Spiritual Entities
in Heavenly Bodies and Nature Realms
GA 136
12 April 1912, Helsinki
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Spiritual Entities in Heavenly Bodies and Nature Realms, tr. SOL
Der Okkultismus und die Initiation
Occultism and Initiation
Öffentlicher Vortrag
Public Lecture
[ 1 ] Wer in unserer Gegenwart von Okkultismus spricht, muß gewärtig sein, daß sehr vieles von dem, was er zu sagen hat, aufgenommen wird als nicht nur etwa eine Summe von gewagten Hypothesen, sondern vielleicht sogar als Träumerei, als Phantasterei. Und wenn in einer Seele, welche im Bildungsleben und vielleicht im wissenschaftlichen Leben der Gegenwart steht, sich Widerspruch regt zunächst gegen mancherlei von dem, was in der Betrachtung dieses Abends zu sagen sein wird, so bitte ich in bezug darauf die Versicherung entgegenzunehmen, daß zu denen, die einen solchen Widerspruch, wie er sich regt in den Herzen der Gegenwart, voll verstehen können und begreiflich finden können, ganz gewiß ich selber gehöre. Vorerst möchte ich auf das hinweisen, was gemeint ist, wenn heute gesprochen werden soll von Okkultismus und von jenen Forschungsmethoden, welche zu den Ergebnissen des Okkultismus führen und die man zusammenfassen kann in dem Wort Initiation. Denn im Grunde genommen ist unter Initiation nichts anderes zu verstehen als die Summe aller derjenigen Verrichtungen, welche der Mensch zu vollbringen hat, wenn er zu den Ergebnissen des Okkultismus kommen will. Nun meine ich unter Okkultismus hier nicht all das Verschiedene, das unter diesem Namen in der Gegenwart da oder dort verbreitet wird, sondern ich meine jene ganz bestimmten, sich im Grunde den wissenschaftlichen Denkweisen und logischen Forderungen der Gegenwart fügenden Ergebnisse einer Art von Geisteswissenschaft. Ich meine alles das, was sich unter diesem Namen und unter dem eben erwähnten Gesichtspunkt hereinstellen will an Erkenntnissen in das Gegenwartsleben, an solchen Erkenntnissen, welche Dinge betrachten, von denen es unzweifelhaft gelten muß, daß gewöhnliche Wissenschaft, gewöhnliches Erkennen zu ihnen nicht führen kann. Was von diesem Gesichtspunkte aus heute in der Literatur seinen Einzug hält, ist nur allzu leicht geeignet, recht sehr den Widerspruch mancher unserer Zeitgenossen hervorzurufen, so hervorzurufen, daß man dagegen sagt: Was ist das alles, was da auftritt und Erkenntnisse bieten will über ein übersinnliches Leben, über übersinnliche Tatsachen, was ist das alles, wenn man es vergleicht mit den auf so strenger, gewissenhafter Forschung beruhenden Ergebnissen der gegenwärtigen Wissenschaft! — Die Erkenntnisse, die da auftreten und die ich meine, sind vor allen Dingen diejenigen, welche hinausführen über das mit den Sinnen Wahrnehmbare und das durch den gewöhnlichen, an das Instrument des Gehirns gebundenen Verstand Erkennbare, was hinausführt über das innerhalb von Geburt und Tod Erlebbare, was hinausführt in diejenigen Regionen, welche der Mensch betritt, wenn er durch die Pforte des Todes schreitet. Und die Ergebnisse, zu denen diese Geisteswissenschaft oder, sagen wir auch, dieser Okkultismus kommt, sie sprechen so von einer Entwickelung des eigentlichen geistigen Wesenskernes im Menschen, daß, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, dieser geistig-seelische Wesenskern übergeht in eine übersinnliche, in eine geistige Welt, daß er aus dem Leben, das er geführt hat zwischen Geburt und Tod innerhalb des physischen Leibes, gewisse Kräfte mitnimmt, aus denen er sich in Verbindung mit anderen rein übersinnlichen Kräften und Mächten in einer Zwischenzeit, die da verläuft zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, die Fähigkeiten, die Kräfte aneignet, durch die er als geistig-seelischer Wesenskern sich verbindet mit dem, was als physisches Erbstück gegeben wird innerhalb der physischen Vererbung, was also abstammt von Vater und Mutter und von den Vorfahren überhaupt, was sich also mit diesen rein physischen Substanzen und Kräften verbindet und erst den ganzen Menschen gibt.
[ 1 ] Anyone who speaks of occultism in our time must be prepared for the fact that much of what they have to say will be received not merely as a collection of bold hypotheses, but perhaps even as daydreaming or fantasy. And if, in a soul immersed in contemporary educational life and perhaps in contemporary scientific life, a sense of contradiction arises at first against much of what will be said in this evening’s discussion, I ask you to accept my assurance that I myself most certainly belong to those who can fully understand and find comprehensible such a contradiction as it stirs in the hearts of our time. First of all, I would like to point out what is meant when we speak today of occultism and of those methods of research that lead to the results of occultism and which can be summarized in the word “initiation.” For, fundamentally speaking, initiation means nothing other than the sum of all those tasks that a person must accomplish if they wish to attain the results of occultism. Now, by occultism I do not mean here all the various things that are currently being propagated here and there under this name, but rather I mean those very specific results of a kind of Spiritual Science that, at their core, conform to contemporary scientific modes of thought and logical requirements. I mean all those insights that, under this name and from the perspective just mentioned, seek to enter into contemporary life—insights that consider matters regarding which it must undoubtedly be held that ordinary science and ordinary cognition cannot lead to them. What is finding its way into literature today from this perspective is all too easily capable of provoking quite a strong reaction from many of our contemporaries, provoking it to such an extent that one says in response: What is all this that appears and seeks to offer insights into a supersensible life, into supersensible facts—what is all this when compared with the findings of contemporary science, which are based on such rigorous, conscientious research! — The insights that appear here and that I mean are, above all, those that lead beyond what is perceptible to the senses and what is knowable through the ordinary intellect bound to the instrument of the brain; those that lead beyond what can be experienced within the cycle of birth and death; those that lead into the regions that a human being enters when they pass through the gate of death. And the findings to which this Spiritual Science—or, let us also say, this occultism—arrives speak of a development of the actual spiritual core of the human being in such a way that, when the human being passes through the gate of death, this spiritual -soul core passes into a supersensible, into a spiritual world, that he takes with him from the life he has led between birth and death within the physical body certain powers, from which he, in connection with other purely supersensible forces and powers, in an interim period that elapses between death and a new birth, acquires the abilities and powers through which, as a spiritual-soul core, they connect with what is given as a physical legacy within physical heredity—that is, what is inherited from father and mother and from ancestors in general—and which thus unites with these purely physical substances and forces to form the whole human being.
[ 2 ] Sie erkennen daraus, daß die Ergebnisse dieser Forschung sprechen müssen von einer solchen Entwickelung des geistig-seelischen Wesenskernes des Menschen, die durch wiederholte Erdenleben führt, die da spricht von Wiederverkörperung, von wiederholten Erdenleben und die auch spricht davon, daß das, was wir an inneren Fähigkeiten erleben, die in einem Leben aus unserer Seele hervorsprießen, ja was wir sogar erleben an Schicksalsschlägen, daß das in einer gewissen Weise die Ergebnisse sind von dem, was wir uns in früheren Erdenleben zubereitet haben, und daß wiederum dasjenige, was wir in diesem Erdenleben durchleben, erfahren, an Fähigkeiten uns aneignen, hindurchgeführt wird durch die Pforte des Todes und verarbeitet wird in einer übersinnlichen, rein geistigen Welt, um, wenn es reif verarbeitet ist in dieser geistigen Welt, neuerdings einzutreten in ein neues Erdendasein auf die geschilderte Weise. Schon diese Erkenntnis ist etwas, was den Menschen der Gegenwart abenteuerlich berühren kann. Dazu kommen dann die Dinge, welche auf Grundlage dieser Geisteswissenschaft das übersinnlich zu dem sinnlichen Wesen des Menschen Hinzugehörige seiner Natur erklären wollen, diejenigen Dinge, die erklären wollen, daß der Mensch außer jenem physischen Leib, den wir mit unseren äußeren Sinnen wahrnehmen, noch einen übersinnlichen Träger hat, den man auch in einer gewissen Weise mit den Mitteln der Geisteswissenschaft durchschauen kann und den man eben als geistig-seelischen Wesenskern erkennt, der die charakterisierten Schicksale durch die wiederholten Erdenleben durchmacht. Ja, sogar das findet man in der Literatur dieser Geisteswissenschaft, daß auf frühere Zustände unseres Menschenlebens in längst verflossenen Epochen des Erdendaseins hingewiesen wird, daß sogar in einer auf Geisteswissenschaft fußenden Weise hingewiesen wird auf Zustände im Kosmos, die sich zugetragen haben, als die Erde noch nicht als der gegenwärtige Planet vorhanden war — daß also hingewiesen wird auf Zustände, die sich vor unserem Erdenleben abgespielt haben. Auf die Entwickelung also des kosmischen Lebens selber, auf die Umgestaltung unserer Erde und anderer Himmelskörper wird hingewiesen. Von den Methoden dieser Wissenschaft aus muß man auf der einen Seite zugeben, daß, falls sich über diese Dinge irgendwie etwas erkennen läßt, diese Erkenntnisse zu demjenigen gehören, was am aller-, allertiefsten das Leben des Menschen berühren muß, weil es zusammenhängt mit dem, was der Mensch eigentlich seiner tiefsten Natur und Wesenheit nach ist. Und auf der andern Seite wiederum muß darauf hingewiesen werden, daß gerade vom Standpunkt unserer gegenwärtigen, sagen wir, Naturerkenntnisse aus eine berechtigte Skepsis gegen die Möglichkeit eines Wissens auf diesem Gebiete sich erhebt.
[ 2 ] From this you can see that the results of this research must speak of such a development of the spiritual-soul core of the human being, which leads through repeated earthly lives—that is, of reincarnation, of repeated earthly lives—and which also speaks of the fact that what we experience in terms of inner abilities, which spring forth from our soul in a single life, indeed, even the blows of fate we experience—that these are, in a certain sense, the results of what we have prepared for ourselves in previous earthly lives, and that, in turn, what we go through, experience, and acquire in terms of abilities in this earthly life is carried through the gate of death and processed in a supersensible, purely spiritual world, so that, when it has been fully processed in this spiritual world, it may once again enter into a new earthly existence in the manner described. This insight alone is something that can profoundly move people today. Added to this are the concepts that, based on Spiritual Science, seek to explain the aspects of human nature that belong to the supersensible realm alongside the sensory being—those concepts that aim to demonstrate that, in addition to the physical body we perceive with our external senses, the human being possesses a supersensible vehicle that can, in a certain sense, be perceived through the methods of Spiritual Science, and which is recognized as the spiritual -soul core that undergoes the character-forming destinies through repeated earthly lives. Indeed, one even finds in the literature of Spiritual Science references to earlier states of our human life in long-past epochs of earthly existence; indeed, references are made—in a manner grounded in Spiritual Science—to states in the cosmos that occurred when the Earth did not yet exist as the present planet — that is, reference is made to states that took place before our earthly life. Reference is thus made to the development of cosmic life itself, to the transformation of our Earth and other celestial bodies. From the methods of this science, one must admit, on the one hand, that if anything can be known about these things at all, such knowledge belongs to that which must touch human life in the very, very deepest way, because it is connected with what human beings actually are in their deepest nature and essence. And on the other hand, it must be pointed out that, precisely from the standpoint of our current, let us say, knowledge of nature, a justified skepticism arises regarding the possibility of knowledge in this field.
[ 3 ] Die nächste Frage, die gegenüber solchen Forschungsergebnissen aufgeworfen werden kann, ist eben die, die uns am heutigen Abend beschäftigen soll. Sie ist ja keine andere als die allzu berechtigte: Auf welchen Wegen kommen denn diejenigen, die solche Angaben machen, die solche Behauptungen tun, zu ihren Ergebnissen? Wie machen sie es? Denn daß man mit der gegenwärtigen Wissenschaft über diese Dinge nichts wissen kann, daß man mit denjenigen Methoden, welche wahrhaftig niemand mehr als gerade der gewissenhafte Geisteswissenschafter bewundern kann, trotz ihrer Gewissenhaftigkeit und Sicherheit, trotz ihrer inneren Logik nicht in jene Gebiete eindringen kann, darüber braucht ja nicht weiter gesprochen zu werden. Wenn aber diese Frage aufgeworfen wird, so kann sich für die menschliche Seele sogleich eine andere ergeben. Angesichts einer gewissen Tatsache kann sich die Frage ergeben: Da es nun doch einmal unzweifelhaft ist, daß in jedem Menschenherzen, in jeder Menschenbrust eine tiefe Sehnsucht ist nach einem Wissen von solchen Dingen, wie kommt es denn, daß der Mensch gerade durch die gewissenhafteste Forschungsmethode abgeschlossen erscheint von der Welt, in die er da hineinblicken möchte? Wenn man sich diese Frage unbefangen vorlegt, dann kommt man sehr bald zu dem Ergebnis, daß der Mensch ja eigentlich nur eine gewisse Art von Tatsachen verstehen kann, denen er in einer ganz bestimmten Weise gegenübersteht. Im Grunde genommen kann der Mensch nur das verstehen, wovon er weiß, wie es entsteht, wie es wird. Er kann nur das verstehen, an dessen Schöpfung er in einer gewissen Weise erkennend sich beteiligen kann. Nur das kann der Mensch verstehen, bei dessen Schöpfung er in einer gewissen Art anwesend zu sein vermag. Wenn der Mensch aber den Blick auf das richtet, was ihn in der Natur umgibt, auf das Wesen aller Naturreiche, dann muß er sich sagen: Ja, so wie sie sind, so wie sie fertig vor mich hingestellt sind, so kann ich sie mit meinen Sinnen überblicken, so kann ich sie dadurch erkennen, daß ich etwa ihre Gesetze erforsche durch Kombinationen meines Verstandes; aber in dem Augenblick, wo ich das Werden, wo ich die Entstehung ergreifen will, da versagt im Grunde genommen der Blick, der in die Dinge eindringen will. — Als fertige, als geschaffene Dinge treten den Menschen die Wesenheiten und Tatsachen der Naturreiche entgegen, und es scheint, als ob er zunächst nicht teilnehmen könnte an der Schöpfung des Geschaffenen.
[ 3 ] The next question that can be raised in light of such research findings is precisely the one we are here to address this evening. It is, after all, nothing other than the all-too-legitimate question: By what means do those who provide such information and make such claims arrive at their conclusions? How do they do it? For there is no need to dwell further on the fact that current science cannot provide any knowledge about these matters, that one cannot penetrate those realms using the methods which, despite their conscientiousness and certainty, despite their internal logic, truly no one can admire more than the conscientious scholar of Spiritual Science. But when this question is raised, another may immediately arise for the human soul. In the face of a certain fact, the question may arise: Since it is now beyond doubt that in every human heart, in every human breast, there is a deep longing for knowledge of such things, how is it that human beings, precisely through the most conscientious research methods, appear cut off from the world into which they wish to look? If one considers this question impartially, one very soon comes to the conclusion that human beings can actually understand only a certain kind of fact, which they confront in a very specific way. Fundamentally, human beings can understand only that of which they know how it arises, how it comes to be. They can understand only that in whose creation they can participate in a certain way with awareness. Humans can understand only that in whose creation they are able to be present in a certain way. But when humans turn their gaze to what surrounds them in nature, to the essence of all the natural kingdoms, then they must say to themselves: Yes, just as they are, just as they are placed before me in their finished form, I can take them in with my senses; I can recognize them by, for example, investigating their laws through combinations of my intellect; but the moment I seek to grasp the becoming, the process of coming into being, the gaze that seeks to penetrate into things essentially fails. — The entities and facts of the natural realms present themselves to humans as finished, as created things, and it seems as though he could not initially participate in the creation of the created.
[ 4 ] Wenn der Mensch wiederum in sein Inneres blickt, überblickt das, was in seinem Seelenleben als Gedanken, Vorstellungen, Gefühle, Willensimpulse lebt, dann hat er damit eine mehr oder weniger reiche Innenwelt gegeben, eine Welt, deren Realität er wahrhaftig viel mehr noch erlebt als die Realität der äußeren Dinge, ja als die Realität dessen, was von ihm selber der Außenwelt angehört. Denn wer könnte es leugnen, daß mehr als die Realität der physischen und physiologischen Vorgänge, die in unserem Organismus ablaufen, für uns Realität, Wirklichkeit unsere Schmerzen und Leiden, unsere Triebe und Begierden, unsere Gedanken und Ideale haben, kurz, dasjenige, was vom Aufwachen bis zum Einschlafen innerhalb unseres Seelenlebens auf- und abwogt. Aber auch dann, wenn wir noch so sehr versuchen, Einblick zu halten in unser Seelenleben — wir sehen, wie sich dieses Seelenleben an der Außenwelt entzündet, wie das oder jenes uns ergreift, wie das oder jenes uns mit Sorgen, mit Freude erfüllt; aber an der eigentlichen Entstehung, an dem schöpferischen Prozeß können wir auch da nicht teilnehmen. Und gerade wenn wir bedenken, wie uns eine Sache nur verständlich wird, wenn wir an dem schöpferischen Prozeß teilnehmen, dann wird uns erklärlich, was uns durch die beiden angedeuteten Betrachtungsweisen versagt ist. Wir brauchen ja nur einen Blick auf das zu werfen, was unsere Phantasie hervorbringt, was wir schaffen durch das, was sozusagen in unserer eigenen inneren Macht steht, was wir formen nach unseren Gedanken und Idealen; wir brauchen uns auch nur an das zu erinnern, was dem Menschen heute schon zu durchschauen möglich ist durch seine Technik; an die Art und Weise, wie er die Naturkräfte kombiniert und wie ihm das, was er da empfindet als Teilnahme an dem Aufbauen, an dem Schaffen, an dem Werden, das Gefühl der befriedigten Einsicht hervorruft und wie er sich unbefriedigt fühlt, wie er sich wie vor einem Tor stehend fühlt, durch das er nicht eingelassen wird, wenn er die Dinge um sich herum und an sich erblickt, an deren Schaffungsprozeß er nicht einmal Anteil haben kann.
[ 4 ] When a person looks inward again and surveys what lives in their inner life as thoughts, mental images, feelings, and impulses of the will, they thereby possess a more or less rich inner world—a world whose reality they truly experience far more than the reality of external things, indeed more than the reality of that which belongs to the external world from themselves. For who could deny that our pains and sufferings, our drives and desires, our thoughts and ideals—in short, that which ebbs and flows within our inner life from the moment we wake until we fall asleep—are more real to us than the reality of the physical and physiological processes taking place in our organism? But even then, no matter how hard we try to gain insight into our inner life—we see how this inner life is kindled by the external world, how this or that seizes us, how this or that fills us with worry or joy; yet we cannot participate in its actual genesis, in the creative process. And precisely when we consider how a thing becomes comprehensible to us only when we participate in the creative process, then it becomes clear to us what is denied to us by the two modes of observation indicated. We need only cast a glance at what our imagination brings forth, what we create through what lies, so to speak, within our own inner power, what we shape according to our thoughts and ideals; we need only recall what human beings are already able to comprehend today through their technology; the way in which they combine the forces of nature and how what they experience there as participation in the building, in the creating, in the becoming, evokes a sense of satisfied insight—and how he feels unsatisfied, how he feels as if standing before a gate through which he is not admitted, when he beholds the things around him and within himself, in whose creative process he cannot even participate.
[ 5 ] Nun fragt es sich, ob es nicht doch möglich ist, in dasjenige, was wir eigentlich als die Werdeprozesse des Daseins empfinden, in die wir selbst hineingestellt sind, irgendwo einen Einlaß zu finden, an dem Schöpferischen teilzunehmen? Es gibt ein Gebiet, bei dem wir unmittelbar wissen können, daß wir in einer gewissen Art an dem Schöpferischen teilnehmen, aber bei dem wir ebensogut wissen, daß wir erkennend, beobachtend mit unserem gewöhnlichen Bewußtsein in den Schöpfungsprozeß nicht hineinschauen können! Dasjenige, was hier gemeint ist, offenbart sich dem Menschen an jedem Tage, wenn er nur ein wenig nachdenkt über die sonderbaren Erscheinungen in der Abwechslung von Schlafen und Wachen. Diese Erscheinungen sind für den, der tiefer eindringen will in das Wesen des Lebens, von einer ungeheuren Bedeutung. Sie rufen dasjenige hervor, was wir ein Mysterium des Lebens nennen können; und wenn es dem gewöhnlichen Bewußtsein nicht auffällt, daß etwas so unendlich Bedeutungsvolles vorliegt in diesem Wechsel von Schlafen und Wachen, so rührt das wohl nur davon her, daß alles Gewohnte auf den Menschen die Stärke des Eindrucks verliert. Weil der Mensch einfach gewohnt ist, Schlafen und Wachen wechseln zu sehen innerhalb von vierundzwanzig Stunden, so empfindet er nicht mehr das ganz Bedeutungsvolle, das Große und Gewaltige, in das uns gerade diese alltägliche Erscheinung hineinweist. Wenn wir charakterisieren wollen, worin der Unterschied von Schlafen und Wachen liegt, so ist diese Charakteristik zunächst eine Trivialität, eine Selbstverständlichkeit, denn jeder Mensch weiß, daß sein Schlafzustand so eintritt, daß jene Erfüllung seiner Seele, die vom Aufwachen bis zum Einschlafen da ist, die sich zeigt in den auf und abwogenden Gefühlen, Empfindungen, Trieben, Begierden und Leidenschaften, Vorstellungen und Idealen, schwindet, daß diese ganze Welt hinuntertaucht in das Dunkel, in die Finsternis des Unbewußten. Jeder Mensch ist aber auch überzeugt davon, daß an seiner Wesenheit auch in dem Zwischenzustand zwischen Einschlafen und Aufwachen fortgearbeitet wird, daß etwas geschieht, etwas geschieht, bei dem er nur nicht mit seinem Bewußtsein dabei sein kann. Das also, was man so über die Wechselzustände von Schlafen und Wachen sagen kann, ist gewiß eine Selbstverständlichkeit; aber wenn wir uns diese Selbstverständlichkeit denken, so werden wir gewahr, daß der Grund, warum sich hier unserem Wissen, unserer Erkenntnis ein Riegel vorschiebt, eigentlich nicht besonders ferne liegt. Wir müssen uns sagen, wenn wir diesen Wechsel von Wachen und Schlafen ins Auge fassen, daß im Grunde genommen unser ganzes bewußtes Tagesleben, unser ganzes Wachleben etwas sein muß wie ein Zerstörungsprozeß, wie ein Auflösungsprozeß von tieferen Vorgängen, die in unserem Organismus stattfinden. Ich kann hier nicht — denn das würde zu weit führen — eingehen auf die physischen, chemischen, physiologischen Prozesse, welche sich innerhalb der Erscheinung der Ermüdung abspielen; darauf kommt es jetzt nicht an. Das aber ist es, was jedem vor Augen treten kann: daß die Ermüdung etwas ist wie ein Abnützungs-, wie ein Zerstörungsptozeß tieferer Kräfte, die in unserem Organismus arbeiten. Daraus kann sich uns ergeben, daß eigentlich unser waches Tagleben die Merkwürdigkeit an sich hat, daß es nicht an unserem Aufbau, nicht an unserer Schöpfung teilnimmt, sondern im Grunde genommen in seinem Ergebnis die Ermüdung zeigt, daß es uns im Grunde genommen fortwährend aufzehrt, auflöst. Tatsächlich ist das wache Tagleben ein Auflösungs-, ein Zerstörungsprozeß, und jedem unbefangenen Beobachter drängt es sich eigentlich auf, daß der Schlaf der entgegengesetzte Prozeß ist: ein schöpferischer Prozeß, der das wieder herstellt, wieder in Ordnung bringt, wieder schafft, was der Wachprozeß ertötet, verwelken läßt.
[ 5 ] The question now is whether it might not be possible, after all, to find a way into what we actually perceive as the processes of becoming in existence—processes in which we ourselves are situated—and to participate in the creative? There is a realm in which we can know directly that we participate in the creative process in a certain way, yet we know just as well that we cannot look into the creative process with our ordinary consciousness through perception and observation! What is meant here reveals itself to the human being every day, if only they reflect a little on the strange phenomena in the alternation of sleeping and waking. These phenomena are of immense significance for those who wish to penetrate more deeply into the essence of life. They evoke what we might call a mystery of life; and if ordinary consciousness fails to notice that something so infinitely significant lies in this alternation of sleep and wakefulness, this is likely due only to the fact that everything familiar loses its power of impression on human beings. Because people are simply accustomed to seeing sleep and wakefulness alternate within twenty-four hours, they no longer perceive the profound significance, the grandeur and power, to which this very everyday phenomenon points us. If we wish to characterize the difference between sleep and wakefulness, this characterization is at first a triviality, a matter of course, for every person knows that their state of sleep begins in such a way that the fulfillment of their soul—which is present from waking until falling asleep, and which manifests itself in the ebbing and flowing of feelings, sensations, drives, desires, and passions, mental images and ideals, fades away, that this whole world sinks into the darkness, into the gloom of the unconscious. But every person is also convinced that work continues on their being even in the intermediate state between falling asleep and waking up, that something is happening, something is happening in which they simply cannot be present with their consciousness. So what can be said about the alternating states of sleep and wakefulness is certainly self-evident; but when we reflect on this self-evidence, we realize that the reason why a barrier is placed here before our knowledge and understanding is actually not particularly far-fetched. We must tell ourselves, when we consider this alternation of waking and sleeping, that, fundamentally speaking, our entire conscious daily life, our entire waking life, must be something like a process of destruction, like a process of dissolution of deeper processes taking place within our organism. I cannot go into the physical, chemical, and physiological processes that take place within the phenomenon of fatigue here—for that would lead too far afield; that is not what matters now. But this is what can become clear to everyone: that fatigue is something like a process of wear and tear, a process of destruction of deeper forces at work within our organism. From this we can conclude that our waking daily life actually has the peculiarity that it does not participate in our building up, in our creation, but rather, in its result, reveals fatigue; that it, in essence, continually consumes and dissolves us. In fact, waking life is a process of dissolution and destruction, and it is actually obvious to any impartial observer that sleep is the opposite process: a creative process that restores, puts back in order, and recreates what the waking process kills and causes to wither.
[ 6 ] Nun ist es natürlich, daß wir gerade von diesem schöpferischen Prozeß in uns, der während des Schlafes sich abspielt, nichts wissen können. Es ist ein schöpferischer Prozeß, der an uns selber stattfindet, von dem wir aber doch nichts wissen können, weil wir unmittelbar, bevor dieser schöpferische Prozeß eintreten muß, das Bewußtsein verlieren, wir also mit unserem Wissen nicht eindringen können, wenn ein schöpferischer Prozeß an uns selber geschieht. Daraus ergibt sich aber unmittelbar, daß wir das, was in der Natur, in den Vorgängen der Welt ein Schöpferisches ist, ergreifen könnten, wenn es uns gelänge, unser Bewußtsein über den Zustand hinaus zu erhalten, bei dem es eben betäubt wird. In dem Augenblick, in dem der Mensch sein Schöpferisches in sich entwickelt, wird ihm sein Bewußtsein betäubt; er kommt in einen Zustand des Schlafes, der Bewußtlosigkeit. Und wir sehen daraus, daß die menschliche Wesenheit, so wie sie nun einmal gegenwärtig ist, so eingerichtet ist, daß dann, wenn der Mensch eindringen sollte in eine schöpferische Tätigkeit, die noch dazu an ihm selber stattfindet, er betäubt wird, sein Bewußtsein hinschwindet, daß er nicht Zeuge sein kann von dem schöpferischen Prozeß. Wir haben also in derjenigen Tätigkeit innerhalb unseres Organismus, die sich als eine schöpferische erweist, etwas an uns selbst, in das wir nicht eindringen können, weil unser Bewußtsein davor betäubt wird, weil unserem Bewußtsein dieser Prozeß eine Außenwelt bleibt. Es gibt keinen anderen Weg, zu einer Erkenntnis über die Dinge zu kommen, die hinter der Sinneswelt liegen, als wenn wir in die Lage kommen, über unser Bewußtsein hinauszukommen, einzudringen in einen schöpferischen Prozeß, wie er sich an uns selber »bepiel oder wenigstens in einen ähnlichen Prozeß.
[ 6 ] It is, of course, natural that we can know nothing about this very creative process within us that takes place during sleep. It is a creative process that takes place within us, yet of which we can know nothing, because we lose consciousness immediately before this creative process must begin; thus, we cannot penetrate it with our knowledge when a creative process is occurring within us. But it follows directly from this that we could grasp what is creative in nature, in the processes of the world, if we were able to maintain our consciousness beyond the state in which it is numbed. At the very moment when a human being develops their creative power within themselves, their consciousness is numbed; he enters a state of sleep, of unconsciousness. And we see from this that the human being, as it currently exists, is constituted in such a way that when a person were to engage in a creative activity—one that takes place within themselves, no less—they become numbed, their consciousness fades, and they cannot bear witness to the creative process. We thus have, in that activity within our organism which proves to be creative, something within ourselves that we cannot penetrate, because our consciousness is numbed to it, because this process remains an external world to our consciousness. There is no other way to gain insight into the things that lie beyond the sensory world than by coming to a position where we can transcend our consciousness, penetrate a creative process as it “unfolds” within us, or at least a similar process.
[ 7 ] Wo gibt es etwas in der Welt, das uns lehren kann, daß wir über uns selbst, über unser gewöhnliches Bewußtsein hinauskommen und eindringen können in ein uns Fremdes und dennoch nicht betäubt werden, nicht in eine Art Schlafzustand verfallen? Im weiten Umkreis unseres gewöhnlichen Bewußtseins gibt es zwei Dinge, denen gegenüber der Mensch sich allerdings eingestehen muß, daß er durch sie aus seinem gewöhnlichen Bewußtsein, aus seinem Alltagsbewußtsein herausgeführt wird und dennoch nicht etwa so betäubt oder in Schlaf übergeführt wird, wie das an jedem Abend der Fall ist. Und diese beiden Dinge, die uns innerhalb des gewöhnlichen Bewußtseins wie eine Art Muster sein können für ein Herausdringen des Bewußtseins aus sich selbst und ein Eindringen desselben in ein Fremdes, diese beiden Dinge liegen auf moralischem Gebiet. An zwei moralischen Erlebnissen, die das ganze Menschenleben durchziehen, kann die menschliche Seele sich Musterbegriffe schaffen für die Art und Weise, wie es, ohne daß unser Bewußtsein betäubt wird, den Weg aus sich selber heraus machen kann. Und diese zwei Dinge sind erstens das Mitleid und zweitens das Gewissen. Und wenn wir studieren, wie im moralischen Leben das Mitleid, das Gewissen zu dem Bewußtsein sich verhalten, dann bekommen wir zunächst eine Idee, wie es sein könnte, daß dieses Bewußtsein aus sich heraus kommt. Wenn wir Mitleid, Liebe, Mitgefühl mit einer fremden Seele entwickeln, dann erleben wir in uns selber je nach unserer Fähigkeit nicht dasjenige, was uns berührt — denn das wäre nicht das Erlebnis von Mitleid und Liebe —, sondern wir erleben die Freuden, die Leiden, die Schmerzen und lustvollen Dinge der anderen Seele. Wir stecken tatsächlich in einem solchen Augenblicke, wo wir mitleidsvoll in der andern Seele aufzugehen vermögen, wir leben tatsächlich — eine unbefangene Betrachtung kann das lehren — außerhalb unseres gewöhnlichen Bewußtseins, wir stecken in der andern Seele drin. Ein tiefes Geheimnis des Lebens steht dabei eigentlich vor unserer Seele. Das ist um so tiefer, als wir bei diesem Hinüberleben in ein Anderes, wenn wir moralisch empfinden, eben nicht betäubt werden, nicht unser Bewußtsein dahinschwinder. Und es ist geradezu ein Gradmesser für die Moralität eines Menschen, wie weit er imstande ist, sein Bewußtsein voll aufrechtzuerhalten, wenn er nicht seine eigenen Leiden und Freuden erleben soll, sondern die Leiden und Freuden einer fremden Seele. Und ein moralischer Defekt ist es eben, wenn das Bewußtsein sich betäubt fühlt an den Leiden und Freuden der fremden Seele, denn dann ist es in einer ähnlichen Lage wie der eigenen schöpferischen Tätigkeit gegenüber, die im Schlaf sich vollzieht. Es schläft gleichsam das Bewußtsein ein gegenüber fremdem Leid und fremder Freude.
[ 7 ] Where in the world is there anything that can teach us to transcend ourselves and our ordinary consciousness, to penetrate into something foreign to us, and yet not be numbed, not fall into a kind of sleep? Within the broad scope of our ordinary consciousness, there are two things in relation to which a person must admit that they lead him out of his ordinary consciousness, out of his everyday consciousness, and yet do not numb him or lull him to sleep, as is the case every evening. And these two things, which within ordinary consciousness can serve as a kind of model for the consciousness’s emergence from itself and its penetration into the foreign, these two things lie in the moral realm. Through two moral experiences that permeate the whole of human life, the human soul can create model concepts for the way in which it can find the path out of itself without our consciousness being numbed. And these two things are, first, compassion, and second, conscience. And when we study how, in moral life, compassion and conscience relate to consciousness, we first gain an idea of how this consciousness might emerge from within itself. When we develop compassion, love, and empathy for another soul, then—depending on our capacity—we do not experience within ourselves that which touches us—for that would not be the experience of compassion and love—but rather we experience the joys, the sufferings, the pains, and the pleasurable things of the other soul. We are indeed in such a moment when we are able to merge compassionately into the other soul; we are indeed living—an unbiased observation can teach us this—outside our ordinary consciousness; we are inside the other soul. A profound mystery of life actually lies before our soul in this. This is all the more profound because, in this living over into another, when we feel morally, we are not numbed, our consciousness does not fade away. And it is a true measure of a person’s morality to what extent they are able to fully maintain their consciousness when they are not to experience their own sufferings and joys, but rather the sufferings and joys of another soul. And it is precisely a moral defect when consciousness feels numbed by the sufferings and joys of the foreign soul, for then it is in a situation similar to that of one’s own creative activity, which takes place during sleep. Consciousness, as it were, falls asleep in the face of foreign suffering and foreign joy.
[ 8 ] Und ein zweites Erlebnis, auch auf moralischem Gebiete, das uns hinausführt über unser gewöhnliches Bewußtsein, ist das Gewissen; das Gewissen, von dem wit, wenn wir es unbefangen betrachten, sagen können: Was wir auch immer aus unseren Trieben und Begierden, aus der Leidenschaft unseres Daseins heraus, aus den Anforderungen der alltäglichen Sympathie und Antipathie, die wir haben, was wir da auch lieben oder verabscheuen, tun oder lassen wollen — von außen spricht vielleicht Erziehung, spricht sozialer Zusammenhang, aber niemals spricht von außen das, was wir das Gewissen nennen. Das Gewissen kommt uns aus einer Welt — das fühlen, das erleben wir —, aus der gesprochen wird in unsere Wahrnehmungswelt herein; denn alles, was wir wahrnehmen können, wird korrigiert, wenn es zu Impulsen des Handelns wird, durch die übersinnlichen Forderungen des Gewissens. Daß unserer Seele also etwas gesagt werden kann, was nicht innerhalb des gewöhnlichen Bewußtseins liegt, dafür ist auf moralischem Gebiet ein Zeugnis das Gewissen. Und wiederum ist es so, daß ein moralischer Defekt vorliegt, wenn unsere Seele, wo das Gewissen sprechen sollte, in eine Art von Schlafzustand kommt, die Stimme des Gewissens nicht hört, nur auf das hört, was innerhalb der Sinneswelt zu den Impulsen des Handelns aus Sympathie oder Antipathie sprechen kann. Können wir lernen, aus unserem Bewußtsein herauszugehen ohne Betäubung, so können wir an dem Gewissen schon innerhalb des gewöhnlichen Bewußtseins eine Erscheinung beobachten, durch welche zur Seele so gesprochen wird, daß sie nicht angewiesen ist, irgend etwas wahrzunehmen, sich die Impulse geben zu lassen durch irgend etwas, das von der Außenwelt auf sie wirkt. Daraus aber ist einzusehen: Wenn die Möglichkeit vorliegt, in bezug auf andere, fremde Wesenheiten, auf anderes, außerhalb unseres Wissens, unseres Bewußtseins Liegendes in ähnlicher Art einzugehen, wie wir auf moralischem Gebiet auf fremde Wesenheiten durch Mitleid und Liebe eingehen, wenn wir uns also durch das Gewissen sozusagen Wahrheiten sagen lassen, die nicht aus der Sinneswelt kommen — wenn es möglich ist, so in fremde Wesenheiten einzudringen und uns Wahrheiten in die Seele hereinsprechen zu lassen nach jenem Muster, wie das Gewissen spricht, dann ist eine Aussicht vorhanden, in eine andere Welt als diejenige, die uns für unser Wachbewußtsein vom Aufwachen bis zum Einschlafen gegeben ist, einzudringen. Dies aber ist eben möglich, und die Möglichkeit ergibt sich in praktischer Weise durch jene Methoden, die wir die Methoden der Initiation nennen. Diese Methoden der Initiation bestehen darin, daß wir unser Seelenleben, insoweit es Vorstellen, Fühlen, Wollen ist, in einer etwas anderen Weise betätigt sein lassen, als wir das für das äußere Wissen und für die äußere Erkenntnis der Welt gewöhnt sind.
[ 8 ] And a second experience, also in the moral realm, that takes us beyond our ordinary consciousness is conscience; the conscience of which we can say, if we consider it impartially: Whatever we may want to do or refrain from doing—whether out of our instincts and desires, out of the passion of our existence, out of the demands of the everyday sympathies and antipathies we feel, whatever we may love or loathe—external factors such as upbringing or social context may speak to us, but what we call conscience never speaks to us from the outside. Conscience comes to us from a world—this is what we feel, what we experience—from which it speaks into our world of perception; for everything we can perceive is corrected, when it becomes an impulse for action, by the supersensory demands of conscience. That something can thus be said to our soul that lies beyond ordinary consciousness—in the moral realm, conscience bears witness to this. And again, a moral defect exists when our soul, where conscience should speak, falls into a kind of slumber, does not hear the voice of conscience, but listens only to what within the sensory world can speak to the impulses of action out of sympathy or antipathy. If we can learn to step out of our consciousness without becoming numb, we can observe in the conscience, even within ordinary consciousness, a phenomenon through which the soul is addressed in such a way that it is not compelled to perceive anything, nor to allow itself to be driven by anything that acts upon it from the external world. From this, however, it can be seen: If the possibility exists to relate to other, foreign beings—to things lying outside our knowledge and consciousness—in a manner similar to how we relate to foreign beings in the moral realm through compassion and love; if, that is, we allow our conscience to reveal truths to us that do not come from the sensory world—if it is possible to penetrate into such foreign entities and allow truths to speak into our souls in the same way that conscience speaks, then there is a prospect of entering a world other than the one given to us in our waking consciousness from the moment we wake up until we fall asleep. This, however, is indeed possible, and the possibility arises in a practical way through those methods we call the methods of initiation. These methods of initiation consist in allowing our soul life—insofar as it involves mental images, feeling, and will—to be engaged in a somewhat different way than we are accustomed to for external knowledge and for the external perception of the world.
[ 9 ] Warum verschaffen wir uns im gewöhnlichen Leben Vorstellungen, Begriffe, Ideen? Niemand wird leugnen, daß namentlich für den Menschen der Gegenwart der Zweck, warum er sich Vorstellungen, Begriffe und Ideen schafft, der ist, durch diese Vorstellungen, Begriffe und Ideen, ja sogar durch seine Empfindungen und Gefühle sich eine gewisse Erkenntnis von dem zu verschaffen, was in der Außenwelt um ihn herum ist. Wir nennen ja heute das Wahrheit, was an unseren Begriffen und Ideen mit irgendeiner Außenwelt, mit einer Erscheinung der Außenwelt zusammenstimmt, was gleichsam diese Erscheinung der Außenwelt abbildet. Für alles äußere Leben, für alle äußere Kultur ist selbstverständlich diese Betätigung unseres Seelenlebens die einzig richtige. Vollständig ändern muß sich diese Betätigung unseres Seelenlebens, wenn wir in die übersinnlichen Geheimnisse des Daseins eindringen wollen, mit anderen Worten, wenn wir — es sei das verpönte Wort gebraucht - in die okkulten Geheimnisse eindringen wollen; dann müssen wir bei den Begriffen, bei Ideen, bei Vorstellungsbildern, ja auch bei Empfindungen, Gefühlen und Willensimpulsen ganz absehen können von dem, was sie in der Außenwelt bedeuten. Wir müssen zunächst nicht fragen: Was bedeuten sie in bezug auf ihren Wahrheitswert für das oder jenes in der Außenwelt? Wir müssen alles das, was so Inhalt unseres Seelenlebens werden kann, lediglich betrachten als ein inneres pädagogisches Selbsterziehungsmittel unseres Seelenlebens. Wir müssen Begriffe, Ideen, ja auch Empfindungen und Gefühle in unserer Seele so wirken lassen, daß wir diese Seele abgeschlossen halten von alledem, was wir aus der Außenwelt aufnehmen können, ja sogar, was wir schon im Laufe des Lebens an Erfahrungen, an Erlebnissen aufgenommen und im Gedächtnis angehäuft haben. Wenn wir absehen können durch eine energische Willensbetätigung von allen Eindrücken, die uns die äußere Sinneswelt geben kann, von allen Kombinationen, die unser Verstand machen kann, wenn wir auch absehen können von allen Bekümmernissen und Sorgen, von allen Freuden und sonstigen Dingen, die in unserem Gedächtnis angehäuft sind, wenn wir die Seele leer machen können, so wie sie sich selber leer macht, wenn durch die Ermüdung abends der Schlafzustand eintritt, wenn wir aber dann das völlig Entgegengesetzte erreichen können als beim Schlaf; wenn wir in der Lage sind, unter völliger Aufrechterhaltung des Bewußtseins dieses Bewußtsein nun hinzulenken auf irgendwelche fruchtbaren, namentlich sinnbildlichen Vorstellungen, auf solche, die möglichst vieldeutig sind — denn man hat nicht nach ihrem Wahrheitswert zu fragen, sondern nach dem Erziehungswert für die Seele -;; dann, wenn man diese Seele durch einen energischen Willensentschluß auf einen Inhalt hin konzentriert, entweder ein Vorstellungsbild oder einen Empfindungsimpuls, den man in den Mittelpunkt des Seelenlebens stellt, und wenn man nun die seelische Tätigkeit, die gereinigt ist von allem anderen, auf dieses selbstgewählte Bild hinwendet und immer länger und länger es dahinbringt, mit starker Willenskonzentration das gesamte jetzt wachgehaltene Seelenleben auf einen solchen selbstgewählten Inhalt zu konzentrieren -, dann wird man merken, daß nicht von diesem Inhalt, wohl aber von den aufgewandten, energisch zusammengehaltenen Seelenkräften etwas wie ausstrahlt in unserem Seelenleben und wir in die Lage kommen, innerlich etwas zu erleben, was wir sonst nicht erleben können, wovon wir dann das unmittelbare Erlebnis, die unmittelbare Erfahrung bekommen: Du erlebst jetzt etwas, was so real, so wichtig, so wesentlich ist für das Dasein wie die Dinge, die du durch deine Augen siehst, durch deine Ohren hörst — was auch so wirklich ist, was du aber niemals durch eine äußere Sinnesbetätigung und durch den Verstand hättest erleben können. — Kurz, jetzt erst fängt man an zu wissen, was eigentlich das ist: übersinnliches Erleben; jetzt weiß man sich erst in seinem geistig-seelischen Kern darinnen; jetzt fängt man an zu begreifen, daß man ein Leben führen kann in einer inneren seelischen Wesenheit, unabhängig von der Körperlichkeit. Das ganze Bewußtsein wird dadurch umgeändert.
[ 9 ] Why do we form mental images, notions, and ideas in our everyday lives? No one will deny that, especially for people today, the purpose for which they form mental images, notions, and ideas is to gain, through these mental images, notions, and ideas—and indeed through their sensations and feelings—a certain understanding of what exists in the external world around them. After all, we call “truth” today whatever in our concepts and ideas corresponds to some external world, to a phenomenon of the external world, whatever, as it were, reflects this phenomenon of the external world. For all external life, for all external culture, this activity of our inner life is, of course, the only correct one. This activity of our inner life must change completely if we wish to penetrate the supersensible mysteries of existence; in other words, if we—to use the frowned-upon word—wish to penetrate the occult mysteries; then we must be able to completely disregard, in the case of concepts, ideas, mental images, and indeed even sensations, feelings, and impulses of the will, what they signify in the external world. We must not ask at first: What do they mean in terms of their truth value for this or that in the external world? We must regard everything that can thus become the content of our inner life merely as an inner pedagogical means of self-education for our inner life. We must allow concepts, ideas, and even sensations and feelings to take effect in our soul in such a way that we keep this soul isolated from everything we can take in from the external world—and even from what we have already absorbed in the course of life through experiences and accumulated in our memory. If, through a vigorous exercise of the will, we can turn away from all the impressions the external sensory world can offer us, from all the combinations our intellect can make, if we can also turn away from all anxieties and worries, from all joys and other things accumulated in our memory, if we can empty the soul, just as it empties itself when sleep sets in at night due to fatigue, but if we can then achieve the exact opposite of what happens in sleep; if we are able, while fully maintaining consciousness, to direct this consciousness toward any fruitful, specifically symbolic mental images, toward those that are as ambiguous as possible—for one must not ask about their truth value, but about their educational value for the soul—;; then, when one concentrates this soul through an energetic act of will upon a specific content—either a mental image or a sensory impulse—which one places at the center of one’s inner life, and if one now directs the soul’s activity, purified of all else, toward this self-chosen image and, with ever-increasing duration, brings it to the point where, through strong concentration of will, the entire soul life now kept awake is focused on such self-chosen content— then one will notice that not from this content, but rather from the soul forces expended and energetically held together, something radiates into our inner life, and we are enabled to experience something inwardly that we cannot otherwise experience, from which we then gain the direct experience, the immediate perception: You are now experiencing something that is as real, as important, as essential to existence as the things you see through your eyes, hear through your ears—which are also real, but which you could never have experienced through external sensory activity and through the intellect. — In short, only now does one begin to know what this actually is: supersensible experience; only now does one know oneself to be present within its spiritual-soul core; only now does one begin to grasp that one can lead a life in an inner soul entity, independent of physicality. The entire consciousness is thereby transformed.
[ 10 ] Ich bemerke ausdrücklich, daß das, was zu einer solchen inneren Betätigung führt, ja viel Ähnlichkeit hat und doch wieder das Entgegengesetzte ist von dem trivialen Prozeß, der etwa hervorgerufen wird, wenn man auf einen glänzenden Gegenstand die äußere Aufmerksamkeit wendet und sich in eine Art Hypnose versetzt. Das, was da so hervorgerufen wird von einem Seelenzustand, der sonst nicht da ist, das wird durch die scharfe Konzentration auf einen Gegenstand hervorgerufen, der weghält die übrige seelische Betätigung. Insoferne stimmt das, was durch die geschilderte Konzentration auf einen inneren, frei gewählten Inhalt erzielt wird, mit einer solchen Betätigung der Seele überein, weil es auch Konzentration ist; aber es ist das Gegenteil insofern, als unser Bewußtsein dadurch ausgelöscht wird, daß wir uns durch einen glänzenden Gegenstand in eine Art Hypnose versetzen, unser Bewußtsein aber immer erhalten bleibt, wenn wir durch einen energischen Willen einen inneren — und nur inneren — Vorstellungsinhalt in den Mittelpunkt unseres Seelenlebens rücken. Solch eine Methode, die eigene Seele heranzuziehen, man nennt sie mit einem technischen Ausdruck innerhalb der Geisteswissenschaft Meditation. Das ist die wirkliche Meditation. Und ich bemerke ausdrücklich, daß diese Meditation in der Praxis etwas weitaus Schwierigeres ist als das, was man zunächst glauben könnte, wenn sie so einfach geschildert wird. Denn mit wenigen Experimenten auf diesem Gebiete ist es nicht abgetan, sondern man muß versuchen, in immer wieder und wieder gebildeten Vorstellungen, Bildern, Vorstellungen, die dem moralischen, dem intellektuellen Leben entnommen sind, namentlich sinnbildlichen Vorstellungen, man muß immer wieder und wiederum versuchen, eine solche Konzentration, solche Meditation vorzunehmen, bis der entscheidende Augenblick auftritt, der einfach in dem inneren Wissen liegt: Du hast in dir einen geistig-seelischen Wesenskern, der in einer übersinnlichen Realität lebt und der sich zu seiner Wahrnehmung in dieser übersinnlichen Realität nicht der äußeren Sinnesorgane und des an das Gehirn gebundenen Verstandes bedient.
[ 10 ] I would like to point out explicitly that what leads to such inner activity bears a strong resemblance to, yet is in fact the opposite of, the trivial process that is triggered, for example, when one directs one’s external attention to a shiny object and puts oneself into a kind of trance. What is thus brought about by a state of mind that is not otherwise present is caused by intense concentration on an object that holds back the rest of the soul’s activity. In this respect, what is achieved through the described concentration on an inner, freely chosen content corresponds to such an activity of the soul, because it is also concentration; but it is the opposite insofar as our consciousness is extinguished by the fact that we put ourselves into a kind of hypnosis through a glittering object, whereas our consciousness is always preserved when we, through an energetic will, bring an inner—and only inner—content of imagination into the center of our soul life. Such a method of drawing upon one’s own soul is called, using a technical term within Spiritual Science, meditation. That is true meditation. And I expressly note that this meditation is, in practice, far more difficult than one might initially believe when it is described so simply. For it is not a matter of a few experiments in this field; rather, one must attempt, through mental images and ideas formed again and again—ideas drawn from moral and intellectual life, particularly symbolic ideas—one must try again and again to engage in such concentration, such meditation, until the decisive moment arises, which lies simply in the inner knowledge: You have within you a spiritual-soul core that lives in a supersensible reality and that, in perceiving itself within this supersensible reality, does not make use of the external sense organs or the intellect bound to the brain.
[ 11 ] Nun werden Sie aus all den Vorgängen, die da geschildert worden sind, eines entnehmen können: daß wir da ja eigentlich immer innerhalb unser selbst bleiben, daß wir eigentlich im Grunde genommen uns von aller Außenwelt abgewendet haben und auf unser Inneres zurückgegangen sind. Was wir da also zunächst erfahren können, ist eigentlich nur und kann nur sein Innenerfahrung, aber diese Innenerfahrung bringt zunächst praktisch zu einem ganz bestimmten Punkt. Der Mensch, der nämlich in dieser Weise seine Konzentration, seine Meditation vornimmt, der sieht alsbald, und zwar sieht er das wirklich, sein Blickfeld ausgefüllt mit Realitäten, Realitäten, die wir zunächst meinetwillen Visionen nennen können. In Form von Bildern erscheint allerlei, was sich nicht vergleichen läßt mit früher Erlebtem; in bezug auf gewisse Äußerlichkeiten läßt es sich vergleichen, aber namentlich in bezug auf die Art und Weise, wie es sich zusammenstellt und wirkt, ist es eine durchaus neue Erfahrung, ist es nicht kombiniert aus Früherem. Wir können dieses durchaus Neue nach dem gewöhnlichen Wortgebrauch, den man hat, eben Vision nennen. Es gleicht auch aufs Haar, möchte man sagen, Traumbildern; nur ist es, wenn man es mit den gewöhnlichen Traumbildern vergleicht, von einer ungeheuer weiter gehenden Intensität und von einer sich aufdrängenden, man möchte sagen, aufdringlichen Realität.
[ 11 ] Now, from all the processes described here, you will be able to draw one conclusion: that we actually always remain within ourselves, that we have, in essence, turned away from the entire external world and withdrawn into our inner selves. What we can initially experience here is, in fact, and can only be, an inner experience; but this inner experience initially leads us, in practical terms, to a very specific point. The person who engages in concentration and meditation in this way soon sees—and indeed sees it truly—their field of vision filled with realities, realities that we may, for the sake of argument, initially call visions. All manner of things appear in the form of images that cannot be compared to anything previously experienced; in terms of certain outward appearances, they can be compared, but particularly in terms of the way they are composed and how they affect us, it is an entirely new experience—it is not a combination of what came before. We can call this thoroughly new phenomenon, in accordance with common usage, a vision. It also resembles, one might say, dream images to a T; only, when compared to ordinary dream images, it is of an immensely greater intensity and of an imposing—one might say, intrusive—reality.
[ 12 ] Hier kommt für denjenigen, der also die Methoden durchläuft, um in die übersinnliche Welt einen Einblick zu gewinnen, eine Klippe, die man eine Gefahr nennen kann. Es kommt die Gefahr, daß er nun diese visionäre Welt von vornherein als etwas Reales hinnimmt, als etwas, was sich vor ihn hinstellt, wie sich die gewöhnliche äußere Sinnenwelt vor ihn hingestellt hat, und daß er sozusagen denselben Sinn, den er mit dem Wort verbindet, «diese Welt ist real», wenn er von der Sinnenwelt spricht, mit dem Wahrnehmen dieser visionären Welt verbindet. Diese Klippe, die da vorliegt, wird um so größer, wenn nicht wirklich alle diejenigen Vorsichtsmaßregeln ergriffen werden bei einer solchen okkulten Schulung, wie sie hier geschildert wird, die natürlich heute nicht alle besprochen werden können, die Sie aber auseinandergesetzt finden können in meinem Buch: «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» Wenn aber diese Vorsichtsmaßregeln ergriffen werden, dann verliert der Mensch gegenüber der Welt, der er dann gegenübersteht, keinen Augenblick das Gefühl, daß er es selbst ist, der diese Welt hervorruft. Und das ist das ungeheuer Wichtige, daß wir niemals unser Bewußtsein betäuben lassen bis zu der Impression, daß wir eine fremde Welt vor uns haben. Sie sieht aufs Haar wie eine fremde Welt aus, sie breitet sich aus wie eine räumliche Welt, sie zeigt uns Vorgänge, die zeitlich sind wie die Vorgänge der äußeren Sinneswelt; sie täuscht uns ganz wie eben ein in die ungeheuerste Lebhaftigkeit gesteigerter Traum zunächst eine Realität vor. — Personen, welche durch die gemeinten Vorsichtsmaßregeln nicht dahin kommen, einzusehen, daß sie nun in dieser visionären Welt nur ihre von sich selbst aus geschaffene Welt haben, die kommen selbstverständlich in die Träumerei, in die Phantastik hinein. Denn dadurch unterscheidet sich der, lassen Sie mich das Wort gebrauchen, wirklich hellsichtige Mensch von dem Phantasten und Visionär, daß der Phantast und Visionär glaubt, die Visionen, die er zunächst vor sich hat, seien objektiv hervorgerufen; derjenige aber, der zur wirklichen Hellsichtigkeit vordringt, der weiß in jedem Augenblick, und muß es wissen — muß es wissen durch eine intensive Selbsterziehung —, daß er, trotzdem er eigentlich eine weite Raumeswelt um sich herum wahrnimmt, nur eine selbstgeschaffene Welt vor sich hat. In keinem Augenblick — und die Dinge wirken außerordentlich suggestiv — darf das Bewußtsein schwinden, man habe es doch nur mit seiner eigenen Schöpfung zu tun. Und dieses Bewußtsein muß nun wiederum ein Gegenstand der Meditation und Konzentration selbst werden. Der Mensch muß nun wieder lang und intensiv seinen Willen energisch anstrengen, immer wieder und wiederum sich darauf zu konzentrieren, daß die Welt, die er jetzt sozusagen erobert hat, seine eigene Schöpfung ist, daß sie von ihm selbst hervorgerufen ist. Dann tritt — das kann ja natürlich nur als praktisches Erlebnis geschildert werden — etwas Eigentümliches in unser Bewußtsein herein. Dann erkennen wir nämlich, daß wir auch jetzt in dieser Tätigkeit etwas getan haben, ganz bewußt getan haben, was wir sonst im normalen Bewußtsein auch tun.
[ 12 ] Now, from all the processes described here, you will be able to draw one conclusion: that we actually always remain within ourselves, that we have, in essence, turned away from the entire external world and withdrawn into our inner selves. What we can initially experience here is, in fact, and can only be, an inner experience; but this inner experience initially leads us, in practical terms, to a very specific point. The person who engages in concentration and meditation in this way soon sees—and indeed sees it truly—their field of vision filled with realities, realities that we may, for the sake of argument, initially call visions. All manner of things appear in the form of images that cannot be compared to anything previously experienced; in terms of certain outward appearances, they can be compared, but particularly in terms of the way they are composed and how they affect us, it is an entirely new experience—it is not a combination of what came before. We can call this thoroughly new phenomenon, in accordance with common usage, a vision. It also resembles, one might say, dream images to a T; only, when compared to ordinary dream images, it is of an immensely greater intensity and of an imposing—one might say, intrusive—reality.
[ 13 ] Es ist heute gesagt worden, daß wir im normalen Bewußtsein eigentlich einen Zerstörungsprozeß an uns selber bewirken. Das weiß der Mensch im gewöhnlichen Bewußtsein nicht, wenigstens achtet er nicht darauf. Wenn er in der geschilderten Weise unter voller Aufrechterhaltung seines Bewußtseins bis dahin kommt, eine solche Welt sich vorzuzaubern, und dabei eben den Gedanken, der gerade charakterisiert worden ist, festhält, dann tritt er auch in ein volles Wissen davon ein, daß er mit alledem, was er da als ein, man nennt es mit dem technischen Ausdruck imaginatives Wissen sich erobert hat, auch einen Zerstörungsprozeß hervorruft. Er merkt, daß es immer bis zu dem Punkt kommt, wo die imaginative Welt an uns zehren kann, wo wir bis zur Nervenschwäche, bis zur Krankheit kommen würden, wenn wir ausließen das volle, nur bei einem energischen Willen mögliche Bewußtsein: Da steckst du überall selber drinnen. — Die Kraft, die in diesem Bewußtsein liegt — da steckst du selber drinnen —, die wird uns nie zu dem Punkt kommen lassen, wo wir die Grenze überschreiten würden, jenseits welcher der wirkliche Zerstörungsprozeß begänne. Wir sind dadurch, daß wir es nicht bis zum Zerstörungsprozeß kommen lassen, sondern ihn dadurch zurückhalten, daß wir das energische Bewußtsein aufrechterhalten: Wir sind selbst die Schöpfer der imaginativen Welt — wir sind dadurch in der Lage, an einem schöpferischen Prozeß teilzunehmen. — Dadurch treten wir in der Tat in eine schöpferiische Welt ein, und wir lernen erkennen, lernen bewußt etwas verfolgen, was in ähnlicher Weise geschieht, wenn wir nach Eintritt des Schlafes an uns selbst schöpferische Tätigkeiten vollführen, die wir im normalen Bewußtsein nicht wahrnehmen können. Wir lernen dadurch, daß wir auf diese Weise von einem schöpferischen Prozeß Zeuge werden, etwas verstehen von einem Werden, von einem Werden in uns selber.
[ 13 ] Now, from all the processes described here, you will be able to draw one conclusion: that we actually always remain within ourselves, that we have, in essence, turned away from the entire external world and withdrawn into our inner selves. What we can initially experience here is, in fact, and can only be, an inner experience; but this inner experience initially leads us, in practical terms, to a very specific point. The person who engages in concentration and meditation in this way soon sees—and indeed sees it truly—their field of vision filled with realities, realities that we may, for the sake of argument, initially call visions. All manner of things appear in the form of images that cannot be compared to anything previously experienced; in terms of certain outward appearances, they can be compared, but particularly in terms of the way they are composed and how they affect us, it is an entirely new experience—it is not a combination of what came before. We can call this thoroughly new phenomenon, in accordance with common usage, a vision. It also resembles, one might say, dream images to a T; only, when compared to ordinary dream images, it is of an immensely greater intensity and of an imposing—one might say, intrusive—reality.
[ 14 ] Aber das ist noch mit etwas anderem verbunden — es können nur diese Stadien der Initiation geschildert werden —, damit verbunden, daß nach und nach der ganze Vorgang uns zwingt, auf etwas zu verzichten, auf das der gewöhnliche Hellseher gar nicht gern verzichtet. Der gewöhnliche Hellseher ist so froh, wenn er nun in der Welt seiner Visionen leben kann, er tut sich so etwas zugute mit diesen seinen Erfahrungen einer höheren Welt, und sie wirken so suggestiv, daß sie leicht als eine Realität genommen werden können. Dann kann er sehr leicht hineinkommen in das Nervenzerrüttende. Wenn aber der geschilderte Willensentschluß mit dem vollen Bewußtsein: Das machst du alles selber! — beibehalten wird, wenn nie das Bewußtsein einschläft, ja, dann tritt das ein, was manchem leid tut: daß diese Kraft, die in dem genannten Willensentschluß liegt, sich zerstörend hermacht über die ganze imaginative Welt, daß diese durcheinandergetrieben wird, daß vieles von dem, was gerade diesen gewöhnlichen Hellseher am wertvollsten dünkt, ausgelöscht wird. Es tritt, mit anderen Worten, das Folgende ein: Während wir in dem Auftreten des imaginativen Bewußtseins ein Element haben, das wirklich die Kräfte darstellt, die einen schöpferischen Prozeß bilden — denn wir lassen es nicht weiter kommen als bis zu der Grenze, wo die Zerstörung eintreten würde —, während wir da wirklich nach dem Muster des gewöhnlichen Bewußtseins im Mitleid und in der Liebe aus unserem Bewußtsein herausgehen, in einen schöpferischen Prozeß hineingehen, so kommen wir, wenn wir nun durch den geschilderten Willensentschluß selbst zerstörend, selbst ordnend, aber auch zusammenstellend eingreifen in unsere visionäre Welt, dazu, eine Tätigkeit in uns zu entwickeln, die nirgends in der Außenwelt wahrnehmbar ist und die sich doch sehr bald für die Beobachtung herausstellt als die schöpferische Tätigkeit, die in uns stattfindet und die dem gewöhnlichen Bewußtsein entzogen ist, jene schöpferische Tätigkeit, die unseren geistig-seelischen Wesenskern darstellt, wie er schafft an unserem eigenen Organismus, wie er seine Kräfte wiederum herausholt aus der geistigen Umgebung, wie er drinnensteht in dem geistigen Kosmos. Wir lernen auf der nächsten Stufe, die man technisch die Inspiration nennt, unsern geistig-seelischen Wesenskern erkennen, wie er drinnensteht in den schöpferischen Kräften des Kosmos selber. Während die Imagination als die erste Stufe der Initiation uns nur eigentlich in uns selbst hineinführt und noch dazu so, daß uns eine Welt vorgezaubert wird, die aber nur eine visionäre Welt ist, treten wir durch den Prozeß der Inspiration auf eine höhere Stufe. Es fällt wie ein Blitz hinein in die ganze visionäre Welt etwas, was so wirkt, wie wenn es durchaus aus dem geistigen Kosmos käme — es kommt auch daher, das zeigt die Beobachtung selber —, was aber doch so zu uns spricht, wie wir das im gewöhnlichen, normalen Bewußtsein nur an dem Gewissen erkennen. An dem Gewissen haben wir einen Vergleich mit der Art und Weise, wie in der Inspiration zu dem imaginativen Bewußtsein gesprochen wird; dann aber tritt diese Imagination in die Inspiration über, und wir gelangen dadurch in eine wirkliche geistige, in eine wirkliche übersinnliche Welt hinein.
[ 14 ] But this is connected to something else—only these stages of initiation can be described—namely, that little by little the entire process compels us to give up something that the ordinary clairvoyant is very reluctant to give up. The ordinary clairvoyant is so happy when he can now live in the world of his visions; he takes such pride in his experiences of a higher world, and they are so evocative that they can easily be taken as reality. Then he can very easily slip into a state of nervous exhaustion. But if the described act of will—with the full awareness: “You are doing all this yourself!”— — is maintained, if consciousness never falls asleep, then what many find distressing occurs: that this power, which lies in the aforementioned act of will, sets about destroying the entire imaginative world, that it is thrown into confusion, that much of what this ordinary clairvoyant considers most valuable is wiped out. In other words, the following occurs: While in the manifestation of imaginative consciousness we have an element that truly represents the forces constituting a creative process—for we do not allow it to proceed beyond the limit where destruction would set in— while we truly, following the pattern of ordinary consciousness, step out of our consciousness in compassion and love and enter into a creative process, we then—when, through the described act of will, we intervene in our visionary world in a self-destructive, self-organizing, but also intervening in a synthesizing way in our visionary world, to develop within ourselves an activity that is perceptible nowhere in the external world and yet very soon reveals itself to observation as the creative activity taking place within us and hidden from ordinary consciousness—that creative activity which represents the core of our spiritual -psychic core of our being, how it works upon our own organism, how it in turn draws its forces from the spiritual environment, how it stands within the spiritual cosmos. On the next stage, which is technically called inspiration, we learn to recognize our spiritual-psychic core of being, how it stands within the creative forces of the cosmos itself. While imagination, as the first stage of initiation, actually leads us only into ourselves—and does so in such a way that a world is conjured up for us, which is, however, only a visionary world—we ascend to a higher stage through the process of inspiration. Something strikes the entire visionary world like a bolt of lightning, something that seems to come directly from the spiritual cosmos—and indeed it does, as observation itself shows—yet it speaks to us in a way that we recognize in ordinary, normal consciousness only through our conscience. In our conscience we have a point of comparison with the way in which the imaginative consciousness is addressed in inspiration; but then this imagination passes over into inspiration, and through it we enter into a real spiritual, into a real supersensible world.
[ 15 ] Und jetzt werden wir imstande, dadurch, daß wir durch unsere eigene Entwickelung den Punkt erreicht haben, wo wir hinter die sinnlichen Ereignisse schauen können, zum Beispiel das wunderbare Geheimnis des menschlichen Werdens und auch des menschlichen Todes zu begreifen. Denn jetzt wird uns vergehen, zu glauben, daß das, was in der Seele eines Menschen herein sich lebt, wenn wit diesen Menschen durch die Geburt ins Dasein treten sehen, wenn wir erleben, wie aus den unbestimmten Gesichtszügen und ungeschickten Bewegungen des Kindes sich allmählich bestimmte und geschickte entwickeln — es wird uns unmöglich, zu sagen, alles, was in dem Kinde aus dem Mittelpunkt der Seele heraustritt, die Physiognomie des Leibes plastisch macht, so weit, daß auch noch die feineren Windungen des Gehirns gebaut werden schon nach der Geburt, alles, was uns so entgegentritt, das wäre nur ein Ergebnis der Vererbung. Jetzt sehen wir vielmehr zurück auf den geistig-seelischen Wesenskern, der aus einer ganz anderen Welt kommt, der sich mit dem zusammenfügt, was von Vater und Mutter genommen wird, und jetzt sprechen wir nicht nur von Erbstücken, sondern von dem, was sich aus der geistigen Welt heraus mit dem verbindet, was von Vater und Mutter, von den Vorfahren überhaupt vererbt ist. Eine reale Anschauung wird das, was sonst nur Glaube ist: daß der geistig-seelische Wesenskern aus der geistigen Welt kommt und das Physisch-Leibliche selber plastisch gestaltet. Und weiter: Wenn wir dann das Leben verfolgen, verfolgen mit der durch die Initiation gewonnenen Erkenntnis, dann sehen wir, wie der geistig-seelische Wesenskern die Erfahrungen und Erlebnisse des Daseins zwischen dem Tod und einer neuen Geburt immer mehr und mehr gegen sein Inneres hin richtet, abzieht von der äußeren Welt. Wir begreifen es, wie durch dieses Zurückgehen des Wesenskernes von dem Äußeren das Gesicht sich runzelt, und wir bekommen den unmittelbaren Eindruck: Während, nachdem wir den Höhepunkt des Lebens überschritten haben, unser äußerliches Körperhaftes zu welken beginnt, sogar unser Gehirn zu welken beginnt, so daß das, was die Seele in sich hat, nicht mehr zum Ausdruck kommen kann und es scheint, als ob die Seele selber verkümmerte —, sehen wir, wie das, was nicht mehr sich äußern kann, sich in sein Inneres zurückzieht, seine Kräfte zusammennimmt, wie gerade das, was wir erlebt, erfahren, erlitten, ersiegt haben, sich zusammenfindet in der Seele und dann am stärksten ist, seine stärkste innere Kraft hat, wenn der Leib uns entläßt; seine stärkste innere Kraft, welche dann, wenn der Vorgang weiterverfolgt wird, sich vereinigt mit den Kräften, die in einer übersinnlichen Welt das Urbild zu einer neuen Verkörperung, zu einem neuen Leibe in einem neuen Leben zusammenfügen. Es wird so die Evolution des geistig-seelischen Wesenskernes, sein Schaffen an der äußeren Leiblichkeit eine unmittelbare Tatsache durch das Hineinschauen in die geistige Welt. Und wenn wir dann dasjenige, was am Anfang des Lebens steht, das allmähliche plastische Herausgestalten des Leibes, mit dem vergleichen, was am Ende steht, mit dem In-sich-Zurückziehen der Lebenserfahrungen durch die Seele, mit dem Losreißen der seelischen Kräfte vom Leibe und mit dem Hindurchtreten durch die Pforte des Todes: dann wird das für eine übersinnliche Betrachtung so, wie wenn wir vergleichen Anfangs- und Endprozeß, sagen wir bei der Pflanze, wo wir den Endprozeß so haben, daß das, was als Keim gebildet wird, wiederum den Anfangspunkt bildet für die nächste werdende Pflanze. Während wir aber da Anfang und Ende so verknüpft sehen, daß im wesentlichen immer das gleiche erscheint, sehen wir durch eine in der Initiation gewonnene übersinnliche Erkenntnis, daß dasjenige, was die Seele im Leben erfahren hat, hineinverwoben wird in den geistig-seelischen Wesenskern, und der Mensch, wenn er nun nach der Zwischenzeit zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, die eine lange Zeit ist, zurückkehrt, formt sich den neuen Leib. Aber jetzt formt sich dieser geistig-seelische Wesenskern seinen neuen Leib, sein neues Dasein so, daß er die Wirkungen darstellt dessen, was als Ursachen in früheren Leben erlebt worden ist.
[ 15 ] And now, having reached through our own development the point where we can look beyond sensory events, we are able to comprehend, for example, the wondrous mystery of human becoming and also of human death. For now it will no longer occur to us to believe that what lives within a human being’s soul—when we see this person come into existence through birth, when we witness how the child’s indefinite facial features and clumsy movements gradually develop into definite and skillful ones—it will be impossible for us to say that everything which emerges in the child from the center of the soul, which gives the body’s physiognomy its plastic form—to the extent that even the finer convolutions of the brain are formed after birth—everything that confronts us in this way, that would be merely a result of heredity. Now, rather, we look back to the spiritual-soul core that comes from a completely different world, which unites with what is received from father and mother, and now we speak not only of inherited traits, but of what connects from the spiritual world with what is inherited from father and mother, from the ancestors in general. What is otherwise only a matter of faith becomes a real insight: that the spiritual-soul core comes from the spiritual world and itself shapes the physical body. And further: When we then observe life—observe it with the insight gained through initiation—we see how the spiritual-soul core increasingly directs the experiences and events of existence between death and a new birth toward its inner self, drawing them away from the outer world. We understand how, through this withdrawal of the core of being from the external, the face becomes furrowed, and we gain the immediate impression: While, after we have passed the peak of life, our external physical body begins to wither, even our brain begins to wither, so that what the soul holds within can no longer find expression and it seems as though the soul itself were withering away— we see how that which can no longer express itself withdraws into its innermost being, gathers its strength, how precisely that which we have lived through, experienced, endured, and conquered gathers within the soul and is then at its strongest, possessing its greatest inner power, when the body releases us; its strongest inner power, which, if the process is followed further, unites with the forces that, in a supersensible world, assemble the archetype for a new embodiment, for a new body in a new life. Thus, the evolution of the spiritual-soul core of the being, its creative work on the outer physical body, becomes an immediate fact through looking into the spiritual world. And when we then compare what stands at the beginning of life—the gradual, plastic shaping of the body—with what stands at the end—the soul’s withdrawal of life experiences into itself, the detachment of the soul’s forces from the body, and the passing through the gate of death: then, for a supersensible observation, it becomes like comparing the initial and final processes, say in the case of a plant, where the final process is such that what is formed as a seed again forms the starting point for the next plant to be. But while we see the beginning and the end linked in such a way that essentially the same thing always appears, through a supersensible insight gained in initiation we see that what the soul has experienced in life is woven into the spiritual-soul core of the being, and when the human being returns after the interval between death and a new birth—which is a long time—this spiritual-soul core forms its new body. But now this spiritual-soul core forms its new body, its new existence, in such a way that it manifests the effects of what was experienced as causes in earlier lives.
[ 16 ] So werden durch jene Methoden, die durch die Initiation gewonnen werden und die ihr Vorbild gewissermaßen in dem erlebten Mitgefühl und dem Gewissen des normalen Bewußtseins haben, die Vorgänge der übersinnlichen Welt, die mit dem Menschen zusammenhängen, unmittelbare Erkenntnis. Initiation wird dadurch zum Weg, in die übersinnlichen Welten hinaufzusteigen.
[ 16 ] Thus, through the methods gained by initiation—which, in a sense, find their model in the empathy and conscience of ordinary consciousness—the processes of the supersensible world connected with the human being become a matter of direct knowledge. Initiation thereby becomes the path for ascending into the supersensible worlds.
[ 17 ] Wenn Sie sich nun tiefer auf das einlassen, was nur skizzenhaft hier geschildert werden konnte, wenn Sie es verfolgen in meiner Schrift «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», dann werden Sie finden, daß diese Initiation, wie sie gegenwärtig geschildert wird, eine ganz bestimmte Eigentümlichkeit hat. Sie richtet sich nämlich durchaus in ihrem ganzen Verlauf und in der Art und Weise, wie sie die Ereignisse darstellt, nach den Anforderungen der gegenwärtigen Menschheitserziehung, den gegenwärtigen Forderungen von Logik, von gesundem Menschenverstand und von Wissenschaft; so daß immer mehr und mehr diese Vorgänge der Initiation von den Menschen erkannt werden können als das, was den Weg darstellt, auf dem der Mensch, und zwar jeder Mensch, Erkenntnisse der übersinnlichen Welt erlangen kann. In völlig freien, nur durch das Wachrufen seiner Seele, seiner inneren Seelenkräfte bewirkten Vorgängen lebt er sich selber hinauf in jene übersinnlichen Vorgänge, die ihm Aufschluß darüber geben, welches der Weg seines geistig-seelischen Wesenskernes durch die Welt ist, Aufschlüsse, die nicht etwa bloß einer Welt angehören, die uns nichts anzugehen braucht, sondern einer Welt, aus der wir fortdauernd Kraft und Zuversicht für das gewöhnliche Leben schöpfen müssen. Dies, daß die Initiation mit den Mitteln unserer gegenwärtigen Logik, unserer gegenwärtigen wissenschaftlichen Anforderungen rechnet, das ist allerdings eine neue Errungenschaft, möchte man sagen, des Initiationsprozesses. Sie sehen ja, daß die Menschen allmählich dahin gelangen werden, auf diese Weise nach dem Muster wissenschaftlichen Denkens Erkenntnisse zu gewinnen, die in das religiöse Gefühl eindringen, welche dem religiösen Gefühl Befriedigung durch das Wissen geben. Damit ist aber ein Umschwung gegeben durch das ganz sichtbar eintretende Eindringen des Initiationsprozesses in die Kultur der Gegenwart und Zukunft. Es ist ein Umschwung gegeben in der Entwickelung der Menschheit, den wir bezeichnen können als den Umschwung, der eintreten wird von dem Glauben zum Wissen von übersinnlichen Dingen.
[ 17 ] If you now delve deeper into what could only be outlined here, if you explore it further in my book *How Does One Gain Knowledge of the Higher Worlds?*, you will find that this initiation, as it is described here, has a very specific characteristic. For in its entire course and in the way it presents events, it is entirely guided by the requirements of the current education of humanity, the current demands of logic, common sense, and science; so that more and more these processes of initiation can be recognized by people as the path by which human beings—indeed, every human being—can attain knowledge of the supersensible world. Through processes that are entirely free, brought about solely by the awakening of his soul and his inner soul forces, he elevates himself into those supersensible processes that provide him with insight into the path of his spiritual-soul core through the world, insights that do not merely belong to a world that need not concern us, but to a world from which we must continually draw strength and confidence for ordinary life. The fact that initiation takes into account the means of our present logic, our present scientific requirements, is indeed a new achievement, one might say, of the initiatory process. You see, after all, that people will gradually come to gain insights in this way, following the pattern of scientific thought, insights that penetrate religious feeling and give religious feeling satisfaction through knowledge. This, however, marks a turning point brought about by the very visible penetration of the initiation process into the culture of the present and the future. A turning point has occurred in the development of humanity, which we can describe as the shift that will take place from belief to knowledge of supersensible things.
[ 18 ] Der Glaube ist aber — und man wird leichter verstehen, daß dieser Umschwung eintreten kann, wenn man dies berücksichtigt.—, der Glaube, wie er aufgetreten ist, er ist, wenn man die Dinge namentlich mit den Mitteln der Initiation studiert, so, daß er überall, wo er aufgetreten ist, auch nicht etwas Ausgedachtes ist, wie eine neuere, im Wesenlosen wurzelnde Aufklärung annehmen will, sondern jeder Glaube führt ursprünglich zurück auf Ergebnisse, die initiierte Menschen gewonnen haben, auf Erlebnisse der Initiation. Nur gibt es eben diesen gewissen Unterschied zwischen neuerer Initiation, die hier gemeint ist und die immer mehr und mehr die Initiation der Menschheit überhaupt werden wird, und der Initiation in den alten Zeiten.
[ 18 ] Faith, however, is—and it becomes easier to understand that this shift can occur if one takes this into account. —faith, as it has arisen, is such that, when one studies things specifically through the means of initiation, it is evident that wherever it has arisen, it is not something contrived, as a more recent form of enlightenment rooted in the insubstantial would have us believe, but rather every faith can be traced back to findings made by initiated individuals, to experiences of initiation. There is, however, this certain difference between the newer initiation referred to here—which will increasingly become the initiation of humanity as a whole—and the initiation of ancient times.
[ 19 ] In den alten Zeiten war es strenge Regel, und es ist heute noch für viele Initiationen, die in der Welt sind, strenge Regel, daß der, der den geschilderten Weg sucht, eine Art von Führer hat, den man in gewissen Kreisen eben den geistigen Führer, den Guru nennt. Was ist die Aufgabe dieses Guru? Nun, wir haben gesehen, daß man im Verlaufe jener inneren Entwickelung, die geschildert worden ist, vor gewisse Gefahren kommt, Gefahren, vor denen man gewarnt werden soll. Zunächst ist die Aufgabe gewesen in denjenigen Initiationen, die noch aus den alten Zeiten sich herübergeerbt haben, daß der Guru ein Warner ist. Das kann er auch noch heute sein, wenn er einfach die Person ist, die man als eine Art von Lehrer aufsucht wie in der äußeren Wissenschaft und zu der man Vertrauen hat. Aber es ist außerordentlich naheliegend, daß das, was der alte Guru sein mußte, der neue sein will, was er aber nimmer sein darf und immer weniger wird sein dürfen, je mehr sich die Initiation dem fortschreitenden Entwickelungsprozeß der Menschheit anpassen wird. Im Grunde genommen fing die Initiation überall so an, wie geschildert worden ist. Dem Menschen wurden — nur daß er seinen persönlichen Führer hatte — die einzelnen Regeln gegeben: jetzt sollst du dich auf das, dann auf jenes konzentrieren, jetzt sollst du diese, dann jene Übung machen; dann wurde unter strenger Führerschaft der Zustand herbeigeführt, in welchem die Welt der Imagination eintrat. Während nun — es liegt das in der Natur des modernen Menschen — der moderne Mensch dahin kommen muß, durch seinen eigenen energischen Willensentschluß das in sich zu haben, was geschildert worden ist: die Imagination in die Inspiration hinaufzuführen, wurde von dem alten Guru die Aufgabe übernommen, den Schüler aus der Imagination in die Inspiration hinaufzuführen durch gewisse Einflüsse, denen dann der Mensch eben leichter zugänglich ist, wenn er bis zu einer solchen Stufe der Initiation gebracht ist, so daß das, was hier geschildert worden ist als im Menschen selber sitzend, dann als ein Impuls ausgeübt wird von dem Guru auf den Schüler. Es wird gleichsam von dem Guru in den Schüler hinüber verpflanzt etwas, wodurch Ordnung hineinkommt in sein imaginatives, in sein visionäres Leben. Damit aber hat der Guru den Schüler vollständig in der Hand; dadurch ist der Schüler in gewisser Beziehung ein Werkzeug in den Händen des Guru. Und Sie verstehen, daß dadurch verknüpft war mit allen alten Initiationen, von denen im Grunde genommen auch alle religiösen Bekenntnisse ausgegangen sind, die strenge Forderung, daß der Guru, daß der Initiator über jede Unmoralität, über jede Möglichkeit, einen unrichtigen Einfluß auf den Schüler auszuüben, erhaben war, daß er in seiner ganzen Gesinnung über die Möglichkeit des Betruges erhaben sein mußte und daß nur dann etwas herauskommen konnte, wenn er diese Eigenschaft hatte; daß er seinen Einfluß nur dahin wandte, die von ihm selbst gewonnenen Erkenntnis-Bilder der höheren Welt auf den Schüler zu übertragen, so daß er dem Schüler den Weg erleichterte.
[ 19 ] In ancient times, it was a strict rule—and it remains a strict rule today for many initiations throughout the world—that whoever seeks the path described must have a kind of guide, whom certain circles refer to as the spiritual guide, the guru. What is the task of this guru? Well, we have seen that in the course of that inner development that has been described, one encounters certain dangers—dangers about which one must be warned. Initially, the task in those initiations that have been handed down from ancient times was for the guru to serve as a warning. He can still be that today, if he is simply the person one seeks out as a kind of teacher, as in the external sciences, and in whom one has trust. But it is extremely obvious that what the old Guru had to be, the new one wants to be—yet what he must never be and will be allowed to be less and less as initiation adapts to the progressive development of humanity. Basically, initiation began everywhere as has been described. The individual was given—except that he had his personal guide—the specific rules: now you shall concentrate on this, then on that; now you shall do this exercise, then that one; then, under strict guidance, the state was brought about in which the world of the imagination entered. Whereas now—and this lies in the nature of modern man—modern man must come to possess within himself, through his own energetic act of will, what has been described: to raise the imagination to the level of inspiration, the ancient guru took on the task of leading the disciple from the imagination to inspiration through certain influences to which the human being is more readily receptive once brought to such a stage of initiation, so that what has been described here as residing within the human being is then exerted as an impulse by the guru upon the disciple. Something is, as it were, transplanted from the Guru into the disciple, bringing order into his imaginative and visionary life. But with this, the Guru has the disciple completely in his power; through this, the disciple is, in a certain sense, an instrument in the hands of the Guru. And you understand that this was linked to all ancient initiations—from which, in essence, all religious denominations also originated—the strict requirement that the Guru, that the Initiator, must be above all immorality, above any possibility of exerting an improper influence on the disciple, that he must be above any possibility of deceit in his entire disposition, and that something could come of it only if he possessed this quality; that he directed his influence solely toward transmitting to the disciple the images of knowledge of the higher world that he himself had gained, so that he might ease the disciple’s path.
[ 20 ] Ich glaube, es wird für Sie nicht vieler Beweise bedürfen, wenn Sie unbefangen den Gang des modernen Bewußtseins einsehen wollen, daß die Menschheit auch in bezug auf die höheren, übersinnlichen Erkenntnisse sich immer mehr und mehr unabhängig machen wird von dem persönlichen Einfluß. Das liegt einfach in der fortlaufenden Entwickelung der Menschheit. Die Gurus, die ihre Schüler so um sich versammelten wie eben Religions- oder Sektenstifter, werden immer mehr und mehr aus dem Menschheitsentwickelungsprozeß verschwinden; an ihre Stelle werden für diejenigen, die die Initiation suchen, die Menschen des Vertrauens treten, des Vertrauens, das man gewinnt, wie man auch das Vertrauen zu einem anderen Lehrer gewinnt. Aber es muß sozusagen der selbstgewählte Lehrer, der nicht von irgendeiner Seite her festgesetzte Guru sein. Sektenstifterei in der Weise der alten Adepten, das ist nicht etwas, was die Menschheitsnöte überwinden wird. Und es ist sogar gut, wenn in bezug auf diese übersinnliche Entwickelung die Menschen nicht sehr leichtgläubig, sondern sehr schwergläubig sind, wenn sie sich nicht einmal und zweimal, sondern vielmal fragen, wem sie ihr Vertrauen entgegenbringen sollen, und wenn sie viel, viel Mißtrauen aufzubringen vermögen, wenn von außen her ihnen irgend etwas wie ein Prophet, wie ein Sektenstifter, wenn ein Adept ihnen wie ein großer Lehrer aufgedrängt werden soll. Das wird gerade auf dem Gebiet, das hier gemeint ist, immer eine gefährliche Klippe sein, wenn geistige Strömungen, die Okkultismus in die Welt bringen wollen, vor allen Dingen sich auf große Lehrer berufen, auf diejenigen, die von außen her den Menschen aufgedrängt werden sollen, die nicht aus dem selbstverständlichen Vertrauen, aus innerem Vertrauen, das aus der Begegnung mit dem Lehrer hervorgeht und das sich im Schüler selbst bildet, hervorgeht. Wir haben ja in gewisser Beziehung ein klassisches Beispiel erlebt, das gerade hier erwähnt zu werden nicht unnötig ist. Wir haben das Beispiel erlebt, daß in den letzten Jahrzehnten eine Persönlichkeit aufgetreten ist, die in die Menschheit große bedeutsame Erkenntnisse gebracht hat; nicht solche, die von der äußeren Aufklärung anerkannt werden, aber solche, die sich durch ihre innere Gediegenheit als etwas entpuppt haben, was tief gerade in die übersinnlichen Geheimnisse hineinführt. So etwas ist ja enthalten in den Büchern der in gewissen Kreisen berühmten H.P. Blavatsky. Was in diesen Büchern steht, das ist auch für denjenigen, der in diesen Dingen bewandert ist, zuweilen etwas außerordentlich Großes, Bedeutungsvolles, was mehr in die Geheimnisse des Daseins hineinführt als irgend etwas anderes. Aber leider stand am Ausgangspunkt der okkulten Bewegung, die damit eingeleitet worden ist, etwas, was dieser okkulten Bewegung geschadet hat, was ich zwar hier nicht als eine Unrichtigkeit hinstellen will — im Gegenteil, es hat geschadet, trotzdem es seine Richtigkeit hatte: H.P. Blavatsky hat sich auf Lehrer berufen, die der Welt nicht bekanntgeworden sind, auf ihre Gurus. Wer eine Einsicht hat in die Fähigkeiten der H.P. Blavatsky, weiß, daß sie durch diese nicht in der Lage war, selbständig zu den Dingen zu kommen. Zu diesen hohen Erkenntnissen hätte H.P. Blavatsky durch ihre Fähigkeiten niemals kommen können. Sie empfehlen sich durch sich selbst, soweit sie wahr sind, und sie können nachgeprüft werden. Daher schadete es nichts, daß H. P. Blavatsky hinweisen mußte auf Überlieferungen, auf Schulungen, die von Gurus ausgingen und zu denen sie selber niemals hätte kommen können. Ihrer Bewegung hat es selbstverständlich geschadet, daß nicht auf die innere Wahrheit des Okkultismus, sondern auf äußere Autorität hin die Dinge angenommen worden sind. So gutwillig es mancher hinnehmen wird, die Zeit ist vorüber, ob berechtigt oder unberechtigt, die Notwendigkeit der Zeit lehrt es, daß das vorüber ist als Möglichkeit, daß auf Autorität von Gurus hin die Dinge einfach aufgenommen werden. Aufgenommen werden müssen die Dinge auf die Autorität des gesunden Menschenverstandes hin. Und so darf Ihnen das, was gewonnen werden kann auf dem Wege, der geschildert worden ist etwa in solchen Schriften wie in meiner «’Theosophie», so entgegentreten, daß es zwar nur in der heute beschriebenen Art erforscht werden konnte, daß es aber, wenn es als Ergebnis nun da ist, geprüft werden kann, verglichen werden kann mit den Tatsachen des Lebens und auf keine Autorität hin bloß angenommen zu werden braucht. So wird die Initiation nur als eine richtige aufzufassen sein, wenn bei ihr heute berücksichtigt wird, daß sie sich anpaßt dem modernen Kulturprozeß, daß sie Mittel und Wege beschreitet, die jedem Menschen zugänglich sind.
[ 20 ] I believe that if you are willing to objectively examine the course of modern consciousness, you will not need much evidence to see that humanity will become increasingly independent of personal influence, even with regard to higher, supersensory knowledge. This is simply part of humanity’s ongoing evolution. The gurus who gathered their disciples around them in the same way as founders of religions or sects will increasingly disappear from the process of human development; in their place, for those seeking initiation, will come people of trust—the kind of trust one gains just as one gains trust in any other teacher. But it must be, so to speak, the self-chosen teacher, not a guru appointed by any external authority. Founding sects in the manner of the ancient adepts is not something that will overcome humanity’s hardships. And it is even good if, with regard to this supersensory development, people are not very gullible but very skeptical, if they ask themselves not just once or twice but many times whom they should place their trust in, and if they are able to muster a great deal of skepticism when something like a prophet, a sect founder, or an adept is imposed upon them from the outside as a great teacher. This will always be a dangerous pitfall, especially in the field we are discussing here, when spiritual movements that seek to introduce occultism into the world rely above all on so-called “great teachers”—those who are to be imposed on people from the outside, rather than arising from the natural trust, the inner trust that emerges from the encounter with the teacher and develops within the student themselves. We have, in a certain sense, experienced a classic example that is not out of place to mention here. We have witnessed the example of a personality who has emerged in recent decades and brought great and significant insights to humanity; not insights recognized by the external Enlightenment, but ones that, through their inner substance, have revealed themselves as something that leads deeply into the supersensory mysteries. Such things are indeed contained in the books of H.P. Blavatsky, who is famous in certain circles. What is written in these books is, even for those well-versed in these matters, at times something extraordinarily great and significant, leading deeper into the mysteries of existence than anything else. But unfortunately, at the starting point of the occult movement that was thus initiated, there was something that harmed this occult movement—something I do not wish to present here as an error; on the contrary, it did harm, even though it had its validity: H.P. Blavatsky referred to teachers who had not become known to the world—to her gurus. Anyone who has insight into H.P. Blavatsky’s abilities knows that she was not in a position to arrive at these things independently through them. H.P. Blavatsky could never have arrived at these high insights through her own abilities. They speak for themselves, insofar as they are true, and they can be verified. Therefore, it did no harm that H.P. Blavatsky had to refer to traditions, to teachings that originated from gurus and to which she herself could never have arrived. It has, of course, harmed her movement that things were accepted not on the basis of the inner truth of occultism, but on the basis of external authority. However willingly some may accept it, the time has passed—whether justifiably or not—and the necessity of the times teaches us that the possibility of simply accepting things on the authority of gurus is over. Things must be accepted on the authority of common sense. And so what can be gained along the path described in writings such as my *Theosophy* may present itself to you in such a way that, while it could only be explored in the manner described today, once it is there as a result, it can be tested, compared with the facts of life, and need not be merely accepted on the basis of any authority. Thus, initiation can only be regarded as genuine if it is understood today to adapt to the modern cultural process, employing methods and means accessible to every human being.
[ 21 ] Gewiß, es wird noch lange dauern, daß Menschen von diesem oder jenem Bildungsgrade, auch von dieser oder jener wissenschaftlichen Höhe noch Rat brauchen von einem okkulten Lehrer, daß ihnen die Initiation erleichtert werden muß durch einen solchen, der sie schon empfangen hat, in den schon eingedrungen sind die Inspirationen einer höheren Welt, denn er allein kann in den Einzelheiten die richtigen Ratschläge geben. Aber das Verhältnis kann nur ein solches sein zwischen Schüler und Lehrer, wie es auch sonst in unserer heutigen Kulturwelt ist zwischen dem, der etwas lernen will, und dem, der etwas lehren kann. Alles Geheimnisvolltun mit Adeptentum, alles Hintreten vor die Welt mit der Anforderung: Glaubt an irgendwelche neue Propheten oder Religionsstifter —, all das wird zurückgewiesen werden von dem modernen Kulturgeist, von dem modernen wissenschaftlichen Geist und empfiehlt sich schon durch die einzige Tatsache nicht, daß es dem modernen Kulturgeist widerspricht. Was man auch sagen mag von Lehrern, die auftreten sollen: das einzige, was verbürgen wird in der Zukunft, daß einer Lehrer sein kann, wird nur das Vertrauen in seine Leistungen sein, in die Art und Weise, wie er sich gibt, wie er ist. Das Vertrauen muß es sein, durch das derjenige, der Rat haben will, hingelenkt werden kann zu dem Lehrer. Sonst, wenn diese Vorsicht nicht geübt wird, gerade auf okkultem Gebiet, wo Initiation gesucht wird, dann wird die Gefahr nicht von der Welt weichen, die immer da sein muß durch das Bedenkliche des geschilderten Gebietes: die Gefahr, die einfach in der Tatsache besteht, daß auf diesem Gebiete unmittelbar neben dem gewissenhaften Initiierten, der auf gewissenhafte Weise seinen Weg gesucht hat in die übersinnlichen Welten und die Ergebnisse der Welt vermittelt, sich hinstelit der Scharlatan. Scharlatanerie ist das, was sich so leicht hinstellen kann neben die gewissenhaften, vom Wahrheitsgeist diktierten Ergebnisse des Okkultismus oder der Initiation. Und weil in unserer Zeit ebenso groß ist die Leichtgläubigkeit, die Sensationslust gegenüber Mitteilungen aus der übersinnlichen Welt, die aus der Initiation heraus stammen, wie auf der anderen Seite die Zweifelsucht — weil es fast ebenso viele Menschen gibt, die gleich mit ihrem Glauben bei der Hand sind auf die Autorität dieses oder jenes hin, wie es Menschen gibt, die alles ableugnen, was auch mit den strengsten Methoden übersinnlicher Forschung gewonnen ist, muß heute allgemein verbreitet werden ein zu den okkulten Tatsachen führender Forschungsweg, wie er heute eben geschildert worden ist als Initiation. Und dieser Initiationsweg ist ein solcher, der von jedem Menschen betreten werden kann, dessen Ergebnisse aber sich dem gesunden Menschenverstand ebenso aufdrängen können wie andere Ergebnisse der Wissenschaft, die auch hingenommen werden vom unbefangenen Menschenverstand, ohne daß man sie vielleicht in jeder Lage prüfen kann. Man weiß von den Tatsachen, die in unserer Klinik zum Beispiel oder anderswo gewonnen werden, daß sie jeder untersuchen kann, wenn er sich die dazu notwendige Methode aneignet,; man kann aber doch nicht alles nachprüfen, man nimmt das hin, was sich dem Menschenverstand als geeignet erweist, was sich ihm als wahr ergibt. So und nicht anders kann es auch sein mit den Ergebnissen der Initiation. Nicht ein jeder wird in der Lage sein, immer nachzuprüfen, aber diejenigen, die forschen, werden ihre Ergebnisse immer mehr und mehr mitteilen der Welt, und es wird sie der gesunde Menschenverstand hinnehmen, wie er hinnimmt die Ergebnisse anderer Wissenschaften. Der eine Unterschied besteht allerdings, daß die Ergebnisse der Initiation die Wahrheiten enthalten, die ein jeder Mensch braucht, um Kraft und Sicherheit in den Leiden und Freuden des Lebens zu haben, Kraft und Sicherheit zu haben in seiner Arbeit, in seinem Wirken, damit er sich nicht verliert, wenn ihm das Leben hart zusetzt, sondern er den Mittelpunkt zu ergreifen vermag, der ihn sicher den Weg zu seinen Idealen führt. Kraft aber auch können ihm die Resultate seiner Forschung geben, wenn es sich darum handelt, daß das Leben uns niederdrückt und wir Trost brauchen gegenüber dem Niederdrückenden der ‘Welt, in der Krankheit und Tod herrschen, durch den Aufblick in die Tatsachen der geistigen, der übersinnlichen Welt, der wir angehören und aus der wir auch für diese Sinneswelt die echten, die aufrechterhaltenden Kräfte gewinnen. Denn das wird von den Ergebnissen der Initiation und des Okkultismus in die Gesinnung eindringen, was man etwa zusammenfassen könnte in die Worte, die iri Empfindungsnuancen, in Gefühlsnuancen geben möchten, was über Initiation gesagt worden ist, in die Worte:
[ 21 ] Certainly, it will be a long time before people of this or that level of education, or of this or that scientific attainment, will still need guidance from an occult teacher; their initiation must be facilitated by one who has already received it, into whom the inspirations of a higher world have already penetrated, for he alone can give the right advice in the details. But the relationship between student and teacher can only be such as it is elsewhere in our modern cultural world—between the one who wants to learn something and the one who can teach something. All the mystification surrounding adeptship, all the stepping before the world with the demand: Believe in some new prophets or founders of religions—all of this will be rejected by the modern cultural spirit, by the modern scientific spirit, and is already discredited by the mere fact that it contradicts the modern cultural spirit. Whatever one may say about teachers who are to appear: the only thing that will guarantee in the future that someone can be a teacher will be trust in their achievements, in the way they present themselves, in who they are. It must be this trust through which the one seeking counsel can be guided to the teacher. Otherwise, if this caution is not exercised—especially in the occult realm, where initiation is sought—then the danger will not vanish from the world, a danger that must always be present due to the precarious nature of the field described: the danger that simply lies in the fact that in this field, right alongside the conscientious initiate who has conscientiously sought his path into the supersensible worlds and conveys the results of that world, stands the charlatan. Charlatanism is what can so easily stand alongside the conscientious results of occultism or initiation, dictated by the spirit of truth. And because in our time credulity and a thirst for sensation regarding messages from the supersensible world—which originate from initiation—are just as great as, on the other hand, a tendency toward skepticism — because there are almost as many people who are quick to place their faith in the authority of this or that, as there are people who deny everything that has been gained even through the strictest methods of supersensory research—a path of research leading to occult facts, as it has just been described today as initiation, must now be widely disseminated. And this path of initiation is one that can be taken by any person, yet its results can impose themselves on common sense just as much as other scientific findings, which are also accepted by an unbiased mind without necessarily being verifiable in every situation. We know from the facts obtained in our clinic, for example, or elsewhere, that anyone can investigate them if they acquire the necessary method; yet one cannot verify everything; one accepts what proves suitable to human reason, what appears to be true. It can be no other way with the results of initiation. Not everyone will be able to verify them at all times, but those who investigate will increasingly share their findings with the world, and common sense will accept them just as it accepts the findings of other sciences. There is, however, one difference: the results of initiation contain the truths that every human being needs to have strength and security in the sufferings and joys of life, to have strength and security in their work and in their activities, so that they do not lose themselves when life deals them a harsh blow, but are able to grasp the center that safely leads them on the path to their ideals. But the results of his research can also give him strength when life weighs us down and we need comfort in the face of the oppressive forces of a ‘world’ where illness and death reign—by looking up to the realities of the spiritual, the supersensible world to which we belong and from which we also draw the genuine, sustaining forces for this sensory world. For what will penetrate the mind from the results of initiation and occultism is something that could be summarized in the words—which I would like to express in nuances of feeling—that have been said about initiation:
Es sprechen zu den Menschensinnen
die Dinge in den Raumesweiten.
Sie wandeln sich im Zeitenlaufe.
Erkennend dringt die Menschenseele,
von Raumesweiten unbegrenzt<
und ungestört durch Zeitenlauf,
ins Reich der Ewigkeiten.
The things in the vastness of space
speak to the human senses.
They change as time passes.
With insight, the human soul penetrates,
unlimited by the vastness of space<
and undisturbed by the passage of time,
into the realm of eternity.
