Man in the Light of
Occultism, Theosophy and Philosophy
GA 137
5 June 1912, Oslo
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Man in the Light of Occultism, Theosophy and Philosophy, tr. SOL
Dritter Vortrag
Third Lecture
[ 1 ] Es wurde gestern darauf aufmerksam gemacht, daß der angehende Okkultist, welcher durchgemacht hat jene Vorbereitungen, von denen gesprochen worden ist, auf Erlebnisse trifft, welche aus den angegebenen Gründen mit Worten bezeichnet werden müssen, die einen Widerspruch in sich schließen. Wir haben drei solche Erlebnisse zunächst genannt: erstens das unoffenbare Licht, zweitens das unaussprechliche Wort und drittens das Bewußtsein ohne das Wissen eines Gegenstandes.
[ 1 ] It was pointed out yesterday that the aspiring occultist, having undergone the preparations mentioned, encounters experiences which, for the reasons given, must be described using terms that contain a contradiction within themselves. We have initially named three such experiences: first, the light that cannot be revealed; second, the word that cannot be spoken; and third, consciousness without knowledge of an object.
[ 2 ] Es wird nicht ganz leicht sein, sich in all das hineinzufinden, was zunächst notwendig ist, um Ideen und Begriffe zu verbinden mit diesen drei genannten Erlebnissen. So wie der Mensch im gewöhnlichen Leben denkt, und so wie er denkt und forscht auch in den gewöhnlichen Wissenschaften, wie geforscht wird namentlich in den Naturwissenschaften, ist dieses Forschen, dieses Wissen gebunden an den physischen Menschenleib. Denn dieser physische Menschenleib ist zwar nicht der eigentliche Akteur, das eigentlich Tätige, wenn der Mensch forscht, aber er ist das Instrument, dessen sich der Mensch bedienen muß, um in der charakterisierten Weise zu forschen, um in der charakterisierten Weise sich ein Wissen zu erwerben über die äußeren Gegenstände der Welt, die den Menschen umgibt. Alles, was überhaupt in dieser Art gewußt werden kann, was also den Gegenstand des alltäglichen Wissens und den Gegenstand namentlich der Naturwissenschaften ausmacht — wir werden bei einer späteren Gelegenheit noch darauf eingehen, daß gewisse Wissenschaften wie zum Beispiel die Ethik, die Gesellschaftswissenschaft, die Jurisprudenz nicht ganz genau mit dem übereinstimmen; was heute gesagt wird, das gilt namentlich für alle naturwissenschaftlichen Zweige —, es kann eben in gar keiner anderen Weise erworben werden als durch das Instrument des Leibes, namentlich durch das Instrument des menschlichen Gehirns.
[ 2 ] It will not be entirely easy to grasp everything that is initially necessary to connect ideas and concepts with these three experiences. Just as people think in everyday life, and just as they think and conduct research in the conventional sciences—specifically in the natural sciences—this research, this knowledge, is bound to the physical human body. For although this physical human body is not the actual agent, the actual doer, when a person investigates, it is the instrument that a person must use in order to investigate in the manner described, to acquire knowledge in the manner described about the external objects of the world that surrounds them. Everything that can be known in this way at all—that is, what constitutes the subject matter of everyday knowledge and, in particular, of the natural sciences—we will return to this at a later opportunity, noting that certain sciences, such as ethics, the social sciences, and jurisprudence, do not correspond exactly to this; what is said today applies specifically to all branches of the natural sciences— it simply cannot be acquired in any other way than through the instrument of the body, namely through the instrument of the human brain.
[ 3 ] Wenn nun der okkulte Aspirant die Dinge durchmacht, von denen gestern gesprochen worden ist, so kommt er zunächst dazu, denken zu können, ohne sich seines Gehirns zu bedienen. Das ist etwas, was für den heutigen Materialisten selbstverständlich schon ein ganz absurder Begriff ist. Aber es ist eben doch so. Daß es so ist, das zeigt dem Okkultisten, der die okkulten, die esoterischen Übungen durchgemacht hat, das innere Erlebnis ganz klar. Denn alles dasjenige, was von den äußeren Gegenständen durch die gewöhnliche Wissenschaft gewonnen werden kann, was da erforscht und gedacht wird, das ist schattenhaft, gewissermaßen leblos gegenüber den Gebilden, welche dann ausgearbeitet werden von unserer Seele, wenn wir losgekommen sind von dem physischen Gehirn.
[ 3 ] When the occult aspirant goes through the experiences discussed yesterday, he first comes to be able to think without using his brain. This is, of course, a completely absurd concept to today’s materialist. But that is indeed the case. The inner experience makes this quite clear to the occultist who has undergone the occult, esoteric exercises. For everything that can be gained from external objects through ordinary science—what is researched and thought there—is shadowy, so to speak lifeless, compared to the images that are then formed by our soul once we have freed ourselves from the physical brain.
[ 4 ] Für Theosophen darf zur Abkürzung der Betrachtung gleich gesagt werden, daß ein solcher Mensch, der es dazu gebracht hat, frei zu werden von seinem physischen Leibeswerkzeug, sich dann, um innerlich in der Seele zu arbeiten, nur noch derjenigen Werkzeuge bedient, die in seinem ätherischen, in seinem astralischen und in seinem Ich-Organismus gegeben sind. Also er bedient sich dessen, was wir durch die Theosophie vom Menschen kennengelernt haben, mit Ausschluß des physischen Leibes.
[ 4 ] For theosophists, it may be stated at the outset, for the sake of brevity, that a person who has managed to free themselves from their physical body then uses, in order to work inwardly within the soul, only those instruments that are present in their etheric, astral, and I-organisms. Thus, they make use of what we have come to know about the human being through Theosophy, excluding the physical body.
[ 5 ] Dasjenige, was davon in der Seele auftritt, das hat eine viel stärkere innere Kraft, eine viel stärkere innere Lebendigkeit als die gewöhnlichen, an den äußeren Gegenständen errungenen Gedanken, und außerdem nimmt es sich wirklich so aus wie etwas, was uns als feine Substantialität überall umgibt. Man kann nicht anders sagen, als daß es sich ausnimmt wie flutendes Licht; nur muß man nicht eben an das Licht denken, welches durch das menschliche Auge, also durch ein äußeres Leibeswerkzeug vermittelt wird, sondern man muß denken, daß dieses sich ausbreitende Substantielle, in welchem man sich zunächst befindet wie in einem wogenden Meere, mehr innerlich empfunden wird, als daß es in irgendeiner Art von Lichtschein oder dergleichen auftreten würde. Es wird innerlich empfunden, und es wird so empfunden, daß dem Menschen, wenn er es wirklich empfindet, schon die Vorstellung vergeht, als ob er da etwa in einem Nichts wäre.
[ 5 ] What arises from this within the soul possesses a much stronger inner power, a much stronger inner vitality than the ordinary thoughts derived from external objects; moreover, it truly appears to be something that surrounds us everywhere as a subtle substance. One cannot help but say that it appears like flowing light; only one must not think of the light that is conveyed through the human eye, that is, through an external physical organ, but one must think that this spreading substance, in which one initially finds oneself as in a surging sea, is perceived more inwardly than it would appear as some kind of light or the like. It is perceived inwardly, and it is perceived in such a way that, when a person truly perceives it, the mental image that they might be in a kind of nothingness vanishes.
[ 6 ] Derjenige, der sich in diesem Elemente dann wirklich befindet, wird nicht mehr behaupten, daß er in einem Nichts ist, denn dieses Element hat vor allen Dingen eine für alles bisherige Erfahren zunächst recht überraschende Wirkung. Es hat die Wirkung, wie wenn es uns zerreißen und in den ganzen Raum hinausstreuen würde, wie wenn wir zerfließen würden in ihm selber, wie wenn wir uns auflösen würden, den Boden unter den Füßen verlören, die Haltepunkte überall verlören, wo wir sie haben an dem äußeren Materiellen. Das ist es, was da zunächst auftritt. Und in diesem Sich-Fühlen in einem gleichsam in den ganzen Raum hinaussprühenden Elemente hat man das gegeben, was man nennen kann flutendes, fließendes, sich nicht nach außen in irgendeinem Sinne offenbarendes geistiges Licht. Das ist es zunächst, was gleichsam als ein inneres Erlebnis ein jeder Aspirant des Okkultismus kennenlernt.
[ 6 ] Anyone who truly finds themselves in this element will no longer claim to be in a void, for this element has, above all, an effect that is initially quite surprising given all previous experience. It has the effect of tearing us apart and scattering us throughout the entire space, as if we were dissolving within it, as if we were disintegrating, losing the ground beneath our feet, losing all points of support wherever we have them in the external material world. That is what occurs at first. And in this feeling of being within an element that, as it were, sprays out into the entire space, one has what one might call a spiritual light that floods, flows, and does not reveal itself outwardly in any sense. This is what every aspirant to occultism first experiences as an inner experience.
[ 7 ] Nun, wenn der Aspirant des Okkultismus dieses Erlebnis zuerst hat und er ist eine schwache Natur, er ist nicht gewöhnt worden im Leben, viel zu denken, dann ist er schon hier gewissermaßen an. einer Klippe, denn er kann nicht leicht weiterkommen, wenn er nicht im Leben gelernt hat, viel zu denken. Daher ist jene Vorbereitung da, von der wir gestern gesprochen haben: die lange Übung eines sublimen Verstandes, einer sublimen Urteilskraft. Nicht was wir äußerlich durch diese sublime Urteilskraft, durch diesen sublimen Verstand uns aneignen, sondern die Zucht, die wir uns aneignen, indem wir in schärferer Weise denken lernen, ist es, die uns zugute kommt, wenn wir als Aspiranten des Okkultismus in dieses fließende Element des Lichtes eintreten. Denn es wirken dann gewissermaßen nicht die Gedanken, sondern die Erziehungskräfte unseres eigenen Selbst, welche uns durch die Gedanken gegeben worden sind. Diese wirken fort, und wir haben dann nicht nur um uns ein verfließendes, verborgenes Licht, sondern wir haben die Möglichkeit, daß in diesem fließenden Elemente auftauchen die Gestaltungen, von denen wir wissen, daß uns keine Wahrnehmungen der äußeren Gegenstände diese inneren Gebilde gegeben haben, sondern daß sie auftauchen in dem Elemente, in das wir selber nun eingetaucht sind.
[ 7 ] Now, if the aspirant to the occult first has this experience and is of a weak disposition—if he has not been accustomed in life to thinking deeply—then he is, in a sense, already standing on a precipice, for he cannot easily move forward unless he has learned in life to think deeply. Hence the preparation we spoke of yesterday: the long practice of a sublime intellect, of a sublime power of judgment. It is not what we acquire externally through this sublime power of judgment, through this sublime intellect, but rather the discipline we acquire by learning to think more sharply that benefits us when, as aspirants to occultism, we enter this flowing element of light. For it is not the thoughts themselves that are at work, so to speak, but the educational forces of our own self, which have been given to us through the thoughts. These continue to work, and we then have not only a flowing, hidden light around us, but we have the possibility that within this flowing element there will emerge forms of which we know that no perceptions of external objects have given us these inner images, but that they emerge in the element into which we ourselves have now immersed ourselves.
[ 8 ] Wenn wir eine solche Lage des Lebens erreicht haben, dann verlieren wir uns nicht in diesem fließenden Lichte, sondern erleben darin Gestaltungen von einer viel größeren Lebendigkeit, als sie alle Traumbilder und Visionen haben. Aber zugleich erleben wir diese Bilder so, daß ihnen alles fehlt, was die äußeren Wahrnehmungen auszeichnet. Die Eigenschaften, welche wir nur durch die Sinne wahrnehmen, können wir da nicht finden; aber in verstärktem Maße können wir das finden, was wir sonst nur erleben, wenn wir uns Gedanken machen. Aber diese Gedanken sind eben nicht bloße Gedanken, die uns überkommen, sondern sind in gewisser Weise in sich selbst befestigte, in sich selbst wesenhaft erscheinende Gebilde.
[ 8 ] Once we have reached such a state of life, we do not lose ourselves in this flowing light, but experience within it forms of a far greater vitality than any dream images or visions possess. Yet at the same time, we experience these images in such a way that they lack everything that characterizes external perceptions. We cannot find there the qualities that we perceive only through the senses; but to a greater degree, we can find what we otherwise experience only when we engage in thought. Yet these thoughts are not merely thoughts that come over us, but are, in a certain sense, structures fixed within themselves, appearing to possess an essence of their own.
[ 9 ] Das ist das erste, was der okkultistische Aspirant erlebt und was immer stärker und stärker auftritt im Verlaufe des okkulten Lebens. Zuerst ist es schwach, zuerst müssen wir uns begnügen mit einigem wenigen, was uns da erlebbar ist. Dann aber wird uns immer mehr und mehr gegeben, dann erfahren wir mehr und mehr, und wir lernen eine Welt kennen, die sich uns darbietet als eine hinter der Sinneswelt gelegene Welt. Wir erfahren da, indem wir ein solches Erlebnis haben, etwas ganz Besonderes. Wir erfahren nämlich, daß alle die Kräfte, die uns befähigen können, so etwas zu erleben, in dem Umkreise unseres Erdenlebens und der irdischen Gesetzmäßigkeit gar nicht zu finden sind. Wir merken, wenn wir dieses Erlebnis haben, ganz genau, daß alles, was uns befähigt, über das äußere Leben als Erdenmensch und über die naturwissenschaftlichen Dinge zu denken, in uns gebildet worden ist durch Kräfte, die der Erde angehören.
[ 9 ] This is the first thing the occult aspirant experiences, and it becomes increasingly prominent as the occult life progresses. At first it is faint; at first we must be content with the little that we can experience there. But then more and more is given to us; then we experience more and more, and we come to know a world that presents itself to us as a world lying beyond the sensory world. Through such an experience, we come to know something quite special. We realize, in fact, that all the forces capable of enabling us to experience such a thing cannot be found within the sphere of our earthly life and earthly laws. When we have this experience, we realize very clearly that everything that enables us to think beyond our external life as earthly human beings and beyond the realm of the natural sciences has been formed within us by forces that belong to the Earth.
[ 10 ] Der Mensch hat, wie Sie als Theosophen wissen, bevor er auf der Erde seine heutige Gestalt erlangt hat, vielerlei Umbildungen und Durchbildungen durchgemacht. Während dieser Zeit haben die Erdenkräfte auf ihn gewirkt. Nach und nach hat sein Gehirn, haben seine Sinneswerkzeuge die Gestalt durch die Erdenkräfte angenommen, welche sie heute haben. Und wenn wir das Auge, das Ohr, wenn wir das Gehirn selbst erklären wollen, so wie sie heute sind, so müssen wir sagen: Beim Beginne der Erdenentwickelung waren alle diese Organe ganz anders. Während der Erdenentwickelung haben die Erdenkräfte auf diese Organe gewirkt und ihnen eben die heutige Gestalt gegeben. Alles was diese Organe und auch was das Gehirn hat von den Erdenkräften, das verwenden wir, wenn wir für das alltägliche Leben oder wenn wir naturwissenschaftlich denken und forschen. Nichts ist in der Tätigkeit, die wir entwickeln, wenn wir so forschen, was nicht dem Menschen durch die Erdenkräfte zugekommen wäre. Sowohl der Alltagsmensch, der die Welt und die Dinge um sich her sieht und wahrnimmt und darüber nachdenkt, wie auch der Wissenschafter, der im Laboratorium oder auf der Sternwarte arbeitet, sie alle bedienen sich keiner anderen Einrichtungen ihrer Gehirn- und ihrer Sinnesorgane als solcher, die von Erdenkräften herrühren.
[ 10 ] As you know as Theosophists, before humans attained their present form on Earth, they underwent many transformations and evolutions. During this time, the forces of the Earth acted upon them. Gradually, their brain and their sensory organs took on the form they have today through the forces of the Earth. And if we wish to explain the eye, the ear, or the brain itself as they are today, we must say: At the beginning of Earth’s development, all these organs were quite different. During Earth’s development, the forces of the Earth acted upon these organs and gave them their present form. Everything that these organs—and also the brain—possess from the Earth forces, we make use of in our daily lives or when we think and research scientifically. There is nothing in the activity we engage in when we conduct such research that has not come to humanity through the Earth forces. Both the everyday person who sees and perceives the world and the things around them and reflects on them, and the scientist who works in the laboratory or at the observatory—they all make use of no other faculties of their brain and their sense organs than those that derive from the forces of the Earth.
[ 11 ] Was wir nun als Bildung unseres Gehirns haben und was uns befähigt, das Gehirn so zu bearbeiten, daß es die höheren Glieder der menschlichen Natur aus sich heraustreibt, und daß wir das, was eben jetzt beschrieben worden ist, dieses fließende, flutende geistige Licht schauen, das rührt nicht von irdischen Zuständen her, sondern ist eine Erbschaft jener Kräfte, die auf den Menschen gewirkt haben, bevor die Erde Erde geworden ist. So daß wir sagen müssen, wenn wir uns erinnern, daß die Erde, bevor sie Erde geworden ist, den Monden-, den Sonnen-, den Saturnzustand durchgemacht hat: Es rühren von diesem Saturn-, diesem Sonnen- und Mondenzustand die Kräfte nicht her, welche den Menschen befähigen, mit seinen Sinnen wahrzunehmen und die Wahrnehmung der Sinne mit dem Gedanken zu durchdringen. Aber alles, was uns frei werden läßt von dieser Sinnes- und Denkarbeit, von der Arbeit der Wissenschaft und so weiter, alles, was uns fähig macht, die höheren Glieder aus uns herauszutreiben, so daß aus dem Gehirn herausgequetscht wird der Ätherleib, der Astralleib und das Ich, so daß diese fähig werden, im flutenden Lichte zu leben, das haben wir in uns als Erbstück von der Saturn-, Sonnen- und Mondenzeit. Das stammt also aus vorirdischer Entwickelungszeit und kann im weiteren Umkreise des Erdendaseins nicht gefunden werden.
[ 11 ] What we now possess as the development of our brain, and what enables us to work with the brain in such a way that it brings forth the higher aspects of human nature from within itself, and that we perceive what has just been described—this flowing, surging spiritual light—does not stem from earthly conditions, but is an inheritance of those forces that acted upon humanity before the Earth became the Earth. So that we must say, when we recall that the Earth, before it became Earth, passed through the lunar, solar, and Saturnian states: The forces that enable human beings to perceive with their senses and to penetrate sensory perception with thought do not originate from these Saturnian, solar, and lunar states. But everything that frees us from this sensory and intellectual work, from the work of science and so on, everything that enables us to drive the higher members out of ourselves, so that the etheric body, the astral body, and the I are squeezed out of the brain, so that these become capable of living in the flowing light—this we have within us as a legacy from the Saturn, Sun, and Moon epochs. This, then, originates from a pre-earthly period of development and cannot be found within the broader scope of earthly existence.
[ 12 ] Wenn einmal die Wissenschaft so weit sein wird — und sie wird einmal dazu kommen, wenn es auch noch lange dauern wird —, sozusagen den Mechanismus der Sinne und des Gehirns zu begreifen, dann wird die Wissenschaft auf diese Errungenschaft außerordentlich stolz sein. Aber man wird nur begreifen jenes Denken und jenes Forschen, welches aus irdischen Verhältnissen erklärbar ist und daher auch nur für die irdischen Verhältnisse gilt. Man wird niemals das ganze Gehirn und auch nicht alle Einrichtungen der Sinnesorgane mit den Erdenkräften erklären können; sondern, um alles erklären zu können, was in unseren Sinnen und in unserem Gehirne tätig ist, was den Sinnen und dem Gehirn die jetzige Gestalt gegeben hat, wird man die Zuflucht nehmen müssen zu dem, was die Theosophen kennen als den Saturn-, den Sonnen- und den Mondenzustand.
[ 12 ] Once science has reached the point—and it will eventually get there, even if it takes a long time—where it can, so to speak, understand the mechanisms of the senses and the brain, then science will be extraordinarily proud of this achievement. But we will only be able to understand that thinking and that research which can be explained by earthly conditions and therefore applies only to earthly conditions. One will never be able to explain the entire brain, nor all the structures of the sense organs, using earthly forces; rather, in order to explain everything that is active in our senses and in our brain—what has given the senses and the brain their present form—one will have to resort to what theosophists know as the Saturn, Sun, and Moon states.
[ 13 ] Diese vorhergehenden Zustände unserer Erdenbildung, diese Kräfte also, die wirksam sind, solange sich der Mensch nicht seines Gehirnes bedient und seiner äußeren Sinne, diese Kräfte, die wir geerbt haben von Saturn, Sonne und Mond, werden lahmgelegt, werden unterbunden durch das, was die Erde mit ihren Kräften aus dem Gehirn und den Sinnen gemacht hat. Alles das, was wir darin finden können, wenn wir in das flutende Licht eintreten, empfinden wir deshalb nicht so, als ob wir es denken würden. Denn was wir denken, von dem haben wir das Gefühl, daß wir es jetzt denken, aber das, was wir da zunächst erleben, das kommt uns nicht so vor, als wenn wir es jetzt dächten.
[ 13 ] These earlier stages of Earth’s formation—that is, these forces that are active as long as human beings do not make use of their brains and external senses—these forces, which we have inherited from Saturn, the Sun, and the Moon, are rendered inactive and suppressed by what the Earth has wrought with the forces of the brain and the senses. Everything we can find there when we enter the flooding light, we therefore do not perceive as if we were thinking it. For what we think, we have the feeling that we are thinking it now, but what we initially experience there does not seem to us as if we were thinking it now.
[ 14 ] Das ist außerordentlich wichtig, daß Sie das ins Auge fassen. Dem Hellseher, der in diesen Zustand eintritt, erscheinen zunächst die Gebilde, von denen ich jetzt gesprochen habe, nicht wie Gedanken, die er jetzt denkt, sondern wie Gedanken, die nur vom Gedächtnisse, von der Erinnerung aufbewahrt sind, wie Gedanken, an die wir uns erinnern können.
[ 14 ] It is extremely important that you bear this in mind. To the clairvoyant who enters this state, the mental images I have just described do not initially appear as thoughts he is currently thinking, but rather as thoughts that are merely preserved in memory, like thoughts we can recall.
[ 15 ] Jetzt wird es Ihnen auch erklärlich sein, warum wir unseren Verstand ignorieren müssen und genötigt sind, in eine Schärfung des Gedächtnisses einzutreten. Das ist deshalb so, weil wir das Gefühl uns aneignen müssen, daß das, was in dem sich ausbreitenden geistigen Lichtmeere ist, sozusagen Gebilde aufwirft, die man nur wahrnehmen kann wie erinnerte Gebilde. Würde man nicht eine Schärfung des Erinnerungsvermögens durchgemacht haben, so würden sie einem entgehen, und nichts würde wahrnehmbar für den Hellseher werden. Es würde dann so sein, daß er nur ausgebreitet sähe ein inneres flutendes Lichtmeer.
[ 15 ] Now it will also become clear to you why we must ignore our intellect and are compelled to focus on sharpening our memory. This is because we must develop the sense that what lies within the expanding sea of spiritual light gives rise, so to speak, to forms that can only be perceived as remembered forms. If one had not undergone a sharpening of the memory, these forms would elude one, and nothing would become perceptible to the clairvoyant. It would then be the case that he would see only a vast, inner, surging sea of light.
[ 16 ] Daß also in dem inneren Lichtmeere Gedankengebilde schwimmend wahrgenommen werden können, geschieht dadurch, daß wir unser Erinnerungsvermögen so geschärft haben, daß das, was auftritt, nicht durch den Verstand, sondern durch das Erinnerungsvermögen, das Gedächtnis wahrgenommen werden kann; denn es muß durch das Gedächtnis wahrgenommen werden.
[ 16 ] The fact that thought-forms can be perceived as floating in the inner sea of light is due to the fact that we have sharpened our power of recollection to such an extent that what appears can be perceived not by the intellect, but by the power of recollection, that is, by memory; for it must be perceived through memory.
[ 17 ] Aber es ist damit noch nicht alles gesagt. Das, was so durch das Gedächtnis wahrgenommen wird, befähigt uns zunächst, in längst verflossene Zustände unserer Entwickelung, in die Mond-, Sonnen- und Saturnzustände etwas hineinzuschauen. Aber die Gebilde, die da wahrgenommen werden, die da wie Erinnerungsvorstellungen auftreten, sind nicht die einzigen; und sie sind sogar auch die schwächeren. Es wird nämlich etwas wahrgenommen, was mit starker Kraft und Gewalt auf uns wirkt, wovon man sagen könnte — trotzdem man weiß, es ist nur schwimmendes Gedankenlicht, das auf uns wirkt —, daß es uns Schmerz und Lust bereitet, daß es beginnt, man möchte sagen, zu stechen und zu brennen und auch selige Zustände in uns hervorzurufen.
[ 17 ] But that is not the whole story. What is perceived in this way through memory enables us, at first, to glimpse into long-past stages of our development—the lunar, solar, and Saturn stages. But the images perceived there, which appear as memories, are not the only ones; indeed, they are even the weaker ones. For something is perceived that acts upon us with great force and power, of which one might say—even though one knows it is only a fleeting thought-light acting upon us—that it causes us pain and pleasure, that it begins, one might say, to sting and burn and also to evoke blissful states within us.
[ 18 ] Und nun ist die Frage: Was bemerkt der Okkultist, der in diesem Meere schwimmend solche eigentümlichen Gebilde, die er jetzt mit dem Verstande fassen kann, wahrnimmt, zu denen er nicht das Gedächtnis bloß braucht, weil sie so stark geworden sind, daß der Verstand sie zu fassen vermag? Was bemerkt also der Okkultist von diesen Dingen?
[ 18 ] And now the question is: What does the occultist notice when, swimming in this sea, he perceives such peculiar formations that he can now grasp with his intellect—formations for which he no longer needs merely his memory, because they have become so strong that the intellect is able to grasp them? So what does the occultist perceive about these things?
[ 19 ] Sehen Sie, der Okkultist bemerkt von diesen Dingen allerdings nur dann etwas, wenn er vorher etwas gelernt hat, und zwar, wenn er vorher sich bekanntgemacht hat mit den verschiedenen Gedanken der Philosophen, wenn er sich ein wenig mit Philosophie befaßt hat. Dann tritt vor sein geistiges Auge die Erkenntnis, daß die wirklichen Gedanken der Philosophen Schattenbilder sind, daß es Abbilder dessen sind, was da als Lebendiges wahrgenommen wird im flutenden Lichte.
[ 19 ] You see, the occultist only becomes aware of these things if he has studied them beforehand—that is, if he has familiarized himself with the various ideas of the philosophers, if he has delved a little into philosophy. Then the realization dawns before his inner eye that the true thoughts of the philosophers are mere shadows, that they are reflections of what is perceived as living in the flowing light.
[ 20 ] Jetzt ist die Zeit gekommen, wo Sie verstehen können, was eigentlich alle Philosophie der Welt ist. Alle Philosophie der Welt ist nichts anderes als eine Summe von Gedankenbildungen, von Ideen, welche wie Bilder hereingeworfen werden in unser physisches Leben und die eigentlich ihren Ursprung haben in dem überphysischen Leben, in dem, was der Hellseher in der geschilderten Weise wahrnehmen kann. Der Philosoph nimmt nicht dasjenige wahr, was hinter seinen Bildern liegt und was er in diesen Bildern hineinwirft in das physische Bewußtsein; aber die Bilder bekommt er. Von all den wichtigen, großen Gedanken der Philosophen, die jemals in der Welt eine Rolle gespielt haben, kann der Okkultist immer den Ursprung angeben. Der Philosoph sieht nur das Gedankenschattenbild, der Okkultist das reale, lebendige Lichtelement, das dahintersteht. Woher kommt denn das?
[ 20 ] Now the time has come when you can understand what all the philosophy in the world really is. All the philosophy of the world is nothing other than a sum of thought-formations, of ideas, which are cast into our physical life like images and which actually have their origin in the supersensible life, in that which the clairvoyant can perceive in the manner described. The philosopher does not perceive what lies behind his images and what he casts into physical consciousness through these images; but he receives the images. Of all the important, great thoughts of philosophers who have ever played a role in the world, the occultist can always indicate the origin. The philosopher sees only the shadow image of the thought; the occultist sees the real, living element of light that lies behind it. Where does that come from?
[ 21 ] Nun, sehen Sie, das kommt davon her, daß wir aus alten Zeiten, obzwar wir — ganz im allgemeinen gesprochen — lahmgelegt haben die Kräfte, welche von der Saturn-, Sonnen- und Mondenentwickelung für das Gehirn herrühren, in unserem Gehirn dennoch einen gewissen Rest haben, durch den man wenigstens Schattenbilder, Abbilder wahrnehmen kann dessen, wozu das Gehirn fähig ist durch die vorirdischen Kräfte. Diejenigen Kräfte, die da im philosophischen Gehirn wirken, sind also nicht irdische Kräfte; sie sind ein schwacher, matter Abglanz vorirdischer Kräfte. Der Philosoph ist sich nur nicht bewußt, daß in seinem Gehirn eine Erbschaft aus den vorirdischen Zeiten lebt und daß er sich seines Gehirnes als eines Instrumentes bedient, insofern eine solche Erbschaft wirkt.
[ 21 ] Well, you see, this stems from the fact that, although we have—generally speaking—paralyzed the forces in our brains that originate from the Saturn, Sun, and Moon phases of development, we still retain a certain remnant in our brains through which one can at least perceive shadows and images of what the brain is capable of through these pre-earthly forces. The forces at work in the philosopher’s brain are therefore not earthly forces; they are a faint, dim reflection of pre-earthly forces. The philosopher is simply unaware that a legacy from pre-earthly times lives on in his brain and that he uses his brain as an instrument to the extent that such a legacy is at work.
[ 22 ] Diese Erbschaft würde nun aber auch nicht wirken, wenn nicht während der Erdenentwickelung etwas ganz Bestimmtes eingetreten wäre, etwas, wovon natürlich auch die Philosophen der heutigen Zeit nichts wissen wollen. Wenn alles nur so geblieben wäre, daß die Erde einfach die Wiederverkörperung dessen ist, was vorhanden war im alten Saturn, in der alten Sonne und im alten Monde; wenn also die Erde nichts weiter böte dem Menschen, nichts weiter brächte dem Menschen als die Kräfte, welche sie dadurch hat, daß in ihr noch weiterleben die Saturn-, Sonnen- und Mondenkräfte, also die vorirdischen Kräfte, dann würde auf der Erde überhaupt niemals ein solches Nachdenken haben entstehen können, wie es uns ausgeprägt erscheint, man möchte sagen, im höchsten Maße bei der Philosophie. Und Philosophie ist bei jedem Menschen vorhanden, denn bis zu einem gewissen Grade philosophiert jeder Mensch. Das ist also nur dadurch da, daß eine Unregelmäßigkeit eingetreten ist bei der Erdenwiederverkörperung, daß von den schaffenden Kräften, die die Erde zustande gebracht haben, sich eine Hauptkraft abgesondert hat und nicht so weiter wirkt wie die anderen, sondern so, daß wir sagen können: Diese Kraft wirkt in geistiger Beziehung auf den Menschen, wie das Mondenlicht wirkt auf die Erde in physischer Beziehung.
[ 22 ] However, this inheritance would not have taken effect unless something very specific had occurred during the Earth’s evolution—something of which, of course, even today’s philosophers do not wish to hear. If everything had simply remained as it was, so that the Earth is merely the reincarnation of what existed in the ancient Saturn, the ancient Sun, and the ancient Moon; if, in other words, the Earth offered humanity nothing more, brought humanity nothing more than the forces it possesses because the forces of Saturn, the Sun, and the Moon—that is, the pre-earthly forces—still live on within it, then such a mode of thinking as appears to us to be so pronounced—one might say, to the highest degree in philosophy—could never have arisen on Earth at all. And philosophy is present in every human being, for to a certain degree every human being philosophizes. This is therefore only due to the fact that an irregularity occurred during the Earth’s reincarnation, that one of the creative forces which brought the Earth into being separated itself and does not continue to act like the others, but rather in such a way that we can say: This force acts upon human beings in a spiritual sense, just as the moonlight acts upon the Earth in a physical sense.
[ 23 ] Sehen Sie, das Mondenlicht wirkt auf die Erde in physischer Beziehung in der Weise, daß der Mond das Sonnenlicht zurückwirft. Denn was uns als Mondenlicht zukommt, ist nur zurückgeworfenes Sonnenlicht. Was nun den Menschen befähigt, über die bloße Erinnerungsvorstellung beim Hellsehen hinauszugehen, und was ihn befähigt, noch etwas hineinzuwerfen in das physische Bewußtsein als Philosophie, das rührt davon her, daß in das menschliche Gehirn hineinwirkt, bildend, eine neue Kraft, die genau dieselbe Geisteskraft ist, welche in der mosaischen Urkunde Jahve oder Jehova benannt wird, und welche ebenso ein zurückgeworfenes Geisteslicht ist, wie das Mondenlicht in physischer Beziehung ein zurückgeworfenes Sonnenlicht ist.
[ 23 ] You see, the moonlight affects the Earth physically in such a way that the moon reflects the sunlight. For what reaches us as moonlight is merely reflected sunlight. What enables human beings to go beyond mere recollection in clairvoyance, and what enables them to introduce something into physical consciousness as philosophy, stems from the fact that a new force is working into the human brain, shaping it—a force that is precisely the same spiritual power that is named Yahweh or Jehovah in the Mosaic text, and which is just as much a reflected spiritual light as moonlight is, in a physical sense, reflected sunlight.
[ 24 ] So ist der Mensch in der Tat in bezug auf sein Gehirn nicht nur durch das erklärbar, was er sich als Erbschaft mitgebracht hat von den vorirdischen Zuständen. Man versteht ihn und dieses menschliche Gehirn erst dann, wenn man weiß, daß ebenso wie das physische Sonnenlicht von dem Monde nach der Erde geworfen wird — auch dann, wenn dem gewissen Stück Erde das Sonnenlicht nicht erscheint —, dem Menschen, insofern er im Gehirn sich auslebt, geistiges Licht zurückgeworfen wird von außerhalb der Erde.
[ 24 ] Thus, in fact, human beings cannot be explained solely in terms of their brains by what they have inherited from pre-earthly states. One can only understand them and this human brain when one realizes that just as physical sunlight is reflected from the Moon to the Earth—even when that particular part of the Earth does not appear to be receiving sunlight—spiritual light is reflected back to human beings from outside the Earth, insofar as they express themselves through their brains.
[ 25 ] Jede Inspiration, und es ist eine Inspiration, welche dem Menschen geboten wird nicht durch seine eigenen Kräfte, sondern von außen herein, befähigt ihn, aufzusteigen zu einer Welterkenntnis, die als die philosophische bezeichnet werden kann. Diese Welterkenntnis zeichnet sich dadurch aus, daß sie den Menschen veranlaßt, in den verschiedenen Dingen der Welt den einheitlichen Grund zu suchen. Das ist das hauptsächlichste Charakteristikum. Ob der Mensch diesen einheitlichen Grund «Gott» oder «Weltgeist» nennt, darauf kommt es nicht an. Daß er aber alles zusammenfassen und auf einen einheitlichen Grund beziehen will, das rührt davon her, daß wir in dem Augenblick, wo wir als Hellseher den Ätherleib frei bekommen, wissen: Wir haben jetzt nicht nur das ausgequetscht, was wir aus früheren Zuständen haben, sondern wir haben auch in dem Gehirn wirksam Einflüsse der geistigen Welt, die sich mit den Einflüssen des Mondenlichtes vergleichen lassen, wie wir es eben getan haben.
[ 25 ] Every inspiration—and it is an inspiration—that is bestowed upon a person not through their own efforts but from outside, enables them to ascend to a understanding of the world that can be described as philosophical. This understanding of the world is characterized by the fact that it prompts people to seek the unified principle in the various things of the world. That is the most essential characteristic. Whether a person calls this unifying principle “God” or “World Spirit” is irrelevant. But the fact that they wish to synthesize everything and relate it to a unifying principle stems from the fact that, at the moment when we, as clairvoyants, liberate the etheric body, we know: We have now not only drawn out what we have from earlier states, but we also have active influences from the spiritual world in the brain that can be compared to the influences of moonlight, as we have just done.
[ 26 ] Ich mache Sie hier auf etwas aufmerksam, das Ihnen bezeichnend sein kann, wenn Sie ins Auge fassen, was jetzt ausgeführt worden ist. Der Mensch als Philosoph hat nicht das, was der Hellseher als Jahvekraft wahrnimmt, die sich vermischt mit den von früheren Zuständen ererbten Kräften. Er hat aber die Gedankenbilder und weiß nicht, daß hinter ihnen die Kräfte stehen, die in vorirdischen Zuständen wirksam gewesen sind und diejenigen, die als die Jahvekräfte bezeichnet werden. Er weiß nicht, daß das hinter seinem Denkprozesse steht. Er sieht nur die Gedankenschattenbilder, die ihm erzeugt werden dadurch, daß er aus seinem Ätherleibe sich herausarbeitet dieses flutende Licht, von dem ich gesprochen habe, und daß, indem dieses in seinem Gehirne wirkt, darinnen die Gedankenschattenbilder bewirkt werden, die wir als Philosophie bezeichnen. Das weiß der Philosoph nicht. Er weiß nur, daß er lebt in diesen Gedankenschattenbildern.
[ 26 ] I would like to draw your attention here to something that may be significant to you as you consider what has just been explained. The human being as a philosopher does not possess what the clairvoyant perceives as the Jahve forces, which intermingle with the forces inherited from earlier states. However, he possesses the mental images and is unaware that behind them lie the forces that were active in pre-earthly states and those designated as the Jahve forces. He does not know that this lies behind his thought processes. He sees only the shadow-images of thought that are produced for him by the fact that he works out of his etheric body this flooding light of which I have spoken, and that, as this acts in his brain, the shadow-images of thought are brought about within it, which we call philosophy. The philosopher does not know this. He knows only that he lives within these shadow-images of thought.
[ 27 ] Aber auf eine Eigentümlichkeit mache ich Sie bei diesen Gedankenbildern aufmerksam, die Ihnen später nützlich sein wird, auf die Eigentümlichkeit nämlich, daß man als Philosoph unbewußt hellseherisch ist, das heißt, in Schattenbildern von hellseherischen Zuständen lebt, ohne daß man etwas von dem Hellsehertum weiß; daß man so in Schattenbildern lebt und alles aufbringt, was man als Philosoph aufbringen kann, und daß man schließlich dazu gelangt, alles, was man an philosophischen Ideen und Begriffen aufzubringen in der Lage ist, so zu verbinden und zu verknüpfen, daß man es auf ein einheitliches Wesen bezieht. Das ist die Eigentümlichkeit der Philosophie.
[ 27 ] But I would like to draw your attention to one peculiarity regarding these mental images, which will be useful to you later: namely, the peculiarity that, as a philosopher, one is unconsciously clairvoyant—that is, one lives in shadow images of clairvoyant states without knowing anything about clairvoyance; that one thus lives in shadow images and brings to bear everything one can as a philosopher, and that one ultimately arrives at the point of connecting and linking all the philosophical ideas and concepts one is capable of bringing to bear in such a way that one relates them to a unified essence. That is the peculiarity of philosophy.
[ 28 ] Diese Eigentümlichkeit ist immer bei der Philosophie vorhanden. Aber es gibt keine Möglichkeit, wenn man mit diesem Material des Philosophen arbeitet und ehrlich und aufrichtig zu Werke geht, innerhalb dieser Gedankenbilder — philosophisch also — so etwas zu finden wie das Christus-Wesen. Man findet einen einheitlichen Weltengrund, aber man findet nie einen Christus. Wenn Sie in einer Philosophie die Christus-Idee finden, so können Sie sicher sein, sie ist aus der äußeren Welt genommen; wo sie angetroffen werden kann in den Überlieferungen, ist sie auf unrichtige Weise, vielleicht unbewußt, in die Philosophie hineinpraktiziert worden. Wenn der Philosoph bei seiner Philosophie bleibt, ist es ganz unmöglich, etwas anderes zu finden als den neutralen Weltengott, niemals aber einen Christus. Den kann er nicht finden. Es gibt keine sich selbst verstehende Philosophie, welche die Christus-Idee haben kann. Es ist unmöglich. Also, halten wir dieses zunächst fest. Diejenigen aber, welche dazu Lust und Gelegenheit haben, mögen sich einmal bei den Philosophen umschauen, ob sie, soweit diese Philosophen bloß Philosophen sind, den Christus bei ihnen finden können. Sehen Sie sich ein so ausgebreitetes und ausgebildetes System der Philosophie durch wie das Hegelsche; Sie werden sehen, innerhalb des Systems der Philosophie kann Hegel nicht auf den Christus kommen. Er praktiziert ihn hinein aus der äußeren Welt. Seine Philosophie gibt ihm keinen Christus.
[ 28 ] This peculiarity is always present in philosophy. But if one works with this philosophical material honestly and sincerely, there is no way to find anything resembling the Christ-being within these conceptual images—that is, philosophically speaking. One finds a unified foundation of the world, but one never finds a Christ. If you find the Christ idea in a philosophy, you can be sure it has been taken from the external world; where it can be found in the traditions, it has been incorporated into philosophy in an incorrect manner, perhaps unconsciously. If the philosopher sticks to his philosophy, it is quite impossible to find anything other than the neutral God of the world, but never a Christ. He cannot find him. There is no self-understanding philosophy that can possess the idea of Christ. It is impossible. So, let us note this first. But those who have the inclination and opportunity may take a look at the philosophers to see if, insofar as these philosophers are merely philosophers, they can find Christ among them. Examine a system of philosophy as extensive and developed as Hegel’s; you will see that within the system of philosophy, Hegel cannot arrive at Christ. He introduces him from the external world. His philosophy gives him no Christ.
[ 29 ] Vorläufig mag dies genug sein, was jetzt gesagt worden ist, zur Charakteristik dessen, was als erstes Erlebnis auftritt bei dem hellseherischen Aspiranten und was er bezeichnen lernt als unoffenbares Licht.
[ 29 ] For the time being, what has been said may suffice to describe what first appears to the aspirant to clairvoyance and what he learns to call the “unrevealable light.”
[ 30 ] Ganz leise, zunächst kaum wahrnehmbar, tritt das zweite Erlebnis auf. Es tritt so auf, daß es in der Tat viele Hellseher gibt, die das erste Erlebnis, das eben charakterisiert worden ist, lange schon haben und bezüglich des zweiten kaum verstehen, was es ist. Es tritt auch das auf, was wir bezeichnen können etwa in der folgenden Weise: Während das flutende Licht, das ich eben charakterisiert habe, etwas ist, was uns so vorkommt, als ob wir in demselben auseinanderfließen würden, als ob wir uns verbreiten würden in dem Weltenraume, erscheint uns das, was das unaussprechliche Wort genannt werden kann, im Beginne so, wie wenn gleichsam von allen Seiten uns etwas entgegenkäme. In demselben Maße, in dem wir uns verbreiten über die ganze Welt, ist es so, als ob uns etwas entgegenkäme, als ob etwas von allen Seiten sich uns näherte, während wir auf der anderen Seite zerfließen. Und in der Tat, dieses Zerfließen ist für den Menschen, der es erlebt und sich noch nicht so recht hineinfinden kann, mit argen Furchtzuständen begleitet. Es kommt uns gleichsam von außen etwas wie eine Weltenhaut entgegen, die sich uns nähert, und wir können nicht anders sagen als: Dieses Annähern einer Weltenhaut ist so, wie wenn zunächst in einer uns schwer verständlichen Sprache, die nirgends auf der Erde gesprochen wird, zu uns gesprochen würde; in einer Weise, daß kein Wort sich damit vergleichen läßt, das durch einen Kehlkopf gegangen ist. Aber wenn wir vom Worte alles dasjenige wegnehmen, was als äußerer Laut damit verknüpft ist, dann bekommen wir allmählich eine Vorstellung davon, was uns da als sinnvolles Weltentönen entgegenrückt von allen Seiten. Schwach ist es anfangs, und nur mit zunehmender Kraft des okkulten Lernens und der okkulten Selbstzucht wird dieses Wahrnehmen einer geistigen Welt immer stärker und stärker.
[ 30 ] Very quietly, at first barely perceptible, the second experience occurs. It occurs in such a way that there are, in fact, many clairvoyants who have long since had the first experience, which has just been described, yet hardly understand what the second one is. There is also what we might describe in the following way: While the flooding light I have just described is something that seems to us as if we were dissolving into it, as if we were spreading out into the space of the universe, what can be called the ineffable Word appears to us at first as if something were coming toward us from all sides, as it were. To the same extent that we spread out over the whole world, it is as if something were coming toward us, as if something were approaching us from all sides, while on the other hand we are dissolving. And indeed, for the person who experiences this and cannot yet quite find their bearings, this dissolving is accompanied by severe states of fear. It is as if something like a world-skin were coming toward us from the outside, approaching us, and we can only say: This approach of a world-skin is as if we were first being spoken to in a language that is difficult for us to understand, one that is spoken nowhere on earth; in a way that no word that has passed through a larynx can be compared to it. But if we strip away from the word everything that is connected to it as an external sound, then we gradually gain a mental image of what is coming toward us from all sides as meaningful sounds of the world. It is faint at first, and only with the increasing power of occult learning and occult self-discipline does this perception of a spiritual world grow stronger and stronger.
[ 31 ] Wir haben dann als Hellseher ein sehr merkwürdiges Gefühl, wenn wir so herankommen sehen von allen Seiten etwas wie eine Weltenhaut; nicht wie eine äußere Weltenhaut, sondern etwas, was wie Töne herandringt. Dann haben wir eine sehr eigentümliche Empfindung; und daß wir diese haben, ist ein Zeichen, daß wir auf dem richtigen Wege sind. Wir. haben die Empfindung: Ja, eigentlich ist das erst unser eigenes Selbst, eigentlich ist das erst der richtige Mensch, der uns da entgegenkommt. Wir sind nur scheinbar in die Haut eingeschlossen, wenn wir im physischen Leibe leben. In Wahrheit füllt unser ganzes Wesen die Welt aus und es kommt uns entgegen, wenn wir in der geschilderten Weise in den okkulten Zustand übergehen. Es kommt uns von allen Seiten etwas entgegen. — Das ist es, was als gewisse Empfindung auftritt: Ausbreitung des geistigen Lebens und wiederum Zusammenziehung desselben.
[ 31 ] As clairvoyants, we then have a very strange sensation when we see something like a world-skin approaching from all sides; not an outer world-skin, but something that presses in like sounds. Then we have a very peculiar sensation; and the fact that we have this is a sign that we are on the right path. We have the sensation: Yes, actually that is our own true self; actually that is the true human being coming toward us. We are only seemingly enclosed within the skin when we live in the physical body. In truth, our entire being fills the world, and it comes toward us when we pass into the occult state in the manner described. Something comes toward us from all sides. — This is what appears as a certain sensation: the expansion of spiritual life and, in turn, its contraction.
[ 32 ] Das ist es, was wir erleben, und wir verbinden damit einen bestimmten Begriff, weil es uns wie sinnvolle Worte entgegenkommt, die nur geistig zu uns tönen, den Begriff «unaussprechliches Wort», «unaussprechliche Sprache».
[ 32 ] This is what we experience, and we associate a specific concept with it because it strikes us as meaningful words that resonate with us only intellectually: the concept of the “inexpressible word,” the “inexpressible language.”
[ 33 ] Nun, sehen Sie, so wie der Mensch eine gewisse Erbschaft hat, von der ich eben gesprochen habe, die nicht von irdischen Kräften herrührt und von seinem irdischen Wesen, sondern von vorirdischen Zuständen, die an der Bildung seines Gehirns mitwirkten, wie wir das charakterisiert haben, so hat er auch als Erbschaft Kräfte in sich, welche von vorirdischen Zuständen herrühren und welche jetzt nicht arbeiten in seinem Gehirn, sondern in seinem Herzen. Das Herz ist ein sehr kompliziertes Organ, und ebenso wie im Gehirn nicht allein tätig sind die irdischen Kräfte, sondern auch vorirdische Kräfte, obwohl wir uns zur äußeren Forschung nur dessen bedienen, was aus dem Irdischen kommt, so sind auch im Herzen vorirdische Kräfte tätig. Das was der Mensch braucht, um irdische Luft, irdische Nahrung aufzunehmen, um den Organismus des Lebens wegen gegenüber den Erdenelementen zu versorgen, das hat er von irdischen Kräften. Damit der Mensch das wahrnehmen kann, was jetzt mit dem Worte «unaussprechliches Wort» belegt worden ist, muß nicht nur aus seinem Gehirn das herausgequetscht werden, was seine höheren Seelenglieder sind, sondern auch aus seinem Herzen.
[ 33 ] Well, you see, just as human beings possess a certain inheritance—which I just mentioned—that does not stem from earthly forces or from their earthly nature, but from pre-earthly conditions that contributed to the formation of their brain, as we have described, so too does he possess, as an inheritance, forces within him that originate from pre-earthly states and which are now active not in his brain but in his heart. The heart is a very complex organ, and just as in the brain it is not only earthly forces that are active but also pre-earthly forces—even though in external research we make use only of what comes from the earthly realm—so too are pre-earthly forces active in the heart. What the human being needs to take in earthly air and earthly food, to sustain the organism of life in relation to the earthly elements, he derives from earthly forces. In order for a human being to perceive what has now been designated by the term “inexpressible word,” not only must what constitutes the higher soul members be drawn out of the brain, but also from the heart.
[ 34 ] Man kann lange Zeit als Hellseher das geistige Licht wahrnehmen, wenn man aus seinem Gehirn seine höheren Leibesglieder herausgequetscht hat. Wenn aber noch mit dem Herzen fest verbunden bleiben diese höheren Leibesglieder wie im gewöhnlichen Leben, dann hat man es mit Hellsehern zu tun, die da sehen mit ihren vom Gehirn frei gewordenen Seelenkräften das flutende Licht, die aber nicht das von allen Seiten herankommende unaussprechliche Wort vernehmen können. Das fangen sie erst an zu hören, wenn die höheren übersinnlichen Menschenkräfte auch aus dem Herzen herausgequetscht sind. Das was das Herz befähigt, herauszuquetschen diese höheren übersinnlichen Glieder, so daß der Mensch lernt, ein Seelenleben zu entfalten, das nicht an das Instrument seines Herzens gebunden ist, das hängt mit einem höheren Herzensorganismus zusammen. Das was als gewöhnliches Seelenleben auf dem physischen Plane vorhanden ist, ist an das Organ des Herzens gebunden. Wenn die Menschen aus ihrem physischen Herzen die höheren Leibesglieder werden freimachen können, dann werden sie lernen, ein Seelenleben zu empfinden, das an einen höheren Herzensorganismus als an den physischen Herzmuskel und an das Blut gebunden ist. Wenn der Mensch lernt, mit seiner Seele zu erleben seine Herzenskräfte, die höher sind als die, welche an das physische Herz gebunden sind, dann lernt er dasjenige wirklich kennen, was um ihn herum sich geltend macht wie ein von allen Seiten herankommendes unaussprechliches Wort.
[ 34 ] One can perceive the spiritual light for a long time as a clairvoyant if one has squeezed one’s higher physical members out of one’s brain. But if these higher limbs of the body remain firmly connected to the heart, as in ordinary life, then one is dealing with clairvoyants who, with their soul powers freed from the brain, see the flooding light, but who cannot hear the ineffable word approaching from all sides. They begin to hear this only when the higher supersensory powers of the human being have also been squeezed out of the heart. That which enables the heart to squeeze out these higher supersensory limbs, so that the human being learns to unfold a soul life that is not bound to the instrument of the heart, is connected with a higher heart organism. What exists as ordinary soul life on the physical plane is bound to the organ of the heart. When human beings are able to free the higher bodily members from their physical heart, then they will learn to experience a soul life that is bound to a higher heart organism rather than to the physical heart muscle and the blood. When a person learns to experience with their soul the powers of the heart that are higher than those bound to the physical heart, then they truly come to know that which asserts itself around them like an ineffable word approaching from all sides.
[ 35 ] Das also hängt ab von der Emanzipation unserer übersinnlichen Menschenglieder von dem Herzen. Während die Wahrnehmung des übersinnlichen Lichtes von der Emanzipation unseres höheren Menschen von dem physischen Gehirn abhängt, hängt die Wahrnehmung des unaussprechlichen Wortes von der Emanzipation unserer höheren Glieder von dem physischen Herzen ab.
[ 35 ] This, then, depends on the emancipation of our supersensible human faculties from the heart. While the perception of the supersensible light depends on the emancipation of our higher self from the physical brain, the perception of the ineffable Word depends on the emancipation of our higher faculties from the physical heart.
[ 36 ] Geradeso wie es Menschen gibt, welche, nur sozusagen unbewußt, etwas in sich haben von den vorirdischen Kräften der Gehirnbildung, so gibt es eben auch Menschen, die etwas in sich haben von vorirdischen Kräften der Herzensorganisation, der Herzensbildung. Und diese Menschen sind viel zahlreicher, als man gewöhnlich annimmt. Wenn es heute keine solche Menschen gäbe, die diese alten Erbstücke an sich hätten und an denen sie, aus Gründen, die wir noch anführen werden, besonders heute arbeiten, dann gäbe es keine Theosophen, dann säßen Sie alle nicht da. Denn der Grund, warum Sie dasitzen, ist kein anderer als der, daß Sie einmal empfunden haben, wenn Ihnen ein theosophisches Buch in die Hand gekommen ist, oder wenn Ihnen in einem Vortrage eine Mitteilung zugeflossen ist aus der Theosophie, etwas von jener uralten Erbschaft, die in Kräften besteht, welche an Ihrem Herzen gearbeitet haben, schon bevor die Erde sich gebildet hat. Sie haben gleichsam, indem Sie ergriffen worden sind von irgend etwas, was Ihnen durch die Theosophie zugeflossen ist, in sich etwas erlebt — so wie die Philosophen jene Schattenbilder erleben, von denen gesprochen worden ist —, Sie haben erlebt die Schattenbilder dessen, was, Ihnen unbewußt, der Herzenshellseher in Ihnen vernehmen könnte, nicht durch Worte, die in irgendeiner Sprache zu Ihnen gesprochen worden sind. Sie haben da etwas ganz Besonderes durchgehört, sonst wären Sie nicht Theosophen geworden. Sie haben gehört, daß dieses äußere Wort nur ein äußerer Nachklang dessen ist, was erforscht worden ist durch das hellseherische Herz, ein Nachklang dessen, was aus den Gebieten des Okkultismus heraus stammt, was mit den vorirdischen Herzenskräften erforscht worden ist und was zu Ihnen gesprochen hat in den Schattenbildern, die Sie selber erleben können. Sie haben durch das äußere Wort hindurch gehört das innere Wort. Durch das gesprochene Wort haben Sie vernommen den Nachklang des unaussprechlichen Wortes; durch Menschensprache, in Menschenwort haben Sie gehört dasjenige, was gehört worden ist in Göttersprache aus Götterwelten.
[ 36 ] Just as there are people who, so to speak unconsciously, possess within themselves something of the pre-earthly forces of brain development, so too are there people who possess within themselves something of the pre-earthly forces of heart organization and heart development. And these people are far more numerous than is generally assumed. If there were no such people today who possess these ancient legacies and who, for reasons we shall yet mention, are working on them especially today, then there would be no Theosophists, and you would not all be sitting here. For the reason you are sitting here is none other than that you once felt, when a theosophical book came into your hands, or when a message from theosophy reached you in a lecture, something of that ancient heritage consisting of forces that worked upon your heart even before the Earth was formed. You have, as it were, by being moved by something that has come to you through Theosophy, experienced something within yourselves—just as the philosophers experience those shadow images of which it has been spoken—you have experienced the shadow images of what, unbeknownst to you, the clairvoyant of the heart within you could perceive, not through words spoken to you in any language. You have heard something very special there; otherwise, you would not have become theosophists. You have heard that this outer word is merely an outer echo of what has been explored by the clairvoyant heart, an echo of what originates from the realms of the occult, what has been explored with the pre-earthly powers of the heart, and what has spoken to you in the shadow images that you yourself can experience. Through the outer word, you have heard the inner word. Through the spoken word you have heard the echo of the ineffable word; through human language, in human words, you have heard that which has been heard in the language of the gods from the worlds of the gods.
[ 37 ] Und wenn auch die Menschen, die heute in ehrlicher und aufrichtiger Weise sich hingezogen fühlen zu theosophischem Streben, dies nicht immer wissen, daß in ihnen unbewußt etwas sozusagen hellseherisch schon arbeitet, so ist es bei diesen Menschen gerade so, wie es bei den Philosophen ist, die die Schattenbilder des unbewußten hellseherischen Gehirnes sehen und nicht wissen, in welchem eigentümlichen Gedankenelemente sie eigentlich leben. Weil das Gehirn leichter den Erdenkräften zugänglich ist, durch Erdenkräfte leichter affiziert wird, daher leichter zu einem irdischen Organe gemacht wird als das Herz, das schwer zugänglich ist für irdische Kräfte, daher kommt es auch, daß, insbesondere in unserer Gegenwart, die Menschen dadurch, daß sie nach Erdengesetzen forschen und mit äußerem Wissen ihr Gehirn beschäftigen, die irdischen Teile des Gehirns so stark machen, daß dasjenige, was überirdisches Gehirn ist, ganz und gar abgelähmt wird im Inneren. Durch das, was die Theosophie herunterbringen wird, weil das Herz viel weniger zugänglich ist für die Verarbeitung der irdischen Kräfte, kann man, indem man von 'Theosophie spricht, viel leichter den Zugang zu den menschlichen Seelen finden als durch die bloße Philosophie. Denn wenn die Menschen durch die rein materiellen Interessen des äußeren Lebens sich nicht verlegt haben, was in der geschilderten Weise zu ihren Herzen sprechen kann, so werden sie immer empfänglich sein, insbesondere in unserer Zeit, für die theosophischen Wahrheiten. Diese theosophischen Wahrheiten können von jedem verstanden werden, nur nicht von denen, welche sich durch äußere materielle Interessen in dieser oder jener Form zu sehr engagiert haben, sei es durch theoretisch-materielle Interessen, sei es durch Lebensinteressen, die rein im Materiellen aufgehen. Nur solche Menschen können sie nicht verstehen, welche sich haben gefangennehmen lassen von diesen Interessen, Menschen, die für nichts Sinn haben als für diese äußeren materiellen Interessen. Ihnen breitet sich ein Nebel aus über das, was das Herz entfalten soll, wenn es von der Theosophie ergriffen wird.
[ 37 ] And even if people who today feel drawn to theosophical pursuits in an honest and sincere way do not always realize that something, so to speak, clairvoyant is already at work within them unconsciously, the situation with these people is exactly the same as with philosophers who see the shadows cast by the unconscious clairvoyant brain and do not know in what peculiar thought-elements they actually live. Because the brain is more easily accessible to earthly forces and is more easily affected by them, and is therefore more easily turned into an earthly organ than the heart, which is difficult for earthly forces to access—this is why, especially in our present age, people, by researching earthly laws and engaging their brains with external knowledge, strengthen the earthly parts of the brain to such an extent that the part of the brain that is super-earthly is completely paralyzed within. Through what Theosophy will bring down—because the heart is far less susceptible to the influence of earthly forces—one can, by speaking of ‘Theosophy,’ find access to human souls much more easily than through mere philosophy. For if people have not, through the purely material interests of external life, closed themselves off to what can speak to their hearts in the manner described, they will always be receptive, especially in our time, to theosophical truths. These theosophical truths can be understood by everyone, except those who have become too deeply entangled in external material interests in one form or another, whether through theoretical-material interests or through life interests that are purely absorbed in the material. Only those people cannot understand them who have allowed themselves to be ensnared by these interests, people who have no sense for anything other than these external material interests. A fog spreads over them regarding what the heart is meant to unfold when it is seized by Theosophy.
[ 38 ] Daher muß man, um Philosophie zu verstehen, etwas haben, was den eigentümlichen Gebilden, von denen vorhin gesprochen worden ist, entgegenkommt und Schattenbilder von ihnen entwirft; man muß gewissermaßen sein Gehirn dressiert haben auf feinere Gedanken hin, in denen sich abschatten können die höheren, überphysischen Kräfte. Nun wissen Sie aber, daß die Menschen in den wenigsten Fällen das Gehirn so dressieren. Um Theosophie zu verstehen, braucht man keine Vorbildung. Um wahr zu finden, um zu verstehen das, was aus den okkulten Forschungen herausgeholt ist, wenn die okkulten Forscher ihre höheren Kräfte, ihre geistigen Leibesglieder emanzipiert haben von ihrem Herzen und Gehirn, brauchen die Menschen bloß nicht abgelenkt zu sein durch das äußere Leben, nicht aufzugehen im äußeren Leben. Der schlichteste, einfachste Mensch hat solche Kräfte, die hinreichen, die Theosophie zu verstehen. Er braucht nicht wissenschaftlich gebildet zu sein. Jeder kann, wenn er nur nicht mit Vormeinungen, mit Vorurteilen der Sache entgegenkommt, gewisse theosophische Wahrheiten verstehen. Denn diese theosophischen Wahrheiten sind in den gewöhnlichen Erlebnissen wie in Schattenbildern wiedergegebene Tatsachen der okkulten Forschung, die herrühren von dem unaussprechlichen Worte, das dann gehört wird — wenn wir das Wort vergleichsweise gebrauchen dürfen —, wenn der Mensch freigemacht hat, emanzipiert hat seine höheren Leibesglieder von dem physischen Herzen, wenn er also nicht nur leben kann in einem überphysischen Gehirn, sondern leben kann in einem überphysischen Herzensorgan.
[ 38 ] Therefore, in order to understand philosophy, one must possess something that corresponds to the peculiar constructs mentioned earlier and casts shadows of them; one must, so to speak, have trained one’s brain to perceive finer thoughts in which the higher, superphysical forces can be reflected. But you know that people rarely train their brains in this way. To understand theosophy, one needs no prior education. To find truth, to understand what has been gleaned from occult research—when occult researchers have emancipated their higher powers, their spiritual limbs, from their heart and brain—people need only not be distracted by external life, not be absorbed in external life. The simplest, most ordinary person possesses sufficient powers to understand Theosophy. They need not be scientifically educated. Anyone can understand certain theosophical truths, provided they do not approach the subject with preconceptions or prejudices. For these theosophical truths are facts of occult research reflected in ordinary experiences as if in shadow images, arising from the ineffable Word that is then heard—if we may use the word figuratively— when the human being has liberated, has emancipated his higher bodily members from the physical heart, when he can thus not only live in a superphysical brain, but can live in a superphysical heart organ.
[ 39 ] Richtige, logische Ausdrücke zu finden gerade für wissenschaftliche Begriffe, um das auszudrücken, was durch das überphysische Herz erforscht ist, dazu wird notwendig sein, daß man bekannt ist mit solchen wissenschaftlichen Begriffen. Aber selbst darauf kommt es in der Theosophie nicht an. Die wichtigsten theosophischen Wahrheiten können tatsächlich in einfache Begriffe gekleidet werden, und Sie wissen, wie wenig man dazu braucht, um hinreichendes Verständnis zu haben für die Grundwahrheiten der Theosophie. Das meiste, was wir oftmals vorbringen, ist ja eigentlich nicht nur dazu bestimmt, bloß für einfache schlichte Gemüter Überzeugungen hervorzurufen; die können schon sehr bald da sein. Bei einer gesunden Seele werden sie immer da sein; bei einer Seele, die nicht krank gemacht ist durch materielle Interessen, werden sie immer da sein. Was aber notwendig ist in unserer Zeit, ist, daß die Theosophie auch Schutz gegen die ungerechten Angriffe einer vermeintlich auf ihrem Recht bestehenden Wissenschaft finde. Wir müssen die einfachen, schlichten, leicht zu begründenden theosophischen Wahrheiten so vor die Welt hinstellen, daß sie zeigen, sie können sich halten, wenn man subtil und durchaus klar und richtig denkt. Allerdings, das letztere muß von den Menschen verlangt werden. Ein rastloses, ordentliches Denken muß verlangt werden, damit man einsehen kann, daß es keine Wahrheit gibt, die im Widerspruch steht mit dem, was Theosophie ist. Aber ein solches Denken ist, ich möchte nicht nur sagen, außerordentlich wenig vorhanden, sondern es ist sogar außerordentlich schwer zu erreichen. Die Art, wie äußere wissenschaftliche Vorurteile zwar nicht mit persönlicher Autorität, aber mit unangreifbarer äußerer Autorität auftreten, mit einer Autorität, die an unbestimmten Dingen haftet, die ist allerdings sehr verbreitet; und es ist geradezu gewaltig, was dadurch an Vorurteilen hervorgebracht wird.
[ 39 ] To find accurate, logical expressions—especially for scientific terms—that convey what has been explored through the superphysical heart, it will be necessary to be familiar with such scientific terms. But even that is not essential in Theosophy. The most important theosophical truths can indeed be clothed in simple terms, and you know how little is needed to gain a sufficient understanding of the fundamental truths of Theosophy. Most of what we often present is not actually intended merely to evoke convictions in simple, unassuming minds; those can arise very quickly. In a healthy soul, they will always be present; in a soul that is not sickened by material interests, they will always be present. But what is necessary in our time is that Theosophy also find protection against the unjust attacks of a science that supposedly stands on its own rights. We must present the simple, straightforward, easily justified theosophical truths to the world in such a way that they demonstrate they can stand up to scrutiny when one thinks subtly, clearly, and correctly. Of course, the latter must be demanded of people. Restless, orderly thinking must be demanded so that one can see that there is no truth that contradicts what Theosophy is. But such thinking is, I would not only say, exceedingly rare, but it is even exceedingly difficult to achieve. The way in which external scientific prejudices arise—not through personal authority, but through unassailable external authority, an authority attached to vague concepts—is indeed very widespread; and the sheer magnitude of the prejudices this engenders is truly immense.
[ 40 ] So sehen wir, daß selbstverständlich diejenigen, die sich auszukennen glauben auf dem Gebiete einer besonderen Wissenschaft, oder die in populärer Weise sich bekanntgemacht haben mit irgendwelchen Ergebnissen der Wissenschaft, auch glauben, mit ihrem Denken so weit zu sein, daß sie durchschauen können die Beziehungen von 'Theosophie zur Wissenschaft. Das können die Menschen aber gewöhnlich nicht, weil ein klares, geordnetes Denken keineswegs in der heutigen Zeit so weit verbreitet ist, als man glauben möchte. Gewisse Wissenschaften kann man heute mit einem recht ungeordneten Denken treiben, mit einem Denken, das herangebildet ist in dem engen Rahmen einer Spezialwissenschaft, und das nicht über den engen Rahmen dieser Wissenschaft hinausreicht. Und ein literarisch Tätiger, ein schreibender Mensch, ein Mensch, der heute dieses oder jenes publiziert, kann man schon sein, wenn man mit seinem Denken wirklich gar nicht sonderlich weit ist. Denn ob geordnetes, richtiges Denken hinter dem ist, was heute scheinbar geistig produziert wird, danach forschen gewöhnlich die Menschen gar nicht, weil man sozusagen kein Spürvermögen dafür hat. Es gehört nicht viel dazu, dieses Spürvermögen zu haben; man kann es wie eine Art Instinkt haben; aber es wird nur verstärkt dieses Spürvermögen, wenn man ein wenig mit okkulter Forschung und okkulten Kräften vertraut ist.
[ 40 ] Thus we see that, naturally, those who believe they are well-versed in a particular field of science, or who have become familiar in a popular sense with certain scientific findings, also believe that their thinking has reached a level where they can grasp the relationship between theosophy and science. But people are usually unable to do this, because clear, orderly thinking is by no means as widespread in today’s world as one might like to believe. Certain sciences can be pursued today with a rather disordered way of thinking—a way of thinking that has been shaped within the narrow confines of a specialized science and does not extend beyond those confines. And one can certainly be a literary figure, a writer, a person who publishes this or that today, even if one’s thinking is really not particularly advanced. For people usually do not even seek to determine whether orderly, correct thinking lies behind what is seemingly produced intellectually today, because they lack, so to speak, any sense for it. It does not take much to possess this intuition; one can have it as a kind of instinct; but this intuition is only strengthened when one is somewhat familiar with occult research and occult forces.
[ 41 ] Lassen Sie mich im Zusammenhang mit dem, was ich jetzt gesagt habe, eine Bemerkung machen, die nur dazu dienen soll, zu illustrieren, wie einem, wenn man ein bißchen Empfindung hat, manchmal sonderbare Dinge begegnen können. Es ist zwar ein recht unbedeutendes Erlebnis, was ich zu sagen habe, aber es ist doch bezeichnend. Ich ging gestern vormittag durch eine Straße. Mein Blick fiel, sagen wir unwillkürlich, auf eine bestimmte Stelle des Schaufensters einer Buchhandlung. Und siehe da, ich fühlte, wie wenn mich etwas stechen würde, wie wenn mich eine Bremse oder eine Biene stechen würde. Ich meine den Vorgang geistig. Nun war ich neugierig, was da gestochen hat. Zunächst war ich nicht klar darüber, was aus diesem Schaufenster heraus gestochen haben kann, und ich schaute zu und fand, daß da eine Broschüre lag. An dieser Broschüre fiel mir ein Motto auf, und dieses Motto schien mir so, als ob es zur Verteidigung der Gesinnung dieser Broschüre bestimmt wäre, als ob der Autor dieses Motto bestimmt haben wollte zur Bezeichnung seiner Gesinnung. Warum hat aber nun das Motto gestochen? Wir werden gleich darüber klarwerden. Es steht nämlich folgendes darauf:
[ 41 ] In connection with what I have just said, let me make a remark intended solely to illustrate how, if one has even a little sensitivity, one can sometimes encounter strange things. What I have to say is, admittedly, a rather insignificant experience, but it is nonetheless telling. I was walking down a street yesterday morning. My gaze fell—let’s say involuntarily—on a certain spot in the window of a bookstore. And lo and behold, I felt as if something were stinging me, as if a horsefly or a bee were stinging me. I mean this in a mental sense. Now I was curious about what had stung me. At first, I wasn’t sure what could have stung me from that window, and I looked closer and found that there was a brochure there. A motto on this brochure caught my eye, and this motto struck me as if it were intended to defend the sentiment of the brochure, as if the author had intended this motto to express his sentiment. But why did the motto sting? We will soon find out. It reads as follows:
Ein Kerl, der spekuliert, ist wie ein Tier, auf dürrer Heide
Von einem bösen Geist im Kreis herumgeführt,
Und ringsumher liegt schöne, grüne Weide.
A man who speculates is like an animal on a barren heath
Led in circles by an evil spirit,
While all around lies a beautiful, green pasture.
[ 42 ] Darunter steht: Goethe, «Faust». Aber wer sagt es denn im «Faust»? Mephisto! — Es ist kein Ausspruch, auf den man sich berufen darf, wenn man auf Goethe Bezug nehmen will. Es ist ein Ausspruch, der dem Mephisto in den Mund gelegt wird. Wenn ihn also jemand dazu verwendet, ihn im guten, richtigen Sinne zu benützen, dann denkt er nicht ordentlich. Er will sich auf Goethe berufen; aber innere Gründe zwingen ihn dazu, sich nicht auf Goethe, sondern auf Mephisto, den Teufel zu berufen. Das zeigte mir, daß es da mit dem Denken etwas hapert. Der Stich rührte von einem undisziplinierten, ganz unordent lichen Denken her.
[ 42 ] Below that it says: Goethe, *Faust*. But who says it in *Faust*? Mephisto! — It is not a saying one may cite when referring to Goethe. It is a saying put into Mephisto’s mouth. So if someone uses it, intending to use it in a good, proper sense, then they are not thinking clearly. They want to invoke Goethe; but inner reasons compel them to invoke not Goethe, but Mephisto, the devil. This showed me that there is something amiss with their thinking. The remark stemmed from undisciplined, completely disordered thinking.
