be rightly understood. It is an attempt to indicate the relationship between the spirituality of the super-sensible world, and the maya, the great illusion, of outer life.

[ 22 ] So haben wir, wenn wir sie als physische Menschengestalten ins Auge fassen, im Grunde genommen wenig schöne Menschengestalten in diesen erhabenen Wesenheiten vor uns, oder wenigstens Menschengestalten, welche in anderem Sinne schön zu nennen sind als diejenigen, welche das spätere Griechentum mit der idealen Schönheit bezeichnete. Wir können in gewisser Beziehung den Dionysos noch idealisieren gegenüber dem, wie er als äußerer Mensch war. Wenn wir die Gestalt des Dionysos, die er im Physischen hatte, vergleichen wollen mit derjenigen, durch die er im hehren Glanze in den Mysterien selbst dem Geiste nach erschien, so können wir das noch tun. Wir brauchen uns ihn nicht häßlich vorzustellen. Aber wir würden einen Fehler machen, wenn wir den Lehrer und Meister dieses Dionysos, den alten Silen, uns anders vorstellen würden als mit häßlicher, aufgestülpter Stumpfnase und mit spitzigen Ohren und gar nicht schön. Dieser Silen, dieser Lehrer des Dionysos, der also letzten Endes übermitteln sollte den Menschen die uralte Weisheit, zugerichtet für das menschliche IchBewußtsein, eine Weisheit, die aus dem tieferen Selbst des Menschen hervorkam, war noch näher verwandt mit allem Natürlichen, über das der Mensch mit seiner gegenwärtigen Leibesgestalt im wesentlichen hinausgeschritten ist. Der alte Grieche stellte sich vor, daß der Mensch zu seiner gegenwärtigen Schönheit in bezug auf seine äußere Maja aus einer alten häßlichen Menschengestalt hervorgegangen ist und daß der Typus jener Individualität, die in Silen, dem Lehrer des Dionysos, verkörpert war, gar kein schöner Mensch war.

[ 22 ] Thus, when we look at them in their physical human forms, these exalted beings are by no means beautiful—or at any rate they can only be regarded as beautiful in a different sense from that in which the late Greek period understood ideal beauty. We can in a way still idealise Dionysos in contrast to what he was as a man in the outer world. If we wish to contrast the form Dionysos assumed in the physical with the majestic splendour of the spiritual form which he revealed in the Mystery itself, there is nothing to stop us doing so. We are not obliged to think of him as ugly. But we should be wrong to think of the teacher of Dionysos, old Silenus, otherwise than as with an ugly snub-nose, and ears which stuck out, and anything but handsome. Silenus, the teacher of Dionysos, who was finally to hand over to man the archetypal wisdom in a form suitable for the human egoconsciousness—a wisdom which sprang from the deeper self of man—this Silenus was still closely akin to the life of Nature, which man in his present bodily form has really grown out of. The ancient Greek imagined that the present comeliness of the human being, from the point of view of external maya, had developed out of an old, ugly, human form, and that the type of the individuality who was incarnated in Silenus, the teacher of Dionysos, was not at all pleasing to look at.

[ 23 ] Nun stellen Sie sich vor, was Ihnen als Schüler der Geisteswissenschaft nicht schwer werden wird, daß wir sowohl in dem jüngeren Dionysos selber wie in seinem Lehrer, dem weisen Silen, Individualitäten vor uns haben, die nach allem, was ich bis jetzt ausgeführt habe, unendlich wichtig waren für die Heranerziehung des gegenwärtigen menschlichen Ich-Bewußtseins. Wenn wir uns also fragen nach den Individualitäten, welche - wenn wir uns richtig verstehen im Sinne der Geisteswissenschaft - sowohl für unser wie aber auch für das griechische Bewußtsein in der geistigen Umwelt waren oder sind und welche wichtig sind für alles das, was der Mensch geworden ist - wenn wir uns nach diesen Individualitäten umsehen, so finden wir diese zwei, den Dionysos und den weisen Silen. Diese Individualitäten sind da in uralten vorhistorischen Zeiten, in die keine Geschichte, kein Epos zurückreicht, von denen aber allerdings die spätere Geschichte der Griechen und die Epen, namentlich die Sagen und Mythen, erzählen. In diesen Zeiten lebten sowohl der weise Silen wie auch Dionysos in physischen Leibern verkörpert und taten äußere physische Taten, starben, indem ihre Körper sterben mußten. Die Individualitäten blieben erhalten.

[ 23 ] Now as students of Spiritual Science it will not be difficult for you, from all I have said so far, to suppose that both in the younger Dionysos and in his teacher the wise Silenus, we have to do with individualities who have been of immense importance for the education of modern human consciousness. Thus when we cast about to find the individualities in the spiritual environment who—both for our own as well as for Greek consciousness—were and are momentous for what man has become, we find these two, Dionysos and the wise Silenus. These individualities are there in prehistoric times into which no history, no epic, goes back, but of which nevertheless the later history of the Greeks tells us, particularly in the epic tradition of its sagas and its myths. In these times both the wise Silenus and Dionysos were incarnated in physical bodies, performed physical deeds and died, as their bodies had to do. The individualities remained.

[ 24 ] Nun wissen wir ja: im Verlaufe der Menschheit geschieht so manches, was für den, der sich nur abstrakte Vorstellungen macht, ganz staunenswert ist, besonders in bezug auf Inkarnationen der menschlichen oder andersgearteten Wesenheiten. Manchmal sieht für den äußeren Blick eine spätere Inkarnation, trotzdem sie aufwärtsgeschritten ist, vielleicht unvollkommener aus als eine frühere. Eine schwache Vorstellung konnte ich nur aus geistigen Realitäten im zweiten Rosenkreuzer-Drama geben in den Inkarnationen des «Mönches» im Mittelalter und der «Maria» der neueren Zeit. So ist es auch in der Geschichte, daß den abstrakt Denkenden manchmal Verwunderung überkommen muß, wenn er zwei aufeinanderfolgende Inkarnationen oder wenigstens zusammengehörige Inkarnationen betrachtet. Der jüngere Dionysos, der, wie ich Ihnen sagte, im wesentlichen seine Seele ausfließen ließ in die äußere Kultur, sie aber doch in einer bestimmten Zeit wieder zusammenfassen konnte als Seele in einem einzelnen menschlichen physischen Leibe, wurde wiedergeboren, inkarniert unter den Menschen, aber so, daß er nicht seine alte Gestalt behielt, sondern hinzufügte zu seiner äußeren physischen Gestalt etwas von dem, was seine Geistgestalt ausmachte in den Dionysischen Mysterien. Der jüngere Dionysos wurde wiedergeboren in geschichtlicher Zeit in einem menschlichen Leib, und auch sein Lehrer, der weise Silen, wurde wiedergeboren. Und daß diese Gestalten wiedergeboren worden sind, davon hatte die Mystik des alten Griechenlands ihr deutliches Bewußtsein. Davon hatten auch die Künstler des alten Griechenlands, die angeregt und inspiriert wurden von den Mysten, ihr deutliches Bewußtsein. Nach und nach müssen in der Geisteswissenschaft, die nicht bei der Phrase stehenbleiben, sondern zur Wirklichkeit übergehen will, solche Dinge auch gesagt werden, die da wahr sind für die aufeinanderfolgende Entwickelung der Menschheit. Der alte weise Lehrer des Dionysos, Silen, wurde wiedergeboren, und es war dieser weise Silen in seiner Wiederverkörperung keine andere Persönlichkeit als die des Sokrates. Sokrates ist der wiederverkörperte alte Silen, der wiedergeborene Lehrer des Dionysos. Und der wiederverkörperte Dionysos selber, jene Persönlichkeit, in welcher die Seele des Dionysos lebte, das war Plato. Und man merkt erst den tieferen Sinn der griechischen Geschichte, wenn man eingeht auf das, was zwar nicht die Überlieferer der äußeren Geschichte Griechenlands wissen, was aber die Mysten wußten und von Generation zu Generation bis heute überliefert haben, was auch in der Akasha-Chronik gefunden werden kann. Die Geisteswissenschaft kann es wieder verkünden, daß Griechenland in seiner alten Zeit die Lehrer der Menschheit enthielt, die es hinüberschickte nach Asien in dem Zuge, den der Dionysos führte, dessen Lehrer der weise Silen war, und daß, in einer Art, wie es für die spätere Zeit angemessen war, erneuert wurde alles das, was Dionysos und der weise Silen für Griechenland werden konnten, in Sokrates und Plato. Gerade in derjenigen Zeit, in welcher in den Mysterien selber der Verfall eintrat, in welcher keine Mysten mehr da waren, die in den heiligen Mysterien hellseherisch noch schauen konnten den jüngeren Dionysos, trat dieser selbe jüngere Dionysos als der Schüler des weisen Silen, des Sokrates, in der Gestalt des Plato als der zweite große Lehrer Griechenlands, als der wahre Nachfolger des Dionysos auf.

[ 24 ] Now you know of course that in human history very much happens which is highly surprising to the man who only thinks abstractly; this is especially the case as regards the incarnation of human and other beings. Sometimes a later incarnation, although more advanced, may from the outside seem less perfect than an earlier one. In my second Rosicrucian Mystery Play, in the incarnation of the monk in the Middle Ages (Maria in modern times), I have been able to give just a very faint idea of the spiritual realities. Thus in history too the abstract thinker must sometimes be overcome with astonishment when he contemplates two successive incarnations, or at any rate incarnations which belong together. The younger Dionysos, who, I told you, allowed his soul to be poured out into external culture was nevertheless able at a specific time to gather himself together again as a soul in a single physical human body; he was born again, incarnated among men; but in such a way that he did not keep his old form but added to his outer physical form something of what had constituted his spirit-form in the Dionysian Mysteries. Both the younger Dionysos and his teacher, the wise Silenus, were reincarnated in historical times. Those initiated in the Mystery-wisdom of ancient Greece were fully conscious that these two had been born again; so were the Greek artists, who were stimulated and inspired by the Initiates. Little by little such things have to be told if Spiritual Science is not to stop at platitudes, if it is to enter into the reality. Things which are true have to be told for the sake of the further evolution of humanity. The wise old teacher of Dionysos was born again, and in his further incarnation was none other than Socrates. Socrates is the reincarnation of old Silenus, he is the reincarnated teacher of Dionysos. And Dionysos himself, that reincarnated being in whom verily lived the soul of Dionysos of old, was Plato. One only realises the profound meaning of Greek history if one enters into what was known—not of course to the writers of external history—but to the Initiates who have handed down the tradition from generation to generation right up to today—knowledge which can also be found in the Akasha Chronicle. Spiritual Science can once more proclaim that Greece in its early period harboured the teacher of humanity whom it sent over to Asia in the journey conducted by Dionysos, whose teacher was Silenus. What Dionysos and the wise Silenus were able to do for Greece was renewed in a manner suited to a later age by Socrates and Plato. In the very time when the Mysteries were falling into decay, in the very time in which there were no more Initiates who could still see the younger Dionysos clairvoyantly in the holy Mysteries, that same Dionysos emerged as the pupil of the wise Silenus, he who had himself become Socrates—emerged as Plato, the second great teacher of Greece, the true successor of Dionysos.

[ 25 ] Dann erkennt man erst im Sinne der alten griechischen Mystik selber den Sinn der griechischen Geisteskultur, wenn man weiß, daß die alte Dionysische Kultur ihr Wiederaufleben in Plato gefunden hat. Und wir bewundern noch in einem ganz anderen Sinn den Platonismus, wir stehen zu ihm in seiner wahren Gestalt, wenn wir wissen, daß in Plato die Seele des jüngeren Dionysos war.

[ 25 ] One only recognises the meaning of Greek spiritual culture in the sense of ancient Greek Mystery-wisdom when one knows that the old Dionysian culture experienced a revival in Plato. And we admire Platonism in quite another way, we relate ourselves to it in its true stature when we know that in Plato there dwelt the soul of the younger Dionysos.