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The Rudolf Steiner Archive

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Esoteric Christianity and the
Spiritual Guidance of Humanity
GA 130

8 February 1912, Vienna

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16. Grundstimmung dem menschlichen Karma gegenüber

The True Attitude To Karma

Meine lieben theosophischen Freunde!

Not translated

[ 1 ] Nicht ohne Bedeutung ist am Schlusse der beiden öffentlichen Vorträge immer schärfer von mir betont worden, dass Theosophie dem Menschen nicht eine Theorie sein soll, nicht eine bloße Wissenschaft, nicht irgendetwas, was man im gewöhnlichen Sinne eine Erkenntnis nennt, sondern etwas, was sich in unserer Seele verwandeln kann aus einer bloßen Erkenntnis, einer bloßen Theorie in unmittelbares Leben, in ein Lebenselixier. Sodass wir durch Theosophie nicht nur etwas wissen, sondern dass vor allen Dingen uns Kräfte durch sie zufließen, die nicht nur in dem gewöhnlichen Leben, das wir hier im physischen Dasein führen, uns helfen, sondern im Gesamtleben, das wir sowohl im physischen Dasein wie auch im entkörperten Zustande zwischen dem Tod und einer neuen Geburt führen. Je mehr wir Theosophie so empfinden, dass sie uns stärkende Kräfte, lebenfördernde Elemente zuführt, desto besser verstehen wir Theosophie. Nun wird ja vielleicht manchem bei einem solchen Ausspruch die Frage sich auf die Lippen drängen: Wenn Theosophie also etwas sein soll, das uns Lebensstärkung gibt, Kräfte verleiht, warum müssen wir dann doch wiederum in der Theosophie uns alle möglichen theoretisch aussehenden Erkenntnisse aneignen, warum werden wir dann sozusagen in unserem Zweigleben geplagt mit allerlei Erkenntnissen über die unserer Erde vorangehenden planetarischen Verkörperungen? Warum müssen wir Dinge erfahren, die sich in fernen Zeiten zugetragen haben? Warum müssen wir uns bekannt machen auch mit den intimeren, feineren Gesetzen von Reinkarnation, Karma und so weiter? - Mancher könnte glauben, das sei auch nur wiederum etwas wie eine Wissenschaft, wie uns Wissenschaften ja auch im äußeren Leben in der physischen Welt heute geboten werden.

[ 1 ] I had good reason to emphasise at the end of each of the two public lectures53public lectures: Vienna 6th and 7th February 1912, on Death and Immortality in the Light of Spiritual Science, and The Essence of Eternity and the Nature of the Human Soul in the Light of Spiritual Science. These lectures were not printed. See the corresponding lectures given in Berlin, 26th October 1911 and 21st March 1912, in ‘Menschengeschichte im Lichte der Geistesforschung’ (Human History in the Light of Spiritual Research) GA 61 Dornach, 1962. that Anthroposophy must not be regarded merely as a theory or a science, nor only as knowledge in the ordinary sense. It is rather something that can be transformed in the soul into actual life, into an elixir of life. What really matters is that we shall not only acquire knowledge through Anthroposophy, but that forces shall flow into us from Anthroposophy which help us not only in ordinary physical existence but through the whole compass of life, which includes physical existence and the discarnate condition between death and a new birth. The more we feel that Anthroposophy bestows upon us forces whereby life itself is strengthened and enriched, the more truly do we understand it. When such a statement is made, people may ask: If Anthroposophy is to be a power that strengthens and infuses vigour into life, why is it necessary to absorb all this apparently theoretical knowledge? Why do we have to bother in our group meetings with all sorts of details about the preceding planetary embodiments of the earth? Why is it necessary to learn about things that happened in the remote past? Why are we also expected to familiarise ourselves with the more intimate, intangible laws of reincarnation, karma and so forth? Many people might think that Anthroposophy is just another kind of science, on a par with the many sciences existing in outer, physical life.

[ 2 ] Nun muss man, meine lieben theosophischen Freunde, bei dieser Frage, die eben hier berührt worden ist als eine Frage, die sich sozusagen auf die Lippen drängen kann, alle Lebensbequemlichkeit ausschalten. Man muss sich sorgfältig prüfen, ob man denn nicht schon, wenn man diese Frage tut, in dieselbe etwas hineinmischt vom gewöhnlichen Schlendrian des Lebens, der sich - verzeihen Sie, meine lieben theosophischen Freunde - doch gar zu sehr mit den Worten ausdrücken lässt: Der Mensch will eigentlich ungern etwas lernen, sich geistig aneignen. Das ist ihm unbequem. Wir müssen uns fragen, ob nicht etwas von dieser Stimmung der Unbequemlichkeit in diese Frage sich hineinmischt. Denn eigentlich gehen wir davon aus, so ein bisschen zu glauben, dass das Höchste, was uns Theosophie geben soll, zu erreichen sei auf einem bequemeren Wege als demjenigen, der uns zum Beispiel in unserer von uns gepflegten Literatur gezeigt wird. Es wird auch oftmals in einer etwas leichtfertigen Weise betont, der Mensch brauche sich ja nur selbst zu erkennen, brauche zu versuchen, ein guter Mensch zu werden, dann sei er eigentlich schon Theosoph genug. Ja, meine lieben theosophischen Freunde, das gerade gibt uns eine tiefere Erkenntnis, dass es zu den allerschwierigsten Dingen der Welt gehört, ein guter Mensch zu sein, und dass nichts so sehr Vorbereitung braucht, als eben dieses Ideal, ein guter Mensch zu sein.

[ 2 ] Now with regard to this question, which has been mentioned here because it is very likely to be asked, all considerations of convenience in life must be put aside; there must be scrupulous self-examination to find whether or not such questions are tainted by that habitual slackness in life which we know only too well; that man is fundamentally unwilling to learn, unwilling to take hold of the spiritual because this is inconvenient for him. We must ask ourselves: Does not something of this fear of inconvenience and discomfort creep into such questions? Let us admit that we really do begin by thinking that there is an easier path to Anthroposophy than all that is presented, for example, in our literature. It is often said lightheartedly that, after all, a man need only know himself, need only try to be a good and righteous human being, and then he is a sufficiently good Anthroposophist. Yes, my dear friends, but precisely this gives us the deeper knowledge that there is nothing more difficult than to be a good man in the real sense and that nothing needs so much preparation as the attainment of this ideal.

[ 3 ] Und was gar die Frage nach der Selbsterkenntnis betrifft, so ist sie in Wahrheit keine solche, die sich im Handumdrehen beantworten lässt, wie so mancher Mensch glauben möchte. Wir wollen deshalb heute einmal gerade einigen Fragen näher rücken, welche in diesen eben gesprochenen Worten oftmals zum Ausdruck gebracht werden. Wir wollen betrachten, inwiefern uns Theosophie, wenn auch nur scheinbar, als eine Lehre, eine Wissenschaft entgegentritt, obgleich sie dennoch im eminentesten Sinne gerade dasjenige ergibt, was man Selbsterkenntnis nennen kann und dasjenige ergeben muss, was man bezeichnet als ein Hinstreben zum guten Menschen. Da handelt es sich allerdings vor allem darum, dass wir von verschiedenen Gesichtspunkten aus betrachten, wie Theosophic in das Leben einfließen kann.

[ 3 ] As to the question concerning self-knowledge, that can certainly not be answered in a moment, as so many people would like to think. Today, therefore, we will consider certain questions which are often expressed in the way indicated above. We will think of how Anthroposophy comes to us, seemingly, as a body of teaching, a science, although in essence it brings self-knowledge and the aspiration to become good and righteous human beings. And to this end it is important to study from different points of view how Anthroposophy can flow into life.

[ 4 ] Nehmen Sie aus den großen Lebensfragen einen bestimmten Fall heraus. Ich meine nicht aus denjenigen, die die wissenschaftliche Forschung betreffen, sondern die das Leben jeden Tag bringt, Fragen, die ganz gewiss jeder von uns kennt: die Frage nach dem Troste, den wir im Leben gewinnen können, wenn wir in irgendeiner Weise an dem oder jenem zu leiden haben, wenn wir in dieser oder jener Weise an dem Leben nicht volle Befriedigung haben können. Mit anderen Worten, fragen wir uns: Inwiefern kann zum Beispiel Theosophie dem betrübten Menschen Trost gewähren, wenn er Trost braucht? Allerdings muss ja der Einzelne dasjenige, was über eine solche Frage gesagt werden kann, auf seinen besonderen Fall anwenden. Wenn man zu vielen Menschen spricht, kann man nur im Allgemeinen sprechen.

[ 4 ] Let us consider one of life's vital questions. I am not referring to anything in the domain of science but to a question arising in everyday existence, namely, that of consolation for suffering, for lack of satisfaction in life. How, for example, can Anthroposophy bring consolation to people in distress when they need it? Every individual must of course apply what can be said about such matters to his own particular case. In addressing a number of people one can only speak in a general sense.

[ 5 ] Warum brauchen wir Trost im Leben? Weil wir eben betrübt sein können über dieses oder jenes, weil wir leiden können, weil uns Schmerzen treffen können. Nun ist es natürlich, dass der Mensch dem Schmerze gegenüber sich fühlt, als ob sich irgendetwas in seinem Innern gegen diesen Schmerz so ablehnend verhalten müsste, dass er sich sagt: Warum muss ich Schmerzen ausstehen, warum trifft mich dieser Schmerz? Könnte denn das Leben für mich nicht auch so verrinnen, dass mich keine Schmerzen treffen, dass ich zufrieden bin? - Derjenige, der diese Frage so stellt, kann zu einer Antwort nur kommen, wenn er sich eine wirkliche Erkenntnis von der Natur unseres menschlichen Karma, des menschlichen Schicksals, verschafft. Warum leiden wir denn in der Welt? Und es sind damit die äußerlichen Leiden wie auch die innerlichen gemeint, die aus der inneren Organisation aufsteigen, dass wir uns nicht immer genug sind, dass wir nicht immer klar uns zurechtfinden können. Das ist jetzt gemeint. Warum treffen uns solche, uns unbefriedigt lassende Dinge im Leben?

[ 5 ] Why do we need consolation in life? Because something may distress us, because we have to suffer and undergo painful experiences. Now it is natural for a man to feel that something in him rebels against this suffering. And he asks: ‘Why have I to bear it, why has it fallen to my lot? Could not my life have been without pain, could it not have brought me contentment?’ A man who puts the question in this way can only find an answer when he understands the nature of human karma, of human destiny. Why do we suffer? And I am referring not only to outer suffering but also to inner suffering due to a sense of failure to do ourselves justice or, find our proper hearings in life. That is what I mean by inner suffering. Why does life bring so much that leaves us unsatisfied?

[ 6 ] Wenn wir uns einlassen auf die Gesetze des Karma, so werden wir sehen, dass unseren Leiden etwas Ähnliches zugrunde liegt, wie dasjenige ist, was im gewöhnlichen Leben zwischen Geburt und Tod etwa mit folgendem Beispiele sich verdeutlichen lässt, es ist von mir oft schon erwähnt worden: Nehmen wir an, jemand hat bis zum achtzehnten Jahre gelebt aus der Tasche seines Vaters, er hat in Lust und Freude gelebt, er hat sich nichts entgehen lassen. Dann verliert der Vater das Vermögen, er macht Bankerott. Der Junge muss etwas Rechtes lernen, er muss sich anstrengen. Mit Schmerzen und Entbehrungen trifft ihn das Leben. Wir werden es begreiflich finden, dass dieser junge Mensch recht wenig sympathisch berührt ist von den Schmerzen, die er durchzumachen hat. Nehmen wir an, der betreffende Mensch erreicht sein fünfzigstes Lebensjahr. Dadurch, dass er damals etwas hat lernen müssen, ist er ein ordentlicher Mensch geworden. Er steht nun fest im Leben und kann sich sagen: So wie ich meine Leiden und Schmerzen damals beurteilt habe, war es im damaligen Zeitpunkte begreiflich; jetzt muss ich aber anders darüber denken, jetzt muss ich sagen, dass mich die Schmerzen nicht hätten treffen können, wenn ich dazumal schon alle Vollkommenheiten, wenn auch nur die beschränkten Vollkommenheiten eines achtzehnjährigen Menschen, gehabt hätte. Hätten mich aber die Schmerzen nicht getroffen, wäre ich ein Taugenichts geblieben. Der Schmerz war cs, der die Unvollkommenheiten verwandelt hat in eine Vollkommenheit. Diesem Schmerz muss ich es verdanken, dass ich jetzt ein anderer Mensch bin als vor vierzig Jahren. Was hat sich denn dazumal eigentlich bei mir zusammengefunden? Es hat sich zusammengefunden meine Unvollkommenheit, in der ich damals war, und mein Schmerz. Und meine Unvollkommenheit hat gleichsam meinen Schmerz gesucht, damit sie vertrieben werden könne, damit sie sich in Vollkommenheit verwandeln könne.

[ 6 ] Study of the laws of karma will make it clear to us that something underlies our sufferings, something that can be elucidated by an example drawn from ordinary life between birth and death. I have given this example more than once. Suppose a young man has lived up to the age of eighteen or so entirely on his father; his life has been happy and carefree; he has had everything he wanted. Then the father loses his fortune, becomes bankrupt, and the youth is obliged to set about learning something, to exert himself. Life brings him many sufferings and deprivations. It is readily understandable that the sufferings are not at all to his liking. But now think of him at the age of fifty. Because circumstances obliged him to learn something in his youth he has turned into a decent, self-respecting human being. He has found his feet in life and can say to himself: ‘My attitude to the sufferings and deprivations was natural at the time; but now I think quite differently about them; I realise now that the sufferings would not have come to me if in those days I had possessed all the virtues—even the very limited virtues of a boy of eighteen. If no suffering had come my way I should have remained a good-for-nothing. It was the sufferings that changed the imperfections into something more perfect. It is due to the suffering that I am not the same human being I was forty years ago. What was it, then, that joined forces in me at that time? My own imperfections and my suffering joined forces. And my imperfections sought out the suffering so that they might be removed and transformed into perfections.’

[ 7 ] Diese Betrachtung kann sich schon ergeben aus einer trivialen Anschauung des Lebens zwischen Geburt und Tod. Wenn wir auf das Gesamtleben eingehen und uns wirklich in einer solchen Weise unserem Karma gegenüberstellen, wie es namentlich im vorgestrigen Vortrag gezeigt worden ist, werden wir immer zur Überzeugung kommen, dass alle Schmerzen, die uns treffen, alle Leiden, die uns in den Weg gestellt werden, von der Art sind, dass sie gesucht werden von unserer Unvollkommenheit. Und zwar die weitaus meisten Schmerzen und Leiden werden gesucht von jenen Unvollkommenheiten, die wir herübergebracht haben aus früheren Inkarnationen. Und weil diese Unvollkommenheiten in uns sind, sucht ein Gescheiterer in uns, als wir sind, den Weg zu den Schmerzen, zu den Leiden. Denn das ist eine goldene Regel des Lebens, meine lieben theosophischen Freunde, dass wir alle als Menschen stets einen Gescheiteren in uns tragen, als wir selber sind, einen viel Weiseren. Denn weniger weise ist der, zu dem wir im gewöhnlichen Leben «ich» sagen. Dieser «Weniger-Weise» würde, wenn es ihm überlassen wäre, entweder einen Schmerz aufzusuchen oder eine Lust, den Weg zur Lust gehen. Der «Gescheitere» ist derjenige, der in den Tiefen unseres Unterbewusstseins ruht, zu dem sich unser gewöhnliches Bewusstsein nicht hinab erstreckt. Er verhüllt uns den Blick zu einer leichten Lust und entzündet in uns eine magische Kraft, die den Weg geht zu den Schmerzen hin, ohne dass wir es wissen. Aber was heißt denn: ohne dass wir es wissen? Das heißt, dass der Gescheitere die größere Macht bekommt über den weniger Gescheiten, und der Gescheitere handelt stets so in uns, dass er unsere Unvollkommenheiten zu unseren Schmerzen hinleitet und uns leiden lässt, weil wir mit jedem inneren und äußeren Leide eine Unvollkommenheit ausmerzen und uns vollkommener machen.

[ 7 ] This attitude can even arise from quite an ordinary view of life between birth and death. And if we think deeply about life as a whole, facing our karma in the way indicated in the lecture yesterday, we shall finally be convinced that the sufferings along our path are sought out by our imperfections. The vast majority of sufferings are, indeed, sought out by the imperfections we have brought with us from earlier incarnations. And because of these imperfections a wiser being within us seeks for the path leading to the sufferings. For it is a golden rule in life that as human beings we have perpetually within us a being who is much wiser, much cleverer than we ourselves. The ‘I’ of ordinary life has far less wisdom, and if faced with the alternative of seeking either pain or happiness would certainly choose the path to happiness. The wiser being operates in depths of the subconscious life to which ordinary consciousness does not extend. This wiser being diverts our gaze from the path to superficial happiness and kindles within us a magic power which, without our conscious knowledge, leads us towards the suffering. But what does this mean: without our conscious knowledge? It means that the wiser being is prevailing over the less wise one, and this wiser being invariably acts within us so that it guides our imperfections to our sufferings, allowing us to suffer because every outer and inner suffering removes some imperfection and leads to greater perfection.

[ 8 ] Solche Sätze kann man theoretisch einsehen, aber es ist nicht viel damit getan. Aber viel ist getan, wenn man sich gewisse Feieraugenblicke des Lebens sucht, in denen man gewillt ist, so etwas wie diesen Satz nun wirklich mit aller Energie zu einem Lebensinhalt der Seele zu machen. Im gewöhnlichen Leben mit seiner Arbeit, seinem Hasten und Treiben, mit seinen Pflichten, da geht es nicht immer, da können wir uns unseres weniger gescheiten Menschen, den wir nun einmal haben, sozusagen nicht immer entschlagen. Aber wenn wir einen gewissen Feieraugenblick des Lebens uns auswählen - und mögen solche Feieraugenblicke auch noch so kurz sein —, können wir uns sagen: Ich will einmal absehen von allem, was da draußen rumort und wo ich mitrumort habe, ich will auf meine Leiden so blicken, dass ich empfinde, wie der Gescheitere in mir mit magischer Kraft zu ihnen hingezogen worden ist, und dass ich gewisse Schmerzen mir selbst auferlegt habe, ohne die ich gewisse Unvollkommenheiten nicht überwunden hätte. Dann wird uns ein Gefühl überkommen von seliger Weisheit, welches sozusagen ergibt: Auch da, wo die Welt erfüllt scheint von Leid, da ist sie voller Weisheit! So etwas ist dann eine Errungenschaft der Theosophie für das Leben. Wir mögen so etwas für das äußere Leben wieder vergessen. Wenn wir es aber nicht vergessen und oft und oft es wieder üben, dann werden wir sehen, dass wir etwas wie einen Keim in unsere Seele gelegt haben und dass sich dann mancherlei, was in uns trübes Gefühl, mancherlei, was schwache Stimmung ist, verwandelt in heitere Lebensstimmung, in Kraft, in Stärkegefühl. Und dann werden wir von solchen Feieraugenblicken des Lebens das haben, dass wir als harmonischere Seelen und stärkere Menschen aus ihnen hervorgehen.

[ 8 ] We may be willing to accept such principles in theory, but that is not of much account. A great deal is achieved, however, if in certain solemn and dedicated moments of life we try strenuously to make such principles the very lifeblood of the soul. In the hurry and bustle, the work and the duties of ordinary life, this is not always possible; under these circumstances we cannot always oust the being of lesser wisdom—who is, after all, part of us. But in certain deliberately chosen moments, however short they may be, we shall be able to say to ourselves: I will turn away from the hubbub of outer life and view my sufferings in such a way that I realise how the wiser being within me has been drawn to them by a magic power, how I imposed upon myself certain pain without which I should not have overcome this or that imperfection. A feeling of the peace inherent in wisdom will then arise, bringing the realisation that even when the world seems full of suffering, there too it is full of wisdom! In this way, life is enriched through Anthroposophy. We may forget it again in the affairs of external life, but if we do not forget it altogether and repeat the exercise steadfastly, we shall find that a kind of seed has been laid in the soul and that many a feeling of sadness and depression changes into a more positive attitude, into strength and energy. And then out of such quiet moments in life we will acquire more harmonious souls and become stronger individuals.

[ 9 ] Und dann mögen wir wohl - aber der Theosoph sollte sich zur Regel machen, dass er diese anderen Augenblicke sich erst dann verschaffen soll, wenn er die ersten, die Augenblicke des Trostes bei den Leiden in seiner Seele wirksam macht -, dann mögen wir wohl auch anderes hinzufügen: Blicke auf unsere Freuden, Blicke auf das, was wir als Lust im Leben erfahren können. Wer sich mit unbefangenem Gefühle dem Schicksal so gegenüberstellt, als ob er seine Schmerzen gewollt hätte, für den ergibt sich etwas ganz Eigentümliches, wenn er seine Lust und Freude betrachtet. Er kommt damit nicht so zurecht, wie er mit seinen Leiden zurande kommt. Leicht wird es uns nämlich — und wer es nicht glaubt, mag versuchen, sich hineinzuversetzen - Trost im Leide zu finden. Aber es wird schwer, mit Lust und Freude zurechtzukommen. Man mag sich noch so sehr in die Stimmung versetzen, man habe sein Leid gewollt: Wenn man das auf Lust und Freude anwendet, dann wird man gar nicht anders können, als beschämt zu sein. Richtiges Schamgefühl wird man empfinden, und über dieses Schamgefühl wird man nicht anders hinwegkommen als nur durch das eine, dass man sich sagt: Nein, meine Lust und Freude habe ich mir wirklich nicht durch mein Karma selbst gegeben! - Das ist die einzige Heilung, denn sonst kann die Scham so stark werden, dass sie einen schier in der Seele vernichtet. Die einzige Heilung ist, nicht dem Gescheiteren in sich zuzumuten, dass man zur Freude hingetrieben worden ist. An diesem Gedanken merkt man, dass man recht hat, weil das Schamgefühl verschwindet. Es ist so, dass uns Lust und Freude im Leben zufallen als etwas, was uns von der weisen Weltenlenkung ohne unser Zutun gegeben ist, was wir als Gnade hinnehmen müssen und von dem wir immer erkennen, dass es bestimmt ist, uns einzufügen in das Gesamtall. Lust und Freude sollen so auf uns wirken in den Feieraugenblicken des Lebens, in den einsamen Stunden, dass wir sie als Gnade empfinden, als Gnade der Allgewalten der Welt, die uns aufnehmen wollen, die uns gleichsam in sich einbetten wollen.

[ 9 ] Then we may pass on to something else ... but the Anthroposophist should make it a rule to devote himself to these other thoughts only when the attitude towards suffering has become alive within him. We may turn, then, to think about the happiness and joys of life. A man who adopts towards his destiny the attitude that he himself has willed his sufferings will have a strange experience when he comes to think about his joy and happiness. It is not as easy for him here as it is in the case of his sufferings. It is easy, after all, to find a consolation for suffering, and anyone who feels doubtful has only to persevere; but it will be difficult to find the right attitude to happiness and joy. However strongly a man may bring himself to feel that he has willed his suffering—when he applies this mood of soul to his happiness and joy he will not be able to avoid a sense of shame; he will feel thoroughly ashamed. And he can only rid himself of this feeling of shame by saying to himself: ‘No, I have certainly not earned my joy and happiness through my own karma!’ This alone will put matters right, for otherwise the shame may be so intense that it almost destroys him in his soul. The only salvation is not to attribute our joys to the wiser being within us. This thought will convince us that we are on the right road, because the feeling of shame passes away. It is really so: happiness and joy in life are bestowed by the wise guidance of worlds, without our assistance, as something we must receive as grace, always recognising that the purpose is to give us our place in the totality of existence. Joy and happiness should so work upon us in the secluded moments of life that we feel them as grace, grace bestowed by the supreme powers of the world who want to receive us into themselves.

[ 10 ] Während wir also durch unsere Schmerzen und Leiden zu uns selber kommen, uns selbst vollkommener machen, entwickeln wir durch unsere Lust und Freude - aber nur wenn wir sie als Gnade betrachten - dasjenige Gefühl, das man nur nennen kann ein Gefühl des beseligenden Ruhens in den göttlichen Mächten und Kräften der Welt. Und da gibt es als einzig berechtigte Stimmung nur Dankbarkeit gegenüber Lust und Freude. Und niemand kommt zurecht mit Lust und Freude, der in einsamen Stunden der Selbsterkenntnis Lust und Freude auf sein Karma hinschreibt. Schreibt er es seinem Karma zu, dann gibt er sich jenem Irrtum hin, der das Geistige in uns schwächt, lähmt. Jeder Gedanke, dass eine Lust, eine Freude verdient sei, schwächt und lähmt uns. Das scheint hart zu sein, denn mancher möchte wohl, wenn er sich schon seinen Schmerz zuschreibt als selbstgewollt und ihm zukommend durch seine Individualität, dass er der eigene Herr auch über seine Lust und Freude sei. Aber schon der gewöhnliche Blick in das Leben kann uns belehren, dass Lust und Freude etwas Auslöschendes hat. Man findet ja dieses Auslöschende von Lust und Freude wohl kaum irgendwo anschaulicher geschildert als im «Faust», wo das Lähmende von Lust und Freude im menschlichen Leben anschaulich gemacht wird mit den Worten: «So tauml’ ich von Begierde zu Genuss. Und im Genuss verschmacht’ ich nach Begierde.» Und wer nur ein wenig nachdenkt über den Einfluss der Lust, wenn sie persönlich genommen wird, der wird sehen, dass die Lust etwas hat, was uns wie in einen Lebenstaumel führt und unser Selbst auslöscht.

[ 10 ] While our pain and suffering bring us to ourselves, make us more fully ourselves, through joy and happiness—provided we consider them as grace—we develop the feeling of peaceful security in the arms of the divine powers of the world, and the only worthy attitude is one of thankfulness. Nobody who in quiet hours of self-contemplation ascribes happiness and joy to his own karma, will unfold the right attitude to such experiences. If he ascribes joy and happiness to his karma he is succumbing to a fallacy whereby the spiritual within him is weakened and paralysed; the slightest thought that happiness or delight have been deserved weakens and cripples us inwardly. These words may seem harsh, for many a man, when he attributes suffering to his own will and individuality, would like to be master of himself, too, in the experiences of happiness and joy. But even a cursory glance at life will indicate that by their very nature joy and happiness tend to obliterate something in us. This weakening effect of delights and joys in life is graphically described in Faust by the words: ‘And so from longing to delight I reel; and even in delight I pine for longing.’54And so from longing to delight I reel ... ’: Goethe ‘Faust’, Part 1, Woodland and Cave. And anybody who gives any thought to the influence of joy, taken in the personal sense, will realise that there is something in joy that makes us stagger and blots out our true being.

[ 11 ] Dies soll nicht etwa eine Predigt sein gegen die Lust, nicht die Aufforderung, dass wir uns Selbstpeinigungen hingeben sollen, uns vielleicht mit glühenden Zangen zwicken sollen und dergleichen. Das soll es nicht sein. Wenn man eine Sache in der richtigen Weise erkennt, bedeutet das nicht, dass man sie fliehen soll. Nicht «Fliehen» ist gesagt, sondern wir sollen sie ruhig hinnehmen, wo sie uns entgegentritt. Aber wir sollen die Stimmung entwickeln, dass wir sie als Gnade erfahren, und je mehr, desto besser, denn um so mehr tauchen wir ein in das Göttliche. Also nicht um Askese zu predigen, sondern um die richtige Stimmung gegenüber Lust und Freude zu erwecken, sind diese Worte gesagt.

[ 11 ] This is not meant to be a sermon against joy or a suggestion that it would be good to torture ourselves with red-hot pincers or the like. Certainly not. To recognise something for what it really is does not mean that we must flee from it. It is not a question of running away from joy but of receiving it calmly whenever it comes to us; we must learn to feel it as grace, and the more we do so the better it will be, for we shall enter more deeply into the divine. These words are said, therefore, not in order to preach asceticism but to awaken the right mood towards happiness and joy.

[ 12 ] Wer aber sagen würde: Lust und Freude haben etwas Lähmendes und Auslöschendes, deshalb fliehe ich die Lust, die Freude - das Ideal der falschen Askese, der Selbstpeinigung —, der würde fliehen vor der Gnade, die ihm geschenkt wird von den Göttern. Und im Grunde genommen sind fortwährende Auflehnungen gegen die Götter die Selbstpeinigungen der Asketen, Mönche und Nonnen. Es geziemt uns, dass wir die Schmerzen als etwas fühlen, was uns durch unser Karma zukommt, und dass wir die Freude als Gnade fühlen, dass das Göttliche sich zu uns herablassen kann. Als Zeichen, wie nahe uns der Gott zu sich hingezogen hat, sei uns Lust und Freude, und als Zeichen, wie weit wir von dem entfernt sind, was wir als vernünftige Menschen erreichen müssen, sei uns Leid und Schmerz. Das gibt die Grundstimmung gegenüber Karma, und ohne diese Grundstimmung können wir im Leben nicht wahrhaft vorwärtsschreiten. Wir müssen empfinden an dem, was uns die Welt als Gutes, Schönes zukommen lässt, dass hinter dieser Welt die Mächte stehen, von denen in der Bibel gesagt ist: sie sahen, dass sie schön und gut war, die Welt. Insoweit wir aber Leid und Schmerz empfinden können, müssen wir anerkennen dasjenige, was der Mensch im Laufe der Inkarnationen aus der Welt, die anfänglich gut war, gemacht hat und was er verbessern muss, indem er sich zum energischen Ertragen dieser Schmerzen erzieht.

[ 12 ] If anyone were to say: joy and happiness have a weakening, deadening effect, therefore I will flee from them (which is the attitude of false asceticism and a form of self-torture)—such a man would be fleeing from the grace bestowed upon him by the gods. And in truth the self-torture practised by the ascetics, monks and nuns in olden days was a form of resistance against the gods. We must learn to regard suffering as something brought by our karma, and to feel happiness as grace that the divine can send down to us. Joy and happiness should be to us the sign of how closely the gods have drawn us to themselves; suffering and pain should be the sign of how remote we are from the goal before us as intelligent human beings. Such is the true attitude to karma, and without it we shall make no real progress in life. Whenever the world bestows upon us the good and the beautiful, we must feel that behind this world stand those powers of whom the Bible says: ‘And they looked at the world and they saw that it was good.’ But inasmuch as we experience pain and suffering, we must recognise what, in the course of incarnations, man has made of the world which in the beginning was good, and what he must contribute towards its betterment by educating himself to bear pain with purpose and energy.

[ 13 ] Dasjenige, was geschildert worden ist, das ist nur eine zweifache Art des Hinnehmens unseres Karma. Unser Karma besteht ja in gewisser Beziehung aus Leiden und Freuden. Wir stellen uns zu unserem Karma mit dem richtigen Willen, als ob wir es richtig wollten, wenn wir uns den Leiden und Freuden in der richtigen Weise entgegenzustellen vermögen. Aber wir können das noch weiter ausdehnen. Und gerade wie wir uns dem Karma gegenüberstellen können, das soll die heutige und morgige Betrachtung zeigen.

[ 13 ] What has been described are two ways of accepting our karma. In a certain respect our karma consists of suffering and joys; and we relate ourselves to our karma with the right attitude when we can consider it as something we really wanted, and when we can confront our sufferings and joys with the proper understanding. But a review of karma can be extended further, which we shall do today and tomorrow.

[ 14 ] Unser Karma zeigt uns nicht bloß dasjenige, was leidvoll und freudvoll in Beziehung steht zu unserem Leben, sondern wir treffen im Verlaufe des Lebens, sodass wir darin sehen müssen karmische Wirkungen, zum Beispiel viele Menschen, mit denen wir flüchtige Bekanntschaft machen, Menschen, die uns mehr oder weniger in diesem oder jenem Verhältnis der Verwandtschaft, Freundschaft eine lange Zeit unseres Lebens nahestehen. Wir treffen Menschen, denen wir so gegenüberstehen, dass sie uns Leid zufügen oder dass durch das Zusammenwirken mit ihnen uns Leid, also Hemmnisse entstehen, oder wir treffen Menschen, die uns selber fördern oder die wir fördern können, kurz, mannigfaltige Beziehungen ergeben sich. Auch solch einer Tatsache des Lebens gegenüber müssen wir, wenn fruchtbar werden soll im theosophischen Sinne dasjenige, was vorgestern über das Hinnehmen des Karma gesagt worden ist, dass wir es mit dem gescheiteren Teile in uns in einer gewissen Weise gewollt haben, gewollt haben also einen Menschen, der uns scheinbar in den Weg gelaufen ist, gewollt haben gerade den, mit dem wir dies oder jenes ausmachen. Was kann denn dann dieser Gescheitere in uns nur wollen, wenn er diesen oder jenen Menschen treffen will, worauf kann er sich denn stützen? Nicht wahr, es gibt keinen anderen vernünftigen Gedanken, als dass wir uns sagen: Wir wollen ihn treffen, weil wir ihn schon früher getroffen haben und weil sich das früher schon angebahnt hat. Es muss nicht im letzten Leben, sondern es kann viel früher gewesen sein. Weil wir in den verflossenen Leben mit diesem Menschen dieses oder jenes zu tun gehabt haben, weil wir in dieser oder jener Weise eine Schuld gehabt haben, so führt uns dieser Gescheitere mit ihm zusammen. Es ist ein mit magischer Kraft Hingeleitetwerden zu dem betreffenden Menschen.

[ 14 ] Karma does not reveal itself only in the form of experiences of suffering or joy. As our life runs its course we encounter in a way that can only be regarded as karmic—many human beings with whom, for example, we make a fleeting acquaintance, others who as relatives or close friends are connected with us for a considerable period of our life. We meet human beings who in our dealings with them bring sufferings and hindrances along our path; or again we meet others whom we can help and who can help us. The relationships are manifold. We must regard these circumstances too as having been brought about by the will of the wiser being within us—the will, for example, to meet a human being who seems to run across our path accidentally and with whom we have something to adjust or settle in life. What is it that makes the wiser being in us wish to meet this particular person? The only intelligent line of thought is that we want to come across him because we have done so before in an earlier life and our relationship had already begun then. Nor need the beginning have been in the immediately preceding life it may have been very much earlier. Because in a past life we have had dealings of some kind with this person, because we may have been in some way indebted to him, we are led to him again by the wiser being within us, as if by magic.

[ 15 ] Nun kommen wir da allerdings, meine lieben theosophischen Freunde, in ein Gebiet hinein, das außerordentlich mannigfaltig und verzweigt ist und demgegenüber eigentlich nur allgemeine Gesichtspunkte angegeben werden können. Aber es soll hier nur solches angegeben werden, was wirklich durch hellsichtige Forschung erfahren worden ist. Das kann jedermann nützlich sein, weil er es in gewisser Weise spezialisieren und auf sein eigenes Leben anwenden kann.

[ 15 ] Here, of course, we enter a very diverse and extremely complicated domain, of which it is only possible to speak in general terms. But all the indications given here are the actual results of clairvoyant investigation. The indications will be useful to every individual because he will be able to particularise and apply what is said to his own life.

[ 16 ] Es stellt sich eine merkwürdige Tatsache heraus. Wir alle erleben so um die eigentliche Mitte unseres Lebens herum diejenige Epoche, wo sozusagen die aufsteigende Linie in die absteigende Linie übergeht, wo wir alle Jugendkraft aus uns herausgesetzt haben, einen Höhepunkt überschreiten, und dann geht es wieder in die absteigende Linie über. Dieser Punkt, der so in die Dreißigerjahre hineinfällt, kann nicht als allgemeine Regel angegeben werden, aber es gilt dennoch für jeden von uns. Es ist diejenige Epoche unseres Lebens, in der wir in unserer Welt am meisten auf dem physischen Plane leben. In dieser Beziehung kann man sich einer Täuschung hingeben. Sie werden schon sehen. Ja, was vorhergegangen ist, das waren eigentlich seit der Kindheit immer, wenn es auch schwächer und schwächer geworden ist, Herausholungen von Dingen, die wir in die gegenwärtige Inkarnation mitgebracht haben. Das haben wir herausgesetzt, haben damit unser Leben gezimmert, sodass wir immer noch gezehrt haben von Kräften, die wir mitgebracht haben aus der geistigen Welt heraus. Die sind aufgebraucht, wenn der genannte Zeitpunkt eintritt. Und wenn wir dann wiederum die absteigende Lebenslinie betrachten, dann stellt sich die Sache so, dass wir das, was wir in der Lebensschule gelernt haben, anhäufen und verarbeiten, um das mitzunehmen in die nächste Inkarnation. Das leiten wir hinein in die geistige Welt; früher nahmen wir heraus. Da leben wir am allermeisten in der Welt des physischen Planes, da sind wir am meisten verstrickt in alles dasjenige, was uns von außen beschäftigt. Da haben wir unsere Lehrzeit ja sozusagen durch, da treten wir an das Leben unmittelbar heran, da müssen wir mit unserem Leben fertig werden. Da sind wir sozusagen mit uns selbst beschäftigt, am meisten beschäftigt mit dem Arrangieren der Außenwelt-Umstände für uns und mit dem Sich-in-ein-Verhältnis-Setzen zur Außenwelt. Dasjenige aber, was sich mit der Welt in ein Verhältnis setzt, das [sind] der Verstand und die Willensimpulse, die aus dem Verstande kommen. Was am meisten da aus uns herausquillt, das ist das Fremdeste, dem sich die geistigen Welten verschließen. Wir sind sozusagen am fernsten dem Geistigen in der Mitte des Lebens.

[ 16 ] A remarkable fact comes to light. About the middle of life the ascending curve passes over into the descending curve. This is the time when the forces of youth are spent and we pass over a certain zenith to the descending curve. This point of time—which occurs in the thirties—cannot be laid down with absolute finality, but the principle holds good for everyone. It is the period of life when we live most intensely on the physical plane. In this connection we may easily be deluded. It will be clear that life before this point of time has been a process of bringing out what we have brought with us into the present incarnation. This process has been going on since childhood, although it is less marked as the years go by. We have chiseled out our life, have been nourished as it were by the forces brought from the spiritual world. These forces, however, are spent by the point of time indicated above. Observation of the descending line of life reveals that we now proceed to harvest and work over what has been learnt in the school of life, in order to carry it with us into the next incarnation. This is something we take into the spiritual world; in the earlier period we were taking something from the spiritual world. It is in the middle period that we are most deeply involved in the physical world, most engrossed in the affairs of outer life. We have passed through our apprenticeship as it were and are in direct contact with the world. We have our life in our own hands. At this period we are taken up with ourselves, concerned more closely than at any other time with our own external affairs and with our relation to the outer world. But this relation with the world is created by the intellect and the impulses of will which derive from the intellect—in other words, those elements of our being which are most alien to the spiritual worlds, to which the spiritual worlds remain closed. In the middle of life we are, as it were, farthest away from the spiritual.

[ 17 ] Nun stellt sich für die okkulte Forschung eine merkwürdige Tatsache ein. Wenn man untersucht, wie man da in der mittleren Lebenszeit mit anderen Menschen zusammentritt, Bekanntschaften sucht im Leben, sind es kurioserweise diejenigen Menschen, mit denen man in der vorhergehenden Inkarnation oder einer früheren am Anfang seines Lebens zusammen war, in der allerersten Kindheit. Denn es hat sich herausgestellt, dass man in der Regel, nicht immer, in der Mitte seines Lebens durch irgendwelche äußeren Umstände des Karma diejenigen Menschen trifft, die früher einmal gerade die Eltern waren. Das sind die allerwenigsten Fälle, wo wir etwa mit den Menschen, die früher unsere Eltern waren, in der allerersten Kindheit zusammenkommen, sondern gerade in der Mitte des Lebens. So erscheint das gewiss als eine kuriose Tatsache, aber es ist so. Und erst wenn wir versuchen, nun eine solche Regel am Leben zu probieren, wenn wir unsere Gedanken so einrichten, können wir ungeheuer viel für das Leben gewinnen. Wenn ein Mensch, sagen wir um das dreißigste Jahr herum, in irgendein Verhältnis tritt zu einem anderen Menschen - cs mag sein, dass er sich in ihn verliebt, Freundschaft schließt, in irgendeinen Kampf kommt oder irgendwie in etwas anderes —, so wird uns vieles lichtvoll und erklärlich, wenn wir zunächst probeweise daran denken, dass wir mit diesem Menschen einmal im Verhältnis von Kind und Eltern waren. Umgekehrt stellt sich eine höchst merkwürdige Tatsache heraus. Diejenigen Menschen, mit denen wir gerade in der allerersten Kindheit zusammentrafen, Eltern, Geschwister, Spielkameraden oder sonstige Umgebung der Kindheit, sind in der Regel solche Persönlichkeiten, mit denen wir in der vorhergehenden oder irgendeiner früheren Inkarnation die Beziehungen so entwickelt haben, dass wir damals um das dreißigste Jahr diese oder jene Bekanntschaft geschlossen haben. Es stellt sich sehr häufig heraus, dass diese Menschen als unsere Eltern oder Geschwister auftreten in der gegenwärtigen Inkarnation. Wenn uns so etwas auch kurios vorkommen mag, man versuche es nur einmal auf sein Leben anzuwenden. Man wird sehen, wie lichtvoller das Leben wird, wenn wir die Sache so betrachten. Wenn das einmal nicht stimmt, so macht eine fehlerhafte Probe nicht viel aus. Aber in einsamen Stunden das Leben so betrachten, dass es einen Sinn bekommt, das gibt ungeheuer viel. Nur soll man das Leben nicht so oder so arrangieren wollen, man soll nicht aussuchen diejenigen, die einem gerade gefallen, die man einmal als Eltern gerne gehabt haben würde. Man darf sich nicht durch irgendein Vorurteil die Sache in ein falsches Licht rücken. Sie merken, dass hier eine Gefahr liegt und unzählige Vorurteile auf uns lauern. Aber es ist schon ganz gut, wenn wir uns erziehen, in diesen schwierigen Dingen vorurteilsfrei zu sein.

[ 17 ] A certain striking fact presents itself to occult research. Investigation of the kind of encounters and acquaintanceships with other human beings that arise in the middle of life shows, curiously, that these are the people that a man was together with at the beginning of his life, in his very earliest childhood in the previous incarnation or in a still earlier one. The fact has emerged that in the middle of life as a rule it is so, but not always—a man encounters, through circumstances of external karma, those people who in an earlier life were his parents; it is very rarely indeed that we are brought together in earliest childhood with those who were previously our parents; we meet them in the middle of life. This certainly seems strange, but it is the case, and a very great deal is gained for life if we will only try to put such a general rule to the test and adjust our thoughts accordingly. When a human being—let us say at about the age of thirty—enters into some relationship with another ... perhaps he falls in love, makes great friends, quarrels, or has some different kind of contact, a great deal will become comprehensible if, quite tentatively to begin with, he thinks about the possibility of the relationship to this person having once been that of child and parent. Conversely, this very remarkable fact comes to light. Those human beings with whom we were together in earliest childhood—parents, brothers and sisters, playmates or others around us during early childhood—they, as a rule, are people with whom we formed some kind of acquaintanceship when we were about thirty or so in a previous incarnation; in very many cases it is found that these people are our parents or brothers and sisters in the present incarnation. Curious as this may seem, just let us try to see how the principle squares with our own life, and we shall discover how much more understandable many things become. Even if the facts are otherwise, an experimental mistake will not amount to anything very serious. But if, in solitary hours, we look at life so that it is filled with meaning, we can gain a great deal. Obviously we must not try to arrange life to our liking; we must not choose the people we like and assume that they may have been our parents. Prejudices must not falsify the real facts. You will see the danger we are exposed to and the many misconceptions that may creep in. We ought to educate ourselves to remain open-minded and unbiased.

[ 18 ] Sie können die Frage an mich richten: Wie ist es denn nun aber mit dem Leben in der absteigenden Linie? In einer merkwürdigen Weise hat sich herausgestellt, dass wir am Beginne des Lebens bekannt werden mit Menschen, mit denen wir früher bekannt waren in der Mitte des Lebens, während wir jetzt, in der Mitte des Lebens, unsere Bekanntschaft mit ihnen am Anfange des damaligen Lebens wieder erkennen. Wie ist es denn im absteigenden Leben? — Da ist es so, dass wir dann mit Persönlichkeiten zusammengeführt werden, die vielleicht auch mit uns im früheren Leben etwas zu tun gehabt haben, vielleicht aber auch noch nicht. Sie haben dann etwas mit uns zu tun gehabt im früheren Leben, wenn besonders charakteristische Ereignisse vorkommen, wie sie so sehr häufig im Menschenleben auftreten, wenn irgendein entscheidender Lebenspunkt - sagen wir, starke Lebensprüfung durch bittere Enttäuschung - eintritt. Dann kommt das so, dass wir in der zweiten Hälfte des Lebens wieder mit Personen zusammengeführt werden, welche in der einen oder anderen Weise mit uns schon verbunden waren. Dadurch verschieben sich die Verhältnisse, und dadurch wird manches abgetragen, was früher verursacht war.

[ 18 ] You may now ask what there is to be said about the descending curve of life. The striking fact has emerged that at the beginning of life we meet those human beings with whom we were connected in the middle period of life in a previous incarnation; further, that in the middle of the present life, we revive acquaintanceships which existed at the beginning of a preceding life. And now, what of the descending curve of life? During that period we are led to people who may also, possibly, have had something to do with us in an earlier incarnation. They may, in that earlier incarnation, have played a part in happenings of the kind that so frequently occur at a decisive point in life—let us say, trials and sufferings caused by bitter disillusionments. In the second half of life we may again be brought into contact with people who in some way or other were already connected with us; this meeting brings about a shifting of circumstances, and a lot that was set in motion in the earlier life is cleared up and settled.

[ 19 ] Das macht die Dinge mannigfaltig und lässt uns erkennen, dass wir nicht allzu schablonenhaft vorgehen sollen. Namentlich aber werden in der zweiten Hälfte des Lebens solche Personen uns in den Weg geführt, bei denen das Karma, das angesponnen ist, in einem Leben sich nicht erledigen lässt. Nehmen wir an, wir haben einem Menschen in einem Leben ein Leid zugefügt. Man könnte sich nun leicht denken, wir werden in einem folgenden Leben mit diesem Menschen wieder zusammengeführt, und der Gescheitere in uns führt uns so zusammen, dass wir ausgleichen können, was wir ihm getan haben. Aber die Lebensverhältnisse müssen nicht immer so sein, dass wir alles ausgleichen können, sondern oft nur einen Teil. Dadurch werden Dinge notwendig, welche die Sache komplizieren und welche es möglich machen, dass solche zurückgebliebenen Reste des Karma in der zweiten Hälfte des Lebens ausgeglichen werden. Da haben wir unser Karma so aufgefasst, dass wir sozusagen unseren Verkehr und unser Zusammensein mit anderen Menschen in das Licht dieses Karma gerückt haben.

[ 19 ] These things are diverse and complex and indicate that we should not adhere rigidly to any hard and fast pattern. This much, however, may be said: the nature of the karma that has been woven with those who come across our path especially in the second half of life is such that it cannot be absolved in one life. Suppose, for example, we have caused suffering to a human being in one life; we could easily imagine that in a subsequent life we shall be led to this person by the wiser being within us, so that we may make amends for what we have done to him. The circumstances of life, however, may not enable compensation to be made for everything, but often only for a part of it. This necessitates the operation of complicated factors which enable such surviving remnants of karma to be adjusted and settled during the second half of life. This conception of karma can shed light upon our dealings and companionship with other human beings.

[ 20 ] Wir können aber auch noch etwas anderes betrachten in unserem Karmaverlaufe, dasjenige, was wir in den zwei öffentlichen Vorträgen genannt haben: das Reifwerden, das Aneignen unserer Lebenserfahrung. Wenn das Wort nicht Unbescheidenheit erweckt, kann es ja gebraucht werden. Wir können in Betracht ziehen, wie wir weiser werden. Wir können an unseren Fehlern weiser werden, und am besten ist es für uns, wenn wir an unseren Fehlern weiser werden, denn wir haben in ein und demselben Leben nicht oft Gelegenheit, die Weisheit anzuwenden: Daher bleibt uns das, was wir an den Fehlern gelernt haben, als Kraft für ein späteres Leben. Aber was wir uns an Weisheit, an Lebenserfahrung aneignen können, was ist denn das eigentlich?

[ 20 ] But there is still something else in the course of our karma to consider, something that in the two public lectures was referred to as the process of growing maturity, the acquisition of a real knowledge of life. (If the phrase does not promote arrogance it may be used.) Let us consider how we grow wiser. We can learn from our mistakes, and it is the best thing for us when this happens, because we do not often have the opportunity of applying the wisdom thus gained in one and the same life; therefore what we have learnt from the mistakes remains with us as strength for a later life. But the wisdom, the real knowledge of life that we can acquire, what is it really?

[ 21 ] Ich habe gestern schon darauf aufmerksam gemacht: Unsere Vorstellungen können wir nicht aus einem Leben in das andere unmittelbar mitnehmen. Ich habe aufmerksam gemacht, dass selbst Plato die Vorstellungen seiner Seele nicht unmittelbar mitnehmen konnte in die andere Inkarnation. Wir nehmen das mit hinüber, was wie unser Wille, unser Gemüt aussieht, sodass wir eigentlich unsere Vorstellungen geradeso wie unsere Sprache mit jedem Leben neu bekommen. Denn der größte Teil der Vorstellungen lebt ja in der Sprache, sodass wir den größten Teil der Vorstellungen aus der Sprache uns aneignen. Dieses Leben zwischen Geburt und Tod gibt uns Vorstellungen, die eigentlich immer aus dem Leben zwischen Geburt und Tod sind.

[ 21 ] I said yesterday that we cannot carry our thoughts and ideas with us directly from one life to the other; I said that even Plato could not take his ideas straight with him into his next incarnation. What we carry over with us takes the form of will, of feeling, and in reality our thought and ideas, just like our mother tongue, comes as something new in each life. For most of the thoughts and ideas live in the mother tongue whence we acquire them. This life between birth and death supplies us with thoughts and ideas which always come from this particular earth existence.

[ 22 ] Wenn das aber nun so ist, dann müssen wir uns ja sagen, also hängt es eigentlich immer von unserem Karma ab, immer hängt es von den jeweiligen Inkarnationen ab, wie viele Inkarnationen wir auch durchmachen, welche Vorstellungen wir aufnehmen. Dasjenige, was Sie als Vorstellungsweisheit erleben können, nehmen Sie immer von außen auf. Das hängt nun davon ab, wie Sie das Karma hineingestellt hat in Sprache, Volk, Familie. Wir wissen im Grunde genommen von der Welt in unseren Vorstellungen und Gedanken nichts anderes, als was abhängig ist von unserem Karma. Damit ist recht viel gesagt. Damit ist gesagt, dass all das, was wir im Leben wissen können, was wir als Erkenntnis uns aneignen können, etwas ganz Persönliches ist, dass wir nie über die Persönlichkeit hinauskommen durch das, was wir uns im Leben aneignen können. Wir kommen im Leben nie bis zum Gescheiteren, sondern bleiben immer beim Weniger-Gescheiten stehen. Wenn jemand sich einbildet, dass er mehr wissen kann von seinem höheren Selbst aus sich selbst, aus dem, was er sich in der Welt aneignet, dann stellt er sich nach seiner Bequemlichkeit etwas Unrichtiges vor. Es ist nichts Geringeres damit gesagt, als dass wir von unserem höheren Selbst gar nichts wissen durch das, was wir uns im Leben aneignen.

[ 22 ] But if this is so, we shall have to say to ourselves that it depends upon our karma. However many incarnations we go through, the ideas that arise in us are always dependent upon one incarnation as distinct from the others. Whatever wisdom may be living in your thoughts and ideas have been absorbed from outside, it is dependent upon the way karma has placed you with regard to language, nationality and family. In the last resort all our thoughts and ideas about the world are dependent on our karma. Very much lies in these words, for they indicate that whatever we may know in life, whatever knowledge we may amass, is something entirely personal, and that we can never transcend the personal by means of what we acquire for ourselves in life. In ordinary life we never reach the level of the wiser being but always remain at that of the less wise. Anyone who flatters himself that he can learn more about his higher self from what he acquires in the world, is harbouring an illusion for the sake of convenience. This actually means that we can gain no knowledge of our higher self from what we acquire in life.

[ 23 ] Ja, wie können wir denn überhaupt etwas über unser höheres Selbst wissen, wie kommen wir zu solchem Wissen? Nun, einfach in folgender Weise müssen wir fragen: Was wissen wir denn eigentlich überhaupt? Zunächst das, was wir uns durch Erfahrung angeeignet haben. Das wissen wir, weiter nichts! Und der Mensch, der sich selbst erkennen will und nicht weiß, dass in seiner Seele nur ein Spiegel der äußeren Welt drinnen liegt, kann sich vordeklamieren, dass er durch das Hineingehen in sich sein höheres Selbst finden kann. Wohl wird er etwas finden, aber nichts anderes ist es, als was von außen hereingekommen ist. Auf diesem billigen Wege der Bequemlichkeit geht es nicht. Wir müssen uns fragen über dasjenige, was in den anderen Welten vorkommt, in denen unser höheres Selbst auch ist, und da gibt es nichts anderes, als was uns erzählt wird, was uns gesagt wird über die verschiedenen Verkörperungen der Erde, über dasjenige überhaupt, worüber Theosophie spricht. Wie man eine Kindesseele in Bezug auf das äußere Leben durchforscht, wenn man frägt, was hat das Kind um sich herum, so müssen wir fragen, was hat das höhere Selbst um sich? Von den Welten aber, in denen unser höheres Selbst ist, erfahren wir durch Theosophie, durch das, was uns erzählt wurde vom Saturn und von allen seinen Geheimnissen, vom Monde, von der Entwicklung der Erde, von Reinkarnation und Karma, vom Devachan und Kamaloka und so weiter. Dadurch erfahren wir einzig und allein etwas über unser höheres Selbst, über dasjenige Selbst, das wir über den physischen Plan hinaus haben. Und wer diesen Geheimnissen nicht folgen will, dem muss gesagt werden: Du bist eigentlich ein rechtes Schmeichelkätzchen zu dir selbst. - Denn es ist so, dass es sich so recht sehr dieser Seele einschmeichelt: Schau nur in dich, da findest du den Gottmenschen. - Jawohl, nichts weiter als was er von außen erlebt und was er innen abgelagert hat! Den Gottmenschen finden wir nur, wenn wir das in uns aufsuchen, was sich von außerhalb dieser Welt in ihr spiegelt, sodass alles, was unter Umständen uns unbequem zu lernen sein kann, nichts anderes ist als Selbsterkenntnis. Und wahre Theosophie ist in Wirklichkeit wahre Selbsterkenntnis! Sodass wir, wenn wir Theosophie empfangen, sagen können, wir nehmen sie hin als dasjenige, was uns aufklärt gerade über unser Selbst. Denn wo ist eigentlich dieses Selbst? Ist es innerhalb unserer Haut? Nein, es ist ausgegossen in der ganzen Welt, und was in der Welt ist, ist mit unserem Selbst verbunden, und auch was in der Welt war, ist mit unserem Selbst verbunden, und nur wenn wir die Welt kennenlernen, lernen wir das Selbst kennen.

[ 23 ] Very well, then, how are we to attain any knowledge of the higher self? We must ask ourselves quite frankly: What do we really know? First of all, we know what we have learnt from experience. This is all we know, and nothing else! A man who aspires to self-knowledge without realising that his soul is only a mirror in which the outer world is reflected, may persuade himself that by penetrating into his own being he can find the higher self; certainly he will find something, but it is only what has come into him from outside. Laziness of thinking has no place in this quest. We must ask ourselves what happens in those other worlds in which our higher self also lives, and this is none other than what we are told about the different incarnations of the earth, and everything else that Spiritual Science tells us. Just as we try to understand a child's soul by examining the child's surroundings, so must we ask what the environment of the higher self is. But Spiritual Science does tell us about these worlds where our higher self is, in its account of Saturn and its secrets, of the Moon and Earth evolution, of reincarnation and karma, of Devachan and Kamaloca and so on. This is the only way we can learn about our higher self, about the self which transcends the physical plane. And anyone who refuses to accept these secrets is merely pandering to his own ease. For it is a delusion to imagine you can discover the divine man in yourself. Only what is experienced in the outer world is stored inside, but the divine man in us can only be found when we search in our soul for the mirrored world beyond the physical. So that those things which can sometimes prove difficult and uncomfortable to learn are nothing else but self-knowledge. And true Anthroposophy is in reality true self-knowledge! From Spiritual Science we receive enlightenment about our own self. For where in reality is the self? Is the self within our skin? No, the self is outpoured over the world; everything that is and has been in the world is part and parcel of the self. We learn to know the self only when we learn to know the world.

[ 24 ] So ist es mit diesen scheinbaren Theorien, dass sie nichts anderes sind als Wege zur Selbsterkenntnis. Derjenige, der durch das Hineinstarren in sein Inneres das Selbst finden will, der sagt sich: Du musst gut sein, selbstlos sein! Ja, schön. Nur kann man bemerken, dass der immer egoistischer wird. Dagegen führt das Sich-Abplagen mit den großen Geheimnissen des Daseins, das Sich-Herausreißen aus diesem sich selbst so sehr schmeichelnden, persönlichen Selbst, das Aufgehen in dem, was in den höheren Welten ist und aus ihnen erkannt werden kann, zur wahren Selbsterkenntnis. Indem wir über Saturn, Sonne, Mond nachdenken, verlieren wir uns in Weltgedanken. «In deinem Denken leben Weltgedanken», sagt sich die theosophisch denkende Seele, aber sie fügt hinzu: «Verliere dich in Weltgedanken.» Die aus der Theosophie schöpfende Seele sagt sich: «In deinem Fühlen weben Weltenkräfte.» Aber sie sagt gleich: «Erlebe dich durch Weltenkräfte!» Nicht in den schmeichelnden Weltenkräften, nicht der, der das Auge zumacht und sich vorsagt: Ich will ein guter Mensch sein - sondern derjenige, der das Auge aufmacht, der auch das Geistesauge aufmacht und sieht, wie draußen Weltenkräfte wirken und walten, und gewahr wird, wie er in diesen Weltenkräften eingebettet ist, der erlebt sie! Ebenso sagt sich die Seele, die Stärke schöpft aus der Theosophie: «In deinem Willen wirken Weltenwesen», und gleich fügt sie hinzu: «Erschaffe dich aus Willenswesen!» Und das gelingt, wenn man Selbsterkenntnis so auffasst. Dann gelingt es, dass man sich umschafft aus Weltenwesen. Scheinbar ist es trocken und abstrakt, in Wahrheit ist es aber nicht bloß Theorie, sondern etwas, was wie ein Samenkorn, das wir in die Erde stecken, lebt und wächst, Kräfte schießt nach allen Seiten und zur Pflanze, zum Baume wird. So ist es. Mit den Gefühlen, die wir aufnehmen in der Geheimwissenschaft, machen wir uns fähig, uns umzuschaffen: «Erschaffe dich aus Willenswesen!» So wird Theosophie zum Lebenselixier. Dann erweitern wir unseren Blick über Geisteswelten, dann werden wir die Kräfte saugen aus Geisteswelten, dann werden wir die Kräfte, die wir gewinnen, in uns hineinführen, und dann erkennen wir uns in unseren Tiefen. Erst wenn wir die Welterkenntnis hineintragen in uns, erfassen wir uns und dringen allmählich vor von dem Weniger-Gescheiten, dem, der abgetrennt ist vom Hüter der Schwelle, zum Gescheiteren und durch all das hindurch, was dem Menschen, der noch nicht stark sein will, sich verbirgt, was er aber gerade gewinnt durch die Theosophic.

[ 24 ] These apparent theories are, in truth, the ways to self-knowledge. A man who thinks he can find the self by staring into his inner being, says to himself: You must be good, you must be unselfish! All well and good. But you will soon notice that he is getting more and more self-centred. On the other hand, struggling with the great secrets of existence, extricating oneself from the flattering self, accepting the reality of the higher worlds and the knowledge that can be obtained from them, all leads to true self-knowledge. When we think deeply about Saturn, Sun and Moon, we lose ourselves in cosmic thought. ‘In thy thinking cosmic thoughts are living,’55In thy thinking cosmic thoughts are living’: Benedictus' words in Rudolf Steiner's second mystery play ‘The Soul's Probation’, Scene 1. says a soul who thinks Anthroposophical thoughts; he adds, however, ‘Lose thyself in cosmic thoughts!’ The soul creating out of Anthroposophy says: ‘In thy feeling cosmic powers are weaving,’ but he adds: ‘Experience thyself through cosmic powers!’ not through powers which flatter. This experience will not come to a man who closes his eyes, saying: ‘I want to be a good human being.’ It will only come to the man who opens his eyes and his spiritual eyes also, and sees the powers of yonder world mightily at work, realising that he is embedded in these cosmic powers. And the soul that draws strength from Anthroposophy says: ‘In thy willing cosmic beings are working,’ adding: ‘Create thyself anew from Beings of Will!’ And this will really happen if we grasp self-knowledge in this way. Then we shall really succeed in creating ourselves anew out of world being. Dry and abstract as this may seem, in reality it is no mere theory but something that thrives and grows like a seed sown in the earth. Forces shoot out in every direction and become plant or tree. So it is indeed. The feelings that come to us through Spiritual Science give us the power to create ourselves anew. ‘Create thyself anew from Beings of Will!’ Thus does Anthroposophy become the elixir of life and our view of spirit worlds opens up. We shall draw strength from these worlds, and when we have drawn these forces into our being, then we shall know ourselves in all our depths. Only when we imbue ourselves with world knowledge can we take control of ourselves and advance step by step away from the less-wise being within us, who is cut off by the Guardian of the Threshold, to the wiser being, penetrating through all that is hidden from those who do not as yet have the will to be strong. For this is just what can be gained by means of Anthroposophy.