The Gospel of Mark
GA 139
18 September 1912, Basel
Translate the original German text into any language:
Versions Available:
Das Markus-Evangelium, 6th ed.
Vierter Vortrag
Vierter Vortrag
[ 1 ] Heute möchte ich zunächst Ihren Blick auf zwei Bilder lenken, die wir aus der menschlichen Evolution der letzten Jahrtausende heraus vor unser geistiges Auge stellen können. Zuerst möchte ich Ihren Blick hinlenken auf etwas, das etwa in der Mitte und gegen das Ende des fünften Jahrhunderts der vorchristlichen Zeitrechnung geschehen ist. Bekannt ist es ja alles; aber wir wollen, wie gesagt, einmal den Blick unserer Seele darauf hinwenden.
[ 1 ] Heute möchte ich zunächst Ihren Blick auf zwei Bilder lenken, die wir aus der menschlichen Evolution der letzten Jahrtausende heraus vor unser geistiges Auge stellen können. Zuerst möchte ich Ihren Blick hinlenken auf etwas, das etwa in der Mitte und gegen das Ende des fünften Jahrhunderts der vorchristlichen Zeitrechnung geschehen ist. Bekannt ist es ja alles; aber wir wollen, wie gesagt, einmal den Blick unserer Seele darauf hinwenden.
[ 2 ] Wir blicken hin, wie der Buddha im Inderlande eine Anzahl von Schülern, eine Anzahl von Jüngern um sich versammelt hatte und wie von dem, was sich da abspielte zwischen dem Buddha und seinen Jüngern, seinen Schülern, jene große, mächtige Bewegung ihren Ausgangspunkt nahm, welche die Jahrhunderte hindurch fortströmte im Orient, mächtige Wellen schlug und unzählbaren Menschen inneres Heil, innere Seelenbefreiung, Erhebung und Menschheitsbewußtsein brachte. Wenn wir charakterisieren wollen, was da geschehen ist, dann brauchen wir sozusagen nur den Hauptinhalt der Buddha-Lehre und des Buddha-Wirkens einmal ins Auge zu fassen.
[ 2 ] Wir blicken hin, wie der Buddha im Inderlande eine Anzahl von Schülern, eine Anzahl von Jüngern um sich versammelt hatte und wie von dem, was sich da abspielte zwischen dem Buddha und seinen Jüngern, seinen Schülern, jene große, mächtige Bewegung ihren Ausgangspunkt nahm, welche die Jahrhunderte hindurch fortströmte im Orient, mächtige Wellen schlug und unzählbaren Menschen inneres Heil, innere Seelenbefreiung, Erhebung und Menschheitsbewußtsein brachte. Wenn wir charakterisieren wollen, was da geschehen ist, dann brauchen wir sozusagen nur den Hauptinhalt der Buddha-Lehre und des Buddha-Wirkens einmal ins Auge zu fassen.
[ 3 ] Leben, so wie es der Mensch auf der Erde vollbringen kann in seiner irdischen Inkarnation, ist Leiden, ist bewirkt dadurch, daß der Mensch durch die Folge seiner Inkarnationen dem Drang unterliegt nach immer neuen Wiederverkörperungen. Erstrebenswertes Ziel ist, sich zu befreien von diesem Drang nach den Wiederverkörperungen, auszulöschen in der Seele alles, was den Trieb hervorruft, in eine physische Inkarnation hineinzudringen, um endlich aufzusteigen zu einem solchen Dasein, in dem die Seele nicht mehr den Drang fühlt, durch physische Sinne, durch physische Organe verbunden zu sein mit dem Dasein, aufzusteigen, wie man das so nennt, zum Nirwana.
[ 3 ] Leben, so wie es der Mensch auf der Erde vollbringen kann in seiner irdischen Inkarnation, ist Leiden, ist bewirkt dadurch, daß der Mensch durch die Folge seiner Inkarnationen dem Drang unterliegt nach immer neuen Wiederverkörperungen. Erstrebenswertes Ziel ist, sich zu befreien von diesem Drang nach den Wiederverkörperungen, auszulöschen in der Seele alles, was den Trieb hervorruft, in eine physische Inkarnation hineinzudringen, um endlich aufzusteigen zu einem solchen Dasein, in dem die Seele nicht mehr den Drang fühlt, durch physische Sinne, durch physische Organe verbunden zu sein mit dem Dasein, aufzusteigen, wie man das so nennt, zum Nirwana.
[ 4 ] Das ist die große Lehre, die den Lippen des Buddha entströmte, daß Leben Leiden sei und daß der Mensch die Mittel finden müsse, um vom Leiden frei zu werden, um teilhaftig werden zu können des Nirwana. Wollen wir einen Ausdruck finden, um in uns geläufigen Begriffen prägnant darzustellen, welcher Impuls in dieser Buddha-Lehre liegt, so könnte man etwa sagen: Buddha lenkte den Blick seiner Schüler durch die Kraft und Gewalt seiner Individualität hin auf das irdische Dasein und versuchte, ihnen aus der unendlichen Fülle seines Mitleides heraus die Mittel zu geben, um ihre Seele mit allem, was in ihr ist, hinaufzutragen aus dem Irdischen in das Himmlische, hinaufzutragen Menschendenken, Menschenphilosophie aus dem Irdischen ins Himmlische.
[ 4 ] Das ist die große Lehre, die den Lippen des Buddha entströmte, daß Leben Leiden sei und daß der Mensch die Mittel finden müsse, um vom Leiden frei zu werden, um teilhaftig werden zu können des Nirwana. Wollen wir einen Ausdruck finden, um in uns geläufigen Begriffen prägnant darzustellen, welcher Impuls in dieser Buddha-Lehre liegt, so könnte man etwa sagen: Buddha lenkte den Blick seiner Schüler durch die Kraft und Gewalt seiner Individualität hin auf das irdische Dasein und versuchte, ihnen aus der unendlichen Fülle seines Mitleides heraus die Mittel zu geben, um ihre Seele mit allem, was in ihr ist, hinaufzutragen aus dem Irdischen in das Himmlische, hinaufzutragen Menschendenken, Menschenphilosophie aus dem Irdischen ins Himmlische.
[ 5 ] Das ist, was wir wie eine Formel hinstellen können, wenn wir prägnant und wirklich bezeichnen wollen den Impuls, der von der großen Predigt von Benares durch Buddha ausgegangen ist. So sehen wir den Buddha Schüler sammeln um sich herum, die ihm treu anhängen. Was erblicken wir in der Seele dieser Jünger? Was wird allmählich ihr Bekenntnis? — daß alles Streben der Menschenseele doch dahin gehen muß, frei zu werden von dem Drange nach Wiedergeburten, frei zu werden von dem Hang zum Sinnensein, Vervollkommnung des Selbstes zu suchen, indem dieses Selbst sich befreit von allem, was es verbindet mit dem Sinnensein, und sich mit alledem zu verbinden, was es zusammenhält mit seinem göttlich-geistigen Ursprunge. Solche Empfindungen lebten in den Schülern des Buddha: frei werden von allen Anfechtungen des Lebens, zusammenhängen mit der Welt nur mit dem ins Spirituelle hineinleuchtenden Empfinden der Seele, das man im Mitleid erlebt, selbst aber aufgehen im Streben nach der geistigen Vervollkommnung, bedürfnislos werden, möglichst wenig zusammenhängen mit dem, was den äußeren Menschen mit dem Dasein verbindet. So wandelten diese Buddha-Schüler durch die Welt, so erblickten sie den Zweck und das Ziel ihrer Buddha-Schülerschaft.
[ 5 ] Das ist, was wir wie eine Formel hinstellen können, wenn wir prägnant und wirklich bezeichnen wollen den Impuls, der von der großen Predigt von Benares durch Buddha ausgegangen ist. So sehen wir den Buddha Schüler sammeln um sich herum, die ihm treu anhängen. Was erblicken wir in der Seele dieser Jünger? Was wird allmählich ihr Bekenntnis? — daß alles Streben der Menschenseele doch dahin gehen muß, frei zu werden von dem Drange nach Wiedergeburten, frei zu werden von dem Hang zum Sinnensein, Vervollkommnung des Selbstes zu suchen, indem dieses Selbst sich befreit von allem, was es verbindet mit dem Sinnensein, und sich mit alledem zu verbinden, was es zusammenhält mit seinem göttlich-geistigen Ursprunge. Solche Empfindungen lebten in den Schülern des Buddha: frei werden von allen Anfechtungen des Lebens, zusammenhängen mit der Welt nur mit dem ins Spirituelle hineinleuchtenden Empfinden der Seele, das man im Mitleid erlebt, selbst aber aufgehen im Streben nach der geistigen Vervollkommnung, bedürfnislos werden, möglichst wenig zusammenhängen mit dem, was den äußeren Menschen mit dem Dasein verbindet. So wandelten diese Buddha-Schüler durch die Welt, so erblickten sie den Zweck und das Ziel ihrer Buddha-Schülerschaft.
[ 6 ] Und wenn wir die Jahrhunderte, in denen der Buddhismus sich ausbreitet, verfolgen und uns fragen: Was lebte in dem sich fortpflanzenden Buddhismus, was lebte in den Seelen, in den Herzen seiner Anhänger? — so erhalten wir zur Antwort: Diese Menschen waren hohen Zielen zugewendet; aber in der Mitte all ihres Denkens, Fühlens und Empfindens lebte die große Gestalt des Buddha, lebte der Hinblick auf alles, was er gesagt hat in so hinreißenden, bedeutungsvollen Worten über die Befreiung von dem Leid des Lebens. In der Mitte alles Denkens und Empfindens lebte die umfassende, die umspannende, mächtige Autorität des Buddha in den Herzen seiner Schüler, in den Herzen seiner Nachfolger in den Jahrhunderten. Was der Buddha gesagt hat, es galt diesen Schülern, diesen Nachfolgern als heiliges Wort.
[ 6 ] Und wenn wir die Jahrhunderte, in denen der Buddhismus sich ausbreitet, verfolgen und uns fragen: Was lebte in dem sich fortpflanzenden Buddhismus, was lebte in den Seelen, in den Herzen seiner Anhänger? — so erhalten wir zur Antwort: Diese Menschen waren hohen Zielen zugewendet; aber in der Mitte all ihres Denkens, Fühlens und Empfindens lebte die große Gestalt des Buddha, lebte der Hinblick auf alles, was er gesagt hat in so hinreißenden, bedeutungsvollen Worten über die Befreiung von dem Leid des Lebens. In der Mitte alles Denkens und Empfindens lebte die umfassende, die umspannende, mächtige Autorität des Buddha in den Herzen seiner Schüler, in den Herzen seiner Nachfolger in den Jahrhunderten. Was der Buddha gesagt hat, es galt diesen Schülern, diesen Nachfolgern als heiliges Wort.
[ 7 ] Woher kam es, daß den Buddha-Schülern und -Nachfolgern diese Buddha-Worte wie eine Botschaft vom Himmel selbst galten? Der Grund dafür war der, daß diese Schüler und Nachfolger in dem Glauben, in dem Bekenntnis lebten, daß damals in dem Ereignis unter dem Bodhibaum in der Seele des Buddha aufgeleuchtet ist die wahre Erkenntnis vom Weltendasein, hereingeleuchtet hat das Licht, die Sonne des Alls, und daß daher, was aus seinem Munde kommt, selbst zu gelten hat wie ein Ausspruch der Geister des Alls. Auf diese Stimmung, wie sie lebte in den Herzen der Buddha-Schüler, der Buddha-Nachfolger, kommt es an, auf das Heilige dieser Stimmung, auf das Einzigartige, auf das Charakteristische dieser Stimmung. Wir wollen das alles vor unser geistiges Auge hinstellen, um verstehen zu lernen, was da geschah ein halbes Jahrtausend vor dem Mysterium von Golgatha.
[ 7 ] Woher kam es, daß den Buddha-Schülern und -Nachfolgern diese Buddha-Worte wie eine Botschaft vom Himmel selbst galten? Der Grund dafür war der, daß diese Schüler und Nachfolger in dem Glauben, in dem Bekenntnis lebten, daß damals in dem Ereignis unter dem Bodhibaum in der Seele des Buddha aufgeleuchtet ist die wahre Erkenntnis vom Weltendasein, hereingeleuchtet hat das Licht, die Sonne des Alls, und daß daher, was aus seinem Munde kommt, selbst zu gelten hat wie ein Ausspruch der Geister des Alls. Auf diese Stimmung, wie sie lebte in den Herzen der Buddha-Schüler, der Buddha-Nachfolger, kommt es an, auf das Heilige dieser Stimmung, auf das Einzigartige, auf das Charakteristische dieser Stimmung. Wir wollen das alles vor unser geistiges Auge hinstellen, um verstehen zu lernen, was da geschah ein halbes Jahrtausend vor dem Mysterium von Golgatha.
[ 8 ] Und jetzt blicken wir auf ein anderes Bild der Weltgeschichte. Für die langen Zeiten der Menschheitsevolution ist das, was ungefähr um ein Jahrhundert auseinanderliegt, wahrhaftig gleichzeitig zu nennen. Da kommt ein Jahrhundert nicht in Betracht, wenn es sich um die Jahrtausende und aber Jahrtausende der Menschheitsevolution handelt. Deshalb können wir sagen: Wenn auch das Bild, das wir jetzt vor unsere Seele stellen wollen, zwar um ein Jahrhundert später anzusetzen ist, so ist es für die Menschheitsentwickelung doch fast gleichzeitig mit dem Ereignis, das wir eben als das Buddha-Ereignis gekennzeichnet haben.
[ 8 ] Und jetzt blicken wir auf ein anderes Bild der Weltgeschichte. Für die langen Zeiten der Menschheitsevolution ist das, was ungefähr um ein Jahrhundert auseinanderliegt, wahrhaftig gleichzeitig zu nennen. Da kommt ein Jahrhundert nicht in Betracht, wenn es sich um die Jahrtausende und aber Jahrtausende der Menschheitsevolution handelt. Deshalb können wir sagen: Wenn auch das Bild, das wir jetzt vor unsere Seele stellen wollen, zwar um ein Jahrhundert später anzusetzen ist, so ist es für die Menschheitsentwickelung doch fast gleichzeitig mit dem Ereignis, das wir eben als das Buddha-Ereignis gekennzeichnet haben.
[ 9 ] Im fünften Jahrhundert der vorchristlichen Zeitrechnung sehen wir eine andere Individualität im alten Griechenland allmählich Schüler und Anhänger um sich sammeln. Wieder ist die Tatsache hinlänglich bekannt. Aber um zum Verständnis der Entwickelung der letzten Jahrhunderte zu kommen, ist es gut, das Bild dieser Individualität vor sich hinzustellen. Wir sehen Sokrates im alten Griechenland Schüler um sich sammeln. Und man braucht, um Sokrates in diesem Zusammenhange nennen zu dürfen, nur das Bild in Erwägung zu ziehen, das der große Philosoph Plato von Sokrates entworfen hat und das doch auch im wesentlichen durch den großen Philosophen Aristoteles bestätigt scheint. Man braucht nur in Erwägung zu ziehen, daß Plato in einer so eindringlichen Weise das Bild des Sokrates entworfen hat, und man kann dann auch sagen: Von Sokrates ging eine Bewegung im Abendlande aus. Und wer den ganzen Charakter der Kulturentwickelung des Abendlandes ins Auge faßt, der wird darauf kommen, daß einschneidend war für alles Abendländische dasjenige, was man das sokratische Element nennen kann. Wenn auch dieses sokratische Element im Abendlande subtiler durch die Wogen der Weltgeschichte sich fortpflanzt als das buddhistische Element im Morgenlande, so kann man die Parallele doch ziehen zwischen Sokrates und Buddha. Aber in einer eigentümlichen Weise müssen wir anders charakterisieren die Schüler- und die Jüngerschaft des Sokrates als die Schüler- und die Jüngerschaft des Buddha. Man möchte sagen: Alles, was charakteristisch Abendland und Morgenland unterscheidet, es tritt einem entgegen, wenn man diesen Grundunterschied Buddha — Sokrates ins Auge faßt.
[ 9 ] Im fünften Jahrhundert der vorchristlichen Zeitrechnung sehen wir eine andere Individualität im alten Griechenland allmählich Schüler und Anhänger um sich sammeln. Wieder ist die Tatsache hinlänglich bekannt. Aber um zum Verständnis der Entwickelung der letzten Jahrhunderte zu kommen, ist es gut, das Bild dieser Individualität vor sich hinzustellen. Wir sehen Sokrates im alten Griechenland Schüler um sich sammeln. Und man braucht, um Sokrates in diesem Zusammenhange nennen zu dürfen, nur das Bild in Erwägung zu ziehen, das der große Philosoph Plato von Sokrates entworfen hat und das doch auch im wesentlichen durch den großen Philosophen Aristoteles bestätigt scheint. Man braucht nur in Erwägung zu ziehen, daß Plato in einer so eindringlichen Weise das Bild des Sokrates entworfen hat, und man kann dann auch sagen: Von Sokrates ging eine Bewegung im Abendlande aus. Und wer den ganzen Charakter der Kulturentwickelung des Abendlandes ins Auge faßt, der wird darauf kommen, daß einschneidend war für alles Abendländische dasjenige, was man das sokratische Element nennen kann. Wenn auch dieses sokratische Element im Abendlande subtiler durch die Wogen der Weltgeschichte sich fortpflanzt als das buddhistische Element im Morgenlande, so kann man die Parallele doch ziehen zwischen Sokrates und Buddha. Aber in einer eigentümlichen Weise müssen wir anders charakterisieren die Schüler- und die Jüngerschaft des Sokrates als die Schüler- und die Jüngerschaft des Buddha. Man möchte sagen: Alles, was charakteristisch Abendland und Morgenland unterscheidet, es tritt einem entgegen, wenn man diesen Grundunterschied Buddha — Sokrates ins Auge faßt.
[ 10 ] Sokrates sammelt seine Schüler um sich herum. Wie fühlt er sich seinen Schülern gegenüber? Man hat seine Kunst, zu seinen Schülern sich zu verhalten, eine geistige Hebammenkunst genannt, weil er das, was die Schüler wissen, was sie lernen sollten, aus den Seelen der Schüler selbst hervorholen wollte. Er stellte seine Fragen so, daß die eigene innere Grundstimmung der Schülerseelen in Bewegung kam, daß er eigentlich nichts den Schülern von sich aus übertrug, sondern alles herausholte aus den Schülern selbst. Das etwas trockene, nüchterne Element, das die sokratische Weltanschauung und Weltanschauungskunst hat, kommt davon her, daß Sokrates eigentlich an die Selbständigkeit, an die ureigene Vernunft jedes Schülers appellierte, wenn er mit seiner Schar in einer etwas anderen Weise, aber doch ähnlich durch die Straßen von Athen ging, wie Buddha mit seinen Schülern die Wege zog. Aber während Buddha verkündete, was er durch die Erleuchtung unter dem Bodhibaum erhalten hatte, und während durch die Jahrhunderte hindurch das wirkte, was er aus der geistigen Welt heraus empfangen hatte und dann wieder auf die Schüler überströmen ließ, so daß in den Schülern fortlebte, was in Buddha gelebt hatte, machte Sokrates nicht den geringsten Anspruch darauf, als «Sokrates» fortzuleben in den Herzen seiner Schüler. Er wollte nicht einmal, wenn er seinen Schülern gegenüberstand, irgend etwas von sich übertragen in die Schülerseelen, sondern er wollte es ihnen selber überlassen, das, was sie hatten, aus sich herauszuholen. Nichts von Sokrates sollte übergehen in die Schülerseelen, gar nichts.
[ 10 ] Sokrates sammelt seine Schüler um sich herum. Wie fühlt er sich seinen Schülern gegenüber? Man hat seine Kunst, zu seinen Schülern sich zu verhalten, eine geistige Hebammenkunst genannt, weil er das, was die Schüler wissen, was sie lernen sollten, aus den Seelen der Schüler selbst hervorholen wollte. Er stellte seine Fragen so, daß die eigene innere Grundstimmung der Schülerseelen in Bewegung kam, daß er eigentlich nichts den Schülern von sich aus übertrug, sondern alles herausholte aus den Schülern selbst. Das etwas trockene, nüchterne Element, das die sokratische Weltanschauung und Weltanschauungskunst hat, kommt davon her, daß Sokrates eigentlich an die Selbständigkeit, an die ureigene Vernunft jedes Schülers appellierte, wenn er mit seiner Schar in einer etwas anderen Weise, aber doch ähnlich durch die Straßen von Athen ging, wie Buddha mit seinen Schülern die Wege zog. Aber während Buddha verkündete, was er durch die Erleuchtung unter dem Bodhibaum erhalten hatte, und während durch die Jahrhunderte hindurch das wirkte, was er aus der geistigen Welt heraus empfangen hatte und dann wieder auf die Schüler überströmen ließ, so daß in den Schülern fortlebte, was in Buddha gelebt hatte, machte Sokrates nicht den geringsten Anspruch darauf, als «Sokrates» fortzuleben in den Herzen seiner Schüler. Er wollte nicht einmal, wenn er seinen Schülern gegenüberstand, irgend etwas von sich übertragen in die Schülerseelen, sondern er wollte es ihnen selber überlassen, das, was sie hatten, aus sich herauszuholen. Nichts von Sokrates sollte übergehen in die Schülerseelen, gar nichts.
[ 11 ] Man kann sich keinen größeren Unterschied denken als den zwischen Buddha und Sokrates. In der Seele des Buddha-Schülers sollte ganz der Buddha leben. In der Seele des Sokrates-Schülers sollte so wenig etwas von Sokrates leben, wie in dem Kinde, das zur Welt kommt, etwas lebt, was von der Hebamme hinzugetan worden ist. So sollte das geistige Element bei den Sokrates-Schülern durch die geistige Hebammenkunst des Sokrates zum Vorschein kommen, den Menschen auf sich selber stellend, aus dem Menschen das hervorholend, was in dem Menschen selber darinnen ist. Das wollte Sokrates. Man könnte diesen Unterschied zwischen Sokrates und Buddha auch noch mit den folgenden Worten charakterisieren. Hätte eine Stimme vom Himmel angeben wollen, was die Buddha-Schüler durch den Buddha haben sollten, so hätte sie wohl sagen können: Entzündet in euch, was in Buddha gelebt hat, damit ihr durch Buddha den Weg zum geistigen Dasein finden könnt! Und wollte man in einer ähnlichen Weise charakterisieren, was Sokrates wollte, so müßte man sagen: Sokrates wollte jedem seiner Schüler zurufen: Werde, was du bist!
[ 11 ] Man kann sich keinen größeren Unterschied denken als den zwischen Buddha und Sokrates. In der Seele des Buddha-Schülers sollte ganz der Buddha leben. In der Seele des Sokrates-Schülers sollte so wenig etwas von Sokrates leben, wie in dem Kinde, das zur Welt kommt, etwas lebt, was von der Hebamme hinzugetan worden ist. So sollte das geistige Element bei den Sokrates-Schülern durch die geistige Hebammenkunst des Sokrates zum Vorschein kommen, den Menschen auf sich selber stellend, aus dem Menschen das hervorholend, was in dem Menschen selber darinnen ist. Das wollte Sokrates. Man könnte diesen Unterschied zwischen Sokrates und Buddha auch noch mit den folgenden Worten charakterisieren. Hätte eine Stimme vom Himmel angeben wollen, was die Buddha-Schüler durch den Buddha haben sollten, so hätte sie wohl sagen können: Entzündet in euch, was in Buddha gelebt hat, damit ihr durch Buddha den Weg zum geistigen Dasein finden könnt! Und wollte man in einer ähnlichen Weise charakterisieren, was Sokrates wollte, so müßte man sagen: Sokrates wollte jedem seiner Schüler zurufen: Werde, was du bist!
[ 12 ] Muß man nicht, wenn man diese zwei Bilder vor die Seele hinstellt, sich sagen: Zwei Entwickelungsströme der Menschheitsevolution stehen da vor uns, zwei Entwickelungsströme, die aber polarisch entgegengesetzt sind? Sie berühren sich in einer gewissen Weise wieder; aber sie berühren sich nur an den äußersten Enden. Man darf die Dinge nicht miteinander vermischen; man muß sie charakterisieren in ihrer Differenzierung und dann aufzeigen, wo immerhin doch eine höhere Einheit ist. Wenn man sich den Buddha einem Schüler gegenübergestellt denkt, so könnte man sagen: Er ist bemüht — Sie werden das aus den Buddha-Reden erkennen —, mit den erhabensten Worten in immer wiederkehrenden Wiederholungen — und die sind notwendig, man kann sie bei der Wiedergabe der Buddha-Reden nicht fortlassen — in der Seele des Jüngers das zu entzünden, was notwendig ist, um ihn hinaufzuführen zu den geistigen Welten mit Hilfe dessen, was er selbst erlebt hat unter dem Bodhibaum. Und so sind die Worte gewählt, daß sie alle klingen von dem Erdentrücktsein wie eine himmlische Kundgebung aus der himmlischen Welt von Lippen, die da sprechen unter dem unmittelbaren Eindruck, der in der Erleuchtung auftrat, und den sie wiedergeben wollen.
[ 12 ] Muß man nicht, wenn man diese zwei Bilder vor die Seele hinstellt, sich sagen: Zwei Entwickelungsströme der Menschheitsevolution stehen da vor uns, zwei Entwickelungsströme, die aber polarisch entgegengesetzt sind? Sie berühren sich in einer gewissen Weise wieder; aber sie berühren sich nur an den äußersten Enden. Man darf die Dinge nicht miteinander vermischen; man muß sie charakterisieren in ihrer Differenzierung und dann aufzeigen, wo immerhin doch eine höhere Einheit ist. Wenn man sich den Buddha einem Schüler gegenübergestellt denkt, so könnte man sagen: Er ist bemüht — Sie werden das aus den Buddha-Reden erkennen —, mit den erhabensten Worten in immer wiederkehrenden Wiederholungen — und die sind notwendig, man kann sie bei der Wiedergabe der Buddha-Reden nicht fortlassen — in der Seele des Jüngers das zu entzünden, was notwendig ist, um ihn hinaufzuführen zu den geistigen Welten mit Hilfe dessen, was er selbst erlebt hat unter dem Bodhibaum. Und so sind die Worte gewählt, daß sie alle klingen von dem Erdentrücktsein wie eine himmlische Kundgebung aus der himmlischen Welt von Lippen, die da sprechen unter dem unmittelbaren Eindruck, der in der Erleuchtung auftrat, und den sie wiedergeben wollen.
[ 13 ] Und wie können wir Sokrates und den Schüler einander gegenübergestellt denken? Sie stehen sich so gegenüber, daß Sokrates dem Schüler sagt, wenn er ihm das Verhältnis des Menschen zum Göttlichen an den einfachsten Vernunfterwägungen des Alltages klarzumachen versucht, wie er denken soll, wie die logischen Zusammenhänge sich verhalten. Überall auf das Nüchternste, Alltäglichste wird der Schüler verwiesen und soll dann anwenden, was er mit der gewöhnlichen Logik erringen kann, auf das, was er sich als Erkenntnis erwerben kann. Nur einmal erscheint einem Sokrates wachsend zu einer solchen Höhe, wo er, man möchte sagen, so spricht wie Buddha zu seinen Schülern. Einmal erscheint er so, als er dem Tode entgegengeht. Da, wo er spricht von der Unsterblichkeit der Seele unmittelbar vor seinem Hinscheiden, da redet er allerdings wie ein höchster Erleuchteter; aber er redet wieder auch so, daß alles, was er sagt, nur verstanden werden kann, wenn man sein ganzes persönliches Erlebnis ins Auge faßt. Deshalb geht es so zu Herzen, spricht uns so in die Seele, wenn wir das Platonische Gespräch über die Unsterblichkeit der Seele ins Auge fassen, wo Sokrates etwa sagt: Habe ich nicht mein ganzes Leben danach gestrebt, durch die Philosophie das zu erringen, was man als Mensch erringen kann, um von der Sinneswelt frei zu werden? Und jetzt, wo meine Seele bald losgelöst sein wird von allem Sinnlichen, sollte sie da nicht freudig eindringen in das seelische Element? Sollte ich da nicht freudig eindringen in das, wonach immer ich innerlich strebte, wenn ich philosophisch strebte?
[ 13 ] Und wie können wir Sokrates und den Schüler einander gegenübergestellt denken? Sie stehen sich so gegenüber, daß Sokrates dem Schüler sagt, wenn er ihm das Verhältnis des Menschen zum Göttlichen an den einfachsten Vernunfterwägungen des Alltages klarzumachen versucht, wie er denken soll, wie die logischen Zusammenhänge sich verhalten. Überall auf das Nüchternste, Alltäglichste wird der Schüler verwiesen und soll dann anwenden, was er mit der gewöhnlichen Logik erringen kann, auf das, was er sich als Erkenntnis erwerben kann. Nur einmal erscheint einem Sokrates wachsend zu einer solchen Höhe, wo er, man möchte sagen, so spricht wie Buddha zu seinen Schülern. Einmal erscheint er so, als er dem Tode entgegengeht. Da, wo er spricht von der Unsterblichkeit der Seele unmittelbar vor seinem Hinscheiden, da redet er allerdings wie ein höchster Erleuchteter; aber er redet wieder auch so, daß alles, was er sagt, nur verstanden werden kann, wenn man sein ganzes persönliches Erlebnis ins Auge faßt. Deshalb geht es so zu Herzen, spricht uns so in die Seele, wenn wir das Platonische Gespräch über die Unsterblichkeit der Seele ins Auge fassen, wo Sokrates etwa sagt: Habe ich nicht mein ganzes Leben danach gestrebt, durch die Philosophie das zu erringen, was man als Mensch erringen kann, um von der Sinneswelt frei zu werden? Und jetzt, wo meine Seele bald losgelöst sein wird von allem Sinnlichen, sollte sie da nicht freudig eindringen in das seelische Element? Sollte ich da nicht freudig eindringen in das, wonach immer ich innerlich strebte, wenn ich philosophisch strebte?
[ 14 ] Wer dieses Gespräch des Sokrates bei Plato im «Phaidon» in seiner ganzen Stimmung erfassen kann, der fühlt sich unmittelbar versetzt in eine Empfindung, wie sie ausgeht von den erhabenen Lehren des Buddha, da, wo dieser zu den Herzen der Buddha-Schüler spricht. Und man kann dann sagen mit Bezug auf das, was der Unterschied, was das polarisch Verschiedene dieser beiden Persönlichkeiten ist: An einem besonderen Punkt erheben sie sich so, daß eine Einheit auch in dem polarisch Verschiedenen hervortritt. Wenn wir den Blick zu Buddha wenden, werden wir finden: Im ganzen sind die Buddha-Reden so, daß man sagen möchte, jene Empfindung, die man dem Gespräch des Sokrates über die Unsterblichkeit der Seele gegenüber hat, man hat sie durch die ganzen Buddha-Reden hindurch. Ich meine jetzt die Stimmung, die Seelenspannung. Das aber, was über die anderen, die sokratischen Reden immer ausgegossen ist, die stets darauf hinausgehen, den Menschen zu seiner eigenen Vernunft zu bringen, man findet es selten, aber zuweilen doch, bei Buddha; es klingt zuweilen durch. Man fühlt förmlich etwas wie ein versetztes sokratisches Gespräch, wenn Buddha einmal dem Schüler Sona klarmachen will, daß es nicht gut ist, bloß im Sinnensein zu verweilen und bloß mit dem sinnlichen Dasein zusammenzuhängen oder sich nur zu kasteien oder nur zu leben wie die alten, sich kasteienden Menschen, sondern daß es gut ist, wenn man den Mittelweg einschlägt. Da steht Buddha dem Schüler Sona gegenüber und spricht zu ihm etwa so: «Sieh einmal, Sona, wirst du gut auf der Laute spielen können, wenn die Saiten der Laute zu schlaff gezogen sind?» «Nein», muß Sona sagen, «ich werde nicht gut auf der Laute spielen können, wenn die Saiten zu schlaff gezogen sind.» «Nun wohl», sagt Buddha zu Sona, «wirst du gut auf der Laute spielen können, wenn die Saiten der Laute zu straff gezogen sind?» «Nein», muß Sona sagen, «ich werde nicht gut auf der Laute spielen können, wenn die Saiten der Laute zu straff gezogen sind.» «Also wann», meint Buddha, «wirst du gut auf der Laute spielen können?» «Wenn die Saiten der Laute weder zu schlaff noch zu straff gespannt sind», antwortet Sona. «Und so», meint Buddha, «ist es auch mit dem Menschen. Der Mensch wird nicht zu allen Erkenntnissen kommen können, wenn er zu stark dem Sinnesleben verfällt; und er wird auch nicht zu allen Erkenntnissen kommen, wenn er sich bloß kasteiend zurückzieht von allem Dasein. Der Mittelweg, den man einschlagen muß bei den gespannten Saiten der Laute, er muß auch eingeschlagen werden in bezug auf die Stimmung der Menschenseele.»
[ 14 ] Wer dieses Gespräch des Sokrates bei Plato im «Phaidon» in seiner ganzen Stimmung erfassen kann, der fühlt sich unmittelbar versetzt in eine Empfindung, wie sie ausgeht von den erhabenen Lehren des Buddha, da, wo dieser zu den Herzen der Buddha-Schüler spricht. Und man kann dann sagen mit Bezug auf das, was der Unterschied, was das polarisch Verschiedene dieser beiden Persönlichkeiten ist: An einem besonderen Punkt erheben sie sich so, daß eine Einheit auch in dem polarisch Verschiedenen hervortritt. Wenn wir den Blick zu Buddha wenden, werden wir finden: Im ganzen sind die Buddha-Reden so, daß man sagen möchte, jene Empfindung, die man dem Gespräch des Sokrates über die Unsterblichkeit der Seele gegenüber hat, man hat sie durch die ganzen Buddha-Reden hindurch. Ich meine jetzt die Stimmung, die Seelenspannung. Das aber, was über die anderen, die sokratischen Reden immer ausgegossen ist, die stets darauf hinausgehen, den Menschen zu seiner eigenen Vernunft zu bringen, man findet es selten, aber zuweilen doch, bei Buddha; es klingt zuweilen durch. Man fühlt förmlich etwas wie ein versetztes sokratisches Gespräch, wenn Buddha einmal dem Schüler Sona klarmachen will, daß es nicht gut ist, bloß im Sinnensein zu verweilen und bloß mit dem sinnlichen Dasein zusammenzuhängen oder sich nur zu kasteien oder nur zu leben wie die alten, sich kasteienden Menschen, sondern daß es gut ist, wenn man den Mittelweg einschlägt. Da steht Buddha dem Schüler Sona gegenüber und spricht zu ihm etwa so: «Sieh einmal, Sona, wirst du gut auf der Laute spielen können, wenn die Saiten der Laute zu schlaff gezogen sind?» «Nein», muß Sona sagen, «ich werde nicht gut auf der Laute spielen können, wenn die Saiten zu schlaff gezogen sind.» «Nun wohl», sagt Buddha zu Sona, «wirst du gut auf der Laute spielen können, wenn die Saiten der Laute zu straff gezogen sind?» «Nein», muß Sona sagen, «ich werde nicht gut auf der Laute spielen können, wenn die Saiten der Laute zu straff gezogen sind.» «Also wann», meint Buddha, «wirst du gut auf der Laute spielen können?» «Wenn die Saiten der Laute weder zu schlaff noch zu straff gespannt sind», antwortet Sona. «Und so», meint Buddha, «ist es auch mit dem Menschen. Der Mensch wird nicht zu allen Erkenntnissen kommen können, wenn er zu stark dem Sinnesleben verfällt; und er wird auch nicht zu allen Erkenntnissen kommen, wenn er sich bloß kasteiend zurückzieht von allem Dasein. Der Mittelweg, den man einschlagen muß bei den gespannten Saiten der Laute, er muß auch eingeschlagen werden in bezug auf die Stimmung der Menschenseele.»
[ 15 ] Man darf sagen, dieses Gespräch des Buddha mit dem Schüler Sona könnte ebensogut bei Sokrates stehen, denn so spricht durch Appellieren an die Vernunft Sokrates zu seinen Schülern. Was ich Ihnen eben erzählt habe, ist ein «sokratisches Gespräch», das Buddha mit seinem Schüler Sona führte; aber ein solches Gespräch ist bei Buddha so selten, wie bei Sokrates das «buddhistisch» zu nennende Gespräch über die Unsterblichkeit der Seele, wie er es vor seinem Tode mit seinen Schülern führte, selten ist.
[ 15 ] Man darf sagen, dieses Gespräch des Buddha mit dem Schüler Sona könnte ebensogut bei Sokrates stehen, denn so spricht durch Appellieren an die Vernunft Sokrates zu seinen Schülern. Was ich Ihnen eben erzählt habe, ist ein «sokratisches Gespräch», das Buddha mit seinem Schüler Sona führte; aber ein solches Gespräch ist bei Buddha so selten, wie bei Sokrates das «buddhistisch» zu nennende Gespräch über die Unsterblichkeit der Seele, wie er es vor seinem Tode mit seinen Schülern führte, selten ist.
[ 16 ] Es ist immer nötig zu betonen, daß man zur Wahrheit nur kommt, wenn man in dieser Weise charakterisiert. Es ist leichter zu charakterisieren, wenn man etwa sagen würde: Die Menschheitsevolution geht durch große Führer vorwärts; diese großen Führer verkünden im Grunde genommen immer dasselbe, nur in verschiedenen Formen, und alle einzelnen Menschheitsführer sind in ihren Worten nur Ausgestaltungen des Einen. — Ganz gewiß, wahr ist das schon, aber so trivial als nur möglich. Es kommt darauf an, daß man sich die Mühe gibt, die Dinge zu erkennen, daß man Einheit snd Differenzierung sucht, daß man die Dinge nach ihrer Verschiedenheit charakterisiert und aus dem Verschiedenen erst die höhere Einheit sucht. Diese methodische Bemerkung muß schon einmal gemacht werden deshalb, weil sie ja etwas ist, was in bezug auf geistige Betrachtungen dem Leben überhaupt entspricht. Man kann so leicht sagen: Alle Religionen enthalten nur eines, um sich dann darauf zu verlegen, dieses «Eine » zu charakterisieren und zu sagen: Alle die verschiedenen Religionsstifter haben doch nur verschiedene Ausgestaltungen des Einen gegeben. Aber es ist unendlich trivial, wenn auch dieses Charakterisieren mit noch so schönen Worten geschieht. Man kommt dabei ebensowenig zu etwas, als wenn man zwei solche Gestalten wie Buddha und Sokrates von vornherein bloß nach einer abstrakten Einheit charakterisieren wollte und nicht die polarische Differenzierung suchen würde. Sobald man sie aber auf ihre Gedankenformen zurückführt, werden die Leute bald erkennen, um was es sich handelt. Pfeffer und Salz, Zukker und Paprika sind die Zutaten, die auf dem Tisch stehen für die Speisen; sie sind alle «eins», nämlich Zutaten für die Speisen. Keiner aber wird, weil man sagen kann, diese Dinge sind alle eins, diese einzelnen Zutaten einander gleichstellen und zum Beispiel Pfeffer oder Salz statt Zucker in den Kaffee streuen wollen. Was man so im Leben nicht hinnehmen kann, das sollte man auch im Geistigen nicht hinnehmen. Man sollte es nicht hinnehmen, wenn gesagt wird, Krishna oder Zarathustra, Orpheus oder Hermes seien im Grunde genommen nur verschiedene Ausgestaltungen des «Einen ». Das ist nicht mehr wert für eine ernsthafte und wahrhafte Charakterisierung, als wenn man sagte: Pfeffer und Salz, Zucker und Paprika sind alle verschiedene Ausgestaltungen der einen Wesenheit, der Zutaten zu den Speisen. Es kommt darauf an, daß man solche methodischen Dinge wirklich versteht und nicht das Bequemere hinnimmt für das Wahrhaftige.
[ 16 ] Es ist immer nötig zu betonen, daß man zur Wahrheit nur kommt, wenn man in dieser Weise charakterisiert. Es ist leichter zu charakterisieren, wenn man etwa sagen würde: Die Menschheitsevolution geht durch große Führer vorwärts; diese großen Führer verkünden im Grunde genommen immer dasselbe, nur in verschiedenen Formen, und alle einzelnen Menschheitsführer sind in ihren Worten nur Ausgestaltungen des Einen. — Ganz gewiß, wahr ist das schon, aber so trivial als nur möglich. Es kommt darauf an, daß man sich die Mühe gibt, die Dinge zu erkennen, daß man Einheit snd Differenzierung sucht, daß man die Dinge nach ihrer Verschiedenheit charakterisiert und aus dem Verschiedenen erst die höhere Einheit sucht. Diese methodische Bemerkung muß schon einmal gemacht werden deshalb, weil sie ja etwas ist, was in bezug auf geistige Betrachtungen dem Leben überhaupt entspricht. Man kann so leicht sagen: Alle Religionen enthalten nur eines, um sich dann darauf zu verlegen, dieses «Eine » zu charakterisieren und zu sagen: Alle die verschiedenen Religionsstifter haben doch nur verschiedene Ausgestaltungen des Einen gegeben. Aber es ist unendlich trivial, wenn auch dieses Charakterisieren mit noch so schönen Worten geschieht. Man kommt dabei ebensowenig zu etwas, als wenn man zwei solche Gestalten wie Buddha und Sokrates von vornherein bloß nach einer abstrakten Einheit charakterisieren wollte und nicht die polarische Differenzierung suchen würde. Sobald man sie aber auf ihre Gedankenformen zurückführt, werden die Leute bald erkennen, um was es sich handelt. Pfeffer und Salz, Zukker und Paprika sind die Zutaten, die auf dem Tisch stehen für die Speisen; sie sind alle «eins», nämlich Zutaten für die Speisen. Keiner aber wird, weil man sagen kann, diese Dinge sind alle eins, diese einzelnen Zutaten einander gleichstellen und zum Beispiel Pfeffer oder Salz statt Zucker in den Kaffee streuen wollen. Was man so im Leben nicht hinnehmen kann, das sollte man auch im Geistigen nicht hinnehmen. Man sollte es nicht hinnehmen, wenn gesagt wird, Krishna oder Zarathustra, Orpheus oder Hermes seien im Grunde genommen nur verschiedene Ausgestaltungen des «Einen ». Das ist nicht mehr wert für eine ernsthafte und wahrhafte Charakterisierung, als wenn man sagte: Pfeffer und Salz, Zucker und Paprika sind alle verschiedene Ausgestaltungen der einen Wesenheit, der Zutaten zu den Speisen. Es kommt darauf an, daß man solche methodischen Dinge wirklich versteht und nicht das Bequemere hinnimmt für das Wahrhaftige.
[ 17 ] Wenn man diese zwei Gestalten sich vor Augen führt, Buddha und Sokrates, so erscheinen sie uns wie zwei verschiedene, polarisch entgegengesetzte Ausgestaltungen der menschheitlichen Evolutionsströmung. Und indem wir nun diese beiden wieder, wie wir gezeigt haben, in einer höheren Einheit verbinden, können wir ein Drittes hinzufügen, bei dem wir es auch mit einer großen Individualität zu tun haben, um die sich Schüler und Jünger versammeln: den Christus Jesus. Wenn wir von diesen Schülern und Jüngern, die sich um ihn versammeln, zunächst seine nächsten Schüler, die Zwölf, ins Auge fassen, so sagt uns insbesondere auch das Markus-Evangelium über das Verhältnis des Meisters zu seinen Schülern mit aller Deutlichkeit etwas, wie wir es eben charakterisiert haben auf einem anderen Gebiet bei Buddha und Sokrates, mit aller möglichen Deutlichkeit. Und der deutlichste Ausdruck, der prägnanteste, der zusammengezogenste Ausdruck, welcher ist es? Es ist der, der uns das Folgende sagt. Der Christus tritt — es wird uns das mehrmals angedeutet — der Menge gegenüber, die ihn hören will. Er spricht zu dieser Menge, spricht zu ihr, wie das Evangelium sagt, in Gleichnissen oder in Bildern. Er deutet das wird ja auch im Evangelium des Markus so großartig und einfach dargestellt — gewisse tief bedeutungsvolle Tatbestände des Weltgeschehens und der Menschheitsentwickelung der Menge an durch Gleichnisse, durch Bilder. Und es wird dann gesagt: Wenn er mit seinen intimen Schülern allein war, so legte er ihnen diese Bilder aus. Es wird uns auch einmal im Markus-Evangelium ein besonderes Beispiel gegeben, wie im Bilde zu der Menge gesprochen wird und wie dann das den intimen Schülern ausgelegt wird.
[ 17 ] Wenn man diese zwei Gestalten sich vor Augen führt, Buddha und Sokrates, so erscheinen sie uns wie zwei verschiedene, polarisch entgegengesetzte Ausgestaltungen der menschheitlichen Evolutionsströmung. Und indem wir nun diese beiden wieder, wie wir gezeigt haben, in einer höheren Einheit verbinden, können wir ein Drittes hinzufügen, bei dem wir es auch mit einer großen Individualität zu tun haben, um die sich Schüler und Jünger versammeln: den Christus Jesus. Wenn wir von diesen Schülern und Jüngern, die sich um ihn versammeln, zunächst seine nächsten Schüler, die Zwölf, ins Auge fassen, so sagt uns insbesondere auch das Markus-Evangelium über das Verhältnis des Meisters zu seinen Schülern mit aller Deutlichkeit etwas, wie wir es eben charakterisiert haben auf einem anderen Gebiet bei Buddha und Sokrates, mit aller möglichen Deutlichkeit. Und der deutlichste Ausdruck, der prägnanteste, der zusammengezogenste Ausdruck, welcher ist es? Es ist der, der uns das Folgende sagt. Der Christus tritt — es wird uns das mehrmals angedeutet — der Menge gegenüber, die ihn hören will. Er spricht zu dieser Menge, spricht zu ihr, wie das Evangelium sagt, in Gleichnissen oder in Bildern. Er deutet das wird ja auch im Evangelium des Markus so großartig und einfach dargestellt — gewisse tief bedeutungsvolle Tatbestände des Weltgeschehens und der Menschheitsentwickelung der Menge an durch Gleichnisse, durch Bilder. Und es wird dann gesagt: Wenn er mit seinen intimen Schülern allein war, so legte er ihnen diese Bilder aus. Es wird uns auch einmal im Markus-Evangelium ein besonderes Beispiel gegeben, wie im Bilde zu der Menge gesprochen wird und wie dann das den intimen Schülern ausgelegt wird.
«Und er lehrte sie viel in Gleichnissen und sagte zu ihnen in seiner Lehre:
Höret! Siehe, es ging der Säemann aus zu säen.
Und es geschah, da er säete, fiel das eine an den Weg; und es kamen die Vögel und fraßen es auf.
Und anderes fiel auf das steinige Land, wo es nicht viel Boden hatte, und schoß alsbald auf, weil es nicht tief im Boden lag.
Und als die Sonne aufging, ward es versengt und verdorrte, weil es keine Wurzel hatte.
Und anderes fiel in die Dornen; und die Dornen gingen auf und erstickten es, und es gab keine Frucht.
Und anderes fiel in das gute Land und brachte Frucht, die aufging und wuchs und trug dreißigfach und sechzigfach und hundertfach.
Und er sagte: Wer Ohren hat zu hören, der höre!
Und als er allein war, fragten ihn seine Umgebung samt den Zwölfen um die Gleichnisse.» (4, 2-10.)
«Und er lehrte sie viel in Gleichnissen und sagte zu ihnen in seiner Lehre:
Höret! Siehe, es ging der Säemann aus zu säen.
Und es geschah, da er säete, fiel das eine an den Weg; und es kamen die Vögel und fraßen es auf.
Und anderes fiel auf das steinige Land, wo es nicht viel Boden hatte, und schoß alsbald auf, weil es nicht tief im Boden lag.
Und als die Sonne aufging, ward es versengt und verdorrte, weil es keine Wurzel hatte.
Und anderes fiel in die Dornen; und die Dornen gingen auf und erstickten es, und es gab keine Frucht.
Und anderes fiel in das gute Land und brachte Frucht, die aufging und wuchs und trug dreißigfach und sechzigfach und hundertfach.
Und er sagte: Wer Ohren hat zu hören, der höre!
Und als er allein war, fragten ihn seine Umgebung samt den Zwölfen um die Gleichnisse.» (4, 2-10.)
[ 18 ] Und so spricht er zu seinen intimeren Schülern:
[ 18 ] Und so spricht er zu seinen intimeren Schülern:
«Der Säemann säet das Wort.
Das aber sind die am Wege: wo das Wort gesäet wird, und wenn sie es hören, kommt alsbald der Satan und nimmt das Wort weg, das unter sie gesäet ist.
Und desgleichen wo auf das steinige Land gesäet wird, das sind die, die, wenn sie das Wort hören, es alsbald mit Freuden annehmen,
und haben keine Wurzel in sich, sondern sind Kinder des Augenblicks; dann, wenn Drangsal kommt oder Verfolgung um des Wortes willen, nehmen sie alsbald Anstoß.
Und dagegen wo unter die Dornen gesäet wird, das sind die, welche das Wort gehört haben,
und die Sorgen der Welt und der Trug des Reichtums und was sonst Lüste sind, kommen darein und ersticken das Wort, und es bleibt ohne Frucht.
Und dort, wo auf das gute Land gesäet wird, das sind diejenigen, die das Wort hören und annehmen und Frucht bringen, dreißig-, sechzig-, hundertfach.» (4, 14-20.)
«Der Säemann säet das Wort.
Das aber sind die am Wege: wo das Wort gesäet wird, und wenn sie es hören, kommt alsbald der Satan und nimmt das Wort weg, das unter sie gesäet ist.
Und desgleichen wo auf das steinige Land gesäet wird, das sind die, die, wenn sie das Wort hören, es alsbald mit Freuden annehmen,
und haben keine Wurzel in sich, sondern sind Kinder des Augenblicks; dann, wenn Drangsal kommt oder Verfolgung um des Wortes willen, nehmen sie alsbald Anstoß.
Und dagegen wo unter die Dornen gesäet wird, das sind die, welche das Wort gehört haben,
und die Sorgen der Welt und der Trug des Reichtums und was sonst Lüste sind, kommen darein und ersticken das Wort, und es bleibt ohne Frucht.
Und dort, wo auf das gute Land gesäet wird, das sind diejenigen, die das Wort hören und annehmen und Frucht bringen, dreißig-, sechzig-, hundertfach.» (4, 14-20.)
[ 19 ] Hier haben wir den vollständigen Typus dafür, wie der Christus Jesus lehrte. Von Buddha wird uns gesagt, wie er lehrte, und von Sokrates wird uns gesagt, wie er lehrte. Von Buddha können wir in unserer abendländischen Sprache sagen: Er brachte, was die Menschen im Irdischen erleben, zum Himmlischen hinauf. Auf Sokrates hat man oft das Wort angewendet, daß man seine ganze Tendenz richtig kennzeichnet, wenn man sagt: Er brachte die Philosophie vom Himmel auf die Erde herunter, weil er an die unmittelbare Erdenvernunft appellierte. Man kann sich deutlich ein Bild davon machen, wie diese beiden Individualitäten zu ihren Schülern standen.
[ 19 ] Hier haben wir den vollständigen Typus dafür, wie der Christus Jesus lehrte. Von Buddha wird uns gesagt, wie er lehrte, und von Sokrates wird uns gesagt, wie er lehrte. Von Buddha können wir in unserer abendländischen Sprache sagen: Er brachte, was die Menschen im Irdischen erleben, zum Himmlischen hinauf. Auf Sokrates hat man oft das Wort angewendet, daß man seine ganze Tendenz richtig kennzeichnet, wenn man sagt: Er brachte die Philosophie vom Himmel auf die Erde herunter, weil er an die unmittelbare Erdenvernunft appellierte. Man kann sich deutlich ein Bild davon machen, wie diese beiden Individualitäten zu ihren Schülern standen.
[ 20 ] Wie stand nun der Christus Jesus zu seinen Schülern? Er stand anders zur Menge: die lehrte er in Gleichnissen; und er stand anders zu seinen Schülern, die mit ihm intimer waren: denen legte er die Gleichnisse aus, indem er ihnen das sagte, was sie einsehen konnten, was unmittelbar für das Ergreifen durch die menschliche Vernunft nahelag. Komplizierter also muß man sprechen, wenn man die Lehrweise des Christus Jesus charakterisieren will. Ein Charakterzug, der allen Buddha-Lehren gemeinsam ist, charakterisiert die Buddha-Lehren; daher haben wir auch nur eine Art bei den Schülern, welche unmittelbar zum Buddha gehören. Einerlei nur sind auch des Sokrates Schüler, denn es kann die ganze Welt Sokrates’ Schülerschaft bilden, weil Sokrates nichts will, als herausholen, was in der Menschenseele liegt; und wiederum auch nur in einerlei Weise steht Sokrates zu seinen Schülern. In zweierlei Weise steht der Christus Jesus da: anders zu seinen intimen Schülern, anders zur Menge. Was hat es damit für eine Bewandtnis?
[ 20 ] Wie stand nun der Christus Jesus zu seinen Schülern? Er stand anders zur Menge: die lehrte er in Gleichnissen; und er stand anders zu seinen Schülern, die mit ihm intimer waren: denen legte er die Gleichnisse aus, indem er ihnen das sagte, was sie einsehen konnten, was unmittelbar für das Ergreifen durch die menschliche Vernunft nahelag. Komplizierter also muß man sprechen, wenn man die Lehrweise des Christus Jesus charakterisieren will. Ein Charakterzug, der allen Buddha-Lehren gemeinsam ist, charakterisiert die Buddha-Lehren; daher haben wir auch nur eine Art bei den Schülern, welche unmittelbar zum Buddha gehören. Einerlei nur sind auch des Sokrates Schüler, denn es kann die ganze Welt Sokrates’ Schülerschaft bilden, weil Sokrates nichts will, als herausholen, was in der Menschenseele liegt; und wiederum auch nur in einerlei Weise steht Sokrates zu seinen Schülern. In zweierlei Weise steht der Christus Jesus da: anders zu seinen intimen Schülern, anders zur Menge. Was hat es damit für eine Bewandtnis?
[ 21 ] Wenn man erkennen will, welche Bewandtnis es damit hat, so muß man sich einmal den ganzen Werdewendepunkt der Zeiten klarmachen, der da steht vor unserer Seele für die Zeit des Mysteriums von Golgatha. Die Zeiten gehen zu Ende, in denen das alte Hellsehen allgemeine menschliche Eigenschaft war. Je weiter wir zurückgehen in der Menschheitsevolution, desto mehr kommen wir zu den Zeiten, in denen das alte Hellsehen allgemeines Menschengut war, wo die Menschen in die geistigen Welten hineingesehen haben. Wie haben sie hineingesehen? So haben sie hineingesehen, daß ihr Sehen ein Schauen der Weltengeheimnisse in Bildern, in unbewußten oder unterbewußten Imaginationen war, ein traumhaftes Hellsehen in traumhaften Imaginationen, nicht in solchen Vernunftbegriffen, wie sie heute der Mensch sich klarmacht, wenn er erkennen will. Was heute Wissenschaft, aber auch was heute populäres Denken ist, was nüchterne Vernunft und Urteilskraft ist, das war in jenen alten Zeiten nicht vorhanden. Wenn der Mensch der Außenwelt gegenüberstand, so stand er ihr gegenüber, indem er sie sah; aber er zergliederte sie nicht in Begriffe, er hatte keine Logik, er dachte nicht kombinierend über die Dinge. Es ist für den heutigen Menschen sogar schwer, sich das vorzustellen, weil man heute über alles denkt. Aber der alte Mensch hat nicht so gedacht. Er ging an den Dingen vorbei, er sah sie und prägte sich die Bilder ein, und erklärbar war ihm das, wenn er in den Zwischenzuständen zwischen Wachen und Schlafen in seine traumhaft imaginative Welt hineinsah. Da sah er Bilder.
[ 21 ] Wenn man erkennen will, welche Bewandtnis es damit hat, so muß man sich einmal den ganzen Werdewendepunkt der Zeiten klarmachen, der da steht vor unserer Seele für die Zeit des Mysteriums von Golgatha. Die Zeiten gehen zu Ende, in denen das alte Hellsehen allgemeine menschliche Eigenschaft war. Je weiter wir zurückgehen in der Menschheitsevolution, desto mehr kommen wir zu den Zeiten, in denen das alte Hellsehen allgemeines Menschengut war, wo die Menschen in die geistigen Welten hineingesehen haben. Wie haben sie hineingesehen? So haben sie hineingesehen, daß ihr Sehen ein Schauen der Weltengeheimnisse in Bildern, in unbewußten oder unterbewußten Imaginationen war, ein traumhaftes Hellsehen in traumhaften Imaginationen, nicht in solchen Vernunftbegriffen, wie sie heute der Mensch sich klarmacht, wenn er erkennen will. Was heute Wissenschaft, aber auch was heute populäres Denken ist, was nüchterne Vernunft und Urteilskraft ist, das war in jenen alten Zeiten nicht vorhanden. Wenn der Mensch der Außenwelt gegenüberstand, so stand er ihr gegenüber, indem er sie sah; aber er zergliederte sie nicht in Begriffe, er hatte keine Logik, er dachte nicht kombinierend über die Dinge. Es ist für den heutigen Menschen sogar schwer, sich das vorzustellen, weil man heute über alles denkt. Aber der alte Mensch hat nicht so gedacht. Er ging an den Dingen vorbei, er sah sie und prägte sich die Bilder ein, und erklärbar war ihm das, wenn er in den Zwischenzuständen zwischen Wachen und Schlafen in seine traumhaft imaginative Welt hineinsah. Da sah er Bilder.
[ 22 ] Stellen wir uns die Sache konkreter vor. Stellen wir uns vor, der alte Mensch vor vielen, vielen Jahrtausenden hätte seine Umwelt betrachtet. Es wäre ihm aufgefallen, daß da irgendein Lehrer gewesen wäre, der seinen Schülern etwas erklärt hätte. Da hätte sich der alte Mensch hingestellt und zugehört, was für Worte der Lehrer seinem Schüler sagte. Und wenn mehr Schüler dagewesen wären, hätte er zugehört, wie der eine recht inbrünstig die Worte aufnimmt; der andere nimmt sie auch auf, aber er läßt sie bald fallen; ein dritter ist so hingenommen von seinem Egoismus, daß er nicht hinhört. VerstandesmäBig vergleichen hätte der alte Mensch zum Beispiel drei solche Schüler nicht können. Aber wenn er in den Zwischenzuständen zwischen Wachen und Schlafen war, dann kam ihm das Ganze wieder als Bild vor die Seele. Dann hätte er zum Beispiel so etwas sehen können, wie ein Säemann geht, Saat ausstreut — das hätte er wirklich als hellseherisches Bild gesehen —: die eine Saat wirft er in guten Boden, da geht sie gut auf; die zweite Saat wirft er in schlechteren Boden, die dritte in steinigen Boden. Von dem, was in den zweiten Boden fiel, geht weniger auf, und von dem, was in den dritten Boden fiel, gar nichts. Der alte Mensch hätte nicht so gesagt wie der heutige Mensch: Der eine Schüler nimmt die Worte auf, der andere nimmt sie gar nicht auf und so weiter. Aber in den Zwischenzuständen zwischen Wachen und Schlafen sah er das Bild, da sah er die Erklärung. Und anders hätte er nie darüber gesprochen. Hätte man ihn gefragt, wie er sich das Verhältnis des Lehrers zu den Schülern erklärt, so hätte er sein hellseherisches ’Traumbild erzählt. Das war für ihn die Realität, aber auch die Erklärung der Sache. So hätte er gesprochen.
[ 22 ] Stellen wir uns die Sache konkreter vor. Stellen wir uns vor, der alte Mensch vor vielen, vielen Jahrtausenden hätte seine Umwelt betrachtet. Es wäre ihm aufgefallen, daß da irgendein Lehrer gewesen wäre, der seinen Schülern etwas erklärt hätte. Da hätte sich der alte Mensch hingestellt und zugehört, was für Worte der Lehrer seinem Schüler sagte. Und wenn mehr Schüler dagewesen wären, hätte er zugehört, wie der eine recht inbrünstig die Worte aufnimmt; der andere nimmt sie auch auf, aber er läßt sie bald fallen; ein dritter ist so hingenommen von seinem Egoismus, daß er nicht hinhört. VerstandesmäBig vergleichen hätte der alte Mensch zum Beispiel drei solche Schüler nicht können. Aber wenn er in den Zwischenzuständen zwischen Wachen und Schlafen war, dann kam ihm das Ganze wieder als Bild vor die Seele. Dann hätte er zum Beispiel so etwas sehen können, wie ein Säemann geht, Saat ausstreut — das hätte er wirklich als hellseherisches Bild gesehen —: die eine Saat wirft er in guten Boden, da geht sie gut auf; die zweite Saat wirft er in schlechteren Boden, die dritte in steinigen Boden. Von dem, was in den zweiten Boden fiel, geht weniger auf, und von dem, was in den dritten Boden fiel, gar nichts. Der alte Mensch hätte nicht so gesagt wie der heutige Mensch: Der eine Schüler nimmt die Worte auf, der andere nimmt sie gar nicht auf und so weiter. Aber in den Zwischenzuständen zwischen Wachen und Schlafen sah er das Bild, da sah er die Erklärung. Und anders hätte er nie darüber gesprochen. Hätte man ihn gefragt, wie er sich das Verhältnis des Lehrers zu den Schülern erklärt, so hätte er sein hellseherisches ’Traumbild erzählt. Das war für ihn die Realität, aber auch die Erklärung der Sache. So hätte er gesprochen.
[ 23 ] Nun hatte die Menge, die dem Christus Jesus gegenüberstand, von dem alten Hellsehertum zwar nur noch letzte Reste; aber die Seelen waren noch dazu geschickt, zuzuhören, wenn in Bildern gesprochen wurde von dem Hergang des Seins und des Menschheitswerdens. Und wie zu jemand, der sich noch die letzte Erbschaft des alten Hellsehens erhalten hatte und hineingetragen hatte in das gewöhnliche Seelenleben, so sprach der Christus Jesus zur Menge.
[ 23 ] Nun hatte die Menge, die dem Christus Jesus gegenüberstand, von dem alten Hellsehertum zwar nur noch letzte Reste; aber die Seelen waren noch dazu geschickt, zuzuhören, wenn in Bildern gesprochen wurde von dem Hergang des Seins und des Menschheitswerdens. Und wie zu jemand, der sich noch die letzte Erbschaft des alten Hellsehens erhalten hatte und hineingetragen hatte in das gewöhnliche Seelenleben, so sprach der Christus Jesus zur Menge.
[ 24 ] Und welches waren die intimen Schüler? Wir haben gehört, wie sie sich zu den Zwölfen zusammensetzten aus den sieben Söhnen der Makkabäermutter und den fünf Söhnen des Mattathias. Wir haben gehört, wie sie aufgerückt waren durch das ganze althebräische Volk hindurch zu der starken Betonung des unsterblichen Ich. Sie waren die wirklich ersten, die der Christus Jesus sich auswählen konnte, um an das zu appellieren, was in jeder Seele lebt, so lebt, wie es werden sollte zu einem neuen Ausgangspunkt für das Menschenwerden. Zur Menge sprach er, indem er voraussetzte, daß sie das verstehe, was sich als Erbschaft von dem alten Hellsehen erhalten hat; zu seinen Jüngern sprach er so, daß er von ihnen voraussetzen konnte, daß sie die ersten seien, die schon etwas von dem verstehen konnten, wie wir heute von den höheren Welten zu den Menschen sprechen. Es war also durch den ganzen Zeitenwendepunkt geboten, daß der Christus Jesus in verschiedener Weise sprach, wenn er zur Menge sprach und wenn er zu denen sprach, die seine intimen Schüler waren. Mitten hinein in die Menge stellt er sie, die er als die Zwölf an sich zog. Was für die Folgezeit allgemeines Menschengut werden sollte, verstehen, vernunftgemäß verstehen, was sich auf die höheren Welten und auf die Geheimnisse der Menschheitsevolution bezieht, das war die Aufgabe des engeren Schülerkreises des Christus Jesus. Er sprach — nehmen Sie nur das Ganze, was er da sagte bei der Auslegung des Gleichnisses für seine Schüler —, man möchte sagen, auch in sokratischen Worten. Denn das, was er da sprach, das holte er aus jeder Seele selber heraus, nur daß Sokrates sich mehr beschränkte auf die irdischen Verhältnisse, man möchte sagen, auf die gemeine Logik, während der Christus Jesus über die spirituellen Angelegenheiten sprach. Aber er sprach über die spirituellen Angelegenheiten, wenn er zu seinen intimen Schülern sprach, auf sokratische Art. Wenn Buddha zu seinen Schülern sprach, dann sprach er so, daß er ihnen die spirituellen Angelegenheiten klarlegte, aber so klarlegte, wie es die Erleuchtung gibt, wie es also nur der Aufenthalt der Menschenseele in den höheren Welten gibt. Wenn der Christus zur Menge sprach, dann sprach er so, wie es die gewöhnliche Menschenseele in früheren Zeiten in den höheren Welten erlebt hat. Zur Menge sprach er, man möchte sagen, wie ein populärer Buddha; zu seinen intimen Schülern sprach er wie ein höherer Sokrates, wie ein spiritualisierter Sokrates. Sokrates holte die individuelle, irdische Vernunft aus den Seelen seiner Schüler heraus; der Christus holte die himmlische Vernunft aus den Seelen seiner Schüler heraus. Der Buddha gab seinen Schülern die himmlische Erleuchtung; der Christus gab der Menge die irdische Erleuchtung in seinen Gleichnissen.
[ 24 ] Und welches waren die intimen Schüler? Wir haben gehört, wie sie sich zu den Zwölfen zusammensetzten aus den sieben Söhnen der Makkabäermutter und den fünf Söhnen des Mattathias. Wir haben gehört, wie sie aufgerückt waren durch das ganze althebräische Volk hindurch zu der starken Betonung des unsterblichen Ich. Sie waren die wirklich ersten, die der Christus Jesus sich auswählen konnte, um an das zu appellieren, was in jeder Seele lebt, so lebt, wie es werden sollte zu einem neuen Ausgangspunkt für das Menschenwerden. Zur Menge sprach er, indem er voraussetzte, daß sie das verstehe, was sich als Erbschaft von dem alten Hellsehen erhalten hat; zu seinen Jüngern sprach er so, daß er von ihnen voraussetzen konnte, daß sie die ersten seien, die schon etwas von dem verstehen konnten, wie wir heute von den höheren Welten zu den Menschen sprechen. Es war also durch den ganzen Zeitenwendepunkt geboten, daß der Christus Jesus in verschiedener Weise sprach, wenn er zur Menge sprach und wenn er zu denen sprach, die seine intimen Schüler waren. Mitten hinein in die Menge stellt er sie, die er als die Zwölf an sich zog. Was für die Folgezeit allgemeines Menschengut werden sollte, verstehen, vernunftgemäß verstehen, was sich auf die höheren Welten und auf die Geheimnisse der Menschheitsevolution bezieht, das war die Aufgabe des engeren Schülerkreises des Christus Jesus. Er sprach — nehmen Sie nur das Ganze, was er da sagte bei der Auslegung des Gleichnisses für seine Schüler —, man möchte sagen, auch in sokratischen Worten. Denn das, was er da sprach, das holte er aus jeder Seele selber heraus, nur daß Sokrates sich mehr beschränkte auf die irdischen Verhältnisse, man möchte sagen, auf die gemeine Logik, während der Christus Jesus über die spirituellen Angelegenheiten sprach. Aber er sprach über die spirituellen Angelegenheiten, wenn er zu seinen intimen Schülern sprach, auf sokratische Art. Wenn Buddha zu seinen Schülern sprach, dann sprach er so, daß er ihnen die spirituellen Angelegenheiten klarlegte, aber so klarlegte, wie es die Erleuchtung gibt, wie es also nur der Aufenthalt der Menschenseele in den höheren Welten gibt. Wenn der Christus zur Menge sprach, dann sprach er so, wie es die gewöhnliche Menschenseele in früheren Zeiten in den höheren Welten erlebt hat. Zur Menge sprach er, man möchte sagen, wie ein populärer Buddha; zu seinen intimen Schülern sprach er wie ein höherer Sokrates, wie ein spiritualisierter Sokrates. Sokrates holte die individuelle, irdische Vernunft aus den Seelen seiner Schüler heraus; der Christus holte die himmlische Vernunft aus den Seelen seiner Schüler heraus. Der Buddha gab seinen Schülern die himmlische Erleuchtung; der Christus gab der Menge die irdische Erleuchtung in seinen Gleichnissen.
[ 25 ] Ich bitte Sie, nehmen Sie diese drei Bilder: drüben im Ganges-Lande den Buddha mit seinen Schülern — das Gegenbild des Sokrates; drüben in Griechenland den Sokrates mit seinen Schülern — das Gegenbild des Buddha. Und dann diese merkwürdige Synthese, diese merkwürdige Verbindung vier bis fünf Jahrhunderte später. Da haben Sie den gesetzmäßigen Werdegang der Menschheitsevolution an einem der größten Beispiele vor Ihrer Scele stehen.
[ 25 ] Ich bitte Sie, nehmen Sie diese drei Bilder: drüben im Ganges-Lande den Buddha mit seinen Schülern — das Gegenbild des Sokrates; drüben in Griechenland den Sokrates mit seinen Schülern — das Gegenbild des Buddha. Und dann diese merkwürdige Synthese, diese merkwürdige Verbindung vier bis fünf Jahrhunderte später. Da haben Sie den gesetzmäßigen Werdegang der Menschheitsevolution an einem der größten Beispiele vor Ihrer Scele stehen.
[ 26 ] Die Menschheitsevolution geht Schritt für Schritt weiter. Vieles von dem, was auf den ersten Stufen der geisteswissenschaftlichen Erkenntnis die Jahre her angeführt wurde, es könnte manchem vorkommen wie eine Art Theorie, wie eine Art bloßer Lehre. So zum Beispiel haben gewiß viele gedacht, so etwas sei eine bloße Lehre, eine bloße Theorie, wenn davon gesprochen wird, daß die Menschenseele zu denken ist als ein Zusammenwirken von Empfindungsseele, Verstandes- oder Gemütsseele und Bewußtseinsseele. Gewiß, es gibt Leute, die rasch urteilen. Wie haben wir es doch erlebt, daß noch viel rascher geurteilt wird, noch viel rascher, als diejenigen urteilen, die zunächst so etwas, wo gleichsam die ersten Linien gezeichnet werden für eine weitere Entwickelung, für sich als fertig hinnehmen. Es gibt ja auch ganz andere Beurteilungen noch. Es ist schon gut, wenn wir Anthroposophen auch auf die Art aufmerksam gemacht werden, wie man nicht denken sollte.
[ 26 ] Die Menschheitsevolution geht Schritt für Schritt weiter. Vieles von dem, was auf den ersten Stufen der geisteswissenschaftlichen Erkenntnis die Jahre her angeführt wurde, es könnte manchem vorkommen wie eine Art Theorie, wie eine Art bloßer Lehre. So zum Beispiel haben gewiß viele gedacht, so etwas sei eine bloße Lehre, eine bloße Theorie, wenn davon gesprochen wird, daß die Menschenseele zu denken ist als ein Zusammenwirken von Empfindungsseele, Verstandes- oder Gemütsseele und Bewußtseinsseele. Gewiß, es gibt Leute, die rasch urteilen. Wie haben wir es doch erlebt, daß noch viel rascher geurteilt wird, noch viel rascher, als diejenigen urteilen, die zunächst so etwas, wo gleichsam die ersten Linien gezeichnet werden für eine weitere Entwickelung, für sich als fertig hinnehmen. Es gibt ja auch ganz andere Beurteilungen noch. Es ist schon gut, wenn wir Anthroposophen auch auf die Art aufmerksam gemacht werden, wie man nicht denken sollte.
[ 27 ] Manchmal treten einem krasse Beispiele entgegen, wie man nicht denken sollte, wovon aber viele Leute glauben, daß man so denken dürfe. Heute morgen erzählte mir jemand ein niedliches Beispiel von einer sonderbaren Art des Denkens. Ich gebrauche es hier nur als ein Exempel, aber als eines jener Exempel, die wir uns recht gut in die Seele schreiben sollten, weil wir als Anthroposophen nicht nur die Unarten der Welt kennenlernen sollen, sondern tatsächlich etwas zur immer weitergehenden Vervollkommnung der Seele tun sollen. Daher geschicht es nicht aus einem persönlichen Grunde, sondern aus einem allgemeinen spirituellen Grunde, wenn ich das als ein Exempel gebrauche, was mir heute morgen gesagt worden ist.
[ 27 ] Manchmal treten einem krasse Beispiele entgegen, wie man nicht denken sollte, wovon aber viele Leute glauben, daß man so denken dürfe. Heute morgen erzählte mir jemand ein niedliches Beispiel von einer sonderbaren Art des Denkens. Ich gebrauche es hier nur als ein Exempel, aber als eines jener Exempel, die wir uns recht gut in die Seele schreiben sollten, weil wir als Anthroposophen nicht nur die Unarten der Welt kennenlernen sollen, sondern tatsächlich etwas zur immer weitergehenden Vervollkommnung der Seele tun sollen. Daher geschicht es nicht aus einem persönlichen Grunde, sondern aus einem allgemeinen spirituellen Grunde, wenn ich das als ein Exempel gebrauche, was mir heute morgen gesagt worden ist.
[ 28 ] Da wurde erzählt: In einem gewissen Gebiete Europas gibt es einen Herrn, der vor langer Zeit einmal die unzutreffendsten Dinge hat drucken lassen über dasjenige, was in Steiners «Theosophie» gelehrt wird, oder über die Art, wie er sich überhaupt zur spirituellen Bewegung verhält. Nun hat man es heute einer Persönlichkeit vorgeworfen, daß ein Bekannter dieser Persönlichkeit — nämlich dieser eben angeführte Herr — so etwas hat drucken lassen. Was sagte diese Persönlichkeit? «Ja, dieser mein Bekannter fängt jetzt an, in intensivster Weise die Werke von Dr. Steiner zu studieren.» Aber vor Jahren hat er sein Urteil abgegeben, und jetzt wird es als Entschuldigung aufgefaßt, daß er jetztanfängt, die Dinge zu studieren! Das istein unmögliches Denken innerhalb unserer Bewegung. Die zukünftigen Zeiten, die einmal geschichtlich darüber schreiben werden, werden die Frage aufwerfen: Hat es so etwas überhaupt einmal gegeben, daß es jemandem einfällt, nachdem ein Mensch vor Jahren über eine Sache sein Urteil abgegeben hat, entschuldigend zu sagen, er fängt jetzt an, sich mit der Sache bekannt zu machen?
[ 28 ] Da wurde erzählt: In einem gewissen Gebiete Europas gibt es einen Herrn, der vor langer Zeit einmal die unzutreffendsten Dinge hat drucken lassen über dasjenige, was in Steiners «Theosophie» gelehrt wird, oder über die Art, wie er sich überhaupt zur spirituellen Bewegung verhält. Nun hat man es heute einer Persönlichkeit vorgeworfen, daß ein Bekannter dieser Persönlichkeit — nämlich dieser eben angeführte Herr — so etwas hat drucken lassen. Was sagte diese Persönlichkeit? «Ja, dieser mein Bekannter fängt jetzt an, in intensivster Weise die Werke von Dr. Steiner zu studieren.» Aber vor Jahren hat er sein Urteil abgegeben, und jetzt wird es als Entschuldigung aufgefaßt, daß er jetztanfängt, die Dinge zu studieren! Das istein unmögliches Denken innerhalb unserer Bewegung. Die zukünftigen Zeiten, die einmal geschichtlich darüber schreiben werden, werden die Frage aufwerfen: Hat es so etwas überhaupt einmal gegeben, daß es jemandem einfällt, nachdem ein Mensch vor Jahren über eine Sache sein Urteil abgegeben hat, entschuldigend zu sagen, er fängt jetzt an, sich mit der Sache bekannt zu machen?
[ 29 ] Diese Dinge gehören zur anthroposophischen Erziehung, und erst dann kommen wir weiter, wenn wirklich einmal das Urteil allgemein wird, daß solche Dinge unmöglich sein müssen innerhalb der anthroposophischen Bewegung, ganz unmöglich sein müssen. Denn es gehört zur inneren Ehrlichkeit, in dieser Weise gar nicht denken zu können. Man kann ja keinen Schritt machen in der Erkenntnis der Wahrheit, wenn man ein solches Urteil überhaupt noch fällen kann. Und es ist eine Pflicht des Anthroposophen, diese Dinge zu bemerken, nicht lieblos an ihnen vorüberzugehen und über «allgemeine Menschenliebe » zu reden. Es ist im höheren Sinne des Wortes lieblos gegenüber einem Menschen, wenn man ihm so etwas verzeiht. Denn man verurteilt ihn dadurch karmisch zur Wesens- und Bedeutungslosigkeit nach dem Tode. Wenn man ihn auf die Unmöglichkeit eines solchen Urteils aufmerksam macht, erleichtert man ihm sein Dasein nach dem Tode. Das ist die tiefere Bedeutung der Sache.
[ 29 ] Diese Dinge gehören zur anthroposophischen Erziehung, und erst dann kommen wir weiter, wenn wirklich einmal das Urteil allgemein wird, daß solche Dinge unmöglich sein müssen innerhalb der anthroposophischen Bewegung, ganz unmöglich sein müssen. Denn es gehört zur inneren Ehrlichkeit, in dieser Weise gar nicht denken zu können. Man kann ja keinen Schritt machen in der Erkenntnis der Wahrheit, wenn man ein solches Urteil überhaupt noch fällen kann. Und es ist eine Pflicht des Anthroposophen, diese Dinge zu bemerken, nicht lieblos an ihnen vorüberzugehen und über «allgemeine Menschenliebe » zu reden. Es ist im höheren Sinne des Wortes lieblos gegenüber einem Menschen, wenn man ihm so etwas verzeiht. Denn man verurteilt ihn dadurch karmisch zur Wesens- und Bedeutungslosigkeit nach dem Tode. Wenn man ihn auf die Unmöglichkeit eines solchen Urteils aufmerksam macht, erleichtert man ihm sein Dasein nach dem Tode. Das ist die tiefere Bedeutung der Sache.
[ 30 ] So darf es auch hier nicht leichtgenommen werden, wenn einfach zunächst die Wahrheit hingestellt wird: Die menschliche Seele setzt sich zusammen aus den drei Gliedern: Empfindungsseele, Verstandesoder Gemütsseele und Bewußtseinsseele. Es trat ja schon im Laufe der Jahre hervor, daß eine solche Sache eine viel tiefere Bedeutung noch hat als bloß die einer systematischen Einteilung der Seele. Es wurde auseinandergesetzt, daß sich in der nachatlantischen Zeit nach und nach die einzelnen Kultuten entwickelten: die alte indische, die urpersische, die ägyptisch-chaldäische, die griechisch-lateinische und danach die unsrige. Und es wurde gezeigt, daß das Wesentliche der babylonisch-chaldäisch-ägyptischen Kulturperiode darin zu suchen ist, daß damals in Wahrheit des Menschen Empfindungsseele eine besondere Entwickelung durchgemacht hat. Ebenso haben wir in der griechisch-lateinischen Zeit eine besondere Kultur der Verstandes- oder Gemütsseele und in unserer Zeit eine Kultur der Bewußtseinsseele. So stehen wir diesen drei Kulturepochen gegenüber. So wirken sie an der Erziehung und Evolution der Menschenseele selber. Diese drei Seelenglieder sind nicht etwas, was ausspintisiert ist, sondern etwas, was lebendig da ist und sich in den aufeinanderfolgenden Zeiten aufeinanderfolgend entwickelt.
[ 30 ] So darf es auch hier nicht leichtgenommen werden, wenn einfach zunächst die Wahrheit hingestellt wird: Die menschliche Seele setzt sich zusammen aus den drei Gliedern: Empfindungsseele, Verstandesoder Gemütsseele und Bewußtseinsseele. Es trat ja schon im Laufe der Jahre hervor, daß eine solche Sache eine viel tiefere Bedeutung noch hat als bloß die einer systematischen Einteilung der Seele. Es wurde auseinandergesetzt, daß sich in der nachatlantischen Zeit nach und nach die einzelnen Kultuten entwickelten: die alte indische, die urpersische, die ägyptisch-chaldäische, die griechisch-lateinische und danach die unsrige. Und es wurde gezeigt, daß das Wesentliche der babylonisch-chaldäisch-ägyptischen Kulturperiode darin zu suchen ist, daß damals in Wahrheit des Menschen Empfindungsseele eine besondere Entwickelung durchgemacht hat. Ebenso haben wir in der griechisch-lateinischen Zeit eine besondere Kultur der Verstandes- oder Gemütsseele und in unserer Zeit eine Kultur der Bewußtseinsseele. So stehen wir diesen drei Kulturepochen gegenüber. So wirken sie an der Erziehung und Evolution der Menschenseele selber. Diese drei Seelenglieder sind nicht etwas, was ausspintisiert ist, sondern etwas, was lebendig da ist und sich in den aufeinanderfolgenden Zeiten aufeinanderfolgend entwickelt.
[ 31 ] Aber alles muß zusammenhängen. Das Frühere muß immer in das Spätere hinübergenommen werden, und ebenso muß in dem Früheren das Spätere vorausgenommen werden. In welcher Kulturperiode leben Buddha und Sokrates? In der vierten nachatlantischen Epoche. Da stehen sie darinnen, da, wo die Verstandes- oder Gemütsseele besonders zum Ausdruck kommt. Beide haben darin ihre Mission, ihre Aufgabe.
[ 31 ] Aber alles muß zusammenhängen. Das Frühere muß immer in das Spätere hinübergenommen werden, und ebenso muß in dem Früheren das Spätere vorausgenommen werden. In welcher Kulturperiode leben Buddha und Sokrates? In der vierten nachatlantischen Epoche. Da stehen sie darinnen, da, wo die Verstandes- oder Gemütsseele besonders zum Ausdruck kommt. Beide haben darin ihre Mission, ihre Aufgabe.
[ 32 ] Buddha hat die Aufgabe, die Kultur der Empfindungsseele aus der vorhergehenden Epoche, aus der dritten, in die vierte hinein zu bewahren. Was der Buddha verkündet, was die Schüler des Buddha in ihr Herz aufnehmen, das ist das, was herüberleuchten soll aus der dritten nachatlantischen Kulturperiode, welche die Kulturperiode der Empfindungsseele ist, in die vierte, in die Verstandes- oder Gemütsseelenzeit hinein. So daß also die Zeit der Verstandes- oder Gemütsseele, die vierte nachatlantische Kulturperiode, durchwärmt, durchglüht, durchleuchtet wird durch die Buddha-Lehre, durch das, was die noch vom Hellsehen durchzogene Empfindungsseelenzeit hervorgebracht hat. Der große Konservator der Empfindungsseelenkultur hinein in die Kultur der Verstandes- oder Gemütsseele ist der Buddha. — Welche Mission kommt dem etwas später auftretenden Sokrates zu?
[ 32 ] Buddha hat die Aufgabe, die Kultur der Empfindungsseele aus der vorhergehenden Epoche, aus der dritten, in die vierte hinein zu bewahren. Was der Buddha verkündet, was die Schüler des Buddha in ihr Herz aufnehmen, das ist das, was herüberleuchten soll aus der dritten nachatlantischen Kulturperiode, welche die Kulturperiode der Empfindungsseele ist, in die vierte, in die Verstandes- oder Gemütsseelenzeit hinein. So daß also die Zeit der Verstandes- oder Gemütsseele, die vierte nachatlantische Kulturperiode, durchwärmt, durchglüht, durchleuchtet wird durch die Buddha-Lehre, durch das, was die noch vom Hellsehen durchzogene Empfindungsseelenzeit hervorgebracht hat. Der große Konservator der Empfindungsseelenkultur hinein in die Kultur der Verstandes- oder Gemütsseele ist der Buddha. — Welche Mission kommt dem etwas später auftretenden Sokrates zu?
[ 33 ] Sokrates steht ebenso in der Verstandes- oder Gemütsseelenzeit darinnen. Er appelliert an die einzelne Individualität des Menschen, an das, was erst in unserem fünften Kulturzeitalter recht herauskommen kann. Er hat hereinzunehmen in einer noch abstrakten Form die Bewußtseinsseelenzeit in die Zeit der Verstandes- oder Gemütsseele. Buddha bewahrt das Vorhergehende. Daher erscheint das, was er verkündet, wie ein wärmendes, leuchtendes Licht. Sokrates nimmt herein, was für ihn Zukunft ist, was das Charakteristikon der Bewußtseinsseelenzeit ausmacht. Daher erscheint es in seiner Zeit wie ein Nüchternes, wie ein bloß Verstandesmäßiges, wie ein Trockenes.
[ 33 ] Sokrates steht ebenso in der Verstandes- oder Gemütsseelenzeit darinnen. Er appelliert an die einzelne Individualität des Menschen, an das, was erst in unserem fünften Kulturzeitalter recht herauskommen kann. Er hat hereinzunehmen in einer noch abstrakten Form die Bewußtseinsseelenzeit in die Zeit der Verstandes- oder Gemütsseele. Buddha bewahrt das Vorhergehende. Daher erscheint das, was er verkündet, wie ein wärmendes, leuchtendes Licht. Sokrates nimmt herein, was für ihn Zukunft ist, was das Charakteristikon der Bewußtseinsseelenzeit ausmacht. Daher erscheint es in seiner Zeit wie ein Nüchternes, wie ein bloß Verstandesmäßiges, wie ein Trockenes.
[ 34 ] So schieben sich zusammen in dem vierten Kulturzeitraum der dritte, vierte und fünfte; der dritte wird bewahrt durch Buddha, der fünfte wird vorausgenommen durch Sokrates. Abendland und Morgenland sind dazu da, um diese zwei Verschiedenheiten aufzunehmen; das Morgenland, um zu bewahren die Größe der vergangenen Zeit; das Abendland beschäftigt sich damit, in einer früheren Zeit vorauszunehmen, was in späterer Zeit herauskommen soll.
[ 34 ] So schieben sich zusammen in dem vierten Kulturzeitraum der dritte, vierte und fünfte; der dritte wird bewahrt durch Buddha, der fünfte wird vorausgenommen durch Sokrates. Abendland und Morgenland sind dazu da, um diese zwei Verschiedenheiten aufzunehmen; das Morgenland, um zu bewahren die Größe der vergangenen Zeit; das Abendland beschäftigt sich damit, in einer früheren Zeit vorauszunehmen, was in späterer Zeit herauskommen soll.
[ 35 ] Es ist ein gerader Weg von uralten Zeiten der Menschheitsevolution, in welchen der Buddha immer als der Bodhisattya aufgetreten war, bis zu der Zeit, da der Bodhisattva zum Buddha aufgestiegen ist. Es ist eine große, fortlaufende Entwickelung, die ihr Ende findet mit dem Buddha und die auch wirklich dadurch ihr Ende findet, daß der Buddha seine letzte irdische Inkarnation erlebt und nicht mehr auf die Erde herabkommt. Es ist eine große Zeit, die damals ihr Ende findet, indem sie aus uralten Zeiten herüberbrachte, was die Empfindungsseelenkultur der dritten nachatlantischen Kulturepoche war, und diese wieder aufleuchten ließ. Lesen Sie des Buddha Reden von diesem Gesichtspunkte aus, dann werden Sie den richtigen Stimmungsgehalt bekommen, und dann wird für Sie dieses Eintreten der Verstandesoder Gemütsseelenzeit vielleicht noch einen ganz anderen Wert erhalten. Dann werden Sie an die Buddha-Reden gehen und sagen: Dadrinnen ist doch alles so, daß es unmittelbar zum menschlichen Gemüt spricht; aber dahinter ist etwas, was diesem Gemüt sich entzieht und einer höheren Welt angehört. Daher auch jene eigentümliche, für den gewöhnlichen Verstandesmenschen anstößige rhythmische Bewegung in den Wiederholungen der Buddha-Reden, die wir gerade dann zu verstehen beginnen, wenn wir aus dem Physischen ins Ätherische hineinkommen, welches das nächste Übersinnliche hinter dem Sinnlichen ist. Wer da versteht, wie vieles im Ätherleibe wirkt, der hinter dem physischen Leib ist, der versteht auch, warum vieles in den Reden des Buddha sich immer wieder und wieder wiederholt. Das Eigentümliche der Stimmung der Buddha-Reden darf man ihnen nicht nehmen, indem man die Wiederholungen ausschaltet. Abstraktlinge haben es gemacht, haben geglaubt, sie tun etwas Gutes, wenn sie nur den Inhalt herausnehmen und die Wiederholungen meiden. Es kommt aber darauf an, daß man alles so stehen läßt, wie es Buddha gegeben hat.
[ 35 ] Es ist ein gerader Weg von uralten Zeiten der Menschheitsevolution, in welchen der Buddha immer als der Bodhisattya aufgetreten war, bis zu der Zeit, da der Bodhisattva zum Buddha aufgestiegen ist. Es ist eine große, fortlaufende Entwickelung, die ihr Ende findet mit dem Buddha und die auch wirklich dadurch ihr Ende findet, daß der Buddha seine letzte irdische Inkarnation erlebt und nicht mehr auf die Erde herabkommt. Es ist eine große Zeit, die damals ihr Ende findet, indem sie aus uralten Zeiten herüberbrachte, was die Empfindungsseelenkultur der dritten nachatlantischen Kulturepoche war, und diese wieder aufleuchten ließ. Lesen Sie des Buddha Reden von diesem Gesichtspunkte aus, dann werden Sie den richtigen Stimmungsgehalt bekommen, und dann wird für Sie dieses Eintreten der Verstandesoder Gemütsseelenzeit vielleicht noch einen ganz anderen Wert erhalten. Dann werden Sie an die Buddha-Reden gehen und sagen: Dadrinnen ist doch alles so, daß es unmittelbar zum menschlichen Gemüt spricht; aber dahinter ist etwas, was diesem Gemüt sich entzieht und einer höheren Welt angehört. Daher auch jene eigentümliche, für den gewöhnlichen Verstandesmenschen anstößige rhythmische Bewegung in den Wiederholungen der Buddha-Reden, die wir gerade dann zu verstehen beginnen, wenn wir aus dem Physischen ins Ätherische hineinkommen, welches das nächste Übersinnliche hinter dem Sinnlichen ist. Wer da versteht, wie vieles im Ätherleibe wirkt, der hinter dem physischen Leib ist, der versteht auch, warum vieles in den Reden des Buddha sich immer wieder und wieder wiederholt. Das Eigentümliche der Stimmung der Buddha-Reden darf man ihnen nicht nehmen, indem man die Wiederholungen ausschaltet. Abstraktlinge haben es gemacht, haben geglaubt, sie tun etwas Gutes, wenn sie nur den Inhalt herausnehmen und die Wiederholungen meiden. Es kommt aber darauf an, daß man alles so stehen läßt, wie es Buddha gegeben hat.
[ 36 ] Wenn wir nun Sokrates betrachten, noch ganz ohne all den reichen Stoff, der seither in den naturwissenschaftlichen und menschenwissenschaftlichen Entdeckungen vorliegt, wenn wir betrachten, wie Sokrates an die gewöhnlichen Dinge geht, dann hat der, welcher ihn heute, angelehnt an den naturwissenschaftlichen Stoff, vornimmt, dort überall darinnen die sokratische Methode. Man sucht sie auch und will sie haben. Es ist eine große Linie, die von Sokrates beginnt, bis in unsere Zeit hereingeht und immer mehr an Vollkommenheit gewinnen wird.
[ 36 ] Wenn wir nun Sokrates betrachten, noch ganz ohne all den reichen Stoff, der seither in den naturwissenschaftlichen und menschenwissenschaftlichen Entdeckungen vorliegt, wenn wir betrachten, wie Sokrates an die gewöhnlichen Dinge geht, dann hat der, welcher ihn heute, angelehnt an den naturwissenschaftlichen Stoff, vornimmt, dort überall darinnen die sokratische Methode. Man sucht sie auch und will sie haben. Es ist eine große Linie, die von Sokrates beginnt, bis in unsere Zeit hereingeht und immer mehr an Vollkommenheit gewinnen wird.
[ 37 ] So haben wir einen Strom der Menschheitsentwickelung, der bis zum Buddha hingeht und dort ein Ende erreicht; und wir haben einen anderen Strom, der mit Sokrates beginnt und in eine ferne Zukunft hineingeht. Sokrates und Buddha stehen nebeneinander gleichsam wie zwei Kometenkerne, wenn das Bild erlaubt ist; der Kometenlichtschweif bei Buddha sich um den Kern legend und weit, weit in unbestimmte Vergangenheitsperspektiven hineinweisend; der Kometenlichtschweif bei Sokrates ebenfalls sich um den Kern legend und weit, weit hineinleuchtend in unbestimmte Zukunftsfernen. Zwei auseinandergehende Kometen, nach einander entgegengesetzten Richtungen gehend, deren Kerne gleichzeitig leuchten, das ist das Bild, das ich dafür gebrauchen möchte, wie Sokrates und Buddha nebeneinander stehen.
[ 37 ] So haben wir einen Strom der Menschheitsentwickelung, der bis zum Buddha hingeht und dort ein Ende erreicht; und wir haben einen anderen Strom, der mit Sokrates beginnt und in eine ferne Zukunft hineingeht. Sokrates und Buddha stehen nebeneinander gleichsam wie zwei Kometenkerne, wenn das Bild erlaubt ist; der Kometenlichtschweif bei Buddha sich um den Kern legend und weit, weit in unbestimmte Vergangenheitsperspektiven hineinweisend; der Kometenlichtschweif bei Sokrates ebenfalls sich um den Kern legend und weit, weit hineinleuchtend in unbestimmte Zukunftsfernen. Zwei auseinandergehende Kometen, nach einander entgegengesetzten Richtungen gehend, deren Kerne gleichzeitig leuchten, das ist das Bild, das ich dafür gebrauchen möchte, wie Sokrates und Buddha nebeneinander stehen.
[ 38 ] Ein halbes Jahrtausend vergeht, und etwas wie eine Zusammenfügung der beiden Strömungen findet statt durch den Christus Jesus. Wir haben es schon charakterisiert, indem wir einige Tatsachen vor unsere Seele hinstellten. Wir wollen morgen in der Charakteristik fortfahren, um uns die Frage zu beantworten: Welches ist die in bezug auf die Menschenseele richtig zu charakterisierende Mission des Christus Jesus?
[ 38 ] Ein halbes Jahrtausend vergeht, und etwas wie eine Zusammenfügung der beiden Strömungen findet statt durch den Christus Jesus. Wir haben es schon charakterisiert, indem wir einige Tatsachen vor unsere Seele hinstellten. Wir wollen morgen in der Charakteristik fortfahren, um uns die Frage zu beantworten: Welches ist die in bezug auf die Menschenseele richtig zu charakterisierende Mission des Christus Jesus?
