Man in the Light of
Occultism, Theosophy and Philosophy
GA 137
4 June 1912, Oslo
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Man in the Light of Occultism, Theosophy and Philosophy, tr. SOL
Zweiter Vortrag
Second Lecture
[ 1 ] Das erste, was notwendig ist, damit wir den Menschen nach den drei Gesichtspunkten, nach dem okkulten, dem theosophischen und dem philosophischen Gesichtspunkt betrachten können, wird sein, daß wir von dem okkulten Gesichtspunkte sprechen; und es wird sich empfehlen, heute zunächst von diesem okkulten Gesichtspunkte so zu sprechen, daß geschildert wird, wie in allem bisherigen Leben der Menschheitsentwickelung der eine oder der andere Mensch dazu gekommen ist, sich selbst bis zu diesem okkulten Gesichtspunkte, bis zur okkulten Anschauung der Welt zu erheben.
[ 1 ] The first thing necessary for us to be able to view human beings from the three perspectives—the occult, theosophical, and philosophical—will be to speak from the occult perspective; and it would be advisable today to begin by speaking of this occult perspective in such a way as to describe how, throughout the entire course of human development to date, one person or another has come to elevate themselves to this occult perspective, to the occult view of the world.
[ 2 ] Wir haben es ja schon in dem vorbereitenden einführenden Vortrage gesagt, daß in der verflossenen Menschheitsentwickelung naturgemäß immer nur wenige es waren, welche für reif befunden worden sind, teilnehmen zu dürfen an den Vorgängen der Mysterien, an den Vorgängen der okkulten Lehr- und Erziehungsstätten, die eben den Menschen zur okkulten Anschauung hinaufführten. Von der Entwickelung dieser wenigen also wollen wir zunächst sprechen.
[ 2 ] As we already mentioned in the preparatory introductory lecture, throughout the course of human development, it has naturally always been the case that only a few were deemed ready to participate in the rituals of the Mysteries, in the activities of the occult schools and training centers that led people toward occult insight. So let us first speak of the development of these few.
[ 3 ] Es ist ja auch aus dem Geiste mancher anderer Vorträge, die von mir gehalten worden sind, klar, daß wir gerade jetzt an einem Zeitpunkte stehen, wo durch die Popularisierung des theosophischen Elementes immer mehr und mehr Menschen teilnehmen müssen an dem okkulten Leben, viel mehr als die wenigen, die im Verlaufe der vergangenen Menschheitsentwickelung daran teilgenommen haben. So geht also heute dasjenige, was wir zu betrachten haben, jeden theosophisch Interessierten an, jeden Menschen, der in unserer Zeit fühlt, daß auch das okkulte Wissen, das Wissen von den verborgenen Seiten des Daseins, in der Zukunft in einer gewissen Beziehung eben nicht mehr verborgen bleiben darf, sondern daß es, den Anforderungen der weiterentwickelten Menschheit entsprechend, immer mehr und mehr Verbreitung gewinnen muß.
[ 3 ] It is clear from the spirit of many other lectures I have given that we are now at a point in time when, due to the popularization of theosophical ideas, more and more people must participate in the occult life—far more than the few who have done so in the course of humanity’s past development. Thus, what we are considering today concerns everyone interested in theosophy, every person who feels in our time that occult knowledge—knowledge of the hidden aspects of existence—must, in a certain sense, no longer remain hidden in the future, but must, in accordance with the demands of a further-developed humanity, become increasingly widespread.
[ 4 ] Der Mensch, welcher nun zu dem okkulten Wissen kommen sollte, hatte vor allen Dingen den Blick zu richten von der äußeren Welt auf die eigenen Seelenkräfte. Da er aber in der äußeren Welt ein handelnder Mensch blieb, so war im Grunde genommen seine okkulte Entwickelung, man möchte sagen, seine eigene Sache, die Sache, die er für sich hatte. In der äußeren Welt blieb er ein Mensch unter anderen Menschen, ein Mensch mit den Pflichten, die das Leben einmal über ihn gebracht hatte. Dies kam schon in besonders starker Weise zum Ausdruck beim allerersten, das der okkult sich entwickelnde Mensch mit Bezug auf seine Seelenkraft zu tun hatte.
[ 4 ] The person who was now to come to occult knowledge had, above all, to turn his gaze from the outer world to his own soul forces. But since he remained an active person in the outer world, his occult development was, so to speak, his own affair—a matter he had to deal with on his own. In the outer world, he remained a human being among other human beings, a human being with the duties that life had once placed upon him. This was already expressed in a particularly strong way in the very first thing the occultly developing human being had to do with regard to his soul power.
[ 5 ] Das erste nämlich, was einem solchen Menschen oblag, das kann man in die Worte kleiden: Er hatte sich zu versöhnen mit seinem Karma in bezug auf alles, was seinen Willen betrifft. Also Versöhnung mit seinem Karma — seinem Schicksal, könnten wir auch sagen — war das erste, was oblag dem okkult sich entwickelnden Menschen.
[ 5 ] The first thing such a person had to do, to put it in words, was to reconcile himself with his karma in regard to everything pertaining to his will. Thus, reconciliation with his karma—his destiny, we might also say—was the first thing required of the person developing occultly.
[ 6 ] Nun brauchen Sie nicht etwa zu denken, daß man zu dieser Versöhnung mit seinem Karma gleich eine ausgesprochen umfassende Theorie vom Karma braucht. Das, was man in diesem Zusammenhange «Versöhnung mit seinem Karma» nennt, ist vielmehr eine besondere Art von Kultur, von Erziehung, von Selbsterziehung der Empfindungen und Gefühle. Wenn Sie in Betracht ziehen, daß der Mensch einmal beginnt mit seiner okkulten Entwickelung, so werden Sie zugeben, daß er vor dem Zeitpunkte, in dem er mit seiner Entwickelung beginnt, nach Art der äußeren Menschen gelebt hat, so gelebt hat, wie eben der Mensch unter Menschen lebt; das heißt, er hat diese oder jene Position im Leben eingenommen, diese oder jene Gedanken zu den seinigen machen müssen, weil ihm diese Gedanken die Möglichkeiten gaben, die äußeren Handlungen, die er für seinen Beruf oder für seine sonstige Position im Leben zu erfüllen hatte, wirklich zu erfüllen. Er hat ferner gewisse Pflichten, einen Pflichtenkreis anerkannt, den ihm die Sitte oder seine Gemeinschaft gegeben hat. Von vornherein kann angenommen werden, daß ein Mensch, der nicht gerade in Einklang sich befunden hatte mit dem, was die Mitwelt von ihm verlangte, der also nicht ein pflichtgetreuer Mensch war, nicht den Drang haben wird, sich okkult zu entwickeln. In der Regel waren die Menschen, die aufgerufen werden konnten zur okkulten Entwickelung, solche, welche wirkliche Geschicklichkeiten hatten für ihre Lebensposition und welche auch geneigt waren, sich dem durch Sitte und Gesellschaftsordnung vorgeschriebenen Pflichtenkreise anzupassen. In dem aber, was im Menschen ist als seine Fähigkeiten, seine Geschicklichkeiten in seiner Lebensposition, in dem, was um den Menschen ist als der von ihm anerkannte Pflichtenkreis, liegt eigentlich das positive Karma, in das der Mensch hineingestellt worden ist. Darin drückt sich sein Karma aus.
[ 6 ] Now, you need not think that this reconciliation with one’s karma requires a particularly comprehensive theory of karma. What is referred to in this context as “reconciliation with one’s karma” is rather a special kind of culture, of education, of self-education of one’s sensations and feelings. If you consider that a person begins their occult development at some point, you will admit that before the moment they began their development, they lived in the manner of ordinary people, lived just as people live among other people; that is to say, they have assumed this or that position in life, have had to make these or those thoughts their own, because these thoughts gave them the means to truly carry out the external actions they had to perform for their profession or for their other position in life. Furthermore, they have recognized certain duties, a sphere of obligations, which custom or their community has imposed upon them. It can be assumed from the outset that a person who was not exactly in harmony with what the world around him demanded of him—that is, who was not a dutiful person—will not have the urge to develop occultly. As a rule, the people who could be called upon for occult development were those who possessed real skills for their life situation and who were also inclined to adapt to the sphere of duties prescribed by custom and social order. But in what is within the human being—his abilities, his skills in his life situation—and in what surrounds the human being—the sphere of duties he acknowledges—lies, in fact, the positive karma into which the human being has been placed. This is where his karma is expressed.
[ 7 ] Das erste, was man nun verlangte und auferlegte dem, der gewissermaßen heraustreten sollte aus dieser bloßen Lebensposition und eintreten in die Erforschung der geistigen Welt, war, daß er dieses sein Lebenskarma in einer gewissen Weise aufrechterhielt, das heißt, sich selbst und denen, welche ihm die Hand boten, in die okkulte Welt einzudringen, das Versprechen gab, zunächst, wohlgemerkt, das, was auf dem Felde okkulter Forschung gewonnen wird, nicht in der äußeren Lebensposition zu benutzen, sondern so sollte er den Willen einrichten, daß ein Mensch, der draußen steht und beobachtet einen solchen, der okkult sich entwickelt, keinen merklichen Unterschied gewahr wird zwischen der Art, wie der okkult sich entwickelnde Mensch früher sich verhalten hat in seiner Lebensposition und wie er sich später verhält, nachdem er schon einige Schritte in der okkulten Erforschung gemacht hat.
[ 7 ] The first thing that was demanded and required of the one who was, so to speak, to step out of this mere position in life and enter into the exploration of the spiritual world was that he maintain his life karma in a certain way, that is, to give a promise—first and foremost, mind you—to himself and to those who offered him a hand to enter the occult world, that he would not use what is gained in the field of occult research in his outer life situation; rather, he was to direct his will in such a way that a person standing outside and observing one who is developing occultly would perceive no noticeable difference between the way the occultly developing person previously behaved in their daily life and how they behave later, after having already taken a few steps in occult research.
[ 8 ] Also nicht eingreifen mit dem, was einem die okkulte Erforschung an die Hand gibt, in das äußere Leben des physischen Planes: das ist Versöhnung mit seinem Karma, das ist die Resignation darauf, Vorteile zu erzielen in der äußeren Lebensposition durch okkulte Mittel.
[ 8 ] Therefore, do not use what occult research provides to interfere with external life on the physical plane: this is reconciliation with one’s karma; it is the acceptance that one cannot gain advantages in one’s external life through occult means.
[ 9 ] Wir werden schon sehen, daß ein gewisser Fortschritt in der äußeren Lebensposition dennoch auf einem regulären, auf einem richtigen Wege eintritt. Aber darum handelt es sich bei dem nicht, was als eine bewußte Verpflichtung derjenige zu übernehmen hatte, der zum okkulten Wege zugelassen wurde. «Du sollst nicht deine okkulte Entwickelung dazu benutzen, einen Vorsprung zu erringen über deine Mitstrebenden im Leben draußen, sondern du sollst dich im Leben draußen nach denselben Regeln richten, nach denen du dich bisher gerichtet hast», das wurde immer und immer wieder denen eingeprägt, die eine okkulte Entwickelung durchmachten. Damit war schon der erste Verzicht geleistet, den der okkult sich Entwickelnde zu leisten hatte, denn damit hatte er gleich von vornherein aufgegeben, die Mittel des okkulten Lebens im egoistischen Sinne zur Anwendung zu bringen.
[ 9 ] We shall see that a certain degree of progress in one’s external life will nevertheless occur in a regular, proper manner. But that is not the point of the conscious commitment that one who has been admitted to the occult path had to undertake. “You shall not use your occult development to gain an advantage over your fellow seekers in outer life, but you shall conduct yourself in outer life according to the same rules by which you have conducted yourself up to now”—this was impressed upon those undergoing occult development time and time again. This constituted the first sacrifice that the occult initiate had to make, for in doing so, he had immediately renounced, from the very outset, the use of the means of the occult life for selfish ends.
[ 10 ] Das, was jetzt gesagt worden ist, müssen Sie ganz genau und wörtlich verstehen, man möchte sagen, nichts davon wegnehmen und nichts hinzufügen. Dann werden Sie bemerken, daß es sich bezieht auf dasjenige, was der Betreffende durch das ihm auferlegte Karma zunächst in der äußeren Welt zu leisten in der Lage ist oder wozu er verpflichtet ist.
[ 10 ] You must understand what has just been said very precisely and literally; one might say, without taking anything away or adding anything. Then you will notice that it refers to what the person in question is initially capable of accomplishing in the outer world—or is obligated to do—as a result of the karma imposed upon them.
[ 11 ] Damit aber ist von vornherein von allem okkulten Streben der egoistische Wille des Menschen ausgeschlossen. Man hat ihn ganz bewußt ausgeschlossen. Dies allein schon, als ein vorliegendes Faktum, bewirkt eine Änderung in der Gemütsstimmung des Menschen. Denn bedenken Sie, um das einzusehen, nur das Folgende. Bisher war für den Menschen, der in die okkulte Entwickelung eintritt, der äußere Pflichtenkreis, die äußere Position im Leben gewissermaßen das einzige, dem er sich widmete, die einzige Welt, in der er lebte. Jetzt verpflichtet er sich, in dieser Welt zunächst nach denselben Regeln zu leben, nach denen er bisher gelebt hatte, und doch noch Kräfte zu ersparen für etwas anderes.
[ 11 ] This, however, excludes the egoistic will of the human being from all occult striving from the very outset. It has been deliberately excluded. This fact alone, as a given reality, brings about a change in the human being’s state of mind. For to understand this, simply consider the following. Until now, for the person entering into occult development, the sphere of external duties, the external position in life, was, so to speak, the only thing to which they devoted themselves, the only world in which they lived. Now they commit themselves to living in this world, for the time being, according to the same rules by which they had lived until now, and yet to save their strength for something else.
[ 12 ] Damit ist von vornherein für ihn eine Grenze gezogen zwischen zwei Kräftegebieten, auf denen er tätig ist. Es eröffnet sich für ihn eine Welt, um die er sich bisher gar nicht gekümmert hat, an der er bisher gar kein Interesse hatte. Das ist außerordentlich wichtig. Denn für jeden Menschen beginnt ein neuer Lebenskreis, ein neuer Lebensabschnitt, wenn in sein Leben neue Interessen eintreten, Interessen, die ihr eigenes Feld behaupten wollen.
[ 12 ] This draws a clear line for him from the outset between the two spheres of influence in which he operates. A whole new world opens up for him—one he has never paid any attention to before, one in which he has had no interest whatsoever. This is extraordinarily important. For every person, a new phase of life begins when new interests enter their life—interests that seek to establish their own domain.
[ 13 ] So also war es von vornherein gegeben, daß das Gemüt, daß die ganze Empfindungswelt, daß der Interessenkreis des Menschen in Anspruch genommen wurde für eine neue Welt, für eine Welt, in der der Mensch bisher nicht gestanden hatte. Einen äußeren Ausdruck findet diese Tatsache, von der ich Ihnen eben erzählt habe, darin, daß insbesondere die älteren Mysterien und Geheimschulen, die Lehrstätten okkulter Entwickelung, sehr streng darauf hielten, den Menschen sozusagen in keine Kollision, in keine Disharmonie zu bringen mit seinem äußeren Interessenkreise. Daher verlangten sie strenge von ihm, daß er in bezug auf alles das, was ihm auferlegte sein Beruf, was ihm auferlegte der Pflichtenkreis des Staates oder anderer Gemeinschaften, in denen er stand, im weitesten Umkreise seine Pflicht erfüllte, und Menschen, welche irgendwie zeigten, daß sie das nicht tun wollten, daß sie sich auflehnten gegenüber den äußeren Pflichtenkreisen, wurden gar nicht in die okkulten Lehrstätten aufgenommen.
[ 13 ] Thus it was a given from the very beginning that the human mind, the entire world of sensation, and the sphere of human interests would be drawn into a new world—a world in which humanity had not yet existed. This fact, which I have just described to you, finds external expression in the fact that the older mysteries and secret schools in particular—the centers of occult development—were very strict about ensuring that human beings, so to speak, were not brought into conflict or disharmony with their external sphere of interests. Therefore, they strictly required of him that, with regard to everything imposed upon him by his profession, by the duties of the state or other communities in which he stood, he fulfill his duty to the fullest extent, and people who in any way showed that they did not wish to do so, that they rebelled against their external obligations, were not admitted to the occult schools at all.
[ 14 ] Ich erzähle Ihnen damit einfach Tatsachen der bisherigen okkulten Entwickelung. Deshalb werden Sie finden, daß Menschen, welche in einer gewissen Beziehung schon im äufßerlichen Leben so auftraten, daß sie sich nach der einen oder anderen Richtung auflehnten gegen die Ordnung, innerhalb welcher sie lebten, nicht Glieder irgendeiner Mysterienschule oder einer okkulten Lehrstätte waren.
[ 14 ] I am simply telling you the facts about the history of occult development. That is why you will find that people who, in a certain sense, already behaved in their external lives in such a way that they rebelled in one direction or another against the order within which they lived were not members of any mystery school or occult institution.
[ 15 ] Das zweite, um das es sich handelte, war etwas noch weitaus Schwierigeres. Nehmen wir einmal den Menschen, wie er war, wenn er das Versprechen, von dem eben gesprochen worden ist, sozusagen sich und seinem Lehrer gegeben hatte. Dann mußte er sich sagen: In meinen Willen, wie dieser Wille auftritt auf dem physischen Plane, will ich nicht einfließen lassen dasjenige, was mir als okkultes Forschungsresultat zukommen wird. — Aber mit allem anderen, was ihm zukam als Mensch, das heißt mit seinen sämtlichen Seelenkräften, die er anwenden konnte, wie er sie früher angewandt hatte, mit Ausnahme des Willens, konnte er auch jetzt auf dem physischen Plan tätig sein. Der Wille war ihm dadurch gebunden, daß er das charakterisierte Versprechen gegeben hatte, aber alles übrige, was ihm auf dem physischen Plane zur Verfügung stand, das heißt seine Urteilskraft, seine Phantasie, sein Gedächtnis, seine Gemütsbewegungen und so weiter, mit denen er früher auf dem physischen Plane tätig war, konnte er auch jetzt noch anwenden; mit ihnen konnte er auch jetzt noch auf dem physischen Plane tätig sein.
[ 15 ] The second issue at hand was something far more difficult. Let us consider the person as he was when he had made the promise just mentioned—to himself and his teacher, so to speak. Then he had to tell himself: I will not allow what comes to me as the result of occult research to influence my will, as that will manifests itself on the physical plane. — But with everything else that came to him as a human being—that is, with all his soul powers that he could use, just as he had used them before, with the exception of the will—he could still be active on the physical plane. His will was bound by the fact that he had made the specific promise, but everything else at his disposal on the physical plane—that is, his power of judgment, his imagination, his memory, his emotions, and so on—with which he had previously been active on the physical plane, he could still use; with them he could still be active on the physical plane.
[ 16 ] Nehmen wir einmal den Verstand. Der Verstand ist das Vermögen der Seele, die Kraft der Seele, die uns befähigt, zu unterscheiden, die uns befähigt, Urteile zu gewinnen über die Tatsachen des Lebens. Ohne diesen Verstand kommen wir im äußeren Leben auf dem physischen Plane nicht aus. Wir müssen sozusagen auf Schritt und Tritt diesen unseren Verstand anwenden. Nun gewann man — so wollen wir annehmen —, wenn man ein Mitglied einer okkulten Gesellschaft, einer okkulten Schule wurde, okkulte Forschungsresultate, Erkenntnisse in dem, was man tat in der äußeren Lebensposition. Durch seinen Willen durfte man sie nicht anwenden. Aber zunächst hinderte einen nichts — wenn man sich nur zurückhielt in bezug auf seinen Willen —, seinen Verstand so zu gebrauchen, daß man die Dinge draußen und die Menschen, die einem auf dem physischen Plan entgegentraten, mit all den höheren Mitteln, die man jetzt aus der okkulten Forschung heraus hatte, verständig beobachtete. Man konnte also zwar nicht in sein Handeln, in seine Willensentschließungen die okkulten Forschungsresultate einfließen lassen; aber wie man als Geheimschüler beurteilt die Wesen des Mineralreiches, des Pflanzenreiches, des Tierreiches, wie man andere Menschen beurteilt, wie man mit seinem Verstande sich verhält in der gewöhnlichen Welt, das konnte man zunächst von der okkulten Forschung beeinflussen lassen.
[ 16 ] Let us take the intellect, for example. The intellect is the soul’s faculty, the soul’s power, which enables us to distinguish and to form judgments about the facts of life. Without this intellect, we cannot function in external life on the physical plane. We must, so to speak, apply this intellect of ours at every turn. Now, let us assume that when one became a member of an occult society or an occult school, one gained occult research results and insights into what one did in one’s external life. One was not permitted to apply them through one’s will. But initially, nothing prevented one—provided one exercised restraint regarding one’s will—from using one’s intellect in such a way that one intelligently observed the things outside and the people one encountered on the physical plane, employing all the higher means now available from occult research. So while one could not incorporate the results of occult research into one’s actions or volitional decisions, the way one, as a student of occultism, assessed the beings of the mineral, plant, and animal kingdoms, the way one assessed other people, and the way one used one’s intellect in the ordinary world—all of this could initially be influenced by occult research.
[ 17 ] Sie merken, daß damit notwendigerweise verbunden ist eine starke Selbstzucht des Charakters des Okkultisten. Denn was ist näherliegend für einen Menschen, der im Leben namentlich anderen Menschen gegenübertritt und handeln soll, als daß er so handelt in bezug auf seine Lebensposition, daß er das, was er weiß, zur Anwendung bringt; daß er sich zum Beispiel danach richtet, wenn er mit seinem Verstande durchschaut, daß er es zu tun hat mit einem sittlich minderwertigen Menschen. Das ist doch das Selbstverständlichste und Natürlichste, was wir da in der Welt tun werden.
[ 17 ] You will notice that this necessarily involves a high degree of self-discipline on the part of the occultist. For what could be more obvious for a person who, in life, is called upon to face and interact with other people than to act in accordance with his life’s position—that is, to apply what he knows; for example, to act accordingly when he perceives with his intellect that he is dealing with a morally inferior person. That is surely the most self-evident and natural thing we will do in the world.
[ 18 ] Der Okkultist ist nicht in der Lage, das zu tun. Er kann zwar mit den Mitteln, welche die okkulte Forschung ihm gibt, seinen Verstand beflügeln und besser, als er es früher gekonnt hatte, hineinschauen in den Charakter eines Mitmenschen und wissen, daß er ein sittlich minderwertiger Mensch ist; er kann auch das, was er diesem Menschen tut, danach einrichten, denn in bezug auf diesen Menschen hat er sich nicht verpflichtet, sondern nur in bezug auf seine eigene Lebensposition; er hat sich nicht verpflichtet, seinen Willen nicht anzuwenden in bezug auf das, was er für den anderen Menschen tut. Aber für das, was er für sich selber tut, hat er sich verpflichtet, mit seinem Karma ausgesöhnt zu sein und nicht anzuwenden seine Erkenntnisse, die sich ihm bieten, wenn er seinen Verstand anwendet, unterstützt von den Mitteln der okkulten Forschung.
[ 18 ] The occultist is not capable of doing this. Although he can use the tools provided by occult research to sharpen his intellect and, better than he could before, gain insight into the character of a fellow human being and know that he is a morally inferior person; he can also adjust what he does to this person accordingly, for he has not committed himself in relation to this person, but only in relation to his own life position; he has not committed himself to refraining from exercising his will in regard to what he does for the other person. But for what he does for himself, he has committed himself to being reconciled with his karma and not to apply the insights that present themselves to him when he uses his intellect, supported by the means of occult research.
[ 19 ] Nehmen wir den konkreten Fall, irgend jemand habe auf dem okkulten Gebiete die Stufe errungen, von der ich jetzt spreche. Wenn er nicht Okkultist geworden wäre, würde er vielleicht einem anderen Menschen entgegentreten und würde nicht erkennen, daß er ein sittlich minderwertiger Mensch ist. Die Folge davon wäre, daß er sich von diesem Menschen in irgendeiner Weise übervorteilen läßt. Es ist selbstverständlich, daß das passieren kann. Sie werden zugeben, daß so etwas schon in der Welt passiert ist, daß man sich in der Welt insofern täuschte, daß man einen Menschen für besser hielt, als er in Wahrheit war, und, wie man auf Deutsch sagt, hineinfiel, das heißt, sich von ihm betrügen ließ.
[ 19 ] Let us consider a specific case: suppose someone has attained the level in the occult realm that I am now referring to. If he had not become an occultist, he might encounter another person and fail to recognize that this person is morally inferior. The consequence of this would be that they would allow themselves to be taken advantage of by this person in some way. It goes without saying that this can happen. You will admit that such things have already happened in the world, that people have been deceived in the world to the extent that they considered a person to be better than they truly were, and, as we say in German, “fell for it”—that is, allowed themselves to be deceived by them.
[ 20 ] Als Okkultist hat man etwas voraus. Man erkennt die Minderwertigkeit dieses Menschen, aber man hat sich zunächst — ich bitte das Wort «zunächst» richtig aufzufassen, das heißt zu hören — dazu verpflichtet, diese okkulten Erkenntnisse nicht auf den Willen, das heißt auf seine eigene Lebensposition anzuwenden. Man kann wissen: Das ist ein minderwertiger Mensch; muß sich aber so verhalten, wie man sich früher verhalten hätte. Man muß sich gesellschaftlich das von ihm gefallen lassen, was man sich von ihm hätte gefallen lassen müssen, wenn man nicht mit seinem Verstande die okkulten Erkenntnisse bekommen hätte.
[ 20 ] As an occultist, one has a certain advantage. One recognizes the inferiority of this person, but one has initially—and I ask that the word “initially” be understood correctly, that is, heard—committed oneself not to apply this occult knowledge to one’s will, that is, to one’s own life stance. One may know: This is an inferior person; yet one must behave as one would have behaved in the past. One must socially tolerate from him what one would have had to tolerate from him had one not received the occult insights through one’s intellect.
[ 21 ] Hier sehen Sie scharf und klar markiert, welche Resignation der angehende Okkultist zu üben hat; wie er scharf trennen muß das, was er erkennen kann ohne okkulte Forschung, und das, was ihm im Leben durch die okkulte Forschung einen Vorteil verschaffen könnte. Derjenige, der schon durch seine natürlichen Gaben oder durch besondere Lebensumstände so glücklich ist, von der Minderwertigkeit des anderen zu wissen, ohne Okkultist zu sein, der wird immer geneigt sein, den angehenden Okkultisten, weil er sich der Vorteile begibt in bezug auf sich selbst, für einen Dummkopf zu halten. Das ist durchaus die Regel, daß gewisse Leute entweder durch günstige Umstände des Lebens oder sonstwie das durchschauen, was der Okkultist auch durchschaut, wonach er sich aber nicht richtet, weil er verpflichtet ist, sich nicht danach zu richten. Das wird immer vorkommen, wie auch das andere vorkommen kann, daß der eine oder der andere, der das Versprechen gegeben hat, nicht das Versprechen hält; das ist aber seine Angelegenheit. Man kann den angehenden Okkultisten für einen Dummkopf halten, weil er sich von einem Menschen übervorteilen läßt. Das darf uns aber durchaus nicht zu der Voraussetzung verleiten, daß er keine Mittel hat, die Menschen zu durchschauen.
[ 21 ] Here you can see clearly and distinctly marked the degree of self-restraint the aspiring occultist must practice; how he must make a sharp distinction between what he can perceive without occult research and what could give him an advantage in life through occult research. Anyone who, by virtue of his natural gifts or special circumstances, is fortunate enough to know the inferiority of others without being an occultist will always be inclined to regard the aspiring occultist as a fool, because the latter forgoes advantages that pertain to himself. It is certainly the rule that certain people, either through favorable circumstances in life or otherwise, see through what the occultist also sees through, but do not act upon it because they are bound not to act upon it. This will always happen, just as the opposite can happen—that one or the other who has made a promise does not keep it; but that is their own business. One might consider the aspiring occultist a fool because he allows himself to be taken advantage of by another person. But this must by no means lead us to assume that he lacks the means to see through people.
[ 22 ] So also ist gewissermaßen eine zweite Stufe diese, daß wir, unter Verzicht der Anwendung des Willens für unseren Egoismus, unseren Verstand anwenden in der äußeren physischen Welt. In dem Stadium, das eben jetzt geschildert worden ist, haben die alten okkultistischen Lehrer die Schüler eigentlich ziemlich lange gelassen. Lange mußten die Schüler so durch die Welt gehen, daß sie mit ihrem Verstande nicht nur die anderen Menschen, sondern auch die anderen Reiche der Natur lernten in einem tieferen Sinne zu beobachten als vorher, daß sie tiefer eindringen konnten und daß sie dennoch genau denselben Lebensgang weitergingen, den sie vorher gegangen waren. Dadurch wurde nicht bloß eine starke Selbstzucht erreicht, nicht bloß das erreicht, daß der Mensch lernte die Vorteile, die ihm sein Geist bot, nicht in den Dienst des Egoismus zu stellen, sondern es war für diese Menschen dadurch noch ein ganz anderer Fortschritt zu erreichen.
[ 22 ] So, in a sense, this is a second stage: that, by refraining from using our will for our own selfish ends, we apply our intellect to the external physical world. At the stage just described, the ancient occult teachers actually left their students to their own devices for quite some time. For a long time, the students had to go through the world in such a way that, using their intellect, they learned to observe not only other human beings but also the other realms of nature in a deeper sense than before, so that they could penetrate more deeply and yet continue exactly the same course of life they had followed previously. Through this, not only was strong self-discipline achieved, and not only did the individual learn not to put the advantages offered by his spirit in the service of egoism, but a completely different kind of progress was also made possible for these people.
[ 23 ] Wenn nämlich sogleich, nachdem der Verstand gesprochen hat, der Wille hinterherkommt und sozusagen anschließt die Handlungen, welche der Verstand einleitet, dann geht die Entwickelung dieses Verstandes, die Kraft dieses Verstandes viel weniger weit, als wenn dieser Verstand abgesondert für sich, gleichsam chemisch herausdestilliert aus der Anwendung der Willenssphäre, eine Zeitlang angewendet wird. Wenn der Mensch wesentlich sich selber als egoistisches Wesen ausschließt von einem Gebiete, in das er eintritt dadurch, daß er seinen Verstand, wie es eben charakterisiert worden ist, anwendet auf die ganze ihn umgebende Welt, aber mit Verzicht auf die Betätigung des Willens, so werden ihm dadurch feine Unterschiede geboten. Der Verstand wird subtil gemacht. Das Urteilsvermögen und das Unterscheidungsvermögen nehmen immer mehr und mehr an Kraft zu, wenn wir in dieser Weise fortschreiten, und wir haben auf diese Weise dann die zweite Stufe der okkulten Entwickelung absolviert, nämlich das, was man nennen könnte die Pflege des vom Willen emanzipierten Verstandes; und wenn man ganz genau sprechen wollte, so könnte man sagen: die Pflege des vom egoistischen Willen emanzipierten Verstandes.
[ 23 ] For if, immediately after the intellect has spoken, the will follows and, so to speak, carries out the actions initiated by the intellect, then the development of this intellect, the power of this intellect, goes much less far than if this intellect were applied for a time in isolation, as it were, chemically distilled from the sphere of the will. When a person essentially excludes himself as an egoistic being from a realm into which he enters by applying his intellect—as has just been characterized—to the entire world surrounding him, but while refraining from the exercise of the will, subtle distinctions are thereby revealed to him. The intellect is refined. The power of judgment and the power of discernment grow ever stronger as we proceed in this manner, and in this way we have then completed the second stage of occult development, namely what one might call the cultivation of the intellect emancipated from the will; and to be perfectly precise, one could say: the cultivation of the intellect emancipated from the egoistic will.
[ 24 ] Der nächste Schritt war aber dann, daß der Mensch nun, weil er durch eine längere Zeit hindurch seinen Verstand in der allerschärfsten Weise angewendet hatte, gerade in bezug auf dieses Gebiet beginnen mußte, darauf zu verzichten, seinen Verstand anzuwenden. Sie sehen, jetzt kommt eine noch schwierigere Sache; jetzt muß der Mensch gewissermaßen es übernehmen, so zu urteilen, wie er früher immer geurteilt hat, bevor er Okkultist geworden ist. Er muß in bezug auf die Dinge des äußeren physischen Planes nur diejenige Kraft seines Urteils und Verstandes anwenden, die er früher angewendet hat. Das, was er jetzt gewonnen hat für seinen Verstand, was er sich jetzt erobert hat und was wie ein ungeheurer Vorteil und Fortschritt des Geistes dasteht, muß der Mensch ausschließen von seiner geistigen Tätigkeit, das heißt, er darf nur ganz wissenschaftlich vorgehen. Das, was er durch eine lange Zeit mit aller Energie und Schärfe angestrebt hat, nämlich seinen Verstand zu größeren Kräften zu bringen, muß er wieder ablegen, muß er ganz und gar aus seiner Seele herausreißen, insofern es bewußte Verstandesanwendung ist, und muß sich sagen: Indem du deine Handlungen, deine Positionen durchgehst auf dem physischen Plane, mußt du denken und unterscheiden, so wie du vor deiner okkulten Entwickelung gedacht, unterschieden und dich benommen hast, nach deinem damaligen Grade von Gescheitheit. — Das heißt, der Mensch muß sich zurückschieben, muß gewissermaßen so töricht sein, wie er war vor der Schärfung seines Verstandes.
[ 24 ] The next step, however, was that the individual—precisely because he had exercised his intellect in the most rigorous manner over a long period of time—had to begin, in this very area, to refrain from using his intellect. You see, now comes an even more difficult matter; now the human being must, so to speak, take it upon himself to judge as he always judged before he became an occultist. With regard to the things of the outer physical plane, he must apply only that power of judgment and intellect that he applied before. What he has now gained for his intellect, what he has now conquered, and what stands as an immense advantage and progress of the spirit, the human being must exclude from his spiritual activity; that is to say, he may proceed only in a strictly scientific manner. What he has strived for over a long period with all his energy and acuity—namely, to bring his intellect to greater powers—he must cast aside again; he must tear it completely out of his soul, insofar as it is the conscious application of the intellect, and must say to himself: As you go through your actions and positions on the physical plane, you must think and discern just as you thought, discerned, and behaved before your occult development, according to your level of intelligence at that time. — That is to say, one must step back, must, so to speak, be as foolish as one was before the sharpening of one’s intellect.
[ 25 ] Und was muß jetzt aus diesem Verstande werden, auf den er verzichtet hat? Anwenden darf er nicht mehr diesen Verstand; er hat ihn angewendet für längere Zeit, er darf ihn aber nicht länger anwenden. Was geschieht nun mit den Ergebnissen des Verstandes, der Urteilskraft, wenn wir absehen von deren unmittelbarer Anwendung?
[ 25 ] And what is to become of this reason, which he has renounced? He may no longer use this reason; he has used it for a long time, but he may no longer use it. What happens now to the results of reason, of the faculty of judgment, when we set aside their immediate application?
[ 26 ] Dann gehen sie in unser Gedächtnis, in unsere Erinnerung über. Dies ist der nächste Schritt, nämlich: Alles das, was der Mensch an Wissen gelernt hat durch seine schärfere Verstandeskraft, das muß für ihn Erinnerung werden. Er darf nicht mehr weiterschreiten in der Kultur, in der Fortbildung seines Verstandes, er muß verzichten darauf, seinen stärkeren Verstand irgendwie anzuwenden, noch dieses oder jenes durch seinen schärferen Verstand wissen zu wollen über die Zusammenhänge der Welt; und lediglich das, was er schon durch diesen schärferen Verstand sich erworben hat, muß er immer wieder und wieder aufsuchen in seiner Erinnerung, das muß immer wieder und wieder in seiner Erinnerung auftreten. Er muß immer mehr und mehr danach streben, daß das, was er sich da erobert hat für seinen Verstand, für ihn so etwas wird, wie es die Dinge sind, die er sich vielleicht im Leben vor zehn oder zwanzig Jahren ausgedacht hat, die er also nicht jetzt denkt, sondern an die er sich bloß erinnert.
[ 26 ] Then they pass into our memory, into our recollection. This is the next step, namely: everything that a person has learned through the power of their sharper intellect must become a memory for them. They must no longer proceed in their cultural development or in the further training of their intellect; they must refrain from applying their heightened intellect in any way, or from seeking to know this or that through their sharper intellect regarding the connections of the world; and he must repeatedly seek out in his memory only what he has already acquired through this sharper intellect; this must arise again and again in his memory. He must strive more and more to ensure that what he has gained there for his intellect becomes for him something like the things he may have conceived in life ten or twenty years ago—things he does not think of now, but merely remembers.
[ 27 ] Sehen Sie, in solchen okkulten Schulen, wie zum Beispiel im Altertum die pythagoreische oder wie es auch manche vorderasiatische Geheimschule war, da wurden zunächst die Schüler so ausgewählt, daß nur diejenigen für reif befunden wurden, welchen man zutraute, das Gelöbnis zu halten: nicht einfließen zu lassen in ihren egoistischen Willen die Mittel der Verstandeskultur, die sie erreichen sollten. Dann wurden diese Schüler lange, lange in der Art erzogen, daß sie eben auf alle mögliche Weise darauf hingewiesen wurden, die Dinge schärfer zu unterscheiden, und dann wieder zusammenfügen zu lernen mit der Urteilskraft, wie das im gewöhnlichen äußeren Leben möglich ist. Auf die Pflege dieser Urteilskraft wurde durch lange Zeit hindurch das größte Gewicht gelegt in den zu Recht bestehenden Schulen des Altertums und auch des Mittelalters.
[ 27 ] You see, in such occult schools—such as the Pythagorean school in antiquity, or certain secret schools in the Near East—the students were initially selected in such a way that only those deemed mature enough to keep the vow were accepted: namely, not to allow the means of intellectual cultivation they were to attain to be absorbed into their egoistic will. Then these students were educated for a long, long time in such a way that they were repeatedly urged in every possible way to distinguish things more sharply, and then to learn to bring them back together with the power of judgment, as is possible in ordinary external life. Over a long period of time, the greatest emphasis was placed on cultivating this power of judgment in the schools of antiquity and also of the Middle Ages, which rightly existed.
[ 28 ] Dann mußte der Schüler sozusagen ein zweites Gelöbnis ablegen. Dieses zweite Versprechen, das sich die Schüler selbst und ihrem Lehrer ablegten, war: daß sie aufhörten, die Dinge, die sie draußen auf dem physischen Plane sahen, weiter zu beurteilen mit den Urteilen, die sie mit dem Verstande gewonnen hatten. Aber auch zu den Lehren, die ihnen ihr Lehrer vortrug, durften sie sich nicht kritisch verhalten. Nur vergleichen durften sie das, was ihr Lehrer vortrug, mit dem, was sie sich durch die Urteilskraft früher schon erworben hatten. Nicht Kritik durften sie üben, sondern solche Zuhörer mußten sie werden, die immer nur verglichen das, was sie jetzt hörten, mit dem, was sie früher schon durch ihre schärfere Verstandeskraft gewonnen hatten. Das gehörte wiederum zur nächsten Stufe der okkulten Entwickelung, und man könnte es nennen die Ausschließung der schärferen Verstandeskräfte und die Beschränkung des inneren Seelenlebens, soweit man selber in Betracht kam, auf das Gedächtnis und auf die Erinnerung. Nur das durfte noch ausgeführt werden, was die Phantasie in Symbolen und Sinnbildern hervorbringen konnte aus diesen erinnerten Urteilen, Begriffen und Ideen.
[ 28 ] Then the student had to take, so to speak, a second vow. This second promise, which the students made to themselves and to their teacher, was that they would cease to judge the things they saw out there on the physical plane using the judgments they had formed with their intellect. Nor were they allowed to be critical of the teachings their teacher presented to them. They were only permitted to compare what their teacher presented with what they had previously acquired through their power of judgment. They were not allowed to exercise criticism, but had to become the kind of listeners who always compared what they were now hearing with what they had previously gained through their sharper intellectual faculties. This, in turn, belonged to the next stage of occult development, and one could call it the exclusion of the sharper powers of the intellect and the restriction of the inner life of the soul—insofar as one considered oneself—to memory and recollection. Only that which the imagination could produce in symbols and allegories from these remembered judgments, concepts, and ideas was still permitted to be expressed.
[ 29 ] Also Gedächtnis und Phantasie waren diejenigen Seelenkräfte, die jetzt sozusagen in ihre Rechte traten, die jetzt auf dieser höheren Stufe besonders in Wirksamkeit treten sollten. Damit sie sich gleichsam wieder durch sich selber reinlich herausdestillierten aus dem übrigen Seelenleben und nicht fortwährend beraten seien durch die Urteile des Verstandes, sollten sie sich allein geltend machen.
[ 29 ] Thus, memory and imagination were the powers of the soul that were now, so to speak, coming into their own, that were now to become particularly active at this higher level. So that they might, as it were, distill themselves cleanly from the rest of the soul life and not be constantly influenced by the judgments of the intellect, they were to assert themselves alone.
[ 30 ] Damit hatte der Schüler dann eine weitere Stufe seiner okkulten Entwickelung beschritten. Die Zeit, welche man den Schüler durchmachen ließ, um diese Stufe zu durchschreiten, die wurde zumeist damit ausgefüllt, daß die bereits als Lehren bekannten und zur Theosophie gemachten okkulten Erkenntnisse ideengemäß den Schülern vorgebracht wurden; daß sozusagen die Schüler da waren mit dem, was sie früher an Kräften gewonnen hatten durch ihre Urteilskraft, sich an sie immer erinnerten und gewissermaßen sich entgegenkommen, in sich wirken ließen, was ihnen vorgebracht wurde von ihren Lehrern.
[ 30 ] With this, the student had then entered a further stage of his occult development. The time during which the student was required to pass through this stage was mostly filled by presenting to the students, in conceptual form, the occult insights already known as teachings and incorporated into theosophy; so that, as it were, the students were there with the powers they had previously gained through their power of judgment, always remembering them and, in a sense, allowing what was presented to them by their teachers to meet them and take effect within them.
[ 31 ] Es ist selbstverständlich, daß der Zeitraum, in dem die Schüler diese Entwickelung durchmachten, bei den einzelnen verschiedenen Mysterien sehr verschieden war, je nachdem man es nach den allgemeinen Bedürfnissen der Menschheitsentwickelung für notwendig hielt, mehr oder weniger von den okkulten Geheimnissen denjenigen zu übergeben, die man auf diese Weise okkult ausbilden wollte, um sie dann zu Führern der Menschheit in entsprechender Weise machen zu können. In den okkulten Schulen dauerte der Zeitraum, in dem das durchgemacht wurde, meist ziemlich lange.
[ 31 ] It goes without saying that the period during which the students underwent this development varied greatly among the different mysteries, depending on what was deemed necessary, in accordance with the general needs of human development, to impart more or less of the occult secrets to those whom one wished to train in the occult in this way, so that they might then be made into guides for humanity in an appropriate manner. In the occult schools, the period during which this was undergone usually lasted quite a long time.
[ 32 ] Das nächste, zu dem sich der okkulte Schüler hinzuwenden hatte, war, daß er nun mit aller Kraft, die ihm zur Verfügung stand, danach zu streben hatte, auch die Erinnerungen und die Ausmalung in der Phantasie zu Symbolen oder dergleichen, sowie die, wohlgemerkt, durch das eigene Selbst angeeigneten Begriffe auszulöschen, also aus dem Bewußtsein zu streichen. Das war in der Tat eine außerordentlich schwierige Aufgabe, und man kann sich in der Regel gar nicht vorstellen, daß ein Schüler diese schwierige Aufgabe hat bewältigen können. Daß die Schüler dennoch diese Aufgabe haben bewältigen können: nämlich völliges Vergessen auszubreiten über alles, was sie sich durch ihre eigene Kraft angeeignet hatten, davon können Sie sich eine Vorstellung verschaffen, wenn Sie in Erwägung ziehen, daß solche Schüler in bezug auf die äußeren Handlungen gelernt hatten, ihren Willen zu bezähmen und eine so starke Selbstzucht sich errungen hatten, daß sie immer nur sich so verhalten haben, wie es vorher geschildert wurde.
[ 32 ] The next thing the occult student had to turn to was striving with all the strength at his disposal to erase—that is, to wipe from his consciousness—not only the memories and the imaginative elaborations into symbols or the like, but also, mind you, the concepts he had acquired through his own self. This was indeed an extraordinarily difficult task, and one generally does not have a mental image of a student being able to master this difficult task. That the students were nevertheless able to master this task— namely, to spread complete forgetfulness over everything they had acquired through their own power—you can get a mental image of this if you consider that such students had learned, with regard to external actions, to subdue their will and had attained such strong self-discipline that they always behaved only as described above.
[ 33 ] Dadurch, daß man den Willen, den man sonst nach außen frei hat, sich nicht ausleben ließ, sondern in so starker Weise gezwungen war, ihn zu bezähmen, dadurch bekam man starke Reservekräfte des Willens im Inneren. Das war durchaus so. Man wird immer stärker und stärker in seinem Inneren, wenn man gezwungen ist, den Willen äußerlich so zu bezähmen, daß man gar nichts von den Vorteilen, die einem die geistige Entwickelung geboten hat, in den egoistischen Willen einfließen läßt. Dadurch wird man immer stärker, und man gelangt gerade dadurch zu jenem starken Willensentschlusse, den man braucht, um das, was man sich angeeignet hat innerhalb der okkulten Schulung und woran man sich früher erinnert hat, nun zu unterdrücken, auszustreichen. So wie man eine Vorstellung ausstreicht, die man nicht gebrauchen kann für das Leben, so soll das, wovon eben die Rede war, ausgestrichen werden. Das war eine unbedingte Forderung.
[ 33 ] By not allowing the will—which is otherwise free to act outwardly—to run its course, but instead being compelled to restrain it so strongly, one developed powerful reserves of willpower within. That was certainly the case. One becomes stronger and stronger within when one is compelled to restrain one’s will externally in such a way that none of the benefits offered by spiritual development are allowed to flow into one’s egoistic will. This makes one ever stronger, and it is precisely through this that one attains the strong resolve of will needed to now suppress and erase what one has acquired within occult training and what one previously recalled. Just as one erases a mental image that is of no use in life, so must what has just been discussed be erased. That was an absolute requirement.
[ 34 ] Glauben Sie nun nicht, daß diejenigen, welche auf solche Weise okkulte Schüler waren, etwa blinde, autoritätsgläubige Menschen gegenüber ihren Lehrern wurden. Das war durchaus nicht der Fall. Autoritätsgläubig sind diejenigen, die ihren ganz gewöhnlichen Verstand in leicht geschürzter Weise immer anwenden, um das, was sie hören, zu beurteilen. Diejenigen Menschen aber, die erst ihre Urteilskraft geschärft haben, werden das, was sie durch diese geschärfte Urteilskraft sich erworben haben, immer nur in der Erinnerung haben. Diejenigen, welche vermittels ihres Gedächtnisses und ihrer ganzen Phantasie auf sich wirken ließen den okkulten Unterricht, wurden ganz gewiß nicht autoritätsgläubig, sondern nahmen das, was der okkulte Unterricht ihnen bot, so hin, wie man die Natur selber hinnimmt. So nahmen die okkulten Schüler überhaupt den okkulten Unterricht hin, wenn sie die entsprechenden vorhergehenden Stufen durchgemacht hatten. Ja, die Lehrer selbst sorgten dafür, daß ihre Worte wie die Natur selber auf ihre Schüler wirkten, daß sie nicht den Schülern zu befehlen brauchten, diese oder jene Meinung zu haben. Es war so, daß die Schüler durch das, was sie vorher durchgemacht hatten an Unterscheidungskraft und an Verstandesentwickelung, bei der nächsten Stufe, bei der Erinnerung, so weit waren, daß sie den Worten gegenüberstanden, wie man gegenübersteht einem Sonnenaufgang, wie man gegenübersteht einem vom Winde gepeitschten Meere, wie man gegenübersteht irgendeinem anderen Naturphänomen, das man beobachtet, um es kennenzulernen, dem man aber nicht kritisch gegenübertritt; denn dann lernt man es nicht kennen.
[ 34 ] Do not think, however, that those who were occult students in this way became blind, authority-worshipping individuals toward their teachers. That was by no means the case. Those who are authority-worshipping are those who always use their ordinary intellect in a rather superficial way to judge what they hear. But those people who have first sharpened their powers of judgment will always retain in their memory only what they have acquired through these sharpened powers of judgment. Those who, through their memory and their entire imagination, allowed the occult teachings to take effect upon them certainly did not become blind followers of authority, but accepted what the occult teachings offered them just as one accepts nature itself. Thus, the occult students accepted the occult teachings at all only after they had gone through the corresponding preceding stages. Indeed, the teachers themselves ensured that their words would affect their students like nature itself, so that they would not need to command the students to hold this or that opinion. It was the case that, through what they had previously undergone in terms of discernment and intellectual development, the students had reached a stage in the next step—that of recollection— they were ready to face the words as one faces a sunrise, as one faces a sea whipped by the wind, as one faces any other natural phenomenon that one observes in order to get to know it, but which one does not approach critically; for then one does not get to know it.
[ 35 ] Diejenigen lernen am wenigsten kennen die innere Gewalt eines Naturphänomens, die ihm nur so gegenüberstehen, daß sie ihm ihre Sympathie oder Antipathie zuwenden. So wie man die Natur selber beobachtet, so beobachtete der okkulte Schüler das, was ihm der okkulte Unterricht darbot.
[ 35 ] Those who merely regard a natural phenomenon with sympathy or antipathy are the least likely to come to understand its inner power. Just as one observes nature itself, so did the occult student observe what occult instruction presented to him.
[ 36 ] Dann aber, wenn sie das eine Zeitlang in der geschilderten Weise eingehalten hatten, so daß nur Erinnerung, Phantasie, Gedächtnis in Wirksamkeit waren und daß die Schüler den Verstand nur wendeten auf ihren äußeren Beruf im Leben, dann mußten sie in die Periode der inneren Seelenruhe, des Vergessens ihrer eigenen Kräfte eintreten und ihre eigenen Errungenschaften ertöten. Dann erst war für sie der Zeitpunkt herangekommen, wo sie vollständige innere Seelenruhe haben konnten, wo getilgt waren aus dem Bewußtsein selbst die während des bisherigen okkulten Lebens durch die eigenen Kräfte erlangten Erinnerungsvorstellungen und Phantasievorstellungen.
[ 36 ] But then, after they had maintained this for a time in the manner described—so that only recollection, imagination, and memory were active, and the students directed their intellect solely toward their external vocation in life—they had to enter the period of inner peace of mind, of forgetting their own powers, and of putting their own achievements to rest. Only then had the time come for them when they could attain complete inner peace of mind, when the memories and imaginative images gained through their own powers during their previous occult life had been erased from consciousness itself.
[ 37 ] Leer gemacht wurde in gewisser Beziehung die Seele, und dadurch, daß sie leer gemacht wurde, daß aus dieser Seele heraus war der egoistische Wille, der egoistische Verstand, das egoistische Gedächtnis, die egoistische Phantasie, war sie geöffnet gegenüber einer wirklich neuen Welt. Das war notwendig, damit diese neue Welt wirklich in die Seele hineindringen konnte.
[ 37 ] In a certain sense, the soul was emptied, and because it was emptied—because the egoistic will, the egoistic mind, the egoistic memory, and the egoistic imagination had been removed from this soul—it was opened up to a truly new world. This was necessary so that this new world could truly penetrate the soul.
[ 38 ] Nun müssen Sie sich bekanntmachen mit der Tatsache, daß in der Tat eine neue Welt hineindrang in die von ihrer egoistischen Seelenkraft leere Seele. Eine neue Welt. Nicht wundern müssen Sie sich deshalb, wenn die Charakteristik dieser neuen Welt sonderbar ist. Denn was ist sonderbar? Sonderbar ist dasjenige, was ein Mensch so erlebt, daß es seinen bisherigen Erlebnissen widerspricht. Warum lehnen denn die Menschen dieses oder jenes ab? Schauen Sie sich um in der Welt, wo irgend etwas besprochen wird; da lehnt man es ab, man sagt: In dem, was da behauptet wird, ist ein Widerspruch. — Das heißt, man findet es — nach dem, was man bisher hat beurteilen können — widersprechend allem, was man kennt, was man weiß; und man glaubt sofort, gegenüber dem anderen Menschen, der irgend etwas in der Weise vorbringt, einen Vorsprung zu haben und im Rechte zu sein, wenn man ihm einen Widerspruch nachweisen kann.
[ 38 ] Now you must come to terms with the fact that a new world has indeed entered the soul, which was previously emptied of its egoistic spiritual power. A new world. You should not be surprised, therefore, if the nature of this new world is strange. For what is strange? Strange is that which a person experiences in a way that contradicts their previous experiences. Why, then, do people reject this or that? Look around the world wherever something is being discussed; there people reject it, saying: There is a contradiction in what is being claimed. — That is to say, based on what one has been able to judge so far, one finds it to be in contradiction to everything one knows and understands; and one immediately believes that, in relation to the other person who is presenting something in this way, one has the upper hand and is in the right if one can demonstrate a contradiction.
[ 39 ] Eigentlich besteht die öffentliche Besprechung der Dinge durchaus darin, daß man Widersprüche nachweist, daß man da oder dort sagt: Das muß falsch sein, darinnen liegt ja ein Widerspruch. — Damit sind die meisten Dinge widerlegt. Diese Tatsache, daß wir Widersprüchen begegnen, weil wir an etwas herantreten, was gar nichts Gleiches haben kann mit unserer bisherigen Welt, mit dem, was wir bisher erfahren haben, müssen wir ins Auge fassen. Wir müssen erkennen, daß wir tatsächlich uns zu versöhnen haben mit lauter Widersprüchen, wenn die neue Welt an uns herantritt, die in solchen Begriffen charakterisiert wird, daß wir sagen können: Ja, das sind ja lauter Widersprüche. Daß uns die neue Welt charakterisiert wird in Widersprüchen, muß ja so sein, denn die neue Welt wäre ja eben keine neue Welt, wenn sie übereinstimmte mit der alten und keine Widersprüche aufwiese.
[ 39 ] In fact, public discussion of issues essentially consists of pointing out contradictions, of saying here and there: “That must be wrong; there is a contradiction there.” — That refutes most things. We must face the fact that we encounter contradictions because we are approaching something that can bear no resemblance whatsoever to our world up to now, to what we have experienced so far. We must recognize that we actually have to come to terms with nothing but contradictions when the new world approaches us, a world characterized in such terms that we can say: Yes, these are all contradictions. That the new world is characterized to us in contradictions must be so, for the new world would not be a new world if it corresponded to the old and showed no contradictions.
[ 40 ] So werden Sie sich nicht zu verwundern haben, wenn die erste Charakteristik der Welt, die der Mensch betritt, wenn er die nach der Stufe des Vergessens kommende Seelenruhe erreicht, nur gegeben werden kann mit Worten, die gegenüber der gewöhnlichen Welt, in der wir leben, widersprechend sind.
[ 40 ] So you should not be surprised if the first characteristic of the world that a person enters upon reaching the peace of mind that follows the stage of forgetfulness can only be described with words that seem contradictory to the ordinary world in which we live.
[ 41 ] Drei Dinge sind es, die der Mensch erfährt, wenn er es so weit gebracht hat, wie es geschildert worden ist. Drei Dinge, die wir nur charakterisieren können, indem wir Worte anwenden, die schon an sich widersprechend sind gegenüber alledem, was der Mensch von der äußeren Welt weiß. Drei Dinge lernt der Mensch kennen, wenn er wirklich eintritt in das, was man eine übersinnliche Welt nennen kann.
[ 41 ] There are three things that a person experiences once they have reached the stage described above. Three things that we can only describe by using words that are in themselves contradictory to everything a person knows about the external world. A person comes to know three things when they truly enter what can be called a supersensible world.
[ 42 ] Das erste, was er kennenlernt, ist das ungeoffenbarte Licht. Sehen Sie sich um, ob Sie in der Welt nicht überall sehen können das Licht. Das ist das Wesen des Lichtes, daß es sich offenbart. Das erste aber, was der Mensch kennenlernt in der übersinnlichen Welt, das ist das ungeoffenbarte Licht, das finstere Licht, das Licht, das nicht leuchtet.
[ 42 ] The first thing he comes to know is the unrevealed light. Look around and see if you cannot see light everywhere in the world. That is the nature of light: that it reveals itself. But the first thing a person encounters in the supersensible world is the unrevealed light, the dark light, the light that does not shine.
[ 43 ] Das zweite, was der Mensch kennenlernt in der übersinnlichen Welt, ist das unaussprechliche Wort. Ein Wort in der gewöhnlichen Welt ist nicht da, wenn es nicht ausgesprochen wird. Ein Wort, das nicht ausgesprochen ist, ist kein Wort. Einen völligen Widerspruch haben wir, wenn wir sagen: Das zweite, was man kennenlernt in der übersinnlichen Welt, ist das unaussprechliche Wort.
[ 43 ] The second thing a person encounters in the supersensible world is the ineffable word. In the ordinary world, a word does not exist unless it is spoken. A word that is not spoken is not a word. We have a complete contradiction when we say: The second thing one encounters in the supersensible world is the unutterable word.
[ 44 ] Und das dritte ist das Bewußtsein ohne einen gewußten Gegenstand. Erinnern Sie sich nur, daß Sie, wenn Sie ein Bewußtsein entwickeln, wenn Sie das oder jenes wissen, ein Objekt, einen Gegenstand des Wissens haben. Das Bewußtsein aber, das uns als das dritte entgegentritt, wenn wir eintreten in die übersinnliche Welt, ist das Bewußtsein ohne Objekt, das Bewußtsein ohne einen Gegenstand.
[ 44 ] And the third is consciousness without a known object. Just remember that when you develop a consciousness, when you know this or that, you have an object, a subject of knowledge. But the consciousness that confronts us as the third when we enter the supersensible world is consciousness without an object, consciousness without a subject matter.
[ 45 ] Diese drei Dinge, die nur mit widerspruchsvollen Worten charakterisiert werden können, sind es, denen der Schüler begegnet, wenn er durch die Vorbereitung, die wir geschildert haben, in das eigentliche Gebiet des Okkultismus eintritt. Denn das sind gewissermaßen die drei ersten wirklich okkulten Dinge, die wir kennenlernen:
[ 45 ] These three things, which can only be described in contradictory terms, are what the student encounters when, through the preparation we have described, he enters the actual realm of the occult. For these are, in a sense, the first three truly occult things we come to know:
erstens das ungeoffenbarte Licht,
zweitens das unaussprechliche Wort,
drittens das Bewußtsein ohne Wissen von einem Gegenstand.
first, the unrevealed light,
second, the ineffable word,
third, consciousness without knowledge of an object.
[ 46 ] Das ist dann das bedeutungsvollste Ereignis, das zunächst eintreten kann für den angehenden Okkultisten: verbinden zu lernen etwas mit dem, was ihm nur als ein Widerspruch erscheint gegenüber alledem, was er bisher erfahren hat. In dem Augenblicke, wo der Mensch verbinden kann irgend etwas von seinem inneren Erleben mit den drei Ideen des ungeoffenbarten Lichtes, des unaussprechlichen Wortes und des Bewußtseins ohne das Wissen von einem Gegenstand, ist er wirklicher Okkultist geworden. Der angehende Okkultist hat dann den Pfad der okkulten Erkenntnis wirklich betreten.
[ 46 ] This is then the most significant event that can initially occur for the budding occultist: learning to connect something with what appears to him to be a contradiction to everything he has experienced so far. The moment a person is able to connect anything from their inner experience with the three ideas of the unrevealed light, the ineffable word, and consciousness without knowledge of an object, they have become a true occultist. The aspiring occultist has then truly entered the path of occult knowledge.
