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Man in the Light of
Occultism, Theosophy and Philosophy
GA 137

5 June 1912, Oslo

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Dritter Vortrag

Lecture Three

[ 1 ] Es wurde gestern darauf aufmerksam gemacht, daß der angehende Okkultist, welcher durchgemacht hat jene Vorbereitungen, von denen gesprochen worden ist, auf Erlebnisse trifft, welche aus den angegebenen Gründen mit Worten bezeichnet werden müssen, die einen Widerspruch in sich schließen. Wir haben drei solche Erlebnisse zunächst genannt: erstens das unoffenbare Licht, zweitens das unaussprechliche Wort und drittens das Bewußtsein ohne das Wissen eines Gegenstandes.

[ 1 ] It was related yesterday how the pupil of occultism, when he has gone through the preparation of which we spoke, meets with experiences which cannot be otherwise described than with words that apparently contradict one another. We named three such experiences: the unmanifest light, the unspoken word, and the consciousness without knowledge of an object.

[ 2 ] Es wird nicht ganz leicht sein, sich in all das hineinzufinden, was zunächst notwendig ist, um Ideen und Begriffe zu verbinden mit diesen drei genannten Erlebnissen. So wie der Mensch im gewöhnlichen Leben denkt, und so wie er denkt und forscht auch in den gewöhnlichen Wissenschaften, wie geforscht wird namentlich in den Naturwissenschaften, ist dieses Forschen, dieses Wissen gebunden an den physischen Menschenleib. Denn dieser physische Menschenleib ist zwar nicht der eigentliche Akteur, das eigentlich Tätige, wenn der Mensch forscht, aber er ist das Instrument, dessen sich der Mensch bedienen muß, um in der charakterisierten Weise zu forschen, um in der charakterisierten Weise sich ein Wissen zu erwerben über die äußeren Gegenstände der Welt, die den Menschen umgibt. Alles, was überhaupt in dieser Art gewußt werden kann, was also den Gegenstand des alltäglichen Wissens und den Gegenstand namentlich der Naturwissenschaften ausmacht — wir werden bei einer späteren Gelegenheit noch darauf eingehen, daß gewisse Wissenschaften wie zum Beispiel die Ethik, die Gesellschaftswissenschaft, die Jurisprudenz nicht ganz genau mit dem übereinstimmen; was heute gesagt wird, das gilt namentlich für alle naturwissenschaftlichen Zweige —, es kann eben in gar keiner anderen Weise erworben werden als durch das Instrument des Leibes, namentlich durch das Instrument des menschlichen Gehirns.

[ 2 ] It is no easy matter to form clear ideas of these three experiences. The thinking of ordinary life and the researches carried out on the ordinary paths of knowledge and more especially in natural science, are closely connected with the physical body. True, the physical body is not the really active principle in human research, but it is the instrument man has necessarily to employ when he wants to acquire knowledge of the external objects in his surroundings. Everyday knowledge and more especially scientific knowledge can be acquired in no other way than through the instrument of the body, and in particular of the brain.

[ 3 ] Wenn nun der okkulte Aspirant die Dinge durchmacht, von denen gestern gesprochen worden ist, so kommt er zunächst dazu, denken zu können, ohne sich seines Gehirns zu bedienen. Das ist etwas, was für den heutigen Materialisten selbstverständlich schon ein ganz absurder Begriff ist. Aber es ist eben doch so. Daß es so ist, das zeigt dem Okkultisten, der die okkulten, die esoterischen Übungen durchgemacht hat, das innere Erlebnis ganz klar. Denn alles dasjenige, was von den äußeren Gegenständen durch die gewöhnliche Wissenschaft gewonnen werden kann, was da erforscht und gedacht wird, das ist schattenhaft, gewissermaßen leblos gegenüber den Gebilden, welche dann ausgearbeitet werden von unserer Seele, wenn wir losgekommen sind von dem physischen Gehirn.

[ 3 ] When, however, the pupil in occultism undergoes the experiences of which we spoke yesterday, he comes to a point where he is able to think without using his brain. To a materialist of today such a statement will of course seem absurd. It is nevertheless true. The occultist himself is assured of it from inner experience. All the knowledge and thought about external objects that can be attained in the pursuit of ordinary science are indeed shadowy and lifeless in comparison with the forms and pictures elaborated by the soul when it is free of the physical brain.

[ 4 ] Für Theosophen darf zur Abkürzung der Betrachtung gleich gesagt werden, daß ein solcher Mensch, der es dazu gebracht hat, frei zu werden von seinem physischen Leibeswerkzeug, sich dann, um innerlich in der Seele zu arbeiten, nur noch derjenigen Werkzeuge bedient, die in seinem ätherischen, in seinem astralischen und in seinem Ich-Organismus gegeben sind. Also er bedient sich dessen, was wir durch die Theosophie vom Menschen kennengelernt haben, mit Ausschluß des physischen Leibes.

[ 4 ] Speaking to theosophists, I may cut the matter short and say at once that a man who has succeeded in becoming free of the instrument given him with his physical body, makes use of his etheric and astral bodies and of his ego organism. That is to say, he uses other members of his being, with which we have become familiar in theosophy.

[ 5 ] Dasjenige, was davon in der Seele auftritt, das hat eine viel stärkere innere Kraft, eine viel stärkere innere Lebendigkeit als die gewöhnlichen, an den äußeren Gegenständen errungenen Gedanken, und außerdem nimmt es sich wirklich so aus wie etwas, was uns als feine Substantialität überall umgibt. Man kann nicht anders sagen, als daß es sich ausnimmt wie flutendes Licht; nur muß man nicht eben an das Licht denken, welches durch das menschliche Auge, also durch ein äußeres Leibeswerkzeug vermittelt wird, sondern man muß denken, daß dieses sich ausbreitende Substantielle, in welchem man sich zunächst befindet wie in einem wogenden Meere, mehr innerlich empfunden wird, als daß es in irgendeiner Art von Lichtschein oder dergleichen auftreten würde. Es wird innerlich empfunden, und es wird so empfunden, daß dem Menschen, wenn er es wirklich empfindet, schon die Vorstellung vergeht, als ob er da etwa in einem Nichts wäre.

[ 5 ] What now arises in the soul has a much greater inner power and is far more inwardly alive than the thoughts we are accustomed to form about external objects. It gives us moreover the feeling of being surrounded on every side by a kind of fine substantiality, which one can only describe by saying that it is like flowing light. You must not, however, think of the light which is communicated through the eye, that is to say, through an external bodily instrument, but imagine rather that this substance which surrounds us like a surging sea is felt and experienced inwardly. It does not manifest in any sort of shining, but we experience it inwardly, and the intensity of the experience is such as to banish all feeling we might otherwise have of being in a nothingness.

[ 6 ] Derjenige, der sich in diesem Elemente dann wirklich befindet, wird nicht mehr behaupten, daß er in einem Nichts ist, denn dieses Element hat vor allen Dingen eine für alles bisherige Erfahren zunächst recht überraschende Wirkung. Es hat die Wirkung, wie wenn es uns zerreißen und in den ganzen Raum hinausstreuen würde, wie wenn wir zerfließen würden in ihm selber, wie wenn wir uns auflösen würden, den Boden unter den Füßen verlören, die Haltepunkte überall verlören, wo wir sie haben an dem äußeren Materiellen. Das ist es, was da zunächst auftritt. Und in diesem Sich-Fühlen in einem gleichsam in den ganzen Raum hinaussprühenden Elemente hat man das gegeben, was man nennen kann flutendes, fließendes, sich nicht nach außen in irgendeinem Sinne offenbarendes geistiges Licht. Das ist es zunächst, was gleichsam als ein inneres Erlebnis ein jeder Aspirant des Okkultismus kennenlernt.

[ 6 ] The man who actually finds himself within this element will certainly not say he is in a nothingness, for it has an astounding effect upon him, unlike anything he has ever experienced hitherto. He feels as though it would tear him to pieces and scatter him throughout space,—or we might also put it, as though he were going to melt away and be dissolved, or again as though he were losing the ground from under his feet, as though all external material support were falling from him. That is the first experience,—flowing spiritual light, without any outward manifestation at all. It is the first inward experience with which every aspirant after occultism has to become familiar.

[ 7 ] Nun, wenn der Aspirant des Okkultismus dieses Erlebnis zuerst hat und er ist eine schwache Natur, er ist nicht gewöhnt worden im Leben, viel zu denken, dann ist er schon hier gewissermaßen an. einer Klippe, denn er kann nicht leicht weiterkommen, wenn er nicht im Leben gelernt hat, viel zu denken. Daher ist jene Vorbereitung da, von der wir gestern gesprochen haben: die lange Übung eines sublimen Verstandes, einer sublimen Urteilskraft. Nicht was wir äußerlich durch diese sublime Urteilskraft, durch diesen sublimen Verstand uns aneignen, sondern die Zucht, die wir uns aneignen, indem wir in schärferer Weise denken lernen, ist es, die uns zugute kommt, wenn wir als Aspiranten des Okkultismus in dieses fließende Element des Lichtes eintreten. Denn es wirken dann gewissermaßen nicht die Gedanken, sondern die Erziehungskräfte unseres eigenen Selbst, welche uns durch die Gedanken gegeben worden sind. Diese wirken fort, und wir haben dann nicht nur um uns ein verfließendes, verborgenes Licht, sondern wir haben die Möglichkeit, daß in diesem fließenden Elemente auftauchen die Gestaltungen, von denen wir wissen, daß uns keine Wahrnehmungen der äußeren Gegenstände diese inneren Gebilde gegeben haben, sondern daß sie auftauchen in dem Elemente, in das wir selber nun eingetaucht sind.

[ 7 ] And now if the pupil is rather weak in nature and has not been accustomed to think much in life, he will at this point get into difficulties. Indeed, he will hardly be able to find the way further unless he has learned in life to think. This is the reason for the preparation of which we spoke yesterday, the long practice and development of a sublime intellect and power of judgment. It is not what we acquire through these in the outward sense that is of so much importance, it is the discipline we undergo in learning to think more keenly and clearly. This discipline now comes to our aid when we enter, as aspirants after occultism, into the element of flowing light; for not the thoughts themselves are effective here, but the powers we have attained for self-education by means of the thoughts. These powers go on working, and presently we have around us something more than flowing hidden light; forms begin to emerge,—forms of which we know that they do not come from the perception of external objects, but have their origin in the element in which we ourselves are immersed.

[ 8 ] Wenn wir eine solche Lage des Lebens erreicht haben, dann verlieren wir uns nicht in diesem fließenden Lichte, sondern erleben darin Gestaltungen von einer viel größeren Lebendigkeit, als sie alle Traumbilder und Visionen haben. Aber zugleich erleben wir diese Bilder so, daß ihnen alles fehlt, was die äußeren Wahrnehmungen auszeichnet. Die Eigenschaften, welche wir nur durch die Sinne wahrnehmen, können wir da nicht finden; aber in verstärktem Maße können wir das finden, was wir sonst nur erleben, wenn wir uns Gedanken machen. Aber diese Gedanken sind eben nicht bloße Gedanken, die uns überkommen, sondern sind in gewisser Weise in sich selbst befestigte, in sich selbst wesenhaft erscheinende Gebilde.

[ 8 ] If we reach this point, then we do not lose ourselves in the flowing light, but experience in it forms that are far more alive than the forms seen by any dreamer or visionary. At the same time they have in them nothing whatever of the nature of external perceptions. The qualities we perceive in outward things by means of the senses are completely absent; but we do find in these forms in enhanced measure what we otherwise only experience when we make for ourselves thoughts. And yet the thoughts that come to us now are no mere thoughts, but forms that have being and are strong and secure in themselves.

[ 9 ] Das ist das erste, was der okkultistische Aspirant erlebt und was immer stärker und stärker auftritt im Verlaufe des okkulten Lebens. Zuerst ist es schwach, zuerst müssen wir uns begnügen mit einigem wenigen, was uns da erlebbar ist. Dann aber wird uns immer mehr und mehr gegeben, dann erfahren wir mehr und mehr, und wir lernen eine Welt kennen, die sich uns darbietet als eine hinter der Sinneswelt gelegene Welt. Wir erfahren da, indem wir ein solches Erlebnis haben, etwas ganz Besonderes. Wir erfahren nämlich, daß alle die Kräfte, die uns befähigen können, so etwas zu erleben, in dem Umkreise unseres Erdenlebens und der irdischen Gesetzmäßigkeit gar nicht zu finden sind. Wir merken, wenn wir dieses Erlebnis haben, ganz genau, daß alles, was uns befähigt, über das äußere Leben als Erdenmensch und über die naturwissenschaftlichen Dinge zu denken, in uns gebildet worden ist durch Kräfte, die der Erde angehören.

[ 9 ] This is the first experience for the aspirant after occultism, and it continues and grows stronger and stronger in the course of his occult life. At first it is weak, at first we have to be content with a small and limited experience. Then more is given to us, gradually we learn more and more, until we come at last to experience a world that we recognise as being behind the world of the senses. A remarkable fact is brought home to us at this point. The forces that can enable us to have such an experience are not to be found anywhere within the compass of Earth life, nor are they subject to Earthly laws. At the same time we observe that our capacity for thinking about the affairs of ordinary life and about natural science, has on the other hand been developed in us by forces that do belong entirely to the Earth.

[ 10 ] Der Mensch hat, wie Sie als Theosophen wissen, bevor er auf der Erde seine heutige Gestalt erlangt hat, vielerlei Umbildungen und Durchbildungen durchgemacht. Während dieser Zeit haben die Erdenkräfte auf ihn gewirkt. Nach und nach hat sein Gehirn, haben seine Sinneswerkzeuge die Gestalt durch die Erdenkräfte angenommen, welche sie heute haben. Und wenn wir das Auge, das Ohr, wenn wir das Gehirn selbst erklären wollen, so wie sie heute sind, so müssen wir sagen: Beim Beginne der Erdenentwickelung waren alle diese Organe ganz anders. Während der Erdenentwickelung haben die Erdenkräfte auf diese Organe gewirkt und ihnen eben die heutige Gestalt gegeben. Alles was diese Organe und auch was das Gehirn hat von den Erdenkräften, das verwenden wir, wenn wir für das alltägliche Leben oder wenn wir naturwissenschaftlich denken und forschen. Nichts ist in der Tätigkeit, die wir entwickeln, wenn wir so forschen, was nicht dem Menschen durch die Erdenkräfte zugekommen wäre. Sowohl der Alltagsmensch, der die Welt und die Dinge um sich her sieht und wahrnimmt und darüber nachdenkt, wie auch der Wissenschafter, der im Laboratorium oder auf der Sternwarte arbeitet, sie alle bedienen sich keiner anderen Einrichtungen ihrer Gehirn- und ihrer Sinnesorgane als solcher, die von Erdenkräften herrühren.

[ 10 ] As you know, before man attained to his present form and figure, he underwent a great many transformations. During this time of change and development, the forces of the Earth worked upon him. Gradually, little by little, the brain and the sense organs received the forms they have today. If we were to set out to explain the eye or the ear or even the brain itself, as they are today, we should have to say that at the beginning of Earth evolution all these organs were totally different. During Earth evolution the forces of the Earth have worked upon them and endowed them with the form they have today. When we think about the affairs of everyday life, as well as when we carry out investigations in the method of natural science, we use what the brain and the sense organs owe to the forces of the Earth. The activity we develop in such thinking contains nothing that has not been contributed by the forces of the Earth. The ordinary human being who sees the things around him and reflects upon them, the scientist too, who studies and works in his laboratory or observatory, make use of nothing in brain or sense organs that does not derive its origin from the forces of the Earth.

[ 11 ] Was wir nun als Bildung unseres Gehirns haben und was uns befähigt, das Gehirn so zu bearbeiten, daß es die höheren Glieder der menschlichen Natur aus sich heraustreibt, und daß wir das, was eben jetzt beschrieben worden ist, dieses fließende, flutende geistige Licht schauen, das rührt nicht von irdischen Zuständen her, sondern ist eine Erbschaft jener Kräfte, die auf den Menschen gewirkt haben, bevor die Erde Erde geworden ist. So daß wir sagen müssen, wenn wir uns erinnern, daß die Erde, bevor sie Erde geworden ist, den Monden-, den Sonnen-, den Saturnzustand durchgemacht hat: Es rühren von diesem Saturn-, diesem Sonnen- und Mondenzustand die Kräfte nicht her, welche den Menschen befähigen, mit seinen Sinnen wahrzunehmen und die Wahrnehmung der Sinne mit dem Gedanken zu durchdringen. Aber alles, was uns frei werden läßt von dieser Sinnes- und Denkarbeit, von der Arbeit der Wissenschaft und so weiter, alles, was uns fähig macht, die höheren Glieder aus uns herauszutreiben, so daß aus dem Gehirn herausgequetscht wird der Ätherleib, der Astralleib und das Ich, so daß diese fähig werden, im flutenden Lichte zu leben, das haben wir in uns als Erbstück von der Saturn-, Sonnen- und Mondenzeit. Das stammt also aus vorirdischer Entwickelungszeit und kann im weiteren Umkreise des Erdendaseins nicht gefunden werden.

[ 11 ] That development, however, of our brain that enables us, by working upon it, to bring forth the higher members of our nature and to behold the flowing spiritual light, has not its source in Earthly conditions but it is an inheritance from forces that worked upon man before the Earth became Earth. You will remember that before the Earth became Earth, it passed through conditions known as Moon, Sun and Saturn. The forces which make man capable of perceiving with his senses and of permeating his perceptions with thought, do not come from those past states of the Earth. But everything that sets us free from the working of the senses and of natural scientific thinking, and makes us capable of bringing forth higher members within us, as it were straining the brain to its utmost and pressing forth the etheric and astral bodies and ego until these are able to live in the flowing light,—all this we bear in us as an inheritance from the times of Saturn, Sun and Moon; it comes to us from pre-Earthly times of evolution and is nowhere to be found within the whole circumference of Earth existence.

[ 12 ] Wenn einmal die Wissenschaft so weit sein wird — und sie wird einmal dazu kommen, wenn es auch noch lange dauern wird —, sozusagen den Mechanismus der Sinne und des Gehirns zu begreifen, dann wird die Wissenschaft auf diese Errungenschaft außerordentlich stolz sein. Aber man wird nur begreifen jenes Denken und jenes Forschen, welches aus irdischen Verhältnissen erklärbar ist und daher auch nur für die irdischen Verhältnisse gilt. Man wird niemals das ganze Gehirn und auch nicht alle Einrichtungen der Sinnesorgane mit den Erdenkräften erklären können; sondern, um alles erklären zu können, was in unseren Sinnen und in unserem Gehirne tätig ist, was den Sinnen und dem Gehirn die jetzige Gestalt gegeben hat, wird man die Zuflucht nehmen müssen zu dem, was die Theosophen kennen als den Saturn-, den Sonnen- und den Mondenzustand.

[ 12 ] When science comes to the point (and it will do so, though it take a long time on the way)—comes to the point of understanding the mechanism of the senses and of the brain, it will be extraordinarily proud of the achievement. But even then it will only be able to grasp the thinking and investigating that can be accounted for out of Earthly conditions and that accordingly hold good for Earthly conditions alone. Man will never, so long as he restricts himself to the forces of the Earth, be able to explain the whole brain, nor all the apparatus and arrangements of the sense organs, for, in order to give a full explanation of the activities in brain and senses and of how they came to have their present forms, we must look back to what are called the Saturn, Sun and Moon conditions of the Earth.

[ 13 ] Diese vorhergehenden Zustände unserer Erdenbildung, diese Kräfte also, die wirksam sind, solange sich der Mensch nicht seines Gehirnes bedient und seiner äußeren Sinne, diese Kräfte, die wir geerbt haben von Saturn, Sonne und Mond, werden lahmgelegt, werden unterbunden durch das, was die Erde mit ihren Kräften aus dem Gehirn und den Sinnen gemacht hat. Alles das, was wir darin finden können, wenn wir in das flutende Licht eintreten, empfinden wir deshalb nicht so, als ob wir es denken würden. Denn was wir denken, von dem haben wir das Gefühl, daß wir es jetzt denken, aber das, was wir da zunächst erleben, das kommt uns nicht so vor, als wenn wir es jetzt dächten.

[ 13 ] The forces that are active in man when he is not using his senses and his brain,—the forces, that is, that he inherits from Saturn, Sun and Moon—have been paralysed and held in check by what the Earth with her forces has made of the brain and senses. When we enter the flowing light, we do not feel as though we were thinking what we find there. For when we are thinking a thought we have the impression we are thinking it now; whereas what we experience in the flowing light does not at all give us the feeling we are thinking it now.

[ 14 ] Das ist außerordentlich wichtig, daß Sie das ins Auge fassen. Dem Hellseher, der in diesen Zustand eintritt, erscheinen zunächst die Gebilde, von denen ich jetzt gesprochen habe, nicht wie Gedanken, die er jetzt denkt, sondern wie Gedanken, die nur vom Gedächtnisse, von der Erinnerung aufbewahrt sind, wie Gedanken, an die wir uns erinnern können.

[ 14 ] It is most important to note this point. To the clairvoyant who enters into this condition, the forms of which I spoke do not seem like thoughts he is thinking now, but like thoughts that have been preserved in the memory, like thoughts one is able to call up into remembrance.

[ 15 ] Jetzt wird es Ihnen auch erklärlich sein, warum wir unseren Verstand ignorieren müssen und genötigt sind, in eine Schärfung des Gedächtnisses einzutreten. Das ist deshalb so, weil wir das Gefühl uns aneignen müssen, daß das, was in dem sich ausbreitenden geistigen Lichtmeere ist, sozusagen Gebilde aufwirft, die man nur wahrnehmen kann wie erinnerte Gebilde. Würde man nicht eine Schärfung des Erinnerungsvermögens durchgemacht haben, so würden sie einem entgehen, und nichts würde wahrnehmbar für den Hellseher werden. Es würde dann so sein, daß er nur ausgebreitet sähe ein inneres flutendes Lichtmeer.

[ 15 ] You will now understand why we have to ignore our intellect and quicken and strengthen our power of memory. Out of this wide spiritual sea of light, forms emerge which are only perceptible in the way that we apprehend memories. If our memory power had not undergone a strengthening, these forms would escape us and we should perceive nothing; it would be as though there were all around us nothing but a flowing sea of inward light.

[ 16 ] Daß also in dem inneren Lichtmeere Gedankengebilde schwimmend wahrgenommen werden können, geschieht dadurch, daß wir unser Erinnerungsvermögen so geschärft haben, daß das, was auftritt, nicht durch den Verstand, sondern durch das Erinnerungsvermögen, das Gedächtnis wahrgenommen werden kann; denn es muß durch das Gedächtnis wahrgenommen werden.

[ 16 ] That we can perceive thought-forms swimming in the sea of inner light, is due to the fact that we are able to perceive not with the intellect but with a strengthened power of memory; for these forms can only be perceived by means of the faculty of memory.

[ 17 ] Aber es ist damit noch nicht alles gesagt. Das, was so durch das Gedächtnis wahrgenommen wird, befähigt uns zunächst, in längst verflossene Zustände unserer Entwickelung, in die Mond-, Sonnen- und Saturnzustände etwas hineinzuschauen. Aber die Gebilde, die da wahrgenommen werden, die da wie Erinnerungsvorstellungen auftreten, sind nicht die einzigen; und sie sind sogar auch die schwächeren. Es wird nämlich etwas wahrgenommen, was mit starker Kraft und Gewalt auf uns wirkt, wovon man sagen könnte — trotzdem man weiß, es ist nur schwimmendes Gedankenlicht, das auf uns wirkt —, daß es uns Schmerz und Lust bereitet, daß es beginnt, man möchte sagen, zu stechen und zu brennen und auch selige Zustände in uns hervorzurufen.

[ 17 ] Nor is this all. What is perceived with the faculty of memory enables us to look back into long past conditions of evolution, into Moon, Sun and Saturn stages of evolution; but the forms we perceive in this way are like pictures of memory, are not the only thing. In fact, they make a less powerful impression upon us than something else, something of which we could say—notwithstanding that we know quite well it is no more than a surging sea of light—that it gives us pain and pleasure that it begins even to sting and burn us, and on the other hand to fill us with bliss.

[ 18 ] Und nun ist die Frage: Was bemerkt der Okkultist, der in diesem Meere schwimmend solche eigentümlichen Gebilde, die er jetzt mit dem Verstande fassen kann, wahrnimmt, zu denen er nicht das Gedächtnis bloß braucht, weil sie so stark geworden sind, daß der Verstand sie zu fassen vermag? Was bemerkt also der Okkultist von diesen Dingen?

[ 18 ] What does the occultist discover here? In the surging sea of light he has come to perceive strange forms; these he is able now to grasp with the understanding. They do not, at first, lay claim only to the faculty of memory; they have become so powerful that the understanding can grasp them. How do they strike him? What does he notice about them?

[ 19 ] Sehen Sie, der Okkultist bemerkt von diesen Dingen allerdings nur dann etwas, wenn er vorher etwas gelernt hat, und zwar, wenn er vorher sich bekanntgemacht hat mit den verschiedenen Gedanken der Philosophen, wenn er sich ein wenig mit Philosophie befaßt hat. Dann tritt vor sein geistiges Auge die Erkenntnis, daß die wirklichen Gedanken der Philosophen Schattenbilder sind, daß es Abbilder dessen sind, was da als Lebendiges wahrgenommen wird im flutenden Lichte.

[ 19 ] As a matter of fact the occultist does not notice anything particular in these forms unless he has previously interested himself in the thoughts of philosophy. Then he recognises that the thoughts of the philosophers are in reality shadow pictures of what he is now perceiving with the eye of the spirit in the surging sea of light.

[ 20 ] Jetzt ist die Zeit gekommen, wo Sie verstehen können, was eigentlich alle Philosophie der Welt ist. Alle Philosophie der Welt ist nichts anderes als eine Summe von Gedankenbildungen, von Ideen, welche wie Bilder hereingeworfen werden in unser physisches Leben und die eigentlich ihren Ursprung haben in dem überphysischen Leben, in dem, was der Hellseher in der geschilderten Weise wahrnehmen kann. Der Philosoph nimmt nicht dasjenige wahr, was hinter seinen Bildern liegt und was er in diesen Bildern hineinwirft in das physische Bewußtsein; aber die Bilder bekommt er. Von all den wichtigen, großen Gedanken der Philosophen, die jemals in der Welt eine Rolle gespielt haben, kann der Okkultist immer den Ursprung angeben. Der Philosoph sieht nur das Gedankenschattenbild, der Okkultist das reale, lebendige Lichtelement, das dahintersteht. Woher kommt denn das?

[ 20 ] Yes, the moment has come when we can at last learn what philosophy really is. All the philosophy in the world is nothing else than thoughts and ideas which are like reflections thrown up into our physical life, pictures whose origin is in the super-sensible life which the clairvoyant can perceive in the way we have described. The philosopher himself does not see what lies behind his pictures, he does not know what it is he is thus casting up into physical consciousness. He has only the pictures. But the occultist can point to their origin, he can point to the origin of the great thoughts of all the philosophers who have ever played a part in the history of man. The philosopher sees only the shadow picture in thought, the occultist sees the real and living light that is behind. How can this be?

[ 21 ] Nun, sehen Sie, das kommt davon her, daß wir aus alten Zeiten, obzwar wir — ganz im allgemeinen gesprochen — lahmgelegt haben die Kräfte, welche von der Saturn-, Sonnen- und Mondenentwickelung für das Gehirn herrühren, in unserem Gehirn dennoch einen gewissen Rest haben, durch den man wenigstens Schattenbilder, Abbilder wahrnehmen kann dessen, wozu das Gehirn fähig ist durch die vorirdischen Kräfte. Diejenigen Kräfte, die da im philosophischen Gehirn wirken, sind also nicht irdische Kräfte; sie sind ein schwacher, matter Abglanz vorirdischer Kräfte. Der Philosoph ist sich nur nicht bewußt, daß in seinem Gehirn eine Erbschaft aus den vorirdischen Zeiten lebt und daß er sich seines Gehirnes als eines Instrumentes bedient, insofern eine solche Erbschaft wirkt.

[ 21 ] The reason is that in our brain we have still something left of pre-Earthly forces, forces that come from the Saturn, Sun and Moon stages of evolution. Generally speaking, these forces have to a large extent been paralysed in us, but we have in the brain some small remnant at least of what the brain is capable of, by virtue of these forces. The forces that work in the brain of a philosopher are not Earthly forces. They are a dim and weak reflection of pre-Earthly forces. The philosopher is quite unconscious of the fact, but in his brain lives an inheritance from pre-Earthly times, and the use he makes of his brain depends on the working of this inheritance.

[ 22 ] Diese Erbschaft würde nun aber auch nicht wirken, wenn nicht während der Erdenentwickelung etwas ganz Bestimmtes eingetreten wäre, etwas, wovon natürlich auch die Philosophen der heutigen Zeit nichts wissen wollen. Wenn alles nur so geblieben wäre, daß die Erde einfach die Wiederverkörperung dessen ist, was vorhanden war im alten Saturn, in der alten Sonne und im alten Monde; wenn also die Erde nichts weiter böte dem Menschen, nichts weiter brächte dem Menschen als die Kräfte, welche sie dadurch hat, daß in ihr noch weiterleben die Saturn-, Sonnen- und Mondenkräfte, also die vorirdischen Kräfte, dann würde auf der Erde überhaupt niemals ein solches Nachdenken haben entstehen können, wie es uns ausgeprägt erscheint, man möchte sagen, im höchsten Maße bei der Philosophie. Und Philosophie ist bei jedem Menschen vorhanden, denn bis zu einem gewissen Grade philosophiert jeder Mensch. Das ist also nur dadurch da, daß eine Unregelmäßigkeit eingetreten ist bei der Erdenwiederverkörperung, daß von den schaffenden Kräften, die die Erde zustande gebracht haben, sich eine Hauptkraft abgesondert hat und nicht so weiter wirkt wie die anderen, sondern so, daß wir sagen können: Diese Kraft wirkt in geistiger Beziehung auf den Menschen, wie das Mondenlicht wirkt auf die Erde in physischer Beziehung.

[ 22 ] It would not, however, be able to work at all, had not a particular event taken place during Earth evolution, an event which the philosopher of modern times is of course quite unprepared to accept. If the Earth had been simply the re-incarnation of what had been present in Saturn, Sun and Moon, if it had been able to give man no more than the forces it had living in it from the time of Saturn, Sun and Moon, then there could never have arisen on Earth such a thing as contemplation, the kind of reflective thought that we find in such a marked degree in philosophy. And philosophy, you know, is really present in every single human being; everyone philosophizes a little. Philosophy is only possible on Earth because an irregularity crept in when the re-incarnation of our Earth took place. An important portion of the creative forces which brought our Earth into being was diverted; these forces did not continue to work in the same way as the rest, and they now have a spiritual influence upon man that is like the physical influence of moonlight upon the Earth.

[ 23 ] Sehen Sie, das Mondenlicht wirkt auf die Erde in physischer Beziehung in der Weise, daß der Mond das Sonnenlicht zurückwirft. Denn was uns als Mondenlicht zukommt, ist nur zurückgeworfenes Sonnenlicht. Was nun den Menschen befähigt, über die bloße Erinnerungsvorstellung beim Hellsehen hinauszugehen, und was ihn befähigt, noch etwas hineinzuwerfen in das physische Bewußtsein als Philosophie, das rührt davon her, daß in das menschliche Gehirn hineinwirkt, bildend, eine neue Kraft, die genau dieselbe Geisteskraft ist, welche in der mosaischen Urkunde Jahve oder Jehova benannt wird, und welche ebenso ein zurückgeworfenes Geisteslicht ist, wie das Mondenlicht in physischer Beziehung ein zurückgeworfenes Sonnenlicht ist.

[ 23 ] The effect of moonlight, as you know, is due to the fact that the moon casts back the light of the sun. Moonlight is reflected sunlight. Now the fact that man is able to transcend the mere memory picture of clairvoyance and, as it were, to throw something up into physical existence which makes its appearance there as philosophy, is dependent on a particular spiritual force that works plastically into the human brain, forming it and moulding it. In the Mosaic books of the Bible this spiritual force is named Jahve or Jehovah; it is a reflected light of the Spirit, just as in a physical aspect moonlight is reflected sunlight.

[ 24 ] So ist der Mensch in der Tat in bezug auf sein Gehirn nicht nur durch das erklärbar, was er sich als Erbschaft mitgebracht hat von den vorirdischen Zuständen. Man versteht ihn und dieses menschliche Gehirn erst dann, wenn man weiß, daß ebenso wie das physische Sonnenlicht von dem Monde nach der Erde geworfen wird — auch dann, wenn dem gewissen Stück Erde das Sonnenlicht nicht erscheint —, dem Menschen, insofern er im Gehirn sich auslebt, geistiges Licht zurückgeworfen wird von außerhalb der Erde.

[ 24 ] In respect of his brain, therefore, man cannot be entirely explained out of the inheritance he has brought with him from pre-Earthly conditions. We can only understand the human brain when we know that just as the physical light of the sun is thrown on to the Earth by the moon (at a time when the sunlight itself is not shining on that part of the Earth) so man, in so far as he lives in his brain, receives spiritual light thrown back from beyond the Earth.

[ 25 ] Jede Inspiration, und es ist eine Inspiration, welche dem Menschen geboten wird nicht durch seine eigenen Kräfte, sondern von außen herein, befähigt ihn, aufzusteigen zu einer Welterkenntnis, die als die philosophische bezeichnet werden kann. Diese Welterkenntnis zeichnet sich dadurch aus, daß sie den Menschen veranlaßt, in den verschiedenen Dingen der Welt den einheitlichen Grund zu suchen. Das ist das hauptsächlichste Charakteristikum. Ob der Mensch diesen einheitlichen Grund «Gott» oder «Weltgeist» nennt, darauf kommt es nicht an. Daß er aber alles zusammenfassen und auf einen einheitlichen Grund beziehen will, das rührt davon her, daß wir in dem Augenblick, wo wir als Hellseher den Ätherleib frei bekommen, wissen: Wir haben jetzt nicht nur das ausgequetscht, was wir aus früheren Zuständen haben, sondern wir haben auch in dem Gehirn wirksam Einflüsse der geistigen Welt, die sich mit den Einflüssen des Mondenlichtes vergleichen lassen, wie wir es eben getan haben.

[ 25 ] Every inspiration man receives, not from his own forces, but from beyond himself, helps him to rise to a knowledge of the world which may be described as philosophical. A philosophical comprehension of the world is one that causes man to seek in all the various things of the world a single and undivided foundation. That is the characteristic of philosophy. Whether man calls this Ground of the World “God” or “World Spirit” is of no moment; the desire he feels to gather up everything together and relate it all to a single Ground, is due to influences of the spiritual world which are active in his brain. The moment he becomes clairvoyant and sets free his ether body, he recognises that not only has he now succeeded in making active what he has inherited from earlier stages of evolution, but in his brain influences are at work which may be compared with the influences of moonlight, in the sense we have already explained.

[ 26 ] Ich mache Sie hier auf etwas aufmerksam, das Ihnen bezeichnend sein kann, wenn Sie ins Auge fassen, was jetzt ausgeführt worden ist. Der Mensch als Philosoph hat nicht das, was der Hellseher als Jahvekraft wahrnimmt, die sich vermischt mit den von früheren Zuständen ererbten Kräften. Er hat aber die Gedankenbilder und weiß nicht, daß hinter ihnen die Kräfte stehen, die in vorirdischen Zuständen wirksam gewesen sind und diejenigen, die als die Jahvekräfte bezeichnet werden. Er weiß nicht, daß das hinter seinem Denkprozesse steht. Er sieht nur die Gedankenschattenbilder, die ihm erzeugt werden dadurch, daß er aus seinem Ätherleibe sich herausarbeitet dieses flutende Licht, von dem ich gesprochen habe, und daß, indem dieses in seinem Gehirne wirkt, darinnen die Gedankenschattenbilder bewirkt werden, die wir als Philosophie bezeichnen. Das weiß der Philosoph nicht. Er weiß nur, daß er lebt in diesen Gedankenschattenbildern.

[ 26 ] At this point I would like to draw your attention to a fact about philosophy that will, I think, be clear to you from all we have been considering. As philosopher, man has not that which the clairvoyant perceives as Yogi force and which blends in with the forces inherited from earlier times. He has, however, the thought pictures, not knowing that behind them stand the forces which were active in Pre-Earthly conditions, and which are called the Jahve forces. This he does not know. He sees only the shadow pictures of thought which have been created for him by the work of his ether body upon the flowing light; for as the flowing light becomes active in his brain, thought shadow-pictures are produced there and these we call philosophy. The philosopher himself knows nothing of the process; he knows only that he lives in these thought pictures.

[ 27 ] Aber auf eine Eigentümlichkeit mache ich Sie bei diesen Gedankenbildern aufmerksam, die Ihnen später nützlich sein wird, auf die Eigentümlichkeit nämlich, daß man als Philosoph unbewußt hellseherisch ist, das heißt, in Schattenbildern von hellseherischen Zuständen lebt, ohne daß man etwas von dem Hellsehertum weiß; daß man so in Schattenbildern lebt und alles aufbringt, was man als Philosoph aufbringen kann, und daß man schließlich dazu gelangt, alles, was man an philosophischen Ideen und Begriffen aufzubringen in der Lage ist, so zu verbinden und zu verknüpfen, daß man es auf ein einheitliches Wesen bezieht. Das ist die Eigentümlichkeit der Philosophie.

[ 27 ] I want you, however, to note—it will be useful to you later on—that as philosopher man is unconsciously clairvoyant. That is to say, he lives in shadow pictures of clairvoyant states, without himself knowing anything of clairvoyance. He lives in these shadow pictures, he achieves with them all that a philosopher can achieve and at last comes to a point where he can connect and combine the philosophical ideas and conceptions he has elaborated, relating them all to one single Being or Entity. For that is the invariable characteristic of philosophy.

[ 28 ] Diese Eigentümlichkeit ist immer bei der Philosophie vorhanden. Aber es gibt keine Möglichkeit, wenn man mit diesem Material des Philosophen arbeitet und ehrlich und aufrichtig zu Werke geht, innerhalb dieser Gedankenbilder — philosophisch also — so etwas zu finden wie das Christus-Wesen. Man findet einen einheitlichen Weltengrund, aber man findet nie einen Christus. Wenn Sie in einer Philosophie die Christus-Idee finden, so können Sie sicher sein, sie ist aus der äußeren Welt genommen; wo sie angetroffen werden kann in den Überlieferungen, ist sie auf unrichtige Weise, vielleicht unbewußt, in die Philosophie hineinpraktiziert worden. Wenn der Philosoph bei seiner Philosophie bleibt, ist es ganz unmöglich, etwas anderes zu finden als den neutralen Weltengott, niemals aber einen Christus. Den kann er nicht finden. Es gibt keine sich selbst verstehende Philosophie, welche die Christus-Idee haben kann. Es ist unmöglich. Also, halten wir dieses zunächst fest. Diejenigen aber, welche dazu Lust und Gelegenheit haben, mögen sich einmal bei den Philosophen umschauen, ob sie, soweit diese Philosophen bloß Philosophen sind, den Christus bei ihnen finden können. Sehen Sie sich ein so ausgebreitetes und ausgebildetes System der Philosophie durch wie das Hegelsche; Sie werden sehen, innerhalb des Systems der Philosophie kann Hegel nicht auf den Christus kommen. Er praktiziert ihn hinein aus der äußeren Welt. Seine Philosophie gibt ihm keinen Christus.

[ 28 ] It is, however, not possible to find within these thought pictures the Christ Being. By working in all honesty and sincerity with the material of philosophy, we find one single Ground of the World, but we never find a Christ. If you come across the idea of Christ in a philosophy, you may be quite sure it has been borrowed from tradition; it has been imported,—inconsistently, though perhaps quite unconsciously. If the philosopher remains at his philosophy, he cannot possibly find any more than the neutral God of the Worlds; he can never find a Christ. No consistent philosophy can contain the conception of Christ. It is impossible. Let us be quite clear on this point. Let anyone who has the desire and the opportunity to do so cast his eye round among the philosophers and see whether these can find the Christ in their philosophies. Take, for example, such a widely and fully developed system of philosophy as that of Hegel. You will find that Hegel cannot approach the Christ within the system of philosophy. He has as it were to bring Him in from the world outside; his philosophy does not give him the Christ.

[ 29 ] Vorläufig mag dies genug sein, was jetzt gesagt worden ist, zur Charakteristik dessen, was als erstes Erlebnis auftritt bei dem hellseherischen Aspiranten und was er bezeichnen lernt als unoffenbares Licht.

[ 29 ] For the time being, we will let this suffice for a description of the first experience the aspirant for clairvoyance undergoes, an experience he learns to designate as “unmanifest light.”

[ 30 ] Ganz leise, zunächst kaum wahrnehmbar, tritt das zweite Erlebnis auf. Es tritt so auf, daß es in der Tat viele Hellseher gibt, die das erste Erlebnis, das eben charakterisiert worden ist, lange schon haben und bezüglich des zweiten kaum verstehen, was es ist. Es tritt auch das auf, was wir bezeichnen können etwa in der folgenden Weise: Während das flutende Licht, das ich eben charakterisiert habe, etwas ist, was uns so vorkommt, als ob wir in demselben auseinanderfließen würden, als ob wir uns verbreiten würden in dem Weltenraume, erscheint uns das, was das unaussprechliche Wort genannt werden kann, im Beginne so, wie wenn gleichsam von allen Seiten uns etwas entgegenkäme. In demselben Maße, in dem wir uns verbreiten über die ganze Welt, ist es so, als ob uns etwas entgegenkäme, als ob etwas von allen Seiten sich uns näherte, während wir auf der anderen Seite zerfließen. Und in der Tat, dieses Zerfließen ist für den Menschen, der es erlebt und sich noch nicht so recht hineinfinden kann, mit argen Furchtzuständen begleitet. Es kommt uns gleichsam von außen etwas wie eine Weltenhaut entgegen, die sich uns nähert, und wir können nicht anders sagen als: Dieses Annähern einer Weltenhaut ist so, wie wenn zunächst in einer uns schwer verständlichen Sprache, die nirgends auf der Erde gesprochen wird, zu uns gesprochen würde; in einer Weise, daß kein Wort sich damit vergleichen läßt, das durch einen Kehlkopf gegangen ist. Aber wenn wir vom Worte alles dasjenige wegnehmen, was als äußerer Laut damit verknüpft ist, dann bekommen wir allmählich eine Vorstellung davon, was uns da als sinnvolles Weltentönen entgegenrückt von allen Seiten. Schwach ist es anfangs, und nur mit zunehmender Kraft des okkulten Lernens und der okkulten Selbstzucht wird dieses Wahrnehmen einer geistigen Welt immer stärker und stärker.

[ 30 ] Gently and slowly—scarcely perceptibly, to begin with—the second experience comes upon him. There are indeed many clairvoyants who have had the first experience for a long time and still hardly understand what the second experience is. The effect of its approach may be described in the following way. Whilst the flowing light is something that makes us feel we are being scattered in it, makes us feel we are, as it were, being spread abroad in space,—with the second experience, which can be called the experience of the “unspoken word,” we have the feeling as though something were coming towards us from every direction at once. In the same degree to which in the first experience we feel ourselves spread out over the whole world, do we now have the impression of something coming toward us, approaching us on all sides, while we ourselves are like to dissolve away. For the man who has this experience and is not yet at home in it, the sense of melting away is accompanied by very great fear. Something bears down upon us from all around; it is as if an edge or skin of the world were approaching us. What this means for us we can express in no other way than by saying: It is as though we were being addressed in a language very hard to understand, a language that is never spoken on Earth. No word that proceeds from human larynx can be compared with the speech we now experience. Only by thinking away from the spoken word everything that has to do with external sound, can we begin to form some idea of the great cosmic sounding that now bears down upon us on all sides. At first it makes but a faint impression upon us; then, as the power of occult learning and occult self-discipline increases, this perception of a spiritual world grows stronger and stronger.

[ 31 ] Wir haben dann als Hellseher ein sehr merkwürdiges Gefühl, wenn wir so herankommen sehen von allen Seiten etwas wie eine Weltenhaut; nicht wie eine äußere Weltenhaut, sondern etwas, was wie Töne herandringt. Dann haben wir eine sehr eigentümliche Empfindung; und daß wir diese haben, ist ein Zeichen, daß wir auf dem richtigen Wege sind. Wir. haben die Empfindung: Ja, eigentlich ist das erst unser eigenes Selbst, eigentlich ist das erst der richtige Mensch, der uns da entgegenkommt. Wir sind nur scheinbar in die Haut eingeschlossen, wenn wir im physischen Leibe leben. In Wahrheit füllt unser ganzes Wesen die Welt aus und es kommt uns entgegen, wenn wir in der geschilderten Weise in den okkulten Zustand übergehen. Es kommt uns von allen Seiten etwas entgegen. — Das ist es, was als gewisse Empfindung auftritt: Ausbreitung des geistigen Lebens und wiederum Zusammenziehung desselben.

[ 31 ] As now with clairvoyant sight we behold approaching us from all sides this vast skin of the world,—and yet not at all like an external skin, but bearing down upon us like a mighty sounding of tones—we have a strange and remarkable feeling; and the fact that we have it is a sign to us that we are on the right path. We find ourselves thinking: “It is in very truth my own self that is approaching me; there for the first time is my own true self! Only apparently am I enclosed in my skin, when I live here in the physical body. In reality my being fills the world; and it is my own being that is now coming to meet me as I pass over into the occult state. It is coming toward me from all directions.” So does occult experience take its course,—first the expansion of the spiritual life, then again its concentration.

[ 32 ] Das ist es, was wir erleben, und wir verbinden damit einen bestimmten Begriff, weil es uns wie sinnvolle Worte entgegenkommt, die nur geistig zu uns tönen, den Begriff «unaussprechliches Wort», «unaussprechliche Sprache».

[ 32 ] And the latter we connect with a definite idea. For it comes to us like words,—sounding spiritually and full of deep meaning; and we form the conception of the “unspoken word,” the “unspoken language.”

[ 33 ] Nun, sehen Sie, so wie der Mensch eine gewisse Erbschaft hat, von der ich eben gesprochen habe, die nicht von irdischen Kräften herrührt und von seinem irdischen Wesen, sondern von vorirdischen Zuständen, die an der Bildung seines Gehirns mitwirkten, wie wir das charakterisiert haben, so hat er auch als Erbschaft Kräfte in sich, welche von vorirdischen Zuständen herrühren und welche jetzt nicht arbeiten in seinem Gehirn, sondern in seinem Herzen. Das Herz ist ein sehr kompliziertes Organ, und ebenso wie im Gehirn nicht allein tätig sind die irdischen Kräfte, sondern auch vorirdische Kräfte, obwohl wir uns zur äußeren Forschung nur dessen bedienen, was aus dem Irdischen kommt, so sind auch im Herzen vorirdische Kräfte tätig. Das was der Mensch braucht, um irdische Luft, irdische Nahrung aufzunehmen, um den Organismus des Lebens wegen gegenüber den Erdenelementen zu versorgen, das hat er von irdischen Kräften. Damit der Mensch das wahrnehmen kann, was jetzt mit dem Worte «unaussprechliches Wort» belegt worden ist, muß nicht nur aus seinem Gehirn das herausgequetscht werden, was seine höheren Seelenglieder sind, sondern auch aus seinem Herzen.

[ 33 ] Now we must go a step further. For even as man has a heritage out of pre-Earthly conditions that helps to form and fashion his brain, so has he also forces remaining from pre-Earthly conditions which work, not in his brain, but in his heart. The heart is a very complicated organ; and as in the brain not only Earthly but pre-Earthly forces are active (although in external study and research we make use, as we have seen, of the Earthly alone), so in the heart too we find an activity of pre-Earthly forces. Whatever man needs for the obtaining—of Earthly air and nourishment, whatever he needs for the care of his organism and for its maintenance in life—all this is given him in Earthly forces. But for man to be able to perceive what we have termed the “unspoken word,” not only have higher members of his being to be, as it were, pressed out of his brain, but also out of his heart.

[ 34 ] Man kann lange Zeit als Hellseher das geistige Licht wahrnehmen, wenn man aus seinem Gehirn seine höheren Leibesglieder herausgequetscht hat. Wenn aber noch mit dem Herzen fest verbunden bleiben diese höheren Leibesglieder wie im gewöhnlichen Leben, dann hat man es mit Hellsehern zu tun, die da sehen mit ihren vom Gehirn frei gewordenen Seelenkräften das flutende Licht, die aber nicht das von allen Seiten herankommende unaussprechliche Wort vernehmen können. Das fangen sie erst an zu hören, wenn die höheren übersinnlichen Menschenkräfte auch aus dem Herzen herausgequetscht sind. Das was das Herz befähigt, herauszuquetschen diese höheren übersinnlichen Glieder, so daß der Mensch lernt, ein Seelenleben zu entfalten, das nicht an das Instrument seines Herzens gebunden ist, das hängt mit einem höheren Herzensorganismus zusammen. Das was als gewöhnliches Seelenleben auf dem physischen Plane vorhanden ist, ist an das Organ des Herzens gebunden. Wenn die Menschen aus ihrem physischen Herzen die höheren Leibesglieder werden freimachen können, dann werden sie lernen, ein Seelenleben zu empfinden, das an einen höheren Herzensorganismus als an den physischen Herzmuskel und an das Blut gebunden ist. Wenn der Mensch lernt, mit seiner Seele zu erleben seine Herzenskräfte, die höher sind als die, welche an das physische Herz gebunden sind, dann lernt er dasjenige wirklich kennen, was um ihn herum sich geltend macht wie ein von allen Seiten herankommendes unaussprechliches Wort.

[ 34 ] It can happen that for a long time a man is able to perceive as clairvoyant the spiritual light, if he has pressed forth from his brain the higher members of his body. If, however, these higher members still remain firmly united with the heart, as they are in ordinary life, then we have a clairvoyant who is able to behold the flowing light (for that he can do with the help of the soul forces that have become free from the brain), but not able to apprehend the unspoken word. For we can only begin to hear the unspoken word when the higher, super-sensible members have been freed also from the heart. The capacity of the heart to do this, so that man can unfold a soul life that is not bound to the instrument of the heart, belongs to a higher heart organism. Our ordinary soul life on the physical plane is united with the organ of the heart. When men are able to set free the higher members of their body from the physical heart, they come to experience a life of soul that is connected with a higher organism than the physical heart of blood and muscle. When the pupil learns to experience, in his soul, forces of the heart that are higher than those connected with the physical heart, then he can in very truth attain knowledge of the unspoken word; it makes itself known to him, coming towards him on every hand.

[ 35 ] Das also hängt ab von der Emanzipation unserer übersinnlichen Menschenglieder von dem Herzen. Während die Wahrnehmung des übersinnlichen Lichtes von der Emanzipation unseres höheren Menschen von dem physischen Gehirn abhängt, hängt die Wahrnehmung des unaussprechlichen Wortes von der Emanzipation unserer höheren Glieder von dem physischen Herzen ab.

[ 35 ] Thus, whilst the perception of the super-sensible light depends on the emancipation of man's higher being from the physical brain, the perception of the unspoken word depends on the emancipation of the higher members from the physical heart.

[ 36 ] Geradeso wie es Menschen gibt, welche, nur sozusagen unbewußt, etwas in sich haben von den vorirdischen Kräften der Gehirnbildung, so gibt es eben auch Menschen, die etwas in sich haben von vorirdischen Kräften der Herzensorganisation, der Herzensbildung. Und diese Menschen sind viel zahlreicher, als man gewöhnlich annimmt. Wenn es heute keine solche Menschen gäbe, die diese alten Erbstücke an sich hätten und an denen sie, aus Gründen, die wir noch anführen werden, besonders heute arbeiten, dann gäbe es keine Theosophen, dann säßen Sie alle nicht da. Denn der Grund, warum Sie dasitzen, ist kein anderer als der, daß Sie einmal empfunden haben, wenn Ihnen ein theosophisches Buch in die Hand gekommen ist, oder wenn Ihnen in einem Vortrage eine Mitteilung zugeflossen ist aus der Theosophie, etwas von jener uralten Erbschaft, die in Kräften besteht, welche an Ihrem Herzen gearbeitet haben, schon bevor die Erde sich gebildet hat. Sie haben gleichsam, indem Sie ergriffen worden sind von irgend etwas, was Ihnen durch die Theosophie zugeflossen ist, in sich etwas erlebt — so wie die Philosophen jene Schattenbilder erleben, von denen gesprochen worden ist —, Sie haben erlebt die Schattenbilder dessen, was, Ihnen unbewußt, der Herzenshellseher in Ihnen vernehmen könnte, nicht durch Worte, die in irgendeiner Sprache zu Ihnen gesprochen worden sind. Sie haben da etwas ganz Besonderes durchgehört, sonst wären Sie nicht Theosophen geworden. Sie haben gehört, daß dieses äußere Wort nur ein äußerer Nachklang dessen ist, was erforscht worden ist durch das hellseherische Herz, ein Nachklang dessen, was aus den Gebieten des Okkultismus heraus stammt, was mit den vorirdischen Herzenskräften erforscht worden ist und was zu Ihnen gesprochen hat in den Schattenbildern, die Sie selber erleben können. Sie haben durch das äußere Wort hindurch gehört das innere Wort. Durch das gesprochene Wort haben Sie vernommen den Nachklang des unaussprechlichen Wortes; durch Menschensprache, in Menschenwort haben Sie gehört dasjenige, was gehört worden ist in Göttersprache aus Götterwelten.

[ 36 ] As there are persons who, without being themselves aware of the fact, have in them something of the pre-Earthly forces that formed and fashioned the brain, so are there also persons who have in them something of the pre-Earthly forces that formed and fashioned the heart. And they are much more numerous than is generally supposed. If there were not today those who not only have these ancient heritages in their being, but are moreover engaged in working upon them (we shall see later how this comes about), there would be no theosophists. You would not all of you be sitting here today! The reason why you are sitting here is simply this,—that at some moment in your life, when a theosophical book came into your hands or some truth out of theosophy was communicated to you in a lecture, immediately you became conscious of something of that ancient inheritance which you bear within you and which consists of forces that worked to form your heart before the Earth was created. The fact that what came to you through theosophy made a deep impression upon you, meant that it produced in you an experience similar to the philosopher's experience in his shadow pictures. You experienced the shadow pictures of what a clairvoyance of the heart, all unknown to you, was able to receive through the words that were spoken. In that moment you heard through the words, and what you heard was something quite wonderful; otherwise you would not have become a theosophist. For you the external word was but an echo, coming to you from without, of what the clairvoyant heart had itself investigated by means of pre-Earthly forces, an echo of what comes from the realm of occultism and had already been speaking to you in shadow pictures which you yourself could experience. Through the outer word you heard speak the inner word. In the spoken word you caught the echo of the word that cannot be spoken. Through the human language you heard what is spoken from out of divine worlds in the language of the Gods.

[ 37 ] Und wenn auch die Menschen, die heute in ehrlicher und aufrichtiger Weise sich hingezogen fühlen zu theosophischem Streben, dies nicht immer wissen, daß in ihnen unbewußt etwas sozusagen hellseherisch schon arbeitet, so ist es bei diesen Menschen gerade so, wie es bei den Philosophen ist, die die Schattenbilder des unbewußten hellseherischen Gehirnes sehen und nicht wissen, in welchem eigentümlichen Gedankenelemente sie eigentlich leben. Weil das Gehirn leichter den Erdenkräften zugänglich ist, durch Erdenkräfte leichter affiziert wird, daher leichter zu einem irdischen Organe gemacht wird als das Herz, das schwer zugänglich ist für irdische Kräfte, daher kommt es auch, daß, insbesondere in unserer Gegenwart, die Menschen dadurch, daß sie nach Erdengesetzen forschen und mit äußerem Wissen ihr Gehirn beschäftigen, die irdischen Teile des Gehirns so stark machen, daß dasjenige, was überirdisches Gehirn ist, ganz und gar abgelähmt wird im Inneren. Durch das, was die Theosophie herunterbringen wird, weil das Herz viel weniger zugänglich ist für die Verarbeitung der irdischen Kräfte, kann man, indem man von 'Theosophie spricht, viel leichter den Zugang zu den menschlichen Seelen finden als durch die bloße Philosophie. Denn wenn die Menschen durch die rein materiellen Interessen des äußeren Lebens sich nicht verlegt haben, was in der geschilderten Weise zu ihren Herzen sprechen kann, so werden sie immer empfänglich sein, insbesondere in unserer Zeit, für die theosophischen Wahrheiten. Diese theosophischen Wahrheiten können von jedem verstanden werden, nur nicht von denen, welche sich durch äußere materielle Interessen in dieser oder jener Form zu sehr engagiert haben, sei es durch theoretisch-materielle Interessen, sei es durch Lebensinteressen, die rein im Materiellen aufgehen. Nur solche Menschen können sie nicht verstehen, welche sich haben gefangennehmen lassen von diesen Interessen, Menschen, die für nichts Sinn haben als für diese äußeren materiellen Interessen. Ihnen breitet sich ein Nebel aus über das, was das Herz entfalten soll, wenn es von der Theosophie ergriffen wird.

[ 37 ] If those who today sincerely and honestly feel themselves drawn to the study of theosophy do not always know that a degree of clairvoyance is already active in them, then it is with them as it is with the philosophers who see the shadow pictures of their unconsciously clairvoyant brain and do not know the real nature of the thoughts in which they are living. The brain is more readily susceptible to Earthly forces and on this account more easily made into an Earthly organ; therefore men who in our time investigate the laws of Earth and occupy their brain with external knowledge so strengthen the Earthly parts of their brain that the super-Earthly brain is completely paralysed from within. But the heart is far less susceptible to the influence of the Earthly forces; on this account it is easier to find an approach to human souls through what theosophy brings down to men than through pure philosophy. Unless people allow the material interests of life to obstruct and hinder what can in this way speak to their hearts, they will always—and especially in our own time—be responsive to the truths of theosophy. The truths of theosophy can be understood by everyone, excepting only those who have become too deeply engrossed—whether theoretically or practically—in external material interests in one form or another. People who have allowed themselves to be caught and entangled in these interests until they have no feeling for anything beyond them,—these alone fail to comprehend theosophy. A mist spreads itself out, covering and hiding what should unfold from the heart when it is touched by theosophy.

[ 38 ] Daher muß man, um Philosophie zu verstehen, etwas haben, was den eigentümlichen Gebilden, von denen vorhin gesprochen worden ist, entgegenkommt und Schattenbilder von ihnen entwirft; man muß gewissermaßen sein Gehirn dressiert haben auf feinere Gedanken hin, in denen sich abschatten können die höheren, überphysischen Kräfte. Nun wissen Sie aber, daß die Menschen in den wenigsten Fällen das Gehirn so dressieren. Um Theosophie zu verstehen, braucht man keine Vorbildung. Um wahr zu finden, um zu verstehen das, was aus den okkulten Forschungen herausgeholt ist, wenn die okkulten Forscher ihre höheren Kräfte, ihre geistigen Leibesglieder emanzipiert haben von ihrem Herzen und Gehirn, brauchen die Menschen bloß nicht abgelenkt zu sein durch das äußere Leben, nicht aufzugehen im äußeren Leben. Der schlichteste, einfachste Mensch hat solche Kräfte, die hinreichen, die Theosophie zu verstehen. Er braucht nicht wissenschaftlich gebildet zu sein. Jeder kann, wenn er nur nicht mit Vormeinungen, mit Vorurteilen der Sache entgegenkommt, gewisse theosophische Wahrheiten verstehen. Denn diese theosophischen Wahrheiten sind in den gewöhnlichen Erlebnissen wie in Schattenbildern wiedergegebene Tatsachen der okkulten Forschung, die herrühren von dem unaussprechlichen Worte, das dann gehört wird — wenn wir das Wort vergleichsweise gebrauchen dürfen —, wenn der Mensch freigemacht hat, emanzipiert hat seine höheren Leibesglieder von dem physischen Herzen, wenn er also nicht nur leben kann in einem überphysischen Gehirn, sondern leben kann in einem überphysischen Herzensorgan.

[ 38 ] Thus, in order to understand philosophy, we must have in us something that is responsive to the strange and singular forms of which we spoke earlier and that throws up shadow pictures of these forms; we must have trained our brain to think thoughts within which the higher super-physical forces can reflect themselves. And, as you know very well, this happens but rarely. In order to understand theosophy, we need no such preparation. To appreciate the truth of what may be derived from occult research, when the researcher has emancipated from heart and brain the higher forces, the spiritual members of his being,—for this, all that is required is that we do not have our attention diverted by external life. The very simplest person has forces that suffice for the understanding of theosophy. There is no need for a scientific education. Everyone, provided only that he does not meet them with preconceived judgments, can understand certain theosophical truths. For these theosophical truths are facts of occult research reflected, as in shadow pictures, in the ordinary experiences of life. They come from the unspoken word, which is “heard”—to speak metaphorically—when man has set free from the physical heart the higher members of his being, when, that is to say, he can live not only in a super-physical brain but in a super-physical organ of the heart.

[ 39 ] Richtige, logische Ausdrücke zu finden gerade für wissenschaftliche Begriffe, um das auszudrücken, was durch das überphysische Herz erforscht ist, dazu wird notwendig sein, daß man bekannt ist mit solchen wissenschaftlichen Begriffen. Aber selbst darauf kommt es in der Theosophie nicht an. Die wichtigsten theosophischen Wahrheiten können tatsächlich in einfache Begriffe gekleidet werden, und Sie wissen, wie wenig man dazu braucht, um hinreichendes Verständnis zu haben für die Grundwahrheiten der Theosophie. Das meiste, was wir oftmals vorbringen, ist ja eigentlich nicht nur dazu bestimmt, bloß für einfache schlichte Gemüter Überzeugungen hervorzurufen; die können schon sehr bald da sein. Bei einer gesunden Seele werden sie immer da sein; bei einer Seele, die nicht krank gemacht ist durch materielle Interessen, werden sie immer da sein. Was aber notwendig ist in unserer Zeit, ist, daß die Theosophie auch Schutz gegen die ungerechten Angriffe einer vermeintlich auf ihrem Recht bestehenden Wissenschaft finde. Wir müssen die einfachen, schlichten, leicht zu begründenden theosophischen Wahrheiten so vor die Welt hinstellen, daß sie zeigen, sie können sich halten, wenn man subtil und durchaus klar und richtig denkt. Allerdings, das letztere muß von den Menschen verlangt werden. Ein rastloses, ordentliches Denken muß verlangt werden, damit man einsehen kann, daß es keine Wahrheit gibt, die im Widerspruch steht mit dem, was Theosophie ist. Aber ein solches Denken ist, ich möchte nicht nur sagen, außerordentlich wenig vorhanden, sondern es ist sogar außerordentlich schwer zu erreichen. Die Art, wie äußere wissenschaftliche Vorurteile zwar nicht mit persönlicher Autorität, aber mit unangreifbarer äußerer Autorität auftreten, mit einer Autorität, die an unbestimmten Dingen haftet, die ist allerdings sehr verbreitet; und es ist geradezu gewaltig, was dadurch an Vorurteilen hervorgebracht wird.

[ 39 ] To express in terms of scientific concepts and in correct logical language that which the super-physical heart can investigate,—for this it is of course essential that one is already familiar with scientific concepts. In theosophy, however, there is no such need. The most important theosophical truths can as a matter of fact be clothed in simple concepts; you know yourselves how little can suffice for an adequate understanding of the fundamental truths of theosophy. A very great deal of what we are often saying in lectures here is not said for the purpose of convincing simple-minded people; they can quickly follow and be with us. Wherever the heart and soul are healthy, this will always be so; everyone who has not been made ill by material interests will be with us. What is necessary, however, in our time is that theosophy should find protection from the unjust attacks of a science that deems itself justified. We have to place the simple, easily established theosophical truths before the world in such a way that they will themselves demonstrate their validity when men think subtly and with clarity and correctness. (This condition, please note, is indispensable.) Then to an unprejudiced and well-ordered thinking, it will become abundantly clear that there is no truth which contradicts theosophy. Such a thinking, however, is not only exceedingly rare, it is extraordinarily difficult of attainment. Preconceived ideas of external science are astonishingly widespread today, claiming to rest not, it is true, on personal authority but on an unassailable external authority which has no firm nor sure foundation.

[ 40 ] So sehen wir, daß selbstverständlich diejenigen, die sich auszukennen glauben auf dem Gebiete einer besonderen Wissenschaft, oder die in populärer Weise sich bekanntgemacht haben mit irgendwelchen Ergebnissen der Wissenschaft, auch glauben, mit ihrem Denken so weit zu sein, daß sie durchschauen können die Beziehungen von 'Theosophie zur Wissenschaft. Das können die Menschen aber gewöhnlich nicht, weil ein klares, geordnetes Denken keineswegs in der heutigen Zeit so weit verbreitet ist, als man glauben möchte. Gewisse Wissenschaften kann man heute mit einem recht ungeordneten Denken treiben, mit einem Denken, das herangebildet ist in dem engen Rahmen einer Spezialwissenschaft, und das nicht über den engen Rahmen dieser Wissenschaft hinausreicht. Und ein literarisch Tätiger, ein schreibender Mensch, ein Mensch, der heute dieses oder jenes publiziert, kann man schon sein, wenn man mit seinem Denken wirklich gar nicht sonderlich weit ist. Denn ob geordnetes, richtiges Denken hinter dem ist, was heute scheinbar geistig produziert wird, danach forschen gewöhnlich die Menschen gar nicht, weil man sozusagen kein Spürvermögen dafür hat. Es gehört nicht viel dazu, dieses Spürvermögen zu haben; man kann es wie eine Art Instinkt haben; aber es wird nur verstärkt dieses Spürvermögen, wenn man ein wenig mit okkulter Forschung und okkulten Kräften vertraut ist.

[ 40 ] We may often see how those who think they have a comprehensive knowledge of a particular branch of science, or even those who have made themselves familiar in a popular manner with some of its results, take for granted that their thinking is far enough advanced for them to be able to have insight into the relationship of theosophy to science. As a rule, however, such insight is quite beyond their reach. Clear and well-ordered thinking is by no means so common in our time as one might suppose. There are sciences which can be pursued today with a quite un-ordered thinking, with a thinking which has been developed within the narrow bounds of some specialised science and cannot pass beyond them. Today, one can be in the literary world, one can be an author and publish books, without having developed one's thinking particularly! For as a rule people do not examine and see whether behind what is apparently a product of mental and spiritual ability, there exists any well-ordered and correct method of thought. People do not enquire into this today, simply because they have not at hand any means of detection. Yet it does not take much to be able to appraise thought; many people have the capacity as a kind of instinct, and a little acquaintance with occult research and occult forces will strengthen it.

[ 41 ] Lassen Sie mich im Zusammenhang mit dem, was ich jetzt gesagt habe, eine Bemerkung machen, die nur dazu dienen soll, zu illustrieren, wie einem, wenn man ein bißchen Empfindung hat, manchmal sonderbare Dinge begegnen können. Es ist zwar ein recht unbedeutendes Erlebnis, was ich zu sagen habe, aber es ist doch bezeichnend. Ich ging gestern vormittag durch eine Straße. Mein Blick fiel, sagen wir unwillkürlich, auf eine bestimmte Stelle des Schaufensters einer Buchhandlung. Und siehe da, ich fühlte, wie wenn mich etwas stechen würde, wie wenn mich eine Bremse oder eine Biene stechen würde. Ich meine den Vorgang geistig. Nun war ich neugierig, was da gestochen hat. Zunächst war ich nicht klar darüber, was aus diesem Schaufenster heraus gestochen haben kann, und ich schaute zu und fand, daß da eine Broschüre lag. An dieser Broschüre fiel mir ein Motto auf, und dieses Motto schien mir so, als ob es zur Verteidigung der Gesinnung dieser Broschüre bestimmt wäre, als ob der Autor dieses Motto bestimmt haben wollte zur Bezeichnung seiner Gesinnung. Warum hat aber nun das Motto gestochen? Wir werden gleich darüber klarwerden. Es steht nämlich folgendes darauf:

[ 41 ] Allow me in conclusion to relate an incident intended to serve as an illustration of the strange experiences that can happen to one, if one is a little sensitive to such things. It is an insignificant experience, but it illustrates my point. I was walking yesterday along a certain street. My gaze fell, quite involuntarily, on a particular spot in a bookshop window. All at once I felt as though I had been stung,—really just as though a gadfly or a bee had stung me! Spiritually, that was how I felt. I was curious to know the cause. To begin with, I could find nothing in the shop window that could have stung me like that. But when I looked carefully, I saw a book lying there on which was a legend, intended, so it appeared, to vindicate the trend of thought in the book, the author meaning to describe with this saying his own attitude of mind. But why should it sting me? You will see presently. These were the words:

Ein Kerl, der spekuliert, ist wie ein Tier, auf dürrer Heide
Von einem bösen Geist im Kreis herumgeführt,
Und ringsumher liegt schöne, grüne Weide.

“Your speculative churl
Is like a beast which some ill spirit leads,
On barren wilderness, in ceaseless whirl,
While all around lie fair and verdant meads.”1From Translation by Anna Swanwick.

[ 42 ] Darunter steht: Goethe, «Faust». Aber wer sagt es denn im «Faust»? Mephisto! — Es ist kein Ausspruch, auf den man sich berufen darf, wenn man auf Goethe Bezug nehmen will. Es ist ein Ausspruch, der dem Mephisto in den Mund gelegt wird. Wenn ihn also jemand dazu verwendet, ihn im guten, richtigen Sinne zu benützen, dann denkt er nicht ordentlich. Er will sich auf Goethe berufen; aber innere Gründe zwingen ihn dazu, sich nicht auf Goethe, sondern auf Mephisto, den Teufel zu berufen. Das zeigte mir, daß es da mit dem Denken etwas hapert. Der Stich rührte von einem undisziplinierten, ganz unordent lichen Denken her.

[ 42 ] and underneath was written “Goethe: Faust.” But who says this in Faust? Mephistopheles says it! These are not the words to choose when you want to quote Goethe! They are words he puts into the mouth of Mephistopheles. And if they are quoted seemingly in honest approbation of their meaning, it argues a disorderly thinking, The author wants to cite Goethe; but inner reasons compel him to quote Mephistopheles,—that is, the devil. That shows me that something is amiss with his thinking. The sting I experienced came from the displaced and disordered thinking.