Man in the Light of
Occultism, Theosophy and Philosophy
GA 137
6 June 1912, Oslo
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Man in the Light of Occultism, Theosophy and Philosophy, tr. SOL
Vierter Vortrag
Fourth Lecture
[ 1 ] Wir müssen uns jetzt etwas näher zu dem dritten Erlebnisse der übersinnlichen Welt wenden, zu dem in der übersinnlichen Welt herrschenden Bewußtsein. Nun müssen wir, wenn wir eine Betrachtung anstellen wollen über das Bewußtsein ohne Gegenstand in der übersinnlichen Welt, zuerst einmal etwas kennenlernen, was ja jeder Mensch zunächst hat, was aber gewöhnlich nicht jeder Mensch ordentlich beobachtet, nämlich das gewöhnliche Bewußtsein in dieser Welt hier, dasjenige Bewußtsein, welches beim Menschen innerlich zusammengefaßt wird dadurch, daß der Mensch sein Ich gewahr wird; gewahr wird, daß er ein für sich bestehendes, von den anderen Gegenständen und Wesen um ihn herum wissendes Wesen ist.
[ 1 ] We must now turn our attention more closely to the third aspect of the supersensible world: the consciousness that prevails in the supersensible world. Now, if we wish to consider consciousness without an object in the supersensible world, we must first become acquainted with something that every human being possesses from the outset, but which not everyone usually observes properly: namely, ordinary consciousness in this world here, that consciousness which is internally synthesized in the human being through the fact that the human being becomes aware of his or her “I”; becomes aware that they are a being existing in and of themselves, aware of the other objects and beings around them.
[ 2 ] Dieses Bewußtsein ist nun das Element unseres Lebens, das wir, der okkulten Beobachtung gegenüber, uns ganz besonders genau ansehen müssen. Denn man darf wohl sagen, dieses Bewußtsein, oder man könnte auch sagen, dieses Ich-Bewußtsein des Menschen ist für den Okkultisten dasjenige Lebenselement, welches beim Übergehen in die übersinnlichen Welten am meisten droht verloren zu gehen und auf welches der Mensch, der in diese übersinnlichen Welten eindringen will, auch ganz besonders achtgeben muß. Die besondere Achtsamkeit auf das gewöhnliche, alltägliche Bewußtsein, sagen wir auf das Erdenbewußtsein — hier komme ich schon wieder auf einen gewissen Widerspruch, aber die Notwendigkeit, Widersprüche hinzunehmen, wurde ja schon betont —, ist deshalb beim okkulten Wege so notwendig, weil der Verlust dieses Bewußtseins, das Aufgeben und Überwinden dieses Bewußtseins ebenso notwendig wie gefährlich ist. Also, sowohl eine Gefahr liegt hier vor, wie eine Notwendigkeit.
[ 2 ] This consciousness is the element of our life that we must examine with particular care when it comes to occult observation. For one may well say that this consciousness—or one could also say this human sense of self—is, for the occultist, the element of life that is most in danger of being lost during the transition into the supersensible worlds, and to which the person who wishes to enter these supersensible worlds must pay particular attention. This special attention to ordinary, everyday consciousness—let us call it earthly consciousness—is so necessary on the occult path because the loss of this consciousness, the letting go of and overcoming this consciousness, is just as necessary as it is dangerous. So, there is both a danger here and a necessity.
[ 3 ] Wenn Sie sich nun ein wenig überlegen, wie es mit diesem Ich-Bewußtsein beschaffen ist, dann werden Sie sich sagen müssen: Dieses Bewußtsein ist ja eigentlich dasjenige, wodurch Sie seelisch in sich selber sind, wodurch Sie sich in sich selber seelisch abschließen. Wenn Sie Ihre Sinne nicht gebrauchen, so haben Sie noch immer, zunächst in nicht schlafendem Zustande, die Möglichkeit, mit sich selber zu sein in Ihrem Bewußtsein. In die Finsternis hinuntergetaucht wird dieses Bewußtsein erst, wenn der Mensch in Schlaf versinkt.
[ 3 ] If you now reflect a little on the nature of this sense of self, you will have to admit: This consciousness is, in fact, what allows you to be within yourself spiritually, what enables you to withdraw into yourself spiritually. Even when you are not using your senses, you still have—at least while you are awake—the ability to be with yourself in your consciousness. This consciousness is only plunged into darkness when a person falls asleep.
[ 4 ] Nun werden Sie nicht viel nachzudenken brauchen, um sich zu sagen: Dasjenige, was der Mensch gewohnt ist, das Göttliche oder den einheitlichen Grund der Welt zu nennen, darf zunächst in dieses Bewußtsein, das der Mensch jeden Abend beim Einschlafen verliert, nicht eigentlich hineingerechnet werden. Denn der Mensch findet jeden Morgen den Inhalt seines Bewußtseins wieder; es ist alles, was er am Abend beim Einschlafen gehabt hat, geblieben, und er kann sozusagen wiederum den Faden des inneren, seelischen Lebens beim Aufwachen dort aufnehmen, wo er ihn abgeschnitten hat beim Einschlafen. Es ist also alles, vom Einschlafen bis zum Aufwachen, geblieben; nur hat der Mensch von sich selber nichts gewußt, während er geschlafen hat. Der einheitliche göttliche Weltengrund, der alles erhält, muß also auch sein Bewußtsein erhalten haben; er muß also völlig unabhängig sein von des Menschen Schlafzustand, muß gleichsam wachen über die menschliche Natur, wenn der Mensch wacht und auch, wenn er schläft.
[ 4 ] Now you won’t have to think long before you realize: What people are accustomed to calling the divine or the unified principle of the world cannot, strictly speaking, be included in this consciousness that a person loses every evening upon falling asleep. For every morning a person rediscovers the contents of their consciousness; everything they had when falling asleep in the evening has remained, and they can, so to speak, pick up the thread of their inner, spiritual life upon waking up right where they left off when falling asleep. So everything has remained, from falling asleep to waking up; it is just that the person was unaware of themselves while they were asleep. The unified divine foundation of the world, which sustains everything, must therefore also have sustained his consciousness; it must thus be completely independent of the human state of sleep, must, as it were, watch over human nature when the person is awake and also when he is asleep.
[ 5 ] Daraus ersehen Sie, daß der Mensch jedenfalls, wenn er in diesem Erdenbewußtsein steht, den göttlichen Weltengrund außerhalb dieses Erdenbewußtseins denken muß. Und dieses Denken des Weltengrundes außerhalb des Erdenbewußtseins macht notwendig, daß der Mensch durch sein eigenes Bewußtsein, also durch dieses Bewußtsein, welches sein Ich in sich schließt, von dem Weltengrunde zunächst überhaupt nichts wissen kann. Dieser Umstand hat selbstverständlich auch immer bewirkt, daß es notwendig war, daß zu dem gewöhnlichen Erdenbewußtsein die Dinge vom Weltengrund nicht durch eine Anstrengung dieses Erdenbewußtseins gekommen sind, sondern durch das, was man Offenbarung nennt. Die Offenbarungen, insbesondere die religiösen Offenbarungen, sind immer dem Menschen gegeben worden aus dem einfachen Grunde, weil er sie innerhalb des eigenen Bewußtseins, insofern dieses Bewußtsein das Erdenbewußtsein ist, nicht finden kann. Daher muß der Mensch, wenn er zu dem Urgrunde ein Verhältnis gewinnen will, sich über das Wesen dieses Urgrundes aufklären lassen, eine Offenbarung empfangen. Das ist ja auch immer geschehen in der ganzen Entwickelung der Menschheit. Wenn wir in die alten vorchristlichen Zeiten zurückschauen, so haben wir die verschiedenen großen religiösen Lehrer, die zum Beispiel in der Buddhasprache die Bodhisattvas genannt, von den anderen Völkern aber in anderer Weise bezeichnet werden. Diese haben sich sozusagen unter die Menschen hineingestellt und ihnen dasjenige mitgeteilt, was sie durch ihr Erdenbewußtsein nicht haben erringen können.
[ 5 ] From this you can see that human beings, at least while they are within this earthly consciousness, must conceive of the divine foundation of the world as existing outside of this earthly consciousness. And this conception of the world-ground outside of earthly consciousness necessitates that human beings, through their own consciousness—that is, through this consciousness which encompasses their ego—can initially know nothing at all about the world-ground. This circumstance has, of course, always meant that it was necessary for the things pertaining to the foundation of the world to come to ordinary earthly consciousness not through an effort of this earthly consciousness, but through what is called revelation. Revelations, especially religious revelations, have always been given to human beings for the simple reason that they cannot find them within their own consciousness, insofar as this consciousness is earthly consciousness. Therefore, if human beings wish to establish a relationship with the primordial ground, they must allow themselves to be enlightened about the nature of this primordial ground; they must receive a revelation. This is, after all, what has always happened throughout the entire development of humanity. If we look back to the ancient pre-Christian times, we find the various great religious teachers, who are called Bodhisattvas in the language of the Buddha, for example, but are designated in other ways by other peoples. These teachers, so to speak, placed themselves among humanity and communicated to them that which they could not attain through their earthly consciousness.
[ 6 ] Woher, so können Sie nun fragen, haben diese religiösen Lehrer ein Wissen von den Dingen gehabt, die hinter dem menschlichen Bewußtsein liegen? Sie wissen ja aus den mancherlei Vorträgen und theosophischen Mitteilungen, daß es eine Initiation gegeben hat, die sogenannte Einweihung, und daß alle die großen Religionslehrer zuletzt sich selber haben einweihen lassen müssen, das heißt, zuletzt haben aufsteigen müssen zu einem gewissen okkulten Weg, oder daß sie sich haben belehren lassen müssen von anderen Initiierten, welche zu dem okkulten Wege aufgestiegen waren, also von solchen, welche nicht mit ihrem Erdenbewußtsein das Göttliche ergriffen haben, sondern mit dem Bewußtsein, das sich außerhalb des Erdenbewußstseins gestellt hat.
[ 6 ] You may well ask, then, how did these religious teachers come to possess knowledge of the things that lie beyond human consciousness? You know, of course, from various lectures and theosophical communications, that there was an initiation, the so-called initiation, and that all the great religious teachers ultimately had to undergo initiation themselves, that is to say, they ultimately had to ascend to a certain occult path, or they had to be instructed by other initiates who had ascended to the occult path—that is, by those who did not grasp the Divine with their earthly consciousness, but with the consciousness that had placed itself outside of earthly consciousness.
[ 7 ] Daher kommen die alten Religionen. Alle Mitteilungen und Offenbarungen, die die Völker in vorchristlichen Zeiten erhalten haben von großen Menschheitslehrern, führen zuletzt zurück auf solche Stifter der großen Religionen, welche Initiierte, welche Eingeweihte waren, welche das, was sie der Menschheit mitteilten, in überphysischen Zuständen erfahren hatten,
[ 7 ] This is where the ancient religions come from. All the messages and revelations that the peoples received in pre-Christian times from great teachers of humanity ultimately trace back to the founders of the great religions—who were initiates, who had experienced in supersensible states what they communicated to humanity,
[ 8 ] Und daher blieben auch die Verhältnisse des religiösen Menschen zu seinem Gotte immer so, daß sich der Mensch seinen Gott als ein Wesen außerhalb seiner Welt vorstellte, als ein jenseitiges Wesen, von dem ihm eine Offenbarung nur durch besondere Mittel zukommen kann.
[ 8 ] And so the relationship between the religious person and his God has always remained such that man forms a mental image of his God as a being outside his world, as a transcendent being from whom revelation can come to him only through special means.
[ 9 ] Wenn der Mensch sich nicht selber zur Initiation erhebt, so muß dieses religiöse Verhältnis auch ein solches bleiben, daß der Mensch sich hier auf der Erde stehend empfindet, so empfindet, daß er mit seinem Bewußtsein die Gegenstände der Erde überschaut, und durch die Religionsstifter etwas über die Dinge erfährt, welche außerhalb der Sinneswelt und außerhalb der Welt des Verstandes, überhaupt außerhalb der Welt des menschlichen Bewußtseins zunächst liegen. So war es mit allen Religionen, und in gewisser Beziehung ist es auch mit den Religionen bis auf den heutigen Tag so geblieben.
[ 9 ] If a person does not raise themselves to the level of initiation, then this religious relationship must remain such that the person feels themselves standing here on earth, feels that they survey the objects of the earth with their consciousness, and through the founders of religion learns something about things that lie beyond the sensory world and beyond the world of the intellect—indeed, beyond the world of human consciousness at first. This was the case with all religions, and in a certain sense it has remained so with religions to this very day.
[ 10 ] Wir wissen, daß der Buddhismus zum Beispiel zurückzuführen ist auf den großen Religionsstifter Buddha. Aber es wird auch immer betont, wenn von der Stiftung des Buddhismus durch den Buddha die Rede ist, daß der Buddha die Einweihung, das höhere Schauen erlangt hat bei seinem Sitzen unter dem Bodhibaume, was nur ein besonderer Ausdruck dafür ist, daß er im neunundzwanzigsten Jahre seines Lebens fähig geworden war, in die geistige Welt hineinzuschauen und das zu offenbaren, was er in der geistigen Welt erfahren hat.
[ 10 ] We know, for example, that Buddhism can be traced back to the great religious founder, the Buddha. But whenever the founding of Buddhism by the Buddha is discussed, it is always emphasized that the Buddha attained enlightenment—the higher vision—while sitting beneath the Bodhi tree, which is merely a special expression of the fact that, at the age of twenty-nine, he had become capable of looking into the spiritual world and revealing what he had experienced there.
[ 11 ] Dabei kommt es nicht so sehr darauf an, was geoffenbart wird. Das, was geoffenbart wird, richtet sich nach dem, was empfangen werden kann. Nehmen wir zum Beispiel das alte Griechentum: Insofern es seine religiösen Vorstellungen durch den Pythagoreismus hatte, so haben wir wieder das Bewußtsein, daß Pythagoras eine Einweihung durchgemacht hat und dadurch heruntertragen konnte aus den geistigen Welten, was er mit Rücksicht auf die Menschen, die da waren, einzuverleiben hatte dem menschlichen Bewußtsein.
[ 11 ] What is revealed is not the most important thing. What is revealed depends on what can be received. Take ancient Greece, for example: Insofar as its religious mental images were shaped by Pythagoreanism, we are once again reminded that Pythagoras underwent an initiation and was thereby able to bring down from the spiritual worlds what he, out of consideration for the people of that time, had to incorporate into human consciousness.
[ 12 ] Damit ist das Verhältnis des religiösen Menschen zur geistigen Welt gekennzeichnet, und es ist dieses Verhältnis ein solches, daß es nicht anders gedacht werden kann als ein Gegenüberstehen von Mensch und göttlicher Welt. Ob nun in dieser göttlichen Welt ein Pluralismus, eine Vielheit von Wesenheiten gesehen wird oder eine Einheit, ob Polytheismus oder Monotheismus gelehrt wird, das braucht uns bei dieser Frage weniger zu berühren. Das Wichtigste ist, daß der Mensch sich als Mensch gegenübergestellt findet der göttlichen Welt, die ihm geoffenbart werden muß.
[ 12 ] This characterizes the relationship of the religious person to the spiritual world, and this relationship is such that it cannot be conceived of as anything other than a confrontation between humanity and the divine world. Whether this divine world is viewed as a pluralism, a multitude of beings, or a unity; whether polytheism or monotheism is taught—these details are of little consequence to us in this matter. The most important thing is that human beings find themselves, as human beings, confronted with the divine world, which must be revealed to them.
[ 13 ] Dieses ist auch der Grund, warum die Theologie so sehr darauf hält, daß eigenes menschliches Wissen nicht einfließen soll in die religiösen Vorstellungen. Denn sobald eigenes menschliches Wissen in die religiösen Vorstellungen einfließt, ist es ein Wissen, das durch den Menschen in überphysischen Zuständen errungen sein muß durch ein Hinaufwachsen in die geistigen Welten. Es ist eine Art Eindringen in die Gebiete, die die Theologie, nicht die Religion als solche, durchaus ausschließen will von dem Einflusse auf die religiösen Vorstellungen der Menschheit. Daher wird auch von den Theologen so sorgfältig gelehrt, daß es zwei Abwege gebe, welche die Theologie zu vermeiden habe. Der eine Abweg sei der, wenn die Theologie ausartet in Theosophie, weil dadurch der Mensch gleichsam hinaufwachsen will zu seinem Gott, dem er aber nur als Mensch gegenüberstehen soll. Daß die Theologie nicht ausarten dürfe in Theosophie, wird ja überall von den Theologen gelehrt.
[ 13 ] This is also the reason why theology is so insistent that human knowledge should not be allowed to influence religious mental images. For as soon as human knowledge enters into religious mental images, it is a knowledge that must be attained by human beings in superphysical states through an ascent into the spiritual worlds. It is a kind of intrusion into the realms that theology—not religion as such—wishes to exclude entirely from influencing humanity’s religious mental images. This is why theologians so carefully teach that there are two paths of error that theology must avoid. One of these deviations is when theology degenerates into theosophy, because thereby the human being seeks, as it were, to rise up to his God, whom he should, however, face only as a human being. That theology must not degenerate into theosophy is, after all, taught everywhere by theologians.
[ 14 ] Die zweite Entartung, sagen die Theologen, sei die Mystik, wenn sie auch manchmal selber kleine Ausflüge machen in theosophisches oder mystisches Gebiet. So trennen wir recht gut alle bloß religiösen Menschen wieder von den Mystikern, denn der Mystiker ist etwas anderes als der bloß religiöse Mensch. Der religiöse Mensch ist dadurch charakterisiert, daß er hier auf der Erde steht und ein Verhältnis zu seinem außer seinem Bewußtsein liegenden Gotte bekommt.
[ 14 ] Theologians say that the second form of degeneration is mysticism, even though they themselves sometimes venture into theosophical or mystical territory. Thus, we can quite clearly distinguish between merely religious people and mystics, for the mystic is something different from the merely religious person. The religious person is characterized by the fact that he stands here on earth and establishes a relationship with a God who lies beyond his consciousness.
[ 15 ] Nun haben wir gesehen, daß im menschlichen Seelenleben noch andere Dinge vorhanden sind. Wir haben gesehen, daß außer dem, was wir heute berührten, im menschlichen Seelenleben das Gedankenleben liegt, das Leben, das sich des Gehirns als Instrument bedient. Indem der Mensch sein gewöhnliches Bewußtsein hat, hat er natürlich auch sein Gehirn, und er hat auch seine Gedankenwelt. Das spielt alles ineinander. Das eine ist nicht ohne das andere da. Daher spielen in das, was wir nennen können das menschliche Bewußtsein, die Gedanken, die Erlebnisse hinein, die Sie haben, wenn Sie sich des Instrumentes des Gehirnes bedienen.
[ 15 ] Now we have seen that there are other elements present in human soul life. We have seen that, in addition to what we have discussed today, human soul life includes the life of thought—the life that makes use of the brain as an instrument. Since human beings possess ordinary consciousness, they naturally also have their brains, and they also have their world of thoughts. All of this is intertwined. One cannot exist without the other. Therefore, what we might call human consciousness, thoughts, and the experiences you have when you make use of the brain as an instrument all play a role.
[ 16 ] Die Religionen werden daher immer durchsetzt sein mit Gedanken, die sich des Instrumentes des Gehirnes bedienen, denn man kann, wenn man ein Offenbarer, ein Religionsstifter ist, so sprechen, daß man die göttlichen Offenbarungen in solche Formen kleidet, daß die Menschen sie verstehen, wenn sie sich des Instrumentes des Gehirnes bedienen. So kann Religion also gekleidet werden in Vorstellungen des Gehirns. Aber außerdem kann sie auch in solche Vorstellungen gekleidet werden, welche sich des Instrumentes des Herzens bedienen, so daß die Religion entweder mehr zu dem Gehirn oder mehr zu dem Herzen sprechen kann. Wenn wir daher die verschiedenen Religionen miteinander vergleichen, so finden wir, daß die einen mehr sprechen zum Verstande, zu den Erlebnissen des Menschen, die an das Gehirn gebunden sind, die anderen mehr sprechen zu den Vorstellungen und Empfindungen des Herzens und zum Gemütsleben.
[ 16 ] Religions will therefore always be interwoven with ideas that make use of the brain as an instrument, for if one is a revelator or a founder of a religion, one might say that one clothes divine revelations in such forms that people can understand them when they make use of the brain as an instrument. Thus, religion can be clothed in mental images of the brain. But it can also be clothed in mental images that make use of the instrument of the heart, so that religion can speak either more to the brain or more to the heart. When we therefore compare the various religions with one another, we find that some speak more to the intellect, to the human experiences bound to the brain, while others speak more to the mental images and feelings of the heart and to the life of the soul.
[ 17 ] Dieser Unterschied kann durchaus in den einzelnen Religionen beobachtet werden. Aber das alle Religionen Charakterisierende liegt darinnen, daß der Mensch sein Ich-Bewußtsein aufrechterhält, daß der Mensch als Mensch bewußt bleibt. Da wirkt hier auf der Erde das IchBewußtsein und wirkt von außen her das, was wesenhaft der göttlichübersinnlichen Welt angehört.
[ 17 ] This difference can certainly be observed within individual religions. But what characterizes all religions is that human beings maintain their sense of self, that human beings remain conscious of themselves as human beings. Here on Earth, the sense of self is at work, and from the outside, that which essentially belongs to the divine-supernatural world is at work.
[ 18 ] Wenn nun der Mensch Mystiker wird, so geht es bei der Entwickelung des Mystikers in der Tat zunächst am radikalsten los auf alles das, was mit dem gewöhnlichen Erdenbewußtsein verbunden ist. Worauf gerade die Religion als solche sorgfältig hält, solange sie Religion bleibt, nämlich, daß der Mensch als Mensch sich auf sich selbst gestellt findet, daß er sein völliges Erdenbewußtsein entgegenstellt der göttlichen Welt, das durchbricht die Mystik. Alle Mystiker, die vorchristlichen und die nachchristlichen, waren immer bemüht, dieses menschliche Bewußtsein zu durchbrechen. Sie waren immer bemüht, den Gang hinauf zu tun in die übersinnlichen Welten, das heißt, aus dem gewöhnlichen menschlichen Erdenbewußtsein herauszukommen, es zu überwinden. Das ist das Charakteristische der Mystik: die Überwindung des gewöhnlichen Bewußtseins, das Hineinleben in einen Zustand, wo Selbstvergessenheit auftritt. Und wenn die Mystiker weit genug kommen, so soll diese Selbstvergessenheit bis zur Selbstvernichtung, bis zur Selbstauslöschung gehen. Die eigentlichen mystischen Zustände, die Entzückungen, die Ekstase gehen darauf hinaus, auszulöschen dasjenige, was der Mensch die Begrenztheit seines Erdenbewußtseins nennt, um dadurch in das höhere hineinzuwachsen.
[ 18 ] When a person becomes a mystic, the mystic’s development indeed begins most radically by turning against everything connected with ordinary earthly consciousness. What religion as such carefully preserves, as long as it remains religion—namely, that the human being, as a human being, finds himself left to his own devices, that he sets his entire earthly consciousness in opposition to the divine world—this is what mysticism breaks through. All mystics, both pre-Christian and post-Christian, have always strived to break through this human consciousness. They always strove to ascend into the supersensible worlds, that is, to emerge from ordinary human earthly consciousness, to overcome it. This is the defining characteristic of mysticism: the overcoming of ordinary consciousness, the entering into a state where self-forgetfulness occurs. And when the mystics have gone far enough, this self-forgetfulness is to extend to self-annihilation, to self-extinction. The actual mystical states, the raptures, the ecstasy, aim at extinguishing what human beings call the limitations of their earthly consciousness, in order thereby to grow into the higher.
[ 19 ] Man gelangt, weil sie in so vielen Formen auftritt, weil es so vielerlei Mystiken gibt, nur schwer zu einer Vorstellung über das Wesen der Mystik, wenn man nicht an einzelne Beispiele anknüpft. Deshalb ist es ganz gut, auch hier an einzelne solche Beispiele anzuknüpfen.
[ 19 ] Because mysticism takes so many forms and there are so many different kinds of it, it is difficult to form a clear mental image of its nature without referring to specific examples. That is why it is helpful to refer to specific examples here as well.
[ 20 ] Denken wir einmal, daß der Mystiker, nach dem, was wir jetzt gesagt haben, zunächst sich berufen fühlt, sein gewöhnliches Ich-Bewußtsein zu unterdrücken, auszuschalten und so über sich hinauszukommen. Dabei bleibt ihm ja, das können Sie sich leicht denken, das, was sonst der Mensch als seine Seelenerlebnisse hat, wenn er sich des Gehirns und des Herzens bedient. Der Mystiker will das Bewußtsein ausschalten, aber er schaltet damit nicht aus die Erlebnisse durch das Gehirn und durch das Herz. Damit haben Sie schon alle möglichen Schattierungen von Mystikern. Machen wir uns einmal klar, welche Schattierungen möglich sind. Damit wir uns dieselben deutlich machen, schreiben wir sie hier übersichtlich nieder:
[ 20 ] Let us suppose that, based on what we have just said, the mystic initially feels called upon to suppress and shut down his ordinary sense of self, and in this way transcend himself. In doing so, as you can easily imagine, he retains what people otherwise experience as their soul experiences when they make use of the brain and the heart. The mystic wants to switch off consciousness, but in doing so he does not switch off the experiences mediated by the brain and the heart. This alone gives you all possible shades of mystics. Let us clarify what nuances are possible. To make them clear to ourselves, we will list them here in a clear and organized manner:
Gehirnerlebnisse
Herzenserlebnisse
Bewußtseinserlebnisse.
Experiences of the Mind
Experiences of the Heart
Experiences of Consciousness.
[ 21 ] Ein Mystiker kann also Gehirnerlebnisse und Herzenserlebnisse haben. Das Bewußtsein aber wird von ihm ausgelöscht. Dann erscheint uns der Mystiker so, daß wir sagen können, er geht in der Ekstase aus sich heraus; aber die Gedanken und Empfindungen sind solche, daß wir erkennen, er hat noch nicht ausgeschaltet das, was durch das Instrument des Gehirns und des Herzens gedacht und empfunden wird. Solche Mystiker, welche Herz- und Gehirnerlebnisse haben, finden wir eigentlich so recht nur, wenn wir ziemlich weit in der Geschichte zurückgehen, und zwar finden wir sie dann bei solchen Mystikern, welche, nachdem das Christentum begründet war, mit Hilfe der griechisch-platonischen Philosophie versuchten, zu dem göttlichen Selbst mystisch aufzusteigen. Das sind zum Beispiel die Neuplatoniker Jamblichos und Plotinos. Dazu gehört auch der Mystiker Scotus Erigena. Und man könnte, wenn man die Schattierung nicht streng einhält, sondern einen Mystiker dazunimmt, bei dem die Gehirnerlebnisse überwiegen und die Herzenserlebnisse geringer sind, in die Reihe dieser Mystiker auch den Meister Eckhart rechnen. Das wäre sozusagen die Klasse A, die Mystiker mit Herz- und Gehirnerlebnissen.
[ 21 ] A mystic can thus have experiences of the mind and experiences of the heart. But consciousness is extinguished in him. Then the mystic appears to us in such a way that we can say he steps outside of himself in ecstasy; but the thoughts and feelings are such that we recognize he has not yet switched off what is thought and felt through the instrument of the brain and the heart. Such mystics, who have experiences of the heart and the brain, we actually find only if we go quite far back in history; and we find them among those mystics who, after Christianity was established, attempted to ascend mystically to the divine Self with the help of Greek-Platonic philosophy. These include, for example, the Neoplatonists Iamblichus and Plotinus. The mystic Scotus Erigena also belongs to this group. And if one does not adhere strictly to this distinction but includes a mystic in whom intellectual experiences predominate and heartfelt experiences are less prominent, one could also count Meister Eckhart among this group of mystics. This would be, so to speak, Class A: the mystics with both heartfelt and intellectual experiences.
[ 22 ] A. Herzenserlebnisse, Gehirnerlebnisse => Neuplatoniker, Scotus Erigena, Meister Eckhart.
[ 22 ] A. Experiences of the heart, experiences of the mind => Neoplatonists, Scotus Erigena, Meister Eckhart.
[ 23 ] Eine zweite Art von Mystikern wären diejenigen, welche nicht nur ihr Bewußtsein, sondern zu ihrem Bewußtsein hinzu noch ihre Gehirnerlebnisse ausschließen und nur diejenigen Vorstellungen behalten, welche man hat, wenn man nur das Instrument des Herzens gebraucht. Solche Mystiker treten uns in der Regel schon so entgegen, daß sie alles das nicht lieben, was gedacht ist. Die Gedanken wollen sie auch noch ausschließen zu dem Bewußtsein hinzu. Nur was durch das Instrument des Herzens errungen werden kann, ist ihnen eigentlich zur menschlichen Entwickelung persönlich allein brauchbar. Also es wären Mystiker, welche ausschließen die Gehirnerlebnisse und die Bewußtseinserlebnisse, und die das menschliche Bewußtsein dadurch zu überwinden versuchen, daß sie ekstatisch herausgehen aus diesem Bewußtsein, aber einen Zusammenhang mit dem Menschen sich noch dadurch erhalten, daß sie in den Herzenserlebnissen ihr Verhältnis zu der Umwelt begründen.
[ 23 ] A second type of mystic would be those who exclude not only their consciousness but also their mental experiences, retaining only those mental images that arise when one uses solely the instrument of the heart. Such mystics generally present themselves to us in such a way that they do not love anything that is merely thought. They also wish to exclude thoughts from consciousness. Only what can be attained through the instrument of the heart is, in their view, personally useful for human development. Thus, there would be mystics who exclude both cerebral experiences and experiences of consciousness, and who attempt to transcend human consciousness by ecstatically stepping out of this consciousness, yet maintain a connection to humanity by grounding their relationship to the environment in the experiences of the heart.
[ 24 ] Wenn Sie sich nun einen solchen Mystiker konkret vorstellen, dann können Sie etwa sagen: Wird er ein Ekstatiker sein, so wird er außer sich kommen wollen und wird solche Zustände, wo er ganz von sich frei wird, lieben; aber er wird zugleich, wenn Sie ihm dasjenige, wozu man sich des Gehirns bedienen muß, überliefern wollen, sich diesem gegenüber ablehnend verhalten. Ob Sie ihm etwas über die höheren Welten oder über die äußere Natur mitteilen, das wird ihm schließlich gleichgültig sein. Er wird immer sagen: Das braucht man alles nicht zu wissen; man kann, wenn man nur ein Verhältnis begründet zur Umwelt mit dem Instrumente des Herzens, allen Menschheitsdienst ganz gut besorgen. — Solche Mystiker, welche eigentlich von allen menschlichen Seelenerlebnissen nur noch die Herzenserlebnisse sprechen lassen, werden nicht leicht den besonders komplizierten Vorstellungen zugänglich sein, die durch den Okkultismus gewonnen werden; denn dazu ist immer ein bißchen Denken wenigstens notwendig.
[ 24 ] A second type of mystic would be those who exclude not only their consciousness but also their mental experiences, retaining only those mental images that arise when one uses solely the instrument of the heart. Such mystics generally present themselves to us in such a way that they do not love anything that is merely thought. They also wish to exclude thoughts from consciousness. Only what can be attained through the instrument of the heart is, in their view, personally useful for human development. Thus, there would be mystics who exclude both cerebral experiences and experiences of consciousness, and who attempt to transcend human consciousness by ecstatically stepping out of this consciousness, yet maintain a connection to humanity by grounding their relationship to the environment in the experiences of the heart.
[ 25 ] So antwortete zum Beispiel ein Mystiker, als man ihn fragte, ob er sich nicht eines Psalmbuches bedienen wolle, weil er nichts von heiligen Schriften las: Jemand, der sich erst eines Psalmbuches bedient, wird bald noch ein größeres Buch haben wollen, und man kann gar nicht absehen, was er dann noch haben will, wenn er anfängt, etwas wissen zu wollen von dem, was sich in Gedanken kleidet. — Auch über die äußere Natur hat sich dieser Mystiker keine äußerlichen Gedanken machen wollen; er sagte: Der Mensch kann doch nichts wissen, was er nicht schon weiß. — So hat er alles Wissen abgelehnt. Das wäre ein Mystiker mit bloßen Herzenserlebnissen, also zur Kategorie B gehörig. Nun tritt bei einem solchen Mystiker in hohem Grade eine Art Ersparnis gegenüber seinen Seelenkräften auf, weil er sich ja des Verstandes, der Gedankenkraft gar nicht bedient. Das Bewußtsein schließt er auch aus. Wenn er also in besonderen ekstatischen Zuständen mit Ausschluß des menschlichen Erdenbewußtseins ist, so wird ein solcher Mystiker, weil er das, was man mit den Augen sieht, mit den Ohren hört, kurz, mit den Sinnen wahrnimmt, um sich herum hat und es nicht begreifen will, weil er nicht für notwendig hält, es zu begreifen, viele Kräfte übrig behalten, um in der Natur, die uns umgibt, zu fühlen. Wir können uns gegenüber der Theologie als Mystiker schützen in der Weise, wie der Mystiker es getan hat, von dem wir sprechen. Die Natur umgibt also alle Mystiker; ein Mystiker würde aber auch die Wissenschaft über die Natur ablehnen. Dadurch spart er die Kräfte, die er gebrauchen würde, um über die Natur nachzudenken. Er wird also nicht Naturwissenschaft studieren. Aber weil er sich der Kräfte des Herzens bedient, werden diese sich stärker entwickeln können. Er wird in höherem Maße als ein Mensch, der seine Kräfte für den Verstand und für sein Selbstbewußtsein verbraucht, fühlen und empfinden durch das Instrument seines Herzens, was alles die Wesen der Natur rings um ihn herum zu ihm sagen können. Daher können wir gerade bei einem solchen Mystiker das ausgesprochenste, das konkreteste Naturgefühl voraussetzen. Ein solcher hat einmal ein derartiges Naturgefühl in folgende Worte gekleidet, die ich Ihnen mitteilen will, damit Sie sehen, wie das Leben Naturgefühl wird bei einem solchen Mystiker:
[ 25 ] A second type of mystic would be those who exclude not only their consciousness but also their mental experiences, retaining only those mental images that arise when one uses solely the instrument of the heart. Such mystics generally present themselves to us in such a way that they do not love anything that is merely thought. They also wish to exclude thoughts from consciousness. Only what can be attained through the instrument of the heart is, in their view, personally useful for human development. Thus, there would be mystics who exclude both cerebral experiences and experiences of consciousness, and who attempt to transcend human consciousness by ecstatically stepping out of this consciousness, yet maintain a connection to humanity by grounding their relationship to the environment in the experiences of the heart.
Höchster, allmächtiger und gütiger Herr!
Dein sei Preis, Herrlichkeit, Ehre und jeglicher Segen.
Dir allein gebühren sie;
kein Mensch ist wert, Dich zu nennen.Gepriesen sei Gott, der Herr und alle Geschöpfe,
vor allem unser edler Bruder, die Sonne,
die den Tag bewirkt und uns leuchtet mit ihrem Lichte.
Sie ist schön und strahlend in ihrem großen Glanze;
von Dir, o Herr, ist sie das Sinnbild.Gepriesen sei Gott, der Herr,
um unsrer Schwester willen, des Mondes,
und auch um aller Sterne willen;
die er am Himmel gestaltet hat
und erscheinen läßt in Schönheit und Helle.Gepriesen sei Gott, der Herr,
um unsrer Brüder willen, um des Windes,
der Luft und der Wolken willen,
um der heiteren und aller Zeiten willen,
durch die er alle Geschöpfe erhalten will.Gepriesen sei Gott, der Herr,
um unsrer Schwester willen, des Wassers,
das so nützlich ist und demütig
und auch köstlich und keusch.Gepriesen sei Gott, der Herr,
um unsres Bruders willen, des Feuers,
durch das er uns die Nacht erhellt,
und das so schön und fröhlich
und so stark und mächtig ist.Gepriesen sei Gott, der Herr,
um unsrer Mutter willen, der Erde;
durch die wir Nahrung und Kraft erhalten
und vielerlei Frucht auch
und aller Blumen und Kräuter Farbenfülle.
Most High, Almighty, and Merciful Lord!
Yours be praise, glory, honor, and every blessing.
They are due to You alone;
no human is worthy to name You.Praised be God, the Lord, and all creatures,
above all our noble brother, the sun,
which brings about the day and shines upon us with its light.
It is beautiful and radiant in its great splendor;
it is a symbol of You, O Lord.Praised be God, the Lord,
for the sake of our sister, the moon,
and also for the sake of all the stars;
which He has formed in the heavens
and causes to appear in beauty and brightness.Praised be God, the Lord,
for the sake of our brothers, the wind,
the air, and the clouds,
for the sake of the clear weather and all seasons,
through which He sustains all creatures.Blessed be God, the Lord,
for the sake of our sister, water,
which is so useful and humble
and also precious and chaste.Praised be God, the Lord,
for the sake of our brother, fire,
through which he illuminates the night for us,
and which is so beautiful and joyful
and so strong and powerful.Praised be God, the Lord,
for the sake of our mother, the earth;
through whom we receive food and strength
and also many kinds of fruit
and the rich colors of all flowers and herbs.
[ 26 ] Sie sehen, hier ist alles aus dem Selbstbewußtsein hinausgekommen, und man kann deshalb sagen, trunkene Gefühlskraft des Herzens ist es, durchzogen von dem, was nicht das Auge, nicht die Sinne wahrnehmen können — denn der Betreffende ist ein Mystiker —, sondern was die Seele fühlt, wenn es für sie nicht zu einem Teile des Erlebens wird, aufzugehen in dem Göttlichen der Natur. Wenn das beim Menschen aber ein Teil wird, dann kann er jenes Naturgefühl haben, von dem Goethe im «Faust» so schön sagt:
[ 26 ] You see, here everything has emerged from self-consciousness, and one can therefore say that it is the intoxicating emotional power of the heart, permeated by that which neither the eye nor the senses can perceive—for the person in question is a mystic—but rather by what the soul feels when it does not become part of its experience to merge with the divine in nature. But when this becomes a part of a person, then they can have that sense of nature of which Goethe speaks so beautifully in *Faust*:
Erhabner Geist, du gabst mir, gabst mir alles,
Warum ich bat. Du hast mir nicht umsonst
Dein Angesicht im Feuer zugewendet.
Gabst mir die herrliche Natur zum Königreich,
Kraft, sie zu fühlen, zu genießen. Nicht
Kalt staunenden Besuch erlaubst du nur,
Vergönnest mir, in ihre tiefe Brust
Wie in den Busen eines Freunds zu schauen.
Du führst die Reihe der Lebendigen
Vor mir vorbei und lehrst mich meine Brüder
Im stillen Busch, in Luft und Wasser kennen...
Sublime Spirit, you gave me, gave me everything,
That I asked for. You did not in vain
Turn your face toward me in the fire.
You gave me the magnificent natural world as my kingdom,
The power to feel it, to enjoy it. You do not
do you permit me only to gaze coldly as a visitor,
but grant me to look into its deep bosom
as into the bosom of a friend.
You lead the procession of the living
past me and teach me to know my brothers
in the silent bush, in air and water...
[ 27 ] Da haben Sie einen Anklang an ein solches Gefühl, von dem eben das Geheimnis gelöst worden ist. Und wenn wir den Faust betrachten, so wird das zu einem Teile von seinem Seelenleben. Hier haben Sie aber auch den Mystiker, bei dem diese eine Seite, dieses eine Element des menschlichen Erlebens alles übrige überstrahlt, und der sich der Natur so gegenüberstellt, daß ihm die Sonne zum Bruder, der Mond zur Schwester, das Wasser zur Schwester, das Feuer zum Bruder, die Erde zur Mutter wird, daß er ihr Geistiges in dieser Weise fühlt. Da haben Sie das Heraustreten aus dem gewöhnlichen menschlichen Bewußtsein und zugleich das Erhalten aller derjenigen Seelenerlebnisse, welche durch das Instrument des Herzens erlebt werden können. Es ist das der Mystiker, den Sie alle kennen: Franz von Assisi.
[ 27 ] Here you have a hint of the very feeling whose mystery has just been unveiled. And when we consider Faust, this becomes a part of his inner life. Here, however, you also have the mystic, in whom this one aspect, this one element of human experience, outshines everything else, and who relates to nature in such a way that the sun becomes his brother, the moon his sister, water his sister, fire his brother, and the earth his mother—that he feels its spiritual essence in this way. Here you have the stepping out of ordinary human consciousness and, at the same time, the preservation of all those soul experiences that can be experienced through the instrument of the heart. This is the mystic whom you all know: Francis of Assisi.
[ 28 ] In ihm haben wir ein ganz besonderes Beispiel eines Mystikers, der wirklich sich so verhalten hat, daß er alle Theologie als äußeres Wissen und auch alles Wissen von übersinnlichen Dingen für die Inkarnation, in der damals Franz von Assisi gelebt hat, ablehnte. Das, was bei ihm daher so groß und gewaltig herauskommt, ist das Zusammenfließen mit dem Geiste der Natur. Nur ist es nicht so wie ein pantheistisches Geistiges, das immer etwas von einem feineren Gefühl, von Affektation hat; nicht so, daß er von einem allgemeinen Geiste in der Natur schwärmt und singt, sondern von den konkreten Empfindungen kindlicher, brüderlicher, schwesterlicher Art, die seine Seele durchziehen, wenn er den Wesenheiten der Natur gegenübersteht.
[ 28 ] In him we have a very special example of a mystic who truly behaved in such a way that he rejected all theology as external knowledge, as well as all knowledge of supernatural things, for the incarnation in which Francis of Assisi lived at that time. What therefore emerges so grandly and powerfully in him is the merging with the spirit of nature. Only it is not like a pantheistic spirituality, which always has something of a refined sentiment, of affectation; not in the sense that he raves and sings of a general spirit in nature, but of the concrete feelings of a childlike, brotherly, sisterly nature that permeate his soul when he stands before the beings of nature.
[ 29 ] B. Herzenserlebnisse => Franz von Assisi.
[ 29 ] B. Spiritual Experiences => Francis of Assisi.
[ 30 ] Menschen, welche die Ekstase, das heißt den Verlust ihres Selbstbewußtseins oder die Verdunkelung ihres Selbstbewußtseins suchen und für gewisse Zustände diejenigen Seelenerlebnisse ausschließen, die sich des Instrumentes des Herzens bedienen, dafür aber zurückbehalten die Gedanken, die Gehirnerlebnisse, die bezeichnet man in der gewöhnlichen Sprache oftmals nicht als Mystiker, weil man von einem Mystiker gewöhnlich verlangt, daß seine Erlebnisse der Dinge von Gefühlen durchdrungen sind. Sie können sich auch leicht denken, warum man das tut. Denken Sie sich einen Menschen, der alles persönliche Selbstbewußtsein herausgedrängt hat aus seinen Seelenerlebnissen. Dann ist es bei diesem Menschen eben so, daß gerade das bei ihm nicht vorhanden ist, was die meisten Menschen an den anderen Menschen interessant finden, nämlich die Persönlichkeit. Die Menschen interessieren sich ja füreinander wegen ihrer Persönlichkeit.
[ 30 ] People who seek ecstasy—that is, the loss of their self-awareness or the obscuring of their self-awareness—and who, for certain states, exclude those spiritual experiences that make use of the heart as an instrument, but instead retain thoughts and cerebral experiences—such people are often not referred to as mystics in common parlance, because a mystic is usually expected to have experiences of things that are imbued with feeling. You can easily imagine why this is so. Imagine a person who has pushed all personal self-awareness out of their soul experiences. Then it is precisely the case with this person that what most people find interesting in other people is absent in them, namely personality. People are interested in one another because of their personality.
[ 31 ] Nun hat das, was wir Herzenserlebnisse nennen, noch so viel persönlichen Anstrich, wenn es uns so entgegentritt wie bei Franz von Assisi, noch so viel zwingende Gewalt über das Allgemein-Menschliche, daß uns das Bewußtsein wach bleibt, so daß man bei ihm noch mit dem Interesse mitgeht, nicht so gern aber mit dem Willen. Das ist auch für das gewöhnliche Leben in der Ordnung, besonders in der Gegenwart, denn es können nicht alle in der Gegenwart so werden wie Franz von Assisi. Das Allgemeine des Herzens, das, was von ihm bewußt werden kann, überwältigt doch die Menschen, wenn auch das Persönliche abgestumpft ist. Dieses Zurückdrängen und Auslöschen des Bewußtseins, diese Abgestumpftheit bei einem solchen Mystiker wie Franz von Assisi führt bei ihm auf der einen Seite, wie Sie wissen, einen Radikaliismus herbei, und auf der anderen Seite hält es die Menschen ab, wenn sie sich auch für ihn interessieren, es ihm nachzumachen. Die Menschen wollen gewöhnlich nicht aus ihrem Bewußtsein heraus, weil sie fühlen, daß sie den Boden unter ihren Füßen verlieren, wenn sie aus ihrem Bewußtsein herauskommen.
[ 31 ] Now, what we call “experiences of the heart” still have such a personal character—when they present themselves to us as they did to Francis of Assisi—and such a compelling power over the universal human condition, that our consciousness remains alert; so that with him, one still goes along with interest, but not so readily with the will. This is also appropriate for ordinary life, especially in the present, for not everyone in the present can become like Francis of Assisi. The universal aspect of the heart—that which can be made conscious through him—nevertheless overwhelms people, even if the personal aspect is dulled. This suppression and extinguishing of consciousness, this dullness in a mystic such as Francis of Assisi, leads in him, on the one hand, as you know, to a radicalism, and on the other hand, it deters people—even if they are interested in him—from imitating him. People usually do not want to step outside their consciousness because they feel that they lose the ground beneath their feet when they step outside their consciousness.
[ 32 ] Aber nun denken Sie sich, wenn es einen Mystiker geben könnte, der nun gar ausschlösse alles persönliche Bewußtsein und außerdem die Herzenserlebnisse. Der würde den Menschen etwas geben, was nur reine Gedanken sind, Gedanken, Vorstellungen, die sich nur des Instrumentes des Gehirns bedienen. Der Mensch wird in der Regel nicht in der Lage sein, in einem solchen Zustande zu leben. Ein Franz von Assisi kann man in ausgiebigem Maße sein, weil dasjenige, was als Herzenserlebnisse erlebt wird, wirklich anwendbar ist in allgemeinmenschlicher Weise. Jemand, der nun zu seinem Bewußtsein, zu seinem persönlichen Ich-Bewußtsein auch noch die Herzenserlebnisse unterdrückt und bloß in Gedanken lebt, nur das in Gedanken ausprägt, was an das menschliche Gehirn gebunden ist, der wird erst notwendig haben, in bestimmten, man möchte sagen, feierlichen Augenblicken seines Lebens sich dieser Beschäftigung hinzugeben. Denn das Leben ruft immer wieder zum Persönlichen auf der Erde zurück; und jemand, der nur in Gedanken leben würde, der sich nur des Gehirns bedienen würde, könnte gar keine Erdenbeschäftigung verrichten. Daher kann es nur für kurze Zeit sein, nur für die Augenblicke, wo man sich ausschließlich des Gehirns bedienen kann. Aber für die anderen Menschen wird es schon mit einem solchen Menschen so sein, daß sie sich nicht einmal einen Augenblick mit ihm beschäftigen, sondern überhaupt von ihm weglaufen. Das, was die Menschen am meisten interessiert, sind die persönlichen Erlebnisse. Die unterdrückt er aber. Das Überwältigende der Herzenserlebnisse gibt er auch auf. Und so laufen denn die Menschen in Scharen davon, das heißt, sie haben überhaupt keine Lust, an ihn heranzutreten.
[ 32 ] But now imagine if there were a mystic who were to completely exclude all personal consciousness and, moreover, the experiences of the heart. Such a person would offer humanity nothing but pure thoughts—thoughts and mental images that make use only of the brain as an instrument. As a rule, a person will not be able to live in such a state. One can be a Francis of Assisi to a great extent, because what is experienced as heartfelt experiences is truly applicable in a universally human way. Someone who, in addition to their consciousness—their personal sense of self—also suppresses the experiences of the heart and lives solely in thought, expressing in thought only what is bound to the human brain, will need to devote themselves to this pursuit only at certain, one might say, solemn moments of their life. For life constantly calls one back to the personal on Earth; and someone who would live only in thoughts, who would make use only of the brain, could not perform any earthly activity at all. Therefore, it can only be for a short time, only for those moments when one can make use exclusively of the brain. But for other people, it will be the case with such a person that they will not even spend a moment with him, but will run away from him altogether. What interests people most are personal experiences. But he suppresses them. He also gives up the overwhelming nature of heartfelt experiences. And so people flee in droves; that is, they have absolutely no desire to approach him.
[ 33 ] Ein solcher Mystiker ist der Philosoph Hegel, von dem ich auch schon zu Ihnen gesprochen habe. Das, was er gibt, soll ganz absichtlich allen persönlichen, bewußten Standpunkt und auch alle Herzenserlebnisse ausschließen. Es soll bloße Gedankenkontemplation sein, so daß wir als Beispiel eines Mystikers mit bloßen Hirnerlebnissen im eminentesten Sinne Hegel zu nennen haben. Ein solcher Mensch führt uns sozusagen in die reinsten Ätherhöhen des Gedankens hinauf. Denn während der Mensch im gewöhnlichen Leben nur Gedanken hat, die im persönlichen Interesse, im Selbstbewußtsein wurzeln und von ihnen durchzogen und durchdrungen sind, muß gerade das bei einem solchen philosophischen Mystiker ausgeschlossen werden. Und auch dasjenige, was das Geistige begehrenswert macht dadurch, daß es hineinspielt in Herzenserlebnisse, schließt solch ein Mystiker aus. Er widmet sich in majestätischer Resignation dem Ablauf der bloßen Hirnerlebnisse. Er hat daher von alledem, was das menschliche Herz erleben kann, nur die Gedanken.
[ 33 ] One such mystic is the philosopher Hegel, whom I have already mentioned to you. What he offers is intended quite deliberately to exclude all personal, conscious viewpoints as well as all emotional experiences. It is meant to be mere contemplation of thought, so that we must name Hegel as an example of a mystic with purely intellectual experiences in the most eminent sense. Such a person leads us, so to speak, up into the purest ethereal heights of thought. For while in ordinary life a person has only thoughts that are rooted in personal interest and self-consciousness and are permeated and saturated by them, precisely this must be excluded in such a philosophical mystic. And such a mystic also excludes that which makes the spiritual desirable by playing into the experiences of the heart. He devotes himself, in majestic resignation, to the course of mere mental experiences. He therefore has, of all that the human heart can experience, only thoughts.
[ 34 ] Das ist es, was die meisten an Hegel so besonders ärgert, daß er nichts hat, was an die Herzenserlebnisse erinnert, sondern alle Dinge nur in Gedankenbildern bringt. Kalt und öde fühlen sich die meisten Menschen, wenn sie das, was sie im Herzen lieben, bei Hegel bis zur Kälte des Gedankens auskristallisiert finden. Und das, worin die Persönlichkeit wurzelt, wodurch der Mensch im Erdenleben feststeht, das Selbstbewußtsein, das Ich-Bewußtsein, Hegel hat es überhaupt nur als Gedanke. Hegel widmet selbstverständlich dem Ich auch seine Aufmerksamkeit, weil es der Gedanke eines besonders wichtigen Erlebens ist, des Ich-Erlebens. Das tut er. Aber es bleibt ein Gedankenbild, und Hegel ist nicht durchdrungen von der Lebendigkeit und Unmittelbarkeit der menschlichen Persönlichkeit, die im Selbstbewußtsein wurzeln.
[ 34 ] This is what annoys most people about Hegel: that he has nothing that evokes the experiences of the heart, but instead presents everything solely in mental images. Most people feel cold and desolate when they find that what they love in their hearts has crystallized in Hegel into the coldness of thought. And that in which the personality is rooted, that which anchors the human being in earthly life—self-consciousness, ego-consciousness—Hegel has it only as a thought. Hegel naturally devotes his attention to the “I” as well, because it is the concept of a particularly important experience, the experience of the “I.” He does so. But it remains a mental image, and Hegel is not imbued with the vitality and immediacy of the human personality, which is rooted in self-consciousness.
[ 35 ] C. Gehirnerlebnisse => Hegel.
[ 35 ] C. Experiences of the mind => Hegel.
[ 36 ] Sodann haben wir noch eine andere Möglichkeit eines Mystikers. Das wäre der Mystiker, der nun ausschließen würde alle drei Dinge: das Erdenbewußtsein, die Herzenserlebnisse und die Gehirnerlebnisse, So also hätten wir den Mystiker D, der alle menschlichen Erdenerlebnisse der Seele von sich ausschließen würde. Sie können sich vorstellen, daß das außerordentlich schwierig ist. Es ist das etwas, was ja beim Okkultisten — und wir werden davon eindringlich sprechen in den nächsten Tagen — selbstverständlich ist, daß er sich in Zustände erhebt, wo alles ausgeschlossen ist, was sich an das Instrument des Gehirns und auch an das Instrument des Herzens gebunden findet, soweit sie aus Erdenkräften sind und soweit sie sich des Bewußtseins bedienen. Das ist beim praktischen Okkultisten, der in die höheren Welten hinaufsteigt, etwas Selbstverständliches. Aber da fängt der praktische Okkultist an, in der übersinnlichen Welt zu leben und zu erfahren; und während er alles ausgelöscht hat, was ihn in Zusammenhang bringt mit der den Erdenmenschen umgebenden Welt, hat er die höhere Welt um sich. Er tritt also aus etwas heraus und in etwas anderes hinein. Der Mystiker aber, der alle diese drei Erlebnisse ausschließt, die sich der Erdeninstrumente bedienen, wird in nichts hineintreten, was in sein Bewußtsein hineinfallen kann. Er tritt natürlich nicht in das Nichts hinein, denn außer unserem Bewußtsein ist ja die göttlich-geistige übersinnliche Welt da. Aber er tritt auch nicht so hinein wie der Okkultist, dem dann aufgeht das unaussprechliche Wort, das übersinnliche Licht, sondern er unterdrückt sein Bewußtsein, er unterdrückt alle Kräfte, die in ihm sind, und fühlt zuletzt nur noch, wie er nach Unterdrückung aller dieser menschlichen Erlebnisse mit etwas vereinigt wird und dann darinnen ist.
[ 36 ] Then there is another type of mystic. This would be the mystic who excludes all three things: earthly consciousness, experiences of the heart, and experiences of the brain. Thus we would have mystic D, who would exclude all human earthly experiences of the soul. You can form a mental image of how difficult this is. It is something that is, of course, a matter of course for the occultist—and we will speak of this in detail in the coming days—that he elevates himself into states where everything is excluded that is bound to the instrument of the brain and also to the instrument of the heart, insofar as these are derived from earthly forces and insofar as they make use of consciousness. This is a matter of course for the practical occultist who ascends into the higher worlds. But there the practical occultist begins to live and experience in the supersensible world; and while he has extinguished everything that connects him to the world surrounding earthly human beings, he has the higher world around him. He thus steps out of one thing and into another. The mystic, however, who excludes all three of these experiences that make use of earthly instruments, will not enter into anything that can fall into his consciousness. He does not, of course, enter into nothingness, for beyond our consciousness lies the divine-spiritual supersensible world. But he also does not enter it in the same way as the occultist, to whom the ineffable Word, the supersensible light, then dawns; rather, he suppresses his consciousness, he suppresses all the forces within him, and ultimately feels only how, after suppressing all these human experiences, he is united with something and is then within it.
[ 37 ] Dann beginnt etwas, was tatsächlich auf ihn wirkt wie die Auslöschung des Bewußtseins, wie die Auslöschung aller Erdenerlebnisse, wie die Vermählung mit etwas, das gefühlt und empfunden wird, das in Trunkenheit aufgenommen wird, mit dem man sich vereinigt in Entzückung und Ekstase, von dem aber eine Mitteilung nicht zu machen ist, weil es nicht in einer besonderen Weise, nicht in konkreten Erlebnissen erlebt wird.
[ 37 ] Then something begins that actually seems to him like the obliteration of consciousness, like the obliteration of all earthly experiences, like a union with something that is felt and sensed, that is absorbed in a state of intoxication, with which one unites in rapture and ecstasy, but about which no communication is possible, because it is not experienced in a specific way, not in concrete experiences.
[ 38 ] Wir werden, wenn wir später vom Okkultismus sprechen, sehen, daß es verhängnisvoll sein würde, wenn der Mensch alle drei Arten von Erlebnissen, nämlich Gehirn-, Herz- und Bewußtseinserlebnisse zugleich mit der Wurzel aus sich herauslöste. Dann würde er ein Mystiker werden, welcher nach der sogenannten Vereinigung [mit dem Göttlichen], in der Entzückung, eben bloß einem schlafenden Menschen gleichkäme, der sich im Schlafe mit dem Göttlichen vereinigt, aber nichts davon weiß, nicht einmal ein Gefühl davon hat, daß er mit dem Göttlichen vereinigt ist. Will sich der Mystiker wenigstens eine lebendige Empfindung und ein Gefühl von der Vereinigung mit dem Göttlichen erhalten, so muß er nacheinander diese einzelnen persönlichen Erlebnisse tilgen.
[ 38 ] When we speak of occultism later on, we shall see that it would be disastrous if a person were to uproot all three types of experience—namely, experiences of the brain, the heart, and consciousness—from within themselves all at once. Then he would become a mystic who, after the so-called union [with the Divine], in ecstasy, would be nothing more than a sleeping person who unites with the Divine in sleep but knows nothing of it, not even having a sense that he is united with the Divine. If the mystic wishes to retain at least a vivid sensation and a feeling of union with the Divine, he must successively eradicate these individual personal experiences.
[ 39 ] Da kommen wir zu einem Beispiele eines Mystikers, der uns das zeigen kann, zu einer Persönlichkeit, die tatsächlich diesen Weg eingeschlagen und gewissermaßen auch zur Nachahmung in ihren Betrachtungen empfohlen hat; eine Persönlichkeit, die zuerst mit aller Kraft danach strebte, das persönliche Selbstbewußtsein zu überwinden, das unterdrückt und ausgelöscht werden sollte. Dabei blieben also noch tätig die Herz- und Gemütskräfte und der Verstand. Das nächste, was dann überwunden wurde von der Persönlichkeit, waren die Verstandeskräfte und das letzte die Herzkräfte. Daß die Herzkräfte die letzten geblieben sind, das macht es, daß das Hineinschreiten in die Welt, die außerhalb des Bewußtseins liegt, ganz besonders kräftig und intensiv empfunden wurde. In dieser Reihenfolge wurden also die Dinge überwunden: zuerst das Bewußtsein, dann die Gehirnerlebnisse und zuletzt die Herzenserlebnisse.
[ 39 ] This brings us to an example of a mystic who can show us this—a figure who actually embarked on this path and, in a sense, recommended it for emulation in his reflections; a figure who first strove with all his might to overcome personal self-consciousness, which was to be suppressed and extinguished. In this process, the powers of the heart and emotions, as well as the intellect, remained active. The next thing to be overcome by this individual were the powers of the intellect, and finally the powers of the heart. The fact that the powers of the heart remained the last to be overcome is what made the entry into the world lying outside of consciousness felt with particular strength and intensity. Thus, things were overcome in this order: first consciousness, then the experiences of the brain, and finally the experiences of the heart.
[ 40 ] Es ist sehr charakteristisch, daß diese Persönlichkeit, die eigentlich in der regulärsten Weise einen solchen mystischen Weg durchgemacht hat, eine Frau ist. Nicht wahr, auf theosophischem Felde kann man bei solchen Dingen nicht mißverstanden werden; die Dinge müssen da objektiv aufgenommen werden. Bei einer Frau ist es nämlich tatsächlich leichter, denn es ist ja, wie wir auch noch aus anderen Dingen kennenlernen werden, die Eigentümlichkeit der Frauennatur, daß es ihr leichter wird, sich selbst, das heißt alle Seelenerlebnisse zu besiegen. Die Frau, die in der geschilderten regulären Weise Mystik erlebt hat, so daß sie nacheinander ausgelöscht und ausgerottet hat aus sich die an die Instrumente des Gehirns und des Herzens gebundenen Seelenerlebnisse und dann die Verbindung mit dem göttlichen Geiste wie eine Vermählung, wie eine Umfassung empfunden hat, ist die heilige Theresia.
[ 40 ] It is very telling that this individual, who has actually followed such a mystical path in the most orthodox manner, is a woman. After all, in theosophical circles, one cannot be misunderstood regarding such matters; they must be viewed objectively. In the case of a woman, it is actually easier, for it is, as we shall also learn from other things, a peculiarity of the female nature that it is easier for her to conquer herself—that is, all soul experiences. The woman who has experienced mysticism in the regular manner described, so that she has successively extinguished and eradicated from within herself the soul experiences bound to the instruments of the brain and the heart, and then has perceived the union with the divine Spirit as a marriage, as an embrace, is Saint Teresa.
[ 41 ] D. — => die heilige Theresia.
[ 41 ] D. — => Saint Teresa.
[ 42 ] Wenn Sie das Leben der heiligen Theresia verfolgen und es auf der Grundlage solcher Betrachtungen ansehen, wie wir sie heute gepflogen haben über das Verstehen der Mystik im Menschen, dann werden Sie sagen, daß ein solcher Mystiker nur ein außerordentlicher Ausnahmefall sein kann. Das gewöhnliche ist vielmehr, daß die einzelnen Seelenerlebnisse nicht in solcher Reinheit und Stärke überwunden werden wie bei der heiligen Theresia, sondern daß sie nur teilweise überwunden werden und daß irgendein Teil davon nachbleibt.
[ 42 ] If you follow the life of Saint Teresa and view it in light of the reflections we have shared today regarding the understanding of mysticism in human beings, you will conclude that such a mystic can only be an extraordinary exception. Rather, what is common is that individual spiritual experiences are not overcome with such purity and strength as in the case of Saint Teresa, but that they are only partially overcome and that some part of them remains.
[ 43 ] Dadurch erhalten wir eigentlich wiederum drei Gestalten von Mystikern. Wir erhalten diejenigen Mystiker, die zwar alles überwinden wollen, was in ihnen als Seelenerlebnisse lebt, aber bei denen hauptsächlich solche Erlebnisse zurückbleiben, die an das Gehirn gebunden sind. Solche Mystiker sind in der Regel, man möchte sagen — wenn man das Wort nicht trivial versteht — Naturen, die man ansprechen wird im höchsten Sinne des Wortes als praktische, weise Menschen; als Menschen, die sich gut auskennen im Leben, weil sie sich ihres Gehirns bedienen, und die, weil sie bis zu einem hohen Grade das Persönliche unterdrückt haben, auch dadurch in ihrer unpersönlichen Natur sympathisch anmuten.
[ 43 ] This actually gives us three types of mystics. We have those mystics who, while seeking to overcome everything within them that manifests as soul experiences, are left primarily with experiences that are bound to the brain. Such mystics are generally—if one does not take the word too literally—individuals whom one would describe, in the highest sense of the word, as practical, wise people; as people who are well-versed in life because they make use of their intellect, and who, having suppressed the personal to a high degree, also appear sympathetic in their impersonal nature.
[ 44 ] Solche Mystiker gibt es dann, wenn die betreffenden Menschen zwar getrachtet haben, alles zu überwinden, wenn es ihnen aber nur wenig gelungen ist, die Herzenserlebnisse zu überwinden. Merken Sie wohl den Unterschied zwischen solchen Mystikern und Mystikern, wie Franz von Assisi einer war, der nicht danach strebte, die Herzenserlebnisse zu überwinden, sondern sie in vollem Umfange behalten hat, daher er sie auch mit voller Gesundheit erhalten hat. Das ist das Majestätisch-Großartige bei Franz von Assisi, daß sich sein Herz ausgebreitet hat über sein ganzes seelisches Wesen. Ich meine also nicht Mystiker von solcher Art, die nicht danach streben, die Herzenserlebnisse zu überwinden. Ich rede vielmehr von solchen, die tatsächlich danach streben, die Herzenserlebnisse zu überwinden, die mit aller Gewalt danach ringen, sie zu unterdrücken, denen es aber nicht gelingt. Bei diesen findet man dann nicht das Außerordentliche der Vermählung mit dem Übersinnlich-Geistigen, das uns bei der heiligen "Theresia entgegentrat. Wir finden bei diesen Mystikern, die gestrebt haben, über alles Persönlich-Menschlich-Irdische hinauszukommen und sich doch in hervorragendem Maße erhalten haben die Erlebnisse, die an ‘das Herz gebunden sind, daß sich in ihr Streben etwas hineinmischt, was menschlich recht sehr begrenzt ist. Es wird dann wirklich so sein, daß dieses Vermählen, dieses Umfangenwerden von einem GöttlichGeistigen sehr ähnlich ist den Liebesempfindungen, Liebesinstinkten der menschlichen Natur im gewöhnlichen Leben.
[ 44 ] Such mystics exist when the people in question have indeed sought to overcome everything, yet have succeeded only to a small degree in overcoming their heartfelt experiences. Do note the difference between such mystics and mystics like Francis of Assisi, who did not strive to overcome the experiences of the heart, but retained them in their full extent, and thus preserved them in perfect health. This is what is majestic and magnificent about Francis of Assisi: that his heart expanded to encompass his entire spiritual being. I am not, therefore, referring to mystics of this sort who do not strive to overcome the experiences of the heart. Rather, I am speaking of those who actually strive to overcome the experiences of the heart, who struggle with all their might to suppress them, but who do not succeed. In these, one does not find the extraordinary nature of the union with the supersensible-spiritual that we encountered in Saint Teresa. In these mystics, who have striven to rise above all that is personal, human, and earthly, yet have retained to a remarkable degree the experiences bound to the heart, we find that something quite limited in human terms has mingled itself into their striving. It will then truly be the case that this union, this being embraced by the Divine-Spiritual, is very similar to the feelings of love and the instincts of love found in human nature in ordinary life.
[ 45 ] Solche Mystiker, die sozusagen ihren Gott oder ihre göttliche Welt lieben, wie man irgend etwas Menschliches liebt, finden Sie genug, wenn Sie die Heiligengeschichte, die Geschichte der Mönche und Nonnen einmal durchblättern. Da werden Sie sehen, wie viele von diesen heiligen Mystikern in einer ganz menschlichen Inbrunst, man möchte sagen, mit menschlicher Liebe verliebt sind in die Madonna, die ihnen geradezu ein Ersatz für ein menschliches Weib wird. Oder wie Nonnen in ihren Christus-Bräutigam verliebt sind mit all den Gefühlen irdisch-menschlicher Liebe. Das ist ein Kapitel, das psychologisch sehr interessant ist, wenn es auch nicht immer sympathisch berührt; das ist ein Kapitel der kirchlich-religiösen Mystiker, die das vorhin Geschilderte anstreben, es aber nicht erreichen können, weil die menschliche Natur sie zurückhält.
[ 45 ] You will find plenty of such mystics—who, so to speak, love their God or their divine world just as one loves anything human—if you ever leaf through the history of the saints, the history of monks and nuns. There you will see how many of these holy mystics, with a wholly human fervor—one might say, with human love—are in love with the Madonna, who becomes for them a veritable substitute for a human woman. Or how nuns are in love with their Christ-Bridegroom with all the feelings of earthly, human love. This is a chapter that is psychologically very interesting, even if it does not always strike a sympathetic chord; it is a chapter on ecclesiastical-religious mystics who strive for what was described earlier but cannot achieve it because human nature holds them back.
[ 46 ] Dann kommen wir zu einer Art von Mystikern, die ähnlich sind wie die heilige Hildegard, die recht schöne Anlagen haben, aber daneben auch etwas von gewöhnlichem irdischem Trieb, was sich dann in ihr mystisches Erleben, in ihre mystischen Empfindungen hineinmischt. Sie kommen schon in ein Erleben, das dem erotischen Erleben sehr ähnlich ist, in die mystische Erotik hinein, die Sie aus der Geschichte der Mystiker ersehen können, wenn diese in ihren Herzensergießungen von ihrer Seelenbraut, von ihrer brünstigen Liebe zu dem Bräutigam Jesus oder dergleichen sprechen.
[ 46 ] Then we come to a type of mystic similar to Saint Hildegard, who possesses quite beautiful qualities, but also has a touch of ordinary earthly desire, which then mingles with her mystical experience and her mystical sensations. They do indeed enter into an experience that is very similar to the erotic experience, into mystical eroticism, which you can see in the history of the mystics when, in their outpourings of the heart, they speak of their soul’s bride, of their ardent love for the Bridegroom Jesus, or the like.
[ 47 ] Am leichtesten erträglich werden solche mystischen Persönlichkeiten noch dann, wenn sie sich einen guten Rest von gewöhnlichem menschlichem Bewußtsein dazu bewahrt haben, wenn sie sozusagen mit ihrem Menschlich-Persönlichen immer etwas über ihrem mystischen Erleben darüberstehen können, wenn etwas Humor und Ironie in ihr Bewußtsein hineinkommt, wenn sie sich betrachten und sehen, daß sie nicht überwunden haben, sondern daß noch etwas Menschliches in ihnen ist. Da bekommt die Sache einen persönlichen Anstrich und wird nicht so unsympathisch, weil sie einen bestimmten Zug nicht hat bei der angestrebten, aber nicht erreichten Überwindung aller Herzenserlebnisse. Das Unsympathische ist nämlich gerade, daß der Mensch strebt, etwas zu erreichen, es aber nicht erreichen kann und zurückgehalten wird gerade durch das, was er selbst am meisten überwinden möchte. Dadurch erhält das ganze dann einen gewissen unsympathischen Zug, den man wie eine Scheinheiligkeit, wie eine Heuchelei empfindet, weil wie auf einem Umweg durch Askese die Nichtüberwindung dessen ersetzt werden soll, was sich in den gewöhnlichen menschlichen Trieben auslebt. Dagegen, wenn dieser Zug von Ironie und Humor dabei ist, wo der Betreffende dann auch wieder Momente hat, in denen er sich seines gewöhnlichen menschlichen Bewußtseins bedient und sich selber anschaut, wenn er seine mystischen Momente abwechseln läßt mit solchen, wo er sich von dem gewöhnlichen menschlichen Standpunkte aus die Wahrheit sagt, dann gewinnt das Ganze doch an Sympathie, wie es der Fall ist, wenn wir eine mystische Persönlichkeit verfolgen wie Mechthild von Magdeburg.
[ 47 ] Such mystical personalities become most bearable when they have retained a good measure of ordinary human consciousness, when they can, so to speak, always rise above their mystical experiences through their human-personal nature, when a touch of humor and irony enters their consciousness, when they look at themselves and see that they have not overcome everything, but that there is still something human within them. This gives the matter a personal touch and makes it less unsympathetic, because it lacks a certain trait in the aspired-to but unachieved overcoming of all heartfelt experiences. For what is unsympathetic is precisely that the person strives to achieve something but cannot achieve it and is held back precisely by what they themselves most wish to overcome. This gives the whole thing a certain unsympathetic quality that one perceives as a kind of hypocrisy, because it is as if, through a roundabout path of asceticism, the failure to overcome what is lived out in ordinary human instincts is to be replaced. In contrast, when this element of irony and humor is present—where the person in question also has moments in which they make use of their ordinary human consciousness and look at themselves, when they alternate their mystical moments with those in which they speak the truth from the ordinary human standpoint— then the whole thing gains in appeal, as is the case when we follow a mystical figure such as Mechthild of Magdeburg.
[ 48 ] Mechthild von Magdeburg zeigt gerade diesen Unterschied gegenüber den ihr ähnlichen Persönlichkeiten, daß sie zwar das BrünstigErotische mit dem Göttlich-Geistigen hat, sich aber auch mit einem gewissen Anstrich von Humor über ihre göttliche Frau Minne oder ihre göttliche Minne überhaupt ausspricht, wie man etwa von menschlicher Liebe spricht. Sie kleidet das nicht in hochtrabende Worte, sondern spricht davon so, daß immer etwas von Ironie dabei ist. Es ist ein Unterschied, wenn wir dagegen etwas lesen von dem, was die heilige Hildegard sagt in ihren Schriften, die ja davon auch nicht ganz frei sind, oder die Niederschriften von selbst sehr hoch geschätzten Mystikern. Das ist der Unterschied gegenüber solchen Persönlichkeiten, die auch noch nicht das menschlich-persönliche Bewußtsein überwunden haben, daß sich Mechthild von Magdeburg brünstig hineinversetzt fühlt bis an die Grenze des Göttlich-Geistigen und wirklich aufrichtig spricht, so daß sie dasjenige, worin noch Herzenserotik ist, nicht benennt mit dem Ausdruck religiöser Entzückung, sondern spricht von religiöser Liebschaft. Denn das dürfte das gleiche sein, wenn sie spricht von der Frau Minne, mit der sie ihren göttlichen Bräutigam meint.
[ 48 ] Mechthild of Magdeburg demonstrates this very difference from figures similar to her in that, while she possesses both the passionate-erotic and the divine-spiritual, she also speaks of her divine feminine love—or of divine love in general—with a certain touch of humor, much as one might speak of human love. She does not clothe this in grandiloquent words, but speaks of it in such a way that there is always a touch of irony involved. It is a different matter when we read, by contrast, what Saint Hildegard says in her writings—which, admittedly, are not entirely free of this either—or the writings of mystics who are themselves highly esteemed. This is the difference from such figures who have not yet overcome the human -personal consciousness, that Mechthild of Magdeburg feels herself fervently transported to the very limits of the divine-spiritual and speaks with true sincerity, so that she does not describe that which still contains the eroticism of the heart with the expression of religious ecstasy, but speaks of religious love. For this is likely the same thing when she speaks of the lady of courtly love, by whom she means her divine bridegroom.
[ 49 ] So haben Sie auch hierin noch allerlei Schattierungen. Das letzte war eine Schattierung, wo starke Herzenserlebnisse vorhanden sind, aber auch noch etwas darin geblieben ist, was man nennen kann das persönliche Bewußtsein. Kurz, Mystik ist eine Sache, die ungeheuer viele Schattierungen hat. Und dabei haben wir noch nicht einmal dasjenige berührt, von dem wir noch zu sprechen haben werden, was bezeichnet wird als die älteste griechische Mystik, wie Sie sie dargestellt finden in meinem Buche «Das Christentum als mystische Tatsache». Zu dieser Mystik sind wir mit den heutigen Nuancen noch nicht gedrungen. Aber eines haben die heutigen Nuancen uns lehren können, nämlich daß alle Mystiker das Bestreben haben, hinauszudringen über das gewöhnliche persönliche Ich-Bewußtsein, es auszulöschen, und daß, wenn der Mensch nicht den Boden unter seinen Füßen verlieren will, ein anderes Bewußtsein auftauchen muß. Das ist das Wesen der Mystiker, daß von ihnen — bis an die Grenze des Geistigen gekommen — das Göttlich-Geistige noch empfunden wird wie eine Vermählung, daß aber nicht eingetreten wird in die Welt des GöttlichGeistigen. Abgestreift wird das Bewußtsein, das geschult ist an den äußeren Gegenständen, das immer einen äußeren Gegenstand braucht. Es ist das Bestreben der Mystiker, dieses Bewußtsein abzuwerfen. Der Mystiker will über sich selber hinausgehen. Wenn aber der Mensch bewußt erleben will, was zu erleben ist durch die Erlebnisse des unaussprechlichen Wortes und des ungeoffenbarten Lichtes, so ist es klar, daß er das erleben muß in einem neuen, in einem anderen Bewußtsein. Daher muß der Mystiker, wenn er Okkultist werden will, nicht nur das negative Streben aufgeben, sondern darum besorgt sein, ein anderes, ein höheres Bewußtsein zu entwickeln, nämlich das Bewußtsein ohne einen bewußten Gegenstand.
[ 49 ] So here, too, there are all sorts of nuances. The last one was a nuance where there are intense heartfelt experiences, but something has also remained that can be called personal consciousness. In short, mysticism is a subject with an immense number of nuances. And yet we have not even touched upon what we will still have to discuss—what is referred to as the oldest Greek mysticism, as you will find it described in my book *Christianity as a Mystical Fact*. With today’s nuances, we have not yet reached that level of mysticism. But one thing today’s nuances have taught us is that all mystics strive to transcend ordinary personal ego-consciousness, to extinguish it, and that if a person does not wish to lose the ground beneath their feet, a different consciousness must emerge. This is the essence of the mystic: that having reached the limits of the spiritual, the divine-spiritual is still experienced as a union, yet one does not enter into the world of the divine-spiritual. The consciousness trained on external objects—which always requires an external object—is cast off. It is the striving of the mystic to cast off this consciousness. The mystic wishes to transcend himself. But if a person wishes to consciously experience what is to be experienced through the experiences of the ineffable Word and the unrevealed Light, it is clear that he must experience this in a new, in a different consciousness. Therefore, if the mystic wishes to become an occultist, he must not only abandon negative striving but also be concerned with developing a different, higher consciousness—namely, consciousness without a conscious object.
[ 50 ] Morgen werden wir von diesem höheren Bewußtsein, in das der Okkultist eintreten muß, weiter sprechen.
[ 50 ] Tomorrow we will discuss further this higher state of consciousness that the occultist must enter.
A. Herzenserlebnisse, Gehirnerlebnisse => Neuplatoniker, Scotus Erigena, Meister Eckhart.
B. Herzenserlebnisse => Franz von Assisi.
C. Gehirnerlebnisse => Hegel.
D. — => die heilige Theresia.
A. Experiences of the heart, experiences of the mind => Neoplatonists, Scotus Erigena, Meister Eckhart.
B. Experiences of the heart => Francis of Assisi.
C. Experiences of the mind => Hegel.
D. — => Saint Teresa.
