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The Rudolf Steiner Archive

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Esoteric Christianity and the
Spiritual Guidance of Humanity
GA 130

27 January 1912, Kassel

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14. Die Morgenröte des neueren Okkultismus I

The Dawn of Occultism in the Modern Age I

[ 1 ] Es wird heute meine Aufgabe sein, eine zunächst rein geschichtliche Betrachtung zu geben, welcher dann übermorgen folgen soll, was uns tiefer einführen kann in die Impulse rosenkreuzerischen Denkens, Wollens und Handelns. Dem Rosenkreuzertum von heute Verständnis entgegenbringen kann man nur, wenn man sich in die Seele schreibt, es sei das Rosenkreuzertum nicht etwas, was eine geschichtliche Norm ein für allemal hat, sondern eigentlich etwas anderes ist in jedem Jahrhundert. Das ist deshalb so, weil es stets sich den Verhältnissen der Gegenwart anpassen muss. Darüber sind wir uns ja klar, dass die eigentlichen Grundimpulse der Geisteswissenschaft sich immer mehr einleben müssen in die Kultur der Gegenwart, aber dass dies in der abendländischen Kultur, in der wir stehen, schwer ist. Nicht von heute auf morgen ist es möglich, ein anderer Mensch zu werden durch die Geisteswissenschaft, weil wir hineingeboren sind durch unser Karma in die abendländische Kultur. Wir haben es nicht so leicht wie die Vertreter irgendwelcher Menschenzusammenhänge, die von Rassen- oder religiösen Voraussetzungen ausgehen können. Denn das muss ja unser Grundprinzip sein, dass wir nicht etwa auf dem Boden eines religiösen Bekenntnisses stehen, sondern wir sehen in den verschiedenen religiösen Systemen Ausgestaltungen des einen spirituellen Lebens. Diesen spirituellen Wahrheitskern in allen religiösen Weltanschauungen soll die Geisteswissenschaft aufsuchen. Es ist selbstverständlich, dass der Theosoph als abendländischer Mensch leicht missverstanden werden kann, und dies am meisten von den verschiedenen religiösen Bekenntnissen und Weltanschauungen, die wir um uns herum vorhanden sehen.

[ 1 ] Today's lecture will be historical in character, and the day after tomorrow I shall speak of matters which will give us deeper insight into the impulses contained in the thinking,—willing and actions of rosicrucianism. We can only understand the work of rosicrucianism as it is today when we realise that it was never a model laid down once and for all but assumes a different form in every century. This is because rosicrucianism must always adapt itself to the conditions of the times. It is quite obvious to us that the fundamental impulses of Spiritual Science must increasingly find their way into the culture of the present age; but we know, too, that Western culture presents difficulties. Spiritual Science cannot make different human beings of us from one day to the next, because through our karma we have been born into Western culture. Our task is not as simple as that of the representatives of communities based upon race or the tenets of a particular religion. For our fundamental principle must be that we are not rooted in the soil of a specific creed but regard the different systems of religion as forms and variations of the one, universal life. It is the seed of spiritual truth in all religions for which Spiritual Science must seek. As a Westerner, the Anthroposophist may very easily be misunderstood, above all by the different religious confessions and schools of thought in the world.

[ 2 ] Wenn wir richtig begreifen, was wir als Geisteswissenschafter sein wollen, dann müssen wir auf einem Boden feststehen: auf dem Boden des geschichtlichen Werdens. Wir müssen begreifen, dass Geisteswissenschaft ein Ereignis innerhalb der geschichtlichen Entwicklung ist. Jeder der hier Sitzenden ist verkörpert gewesen in jeder Kulturperiode, und zwar wiederholt verkörpert in jeder einzelnen Kulturperiode. Welches ist nun aber der Sinn dieser Verkörperungen? Warum muss der Mensch alle diese verschiedenen Schulungen durch sein Leben in den verschiedenen Kulturentwicklungen erfahren? Diese Frage hat Lessing zu seinem Bekenntnisse der Reinkarnationsidee geführt. Lessing sagte sich: Die Menschen sind früher durch alle möglichen Kulturperioden hindurchgegangen, und sie müssen wiederkehren, um Neues zu lernen und das Alte mit dem Neuen zu verbinden. So etwa dachte Lessing: Es muss einen Sinn haben, dass wir durch die verschiedenen Inkarnationen gehen. Und dieser Sinn liegt eben darin, dass der Mensch in jeder neuen Inkarnation Neues zu dem Alten hinzuerlebt.

[ 2 ] If we rightly understand our task as Spiritual Scientists we must hold fast to the principle of historical development, realising that Spiritual Science is an integral part of this development. Each one of you here has been incarnated in every epoch of culture—indeed more than once. What is the purpose of these reincarnations? Why must the human being pass through all these different schoolings in the periods of culture and civilisation? It was this question which brought Lessing45See note 32. to avow his belief in the idea of reincarnation. Lessing thought to himself: Human beings have lived through all the earlier periods of culture and they must return again and again in order to learn new things and to be able to connect the old with the new. There must be a purpose in the fact that we pass through different incarnations, and the purpose is that in each of them the human being shall add new experiences to the old.

[ 3 ] Es ist ja schon oft hingewiesen worden darauf, dass die aufeinanderfolgenden Epochen ganz verschieden voneinander waren. Heute soll nun genauer auf einen außerordentlich wichtigen Zeitpunkt hingewiesen werden, auf das dreizehnte Jahrhundert. Man kann sagen, dass die zu jener Zeit inkarnierten Menschen etwas ganz Besonderes erlebten, etwas, was die zu andern Zeiten verkörperten Menschen nicht haben erleben können. Und was ich jetzt sagen werde, das sage ich in einem Sinne mit allen denen, die ein gewissermaßen erhöhtes geistiges Leben haben durchmachen dürfen und die heute wieder inkarniert sind. Die wissen das alle.

[ 3 ] As you have often heard, there are great differences between the successive epochs of culture. Today we shall speak in greater detail of an extremely important period: the thirteenth century. Human beings in incarnation at that time lived through an experience which had not fallen to the lot of others. What I am now about to say is known to all who have reached a certain high level of spiritual life and who are now again in incarnation.

[ 4 ] Im dreizchnten Jahrhundert war für alle Menschen eine geistige Finsternis, selbst für die erleuchtetsten Geister, auch für die Eingeweihten. Alles, was damals im dreizehnten Jahrhundert gewusst wurde von geistigen Welten, das wusste man durch Überlieferung ‚oder von schon früher Eingeweihten, die ihre Erinnerung an das, was sie damals erlebt hatten, weckten. Aber für eine kurze Zeit konnten auch diese Geister nicht unmittelbar hineinblicken in die geistige Welt. Diese kurze Zeit der Verfinsterung musste damals sein, um das Charakteristische unseres jetzigen Zeitalters vorzubereiten: die heutige intellektuelle, verstandesmäßige Kultur. Das ist das Wichtige, dass wir das heute in der fünften nachatlantischen Kulturperiode haben. Das war nicht so in der griechischen Kulturperiode. Da war anstelle des jetzigen verstandesmäßigen Denkens die unmittelbare Anschauung das Dominierende. Der Mensch wuchs sozusagen zusammen mit dem, was er sah und hörte, ja auch mit dem, was er dachte, wuchs der Mensch damals zusammen. Damals wurde nicht so viel spintisiert, wie es heute geschieht und geschehen muss, denn das ist die Aufgabe der fünften nachatlantischen Kulturperiode.

[ 4 ] In the thirteenth century spiritual darkness fell for a time upon all human beings, even the most enlightened, and also upon the initiates. Whatever knowledge of the spiritual worlds existed in the thirteenth century came from tradition or from men who in still earlier times had been initiates and were able to call up memories of what they had then experienced. But for a brief space of time it was impossible even for these men to have direct vision of the spiritual world. Darkness had to fall for this short period to prepare for the intellectual culture which was to be characteristic of our modern age. The important point is that we have this kind of culture today in the fifth post-Atlantean epoch. Culture in the Greek epoch was quite different. Instead of the modern, intellectual kind of thinking, direct perception was then the dominant faculty; the human being was one, as it were, with what he saw and heard, even with what he thought. He did not cogitate and reason as he does today, and needs must do, for this is the task of the fifth post-Atlantean epoch.

[ 5 ] Damals, im dreizehnten Jahrhundert, mussten ganz besonders geeignete Persönlichkeiten für die Einweihung ausgewählt werden, und diese Einweihung selbst konnte erst geschehen nach Ablauf jener kurzen Zeit der Verfinsterung. Es ist heute noch nicht möglich, den Ort in Europa zu nennen, wo das geschehen ist, was ich jetzt sagen werde. Aber es wird in nicht ferner Zeit auch dieses geschehen können.

[ 5 ] In the thirteenth century it was necessary for especially suitable personalities to be singled out for initiation, and the initiation itself could only take place after that brief period of darkness had come to an end. The name of the place in Europe where these events that I shall now describe took place cannot yet be communicated, but before very long this too will be possible.

[ 6 ] Heute nun soll gesprochen werden über die Morgenröte des neueren Okkultismus. Es handelt sich darum, dass in jener verfinsterten Zeit zwölf Menschen lebten, zwölf hervorragende Geister, die sich vereinigten, um den Menschheitsfortschritt zu fördern. Sie konnten alle nicht unmittelbar hineinschauen in die geistige Welt, aber sie konnten rege machen in sich die Erinnerung an das, was sie durch frühere Einweihung erlebt hatten. Und das Menschheitskarma hat es so gefügt, dass in sieben dieser zwölf Menschen verkörpert war, was den Menschen geblieben war an Resten der alten atlantischen Kultur. In meiner «Geheimwissenschaft» ist es ja schon gesagt, dass in den sieben weisen Lehrern des uralt heiligen Indiens hinübergetragen wurde das, was von der atlantischen Epoche übrig geblieben war. Die sieben Männer, die im dreizehnten Jahrhundert wieder inkarniert waren, die einen Teil der Zwölf bildeten, das waren eben diejenigen, die zurückblicken konnten auf die sieben Strömungen der alten atlantischen Kultur und auf das, was als diese sieben Strömungen weiter fortlebte. Von diesen sieben Individualitäten konnte jeder immer nur eine der Strömungen fruchtbar machen für die damalige und die heutige Zeit. Zu diesen Sieben kamen vier andere, die nicht auf längst verflossene Urzeiten zurückblicken konnten wie die erstgenannten sieben Weisen, sondern diese vier Persönlichkeiten konnten zurückblicken auf das, was die Menschheit sich angeeignet hatte von okkulten Wahrheiten in den vier nachatlantischen Kulturperioden. Es konnte der Erste auf die urindische Zeit zurückblicken, der Zweite auf die urpersische, der Dritte auf die ägyptisch-chaldäisch-babylonisch-assyrische und der Vierte auf die griechisch-lateinische Zeit. Diese vier vereinigten sich mit den sieben zu dem Kollegium der weisen Männer im dreizehnten Jahrhundert. Der Zwölfte hatte gewissermaßen am wenigsten von Erinnerungen, er war der intellektuellste, der besonders die äußeren Wissenschaften zu pflegen hatte. Diese zwölf Individualitäten lebten ja nicht nur weiter in den Erlebnissen des abendländischen Okkultismus, sondern konnten auch sich inkorporieren in Persönlichkeiten, die vom Okkultismus etwas wussten. Eine ganz besondere Art, darauf hinzuweisen, finden wir bei Goethe in seinem Gedicht «Die Geheimnisse».

[ 6 ] We shall speak today of the dawn of occultism in the modern age. Twelve men were living at the time of the darkness, twelve men of deep spirituality, who came together in order to further the progress of humanity. None of them possessed the power of direct vision of the spiritual world, but they were able to bring to life within them memories of what they had experienced through earlier initiation. And by the dispensation of the karma of mankind, the heritage left by the ancient culture of Atlantis was embodied in seven of these twelve men. In my book Occult Science it is stated that the seven wise teachers of the ancient, holy Indian civilisation bore within them the surviving wisdom of Atlantis. These seven men were incarnated again in the thirteenth century and formed part of the twelve; it was they who were able to look back to the seven streams of the ancient Atlantean wisdom and to their further course. The task assigned to each of the seven was to make one of the seven streams of wisdom fruitful both for the culture of the thirteenth century and for that of our modern age. These seven individualities were joined by four others; unlike the first seven, these other four were not able to look back to times of the primeval past; they looked back to what mankind had acquired from occult truths during the four epochs of post-Atlantean culture. The first of the four looked back to the period of ancient India, the second to that of ancient Persia, the third to that of Egyptian-Chaldean-Babylonian-Assyrian culture, and the fourth to that of the Greco-Roman age. These four joined the seven in the council of the wise men in the thirteenth century; the twelfth had fewer memories; he was the most intellectual of the twelve and it was his task to cultivate and foster the external sciences. These twelve individualities did not live on only in the sphere of occultism as cultivated in the West, but could also be ‘incorporated’ as it were in men who possessed some genuine knowledge of occultism. Goethe's poem The Mysteries46See note 29. gives a certain indication of this.

[ 7 ] Also von zwölf hervorragenden Individualitäten haben wir zu sprechen, und zu diesen kam ein Dreizehnter, der nach der Epoche der Verfinsterung ausgewählt werden sollte, um die in der abendländischen Kultur notwendige Einweihung zu erlangen. Die Umstände sind geheimnisvoll, und ich kann Ihnen das Folgende natürlich nur erzählen, doch für mich ist alles vollkommen objektive Wahrheit. Aber prüfen können Sie es, wenn Sie alles zusammennehmen, was schon von der Theosophie gesagt worden ist im Laufe der letzten Jahre, und dazu das nehmen, was Sie aus der äußeren Geschichte seit dem dreizehnten Jahrhundert wissen.

[ 7 ] Thus there were twelve outstanding individualities, joined by a thirteenth who, after the period of darkness had come to an end, was to be chosen for the kind of initiation demanded by the culture of the West. The circumstances are very mysterious, and I can only give you the following information in the form of a narrative. To me it is objective truth, but you yourselves can put it to the test by gathering together what has been said by Anthroposophical Spiritual Science during the last few years, in addition to what you know of history since the thirteenth century.

[ 8 ] Es war nämlich dem Kollegium der zwölf weisen Männer bekannt, dass in dieser Epoche geboren werden sollte ein Kind, das zur Zeit des Christus-Ereignisses in Palästina gelebt hatte und das bei dem Mysterium von Golgatha dabei war. Diese Individualität besaß eine ausgeprägte Herzensbildung, ja eine ganz besonders intime Liebebildung, die sie sich in entsprechenden Verhältnissen seitdem hatte erwerben können. Eine außerordentlich spirituelle Individualität war in diesem Kind verkörpert. Es musste nun etwas geschehen, was niemals wieder in derselben Form geschehen darf. Das Folgende ist nicht etwa ein Musterbeispiel einer Initiation, sondern es stellt etwas ganz ausnahmsweise Geschehenes dar. Dieses Kind musste nämlich herausgenommen werden aus der Umgebung, in die es hineingeboren war, und in die Obhut der zwölf Weisen an einen bestimmten Ort Europas gebracht werden. Nun war aber nicht dasjenige das Wichtigste, was äußerlich vorgenommen wurde von den zwölf Weisen, sondern das eben war das Bedeutungsvolle, dass das Kind in der Umgebung der zwölf Weisen aufwuchs. Dadurch strömten die Weisheiten der zwölf Männer in das Kind ein. Also zum Beispiel hatte einer dieser Zwölf die Marsweisheit in sich, und dadurch hatte jene Seele ein in ganz bestimmter Weise geartetes Leben in sich, eine besondere Seelenstimmung war ihr geworden durch die Marskultur. Diese Marskultur bestand zum Beispiel unter anderem darin, dass die Seele eine gewisse Fähigkeit bekam, mit Begeisterung die okkulten Wissenschaften zu vertreten. Ähnliche planetarische Beeinflussungen geschahen im Hinblick auf die anderen Seelen. Durch das Zusammenklingen der verschiedenen Strömungen, die von den zwölf Weisen ausgingen, wurde die Seele dieses Kindes harmonisch geformt. So wuchs das Kind heran in ständiger Obhut der Zwölfe. Dann kam eine gewisse Zeit: Das Kind war schon Jüngling geworden, nahe der Zwanzigerjahre, und konnte etwas äußern, was wie ein Reflex der zwölf Weisheitsströmungen war. Und das, was sich da äußerte, das war etwas Neues, auch für die zwölf Weisen. Die Umwandlung geschah unter starken organischen Veränderungen. Auch körperlich hat sich das Kind von andern Menschen stark unterschieden. Zeitweilig war es sehr krank, wurde ganz durchsichtig - der Körper des Jünglings wurde wie durchscheinend. Und dann kam cine Zeit, wo die Seele den Körper für einige Tage ganz verließ. Wie tot lag da der Jüngling. Und als die Seele zurückkehrte, hatte sich etwas vollzogen, was wie eine ganz neue Geburt der zwölf Weisheiten war, sodass auch die zwölf Weisen ganz Neues von dem Jüngling lernen konnten. Er konnte nun sprechen von ganz neuen Erlebnissen. Er konnte durch das Mysterium von Golgatha etwas Ähnliches erleben wie Paulus vor Damaskus. Damit war die Möglichkeit gegeben, alle Weltanschauungen, religiöse und wissenschaftliche - und es gibt im Grunde genommen nur zwölf solcher Weltanschauungen - in eine einzige zusammenzufassen, die aus diesen Zwölfen geboren ist. Die Möglichkeit war gegeben, dass die zwölf Weltanschauungen sich zusammenfinden können in einer, die diesen allen gerecht werden kann. Dasjenige, was gelehrt wurde, soll übermorgen zur Sprache kommen. Jetzt aber muss gesagt werden, dass der Jüngling bald darnach starb, sodass er nur ein kurzes Erdendasein hatte. Seine Mission bestand eben darin, denkerisch die zwölf Weisheitsströmungen zusammenzufassen, zu durchleben und das Neue zu schaffen, das er dann den zwölf Weisen hinterlassen konnte, die es verarbeiten sollten. Eine bedeutende Anregung war gegeben worden. Die Individualität, von der dieser Impuls ausgegangen war, führte den Namen Christian Rosenkreutz. Dieselbe Individualität wurde im vierzehnten Jahrhundert wiedergeboren, und dieses Mal dauerte ihr Erdenleben über hundert Jahre. In diesem Erdenleben machte sie auch äußerlich fruchtbar, was sie in jener kurzen Zeit erlebt hatte. Sie bereiste das ganze Abendland und nahezu die ganze damals bekannte Erde, um auf eine neue Weise wieder alle Weisheit aufzunehmen, von der aus im vorangegangenen Leben ihr die Anregung zu dem neuen Impuls gekommen war, der gleichsam wie eine Essenz einträufeln sollte in die ganze Kultur der damaligen Zeit.

[ 8 ] It was known to the council of twelve wise men that a child was to be born who had lived in Palestine at the time of Christ and had been present when the Mystery of Golgotha had taken place. This individuality had strong heart forces and a power of deep, inward love which circumstances had since helped him to unfold. An individuality of extraordinary spirituality was incarnated in this child. It was necessary in this case for a process to be enacted which will never be repeated in the same form. What I shall tell you does not describe a typical initiation but an altogether exceptional happening. It was necessary for this child to be removed from the environment into which he was born and to be placed in the care of the twelve at a certain place in Europe. But it was not the external measures adopted by the twelve wise men that are of essential importance; what is important is the fact that the child grew up with the twelve around him, and because of this, their wisdom was able to stream into him. One of the twelve, for example, possessed the Mars wisdom and therewith a definite quality of soul—a mood of soul tempered by the form of culture influenced by Mars. The forces of the Mars culture endowed his soul with the faculty, among others, of presenting occult sciences with a fiery enthusiasm and ardour. Similar planetary influences were also at work in other faculties distributed among the twelve. The influences pouring from the twelve wise men worked in such mutual accord that the soul of the child was brought into harmony. And so the child grew up under the unceasing care of the twelve. Then, at a certain time, when the child had grown into a young man of about twenty, he was able to give expression to something that was a kind of reflection of the twelve streams of wisdom—but in a form altogether new, new even to the twelve wise men. The metamorphosis was accompanied by violent organic changes. Even physically the child had been quite unlike other human beings; he was often very ill and his body became transparent, as though filled with light. Then there came a time when for some days the soul departed altogether from the body. The young man lay as if dead ... And when the soul returned it was as though the twelve streams of wisdom were born anew, so that the twelve wise men, also, could learn something quite new from the youth. He was now able to speak of quite new experiences. There had come to him, through the Mystery of Golgotha, an experience similar to that of Paul before Damascus. Thereby it was possible for all the twelve world conceptions, religious and scientific—and fundamentally there are only twelve—to be amalgamated into one comprehensive whole, which could do justice to them all. Of what was taught we shall speak the day after tomorrow. It remains now to be said that the young man died very soon afterwards. His life on earth had been brief. His mission has been to create this synthesis of the twelve streams of wisdom in the sphere of thought and to bring forth the new impulse which he could then bequeath to the twelve men who were to carry it further. A great and significant impetus was thus given. The name of this individuality from whom this impulse originated was Christian Rosenkreutz.47See note 23. He was born again in the fourteenth century and this earthly life lasted for more than a hundred years. In the new earthly life he brought to fruitfulness, in the outer world too, all that he had lived through in that brief space of time. He traveled all over the West and over practically the whole of the then known world in order to receive anew the wisdom which in the previous life had quickened in him the new impulse—the impulse which, as a kind of essence, was to filter into the culture of the times.

[ 9 ] Auch in exoterischer Weise kam dieser neue Einschlag zum Ausdruck. So hat zum Beispiel in Lessings Leben die Inspiration dieser Wesenheit hineingewirkt. Dies kann man allerdings nicht äußerlich nachweisen. Aber die ganze Art des Denkens bei Lessing ist so, dass der, der mit den Dingen vertraut ist, diesen rosenkreuzerischen Impuls wahrnehmen kann. Oder zum Beispiel im neunzehnten Jahrhundert, das doch in so hohem Maße ungeeignet war für solche Ideen wie Karma, Reinkarnation und so weiter, hat dieser Impuls in exoterischer Weise gewirkt. Es ist interessant, dass gerade in jener Zeit, gegen Ende der Vierzigerjahre, eine wissenschaftliche Gesellschaft einen Preis aussetzte für die beste philosophische Arbeit über die Unsterblichkeit der Seele. Unter den eingesandten Arbeiten war auch eine Schrift von Widenmann, die dann den Preis erhielt. Sie trat ein für die Annahme von wiederholten Erdenleben der Seele. Es wurde darin natürlich nicht so von Reinkarnation gesprochen, wie das heute von Theosophen geschieht, aber das Faktum ist interessant, dass damals eine solche Schrift entstand und mit dem Preise ausgezeichnet wurde. Auch andere damalige Psychologen haben sich für wiederholte Erdenleben der Seele ausgesprochen. Also niemals ist ganz abgerissen der Faden des Glaubens an Reinkarnation und Karma. Und auch die ersten Schriften der Gründerin der Theosophischen Gesellschaft, der großen Persönlichkeit H.P. Blavatsky, sind nur erklärlich, wenn man die zugrunde liegende rosenkreuzerische Inspiration erkennt.

[ 9 ] This new impulse also came to expression in the exoteric world. The inspiration of the being of whom we have spoken, worked, for example, in Lessing. It is not, of course, possible to give external proof of this, but Lessing's whole mode and manner of thinking is such that the rosicrucian impulse is perceptible to one who is versed in these matters. Again in the nineteenth century—an age so ill adapted for the ideas of karma, reincarnation and the like—this impulse worked exoterically. It is an interesting fact that towards the end of the forties of the nineteenth century a certain scientific body offered a reward for the best philosophical treatise on the subject of the immortality of the soul: Among the treatises submitted, the one that was awarded the prize was by Widenmann48See note 33. who accepted the principle that the soul has many earthly lives. Naturally this essay does not speak of reincarnation in the way as Spiritual Science now does; but it is interesting that such a writing should have appeared at that time and have been awarded the prize. And other contemporary psychologists also acknowledged their belief in repeated earth lives. The thread of belief in reincarnation and karma was never entirely broken. Moreover the early writings of the founder of the Theosophical Society, the great H.P. Blavatsky,49See note 1. are explicable only when we recognise the rosicrucian inspiration underlying them.

[ 10 ] Nun ist es von großer Bedeutung, dass wir wissen, dass jedes Mal, in jedem Jahrhundert, die rosenkreuzerische Inspiration so gegeben wird, dass niemals der Träger der Inspiration äußerlich bezeichnet wird. Nur die höchsten Eingeweihten wussten es. Heute zum Beispiel kann äußerlich nur von solchen Geschehnissen gesprochen werden, welche hundert Jahre zurückliegen. Denn dies ist die Zeitspanne, die nach den Ereignissen jeweils verflossen sein muss, bevor davon äußerlich gesprochen werden darf. Die Versuchung ist zu groß für die Menschen, einer solchen ins Persönliche gezogenen Autorität fanatische Heiligenverehrung entgegenzubringen, was das Schlimmste ist, das es gibt. Es liegt diese Gefahr eben zu nahe. Es ist die Verschwiegenheit aber nicht nur eine Notwendigkeit gegen die äußeren Anfechtungen des Ehrgeizes und Hochmutes, deren man sich ja vielleicht noch erwehren könnte, sondern vor allem gegen die okkulten astralen Attacken, die fortwährend gegen eine solche Individualität gerichtet sein würden. Deshalb also die Bedingung, dass erst hundert Jahre nach einem solchen Faktum davon gesprochen werden darf. Nach und nach soll durch solche Betrachtungen eine Vorstellung herausgearbeitet werden, dass der Schwerpunkt der geschichtlichen Entwicklung im Rosenkreuzertum gegeben ist.

[ 10 ] Now it is of the greatest importance for us to know that whenever the rosicrucian inspiration is given, in each century, the bearer of the inspiration is never outwardly named. His identity has been known only to the very highest initiates. Today, for example, it is only permissible to speak of happenings of a hundred years ago; for this is the period of time which must elapse before they may be spoken of openly. The temptation to pay fanatical veneration to authority vested in some personality—than which there is no greater evil—would be too great. This danger is too near at hand. Silence is a necessary precaution not only against the wiles of ambition and pride—which it might be possible to resist—but paramountly because of the occult, astral attacks which would be directed all the time against such an individual. Hence the rule that these things may not be spoken of until a hundred years have elapsed. Such studies must help us to realise that the fulcrum of historical development is contained in rosicrucianism.

[ 11 ] Lassen Sie mich an einem trivialen Vergleich Ihnen zeigen, was mit einem solchen Schwerpunkt gemeint ist. Denken wir uns eine Waage: Sie darf nur oben an dem Balken den einen Stützpunkt haben; hätte sie zwei solche Schwerpunkte, so könnte man nicht wiegen. Für die geschichtliche Entwicklung ist auch ein solcher Schwerpunkt notwendig. Die morgenländische Weltanschauung zum Beispiel, und auch Schopenhauer, geben einen solchen Schwerpunkt nicht zu, erkennen überhaupt eine geschichtliche Entwicklung in dem Sinne nicht an. Aber es ist die Aufgabe der abendländischen Menschheit, Geschichte anzuerkennen. Und das Rosenkreuzertum hat die Mission, eine solche Auffassung herauszuarbeiten, die einen Schwerpunkt im geschichtlichen Werden zugibt. Und nun ist es ganz gleichgültig für das, was jetzt gesagt werden soll, welchem Bekenntnisse man angehört. Denn aus der Akasha-Chronik heraus lässt sich feststellen, dass der Tag, der den Schwerpunkt innerhalb der Menschheitsentwicklung darstellt, der 3. April des Jahres 33 ist. Das müssen wir als besonders bedeutsam für das Rosenkreuzertum ansehen, dass hier der Schwerpunkt der Entwicklung der Menschen liegt.

[ 11 ] By a simple comparison let me explain to you what is meant by this. Think of a pair of scales. There must be only one fulcrum, for if there were two, no weighing would be possible. One such fulcrum is also necessary in the process of historical development. Eastern world conceptions do not admit this, nor do they recognise historical evolution in this sense; and the same applies to Schopenhauer.50Arthur Schopenhauer: 1788 – 1860. See ‘Die Welt als Wille und Vorstellung’ (The World as Will and Idea in the ‘Supplements to the second volume’, chapter 38 ‘Uber Geschichte’ (On History). But it is the task of Western humanity to acknowledge the course of history—and it is the mission of rosicrucianism to promote a kind of thinking which admits the reality of a fulcrum or pivotal point in history. In regard to what will now be said, the religious confession to which a man may belong is of no consequence. For it can be substantiated from the Akashic Record that the day which represents the pivotal point in the evolution of mankind is the 3rd April in the year 33 AD. Knowledge of the fact that the pivot of evolution lies at this point is an essential part of rosicrucianism.

[ 12 ] Was ist nun damals eigentlich geschehen? In jener Zeit geschah das, was man nennen kann: die Krisis der Dämonenwelt. Was ist das? Wir wissen, dass in früheren Zeiten die Menschen ein primitives Hellsehen besaßen. Das wurde dann immer schwächer und schwächer, bis es nahe zum Verlöschen kam. Die Sache ist nämlich so, dass die Menschen bis zu jenem Zeitpunkt hauptsächlich im Astralleibe lebten mit ihrem Bewusstsein und nicht so sehr im Ich. Die Krisis wurde nun dadurch herbeigeführt, dass das alte Hellsehen sich immer mchr verdunkelt hatte. Daher konnte der Mensch nur noch in den untersten Regionen der geistigen Welt wahrnehmen. Das Ich lebte noch im Astralen; aber die Mächte, die das Ich wahrnehmen konnte, waren immer schlechter und schlechter, immer unreinlicher und unreinlicher geworden. Der Mensch hatte nicht mehr einen Blick auf die guten Mächte, sondern er sah bei seinem Ausblick ins Astralische nur noch diese bösartigen Wesenheiten. Die Heilung sollte kommen durch die Ich-Kultur. Der Anfang davon war das, was in der Johannestaufe im Jordan sich abspielte. Was erlebte ein solcher Mensch, der sich taufen ließ? Zuerst erlebte er die physische Prozedur des Untergetauchtwerdens in das Wasser und damit das Getrenntwerden des astralischen und Ätherleibes vom physischen Leibe. Dadurch konnte der Mensch sehen, wie eine Krisis in der Dämonenwelt ausbrechen musste. Und die Täuflinge sagten sich: Wir müssen unsern Sinn ändern! Die Zeit muss kommen, wo der Geist unmittelbar ins Ich-Bewusstsein eindringen kann. Ein solcher Mensch fühlte: Oh, sie stecken noch alle in mir, diese grässlichen astralischen Wesen, sie dringen fortwährend in mich hinein.

[ 12 ] What was it that really happened then? What happened was what can be called the crisis in the world of the demons. And what does this mean? We know that in earlier times human beings possessed the faculty of primitive clairvoyance. This clairvoyance became progressively feebler, almost to the point of extinction. The fact is that hitherto the human being had been conscious mainly in the astral body and less in the ego. The crisis came about because of the darkening of the ancient clairvoyance. Man's vision extended only into the lowest regions of the spiritual world. The ego still lived in the astral world; but the beings and powers which the ego was able to behold deteriorated into greater and greater impurity. Man no longer had any vision of the good powers, but as he looked into the astral world he saw only these evil beings. The only means of salvation was the cultivation and development of the ego. The starting point for this was what took place in the baptism by John in the Jordan. What was the experience of one thus baptised? He experienced in the first place the physical process of immersion in the water, which caused the separation of the astral and etheric bodies from the physical body. This enabled him to perceive that a crisis was at hand in the world of the demons. And those who had been baptised knew: We must change our hearts! The time is at hand when the spirit is to stream directly into the ego. Such a man felt that these terrible astral beings were within him, always penetrating into him.

[ 13 ] Es musste etwas kommen, was über das Astralische hinausgeht, und das ist das Ich. Durch das Ich wird es möglich sein, dass sich rein menschliche Gemeinschaften bilden aus der Freiheit der Seele heraus, die nicht mehr an Blutsbande geknüpft sind. Stellen Sie sich nun einen solchen Menschen vor, besessen von Dämonen schlimmster Art, die wissen, dass eine Krisis für sie bevorsteht. Denken Sie sich, dass diesem Menschen eine Wesenheit gegenübertritt, die gerade die Mission hat, den Dämonen entgegenzuarbeiten. Wie müssen diese sich fühlen? Unbehaglich im höchsten Grade müssen sie sich fühlen! Unbehaglich fühlten sich die Dämonen dem Christus Jesus gegenüber.

[ 13 ] Something had to come that transcends the astral, and this is the ego. Through the ego it will be possible for communities of human beings to gather together in freedom of soul, communities no longer determined by ties of blood. And now picture to yourselves a man possessed by demons of the most evil kind who know that they are facing a crisis. Picture to yourselves again that to such a man there comes One Whose mission it is to oppose the demons. What must the demons feel? They must feel ill at ease to the highest degree! And so indeed it was: in the presence of Christ Jesus the demons were ill at ease.

[ 14 ] Das Rosenkreuzertum hat in sich die Impulse, die entgegengestellt werden sollen den Dämonen. Das Ich soll durch diese Impulse wieder heraufgehoben werden. Nur ist es mit dieser Heraufhebung des Ich noch nicht weit gekommen.

[ 14 ] Rosicrucianism has within it the impulse by which the demons may and must be countered. Through this impulse the ego is to become supreme—but in this respect little progress has yet been made.

[ 15 ] Zurückkommend auf den Ausgangspunkt unserer Betrachtung kann uns klar werden, wie natürlich es ist, dass wir Theosophen es schwerer haben müssen, uns in der Welt durchzusetzen, als irgendwelche andere. Die Theosophen werden verfolgt wie keine anderen Anhänger irgendeiner Weltanschauung. Denn nichts ist den Menschen unangenehmer, als wenn ihnen die wahre Gestalt des Christus geschildert wird. Aber unsere Gesinnung beruht auf den Ergebnissen echt okkult-wissenschaftlicher Forschung, und an dieser Gesinnung muss mit allen Kräften festgehalten werden.

[ 15 ] Returning to the point at which the lecture began, it is not difficult to realise that it will be harder for us as Anthroposophists to make our voice heard in the world than it will be for any others. The adherents of other views of the world will have less persecution to suffer than Anthroposophists. For nothing makes men more uneasy than to describe to them the true nature of the Christ. But our conviction is based upon the results of genuine occult science, and this conviction must be sustained with all the strength of which we are capable.