Man in the Light of
Occultism, Theosophy and Philosophy
GA 137
12 June 1912, Oslo
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Man in the Light of Occultism, Theosophy and Philosophy, tr. SOL
Zehnter Vortrag
Tenth Lecture
[ 1 ] Es war keineswegs zufällig, daß ich, nachdem ich noch einmal auseinandergesetzt hatte die nächste Begegnung, die der Mensch hat, wenn er die Schwelle zu den übersinnlichen Welten betritt, die Begegnung mit dem Tod und dem Luzifer, daß ich dann versucht habe, den Übergang zu nehmen zu einer Auseinandersetzung, die Sie vielleicht zunächst als eine schwer verständliche berührt hat. Ich habe dann versucht, Ihnen die Bedeutung der Christus-Wesenheit auseinanderzusetzen, und im Verlaufe dieser Auseinandersetzung über die Christus-Wesenheit, die sich, man möchte sagen, von selbst ergeben hat, war es notwendig, hinzuweisen auf die Versuchungsgeschichte in den Evangelien, auf die Abweisung des Luzifer durch den Christus, was ja in den Evangelien als die Versuchungsgeschichte dargestellt wird, als die Versuchung, wie sie dort benannt wird, in der Einsiedelei, oder, wie man oft sagt, in der Wüste. Dann wurde, nachdem der Gang unserer Betrachtung etwas weiter sich erstreckt hatte, der Übergang genommen zu einer Mitteilung über den Buddha.
[ 1 ] It was by no means a coincidence that, after I had once again discussed the next encounter a human being has upon crossing the threshold into the supersensible worlds—the encounter with death and Lucifer—I then attempted to make the transition to a discussion that may have initially struck you as difficult to understand. I then attempted to explain to you the significance of the Christ Being, and in the course of this discussion of the Christ Being—which, one might say, emerged of its own accord, it was necessary to point to the story of the temptation in the Gospels, to Christ’s rejection of Lucifer—which is, of course, presented in the Gospels as the story of the temptation, as the temptation, as it is called there, in the hermitage, or, as is often said, in the desert. Then, after our reflection had progressed somewhat further, the transition was made to a discussion about the Buddha.
[ 2 ] Nun lassen Sie uns ganz kurz noch einmal diese Begegnung mit dem Tod und mit Luzifer vor unsere Seele rufen. Luzifer erscheint tatsächlich dem okkultistischen Aspiranten zunächst als das Urbild menschlicher und auch übermenschlicher, sozusagen göttlicher Größe, wenn er so, herausgenommen aus seinen Taten, dem Menschen entgegentritt als eine verführerische Wesenheit. Und der okkultistische Aspirant wird gewissermaßen erst dann von der Versuchung ein wenig geheilt, wenn er zurückblickt auf das, was er selbst durch Luzifer geworden ist, wenn er auf das Schreckensbild tierischer Art blickt, das von Inkarnation zu Inkarnation der Mensch geworden ist durch die luziferische Versuchung und Verführung. Und dann, habe ich Ihnen gesagt, dann tritt für den okkultistischen Aspiranten der Gegenwart ein jene Hilfe, die ihm von dem Christus werden kann; und die Begegnung ist dann ungefähr so, daß der Christus eine Art höchsten, vollsten Trostes bietet gegenüber dem furchtbaren Eindruck, den die Begegnung mit dem Tode und mit Luzifer hervorruft, und mit dem, was man selber darstellt, und was in einer gewissen Beziehung der Hüter der Schwelle ist. Wenn diese Begegnung einen furchtbaren Eindruck gemacht hat, so bietet sozusagen dasjenige, was einem der Christus sein kann, einen Trost, eine Hoffnung. Denn an die Stelle des Todes selber, anstelle des zerbrochenen menschlichen Leibes tritt etwas anderes auf. Und das, was ich Ihnen hier sage, ist eine unbedingte Erfahrung, die gemacht werden kann, die wirklich so gemacht wird, wie ich sie erzähle: An die Stelle des Todes nämlich tritt dann, uns begreiflich machend, daß dieses Ich doch erhalten werden kann, Christus selber. Mit anderen Worten, wir bekommen innerlich in unserem Bewußtsein ein Bild, das ganz unabhängig ist von jeder Erinnerung aus dem Sinnenleben. Da von Illusion, Halluzination zu sprechen, wäre eben der reinste Unsinn, denn man könnte blind und taub und geruchlos und alles mögliche sein, und man könnte doch dieses Erlebnis haben, das sich darbietet bei diesem Punkt der Initiation; Christus würde dennoch an die Stelle des Todes treten. Was hat man dann aber vor sich?
[ 2 ] Now let us briefly recall this encounter with death and with Lucifer. To the occult aspirant, Lucifer does indeed initially appear as the archetype of human and even superhuman—one might say divine—greatness, when, stripped of his deeds, he confronts humanity as a seductive being. And the occult aspirant is, so to speak, only then somewhat healed of the temptation when he looks back upon what he himself has become through Lucifer, when he gazes upon the terrifying, animal-like image that humanity has become from incarnation to incarnation through Lucifer’s temptation and seduction. And then, as I have told you, the occult aspirant of the present moment receives that help which can come to him from Christ; and the encounter is then roughly such that Christ offers a kind of highest, fullest consolation in the face of the terrible impression evoked by the encounter with death and with Lucifer, and with what one oneself represents, and what in a certain sense is the Guardian of the Threshold. If this encounter has made a terrible impression, then what Christ can be to one offers, so to speak, a comfort, a hope. For in place of death itself, in place of the broken human body, something else appears. And what I am telling you here is an absolute experience that can be had, that is truly experienced just as I describe it: For in place of death, making it clear to us that this “I” can indeed be preserved, Christ himself steps in. In other words, we receive within our consciousness an image that is entirely independent of any memory from sensory life. To speak of illusion or hallucination here would be sheer nonsense, for one could be blind, deaf, and odorless—or anything else—and still have this experience that presents itself at this point of initiation; Christ would nevertheless take the place of death. But what, then, does one have before one?
[ 3 ] Stellen Sie sich vor, Sie haben vor sich Christus, der an die Stelle des Todes tritt, und Luzifer: absolut das Bild, das die Evangelien selbst darbieten als die Versuchungsszene in der Wüste. Sie brauchten sich gar nicht an diese Versuchungsgeschichte aus den Evangelien zu erinnern, Sie hätten sie doch vor sich. Und dadurch hätten Sie sie vor sich, daß Sie den Impuls in Ihre Seele aufgenommen haben, daß der Christus einmal über die Erde gegangen ist und gekreuzigt worden ist und den Tod besiegt hat. Das Paulinische Christentum bloß braucht auf Sie gewirkt zu haben, nicht das Christentum der Evangelien.
[ 3 ] Imagine that you have before you Christ, who takes the place of death, and Lucifer: this is precisely the image that the Gospels themselves present in the scene of the temptation in the desert. You wouldn’t even need to recall this story of the temptation from the Gospels; you would have it right before you. And you would have it before you because you have taken into your soul the impulse that Christ once walked the earth, was crucified, and conquered death. It is Pauline Christianity alone that must have had an effect on you, not the Christianity of the Gospels.
[ 4 ] Also es ist dann möglich, etwas, was in den Evangelien geschildert wird, unabhängig von den Evangelien, also unabhängig überhaupt von jedem äußeren Eindruck zu erleben; das ist durchaus möglich. Wenn Sie sich an das gewöhnliche Leben erinnern, so werden Sie sich sagen: Sie haben im gewöhnlichen Leben ein bewußtes Erleben, wenn äußere Eindrücke auf dieses Ihr Bewußtsein gemacht werden, wenn die Vorstellungen Ihres Bewußtseins hervorgerufen werden durch äußere Eindrücke. — Jetzt haben Sie ein Bild vor sich, das kein äußerer Eindruck hervorrufen kann, weil Sie nirgends in der sinnlichen Welt Luzifer finden können. Als äußeren Eindruck in der physisch-sinnlichen Welt können Sie ihn nicht finden. Das ergänzt sich Ihnen, indem Sie das Bild des Todes haben — das Sie auch nicht dort in der sinnlichen Welt finden können —, in dem der Tod sich in den Christus verwandelt. Sie haben das zu dem hinzu, was Sie zwar zur Not gewinnen können als eine Reminiszenz aus dieser äußeren Welt, aber was sich Ihnen, wenn Sie eintreten in diese übersinnliche Welt, als ein Bild zeigt, das auch unabhängig von der äußeren Welt gewonnen werden kann. Kein äußerer Eindruck braucht da zu sein, wenn Sie dieses Bild der Versuchung des Christus und der Besiegung des Todes, sozusagen der Besiegung alles dessen, was Luzifer angefangen hat mit dem Menschen, vor sich haben. Und was ist denn das für ein Bewußtsein? Ein Bewußtsein ohne einen äußeren Gegenstand.
[ 4 ] So it is possible to experience something described in the Gospels independently of the Gospels themselves—that is, independently of any external impression whatsoever; that is entirely possible. If you think back to ordinary life, you will say to yourself: In ordinary life, you have a conscious experience when external impressions are made upon your consciousness, when the mental images of your consciousness are evoked by external impressions. — Now you have an image before you that no external impression can evoke, because you cannot find Lucifer anywhere in the sensory world. You cannot find him as an external impression in the physical-sensory world. This is complemented for you by the image of death—which you cannot find there in the sensory world either—in which death transforms into Christ. You have this in addition to what you can, if necessary, gain as a reminiscence from this external world, but which, when you enter this supersensory world, reveals itself to you as an image that can also be gained independently of the external world. No external impression needs to be present when you have before you this image of the temptation of Christ and the defeat of death—the defeat, so to speak, of everything that Lucifer began with humanity. And what kind of consciousness is this? A consciousness without an external object.
[ 5 ] Ich habe Sie hinzuführen versucht zu dem, was das unoffenbare Licht ist, hinzuführen versucht zu dem, was das unaussprechliche Wort ist. Jetzt haben Sie den Begriff bekommen eines Bewußtseins ohne einen äußeren Gegenstand, eines Bewußtseins, dem durch sein eigenes Sein ein Inhalt gegeben wird. Das ist das Bewußtsein ohne einen äußeren Gegenstand.
[ 5 ] I have tried to lead you to what the unrevealable light is, to what the inexpressible word is. Now you have grasped the concept of a consciousness without an external object, a consciousness that is given content by its own being. That is consciousness without an external object.
[ 6 ] Und dann hat uns unsere Betrachtung dazu geführt, die sonderbare, aber doch wahre Mitteilung über den Buddha zu machen. Das war wiederum nicht zufällig, sondern ich mußte die gestrige Betrachtung über den Menschen mit seinen innerlichen Bewegungen vorausschicken, um Ihnen verständlich zu machen, daß der Mensch auch noch eine Stufe weiterkommen kann in der Initiation, in der Einweihung in die höheren Welten. Ich habe Ihnen die vielleicht zunächst schwer verständliche Wahrheit aussprechen müssen, auf die wir gleich zurückkommen werden, daß Luzifer sich dann völlig verwandelt darstellt, darstellt als der Herrscher im Reich der Venus, wenn wir zu dieser zweiten Stufe vorrücken. Ich sagte, daß dann uns das, was vorher von uns geahnt worden ist, als übermächtige Sonne, wie ein Planet unter den sieben Planeten erscheint und der Christus als der Geist dieses Planeten, der wie ein Bruder des Geistes der Venus, der auch in gewisser Beziehung dann uns als Planetengeist erscheint, auch als Planetengeist vor uns hintritt, Christus gewissermaßen als ein Bruder des Luzifer. Dann aber haben wir anschließen müssen an diese Betrachtung diejenige über die nachirdischen Schicksale des Buddha. Sie sind aus dem Grund an diese Betrachtung gerade angeschlossen worden, weil sie in ihrer Ursprünglichkeit, so wie sie eben erlebt werden sollen, nicht erlebt werden können ohne diese zweite Initiationsstufe, die sich auf die geschilderte Weise ergibt. Ohne daß man weiterrückt von dieser ersten Begegnung mit dem Tod und Luzifer, wo man die Versuchungsszene zum Beispiel sieht, ohne daß man weiterrückt bis zur anderen Initiationsstufe, wo die sieben Planetengeister erscheinen, ohne das kann man nicht die Wahrheit über den Buddha gewinnen, wie sie gestern dargestellt worden ist. Nur dann kann man sie gewinnen. Daher mußte ich zuerst das voranschicken.
[ 6 ] And then our reflection led us to share this strange, yet true message about the Buddha. This, too, was no coincidence; rather, I had to preface it with yesterday’s reflection on the human being and his inner movements in order to make it clear to you that the human being can advance yet one step further in initiation, in the initiation into the higher worlds. I had to speak to you of the truth—which may at first be difficult to understand, and to which we shall return shortly—that Lucifer then presents himself in a completely transformed form, as the ruler of the realm of Venus, when we advance to this second stage. I said that what we had previously sensed as an overpowering sun then appears to us as a planet among the seven planets, and Christ appears as the spirit of this planet—as a brother to the spirit of Venus, who also appears to us in a certain sense as a planetary spirit—Christ, so to speak, as a brother to Lucifer. But then we had to follow this contemplation with that concerning the post-earthly destinies of the Buddha. They were linked to this contemplation precisely because, in their original form—as they are meant to be experienced—they cannot be experienced without this second stage of initiation, which arises in the manner described. Without moving beyond this first encounter with death and Lucifer—where one sees, for example, the scene of temptation—without moving on to the other stage of initiation, where the seven planetary spirits appear, without that one cannot grasp the truth about the Buddha as it was presented yesterday. Only then can one grasp it. That is why I had to preface this with that.
[ 7 ] Wenn Sie sich nun fragen, ob zunächst für das äußere Bewußtsein, das auf äußere Eindrücke angewiesen ist, diese Wahrheit zu gewinnen ist über den Buddha in seiner nachirdischen Zeit, dann werden Sie sich antworten müssen, daß mit dem irdischen Bewußtsein es nicht möglich ist, die Kultur des Mars so zu durchforschen, daß entdeckt werden könnte, was der Buddha dort tut. In dem Augenblick aber, wo die Initiation bis zu der eben erwähnten und gestern geschilderten Stufe vordringt, ist es möglich, daß das Bewußtsein ohne einen äußeren Gegenstand dieses Erlebnis durch sein eigenes Sein hat. Wir haben es also auch mit Bezug auf diese Buddhawahrheit mit einem Bewußtsein zu tun ohne einen äußeren Gegenstand. Der Tatsachenbestand ist natürlich ein äußerer; der Buddha lebt ja wirklich auf dem Mars; aber das Bewußtsein geht nicht aus sich heraus, läßt nicht einen äußeren Eindruck auf sich wirken, wenn es eine solche Wahrheit erkennt, ist also ein Bewußtsein ohne äußeren Gegenstand. So, sehen Sie, habe ich Sie hingeführt zu dem Begriff, den wir als den dritten angeführt haben im Beginn unserer Vorträge: zu dem Bewußtsein ohne einen äußeren Gegenstand.
[ 7 ] If you are now asking yourself whether it is possible, at least for the outer consciousness—which is dependent on external impressions—to grasp this truth regarding the Buddha in his post-earthly existence, then you will have to answer that it is not possible, with earthly consciousness, to explore the culture of Mars in such a way as to discover what the Buddha is doing there. But the moment initiation advances to the stage just mentioned and described yesterday, it becomes possible for consciousness to have this experience through its own being, without an external object. So, with regard to this truth about the Buddha, we are also dealing with a consciousness without an external object. The facts themselves are, of course, external; the Buddha does indeed live on Mars; but consciousness does not step outside itself, does not allow an external impression to act upon it when it recognizes such a truth, and is thus a consciousness without an external object. So, you see, I have led you to the concept that we cited as the third at the beginning of our lectures: to consciousness without an external object.
[ 8 ] Wir haben also jetzt schon, wenn wir überblicken, was wir auseinandergesetzt haben, drei menschliche Bewußtseinszustände: das gewöhnliche physische Bewußtsein, dann dasjenige, das auf der ersten Initiationsstufe erlangt wird, und als Beispiel eines Erlebnisses habe ich Ihnen angeführt das Bild: Tod und Luzifer oder: Christus und Luzifer in der Versuchungsgeschichte. Die nächste Bewußtseinsstufe war diese, wo die sieben Planetengeister dem Menschen erscheinen. Ich habe dies Ihnen außerdem durch das Beispiel des Buddha illustriert, wie Sie da erleben das Schicksal des Buddha, nachdem der Buddha eben Buddha geworden ist und nicht mehr zu einem physischen Dasein auf der Erde zurückzukehren hat. — Da haben Sie sozusagen drei Bewußtseinszustände des Menschen: Wir haben das physische Bewußtsein; wir haben dann das Bewußtsein höherer Welten auf der ersten Stufe, wie es gestern geschildert worden ist, das wir illustriert haben durch die Versuchungsgeschichte; und wir haben dann auf ein noch höheres Bewußtsein, ein zweites Bewußtsein übersinnlicher Art hingewiesen. Und sehen Sie, so schön und wünschenswert es vielleicht auch für manche von Ihnen wäre, auch noch weiter hinzuweisen auf Bewußtseinsstufen höherer Art, es fehlt uns dazu die Zeit. Nur andeuten werde ich gleich nachher eine solche andere Bewußtseinsstufe noch höherer Art.
[ 8 ] So, if we take stock of what we have discussed, we already have three states of human consciousness: ordinary physical consciousness, then the state attained at the first stage of initiation, and as an example of an experience, I have presented the image: Death and Lucifer, or: Christ and Lucifer in the story of the temptation. The next stage of consciousness was the one where the seven planetary spirits appear to the human being. I have also illustrated this for you through the example of the Buddha, where you experience the Buddha’s destiny after he has just become the Buddha and no longer has to return to a physical existence on Earth. — So you have, so to speak, three states of human consciousness: we have physical consciousness; we then have the consciousness of higher worlds on the first level, as described yesterday, which we illustrated through the story of the temptation; and we have then pointed to an even higher consciousness, a second consciousness of a supersensible nature. And you see, as beautiful and desirable as it might be for some of you to point out even higher levels of consciousness, we lack the time for that. I will merely hint at such another level of consciousness of an even higher order shortly.
[ 9 ] Was können wir erfahren und erleben durch das physische Bewußtsein? Alles das, was in der sinnlichen Gegenwart ist, was also Gegenstand unseres Erdendaseins ist. Was können wir durch das zweite Bewußtsein erfahren? Wir wollen von dem Beispiel zunächst absehen, das angeführt worden ist, von der Versuchungsgeschichte. Durch dieses Bewußtsein der ersten Bewußtseinsstufe höherer Art kann noch etwas anderes gefunden werden; und was dadurch gefunden und beschrieben werden kann, das finden Sie ganz skizzenhaft beschrieben in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß», da, wo die Rede ist von dem Mondenzustand, der unserem Erdenzustand vorangegangen ist. Dieser alte Mondenzustand ist nicht mehr da, er muß beschrieben werden durch ein Bewußtsein ohne einen heute vorhandenen Gegenstand. Er ist nur da in den höheren Welten, konserviert, wie Sie ja auch oft schon gehört haben, in der Akasha-Chronik. Also wir haben für das erste Bewußtsein höherer Art ein zweites außer der Versuchungsgeschichte: Wir haben alle Vorgänge, die sich, wie wir sagen können, auf den alten Mond beziehen. Und alles, was mit diesem alten Mond zusammenhängt, läßt sich durch dieses Bewußtsein beschreiben.
[ 9 ] What can we perceive and experience through physical consciousness? Everything that is present to the senses—that is, everything that is the object of our earthly existence. What can we perceive through the second level of consciousness? Let us set aside for now the example that has been cited, the story of the temptation. Through this consciousness of the first stage of higher consciousness, something else can be found; and what can be found and described through it is outlined in my *Outline of Esoteric Science*, specifically where the text discusses the lunar state that preceded our earthly state. This ancient lunar state no longer exists; it must be described through a consciousness without an object that exists today. It is present only in the higher worlds, preserved, as you have often heard, in the Akashic Records. So for the first consciousness of a higher kind, we have a second source besides the story of the temptation: we have all the events that, as we might say, relate to the ancient Moon. And everything connected with this ancient Moon can be described through this consciousness.
[ 10 ] Nun möchte ich Sie dabei noch auf eines aufmerksam machen. Es hat wiederum seine besondere Bewandtnis, daß ich Ihnen als ein konkretes, besonderes Beispiel von einem Erlebnis, das man zunächst haben kann durch dieses höhere Bewußtsein erster Art, gerade die Versuchungsgeschichte angeführt habe unter den mancherlei Erlebnissen, die man hat. Wenn man sozusagen dieses höhere Bewußtsein erster Art nach dem alten Monde richtet, hat man eine Wiederholung dieser Versuchungsgeschichte. Eine Wiederholung für den Menschen; in Wahrheit hat sich das natürlich lange vorher abgespielt. Denn, sehen Sie, man erfährt nämlich dann, daß der Christus schon auf dem alten Mond den Luzifer für sich besiegt hatte, und daß die Szene, die so in den Evangelien geschildert wird, die zweite, die wiederholte Tatsache ist, wo der Christus den Sieg über den Luzifer erringt, also daß der Christus auf der Erde von vornherein den Luzifer abweist. Das ist aus dem Grund — wie Sie es ja für selbstverständlich halten werden, hat der Christus auch eine Entwickelung durchgemacht —, weil der Christus, als er für sich noch weniger entwickelt war auf dem Monde, aus seinem durchaus den höchsten Mächten ergebenen Sinne heraus alle Anfechtungen des Luzifer, die dazumal für ihn noch etwas bedeutet haben, abgewiesen hat. Auf dem alten Monde trat also bereits Luzifer dem Christus entgegen. Auf der Erde war Luzifer dem Christus nicht mehr gefährlich; da weist er ihn ohne weiteres ab. Auf dem Monde aber entwickelte Christus alle ihm zur Verfügung stehenden Kräfte, um abzuweisen den Luzifer. Das ist also etwas, was man weiter erlebt, wenn man so den Blick des höheren Bewußtseins zurück wirft in die alte Mondenzeit.
[ 10 ] Now I would like to draw your attention to one more thing. There is, in fact, a particular reason why, among the various experiences one can have, I have cited the story of the temptation as a concrete, specific example of an experience that one can initially have through this higher consciousness of the first kind. If, so to speak, one directs this higher consciousness of the first kind toward the old moon, one has a repetition of this story of the temptation. A repetition for human beings; in truth, of course, it took place long before that. For, you see, one then learns that Christ had already defeated Lucifer for himself on the old Moon, and that the scene described in the Gospels is the second, repeated event in which Christ achieves victory over Lucifer—that is, that Christ rejects Lucifer on Earth from the very beginning. This is for the reason—as you will surely take for granted, since the Christ also underwent a process of development—that when the Christ was still less developed on the Moon, he repelled all of Lucifer’s temptations—which at that time still meant something to him—out of a sense of complete devotion to the highest powers. Thus, on the ancient Moon, Lucifer had already confronted the Christ. On Earth, Lucifer was no longer a threat to the Christ; there, he simply rejects him. On the Moon, however, the Christ developed all the powers at his disposal to repel Lucifer. This is something one experiences more deeply when one casts the gaze of higher consciousness back into the ancient lunar era.
[ 11 ] Wenn man nun weiterkommt zu dem zweiten Bewußtsein höherer Art, dann ergibt sich neben Erkenntnissen, die für die Erde eine Bedeutung haben wie die Buddhageschichte, noch etwas anderes — was man also später zu erkennen hat, durch dieses zweite Bewußtsein höherer Art —, und das ist wiederum geschildert in meiner «Geheimwissenschaft» in der Skizze, die über den früheren Verkörperungszustand unserer Erde, über die alte Sonne gegeben worden ist. Dazumal waren die Verhältnisse wirklich wesentlich anders, und es ist schon recht schwierig, wie Sie ja aus der Schwierigkeit des Verstehens gerade dieses Kapitels meiner «Geheimwissenschaft» ersehen, es ist schwierig, diesen alten Sonnenzustand zu schildern. Ich habe dort mehr Rücksicht genommen auf die den Menschen näherliegenden Szenen, die sich sozusagen auf die Naturseite beziehen. Es würde in der Zeit, als diese «Geheimwissenschaft» geschrieben wurde, in der theosophischen Bewegung wenig Verständnis gefunden haben, wenn ich auf die mehr moralischen Dinge hingewiesen hätte, welche man auch erlebt in der Betrachtung der alten Sonnenzeit. Da erlebt man nicht mehr die Versuchungsgeschichte. Wenn wir uns zurückwenden zur Sonnenzeit, dann tritt uns die Sonne selbst noch auf als ein Planet unter den sieben Planeten, Venus vorgebildet mit Luzifer als dem Herrscher; und zunächst erscheinen die beiden, der Sonnengeist und der Venusgeist, mit anderen Worten der Christus und der Luzifer, sie erscheinen als eine Art Brüder. Man muß dann alle Anstrengung anwenden, um einen Unterschied zu gewahren zwischen den beiden. Der Unterschied in der alten Sonnenzeit zwischen Luzifer und dem Christus ergibt sich nicht so ohne weiteres aus der Betrachtung ihrer äußeren Wesenheit, sondern er ergibt sich erst, wenn man auf das Innere eingeht. Und es ist schwierig, außerordentlich schwierig, jetzt Mittel der äußeren Darstellung zu finden, um Ihnen zu zeigen, worin der Unterschied besteht. Betrachten Sie das, was ich sagen werde, als einen Versuch, den Unterschied, der sich dem hellseherischen Bewußtsein in der alten Sonnenzeit für den Christus und den Luzifer ergibt, eben so gut es geht zu charakterisieren.
[ 11 ] When one progresses to the second, higher form of consciousness, something else emerges alongside insights that are significant for the Earth—such as the story of the Buddha—something that must be recognized later through this second, higher form of consciousness, and this is described in turn in my *Secret Science* in the sketch given about the earlier incarnational state of our Earth, about the ancient Sun. Back then, conditions were truly quite different, and it is indeed quite difficult—as you can see from the difficulty of understanding this very chapter of my *Esoteric Science*—to describe this ancient solar state. There I have given more consideration to the scenes closer to human experience, which relate, so to speak, to the natural side. At the time when this “Secret Science” was written, it would have found little understanding within the theosophical movement had I pointed to the more moral aspects that one also experiences in contemplating the ancient Sun era. There one no longer experiences the story of temptation. When we turn back to the Sun Age, the Sun itself still appears to us as one of the seven planets, with Venus as its prototype and Lucifer as its ruler; and at first the two—the Sun Spirit and the Venus Spirit, in other words, Christ and Lucifer—appear as a kind of brothers. One must then make every effort to perceive a difference between the two. The difference in the ancient Sun Age between Lucifer and the Christ does not readily emerge from a consideration of their outer nature, but only becomes apparent when one delves into the inner aspect. And it is difficult, exceedingly difficult, to find means of external representation now to show you in what the difference consists. Consider what I am about to say as an attempt to characterize, as best as possible, the difference that presents itself to clairvoyant consciousness in the old Sun Age regarding Christ and Lucifer.
[ 12 ] Wenn wir den Blick hinwenden auf der einen Seite zu Christus, auf der anderen Seite zu Luzifer, dann werden wir allerdings noch etwas anderes gewahr. Wir werden gewahr, daß Luzifer, der Venusherrscher, in einer außerordentlich lichtvollen Gestalt erscheint — obwohl geistiges Licht gemeint ist —, so daß wir die Empfindung haben: Aller Glanz, der jemals uns kommen kann durch eine Betrachtung, die von der Offenbarung des Lichtes ausgeht, ist etwas Geringfügiges gegen die Majestät Luzifers in der alten Sonnenzeit. Aber wir bemerken innerhalb dieses Luzifer, wenn wir auf seine Intentionen, die ja dann zu durchschauen sind, eingehen, daß er ein Geist ist, welcher durch alles das, was er an sich hat, begabt ist mit einem unendlich großen Stolze, mit einem solchen Stolze, daß man durch diesen Stolz auch versucht werden kann. Denn bekanntlich werden selbst Dinge, die der Mensch bis zu einem gewissen Grade hin nicht verführerisch findet, dann verführerisch, wenn sie zu majestätischer Größe werden. Und der Stolz in seiner majestätischen Größe wirkt auch verführerisch. Das ist das Verführerische des Luzifer in seiner stolzen Größe, in seinem Stolz auf seine Lichtgestalt. Dasjenige, was man «unoffenbares» Licht nennen kann, das Licht, das nicht äußerlich leuchtet, sondern in sich selber die große starke Kraft hat, das hat er in vollstem Maße. Und daneben ist die Gestalt des Christus in der alten Sonnenzeit, der sozusagen der Herrscher des Sonnenplaneten ist, ein Bild vollster Hingabe an dasjenige, was ringsherum sonst in der Welt ist. Während Luzifer eigentlich nur auf sich selbst bedacht erscheint — man muß das alles in menschliche Worte kleiden, obwohl sie nicht ausreichen —, erscheint der Christus als hingegeben an dasjenige, was ihn in dem weiten, weiten Weltall umgibt.
[ 12 ] When we turn our gaze to Christ on the one hand and to Lucifer on the other, we become aware of something else as well. We realize that Lucifer, the ruler of Venus, appears in an extraordinarily luminous form—though spiritual light is meant—so that we have the sensation: All the splendor that can ever come to us through a contemplation arising from the revelation of light is something insignificant compared to the majesty of Lucifer in the ancient Sun Age. But we notice within this Lucifer, when we consider his intentions—which can then be seen through—that he is a spirit who, through all that he possesses, is endowed with an infinitely great pride, with such pride that one can also be tempted by this pride. For, as is well known, even things that a person does not find seductive up to a certain point become seductive when they attain majestic grandeur. And pride in its majestic grandeur also has a seductive effect. This is the seductive aspect of Lucifer in his proud grandeur, in his pride in his luminous form. That which one might call “unrevealed” light—the light that does not shine outwardly but possesses within itself the great, powerful force—he possesses this to the fullest extent. And alongside this, the figure of Christ in the ancient Sun Age, who is, so to speak, the ruler of the Sun planet, is an image of the fullest devotion to all that otherwise exists in the world around him. While Lucifer actually appears to be concerned only with himself—one must clothe all this in human words, though they are insufficient—Christ appears as devoted to that which surrounds him in the vast, vast universe.
[ 13 ] So war dieses weite Weltall nicht, wie es heute ist. Wenn man heute sich auf die Sonne versetzte, würde man ja, radial ausschauend, zunächst blicken auf die zwölf Sternbilder des Tierkreises. Die waren in äußerer Sichtbarkeit damals als solche nicht vorhanden. Dafür waren aber vorhanden zwölf Gestalten, zwölf Wesenheiten, die, da ja der äußere Raum nicht von Licht erfüllt war, aus der Tiefe der Dunkelheit, aus der Tiefe der Finsternis heraus ihre Worte erschallen ließen. Was waren das für Worte? Ja, sehen Sie, das waren Worte — das Wort «Wort» ist wiederum nur ein Surrogat, um das anzudeuten, um was es sich handelt —, das waren Worte, die kündeten von uralten, dazumal schon uralten Zeiten. Das waren zwölf Weltinitiatoren. Heute stehen in der Richtung dieser zwölf Weltinitiatoren die zwölf Tierkreisbilder, und von ihnen aus tönt zu der Seele, die aufgeschlossen ist der ganzen Welt, die ursprüngliche Art des unausgesprochenen Weltenwortes, das aus den zwölf Stimmen gebildet werden konnte. Und während — ich muß jetzt anfangen bildlich zu sprechen, weil eben Menschenworte nicht ausreichen — Luzifer einzig und allein in sich den Drang hatte, mit dem in ihm vorhandenen Lichte alles zu bestrahlen und es dadurch zu erkennen, gab sich der Christus dem Eindruck dieses Weltenwortes unaussprechlicher Art hin und nahm es ganz, ganz in sich auf; so daß sie jetzt in der Christus-Seele vereint waren, daß diese Christus-Seele das Vereinigungswesen war der großen, durch das unaussprechliche Wort hineintönenden Weltgeheimnisse. So tritt uns der Gegensatz des das Weltenwort empfangenden Christus und des stolzen Luzifer, des Venusgeistes, entgegen, der ablehnt das Weltenwort und mit seinem Lichte alles ergründen will.
[ 13 ] The vast universe was not as it is today. If one were to transport oneself to the sun today, looking out radially, one would first see the twelve constellations of the zodiac. At that time, they were not visible as such from the outside. Instead, there were twelve figures, twelve beings who, since outer space was not filled with light, let their words resound from the depths of darkness, from the depths of the night. What were these words? Yes, you see, they were words—the word “word” is, in turn, merely a surrogate to hint at what is meant—they were words that spoke of ancient times, already ancient back then. These were the twelve world initiators. Today, the twelve signs of the zodiac stand in the direction of these twelve world initiators, and from them resounds to the soul that is open to the whole world the original nature of the unspoken world-word that could be formed from the twelve voices. And while—I must now begin to speak figuratively, because human words are simply not enough—Lucifer had within himself the sole urge to illuminate everything with the light within him and thereby to recognize it, Christ surrendered himself to the impression of this world-word of an ineffable nature and took it wholly, wholly into himself; so that they were now united in the Christ-soul, so that this Christ-soul was the unifying being of the great world mysteries resounding through the ineffable Word. Thus we are confronted with the contrast between the Christ who receives the World Word and the proud Lucifer, the spirit of Venus, who rejects the World Word and seeks to fathom everything with his light.
[ 14 ] Und von dem, was Luzifer und Christus dazumal waren, ging nun alle spätere Entwickelung aus. Denn das hatte zur Folge, daß die Christus-Wesenheit in sich aufgenommen hatte das umfassende Weltenwort, die umfassenden Weltengeheimnisse, und daß die Luziferwesenheit verlor durch das, was ich nur mit dem Worte «stolze Lichtgestalt» ausdrücken kann, verlor ihr Reich, das Venusreich. Durch andere Gründe, die uns jetzt ferner liegen, verloren die anderen Planetengeister oder auch veränderten die anderen Planetengeister ihre Wesenheiten. Darauf kommt es uns jetzt nicht an. Auf den Gegensatz zwischen Christus und Luzifer kommt es uns an. So geschah es dann, daß Luzifer immer mehr und mehr verlor von seiner Herrschaft, daß ihm immer mehr und mehr verlorenging das Reich der Venus, daß Luzifer sozusagen mit seinem Lichte ein entthronter Herrscher wurde, und daß der Planet Venus sich fortan ohne einen eigentlichen Herrscher behelfen mußte, daher nur eine nach abwärts gehende Entwickelung durchmachen konnte. Aufgenommen hatte aber der Christus während der alten Sonnenzeit das Weltenwort; und dieses Weltenwort hat die Eigenschaft, daß es sich in der Seele, von der es aufgenommen wird, zu erneuertem Lichte entzündet, so daß von der alten Sonnenzeit an das Weltenwort in dem Christus Licht wurde, und der Planet, dessen Herrscher der Christus war, von der alten Sonnenzeit an sich zum Mittelpunkt des ganzen Planetensystems, zur Sonne, entwickelte, und die anderen Planeten in Abhängigkeit kamen von der Sonne, auch in bezug auf ihre geistigen Herrscher.
[ 14 ] And all subsequent development stemmed from what Lucifer and Christ were at that time. For this had the consequence that the Christ Being had taken into itself the all-encompassing Word of the worlds, the all-encompassing mysteries of the worlds, and that the Lucifer Being—through what I can only express with the words “proud figure of light”—lost its realm, the realm of Venus. For other reasons, which are now beyond our scope, the other planetary spirits either lost or altered their essences. That is not what concerns us now. What matters to us is the contrast between Christ and Lucifer. Thus it came to pass that Lucifer lost more and more of his dominion, that the realm of Venus slipped further and further from him, that Lucifer, so to speak, became a dethroned ruler with his light, and that the planet Venus henceforth had to manage without an actual ruler, and could therefore undergo only a downward development. But during the old Sun Age, Christ had taken in the World Word; and this World Word has the property that it kindles into renewed light within the soul that receives it, so that from the old Sun Age onward the World Word became light in Christ, and the planet, whose ruler Christ was, developed from the ancient Sun Age onward into the center of the entire planetary system, into the Sun, and the other planets came into dependence on the Sun, also with regard to their spiritual rulers.
[ 15 ] Diese Szene müssen wir auf uns wirken lassen; dann werden wir finden, daß sich während der alten Sonnenzeit geschieden haben die Wege von Christus und Luzifer. Abwärts ging der Weg des Luzifer, zurückbleiben mußte er in seiner Entwickelung, und er blieb auch deshalb während der Mondenzeit zurück in seiner Entwickelung. Vorwärts ging und ein vorwärts sich entwickelnder Geist wurde der Christus-Geist, der Sonnengeist, der endlich in der Ihnen öfter geschilderten Gestalt auf der Erde auftreten konnte. Durch seine Hingabe an das Weltenall, durch die Aufnahme des göttlich-schöpferischen Wortes, durch die Identifizierung mit dem göttlich-schöpferischen, mit dem unaussprechlichen Wort, durch die Abweisung eines jeglichen Stolzes und durch den Ersatz eines jeglichen Stolzes durch die Hingabe an das Weltenwort wurde der Christus aus dem Herrscher eines Planeten, der er war in der alten Sonnenzeit, der Herrscher über die anderen Planeten, mit dem Regierungsgebiet der Sonne. Und wenn Sie dieses wissen — ich spreche das insbesondere auch zu denjenigen, die meine Vorträge in Helsingfors gehört haben —, wenn Sie dieses wissen, so werden Sie nicht mehr einen Widerspruch darin finden, daß von dem Christus als von einem Sonnengeist höherer Art als die Planetengeister gesprochen worden ist. Denn das ist selbstverständlich für den gegenwärtigen Zustand. Es überragt der Christus die anderen Planetengeister, er ist der Sonnengeist. Hier aber, wo geschildert werden sollte nicht bloß die Belebung der einzelnen Himmelskörper durch ihre Geister, sondern wo geschildert werden sollten die einzelnen Bewußtseinszustände, hier mußte darauf hingewiesen werden, daß der Christus durch seine besondere Eigenschaft sich aus einem Geiste, der gleichgeartet war den Planetengeistern, im Verlaufe jener Entwickelung, die verflossen ist zwischen der alten Sonne und der gegenwärtigen Zeit, zu dem Regenten dieses ganzen Systems heraufentwickelt hat.
[ 15 ] We must allow this scene to sink in; then we will find that during the ancient Sun Age, the paths of Christ and Lucifer diverged. Lucifer’s path led downward; he had to lag behind in his development, and that is why he also remained behind in his development during the Lunar Age. The Christ Spirit, the Solar Spirit, moved forward and became a spirit developing forward, finally able to appear on Earth in the form often described to you. Through his devotion to the universe, through the reception of the divine-creative Word, through identification with the divine-creative, with the ineffable Word, through the rejection of all pride and through the replacement of all pride with devotion to the World Word, Christ was transformed from the ruler of a planet—which he was in the ancient Sun Age— the ruler of the other planets, with the domain of the Sun. And if you know this—I am speaking this in particular to those who have heard my lectures in Helsinki—if you know this, you will no longer find a contradiction in the fact that the Christ has been spoken of as a solar spirit of a higher order than the planetary spirits. For this is self-evident in the present state. Christ towers above the other planetary spirits; he is the Sun Spirit. Here, however, where the aim was not merely to describe the animation of the individual celestial bodies by their spirits, but to describe the individual states of consciousness, it had to be pointed out that, through his special nature, Christ has evolved from a spirit of the same kind as the planetary spirits, in the course of that development that has taken place between the ancient Sun and the present time, into the ruler of this entire system.
[ 16 ] Wie gesagt, es reicht die Zeit nicht aus, um auch noch zu schildern das dritte Bewußtsein höherer Art. Nur andeuten kann ich, daß der alte Saturnzustand, der erste Zustand, den man gewöhnlich schildern kann in den aufeinanderfolgenden Verkörperungen unserer Erde, erlebt werden kann mit diesem höheren Bewußtsein dritter Art, so daß wir sprechen können auch noch von einem dritten Bewußtsein übersinnlicher Art. Wenn wir allerdings die Initiation in ihrer Vollständigkeit verfolgen wollen, müssen wir auf schwindelnde Höhen des Bewußtseins verweisen; das ist etwas, was in einer gewissen Weise von vornherein als eine Art Vermessenheit erscheint, und wo tatsächlich schon die Ohnmacht beginnt, Menschenworte zu brauchen. Daher ist auch in meiner «Geheimwissenschaft» darauf verzichtet, irgend etwas zu schildern, was noch höheren Bewußtseinszuständen angehört, aus dem einfachen Grunde, weil man eigentlich die höheren Dinge nicht mit Menschenworten schildern kann. Diese höheren Bewußtseinszu-stände wurden in den Mysterien dadurch herbeigeführt, daß man erst besondere symbolische Zeichen bildete und dann in einer symbolischen Sprache sprach, und durch eine solche Symbolik Menschen auch zu höheren Bewußtseinszuständen hinaufführen konnte. Aber es gibt noch höhere solche Bewußtseinszustände, und man kann wohl sprechen noch von einem vierten und fünften Bewußtsein übersinnlicher Art. Das geht natürlich ins Unendliche hinauf, und man kann davon immer nur als in einer Richtung gehend sprechen.
[ 16 ] As I said, there is not enough time to also describe the third type of higher consciousness. I can only hint that the ancient Saturn state—the first state that can usually be described in the successive incarnations of our Earth—can be experienced with this higher consciousness of the third kind, so that we can also speak of a third consciousness of a supersensory nature. If, however, we wish to trace initiation in its entirety, we must refer to dizzying heights of consciousness; this is something that, in a certain sense, appears from the outset as a kind of presumption, and where, in fact, the inability to use human words already begins. For this reason, my *Esoteric Science* also refrains from describing anything that pertains to even higher states of consciousness, for the simple reason that one cannot actually describe the higher things with human words. These higher states of consciousness were brought about in the Mysteries by first forming special symbolic signs and then speaking in a symbolic language, and through such symbolism, people could be led up to higher states of consciousness. But there are even higher states of consciousness, and one can indeed speak of a fourth and fifth consciousness of a supersensory nature. This, of course, extends into infinity, and one can only ever speak of it as proceeding in one direction.
[ 17 ] Wenn wir dies berücksichtigen, dann werden wir vor unsere Seele die Möglichkeit hinstellen können, daß der Mensch mit den verschiedenen übersinnlichen Bewußtseinen außer der physischen Welt andere Welten erblickt; und wenn Sie in Betracht ziehen, daß die erste Anlage zum physischen Menschen, wie sie in der «Geheimwissenschaft» dargestellt ist, schon während des alten Saturnzustandes begann, so werden Sie ja im Menschen eine gewisse Beziehung zu der Welt des dritten übersinnlichen Bewußtseins erblicken. Aber außerdem ist ja der Mensch geleitet und gelenkt von Wesen, die höher sind als er selber. Diese höheren Wesenheiten kann er erkennen; die wirken auf ihn. Und das ist Ihnen wohl von vornherein klar, daß der Mensch zwar so, wie er vor uns steht, aus den Welten heraus geschaffen ist, die bis zum dritten übersinnlichen Bewußtsein gehen, daß er aber im Zusammenhange steht mit noch höheren Welten.
[ 17 ] If we take this into account, we will be able to present to our soul the possibility that human beings, through various forms of supersensible consciousness, perceive worlds other than the physical world; and if you consider that the first beginnings of the physical human being, as described in *The Secret Science*, already began during the ancient Saturn state, you will indeed perceive in the human being a certain connection to the world of the third supersensible consciousness. But besides this, human beings are guided and directed by beings who are higher than themselves. They can perceive these higher beings; these beings act upon them. And it is surely clear to you from the outset that while human beings, as they stand before us, are created from the worlds extending up to the third supersensible consciousness, they are nevertheless connected to even higher worlds.
[ 18 ] Sehen Sie, das, was da als erreichbar geschildert wird durch verschiedene Bewußtseinszustände, das kann wirklich schon dem gewöhnlichen Menschen, man möchte sagen, klargemacht werden. Man kann verstehen, daß es solche Bewußtseinszustände gibt. Der Mensch erlebt zwar auf der Erde als Erdenmensch diese Bewußtseinszustände nicht unmittelbar, aber er erlebt äußere Offenbarungen dieser Bewußtseinszustände.
[ 18 ] You see, what is described there as attainable through various states of consciousness can truly be made clear even to the ordinary person, so to speak. One can understand that such states of consciousness exist. Although human beings on Earth, as earthly beings, do not experience these states of consciousness directly, they do experience external manifestations of these states of consciousness.
[ 19 ] Das physische Bewußtsein erlebt er ja ohnehin. Das erste Bewußtsein übersinnlicher Art, davon erlebt der Mensch ein Surrogat, eine Andeutung in jenem erhobenen Traumbewußtsein, das nicht bloß willkürliche Traumbilder liefert, sondern das sich erstreckt bis zu Wahrnehmungen von Wirklichkeiten, die allerdings einer höheren Welt angehören. Und es bedarf eigentlich nur einer systematischen höheren Ausbildung des Traumbewußtseins, dann kommt der Mensch zu dem ersten Bewußtsein übersinnlicher Art. Und dieses erste Bewußtsein übersinnlicher Art, das kann schon Aufschluß geben über wichtige Verhältnisse, die sich auf dem alten Monde, dem vergangenen Verkörperungszustande unserer Erde, zugetragen haben. Daher werden Sie finden, daß in okkulten Mitteilungen gerade die meisten Schilderungen, neben dem, was auf der Erde sich zugetragen hat, von dem alten Mond gemacht werden, während dann sehr häufig halt gemacht wird und die Mitteilungen nicht mehr über diesen Mondenzustand zum alten Sonnenzustand zurückgehen. Dies wird dann der Fall sein, wenn solchen Mitteilungen das erste hellseherische Bewußtsein zugrunde liegt, das am häufigsten ist, das am leichtesten erreichbar ist. Aus diesem Bewußtsein, das bis zum alten Monde zurückgeht, ist auch zum überwiegend größten Teile alles das geschöpft, was in der «Secret Doctrine» von Helena Petrowna Blavatsky gegeben ist. Das wissen alle Okkultisten, die sich auskennen. Deshalb werden Sie auch, wenn Sie die «Geheimlehre» durchgehen, in den großen, umfassenden Mitteilungen in bezug auf archaische Erkenntnis kaum viel finden über eine weitere Vergangenheit als bis zu den Mondenzuständen, die dem jetzigen Erdenzustand vorangegangen sind.
[ 19 ] After all, he experiences physical consciousness anyway. As for the first form of supersensory consciousness, human beings experience a surrogate, a hint of it, in that elevated dream consciousness which does not merely provide arbitrary dream images, but extends to perceptions of realities that, admittedly, belong to a higher world. And all that is really needed is a systematic higher training of the dream consciousness; then the human being attains the first form of supersensible consciousness. And this first form of supersensible consciousness can already shed light on important events that took place on the ancient Moon, the past incarnational state of our Earth. Therefore, you will find that in occult communications, most of the descriptions, alongside what took place on Earth, pertain to the ancient Moon, while very often the narrative stops there and the communications do not go back beyond this lunar state to the ancient solar state. This is the case when such communications are based on the first clairvoyant consciousness, which is the most common and the easiest to attain. From this consciousness, which goes back to the ancient Moon, comes the vast majority of what is presented in Helena Petrovna Blavatsky’s *Secret Doctrine*. All occultists who are well-versed in the subject know this. Therefore, when you go through the “Secret Doctrine,” you will find little in the extensive communications regarding archaic knowledge that goes beyond the lunar states that preceded the present Earth state.
[ 20 ] Diese Traumbewußtseinszustände sind also der erste Anfang, man möchte sagen, das Surrogat, das der Mensch der Erde hat von dem nächsten übersinnlichen Bewußtsein. Wenn nun der Mensch tief schläft, dann ist sein Bewußtsein verdunkelt, aber es ist deshalb nicht etwa kein Bewußtsein vorhanden. Wenn es aufwacht, das tiefe Schlafbewußtsein, wenn es wach würde außerhalb des Leibes, dann ist es das zweite übersinnliche Bewußtsein, das höher hinaufgeht, und das würde allerdings den, der es erleben kann, bis zu dem alten Sonnenzustand hinaufführen.
[ 20 ] These states of dream consciousness are thus the very beginning—one might say the surrogate—that human beings on Earth have of the next, supersensible consciousness. When a person is in deep sleep, their consciousness is obscured, but this does not mean that consciousness is absent. If this deep sleep consciousness were to awaken—if it were to awaken outside the body—it would be the second supersensible consciousness, which ascends to a higher level, and this would indeed lead those who can experience it up to the state of the ancient Sun.
[ 21 ] Der Mensch, der ein wenig sich überlegt, wird sich also sagen: Durch mein Tagesbewußtsein gehe ich herum mit äußeren Bewegungen; die sind mit meinem Tagesbewußtsein, mit meinem Erdenbewußtsein zusammenhängend. Die Bewegungen, die innerlich sind, nämlich die Bewegungen des mittleren Menschen, die dauern aber fort, auch während der Mensch schläft; die sind regiert von dem Bewußtsein, das der Mensch dann sozusagen als tiefes Schlafbewußtsein hat. Nur weiß er nichts davon. Daher sind die Herzbewegung, die Atmung, solche Bewegungen, die mit diesem zweiten Bewußtsein zusammenhängen, und die auch innerlich in ihrem ganzen Zusammenhange mit den höheren Welten nur verstanden werden können, wenn der Mensch außerhalb seines Leibes erwacht, eben in tiefem Schlafzustande seines Leibes. So daß also der Mensch eigentlich durch seine Vernunft einsehen kann, daß es drei solcher Bewußtseinszustände gibt. Es würde jetzt zu weit führen, zu zeigen, daß es allerdings noch Dinge gibt, die darauf hindeuten, daß es noch höhere Bewußtseine gibt. In jedem Falle durften wir das sagen, daß der Mensch, der sich überlegt, wie das Leben des Menschen ist als Erdenmensch, wenigstens Offenbarungen der höheren Bewußtseine hat. Daher kann man auch zum Erdenmenschen von diesen höheren Bewußtseinszuständen sprechen, kann sprechen davon, daß der Mensch die gewöhnlichen Vorgänge des Erdenlebens erlebt durch sein alltägliches Bewußtsein; daß er ferner erleben würde, wenn sein Traumbewußtsein eine ungeheure Steigerung erführe, alles dasjenige, was mit den Gesetzen zusammenhängt, die sich noch vom alten Mond in die Gegenwart der Erde herübergeerbt haben; und daß, wenn er wach würde im Tiefschlaf, unabhängig von seinem Leibe, er auch die alten Sonnenzustände erleben würde in der Gestalt, in der sie sich noch hineinerstrecken in die gegenwärtigen Erdenzustände. Das kann man also mitteilen, und man kann sagen, wie sich das offenbart. Es ist also heute nicht ganz unverständlich, auf diese Dinge hinzuweisen. Man kann ein Verständnis erwecken für dasjenige, was der okkultistische Aspirant erforscht, was er nennt verschiedene Bewußtseinszustände, was in Wahrheit verschiedene Welten sind.
[ 21 ] A person who reflects a little will therefore say to themselves: Through my waking consciousness, I go about performing external movements; these are connected to my waking consciousness, to my earthly consciousness. The movements that are inner, namely the movements of the middle human being, continue even while the person is asleep; these are governed by the consciousness that the person then has, so to speak, as a deep sleep consciousness. Only, they know nothing of it. Hence the heartbeat, breathing, and such movements are connected to this second consciousness, and can only be understood internally in their full connection with the higher worlds when the human being awakens outside of their body, precisely in the deep sleep state of their body. So that the human being can actually realize through their reason that there are three such states of consciousness. It would take us too far afield now to show that there are indeed still things that point to the existence of even higher states of consciousness. In any case, we may say that the human being who reflects on what human life is like as an earthly being has at least glimpses of the higher states of consciousness. Therefore, one can also speak to the earthly being of these higher states of consciousness; one can speak of the fact that the human being experiences the ordinary events of earthly life through their everyday consciousness; that furthermore, if their dream consciousness were to undergo an immense expansion, they would experience everything connected with the laws that have been inherited from the ancient Moon into the present-day Earth; and that, if they were to awaken in deep sleep, independent of their body, they would also experience the ancient solar states in the form in which they still extend into the present-day earthly conditions. So this can be communicated, and one can describe how it manifests. It is therefore not entirely incomprehensible today to point out these things. One can awaken an understanding of what the occult aspirant explores, what he calls various states of consciousness, which are in truth different worlds.
[ 22 ] Es ist üblich geworden, diese verschiedenen Bewußtseinszustände zu nennen verschiedene «Plane»; das, was mit dem physischen Bewußtsein zu überschauen ist, zu nennen den physischen Plan; was überschaubar ist mit dem ersten Bewußtsein übersinnlicher Art: den astralischen Plan; was überschaubar ist mit dem zweiten Bewußtsein übersinnlicher Art: den niederen Devachan- oder Mentalplan; was überschaubar ist mit dem dritten Bewußtsein übersinnlicher Art: den höheren Mentalplan oder höheren Devachanplan. Dann würde sich anschließen der Budhiplan und Nirvanaplan. Damit aber würden wir nur andere Benennungen haben für dasjenige, was der okkulte Entwickelungsgang ergibt. Und dann hätte man, um anzuknüpfen an Vorstellungen, die leichter zu bilden sind als die Vorstellungen über verschiedene Bewußtseinszustände, eigentlich dargestellt den Menschen. Denn es ist immer der Mensch, der da wirkt in seinen Zuständen als angehörig den verschiedenen Planen oder Welten. Und dann hätte man die Kunde, die Wissenschaft, die Erkenntnis des Menschen vom okkulten Standpunkte, wo man spricht von verschiedenen Bewußtseins-Entwickelungszuständen, zum theosophischen Standpunkte hingeführt. Während der Okkultist spricht von Bewußtseinszuständen, spricht der Theosoph von aufeinanderfolgenden Planen. Sie sehen, daß auf diese Weise der Okkultismus als Theosophie äußerlich verkündet werden kann.
[ 22 ] It has become customary to refer to these various states of consciousness as different “planes”; that which can be comprehended with physical consciousness is called the physical plane; that which can be comprehended with the first type of supersensible consciousness: the astral plane; that which can be comprehended with the second type of supersensible consciousness: the lower Devachan or mental plane; that which can be perceived by the third type of supersensible consciousness: the higher mental plane or higher Devachan plane. Then would follow the Budhi plane and the Nirvana plane. But with that we would merely have different names for what the occult process of development yields. And then, to tie in with mental images that are easier to form than those concerning various states of consciousness, one would actually have depicted the human being. For it is always the human being who acts in his states as belonging to the various planes or worlds. And then one would have led the knowledge, the science, the understanding of the human being from the occult standpoint—where one speaks of various states of consciousness development—to the theosophical standpoint. While the occultist speaks of states of consciousness, the theosophist speaks of successive planes. You see that in this way, occultism can be proclaimed outwardly as theosophy.
[ 23 ] Nun handelt es sich darum, daß sich uns im Laufe unserer Betrachtungen auch noch andere Gesichtspunkte ergeben haben, und es ist notwendig, daß wir diese anderen Gesichtspunkte noch vollends erledigen. Da ist zum Beispiel einer dieser, daß der Mensch zunächst seiner äußeren Gestalt nach ein dreimal siebengliedriger Mensch ist. Ja, es reicht die Zeit nicht aus, in allen Einzelheiten die Sache durchzuführen. Erinnern Sie sich an das, was in der «Geheimwissenschaft» steht, daß der Mensch vor diesem Erdenzustand drei andere Zustände: Mond, Sonne, Saturn durchgemacht hat, und daß die allererste Anlage zur äußeren menschlichen physischen Form schon während des alten Saturnzustandes vorhanden war, und daß dann dieser physische Mensch immer weiter durchgebildet wurde. Wenn Sie dies in Erwägung ziehen, so werden Sie sich sagen: Das, was uns heute als ein so wunderbarer Leib erscheint, das hat eine recht lange Entwickelung durchmachen müssen; denn diese Entwickelung ging ja durch drei Zustände hindurch: durch Saturn, Sonne, Mond. Ein jeder dieser Zustände kann in sieben geteilt werden, und jedes Siebentel dieser Zustände hat dem Menschen etwas eingeprägt in seiner Gestalt, eine Spur zurückgelassen. Dann haben Sie die dreimal sieben Gestaltungskräfte. Nur das ist nicht zu finden, was der Mensch während der Erdenzeit hinzugebracht hat. Aber das ist gerade zerbrechlich, das ist die Zusammenfassung der ganzen Gestalt, das ist durch Luzifer zerbrochen. So daß, wenn wir den Menschen in dreimal sieben Glieder teilen, wir da den Ausdruck haben des physischen Menschen auf der Erde, dessen, was aufgeprägt haben dem physischen Menschen die vorhergehenden Saturn-, Sonne-, Mondzustände, und wir können sagen: Wir haben es da zunächst zu tun mit dem physischen Menschen. — Der Okkultist muß ihn betrachten, wie wir das teilweise, soweit es die Zeit zugelassen hat, in diesen Vorträgen getan haben; aber den Theosophen kann man einfach hinweisen auf das, was zunächst da ist, und man kann sagen: Es ist am Menschen der physische Leib. — So daß, wenn wir den Menschen betrachten, wir es zunächst zu tun haben mit seinem physischen Leibe, jenem komplizierten Gebilde, welches durch so viele Zustände hindurchgegangen ist und heute noch immer das Gepräge entfaltet dieser vielen Zustände.
[ 23 ] The point is that, in the course of our reflections, other perspectives have also emerged, and it is necessary for us to fully address these other perspectives. For example, one of these is that, in terms of his external form, the human being is a three-fold, seven-part being. Indeed, there is not enough time to go into all the details. Recall what is stated in *The Secret Science*: that before this earthly state, the human being passed through three other states—the Moon, the Sun, and Saturn—and that the very first rudiments of the outer human physical form were already present during the ancient Saturn state, and that this physical human being was then developed further and further. If you consider this, you will say to yourself: What appears to us today as such a wonderful body has had to undergo a very long evolution; for this evolution passed through three states: Saturn, Sun, and Moon. Each of these states can be divided into seven, and each seventh part of these states has imprinted something on the human form, leaving a trace. Then you have the three times seven formative forces. Only what the human being has added during the Earth period cannot be found. But that is precisely what is fragile; that is the synthesis of the entire form; that has been shattered by Lucifer. So that when we divide the human being into three times seven members, we have there the expression of the physical human being on Earth, of what the preceding Saturn, Sun, and Moon states have imprinted on the physical human being, and we can say: We are dealing there first and foremost with the physical human being. — The occultist must observe him, as we have done in part, insofar as time has permitted, in these lectures; but the theosophist can simply be pointed to what is immediately present, and one can say: It is the physical body in the human being. — So that when we consider the human being, we are first dealing with his physical body, that complex structure which has passed through so many states and still today unfolds the imprint of these many states.
[ 24 ] Dann haben wir aber noch etwas anderes betrachtet; wir haben den Menschen in seinen inneren Bewegungen betrachtet. Und erinnern Sie sich, wozu uns das gestern geführt hat. Die Gestalt sieht man, die Bewegungen aber — wir haben gestern schon darauf hingewiesen, daß es schwierig ist, da zu unterscheiden, darauf zu kommen, welche Bewegungen die wesentlichen sind —, die Bewegungen sieht man als solche nicht. Aber eine Besonderheit unserer Betrachtung hat es auf ganz naturgemäße Art ergeben, daß wir gerade durch diese Bewegungsfähigkeit des Menschen bis zur alten Sonne zurückgeführt worden sind. Und jetzt wird es Ihnen nicht mehr sonderbar erscheinen, wenn ich Sie darauf aufmerksam mache, daß alles, was solche innere Beweglichkeit des Menschen ist, zusammenhängt mit den Erlebnissen, die der Mensch durchgemacht hat während der alten Sonnenzeit. Während der Mensch also als physischer Mensch, wie er uns entgegentritt, das Gepräge von Saturn, Sonne und Mond in sich trägt, so trägt er als innerlich beweglicher Mensch in sich die Kräfte zu seiner inneren Beweglichkeit seit der alten Sonnenzeit. Da hat er Sonnenzeit, Mondenzeit und die bisherige Erdenzeit durchgemacht. Dasjenige, was nicht Gestalt, sondern der innere Grund der Beweglichkeit ist, das bezeichnen wir als den ersten unsichtbaren Menschen. Man sieht nicht diesen unsichtbaren Menschen, man sieht nur seine äußeren Folgen, die Bewegungen; das bezeichnet man als den ätherischen Menschen, den Ätherkörper oder Ätherleib. Den Ätherleib nimmt man nur wahr durch ein höheres Bewußtsein, aber die Wirkungen des Atherleibes in der physischen Welt, das sind die inneren Bewegungen, die der Mensch ausführt. Nun könnten wir also sagen: Insofern der Mensch alle drei Zustände, die voraufgegangen sind, durchmachen mußte, ist er zum physischen Menschen geworden; insofern er nur Sonnen- und Mondenzeit durchmachen mußte, ist er zum ätherischen Menschen geworden; insofern er die Mondenzeit nur durchgemacht hat, ist er zum astralischen Menschen geworden. Da hat sich eingegliedert seinen Bewegungen alles das, was zum Denken, Fühlen und Wollen führte; so daß Sie also wieder aufsteigen können. Wenn Sie von dem aufsteigen, was innerlich, nicht leiblich und äußerlich ist, so kommen Sie zum astralischen Menschen, der als solcher ja nicht zu sehen ist, aber dessen innere Äußerungen Denken, Fühlen, Wollen sind. Und dann kommen wir zu dem, was die Erde vorbereitend aus dem Menschen gemacht hat und was sie in der Zukunft erst ganz zu machen berufen ist, die völlige Ausbildung und weitere Gestaltung seines Ich, das sich ergeben hat im Laufe der Erdenentwickelung, das sich ausbilden wird zu höheren Stufen: Geistselbst, Lebensgeist, Geistesmensch — Manas, Budhi, Atma. Und wir haben dann den Menschen selbst gegliedert.
[ 24 ] But then we considered something else; we considered the human being in terms of their inner movements. And remember where that led us yesterday. One can see the form, but the movements—we already pointed out yesterday that it is difficult to distinguish there, to determine which movements are the essential ones—one does not see the movements as such. But a peculiarity of our observation has revealed, in a completely natural way, that it is precisely through this human capacity for movement that we have been led back to the ancient Sun. And now it will no longer seem strange to you when I draw your attention to the fact that everything that constitutes such inner mobility in human beings is connected with the experiences that human beings went through during the time of the ancient Sun. So while the human being, as a physical being as he appears to us, bears within himself the imprint of Saturn, the Sun, and the Moon, as an inwardly mobile being he bears within himself the forces of his inner mobility dating back to the ancient Sun era. There he has gone through the Sun era, the Moon era, and the Earth era up to the present. That which is not form but the inner basis of this mobility, we designate as the first invisible human being. One does not see this invisible human being; one sees only its outer consequences, the movements; this is referred to as the etheric human being, the etheric body. The etheric body is perceived only through a higher consciousness, but the effects of the etheric body in the physical world are the inner movements that the human being performs. So we could say: Insofar as the human being had to pass through all three states that preceded it, it has become the physical human being; insofar as it had to pass through only the solar and lunar periods, it has become the etheric human being; insofar as it has passed through only the lunar period, it has become the astral human being. Everything that led to thinking, feeling, and willing has become integrated into their movements; so that you can ascend again. If you ascend from what is inner, not physical and outer, you come to the astral human being, who as such cannot be seen, but whose inner expressions are thinking, feeling, and willing. And then we come to what the Earth has made of the human being in preparation and what it is destined to complete in the future: the full development and further shaping of his I, which has emerged in the course of Earth’s evolution and will develop into higher stages: the Spirit-Self, the Life-Spirit, the Spirit-Man—Manas, Budhi, Atma. And we have thus structured the human being himself.
[ 25 ] Sie sehen daraus, daß, indem wir den Menschen aus der ganzen Welt heraus begreifen, sich uns nicht nur die verschiedenen Bewußtseinszustände ergeben, die wir dann als Welten ansprechen, sondern es ergeben sich auch Einteilungen des Menschen: physischer Leib, Ätherleib und so weiter. Und man kann wiederum durch vernünftige äußere Betrachtung des Menschen zu der Einsicht kommen: Du siehst den Ätherleib nicht, aber du siehst seine Offenbarungen hier in der physischen Welt. Die Offenbarungen des Ätherleibes sind die Bewegungen im Inneren; die Offenbarungen des astralischen Leibes sind Denken, Fühlen und Wollen. Das «Ich» offenbart sich selber. Und sobald der Mensch nur vernünftig genug ist, zu begreifen, daß die Bewegungen, die der Mensch innerlich machen muß, nicht von der menschlichen Gestalt herrühren, nicht vom Physischen herrühren können, sobald er sich nur zu dem einzig vernünftigen Gedanken erhebt, daß das von einem Übersinnlichen herrühren muß, dann hat er auch die Möglichkeit, nicht nur zu glauben, sondern auch mit der Vernunft zu begreifen, daß es einen Ätherleib gibt. Wenn man also die okkulten Erkenntnisse in solche Formen kleidet, daß sie zu dem allgemeinen Bewußtsein sprechen, dann hat man den Okkultismus in die Theosophie gebracht, ihn theosophisch eingekleidet. So wie es also geschieht, daß man in der Theosophie von Planen spricht, so ist es auch theosophisch eingekleidet, wenn man von den verschiedenen Gliedern der Menschennatur spricht. Das alles, was über den Menschen gesagt werden kann, ist auf okkultem Wege zu finden. Wir müssen die ganze Welt durchschreiten, müssen als okkultistischer Aspirant die verschiedenen Bewußtseinszustände annehmen, dann erweist sich uns, daß diese verschiedenen Bewußtseinszustände uns erst aufklären über das, was der Mensch wirklich ist, so daß der Mensch wirklich nur durch den Okkultismus in seinem Wesen begriffen werden kann. 'Theosophie ist nun der Versuch, die okkulten Erkenntnisse in vernünftige Wahrheiten zu kleiden, so daß der Mensch das alles einsehen kann. Die Dinge, die ich Ihnen gesagt habe, sie stimmen in der mannigfaltigsten Weise mit sich selbst und mit der Welt überein, wenn Sie sie vernünftig prüfen werden. Und in dieser vernünftigen Prüfung sehe ich dasjenige, was Ihnen die aus dem Okkultismus gewonnenen Resultate erst eigentlich bestätigen soll.
[ 25 ] You can see from this that, as we come to understand human beings from all over the world, we not only encounter the various states of consciousness—which we then refer to as worlds—but we also arrive at a classification of the human being: the physical body, the etheric body, and so on. And through rational external observation of the human being, one can in turn arrive at the insight: You do not see the etheric body, but you see its manifestations here in the physical world. The manifestations of the etheric body are the movements within; the manifestations of the astral body are thinking, feeling, and willing. The “I” reveals itself. And as soon as a person is reasonable enough to grasp that the movements a person must make inwardly do not originate from the human form, cannot originate from the physical, as soon as they rise to the only reasonable thought that it must originate from the supersensible, then they also have the possibility not only to believe, but also to grasp with reason that there is an etheric body. So if one clothes occult knowledge in such forms that they speak to the general consciousness, then one has brought occultism into theosophy, clothed it in theosophical terms. Just as it is the case that in theosophy one speaks of planes, so too is it clothed in theosophical terms when one speaks of the various members of human nature. Everything that can be said about the human being is to be found through occult means. We must traverse the entire world; as occult aspirants, we must assume the various states of consciousness; then it becomes evident to us that these various states of consciousness are what first enlighten us about what the human being truly is, so that the human being can truly be understood in his essence only through occultism. Theosophy is now the attempt to clothe occult knowledge in rational truths, so that human beings can understand all of this. The things I have told you are consistent in the most manifold ways with themselves and with the world, if you examine them rationally. And in this rational examination I see that which the results gained from occultism are actually meant to confirm for you.
[ 26 ] Der zweite Gesichtspunkt, der sich ergeben hat, muß auch noch erledigt werden, damit Sie sehen, daß 'Theosophie und Okkultismus nicht bloß in Widersprüche hineinführen — Sie haben ja schon aus dem ersten Vortrag gesehen, wie wir es mit dem Widerspruche zu halten haben —, sondern daß sich bei einer weitergehenden Betrachtung diese Widersprüche lösen. Das haben Sie für mancherlei schon in diesen Vorträgen gesehen; aber für mancherlei könnten sich Ihnen gerade aus dem, was Ihnen jetzt wieder gesagt worden ist, neue Widersprüche ergeben. Ich kann natürlich nicht heute alle möglichen Widersprüche besprechen, aber einen Widerspruch werde ich versuchen mit Hilfe von solchen okkulten Erkenntnissen zu lösen, wie sie sich in dem zweiten Bewußtsein übersinnlicher Art ergeben. Es werden sich mehrere von Ihnen erinnern, daß von mir und anderen öfter hingewiesen worden ist auf die Christus-Wesenheit als auf eine kosmische Wesenheit, überragend durch ihre Eigenheit die anderen Religionsstifter. Es wurde gesagt, daß es nicht weiter wunderbar ist, daß diese Eigenart der Christus-Wesenheit vorzugsweise im Abendland erkannt werden kann, denn dem Abendland ist der historische Geist eigen. Und so braucht auch das Abendland, damit die Erde überhaupt sich so entwickeln kann, daß Menschen durch verschiedene Inkarnationen gehen können, einen Schwerpunkt für diese Entwickelung. Und man muß sich eigentlich nur wundern, daß sich irgendwo Abendländer finden, die diesen Schwerpunkt nicht zugeben wollen. Dieser Schwerpunkt ist eben der Christus-Impuls. Und derjenige, der von Wiederverkörperungen des Christus sprechen würde, würde genau denselben Fehler machen wie einer, der da glauben würde, eine Waage sollte in mehreren Punkten festgehalten werden. Für die Christus-Wesenheit machen Sie in solchem Falle dasselbe, als wenn Sie eine Waage an zwei oder drei Punkten sich bewegen lassen wollen. Die Sache ist also von diesem Gesichtspunkte aus unendlich einfach.
[ 26 ] The second point that has arisen must also be addressed so that you may see that ‘Theosophy and Occultism’ do not merely lead into contradictions—as you have already seen from the first lecture how we are to deal with contradictions—but that, upon further consideration, these contradictions are resolved. You have already seen this in various instances during these lectures; but in other instances, new contradictions might arise for you precisely from what has just been said to you again. Of course, I cannot discuss every possible contradiction today, but I will attempt to resolve one contradiction with the help of such occult insights as arise in the second, supersensory consciousness. Several of you will recall that I and others have often pointed to the Christ Being as a cosmic Being whose uniqueness surpasses that of the other founders of religions. It has been said that it is not particularly surprising that this distinctive quality of the Christ Being can be recognized primarily in the West, for the West is characterized by the historical spirit. And so, for the Earth to develop in such a way that human beings can pass through various incarnations, the West also needs a focal point for this development. And one can really only be surprised that there are Westerners who refuse to acknowledge this focal point. This focal point is precisely the Christ impulse. And anyone who were to speak of reincarnations of the Christ would be making exactly the same mistake as someone who believes that a scale should be held in place at several points. In such a case, you are doing the same thing to the Christ-being as if you were trying to make a scale move at two or three points. From this point of view, the matter is therefore infinitely simple.
[ 27 ] Aber es gibt ja noch einen anderen, einen moralischen Grund, der in bezug auf das Verhältnis des Menschen zu dem Christus, der als Impuls der Erdenentwickelung anzusehen ist, geltend gemacht werden muß. Dieser andere Gesichtspunkt ist der: Der Christus trat in einem bestimmten Momente in diese Entwickelung hinein. Die Menschen, die gegenwärtig leben, waren auch schon vor dem Christus inkarniert, werden jetzt wiederum inkarniert, lebten also nicht nur während derjenigen Zeit der Erdenentwickelung, wo der Christus noch nicht da war, sondern sie leben auch jetzt, wo der Christus dagewesen ist. Und der materialistische Einwand, der oftmals gemacht wird, daß, wenn der Christus so wichtig wäre, eben sein einmaliges Kommen auf Erden eine Ungerechtigkeit bedeuten würde, dieser materialistische Einwand fällt weg. Oftmals wird man gefragt: Ja, wie konnte denn die Ungerechtigkeit geschehen, daß alle Menschen, die vor dem Christus gelebt haben, die Wohltat des Christus nicht gehabt haben sollen, während diejenigen, die nach dem Christus leben, diese Wohltat haben sollen? — Das sind aber doch dieselben Menschen! Also dieser Einwand sollte von theosophischer Seite wahrhaftig nicht gemacht werden. Aber gerade in dem letzteren liegt doch etwas außerordentlich Bedeutsames. Er kann nämlich in gewisser Weise gemacht werden, allerdings nur in bezug auf wenige Fälle, aber einer von diesen Fällen, wo er gemacht werden kann, wenn Sie sich es recht überlegen, das ist doch gerade der Buddhafall.
[ 27 ] But there is another, moral reason that must be taken into account regarding humanity’s relationship to the Christ, who is to be regarded as the driving force behind Earth’s evolution. This other point of view is as follows: The Christ entered into this evolution at a specific moment. The people living today were also incarnated before Christ, are now incarnated again, and thus lived not only during that period of Earth’s development when Christ was not yet present, but they also live now, when Christ has been here. And the materialistic objection that is often raised—that if Christ were so important, his one-time coming to Earth would constitute an injustice—this materialistic objection falls away. People often ask: Well, how could such an injustice have occurred, that all the people who lived before Christ were not to have received the blessing of Christ, while those who live after Christ are to receive this blessing? — But these are the same people! So this objection should truly not be raised from a theosophical standpoint. But precisely in the latter lies something extraordinarily significant. For it can indeed be raised in a certain way, though only in relation to a few cases; but one of these cases where it can be raised, if you think about it carefully, is precisely the case of the Buddha.
[ 28 ] Während in der Tat die über die Erde ausgebreiteten Menschen immer wieder geboren werden und also den Christus-Impuls erleben in ihren Inkarnationen nach der Christus-Zeit, lebte der Buddha in der vorchristlichen Zeit, erreichte da die Entwickelungsstufe, durch die er nicht mehr in einen Erdenleib zurückzukehren braucht, und gehört also tatsächlich zu den allerdings wenigen Menschen, die auf dieser Erde lebten und fortgingen, bevor der Christus gekommen war. Das ist nun einmal so. Und nun können Sie sagen: Ja, wie ist nun das Verhältnis des Christus zum Buddha — abgesehen von dem, was ich gestern erwähnt habe, daß der Buddha aus höheren Welten in den Astralleib des Lukas-Jesusknaben hereinleuchtet —, wie steht aber sonst das Verhältnis des Christus zum Buddha? Ist es denn wirklich so, daß der Buddha einfach nur die Erde verließ, bevor der Christus auf der Erde war? Daß er seinen Weg zum Mars antrat, so daß der Buddha und der Christus sozusagen aneinander vorbeigehen? — Sehen Sie, da müssen wir nun mit einer tieferen okkulten Erkenntnis eingreifen, wenn wir dieses Problem lösen wollen. Bedenken Sie dasjenige, was ich gesagt habe. Ich habe auseinandergesetzt, wie der Christus mit der Sonne verbunden war. Tatsächlich ist der Christus zur Vereinigung mit der Erde erst durch die Johannes-Taufe oder eigentlich durch das Mysterium von Golgatha gekommen. Der Christus ist also Sonnengeist; wir haben ihn, bevor das Mysterium von Golgatha auf der Erde eintrat, in Verbindung zu sehen mit seinem Reiche, der Sonne, wo ihn auch der alte Zarathustra gesucht hat. Und während Christus als Herrscher im Sonnenreich wirkt, während er noch nicht seine Herrschaft ausgedehnt hat über die Erde, wenigstens noch nicht durch seinen Impuls, verläuft das Leben des Buddha auf Erden.
[ 28 ] While it is true that the people scattered across the earth are born again and again and thus experience the Christ impulse in their incarnations after the time of Christ, the Buddha lived in pre-Christian times, reached the stage of development there at which he no longer needed to return to an earthly body, and thus indeed belongs to the admittedly few people who lived on this Earth and passed away before Christ came. That is simply the way it is. And now you might ask: Yes, what is the relationship between Christ and the Buddha—apart from what I mentioned yesterday, that the Buddha shines from higher worlds into the astral body of the boy Luke-Jesus—but what is the relationship between Christ and the Buddha otherwise? Is it really the case that the Buddha simply left the Earth before Christ was on Earth? That he set out on his path to Mars, so that the Buddha and the Christ, so to speak, pass each other by? — You see, we must now draw upon a deeper occult insight if we are to solve this problem. Consider what I have said. I have explained how Christ was connected to the Sun. In fact, Christ came into union with the Earth only through the baptism of John—or rather, through the Mystery of Golgotha. Christ is thus a solar spirit; before the Mystery of Golgotha took place on Earth, we must see him in connection with his realm, the Sun, where the ancient Zarathustra also sought him. And while Christ acts as ruler in the solar realm, while he has not yet extended his rule over the Earth—at least not yet through his impulse—the life of the Buddha unfolds on Earth.
[ 29 ] Nun müssen wir zu den früheren Verkörperungen des Buddha zurückgehen, wenn wir Aufschluß gewinnen wollen. Wir wissen, daß der Buddha vorher ein Bodhisattva war, daß er durch lange Zeiten hindurch als Bodhisattva auf der Erde gewirkt hat. Eine gewöhnliche Menschenseele, wie wir sie sonst beschrieben haben, hatten allerdings diese Bodhisattvas nicht in sich, sondern es hat eine ganz besondere Bewandtnis mit diesen Bodhisattvas. Sie müssen sich erinnern an das, was dargestellt ist in meiner «Geheimwissenschaft» im Beginn unserer Erdenentwickelung: daß da die Sonne, nach einem Zwischenzustand zwischen dem alten Mond und der Erde, mit der Erde und den anderen Planeten wiederum vereint war, und daß sie sich dann wieder auseinandergeschält haben. Es war also einmal ein Zustand, in dem die Erde mit der Sonne vereint war. Dann haben sich Erde und Sonne getrennt, und Sie wissen, daß dann die Mondentrennung eintrat; Sie wissen, wie die Erde durch Seelen von anderen Planeten verstärkt worden ist. Fassen wir nun ins Auge denjenigen Zeitpunkt, wo sich eben die Sonne von der Erde getrennt hat. Da, wo dies geschah, waren in der Sonne drinnen noch die beiden Planeten Venus und Merkur, astronomisch gesprochen. Und der Vorgang ist so, daß sich zuerst abtrennt die Erde von der Sonne, in der damals noch darinnensteckten Venus und Merkur; dann nachher erst trennen sich Venus und Merkur von der Sonne ab. Nun waren also da Sonne und Erde. Auf der Erde geht die Entwickelung nun fort. Da bleibt nur ein geringer Teil von Menschen zurück. Andere gehen zu den Planeten hinauf, später wiederum herunter. Aber Wesenheiten sind auch mitgegangen — denn die Welt besteht nicht nur aus äußerer Materie, sondern aus Wesenheiten —, Wesenheiten sind mitgegangen, als die Sonne sich von der Erde trennte. Der Führer ist der Christus. Denn in der Zeit der Erdenentwickelung, wo die Sonne sich von der Erde trennt, hat sich schon das vollzogen, was man nennen kann den Vorrang, den der Christus über den Luzifer und die anderen Planetengeister erlangt hat. Später dann trennte sich heraus die Venus, trennte sich heraus Merkur. Fassen wir dieses Heraustreten der Venus von der Sonne einmal ins Auge. Es trennen sich mit der Venus Wesenheiten, die zuerst mitgegangen waren, die aber nicht fähig waren, in der Sonne zu bleiben; die trennen sich los und bevölkern die Venus. Nun war mitgegangen, und für diese Venusbewohner zunächst als ein Abgesandter des Christus, der Sonne, diejenige Wesenheit, welche dem späteren Buddha zugrunde liegt. Der Christus hat ihn zuerst auf die Venus geschickt, und in der Tat machte der Buddha allerlei Entwickelungszustände hier durch; und als dann die Seelen von der Venus zur Erde zurückkamen, da waren die gewöhnlichen Menschenseelen natürlich wenig entwickelt; der Buddha aber, der zurückkam und dann mit den Venusseelen zur Erde herunterstieg, der war eine so hoch entwickelte Wesenheit, daß er nun ein Bodhisattva und dann früh ein Buddha werden konnte. So haben Sie in dem Buddha einen alten Abgesandten des Christus, der die Aufgabe hatte, vorzubereiten das Werk des Christus auf der Erde. Denn die Absendung zu den Venusmenschen hatte keinen anderen Sinn, als einen Vorläufer vorauszuschicken von der Sonne auf die Erde. Und nun können Sie es auch begreifen: Weil der Buddha länger als die anderen Erdenmenschen bei dem Christus war — denn die Erde hat sich früher abgetrennt —, deshalb brauchte er nur denjenigen Teil des Christus-Impulses, den er noch von der Sonne her in sich hatte, so daß also es genügte für den Buddha, das Christus-Ereignis dann mit Hilfe des Impulses, den er von dem Christus auf der Sonne empfangen hatte, von der geistigen Welt aus zu verfolgen, während die anderen Menschen das Christus-Ereignis auf der Erde abzuwarten hatten. Weil also der Buddha seine besondere Beziehung hatte zu dem Christus, weil er wie ein Vorläufer von ihm vorausgeschickt worden war, so brauchte er nicht auf der Erde das Christus-Ereignis abzuwarten, sondern nahm von der Erde die Fähigkeit mit, auch ohne die Christus-Mittel, die der andere Mensch braucht, sich zu erinnern an dasjenige, was auf der Erde das Ich bedeutet, und dadurch von den höheren Welten herunterzuschauen auf das Christus-Ereignis. So konnte lange vorbereitet werden im Weltall jene merkwürdige Mission, die der Buddha unternommen hatte im Auftrage des Christus. Der Buddha ist zuerst geschickt worden zu den Venusmenschen — und vergleichen Sie das, was ich jetzt sage, mit den Vorträgen in Helsingfors —, dann auf die Erde, dann machte er den Weg zurück zu den Marsmenschen und hat dort weiterzuwirken an der lange vorbereiteten Mission auf dem Mars.
[ 29 ] Now we must go back to the Buddha’s previous incarnations if we wish to gain insight. We know that the Buddha was previously a Bodhisattva, that he worked on Earth as a Bodhisattva for long ages. However, these Bodhisattvas did not possess an ordinary human soul, as we have otherwise described it; rather, there is a very special connection with these Bodhisattvas. You must recall what is described in my *Esoteric Science* regarding the beginning of our Earth’s development: that after an intermediate state between the ancient Moon and the Earth, the Sun was once again united with the Earth and the other planets, and that they subsequently separated again. So there was once a state in which the Earth was united with the Sun. Then the Earth and the Sun separated, and you know that the separation of the Moon then took place; you know how the Earth was strengthened by souls from other planets. Let us now consider the very moment when the Sun separated from the Earth. At the time this happened, the two planets Venus and Mercury were still inside the Sun, astronomically speaking. And the process is such that first the Earth separates from the Sun, with Venus and Mercury still inside it at that time; only afterward do Venus and Mercury separate from the Sun. So there were the Sun and the Earth. Development now continues on Earth. Only a small portion of humanity remains behind. Others ascend to the planets, later descending again. But beings also went along—for the world consists not only of external matter but of beings—beings went along when the Sun separated from the Earth. The leader is the Christ. For in the time of Earth’s development, when the Sun separated from the Earth, what had already taken place was what one might call the supremacy that the Christ attained over Lucifer and the other planetary spirits. Later, Venus separated, and Mercury separated. Let us consider this separation of Venus from the Sun. Along with Venus, beings separated who had initially gone along but were not capable of remaining in the Sun; they separated and populated Venus. Now, the being who underlies the later Buddha had gone along, and for these inhabitants of Venus, initially as an emissary of the Christ, the Sun. Christ first sent him to Venus, and indeed the Buddha underwent all manner of stages of development there; and when the souls then returned from Venus to Earth, the ordinary human souls were naturally little developed; but the Buddha, who returned and then descended to Earth with the Venusian souls, was such a highly developed being that he could now become a Bodhisattva and then, early on, a Buddha. Thus, in the Buddha you have an ancient emissary of Christ, whose task was to prepare the work of Christ on Earth. For the mission to the people of Venus had no other purpose than to send a forerunner from the Sun to Earth. And now you can also understand: Because the Buddha was with the Christ longer than the other Earth humans—for the Earth separated earlier— therefore he needed only that part of the Christ impulse which he still carried within him from the Sun, so that it was sufficient for the Buddha to follow the Christ event from the spiritual world with the help of the impulse he had received from the Christ on the Sun, while the other human beings had to await the Christ event on Earth. Because the Buddha had this special relationship with the Christ—because he had been sent ahead as a forerunner—he did not need to wait for the Christ event on Earth, but took with him from Earth the ability to remember, even without the Christ-means that other human beings need, what the “I” signifies on Earth, and thereby to look down from the higher worlds upon the Christ event. Thus that remarkable mission which the Buddha undertook on behalf of the Christ could be prepared for a long time in the cosmos. The Buddha was first sent to the people of Venus—and compare what I am saying now with the lectures in Helsinki—then to Earth; then he made his way back to the people of Mars and continued to work there on the long-prepared mission on Mars.
[ 30 ] Auf dem Mars ist die Sache so, daß diejenigen Menschen, die dort geblieben sind, in einer großen Gefahr stehen, wie die Erdenmenschen in einer großen Gefahr standen, aus der sie der Christus befreite. Die Marsmenschen stehen in der Gefahr, daß ihnen — sie hatten ja kein Ich besonders zu entwickeln — ihr astralischer Leib und dadurch mittelbar auch ihr Ätherleib furchtbar an Kräften verlieren sollte, gewissermaßen austrocknen sollte. Die ganze Natur der Marsmenschen hat sich so ausgelebt, daß auf dem Mars furchtbare Kriege stattgefunden haben. Die Menschen auf dem Mars sind sehr bodenständig — die Menschen auf der Erde sind kosmopolitisch angelegt —, die Marsmenschen sind viel mehr auf den Boden versessen, und es gibt sehr wenig Kosmopolitiker auf dem Mars. Aber dafür gibt es, oder wenigstens hat es viel Krieg und Streit gegeben; das alles ging hervor aus dem durch das Ich nicht besänftigten starken astralischen Leib. Wenn Sie das alles zusammennehmen, werden Sie begreifen, daß bei Menschen, die sich entwickeln, wie es auf dem Mars der Fall ist, ungeheuer viel Streit sein muß. Der Mars ist nur eine Art von wiederverkörpertem Mond, und da also das, was im astralischen Leibe steckt, nicht gemildert ist durch die Besänftigung des Ich, sind diese Menschen ganz hervorragend kriegslustig. Die Griechen haben eine richtige Erkenntnis gehabt, indem sie gerade Mars zum Kriegsgott gemacht haben. Große Verwunderung überkommt einen, so in den Mythen die Anklänge daran zu finden; und eine überraschende Sache ist es für einen, wenn man findet, daß wirklich ungeheure Kriege da herrschten. Man ist dann ungemein verwundert, wenn man schon in den alten Mysterienerkenntnissen in den Bezeichnungen findet, daß diese okkulten Erkenntnisse vorhanden waren. Also ungeheure Kriege waren da. Und jetzt denken Sie sich die Fortsetzung des Buddhalebens, dieses Meisters des Mitleids und der Liebe, dieses Meisters in Überwindung von Kastenunterschieden, dann werden Sie begreifen, daß Buddha wirklich seine Mission auf dem Mars hat; diese Mission, die darin besteht, dort einzuführen das, wozu die Marsmenschen allein nicht kommen können, was ihnen erscheinen würde als eine ganz übertriebene Frömmigkeit, als Mönchtum und so weiter — durch ein grandioses Beispiel von übersteigerter Demut und Sanftmut auf die Marsmenschen zu wirken und sie zu beleben nach dieser Richtung hin. Ich kann Ihnen nur die Anfänge des Bildes geben, wodurch der Buddha auf den Mars zu wirken hat. Die Bedeutung, die Wirkung des Buddha ist dort wirklich eine ganz ähnliche für diese ohne das Ich lebenden Marsmenschen, wie eben die eines Erlösers, eines Befreiers zu höherer Weltanschauung. Und während auf der Erde eine allgemeine Brüderlichkeit und Nächstenliebe im tiefsten Impulse mit dem Christus zusammenhängt, hängt Kosmopolitismus im wesentlichen zusammen mit jener Erlösertat, die dort der Buddha zu verrichten hat.
[ 30 ] On Mars, the situation is such that those humans who remained there are in great danger, just as the people of Earth were in great danger from which Christ delivered them. The Martians are in danger that—since they had no ego to develop in particular—their astral body, and thereby indirectly their etheric body as well, might lose a tremendous amount of power, might, so to speak, dry up. The entire nature of the Martians has played itself out in such a way that terrible wars have taken place on Mars. The people on Mars are very down-to-earth—the people on Earth are cosmopolitan in nature—the Martians are much more earthbound, and there are very few cosmopolitans on Mars. But on the other hand, there is—or at least there has been—a great deal of war and strife; all of this arose from the strong astral body that was not pacified by the ego. If you take all of this together, you will understand that among people who develop as is the case on Mars, there must be an immense amount of strife. Mars is merely a kind of reincarnated Moon, and since what lies within the astral body is not tempered by the pacification of the ego, these people are exceptionally warlike. The Greeks had a true insight in making Mars the god of war. One is overcome with great astonishment upon finding echoes of this in the myths; and it is a surprising thing to discover that truly immense wars did indeed rage there. One is then immensely astonished to find, even in the ancient mystery teachings, that these occult insights were already present in the terminology. So immense wars did indeed take place there. And now imagine the continuation of the life of the Buddha, this Master of compassion and love, this Master in overcoming caste distinctions, and you will understand that the Buddha truly has his mission on Mars; this mission, which consists of introducing there what the Martians cannot achieve on their own—what would appear to them as an utterly exaggerated piety, as monasticism and so on—by working upon the Martians through a magnificent example of extreme humility and gentleness, and inspiring them in this direction. I can only give you the beginnings of the picture of how the Buddha is to work on Mars. The significance, the effect of the Buddha there is truly quite similar for these Martians, who live without the ego, to that of a savior, a liberator to a higher worldview. And while on Earth a general brotherhood and love of one’s neighbor is connected in its deepest impulse with the Christ, cosmopolitanism is essentially connected with that act of salvation which the Buddha is to perform there.
[ 31 ] Noch ein anderer Punkt ist es, den ich erledigen muß, bevor wir auseinandergehen. Das ist der Punkt, der Sie darauf hinweisen soll, daß die verschiedenen Religionen auf der Erde, die ja alle, was für den Theosophen eine Selbstverständlichkeit ist, aus einer einzigen Quelle heraus entstanden sind, nur in verschiedener Weise sich verhalten zu den okkulten Mitteilungen, die gemacht werden können. Man möchte sagen, eine jede Religion, wenn man sie richtig versteht, weist auf einen Religionsstifter hin, der irgendein Erlebnis einer bestimmten Initiationsstufe durch diese Religion in einer geeigneten Weise für eine Gruppe von Menschen bekanntgemacht hat. Da finden Sie zum Beispiel eine Religion, welche sich nicht bis zu dem Christus, der der Sonnengeist ist, zu erheben vermag, sondern die besondere Anlage hat, sich bis zu jener umfassenden Seele zu erheben, die da lebte in dem Geiste, der dann oftmals als Bodhisattva verkörpert wurde, und welche dadurch besonders auf den hinweist, der nun wiederum der große Initiator, der Begeister des Buddha ist. Also eine Religion, die sich nicht zu der Anschauung erheben kann, daß der Christus der Sonnengeist ist und auf die Erde heruntergekommen ist. Sie sieht gleichsam so weit, daß sie bis zu diesem Abgesandten hinsieht und alles auch zusammenfaßt, was gleichsam von der Sonne hervorkommt und was im eminentesten Sinne zu einem Planetengeist wird, und es ist ja sehr begreiflich, daß der Buddha als ein Planetengeist bezeichnet wird. Eine solche Religion, die vorzugsweise auf diesen Geist hinwies, der nun die eigene Entwickelung des Buddha leitet, die konnte nur eine solche Gestalt fassen, wie die des Vishnu in der indischen Trimurti ist. Und weil eine solche religiöse Form noch nicht durchgedrungen ist zur Erkenntnis des allgemeinen Sieges des Christus über Luzifer, so kann sie auch die Gestalt des Luzifer nicht so gegenüberstellen dem Christus, wie es in der jetzigen Zeit möglich ist. Dadurch erscheint einer solchen Religion Luzifer in einer gewissen Weise neben dem Christus als eine selbständige, unbesiegte, als eine gleichwertige Gestalt. Wir haben ja selbst gesehen: wie eine Art von Bruder wird der Luzifer vorgestellt. Das haben Sie dann, wenn dem Vishnu der Shiva entgegengestellt wird. Und ich bitte Sie, jetzt einmal die Shivaiten zu studieren; dann werden Sie schon erfassen, wie man die Shivareligion des Indertums verstehen kann, wenn man die Kenntnis des luziferischen Wesens hat. Denn Shiva ist wirklich Luzifer in der Gestalt, in der er noch nicht besiegt ist. All der Kultus, die ganze Religion mit ihren sechzig Millionen Anhängern, als Religion des Shiva, ist eigentlich im eminentesten Sinne von dem eben bezeichneten Gesichtspunkte aus als eine Art luziferischer Religion zu bezeichnen. Sie werden begreiflich finden, daß alle Formen der okkulten Erkenntnis, je nach der Veranlagung der Menschen, auf den verschiedenen Stufen sich ausprägen konnten in den verschiedenen Religionen.
[ 31 ] There is one more point I need to address before we part ways. This is the point intended to show you that the various religions on Earth—which, as is self-evident to the theosophist, all originated from a single source—merely differ in their approach to the occult revelations that can be made. One might say that every religion, when properly understood, points to a religious founder who, through that religion, has made known in a suitable way to a group of people some experience of a particular stage of initiation. There you will find, for example, a religion that is not capable of rising to the level of Christ, who is the Sun Spirit, but which has the particular capacity to rise to that all-encompassing soul that lived in the spirit who was then often incarnated as a Bodhisattva, and which thereby points specifically to the one who is, in turn, the great Initiator, the Enthusiast of the Buddha. Thus, a religion that cannot rise to the view that the Christ is the Sun Spirit and has come down to Earth. It sees, as it were, far enough to look as far as this emissary and to encompass everything that, as it were, emanates from the Sun and which, in the most eminent sense, becomes a planetary spirit; and it is, of course, quite understandable that the Buddha is designated as a planetary spirit. Such a religion, which primarily pointed to this spirit that now guides the Buddha’s own development, could only take on a form such as that of Vishnu in the Indian Trimurti. And because such a religious form has not yet penetrated to the recognition of Christ’s universal victory over Lucifer, it cannot set the figure of Lucifer in opposition to Christ in the way that is possible in the present age. Consequently, in such a religion, Lucifer appears in a certain sense alongside Christ as an independent, undefeated, and equal figure. We have seen for ourselves: Lucifer is presented as a kind of brother. This is what you have when Shiva is set against Vishnu. And I ask you to study the Shivaites now; then you will understand how one can comprehend the Shiva religion of India if one has knowledge of the Luciferic being. For Shiva is truly Lucifer in the form in which he has not yet been defeated. The entire cult, the whole religion with its sixty million followers, as the religion of Shiva, is actually to be described in the most eminent sense, from the perspective just mentioned, as a kind of Luciferic religion. You will find it understandable that all forms of occult knowledge, depending on people’s dispositions, could manifest themselves at various levels in the different religions.
[ 32 ] Nun aber, wenn man das Ganze überblickt — wir haben besprochen einiges von dem unoffenbaren Lichte, einiges von dem unaussprechlichen Worte, und es ist uns dann gelungen, auf mancherlei Umwegen auch zu dem Bewußtsein ohne Gegenstand zu kommen —, nun fragen Sie sich einmal, wenn Sie stehenbleiben bei dieser Dreiheit: Drücken sich diese drei Dinge wenigstens in ihren Offenbarungen in unserer Welt aus?
[ 32 ] Now then, when you take a step back and look at the whole picture—we have discussed some of the unrevealable light, some of the inexpressible word, and we have also managed, through various detours, to arrive at consciousness without an object—now ask yourself, as you reflect on this triad: Do these three things at least express themselves in their manifestations in our world?
[ 33 ] Sehen Sie, Sie können erkennen, wie sie sich ausdrücken, wenn Sie alles das zusammennehmen, was im Laufe dieser Vorträge besprochen worden ist. Sie werden sich sagen: Das Licht, es erschien ganz und gar in der Charakteristik des stolzen Luzifer; das Licht ist also im Grunde genommen ein Attribut des Geistigen, und der Mensch hat eigentlich das Licht nur in seinem schwächsten Ausdruck in seinen Gedanken gegeben, wenn er auf dem physischen Plane hier ist. Und wo hat denn der Mensch das sonst unaussprechliche Wort, wenn er hier auf dem physischen Plane ist? Nun, das, was das unaussprechliche Wort ist in der Welt, ist aussprechliches Wort hier auf dem physischen Plan, und Sie brauchen nicht weit zu gehen, um zum Ursprung zu kommen dessen, woraus das Wort kommen muß: es ist das Seelische im Menschen. Während also das Licht nach und nach mehr zum Geistigen wird, wird das Wort nach und nach offenbar im Menschen im Seelischen. Und das Bewußtsein ohne Gegenstand, wie offenbart es sich bei dem physischen Menschen? Dadurch, daß äußerer Stoff auf ihn wirkt. Das, was das physische Bewußtsein ist, braucht den äußeren Gegenstand, das kaut an dem äußeren Gegenstand. Oben haben wir gefunden: Bewußtsein ohne einen Gegenstand, unaussprechliches Wort, unoffenbares Licht; unten finden wir als die letzte Offenbarung auf dem physischen Plan das menschliche Bewußtsein, das sich an der Materie verkaut; wir finden die Seele, welche das Wort, wenn auch in getrübter Gestalt, offenbart, und wir finden endlich das Licht, welches in der ganz schwachen Art des Denkens beim Menschen vorhanden ist, so daß der Hellseher das Denken als Licht, als menschliche Aura, überhaupt alles, was vom Licht kommt, nur als Aura schauen kann. Aber im Denken oder in dem, was auf dem physischen Plan schon geistig ist, im Denken erscheint der letzte Abglanz von dem unoffenbaren Lichte. So daß wir sagen können: Wir können unsere höchsten Dinge, die wir gefunden haben, aussprechen, indem wir auf den Menschen hinweisen, auf den Menschen als Geist, als Seele, als Materie. Im Geist und in seiner Seele zusammen findet der Mensch wiederum als eine Einheit das Bild seines Ich. Ja, auch dieses letzte, was der Mensch auf dem physischen Plan findet, Materie oder Stoff, Seele und Geist, es ist eine Offenbarung der höchsten Dreiheit. Die Menschen haben ja verloren jene uralten Offenbarungen des alten Okkultismus; als der Okkultismus allmählich seine neuere Form annahm, fand er wenig äußeres Verständnis mehr. In unserer Zeit muß er es wieder finden, In dieser Zeit muß er wieder zur Theosophie werden.
[ 33 ] You see, you can understand how they express themselves if you take into account everything that has been discussed in the course of these lectures. You will say to yourselves: The light appeared entirely in the character of the proud Lucifer; the light is therefore, in essence, an attribute of the spiritual, and man actually possesses the light only in its weakest expression within his thoughts when he is here on the physical plane. And where else does man have the otherwise ineffable Word when he is here on the physical plane? Well, what the ineffable Word is in the world is the utterable Word here on the physical plane, and you need not go far to reach the source from which the Word must come: it is the soul in man. So while the light gradually becomes more spiritual, the Word gradually becomes manifest in man in the soul. And consciousness without an object—how does it reveal itself in the physical human being? Through the fact that external matter acts upon him. What physical consciousness is requires the external object; it chews on the external object. Above we have found: consciousness without an object, the ineffable Word, the unrevealed Light; below we find, as the final manifestation on the physical plane, human consciousness that chews on matter; we find the soul, which reveals the word, albeit in a clouded form, and we finally find the light, which is present in the very faint form of thought in human beings, so that the clairvoyant can perceive thought as light, as a human aura—indeed, everything that comes from light—only as an aura. But in thinking, or in that which is already spiritual on the physical plane—in thinking—the final reflection of the unrevealable Light appears. So that we can say: We can express the highest things we have found by pointing to the human being, to the human being as spirit, as soul, as matter. In the spirit and in the soul together, the human being finds, once again as a unity, the image of his I. Yes, even this last thing that man finds on the physical plane—matter or substance, soul, and spirit—is a revelation of the highest Trinity. People have, after all, lost those ancient revelations of the old occultism; as occultism gradually took on its newer form, it found little external understanding anymore. In our time, it must find it again; in this time, it must become Theosophy once more.
[ 34 ] Aber es gab eine Zwischenzeit, da haben die Menschen nicht hinaufgeblickt zu den okkulten Wahrheiten, die ihnen früher verkündet worden sind, da haben die Menschen nicht verstanden dasjenige, was wir heute kleiden in die 'Theosophie. Da haben sie sich gehalten an die letzte Offenbarung, an die letzten Wirkungen der höheren Dreiheit, an Materie, Seele und Geist. Und es ist aus dieser Betrachtung, die nur entwurzelt war, weil sie zu den letzten Offenbarungen die Ursprünge nicht kannte, es ist daraus entstanden, was eigentlich im Grunde doch erst auftrat sechs Jahrhunderte vor der christlichen Zeit und bis in unsere Zeit gedauert hat: es ist aufgetaucht das, was man Philosophie nennen kann. Und überall werden Sie finden, daß die Philosophie anknüpft an die letzte äußere Offenbarung der großen Dreiheit, die sehr verhüllt bleibt. Sie sieht nur ausgebreitet das materielle Leben, an dem das menschliche Bewußtsein kaut. Sie begreift nicht das unaussprechliche Wort, sondern ahnen kann sie noch das Seelische der Welt, wenn es sich offenbart in der Menschenseele als das ausgesprochene Wort. Sie findet nicht das ungeoffenbarte Licht, kann es aber ahnen, da es in seiner letzten Wirkung, im menschlichen Denken, dem zuerst der Außenwelt zugekehrten Teile des menschlichen Geistes, erscheint. Leib, Seele und Geist — bei dem griechischen Geiste treten sie als der dreigliedrige Mensch auf —, sie spielen ihre große Rolle durch das ganze Zeitalter der Philosophie. Es gab eine Zeit, da für die äußere Welt verhüllt waren die Okkultismen, verhüllt waren die Theosophien, und die Menschen sich gehalten hatten an die äußerste Offenbarung, an das, was man Leib, Seele und Geist nennt. Und dieses Zeitalter erstreckt sich bis in unsere Tage hinein; aber die Zeit der Philosophie ist erfüllt. Die Philosophen haben ihr Zeitalter hinter sich gehabt. Das einzige, was heute Philosophie sein kann, ist die Rettung desjenigen im Menschen, an das sich der Hellseher erinnern muß auf der ersten Stufe seiner Entwickelung, ist die Rettung des Ich, des Selbstbewußtseins. Das wird Philosophie begriffen haben müssen. Daher versuchen Sie von diesem Gesichtspunkte aus meine «Philosophie der Freiheit» zu verstehen, wo angeknüpft wird gerade an das, was überleiten muß das philosophische Bewußtsein in die Zeit, die nun kommt, und in der wiederum eintreten muß in die Menschheitsentwickelung das, was ein genaueres Abbild der höheren Dreiheit sein kann als die Philosophie, wo eintreten muß in die Menschheitsentwickelung die Theosophie.
[ 34 ] But there was an interim period when people did not look up to the occult truths that had previously been revealed to them; during that time, people did not understand what we today call ‘theosophy.’ At that time, they held fast to the last revelation, to the final effects of the Higher Trinity—matter, soul, and spirit. And it was from this perspective, which was only uprooted because it did not know the origins of the last revelations, that what actually first emerged six centuries before the Christian era and has persisted to our time arose: what one might call philosophy has emerged. And everywhere you will find that philosophy takes up the thread of the last outer manifestation of the great Trinity, which remains deeply veiled. It sees only the material life spread out before it, which human consciousness chews upon. It does not grasp the ineffable Word, but it can still sense the soul-life of the world when it reveals itself in the human soul as the spoken Word. It does not find the unrevealed Light, but it can sense it, since it appears in its ultimate effect—in human thinking, that part of the human spirit which is first turned toward the external world. Body, soul, and spirit—in the Greek spirit they appear as the threefold human being—play their great role throughout the entire age of philosophy. There was a time when the occult sciences were veiled from the outer world, theosophies were veiled, and people had held fast to the outermost revelation, to what is called body, soul, and spirit. And this age extends right into our own days; but the time of philosophy is fulfilled. The philosophers have had their age behind them. The only thing that can be philosophy today is the salvation of that within the human being which the clairvoyant must remember on the first stage of his development—it is the salvation of the I, of self-consciousness. Philosophy will have had to grasp this. Therefore, try to understand my *Philosophy of Freedom* from this perspective, where the connection is made precisely to that which must lead philosophical consciousness into the age that is now coming, and in which that which can be a more accurate reflection of the higher Trinity than philosophy must once again enter into human development—that is, theosophy must enter into human development.
[ 35 ] So sehen Sie, das Zeitalter der Philosophie hat sich erfüllt. Alter als die Philosophie ist die Theosophie. Die Theosophie wird an die Stelle der Philosophie treten trotz allen Widerspruches. Sie ist sozusagen das, was die längere Phase hat; sie ragt an Dauer über das Zeitalter der Philosophie hinaus. Der Mensch kann vom philosophischen Gesichtspunkte aus nur eine gewisse Zeit hindurch betrachtet werden; länger dauert in Vergangenheit und Zukunft das Zeitalter der Theosophie als das Zeitalter der bloßen Philosophie. Der Mensch kann betrachtet werden von dem Gesichtspunkte der Theosophie. Überragend aber und völlig in das Wesen des Menschen eindringend ist der Okkultismus. Dieser Okkultismus ist dasjenige, was uns mit dem menschlichen Wesen völlig bekannt macht. Denn allen menschlichen Erkenntnissen liegt zugrunde Okkultismus. Okkultismus ist das Älteste und hat das längste Zeitalter. Vor der 'Theosophie war der Okkultismus, nach der Theosophie wird der Okkultismus sein. Vor der Philosophie war die 'Theosophie, nach der Philosophie wird die Theosophie sein.
[ 35 ] As you can see, the age of philosophy has run its course. Theosophy is older than philosophy. Theosophy will take the place of philosophy despite all opposition. It is, so to speak, the one with the longer span; in terms of duration, it extends beyond the age of philosophy. From a philosophical standpoint, humanity can only be viewed over a certain period of time; the age of theosophy extends further into the past and future than the age of mere philosophy. Humanity can be viewed from the standpoint of theosophy. But towering above all and penetrating completely into the essence of humanity is occultism. This occultism is what makes us fully acquainted with the human being. For occultism underlies all human knowledge. Occultism is the oldest and has the longest history. Before theosophy there was occultism; after theosophy there will be occultism. Before philosophy there was theosophy; after philosophy there will be theosophy.
[ 36 ] Sie aber, meine lieben Freunde, versuchen nun unter den anderen Idealen auch dieses zu begreifen, daß Sie berufen sind, zu verstehen, wie das philosophische Ideal, das doch nur für wenige Menschen da war, in unserer Zeit hat einlaufen müssen in ein neues Ideal, in das theosophische Ideal, das für viele Menschen verständlich sein wird, weil aus viel größeren Menschentiefen heraus die Theosophie zum Menschen zu sprechen vermag als abstrakte Philosophie, die abstrakt bleiben muß, weil sie nur einen letzten Abklatsch der menschlichen Urwesenheit und ihrer Dreiheit darbieten kann. Betrachtet man so die Sache, der wir zugetan sind, dann betrachtet man sie in einer weltgeschichtlichen Notwendigkeit; dann fühlt man, was Theosophie der modernen Menschheit sein muß, wie die dreifachen Gesichtspunkte tatsächlich für den Menschen und seine Betrachtung selbst Menschheitsgesichtspunkte sind, die sich nacheinander entwickeln werden. Und da erlangen Sie dann, indem Sie dieses Denken aus Ihrem Kopf in Ihr Herz heruntersinken lassen, da erlangen Sie dann ein Gefühl von dem Wesentlichen und Bedeutungsvollen und Heiligen, was uns die Theosophie sein soll.
[ 36 ] But you, my dear friends, must now strive to grasp, among other ideals, that you are called to understand how the philosophical ideal—which was, after all, meant for only a few people— in our time has had to merge into a new ideal, the theosophical ideal, which will be comprehensible to many people, because theosophy is able to speak to humanity from much greater depths of the human soul than abstract philosophy, which must remain abstract because it can offer only a final reflection of the original human being and its trinity. If one views the matter to which we are devoted in this way, then one views it within a necessity of world history; then one feels what Theosophy must be for modern humanity, how the threefold perspectives are in fact, for humanity and its own contemplation, perspectives of humanity that will develop one after another. And then, as you allow this thought to sink from your head into your heart, you will attain a sense of the essential, the significant, and the sacred—which is what Theosophy is meant to be for us.
