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Man in the Light of
Occultism, Theosophy and Philosophy
GA 137

2 June 1912, Oslo

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Erster Vortrag

First Lecture

[ 1 ] Wir haben über mancherlei wichtige Themen der theosophischen Weltanschauung bei den verflossenen Vortragszyklen schon miteinander gesprochen. Wir haben mit dem gegenwärtigen Vortragszyklus uns ein Thema gestellt, welches zu den allerwichtigsten, zu den allerbetrachtenswertesten des theosophischen Lebens, der theosophischen Weltanschauung und der theosophischen Gesinnung gehört. Wir haben uns gewissermaßen das wichtigste Objekt ausersehen, welches die menschliche Erkenntnis anerkanntermaßen haben kann, nämlich den Menschen selber. Und für die theosophische Betrachtung muß dieser Mensch selber, man möchte sagen, ganz selbstverständlich wiederum der allerhöchste Gegenstand der Betrachtung sein. Man muß innerhalb der theosophischen Weltanschauung wieder etwas fühlen von dem, was der von alter Theosophie berührte griechische Geist schon in das Wort Anthropos — Mensch — legte. Der zu den Höhen Blickende so könnte man es, wenn man es richtig übersetzen wollte, in unsere gegenwärtige Ausdrucksweise übersetzen. «Der-zu-den-Höhen-Blickende» ist zu gleicher Zeit die Definition des Menschen, die in dem griechischen Worte Anthropos zum Ausdrucke kommt, das heißt: der in den Höhen des Lebens seinen Ursprung Suchende, und der seine eigenen Gründe nur in den Höhen des Lebens Findende, das ist der Mensch nach dem Gefühle der griechischen Welt.

[ 1 ] We have already discussed various important topics related to the theosophical worldview during our previous lecture series. In the current lecture series, we have set ourselves a topic that belongs to the most important, the most worthy of consideration in theosophical life, the theosophical worldview, and the theosophical mindset. We have, so to speak, chosen the most important object that human knowledge can conceivably have: namely, the human being itself. And for theosophical contemplation, this human being itself must, one might say, quite naturally be the highest object of contemplation. Within the theosophical worldview, one must once again sense something of what the Greek spirit, touched by ancient theosophy, already placed in the word Anthropos—human being. “He who looks toward the heights”—that is how one might translate it, if one were to translate it correctly, into our current mode of expression. “He who looks toward the heights” is at the same time the definition of the human being expressed in the Greek word Anthropos, that is: he who seeks his origin in the heights of life, and who finds his own reasons only in the heights of life—that is the human being according to the feeling of the Greek world.

[ 2 ] Um den Menschen als ein solches Wesen zu erkennen, haben wir ja, im Grunde genommen, die Theosophie. Sie ist jene Weltbetrachtung, welche aufsteigen will von den Einzelheiten des sinnlichen Daseins, von den Einzelheiten des werktätigen äußeren Lebens zu jenen Höhen der geistigen Erlebnisse, die uns so recht zeigen können, woher der Mensch kommt und wohin der Mensch eigentlich steuert. So ist es ohne weiteres klar, daß, wie für jede Weltbetrachtung im allgemeinen so für die Theosophie noch im besonderen, der Mensch das allerwürdigste Objekt der Betrachtung ist.

[ 2 ] To recognize human beings as such beings, we have, in essence, theosophy. It is that view of the world which seeks to rise from the details of sensory existence, from the details of active external life, to those heights of spiritual experience that can truly show us where humanity comes from and where it is actually heading. Thus it is readily apparent that, as is true of every worldview in general and of Theosophy in particular, the human being is the most worthy object of contemplation.

[ 3 ] In diesem Vortragszyklus wollen wir den Menschen nach drei Gesichtspunkten geistig ins Auge fassen, nach den drei Gesichtspunkten, unter denen er bisher von jeder tieferen Weltanschauung immer ins Auge gefaßt worden ist, wenn auch im äußeren Leben nicht alle drei Gesichtspunkte in gleicher Weise zur Geltung gebracht worden sind. Wir wollen in dieser Reihe von Vorträgen die Menschen betrachten von dem Gesichtspunkte des Okkultismus, von dem Gesichtspunkte der Theosophie und von dem Gesichtspunkte der Philosophie.

[ 3 ] In this series of lectures, we wish to consider the human being from three spiritual perspectives—the three perspectives from which every profound worldview has traditionally viewed humanity, even if not all three have been given equal emphasis in everyday life. In this series of lectures, we wish to consider human beings from the perspective of occultism, from the perspective of theosophy, and from the perspective of philosophy.

[ 4 ] Es liegt nahe, daß wir uns heute zunächst verständigen müssen darüber, was unter diesen drei Gesichtspunkten eigentlich gemeint ist. Wenn man vom Okkultismus spricht, so spricht man zunächst von etwas, das in weiteren Kreisen der heutigen gebildeten Welt recht unbekannt ist; und man muß sagen: Der Okkultismus in seiner ihm ureigenen Gestalt war eigentlich in der ganzen bisherigen Menschheitsentwickelung im Grunde genommen für das äußere Leben, für das Leben des Alltags, stets etwas gewissermaßen Verborgenes. Der Okkultismus geht ja davon aus, daß der Mensch, um sein eigenes Wesen zu erkennen, um sein Wesen zu erleben, bei der gewöhnlichen Anschauungsweise, bei der Anschauungsweise des gewöhnlichen Bewußtseins nicht stehenbleiben kann, sondern zu einer ganz anderen Anschauungsweise, zu einer anderen Erkenntnisart übergehen muß.

[ 4 ] It stands to reason that we must first agree today on what is actually meant by these three aspects. When one speaks of occultism, one is speaking first of all of something that is quite unknown in wider circles of today’s educated world; and one must say: Occultism, in its very essence, has in fact always been, throughout the entire course of human development to date, something that is, so to speak, hidden from outer life, from everyday life. Occultism, after all, proceeds from the assumption that in order to recognize his own being, to experience his own being, man cannot remain at the level of the ordinary mode of perception, the mode of perception of ordinary consciousness, but must pass over to a completely different mode of perception, to a different kind of knowledge.

[ 5 ] Man möchte, um zunächst einen Vergleich zu gebrauchen, sagen: Wenn wir innerhalb eines Ortes leben, so sehen wir die einzelnen Erlebnisse, welche die Menschen erfahren, und ein jeglicher, der in einem solchen Orte, wenn er einigermaßen groß ist, darinnen lebt, kennt im Grunde genommen immer nur Einzelheiten dessen, was in dem Orte überhaupt erlebt, was in dem Orte gesehen werden kann. Schon äußerlich, wenn jemand einen Gesamtüberblick haben will über den Ort, muß er sich vielleicht eine Anhöhe suchen, um das, was er von einem einzelnen Standpunkte im Inneren nicht sehen kann, zu überschauen. Wenn er einen Zusammenhang haben will und einen Überblick über das intellektuelle, das moralische und das sonstige Leben des Ortes, dann muß er sich geistig auf einen höheren Standpunkt versetzen als auf den der gewöhnlichen Erlebnisse, die ihm der Alltag bringen kann.

[ 5 ] To begin with a comparison, one might say: When we live within a place, we see the individual experiences that people have, and anyone who lives in such a place—provided it is of a certain size—basically knows only fragments of what is actually experienced there, of what can be seen there. Even outwardly, if someone wants to have an overall view of the town, they may have to find a hilltop to survey what they cannot see from a single vantage point within it. If they wish to grasp the context and gain an overview of the intellectual, moral, and other aspects of life in that place, then they must mentally place themselves on a higher vantage point than that of the ordinary experiences that everyday life can offer them.

[ 6 ] So muß es auch der Mensch machen, wenn er hinauskommen will über die Erfahrungen, die Erlebnisse des gewöhnlichen Bewußtseins. Die geben, im Grunde genommen, immer nur einen Teil dessen, was das ganze Zusammensein, den ganzen Zusammenhang des Lebens ausmacht. Für die menschliche Erkenntnis heißt das aber nichts anderes, als daß diese menschliche Erkenntnis selber über sich hinausgehen muß, daß sie einen Standpunkt gewinnen muß, der über dem gewöhnlichen Bewußtsein, über der gewöhnlichen Erkenntnis liegt. Selbstverständlich hat das zur Folge, daß dieser gewissermaßen außerhalb des gewöhnlichen Lebens liegende Standpunkt die Einzelheiten in ihren besonders intensiven Farben, in ihrer besonderen Nuancierung verschwinden läßt. Wenn wir uns auf eine Anhöhe begeben, um einen Ort zu überschauen, so sehen wir auch nur das Gesamtbild, und wir verzichten dann auf jene einzelnen Nuancen, welche uns das einzelne Erleben gibt. Auf mancherlei Einzelheiten, auf mancherlei Individuelles muß auch ein solcher Standort Verzicht leisten, der über das gewöhnliche Bewußtsein hinausgeht. Aber er gibt dafür gerade für die Erkenntnis des menschlichen Wesens, für die Erkenntnis der ganzen Art des Menschen dasjenige, worauf es ankommt, dasjenige, was in allen Menschen dasselbe ist, worin eigentlich der Grund der Menschennatur liegt und was der Mensch für sein Leben als das Allerwichtigste empfindet.

[ 6 ] This is precisely what a person must do if they wish to transcend the experiences and perceptions of ordinary consciousness. For, in essence, these experiences always provide only a part of what constitutes the totality of existence, the entire fabric of life. For human cognition, however, this means nothing other than that this human cognition itself must transcend itself, that it must attain a vantage point that lies above ordinary consciousness, above ordinary cognition. Naturally, this has the consequence that this vantage point, which lies, so to speak, outside of ordinary life, causes the details to fade away in their particularly intense colors and in their specific nuances. When we go up to a hill to survey a place, we too see only the overall picture, and we then forgo those individual nuances that our individual experience provides. A vantage point that transcends ordinary consciousness must also forgo many details, many individual aspects. But in return, it provides—precisely for the understanding of the human being, for the understanding of the entire human species—that which matters most, that which is the same in all people, in which the very foundation of human nature lies, and which the human being perceives as the most important thing in life.

[ 7 ] Dieser Standpunkt kann nur erlangt werden dadurch, daß die menschliche Seele eine gewisse Entwickelung durchmacht, daß sie zu dem gelangt, was man gewöhnlich nennen kann das hellseherische Erkennen. Von diesem hellseherischen Erkennen finden Sie in den einschlägigen Literaturwerken gesprochen. Sie finden da, was die einzelnen Seelen zu unternehmen haben, um zu solchem hellseherischen Erkennen zu kommen. Sie finden davon gesprochen, daß für den, der diese hellseherische Erkenntnis erreichen will, die gewöhnlichen Erkenntnismittel, die Anschauung durch die gewöhnlichen Sinne, das Nachdenken mit der gewöhnlichen Verstandes- und Urteilskraft nicht ausreichen; und Sie werden darauf hingewiesen, daß diese überwunden und ganz neue, im Keime in der Seele liegende Erkenntnismittel angestrebt werden müssen.

[ 7 ] This perspective can only be attained when the human soul undergoes a certain development, reaching what is commonly referred to as clairvoyant perception. You will find this clairvoyant perception discussed in the relevant literature. There you will find what individual souls must do to attain such clairvoyant perception. You will find it stated that for those who wish to attain this clairvoyant knowledge, the ordinary means of cognition—perception through the ordinary senses, and reflection using ordinary intellectual and judgmental faculties—are insufficient; and you will be reminded that these must be transcended and that entirely new means of cognition, lying in embryonic form within the soul, must be sought.

[ 8 ] Sie haben wohl auch aus der Literatur entnommen, daß man drei Stufen unterscheiden kann, um zu dieser hellseherischen oder okkulten Erkenntnis hinaufzukommen. Die erste Stufe ist die der imaginativen Erkenntnis, die zweite die der inspirierten und die dritte die der intuitiven Erkenntnis. Wenn man in populärer Weise charakterisieren wollte, was erreicht wird durch diese Selbsterkenntnis, die mit den Mitteln der Imagination, der Inspiration und der Intuition erlangt wird, so müßte man sagen: Der Mensch kommt dadurch in die Lage, Dinge zu schauen, die sich dem gewöhnlichen Bewußtsein entziehen. Man braucht nur hinzuweisen auf den Gegensatz zwischen Wachen und Schlafen, und man wird in populärer Weise veranschaulichen können, was für den Menschen durch die okkulte Erkenntnis, durch die hellseherische Anschauung zu erreichen ist. Während des Wachens sieht der Mensch die sinnliche Welt als seine Umgebung, und er beurteilt sie mit seinem Verstande und seinen anderen Erkenntniskräften. Für das gewöhnliche Bewußtsein tritt die Finsternis des Bewußtseins ein, wenn der Mensch in den Schlafzustand eingeht. Aber der Mensch hört damit nicht auf zu sein, wenn er einschläft, und er entsteht auch nicht aufs neue, wenn er wieder aufwacht. Der Mensch lebt auch in der Zeit, welche vergeht zwischen dem Einschlafen und dem Wiedererwachen. Nur hat der Mensch nicht genug innere Kraft, nicht genug Stärke und Energie der Seelenkraft, die es ihm während des Schlafzustandes möglich machen würden, wahrzunehmen, was in seiner Umgebung ist. Man kann sagen: Des Menschen Erkenntniskräfte sind so, daß sie geschärft werden müssen durch die physischen Organe, durch die Sinne und durch die Nervenorgane, damit er für das gewöhnliche Bewußtsein etwas sieht in seiner Umgebung. In der Nacht, wenn der Mensch aus seinen Sinnesorganen und seinem Nervensystem heraus ist, dann sind die in der Seele befindlichen Kräfte zu schwach, um sich aufzuraffen und die Umgebung wahrzunehmen und zu schauen.

[ 8 ] You have probably also gathered from the literature that one can distinguish three stages in the ascent to this clairvoyant or occult knowledge. The first stage is that of imaginative knowledge, the second that of inspired knowledge, and the third that of intuitive knowledge. If one were to characterize in popular terms what is achieved through this self-knowledge, which is attained by means of imagination, inspiration, and intuition, one would have to say: Through this, the human being is enabled to perceive things that lie beyond ordinary consciousness. One need only point to the contrast between waking and sleeping to illustrate, in simple terms, what can be attained by human beings through occult knowledge and clairvoyant perception. While awake, a person perceives the sensory world as their environment and assesses it with their intellect and other cognitive faculties. For ordinary consciousness, the darkness of consciousness sets in when a person enters the state of sleep. But a person does not cease to be when they fall asleep, nor are they newly created when they wake up again. A person also lives in the time that elapses between falling asleep and waking up again. It is just that the human being lacks sufficient inner strength, sufficient vigor and energy of the soul, which would enable him during the state of sleep to perceive what is in his surroundings. One might say: The human being’s powers of cognition are such that they must be sharpened through the physical organs, through the senses, and through the nervous system, so that he may perceive something in his surroundings for ordinary consciousness. At night, when a person is detached from their sensory organs and nervous system, the forces within the soul are too weak to rouse themselves and perceive and observe the surroundings.

[ 9 ] Das, was da in der Nacht zu schwach ist, um die Umgebung wahrzunehmen, das in einen solchen Zustand zu versetzen, daß es unter gewissen Voraussetzungen, nicht immer, im Zustande des gewöhnlichen Schlafes wahrnehmen kann, was uns im Schlafe umgibt, das zu erreichen ist möglich durch die Mittel, welche zum Zwecke der Schulung in okkulter Erkenntnis gegeben werden. So daß der Mensch eine weitere, eine neue, man könnte sagen — wenn ein solches Wort nicht in gewissem Sinne doch unberechtigt wäre —, eine höhere Welt als die sonstige wahrnehmen kann.

[ 9 ] That which is too weak at night to perceive its surroundings—to bring it into a state where, under certain conditions (though not always), it can perceive during ordinary sleep what surrounds us while we sleep—this can be achieved through the methods provided for the purpose of training in occult knowledge. So that a person can perceive a broader, a new—one might say, if such a word were not in a certain sense unjustified—a higher world than the ordinary one.

[ 10 ] Es ist also im wesentlichen eine Umwandlung der Seele, die eine Erstarkung, eine Vergrößerung der Energie der inneren Seelenkräfte bedeutet. Wenn diese Umwandlung, diese Erstarkung vor sich geht, dann weiß der Mensch, worin das eigentlich besteht, was beim Einschlafen aus dem physischen Leibe herausgeht und beim Aufwachen wieder in den physischen Leib hineingeht. Dann weiß er auch, daß in dem, was da während des Schlafens aus dem Leibe heraus ist, der innere Wesenskern enthalten ist, der mit der Geburt eintritt in den physischen Leib und, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes geht, wieder heraustritt aus dem physischen Leibe. Es weiß dann auch der Mensch, wie er in der Zeit zwischen dem 'Tode und einer neuen Geburt in der geistig-seelischen Welt lebt. Kurz, der Mensch lernt geistig erkennen, und er lernt die Umgebung, die geistiger Art ist und sich dem gewöhnlichen Bewußtsein entzieht, ebenfalls kennen. In dieser geistigen Welt aber liegen die eigentlichen Urgründe des Daseins, die Gründe auch für das physische, für das sinnliche Dasein, so daß der Mensch durch die okkulte Erkenntnisart die Fähigkeit erlangt, die Urgründe des Daseins anzuschauen. Aber nur dadurch erlangt er diese Fähigkeit, daß er sich selber zuerst umwandelt in ein anderes Erkenntniswesen, als er es innerhalb des gewöhnlichen Bewußstseins ist.

[ 10 ] It is, in essence, a transformation of the soul that signifies a strengthening, an increase in the energy of the soul’s inner powers. When this transformation, this strengthening, takes place, then the human being knows what it actually consists of—that which leaves the physical body when falling asleep and returns to the physical body upon waking. Then they also know that what leaves the body during sleep contains the inner core of the being, which enters the physical body at birth and, when the person passes through the gate of death, leaves the physical body again. Then the human being also knows how he lives in the world of the spirit and soul during the time between death and a new birth. In short, the human being learns to perceive spiritually, and he also comes to know the environment that is of a spiritual nature and lies beyond ordinary consciousness. In this spiritual world, however, lie the very foundations of existence, the reasons for physical, sensory existence as well, so that through occult knowledge the human being gains the ability to contemplate the foundations of existence. But he acquires this ability only by first transforming himself into a different kind of knowing being than he is within ordinary consciousness.

[ 11 ] Der Okkultismus also kann dem Menschen nur zukommen, wenn er es unternimmt, die ihm für die okkulte Erkenntnisart dargebotenen Mittel wirklich auf sich anzuwenden. Es liegt in der Natur der Sache, und es wird auch in der Literatur darauf hingewiesen und auch hier in den Vorträgen ist schon davon gesprochen worden, daß es in der bisherigen Menschheitsentwickelung naturgemäß nicht jedermanns Sache war, sich so selbst zu erziehen, daß er unmittelbar in die geistige Welt hineinschauen konnte, also auf die geschilderte Art und Weise zu den Urgründen des Daseins vorzudringen vermochte. Diese Mittel, um zu den Urgründen des Daseins vorzudringen, wurden immer gegeben in engeren Kreisen, in denen streng darauf gesehen ward, daß der Mensch zuerst die vorbereitende Erziehung hatte, die ihn reif machte, die okkulten Erkenntnismittel auf seine Seele anzuwenden, bevor ihm die höheren Mittel okkulter Erkenntnis dargeboten wurden.

[ 11 ] Occultism, then, can only be of benefit to a person if they undertake to truly apply to themselves the means offered to them for this form of occult knowledge. It is in the nature of things—and this has also been pointed out in the literature and discussed here in these lectures—that, in the course of human development to date, it was naturally not everyone’s calling to educate themselves in such a way that they could look directly into the spiritual world, that is, to penetrate to the very foundations of existence in the manner described. These means of penetrating to the very foundations of existence were always imparted within close-knit circles, where strict care was taken to ensure that the individual first received the preparatory training that would make him or her ready to apply the means of occult knowledge to his or her soul before the higher means of occult knowledge were offered to him or her.

[ 12 ] Es ist leicht einzusehen, warum das so sein muß. Die höhere, die okkulte Erkenntnis führt ja zu den Gründen des Daseins, führt hinein in diejenigen Welten, aus denen heraus gewissermaßen unsere Welt gemacht ist, so daß der Mensch mit diesen okkulten Erkenntnissen auch gewisse Fähigkeiten erlangt, die er sonst nicht hat. Gewissermaßen wird der Mensch, indem er in die Urgründe des Daseins hineindringt, Dinge zu vollführen in der Lage sein, die er mit den gewöhnlichen Erkenntnismitteln nicht ausführen kann. Nun gibt es eine Tatsache, die dies ganz klarmacht. Wir werden diese Tatsache noch besprechen; jetzt soll sie nur angeführt werden, um zu zeigen, daß nicht jedem die okkulten Erkenntnismittel gegeben werden konnten. Diese Tatsache ist die, daß der Mensch während der Erdenentwickelung notwendig eingepflanzt erhalten mußte den Egoismus. Ohne den Egoismus hätte der Mensch seine Erdenaufgabe nicht vollziehen können, denn diese besteht ja gerade darin, aus dem Egoismus heraus sich zur Liebe zu entwickeln und durch die Liebe den Egoismus zu adeln, zu überwinden, zu vergeistigen. Am Ende der Erdenentwickelung wird der Mensch von der Liebe durchdrungen sein. Er kann aber nur in Freiheit zu dieser Liebe sich hinentwickeln dadurch, daß seinem Wesen von Anfang an der Egoismus eingepflanzt war. Nun aber wirkt der Egoismus im höchsten Maße gefährlich und schädlich, wenn er etwas unternimmt, was hinter der Welt des gewöhnlichen Bewußtseins liegt. Wenn der Egoismus, von dem auch im Grunde genommen die ganze menschliche Geschichte durchdrungen ist, schon im gewöhnlichen, sinnlichen Leben Schaden über Schaden anrichtet, so muß man doch sagen, daß diese Schäden eine Kleinigkeit sind gegenüber den großen Schädigungen, die er hervorruft, wenn er arbeiten kann mit den Mitteln okkulter Erkenntnis.

[ 12 ] It is easy to see why this must be so. Higher, occult knowledge leads to the foundations of existence; it leads into those worlds from which, in a sense, our world is made, so that through this occult knowledge, a person also acquires certain abilities that he or she would not otherwise possess. In a sense, by penetrating into the very foundations of existence, a person will be able to accomplish things that they cannot achieve with ordinary means of knowledge. Now there is a fact that makes this quite clear. We will discuss this fact later; for now, it is merely cited to show that the means of occult knowledge could not be given to everyone. This fact is that, during the course of Earth’s evolution, human beings necessarily had to have egoism implanted within them. Without egoism, human beings could not have fulfilled their earthly task, for this task consists precisely in developing from egoism toward love and, through love, ennobling, overcoming, and spiritualizing egoism. At the end of Earth’s development, humanity will be permeated by love. But it can only develop toward this love in freedom because egoism was implanted in its nature from the very beginning. Yet egoism is extremely dangerous and harmful when it undertakes anything that lies beyond the realm of ordinary consciousness. If egoism—which, in essence, permeates the entire history of humanity—already causes harm upon harm in ordinary, sensory life, one must nevertheless say that these harms are trivial compared to the great damage it causes when it is able to work with the means of occult knowledge.

[ 13 ] So war es immer eine notwendige Voraussetzung, daß bei denen, welchen die Mittel okkulter Erkenntnis gegeben wurden, ein so gestreng vorbereiteter Charakter vorhanden war, daß sie, wie groß auch die Verlockungen der Welt sein mochten, nicht arbeiten wollten im Sinne des Egoismus. Das war der erste bedeutungsvolle Grundsatz der Vorbereitung für die okkulte Erkenntnis, daß der Charakter jener Menschen, welche zu diesen Erkenntnissen zugelassen wurden, es nicht gestattete, die okkulten Erkenntnisse im egoistischen Sinne zu mißbrauchen. Das bedingte naturgemäß, daß nur wenige nach und nach ausgewählt werden konnten im Laufe der Menschheitsentwickelung, um aufgenommen zu werden in jene okkulten Schulen, die man in den alten Zeiten die Mysterien und auch anders nannte, und daß somit nur diesen wenigen die Mittel gegeben wurden, zu solcher okkulten Erkenntnis aufzusteigen. Die okkulten Erkenntnisse, die diese wenigen dann erreichten, hatten ganz bestimmte Eigenschaften, ganz bestimmte Eigentümlichkeiten.

[ 13 ] Thus, it was always a necessary prerequisite that those to whom the means of occult knowledge were given possessed a character so rigorously prepared that, no matter how great the temptations of the world might be, they would not act out of selfishness. This was the first significant principle of preparation for occult knowledge: that the character of those people admitted to these insights did not permit them to misuse occult knowledge for selfish ends. This naturally meant that only a few could be selected over time in the course of human development to be admitted into those occult schools which in ancient times were called the Mysteries and by other names, and that thus only these few were given the means to ascend to such occult knowledge. The occult knowledge that these few then attained had very specific characteristics, very specific peculiarities.

[ 14 ] Das, was ich nun als Eigenschaft dieser okkulten Erkenntnis anführen will, ändert sich in gewisser Beziehung gerade in unserer Zeit; aber es war im Grunde genommen gemeinschaftlich allen bisherigen, im rechten Sinne des Wortes so zu nennenden okkulten Schulen. Es war notwendig in diesen okkulten Schulen, in denen den Menschen dargereicht wurden die Mittel okkulter Erkenntnis, daß unter den vielen Dingen, die überwunden werden mußten, um damit auch den Egoismus zu überwinden, sogar auch dieses war: nicht mit den gewöhnlichen Worten zu sprechen innerhalb der Mysterien, innerhalb der okkulten Schulen, nicht mit den gewöhnlichen Worten sich zu verständigen, mit denen man sich im Leben des äußerlichen Bewußtseins verständigt. Denn eine gewisse Art, wenn auch eines feineren, man möchte sagen, höheren Egoismus geht schon in den Menschen über dadurch, daß man sich der Worte, Gedanken und Begriffe bedient, die im äußeren Leben verwendet werden. Da kommen alle diejenigen Dinge in Betracht, die den Menschen nicht erscheinen lassen als Menschen überhaupt, sondern als Angehörigen eines bestimmten Volkes mit all den Egoismen, die ihm eben eigen sind dadurch, daß er, berechtigterweise für das äußere Leben, sein Volk liebt. Für das äußere Bewußtsein ist es selbstverständlich und es muß so sein, daß die Menschen jene feineren, höheren Egoismen haben, und diese höheren Egoismen sind sogar in gewisser Beziehung das löblichste des Daseins. Für die höchsten allgemein-menschlichen Erkenntnisse, die hinter dem Leben des gewöhnlichen Bewußtseins zu suchen sind, dürfen wir aber auch diese höheren, verfeinerten Egoismen nicht mitbringen. Daher wurde die Vorbereitung in den okkulten Schulen so gepflogen, daß sozusagen zuerst eine allgemein-menschliche Sprache geschaffen wurde. In diesen okkulten Schulen wurde nicht die Sprache des gewöhnlichen Lebens, sondern eine Sprache benützt, die anders auf die Menschen wirkte als irgendeine sonstige Sprache, die da oder dort gesprochen wurde. Es war dies eine Sprache, die nicht durch Worte und Gedanken wirkte, so wie man in der gewöhnlichen Wissenschaft vorträgt, sondern durch Symbole. Für diejenigen, die Mathematik kennen, ist es ja ohne weiteres klar, daß sie die allgemeine Anwendung dadurch hat, daß man Symbole wählt, die man überall anwenden kann. Dadurch, daß man solche Symbole wählte, sich sozusagen hinaufentwickelte, eine Sprache zu haben, die in Symbolen spricht, war man hinaus über das, was sich in unser Urteil, in unser gewöhnliches Bewußtsein hineinmischt von Egoismus, auch von höheren Egoismen. Damit aber war man mit dem, was man darstellen und sagen konnte, auch nur denjenigen verständlich, die zuerst diese allgemeine menschliche Sprache, diese Symbole kennengelernt hatten. Die Sprache bestand in Symbolen, die man zeichnen konnte, die man in Handbewegungen ausführte in den Ritualen, in Farbenzusammenistellungen ausdrückte und so weiter. Und die Hauptsache in den Geheimschulen war nicht das, was durch die Worte verkündet wurde, denn das war nur Vorbereitung, sondern dasjenige, was gesagt wurde in der Sprache der Symbole, unabhängig von den gewöhnlichen menschlichen Worten und auch unabhängig von den gewöhnlichen menschlichen Gedanken. Das erste also in den Geheimschulen war die Bildung einer symbolischen Sprache.

[ 14 ] What I now wish to describe as a characteristic of this occult knowledge is, in a certain sense, changing precisely in our time; but it was, in essence, common to all the occult schools of the past that can be called such in the true sense of the word. In these occult schools, where the means of occult knowledge were imparted to people, it was necessary that among the many things that had to be overcome—in order thereby to overcome egoism as well—there was even this: not to speak in ordinary words within the mysteries, within the occult schools; not to communicate in the ordinary words used in the life of outer consciousness. For a certain kind of egoism—albeit a more subtle, one might say higher, form—already takes hold in people through the use of the words, thoughts, and concepts employed in outer life. Here all those things come into consideration that do not allow people to appear as human beings at all, but as members of a particular people with all the forms of egoism that are characteristic of them precisely because they love their people—rightly so, for the sake of external life. For the outer consciousness, it is self-evident and must be so that people possess these finer, higher forms of egoism, and these higher forms of egoism are, in a certain sense, the most praiseworthy aspect of existence. For the highest universal human insights, which are to be sought beyond the life of ordinary consciousness, however, we must not bring these higher, refined forms of egoism with us. Therefore, preparation in the occult schools was conducted in such a way that, so to speak, a universal human language was first created. In these occult schools, the language of ordinary life was not used, but rather a language that affected people differently than any other language spoken here or there. This was a language that did not work through words and thoughts, as one presents in ordinary science, but through symbols. For those familiar with mathematics, it is readily clear that its general applicability stems from the choice of symbols that can be applied everywhere. By choosing such symbols, by, so to speak, evolving to the point of having a language that speaks in symbols, one transcended what interferes with our judgment and our ordinary consciousness—namely, egoism, and even higher forms of egoism. But as a result, what one could represent and say was understandable only to those who had first become acquainted with this universal human language, these symbols. The language consisted of symbols that could be drawn, performed through hand movements in rituals, expressed through color combinations, and so on. And the main thing in the secret schools was not what was proclaimed through words, for that was only preparation, but rather what was said in the language of symbols, independent of ordinary human words and also independent of ordinary human thoughts. The first thing, then, in the secret schools was the formation of a symbolic language.

[ 15 ] In den ältesten Zeiten betrachteten es die den Mysterien als Eingeweihte Zugehörigen als strengste Verpflichtung, von der allgemeinen Mysteriensprache, von den allgemeinen Symbolen nach außen nichts zu verraten, weil der Mensch, wenn er die Symbole kennengelernt hätte und scharfsinnig genug gewesen wäre, unvorbereitet zu den Mitteln der okkulten Erkenntnis hätte kommen können. Die Schaffung der Symbole war das Mittel, eine allgemeine menschliche Sprache zu sprechen. Die Geheimhaltung der Symbole war das Mittel, das, was ihnen durch diese Sprache gegeben wurde, nicht an unreife Menschen herankommen zu lassen.

[ 15 ] In the earliest times, those initiated into the Mysteries regarded it as their strictest duty not to reveal anything of the general language of the Mysteries or of the general symbols to the outside world, because if a person had become acquainted with the symbols and had been perceptive enough, he might have arrived at the means of occult knowledge unprepared. The creation of symbols was the means of speaking a universal human language. Keeping the symbols secret was the means of preventing what was given to them through this language from reaching immature people.

[ 16 ] So ist schon dadurch, daß man eigentlich sich gezwungen fühlte, eine symbolische Sprache zu sprechen oder zu gebrauchen, die Unmöglichkeit geschaffen worden, so allgemeinhin das Mysterienwissen mitzuteilen. Das eigentliche Mysterienwissen, der eigentliche Okkultismus war daher auch immer das von den Mysterien, den Geheimschulen behütete, durch die okkulten Erkenntnisse erlangte Menschheitswissen, und es war dieses Menschheitswissen immer auf die eben charakterisierten engeren Kreise beschränkt.

[ 16 ] Thus, simply by the fact that one felt compelled to speak or use a symbolic language, the impossibility of communicating the knowledge of the mysteries to the general public was created. True mystery knowledge, true occultism, was therefore always the knowledge of humanity preserved by the mysteries and the secret schools and attained through occult insights, and this knowledge of humanity was always restricted to the narrower circles just described.

[ 17 ] Aber es gibt gewissermaßen noch einen anderen Grund, warum nicht allgemein mitgeteilt werden konnte das, was den Okkultismus ausmacht. Wie man zunächst frei sein muß von Egoismus, um hineindringen zu dürfen in die Welt, die einem offenbar werden soll, so ist man auf der anderen Seite, wenn sich die Erkenntniskraft umgewandelt hat und der Mensch durch Selbsterziehung dazu gekommen ist, in diese ganz andersgeartete Welt hineinzuschauen, unfähig, sich zu bedienen der gewöhnlichen menschlichen Begriffe und menschlichen Ideen. Die Schaffung der Symbole hat auch noch den anderen Zweck und Sinn, Mittel zu schaffen, in denen man das ausdrücken kann, was man mit gewöhnlichen menschlichen Worten und Begriffen wirklich nicht auszudrücken vermag. Denn der Okkultismus bedient sich ja des Menschenwesens so, wie es ist, wenn es nicht auf die Sinne und das Gehirn angewiesen ist, sondern außerhalb der Sinne und des Gehirns sich befindet. Alle gewöhnlichen Worte sind aber so geprägt, daß sie mit dem Gehirn und aus der äußeren Anschauung heraus entstanden sind; so daß man sogleich, wenn einem eine okkulte Erkenntnis aufgeht, fühlt, wie unmöglich es ist, sie in den gewöhnlichen Worten auszudrücken.

[ 17 ] But there is, in a sense, another reason why it has not been possible to make public what constitutes occultism. Just as one must first be free of egoism in order to be permitted to enter the world that is to be revealed to one, so, on the other hand, once the power of cognition has been transformed and the human being has, through self-education, come to look into this entirely different kind of world, one is unable to make use of ordinary human concepts and human ideas. The creation of symbols also serves the further purpose and meaning of providing means by which one can express what one truly cannot express with ordinary human words and concepts. For occultism makes use of the human being as it is when it is not dependent on the senses and the brain, but exists outside the senses and the brain. All ordinary words, however, are so shaped that they have arisen from the brain and from external perception; so that as soon as an occult insight dawns upon one, one feels how impossible it is to express it in ordinary words.

[ 18 ] Okkulte Erkenntnisse sind solche, die man erlangt außerhalb des physischen Leibes. Sie auszusprechen mit den Mitteln, die durch den physischen Leib erlangt sind, ist für den Anfang der okkulten Erkenntnis zunächst überhaupt noch unmöglich.

[ 18 ] Occult knowledge is that which is attained outside the physical body. For those just beginning to acquire occult knowledge, it is initially impossible to express it using the means acquired through the physical body.

[ 19 ] Nun ist aber die okkulte Erkenntnis etwas, was nicht bloß dazu da ist, um von einigen Menschen, die neugierig sind, erkannt zu werden, sondern sie ist der Inhalt dessen, was zugleich für die Menschheit das allernotwendigste, das allerwesentlichste ist. Die okkulte Erkenntnis ist das Erleben der Urgründe des Daseins, der Urgründe des menschlichen Daseins vor allen Dingen. Die okkulte Erkenntnis mußte deshalb immer in das Leben eindringen, mußte dem Leben mitgeteilt werden. Daher mußten Mittel ausfindig gemacht werden, um die okkulten Erkenntnisse ins Leben hineintragen zu können, um sie den Menschen in ihrer Art verständlich zu machen.

[ 19 ] But occult knowledge is not merely something intended to be grasped by a few curious individuals; rather, it is the very essence of what is most necessary and most essential for humanity. Occult knowledge is the experience of the fundamental principles of existence, above all the fundamental principles of human existence. Occult knowledge therefore had to penetrate into life, had to be communicated to life. Hence, means had to be found to carry occult knowledge into life, to make it understandable to people in their own way.

[ 20 ] Das erste Mittel, okkulte Erkenntnisse den Menschen verständlich zu machen, ist und war immer dasjenige, was man Theosophie nennt. Wenn man die okkulten Erkenntnisse zur Theosophie macht, dann verzichtet man auf eine wesentliche Eigenschaft der okkulten Erkenntnisse, nämlich man verzichtet darauf, nur mit den allerhöchsten Mitteln zu sprechen. Man geht dazu über, in gewöhnliche menschliche Worte und menschliche Begriffe diese okkulten Erkenntnisse einzukleiden. Als Theosophie tritt daher die okkulte Erkenntnis so auf, daß sie zum Beispiel mitgeteilt wird dem einen Volke so, daß die Vorstellungen und Begriffe dieses Volkes dazu verwendet werden, um die allgemeinen okkulten Erkenntnisse einzukleiden. Dadurch wird aber die okkulte Erkenntnis spezifiziert und differenziert, weil es dann nur Mitteilungen durch die Worte eines Teils der Menschheit sind. Deshalb ist es aber auch gekommen, daß diejenigen, welche in den Geheimschulen in den Besitz des Geheimwissens gekommen sind, es spezialisierten und differenzierten, eben weil sie es einzukleiden hatten in die spezielle Sprache des betreffenden Volkes, weil sie einzukleiden hatten in die Sprache der Völker dasjenige, was in der okkulten Erkenntnis allgemeines Menschheitsgut ist.

[ 20 ] The primary means of making occult knowledge understandable to people is, and always has been, what is known as theosophy. When one transforms occult knowledge into theosophy, one relinquishes an essential characteristic of that knowledge: namely, the requirement to speak only through the highest means. Instead, one proceeds to clothe these occult insights in ordinary human words and human concepts. As theosophy, therefore, occult knowledge appears in such a way that it is communicated, for example, to a particular people in a manner that employs that people’s mental images and ideas to clothe the general occult knowledge. Through this, however, the occult knowledge becomes specified and differentiated, because it is then communicated only through the words of a portion of humanity. This is also why those who have come into possession of secret knowledge in the secret schools have specialized and differentiated it—precisely because they had to clothe it in the specific language of the people in question, because they had to clothe in the language of the peoples that which, in occult knowledge, is the common heritage of humanity.

[ 21 ] Es bestand in den Mysterien immer das Ziel und die Absicht, wenn man das allgemeine Menschheitsgut des Okkultismus in die speziellen Formen einer einzelnen Volkssprache oder einzelner Volksseelen verpflanzte, so allgemein-menschlich wie möglich zu bleiben. Aber zugleich mußte man verständlich werden, mußte man sich ausdrücken in der Sprache, die das Volk spricht, mußte man sich ausdrücken in den Begriffen, die das Volk ausgebildet hatte. So mußten die einzelnen Theosophen, die in der Menschheit aufgetreten sind, Rücksicht darauf nehmen, verständlich zu werden für den speziellen Zweck und für das spezielle Gebiet, über das sie sprachen. Es ist nicht ganz leicht, in einer speziellen Sprache, in speziellen Begriffsformen das allgemeine okkulte Menschheitsgut zum Ausdruck zu bringen. Aber es ist dies eben doch bis zu einem hohen Grade auf verschiedenen Gebieten der Erde und des geschichtlichen Lebens geschehen.

[ 21 ] In the Mysteries, the goal and intention was always to remain as universal as possible when transplanting the common human heritage of occultism into the specific forms of a particular national language or the Folk-souls of a particular people. But at the same time, one had to become understandable; one had to express oneself in the language spoken by the people; one had to express oneself in the concepts the people had developed. Thus, the individual theosophists who have appeared among humanity had to take care to make themselves understandable for the specific purpose and for the specific field about which they were speaking. It is not entirely easy to express the general occult heritage of humanity in a specific language and through specific conceptual forms. Yet this has indeed been achieved to a high degree in various regions of the Earth and throughout the course of history.

[ 22 ] Während nun der Okkultismus in seinem eigentlichen Sinne etwas ist, in das man sich hineinlebt dadurch, daß man die Mittel der hellseherischen Selbstzucht auf sich anwendet und also hinaufkommt zum Schauen, ist die Theosophie etwas, was einem entgegentritt in den Begriffen und Ideen, die man schon vorher hatte, in die nur eingekleidet sind die okkulten Erkenntnisse.

[ 22 ] While occultism, in its true sense, is something one enters into by applying the methods of clairvoyant self-discipline to oneself and thus ascending to the realm of vision, theosophy is something that confronts one through the concepts and ideas one already possessed, into which occult knowledge is merely clothed.

[ 23 ] Wenn nun die okkulten Erkenntnisse in die gewöhnlichen Begriffe und Ideen richtig eingekleidet sind, dann sind sie auch für den, der gesunde Urteilskraft hat und der sich Mühe gibt, die Dinge zu begreifen, verständlich. Daher ist die Theosophie für den gesunden Menschenverstand, wenn er sich nur Mühe gibt, durchaus zu begreifen. Man braucht nicht zu sagen: Nur der kann einsehen, nur der kann das Okkulte begreifen, der selbst zum okkulten Schauen kommt. Wenn eingekleidet sind die okkulten Wahrheiten in Begriffsformen wie in der Theosophie, dann sind sie dem gesunden Menschenverstande begreiflich.

[ 23 ] If occult insights are properly clothed in ordinary concepts and ideas, then they are also understandable to anyone who possesses sound judgment and makes an effort to grasp them. Therefore, theosophy is entirely comprehensible to common sense, provided one makes the effort. It is not necessary to say: Only those who attain occult vision themselves can perceive and comprehend the occult. When the occult truths are clothed in conceptual forms, as in Theosophy, they are comprehensible to common sense.

[ 24 ] Nun gibt es gewisse Gesetze der Menschheitsentwickelung, über die wir noch sprechen werden, welche im Laufe der Zeit es notwendig machten, man könnte sagen, die Theosophie auch wiederum zu differenzieren, abzuändern. Während wir, wenn wir in die älteren Zeiten der menschlichen Entwickelung zurückgehen, im Grunde genommen bei den ältesten Völkern — nicht bei den dekadenten Völkern, die eine sich selbst nicht verstehende Anthropologie die «Urvölker» nennt, sondern bei den ursprünglichen Völkern, die uns die Geisteswissenschaft zeigt — die Mysterien und Geheimschulen finden, welche einzelnen wenigen das okkulte Wissen vermittelten, und daneben auch das, was im allgemeinen verkündet wurde als Theosophie, die in Volksideen eingekleideten okkulten Erkenntnisse, wurde es in späteren Zeiten etwas anders. Da geht die theosophische Form, welche in der älteren Zeit fast die einzige war, in der der Mensch zu den Urgründen hinaufkommen konnte, mehr in die religiöse Form über, die überall damit rechnet, daß die Theosophie zwar von dem gesunden Menschenverstand, wenn er nur weit genug geht, einzusehen ist, daß aber mit dem fortschreitenden Leben der Menschen in der Geschichte es nicht immer möglich war, diesen umfassenden Standpunkt des gesunden Menschenverstandes einzunehmen. So daß auch gesorgt werden mußte für diejenigen menschlichen Gemüter, welche einfach durch das äußere Leben keine Möglichkeit hatten, den Standpunkt des gesunden Menschenverstandes so hoch zu nehmen, wie er in der Urzeit war, und wie er notwendig ist, um die okkulten Wahrheiten durchsichtig zu machen. Es war nötig, für diejenigen Gemüter, welche nicht zu dem umfassenden Standpunkte kommen konnten, eine Art von Glaubenserkenntnis zu gewinnen von den Urgründen des Daseins.

[ 24 ] Now there are certain laws of human development—which we will discuss later—that, over time, made it necessary, one might say, to further differentiate and modify theosophy. Whereas, if we go back to the earlier periods of human development, we essentially find among the most ancient peoples—not the decadent peoples whom an anthropology that does not understand itself calls “primitive peoples,” but rather the original peoples revealed to us by Spiritual Science—the mysteries and secret schools that imparted occult knowledge to a select few, and alongside this also what was generally proclaimed as theosophy—the occult insights clothed in popular ideas—things became somewhat different in later times. There the theosophical form, which in earlier times was almost the only one through which human beings could ascend to the primordial sources, gradually gave way to the religious form, which everywhere takes into account that while theosophy can indeed be grasped by common sense—provided it goes far enough—it was not always possible, with the progress of human life throughout history, to adopt this comprehensive standpoint of common sense. Thus, provision also had to be made for those human minds which, simply due to their external circumstances, had no opportunity to raise the standpoint of common sense to the level it had in primeval times, and to the level necessary to make the occult truths transparent. It was necessary for those minds that could not reach this comprehensive perspective to gain a kind of faith-based understanding of the foundations of existence.

[ 25 ] Aus einer Art Gefühlserkenntnis, die auch geprägt wurde in den Mysterien, ging die Religionsform des Wissens hervor, und diese ist im wesentlichen für die späteren Zeiten das Populäre, das leichter zu Erreichende gegenüber der ursprünglichen theosophischen Form. Wenn wir daher in der Menschheitsentwickelung zurückgehen, so finden wir als älteste Form der Weltanschauung nicht eigentlich den Charakter des Religiösen, wie ihn die Menschen heute verstehen. Wenn wir zurückgehen in die erste nachatlantische Zeit, in die indische Urzeit, da finden wir das okkulte Geheimwissen im Grunde genommen so weit, daß das Volk teilnehmen konnte an dem Wissen als Theosophie. Für die älteste indische Urzeit fällt im Grunde genommen Religion zusammen mit 'Theosophie. Religion ist da nichts Besonderes, nichts Abgesondertes von der Theosophie. Daher, wenn wir die Religionsentwickelung zurückverfolgen, finden wir an deren Ausgangspunkt die Theosophie. Aber mit dem Fortschreiten der Menschheitsentwickelung mußte die religiöse Form immer mehr angenommen werden, mußte darauf verzichtet werden, daß der Mensch mit seinem gesunden Menschenverstand auch einsah, was die Theosophie bieten konnte. Da wurden die theosophischen Wahrheiten in Glaubenswahrheiten umgegossen.

[ 25 ] From a kind of intuitive insight, which was also shaped within the mysteries, the religious form of knowledge emerged; and for later times, this has essentially become the more popular and accessible alternative to the original theosophical form. If we therefore look back at human development, we do not actually find the character of religion, as people understand it today, as the oldest form of worldview. If we go back to the first post-Atlantean epoch, to Indian prehistory, we find that occult secret knowledge had, in essence, reached such a level that the people could participate in this knowledge as theosophy. In the earliest Indian prehistory, religion essentially coincides with ‘theosophy.’ Religion there is nothing special, nothing separate from theosophy. Therefore, when we trace the development of religion back, we find theosophy at its starting point. But as human development progressed, religious forms had to be adopted more and more, and it became necessary to relinquish the idea that human beings, using their common sense, could also grasp what theosophy had to offer. Thus, theosophical truths were recast as articles of faith.

[ 26 ] Und wenn wir aus den ältesten Zeiten in die späteren kommen, dann finden wir mit dem Christentum die alleräußerste Umwandlung vor sich gehen, die Umwandlung von der theosophischen Form in die religiöse Form. In den äußerlichen christlichen Bekenntnissen, die sich entwickelt haben im Laufe der Jahrhunderte, ist zunächst sehr wenig zu bemerken von Theosophie. Da tritt der alte Charakter der Theosophie ganz zurück, und wir sehen sogar, wie in der Entwickelung des Christentums sich hinzuentwickelt zu dem Glauben die Theologie, nicht aber die 'Theosophie, welche sogar von den Theologen mit einem gewissen Haß, jedenfalls aber mit Antipathie und Abneigung verfolgt wurde. So sehen wir, daß das Christentum ausbildet im Laufe der Zeit neben dem populären Glauben wohl eine Theologie, aber keine Theosophie, sich vielmehr abwendet von allem Theosophischen.

[ 26 ] And as we move from the earliest times to later periods, we find that with Christianity the most radical transformation is taking place: the transformation from the theosophical form to the religious form. In the external Christian creeds that have developed over the centuries, there is initially very little to be found of theosophy. There the old character of theosophy recedes entirely, and we even see how, in the development of Christianity, theology evolves alongside the faith, but not theosophy, which was even pursued by theologians with a certain hatred, or at least with antipathy and aversion. Thus we see that, over time, Christianity developed alongside popular belief a theology, but not a theosophy; rather, it turned away from all things theosophical.

[ 27 ] Eine dritte Form, in welche das Streben des Menschen nach den Urgründen des Daseins gekleidet wurde, ist dann die philosophische. Während die okkulte Erkenntnis gewonnen wird von dem Menschenwesen, insofern es frei ist vom physischen Leibe, und während die Theosophie in äußeren Gedanken und äußeren Wortausdrücken die okkulten Erkenntnisse wiedergibt, strebt die Philosophie an, mit jenen Mitteln der Erkenntnis, die zwar die feinsten, die subtilsten sind, die aber doch an das Instrument des Gehirns gebunden sind, die Weltengründe zu erreichen. Die Philosophie, so wie sie auftritt in der eigentlich philosophischen Zeit der Menschheitsentwickelung, will nicht in der Weise wie die Theosophie zunächst etwas wiedergeben, was außerhalb der menschlichen Leiblichkeit gewonnen wird, sondern sie will, soweit dies möglich ist mit den Mitteln der gewöhnlichen Erkenntnis, die innerhalb der Leiblichkeit angewendet werden, zu den Urgründen des Daseins hintreten. So erstrebt man, die philosophischen Wahrheiten zu erlangen zwar mit den feinsten Mitteln, solange der Mensch im Leibe ist, aber doch nur mit Erkenntnismitteln, die an den Leib gebunden sind. Die Philosophie hat daher im Grunde genommen dasselbe Ziel, nämlich zu den Urgründen des Daseins zu kommen wie der Okkultismus und die Theosophie; aber die Philosophie strebt danach, mit jenem Denken, jenen Forschungsmitteln, die an das Gehirn und an die äußere Wahrnehmung gebunden sind, so weit zu den Urgründen des Daseins vorzudringen, als es mit diesen Forschungsmitteln überhaupt möglich ist.

[ 27 ] A third form in which humanity’s quest for the origins of existence has taken shape is the philosophical one. While occult knowledge is attained by the human being insofar as it is free from the physical body, and while theosophy conveys occult knowledge through external thoughts and verbal expressions, philosophy strives to reach the foundations of the world using those means of knowledge which, though the finest and most subtle, are nevertheless bound to the instrument of the brain. Philosophy, as it appears in the truly philosophical era of human development, does not seek, in the manner of theosophy, to first convey something gained outside of human physicality, but rather seeks, as far as possible with the means of ordinary cognition applied within physicality, to penetrate to the very foundations of existence. Thus one strives to attain philosophical truths, albeit with the most subtle means, as long as the human being is in the body, but nevertheless only with means of knowledge that are bound to the body. Philosophy therefore has, in essence, the same goal—namely, to reach the foundations of existence—as occultism and theosophy; but philosophy strives to penetrate as far as possible into the foundations of existence using the thinking and investigative methods bound to the brain and to external perception, to the extent that this is at all possible with these investigative methods.

[ 28 ] Nun ist die Philosophie dadurch, daß sie mit den subtilsten, den feinsten Erkenntnismitteln arbeitet, wenn auch nur mit Erkenntnismitteln, die an das Gehirn und an die äußere Sinneswahrnehmung gebunden sind, wiederum eine Angelegenheit nur weniger Menschen. Nur wenige Menschen sind es, welche sich bedienen dieser feinsten Erkenntnismittel. Wir wissen zur Genüge, wie die Philosophie etwas ist, was wahrhaftig nicht populär werden kann, was sogar von einer großen Anzahl von Menschen als etwas viel zu Schwieriges, wenn nicht sogar Langweiliges empfunden wird.

[ 28 ] Now, because philosophy works with the most subtle, the finest means of knowledge—even if these means are limited to the brain and external sensory perception—it is, in turn, a matter for only a few people. Only a few people make use of these finest means of knowledge. We know all too well that philosophy is something that truly cannot become popular, something that is even perceived by a large number of people as far too difficult, if not downright boring.

[ 29 ] Das müssen wir aber ins Auge fassen, daß die Philosophie mit den an die Sinne gebundenen Erkenntnismitteln arbeitet und von diesen die feinsten und subtilsten auswählt. Dadurch, daß in der Philosophie der Mensch sich der Mittel, die mit seiner Persönlichkeit zusammenhängen, bedient, ist die Philosophie selbstverständlich etwas Persönliches. Weil aber der Mensch, wenn er sich zu den subtilsten Erkenntnismitteln hinaufarbeitet, doch Veranlassung hat, bis zu einem gewissen Grade das Persönliche abzustreifen, wird die Philosophie wieder etwas Allgemeines.

[ 29 ] We must, however, bear in mind that philosophy works with the means of knowledge tied to the senses and selects from them the finest and most subtle. Since in philosophy man makes use of the means associated with his personality, philosophy is, of course, something personal. But because man, when he works his way up to the most subtle means of knowledge, is nevertheless compelled to shed the personal to a certain degree, philosophy becomes something universal again.

[ 30 ] Das Allgemeine in der Philosophie kann nur derjenige bemerken, der tiefer in sie eingeht. Daß sie etwas Persönliches ist, das bemerken leider die Menschen nur zu bald. Während der, welcher tiefer in das Philosophische eingeht, Grundprinzipien findet, die gleich sind bei scheinbar so verschiedenartigen Denkern wie die alten griechischen Philosophen Parmenides und Heraklit, wird derjenige, der nur an die äußere Seite der Philosophie herantritt, doch gleich den Unterschied zwischen Hegel und einem so feindlichen Bruder wie Schopenhauer finden. Er sieht nur das, was die Philosophie in die verschiedenen Standpunkte spaltet, und er sieht nicht die Aufeinanderfolge der persönlichen menschlichen Standpunkte.

[ 30 ] Only those who delve deeper into philosophy can perceive its universal nature. Unfortunately, people are all too quick to realize that it is something personal. While those who delve deeper into philosophy discover fundamental principles that are the same among thinkers as seemingly diverse as the ancient Greek philosophers Parmenides and Heraclitus, those who approach philosophy only from the outside will immediately find the difference between Hegel and such a hostile counterpart as Schopenhauer. He sees only what divides philosophy into different viewpoints, and he does not see the succession of personal human viewpoints.

[ 31 ] So wird die Philosophie in gewissem Sinne der Gegensatz des Okkultismus; denn die Philosophie muß der Mensch durch seine persönlichsten Mittel erreichen, den Okkultismus erlangt er aber gerade dann, wenn er die Persönlichkeit abstreift. Daher wird es so schwer, daß jemand, der sein Persönliches philosophisch richtig vor die Menschen hinstellt, wirklich auch von den anderen verstanden werden kann. Wenn es aber gelingt, den Okkultismus in solche Ausdrücke und Ideen zu kleiden, die als Worte, als gangbare Ideen verständlich sind, dann findet man verhältnismäßig über die ganze Erde hin ein gewisses Verständnis. Der Okkultismus streift gerade das Persönliche ab. Er ist nicht das philosophische System, das aus der Persönlichkeit hervorgeht, sondern das, was aus dem Unpersönlichen kommt und daher allgemein verständlich wird. Wenn der Okkultismus sich bemüht, zur Theosophie zu werden, wird er das Bestreben haben und es auch in gewissem Sinne erreichen können, zu jedem menschlichen Herzen, zu jeder menschlichen Seele zu sprechen.

[ 31 ] Thus, in a certain sense, philosophy becomes the antithesis of occultism; for philosophy must be attained by the individual through his most personal means, whereas occultism is attained precisely when he sheds his personality. This is why it becomes so difficult for someone who presents his personal self to others in a philosophically correct manner to be truly understood by others. But if one succeeds in clothing occultism in such expressions and ideas that are understandable as words, as common concepts, then one finds a certain degree of understanding throughout the world. Occultism, in fact, sheds the personal. It is not the philosophical system that arises from the personality, but that which comes from the impersonal and thus becomes universally understandable. When occultism strives to become theosophy, it will have the aspiration—and in a certain sense will be able to achieve—to speak to every human heart, to every human soul.

[ 32 ] Aus dieser Charakteristik, die ich Ihnen wie eine Einleitung, gleichsam wie eine Vorbereitung gegeben habe, können Sie ersehen, welche Eigenschaften nach außen der okkulte, der theosophische und der philosophische Standpunkt haben.

[ 32 ] From this overview, which I have presented to you as an introduction, or rather as a prelude, you can see what the outward characteristics of the occult, theosophical, and philosophical viewpoints are.

[ 33 ] Der okkulte Standpunkt ist immer in seinen Resultaten über die ganze Menschheit hin ein und derselbe. In Wahrheit gibt es nicht verschiedene okkulte Standpunkte. Es gibt wirklich ebensowenig verschiedene okkulte Standpunkte, wie es verschiedene Mathematiken gibt. Es ist nur notwendig, in irgendeiner Frage im Okkultismus wirklich die Mittel zu haben, eine Erkenntnis zu erlangen; dann erlangt man dieselbe Erkenntnis, die jeder andere erlangt, der die rechten Mittel hat. Es ist also nicht wahr, daß es im Okkultismus verschiedene Standpunkte geben kann im höchsten idealen Sinne, ebensowenig wie es in der Mathematik verschiedene Standpunkte geben kann.

[ 33 ] The occult point of view is always the same in its results for all of humanity. In truth, there are no different occult points of view. There are just as few different occult points of view as there are different kinds of mathematics. It is only necessary, in any given question of occultism, to actually possess the means to attain a certain insight; then one attains the same insight that anyone else who possesses the right means attains. It is therefore not true that there can be different points of view in occultism in the highest, most ideal sense, any more than there can be different points of view in mathematics.

[ 34 ] Der Okkultismus war daher auch erfahrungsgemäß überall da, wo er sich geltend gemacht hat, immer der einheitliche Okkultismus. Und wenn in den Theosophien, die aufgetreten sind und die die äußere Einkleidung der okkulten Wahrheiten darstellen, Verschiedenheiten sich gezeigt haben, so ist es eben daher gekommen, daß für das eine Volk, für die eine Menschheitsepoche die Einkleidung anders getroffen werden mußte als für das andere Volk und die andere Menschheitsepoche. In der Einkleidung und Denkweise liegt die Verschiedenheit der Theosophien auf der Erde. Der Okkultismus aber, der den Theosophien zugrunde liegt, ist überall ein und derselbe. Weil die Religionen schon hervorgehen aus der theosophischen Einkleidung des Okkultismus, deshalb sind die Religionen nach Völkern und Zeitaltern verschieden gewesen. Der Okkultismus kennt keine Verschiedenheit wie die Religionen, kennt nicht irgend etwas, was sich so differenzierte, daß der eine Mensch gegen den anderen irgendwie zu einem Widerstand, zu einer Gegnerschaft gereizt werden könnte. Das gibt es innerhalb des Okkultismus nicht, da er dasjenige ist, was als einheitliches Menschheitsgut überall erlangt werden kann. Insofern sich die Theosophie bemühen sollte, insbesondere in unserer Zeit, eine der Gegenwart angemessene Einkleidung des Okkultismus zu sein, muß sie das Bestreben haben, so wenig wie möglich von den Differenzierungen, die in der Menschheit aufgetreten sind, in sich aufzunehmen. Sie muß danach streben, so gut es überhaupt möglich ist, ein getreuer Ausdruck der okkulten Inhalte und der okkulten Verhältnisse zu sein.

[ 34 ] Experience has shown that wherever occultism has made its presence felt, it has always been a unified form of occultism. And if differences have appeared in the various theosophies that have arisen—which represent the outer form of occult truths—it is precisely because the form had to be different for one people or one epoch of humanity than for another people or another epoch of humanity. The diversity of theosophies on Earth lies in their form and mode of thought. But the occultism that underlies theosophies is the same everywhere. Because religions already arise from the theosophical form of occultism, religions have differed according to peoples and epochs. Occultism knows no diversity like that of religions; it knows of nothing that is so differentiated that one person might be provoked to resistance or opposition against another. This does not exist within occultism, since it is that which can be attained everywhere as a unified human asset. Insofar as Theosophy should strive, especially in our time, to be a form of occultism appropriate to the present, it must aim to incorporate as little as possible of the divisions that have arisen within humanity. It must strive, as far as is at all possible, to be a faithful expression of occult content and occult conditions.

[ 35 ] Daher wird die Theosophie notwendigerweise danach streben müssen, gerade zu überwinden die speziellen Weltanschauungen und speziell auch die religiösen Differenzierungen. Immer mehr und mehr müssen wir überwinden lernen, eine 'Theosophie mit einer ganz bestimmten Färbung zu haben. Nach und nach ist es ja in der Menschheitsentwickelung so geschehen, daß insbesondere nach den religiösen, ich will nicht sagen Vorurteilen, sondern nach den religiösen Vorempfindungen und Vormeinungen, die Theosophien ihre Schattierungen und Nuancen erhalten haben. Aber die Theosophie sollte dem Ideale nach immer eine Wiedergabe des Okkultismus sein. Deshalb kann es nicht eine buddhistische oder hinduistische oder zarathustrische oder eine christliche Theosophie geben. Gewiß werden für die einzelnen Völkerschaften die eigentümlichen Vorstellungen und Begriffe berücksichtigt werden müssen, mit denen man dem Okkultismus entgegenkommt; aber zugleich sollte die Theosophie das Ideal haben, ein reiner Ausdruck der okkulten Wahrheiten zu sein. Es war daher zum Beispiel in gewissem Sinne eine Verleugnung des großen Grundsatzes aller Okkultisten der Welt, wenn in Mitteleuropa in einzelnen Gemeinschaften eine Theosophie aufgetreten ist, die sich «christliche» Theosophie nennt. In Wahrheit kann es ebensowenig eine christliche Theosophie geben wie eine buddhistische oder zoroastrische.

[ 35 ] Therefore, theosophy will necessarily have to strive to overcome specific worldviews and, in particular, religious distinctions. We must learn, more and more, to move beyond having a ‘theosophy with a very specific slant.’ Gradually, in the course of human development, it has happened that theosophies have acquired their shades and nuances based particularly on religious—I do not wish to say prejudices, but rather on religious preconceptions and pre-judgments. But ideally, theosophy should always be a representation of occultism. Therefore, there cannot be a Buddhist or Hindu or Zoroastrian or Christian theosophy. Certainly, the unique mental images and ideas with which individual peoples approach occultism must be taken into account; but at the same time, theosophy should have the ideal of being a pure expression of occult truths. It was therefore, for example, in a certain sense a denial of the great principle of all occultists in the world when a form of Theosophy calling itself “Christian” Theosophy emerged in individual communities in Central Europe. In truth, there can be no such thing as Christian Theosophy any more than there can be Buddhist or Zoroastrian Theosophy.

[ 36 ] Den Religionen gegenüber wird die Theosophie sich zu stellen haben auf den Standpunkt der Erklärung der religiösen Wahrheiten, auf den Standpunkt des Verständnisses derselben. Dann wird sich zeigen, daß diese religiösen Wahrheiten als solche spezielle Formen, spezielle Ausgestaltungen der einen oder anderen Seite des Gesamtokkultismus sind, und daß man den Okkultismus selber erst dann erfaßt hat, wenn man ihn begriffen hat unabhängig von solchen Differenzierungen.

[ 36 ] In relation to religions, theosophy must adopt the standpoint of explaining religious truths, the standpoint of understanding them. It will then become apparent that these religious truths, as such, are specific forms, specific manifestations of one aspect or another of occultism as a whole, and that one has grasped occultism itself only when one has understood it independently of such distinctions.

[ 37 ] Wir haben schon bemerkt, daß das, was jetzt charakterisiert worden ist, als ein Ideal anzusehen ist. Wenn es auch begreiflich ist, daß alle die theosophischen Einkleidungen des Okkultismus über die Welt hin verschiedene Formen annehmen werden, wenn auch alle Okkultisten über alle ihre Erkenntnisse einig sind, so muß doch auf der anderen Seite wiederum, gerade in unserer Zeit, die Möglichkeit geboten werden, einheitlich über den Okkultismus zu sprechen. Das erlangt man nur, wenn wirklich guter Wille vorhanden ist, die besonderen Differenzierungen, die aus den Vormeinungen und Vorempfindungen hervorgehen, wirklich abzustreifen. Man kann sagen: In einer gewissen Beziehung müssen wir schon froh sein, wenn nach und nach erlangt wird, über die elementarsten Dinge der okkulten Erkenntnis widerspruchsfreie Urteile zu gewinnen.

[ 37 ] We have already noted that what has just been described should be regarded as an ideal. While it is understandable that all theosophical expressions of occultism will take on various forms throughout the world, and even though all occultists agree on all their insights, on the other hand, especially in our time, the opportunity must be provided to speak of occultism in a unified manner. This can only be achieved if there is a genuine willingness to truly shed the particular distinctions that arise from preconceptions and pre-judgments. One might say: In a certain sense, we should be glad if, little by little, we are able to form consistent judgments regarding the most elementary aspects of occult knowledge.

[ 38 ] Dies wird zunächst möglich sein in einem weiteren Umkreise mit Bezug auf die wichtigsten okkulten Erkenntnisse von Reinkarnation und Karma. Soweit die Theosophie sich wirklich ausbreiten wird und eine Wiedergabe okkulter Erkenntnisse sein wird, wird sie sich zunächst bemühen, die großen Wahrheiten von Reinkarnation und Karma über die ganze Erde hin zu verbreiten. Denn diese Wahrheiten werden zunächst das Schicksal haben, daß auch die religiösen Vorurteile, welche über die Erde hin verbreitet sind, sozusagen die Segel vor ihnen streichen.

[ 38 ] This will initially be possible within a broader context, with reference to the most important occult insights regarding reincarnation and karma. To the extent that Theosophy truly spreads and becomes a presentation of occult knowledge, it will initially strive to disseminate the great truths of reincarnation and karma throughout the entire world. For these truths will initially have the effect of, so to speak, clearing the way for them by dispelling the religious prejudices that are widespread across the globe.

[ 39 ] Ein weiteres Ideal würde allerdings dieses sein, wenn durch die Theosophie wirklich jenes Friedenswerk in der Menschheit geleistet werden könnte, wodurch in bezug auf die höheren Gebiete okkulter Erkenntnis Einheit und Harmonie zustande zu bringen wäre. Das kann als ein Ideal aufgefaßt werden. Aber es ist ein schwieriges Ideal. Schon wenn man bedenkt, wie innig der Mensch heute noch verwoben ist in seinen religiösen Vorurteilen, seinen religiösen Vormeinungen mit dem, was er begriffen hat, worin er erzogen ist, so wird man begreifen, wie schwierig es ist, in der Theosophie etwas zu geben, was nicht gefärbt ist durch religiöse Vorurteile, sondern was ein so treues Bild der okkulten Erkenntnisse ist, als es überhaupt gegeben werden kann.

[ 39 ] Another ideal, however, would be this: if theosophy could truly accomplish that work of peace among humanity through which unity and harmony could be achieved in the higher realms of occult knowledge. This can be regarded as an ideal. But it is a difficult ideal. If one considers how deeply people today are still entangled in their religious prejudices, their religious preconceptions, and what they have understood and been taught, one will understand how difficult it is to offer in Theosophy something that is not colored by religious prejudices, but which is as faithful a representation of occult knowledge as is at all possible.

[ 40 ] Es wird in gewissen Grenzen immer begreiflich sein, daß der Buddhist ablehnt, solange er auf dem Standpunkte des buddhistischen Bekenntnisses steht, den Standpunkt des Christen. Und wenn die Theosophie eine buddhistische Färbung erhält, so ist es auch natürlich, daß diese buddhistische Theosophie sich feindlich oder mißverständlich gegenüber dem Christentum verhalten wird. Ebenso begreiflich wird es sein, daß in einem Gebiete, in welchem christliche Formen herrschen, es wieder schwierig ist, zu einer objektiven Erkenntnis, sagen wir, derjenigen Seiten des Okkultismus zu kommen, welche im Buddhismus zum Ausdruck gekommen sind. Das Ideale ist aber, das eine ebensogut wie das andere zu verstehen und über die ganze Erde harmonischfriedvolles Verständnis zu begründen.

[ 40 ] Within certain limits, it will always be understandable that a Buddhist, as long as he adheres to the tenets of the Buddhist faith, would reject the Christian viewpoint. And if theosophy takes on a Buddhist character, it is also natural that this Buddhist theosophy will be hostile or ambiguous toward Christianity. It is equally understandable that in a region where Christian forms prevail, it is again difficult to arrive at an objective understanding of, say, those aspects of occultism that have found expression in Buddhism. The ideal, however, is to understand one just as well as the other and to establish a harmonious and peaceful understanding throughout the entire world.

[ 41 ] Der buddhistische Theosoph und der christliche Theosoph — besser ist zu sagen: der Buddhist und der Christ, wenn sie Theosophen geworden sind —, die werden sich verständigen, die werden unbedingt den Standpunkt harmonischen Ausgleichs finden. Es wird als Ideal vorschweben dem Theosophen, ein Bild des überall einheitlichen Okkultismus zu gewinnen und loszulösen dieses Bild von religiösen Vorurteilen. Es wird der Christ, der Theosoph geworden ist, den Buddhisten verstehen, der ihm sagt: Es ist unmöglich, daß ein Bodhisattva, der ein menschliches Wesen ist, das von Inkarnation zu Inkarnation gegangen und das, wie in dem Einzelfalle bei dem Tode des Suddhodana, zum Buddha geworden ist, nachdem er Buddha geworden, wieder in einen menschlichen Leib zurückkehren kann; sondern es ist mit der Buddhawürde eine so hohe Stufe menschlicher Entwickelung erreicht, daß das betreffende Individuum nicht wieder in einen menschlichen Körper zurückzugehen braucht.

[ 41 ] The Buddhist theosophist and the Christian theosophist—or rather, the Buddhist and the Christian, once they have become theosophists—will find common ground; they will undoubtedly arrive at a point of harmonious balance. The theosophist will hold as an ideal the goal of forming a picture of occultism that is uniform everywhere and of freeing this picture from religious prejudices. The Christian who has become a theosophist will understand the Buddhist who tells him: It is impossible for a Bodhisattva—a human being who has passed from incarnation to incarnation and who, as in the specific case of Suddhodana’s death, has become a Buddha—to return to a human body after becoming a Buddha; but rather, with the attainment of Buddhahood, such a high stage of human development has been reached that the individual in question need not return to a human body.

[ 42 ] Der Christ wird zum Buddhisten sagen: Zwar hat mir das Christentum bisher noch nicht eröffnet etwas über Wesen wie die Bodhisattvas, aber indem ich mich zur Theosophie aufschwinge, lerne ich erkennen, daß nicht nur du aus deiner Erkenntnis heraus diese Wahrheit kennst, sondern daß ich selber auch diese Wahrheit anerkennen muß. — Der Theosoph wird dem Buddhisten gegenüberstehen so, daß er sagt: Ich verstehe, was ein Bodhisattva ist; ich weiß, daß der Buddhist eine volle Wahrheit über gewisse Wesen sagt, eine Wahrheit, die gerade dort, wo der Buddhismus sich verbreitet hat, gesagt werden konnte; ich verstehe es, wenn der Buddhist sagt: Ein Buddha kehrt nicht wieder in einen fleischlichen Organismus. — Der Christ, der Theosoph geworden ist, versteht den Buddhisten, der Theosoph geworden ist. Und wenn der Christ dem Buddhisten gegenübertritt, so kann er ihm sagen: Wenn man das christliche Bekenntnis seinem Gehalte nach verfolgt, so verfolgt, wie es in okkulten Schulen verfolgt worden ist in bezug auf die okkulten Tatsachen, die ihm zugrunde liegen, dann zeigt sich, daß mit jenem Wesen, das mit dem Namen Christus gemeint ist — das dem anderen unbekannt geblieben sein kann —, gemeint ist eine Wesenheit, die vor dem Mysterium von Golgatha nicht auf der Erde war; eine Wesenheit, die andere Wege als die der Erdeninkarnationen durchgemacht hat, die dann einmal im physischen Leibe sein mußte und in diesem Leibe, was die Hauptsache ist, den Tod durchgemacht hat, und zwar in einer ganz bestimmten Weise; die dann durch diesen Tod das geworden ist, was sie einem bestimmten Teil der Menschheit geworden ist und für die ganze Menschheit werden soll; eine Wesenheit, die nicht wiederkommen kann in einem physischen Leibe, weil das widerspräche der ganzen Natur des Christus.

[ 42 ] The Christian will say to the Buddhist: Although Christianity has not yet revealed anything to me about beings such as the Bodhisattvas, by turning to Theosophy I come to realize that not only do you know this truth through your own insight, but that I myself must also acknowledge this truth. — The theosophist will face the Buddhist and say: I understand what a Bodhisattva is; I know that the Buddhist speaks a full truth about certain beings, a truth that could be spoken precisely where Buddhism has spread; I understand when the Buddhist says: A Buddha does not return to a physical body. — The Christian who has become a Theosophist understands the Buddhist who has become a Theosophist. And when the Christian confronts the Buddhist, he can say to him: If one traces the Christian creed according to its content, traces it as it has been traced in occult schools with regard to the occult facts underlying it, then it becomes apparent that the being referred to by the name Christ—who may have remained unknown to others—is a being who was not on Earth before the Mystery of Golgotha; a being who has undergone paths other than those of earthly incarnations, who then had to be in a physical body and, in that body—which is the main point—underwent death, and in a very specific way; who then, through this death, became what he has become for a certain part of humanity and is to become for all humanity; a being who cannot return in a physical body, because that would contradict the very nature of Christ.

[ 43 ] Wenn der Buddhist, der Theosoph geworden ist, das von dem Christen hört, dann wird er sagen: Ebenso wie du begreifst, daß ich niemals zugeben kann, daß ein Buddha, nachdem er Buddha geworden ist, in einem fleischlichen Leibe wiederkehrt, so wie du mich verstehst durch Anerkenntnis dessen, was mir zugeteilt worden ist als Wahrheit, so werde ich anerkennen den Teil der Wahrheit, der dir zugeteilt worden ist. Ich versuche, das anzuerkennen, was ich aus meinem Bekenntnis heraus nicht finden kann, nämlich: daß im Anfange des Christentums nicht ein Lehrer, sondern eine Tat steht. — Denn der Okkultist setzt nicht den Jesus von Nazareth an den Ausgangspunkt des Christentums, sondern den Christus, und als den Anfangspunkt setzt er das Mysterium von Golgatha.

[ 43 ] When the Buddhist who has become a Theosophist hears this from the Christian, he will say: Just as you understand that I can never admit that a Buddha, after becoming a Buddha, returns in a physical body—just as you understand me through recognition of what has been assigned to me as truth—so will I acknowledge the part of the truth that has been assigned to you. I try to acknowledge what I cannot find within my own creed, namely: that at the beginning of Christianity there stands not a teacher, but an act. — For the occultist does not place Jesus of Nazareth at the starting point of Christianity, but the Christ, and as the starting point he places the Mystery of Golgotha.

[ 44 ] Der Buddhismus unterscheidet sich von dem Christentum dadurch, daß er einen persönlichen Lehrer zum Ausgangspunkte hat; das Christentum hat eine Tat, die Erlösungstat von Golgatha durch den Tod am Kreuze. Nicht eine Lehre, sondern eine Tat ist die Voraussetzung der christlichen Entwickelung. Dies versteht der Buddhist, welcher zum Theosophen geworden ist, und er nimmt, um Harmonie innerhalb der Menschheit zu begründen, dasjenige hin, was als okkulte Grundlage des Christentums gegeben wird. Der Buddhist würde die Harmonie durchbrechen, wenn er seine buddhistischen Begriffe auf das Christentum anwenden wollte. So wie der Christ verpflichtet ist, wenn er Theosoph wird, zu verstehen den Buddhismus aus dem Buddhismus heraus und nicht etwa umzuschmieden die Begriffe von dem Bodhisattva und Buddha, sondern sie so zu verstehen, wie sie der Buddhismus enthält, so ist es Pflicht des Buddhisten, die christlichen Begriffe so zu nehmen wie sie sind, weil sie die okkulten Grundlagen des Christentums bilden. Wie es unmöglich ist, dasjenige, was mit dem Christus-Namen bezeichnet wird, zusammenzubringen mit dem, was niedrigerer Natur ist, mit dem Bodhisattva-Namen, so ist es unmöglich, solange man dem Ideal der Theosophie treu bleibt, in der Theosophie anderes als einen Abglanz zu geben des einheitlichen Okkultismus.

[ 44 ] Buddhism differs from Christianity in that it takes a personal teacher as its starting point; Christianity has an act, the act of redemption on Golgotha through death on the cross. Not a doctrine, but an act is the prerequisite for Christian development. The Buddhist who has become a theosophist understands this, and in order to establish harmony within humanity, he accepts what is presented as the occult foundation of Christianity. The Buddhist would disrupt this harmony if he were to apply his Buddhist concepts to Christianity. Just as the Christian, upon becoming a Theosophist, is obligated to understand Buddhism from within Buddhism itself—not to reinterpret the concepts of the Bodhisattva and the Buddha, but to understand them as Buddhism presents them—so it is the duty of the Buddhist to accept Christian concepts as they are, because they form the occult foundations of Christianity. Just as it is impossible to reconcile that which is designated by the name of Christ with that which is of a lower nature, with the name of the Bodhisattva, so it is impossible, as long as one remains faithful to the ideal of Theosophy, to present in Theosophy anything other than a reflection of unified occultism.

[ 45 ] Die Bodhisattva-Eigentümlichkeiten auf den Christus anzuwenden, würde verhindern die große Friedensmission der Theosophie. Diese wird aber erreicht, wenn die Theosophie sich bestrebt, die einheitlichen Grundlagen in der wissenschaftlichen Form, wie sie für unsere Zeit angemessen ist, an die Menschheit heranzubringen. Wenn wir im Abendlande den Buddhismus oder den Brahmanismus oder den Zarathustrismus ohne Vorurteil verstehen, wenn das Christentum verstanden wird in der Form, in der es verstanden werden muß, dann wird es immer für eine kurze Zeit möglich sein, die Grundlagen des Christentums zu erkennen und für solche erkannten Ideen des Christentums auch Anhänger zu finden.

[ 45 ] Applying the characteristics of the Bodhisattva to Christ would hinder the great mission of peace that Theosophy embodies. This mission, however, is fulfilled when Theosophy strives to present the unified principles to humanity in a scientific form appropriate to our times. If we in the West understand Buddhism, Brahmanism, or Zoroastrianism without prejudice, and if Christianity is understood in the way it must be understood, then it will always be possible, for a short time, to recognize the foundations of Christianity and to find followers for such recognized ideas of Christianity.

[ 46 ] Nicht immer hat man sich aufgeschwungen zu der Tatsache, daß eine Tat der Ausgangspunkt des Christentums ist und daß daher nicht gesprochen werden kann von einer Wiederkehr des Christus. Daher tauchten im Verlaufe der Jahrhunderte immer wieder Anschauungen auf, die von einer Wiederkehr des Christus sprachen. Sie wurden immer überwunden und werden immer überwunden werden, weil sie widersprechen der großen einheitlichen Lebens- und Friedensmission der Theosophie, die wiedergeben soll den einheitlichen Ausdruck des Okkultismus. Der Okkultismus war immer einheitlich und ist unabhängig von jeder buddhistischen und jeder christlichen Färbung und kann daher objektiv sowohl das Muselmännische wie das Zoroastrische und auch das Buddhistische verstehen, so wie er auch verstehen kann das Christliche.

[ 46 ] People have not always fully grasped the fact that an act is the starting point of Christianity and that, therefore, one cannot speak of a return of Christ. Consequently, over the course of the centuries, views have repeatedly emerged that spoke of a return of Christ. They have always been overcome and will always be overcome, because they contradict the great unified mission of life and peace of Theosophy, which is meant to reflect the unified expression of occultism. Occultism has always been unified and is independent of any Buddhist or Christian influence; it can therefore objectively understand both the Muslim and the Zoroastrian traditions, as well as the Buddhist tradition, just as it can understand the Christian tradition.

[ 47 ] Das ist es, was uns zukommen wird als Verständnis dafür, wie in der bisherigen Menschheitsentwickelung der allgemeine Okkultismus in der Theosophie so verschiedene Formen annahm. Wir werden ergründen, warum in unserer Zeit das große Ideal bestehen muß, daß nicht eine religiöse Ausdrucksform den Sieg über die andere davonträgt, sondern daß die religiösen Ausdrucksformen sich verständigen. Vorbedingung dafür aber ist das gegenseitige wirkliche Verstehen, das Verstehen der okkulten Grundlagen, die in allen Religionen als dieselben vorhanden sind.

[ 47 ] This is what will help us understand how, in the course of human development to date, general occultism has taken on such diverse forms within theosophy. We will explore why, in our time, the great ideal must be that no single religious form of expression triumphs over another, but rather that the various religious forms of expression come to an understanding. The prerequisite for this, however, is genuine mutual understanding—an understanding of the occult foundations that are present in all religions as one and the same.

[ 48 ] Damit habe ich Ihnen zu den wichtigen Betrachtungen, an deren Eingang wir stehen, eine Art Vorbereitung, eine Art Einleitung zu geben versucht, und übermorgen, nach dem öffentlichen Vortrage, werden wir an die Betrachtung des Menschen in okkulter und philosophischer Beziehung herantreten.

[ 48 ] With this, I have attempted to provide you with a sort of preparation, a sort of introduction, to the important topics we are about to explore, and the day after tomorrow, following the public lecture, we will begin our examination of the human being from an occult and philosophical perspective.