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Reincarnation and Karma
GA 135

20 February 1912, Berlin

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Erster Vortrag

First Lecture

[ 1 ] Wenn wir das Leben in Betracht ziehen, wie es sich um uns herum abspielt, wie es sozusagen seine Wogen hereinwirft in unser Inneres, in all das, was wir selber während unseres physischen Erdendaseins zu empfinden und zu leiden haben, oder worüber wir uns zu freuen haben, so können wir mehrere besondere Gruppen oder Arten von Erleben ins Auge fassen.

[ 1 ] When we consider life as it unfolds around us, as it, so to speak, washes over us, into our inner being—into all that we ourselves must feel and suffer during our physical existence on Earth, or all that we have to rejoice in—we can identify several distinct groups or types of experience.

[ 2 ] Wir finden zunächst, wenn wir mehr auf uns selbst schauen, auf dasjenige, was in unseren Fähigkeiten, in unseren Talenten liegt, wir finden, wenn uns dieses oder jenes gelingt, daß wir uns sagen können: Nun, nachdem wir schon einmal dieser oder jener Mensch sind, ist es ganz natürlich und begreiflich, daß uns dieses oder jenes gelingen mußte. — Wir können aber auch gewisse Mißerfolge, die uns betroffen haben, vielleicht gerade das, was wir als Mißgeschick und Unglück bezeichnen müssen, weil es uns nicht gelungen ist, im ganzen Zusammenhang unseres Wesens begreiflich finden.

[ 2 ] We find, first of all, that when we look more closely at ourselves—at what lies within our abilities and talents—we find that when we succeed at this or that, we can say to ourselves: Well, since we are this or that kind of person, it is only natural and understandable that we had to succeed at this or that. — But we can also find certain failures that have affected us—perhaps precisely what we must call misfortune and misadventure because we did not succeed—to be understandable within the overall context of our being.

[ 3 ] Vielleicht gelingt es uns nicht immer in solchen Fällen, genau nachzuweisen, wie dieser oder jener Mißerfolg, dieses oder jenes, was uns nicht gelungen ist, zusammenhängt mit unserer Unfähigkeit nach dieser oder jener Richtung. Aber wenn wir uns dann im allgemeinen sagen müssen: Du warst ja in vielen Beziehungen im jetzigen Erdendasein ein leichtsinniges Subjekt, da kannst du begreifen, daß du unter Umständen verdientermaßen diesen oder jenen Mißerfolg haben mußt —, dann können wir vielleicht nicht ganz unmittelbar den Zusammenhang einsehen zwischen Mißerfolg und Unfähigkeit, aber im allgemeinen doch begreiflich finden, daß, wenn wir leichtsinnig waren, nicht alles am Schnürchen gelingen konnte.

[ 3 ] Perhaps we are not always able to demonstrate precisely how this or that failure, this or that thing we have not succeeded in, is connected to our inability in this or that area. But when we then have to admit to ourselves in general: “You were, after all, a reckless person in many respects during your current earthly existence, so you can understand that under certain circumstances you may justly have to suffer this or that failure”—then perhaps we cannot immediately see the connection between failure and inability, but we can generally understand that if we were reckless, not everything could go smoothly.

[ 4 ] Von dem, was jetzt besprochen worden ist, können Sie sich denken, daß wir gewissermaßen eine Art ursächlichen Zusammenhanges einsehen könnten zwischen dem, was geschehen mußte aus unseren Fähigkeiten und unseren Unfähigkeiten heraus. Es gibt aber viele Dinge im Leben, bei denen wir, auch wenn wir noch so genau zu Werke gehen, nicht erreichen, das, was uns gelingt oder mißlingt, ohne weiteres in Zusammenhang zu bringen mit unseren Fähigkeiten oder Unfähigkeiten, bei denen uns gewissermaßen undurchsichtig bleibt, wie wir dieses oder jenes verschuldet haben, oder wie wir es verdient haben. Kurz, wenn wir mehr unser Innenleben ins Auge fassen, werden wir unterscheiden können zwischen zwei Gruppen von Erlebnissen. Die eine Gruppe ist die, bei der wir uns bewußt sind, wie es mit den Ursachen unseres Gelingens und Mißlingens bestellt ist; bei der anderen Gruppe werden wir einen solchen Zusammenhang nicht überschauen können. Bei dieser letzteren Gruppe wird es uns mehr oder weniger als Zufall erscheinen, daß gerade dieses uns mißlungen, ein anderes uns gelungen ist. Wir wollen uns zunächst merken, daß es im Leben diese letztere Gruppe von Tatsachen und Erfahrungen hinlänglich gibt, und wollen später einmal das Augenmerk auf diese Gruppe lenken.

[ 4 ] From what has just been discussed, you can see that we might, in a sense, recognize a kind of causal connection between what was bound to happen given our abilities and our limitations. However, there are many things in life where, no matter how carefully we proceed, we cannot readily connect our successes or failures with our abilities or inabilities; in these cases, it remains somewhat unclear to us how we brought this or that upon ourselves, or how we deserved it. In short, if we take a closer look at our inner life, we will be able to distinguish between two groups of experiences. One group is that in which we are aware of the causes of our successes and failures; in the other group, we will not be able to grasp such a connection. In the latter group, it will seem to us more or less like a coincidence that this particular thing failed us, while another succeeded. Let us first note that there are plenty of such facts and experiences in life, and let us turn our attention to this group later on.

[ 5 ] Wir können dann, entgegen dem, was jetzt besprochen worden ist, unser äußeres Schicksal mehr ins Auge fassen. Da werden wir eigentlich wiederum zwei Gruppen von Tatsachen in bezug auf unser äußeres Geschick ins Auge fassen müssen. Wir können solche Fälle ins Auge fassen, bei denen wir innerlich einsehen, daß wir in bezug auf diese Ereignisse, die uns treffen — also nicht, was wir selber unternommen haben —, gewisse Dinge sozusagen selber herbeigeführt haben, schuld sind an solchen Dingen. Aber von einer anderen Gruppe werden wir sehr geneigt sein zu sagen: Wir können den Zusammenhang nicht einsehen mit dem, was wir gewollt, was wir beabsichtigt haben. Es sind diejenigen Ereignisse, bei denen man im gewöhnlichen Leben davon spricht, daß sie wie ein Zufall, der anscheinend mit nichts, was wir selber herbeigeführt haben, zusammenhängt, in unser Leben hereingebrochen sind.

[ 5 ] Contrary to what has just been discussed, we can then take our external fate more into account. In doing so, we will actually have to consider two groups of facts regarding our external fate. We can consider cases in which we inwardly recognize that, with regard to these events that befall us—that is, not what we ourselves have undertaken—we have, so to speak, brought certain things about ourselves, are to blame for such things. But regarding another group, we will be very inclined to say: We cannot see the connection with what we wanted, what we intended. These are the events that, in ordinary life, are described as having burst into our lives like a coincidence that apparently has nothing to do with anything we ourselves have brought about.

[ 6 ] Diese zweite Gruppe ist es, die wir jetzt ins Auge fassen wollen mit Bezug auf das innere Leben, also diejenigen Ereignisse, von denen wir nicht einsehen können, daß sie als etwas Direktes, Unmittelbares mit unseren Fähigkeiten und Unfähigkeiten zu tun haben; äußere Ereignisse also, das, was wir Zufallsereignisse nennen, von denen wir von vorneherein nicht die Einsicht gewinnen können, daß sie durch irgend etwas Vorhergehendes herbeigeführt worden sind.

[ 6 ] It is this second group that we now wish to consider in relation to inner life—that is, those events which we cannot see as having a direct, immediate connection to our abilities and inabilities; that is, external events—what we call chance occurrences—which we cannot, from the outset, recognize as having been brought about by anything that preceded them.

[ 7 ] Nun kann man einmal probeweise sozusagen mit diesen beiden Gruppen von Erlebnissen eine Art Experiment machen. Das Experiment verpflichtet einen ja zunächst zu nichts. Man probiere sozusagen nur einmal dasjenige, was jetzt gesagt, was jetzt charakterisiert werden soll.

[ 7 ] Now, one can, so to speak, conduct a sort of experiment with these two groups of experiences. After all, the experiment does not initially commit one to anything. One should, so to speak, simply try out what has just been said, what is now to be characterized.

[ 8 ] Wir können das Experiment machen, indem wir uns vorstellen: Wie wäre es denn, wenn wir einmal eine Art von künstlichem Menschen konstruieren würden, so einen künstlichen Menschen uns ausdenken würden, daß wir von diesem künstlichen Gedankenmenschen, den wir uns ausgedacht haben, sagen würden, gerade diejenigen Dinge, von denen wir keinen Zusammenhang wissen mit unseren Fähigkeiten, die seien so, daß wir den künstlichen Menschen, den wir uns ausdenken, begaben mit den Eigenschaften und Fähigkeiten, welche diese bei uns unbegreiflichen Dinge herbeigeführt haben. Also ein Mensch, der solche Fähigkeiten hat, daß ihm das gelingen oder mißlingen muß, wovon wir uns nicht zuschreiben können, daß es uns nach unseren Fähigkeiten oder Unfähigkeiten gelinge oder mißlinge. Wir stellen ihn uns also vor als einen solchen Menschen, welcher künstlich, ganz absichtlich herbeigeführt hätte die Dinge, welche zufällig in unserem Leben eingetreten zu sein scheinen.

[ 8 ] We can conduct this experiment by creating a mental image of ourselves constructing a kind of artificial human, if we were to conceive of such an artificial human being that we would say of this artificial thought-being we have conceived—precisely those things of which we know no connection to our own abilities—that they are such that we would endow the artificial human being we have conceived with the properties and abilities that have brought about these things incomprehensible to us. In other words, a human being who possesses such abilities that he must succeed or fail at things which we cannot attribute to ourselves as succeeding or failing according to our own abilities or inabilities. We thus imagine him as a human being who, artificially and quite intentionally, would have brought about the things that seem to have occurred by chance in our lives.

[ 9 ] Man kann von einfachen Beispielen ausgehen, um das zu erläutern. Nehmen wir an, ein Ziegelstein wäre auf unsere Schulter gefallen und hätte uns an der Schulter verletzt. Da werden wir zunächst geneigt sein zu sagen: Das ist ein Zufall. — Aber konstruieren wir einen künstlichen Menschen probeweise zunächst wie ein Experiment, der folgende sonderbare Sache machen würde. Wir konstruieren einen Menschen, der auf das Dach steigt und dort rasch einen Ziegelstein loslöst, aber nur so weit, daß der Stein noch einen gewissen Halt behält; dann läuft der künstliche Mensch schnell wieder hinunter, so daß, wenn der Stein sich loslöst, er gerade auf seine Schultern fällt. So machen wir es in bezug auf alle Ereignisse, von denen uns einfällt, daß sie zufällig in unserem Leben eingetreten sind. Einen künstlichen Menschen konstruieren wir, der alles verschuldet oder herbeiführt, wovon wir im gewöhnlichen Leben nicht einsehen können, wie es mit uns zusammenhängt.

[ 9 ] We can start with simple examples to illustrate this. Suppose a brick had fallen on our shoulder and injured us there. At first, we would be inclined to say: That is a coincidence. — But let us construct, as a trial, an artificial person—as an experiment—who would do the following strange thing. We construct a person who climbs onto the roof and quickly loosens a brick there, but only enough so that the brick still retains a certain hold; then the artificial person runs back down quickly, so that when the brick comes loose, it falls directly onto his shoulders. We do this with regard to all events that occur to us as having happened by chance in our lives. We construct an artificial human being who causes or brings about everything that, in ordinary life, we cannot see how it is connected to us.

[ 10 ] Wenn man das tut, so könnte es zunächst ausschauen wie ein bloßes Gedankenspiel. Und es verpflichtet zu nichts, wenn man das tut. Aber eine Merkwürdigkeit stellt sich heraus, wenn man das tut. Wenn man einen solchen Menschen ausgedacht hat und ihn begabt hat mit den geschilderten Eigenschaften, dann macht dieser künstliche Gedankenmensch einen ganz merkwürdigen Eindruck auf uns. Wir kommen nämlich von dem Bilde eines Menschen, das wir uns da gemacht haben, obwohl es scheinbar so künstlich konstruiert ist, nicht mehr los; es fasziniert uns, es macht den Eindruck, als ob es doch irgend etwas mit uns zu tun haben müßte. Dafür sorgt schon die Empfindung, die man gegenüber dem künstlichen Gedankenmenschen hat. Wenn man sich recht sehr hineinvertieft in dieses Bild, so läßt es einen ganz sicher nicht mehr los. Ein merkwürdiger Prozeß bildet sich in unserem Gemüt; ein Prozeß, den man vergleichen kann mit folgendem: Wir kommen zu einem inneren Gemütsprozeß, den der Mensch alle Augenblicke durchmacht. Wir können irgend etwas denken, können einen Entschluß fassen; wir brauchen dazu etwas, was wir einmal gewußt haben, und wir wenden alle möglichen künstlichen Mittel an, um uns auf das zu besinnen, was wir gewußt haben. Bei diesem Anstrengen, in das Gedächtnis etwas heraufzurufen, was uns entfallen ist, machen wir natürlich einen Gemütsprozeß durch, das Uns-Besinnen, wie wir es im gewöhnlichen Leben nennen. Und alle die Gedanken, die wir zu Hilfe nehmen, um uns auf etwas zu besinnen, sind Hilfsgedanken. Versuchen Sie nur einmal, darauf zu kommen, wieviel solcher Hilfsgedanken Sie oftmals aufwenden müssen, die Sie dann wieder fallen lassen, um auf das zu kommen, was Sie wissen wollen. Solche Hilfsgedanken sind dazu da, daß sie den Weg eröffnen auf das zu Besinnende, was wir eigentlich gegenwärtig brauchen,

[ 10 ] If one does this, it might at first seem like a mere thought experiment. And doing so does not commit one to anything. But a curious phenomenon emerges when one does this. Once you have conceived of such a person and endowed them with the characteristics described, this artificial thought-person makes a very peculiar impression on us. For we can no longer shake off the image of a human being that we have created there, even though it seems so artificially constructed; it fascinates us, it gives the impression that it must have something to do with us after all. This is ensured by the very feeling one has toward the artificial thought-being. If one really immerses oneself deeply in this image, it certainly will not let one go. A strange process takes shape in our mind; a process that can be compared to the following: We arrive at an inner mental process that a person goes through every moment. We can think of something, we can make a decision; to do so, we need something we once knew, and we employ all manner of artificial means to recall what we knew. In this effort to recall something from memory that has slipped our minds, we naturally go through a mental process—the act of remembering, as we call it in everyday life. And all the thoughts we use to help us remember something are auxiliary thoughts. Just try to figure out how many such auxiliary thoughts you often have to employ, which you then let go of again in order to arrive at what you want to know. Such auxiliary thoughts are there to open the way to what we actually need to recall at the moment,

[ 11 ] Gerade so, nur wie etwas weit Uimfassenderes, ist jener Gedankenmensch, den wir geschildert haben, ein Hilfsprozeß. Er läßt uns nicht mehr los; er arbeitet in uns so, daß wir sagen, er ist etwas, was als Gedanke in uns wohnt, etwas, was da fortwirkt, was sich umwandelt in uns; was tatsächlich sich umwandelt zu der Idee, zu dem Gedanken, der nun auftritt wie etwas, was uns einfällt, wenn wir uns im gewöhnlichen Erinnerungsprozeß besinnen, der auftritt wie etwas, was uns überwältigt. Wie wenn etwas sagen würde: So kann er nicht bleiben, er ändert sich um in dir, er entfaltet Leben, er wird zu etwas anderem! Das drängt sich uns auf — machen Sie das Experiment! —, es drängt sich uns so auf, daß es uns sagt: Ja, das ist etwas, was mit einem anderen als deinem jetzigen Erdendasein einiges zu tun hat. Eine ArtBesinnung auf ein anderes Erdendasein, der Gedanke tritt ganz bestimmt auf. Es ist mehr ein Gefühl als ein Gedanke, eine Empfindung, aber eine solche, wie wenn wir das, was im Gemüt auftritt, so fühlen wie das, was wir selber einmal in einer früheren Inkarnation auf dieser Erde waren.

[ 11 ] In just this way, though on a somewhat broader scale, the “thinking person” we have described is an auxiliary process. He no longer lets us go; he works within us in such a way that we say he is something that dwells within us as a thought, something that continues to work there, that transforms itself within us; that actually transforms itself into the idea, into the thought that now appears as something that occurs to us when we reflect in the ordinary process of recollection, that appears as something that overwhelms us. As if something were saying: It cannot remain this way; it transforms within you, it unfolds life, it becomes something else! This imposes itself upon us—try the experiment!—it imposes itself upon us in such a way that it tells us: Yes, this is something that has something to do with an existence on earth other than your present one. A kind of reflection on another earthly existence; the thought certainly arises. It is more of a feeling than a thought, a sensation, but one such that we feel what arises in the mind as what we ourselves once were in a previous incarnation on this Earth.

[ 12 ] Anthroposophie ist eben durchaus, wenn wir sie als etwas Ganzes betrachten, nicht bloß eine Summe von Theorien, von Mitteilungen von Tatsachen, die da bestehen, sondern sie gibt uns Vorschriften und Anweisungen, wie man dies oder jenes erreichen kann. Die Anthroposophie sagt: Du wirst mehr und mehr dahin geführt, daß du dich leichter besinnen kannst, wenn du dies oder jenes machst. — Man kann auch sagen, und das ist durchaus aus dem Gebiet der Erfahrung geschöpft: Wenn du so vorgehst, bekommst du einen Gemütseindruck, einen Gefühlseindruck von dem Menschen, der du früher warst. — Wir kommen da zu dem, was man nennen könnte: eine Erweiterung unseres Gedächtnisses. Nun ist dies, was sich uns da eröffnet, wirklich zunächst nur eine Gedankentatsache, solange wir den geschilderten Gedankenmenschen konstruieren. Aber der Gedankenmensch bleibt nicht Gedankenmensch. Er verwandelt sich in Empfindungs-, in Gemütseindrücke, und indem er dies tut, wissen wir: In dem, was wir empfinden, haben wir etwas, was zu tun hat mit unserer vorhergehenden Inkarnation. Unser Gedächtnis erweitert sich auf unsere frühere Inkarnation.

[ 12 ] When we consider it as a whole, anthroposophy is certainly not merely a collection of theories or statements of facts that simply exist; rather, it provides us with guidelines and instructions on how to achieve this or that. Anthroposophy says: You will be led more and more to a point where you can reflect more easily when you do this or that. — One can also say, and this is drawn entirely from the realm of experience: If you proceed in this way, you will gain a mental impression, an emotional impression of the person you used to be. — We arrive at what one might call: an expansion of our memory. Now, what opens up to us here is, at first, really only a mental fact, as long as we are constructing the “thinking human” described. But the thought-person does not remain a thought-person. It transforms into impressions of feeling and mood, and as it does so, we know: In what we feel, we have something that has to do with our previous incarnation. Our memory expands to include our previous incarnation.

[ 13 ] In dieser Inkarnation erinnern wir uns an die Dinge, bei denen wir mit unseren Gedanken zugegen sind. Sie alle wissen, daß man sich verhältnismäßig leicht erinnert an die Dinge, in welche unsere Gedanken hereingespielt haben. Im gewöhnlichen Leben bleibt aber nicht so leicht lebendig dasjenige, was in unser Gefühl hereingespielt hat. Wenn Sie versuchen, zurückzudenken an das, was Ihnen großen Schmerz gemacht hat vor zehn, zwanzig Jahren, so werden Sie sich leicht an die Vorstellung erinnern; Sie werden sich an das, was sich da abgespielt hat, in Ihren Vorstellungen zurückversetzen; aber zu einer lebendigen Empfindung des damals empfundenen Schmerzes können Sie nicht gelangen. Der Schmerz verblaßt, die Erinnerung an ihn ergießt sich in unsere Vorstellung. Was jetzt geschildert worden ist, ist ein Gemütsgedächtnis, ein Gefühlsgedächtnis. Und in der Tat, als solches fühlen wir unsere frühere Inkarnation. In der Tat tritt das auf, was wir nennen können: eine Erinnerung an frühere Inkarnationen. Es kann ja nicht so ohne weiteres angesehen werden wie das, was in die gegenwärtige Inkarnation hereinspielt, was Träger der Erinnerung ist an frühere Inkarnationen. Bedenken Sie nur einmal, wie innig verwachsen unsere Vorstellungen mit dem Ausdruck der Vorstellungen sind, mit unserer Sprache. Die Sprache ist die verkörperte Vorstellungswelt. Und die Sprache muß ein jeder Mensch in den einzelnen Leben wieder lernen. Der größte Sprachforscher oder Sprachkenner muß als Kind mit Mühe seine Muttersprache erlernen. Es ist noch nicht der Fall vorgekommen, daß ein Gymnasiast das Griechische deshalb leicht lernte, weil er sich rasch erinnert hätte an das Griechisch, das er in früheren Inkarnationen gesprochen hat!

[ 13 ] In this incarnation, we remember the things we are mentally engaged with. You all know that it is relatively easy to remember the things our thoughts have focused on. In everyday life, however, what has touched our feelings does not remain so easily vivid in our memory. If you try to think back to what caused you great pain ten or twenty years ago, you will easily recall the mental image; you will transport yourself back in your imagination to what took place then; but you cannot attain a vivid sensation of the pain you felt at that time. The pain fades, the memory of it pours into our mental image. What has just been described is a memory of the soul, a memory of feeling. And indeed, it is in this way that we feel our past incarnation. In fact, what we might call a memory of past incarnations occurs. It cannot simply be regarded as something that plays into the present incarnation, as the bearer of the memory of past incarnations. Just consider how intimately our mental images are intertwined with the expression of those mental images, with our language. Language is the embodied world of ideas. And every human being must relearn language in each individual life. Even the greatest linguist or expert in language must struggle as a child to learn their mother tongue. There has never been a case where a college student learned Greek easily simply because they quickly recalled the Greek they had spoken in past incarnations!

[ 14 ] Der Dichter Hebbel hat mit einigen Gedanken den Plan eines Dramas aufgezeichnet, das er schreiben wollte. Schade, daß er es nicht getan hat, es wäre ein sehr interessantes Drama geworden. Die Handlung war so gedacht, daß der wiederverkörperte Plato als Gymnasiast bei der Erklärung des alten Plato die allerschlechteste Zensur bekäme! Leider ist der Plan Hebbels nicht zur Ausführung gekommen. Wir brauchen nicht bloß daran zu denken, daß die Lehrer zum Teil pedantisch sind und so weiter. Wir wissen, daß das, was Hebbel aufzeichnete, darauf beruht, daß das Vorstellungsmäßige, was sich in den unmittelbaren Erfahrungsvorstellungen abspielt, mehr oder weniger unmittelbar beschränkt ist auf die gegenwärtige Inkarnation. Und es ist so, wie jetzt angedeutet worden ist, daß die erste Impression, der erste Eindruck von der vorhergehenden Inkarnation unmittelbar auftritt als Gefühlsgedächtnis, als eine neue Art von Gedächtnis. Was wir als Eindruck haben, wenn dieses Gedächtnis von dem Gedankenmenschen her entsteht, den wir konstruiert haben, ist mehr ein Gefühl, aber ein solches Gefühl, daß man versteht: Der Eindruck rührt von einem Kerl her, der einmal existiert hat und der du selber warst! — Man bekommt etwas wie ein Erinnerungsgefühl als ersten Eindruck an die vorhergehende Inkarnation.

[ 14 ] The poet Hebbel jotted down a few ideas for a play he intended to write. It’s a shame he didn’t follow through; it would have been a very interesting drama. The plot was conceived so that Plato, reincarnated as a college student, would receive the very worst grade from the older Plato during a lecture! Unfortunately, Hebbel’s plan was never carried out. We need not merely consider that teachers are, in part, pedantic and so on. We know that what Hebbel recorded is based on the fact that the imaginative realm, which plays out in the immediate experiences of the imagination, is more or less directly limited to the present incarnation. And it is as has now been indicated, that the first impression from the previous incarnation arises immediately as emotional memory, as a new kind of memory. What we experience as an impression when this memory arises from the thinking human being we have constructed is more of a feeling, but a feeling such that one understands: The impression comes from a fellow who once existed and who was you yourself! — One gets something like a sense of recollection as the first impression of the previous incarnation.

[ 15 ] Was da geschildert worden ist als Konstruktion eines Gedankenmenschen, das ist nur ein Mittel. Dieses Mittel wandelt sich um in einen solchen Gemüts- oder Gefühlseindruck. Jeder Mensch, der an die Anthroposophie herantritt, hat eigentlich mehr oder weniger Gelegenheit, leicht dasjenige auszuführen, was jetzt geschildert worden ist. Und wenn er dieses ausführt, wird er schon sehen, daß er wirklich in seinem Inneren einen Eindruck erhält, sagen wir — um ein anderes Beispiel zu gebrauchen — einen Eindruck, den er so schildern könnte: Ich habe einmal eine Landschaft gesehen, ich habe vergessen, wie sie aussieht, sie hat mir aber gefallen! — Nun wird, wenn es in diesem Leben war, die Landschaft keinen sehr lebendigen Gefühlseindruck mehr machen; aber wenn der Eindruck aus einer vorhergehenden Inkarnation stammte, so wird er einen besonders lebendigen Gefühlseindruck machen. Wir können uns so einen besonders lebendigen Eindruck als Gefühlseindruck von unserer früheren Inkarnation machen. Und wenn wir dann objektiv die geschilderten Eindrücke beobachten, werden wir zuweilen etwas wie ein bitteres oder ein bittersüßes oder ein saures Gefühl haben aus dem, was sich ergibt als Umwandlung des Gedankenmenschen. Dieses sauersüße oder sonstige Gefühl ist der Eindruck, den unsere frühere Inkarnation auf uns macht; es ist eine Art von Gefühls- oder Gemütseindruck.

[ 15 ] What has been described here as the mental construction of a thinking person is merely a means. This means transforms into a certain emotional or feeling-based impression. Anyone who approaches anthroposophy actually has, to a greater or lesser extent, the opportunity to easily carry out what has just been described. And when they do so, they will already see that they truly receive an impression within themselves—to use another example—an impression they might describe as follows: I once saw a landscape; I have forgotten what it looks like, but I liked it! — Now, if it was in this life, the landscape will no longer make a very vivid emotional impression; but if the impression came from a previous incarnation, it will make a particularly vivid emotional impression. We can thus form such a particularly vivid impression as an emotional impression from our previous incarnation. And when we then objectively observe the impressions described, we will sometimes have something like a bitter or bittersweet or sour feeling arising from what emerges as the transformation of the thinking human being. This bittersweet or other feeling is the impression our earlier incarnation makes on us; it is a kind of emotional or mental impression.

[ 16 ] Damit wurde versucht, Sie aufmerksam zu machen auf etwas, was dazu führen kann, bei jedem Menschen eine Art unmittelbarer Gewißheit hervorzurufen, daß er in früheren Leben existiert hat; Gewißheit dadurch, daß er sich ein Gefühl verschafft, daß er Gemüts- oder Gefühlseindrücke hat, von denen er weiß: Das hast du gewiß nicht in diesem Leben irgendwo erworben. — Ein solcher Eindruck tritt aber so auf, wie für das gewöhnliche Leben eine Erinnerungsvorstellung auftritt. Nun kann man fragen: Wie kann man wissen, daß der Eindruck, den man hat, eine Erinnerung ist? — Sehen Sie, da kann man nur sagen, beweisen läßt sich so etwas nicht. Aber es liegt derselbe Tatbestand vor, der auch sonst im Leben vorliegt, wenn wir uns an etwas erinnern und bei gesunden Sinnen sind. Da können wir wissen, daß das, was in uns auftritt in Gedanken, sich wirklich bezieht auf etwas, was wir erlebt haben. Die Erfahrung selber gibt die Gewißheit. Was wir uns in der angegebenen Art vorstellen, gibt uns die Gewißheit davon, daß der Eindruck, der im Gemüt auftaucht, sich nicht auf etwas bezieht, was mit uns zu tun hatte im gegenwärtigen Leben, sondern auf etwas, was mit uns zu tun hatte im vorhergehenden Leben.

[ 16 ] This was an attempt to draw your attention to something that can lead to a kind of immediate certainty in every person that they have existed in past lives; a certainty arising from the fact that they experience a feeling, that they have emotional or sensory impressions of which they know: You certainly did not acquire this anywhere in this life. — But such an impression arises in the same way that a memory arises in ordinary life. Now one might ask: How can one know that the impression one has is a memory? — You see, one can only say that such a thing cannot be proven. But the same facts are present as in other aspects of life when we remember something and are of sound mind. Then we can know that what arises in our thoughts truly relates to something we have experienced. The experience itself provides the certainty. The mental image we create in the manner described gives us the certainty that the impression arising in the mind does not relate to something that had to do with us in the present life, but to something that had to do with us in a previous life.

[ 17 ] Da haben wir auf künstliche Weise in uns hervorgerufen etwas, was uns mit unserem vorhergehenden Leben in Zusammenhang bringt. Wir können noch mancherlei andere Arten von innerlichen probeweisen Erfahrungen und Erlebnissen hernehmen und können dadurch wieder weitergehen und in uns wachrufen so etwas wie Empfindungen von früheren Leben. Da können wir wiederum in anderer Hinsicht die Erlebnisse dessen, was wir im Leben durchmachen, teilen; wir können sie in anderer Weise in Gruppen teilen. Wir können auf der einen Seite in eine Gruppe fassen, was wir an Leiden, an Schmerzen, an Hemmnissen im Leben durchgemacht haben; auf der anderen Seite, was uns bewußt geworden ist als Förderungen, als Freude, Lust und so weiter.

[ 17 ] In this way, we have artificially evoked within ourselves something that connects us to our past lives. We can draw upon various other types of inner, tentative experiences and sensations, and through them move forward once more to evoke within ourselves something akin to feelings from past lives. In another respect, we can also categorize the experiences of what we go through in life; we can group them in different ways. On the one hand, we can group together what we have endured in terms of suffering, pain, and obstacles in life; on the other hand, what has become conscious to us as support, joy, pleasure, and so on.

[ 18 ] Nun können wir wiederum probeweise uns auf folgenden Standpunkt stellen. Wir können einmal sagen: Ja, wir haben diese Schmerzen, diese Leiden erfahren. So wie wir in dieser Inkarnation einmal sind, wie das normale Leben nun einmal abläuft, sind uns unsere Schmerzen, unsere Leiden etwas Fatales, etwas, was wir in gewisser Beziehung gern von uns hinwegstoßen würden. Tun wir dies einmal probeweise nicht. Nehmen wir probeweise an, wir würden aus einem gewissen Grunde diese Schmerzen, diese Leiden und Hemmnisse selber herbeigeführt haben, denn durch diese früheren Leben, wenn sie wirklich da sind, sind wir in gewisser Weise durch das, was wir getan haben, unvollkommener geworden. Wir werden ja durch die Inkarnationenfolge nicht nur vollkommener, sondern wir werden in einer gewissen Weise auch unvollkommener. Oder sind wir etwa nicht unvollkommener, als wir vorher waren, wenn wir einem Menschen eine Beleidigung, ein Ungemach zugefügt haben? Nicht nur diesem Menschen haben wir etwas zugefügt, wir haben uns selber etwas genommen; wir wären als Gesamtpersönlichkeit mehr wert, wenn wir das nicht getan hätten. Solche Dinge haben wir viele auf unser Kerbholz geschrieben, die wir getan haben, und die, weil wir sie getan haben, unsere Unvollkommenheit begründen. Wenn wir einem Menschen ein Ungemach zugefügt haben und den Wert, den wir vorher gehabt haben, wieder haben wollen, was muß da geschehen? Wir müssen das Ungemach ausgleichen, wir müssen eine ausgleichende Tat in die Welt setzen, müssen irgend etwas erfinden, was sozusagen uns zwingt, etwas zu überwinden. Und wenn wir in dieser Richtung nachdenken über unsere Leiden und Schmerzen, so können wir vielfach sagen: Unsere Leiden, unsere Schmerzen sind geeignet, wenn wir sie überwinden, uns Kraft anzueignen in der Überwindung unserer Unvollkommenheiten. Vollkommener können wir werden durch die Leiden. — Im normalen Menschenleben denken wir ja nicht so; da verhalten wir uns ablehnend gegen die Leiden. Wir können aber sagen: Jeder Schmerz, jedes Leid, jedes Hemmnis im Leben soll eine Andeutung dafür sein, daß wir einen gescheiteren Menschen in uns haben, als wir selber sind. Den Menschen, der wir selber sind, betrachten wir für eine Weile, trotzdem er derjenige ist, der unser Bewußtsein umfaßt, als den weniger gescheiten; aber einen gescheiteren haben wir, der in den Untergründen unserer Seele schlummert. Wir, mit unserem gewöhnlichen Bewußtsein, verhalten uns gegen Schmerzen und Leiden ablehnend, aber der Gescheitere führt uns gegen unser Bewußtsein zu diesen Schmerzen hin, weil wir durch Überwindung dieser Schmerzen etwas abstreifen können. Er führt uns hin zu dem Schmerz und Leid, er weist uns an, das durchzumachen. — Mag sein, daß es zunächst ein harter Gedanke ist, aber er verpflichtet uns ja zu nichts, wir können ihn janureinmal probeweisemachen. Wir können sagen: Dadrinnen in uns ist ein gescheiterer Mensch, der uns zu Leiden und Schmerzen hinführt, zu etwas, was wir im Bewußtsein am liebsten vermeiden möchten. Davon denken wir, daß es der Gescheitere in uns ist. Auf diese Weise kommen wir zu dem für manchen störenden inneren Ergebnis, daß der Gescheitere uns immer zu dem uns Unsympathischen hinführt!

[ 18 ] Now, let us tentatively adopt the following perspective. We might say: Yes, we have experienced this pain, this suffering. Given our current state in this incarnation and the way normal life unfolds, our pain and suffering seem like something inevitable—something we would, in a certain sense, like to cast aside. Let us, for the sake of argument, not do this. Let us assume, for the sake of argument, that for some reason we ourselves have brought about these pains, these sufferings, and these obstacles, for through these past lives—if they truly exist—we have, in a certain sense, become more imperfect through what we have done. After all, through the succession of incarnations, we do not only become more perfect, but in a certain way we also become more imperfect. Or are we not more imperfect than we were before when we have inflicted an insult or a hardship upon another person? We have not only inflicted something upon that person; we have also deprived ourselves of something; we would be of greater worth as a whole personality if we had not done so. We have many such things to our credit—things we have done—and which, because we have done them, constitute our imperfection. If we have caused someone distress and wish to regain the value we previously possessed, what must happen? We must make amends for the harm, we must perform a compensatory act in the world, must devise something that, so to speak, compels us to overcome something. And when we reflect on our sufferings and pains in this light, we can often say: Our sufferings, our pains are suitable, if we overcome them, for gaining strength in overcoming our imperfections. We can become more perfect through suffering. — In ordinary human life, we do not think this way; there we react with aversion to suffering. But we can say: Every pain, every suffering, every obstacle in life should be a hint that we have a wiser person within us than we ourselves are. We regard the person we ourselves are—even though he is the one who encompasses our consciousness—as the less wise one for a time; but we have a wiser one who slumbers in the depths of our soul. We, with our ordinary consciousness, react with aversion to pain and suffering, but the wiser one leads us, against our consciousness, toward these pains, because by overcoming them we can shed something. He leads us toward the pain and suffering; he instructs us to go through it. — It may be a difficult thought at first, but it doesn’t oblige us to do anything; we can simply try it out. We can say: Inside us there is a wiser person who leads us toward suffering and pain, toward something we would most like to avoid in our consciousness. We believe that this is the wiser person within us. In this way, we arrive at the inner conclusion—disturbing to some—that the wiser person always leads us toward what we find unpleasant!

[ 19 ] Wir wollen also einmal annehmen, es sei solch ein Gescheiterer in uns, der uns zu dem uns Unsympathischen hinführt, damit wir vorwärtskommen.

[ 19 ] Let us suppose, then, that there is such a “wiser self” within us that leads us toward what we find unpleasant, so that we may move forward.

[ 20 ] Wir machen aber noch etwas anderes. Nehmen wir unsere Freuden, unsere Förderungen, unsere Lust und sagen wir von diesen wiederum probeweise: Wie wäre es, wenn du dir die Vorstellung bildetest, gleichgültig, wie es in Wahrheit sich verhält: Du hast deine Lust, deine Freude, deine Förderungen gar nicht verdient, sie sind dir durch Gnade der höheren geistigen Mächte zugekommen. — Es braucht dies nicht für alles der Fall zu sein, aber probeweise wollen wir annehmen, wir hätten alle Schmerzen und Leiden so herbeigeführt, daß der Gescheitere in uns zu ihnen uns hingeführt hätte, weil wir anerkennen, daß wir sie infolge unserer Unvollkommenheiten notwendig haben und doch nur durch Schmerzen und Leiden hinauskommen können über unsere Unvollkommenheiten. Und dann wollen wir probeweise das Gegenteilige annehmen: wir schreiben uns unsere Freuden so zu, als ob sie nicht unser Verdienst wären, sondern als ob sie uns von geistigen Mächten gegeben worden wären.

[ 20 ] But we do something else as well. Let us take our joys, our blessings, our pleasures, and let us again consider them tentatively: What if you were to create a mental image—regardless of how things actually are—of yourself as someone who has not at all deserved your pleasures, your joys, your blessings, but that they have come to you through the grace of higher spiritual powers. — This need not be the case for everything, but let us tentatively assume that we have brought all our pains and sufferings upon ourselves in such a way that the wiser part of us has led us to them, because we recognize that we necessarily need them as a result of our imperfections and yet can only transcend our imperfections through pain and suffering. And then, for the sake of argument, let us assume the opposite: we attribute our joys to ourselves as if they were not our own merit, but as if they had been given to us by spiritual powers.

[ 21 ] Es mag wiederum für manchen eitlen Menschen eine bittere Pille sein, so zu denken. Aber probeweise das durchzumachen, ist durchaus etwas, das, wenn der Mensch in seinem Gemüt ganz intensiv solcher Vorstellung fähig ist, zu der Grundempfindung führt, weil es sich wiederum verwandelt und insofern es unrichtig ist, sich von selber rektifiziert: In dir lebt etwas, was nichts zu tun hat mit dem gewöhnlichen Bewußtsein, was tatsächlich tiefer ist, als was du in diesem Leben bewußt erfahren hast; es ist also etwas in dir, was ein gescheiterer Mensch in dir ist, der sich gern an die ewigen göttlich-geistigen Mächte wendet, die die Welt durchleben. — Da wird dann im inneren Leben selber zur Gewißheit, daß hinter der äußeren eine innere, höhere Individualität liegt. Wir werden uns des ewigen geistigen Wesenskernes durch solche Gedankenübungen bewußt. Das ist außerordentlich bedeutsam. Damit haben wir wiederum etwas, von dem wir sagen können, wir können es ausführen.

[ 21 ] For some vain people, however, this way of thinking may be a bitter pill to swallow. But to try this out is certainly something that, if a person is capable of such a mental image with great intensity in their mind, leads to the fundamental feeling, because it transforms itself and, insofar as it is incorrect, rectifies itself: There lives within you something that has nothing to do with ordinary consciousness, something that is in fact deeper than what you have consciously experienced in this life; there is thus something within you that is a wiser part of yourself, which gladly turns to the eternal divine-spiritual powers that permeate the world. — Then, within the inner life itself, it becomes a certainty that behind the outer lies an inner, higher individuality. Through such exercises of thought, we become aware of the eternal spiritual core of our being. This is extraordinarily significant. With this, we once again have something of which we can say that we can put it into practice.

[ 22 ] Anthroposophie kann eben in jeder Beziehung eine Anweisung sein, um nicht nur irgend etwas zu wissen über das Dasein einer anderen Welt, sondern um in sich selber sich als einen Angehörigen einer anderen Welt zu fühlen, um sich als eine solche Individualität zu fühlen, die durch die aufeinanderfolgenden Inkarnationen hindurchgeht.

[ 22 ] Anthroposophy can, in every respect, serve as a guide not merely to know something about the existence of another world, but to feel within oneself that one belongs to another world, to feel oneself as an individuality that passes through successive incarnations.

[ 23 ] Es gibt noch eine dritte Art von Erlebnissen. Bei dieser dritten Art wird es allerdings schon schwieriger sein, sie sozusagen zu benützen, um wirklich zu einer Art von innerer Erfahrung von Karma und Reinkarnation zu kommen. Aber wenn es auch schwierig und langwierig ist, das, was jetzt gesagt werden soll, es kann wiederum so benützt werden, daß es probeweise genommen wird. Und im redlichen Anwenden auf das äußere Leben wird sich schon herausstellen — zunächst die Wahrscheinlichkeit, wenn man es glauben kann, dann aber die immer grössere Gewißheit —, daß wirklich in dieser Weise unser gegenwärtiges Leben mit dem vorhergehenden zusammenhängt.

[ 23 ] There is a third type of experience. With this third type, however, it will be more difficult to use it, so to speak, to truly arrive at a kind of inner experience of karma and reincarnation. But even though what is about to be said is difficult and tedious, it can still be used in such a way that it is taken on a trial basis. And in its honest application to external life, it will become clear—first the probability, if one can believe it, but then an ever-increasing certainty—that our present life is indeed connected to the previous one in this way.

[ 24 ] Wir wollen einmal annehmen, wir durchleben unser gegenwärtiges Leben zwischen Geburt und Tod, und wir machen uns einmal klar, wenn wir, sagen wir, schon so weit sind, daß wir die Dreißigerjahre erreicht oder überschritten haben — wir werden schon sehen, daß auch für diejenigen, die jetzt noch nicht so weit sind, es später entsprechende Erlebnisse geben wird —, wir besinnen uns darauf, wie wir gerade um die Dreißigerjahre mit diesen oder jenen Menschen in der Außenwelt zusammengeführt worden sind; wir sind in den Dreißigerjahren bis zum vierzigsten Jahr in den verschiedenen Lebensverbindungen zusammengeführt worden mit Menschen der äußeren Welt. Da stellt sich für uns heraus, daß uns die Verbindungen, die wir da geschlossen haben, so erscheinen, als ob wir sie, man möchte sagen, in unserem lebensreifsten Zustande gemacht hätten, so daß wir wirklich ganz als reife Menschen am allermeisten dabei waren. Das kann sich uns durch Überlegung ergeben. Eine Überlegung, die aber aus den Grundsätzen, den Erkenntnissen der Geisteswissenschaft heraus gewonnen worden ist, kann uns doch darauf führen, daß das richtig ist, was jetzt von mir nicht bloß aus solcher Erwägung heraus gesprochen, sondern aus der geisteswissenschaftlichen Forschung heraus mitgeteilt wird. Also, was ich jetzt sage, ist nicht bloß aus Gedanken logisch gefunden, sondern durch die geisteswissenschaftliche Forschung festgestellt worden, aber logisches Denken kann die Tatsache erhärten und vernünftig finden. Wenn man so nachdenkt über mancherlei, was wir gelernt haben zum Beispiel über die Art, wie die verschiedenen einzelnen menschlichen Glieder herauskommen im Verlaufe des Lebens — wir wissen, daß im siebenten Jahre der Ätherleib, im vierzehnten Jahre der Astralleib, im einundzwanzigsten Jahre die Empfindungsseele, im achtundzwanzigsten Jahre die Verstandes- und im fünfunddreißigsten Jahre die Bewußtseinsseele herauskommt —, wenn wir dieses überdenken, dann können wir sagen: In der Zeit vom dreißigsten bis zum vierzigsten Jahre haben wir es zu tun mit der Ausbildung der Verstandes- und der Bewußtseinsseele.

[ 24 ] Let us assume for a moment that we are living out our present life between birth and death, and let us consider the following: when we have, say, reached or passed the age of thirty—we will see that even for those who have not yet reached that point, there will be corresponding experiences later on— we reflect on how, precisely around the age of thirty, we were brought together with this or that person in the outer world; from our thirties up to the age of forty, we were brought together in various life connections with people of the outer world. It then becomes clear to us that the relationships we formed there appear to us as if we had formed them, one might say, in our most mature state of life, so that we were truly fully present as mature human beings. This can become clear to us through reflection. However, a reflection derived from the principles and insights of Spiritual Science can lead us to the conclusion that what I am now saying is correct—not merely based on such consideration, but communicated through spiritual scientific research. So, what I am saying now has not merely been logically deduced from thought, but has been established through research in Spiritual Science; yet logical thinking can corroborate the fact and find it reasonable. When one reflects in this way on various things we have learned—for example, regarding the way the various individual human members emerge in the course of life—we know that in the seventh year the etheric body, in the fourteenth year the astral body, in the twenty-first year the feeling soul, in the twenty-eighth year the intellectual soul, and in the thirty-fifth year the conscious soul emerge—if we reflect on this, then we can say: In the period from the thirtieth to the fortieth year, we are dealing with the development of the intellectual and conscious souls.

[ 25 ] Die Verstandes- und die Bewußtseinsseele, sie sind diejenigen Kräfte in der menschlichen Natur, welche uns am allermeisten zusammenführen mit der äußeren physischen Welt, denn sie sind dazu da, daß sie gerade in demjenigen Lebensalter besonders herauskommen, in dem wir am allermeisten im Wechselverkehr mit der äußeren physischen Welt stehen. Im ersten Kindheitsalter werden die Kräfte unseres physischen Leibes herausdirigiert, herausbestimmt, verursacht aus dem, was noch im Inneren unmittelbar verschlossen ist. Was der Mensch sich als Ursachen angeeignet hat in vorhergehenden Inkarnationen, was durchgegangen ist mit uns durch die Pforte des Todes, was wir an geistigen Kräften gesammelt haben, was wir aus dem früheren Leben mitbringen, das wirkt und webt am Aufbau unseres physischen Leibes. Es wirkt fortwährend unsichtbar vom Inneren heraus in den Leib hinein. Mit dem fortschreitenden Lebensalter wird diese Einwirkung immer geringer; immer mehr rückt die Lebenszeit heran, da die alten Kräfte den Leib so hergestellt haben. Und dann kommt die Zeit, wo wir der Welt mit einem fertigen Organismus gegenüberstehen. Was wir im Inneren tragen, hat seine Ausprägung erfahren in unserem äußeren Leibe. Wir treten um das dreißigste Jahr herum — es kann auch etwas früher oder etwas später sein — der Welt am allerphysischsten entgegen, wir stehen da mit der Welt so in Beziehung, daß wir am allerverwandtesten sind mit dem physischen Plan. Wenn wir nun da glauben, am allermeisten Klarheit, äußere physische Klarheit zu haben über die Lebensverhältnisse, die wir da anknüpfen, so müssen wir sagen: diese Lebensverhältnisse, die wir da anknüpfen, sind diejenigen, die für diese Inkarnation eigentlich am wenigsten zusammenhängen mit dem, was im Innersten in uns wirkt und webt von unserer Geburt aus. Dennoch können wir annehmen, daß wir durchaus nicht aus Zufall um das dreißigste Jahr herum mit Menschen zusammengeführt werden, welche gerade dann in unserer Umgebung auftreten müssen. Wir können vielmehr annehmen, daß auch da unser Karma am Werk ist, daß auch diese Personen etwas mit einer unserer früheren Inkarnationen zu tun haben.

[ 25 ] The intellectual soul and the conscious soul are the forces within human nature that bring us into the closest connection with the external physical world, for they are meant to emerge most prominently precisely at that stage of life when we are most actively engaged in interaction with the external physical world. In early childhood, the forces of our physical body are directed outward and shaped by what is still directly enclosed within us. What the human being has acquired as causes in previous incarnations, what has passed through the gate of death with us, what we have gathered in spiritual forces, what we bring with us from our previous life—this works and weaves at the building of our physical body. It works continuously, invisibly, from within into the body. As we grow older, this influence becomes ever weaker; the time draws ever nearer when the old forces have shaped the body. And then comes the time when we face the world with a fully formed organism. What we carry within has found its expression in our outer body. Around the age of thirty—it may be a little earlier or a little later—we face the world in the most physical way; we stand in such a relationship with the world that we are most closely attuned to the physical plane. If we now believe that we have the greatest clarity—outer physical clarity—regarding the life circumstances we are entering into, we must say: these life circumstances we are entering into are actually the ones that, for this incarnation, are least connected to what has been working and weaving within our innermost being since our birth. Nevertheless, we can assume that it is by no means a coincidence that around the age of thirty we are brought together with people who must appear in our environment at precisely that time. Rather, we can assume that our karma is at work here as well, that these people, too, have something to do with one of our earlier incarnations.

[ 26 ] Und da zeigen die geisteswissenschaftlichen Tatsachen, die verschiedentlich erforscht sind, daß sehr häufig die Personen, mit denen wir zusammenkommen um das dreißigste Jahr herum, in früheren Inkarnationen so mit uns verwoben sind, daß wir mit ihnen zusammenhängen können, meistens am Anfang der unmittelbar vorhergehenden Inkarnation oder auch noch früher, als Eltern oder Geschwister. Das ist zunächst eine merkwürdige, überraschende Tatsache. Es muß nicht so sein, aber viele Fälle zeigen der geisteswissenschaftlichen Forschung, daß es so ist, daß tatsächlich unsere Eltern, die Personen, die beim Ausgangspunkt unseres vorhergehenden Lebens uns zur Seite gestanden haben, die uns in den physischen Plan hineingestellt haben, denen wir später entwachsen sind, daß die mit uns karmisch so verwoben sind, daß sie in unserem neuen Leben nicht in unserer Kindheit wieder mit uns zusammengeführt werden, sondern erst dann, wenn wir am meisten auf den physischen Plan herausgetreten sind. Es muß nicht so sein, denn die geisteswissenschaftliche Forschung zeigt sehr häufig, daß wir erst in einer nächsten Inkarnation zusammengeführt werden mit solchen als Eltern, als Geschwister, überhaupt als Blutsverwandte in Frage Kommenden, mit denen wir in dieser Inkarnation um die Dreißigerjahre herum uns zusammenfanden. Also die Bekanntschaften um die Dreißigerjahre herum in irgendeiner Inkarnation können sich so stellen, daß die Personen, die in Betracht kommen, mit uns selber blutsverwandt sind in vorhergehender oder nachfolgender Inkarnation. Wir können also sagen: Mit den Persönlichkeiten, mit denen dich das Leben zusammenführt in den Dreißigerjahren, mit denen warst du entweder wie mit Eltern und Geschwistern zusammen in einer vorhergehenden Inkarnation, oder du kannst voraussetzen, daß sie in einer der nächsten Inkarnationen mit dir in solcher Eigenschaft zusammenhängen.

[ 26 ] And here the facts of Spiritual Science, which have been researched in various ways, show that very often the people we meet around the age of thirty are so intertwined with us in earlier incarnations that we can be connected to them, usually at the beginning of the immediately preceding incarnation or even earlier, as parents or siblings. At first glance, this is a strange, surprising fact. It does not have to be this way, but many cases show Spiritual Science research that this is indeed the case—that our parents, the people who stood by us at the starting point of our previous life, who brought us into the physical plane, from whom we later outgrew—that they are so karmically intertwined with us that in our new life they are not reunited with us again in our childhood, but only when we have stepped out onto the physical plane to the greatest extent. This need not be the case, for Spiritual Science research very often shows that we are only reunited in a subsequent incarnation with those who might be considered parents, siblings, or blood relatives in general—those with whom we came together in this incarnation around the age of thirty. So the acquaintances we make around the age of thirty in any given incarnation may turn out to be people who are blood relatives of our own from a previous or subsequent incarnation. We can therefore say: The people with whom life brings you together in your thirties—you were either with them as parents and siblings in a previous incarnation, or you can assume that they will be connected to you in that capacity in one of your next incarnations.

[ 27 ] Auch das Umgekehrte gilt. Wenn wir diejenigen Persönlichkeiten betrachten, die wir uns willkürlich durch äußere Kräfte, die für den physischen Plan geeignet sind, am wenigsten wählen, also unsere Eltern und Geschwister, mit denen wir am Anfang unseres Lebens zusammentrafen, wenn wir diese ins Auge fassen, kommen wir sehr häufig darauf, daß wir gerade die Personen, die uns hereingeleiten von der Kindheit an ins Leben, um die Dreißigerjahre herum in einer anderen Inkarnation wie willkürlich mit unseren Kräften selber ausgewählt haben; mit anderen Worten, daß wir in der Mitte des vorhergehenden Lebens die ausgewählt haben, die jetzt unsere Eltern und Geschwister geworden sind.

[ 27 ] The reverse is also true. When we consider those personalities whom we would least likely choose arbitrarily through external forces suited to the physical plane, that is, our parents and siblings whom we encountered at the beginning of our lives—when we consider them, we very often realize that we ourselves, as if by chance, selected precisely those individuals who guide us into life from childhood onward in another incarnation around the age of thirty; in other words, that in the middle of our previous life we chose those who have now become our parents and siblings.

[ 28 ] Besonders interessant ist also die Tatsache, die sich merkwürdigerweise herausstellt, daß die Sache nicht so liegt, daß wir in aufeinanderfolgenden Inkarnationen in den gleichen Verhältnissen sind mit den Persönlichkeiten, mit denen wir zusammenkommen; auch daß wir nicht in den entsprechenden Lebensaltern wie vorher mit ihnen zusammentreffen. Auch nicht gerade das Umgekehrte ist der Fall: nicht die Persönlichkeiten, mit denen wir am Lebensende zusammentrafen, stehen in einer anderen Inkarnation in Beziehung zu unserem Lebensanfang, sondern die Persönlichkeiten, mit denen wir in der Lebensmitte zusammentreffen. Also weder die jetzt am Lebensanfang noch die am Lebensende mit uns zusammenkommenden Persönlichkeiten, sondern die jetzt in der Mitte des Lebens mit uns in Berührung kommenden Persönlichkeiten waren am Anfang einer vorhergehenden Inkarnation als unsere Blutsverwandten um uns. Die damals im Lebensanfang mit uns zusammen waren, die treten jetzt in der Mitte unseres Lebens auf; und die jetzt am Anfang unseres Lebens um uns sind, von denen können wir voraussetzen, daß wir uns mit ihnen in der Mitte einer der nächsten Inkarnationen zusammenfinden, daß sie als unsere frei gewählten, irgendwo gewählten Lebensgenossen mit uns in Zusammenhang kommen werden. So merkwürdig sind die karmischen Zusammenhänge.

[ 28 ] What is particularly interesting, then, is the fact—which, strangely enough, turns out to be true—that it is not the case that, in successive incarnations, we find ourselves in the same circumstances with the personalities we encounter; nor is it the case that we meet them at the same stages of life as before. Nor is the exact opposite the case: it is not the personalities we met at the end of life who are connected to the beginning of our life in another incarnation, but rather the personalities we meet in the middle of life. Thus, neither the personalities who come together with us at the beginning of life nor those at the end, but rather the personalities who now come into contact with us in the middle of life were around us as our blood relatives at the beginning of a previous incarnation. Those who were with us at the beginning of life back then now appear in the middle of our lives; and as for those who are now around us at the beginning of our lives, we can assume that we will come together with them in the middle of one of our next incarnations, that they will come into connection with us as our freely chosen, somewhere chosen life companions. Such are the strange karmic connections.

[ 29 ] Was ich jetzt gesagt habe, das sind Dinge, welche die geisteswissenschaftliche Forschung ergibt. Aber ich habe schon darauf aufmerksam gemacht, daß, wenn man auf die Art und Weise, wie das die geisteswissenschaftliche Forschung zeigt, die inneren Zusammenhänge zwischen Lebensanfang unserer einen und Lebensmitte unserer anderen Inkarnation betrachtet, man begreift, daß das nicht etwas Unsinniges oder Unnützes ist. Die andere Seite ist eben die, daß durch solche Dinge, wenn sie an uns herangebracht werden und wenn wir uns vernünftig dazu stellen, das Leben hell und klar wird. Es wird hell und klar, wenn wir nicht alles einfach hinnehmen, man möchte sagen dumpf, um nicht zu sagen dumm; es wird hell und klar, wenn man versucht, das, was uns im Leben trifft, irgendwie so zu begreifen, so auffassen zu wollen, daß wir die Beziehungen zu konkreten machen, die ja doch noch nicht ganz verständlich sind, so lange man nur ganz abstrakt im allgemeinen von Karma spricht.

[ 29 ] What I have just said are findings from Spiritual Science research. But I have already pointed out that when one considers the inner connections between the beginning of life in one incarnation and the middle of life in another, as Spiritual Science research reveals, one realizes that this is not something nonsensical or useless. The other side of the matter is precisely that through such things, when they are brought to us and when we approach them sensibly, life becomes bright and clear. Life becomes bright and clear when we do not simply accept everything—one might say dully, not to say foolishly; it becomes bright and clear when we try to understand and interpret what happens to us in life in such a way that we make concrete the relationships that are not yet fully comprehensible as long as we speak of karma only in very abstract and general terms.

[ 30 ] Es ist nützlich, darüber nachzudenken: Woher kommt es, daß wir in der Mitte unseres Lebens förmlich durch Karma getrieben werden, scheinbar mit aller Verstandeskraft diese oder jene Bekanntschaft zu machen, von der wir sagen können: scheint es nicht, als ob sie unabhängig, objektiv geschlossen wäre? — Das liegt eben daran, daß solche Persönlichkeiten im früheren Leben blutsverwandt mit uns waren und durch unser Karma jetzt mit uns zusammengeführt werden, weil wir etwas mit ihnen zu tun haben.

[ 30 ] It is worth reflecting on this: Why is it that, in the middle of our lives, we are literally driven by karma—seemingly with all our mental faculties—to make this or that acquaintance, about whom we might say: doesn’t it seem as though this connection was formed independently and objectively? — This is precisely because such individuals were blood relatives of ours in a previous life and are now brought together with us through our karma, because we have something to do with them.

[ 31 ] Wenn wir jedesmal solche Erwägungen anstellen gegenüber dem Verlauf des eigenen Lebens, werden wir sehen, daß wirklich Licht in unser Leben hineinkommt. Wenn wir uns auch einmal irren, und selbst wenn es zehnmal unrichtig ist: bei irgendeinem Menschen, den wir im Leben treffen, können wir doch auf das Richtige verfallen. Und wenn wir aus solchen Erwägungen heraus sagen: Diesen Menschen haben wir da oder dort getroffen —, so ist ein solcher Gedanke etwas, das uns wie ein Wegweiser zu anderen Dingen führt, die uns sonst nicht aufgefallen wären und die uns durch ihr Zusammenfallen immer mehr und mehr Gewißheit verschaffen von der Richtigkeit der einzelnen Tatsachen.

[ 31 ] If we make such reflections every time we consider the course of our own lives, we will see that light truly enters our lives. Even if we are mistaken once, and even if it is wrong ten times over: with any person we meet in life, we can still arrive at the right conclusion. And when, based on such reflections, we say: “We met this person here or there”—such a thought is something that serves as a signpost leading us to other things we would not otherwise have noticed, and which, through their convergence, give us ever greater certainty regarding the accuracy of the individual facts.

[ 32 ] Die karmischen Zusammenhänge sind eben nicht solche, die sich durch einen Schlag gewinnen lassen. Wir müssen die höchsten Erkenntnisse des Lebens, die wichtigsten unser Leben erhellenden Erkenntnisse langsam und allmählich erwerben. Daran wollen allerdings die Menschen nicht gern glauben. Es ist leichter zu glauben, daß man durch irgendeinen Lichtblitz finden könnte: Mit diesen und jenen Persönlichkeiten war ich in einem früheren Leben zusammen, oder dieser oder jener war ich selber. — Daß das alles langsam erworbene Erkenntnisse sein müssen, ist vielleicht unbequem zu denken, aber dennoch ist es so. Selbst wenn wir schon den Glauben hegen, daß es so sein könnte, müssen wir noch immer weiterforschen, und unser Glaube wird dann Gewißheit annehmen. Selbst für das, was schon mehr und mehr Wahrscheinlichkeit erweckt auf diesem Gebiete, kommen wir durch Forschen weiter. Wir vermauern uns die geistige Welt, wenn wir uns auf solchen Gebieten auf rasches Urteilen einlassen.

[ 32 ] Karmic connections are simply not the kind that can be grasped in an instant. We must acquire the highest insights into life—the most important insights that illuminate our lives—slowly and gradually. People, however, are reluctant to believe this. It is easier to believe that one might discover through some flash of insight: I was together with these or those personalities in a previous life, or I myself was this or that person. — That all of this must be knowledge acquired slowly is perhaps an uncomfortable thought, but nevertheless it is so. Even if we already harbor the belief that this might be the case, we must continue to investigate, and our belief will then become certainty. Even regarding what is already becoming increasingly probable in this realm, we make progress through research. We wall ourselves off from the spiritual world if we allow ourselves to make hasty judgments in such matters.

[ 33 ] Versuchen Sie einmal nachzudenken über das, was heute gesagt worden ist über die Bekanntschaften in der Mitte unseres Lebens und ihren Zusammenhang mit uns näherstehenden Persönlichkeiten in einer vorhergehenden Inkarnation. Sie werden dabei auf sehr fruchtbare Gedanken kommen; namentlich wenn man das gerade noch in Betracht zieht, was gesagt ist in der Schrift über «Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft». Dann zeigt sich klar und deutlich, daß das Ergebnis Ihres Nachdenkens mit dem in dieser Schrift Gesagten in Einklang steht.

[ 33 ] Try to reflect on what has been said today about the acquaintances we make in the middle of our lives and their connection to people who were close to us in a previous incarnation. You will arrive at very fruitful thoughts; especially if you also take into account what is said in the book *The Education of the Child from the Perspective of Spiritual Science*. Then it will become clear that the result of your reflection is in harmony with what is stated in this book.

[ 34 ] An das heute Gesagte muß aber noch eine ernstliche Mahnung geknüpft werden: Der wirkliche Geistesforscher hütet sich davor, Schlüsse zu ziehen; er läßt die Dinge an sich herankommen. Wenn sie da sind, prüft er sie erst mit der gewöhnlichen Logik. Dann kann etwas nicht passieren, was mir vor kurzem erst wieder einmal gegenübertrat und was recht charakteristisch ist für die Art, wie man sich heute der Anthroposophie entgegenstellen möchte. Da sagte mir ein sehr gescheiter Herr — ich sage das ohne alle Ironie, mit vollständigem Bekenntnis, daß er wirklich ein gescheiter Herr ist —: Wenn ich lese, was in Ihrem Buch «Geheimwissenschaft im Umriß» steht, so muß ich sagen, es erscheint das so logisch, so im Zusammenhang mit dem, was die Welt sonst noch an Tatsachen zeigt, daß ich gestehen muß, man könnte auf diese Dinge auch durch bloßes Nachdenken kommen. Diese Dinge brauchen nicht das Ergebnis übersinnlicher Forschung zu sein. Was in diesem Buch gesagt ist, sind gar keine zweifelhaften Sachen; sie stimmen mit der Wirklichkeit überein. — Ich konnte diesem Herrn die Versicherung geben, daß ich nicht glaube, daß ich durch bloßes Nachdenken darauf gekommen wäre, und daß ich bei allem Respekt vor seiner Gescheitheit auch nicht glaube, daß er durch bloßes Nachdenken diese Tatsachen gefunden hätte. Es ist schon wirklich so, daß alles, was logisch eingesehen werden kann auf geisteswissenschaftlichem Gebiet, wirklich nicht durch bloßes Nachdenken gefunden werden könnte! Daß man eine Sache logisch prüfen und begreifen kann, sollte doch noch kein Grund sein, an ihrem geisteswissenschaftlichen Ursprung zu zweifeln! Ich meine im Gegenteil, daß es eine Art von Beruhigung sein müßte, daß geisteswissenschaftliche Mitteilungen durch logisches Nachdenken als unzweifelhaft richtig erkannt werden können. Es kann schon nicht der Ehrgeiz des Geistesforschers sein, lauter unlogische Dinge zu sagen, damit er Glauben finde. Sie sehen, daß der Geistesforscher selber nicht auf dem Boden stehen kann, er finde diese Dinge durch Nachdenken. Aber wenn man nachdenkt über die auf geisteswissenschaftlichem Wege gefundenen Dinge, können sie so logisch erscheinen, daß sie zu logisch scheinen, so daß man gar keinen Glauben mehr an die geisteswissenschaftlichen Quellen findet, aus denen die Dinge stammen. So ist es tatsächlich bei allen Dingen, von denen gesagt ist, daß sie auf dem Boden reiner geisteswissenschaftlicher Forschung entstanden sind.

[ 34 ] However, what has been said today must be accompanied by a serious warning: The true spiritual researcher is careful not to jump to conclusions; he allows things to come to him on their own. When they are there, he first examines them with ordinary logic. Then something cannot happen that I recently encountered once again and that is quite characteristic of the way people today wish to oppose anthroposophy. A very intelligent gentleman said to me—I say this without any irony, with complete conviction that he really is a very intelligent gentleman—: When I read what is written in your book *Outline of Esoteric Science*, I must say that it appears so logical, so consistent with the rest of the facts the world presents, that I must admit one could arrive at these things through mere reflection. These things need not be the result of supersensible research. What is said in this book is not at all doubtful; it corresponds to reality. — I was able to assure this gentleman that I do not believe I would have arrived at these conclusions through mere reflection, and that, with all due respect for his intelligence, I do not believe he would have discovered these facts through mere reflection either. It is indeed true that everything that can be logically understood in the field of Spiritual Science could not really be discovered through mere reflection! The fact that one can logically examine and comprehend a matter should not be a reason to doubt its spiritual-scientific origin! On the contrary, I believe it should be a source of reassurance that findings of Spiritual Science can be recognized as unquestionably correct through logical reasoning. It certainly cannot be the ambition of the Spiritual Scientist to say nothing but illogical things in order to gain credence. You see that the Spiritual Scientist himself cannot claim to have discovered these things through reasoning. But when one reflects on the things discovered through methods of Spiritual Science, they can appear so logical that they seem too logical, so that one no longer has any faith in the sources of Spiritual Science from which these things originate. This is indeed the case with all things said to have arisen on the basis of pure Spiritual Science research.

[ 35 ] Wenn Ihnen auch zunächst das, was heute hier gesagt worden ist, grotesk erscheint, so versuchen Sie jetzt doch einmal, über die Dinge logisch nachzudenken. Ich würde wahrhaftig nicht, wenn mich nicht geistige Tatsachen dazu geführt hätten, aus dem gewöhnlichen logischen Denken es abgeleitet haben, aber nachdem es einmal da ist, kann man es logisch prüfen. Und da wird man sehen: je subtiler, je gewissenhafter man mit der Prüfung zu Werke geht, desto mehr wird sich herausstellen, daß alles stimmt. Selbst von solchen Dingen, bei denen man nicht prüfen kann, ob sie richtig sind, wie das, was heute gesagt worden ist über Eltern und Geschwister des einen Lebens und die Bekanntschaften in der Mitte des anderen Lebens, wird man schon aus der Art, wie die verschiedenen Glieder in den Zusammenhängen sich verhalten, finden müssen, daß sie einen im höchsten Grad nicht nur wahrscheinlichen, sondern einen bis an die Gewißheit grenzenden Eindruck machen. Und namentlich stellt sich eine Gewißheit als begründet heraus, wenn man die Dinge am Leben prüft. Man wird bei so manchen Persönlichkeiten, die man trifft, das eigene Verhalten und das der anderen in einem ganz anderen Lichte sehen, wenn man gleichsam jemandem, den man in der Mitte des Lebens findet, so gegenübersteht, als ob man im vorhergehenden Leben zusammen Geschwister gewesen wäre. Und dadurch wird das ganze Verhältnis viel fruchtbarer werden, als wenn man nur dumpf durchs Leben schreitet.

[ 35 ] Even if what has been said here today seems absurd to you at first, try to think about these things logically. I truly would not have been able to deduce this from ordinary logical thinking had spiritual facts not led me to it, but now that it is here, one can examine it logically. And then one will see: the more subtle and conscientious one is in this examination, the more it will become clear that everything is correct. Even regarding matters where one cannot verify their accuracy—such as what was said today about parents and siblings in one life and acquaintances in the middle of another—one must conclude, simply from the way the various elements relate within the context, that they make an impression that is not merely probable but borders on certainty. And in particular, a certainty proves to be well-founded when one tests these things in real life. With many of the personalities one encounters, one will see one’s own behavior and that of others in a completely different light when, so to speak, one faces someone one meets in the midst of life as if one had been siblings together in a previous life. And through this, the entire relationship will become much more fruitful than if one were merely plodding dully through life.

[ 36 ] So können wir sagen: Anthroposophie wird immer mehr nicht nur etwas, was Wissen und Erkenntnis gibt vom Leben, sondern was uns auch Anweisung gibt, wie wir die Verhältnisse des Lebens auffassen und lichtvoll nicht nur für uns selber, sondern auch für unser Verhalten gegenüber dem Leben und für unsere Lebensaufgabe machen können. Es ist das wichtig, daß wir nicht glauben, wir verderben uns das unmittelbare Drauflosleben. Nur ängstliche Menschen, die es nicht ganz ernst meinen mit dem Leben, können das glauben. Wir aber sollen uns klar sein, daß dadurch, daß wir das Leben genauer kennenlernen, wir das Leben auch fruchtbarer, inhaltsreicher machen. Was im Leben an uns herantritt, das soll durch Anthroposophie in einen Gesichtskreis gerückt werden, durch den alle Kräfte reicher, zuversichtlicher, hoffnungserweckender werden, als sie waren, bevor sie in diesen Gesichtskreis gerückt worden sind.

[ 36 ] Thus we can say: Anthroposophy is increasingly becoming not only a source of knowledge and insight into life, but also a guide that shows us how to understand the conditions of life and how to make them luminous—not only for ourselves, but also for our attitude toward life and for our life’s mission. It is important that we do not believe we are spoiling our immediate, spontaneous experience of life. Only fearful people who do not take life entirely seriously can believe that. We, however, must be clear that by getting to know life more closely, we also make life more fruitful and meaningful. Whatever comes to us in life should be brought into a perspective through anthroposophy, through which all forces become richer, more confident, and more hopeful than they were before they were brought into this perspective.