From Jesus to Christ
GA 131
4 October 1911, Karlsruhe
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Von Jesus zu Christus, 7th ed.
Von Jesus zu Christus
Von Jesus zu Christus
[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Der Gegenstand, über den heute hier gesprochen werden soll, hat ja in unserer engeren Gegenwart überall das allerweiteste Interesse erregt; deshalb darf es wohl auch als berechtigt erscheinen, über dieses Thema von theosophischem Standpunkt aus zu sprechen, von dem aus ich selbst schon zu verschiedenen Malen in dieser Stadt über dieses oder jenes Thema habe sprechen dürfen. Nun ist allerdings die Art und Weise, wie dieses Thema heute in unserer Gegenwart überall erörtert wird und auch populär geworden ist, weit verschieden von dem theosophischen Standpunkte. Wenn man auf der einen Seite sagen muss, dass Theosophie als solche heute noch eine wenig verstandene und wenig beliebte Sache ist, so muss auch auf der andern Seite vielleicht darauf aufmerksam gemacht werden, dass gerade die theosophische Betrachtung des Gegenstandes, der uns heute beschäftigen soll, eine außerordentlich schwierige ist. Denn wenn es schon dem Menschen der Gegenwart ferne liegt, sein Gemüt und seine Seele so zu stimmen, dass über verhältnismäßig naheliegende Dinge des Geisteslebens die theosophischen Wahrheiten voll ergriffen und gewürdigt werden können, so ist es geradezu ein Widerstreben, das dieses Gegenwartsbewusstsein erfüllt, wenn vom Standpunkte der Theosophie oder Geisteswissenschaft ein Thema betrachtet werden soll, das wirklich für uns nötig macht, diese Geisteswissenschaft oder Theosophie in intimster Weise auf die schwierigsten und auch heiligsten Gegenstände des menschlichen Nachdenkens anzuwenden. Zu den Letzteren aber gehört, was wir heute zu besprechen haben.
[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Der Gegenstand, über den heute hier gesprochen werden soll, hat ja in unserer engeren Gegenwart überall das allerweiteste Interesse erregt; deshalb darf es wohl auch als berechtigt erscheinen, über dieses Thema von theosophischem Standpunkt aus zu sprechen, von dem aus ich selbst schon zu verschiedenen Malen in dieser Stadt über dieses oder jenes Thema habe sprechen dürfen. Nun ist allerdings die Art und Weise, wie dieses Thema heute in unserer Gegenwart überall erörtert wird und auch populär geworden ist, weit verschieden von dem theosophischen Standpunkte. Wenn man auf der einen Seite sagen muss, dass Theosophie als solche heute noch eine wenig verstandene und wenig beliebte Sache ist, so muss auch auf der andern Seite vielleicht darauf aufmerksam gemacht werden, dass gerade die theosophische Betrachtung des Gegenstandes, der uns heute beschäftigen soll, eine außerordentlich schwierige ist. Denn wenn es schon dem Menschen der Gegenwart ferne liegt, sein Gemüt und seine Seele so zu stimmen, dass über verhältnismäßig naheliegende Dinge des Geisteslebens die theosophischen Wahrheiten voll ergriffen und gewürdigt werden können, so ist es geradezu ein Widerstreben, das dieses Gegenwartsbewusstsein erfüllt, wenn vom Standpunkte der Theosophie oder Geisteswissenschaft ein Thema betrachtet werden soll, das wirklich für uns nötig macht, diese Geisteswissenschaft oder Theosophie in intimster Weise auf die schwierigsten und auch heiligsten Gegenstände des menschlichen Nachdenkens anzuwenden. Zu den Letzteren aber gehört, was wir heute zu besprechen haben.
[ 2 ] Ausgegangen kann freilich davon werden, dass jene Wesenheit, die in den Mittelpunkt unserer Betrachtungen gerückt werden soll, seit vielen Jahrhunderten im Mittelpunkte alles Fühlens und Denkens der Menschheit ist; aber nicht nur das allein, sondern dass sie auch innerhalb des menschlichen Seelenlebens die mannigfaltigsten Beurteilungen, Empfindungen und Anschauungen hervorgerufen hat. Denn so felsenfest für unzählige Menschen seit Jahrhunderten dasjenige steht, was mit dem Christus-Namen oder auch mit dem Jesus-Namen umspannt ist, so mannigfaltig ist das Christus- und auch das Jesus-Bild, wie es bewegt hat die Seelen, beschäftigt hat die Denker durch die Jahrhunderte hindurch seit den Ereignissen von Palästina. Und immer war es so, dass von der allgemeinen Weltanschauung, von dem, was man zu irgendeiner Zeit fühlte und empfand und als wahr betrachtete, auch das Christus-Bild modifiziert worden ist. So ist es denn gekommen, dass im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts — schon vorbereitet durch mancherlei Gedanken und Geistesströmungen des achtzehnten Jahrhunderts — das, was im Geiste als der Christus erfasst werden kann, mehr zurückgetreten ist gegenüber dem, was man im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert den historischen Jesus nennt. Und um den historischen Jesus ist es ja eben, um den sich heute ein weit verbreiteter Streit entsponnen hat, der gerade in dieser Stadt, in Karlsruhe, seine bedeutendsten Repräsentanten, seine intensivsten Kämpfer hat. Daher ist es wohl gut, mit einigen Worten darauf hinzuweisen, wie es mit diesem Streite liegt, bevor wir auf den Christus Jesus eingehen.
[ 2 ] Ausgegangen kann freilich davon werden, dass jene Wesenheit, die in den Mittelpunkt unserer Betrachtungen gerückt werden soll, seit vielen Jahrhunderten im Mittelpunkte alles Fühlens und Denkens der Menschheit ist; aber nicht nur das allein, sondern dass sie auch innerhalb des menschlichen Seelenlebens die mannigfaltigsten Beurteilungen, Empfindungen und Anschauungen hervorgerufen hat. Denn so felsenfest für unzählige Menschen seit Jahrhunderten dasjenige steht, was mit dem Christus-Namen oder auch mit dem Jesus-Namen umspannt ist, so mannigfaltig ist das Christus- und auch das Jesus-Bild, wie es bewegt hat die Seelen, beschäftigt hat die Denker durch die Jahrhunderte hindurch seit den Ereignissen von Palästina. Und immer war es so, dass von der allgemeinen Weltanschauung, von dem, was man zu irgendeiner Zeit fühlte und empfand und als wahr betrachtete, auch das Christus-Bild modifiziert worden ist. So ist es denn gekommen, dass im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts — schon vorbereitet durch mancherlei Gedanken und Geistesströmungen des achtzehnten Jahrhunderts — das, was im Geiste als der Christus erfasst werden kann, mehr zurückgetreten ist gegenüber dem, was man im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert den historischen Jesus nennt. Und um den historischen Jesus ist es ja eben, um den sich heute ein weit verbreiteter Streit entsponnen hat, der gerade in dieser Stadt, in Karlsruhe, seine bedeutendsten Repräsentanten, seine intensivsten Kämpfer hat. Daher ist es wohl gut, mit einigen Worten darauf hinzuweisen, wie es mit diesem Streite liegt, bevor wir auf den Christus Jesus eingehen.
[ 3 ] Man möchte sagen: Unter dem Eindrucke jener Geistesströmung, die alles, was sich auf das geistige Leben bezieht, bloß äußerlich betrachtet, nach dem, was durch äußere Dokumente festgestellt werden kann — unter dem Eindrucke dieser Geistesströmung ist das zustande gekommen, was das neunzehnte Jahrhundert als den historischen Jesus betrachtete. Was sollte denn als solcher historischer Jesus gelten? Es sollte gelten, was sich als solcher durch äußere historische Urkunden feststellen lässt: dass die entsprechende Persönlichkeit, von der zu Anfang unserer Zeitrechnung berichtet wird, in Palästina gewandelt hat, dann gestorben und wieder auferstanden ist für die Gläubigen. Ganz nach dem Charakter und der Natur unseres sich jetzt dem Ende zuneigenden Zeitalters beschränkte sich der Glaube in der theologischen Forschung immer auf das, was man glaubte aus den historischen Urkunden so feststellen zu können, wie man aus sonstigen historischen Urkunden irgendein Ereignis der Weltgeschichte feststellt. Welche historischen Urkunden sind es denn, die da zunächst in Betracht kamen? Ich brauche hier nicht darauf einzugehen — denn gerade hier in Karlsruhe hat die historische Jesus-Forschung ihren Ausgang genommen —, dass alle geschichtlichen Überlieferungen, insofern sie nicht im Neuen Testament stehen, sich nach dem Urteile eines der bedeutendsten Kenner der Sache bequem auf eine Quartseite schreiben lassen. Und was sonst in irgendwelchen Urkunden — bei Josephus oder bei Tacitus — über den historischen Jesus steht, das ist leicht aus dem Felde zu schlagen; denn nimmermehr kann man es vom Standpunkte der historischen Wissenschaft brauchen, die heute als die anerkannte gilt. So bleiben also für die Jesus-Forschung bloß übrig die Evangelienschriften des Neuen Testamentes und das, was in den Paulus-Briefen steht.
[ 3 ] Man möchte sagen: Unter dem Eindrucke jener Geistesströmung, die alles, was sich auf das geistige Leben bezieht, bloß äußerlich betrachtet, nach dem, was durch äußere Dokumente festgestellt werden kann — unter dem Eindrucke dieser Geistesströmung ist das zustande gekommen, was das neunzehnte Jahrhundert als den historischen Jesus betrachtete. Was sollte denn als solcher historischer Jesus gelten? Es sollte gelten, was sich als solcher durch äußere historische Urkunden feststellen lässt: dass die entsprechende Persönlichkeit, von der zu Anfang unserer Zeitrechnung berichtet wird, in Palästina gewandelt hat, dann gestorben und wieder auferstanden ist für die Gläubigen. Ganz nach dem Charakter und der Natur unseres sich jetzt dem Ende zuneigenden Zeitalters beschränkte sich der Glaube in der theologischen Forschung immer auf das, was man glaubte aus den historischen Urkunden so feststellen zu können, wie man aus sonstigen historischen Urkunden irgendein Ereignis der Weltgeschichte feststellt. Welche historischen Urkunden sind es denn, die da zunächst in Betracht kamen? Ich brauche hier nicht darauf einzugehen — denn gerade hier in Karlsruhe hat die historische Jesus-Forschung ihren Ausgang genommen —, dass alle geschichtlichen Überlieferungen, insofern sie nicht im Neuen Testament stehen, sich nach dem Urteile eines der bedeutendsten Kenner der Sache bequem auf eine Quartseite schreiben lassen. Und was sonst in irgendwelchen Urkunden — bei Josephus oder bei Tacitus — über den historischen Jesus steht, das ist leicht aus dem Felde zu schlagen; denn nimmermehr kann man es vom Standpunkte der historischen Wissenschaft brauchen, die heute als die anerkannte gilt. So bleiben also für die Jesus-Forschung bloß übrig die Evangelienschriften des Neuen Testamentes und das, was in den Paulus-Briefen steht.
[ 4 ] Nun hat sich die historische Forschung des neunzehnten Jahrhunderts an die Evangelien herangemacht. Rein äußerlich angesehen, wie nehmen sich diese Evangelien aus? Nimmt man sie wie andere Urkunden, wie man zum Beispiel Dokumente über eine Schlacht oder dergleichen nimmt, so stellen sie sich als widerspruchsvolle physische Dokumente heraus, deren Vierheit man nicht durch äußere Gesichtspunkte zusammenreimen kann. Und an dem, was man die historische Kritik nennt, zerschellen diese Urkunden. Denn es muss gesagt werden, dass alles, was eine emsige, fleißige Forschung im neunzehnten Jahrhundert zusammengetragen hat aus den Evangelien selber, um ein treues Bild des Jesus von Nazareth zu gewinnen, sich aufgelöst hat durch die Vertreter derjenigen Forschung, die von Professor Drews dargestellt ist. In Bezug auf alles, was gegen den Historismus der Evangelien gesagt werden kann, könnten eigentlich die Akten für geschlossen erklärt werden, insofern als man sich klar sein kann, dass gerade die sorgfältige Wissenschaft und die sorgfältige Kritik uns zeigen, dass mit Bezug auf die Art, wie sonst historische Tatsachen festgestellt werden, über die Person des Jesus von Nazareth gar nichts gewonnen werden kann; und es muss als ein wissenschaftlicher Dilettantismus gelten, wenn das heute gegenüber der Wissenschaft nicht zugegeben wird.
[ 4 ] Nun hat sich die historische Forschung des neunzehnten Jahrhunderts an die Evangelien herangemacht. Rein äußerlich angesehen, wie nehmen sich diese Evangelien aus? Nimmt man sie wie andere Urkunden, wie man zum Beispiel Dokumente über eine Schlacht oder dergleichen nimmt, so stellen sie sich als widerspruchsvolle physische Dokumente heraus, deren Vierheit man nicht durch äußere Gesichtspunkte zusammenreimen kann. Und an dem, was man die historische Kritik nennt, zerschellen diese Urkunden. Denn es muss gesagt werden, dass alles, was eine emsige, fleißige Forschung im neunzehnten Jahrhundert zusammengetragen hat aus den Evangelien selber, um ein treues Bild des Jesus von Nazareth zu gewinnen, sich aufgelöst hat durch die Vertreter derjenigen Forschung, die von Professor Drews dargestellt ist. In Bezug auf alles, was gegen den Historismus der Evangelien gesagt werden kann, könnten eigentlich die Akten für geschlossen erklärt werden, insofern als man sich klar sein kann, dass gerade die sorgfältige Wissenschaft und die sorgfältige Kritik uns zeigen, dass mit Bezug auf die Art, wie sonst historische Tatsachen festgestellt werden, über die Person des Jesus von Nazareth gar nichts gewonnen werden kann; und es muss als ein wissenschaftlicher Dilettantismus gelten, wenn das heute gegenüber der Wissenschaft nicht zugegeben wird.
[ 5 ] Nun handelt es sich hier um einen ganz anderen Gesichtspunkt. Und zwar handelt es sich zunächst darum, die Frage aufzuwerfen, ob nicht vielleicht von denjenigen, welche die Lehre des Jesus von Nazareth im neunzehnten Jahrhundert vertreten haben und die zu einem historischen Bilde von dem Jesus von Nazareth kommen wollten, doch vielleicht die Evangelien ganz falsch aufgefasst worden sind, ob hier nicht ein großes Missverständnis vorliegt. Was wollten denn die Evangelien eigentlich? Wollten sie im Sinne des neunzehnten Jahrhunderts historische Urkunden sein? Bevor diese Frage nicht beantwortet ist, was die Evangelien sein wollten, kann die andere Frage gar nicht entschieden werden, ob man sie als historische Urkunden überhaupt betrachten kann.
[ 5 ] Nun handelt es sich hier um einen ganz anderen Gesichtspunkt. Und zwar handelt es sich zunächst darum, die Frage aufzuwerfen, ob nicht vielleicht von denjenigen, welche die Lehre des Jesus von Nazareth im neunzehnten Jahrhundert vertreten haben und die zu einem historischen Bilde von dem Jesus von Nazareth kommen wollten, doch vielleicht die Evangelien ganz falsch aufgefasst worden sind, ob hier nicht ein großes Missverständnis vorliegt. Was wollten denn die Evangelien eigentlich? Wollten sie im Sinne des neunzehnten Jahrhunderts historische Urkunden sein? Bevor diese Frage nicht beantwortet ist, was die Evangelien sein wollten, kann die andere Frage gar nicht entschieden werden, ob man sie als historische Urkunden überhaupt betrachten kann.
[ 6 ] Was in dieser Hinsicht gilt, das versuchte ich schon vor vielen Jahren in meiner Schrift «Das Christentum als mystische Tatsache» darzulegen. Und in dieser Beziehung sollte die Antwort auf die Frage, die jetzt gestellt worden ist: Was wollten die Evangelien eigentlich sein? nicht nur mit dem Inhalte, sondern schon mit dem Titel dieses Buches gegeben sein. Denn der Titel dieses Buches ist nicht «Die Mystik des Christentums» oder «Der mystische Inhalt des Christentums» — darum handelt es sich gar nicht, sondern darum, dass in dem Buche gezeigt werden sollte, dass das Christentum selber seiner Entstehung, seinem ganzen Wesen nach nicht eine äußere Tatsache ist wie andere äußere Tatsachen, sondern eine Tatsache der geistigen Welt, die nur begriffen werden kann durch den Einblick in die Ereignisse des geistigen Lebens, durch den Blick in eine Welt, die hinter der äußeren Sinneswelt liegt und hinter dem, was historische Urkunden feststellen können. Gezeigt sollte werden, dass die Kräfte und Ursachen, die das Ereignis von Palästina herbeigeführt haben, gar nicht in dem Gebiete liegen, in dem äußere historische Ereignisse sich abspielen; dass also nicht etwa das Christentum nur einen mystischen Inhalt haben kann, sondern dass Mystik, geistiges Schauen notwendig ist, wenn man die Fäden entwirren will, die sich — nicht für die äußeren Dokumente, sondern im geheimnisvollen geistigen Geschehen — hinter den Ereignissen abgespielt haben, um die Ereignisse von Palästina möglich zu machen.
[ 6 ] Was in dieser Hinsicht gilt, das versuchte ich schon vor vielen Jahren in meiner Schrift «Das Christentum als mystische Tatsache» darzulegen. Und in dieser Beziehung sollte die Antwort auf die Frage, die jetzt gestellt worden ist: Was wollten die Evangelien eigentlich sein? nicht nur mit dem Inhalte, sondern schon mit dem Titel dieses Buches gegeben sein. Denn der Titel dieses Buches ist nicht «Die Mystik des Christentums» oder «Der mystische Inhalt des Christentums» — darum handelt es sich gar nicht, sondern darum, dass in dem Buche gezeigt werden sollte, dass das Christentum selber seiner Entstehung, seinem ganzen Wesen nach nicht eine äußere Tatsache ist wie andere äußere Tatsachen, sondern eine Tatsache der geistigen Welt, die nur begriffen werden kann durch den Einblick in die Ereignisse des geistigen Lebens, durch den Blick in eine Welt, die hinter der äußeren Sinneswelt liegt und hinter dem, was historische Urkunden feststellen können. Gezeigt sollte werden, dass die Kräfte und Ursachen, die das Ereignis von Palästina herbeigeführt haben, gar nicht in dem Gebiete liegen, in dem äußere historische Ereignisse sich abspielen; dass also nicht etwa das Christentum nur einen mystischen Inhalt haben kann, sondern dass Mystik, geistiges Schauen notwendig ist, wenn man die Fäden entwirren will, die sich — nicht für die äußeren Dokumente, sondern im geheimnisvollen geistigen Geschehen — hinter den Ereignissen abgespielt haben, um die Ereignisse von Palästina möglich zu machen.
[ 7 ] Um zu verstehen, was das Christentum ist und was es in der Seele des heutigen Menschen sein kann und sein muss, wenn die Seele sich recht versteht, muss ein wenig darauf hingewiesen werden, wie tief in den geistigen Tatsachen der Menschheitsentwicklung die Worte eines so guten Christen begründet sind wie des Augustinus, wenn er sagt:
[ 7 ] Um zu verstehen, was das Christentum ist und was es in der Seele des heutigen Menschen sein kann und sein muss, wenn die Seele sich recht versteht, muss ein wenig darauf hingewiesen werden, wie tief in den geistigen Tatsachen der Menschheitsentwicklung die Worte eines so guten Christen begründet sind wie des Augustinus, wenn er sagt:
[ 8 ] Was man gegenwärtig die christliche Religion nennt, bestand schon bei den Alten und fehlte nicht in den Anfängen des Menschengeschlechtes, und als Christus im Fleische erschien, erhielt die wahre Religion, die schon vorher vorhanden war, den Namen der christlichen.
[ 8 ] Was man gegenwärtig die christliche Religion nennt, bestand schon bei den Alten und fehlte nicht in den Anfängen des Menschengeschlechtes, und als Christus im Fleische erschien, erhielt die wahre Religion, die schon vorher vorhanden war, den Namen der christlichen.
[ 9 ] So weist uns eine so maßgebende Autorität darauf hin, dass mit den Ereignissen von Palästina nicht etwas in jedem Sinne Neues in die Menschheit eingetreten ist, sondern dass in gewisser Weise eine Umformung erlitten hat, was seit alten Zeiten von den Seelen der Menschen gesucht worden ist, von den Menschen als Erkenntnis angestrebt worden ist. Was besagt denn ein solcher Ausspruch wie der des Augustinus? Er will im Wesentlichen besagen, dass mit den Ereignissen von Palästina der Menschheit etwas gegeben, geschenkt worden ist, was auch vor diesem Ereignis in einer gewissen Weise hat gefunden werden können, aber in einer anderen Weise als durch den christlichen Weg. Und wenn wir die andere Art, wie zu den Wahrheiten und Weistümern des Christentums die andere Zeit hat kommen können, prüfen wollen, so weist uns der historische Werdegang der Menschheit auf etwas hin, was mit einem Worte umschlossen wird, das heute noch wenig Verständnis findet, das aber immer mehr und mehr Verständnis finden wird, je mehr die geisteswissenschaftliche Weltanschauung die Menschen ergreifen wird. Es ist das, was mit dem Worte «die Mysterien des Altertums» umschlossen wird. Nicht auf die bloß äußeren Religionen der Völker des Altertums müssen wir hinblicken, sondern auf das, was in den vorchristlichen Zeiten in jenen geheimnisvollen Stätten getrieben worden ist, die mit dem Namen der Mysterien bezeichnet worden sind.
[ 9 ] So weist uns eine so maßgebende Autorität darauf hin, dass mit den Ereignissen von Palästina nicht etwas in jedem Sinne Neues in die Menschheit eingetreten ist, sondern dass in gewisser Weise eine Umformung erlitten hat, was seit alten Zeiten von den Seelen der Menschen gesucht worden ist, von den Menschen als Erkenntnis angestrebt worden ist. Was besagt denn ein solcher Ausspruch wie der des Augustinus? Er will im Wesentlichen besagen, dass mit den Ereignissen von Palästina der Menschheit etwas gegeben, geschenkt worden ist, was auch vor diesem Ereignis in einer gewissen Weise hat gefunden werden können, aber in einer anderen Weise als durch den christlichen Weg. Und wenn wir die andere Art, wie zu den Wahrheiten und Weistümern des Christentums die andere Zeit hat kommen können, prüfen wollen, so weist uns der historische Werdegang der Menschheit auf etwas hin, was mit einem Worte umschlossen wird, das heute noch wenig Verständnis findet, das aber immer mehr und mehr Verständnis finden wird, je mehr die geisteswissenschaftliche Weltanschauung die Menschen ergreifen wird. Es ist das, was mit dem Worte «die Mysterien des Altertums» umschlossen wird. Nicht auf die bloß äußeren Religionen der Völker des Altertums müssen wir hinblicken, sondern auf das, was in den vorchristlichen Zeiten in jenen geheimnisvollen Stätten getrieben worden ist, die mit dem Namen der Mysterien bezeichnet worden sind.
[ 10 ] Was waren diese Mysterien im Altertum? Wenn Sie nehmen, was in meiner «Geheimwissenschaft im Umriss» steht, so bekommen Sie eine geisteswissenschaftliche Erklärung dafür. Aber es gibt auch zahlreiche Profanschriftsteller, die in der Öffentlichkeit das sagten, was ein Geheimnis war für die Menschen des Altertums. Da wird uns erzählt, dass nur eine geringe Anzahl von Menschen zugelassen wurde zu den Lehrstätten, die man als die Mysterien bezeichnete und die Kultstätten waren. Es war immer ein kleiner Kreis, der von den Priesterweisen zu diesen Mysterien zugelassen worden ist; ein kleiner Kreis, der sich dann von der äußeren Welt insofern absonderte, als sich die Mitglieder dieses Mysterienkreises sagten: Wir müssen, um zu dem zu kommen, was in den Mysterien erreicht werden soll, eine andere Lebensweise beginnen, als sonst in der Öffentlichkeit gepflogen wird — vor allem müssen wir uns angewöhnen, in einer anderen Weise zu denken. Es war in der Tat eine gewisse Absonderung von der Öffentlichkeit bei denen, die Schüler der Mysterien waren. Mysterien gab es überall. Sie können sie bei den Griechen und Römern und anderen Völkerschaften finden. Heute gibt es schon eine zahlreiche Literatur darüber, sodass das, was hier ausgesprochen wird, auch belegt werden kann durch die äußere Forschung. Wenn solche Schüler der Mysterien zugelassen waren zu dem, was dort gelehrt wurde, so kann man sagen: Das, was sie aufnahmen, könnte man vergleichen mit dem, was heute Wissenschaft, Erkenntnis genannt wird — aber nicht in derselben Art wurde das aufgenommen, wie heute Erkenntnisse aufgenommen werden. Der Mysterienschüler erlebte etwas, und er wurde durch das, was er durchmachte, ein ganz anderer Mensch. Er fühlte im höchsten Maße etwas, was man mit dem Worte bezeichnen kann: In jedem Menschen lebt, tief innerlich verborgen und schlummernd, sodass es das gewöhnliche Bewusstsein nicht weiß, ein höherer Mensch. Und wie der gewöhnliche Mensch durch seine Augen über die Welt hinsieht, wie er durch sein Denken über das Erlebte nachdenken kann, so kann dieser, für die äußere Erkenntnis zunächst unbekannte Mensch, der aber erweckt werden kann aus der Tiefe der Menschennatur, eine andere Welt erkennen, die für äußere Augen, für äußeres Denken nicht erreichbar ist. Die Geburt des inneren Menschen nannte man das. Das ist ein Wort, das heute noch ausgesprochen wird. Wie es aber heute ausgesprochen wird, hat es einen nüchternen, abstrakten Charakter, und man nimmt es so leicht hin. Wenn es jedoch der Mysterienschüler auf sich anwandte, war es die Bezeichnung für ein Großes, das sich nur vergleichen ließe etwa mit dem Geborenwerden des Menschen im physischen Sinne. Wie das, was der Mensch in der physischen Welt ist, aus einem dunkeln Untergrunde — sei es ein Naturuntergrund nach materialistischer Anschauung oder ein geistiger Untergrund nach geisteswissenschaftlicher Anschauung — herausgeboren und so im äußeren Sinne erst zum physischen Menschen wird, so wird das, was vorher ebenso wenig da war, wie der physische Mensch vor der Geburt oder Empfängnis da war, als ein höherer Mensch wirklich geboren durch die Vorgänge der Mysterien. Ein neugeborener, ein wiedergeborener Mensch wurde der Mysterienschüler.
[ 10 ] Was waren diese Mysterien im Altertum? Wenn Sie nehmen, was in meiner «Geheimwissenschaft im Umriss» steht, so bekommen Sie eine geisteswissenschaftliche Erklärung dafür. Aber es gibt auch zahlreiche Profanschriftsteller, die in der Öffentlichkeit das sagten, was ein Geheimnis war für die Menschen des Altertums. Da wird uns erzählt, dass nur eine geringe Anzahl von Menschen zugelassen wurde zu den Lehrstätten, die man als die Mysterien bezeichnete und die Kultstätten waren. Es war immer ein kleiner Kreis, der von den Priesterweisen zu diesen Mysterien zugelassen worden ist; ein kleiner Kreis, der sich dann von der äußeren Welt insofern absonderte, als sich die Mitglieder dieses Mysterienkreises sagten: Wir müssen, um zu dem zu kommen, was in den Mysterien erreicht werden soll, eine andere Lebensweise beginnen, als sonst in der Öffentlichkeit gepflogen wird — vor allem müssen wir uns angewöhnen, in einer anderen Weise zu denken. Es war in der Tat eine gewisse Absonderung von der Öffentlichkeit bei denen, die Schüler der Mysterien waren. Mysterien gab es überall. Sie können sie bei den Griechen und Römern und anderen Völkerschaften finden. Heute gibt es schon eine zahlreiche Literatur darüber, sodass das, was hier ausgesprochen wird, auch belegt werden kann durch die äußere Forschung. Wenn solche Schüler der Mysterien zugelassen waren zu dem, was dort gelehrt wurde, so kann man sagen: Das, was sie aufnahmen, könnte man vergleichen mit dem, was heute Wissenschaft, Erkenntnis genannt wird — aber nicht in derselben Art wurde das aufgenommen, wie heute Erkenntnisse aufgenommen werden. Der Mysterienschüler erlebte etwas, und er wurde durch das, was er durchmachte, ein ganz anderer Mensch. Er fühlte im höchsten Maße etwas, was man mit dem Worte bezeichnen kann: In jedem Menschen lebt, tief innerlich verborgen und schlummernd, sodass es das gewöhnliche Bewusstsein nicht weiß, ein höherer Mensch. Und wie der gewöhnliche Mensch durch seine Augen über die Welt hinsieht, wie er durch sein Denken über das Erlebte nachdenken kann, so kann dieser, für die äußere Erkenntnis zunächst unbekannte Mensch, der aber erweckt werden kann aus der Tiefe der Menschennatur, eine andere Welt erkennen, die für äußere Augen, für äußeres Denken nicht erreichbar ist. Die Geburt des inneren Menschen nannte man das. Das ist ein Wort, das heute noch ausgesprochen wird. Wie es aber heute ausgesprochen wird, hat es einen nüchternen, abstrakten Charakter, und man nimmt es so leicht hin. Wenn es jedoch der Mysterienschüler auf sich anwandte, war es die Bezeichnung für ein Großes, das sich nur vergleichen ließe etwa mit dem Geborenwerden des Menschen im physischen Sinne. Wie das, was der Mensch in der physischen Welt ist, aus einem dunkeln Untergrunde — sei es ein Naturuntergrund nach materialistischer Anschauung oder ein geistiger Untergrund nach geisteswissenschaftlicher Anschauung — herausgeboren und so im äußeren Sinne erst zum physischen Menschen wird, so wird das, was vorher ebenso wenig da war, wie der physische Mensch vor der Geburt oder Empfängnis da war, als ein höherer Mensch wirklich geboren durch die Vorgänge der Mysterien. Ein neugeborener, ein wiedergeborener Mensch wurde der Mysterienschüler.
[ 11 ] Was heute als Anschauung über Erkenntnis existiert, was als Beantwortung einer tief philosophischen Frage überall gegeben wird, ist gerade das Gegenteil von dem, was der Grundnerv der ganzen Gesinnung und Anschauung in den Mysterien war. Heute fragt der Mensch im kantischen oder schopenhauerischen Sinne: Wo liegen die Grenzen der Erkenntnis? Was kann der Mensch erkennen? Wir brauchen nur ein Zeitungsblatt in die Hand zu nehmen und werden immer auf die Antwort stoßen: Da und dort liegen die Grenzen des Erkennens, und darüber kann der Mensch nicht hinaus. Das ist genau im Gegensatze zu dem, was in den Mysterien gewollt wurde. Gewiss, man sagte sich, der Mensch kann nicht dieses oder jenes Problem lösen, kann nicht da oder dort hineinschauen. Aber nie hätte man im Sinne einer kantischen oder schopenhauerischen Erkenntnistheorie gesagt, dies oder das kann man nicht erkennen; sondern man hätte gesagt, man muss daran appellieren, dass der Mensch entwicklungsfähig ist, dass Kräfte in ihm liegen, die schlummern, die hervorgeholt werden müssen; und wenn sie hervorgeholt werden, dann steigt der Mensch zu einem höheren Erkenntnisvermögen auf. Die kantische Frage: Wo liegen die Grenzen der Erkenntnis? hätte für die alte Mysterienanschauung keinen Sinn gehabt, sondern allein die Frage: Wie macht man es, um das, was im gewöhnlichen Leben die Grenzen des Erkennens sind, zu überschreiten? Wie sucht man tiefere Kräfte aus der Menschennatur herauszuentwickeln, um das zu schauen, was man mit den gewöhnlichen Kräften nicht schauen kann?
[ 11 ] Was heute als Anschauung über Erkenntnis existiert, was als Beantwortung einer tief philosophischen Frage überall gegeben wird, ist gerade das Gegenteil von dem, was der Grundnerv der ganzen Gesinnung und Anschauung in den Mysterien war. Heute fragt der Mensch im kantischen oder schopenhauerischen Sinne: Wo liegen die Grenzen der Erkenntnis? Was kann der Mensch erkennen? Wir brauchen nur ein Zeitungsblatt in die Hand zu nehmen und werden immer auf die Antwort stoßen: Da und dort liegen die Grenzen des Erkennens, und darüber kann der Mensch nicht hinaus. Das ist genau im Gegensatze zu dem, was in den Mysterien gewollt wurde. Gewiss, man sagte sich, der Mensch kann nicht dieses oder jenes Problem lösen, kann nicht da oder dort hineinschauen. Aber nie hätte man im Sinne einer kantischen oder schopenhauerischen Erkenntnistheorie gesagt, dies oder das kann man nicht erkennen; sondern man hätte gesagt, man muss daran appellieren, dass der Mensch entwicklungsfähig ist, dass Kräfte in ihm liegen, die schlummern, die hervorgeholt werden müssen; und wenn sie hervorgeholt werden, dann steigt der Mensch zu einem höheren Erkenntnisvermögen auf. Die kantische Frage: Wo liegen die Grenzen der Erkenntnis? hätte für die alte Mysterienanschauung keinen Sinn gehabt, sondern allein die Frage: Wie macht man es, um das, was im gewöhnlichen Leben die Grenzen des Erkennens sind, zu überschreiten? Wie sucht man tiefere Kräfte aus der Menschennatur herauszuentwickeln, um das zu schauen, was man mit den gewöhnlichen Kräften nicht schauen kann?
[ 12 ] Und noch etwas anderes ist notwendig, um den ganzen Zauberhauch der Mysterien, der ja auch durch die Berichte der äußeren Schriftsteller — Plato, Aristides, Plutarch, Cicero — geht, zu empfinden. Da müssen wir uns klar sein, dass eine ganz andere Art der Seelenverfassung innerhalb der Mysterienschülerschaft vorhanden war als die Seelenverfassung des heutigen Menschen gegenüber den wissenschaftlichen Wahrheiten. Was wir heute wissenschaftliche Wahrheiten nennen, kann ein jeder Mensch in einer jeglichen Stimmung und Gemütsverfassung aufnehmen. Darin sieht man heute gerade das Kennzeichen der Wahrheit, dass sie unabhängig ist von dem, was wir in der Seele als Stimmung tragen. Nun war aber das Wichtigste für den Mysterienschüler, bevor er an die großen Wahrheiten herangeführt wurde, dass er etwas durchmachte, wodurch die Seele in Bezug auf Fühlen und Empfinden umgewandelt wurde. Und was uns heute als das Einfachste der wissenschaftlichen Erkenntnis erscheint — man hätte es an den Mysterienschüler nicht so herangebracht, dass er es mit dem Verstande äußerlich hätte sehen können; sondern es musste sein Gemüt so vorbereitet werden, dass er mit scheuer Ehrfurcht an das herantrat, was an ihn herankommen konnte. Daher war die Vorbereitung zur Aufnahme für das, was die Mysterien überliefern konnten, nicht ein Lernen, sondern eine radikale Umerziehung der Seele. Wie die Seele vor die großen Wahrheiten und Weistümer trat, was sie empfand gegenüber den großen Wahrheiten und Weistümern, darauf kam es an. Und da heraus strömte für die Seele die Überzeugung: Wir sind verbunden durch das, was uns in den Mysterien gegeben wird, mit den Weltengründen selber, mit dem, was an den Quellen aller Weltenursprünge fließt.
[ 12 ] Und noch etwas anderes ist notwendig, um den ganzen Zauberhauch der Mysterien, der ja auch durch die Berichte der äußeren Schriftsteller — Plato, Aristides, Plutarch, Cicero — geht, zu empfinden. Da müssen wir uns klar sein, dass eine ganz andere Art der Seelenverfassung innerhalb der Mysterienschülerschaft vorhanden war als die Seelenverfassung des heutigen Menschen gegenüber den wissenschaftlichen Wahrheiten. Was wir heute wissenschaftliche Wahrheiten nennen, kann ein jeder Mensch in einer jeglichen Stimmung und Gemütsverfassung aufnehmen. Darin sieht man heute gerade das Kennzeichen der Wahrheit, dass sie unabhängig ist von dem, was wir in der Seele als Stimmung tragen. Nun war aber das Wichtigste für den Mysterienschüler, bevor er an die großen Wahrheiten herangeführt wurde, dass er etwas durchmachte, wodurch die Seele in Bezug auf Fühlen und Empfinden umgewandelt wurde. Und was uns heute als das Einfachste der wissenschaftlichen Erkenntnis erscheint — man hätte es an den Mysterienschüler nicht so herangebracht, dass er es mit dem Verstande äußerlich hätte sehen können; sondern es musste sein Gemüt so vorbereitet werden, dass er mit scheuer Ehrfurcht an das herantrat, was an ihn herankommen konnte. Daher war die Vorbereitung zur Aufnahme für das, was die Mysterien überliefern konnten, nicht ein Lernen, sondern eine radikale Umerziehung der Seele. Wie die Seele vor die großen Wahrheiten und Weistümer trat, was sie empfand gegenüber den großen Wahrheiten und Weistümern, darauf kam es an. Und da heraus strömte für die Seele die Überzeugung: Wir sind verbunden durch das, was uns in den Mysterien gegeben wird, mit den Weltengründen selber, mit dem, was an den Quellen aller Weltenursprünge fließt.
[ 13 ] So wurde der Mysterienschüler vorbereitet, dass er etwas erlebte, was uns auch Aristides erzählt. Und wer, wie es in meiner Schrift «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» dargestellt ist, nacherlebt, was die Schüler der alten Mysterien erlebten, und solche Erlebnisse dadurch bewahrheitet, der weiß, wie es der Wirklichkeit entspricht, wenn Aristides sagt:
[ 13 ] So wurde der Mysterienschüler vorbereitet, dass er etwas erlebte, was uns auch Aristides erzählt. Und wer, wie es in meiner Schrift «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» dargestellt ist, nacherlebt, was die Schüler der alten Mysterien erlebten, und solche Erlebnisse dadurch bewahrheitet, der weiß, wie es der Wirklichkeit entspricht, wenn Aristides sagt:
[ 14 ] Ich glaubte, den Gott zu berühren, sein Nahen zu fühlen, und ich war dabei zwischen Wachen und Schlaf; mein Geist war ganz leicht, sodass es kein Mensch sagen und begreifenkann, der nicht eingeweiht ist.
[ 14 ] Ich glaubte, den Gott zu berühren, sein Nahen zu fühlen, und ich war dabei zwischen Wachen und Schlaf; mein Geist war ganz leicht, sodass es kein Mensch sagen und begreifenkann, der nicht eingeweiht ist.
[ 15 ] So gab es einen Weg zu den göttlichen Weltengründen, der nicht Wissenschaft war, auch nicht einseitige Religion war, sondern der darauf beruhte, dass sich die Seele wohl vorbereitete, um die Gedanken der Weltentwicklung als die Gedanken der die Welt durchwebenden Götter zu empfinden und dem Gotte in den geistigen Weltengründen nahe zu sein. Und wie wir im Atmen die äußere Luft aufnehmen und zu einem Bestandteile unseres Leibes machen, so empfand der Mysterienschüler, dass er das, was geistig durch die Welt pulst, in seine eigene Seele aufnahm und es mit seiner Seele verband, sodass er ein neuer, von der Göttlichkeit durchwirkter Mensch wurde.
[ 15 ] So gab es einen Weg zu den göttlichen Weltengründen, der nicht Wissenschaft war, auch nicht einseitige Religion war, sondern der darauf beruhte, dass sich die Seele wohl vorbereitete, um die Gedanken der Weltentwicklung als die Gedanken der die Welt durchwebenden Götter zu empfinden und dem Gotte in den geistigen Weltengründen nahe zu sein. Und wie wir im Atmen die äußere Luft aufnehmen und zu einem Bestandteile unseres Leibes machen, so empfand der Mysterienschüler, dass er das, was geistig durch die Welt pulst, in seine eigene Seele aufnahm und es mit seiner Seele verband, sodass er ein neuer, von der Göttlichkeit durchwirkter Mensch wurde.
[ 16 ] Von dem aber, was in jenem Altertum möglich war, zeigt uns gerade die Theosophie oder Geisteswissenschaft, dass es auch nur eine historische Erscheinung innerhalb der Menschheitsentwicklung war. Und wenn wir uns fragen: Sind die Mysterien, die in der vorchristlichen Zeit möglich waren, noch heute in derselben Weise möglich?, dann müssen wir sagen: So wahr alle historische geistige Forschung zeigt, dass wirklich das vorhanden war, was jetzt charakterisiert worden ist — in der gleichen Form, wie es in der vorchristlichen Zeit vorhanden war, ist es heute nicht mehr da. Dieselbe Art der Einweihung, wie sie in der vorchristlichen Zeit möglich war, ist heute nicht mehr möglich. Nur wer so kurzsichtig ist und glaubt, dass die Menschenseele zu allen Zeiten dieselbe ist, nur der kann glauben, dass der Geistesweg der alten Zeiten auch noch heute gilt. Der Weg zu den göttlichen Urgründen der Welt ist jetzt ein anderer geworden! Und die geistige historische Forschung zeigt uns, dass er im Wesentlichen in dem Moment ein anderer geworden ist, in welchen die Überlieferung die Ereignisse von Palästina setzt. Diese Ereignisse von Palästina bilden einen tiefen Einschnitt in die Menschheitsentwicklung. Es ist etwas ganz anderes in die Menschennatur gekommen in der nachchristlichen Zeit, als in der vorchristlichen Zeit in dieser Menschennatur vorhanden war. Eine solche Art des Denkens, sagen wir, durch wissenschaftliche Gedanken sich der Welt zu nähern, wie es heute möglich ist, gab es im vorchristlichen Altertum nicht. Die Mysterien hatten den Menschen nicht etwa bloß deshalb auf die charakterisierte Weise zu den höchsten Weistümern geführt, weil man geheim tun wollte oder etwas Besonderes für einen kleinen Kreis von Menschen haben wollte, sondern weil dieser Weg für die alten Zeiten notwendig war, und weil unser Weg des Denkens über die Welt, durch die Form der Logik, der Gedanken, dazumal noch nicht möglich war. Wer die Menschheitsgeschichte ein wenig prüft, der weiß, dass ein paar Jahrhunderte hindurch — in den Zeiten der griechischen Philosophie — sich unser Denken erst langsam und allmählich vorbereitet hat und es erst jetzt dazu gebracht hat, in einer so bewundernswürdigen Weise die äußere Natur mit den menschlichen Gedanken zu umspannen. So ist die ganze Form des Bewusstseins, wie wir heute unsere Weltanschauungen schaffen, eine andere gegenüber der vorchristlichen. Wir wollen jetzt in dieser Tatsache gar nichts anderes sehen, als dass die Menschennatur eine andere geworden ist in den nachchristlichen Zeiten. Eine sinnvolle Betrachtung der Menschheitsentwicklung — Sie finden die entsprechenden Forschungsresultate in meiner «Geheimwissenschaft» — zeigt uns, dass das ganze menschliche Bewusstsein sich umgeändert hat im Laufe der Menschheitsentwicklung. Anders als wir heute die Dinge anschauen mit unseren Sinnen und über sie denken mit unserm Verstande, haben die alten Menschen die Dinge geschaut und gedacht. Nicht ein solches Hellsehen, wie es in meiner Schrift «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» geschildert ist, sondern ein anderes Hellsehen, dumpfer, traumähnlicher Art, hatten die alten Menschen statt des verstandesmäßigen und sinnenfälligen Anschauens der Dinge. Das ist gerade der Sinn der Entwicklung, dass ein altes Hellsehen, das in Urzeiten über die ganze Menschheit ausgegossen war, gewichen ist der Form, die Dinge anzuschauen, wie wir sie jetzt haben. Die gewöhnliche Bevölkerung aller Länder hatte eine solche hellseherische Kraft; und ein Hinaufführen der hellseherischen Kraft zu höheren Stufen wurde in den Mysterien gegeben. Dadurch bildete man aus, was allgemeine menschliche Seelenfähigkeiten waren. Nun ist im Laufe der Menschheitsentwicklung diese hellseherische Fähigkeit dem gewichen, was wir heute denkerische Betrachtung der Welt nennen. Das alte Hellsehen ist nicht mehr eine naturgemäße Anschauung der Dinge. Die Zeit aber, in welcher sich die alte Art des Anschauens verloren hat, dauerte lange, durch die geschichtlichen Zeiten hindurch, und erreichte den Höhepunkt in der Zeit, in welcher wir die griechische oder lateinische Kulturepoche verzeichnen und in welche wir das Ereignis des Christus Jesus versetzen. Da war die gesamte Menschheit überall so weit in der Entwicklung fortgeschritten, dass das alte Hellsehen vorüber war und die alten Mysterien nicht mehr möglich waren. Fragen wir nun: Was trat an die Stelle der alten Mysterien?, so müssen wir uns zunächst mit dem bekannt machen, was der Mensch durch die Mysterien erlangte.
[ 16 ] Von dem aber, was in jenem Altertum möglich war, zeigt uns gerade die Theosophie oder Geisteswissenschaft, dass es auch nur eine historische Erscheinung innerhalb der Menschheitsentwicklung war. Und wenn wir uns fragen: Sind die Mysterien, die in der vorchristlichen Zeit möglich waren, noch heute in derselben Weise möglich?, dann müssen wir sagen: So wahr alle historische geistige Forschung zeigt, dass wirklich das vorhanden war, was jetzt charakterisiert worden ist — in der gleichen Form, wie es in der vorchristlichen Zeit vorhanden war, ist es heute nicht mehr da. Dieselbe Art der Einweihung, wie sie in der vorchristlichen Zeit möglich war, ist heute nicht mehr möglich. Nur wer so kurzsichtig ist und glaubt, dass die Menschenseele zu allen Zeiten dieselbe ist, nur der kann glauben, dass der Geistesweg der alten Zeiten auch noch heute gilt. Der Weg zu den göttlichen Urgründen der Welt ist jetzt ein anderer geworden! Und die geistige historische Forschung zeigt uns, dass er im Wesentlichen in dem Moment ein anderer geworden ist, in welchen die Überlieferung die Ereignisse von Palästina setzt. Diese Ereignisse von Palästina bilden einen tiefen Einschnitt in die Menschheitsentwicklung. Es ist etwas ganz anderes in die Menschennatur gekommen in der nachchristlichen Zeit, als in der vorchristlichen Zeit in dieser Menschennatur vorhanden war. Eine solche Art des Denkens, sagen wir, durch wissenschaftliche Gedanken sich der Welt zu nähern, wie es heute möglich ist, gab es im vorchristlichen Altertum nicht. Die Mysterien hatten den Menschen nicht etwa bloß deshalb auf die charakterisierte Weise zu den höchsten Weistümern geführt, weil man geheim tun wollte oder etwas Besonderes für einen kleinen Kreis von Menschen haben wollte, sondern weil dieser Weg für die alten Zeiten notwendig war, und weil unser Weg des Denkens über die Welt, durch die Form der Logik, der Gedanken, dazumal noch nicht möglich war. Wer die Menschheitsgeschichte ein wenig prüft, der weiß, dass ein paar Jahrhunderte hindurch — in den Zeiten der griechischen Philosophie — sich unser Denken erst langsam und allmählich vorbereitet hat und es erst jetzt dazu gebracht hat, in einer so bewundernswürdigen Weise die äußere Natur mit den menschlichen Gedanken zu umspannen. So ist die ganze Form des Bewusstseins, wie wir heute unsere Weltanschauungen schaffen, eine andere gegenüber der vorchristlichen. Wir wollen jetzt in dieser Tatsache gar nichts anderes sehen, als dass die Menschennatur eine andere geworden ist in den nachchristlichen Zeiten. Eine sinnvolle Betrachtung der Menschheitsentwicklung — Sie finden die entsprechenden Forschungsresultate in meiner «Geheimwissenschaft» — zeigt uns, dass das ganze menschliche Bewusstsein sich umgeändert hat im Laufe der Menschheitsentwicklung. Anders als wir heute die Dinge anschauen mit unseren Sinnen und über sie denken mit unserm Verstande, haben die alten Menschen die Dinge geschaut und gedacht. Nicht ein solches Hellsehen, wie es in meiner Schrift «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» geschildert ist, sondern ein anderes Hellsehen, dumpfer, traumähnlicher Art, hatten die alten Menschen statt des verstandesmäßigen und sinnenfälligen Anschauens der Dinge. Das ist gerade der Sinn der Entwicklung, dass ein altes Hellsehen, das in Urzeiten über die ganze Menschheit ausgegossen war, gewichen ist der Form, die Dinge anzuschauen, wie wir sie jetzt haben. Die gewöhnliche Bevölkerung aller Länder hatte eine solche hellseherische Kraft; und ein Hinaufführen der hellseherischen Kraft zu höheren Stufen wurde in den Mysterien gegeben. Dadurch bildete man aus, was allgemeine menschliche Seelenfähigkeiten waren. Nun ist im Laufe der Menschheitsentwicklung diese hellseherische Fähigkeit dem gewichen, was wir heute denkerische Betrachtung der Welt nennen. Das alte Hellsehen ist nicht mehr eine naturgemäße Anschauung der Dinge. Die Zeit aber, in welcher sich die alte Art des Anschauens verloren hat, dauerte lange, durch die geschichtlichen Zeiten hindurch, und erreichte den Höhepunkt in der Zeit, in welcher wir die griechische oder lateinische Kulturepoche verzeichnen und in welche wir das Ereignis des Christus Jesus versetzen. Da war die gesamte Menschheit überall so weit in der Entwicklung fortgeschritten, dass das alte Hellsehen vorüber war und die alten Mysterien nicht mehr möglich waren. Fragen wir nun: Was trat an die Stelle der alten Mysterien?, so müssen wir uns zunächst mit dem bekannt machen, was der Mensch durch die Mysterien erlangte.
[ 17 ] Zweierlei Art waren die Mysterien. Die eine Art ging etwa aus von der Kulturstätte, die später von dem altpersischen Volke eingenommen wurde; die andere Art erlebte man in Ägypten und in Griechenland am allerreinsten. Diese beiden Mysterien-Arten sind durchaus verschieden gewesen im Altertum. Alle Mysterien strebten dazu hin, den Menschen zu einer Erweiterung seiner Seelenkräfte zu bringen. Anders aber geschah dies in den griechischen und ägyptischen Mysterien und wieder anders in den persischen Mysterien. Wie war nun jene Einweihung in die Mysterien, die man in Griechenland erstrebte? — Und diese Art stimmte ja im Wesentlichen überein mit dem, was man in Ägypten erstrebte.
[ 17 ] Zweierlei Art waren die Mysterien. Die eine Art ging etwa aus von der Kulturstätte, die später von dem altpersischen Volke eingenommen wurde; die andere Art erlebte man in Ägypten und in Griechenland am allerreinsten. Diese beiden Mysterien-Arten sind durchaus verschieden gewesen im Altertum. Alle Mysterien strebten dazu hin, den Menschen zu einer Erweiterung seiner Seelenkräfte zu bringen. Anders aber geschah dies in den griechischen und ägyptischen Mysterien und wieder anders in den persischen Mysterien. Wie war nun jene Einweihung in die Mysterien, die man in Griechenland erstrebte? — Und diese Art stimmte ja im Wesentlichen überein mit dem, was man in Ägypten erstrebte.
[ 18 ] Was in Griechenland und in Ägypten für den Schüler der Mysterien erreicht werden sollte, war eine Umgestaltung seiner Seelenkräfte. Aber diese Umgestaltung geschah unter einer gewissen Voraussetzung, und diese Voraussetzung muss man vor allen Dingen verstehen. Man sagte sich: In den Tiefen der menschlichen Seele ruht ein anderer, ein göttlicher Mensch. Aus denselben Quellen, aus denen heraus wir das Gestein sich zum Kristall formen sehen, aus denen die Pflanzen im Frühling herausdringen, aus denselben Quellen ist auch der verborgene, der innere Mensch entstanden. Nur dass die Pflanze alles, was sie in sich hat, auch wirklich in sich verwertet, während der Mensch, wie er sich selbst begreift und mit seinen eigenen Kräften arbeitet, ein unvollendetes Wesen geblieben ist und das, was in ihm ist, erst mit vieler Mühe emporgestiegen ist. An einen geistigen, göttlich inneren Menschen appellierte man in den Mysterien, und mit dem Hinweis auf diesen inneren göttlichen Menschen wies man auch hin auf die Kräfte innerhalb der Erde. Denn die Erde wurde im Sinne der MysterienAnschauung nicht nur als lebloser Weltenkörper aufgefasst, wie es die heutige Astronomie tut, sondern als ein geistiges planetarisches Wesen wurde die Erde angesehen. In Ägypten wies man hin auf die merkwürdigen Geistes- und Naturkräfte, die man mit dem Namen Isis und Osiris bezeichnete, wenn man die Ursprünge und Quellen dessen betrachten wollte, was im inneren Menschen eine Offenbarung erleben kann. Und in Griechenland wies man hin auf den Namen Dionysos, wenn man hinweisen wollte auf den Ursprung, aus dem der innere Mensch entstanden ist. Deshalb erzählten die Profanschriftsteller, dass gesucht wurde die Natur und Wesenheit der Dinge, und man nannte das, was gefunden wurde an Kräften der Menschennatur in den griechischen Mysterien, auch wohl das unterirdische Teil des Menschen, nicht das überirdische. Auch sprach man von der Natur der großen Dämonen und stellte sich darunter alles dasjenige vor, was auf die Erde wirkt an geistigen Kräften. Die Natur dieser Dämonen wurde gesucht durch das, was der Mensch aus sich hervorbringen sollte. Dann sollte der Mensch durchmachen an Gefühlen und Empfindungen alles, was er im Laufe der Entwicklung durchmachen kann. Er sollte erleben, was es heißt, in die Tiefe der eigenen Seele heruntersteigen, sollte erleben, wie ein Grundgefühl alle Seelenwesenheit beherrscht — so beherrscht, dass man sich im gewöhnlichen Leben gar keinen Begriff davon macht — das Gefühl des tiefen Egoismus, der fast unbezwinglichen Selbstsucht im Innern des Menschen. Der Mysterienschüler sollte durch Bekämpfen und Besiegen alles dessen, was man Selbstsucht, Egoismus nennen kann, etwas durchmachen, wofür wir heute nur ein abstraktes Wort haben: das Gefühl umfassender Liebe, des Mitleides für alle Menschen und alle Wesenheiten. Mitleid, soweit die Menschenseele des Mitleides nur fähig ist, sollte an die Stelle der Selbstsucht treten. Und man war sich klar: Wenn man dieses Mitleid, das zunächst in der Gefühlswelt zu den verborgenen Kräften gehört, heraufholt, so reißt es — wie die Meereswelle Gegenstände aus der Tiefe mitreißen kann — aus der Tiefe der Seele die göttlichen Kräfte, die da schlummern, herauf. Und weiter sagte man sich: Wenn der Mensch durch die gewöhnliche Erkenntnis hinausblickt in die Welt, so wird er bald gewahr, wie ohnmächtig dieser Mensch gegenüber der Welt ist; je weiter er seine Begriffe und Ideen erstrecken will, umso ohnmächtiger sieht er sich — und er kann schließlich verzweifeln an dem, was man «Erkenntnis» nennen kann. Dann aber muss ihn in seiner Seele etwas überkommen wie das Gefühl einer Leere, und die Empfindung, wie wenn er den lebendigen Boden unter den Füßen verliert, wenn er die Welt mit seinen Ideen umspannen will. Bei dem Gefühl der Leere aber empfindet man Furcht und Angst. Deshalb sollte der griechische Mysterienschüler vor allen Dingen die Furcht vor allem, was unbekannt ist in der Welt, auf seine Seele abladen; sodass das Gefühl der Furcht, wenn er jenes Mitleid entwickelt, die göttlichen Kräfte aus seiner Seele heraufholt und er dadurch lernt umzuwandeln die Furcht zur Ehrfurcht. Man war sich klar, dass dann diese Ehrfurcht, diese höchste Scheu und ehrfürchtige Hingabe an alle Welterscheinungen eindringt in alle Substanzen und Begriffe; und was die gewöhnliche Erkenntnis nicht erfassen kann, das können die tieferen, durch die Umwandlung der Furcht zur Ehrfurcht entwickelten Kräfte umspannen.
[ 18 ] Was in Griechenland und in Ägypten für den Schüler der Mysterien erreicht werden sollte, war eine Umgestaltung seiner Seelenkräfte. Aber diese Umgestaltung geschah unter einer gewissen Voraussetzung, und diese Voraussetzung muss man vor allen Dingen verstehen. Man sagte sich: In den Tiefen der menschlichen Seele ruht ein anderer, ein göttlicher Mensch. Aus denselben Quellen, aus denen heraus wir das Gestein sich zum Kristall formen sehen, aus denen die Pflanzen im Frühling herausdringen, aus denselben Quellen ist auch der verborgene, der innere Mensch entstanden. Nur dass die Pflanze alles, was sie in sich hat, auch wirklich in sich verwertet, während der Mensch, wie er sich selbst begreift und mit seinen eigenen Kräften arbeitet, ein unvollendetes Wesen geblieben ist und das, was in ihm ist, erst mit vieler Mühe emporgestiegen ist. An einen geistigen, göttlich inneren Menschen appellierte man in den Mysterien, und mit dem Hinweis auf diesen inneren göttlichen Menschen wies man auch hin auf die Kräfte innerhalb der Erde. Denn die Erde wurde im Sinne der MysterienAnschauung nicht nur als lebloser Weltenkörper aufgefasst, wie es die heutige Astronomie tut, sondern als ein geistiges planetarisches Wesen wurde die Erde angesehen. In Ägypten wies man hin auf die merkwürdigen Geistes- und Naturkräfte, die man mit dem Namen Isis und Osiris bezeichnete, wenn man die Ursprünge und Quellen dessen betrachten wollte, was im inneren Menschen eine Offenbarung erleben kann. Und in Griechenland wies man hin auf den Namen Dionysos, wenn man hinweisen wollte auf den Ursprung, aus dem der innere Mensch entstanden ist. Deshalb erzählten die Profanschriftsteller, dass gesucht wurde die Natur und Wesenheit der Dinge, und man nannte das, was gefunden wurde an Kräften der Menschennatur in den griechischen Mysterien, auch wohl das unterirdische Teil des Menschen, nicht das überirdische. Auch sprach man von der Natur der großen Dämonen und stellte sich darunter alles dasjenige vor, was auf die Erde wirkt an geistigen Kräften. Die Natur dieser Dämonen wurde gesucht durch das, was der Mensch aus sich hervorbringen sollte. Dann sollte der Mensch durchmachen an Gefühlen und Empfindungen alles, was er im Laufe der Entwicklung durchmachen kann. Er sollte erleben, was es heißt, in die Tiefe der eigenen Seele heruntersteigen, sollte erleben, wie ein Grundgefühl alle Seelenwesenheit beherrscht — so beherrscht, dass man sich im gewöhnlichen Leben gar keinen Begriff davon macht — das Gefühl des tiefen Egoismus, der fast unbezwinglichen Selbstsucht im Innern des Menschen. Der Mysterienschüler sollte durch Bekämpfen und Besiegen alles dessen, was man Selbstsucht, Egoismus nennen kann, etwas durchmachen, wofür wir heute nur ein abstraktes Wort haben: das Gefühl umfassender Liebe, des Mitleides für alle Menschen und alle Wesenheiten. Mitleid, soweit die Menschenseele des Mitleides nur fähig ist, sollte an die Stelle der Selbstsucht treten. Und man war sich klar: Wenn man dieses Mitleid, das zunächst in der Gefühlswelt zu den verborgenen Kräften gehört, heraufholt, so reißt es — wie die Meereswelle Gegenstände aus der Tiefe mitreißen kann — aus der Tiefe der Seele die göttlichen Kräfte, die da schlummern, herauf. Und weiter sagte man sich: Wenn der Mensch durch die gewöhnliche Erkenntnis hinausblickt in die Welt, so wird er bald gewahr, wie ohnmächtig dieser Mensch gegenüber der Welt ist; je weiter er seine Begriffe und Ideen erstrecken will, umso ohnmächtiger sieht er sich — und er kann schließlich verzweifeln an dem, was man «Erkenntnis» nennen kann. Dann aber muss ihn in seiner Seele etwas überkommen wie das Gefühl einer Leere, und die Empfindung, wie wenn er den lebendigen Boden unter den Füßen verliert, wenn er die Welt mit seinen Ideen umspannen will. Bei dem Gefühl der Leere aber empfindet man Furcht und Angst. Deshalb sollte der griechische Mysterienschüler vor allen Dingen die Furcht vor allem, was unbekannt ist in der Welt, auf seine Seele abladen; sodass das Gefühl der Furcht, wenn er jenes Mitleid entwickelt, die göttlichen Kräfte aus seiner Seele heraufholt und er dadurch lernt umzuwandeln die Furcht zur Ehrfurcht. Man war sich klar, dass dann diese Ehrfurcht, diese höchste Scheu und ehrfürchtige Hingabe an alle Welterscheinungen eindringt in alle Substanzen und Begriffe; und was die gewöhnliche Erkenntnis nicht erfassen kann, das können die tieferen, durch die Umwandlung der Furcht zur Ehrfurcht entwickelten Kräfte umspannen.
[ 19 ] So konnte der Mensch in den griechischen Mysterien aus der Tiefe seiner Seele dasjenige hervorholen, von dem er sehr gut wusste, dass es auf dem Grunde seiner Seele ruhte: den göttlichen Menschen. Aus dem Innern des Menschen heraus arbeiteten die griechischen wie auch die Isis- und Osiris-Mysterien und suchten dadurch den Menschen hinzuführen zur geistigen Welt. Es war ein lebendiges Ergreifen dessen, was der «Gott im Menschen» ist, ein wirkliches Bekanntwerden des Menschen mit dem Gotte. Und die Unsterblichkeit galt nicht bloß als eine abstrakte Lehre und Philosophie, sondern als eine Erfahrung, die so sicher stand wie die Erfahrungen der äußeren Farben und als etwas so Sicheres erlebt wurde, wie man das Verbundensein mit den äußeren Dingen erlebte.
[ 19 ] So konnte der Mensch in den griechischen Mysterien aus der Tiefe seiner Seele dasjenige hervorholen, von dem er sehr gut wusste, dass es auf dem Grunde seiner Seele ruhte: den göttlichen Menschen. Aus dem Innern des Menschen heraus arbeiteten die griechischen wie auch die Isis- und Osiris-Mysterien und suchten dadurch den Menschen hinzuführen zur geistigen Welt. Es war ein lebendiges Ergreifen dessen, was der «Gott im Menschen» ist, ein wirkliches Bekanntwerden des Menschen mit dem Gotte. Und die Unsterblichkeit galt nicht bloß als eine abstrakte Lehre und Philosophie, sondern als eine Erfahrung, die so sicher stand wie die Erfahrungen der äußeren Farben und als etwas so Sicheres erlebt wurde, wie man das Verbundensein mit den äußeren Dingen erlebte.
[ 20 ] Aber nicht minder sicher wurde das auch erlebt in den persischen oder Mithra-Mysterien. Während der Mensch in den griechischen und ägyptischen Mysterien hingeführt wurde zu dem Gotte durch Entfesselung seiner Seelenkräfte, wurde er in den Mithra-Mysterien der Welt selbst gegenübergestellt. Sodass die Welt nicht nur wirkte durch die große, gewaltige Natur, die der Mensch gewöhnlich nur übersieht, wenn er in die Welt des Gewöhnlichen hinausschaut, sondern die Schüler der MithraMysterien schauten in der intimsten Natur gerade das, wodurch die menschliche Erkenntnis nicht berührt wird: Die schauerlichsten und die grandiosesten Kräfte im Naturdasein wurden aus den Weltenräumen durch Methoden, die man damals entwickeln konnte, dem Schüler vorgeführt. Und wie der griechische Mysterienschüler Bekanntschaft machte mit dem Gefühl der Ehrfurcht vor der großen Welt, so wurde der Mithra-Schüler zuerst bekannt gemacht mit den schauerlichen und grandiosen Kräften im Naturdasein, sodass er sich unendlich klein fühlte gegenüber der großen Natur, dass er dastand und die Welt in ihrer Herrlichkeit und Majestät einen solchen Eindruck auf ihn machte, dass er, infolge seiner Entfernung von den Urquellen des Daseins, erwarten musste: Ich stehe hier — und die Welt in ihrer Ausdehnung kann mich jeden Augenblick vernichten!
[ 20 ] Aber nicht minder sicher wurde das auch erlebt in den persischen oder Mithra-Mysterien. Während der Mensch in den griechischen und ägyptischen Mysterien hingeführt wurde zu dem Gotte durch Entfesselung seiner Seelenkräfte, wurde er in den Mithra-Mysterien der Welt selbst gegenübergestellt. Sodass die Welt nicht nur wirkte durch die große, gewaltige Natur, die der Mensch gewöhnlich nur übersieht, wenn er in die Welt des Gewöhnlichen hinausschaut, sondern die Schüler der MithraMysterien schauten in der intimsten Natur gerade das, wodurch die menschliche Erkenntnis nicht berührt wird: Die schauerlichsten und die grandiosesten Kräfte im Naturdasein wurden aus den Weltenräumen durch Methoden, die man damals entwickeln konnte, dem Schüler vorgeführt. Und wie der griechische Mysterienschüler Bekanntschaft machte mit dem Gefühl der Ehrfurcht vor der großen Welt, so wurde der Mithra-Schüler zuerst bekannt gemacht mit den schauerlichen und grandiosen Kräften im Naturdasein, sodass er sich unendlich klein fühlte gegenüber der großen Natur, dass er dastand und die Welt in ihrer Herrlichkeit und Majestät einen solchen Eindruck auf ihn machte, dass er, infolge seiner Entfernung von den Urquellen des Daseins, erwarten musste: Ich stehe hier — und die Welt in ihrer Ausdehnung kann mich jeden Augenblick vernichten!
[ 21 ] Diese Gedanken wurden abgeladen auf die Seele des Schülers. Indem man in einer umfassenden Astronomie und in einer umfassenden Wissenschaft von den äußeren Dingen so auf die Größe der Welterscheinungen hinwies, kam der erste Impuls. Und das, was der Mensch weiterentwickelte in den Mithra-Mysterien, war dann mehr eine Folge der Wahrhaftigkeit, wenn die Natur mit allen ihren Einzelheiten — was Wissenschaftlichkeit im alten Sinne war — auf die Seele wirkte. Wie die griechischen Mysterienschüler furchtlos wurden durch Entfesselung der Seelenkräfte, so wurden die Schüler der Mithra-Mysterien dazu gebracht, dass sie in die Seele sogen die Größe der Weltgedanken; dadurch machten sie die Seele stark und mutig, und ein Bewusstsein bekamen sie von Menschenwert und Menschenwürde, aber auch von Wahrheitssinn und Treue, und lernten erkennen, dass sich der Mensch immer im Dasein im Zaume halten muss. Das waren die Errungenschaften, die insbesondere aus den MithraMysterien hervorgingen. Während wir die griechischen und ägyptischen Mysterien in den Ländern verbreitet finden, die schon durch den Namen angedeutet sind, sehen wir die Mithra-Mysterien von den Gegenden Persiens herauf am Kaspi-See, an der Donau entlang bis in unsere Gegenden hin sich ausbreiten, ja bis nach Südfrankreich, Spanien und England hin: Europa überall übersät von den Mithra-Mysterien! Und überall waren sich die Mithra-Schüler klar: Wenn wir die Welt kennenlernen, strömt aus der großen Welt etwas in uns ein, wie die Luft aus dem Luftkreis in uns einströmt; Mithra, den Gott, nehmen wir auf, den Gott, der die Welt durchflutet! Von dem Gotte, der in allen Welten lebt, fühlte sich der MithraSchüler durchdrungen. Und weil dadurch die Tatkraft, der Mut aufgestachelt ward, waren insbesondere die Krieger, die Soldaten im römischen Heere durchdrungen von dem Mithra-Dienst. Heerführer sowohl wie auch Soldaten waren eingeweiht in die Mithra-Mysterien, wie sie sich ausdehnten über die damals bekannte Welt.
[ 21 ] Diese Gedanken wurden abgeladen auf die Seele des Schülers. Indem man in einer umfassenden Astronomie und in einer umfassenden Wissenschaft von den äußeren Dingen so auf die Größe der Welterscheinungen hinwies, kam der erste Impuls. Und das, was der Mensch weiterentwickelte in den Mithra-Mysterien, war dann mehr eine Folge der Wahrhaftigkeit, wenn die Natur mit allen ihren Einzelheiten — was Wissenschaftlichkeit im alten Sinne war — auf die Seele wirkte. Wie die griechischen Mysterienschüler furchtlos wurden durch Entfesselung der Seelenkräfte, so wurden die Schüler der Mithra-Mysterien dazu gebracht, dass sie in die Seele sogen die Größe der Weltgedanken; dadurch machten sie die Seele stark und mutig, und ein Bewusstsein bekamen sie von Menschenwert und Menschenwürde, aber auch von Wahrheitssinn und Treue, und lernten erkennen, dass sich der Mensch immer im Dasein im Zaume halten muss. Das waren die Errungenschaften, die insbesondere aus den MithraMysterien hervorgingen. Während wir die griechischen und ägyptischen Mysterien in den Ländern verbreitet finden, die schon durch den Namen angedeutet sind, sehen wir die Mithra-Mysterien von den Gegenden Persiens herauf am Kaspi-See, an der Donau entlang bis in unsere Gegenden hin sich ausbreiten, ja bis nach Südfrankreich, Spanien und England hin: Europa überall übersät von den Mithra-Mysterien! Und überall waren sich die Mithra-Schüler klar: Wenn wir die Welt kennenlernen, strömt aus der großen Welt etwas in uns ein, wie die Luft aus dem Luftkreis in uns einströmt; Mithra, den Gott, nehmen wir auf, den Gott, der die Welt durchflutet! Von dem Gotte, der in allen Welten lebt, fühlte sich der MithraSchüler durchdrungen. Und weil dadurch die Tatkraft, der Mut aufgestachelt ward, waren insbesondere die Krieger, die Soldaten im römischen Heere durchdrungen von dem Mithra-Dienst. Heerführer sowohl wie auch Soldaten waren eingeweiht in die Mithra-Mysterien, wie sie sich ausdehnten über die damals bekannte Welt.
[ 22 ] So suchte man den Gott auf der einen Seite durch die Entfesselung der eigenen Seelenkräfte und war sich dabei klar, dass dadurch etwas heraufströmte aus der Tiefe der Seele; man war sich aber auf der anderen Seite auch klar, dass etwas einströmt in die Seele als der Extrakt, als der beste Saft, der die Welt durchströmt, wenn der Mensch den Gott sucht, indem er sich den großen Weltenvorgängen hingibt. Man war sich klar, dass das, was man da fand, die Urkräfte der Welt sind, dass gleichsam der Gott hereinkam in die menschlichen Wohnungen, hereinkam in die menschlichen Seelen durch diese Mysterien-Entwicklung. Einen realen Prozess sah man in der Mysterien-Entwicklung. Jede Seele war ein Tor für das Hereindringen der Gottheit in die menschliche Erdenentwicklung. — Aber betrachten wir den Sinn des Ganzen, wie er uns heute vor Augen getreten ist: Einzelne wenige waren es, die eine solche Entwicklung durchmachen konnten, und eine besondere Vorbereitung war dazu notwendig. Was wurde denen, die eine solche Vorbereitung durchmachten, gegeben? Die Erkenntnis wurde ihnen gegeben, dass das, was in der Natur draußen wie auch in der menschlichen eigenen Natur verborgen ist, als göttlicher Weihestrom durch die Welt strömt. Deshalb nannte man die Mysterien-Entwicklung auch die Einweihung. Aber wir konnten darauf aufmerksam machen, dass die Entwicklung der Menschheit sich änderte und dass die ganze Einweihung eine andere werden musste. Durch was wurde diese Änderung notwendig? Hier kommen wir auf das, was wir nennen müssen: die mystische Tatsache des Christus-Ereignisses. Und ein tiefes Eingehen auf die Geschichte zeigt, dass ein mehr oder weniger dumpfes Bewusstsein dieser Tatsache vorhanden war bei den alten, den ersten Christen: dass dasselbe, was sonst nur durch die Hingabe an die Mysterien, an den göttlichen Weltengrund einströmte in die menschliche Seele, dass, was als der Mithra aus der Welt einströmte oder als der Dionysos aus der Tiefe der Seele heraufströmte, sich als Vorgang einer einheitlichen Weltengottheit in einer Tatsache auch innerhalb unserer Erdenentwicklung abspielte. Was sonst gesucht wurde in den Mysterien, was nicht gefunden werden konnte, ohne dass sich der Mensch in den Mysterien dem äußeren Leben entfremdete, das wurde von der die Welt durchdringenden Gottheit in einem bestimmten Zeitpunkt der Erde so einverleibt, dass keine menschliche Anstrengung Voraussetzung war, sondern dass sich die Gottheit einmal ergoss in das Erdendasein. Und dieses Sich-Ergießen der Gottheit in das Erdendasein bewirkte, dass — auch als die Menschen die Möglichkeit des Vordringens in den göttlichen Weltengrund verloren hatten — sie in anderer Art sich diesem göttlichen Weltengrund nähern konnten. Und der Gott, der jetzt — nicht auf die Art des Mithra und auch nicht auf die Art des Dionysos — in die menschliche Seele eindringen konnte, der ein Zusammenfluss des Mithra und des Dionysos war und der zugleich tief verwandt mit der menschlichen Natur ist, das ist der Gott, der mit dem Christus-Namen umspannt wird. Mithra und Dionysos zugleich war das Wesen, das mit dem Ereignis von Palästina in die Menschheit eindrang, und ein Zusammenfluss von Mithra- und Dionysos-Kult war das Christentum! Und das hebräische Volk war dazu ausersehen, den dazu notwendigen Körper herzugeben, damit dieses Ereignis geschehen konnte. Dieses Volk hatte sowohl den Mithra- wie auch den Dionysos-Dienst kennengelernt, stand aber beiden Kulten fern. Denn der Angehörige des hebräischen Volkes empfand nicht wie der Grieche, der da sagte: Wie ich da stehe, bin ich ein schwacher Mensch, der tiefere Kräfte entwickeln muss, wenn er eindringen will in die Tiefe seiner eigenen Seele. Er empfand auch nicht wie der Mithra-Mensch, der sich sagte: Ich muss auf mich wirken lassen den ganzen Umkreis der Luft, damit sich die tiefsten göttlichen Eigenschaften der Welt mit mir vereinigen! Sondern der Hebräer sagte sich: Was die tiefere menschliche Natur ausmacht, was in derselben verborgen ist, das war einst da beim Urmenschen. Diesen Urmenschen nannte das althebräische Volk den Adam. In diesem Adam war nach althebräischer Anschauung ursprünglich vorhanden, was der Mensch suchen kann, damit es ihn mit der Gottheit verbindet. Aber im Laufe der Entwicklung, als durch Generationen und aber Generationen die Menschheit sich weiterentwickelte, haben sich die Menschen durch die Erbfolge des Blutes immer weiter entfernt von den Quellen des Daseins. Dass der Mensch dadurch anders geworden ist, dass er nicht so geblieben ist, wie er war, entlassen aus der Sphäre der Göttlichkeit, das nannte das althebräische Volk das Behaftetsein mit der «Erbsünde». Der Angehörige des althebräischen Volkes empfand sich also selbst als tieferstehend als der Urmensch Adam, und die Ursache dafür suchte er in der Erbsünde. Das ist es, wodurch der Mensch weniger ist als das, was in den Tiefen der Menschennatur lebt. Und wenn er sich mit den tieferen Kräften der Menschennatur vereinigen kann, so ist er dadurch verbunden mit den Kräften, durch die er wieder heraufgezogen wird. So empfand also der Angehörige des althebräischen Volkes, dass er früher höher stand und durch die Eigenschaften, die an das Blut gebunden sind, etwas verloren hatte und deshalb jetzt tiefer stand. Damit stand der Bekenner des hebräischen Altertums auf einem historischen Standpunkte. Was der Bekenner der Mithra-Mysterien in der einen ganzen Menschheit sah, das sah der Bekenner des hebräischen Altertums in seinem ganzen Volke, von dem er sich bewusst war: Es hat verloren den Ursprung, von dem es ausgegangen ist. Während also bei den Persern eine Art Schulung des Bewusstseins vorhanden war, finden wir bei dem althebräischen Volke das Bewusstsein einer geschichtlichen Entwicklung: Adam war ursprünglich in Sünde gefallen, war heruntergestiegen aus den Höhen, auf denen er gestanden hatte. Deshalb war dieses Volk auch am besten vorbereitet für den Gedanken: Was im Ausgangspunkt der Menschheitsentwicklung geschehen ist und eine Verschlechterung der Menschheit herbeigeführt hat, das kann auch nur durch ein historisches Ereignis — was wirklich geschieht, geschieht in den geistigen Untergründen des Erdendaseins! — wieder aufgehoben werden. So war der Bekenner des hebräischen Altertums, wenn er recht den Sinn der Weltentwicklung verstand, dazu vorbereitet, sich zu sagen: Der Gott — sowohl der Mithra-Gott wie auch der Gott, der hervorgeholt wird aus den Tiefen der Menschenseele — kann heruntersteigen, ohne dass der Mensch eine Mysterien-Entwicklung durchmacht.
[ 22 ] So suchte man den Gott auf der einen Seite durch die Entfesselung der eigenen Seelenkräfte und war sich dabei klar, dass dadurch etwas heraufströmte aus der Tiefe der Seele; man war sich aber auf der anderen Seite auch klar, dass etwas einströmt in die Seele als der Extrakt, als der beste Saft, der die Welt durchströmt, wenn der Mensch den Gott sucht, indem er sich den großen Weltenvorgängen hingibt. Man war sich klar, dass das, was man da fand, die Urkräfte der Welt sind, dass gleichsam der Gott hereinkam in die menschlichen Wohnungen, hereinkam in die menschlichen Seelen durch diese Mysterien-Entwicklung. Einen realen Prozess sah man in der Mysterien-Entwicklung. Jede Seele war ein Tor für das Hereindringen der Gottheit in die menschliche Erdenentwicklung. — Aber betrachten wir den Sinn des Ganzen, wie er uns heute vor Augen getreten ist: Einzelne wenige waren es, die eine solche Entwicklung durchmachen konnten, und eine besondere Vorbereitung war dazu notwendig. Was wurde denen, die eine solche Vorbereitung durchmachten, gegeben? Die Erkenntnis wurde ihnen gegeben, dass das, was in der Natur draußen wie auch in der menschlichen eigenen Natur verborgen ist, als göttlicher Weihestrom durch die Welt strömt. Deshalb nannte man die Mysterien-Entwicklung auch die Einweihung. Aber wir konnten darauf aufmerksam machen, dass die Entwicklung der Menschheit sich änderte und dass die ganze Einweihung eine andere werden musste. Durch was wurde diese Änderung notwendig? Hier kommen wir auf das, was wir nennen müssen: die mystische Tatsache des Christus-Ereignisses. Und ein tiefes Eingehen auf die Geschichte zeigt, dass ein mehr oder weniger dumpfes Bewusstsein dieser Tatsache vorhanden war bei den alten, den ersten Christen: dass dasselbe, was sonst nur durch die Hingabe an die Mysterien, an den göttlichen Weltengrund einströmte in die menschliche Seele, dass, was als der Mithra aus der Welt einströmte oder als der Dionysos aus der Tiefe der Seele heraufströmte, sich als Vorgang einer einheitlichen Weltengottheit in einer Tatsache auch innerhalb unserer Erdenentwicklung abspielte. Was sonst gesucht wurde in den Mysterien, was nicht gefunden werden konnte, ohne dass sich der Mensch in den Mysterien dem äußeren Leben entfremdete, das wurde von der die Welt durchdringenden Gottheit in einem bestimmten Zeitpunkt der Erde so einverleibt, dass keine menschliche Anstrengung Voraussetzung war, sondern dass sich die Gottheit einmal ergoss in das Erdendasein. Und dieses Sich-Ergießen der Gottheit in das Erdendasein bewirkte, dass — auch als die Menschen die Möglichkeit des Vordringens in den göttlichen Weltengrund verloren hatten — sie in anderer Art sich diesem göttlichen Weltengrund nähern konnten. Und der Gott, der jetzt — nicht auf die Art des Mithra und auch nicht auf die Art des Dionysos — in die menschliche Seele eindringen konnte, der ein Zusammenfluss des Mithra und des Dionysos war und der zugleich tief verwandt mit der menschlichen Natur ist, das ist der Gott, der mit dem Christus-Namen umspannt wird. Mithra und Dionysos zugleich war das Wesen, das mit dem Ereignis von Palästina in die Menschheit eindrang, und ein Zusammenfluss von Mithra- und Dionysos-Kult war das Christentum! Und das hebräische Volk war dazu ausersehen, den dazu notwendigen Körper herzugeben, damit dieses Ereignis geschehen konnte. Dieses Volk hatte sowohl den Mithra- wie auch den Dionysos-Dienst kennengelernt, stand aber beiden Kulten fern. Denn der Angehörige des hebräischen Volkes empfand nicht wie der Grieche, der da sagte: Wie ich da stehe, bin ich ein schwacher Mensch, der tiefere Kräfte entwickeln muss, wenn er eindringen will in die Tiefe seiner eigenen Seele. Er empfand auch nicht wie der Mithra-Mensch, der sich sagte: Ich muss auf mich wirken lassen den ganzen Umkreis der Luft, damit sich die tiefsten göttlichen Eigenschaften der Welt mit mir vereinigen! Sondern der Hebräer sagte sich: Was die tiefere menschliche Natur ausmacht, was in derselben verborgen ist, das war einst da beim Urmenschen. Diesen Urmenschen nannte das althebräische Volk den Adam. In diesem Adam war nach althebräischer Anschauung ursprünglich vorhanden, was der Mensch suchen kann, damit es ihn mit der Gottheit verbindet. Aber im Laufe der Entwicklung, als durch Generationen und aber Generationen die Menschheit sich weiterentwickelte, haben sich die Menschen durch die Erbfolge des Blutes immer weiter entfernt von den Quellen des Daseins. Dass der Mensch dadurch anders geworden ist, dass er nicht so geblieben ist, wie er war, entlassen aus der Sphäre der Göttlichkeit, das nannte das althebräische Volk das Behaftetsein mit der «Erbsünde». Der Angehörige des althebräischen Volkes empfand sich also selbst als tieferstehend als der Urmensch Adam, und die Ursache dafür suchte er in der Erbsünde. Das ist es, wodurch der Mensch weniger ist als das, was in den Tiefen der Menschennatur lebt. Und wenn er sich mit den tieferen Kräften der Menschennatur vereinigen kann, so ist er dadurch verbunden mit den Kräften, durch die er wieder heraufgezogen wird. So empfand also der Angehörige des althebräischen Volkes, dass er früher höher stand und durch die Eigenschaften, die an das Blut gebunden sind, etwas verloren hatte und deshalb jetzt tiefer stand. Damit stand der Bekenner des hebräischen Altertums auf einem historischen Standpunkte. Was der Bekenner der Mithra-Mysterien in der einen ganzen Menschheit sah, das sah der Bekenner des hebräischen Altertums in seinem ganzen Volke, von dem er sich bewusst war: Es hat verloren den Ursprung, von dem es ausgegangen ist. Während also bei den Persern eine Art Schulung des Bewusstseins vorhanden war, finden wir bei dem althebräischen Volke das Bewusstsein einer geschichtlichen Entwicklung: Adam war ursprünglich in Sünde gefallen, war heruntergestiegen aus den Höhen, auf denen er gestanden hatte. Deshalb war dieses Volk auch am besten vorbereitet für den Gedanken: Was im Ausgangspunkt der Menschheitsentwicklung geschehen ist und eine Verschlechterung der Menschheit herbeigeführt hat, das kann auch nur durch ein historisches Ereignis — was wirklich geschieht, geschieht in den geistigen Untergründen des Erdendaseins! — wieder aufgehoben werden. So war der Bekenner des hebräischen Altertums, wenn er recht den Sinn der Weltentwicklung verstand, dazu vorbereitet, sich zu sagen: Der Gott — sowohl der Mithra-Gott wie auch der Gott, der hervorgeholt wird aus den Tiefen der Menschenseele — kann heruntersteigen, ohne dass der Mensch eine Mysterien-Entwicklung durchmacht.
[ 23 ] So sehen wir, wie innerhalb des althebräischen Volkes das Bewusstsein der Tatsache entstand — zuerst bei Johannes dem Täufer —, dass dasselbe, was die Mysterien als Dionysos und als Mithra überliefert haben, gleichzeitig geboren wird in einem Menschen. Und diejenigen, welche nun wieder in einem tieferen Sinne dieses Ereignis auffassten, sagten sich: Ebenso, wie durch Adam der Herunterstieg des Menschen in die Welt gekommen ist, wie die Menschen abstammen von einem Vorfahren, der ihnen all die tieferen Kräfte vererbt hat, die in Sünde und Irrtum führen, so muss durch Einen, der aus den geistigen Welten heruntersteigt als Vereinigung von Mithra und Dionysos, der Ausgangspunkt geschaffen werden, zu dem die Menschen hinblicken können, wenn sie sich wieder erheben sollen! Während also die Mysterien — durch Entfesselung der tieferen Seelenkräfte oder durch den Hinblick zu dem Kosmos — die menschliche Natur entwickelten, sahen nun die Menschen des hebräischen Volkes in dem Gott, der herabgestiegen war — jetzt auf den historischen Plan als historische Wesenheit herabgestiegen war —, das, wozu die Seele hinblicken muss, zu dem die Seele die tiefste Liebe entwickeln muss, an das sie glauben muss und was die Seele, wenn sie hinblickt auf dieses große Vorbild, wieder zurückführen kann zu dem, wovon sie ausgegangen ist.
[ 23 ] So sehen wir, wie innerhalb des althebräischen Volkes das Bewusstsein der Tatsache entstand — zuerst bei Johannes dem Täufer —, dass dasselbe, was die Mysterien als Dionysos und als Mithra überliefert haben, gleichzeitig geboren wird in einem Menschen. Und diejenigen, welche nun wieder in einem tieferen Sinne dieses Ereignis auffassten, sagten sich: Ebenso, wie durch Adam der Herunterstieg des Menschen in die Welt gekommen ist, wie die Menschen abstammen von einem Vorfahren, der ihnen all die tieferen Kräfte vererbt hat, die in Sünde und Irrtum führen, so muss durch Einen, der aus den geistigen Welten heruntersteigt als Vereinigung von Mithra und Dionysos, der Ausgangspunkt geschaffen werden, zu dem die Menschen hinblicken können, wenn sie sich wieder erheben sollen! Während also die Mysterien — durch Entfesselung der tieferen Seelenkräfte oder durch den Hinblick zu dem Kosmos — die menschliche Natur entwickelten, sahen nun die Menschen des hebräischen Volkes in dem Gott, der herabgestiegen war — jetzt auf den historischen Plan als historische Wesenheit herabgestiegen war —, das, wozu die Seele hinblicken muss, zu dem die Seele die tiefste Liebe entwickeln muss, an das sie glauben muss und was die Seele, wenn sie hinblickt auf dieses große Vorbild, wieder zurückführen kann zu dem, wovon sie ausgegangen ist.
[ 24 ] Der tiefste Kenner dieses Christianismus wurde Paulus, indem er erkannte, dass durch den Christus-Impuls der Mensch, wie er auf Adam als auf seinen leiblichen Ursprung hinweist, auf den Christus als auf sein großes Vorbild hinweisen kann, durch dessen Anblick das erreicht werden kann, was in den Mysterien angestrebt wurde und was geboren werden muss, wenn der Mensch seine ursprüngliche Natur erkennen will. Was in den Mysterien in die Tiefen der Tempel eingeschlossen war, und was der Mensch nur nach asketischen Anstrengungen erreichen konnte, das wurde hingestellt — nicht durch die äußeren Dokumente, sondern auch für den, der die geistigen Urgründe übersieht und das erkennen kann, was nicht nur als eine äußere, sondern als eine mystische Tatsache geschehen ist: dass die Gottheit, welche die Welt durchsetzt, erschienen ist in einer Einzelgestalt! So musste man es sich denken. Was die Schüler der Mithra-Mysterien erlangten durch den Anblick des größten Vorbildes, das solltejetzterreicht werden durch den Christus. Mut, Selbstbeherrschung, Tatkraft erlangten die Mithra-Schüler — das sollten fortan diejenigen erlangen, die jetzt nicht mehr im Sinne der alten Mithra-Mysterien eingeweiht werden konnten; durch den Anblick und das Vorbild des historischen Christus sollte sich jetzt auf die Seele abladen, was zu diesem Mute führt.
[ 24 ] Der tiefste Kenner dieses Christianismus wurde Paulus, indem er erkannte, dass durch den Christus-Impuls der Mensch, wie er auf Adam als auf seinen leiblichen Ursprung hinweist, auf den Christus als auf sein großes Vorbild hinweisen kann, durch dessen Anblick das erreicht werden kann, was in den Mysterien angestrebt wurde und was geboren werden muss, wenn der Mensch seine ursprüngliche Natur erkennen will. Was in den Mysterien in die Tiefen der Tempel eingeschlossen war, und was der Mensch nur nach asketischen Anstrengungen erreichen konnte, das wurde hingestellt — nicht durch die äußeren Dokumente, sondern auch für den, der die geistigen Urgründe übersieht und das erkennen kann, was nicht nur als eine äußere, sondern als eine mystische Tatsache geschehen ist: dass die Gottheit, welche die Welt durchsetzt, erschienen ist in einer Einzelgestalt! So musste man es sich denken. Was die Schüler der Mithra-Mysterien erlangten durch den Anblick des größten Vorbildes, das solltejetzterreicht werden durch den Christus. Mut, Selbstbeherrschung, Tatkraft erlangten die Mithra-Schüler — das sollten fortan diejenigen erlangen, die jetzt nicht mehr im Sinne der alten Mithra-Mysterien eingeweiht werden konnten; durch den Anblick und das Vorbild des historischen Christus sollte sich jetzt auf die Seele abladen, was zu diesem Mute führt.
[ 25 ] Wie in den Mithra-Mysterien das ganze Weltall in einer gewissen Weise in der Seele des Schülers geboren wurde und die Seele mutvoll durchglühte mit all den inneren Kräften der Tatkraft, so hat sich herabgegossen bei der Johannes-Taufe etwas, wovon die menschliche Natur Träger werden kann. Und wenn man sich mit dem Gedanken durchdringt, dass die Menschennatur fähig ist, die tiefste Gesetzmäßigkeit des Weltenalls aufzunehmen, dann hat man im Anblick der Johannes-Taufe begriffen: In der menschlichen Natur kann der Mithra geboren werden! Aber nun war es so, dass die Mysterienschüler, welche den Ursinn des Christentums verstanden, zugaben: Es ist das Ende der alten Mysterien gekommen. Der Gott, der sonst in die heiligen Mysterien hineingeflossen ist, für den die einzelnen Seelen der Mysterienschüler die Tore gebildet haben, der ist ein für alle Mal in das Erdendasein eingeflossen durch die Persönlichkeit, die am Ausgangspunkt unserer Zeitrechnung steht! Das ist auch der Sinn der Auffassung des Paulus, dass diese Wesenheit jetzt nicht mehr in dem alten Sinne als Mithra zu erreichen ist. Der Gott ist verschwunden in dem alten Sinne und lebte in der Natur des einen Menschen. Durch ein Naturereignis ist er herabgestiegen. So mussten die, welche den Aufgang des Christentums verstanden, zu gleicher Zeit zugeben das Ende des Mithra-Dienstes, das Verschwinden der äußeren Gottheit der Mithra-Mysterien in der menschlichen Natur drinnen.
[ 25 ] Wie in den Mithra-Mysterien das ganze Weltall in einer gewissen Weise in der Seele des Schülers geboren wurde und die Seele mutvoll durchglühte mit all den inneren Kräften der Tatkraft, so hat sich herabgegossen bei der Johannes-Taufe etwas, wovon die menschliche Natur Träger werden kann. Und wenn man sich mit dem Gedanken durchdringt, dass die Menschennatur fähig ist, die tiefste Gesetzmäßigkeit des Weltenalls aufzunehmen, dann hat man im Anblick der Johannes-Taufe begriffen: In der menschlichen Natur kann der Mithra geboren werden! Aber nun war es so, dass die Mysterienschüler, welche den Ursinn des Christentums verstanden, zugaben: Es ist das Ende der alten Mysterien gekommen. Der Gott, der sonst in die heiligen Mysterien hineingeflossen ist, für den die einzelnen Seelen der Mysterienschüler die Tore gebildet haben, der ist ein für alle Mal in das Erdendasein eingeflossen durch die Persönlichkeit, die am Ausgangspunkt unserer Zeitrechnung steht! Das ist auch der Sinn der Auffassung des Paulus, dass diese Wesenheit jetzt nicht mehr in dem alten Sinne als Mithra zu erreichen ist. Der Gott ist verschwunden in dem alten Sinne und lebte in der Natur des einen Menschen. Durch ein Naturereignis ist er herabgestiegen. So mussten die, welche den Aufgang des Christentums verstanden, zu gleicher Zeit zugeben das Ende des Mithra-Dienstes, das Verschwinden der äußeren Gottheit der Mithra-Mysterien in der menschlichen Natur drinnen.
[ 26 ] Und wie steht es mit den griechischen, mit den Dionysos-Mysterien? Indem der menschliche Blick hingelenkt wurde auf den Jesus von Nazareth, in welchem der Mithra lebte und der dann durch den Tod gegangen ist, wurde darauf hingewiesen, dass jener Mithra — der, wenn die Seelen sich mit ihm verbanden, Mut, Tatkraft, Selbstbeherrschung diesen Seelen gab — mit dem Tode des Jesus von Nazareth selber gestorben ist! Den Tod des Mithra musste man als eine Definition sehen in dem, was man als den Tod des Jesus, des Christus sieht. Aber nun wurde der Blick hingelenkt auf die andere Tatsache: Indem der Gott Mithra verschwunden ist in dem Jesus von Nazareth, und gerade dadurch, dass er verschwunden ist, ist auch das, was der Mensch im tiefsten Innern der Natur findet, was er früher durch die Dionysos-Mysterien erreicht hatte, in dem einen Jesus von Nazareth unsterblicher Sieger geworden über den Tod! Das ist der Sinn der Auferstehung im wirklichen christlichen Sinne, wenn wir ihn geisteswissenschaftlich fassen. Durch den Hinblick auf die Johannes-Taufe im Jordan war Klarheit darüber, dass der alte Mithra in den Menschen eingezogen war ein für alle Mal, Und dadurch, dass diese menschliche Natur den Sieg erfocht über den Tod, hatte sie ein Nachbild geschaffen, mit dem sich in tiefster Liebe die Seele verbinden konnte, um zu dem zu kommen, was in den Tiefen der Seele wirklich lebt, was die Griechen in Dionysos suchten. In dem auferstandenen Christus sollte die Tatsache gesehen werden, dass der Mensch, wenn er nachlebt dem einmaligen historischen Ereignis, über die gewöhnliche Menschheit hinauskommt.
[ 26 ] Und wie steht es mit den griechischen, mit den Dionysos-Mysterien? Indem der menschliche Blick hingelenkt wurde auf den Jesus von Nazareth, in welchem der Mithra lebte und der dann durch den Tod gegangen ist, wurde darauf hingewiesen, dass jener Mithra — der, wenn die Seelen sich mit ihm verbanden, Mut, Tatkraft, Selbstbeherrschung diesen Seelen gab — mit dem Tode des Jesus von Nazareth selber gestorben ist! Den Tod des Mithra musste man als eine Definition sehen in dem, was man als den Tod des Jesus, des Christus sieht. Aber nun wurde der Blick hingelenkt auf die andere Tatsache: Indem der Gott Mithra verschwunden ist in dem Jesus von Nazareth, und gerade dadurch, dass er verschwunden ist, ist auch das, was der Mensch im tiefsten Innern der Natur findet, was er früher durch die Dionysos-Mysterien erreicht hatte, in dem einen Jesus von Nazareth unsterblicher Sieger geworden über den Tod! Das ist der Sinn der Auferstehung im wirklichen christlichen Sinne, wenn wir ihn geisteswissenschaftlich fassen. Durch den Hinblick auf die Johannes-Taufe im Jordan war Klarheit darüber, dass der alte Mithra in den Menschen eingezogen war ein für alle Mal, Und dadurch, dass diese menschliche Natur den Sieg erfocht über den Tod, hatte sie ein Nachbild geschaffen, mit dem sich in tiefster Liebe die Seele verbinden konnte, um zu dem zu kommen, was in den Tiefen der Seele wirklich lebt, was die Griechen in Dionysos suchten. In dem auferstandenen Christus sollte die Tatsache gesehen werden, dass der Mensch, wenn er nachlebt dem einmaligen historischen Ereignis, über die gewöhnliche Menschheit hinauskommt.
[ 27 ] So wurde in den Mittelpunkt der Weltgeschichte ein historisches Ereignis gestellt an die Stelle dessen, was sonst unzählige Male in den Mysterien gesucht wurde. Dass die menschliche Natur eine andere geworden war, das war die große Überraschung des Paulus, und das verbirgt sich innerhalb dessen, was man nennt das Ereignis von Damaskus. Was hat Paulus, wenn wir auf die Worte des Apostels selber sehen, vor Damaskus erfahren? Nicht durch äußere Ereignisse, nicht durch äußere Dokumente, sondern durch ein rein geistiges, ein hellseherisches Erlebnis hatte er erfahren, dass der Zeitpunkt schon dagewesen war, wo das, was früher nur innerhalb der Mysterienschülerschaft als die göttliche Natur des Menschen in dem Menschen zum Vorschein gekommen war, sich in einem historischen Menschen verkörpert hatte! Dass der Christus in einem wirklichen Menschen da war, das konnte er nimmermehr durch eine äußere Tatsache erleben. Was er in Palästina erfahren konnte, das machte keinen Eindruck auf ihn; das konnte ihn nicht davon überzeugen, dass in dem Jesus von Nazareth der Christus, der Zusammenfluss von Mithra und Dionysos, gelebt hatte. Als sich ihm aber vor Damaskus der geistige Blick öffnete, da wurde ihm klar, dass ein Gott, der mit dem Christus-Namen bezeichnet werden konnte, nicht nur als ein übersinnlicher durch die Welt wirkt, sondern dass dieser Gott in einem Menschen einmal da war und Sieger geworden ist über den Tod. Daher predigt er, dass Geschichte, fließende Geschichte auf der Erde gefunden worden ist für das, was früher nur fließende Substanz für die Eingeweihten war. Das liegt den Worten des Paulus zugrunde:
[ 27 ] So wurde in den Mittelpunkt der Weltgeschichte ein historisches Ereignis gestellt an die Stelle dessen, was sonst unzählige Male in den Mysterien gesucht wurde. Dass die menschliche Natur eine andere geworden war, das war die große Überraschung des Paulus, und das verbirgt sich innerhalb dessen, was man nennt das Ereignis von Damaskus. Was hat Paulus, wenn wir auf die Worte des Apostels selber sehen, vor Damaskus erfahren? Nicht durch äußere Ereignisse, nicht durch äußere Dokumente, sondern durch ein rein geistiges, ein hellseherisches Erlebnis hatte er erfahren, dass der Zeitpunkt schon dagewesen war, wo das, was früher nur innerhalb der Mysterienschülerschaft als die göttliche Natur des Menschen in dem Menschen zum Vorschein gekommen war, sich in einem historischen Menschen verkörpert hatte! Dass der Christus in einem wirklichen Menschen da war, das konnte er nimmermehr durch eine äußere Tatsache erleben. Was er in Palästina erfahren konnte, das machte keinen Eindruck auf ihn; das konnte ihn nicht davon überzeugen, dass in dem Jesus von Nazareth der Christus, der Zusammenfluss von Mithra und Dionysos, gelebt hatte. Als sich ihm aber vor Damaskus der geistige Blick öffnete, da wurde ihm klar, dass ein Gott, der mit dem Christus-Namen bezeichnet werden konnte, nicht nur als ein übersinnlicher durch die Welt wirkt, sondern dass dieser Gott in einem Menschen einmal da war und Sieger geworden ist über den Tod. Daher predigt er, dass Geschichte, fließende Geschichte auf der Erde gefunden worden ist für das, was früher nur fließende Substanz für die Eingeweihten war. Das liegt den Worten des Paulus zugrunde:
[ 28 ] Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist unsere Predigt vergeblich, so ist auch euer Glaube vergeblich.
[ 28 ] Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist unsere Predigt vergeblich, so ist auch euer Glaube vergeblich.
[ 29 ] So war der Weg, auf dem Paulus — auf dem Umwege durch den Christus — zu dem Jesus gekommen ist, weil er sich klar war, dass sich in Palästina etwas ereignet hatte, was früher nur in den Mysterien erlebt werden konnte. Und im Grunde genommen ist es heute immer noch so; es ist nicht anders geworden. Weil der Christus der Mittelpunkt ist aller Menschheitsentwicklung und das höchste Vorbild für die intimsten Kräfte der Seele, deshalb muss das Band, das für den Christus hergestellt wird, auch das intimste sein. Und wie verlangt wird, dass der Mensch sein eigenes Leben gering schätzen muss, um Schüler des Christus zu sein, so muss uns auch heute gering erscheinen, dass wir alle Dokumente und historische Urkunden verlassen müssen, um zu dem Christus zu kommen. Man müsste dankbar sein dafür, dass es keine Dokumente gibt, wodurch festgestellt werden kann, dass es einen historischen Christus Jesus gegeben hat; denn nimmermehr könnte durch Dokumente festgestellt werden, dass der Christus das Bedeutsamste ist, was in die Menschheit eingeflossen ist.
[ 29 ] So war der Weg, auf dem Paulus — auf dem Umwege durch den Christus — zu dem Jesus gekommen ist, weil er sich klar war, dass sich in Palästina etwas ereignet hatte, was früher nur in den Mysterien erlebt werden konnte. Und im Grunde genommen ist es heute immer noch so; es ist nicht anders geworden. Weil der Christus der Mittelpunkt ist aller Menschheitsentwicklung und das höchste Vorbild für die intimsten Kräfte der Seele, deshalb muss das Band, das für den Christus hergestellt wird, auch das intimste sein. Und wie verlangt wird, dass der Mensch sein eigenes Leben gering schätzen muss, um Schüler des Christus zu sein, so muss uns auch heute gering erscheinen, dass wir alle Dokumente und historische Urkunden verlassen müssen, um zu dem Christus zu kommen. Man müsste dankbar sein dafür, dass es keine Dokumente gibt, wodurch festgestellt werden kann, dass es einen historischen Christus Jesus gegeben hat; denn nimmermehr könnte durch Dokumente festgestellt werden, dass der Christus das Bedeutsamste ist, was in die Menschheit eingeflossen ist.
[ 30 ] Da wird uns der Gedanke klar, wie verwandt der Christus mit den alten Mysterien ist. Wenn wir Umschau halten bei den alten Mysterien, so haben wir die Möglichkeit zu untersuchen, was die Mysterienschüler tun mussten, um auf die eine oder andere Art zu dem Gotte zu kommen. Was sie erlebten, das war etwas, was man nennen kann intime Seelenvorgänge. Die Seele musste gewisse Dinge erleben. So zum Beispiel musste sie, wenn sie den ersten Schritt gemacht hatte, wenn sie sich in sich vertieft hatte, die inneren Gefühle und Empfindungen so erleben, dass sie lebhafter und intensiver wurden, als sie sonst im Menschen sind. Dadurch wurde dann der Mensch auch gewahr, wie er in einer niederen Natur steckt, die ihn daran hindert, zu den Quellen des Daseins zu kommen. Kurz: Dadurch wurde der Mensch erst gewahr, wie die niedere Natur ein Verlocker ist für den aufwärtsstrebenden Menschen, und dass dasjenige, was den Menschen von den Urgründen des Daseins herabgebracht hat, auch seine eigene niedere Natur geworden ist. Das war die Versuchung, die an jeden Mysterienschüler herantrat. In dem Augenblick, wo der Gott erwachte, wurde der Schüler gewahr, was die niedere Begierdennatur im Menschen ist, was ihm wie eine fremde Wesenheit sagte: Folge nicht den windigen, luftigen Höhen der geistigen Welt, sondern folge den derben materiellen Dingen, die dir nahe liegen! Das musste jeder durchmachen, dass ihm vor Augen trat, wie der gewöhnlichen Anschauung gegenüber unreal alles Geistige ist, und wie verlockend alles Sinnliche ist gegenüber dem geistigen Streben. Auf anderer Stufe tritt uns dann in der Mysterien-Entwicklung entgegen, wie der Schüler diese verlockenden Kräfte überwand und wie er durch Entwicklung der gestärkten Kräfte — Mut, Furchtlosigkeit und so weiter — wieder eine Stufe höher kam. Das alles wurde in bestimmte Vorschriften für den Mysterienschüler gekleidet, und es kann in dem, was die äußeren Schriftsteller gaben, wieder nachgefühlt werden, wie auch in den Methoden der Einweihung, wie sie die Geisteswissenschaft geben kann und wie sie dargestellt sind in dem Buch «Geheimwissenschaft». So gab es verschiedene Methoden: andere für die griechischen Mysterien, andere für die Mithra-Mysterien. Zuletzt erlebte der Schüler die Vereinigung mit dem, was der göttliche Mensch war. Aber die Methoden dafür waren verschieden, und man kann merken, dass in den verschiedensten Gegenden die verschiedensten Einweihungsvorschriften bestanden.
[ 30 ] Da wird uns der Gedanke klar, wie verwandt der Christus mit den alten Mysterien ist. Wenn wir Umschau halten bei den alten Mysterien, so haben wir die Möglichkeit zu untersuchen, was die Mysterienschüler tun mussten, um auf die eine oder andere Art zu dem Gotte zu kommen. Was sie erlebten, das war etwas, was man nennen kann intime Seelenvorgänge. Die Seele musste gewisse Dinge erleben. So zum Beispiel musste sie, wenn sie den ersten Schritt gemacht hatte, wenn sie sich in sich vertieft hatte, die inneren Gefühle und Empfindungen so erleben, dass sie lebhafter und intensiver wurden, als sie sonst im Menschen sind. Dadurch wurde dann der Mensch auch gewahr, wie er in einer niederen Natur steckt, die ihn daran hindert, zu den Quellen des Daseins zu kommen. Kurz: Dadurch wurde der Mensch erst gewahr, wie die niedere Natur ein Verlocker ist für den aufwärtsstrebenden Menschen, und dass dasjenige, was den Menschen von den Urgründen des Daseins herabgebracht hat, auch seine eigene niedere Natur geworden ist. Das war die Versuchung, die an jeden Mysterienschüler herantrat. In dem Augenblick, wo der Gott erwachte, wurde der Schüler gewahr, was die niedere Begierdennatur im Menschen ist, was ihm wie eine fremde Wesenheit sagte: Folge nicht den windigen, luftigen Höhen der geistigen Welt, sondern folge den derben materiellen Dingen, die dir nahe liegen! Das musste jeder durchmachen, dass ihm vor Augen trat, wie der gewöhnlichen Anschauung gegenüber unreal alles Geistige ist, und wie verlockend alles Sinnliche ist gegenüber dem geistigen Streben. Auf anderer Stufe tritt uns dann in der Mysterien-Entwicklung entgegen, wie der Schüler diese verlockenden Kräfte überwand und wie er durch Entwicklung der gestärkten Kräfte — Mut, Furchtlosigkeit und so weiter — wieder eine Stufe höher kam. Das alles wurde in bestimmte Vorschriften für den Mysterienschüler gekleidet, und es kann in dem, was die äußeren Schriftsteller gaben, wieder nachgefühlt werden, wie auch in den Methoden der Einweihung, wie sie die Geisteswissenschaft geben kann und wie sie dargestellt sind in dem Buch «Geheimwissenschaft». So gab es verschiedene Methoden: andere für die griechischen Mysterien, andere für die Mithra-Mysterien. Zuletzt erlebte der Schüler die Vereinigung mit dem, was der göttliche Mensch war. Aber die Methoden dafür waren verschieden, und man kann merken, dass in den verschiedensten Gegenden die verschiedensten Einweihungsvorschriften bestanden.
[ 31 ] Das ist es nun, was ich weiter zeigen wollte in meiner Schrift «Das Christentum als mystische Tatsache», dass uns in den Evangelien nichts anderes entgegentritt als eine Erneuerung der alten Einweihungsvorschriften, was die Jünger tun mussten, um zur Vereinigung mit der Gottheit zu kommen. Es hat sich das, was sich äußerlich abgespielt hat, ähnlich dem Gange in den Mysterien abgespielt. So musste die göttliche Wesenheit, die in dem Jesus von Nazareth war, zum Beispiel erleben, nachdem die Mithra-Wesenheit hereingestiegen war, die Versuchung. Wie an den Mysterienschüler der Versucher im Kleinen herangetreten war, so finden wir den Versucher gegenübertreten dem Gotte, der Mensch wird. Was in den Mysterien wahr war, das finden wir wiedergegeben in den Evangelienschriften.
[ 31 ] Das ist es nun, was ich weiter zeigen wollte in meiner Schrift «Das Christentum als mystische Tatsache», dass uns in den Evangelien nichts anderes entgegentritt als eine Erneuerung der alten Einweihungsvorschriften, was die Jünger tun mussten, um zur Vereinigung mit der Gottheit zu kommen. Es hat sich das, was sich äußerlich abgespielt hat, ähnlich dem Gange in den Mysterien abgespielt. So musste die göttliche Wesenheit, die in dem Jesus von Nazareth war, zum Beispiel erleben, nachdem die Mithra-Wesenheit hereingestiegen war, die Versuchung. Wie an den Mysterienschüler der Versucher im Kleinen herangetreten war, so finden wir den Versucher gegenübertreten dem Gotte, der Mensch wird. Was in den Mysterien wahr war, das finden wir wiedergegeben in den Evangelienschriften.
[ 32 ] So sind die Evangelien eine Erneuerung der alten Einweihungsschilderungen, der alten Einweihungsvorschriften, und die Schreiber der Evangelien haben sich gesagt: Weil das, was sich sonst nur in den Tiefen der Mysterien zugetragen hat, sich einmal abgespielt hat auf dem großen Plan der Weltgeschichte, deshalb darf man es mit denselben Worten beschreiben, wie die Einweihungsvorschriften abgefasst sind. Darum sind aber die Evangelien nie gemeint als äußere Biografien des Christus-Trägers. Das ist eben das Missverständnis der modernen Evangelienforschung, dass man eine solche äußere Biografie des Jesus von Nazareth darin suchen will. Zu der Zeit, als die Evangelien entstanden, hat man gar nicht daran gedacht, eine äußere Biografie des Jesus von Nazareth zu geben; man hat in den Evangelien etwas darstellen wollen, was die menschliche Seele dazu hinleiten kann, wirklich die große Seele zu lieben als den Ursprung des Weltendaseins. Dazu waren die Evangelien da: Wege, Schriften zu sein, durch welche die Seele finden konnte den Christus. Und merkwürdigerweise: Wir finden fast bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts ein deutliches Bewusstsein dafür, dass die Evangelien zu solchen Wegen gehören. Bei einzelnen Schriften, die außerordentlich interessant sind, finden wir gesagt, dass die Evangelien, wenn der Mensch sie auf sich wirken lässt, die Seele umformen, sodass der Mensch den Christus finden kann. Tatsächlich erlebten die Menschen so etwas, indem sie die Evangelien auf sich wirken ließen und gar nicht die Frage aufwarfen: Sollen sie eine Biografie des Jesus von Nazareth sein? Meister Eckehart deutet das an, indem er sagt:
[ 32 ] So sind die Evangelien eine Erneuerung der alten Einweihungsschilderungen, der alten Einweihungsvorschriften, und die Schreiber der Evangelien haben sich gesagt: Weil das, was sich sonst nur in den Tiefen der Mysterien zugetragen hat, sich einmal abgespielt hat auf dem großen Plan der Weltgeschichte, deshalb darf man es mit denselben Worten beschreiben, wie die Einweihungsvorschriften abgefasst sind. Darum sind aber die Evangelien nie gemeint als äußere Biografien des Christus-Trägers. Das ist eben das Missverständnis der modernen Evangelienforschung, dass man eine solche äußere Biografie des Jesus von Nazareth darin suchen will. Zu der Zeit, als die Evangelien entstanden, hat man gar nicht daran gedacht, eine äußere Biografie des Jesus von Nazareth zu geben; man hat in den Evangelien etwas darstellen wollen, was die menschliche Seele dazu hinleiten kann, wirklich die große Seele zu lieben als den Ursprung des Weltendaseins. Dazu waren die Evangelien da: Wege, Schriften zu sein, durch welche die Seele finden konnte den Christus. Und merkwürdigerweise: Wir finden fast bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts ein deutliches Bewusstsein dafür, dass die Evangelien zu solchen Wegen gehören. Bei einzelnen Schriften, die außerordentlich interessant sind, finden wir gesagt, dass die Evangelien, wenn der Mensch sie auf sich wirken lässt, die Seele umformen, sodass der Mensch den Christus finden kann. Tatsächlich erlebten die Menschen so etwas, indem sie die Evangelien auf sich wirken ließen und gar nicht die Frage aufwarfen: Sollen sie eine Biografie des Jesus von Nazareth sein? Meister Eckehart deutet das an, indem er sagt:
[ 33 ] Etliche Leute wollen Gott mit den Augen ansehen, als sie eine Kuh ansehen, und wollen Gott lieb haben, als sie eine Kuh lieb haben. Also haben sie Gott lieb, um auswendigen Reichtum und um inwendigen Trost; aber diese Leute haben nicht Gott recht lieb ... Einfältige Leute wähnen, sie sollen Gott ansehen, als stünde er dort und sie hier. So ist es nicht. Gott und ich sind eins im Erkennen.
[ 33 ] Etliche Leute wollen Gott mit den Augen ansehen, als sie eine Kuh ansehen, und wollen Gott lieb haben, als sie eine Kuh lieb haben. Also haben sie Gott lieb, um auswendigen Reichtum und um inwendigen Trost; aber diese Leute haben nicht Gott recht lieb ... Einfältige Leute wähnen, sie sollen Gott ansehen, als stünde er dort und sie hier. So ist es nicht. Gott und ich sind eins im Erkennen.
[ 34 ] Und er sagte an anderer Stelle:
[ 34 ] Und er sagte an anderer Stelle:
[ 35 ] Ein Meister spricht: Gott ist Mensch geworden, davon ist erhöhet und gewürdigt das ganze menschliche Geschlecht. Dessen mögen wir uns freuen, dass Christus, unser Bruder, ist gefahren von eigener Kraft über alle Chöre der Engel und sitzet zur Rechten des Vaters. Dieser Meister hat wohlgesprochen; aber wahrlich, ich gebe nicht viel darum. Was hülfe es mir, hätt’ ich einen Bruder, der da wäre ein reicher Mann, und ich wäre dabei ein armer Mann? Was hülfe es mir, hätte ich einen Bruder, der ein weiser Mann wäre, und ich wäre ein Tor? ... Der himmlische Vater gebiert seinen eingeborenen Sohn in sich und in mir. Warum in sich und in mir? Ich bin eins mit ihm; und er vermag sich nicht auszuschließen. In demselben Werke empfängt der heilige Geist sein Wesen und wird von mir, wie von Gott. Warum? Ich bin in Gott, und nimmt der heilige Geist sein Wesen nicht von mir, nimmt er es auch nicht von Gott. Ich bin auf keine Weise ausgeschlossen.
[ 35 ] Ein Meister spricht: Gott ist Mensch geworden, davon ist erhöhet und gewürdigt das ganze menschliche Geschlecht. Dessen mögen wir uns freuen, dass Christus, unser Bruder, ist gefahren von eigener Kraft über alle Chöre der Engel und sitzet zur Rechten des Vaters. Dieser Meister hat wohlgesprochen; aber wahrlich, ich gebe nicht viel darum. Was hülfe es mir, hätt’ ich einen Bruder, der da wäre ein reicher Mann, und ich wäre dabei ein armer Mann? Was hülfe es mir, hätte ich einen Bruder, der ein weiser Mann wäre, und ich wäre ein Tor? ... Der himmlische Vater gebiert seinen eingeborenen Sohn in sich und in mir. Warum in sich und in mir? Ich bin eins mit ihm; und er vermag sich nicht auszuschließen. In demselben Werke empfängt der heilige Geist sein Wesen und wird von mir, wie von Gott. Warum? Ich bin in Gott, und nimmt der heilige Geist sein Wesen nicht von mir, nimmt er es auch nicht von Gott. Ich bin auf keine Weise ausgeschlossen.
[ 36 ] Darauf kommt es an: dass der Mensch durch mystische Entwicklung, ohne äußere Mysterien, durch eine reine Seelenentwicklung in der weiteren Zeit das erleben kann, was in den alten Zeiten in den Mysterien erlebt worden ist. Das ist aber nur dadurch möglich, dass das Christus-Ereignis da war, dass der Christus in einem physischen Leibe da war. Und wenn es keine Evangelien gäbe, wenn keine Urkunden und Überlieferungen da wären: für den, der den Christus in sich selber erlebt, ist mit dem Durchdringen des inneren Christus — gleich wie für Paulus — zugleich die Gewissheit gegeben, dass zu Beginn unserer Zeitrechnung der Christus in einem physischen Leibe verkörpert war. So ist der Jesus einzig und allein zu finden durch den Christus! Und es kann nie aus den Evangelien herausgeschält werden eine historische Biografie des Jesus von Nazareth; sondern der Mensch muss sich erheben durch richtige Entfaltung seiner Seelenkräfte zu dem Christus — und durch den Christus zu dem Jesus. Dann erst verstehen wir, was die Evangelien gewollt haben, und was verfehlt war in der ganzen Jesus-Forschung des neunzehnten Jahrhunderts. Man hat das Christus-Bild in den Hintergrund treten lassen, um rein äußerlich aus historischen Urkunden einen greifbaren Jesus darzustellen. Man hat die Evangelien verkannt — und daher mussten sich die Methoden der Jesus-Forschung durch sich selber aufheben. So hat sich die Methode der Evangelien-Forschung zerbröckelt, und gerade die Methoden, die das historische Jesus-Bild herausschälen wollten, haben zu einer Vernichtung desselben geführt.
[ 36 ] Darauf kommt es an: dass der Mensch durch mystische Entwicklung, ohne äußere Mysterien, durch eine reine Seelenentwicklung in der weiteren Zeit das erleben kann, was in den alten Zeiten in den Mysterien erlebt worden ist. Das ist aber nur dadurch möglich, dass das Christus-Ereignis da war, dass der Christus in einem physischen Leibe da war. Und wenn es keine Evangelien gäbe, wenn keine Urkunden und Überlieferungen da wären: für den, der den Christus in sich selber erlebt, ist mit dem Durchdringen des inneren Christus — gleich wie für Paulus — zugleich die Gewissheit gegeben, dass zu Beginn unserer Zeitrechnung der Christus in einem physischen Leibe verkörpert war. So ist der Jesus einzig und allein zu finden durch den Christus! Und es kann nie aus den Evangelien herausgeschält werden eine historische Biografie des Jesus von Nazareth; sondern der Mensch muss sich erheben durch richtige Entfaltung seiner Seelenkräfte zu dem Christus — und durch den Christus zu dem Jesus. Dann erst verstehen wir, was die Evangelien gewollt haben, und was verfehlt war in der ganzen Jesus-Forschung des neunzehnten Jahrhunderts. Man hat das Christus-Bild in den Hintergrund treten lassen, um rein äußerlich aus historischen Urkunden einen greifbaren Jesus darzustellen. Man hat die Evangelien verkannt — und daher mussten sich die Methoden der Jesus-Forschung durch sich selber aufheben. So hat sich die Methode der Evangelien-Forschung zerbröckelt, und gerade die Methoden, die das historische Jesus-Bild herausschälen wollten, haben zu einer Vernichtung desselben geführt.
[ 37 ] Damit ist zu gleicher Zeit die Bahn frei geworden für das, was die Geisteswissenschaft will. Sie will zeigen, was seit dem Eintreten des Christus in jedem Menschen an tieferen Kräften liegt, die der Mensch entwickeln kann. Dadurch erlangt dann der Mensch, nicht in der Tiefe von äußerlich veranstalteten Mysterien, sondern im stillen Kämmerlein durch den Anblick dessen, was in Palästina geschehen ist, und durch die Hingabe an dieses Ereignis das, was die Mysterien-Schüler in den Mysterien erlangten, was die Anhänger des Mithra-Dienstes erlangten. Indem der Mensch den Christus in sich erlebt, erlebt er das, wodurch sein Mut und seine Tatkraft wächst, wodurch das Bewusstsein seiner Menschenwürde wächst, dass er weiß, wie er sich im richtigen Sinne in die Menschheit hineinzustellen hat. Und er erlebt zu gleicher Zeit das, was die Anhänger der griechischen Mysterien erleben konnten: die allgemeine Liebe. Denn was im Christentum lebt als die allgemeine Liebe, umfasst alle äußeren Wesenheiten. Und er erlebt zugleich die Furchtlosigkeit und weiß dadurch, dass er niemals Furcht zu haben braucht, nicht zu verzweifeln braucht vor der Welt, und erkennt — freiheitsvoll und zugleich in Demut — die Hingabe an die Geheimnisse des Weltalls.
[ 37 ] Damit ist zu gleicher Zeit die Bahn frei geworden für das, was die Geisteswissenschaft will. Sie will zeigen, was seit dem Eintreten des Christus in jedem Menschen an tieferen Kräften liegt, die der Mensch entwickeln kann. Dadurch erlangt dann der Mensch, nicht in der Tiefe von äußerlich veranstalteten Mysterien, sondern im stillen Kämmerlein durch den Anblick dessen, was in Palästina geschehen ist, und durch die Hingabe an dieses Ereignis das, was die Mysterien-Schüler in den Mysterien erlangten, was die Anhänger des Mithra-Dienstes erlangten. Indem der Mensch den Christus in sich erlebt, erlebt er das, wodurch sein Mut und seine Tatkraft wächst, wodurch das Bewusstsein seiner Menschenwürde wächst, dass er weiß, wie er sich im richtigen Sinne in die Menschheit hineinzustellen hat. Und er erlebt zu gleicher Zeit das, was die Anhänger der griechischen Mysterien erleben konnten: die allgemeine Liebe. Denn was im Christentum lebt als die allgemeine Liebe, umfasst alle äußeren Wesenheiten. Und er erlebt zugleich die Furchtlosigkeit und weiß dadurch, dass er niemals Furcht zu haben braucht, nicht zu verzweifeln braucht vor der Welt, und erkennt — freiheitsvoll und zugleich in Demut — die Hingabe an die Geheimnisse des Weltalls.
[ 38 ] Das ist es, was der Mensch erkennen kann, wenn er sich durchdringt mit dem, was an die Stelle der alten Mysterien getreten ist: das Christentum als eine mystische Tatsache. Und rein durch eine erkenntnismäßige Ausgestaltung dieses Grundgedankens wird für jeden Kenner des Christus der historische Jesus zu einer Tatsache. — Man hat in der abendländischen Philosophie gesagt, der Mensch könnte nie Farben sehen, wenn er nicht Augen hätte, könnte nicht Töne hören, wenn er keine Ohren hätte; finster und stumm wäre dann die Welt für den Menschen. Aber wie es wahr ist, dass ohne Augen keine Farben und ohne Ohren keine Töne wahrgenommen werden können, ebenso wahr ist auch der andere Satz, dass ohne das Licht kein Auge zustande gekommen wäre. Wie der Mensch ohne Augen keine lichtartigen Wahrnehmungen haben könnte, so ist auf der andern Seite richtig, was Goethe sagt:
[ 38 ] Das ist es, was der Mensch erkennen kann, wenn er sich durchdringt mit dem, was an die Stelle der alten Mysterien getreten ist: das Christentum als eine mystische Tatsache. Und rein durch eine erkenntnismäßige Ausgestaltung dieses Grundgedankens wird für jeden Kenner des Christus der historische Jesus zu einer Tatsache. — Man hat in der abendländischen Philosophie gesagt, der Mensch könnte nie Farben sehen, wenn er nicht Augen hätte, könnte nicht Töne hören, wenn er keine Ohren hätte; finster und stumm wäre dann die Welt für den Menschen. Aber wie es wahr ist, dass ohne Augen keine Farben und ohne Ohren keine Töne wahrgenommen werden können, ebenso wahr ist auch der andere Satz, dass ohne das Licht kein Auge zustande gekommen wäre. Wie der Mensch ohne Augen keine lichtartigen Wahrnehmungen haben könnte, so ist auf der andern Seite richtig, was Goethe sagt:
[ 39 ] Wär nicht das Auge sonnenhaft,
Die Sonne könnt es nie erblicken,
[ 39 ] Wär nicht das Auge sonnenhaft,
Die Sonne könnt es nie erblicken,
[ 40 ] oder wenn er an anderer Stelle sagt:
[ 40 ] oder wenn er an anderer Stelle sagt:
[ 41 ] Das Auge ist ein Geschöpf des Lichtes!
[ 41 ] Das Auge ist ein Geschöpf des Lichtes!
[ 42 ] So ist der mystische Christus in uns — der Christus, von dem auch der Hellseher spricht, wie ihn Paulus gesehen hat durch hellseherische Kraft —, in dem Menschen nicht immer gewesen. Er war in den vorchristlichen Zeiten durch keine Mysterienentwicklung zu erreichen, wie er zu erreichen ist nach dem Mysterium von Golgatha. Dass es einen inneren Christus geben kann, dass geboren werden kann der höhere Mensch, dazu war notwendig ein historischer Christus, die Verkörperung des Christus in dem Jesus. Und wenn gar keine Dokumente irgendwie verbürgten eine Biografie des Jesus von Nazareth, so müsste man sich sagen: Wie ein Auge nur entstehen kann durch die Wirkung des Lichtes, so ist notwendig für einen mystischen Christus, dass der wirkliche, der historische Christus da war. Nicht durch äußere Dokumente ist die Jesus-Gestalt zu erkennen. Das hat man lange Zeiten in der abendländischen Entwicklung erkannt und wird es wieder erkennen. Die Geisteswissenschaft wird das, was sie aus ihren Kreisen ziehen kann, so gestalten, dass es zu einer wirklichen Erkenntnis des Christus — und damit auch des Jesus — führen kann. Und während sich ergeben hat, dass eigentlich der Jesus der Welt entfremdet worden ist, dass die Methoden der Jesus-Forschung sich selbst aufgelöst haben, wird die Vertiefung in die Christus-Wesenheit dazu führen, auch die Größe des Jesus von Nazareth wiederzuerkennen.
[ 42 ] So ist der mystische Christus in uns — der Christus, von dem auch der Hellseher spricht, wie ihn Paulus gesehen hat durch hellseherische Kraft —, in dem Menschen nicht immer gewesen. Er war in den vorchristlichen Zeiten durch keine Mysterienentwicklung zu erreichen, wie er zu erreichen ist nach dem Mysterium von Golgatha. Dass es einen inneren Christus geben kann, dass geboren werden kann der höhere Mensch, dazu war notwendig ein historischer Christus, die Verkörperung des Christus in dem Jesus. Und wenn gar keine Dokumente irgendwie verbürgten eine Biografie des Jesus von Nazareth, so müsste man sich sagen: Wie ein Auge nur entstehen kann durch die Wirkung des Lichtes, so ist notwendig für einen mystischen Christus, dass der wirkliche, der historische Christus da war. Nicht durch äußere Dokumente ist die Jesus-Gestalt zu erkennen. Das hat man lange Zeiten in der abendländischen Entwicklung erkannt und wird es wieder erkennen. Die Geisteswissenschaft wird das, was sie aus ihren Kreisen ziehen kann, so gestalten, dass es zu einer wirklichen Erkenntnis des Christus — und damit auch des Jesus — führen kann. Und während sich ergeben hat, dass eigentlich der Jesus der Welt entfremdet worden ist, dass die Methoden der Jesus-Forschung sich selbst aufgelöst haben, wird die Vertiefung in die Christus-Wesenheit dazu führen, auch die Größe des Jesus von Nazareth wiederzuerkennen.
[ 43 ] Der Weg, der so geht, dass der Christus zuerst erkannt wird durch innere Seelenerlebnisse, führt durch das, was aus der menschlichen Seele sich herausentwickelt, wirklich dazu, die mystische Tatsache des Christentums zu verstehen und das Werden der Menschheit so aufzufassen, dass in dasselbe das Christus-Ereignis hereinfallen muss als das bedeutsamste Ereignis der Menschheitsentwicklung. So führt uns der Weg durch den Christus zu dem Jesus. Und die Christus-Idee wird in sich selbst die fruchtbaren Keime tragen, um die Menschheit nicht bloß zu der Auffassung eines allgemeinen, pantheistischen Weltengeistes zu bringen, sondern dazu, dass der Mensch seine eigene Geschichte so auffasst: Wie er seine Erde verbunden fühlt mit allem Weltensein, so wird er seine Geschichte verbunden fühlen mit einem übersinnlichen, übergeschichtlichen Ereignis. Und dieses Ereignis ist, dass das Christuswesen als eine übersinnliche, mystische Tatsache im Mittelpunkte des Menschheitswerdens steht und erkannt werden wird von der Menschheit der Zukunft, unabhängig von aller äußeren historischen Forschung und allen Dokumenten. Der Christus wird der starke Eckstein der Menschheitsentwicklung bleiben, auch wenn zugegeben wird, dass alle Dokumente für eine Jesus-Biografie versagen; und der Mensch wird aus sich die Kräfte holen, seine Geschichte — und damit auch die Geschichte der Weltentwicklung — neu zu gebären.
[ 43 ] Der Weg, der so geht, dass der Christus zuerst erkannt wird durch innere Seelenerlebnisse, führt durch das, was aus der menschlichen Seele sich herausentwickelt, wirklich dazu, die mystische Tatsache des Christentums zu verstehen und das Werden der Menschheit so aufzufassen, dass in dasselbe das Christus-Ereignis hereinfallen muss als das bedeutsamste Ereignis der Menschheitsentwicklung. So führt uns der Weg durch den Christus zu dem Jesus. Und die Christus-Idee wird in sich selbst die fruchtbaren Keime tragen, um die Menschheit nicht bloß zu der Auffassung eines allgemeinen, pantheistischen Weltengeistes zu bringen, sondern dazu, dass der Mensch seine eigene Geschichte so auffasst: Wie er seine Erde verbunden fühlt mit allem Weltensein, so wird er seine Geschichte verbunden fühlen mit einem übersinnlichen, übergeschichtlichen Ereignis. Und dieses Ereignis ist, dass das Christuswesen als eine übersinnliche, mystische Tatsache im Mittelpunkte des Menschheitswerdens steht und erkannt werden wird von der Menschheit der Zukunft, unabhängig von aller äußeren historischen Forschung und allen Dokumenten. Der Christus wird der starke Eckstein der Menschheitsentwicklung bleiben, auch wenn zugegeben wird, dass alle Dokumente für eine Jesus-Biografie versagen; und der Mensch wird aus sich die Kräfte holen, seine Geschichte — und damit auch die Geschichte der Weltentwicklung — neu zu gebären.
