The Gospel of Mark
GA 139
1918
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The Gospel of Mark, tr. SOL
Vorbemerkung zu diesen Vorträgen
Preliminary Remarks on These Lectures
[ 1 ] Leser dieses Vortragszyklus, die nicht miterlebt haben, was sich zur Zeit, als er gehalten worden ist, in der unter der Autorität von Annie Besant lebenden Theosophischen Gesellschaft abgespielt hat, werden vielleicht Anstoß daran nehmen, daß in demselben an vielen Stellen ein polemischer Ton angeschlagen ist, namentlich gegen die von dieser Persönlichkeit geltend gemachte Christusauffassung. Um diesen Ton zu verstehen, muß man ins Auge fassen, daß zu jener Zeit für viele Menschen, zu denen mit diesen Betrachtungen zu sprechen war, die Autorität Annie Besants noch etwas bedeutete und daß der Sprecher seine von ihm nie anders als hier vorgebrachte Christusauffassung zu verteidigen hatte. Jetzt, da diese Kämpfe weit zurückliegen, könnten die polemischen Stellen vielleicht getilgt werden nach mancher Meinung. Allein die gehaltenen Vorträge sollen nach der Meinung der sie Herausgebenden einfach historisch festgehalten werden, wie sie damals gegeben worden sind. Und für manchen könnte es ja auch nicht ohne Interesse sein, gegen welchen allem abendländischen Empfinden zuwiderlaufenden Aberglauben die hier vorgebrachte Christusauffassung zu verteidigen war. Man wird, wenn man die Sache recht ins Auge faßt, wohl auch sehen, daß es sich dem Vortragenden doch nicht um eines der in Weltanschauungsgesellschaften und Sekten üblichen Gezänke dogmatischer Art handelte, sondern um die Geltung dessen, was er vor seinem wissenschaftlichen Gewissen zu verantworten hatte gegen einen aus persönlichen Interessen aufgebrachten Wirrglauben, den man ja gewiß vernünftigen Menschen gegenüber durch seine Absurdität, durch sich selbst gerichtet glauben kann, der aber innerhalb der Theosophischen Gesellschaft damals als etwas dem von dem Vortragenden Vorgebrachten Gleichgeltendes entgegengehalten wurde. In der wirklichen Welt kann eben auch das eine Rolle spielen, was aller Vernunft zuwiderläuft.
[ 1 ] Readers of this series of lectures who did not witness what was taking place at the time it was delivered within the Theosophical Society, which was then under the authority of Annie Besant, may take offense at the fact that in many places it strikes a polemical tone, particularly against the view of Christ advocated by this figure. To understand this tone, one must bear in mind that at that time, for many of the people to whom these reflections were addressed, Annie Besant’s authority still carried some weight, and that the speaker had to defend his conception of Christ, which he never presented in any other way than here. Now that these struggles are long past, some might argue that the polemical passages could perhaps be deleted. However, in the opinion of the editors, the lectures should simply be preserved historically, just as they were delivered at the time. And for some, it might not be without interest to see against which superstitions—contrary to all Western sensibilities—the view of Christ presented here had to be defended. If one considers the matter properly, one will likely also see that the lecturer was not, after all, engaged in the dogmatic squabbles common in ideological societies and sects, but rather about the validity of what he had to answer for before his scientific conscience against a confused belief system stirred up by personal interests—a belief system that one might certainly assume, in the face of reasonable people, to be self-contradictory due to its absurdity, yet which was, within the Theosophical Society at that time, held up as something of equal validity to what the speaker had presented. In the real world, even that which runs counter to all reason can play a role.
[ 2 ] Nun, daß der Vortragende auf seinem seit 1902 geltend gemachten und von hervorragenden Mitgliedern der Gesellschaft vorher durchaus nicht angefochtenen Christusstandpunkte stehenbleiben mußte, hat neben anderen ähnlich schönen Dingen dazu geführt, daß die unter Annie Besants Autorität stehende Theosophische Gesellschaft alle diejenigen Mitglieder ausschloß, die sich wegen der von dem Vortragenden vorgebrachten Gründe zu dem Besantschen Wirrglauben ablehnend verhielten. Die Theosophische Gesellschaft hat sich eben nach den Gepflogenheiten aller Ketzerrichter verhalten in einer Angelegenheit, die auf Seite des Vortragenden weder als dogmatisches Gezänk gedacht noch als solches behandelt worden war. Dieser wollte es nur mit einer sachlichen Auseinandersetzung zu tun haben. Allein es ging eben so, wie es immer geht, wenn sachlich geltend Gemachtes auf den aus persönlichen Interessen geborenen Fanatismus stößt. Nun, die Sache hat dazu geführt, daß die aus der Theosophischen Gesellschaft Ausgeschiedenen zu einer Anthroposophischen Gesellschaft wurden, die seither an Mitgliederzahl zugenommen hat. Und wenn man in Erwägung zieht, was an albernen Verleumdungen namentlich der theosophische Götze Annie Besant, aber auch manche in diesem Götzendienst benebelt Befangene, gegen die Anthroposophische Gesellschaft und gegen den Vortragenden insbesondere in die Welt geschleudert haben, und wenn man manches andere in Betracht zieht, was seither aus dem Schoße dieser Gesellschaft an Produkten «edelster Menschenliebe » aufgestiegen ist, so wird man die Abtrennung der Anthroposophischen Gesellschaft von der Theosophischen als etwas durchaus nicht Übles ansehen können. Und auch mancher Leser dieser Vorträge, der damals an der Abtrennung interessiert war, wird den Niederschlag der Kämpfe, der in den Betrachtungen da und dort auftritt, als ein Dokument aufnehmen bezüglich auf etwas, was aus den damaligen Zusammenhängen heraus, aus denen gesprochen werden mußte, zu begreifen ist, und auch als ein Zeugnis für die mancherlei Schwierigkeiten, die man findet, wenn man etwas aus rein sachlichen Gründen glaubt verteidigen zu müssen. Und wer auch das nicht gelten läßt, der möge Toleranz genug dazu haben, um ohne Groll dasjenige zu überschlagen, wovon er glaubt, daß es ihn nichts angehe, was aber doch für diejenigen, zu denen durch die Vorträge gesprochen worden ist, in der Zeit, da gesprochen wurde, eine gewisse gar nicht zu unterschätzende Bedeutung gehabt hat.
[ 2 ] Well, the fact that the speaker had to stand by his views on Christ—which he had been asserting since 1902 and which had previously not been contested at all by prominent members of the Society—led, among other similarly unfortunate developments, to the Theosophical Society, under Annie Besant’s authority, expelling all those members who, for the reasons put forward by the speaker, took a negative stance toward Besant’s heretical beliefs. The Theosophical Society behaved exactly in accordance with the customs of all inquisitors in a matter that, on the part of the speaker, was neither intended as dogmatic squabbling nor treated as such. He wished only to engage in a factual discussion. But it turned out just as it always does when objective arguments encounter fanaticism born of personal interests. Well, the matter led to those who had left the Theosophical Society forming an Anthroposophical Society, which has since grown in membership. And when one considers the absurd slanders hurled into the world against the Anthroposophical Society—and against the speaker in particular—by the Theosophical idol Annie Besant, as well as by many others blinded by this idolatry, and when one considers many other things that have since emerged from the bosom of this Society as products of “the noblest human love,” then one will be unable to view the separation of the Anthroposophical Society from the Theosophical Society as anything at all bad. And even some readers of these lectures who were interested in the separation at the time will regard the traces of the struggles that appear here and there in the reflections as a document pertaining to something that must be understood in light of the circumstances of that time, from which one had to speak, and also as a testimony to the various difficulties one encounters when one feels compelled to defend something for purely objective reasons. And whoever does not accept even that should have enough tolerance to skip over, without resentment, that which he believes does not concern him, but which nevertheless had a certain significance—one that should not be underestimated—for those to whom the lectures were addressed at the time they were delivered.
Berlin, 1918
Rudolf Steiner
Berlin, 1918
Rudolf Steiner
