Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

Reincarnation and Karma
GA 135

30 January 1912, Berlin

Translate the original German text into any language:

Zweiter Vortrag

Second Lecture

[ 1 ] Die Betrachtungen, die wir das letzte Mal hier angestellt haben, sie werden so, wie sie damals vorgebracht worden sind, noch für manchen etwas Unverständliches, vielleicht sogar Bedenkliches haben. Aber wenn wir noch auf dieses oder jenes heute eingehen werden, so werden uns die Dinge schon nähertreten können.

[ 1 ] The observations we made here last time may still seem somewhat incomprehensible—or perhaps even troubling—to some, given the way they were presented at the time. But as we delve into this or that topic today, things will begin to make more sense to us.

[ 2 ] Was war es denn eigentlich, was wir uns an dem letzten Zweigabend vor die Seele geführt haben? Es war gewissermaßen etwas Ähnliches für die Gesamtwesenheit des Menschen, wie dasjenige ist, was ein Mensch vollbringt, wenn er zum Beispiel in dieser oder jener Lebenslage ist, in der er sich auf frühere Erfahrungen und Erlebnisse besinnen muß, sich an frühere Erlebnisse oder Erfahrungen erinnern soll. Erinnerung, Gedächtnis sind ja menschliche Seelenerlebnisse, die für das gewöhnliche Bewußtsein im Grunde zunächst nur gekannt werden für das Seelenleben, welches da verläuft zwischen Geburt und Tod, oder genauer gesagt — was wir ja öfter ausgesprochen haben — für einen Zeitraum, der eigentlich erst in den späteren Kindheitsjahren beginnt, bis zum Tode hin. Denn wir wissen, daß wir uns für das gewöhnliche Bewußtsein nur erinnern bis zu einem bestimmten Zeitpunkt unserer Kindheit, und daß wir über dasjenige, was vorangegangen ist, allein durch Eltern oder ältere Verwandte und Bekannte etwas erfahren können. Wenn wir den eben in dieser Art charakterisierten Zeitraum des Menschenlebens ins Auge fassen, so sprechen wir für diesen Zeitraum in bezug auf das Seelenleben von Erinnerung. Es ist hier natürlich nicht möglich, in feinerer Weise einzugehen auf die Bedeutungen der Worte «Erinnerungsvermögen» oder «Gedächtnis»; das ist auch für unsere Zwecke nicht notwendig. Wir müssen uns nur zunächst einmal klar vor die Seele führen, daß zu alledem, was mit diesen Worten bezeichnet wird, eben das Sich-Besinnen auf früher gemachte Erfahrungen oder Erlebnisse gehört. Was wir nun das letzte Mal betrachteten, war gewissermaßen etwas Ähnliches wie dieses Sich-Besinnen; nur sollte diese Ähnlichkeit nunmehr nicht bloß so gelten wie jenes Erinnerungsvermögen, das in unser gewöhnliches Leben hereinfällt, sondern es sollte uns gleichsam als ein höheres, erweitertes Erinnerungsvermögen hinüberführen über die gegenwärtige Inkarnation zu einer Art von Gewißheit, daß wir vor diesem Erdenleben in anderen Erdenleben dagewesen sind. Und wie wir das letzte Mal erwähnt haben, sollte es in bezug auf diesen höheren Prozeß so sein, wie das Sich-Besinnen auf irgend etwas Erlebtes im gewöhnlichen Leben. Wenn wir uns auf der einen Seite einen Menschen vorstellen, der irgend etwas braucht, was er gelernt hat in einer früheren Zeit seines jetzigen Lebens, und der dann seine Seele dazu stimmt, heraufzuholen aus ihren Tiefen, was er da gelernt hat, um es mit dem gegenwärtigen Blick zu verfolgen, wenn wir uns lebhaft diesen Prozeß der Besinnung vormalen, so haben wir in ihm eine solche Verrichtung, die zu unserem gewöhnlichen Erinnerungsvermögen gehört. Was das letzte Mal erwähnt worden ist, sind Verrichtungen der Seele. Aber diese Verrichtungen der Seele sollten dazu führen, daß etwas Ähnliches in unserem Inneren auftritt in bezug auf frühere Erdenleben, wie das, was in bezug auf dieses Erdenleben eintritt in der Seele, wenn wir heraufquellen fühlen in der Erinnerung irgend etwas, was wir früher erlebt haben. Daher dürfen Sie auch nicht das, was das letzte Mal gesagt worden ist, so betrachten, als ob das schon alles wäre, was uns in frühere Erdenieben hineinführen könnte, oder als ob es vor allen Dirigen dasjenige wäre, was nun von vornherein eine richtige Vorstellung hervorrufen könnte von der Art, wie wir in früheren Erdenleben waren. Es ist nur eine Hilfe, so wie das Sich-Besinnen auch eine Hilfe ist, um heraufzuholen, was in die Untergründe des Seelenlebens hinuntergeschwunden ist. Fassen wir kurz zusammen, was wir über solches Sich-Besinnen in bezug auf frühere Erdenleben ins Auge gefaßt haben. Das kann am besten in folgender Weise geschehen.

[ 2 ] What was it, exactly, that we took to heart on that last branch evening? It was, in a sense, something similar for the whole being of the human being to what a person accomplishes when, for example, they find themselves in this or that situation in life where they must reflect on past experiences and events, or are called upon to recall past experiences or events. Memory, after all, is a human soul experience that, for ordinary consciousness, is initially known only in connection with the soul life that unfolds between birth and death, or more precisely—as we have often stated—for a period that actually begins only in the later years of childhood and extends until death. For we know that, for ordinary consciousness, we can only remember up to a certain point in our childhood, and that we can learn about what preceded that solely through parents or older relatives and acquaintances. When we consider the period of human life just characterized in this way, we speak of “memory” in relation to the soul life during this period. It is, of course, not possible here to go into greater detail regarding the meanings of the words “memory” or “recall”; nor is that necessary for our purposes. We need only first make it clear to the soul that everything designated by these words includes precisely the act of recalling past experiences or events. What we considered last time was, in a sense, something similar to this act of recall; only this similarity should now not apply merely as that memory that enters into our ordinary life, but it should lead us, as it were, as a higher, expanded memory beyond the present incarnation to a kind of certainty that we have existed in other earthly lives prior to this one. And as we mentioned last time, with regard to this higher process, it should be like recalling something experienced in ordinary life. If we create a mental image of a person who needs something he has learned at an earlier time in his present life, and who then attunes his soul to bring up from its depths what he learned there, in order to view it with his present perspective—if we vividly picture this process of recollection, we see in it an activity that belongs to our ordinary memory. What was mentioned last time are activities of the soul. But these activities of the soul should lead to something similar occurring within us in relation to past earthly lives, just as what occurs in the soul in relation to this earthly life when we feel something we have experienced earlier welling up in our memory. Therefore, you must not regard what was said last time as if that were already all that could lead us into past earthly lives, or as if it were, above all else, that which could now, from the outset, evoke a correct mental image of the way we were in past earthly lives. It is merely an aid, just as recollection is also an aid for bringing up what has sunk into the depths of the soul’s life. Let us briefly summarize what we have considered regarding such recollection in relation to past lives. This can best be done in the following way.

[ 3 ] Bei einiger Selbsterkenntnis fällt uns in unserem Leben manches auf, wovon wir uns sagen, wir begreifen, daß uns das getroffen hat. Wenn uns irgendein mißliches Ereignis trifft und wir auch nicht ganz einsehen, wieso dieses Ereignis hat kommen müssen, uns aber doch sagen: Du bist eigentlich doch ein recht leichtsinniger Mensch; es ist kein Wunder, daß dir das begegnet ist —, so ist wenigstens etwas wie ein Anklang da an ein Verständnis dafür, daß uns so etwas getroffen hat. Aber es gibt zahlreiche andere Erlebnisse, die hereintreten in das Leben und von denen wir uns durchaus nicht die Vorstellung bilden können, daß sie zusammenhängen mit unseren Seelenkräften und Fähigkeiten. Wir sprechen dann wohl im gewöhnlichen Leben so, daß wir von Zufälligkeiten reden. Von Zufälligkeiten sprechen wir dann, wenn wir nicht einsehen, wie die Dinge, die uns als Schicksalsschläge treffen, mit unserer inneren Seelenstimmung oder sonstigem zusammenhängen. Auch auf andere Erlebnisse ist aufmerksam gemacht worden. Es sind das diejenigen Seelenerlebnisse, bei denen wir gewissermaßen durch das, was wir unser gewöhnliches Ich nennen, uns herausreißen aus irgendeiner Lebenslage, in die wir aber eigentlich hineingestellt sind. Als Beispiel ist angeführt worden, wenn jemand von seinen Eltern oder ihm nahestehenden Menschen zu irgendeinem Berufe oder irgendeiner Lebenslage bestimmt worden ist, er aber sich so fühlt, daß er mit aller Gewalt da heraus und zu etwas anderem will. Wenn wir im späteren Leben auf so etwas zurückblicken, so sagen wir uns: Wir waren hineinversetzt in eine Lebenslage, aber wir haben uns durch unseren Willensimpuls, durch unsere Sympathie und Antipathie daraus herausgerissen. — Also von solchen gleichsam Umwendungen dessen, in das wir hineingestellt sind, ist gesprochen worden.

[ 3 ] With a certain degree of self-awareness, we notice certain things in our lives that make us realize: “This has affected me.” When some unfortunate event befalls us and we don’t quite understand why it had to happen, yet we still tell ourselves: “You are actually quite a reckless person; it’s no wonder that this happened to you”—then there is at least a glimmer of understanding as to why something like this has befallen us. But there are numerous other experiences that enter our lives, and we cannot form a mental image of them as being connected to our soul forces and abilities. In everyday life, we tend to speak of these as coincidences. We speak of coincidences when we fail to see how the events that strike us as blows of fate are connected to our inner soul state or other factors. Attention has also been drawn to other experiences. These are those soul experiences in which we, so to speak, through what we call our ordinary ego, tear ourselves away from a certain life situation into which we have actually been placed. An example given is when someone has been destined by their parents or close relatives for a particular profession or life situation, yet they feel an overwhelming urge to break free from it and pursue something else. When we look back on such things later in life, we say to ourselves: We were placed in a life situation, but we tore ourselves out of it through our impulse of will, through our sympathies and antipathies. — So it is of such, as it were, reversals of that into which we have been placed that has been spoken.

[ 4 ] Es handelt sich nicht darum, daß wir bei so einer Rückerinnerung alles mögliche ins Auge fassen, sondern nur dasjenige, was uns wirklich im Leben einmal nahegetreten ist. Wenn jemand zum Beispiel niemals in sich den Beruf gefühlt hat, oder keine Veranlassung gehabt hat, Seefahrer zu werden, so kommt natürlich ein solcher Willensimpuls durchaus nicht in Betracht für die Erwägungen, die wir das letzte Mal angestellt haben, sondern nur solche, wo wir wirklich eine Art Schicksalswendung herbeigeführt haben; also Lagen des Lebens, bei denen wir gleichsam eine Umwendung des Lebens herbeigeführt haben. Und auch das fassen Sie nicht so auf, als ob durch dieses Sich-Besinnen auf seine früheren Erlebnisse, nach den entwickelten Grundsätzen, etwa eintreten sollte ein reuiges Zurückkehren; so daß, wenn wir uns im späteren Leben an dergleichen erinnern und zu der Erkenntnis kommen, wir haben uns da herausgerissen, wir nun reuig zurückkehren und uns wieder hineinstellen sollten, in was wir dazumal hineingestellt waren und nicht drinnen geblieben sind. Nicht um praktische Konsequenzen handelt es sich, sondern um das Sich-Besinnen, wo solche Wendungen eingetreten sind. Und dann handelt es sich darum, daß wir in energischster Weise solchen Dingen gegenüber, wovon wir sagen: Es trat zufällig an uns heran —, und: Wir waren hineingestellt, haben uns aber herausgerissen —, folgendes innere Erlebnis herbeiführen.

[ 4 ] The point is not that we should consider every possible thing when recalling such memories, but only those things that have truly affected us at some point in our lives. If, for example, someone has never felt a calling within themselves, or had no reason to become a sailor, then such a volitional impulse naturally does not come into consideration at all for the reflections we made last time, but only those where we have truly brought about a kind of turning point in our destiny; that is, situations in life in which we have, as it were, brought about a reversal of our life’s course. And do not take this to mean that, according to the principles we have developed, this reflection on one’s past experiences should lead to a repentant return; so that, when we recall such things later in life and come to the realization that we have torn ourselves away from them, we should now return in repentance and place ourselves once again in what we were placed in at the time and did not remain in. It is not a matter of practical consequences, but of reflecting on where such turns of events have occurred. And then it is a matter of bringing about, in the most energetic way, the following inner experience in relation to such things of which we say: “It happened to come upon us”—and: “We were placed within it, but we broke free”—

[ 5 ] Wir sagen uns: Ich stelle mir vor, daß das, was ich damals nicht gewollt habe, aus dem ich mich herausgerissen habe, ein solches gewesen wäre, in das ich mich mit dem stärksten Willensimpuls hineingestellt habe. Also das, was einem antipathisch war — und weil es einem antiipathisch war, deshalb hat man sich herausgerissen —, das stelle man sich so vor die Seele, daß man sich sagt: Ich will mich probeweise der Vorstellung hingeben, daß ich das mit aller Gewalt gewollt habe, und ich will mir das Bild eines Menschen vor die Seele stellen, der so etwas mit aller Gewalt gewollt hätte. — Und von denjenigen Dingen, von denen wir gesagt haben, sie seien Zufälligkeiten, stellen wir uns auch vor, probeweise, wir hätten sie herbeigeführt. Nehmen wir an, es sei uns nur einmal die Erinnerung nahegetreten, da oder dort wäre uns ein Mauerstein auf die Schulter gefallen und hätte uns recht weh getan. Da wollen wir uns der Vorstellung hingeben: wir wären auf das Dach hinaufgestiegen, hätten dort den Mauerstein gelockert, so daß er im nächsten Augenblick herunterfallen muß, und dann wären wir schnell hinuntergerannt, so daß der Stein dann auf uns herunterfallen mußte. Es handelt sich hierbei nicht darum, daß es groteske Vorstellungen sind, sondern um das, was wir damit erreichen wollen.

[ 5 ] We tell ourselves: I create a mental image of what I did not want back then, from which I tore myself away, as something into which I would have thrown myself with the strongest impulse of will. So, what was repulsive to us—and because it was repulsive, we tore ourselves away from it—we should picture it in our minds in such a way that we say to ourselves: I want to try, as an experiment, to surrender to the mental image that I wanted that with all my might, and I want to picture in my mind a person who would have wanted such a thing with all their might. — And regarding those things we have said are mere coincidences, let us also create a mental image, just for the sake of argument, of us bringing them about. Let us suppose that the memory has only once occurred to us: here or there a brick might have fallen on our shoulder and caused us quite a bit of pain. Let us indulge in the mental image: we would have climbed up onto the roof, loosened the brick there so that it would have to fall down the next moment, and then we would have run down quickly so that the brick would then have to fall on us. The point here is not that these are grotesque mental images, but rather what we hope to achieve with them.

[ 6 ] Nun versetzen wir uns so recht in die Seele eines Menschen, von dem wir so ein Bild konstruiert haben, als ob der alles das gewollt hätte, was uns nur «zufällig» getroffen hat, und alles dasgewünschthhätte, aus dem wir uns herausgerissen haben. Nur erfolgt in der Seele nichts, wenn man eine solche Übung zwei-, drei-, viermal macht, aber sehr viel erfolgt, wenn man das in Anknüpfung an die zahlreichsten Erlebnisse macht, die man finden wird, wenn man sie sucht. Wenn man dies immer wieder und wieder macht und es sich recht lebendig vorstellt, wenn man sich geradezu einen Menschen imaginiert, der das alles gewollt hätte, was wir nicht gewollt haben, dann wird man die Erfahrung machen, daß dieses Menschenbild, das man sich da vor die Seele gerufen hat, uns nicht mehr losläßt, daß es einen ganz merkwürdigen Eindruck auf uns macht, als wenn es tatsächlich etwas wäre, das mit uns etwas zu tun hätte. Wenn man sich auf solche Art etwas Feinheit aneignet in bezug auf eine derartige Selbstprüfung, dann wird man bald dazu kommen, die Ähnlichkeit herauszufinden, welche besteht zwischen einer solchen Stimmung und einem solchen Bilde, das man da konstruiert hat, und einer solchen Vorstellung, die man heraufgerufen hat aus dem Gedächtnis, bei der man spürt, wie sie da kommt als eine Erinnerungsvorstellung. Der Unterschied ist nur der, daß man bei dem gewöhnlichen Gedächtnisvorgang, bei dem man eine solche Vorstellung aus der Seele heraufschafft, es vorzugsweise zu tun hat mit Vorstellungen; dagegen ist das, was in unserer Seele lebendig wird, wenn wir jene Übungen machen, von denen gesprochen worden ist, etwas Gefühlsartiges, etwas, was mehr mit unseren Seelenstimmungen zusammenhängt, weniger mit unseren Vorstellungen. Wir fühlen uns in einer sonderbaren Weise gegenüber diesem Bilde. Auf das Bild kommt es weniger an; aber die Gefühle, die wir haben, machen einen den Erinnerungsvorstellungen ähnlichen Eindruck. Und wenn wir dann so etwas wiederholen und immer wieder und wieder wiederholen, dann ergibt sich erfahrungsgemäß, ganz wie durch eine innere Selbstverständlichkeit die Erkenntnis, könnte man sagen, daß das Bild, das man sich da konstruiert hat, etwas wird, so wie eine Erinnerungsvorstellung auch immer klarer und klarer wird, während sie zuerst, wenn man sich willkürlich besinnt, dunkel heraufgeholt wird aus den Seelentiefen. Also nicht darum handelt es sich, was man da vorstellt, sondern daß sich das verwandelt, was man da vorstellt, daß es etwas anderes wird. Es geht so ein Prozeß vor, wie wenn jemand sich auf einen Namen besinnen will, und er druckst und druckst und hat einen Anklang, und er sagt dann: Nuß — baumer —, aber er hat dann ein Gefühl, daß das doch nicht stimmt, und dann gesellt sich durch Gründe, die er selbst nicht übersehen kann, der richtige Name, vielleicht: Nußdörfer — hinzu. So wie sich hier die Namen «Nußbaumer» und «Nußdörfer» gegenseitig konstruieren, so wird sich auch das Bild zurechtrücken, wird sich ändern, und demgegenüber tritt das Gefühl auf: Du hast da etwas erlangt, was in dir steckt, und was durch die Art, wie es in dir steckt und sich verhält zu deinem ganzen übrigen Gemütsleben, dir deutlich zeigt: so können diese Dinge nicht in dir gewesen sein in der jetzigen Inkarnation! Dadurch ergibt sich dann mit einer großen inneren Deutlichkeit, daß so etwas, wie es da in uns steckt, zurückliegt. Wir müssen jetzt nur begreifen, daß wir es hier mit einer Art von Erinnerungsvermögen zu tun haben, das ausgebildet werden kann in der menschlichen Seele; ein Erinnerungsvermögen, das man dem gewöhnlichen Erinnerungsvermögen gegenüber mit einem anderen Namen bezeichnen muß. Das gewöhnliche Erinnerungsvermögen könnte man bezeichnen mit dem Worte «Vorstellungserinnerung»; aber dieses Erinnerungsvermögen, das jetzt in Frage kommt, müßte man eigentlich als eine Art von «Gefühls- und Empfindungserinnerung» bezeichnen. Daß dies eine gewisse Berechtigung hat, kann Ihnen aus folgenden Erwägungen hervorgehen.

[ 6 ] Now let us truly put ourselves in the mind of a person of whom we have constructed such an image, as if they had intended everything that has merely “happened” to us, and had desired everything from which we have torn ourselves away. However, nothing happens in the soul if one performs such an exercise two, three, or four times, but a great deal happens if one does so in connection with the countless experiences one will find if one seeks them out. If one does this again and again and creates a quite vivid mental image of a person who would have wanted everything that we did not want, then one will find that this image of a person, which one has summoned before one’s soul, will not let us go, that it makes a very strange impression on us, as if it were actually something that has something to do with us. If one acquires a certain subtlety in this way with regard to such self-examination, one will soon come to discern the similarity that exists between such a mood and such an image that one has constructed there, and such a mental image that one has summoned from memory, in which one senses how it arises as a recollection. The difference is only that in the ordinary process of memory, in which one brings such a mental image up from the soul, one is dealing primarily with mental images; whereas what comes alive in our soul when we perform the exercises mentioned is something akin to a feeling, something more connected to our moods than to our images. We feel a strange connection to this image. The image itself matters less; but the feelings we have make an impression similar to that of memory images. And when we then repeat something like this again and again and again, experience shows that—as if by some inner self-evidence—the realization arises, one might say, that the image one has constructed there becomes something, just as a memory image also becomes clearer and clearer, whereas at first, when one recalls it arbitrarily, it is brought up dimly from the depths of the soul. So it is not a matter of what one imagines there, but that the mental image is transformed, that it becomes something else. A process takes place similar to when someone tries to recall a name, and they hesitate and hesitate and have a vague sense of it, and then they say: Nuss—baumer—, but they then have a feeling that it isn’t quite right, and then, for reasons they themselves cannot fathom, the correct name—perhaps: Nussdörfer—joins in. Just as the names “Nußbaumer” and “Nußdörfer” construct each other here, so too will the image adjust itself, will change, and in contrast to this, the feeling arises: You have attained something there that lies within you, and which, through the way it lies within you and relates to the rest of your emotional life, clearly shows you: these things cannot have been within you in this present incarnation! From this it then becomes clear with great inner clarity that something like what lies within us lies in the past. We must now only grasp that we are dealing here with a kind of memory that can be developed in the human soul; a memory that must be designated by a different name in contrast to ordinary memory. Ordinary memory could be described as “conceptual memory”; but this type of memory we are now considering should actually be called a kind of “emotional and sensory memory.” That this has a certain validity can be seen from the following considerations.

[ 7 ] Bedenken Sie, daß tatsächlich unser gewöhnliches Gedächtnis, unser gewöhnliches Erinnerungsvermögen eine Art Vorstellungserinnerung gibt. Besinnen Sie sich nur einmal darauf, wie irgendein besonders schmerzliches Ereignis, das Sie vielleicht vor zwanzig Jahren ganz niedergedrückt hat, herauftaucht in der Erinnerung, Vielleicht malt sich Ihnen dieses Ereignis mit allen Einzelheiten bildlich ab, aber den Schmerz, den Sie damals durchgemacht haben, fühlen Sie in der Erinnerung nicht mehr in der entsprechenden Weise; der ist in einer gewissen Weise aus der Erinnerungsvorstellung getilgt. Selbstverständlich gibt es da verschiedene Grade, und es kann ja vorkommen, daß einen Menschen etwas so getroffen hat, daß immer wieder und wieder neuer und heftiger Schmerz auftritt, wenn er sich an das Erlebte erinnert. Aber der allgemeine Satz, der jetzt ausgesprochen ist, gilt dennoch, so daß wir daraus erkennen, daß für die gegenwärtige Inkarnation unser Erinnerungsvermögen ein Vorstellungserinnern ist, während die erlebten Gefühle oder selbst Willensimpulse nicht mit derselben Intensität wieder auftauchen in der Seele, jedenfalls nicht so, daß sie sich mit der ursprünglichen vergleichen ließe. Sie brauchen sich nur ein charakteristisches Beispiel zu vergegenwärtigen und Sie werden sehen, wie groß der Unterschied ist zwischen der Vorstellung, die in der Erinnerung auftaucht, und dem, was übriggeblieben ist im gewöhnlichen Leben in der gegenwärtigen Inkarnation von den durchgemachten Gefühlen und Willensimpulsen. Sie brauchen nur an so etwas zu denken wie an einen Menschen, der seine Memoiren schreibt. Nehmen wir zum Beispiel an, Bismarck wäre beim Schreiben seiner Memoiren bis an den Punkt gekommen, wo er den Deutsch-Österreichischen Krieg vom Jahre 1866 vorbereitet hat, und stellen Sie sich vor, was in Bismarcks Seele vorgegangen sein mag an jenem unendlich kritischen Punkt, wo er gegen eine Welt von Vorurteilen und gegen eine Welt von Willensimpulsen die Ereignisse gelenkt und geleitet hat. Und nun stellen Sie sich nicht mehr vor, wie das alles damals in Bismarcks Seele gelebt hat, sondern daß alles, was er dazumal unmittelbar unter dem Eindruck der Ereignisse erlebt hat, hinuntergesunken ist in die Tiefen der Seele, und denken Sie an die Verblaßtheit, die eingetreten sein muß gegenüber den Gefühlen und Willensimpulsen, die vorhanden waren, als er die Sache ausführte, im Vergleich zu der Zeit, als er seine Memoiren niedergeschrieben hat. Kein Mensch wird sich darüber unklar sein, welcher Unterschied besteht zwischen dem Vorstellungsmäßigen der Sache und demjenigen, was den Gefühlen und Willensimpulsen angehört.

[ 7 ] Consider that, in fact, our ordinary memory—our ordinary capacity for recollection—provides a kind of imaginative memory. Just think for a moment about how some particularly painful event that may have deeply distressed you twenty years ago resurfaces in your memory. Perhaps this event plays out vividly in your mind with all its details, but you no longer feel the pain you experienced back then in the same way; in a certain sense, it has been erased from the mental image of the memory. Of course, there are varying degrees, and it can happen that something has affected a person so deeply that new and more intense pain arises again and again whenever they recall the experience. But the general statement just made still holds true, so that we can see that, for the present incarnation, our memory is a mental recollection, while the feelings experienced or even the impulses of the will do not reappear in the soul with the same intensity—at least not in a way that could be compared to the original. You need only bring to mind a characteristic example, and you will see how great the difference is between the mental image that arises in memory and what remains in ordinary life in the present incarnation of the feelings and impulses of the will that were experienced. You need only think of something like a person writing his memoirs. Let us suppose, for example, that Bismarck had reached the point in writing his memoirs where he was preparing for the Austro-Prussian War of 1866, and imagine what might have been going on in Bismarck’s soul at that infinitely critical juncture, when he steered and guided events against a world of prejudices and against a world of impulses of will. And now do not form a mental image of how all of this lived in Bismarck’s soul back then, but rather that everything he experienced at the time under the immediate impression of events has sunk into the depths of his soul, and think of the fading that must have occurred in the feelings and impulses of the will that were present when he carried out the matter, compared to the time when he wrote down his memoirs. No one will be unclear about the difference between the conceptual aspect of the matter and that which belongs to the feelings and impulses of the will.

[ 8 ] Wer nun schon ein wenig an Anthroposophisches herangekommen ist, der wird auch begreifen, wenn gesagt wird, was hier von anderen Gesichtspunkten aus schon öfter gesagt worden ist; daß unser Vorstellen, also unser gedächtnismäßiges Vorstellen, dasjenige in unserem Seelenleben ist, was, wenn es angeregt ist von außen durch die äußere Welt, in der wir hier im physischen Leibe leben, eigentlich auch nur seine Bedeutung hat für diese einzelne Inkarnation. Wir haben immer aus den anthroposophischen Grundsätzen heraus die große Wahrheit angeführt, daß wir von allen Vorstellungen, von allen Begriffen, die wir uns aneignen, indem wir dieses oder jenes sinnlich wahrnehmen, dieses oder jenes im Leben zu fürchten oder zu hoffen haben — das heißt also jetzt nicht mit Bezug auf die Gemütsimpulse, sondern auf die Vorstellungen —, daß dies alles, was wir im Vorstellungsleben haben, sehr bald verschwunden ist, wenn wir durch die Pforte des Todes gegangen sind. Denn die Vorstellungen gehören zu dem, was verfließt im physischen Leben, gehören zu dem, was am wenigsten bleibt. Aber es kann jemand leicht begreifen, der überhaupt schon von irgendeiner Seite her eingegangen ist auf die Gesetze von Reinkarnation und Karma — ich habe es auch hier schon erwähnt —, daß unsere Vorstellungen, insoweit wir sie uns aneignen im Leben, das im Verhältnis zur Außenwelt oder zu den Dingen des physischen Planes verfließt, in der Sprache zum Ausdruck kommen, und daß wir uns daher das Sprechen verbunden denken können in einer gewissen Weise mit dem Vorstellungsleben. Nun weiß jeder, daß er das Sprechen irgendeiner Sprache lernen muß in der einzelnen Inkarnation. Denn während es ganz klar ist, daß eine ganze Anzahl von Gymnasiasten der Gegenwart inkarniert war im alten Griechenland, wird keinem das Griechischlernen dadurch leichter gemacht, daß er sich erinnern kann, wie er das Griechisch in seiner früheren Inkarnation gesprochen hat. Die Sprache ist durchaus ein Ausdruck des Vorstellungslebens, und das Schicksal der Sprache ist ein ähnliches wie das Schicksal des Vorstellungslebens; so daß die Vorstellungen, wie sie in uns leben mit Bezug auf die physische Welt und selbst die Vorstellungen, die wir gewinnen müssen über die höheren Welten, in einer gewissen Weise immer gefärbt sind von den Eindrücken der physischen Welt. Nur wenn wir hindurchsehen können durch diese Einkleidung, sehen wir, was die Vorstellungen mitteilen können über die höheren Welten. Aber, was wir hier in der physischen Welt an unmittelbaren Vorstellungen gewinnen können, das ist auch an das Leben zwischen Geburt und Tod in einer gewissen Weise gebunden. Nach dem Tode bilden wir uns nämlich nicht Vorstellungen in der Art, wie wir sie uns hier bilden, sondern da sehen wir die Vorstellungen; da sind sie unsere Wahrnehmungen, da sind sie so vorhanden, wie in der physischen Welt Farben oder Töne vorhanden sind. Während in der physischen Welt das, was sich der Mensch durch die Vorstellungen vergegenwärtigt, eigentlich nur mit dem physischen Material ausgedrückt mitgenommen wird, was leicht übersehen werden kann, haben wir im entkörperten Zustande Vorstellungen so vor uns, wie wir Farben oder Töne hier vor uns haben*. Rot oder Blau kann der Mensch allerdings nicht sehen, wie er sie hier mit den physischen Augen sieht; aber, was er hier nicht sieht, worüber er sich hier Vorstellungen bildet, das ist dann für ihn so da, wie Rot oder Grün oder irgendein Ton hier. Während in der physischen Welt das, was wir rein vorstellungsmäßig — oder besser gesagt begriffsmäßig im Sinne der «Philosophie der Freiheit» — kennenlernen, nur durch den Schleier des Vorstellungslebens gesehen werden kann, liegt es für die entkörperte Seele so da, wie die physische Welt für das gewöhnliche Bewußtsein.

[ 8 ] Anyone who has already gained some familiarity with anthroposophy will also understand when it is said—as has often been said here from other perspectives— that our mental images—that is, our memory-based mental images—are that aspect of our soul life which, when stimulated from the outside by the external world in which we live here in the physical body, actually have significance only for this particular incarnation. We have always cited, based on anthroposophical principles, the great truth that of all the mental images, of all the concepts we acquire by perceiving this or that through our senses, of this or that we have to fear or hope for in life — that is to say, not with regard to emotional impulses, but to mental images — that all this, everything we have in our life of mental images, will very soon have vanished once we have passed through the gate of death. For mental images belong to that which flows away in physical life; they belong to that which remains the least. But anyone who has already considered the laws of reincarnation and karma from any angle at all—I have mentioned this here as well—can easily understand that our mental images, insofar as we acquire them in life, which flows away in relation to the external world or to the things of the physical plane, are expressed in language, and that we can therefore think of speech as connected in a certain way with the life of the imagination. Now everyone knows that one must learn to speak a particular language in each individual incarnation. For while it is quite clear that a whole number of present-day college students were incarnated in ancient Greece, learning Greek is not made any easier for anyone by the fact that they can remember how they spoke Greek in their previous incarnation. Language is indeed an expression of the life of imagination, and the fate of language is similar to that of the life of imagination; so that the mental images that live within us in relation to the physical world—and even the mental images we must gain regarding the higher worlds—are in a certain sense always colored by the impressions of the physical world. Only when we can see through this outer covering do we see what the mental images can reveal about the higher worlds. But what we can gain here in the physical world in the form of immediate mental images is also, in a certain way, bound to the life between birth and death. For after death we do not form mental images in the way we form them here, but rather we see the mental images; there they are our perceptions; there they are present just as colors or sounds are present in the physical world. Whereas in the physical world what a person brings to mind through mental images is actually taken along only in the form of physical matter—a fact that is easily overlooked—in the disembodied state we have mental images before us just as we have colors or sounds before us here*. Of course, a person cannot see red or blue as they see them here with their physical eyes; but what they do not see here, about which they form mental images here, is then present to them just as red or green or any sound is here. Whereas in the physical world, what we come to know purely through imagination—or rather, conceptually in the sense of the *Philosophy of Freedom*—can only be seen through the veil of the life of the imagination, for the disembodied soul it is present just as the physical world is for ordinary consciousness.

[ 9 ] In der physischen Welt gibt es Menschen, welche das, was der sinnliche Eindruck gibt, eigentlich für alles halten. Und was man sich nur durch einen Begriff klarmachen kann, wie zum Beispiel die Art und Weise, wie alles, was die Sinne geben können, umfaßt wird, sagen wir vom Begriff «Lamm», oder wie es umfaßt wird vom Begriff «Wolf», dasjenige also, was aufdröselt das Materielle, das kann von denen, die nur die sinnlichen Eindrücke gelten lassen wollen, sogar geleugnet werden. Wir können sagen: Der Mensch kann sich in seinen Vorstellungen ein Bild machen über alles, was er am Lamm sieht, und kann sich ebenfalls ein Bild machen über alles, was er am Wolf sieht. Nun versucht eine gewöhnliche Anschauung dem Menschen zu suggerieren, daß das, was da begriffsmäßig gebildet werden kann, nur als «bloßer Begriff» anzuschlagen ist. Aber wenn wir zum Beispiel einen Wolf einsperren würden und ihn längere Zeit hindurch mit lauter Lämmern fütterten, so daß, wenn er früher etwas anderes gefressen hat, dies als Materie jetzt draußen ist, und er angefüllt ist mit lauter Lamm-Materie, so wird doch kein Mensch sich dem Glauben hingeben können, daß der Wolf dadurch ein Lamm geworden sei. Daher werden wir sagen müssen: Da ist es handgreiflich, daß das, was aufdröselt den Sinneseindruck, der Begriff, ein Wirkliches ist. Doch es wird nicht geleugnet: das, was den Begriff bilder, das stirbt. Aber, was im Wolf lebt, was im Lamm lebt, was da drinnen ist, was nicht gesehen werden kann mit physischen Augen, das wird gesehen, wahrgenommen im Leben zwischen Tod und neuer Geburt.

[ 9 ] In the physical world, there are people who actually consider what the senses perceive to be everything. And what can only be made clear through a concept—such as the way in which everything the senses can provide is encompassed, say, by the concept of “lamb,” or how it is encompassed by the concept of “wolf”—that is, what unravels the material—can even be denied by those who wish to accept only sensory impressions. We can say: A person can form a mental image in their imagination of everything they see in a lamb, and can likewise form a mental image of everything they see in a wolf. Now, a common view tries to suggest to people that what can be formed conceptually is to be regarded merely as a “mere concept.” But if, for example, we were to lock up a wolf and feed it nothing but lambs for a long time, so that whatever else it may have eaten before is now gone, and it is filled with nothing but lamb matter, no one would be able to believe that the wolf has thereby become a lamb. Therefore, we must say: It is evident that what unravels the sensory impression—the concept—is a reality. Yet it is not denied: that which forms the concept dies. But what lives in the wolf, what lives in the lamb, what is inside there, what cannot be seen with physical eyes—that is seen, perceived in the life between death and new birth.

[ 10 ] Wenn also gesagt wird, daß die Vorstellungen gebunden sind an den physischen Leib, so darf niemand daraus den Satz ableiten, daß der Mensch ohne Vorstellungen oder, besser gesagt, ohne den Inhalt der Vorstellungen wäre im Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Nur das, was die Vorstellungen ausarbeitet, das verschwindet. Was wir als unser Vorstellungsleben haben, das hat also, wie wir es hier in der physischen Welt erleben, auch nur eine Bedeutung für das Leben in dieser Inkarnation. Und ich habe auch schon angeführt, daß in Anknüpfung an das Bewußtsein, daß dieses für die sinnliche Welt in einer Inkarnation..geltende Vorstellungsleben nur für diese gilt, Friedrich Hebbel einmal einen netten Plan zu einem Drama in seinem Tagebuch entworfen hat. Er hatte die Idee, daß der wiederverkörperte Plato in einer Gymnasialklasse wäre und auf den Lehrer bestimmt den schlechtesten Eindruck machen würde und am meisten schlechte Zensuren bekommen könnte, weil er den Plato gar nicht versteht! Das ist auch ein Hinweis darauf, wie das Gedankengebäude des Plato, das gedankenmäßig in ihm gelebt hat, eben nicht in dieser Form hinüberlebt in die nächste Inkarnation.

[ 10 ] So when it is said that mental images are bound to the physical body, no one should conclude from this that a person would be without mental images—or, rather, without the content of those mental images—in the life between death and a new birth. Only that which the mental images give form to disappears. What we have as our life of imagination, as we experience it here in the physical world, therefore has significance only for life in this incarnation. And I have also already mentioned that, in connection with the realization that this life of imagination—which applies to the sensory world in an incarnation—is valid only for that incarnation, Friedrich Hebbel once sketched out a nice plan for a drama in his diary. He had the idea that Plato, reincarnated, would be in a high school class and would certainly make the worst impression on the teacher and receive the worst grades, because the teacher doesn’t understand Plato at all! This is also an indication of how Plato’s intellectual edifice, which lived within him as thought, does not carry over in this form into the next incarnation.

[ 11 ] Um über diese Dinge vernünftige Gedanken zu bekommen, muß man das Seelenleben des Menschen von einem gewissen Gesichtspunkt aus betrachten. Da muß man sich fragen: Was tragen wir für einen Inhalt in unserem Seelenleben mit uns herum?

[ 11 ] To form a reasonable understanding of these matters, one must view the inner life of the human being from a certain perspective. One must ask oneself: What kind of content do we carry within our inner lives?

[ 12 ] Das erste sind unsere Vorstellungen. Daß diese Vorstellungen, zusammengedrängt mit Gefühlen, zu Willensimpulsen führen können, das hindert nicht, daß wir von einem besonderen Vorstellungsleben in unserer Seele sprechen können. Denn wenn es auch Menschen gibt, die sich kaum halten können, möchte man sagen, bei einer reinen, bloßen Vorstellung, die, wenn sie sich etwas vorstellen, mächtig in Sympathie oder Antipathie aufflammen, also gleich zu anderen Seelenimpulsen übergehen, so hindert das doch nicht, daß das Vorstellungsleben abgetrennt werden kann von anderen Seeleninhalten.

[ 12 ] The first of these are our mental images. The fact that these mental images, combined with feelings, can lead to impulses of the will does not prevent us from speaking of a distinct life of mental images within our soul. For even if there are people who, one might say, can barely contain themselves at the mere mental image of something—who, when they imagine something, are powerfully stirred by sympathy or antipathy, thus immediately transitioning to other soul impulses—this does not prevent the life of imagination from being separated from other contents of the soul.

[ 13 ] Das zweite, was wir in unserem Seelenleben herumtragen, sind die Gefühlserlebnisse. Diese treten ja in einer recht vielgestaltigen Weise in uns auf. Da ist der alibekannte Gegensatz im Gefühlsleben, den man bezeichnen kann mit Sympathie und Antipathie, die wir den Dingen entgegenbringen, oder wenn man es deutlicher bezeichnen will: Liebe und Haß. Dann sind da die Gefühle, die man bezeichnen kann als die, welche eine gewisse Erregung bewirken, und wieder die, welche eine gewisse Spannung und Entspannung bewirken. Die lassen sich nicht zusammenwerfen mit den Gefühlen der Sympathie und der Antipathie. Denn ein Seelenimpuls, den man eine Spannung, eine Erregung und eine Entspannung nennen kann, ist etwas anderes als das, was sich bloß in Sympathie oder Antipathie auslebt. Aber man müßte viel reden, wenn man die verschiedenen Gattungen der Gefühlsinhalte charakterisieren wollte. Es gehören auch dazu die, welche man bezeichnen kann als die Gefühle für das Schöne und für das Häßliche, die als ein ganz besonderer Seeleninhalt sich ausnehmen, die sich nicht vergleichen lassen mit den bloßen Sympathie- und Antipathiegefühlen, wenigstens sich nicht mit ihnen zusammenwerfen lassen. Dann auch könnten wir die Gefühle, die wir haben für Gut und Böse, als eine besondere Gattung bezeichnen. Es ist heute nicht die Zeit, um auszuführen, wie das innere Erlebnis, das wir an einer guten oder einer bösen Handlung haben, etwas ganz anderes ist als das Gefühl der Sympathie oder Antipathie für eine gute oder böse Handlung, daß wir die gute Handlung lieben, die böse hassen. So treten uns die Gefühle in der mannigfaltigsten Gestalt entgegen, und wir können sie unterscheiden von den Vorstellungen.

[ 13 ] The second thing we carry around in our inner life is our emotional experiences. These arise within us in a wide variety of ways. There is the well-known contrast in emotional life that can be described as sympathy and antipathy, which we feel toward things, or, to put it more clearly: love and hate. Then there are the feelings that can be described as those that cause a certain arousal, and again those that cause a certain tension and relaxation. These cannot be lumped together with the feelings of sympathy and antipathy. For a psychological impulse that can be called tension, excitement, and relaxation is something different from what is merely expressed in sympathy or antipathy. But one would have to speak at length if one wanted to characterize the various types of emotional content. This also includes those that can be described as feelings for the beautiful and for the ugly, which stand out as a very special kind of emotional content, which cannot be compared to mere feelings of sympathy and antipathy, or at least cannot be lumped together with them. Then, too, we could describe the feelings we have for good and evil as a special category. This is not the time to explain how the inner experience we have of a good or evil act is something entirely different from the feeling of sympathy or antipathy toward a good or evil act—that we love the good act and hate the evil one. Thus, feelings present themselves to us in the most varied forms, and we can distinguish them from mental images.

[ 14 ] Eine dritte Art von Seelenerlebnissen sind die Willensimpulse, das Willensleben. Das darf wieder nicht zusammengeworfen werden mit dem, was wir Gefühlserlebnisse nennen können, was innerhalb unseres Seelenlebens beschlossen bleiben muß oder kann durch die Art, wie wir es erleben. Zu einem Willensimpuls gehört, daß sich in der Seele ausdrückt: Du sollst dies tun, du sollst jenes nicht tun. — Denn man sollte unterscheiden lernen zwischen dem bloßen Gefühl, das man hat von dem, was einem an sich selber oder an einem anderen als gut oder böse erscheint, und dem, was mehr als dieses Gefühl in der Seele auftritt, wenn wir gedrängt werden, das Gute zu tun, das Böse zu lassen. Die Beurteilung kann beim Gefühl stehenbleiben; aber etwas anderes sind die Willensimpulse. Und obwohl Übergänge sind zwischen dem Gefühlsleben und den Willensimpulsen, sollte man schon aus Gründen der gewöhnlichen Lebensbeobachtung diese nicht ohne weiteres zusammenwerfen. Im menschlichen Leben sind überall Übergänge. Wie es Menschen gibt, die zu gar keiner reinen Vorstellung kommen, sondern immer gleich zum Ausdruck bringen, was sie lieben oder hassen, die immer hin- und hergeworfen werden, weil sie ihre Gefühle nicht absondern können von ihren Vorstellungen, so gibt es auch andere, die, wenn sie etwas sehen, gar nicht davon ablassen können, zu etwas überzugehen, was einem Willensimpuls entspricht, zu einer Handlung, auch wenn diese Handlung gar nicht berechtigt ist. Das führt wieder zu nichts Gutem; das tritt dann als Stehlsucht, als Kleptomanie und so weiter auf. Da ist kein geordnetes Verhältnis zwischen den Gefühlen und den Willensimpulsen. Aber in Wahrheit sind diese Dinge in der strengsten Weise zu unterscheiden. So leben wir in unserem Seelenleben innerhalb der Vorstellungen, innerhalb der Gefühlserlebnisse und innerhalb der Willensimpulse. Wir haben solche Betrachtungen schon öfter angestellt; man kann ohne sie, wenn man den gesamten Menschen ins Auge fassen will, nicht auskommen.

[ 14 ] A third type of soul experience consists of volitional impulses, the life of the will. This, too, must not be conflated with what we might call emotional experiences—those that, by the very nature of how we experience them, must or can remain confined within our inner life. Part of a volitional impulse is that it expresses itself in the soul: You shall do this, you shall not do that. — For one should learn to distinguish between the mere feeling one has of what appears to be good or evil in oneself or in another, and what arises in the soul beyond this feeling when we are compelled to do good and refrain from evil. Judgment may remain at the level of feeling; but volitional impulses are something else. And although there are transitions between the life of feeling and volitional impulses, one should not simply lump them together, if only on the basis of ordinary observation of life. In human life, transitions are everywhere. Just as there are people who never arrive at a pure mental image but always immediately express what they love or hate, who are constantly tossed back and forth because they cannot separate their feelings from their mental images, so there are also others who, when they see something, cannot refrain from moving on to something that corresponds to a volitional impulse, to an action, even if this action is not at all justified. This, too, leads to nothing good; it then manifests as a compulsion to steal, as kleptomania, and so on. There is no orderly relationship between the feelings and the volitional impulses. But in truth, these things must be distinguished in the strictest sense. Thus, in our inner life, we live within our mental images, within our emotional experiences, and within our volitional impulses. We have made such observations on numerous occasions; one cannot do without them if one wishes to take the whole human being into account.

[ 15 ] Nun haben wir versucht, einiges anzuführen von dem, was uns nahelegen kann, daß das Vorstellungsleben etwas ist, was gebunden ist an die einmalige Inkarnation zwischen Geburt und Tod. Wir sehen ja auch, wie wir in das Leben hereintreten und uns das Vorstellungsleben aneignen. So ist es nicht mit dem Gefühlsleben, auch nicht mit dem Willensleben. Wer behaupten wollte, es wäre so, von dem könnte man denken, er würde nie vernünftig die Entwickelung eines Kindes betrachtet haben. Man betrachte nur ein Kind, wenn es noch ganz dumm ist in bezug auf das Vorstellungsleben, wie es sich gar nicht in Verbindung setzen kann mit der Umwelt mit seinen Vorstellungen, wie es dagegen ausgesprochene Sympathien und Antipathien hat, wie es dann wieder an und abregende Willensimpulse hat. Und die Bestimmtheit, mit der die Willensimpulse auftreten, verführte sogar einen Philosophen, Schopenhauer, zu dem Glauben, daß der Charakter eines Menschen überhaupt so auftritt, daß er gar nicht geändert werden kann im Leben. Es ist das nicht richtig; er kann geändert werden. Aber es ist so, wenn wir hereintreten in das physische Leben, daß wir sagen müssen: Es verhält sich mit den Gefühlen und Willensimpulsen keineswegs so wie mit den Vorstellungen, sondern wir treten mit einem ganz bestimmten Charakter unserer Gefühlserlebnisse und Willensimpulse in die Inkarnation herein. Bei einer richtigen Betrachtung könnten wir schon ahnen, daß wir in den Gefühlen und in den Willensimpulsen etwas haben, was wir uns aus früheren Inkarnationen mitbringen. Aber fassen Sie das zusammen in ein gefühlsmäßiges Gedächtnis im Gegensatz zu dem Vorstellungsgedächtnis in dem einen Leben. Man kann im Praktischen nicht auskommen, wenn man nur eine Vorstellungserinnerung gelten läßt. Alles, was wir im Vorstellungsleben entwickeln, kann uns nicht zu irgend etwas führen, was einen solchen Eindruck hervorrufen könnte, der, wenn wir ihn richtig verstehen, uns sagt: Da hast du etwas in dir, was durch die Geburt mit dir in diese Inkarnation hereingetreten ist. Da müssen wir über das Vorstellungsleben hinausgehen, da muß das Besinnen etwas anderes werden. Und da haben wir angeführt, was jetzt das Besinnen wird. Wie besinnen wir uns? Wir besinnen uns so, daß wir uns nicht bloß vorstellen: Das war zufällig in unserem Leben, das haben wir getroffen, da waren wir in einer Lebenslage, die haben wir verlassen und so weiter. — Wir dürfen nicht bei den Vorstellungen bleiben, sondern wir müssen sie lebendig, regsam machen, wie wenn das Bild einer Persönlichkeit vor uns stünde, die das gewollt hat, die in unseren Begehrungen, Willensimpulsen, Gefühlserlebnissen und so weiter dies gewollt hat. In das Wollen müssen wir uns hineinleben. Also, es ist ein ganz anderes Sich-Hineinleben als jenes, was als Sich-Hineinleben in das Vorstellungsleben beim Gedächtnis in Frage kommt; es ist ein Sich-Hineinleben in andere Seelenkräfte, wenn der Ausdruck gebraucht werden darf.

[ 15 ] We have now attempted to cite a few points that may suggest to us that the life of the imagination is something bound up with the single incarnation between birth and death. After all, we see how we enter into life and acquire the life of imagination. This is not the case with the life of feeling, nor with the life of the will. Anyone who were to claim that this is the case could be thought never to have reasonably observed a child’s development. One need only observe a child when it is still quite immature in terms of its mental images—how it cannot at all connect its mental images with the environment, how it, on the other hand, has distinct sympathies and antipathies, and how it experiences fluctuating impulses of will. And the decisiveness with which these impulses of will arise even led a philosopher, Schopenhauer, to believe that a person’s character manifests itself in such a way that it cannot be changed at all during life. That is not correct; it can be changed. But it is true that when we enter physical life, we must say: The situation with feelings and impulses of will is by no means the same as with mental images; rather, we enter into incarnation with a very specific character of our emotional experiences and impulses of will. Upon proper consideration, we might already suspect that in our feelings and impulses of will we possess something we have brought with us from previous incarnations. But summarize this as an emotional memory in contrast to the conceptual memory within a single life. One cannot manage in practical terms if one accepts only a conceptual memory. Everything we develop in our conceptual life cannot lead us to anything that could evoke an impression which, if we understand it correctly, tells us: There is something within you that entered this incarnation with you through birth. Here we must go beyond the realm of mental images; here, reflection must become something else. And here we have outlined what reflection will now become. How do we reflect? We reflect in such a way that we do not merely create mental images: That happened by chance in our life, we encountered that, we were in a life situation, we left that, and so on. — We must not remain with the mental images, but we must make them alive and active, as if the image of a personality were standing before us who willed this, who willed this in our desires, impulses of will, emotional experiences, and so on. We must immerse ourselves in that will. So, it is a very different kind of immersion than that which comes into play as immersion into the life of the imagination in memory; it is an immersion into other soul forces, if the expression may be used.

[ 16 ] Diese Praxis, sozusagen wollend, wünschend, begehrend einen Seeleninhalt zu entwickeln — die in allen okkulten Schulen, in aller okkulten Praxis immer bekannt war und angewendet worden ist —, läßt sich gut mit dem, was wir zu sagen wissen aus der anthroposophischen oder sonstigen Erkenntnis über Vorstellungs-, Gefühls- und Willensieben, rechtfertigen, läßt sich damit begreifen und erklären. Also sagen wir uns klar, daß wir an den besonderen Inhalten des Gefühlslebens, des Willenslebens etwas entwickeln müssen, das gewissermaßen den Erinnerungsvorstellungen ähnlich ist, aber eben nicht bei den bloßen Vorstellungen bleibt, daß wir aber dadurch in die Lage kommen, eine andere Art, nämlich eine solche Art von Erinnerungsvermögen zu entwickeln, die uns allmählich hinausführt über das Leben, das zwischen Geburt und Tod in der einen Inkarnation eingeschlossen ist.

[ 16 ] This practice—of, so to speak, willfully, desirably, and eagerly developing a content of the soul—which has always been known and applied in all occult schools and in all occult practice—can be well justified by what we know from anthroposophical or other insights regarding mental images, emotions, and wills; it can be understood and explained through them. So let us clearly state that we must develop, within the specific contents of the life of feeling and the life of will, something that is, so to speak, similar to memory images, but does not remain at the level of mere mental images; that through this we will be able to develop a different kind of memory—namely, a kind of memory that gradually leads us beyond the life enclosed between birth and death in a single incarnation.

[ 17 ] Es muß durchaus betont werden, daß der Weg, der hier gekennzeichnet worden ist, ein absolut guter und sicherer ist — aber ein entsagungsvoller. Leichter ist es, aus irgendwelchen äußeren Gründen sich einzubilden, daß man in der vorhergehenden Inkarnation Marie Antoinette, Maria Magdalena und dergleichen gewesen sei. Aber schwieriger ist es, auf die geschilderte Art und Weise, aus dem in der Seele Vorhandenen, aus wirklich Vorhandenem, zu einem Bilde dessen zu kommen, was man war. Es ist zunächst deshalb recht entsagungsvoll, weil man meistens recht enttäuscht werden kann. Wenn aber jemand nun sagen würde, das kann alles etwas sein, was wir uns vormachen, so muß man erwidern: Aber es kann sich auch jemand in bezug auf seine Erinnerungen etwas vormachen, was nicht stimmt. — Diese Dinge sind alle kein Einwand. Eine Art von Kriterium, um die Einbildung von der Phantastik zu unterscheiden, gibt es bloß im Leben.

[ 17 ] It must be emphasized that the path described here is an absolutely good and safe one—but it is one that requires self-denial. It is easier, for whatever external reasons, to imagine that in a previous incarnation one was Marie Antoinette, Mary Magdalene, or the like. But it is more difficult to arrive, in the manner described, from what is present in the soul—from what is truly present—at an image of what one was. It is, first of all, quite demanding because one is usually bound to be quite disappointed. But if someone were to say that all of this might simply be something we are imagining, one must reply: But one can also imagine things regarding one’s memories that are not true. — None of these things constitute an objection. A kind of criterion for distinguishing imagination from fantasy exists only in life.

[ 18 ] In einer süddeutschen Stadt sagte einmal jemand zu mir, es könnte alles, was in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß» vorgebracht ist, auf einer bloßen Suggestion beruhen, wie es ja sehr lebendige Suggestionen gibt, die sogar soweit gehen können, daß jemand, wenn er gar keine Limonade trinkt und sich nur die Limonade recht lebhaft vorstellt, schon den Geschmack der Limonade im Munde hat. Wenn also so etwas möglich ist, warum sollte es dann nicht auch möglich sein, so dachte der Betreffende, daß das in der «Geheimwissenschaft» Vorgebrachte auch auf Suggestionen beruhen sollte? Theoretisch läßt sich ein solcher Einwand machen. Aber das Leben bringt die Überlegung: Wenn jemand meint, mit dem Beispiel der Limonade zeigen zu können, wie stark die Suggestion wirken kann, so muß man dazu sagen, der hat nicht verstanden, das Beispiel zu Ende zu denken, denn er sollte einmal probieren, nicht bloß die Limonade sich vorzustellen, sondern sich mit einer bloß vorgestellten Limonade den Durst zu löschen — da wird er sehen, daß es nicht geht. Es handelt sich immer darum, daß wir an das Ende gehen mit den Erlebnissen. Das läßt sich aber nicht theoretisch bestimmen, sondern nur im unmittelbaren Leben selber erfahren. Und mit derselben Notwendigkeit, mit der wir wissen, daß wir etwas, was herauftaucht aus den Erinnerungsvorstellungen des Lebens, erlebt haben, mit derselben Sicherheit tritt auch das auf, daß herauftauchen aus den Untergründen der Seele die Willensimpulse, die wir hervorrufen über das Zufällige, über das Nichtgewollte, und die mit derselben Notwendigkeit auftauchen als ein Bild unseres früheren Erdenlebens wie die Erinnerungsvorstellungen. Dem, der nun sagt, das kann Einbildung sein, dem können wir dafür keine Beweise bringen, wie man theoretisch auch keinen Beweis bringen kann für das, was sich zahlreiche Menschen einbilden, erlebt zu haben und ganz bestimmt nicht erlebt haben, und für das, was sie wirklich erlebt haben. Ebensowenig wie man da einen theoretischen Beweis vorbringen kann, ebensowenig gibt es einen theoretischen Beweis für das andere. Also, man ist dabei in keiner anderen Lage, als man ist in dem Leben innerhalb der einen Inkarnation; man ist genau in derselben Lage.

[ 18 ] In a city in southern Germany, someone once said to me that everything presented in my *Outline of Esoteric Science* could be based on mere suggestion, just as there are very vivid suggestions that can go so far that even if someone does not drink any lemonade at all but merely creates a vivid mental image of it, they already have the taste of lemonade in their mouth. So if something like that is possible, why shouldn’t it also be possible, the person in question thought, that what is presented in “Secret Science” might also be based on suggestion? Theoretically, such an objection can be made. But life offers this consideration: If someone thinks they can use the example of lemonade to show how powerful suggestion can be, one must say that they have failed to think the example through to its conclusion, for they should try not merely to imagine the lemonade, but to quench their thirst with a merely mental image of lemonade—then they will see that it does not work. It is always a matter of seeing our experiences through to the end. But this cannot be determined theoretically; it can only be experienced in life itself. And with the same certainty with which we know that we have experienced something that emerges from the memories of life, with the same certainty do the impulses of the will emerge from the depths of the soul—impulses that we evoke over the accidental, over the unintended— and which emerge with the same necessity as an image of our former earthly life as do the memories. To those who now say that this may be imagination, we cannot provide any proof, just as one cannot theoretically provide proof for what numerous people imagine they have experienced but most certainly have not, and for what they have actually experienced. Just as one cannot provide theoretical proof for the former, there is no theoretical proof for the latter either. Thus, one is in no different situation than one is in life within a single incarnation; one is in exactly the same situation.

[ 19 ] So haben wir mit diesem gezeigt, wie früheres Erdenleben hereinleuchtet in das gegenwärtige Erdenleben, wie wir wirklich eine Möglichkeit haben, durch sorgfältige Seelenentwickelung uns selber die Überzeugung zu verschaffen, nicht nur die theoretische Überzeugung von der Tatsache der Reinkarnation, sondern die praktische Überzeugung von dem in uns befindlichen, sich reinkarnierenden Seelenwesen, von dem wir wirklich wissen, es ist etwas, was einmal da war.

[ 19 ] Thus, with this, we have shown how past earthly lives shed light on the present earthly life, how we truly have the opportunity, through careful soul development, to gain for ourselves the conviction—not merely the theoretical conviction of the fact of reincarnation, but the practical conviction of the reincarnating soul-being within us, of which we truly know is something that once existed.

[ 20 ] Aber es gibt dennoch Erlebnisse ganz anderer Art, die hereintreten in unser Leben und von denen wir nicht sagen können, sie treten so in unser Leben herein, daß wir sie wie eine Erinnerung an ein früheres Erdenleben auffassen können. Es gibt tatsächlich solche Erlebnisse, denen gegenüber wir sagen müssen: Wie sie dir da gegenübertreten, so erklären sie sich dir aus deinem früheren Leben nicht! Heute sei nur auf eine Art solcher Erlebnisse hingewiesen. Und auf diese Art von Erlebnissen will ich zunächst hinweisen, indem ich ein typisches Beispiel anführe. Dies, was ich als Beispiel anführe, das kann sich auf hunderterlei Weise, auf tausenderlei Weise vollziehen; aber es ist eben das, was sich da vollzieht, ähnlich dem, was ich als ein typisches Beispiel erzählen will.

[ 20 ] But there are still experiences of a completely different kind that enter our lives, and we cannot say that they enter our lives in such a way that we can interpret them as memories of a previous earthly life. There are indeed such experiences in the face of which we must say: The way they present themselves to you cannot be explained by your past life! Today I will mention only one type of such experience. And I will first point to this type of experience by citing a typical example. What I cite as an example can take place in hundreds of ways, in thousands of ways; but it is precisely what takes place there that is similar to what I wish to recount as a typical example.

[ 21 ] Wir nehmen einen Menschen an, der irgendwo in einem Walde geht, und der, weil er in Gedanken gegangen ist, vergißt, daß er auf einem Waldeswege geht, der unmittelbar — man braucht nur einige Schritte zu machen — an einen tiefen Abgrund angrenzt. Ich will die Sache, die sich durchaus abspielen kann, in dieser Form hier vorbringen; das Beispiel ist von mir, weil in entsprechender Weise mir ein ganz ähnlich gearteter Fall bekannt ist, auch anderswo erzählt worden. Dieser Mensch sieht nun nicht, daß dort ein Abgrund ist, weil ihn etwas besonders interessiert. Weil ihn eben sein Problem so stark interessiert, geht er auf den Abgrund los, aber mit einem solchen Schwunge, daß es ihm, wenn er nur zwei, drei Schritte mehr gemacht hätte, unmöglich gewesen wäre, sich zu halten. Er hätte dann im Vorwärtsschreiten hinunterstürzen müssen, und es wäre mit seinem Leben zu Ende gewesen. In dem Augenblick aber, wo er drauflostapsen will, hört er eine Stimme: Bleibe stehen! — Die Stimme macht einen solchen Eindruck auf ihn, daß er wie angenagelt stehen bleibt. Der Betreffende denkt, es muß jemand da sein, der sich seiner angenommen hat. Er hat sich besonnen, daß sein Leben zu Ende gewesen wäre, wenn er nicht auf diese Weise festgehalten worden wäre. Er sieht sich um, und sieht niemanden.

[ 21 ] Let us imagine a person walking somewhere in a forest who, because he is lost in thought, forgets that he is walking on a forest path that borders directly—one need only take a few steps—on a deep precipice. I want to present this scenario, which could very well happen, in this form here; the example is my own, because I am aware of a very similar case that has also been recounted elsewhere. This person does not see that there is a precipice there because he is particularly absorbed in something. Precisely because his problem interests him so much, he strides toward the abyss, but with such momentum that, had he taken just two or three more steps, it would have been impossible for him to keep his balance. He would then have had to plunge down as he moved forward, and his life would have been over. But just as he is about to stride forward, he hears a voice: “Stop!” — The voice makes such an impression on him that he stands rooted to the spot. The man thinks there must be someone there who has taken him under their wing. He realizes that his life would have been over if he hadn’t been held back in this way. He looks around and sees no one.

[ 22 ] Der materialistische Denker wird nun sagen: Durch irgendwelche Umstände hat sich aus den Tiefen der Seele eine Gehörshalluzination ergeben, und es ist ein glücklicher Zufall gewesen, daß der Betreffende auf diese Weise gerettet worden ist. — Aber es ist auch möglich, auf andere Weise über die Sache zu denken; mindestens müßte man dies zugeben. Ich will es heute nur anführen; denn diese andere Weise läßt sich nur erzählen, nicht beweisen. Man kann sich sagen: Durch Vorgänge der geistigen Welt ist dir in dem Augenblick, als du an einer karmischen Krisis angekommen warst, dein Leben eigentlich geschenkt worden. Wenn alles so weitergegangen wäre, ohne daß jenes Ereignis geschehen wäre, dann wäre dein Leben zu Ende gewesen. So aber ist es jetzt als eine Art neues Leben an das vorhergehende angestückelt worden. Dieses neue Leben ist eine Art Geschenk, und du verdankst jetzt dieses dein Leben den Mächten, die hinter dieser Stimme stehen! — Ein solches Erlebnis könnten viele, viele Menschen der Gegenwart haben, wenn sie nur wirkliche Selbsterkenntnis üben würden. Denn es treten in das Leben geradezu vieler, vieler Menschen der Gegenwart solche Erlebnisse herein. Und es liegt nicht daran, daß die Menschen nicht ein solches Erlebnis gehabt haben, sondern daran, daß die Menschen nicht die nötige Aufmerksamkeit dafür gehabt haben, daß sie darüber hinweggegangen sind; denn es tritt nicht immer mit dieser jetzt geschilderten Deutlichkeit auf, sondern so, daß bei der gewöhnlichen Unaufmerksamkeit die Menschen darüber hinwegsehen.

[ 22 ] The materialist will now say: Due to some circumstances, an auditory hallucination arose from the depths of the soul, and it was a fortunate coincidence that the person in question was saved in this way. — But it is also possible to think about the matter in a different way; at the very least, one must admit this. I merely wish to mention it today, for this other perspective can only be described, not proven. One might say to oneself: Through events in the spiritual world, your life was actually granted to you at the very moment you reached a karmic crisis. If everything had continued as before, without that event having occurred, then your life would have come to an end. But now it has been grafted onto the previous one as a kind of new life. This new life is a kind of gift, and you now owe this life of yours to the powers behind that voice! — Many, many people today could have such an experience if only they would practice true self-knowledge. For such experiences do indeed enter the lives of many, many people today. And it is not because people have not had such an experience, but because they have not paid the necessary attention to it, because they have overlooked it; for it does not always occur with the clarity just described, but in such a way that, in their ordinary inattention, people overlook it.

[ 23 ] Ich habe zuweilen geschildert, wie stark die Menschen hinwegsehen über etwas, was in der unmittelbaren Gegenwart der Menschen auftritt. Ein charakteristisches Beispiel dafür, wie die Menschen für das, was rings um sie her vorgeht, unaufmerksam sind, ist folgender Fall. Ich kannte einen Schulinspektor eines Landes, wo das Gesetz eingeführt wurde, daß ältere Lehrer, die gewisse Examina nicht abgelegt hatten, überprüft werden müßten. Nun war dieser Schulinspektor ein außerordentlich humaner Mensch und sagte sich: Die jüngeren Dachse, die eben vom Seminar gekommen sind, kann man ja über alles fragen; aber die älteren Herren zu fragen, die bereits zwanzig, dreißig Jahre im Amte sind, das ist eine Grausamkeit, die kann man nicht so fragen. Ich frage diese daher am besten über das, was in ihren Büchern steht, aus denen sie Jahr für Jahr die Kinder unterrichten. — Und siehe da: die meisten wußten nichts von dem, was sie selbst ihren Schülern vortrugen! Und zwar war das ein Examinator, von dem man sagen konnte: er wußte schon aus den Menschen das herauszuziehen, was sie wußten!

[ 23 ] I have occasionally described how easily people overlook things that occur right before their eyes. The following case is a typical example of how inattentive people are to what is happening around them. I knew a school inspector in a state where a law had been introduced requiring that older teachers who had not passed certain exams be re-evaluated. Now this school inspector was an exceptionally humane person and said to himself: You can certainly ask the younger teachers, who have just come from teacher’s college, anything; but to ask the older gentlemen, who have already been in the profession for twenty or thirty years—that is cruelty; you cannot ask them that way. “I’d best therefore ask them about what is in their books, from which they teach the children year after year.” — And lo and behold: most of them knew nothing of what they themselves had been teaching their students! And this was an examiner of whom one could say: he knew how to draw out of people what they knew!

[ 24 ] Es sollte das nur ein Beispiel dafür sein, wie die Menschen unaufmerksam sind für das, was in ihrer Umgebung vorgeht, ja sogar für das, wo es sich um ihre eigene Person handelt. Man braucht also nicht erstaunt zu sein, wenn ein ähnliches Beispiel, wie das jetzt charakterisierte, im Leben vieler, vieler Menschen zu finden ist. Nur bei einer sinnigen, wirklichen Selbstbetrachtung findet man ein solches Ereignis, wie es eben beschrieben worden ist. Und wenn man einem solchen Ereignis gegenüber die rechte Lebensfrömmigkeit hat, dann kommt man vielleicht auch zu einem ganz besonderen Gefühl; zu dem Gefühl, daß einem das Leben seit jenem Tage geschenkt ist, und daß man, soweit es seit jenem Tage verläuft, es auch in einer besonderen Weise anzuwenden hat. Das ist ein gutes Gefühl und wirkt ähnlich wie ein Erinnerungsvorgang, wenn jemand sich sagt: Du warst an einer karmischen Krisis, da war dein Leben abgeschlossen! — Wenn er sich hineinvertieft in dieses fromme Gefühl, dann kommt etwas, was zunächst so auftritt, daß er sich sagt: Das ist nicht eine Erinnerungsvorstellung wie die, welche ich im Leben öfter erfahren habe, das ist etwas ganz Besonderes!

[ 24 ] This is meant to be just one example of how inattentive people are to what is happening around them—even when it concerns themselves. So one need not be surprised to find a similar example, such as the one just described, in the lives of many, many people. Only through meaningful, genuine self-reflection can one encounter an event such as the one just described. And if one approaches such an event with the right spiritual devotion, then one may also arrive at a very special feeling—the feeling that life has been a gift since that day, and that, as it unfolds from that day forward, one must also live it in a special way. This is a good feeling and has a similar effect to a process of recollection, when someone says to themselves: You were at a karmic crisis; your life was over there! — When they immerse themselves in this devout feeling, something arises that initially appears in such a way that they say to themselves: This is not a recollection like those I have often experienced in life; this is something very special!

[ 25 ] Nun werde ich Ihnen im nächsten Vortrag Genaueres sagen können über das, was heute nur angedeutet werden kann. Denn so, wie es jetzt angedeutet worden ist, so prüft ein großer Eingeweihter der neueren Zeit die, welche er für geeignet hält zu seinen Bekennern. Denn die Dinge, die uns hineinstellen sollen in die geistige Welt, gehen auch aus den geistigen Tatsachen, die um uns herum geschehen, oder aus einer richtigen Erkenntnis dieser Tatsachen hervor. Und eine solche Stimme, wie sie bei vielen Menschen auftritt, ist nicht als eine Halluzination zu betrachten; denn durch eine solche Stimme spricht derjenige Führer, den wir als Christian Rosenkreutz bezeichnen, zu denen, die er sich aus der übrigen Schar auswählt als die, welche seine Bekenner werden können. So ergeht der Ruf von der Individualität, von der wir noch werden sprechen können als derjenigen, welche in einer besonderen Inkarnation im 13. Jahrhundert gelebt hat, so daß ein Mensch, der so etwas erlebt, daran ein Merkzeichen, ein Erkennungszeichen hat, durch das er sich hineinstellen kann in die geistige Welt. Vielleicht werden nicht viele dazu kommen können, einen solchen Ruf zu beachten. Aber die Anthroposophie wird schon dahin wirken, daß die Menschen, wenn nicht jetzt in dieser Inkarnation, so doch später einen solchen Ruf beachten werden. Für die meisten Menschen, die so etwas erleben, ist es nun heute so, daß dasjenige, was man bezeichnen kann als: Es ist ihnen gegenübergetreten jener Eingeweihte, der sie bestimmt hat zu denen, die zu ihm gehören können —, sich nicht in einer Inkarnation vollzogen hat, sondern in dem Leben zwischen dem Tode und der jetzigen Geburt, so daß dies also ein Hinweis darauf ist, daß etwas geschieht in dem Leben zwischen dem Tode und der nächsten Geburt, und daß wir darin Wichtiges, ja wichtigere Vorgänge haben als im Leben zwischen Geburt und Tod. Es kann ja sein und ist in einzelnen Fällen so, daß gewisse zu Christian Rosenkreutz gehörige Menschen auch schon in einer vorhergehenden Inkarnation dazu bestimmt worden sind. Aber für die meisten ist die Bestimmung, die sich in einem solchen Ereignis abbildet, getroffen worden in dem letzten Leben zwischen Tod und neuer Geburt.

[ 25 ] In the next lecture, I will be able to tell you more in detail about what can only be hinted at today. For just as has been hinted at here, a great initiate of modern times tests those whom he considers suitable to be his followers. For the things that are meant to lead us into the spiritual world also arise from the spiritual realities occurring around us, or from a correct understanding of these realities. And such a voice, as it occurs to many people, is not to be regarded as a hallucination; for through such a voice speaks the guide whom we call Christian Rosenkreutz to those whom he selects from the rest of the crowd as those who can become his followers. Thus the call goes forth from the Individuality of whom we may yet speak as having lived in a particular incarnation in the 13th century, so that a person who experiences such a thing has a sign, a distinguishing mark, through which they can enter into the spiritual world. Perhaps not many will be able to heed such a call. But anthroposophy will work toward ensuring that people, if not now in this incarnation, then later, will heed such a call. For most people who experience something like this, the situation today is that what one might describe as: That initiate has appeared before them, designating them as those who may belong to him—has not taken place in an incarnation, but in the life between death and the present birth, so that this is an indication that something happens in the life between death and the next birth, and that we have important, indeed more important, processes there than in the life between birth and death. It may well be, and in individual cases is so, that certain people belonging to Christian Rosenkreutz were already destined for this in a previous incarnation. But for most, the destiny reflected in such an event was determined in the last life between death and new birth.

[ 26 ] Nun sage ich das nicht, um etwas Sensationelles zu erzählen, nicht einmal um dieses Ereignis zu erzählen, sondern aus einem besonderen Grunde. Und ich möchte dazu noch auf etwas aufmerksam machen, aus einer Erfahrung heraus, die ich innerhalb unseres anthroposophischen Lebens recht häufig gemacht habe: daß Dinge, die man einmal sagt, leicht vergessen oder anders erhalten werden, als man sie sagt. Es soll das vorkommen innerhalb unseres anthroposophischen Lebens. Aus diesem Grunde betone ich manchmal wichtige, wesentliche Dinge ein paarmal, nicht um mich zu wiederholen. Auch heute geschieht das, wenn ich sage, es sind viele Menschen in der Gegenwart, die ein solches Erlebnis, wie es beschrieben worden ist, durchgemacht haben, und daß sie es nicht wissen, liegt nicht daran, daß es nicht da ist, sondern daß man sich nicht daran erinnert, weil man nicht die rechte Aufmerksamkeit darauf verwendet hat. Deshalb soll es ein Trost sein, wenn jemand sich sagen muß: Ich finde nicht so etwas, also gehöre ich nicht zu solchen Auserwählten! — Doch kann Ihnen die Versicherung gegeben werden, daß unzählige Menschen in der Gegenwart sind, die so etwas erlebt haben. Das wollte ich nur vorausschicken, um zum eigentlichen Grunde zu kommen, warum so etwas gesagt wird.

[ 26 ] Now, I am not saying this to tell a sensational story, nor even to recount this event, but for a specific reason. And I would like to draw attention to something else, based on an experience I have had quite frequently within our anthroposophical life: that things one says are easily forgotten or retained differently than one intended. This is said to happen within our anthroposophical life. For this reason, I sometimes emphasize important, essential things a few times, not to repeat myself. This is happening today as well, when I say that there are many people present who have gone through an experience such as the one described, and that they do not know it is not because it is not there, but because they do not remember it, having not paid proper attention to it. Therefore, it should be a comfort if someone has to say to themselves: I don’t find anything like that, so I don’t belong to such a select group! — Yet you can be assured that there are countless people today who have experienced something like this. I just wanted to preface this to get to the actual reason why such a thing is said.

[ 27 ] Solche Dinge werden erzählt, um uns immer wieder und wieder darauf aufmerksam zu machen, daß wir in konkreter Weise — nicht durch abstrakte Theorien — eine Beziehung unseres Seelenlebens zu den geistigen Welten finden sollen, und daß die anthroposophische Geisteswissenschaft uns nicht sein soll eine bloße theoretische Weltanschauung, sondern eine innere Kraft unseres Lebens; daß wir nicht bloß wissen sollen, es gibt eine geistige Welt und der Mensch gehört ihr an; daß wir, indem wir durch das Leben gehen, nicht bloß die Dinge betrachten, die auf unser sinnliches Denken wirken, sondern die Zusammenhänge aufmerksam erfassen, die uns zeigen: Du bist hineingestellt in die geistige Welt, auf diese und jene Weise hineingestellt. — Also das konkrete Hineingestelltsein, das für den einzelnen reale Hineingestelltsein, das ist es, worauf wir aufmerksam machen. Theoretisch sucht man auch draußen so etwas zu begründen, daß die Welt ein Geistiges haben kann, und daß der Mensch nicht materialistisch zu betrachten ist, sondern ein Geistiges in sich haben kann. Davon unterscheidet sich unsere Weltanschauung, indem sie im einzelnen hinstellt: So stehst du im Zusammenhange mit den geistigen Welten! — Immer mehr und mehr werden wir zu solchen Dingen aufsteigen können, die uns zu zeigen vermögen, wie wir die Welt zu betrachten haben, um unsere Zugehörigkeit zu dem Geiste der großen Welt, dem Makrokosmischen, einzusehen.

[ 27 ] Such things are told to remind us again and again that we should find a concrete connection—not through abstract theories—between our inner life and the spiritual worlds, and that anthroposophical Spiritual Science should not be for us merely a theoretical worldview, but an inner force in our lives; that we should not merely know that there is a spiritual world and that human beings belong to it; that as we go through life, we should not merely observe the things that affect our sensory thinking, but attentively grasp the connections that show us: You are placed within the spiritual world, placed within it in this or that way. — So this concrete being placed within it, this real being placed within it for the individual—that is what we draw attention to. Theoretically, one also seeks to establish something like this from the outside, that the world can have a spiritual aspect, and that human beings are not to be viewed materialistically, but can have a spiritual aspect within themselves. Our worldview differs from this in that it presents the individual in this way: This is how you stand in connection with the spiritual worlds! — More and more we will be able to rise to such things that can show us how we must view the world in order to recognize our belonging to the spirit of the great world, the macrocosmic.