The Gospel of Mark
GA 139
18 September 1912, Basel
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The Gospel of Mark, tr. SOL
Vierter Vortrag
Fourth Lecture
[ 1 ] Heute möchte ich zunächst Ihren Blick auf zwei Bilder lenken, die wir aus der menschlichen Evolution der letzten Jahrtausende heraus vor unser geistiges Auge stellen können. Zuerst möchte ich Ihren Blick hinlenken auf etwas, das etwa in der Mitte und gegen das Ende des fünften Jahrhunderts der vorchristlichen Zeitrechnung geschehen ist. Bekannt ist es ja alles; aber wir wollen, wie gesagt, einmal den Blick unserer Seele darauf hinwenden.
[ 1 ] Today, I would first like to draw your attention to two images that we can conjure up in our minds’ eye from the course of human evolution over the past millennia. First, I would like to direct your attention to something that took place around the middle and toward the end of the fifth century B.C.E. It is all well known, of course; but, as I said, let us turn the gaze of our soul toward it.
[ 2 ] Wir blicken hin, wie der Buddha im Inderlande eine Anzahl von Schülern, eine Anzahl von Jüngern um sich versammelt hatte und wie von dem, was sich da abspielte zwischen dem Buddha und seinen Jüngern, seinen Schülern, jene große, mächtige Bewegung ihren Ausgangspunkt nahm, welche die Jahrhunderte hindurch fortströmte im Orient, mächtige Wellen schlug und unzählbaren Menschen inneres Heil, innere Seelenbefreiung, Erhebung und Menschheitsbewußtsein brachte. Wenn wir charakterisieren wollen, was da geschehen ist, dann brauchen wir sozusagen nur den Hauptinhalt der Buddha-Lehre und des Buddha-Wirkens einmal ins Auge zu fassen.
[ 2 ] We observe how the Buddha gathered a number of students and disciples around him in India, and how what took place there between the Buddha and his disciples and students gave rise to that great, powerful movement which flowed through the centuries in the East, making mighty waves and bringing inner healing, inner liberation of the soul, spiritual uplift, and a sense of humanity to countless people. If we wish to characterize what happened there, we need, so to speak, only to take a look at the main content of the Buddha’s teachings and the Buddha’s work.
[ 3 ] Leben, so wie es der Mensch auf der Erde vollbringen kann in seiner irdischen Inkarnation, ist Leiden, ist bewirkt dadurch, daß der Mensch durch die Folge seiner Inkarnationen dem Drang unterliegt nach immer neuen Wiederverkörperungen. Erstrebenswertes Ziel ist, sich zu befreien von diesem Drang nach den Wiederverkörperungen, auszulöschen in der Seele alles, was den Trieb hervorruft, in eine physische Inkarnation hineinzudringen, um endlich aufzusteigen zu einem solchen Dasein, in dem die Seele nicht mehr den Drang fühlt, durch physische Sinne, durch physische Organe verbunden zu sein mit dem Dasein, aufzusteigen, wie man das so nennt, zum Nirwana.
[ 3 ] Life, as human beings can experience it on Earth during their earthly incarnation, is suffering; it is caused by the fact that, through the succession of their incarnations, human beings are subject to the urge for ever-new reincarnations. The goal worth striving for is to free oneself from this urge toward reincarnation, to eradicate from the soul everything that provokes the impulse to enter into a physical incarnation, in order to finally ascend to a state of existence in which the soul no longer feels the urge to be connected to existence through physical senses through physical organs to existence, to ascend, as it is so called, to Nirvana.
[ 4 ] Das ist die große Lehre, die den Lippen des Buddha entströmte, daß Leben Leiden sei und daß der Mensch die Mittel finden müsse, um vom Leiden frei zu werden, um teilhaftig werden zu können des Nirwana. Wollen wir einen Ausdruck finden, um in uns geläufigen Begriffen prägnant darzustellen, welcher Impuls in dieser Buddha-Lehre liegt, so könnte man etwa sagen: Buddha lenkte den Blick seiner Schüler durch die Kraft und Gewalt seiner Individualität hin auf das irdische Dasein und versuchte, ihnen aus der unendlichen Fülle seines Mitleides heraus die Mittel zu geben, um ihre Seele mit allem, was in ihr ist, hinaufzutragen aus dem Irdischen in das Himmlische, hinaufzutragen Menschendenken, Menschenphilosophie aus dem Irdischen ins Himmlische.
[ 4 ] This is the great teaching that flowed from the Buddha’s lips: that life is suffering, and that human beings must find the means to be free from suffering in order to attain Nirvana. If we wish to find an expression that succinctly captures, in terms familiar to us, the impulse underlying this teaching of the Buddha, we might say something like: Through the power and force of his individuality, the Buddha directed his disciples’ gaze toward earthly existence and, drawing from the infinite abundance of his compassion, sought to give them the means to lift their souls—with all that is within them—from the earthly to the heavenly, to lift human thought and human philosophy from the earthly to the heavenly.
[ 5 ] Das ist, was wir wie eine Formel hinstellen können, wenn wir prägnant und wirklich bezeichnen wollen den Impuls, der von der großen Predigt von Benares durch Buddha ausgegangen ist. So sehen wir den Buddha Schüler sammeln um sich herum, die ihm treu anhängen. Was erblicken wir in der Seele dieser Jünger? Was wird allmählich ihr Bekenntnis? — daß alles Streben der Menschenseele doch dahin gehen muß, frei zu werden von dem Drange nach Wiedergeburten, frei zu werden von dem Hang zum Sinnensein, Vervollkommnung des Selbstes zu suchen, indem dieses Selbst sich befreit von allem, was es verbindet mit dem Sinnensein, und sich mit alledem zu verbinden, was es zusammenhält mit seinem göttlich-geistigen Ursprunge. Solche Empfindungen lebten in den Schülern des Buddha: frei werden von allen Anfechtungen des Lebens, zusammenhängen mit der Welt nur mit dem ins Spirituelle hineinleuchtenden Empfinden der Seele, das man im Mitleid erlebt, selbst aber aufgehen im Streben nach der geistigen Vervollkommnung, bedürfnislos werden, möglichst wenig zusammenhängen mit dem, was den äußeren Menschen mit dem Dasein verbindet. So wandelten diese Buddha-Schüler durch die Welt, so erblickten sie den Zweck und das Ziel ihrer Buddha-Schülerschaft.
[ 5 ] This is what we might express as a kind of formula if we wish to succinctly and truly describe the impulse that emanated from the Buddha’s great sermon at Benares. Thus we see the Buddha gathering around him disciples who faithfully follow him. What do we perceive in the souls of these disciples? What gradually becomes their creed? — that all the striving of the human soul must ultimately be directed toward becoming free from the urge for rebirth, becoming free from the inclination toward sensory existence, seeking the perfection of the self by freeing this self from everything that binds it to sensory existence, and uniting with all that connects it to its divine-spiritual origin. Such feelings lived in the disciples of the Buddha: to become free from all the trials of life, to be connected to the world only through the soul’s sense of compassion that shines into the spiritual, yet to lose oneself in the pursuit of spiritual perfection, to become free from need, and to be connected as little as possible to what binds the outer human being to existence. Thus these disciples of the Buddha walked through the world; thus they perceived the purpose and goal of their discipleship under the Buddha.
[ 6 ] Und wenn wir die Jahrhunderte, in denen der Buddhismus sich ausbreitet, verfolgen und uns fragen: Was lebte in dem sich fortpflanzenden Buddhismus, was lebte in den Seelen, in den Herzen seiner Anhänger? — so erhalten wir zur Antwort: Diese Menschen waren hohen Zielen zugewendet; aber in der Mitte all ihres Denkens, Fühlens und Empfindens lebte die große Gestalt des Buddha, lebte der Hinblick auf alles, was er gesagt hat in so hinreißenden, bedeutungsvollen Worten über die Befreiung von dem Leid des Lebens. In der Mitte alles Denkens und Empfindens lebte die umfassende, die umspannende, mächtige Autorität des Buddha in den Herzen seiner Schüler, in den Herzen seiner Nachfolger in den Jahrhunderten. Was der Buddha gesagt hat, es galt diesen Schülern, diesen Nachfolgern als heiliges Wort.
[ 6 ] And when we trace the centuries during which Buddhism spread and ask ourselves: What was alive in the spreading Buddhism, what was alive in the souls and hearts of its followers? — the answer we receive is: These people were devoted to lofty goals; but at the center of all their thinking, feeling, and sensibility lived the great figure of the Buddha, lived the focus on all that he had said in such captivating, meaningful words about liberation from the suffering of life. At the center of all thought and feeling lived the all-encompassing, powerful authority of the Buddha in the hearts of his disciples, in the hearts of his followers through the centuries. What the Buddha said was regarded by these disciples, these followers, as a sacred word.
[ 7 ] Woher kam es, daß den Buddha-Schülern und -Nachfolgern diese Buddha-Worte wie eine Botschaft vom Himmel selbst galten? Der Grund dafür war der, daß diese Schüler und Nachfolger in dem Glauben, in dem Bekenntnis lebten, daß damals in dem Ereignis unter dem Bodhibaum in der Seele des Buddha aufgeleuchtet ist die wahre Erkenntnis vom Weltendasein, hereingeleuchtet hat das Licht, die Sonne des Alls, und daß daher, was aus seinem Munde kommt, selbst zu gelten hat wie ein Ausspruch der Geister des Alls. Auf diese Stimmung, wie sie lebte in den Herzen der Buddha-Schüler, der Buddha-Nachfolger, kommt es an, auf das Heilige dieser Stimmung, auf das Einzigartige, auf das Charakteristische dieser Stimmung. Wir wollen das alles vor unser geistiges Auge hinstellen, um verstehen zu lernen, was da geschah ein halbes Jahrtausend vor dem Mysterium von Golgatha.
[ 7 ] Why did the Buddha’s disciples and followers regard these words of the Buddha as a message from heaven itself? The reason for this was that these disciples and followers lived in the belief, in the conviction, that at that time, during the event under the Bodhi tree, true insight into worldly existence had dawned in the Buddha’s soul, that the light, the sun of the universe, had shone forth, and that therefore whatever came from his mouth was itself to be regarded as a pronouncement of the spirits of the universe. What matters is this mood, as it lived in the hearts of the Buddha’s disciples, the Buddha’s followers—the sacredness of this mood, its uniqueness, its characteristic nature. Let us place all of this before our mind’s eye in order to learn to understand what happened there half a millennium before the Mystery of Golgotha.
[ 8 ] Und jetzt blicken wir auf ein anderes Bild der Weltgeschichte. Für die langen Zeiten der Menschheitsevolution ist das, was ungefähr um ein Jahrhundert auseinanderliegt, wahrhaftig gleichzeitig zu nennen. Da kommt ein Jahrhundert nicht in Betracht, wenn es sich um die Jahrtausende und aber Jahrtausende der Menschheitsevolution handelt. Deshalb können wir sagen: Wenn auch das Bild, das wir jetzt vor unsere Seele stellen wollen, zwar um ein Jahrhundert später anzusetzen ist, so ist es für die Menschheitsentwickelung doch fast gleichzeitig mit dem Ereignis, das wir eben als das Buddha-Ereignis gekennzeichnet haben.
[ 8 ] And now let us consider a different perspective on world history. In the long span of human evolution, a period of roughly a century can truly be considered a single moment. A century is insignificant when we are dealing with the millennia and millennia of human evolution. Therefore, we can say: Even though the picture we now wish to place before our soul is set a century later, for the development of humanity it is nevertheless almost simultaneous with the event we have just identified as the Buddha event.
[ 9 ] Im fünften Jahrhundert der vorchristlichen Zeitrechnung sehen wir eine andere Individualität im alten Griechenland allmählich Schüler und Anhänger um sich sammeln. Wieder ist die Tatsache hinlänglich bekannt. Aber um zum Verständnis der Entwickelung der letzten Jahrhunderte zu kommen, ist es gut, das Bild dieser Individualität vor sich hinzustellen. Wir sehen Sokrates im alten Griechenland Schüler um sich sammeln. Und man braucht, um Sokrates in diesem Zusammenhange nennen zu dürfen, nur das Bild in Erwägung zu ziehen, das der große Philosoph Plato von Sokrates entworfen hat und das doch auch im wesentlichen durch den großen Philosophen Aristoteles bestätigt scheint. Man braucht nur in Erwägung zu ziehen, daß Plato in einer so eindringlichen Weise das Bild des Sokrates entworfen hat, und man kann dann auch sagen: Von Sokrates ging eine Bewegung im Abendlande aus. Und wer den ganzen Charakter der Kulturentwickelung des Abendlandes ins Auge faßt, der wird darauf kommen, daß einschneidend war für alles Abendländische dasjenige, was man das sokratische Element nennen kann. Wenn auch dieses sokratische Element im Abendlande subtiler durch die Wogen der Weltgeschichte sich fortpflanzt als das buddhistische Element im Morgenlande, so kann man die Parallele doch ziehen zwischen Sokrates und Buddha. Aber in einer eigentümlichen Weise müssen wir anders charakterisieren die Schüler- und die Jüngerschaft des Sokrates als die Schüler- und die Jüngerschaft des Buddha. Man möchte sagen: Alles, was charakteristisch Abendland und Morgenland unterscheidet, es tritt einem entgegen, wenn man diesen Grundunterschied Buddha — Sokrates ins Auge faßt.
[ 9 ] In the fifth century B.C., we see another individual in ancient Greece gradually gathering students and followers around him. Again, this fact is well known. But to gain an understanding of the developments of the past centuries, it is helpful to keep this image of that individual in mind. We see Socrates gathering students around him in ancient Greece. And to be able to mention Socrates in this context, one need only consider the image of Socrates sketched by the great philosopher Plato, which also seems to be essentially confirmed by the great philosopher Aristotle. One need only consider that Plato sketched the image of Socrates in such a vivid manner, and one can then also say: A movement emanated from Socrates in the West. And whoever takes the entire character of the cultural development of the West into account will come to the conclusion that what can be called the Socratic element was decisive for everything Western. Even if this Socratic element propagates itself more subtly through the waves of world history in the West than the Buddhist element does in the East, one can still draw a parallel between Socrates and Buddha. But in a peculiar way, we must characterize the discipleship of Socrates differently from that of Buddha. One might say: Everything that characteristically distinguishes the West from the East comes into view when one considers this fundamental difference between Buddha and Socrates.
[ 10 ] Sokrates sammelt seine Schüler um sich herum. Wie fühlt er sich seinen Schülern gegenüber? Man hat seine Kunst, zu seinen Schülern sich zu verhalten, eine geistige Hebammenkunst genannt, weil er das, was die Schüler wissen, was sie lernen sollten, aus den Seelen der Schüler selbst hervorholen wollte. Er stellte seine Fragen so, daß die eigene innere Grundstimmung der Schülerseelen in Bewegung kam, daß er eigentlich nichts den Schülern von sich aus übertrug, sondern alles herausholte aus den Schülern selbst. Das etwas trockene, nüchterne Element, das die sokratische Weltanschauung und Weltanschauungskunst hat, kommt davon her, daß Sokrates eigentlich an die Selbständigkeit, an die ureigene Vernunft jedes Schülers appellierte, wenn er mit seiner Schar in einer etwas anderen Weise, aber doch ähnlich durch die Straßen von Athen ging, wie Buddha mit seinen Schülern die Wege zog. Aber während Buddha verkündete, was er durch die Erleuchtung unter dem Bodhibaum erhalten hatte, und während durch die Jahrhunderte hindurch das wirkte, was er aus der geistigen Welt heraus empfangen hatte und dann wieder auf die Schüler überströmen ließ, so daß in den Schülern fortlebte, was in Buddha gelebt hatte, machte Sokrates nicht den geringsten Anspruch darauf, als «Sokrates» fortzuleben in den Herzen seiner Schüler. Er wollte nicht einmal, wenn er seinen Schülern gegenüberstand, irgend etwas von sich übertragen in die Schülerseelen, sondern er wollte es ihnen selber überlassen, das, was sie hatten, aus sich herauszuholen. Nichts von Sokrates sollte übergehen in die Schülerseelen, gar nichts.
[ 10 ] Socrates gathers his students around him. How does he feel toward his students? His art of relating to his students has been called a spiritual midwifery, because he sought to draw out of the students’ own souls what they knew and what they should learn. He posed his questions in such a way that the students’ innermost dispositions were stirred into motion, so that he did not actually impart anything to the students of his own accord, but rather drew everything out of the students themselves. The somewhat dry, sober element inherent in the Socratic worldview and the art of worldview stems from the fact that Socrates actually appealed to the independence and the innate reason of each student when he walked through the streets of Athens with his group in a somewhat different yet similar manner to how Buddha walked the paths with his disciples. But while Buddha proclaimed what he had received through enlightenment under the Bodhi tree, and while what he had received from the spiritual world and then allowed to flow back onto his disciples continued to work through the centuries, so that what had lived in Buddha lived on in his disciples, Socrates made not the slightest claim to live on as “Socrates” in the hearts of his disciples. He did not even wish, when he stood before his disciples, to impart anything of himself into their souls, but rather he wanted to leave it up to them to draw out of themselves what they possessed. Nothing of Socrates was to pass into the souls of his disciples, absolutely nothing.
[ 11 ] Man kann sich keinen größeren Unterschied denken als den zwischen Buddha und Sokrates. In der Seele des Buddha-Schülers sollte ganz der Buddha leben. In der Seele des Sokrates-Schülers sollte so wenig etwas von Sokrates leben, wie in dem Kinde, das zur Welt kommt, etwas lebt, was von der Hebamme hinzugetan worden ist. So sollte das geistige Element bei den Sokrates-Schülern durch die geistige Hebammenkunst des Sokrates zum Vorschein kommen, den Menschen auf sich selber stellend, aus dem Menschen das hervorholend, was in dem Menschen selber darinnen ist. Das wollte Sokrates. Man könnte diesen Unterschied zwischen Sokrates und Buddha auch noch mit den folgenden Worten charakterisieren. Hätte eine Stimme vom Himmel angeben wollen, was die Buddha-Schüler durch den Buddha haben sollten, so hätte sie wohl sagen können: Entzündet in euch, was in Buddha gelebt hat, damit ihr durch Buddha den Weg zum geistigen Dasein finden könnt! Und wollte man in einer ähnlichen Weise charakterisieren, was Sokrates wollte, so müßte man sagen: Sokrates wollte jedem seiner Schüler zurufen: Werde, was du bist!
[ 11 ] One cannot imagine a greater difference than that between Buddha and Socrates. In the soul of the Buddha’s disciple, the Buddha himself should live in full. In the soul of Socrates’ disciple, there should be as little of Socrates as there is in a newborn child of the midwife’s own making. Thus, the spiritual element in Socrates’ disciples was to be brought to light through Socrates’ spiritual midwifery, setting the human being on its own feet, drawing out of the human being what is within the human being itself. That was what Socrates wanted. One could also characterize this difference between Socrates and the Buddha with the following words. If a voice from heaven had wished to indicate what the Buddha’s disciples were to gain through the Buddha, it might well have said: Ignite within yourselves what lived in the Buddha, so that through the Buddha you may find the path to spiritual existence! And if one were to characterize what Socrates wanted in a similar way, one would have to say: Socrates wanted to call out to each of his disciples: Become what you are!
[ 12 ] Muß man nicht, wenn man diese zwei Bilder vor die Seele hinstellt, sich sagen: Zwei Entwickelungsströme der Menschheitsevolution stehen da vor uns, zwei Entwickelungsströme, die aber polarisch entgegengesetzt sind? Sie berühren sich in einer gewissen Weise wieder; aber sie berühren sich nur an den äußersten Enden. Man darf die Dinge nicht miteinander vermischen; man muß sie charakterisieren in ihrer Differenzierung und dann aufzeigen, wo immerhin doch eine höhere Einheit ist. Wenn man sich den Buddha einem Schüler gegenübergestellt denkt, so könnte man sagen: Er ist bemüht — Sie werden das aus den Buddha-Reden erkennen —, mit den erhabensten Worten in immer wiederkehrenden Wiederholungen — und die sind notwendig, man kann sie bei der Wiedergabe der Buddha-Reden nicht fortlassen — in der Seele des Jüngers das zu entzünden, was notwendig ist, um ihn hinaufzuführen zu den geistigen Welten mit Hilfe dessen, was er selbst erlebt hat unter dem Bodhibaum. Und so sind die Worte gewählt, daß sie alle klingen von dem Erdentrücktsein wie eine himmlische Kundgebung aus der himmlischen Welt von Lippen, die da sprechen unter dem unmittelbaren Eindruck, der in der Erleuchtung auftrat, und den sie wiedergeben wollen.
[ 12 ] When we hold these two images before our minds, must we not say to ourselves: Here before us stand two currents of human evolution, two currents that are, however, polar opposites? They touch one another in a certain way; but they touch only at their outermost ends. One must not confuse these things; one must characterize them in their distinctness and then point out where, after all, a higher unity exists. If one imagines the Buddha standing before a disciple, one might say: He strives—as you will recognize from the Buddha’s discourses—with the most sublime words in ever-recurring repetitions—and these are necessary, they cannot be omitted in the rendering of the Buddha’s discourses—to kindle in the disciple’s soul that which is necessary to lead him up to the spiritual worlds with the aid of what he himself experienced beneath the Bodhi tree. And so the words are chosen that they all resound with a detachment from the earth, like a heavenly proclamation from the heavenly world, from lips that speak under the immediate impression that arose in enlightenment, and which they wish to convey.
[ 13 ] Und wie können wir Sokrates und den Schüler einander gegenübergestellt denken? Sie stehen sich so gegenüber, daß Sokrates dem Schüler sagt, wenn er ihm das Verhältnis des Menschen zum Göttlichen an den einfachsten Vernunfterwägungen des Alltages klarzumachen versucht, wie er denken soll, wie die logischen Zusammenhänge sich verhalten. Überall auf das Nüchternste, Alltäglichste wird der Schüler verwiesen und soll dann anwenden, was er mit der gewöhnlichen Logik erringen kann, auf das, was er sich als Erkenntnis erwerben kann. Nur einmal erscheint einem Sokrates wachsend zu einer solchen Höhe, wo er, man möchte sagen, so spricht wie Buddha zu seinen Schülern. Einmal erscheint er so, als er dem Tode entgegengeht. Da, wo er spricht von der Unsterblichkeit der Seele unmittelbar vor seinem Hinscheiden, da redet er allerdings wie ein höchster Erleuchteter; aber er redet wieder auch so, daß alles, was er sagt, nur verstanden werden kann, wenn man sein ganzes persönliches Erlebnis ins Auge faßt. Deshalb geht es so zu Herzen, spricht uns so in die Seele, wenn wir das Platonische Gespräch über die Unsterblichkeit der Seele ins Auge fassen, wo Sokrates etwa sagt: Habe ich nicht mein ganzes Leben danach gestrebt, durch die Philosophie das zu erringen, was man als Mensch erringen kann, um von der Sinneswelt frei zu werden? Und jetzt, wo meine Seele bald losgelöst sein wird von allem Sinnlichen, sollte sie da nicht freudig eindringen in das seelische Element? Sollte ich da nicht freudig eindringen in das, wonach immer ich innerlich strebte, wenn ich philosophisch strebte?
[ 13 ] And how can we conceive of Socrates and the student in relation to one another? They stand opposite one another in such a way that Socrates tells the student—as he attempts to clarify the relationship between humanity and the divine through the simplest rational considerations of everyday life—how he should think and how the logical connections work. The student is constantly referred to the most sober, everyday matters and is then expected to apply what he can grasp through ordinary logic to what he can acquire as knowledge. Only once does Socrates seem to rise to such a height that one might say he speaks like the Buddha to his disciples. He appears this way once, as he faces death. There, where he speaks of the immortality of the soul immediately before his passing, he does indeed speak like a supremely enlightened being; but he also speaks in such a way that everything he says can only be understood if one takes his entire personal experience into account. That is why it touches us so deeply, speaks so directly to our souls, when we consider the Platonic dialogue on the immortality of the soul, where Socrates says, for example: Have I not striven all my life, through philosophy, to attain what a human being can attain, in order to be freed from the sensory world? And now, when my soul is soon to be detached from all that is sensory, should it not joyfully enter into the spiritual realm? Should I not joyfully enter into that which I have always strived for inwardly whenever I engaged in philosophical inquiry?
[ 14 ] Wer dieses Gespräch des Sokrates bei Plato im «Phaidon» in seiner ganzen Stimmung erfassen kann, der fühlt sich unmittelbar versetzt in eine Empfindung, wie sie ausgeht von den erhabenen Lehren des Buddha, da, wo dieser zu den Herzen der Buddha-Schüler spricht. Und man kann dann sagen mit Bezug auf das, was der Unterschied, was das polarisch Verschiedene dieser beiden Persönlichkeiten ist: An einem besonderen Punkt erheben sie sich so, daß eine Einheit auch in dem polarisch Verschiedenen hervortritt. Wenn wir den Blick zu Buddha wenden, werden wir finden: Im ganzen sind die Buddha-Reden so, daß man sagen möchte, jene Empfindung, die man dem Gespräch des Sokrates über die Unsterblichkeit der Seele gegenüber hat, man hat sie durch die ganzen Buddha-Reden hindurch. Ich meine jetzt die Stimmung, die Seelenspannung. Das aber, was über die anderen, die sokratischen Reden immer ausgegossen ist, die stets darauf hinausgehen, den Menschen zu seiner eigenen Vernunft zu bringen, man findet es selten, aber zuweilen doch, bei Buddha; es klingt zuweilen durch. Man fühlt förmlich etwas wie ein versetztes sokratisches Gespräch, wenn Buddha einmal dem Schüler Sona klarmachen will, daß es nicht gut ist, bloß im Sinnensein zu verweilen und bloß mit dem sinnlichen Dasein zusammenzuhängen oder sich nur zu kasteien oder nur zu leben wie die alten, sich kasteienden Menschen, sondern daß es gut ist, wenn man den Mittelweg einschlägt. Da steht Buddha dem Schüler Sona gegenüber und spricht zu ihm etwa so: «Sieh einmal, Sona, wirst du gut auf der Laute spielen können, wenn die Saiten der Laute zu schlaff gezogen sind?» «Nein», muß Sona sagen, «ich werde nicht gut auf der Laute spielen können, wenn die Saiten zu schlaff gezogen sind.» «Nun wohl», sagt Buddha zu Sona, «wirst du gut auf der Laute spielen können, wenn die Saiten der Laute zu straff gezogen sind?» «Nein», muß Sona sagen, «ich werde nicht gut auf der Laute spielen können, wenn die Saiten der Laute zu straff gezogen sind.» «Also wann», meint Buddha, «wirst du gut auf der Laute spielen können?» «Wenn die Saiten der Laute weder zu schlaff noch zu straff gespannt sind», antwortet Sona. «Und so», meint Buddha, «ist es auch mit dem Menschen. Der Mensch wird nicht zu allen Erkenntnissen kommen können, wenn er zu stark dem Sinnesleben verfällt; und er wird auch nicht zu allen Erkenntnissen kommen, wenn er sich bloß kasteiend zurückzieht von allem Dasein. Der Mittelweg, den man einschlagen muß bei den gespannten Saiten der Laute, er muß auch eingeschlagen werden in bezug auf die Stimmung der Menschenseele.»
[ 14 ] Anyone who can grasp the full atmosphere of this conversation between Socrates and Plato in the *Phaedo* will immediately feel transported to a state of mind akin to that which emanates from the sublime teachings of the Buddha, when he speaks to the hearts of his disciples. And one can then say, with regard to what the difference is, what the polar contrast is between these two personalities: at a particular point, they rise in such a way that a unity emerges even within the polar contrast. If we turn our gaze to the Buddha, we will find: On the whole, the Buddha’s discourses are such that one might say, that feeling one has when encountering Socrates’ discourse on the immortality of the soul—one experiences it throughout the entire body of the Buddha’s discourses. I am referring now to the mood, the spiritual tension. But that which is always poured out in the other, the Socratic discourses—which always aim to lead the human being to his own reason—is rarely found, though occasionally it is, in the Buddha; it resounds at times. One literally senses something like a transposed Socratic dialogue when the Buddha once seeks to make clear to the disciple Sona that it is not good to dwell merely in the realm of the senses and be connected solely to sensory existence, or to merely mortify oneself, or to live only like the ancient, self-mortifying people, but that it is good to take the middle path. There Buddha stands before the disciple Sona and speaks to him something like this: “Look here, Sona, will you be able to play the lute well if the strings of the lute are too loose?” “No,” Sona must say, “I will not be able to play the lute well if the strings are too loose.” “Very well,” says the Buddha to Sona, “will you be able to play the lute well if the strings are too tight?” “No,” Sona must say, “I will not be able to play the lute well if the strings are too tight.” “So when,” says the Buddha, “will you be able to play the lute well?” “When the strings of the lute are neither too loose nor too tight,” replies Sona. “And so,” says the Buddha, “it is with human beings as well. A person will not be able to attain all knowledge if they succumb too strongly to the life of the senses; nor will they attain all knowledge if they merely withdraw from all existence in self-mortification. The middle path that must be taken with the taut strings of the lute must also be taken with regard to the mood of the human soul.”
[ 15 ] Man darf sagen, dieses Gespräch des Buddha mit dem Schüler Sona könnte ebensogut bei Sokrates stehen, denn so spricht durch Appellieren an die Vernunft Sokrates zu seinen Schülern. Was ich Ihnen eben erzählt habe, ist ein «sokratisches Gespräch», das Buddha mit seinem Schüler Sona führte; aber ein solches Gespräch ist bei Buddha so selten, wie bei Sokrates das «buddhistisch» zu nennende Gespräch über die Unsterblichkeit der Seele, wie er es vor seinem Tode mit seinen Schülern führte, selten ist.
[ 15 ] It could be said that this conversation between the Buddha and his disciple Sona could just as easily have been attributed to Socrates, for this is how Socrates speaks to his students, appealing to reason. What I have just told you is a “Socratic dialogue” that the Buddha conducted with his disciple Sona; but such a dialogue is as rare in the Buddha’s teachings as the “Buddhist” dialogue on the immortality of the soul—which he conducted with his disciples before his death—is rare in Socrates’ teachings.
[ 16 ] Es ist immer nötig zu betonen, daß man zur Wahrheit nur kommt, wenn man in dieser Weise charakterisiert. Es ist leichter zu charakterisieren, wenn man etwa sagen würde: Die Menschheitsevolution geht durch große Führer vorwärts; diese großen Führer verkünden im Grunde genommen immer dasselbe, nur in verschiedenen Formen, und alle einzelnen Menschheitsführer sind in ihren Worten nur Ausgestaltungen des Einen. — Ganz gewiß, wahr ist das schon, aber so trivial als nur möglich. Es kommt darauf an, daß man sich die Mühe gibt, die Dinge zu erkennen, daß man Einheit snd Differenzierung sucht, daß man die Dinge nach ihrer Verschiedenheit charakterisiert und aus dem Verschiedenen erst die höhere Einheit sucht. Diese methodische Bemerkung muß schon einmal gemacht werden deshalb, weil sie ja etwas ist, was in bezug auf geistige Betrachtungen dem Leben überhaupt entspricht. Man kann so leicht sagen: Alle Religionen enthalten nur eines, um sich dann darauf zu verlegen, dieses «Eine » zu charakterisieren und zu sagen: Alle die verschiedenen Religionsstifter haben doch nur verschiedene Ausgestaltungen des Einen gegeben. Aber es ist unendlich trivial, wenn auch dieses Charakterisieren mit noch so schönen Worten geschieht. Man kommt dabei ebensowenig zu etwas, als wenn man zwei solche Gestalten wie Buddha und Sokrates von vornherein bloß nach einer abstrakten Einheit charakterisieren wollte und nicht die polarische Differenzierung suchen würde. Sobald man sie aber auf ihre Gedankenformen zurückführt, werden die Leute bald erkennen, um was es sich handelt. Pfeffer und Salz, Zukker und Paprika sind die Zutaten, die auf dem Tisch stehen für die Speisen; sie sind alle «eins», nämlich Zutaten für die Speisen. Keiner aber wird, weil man sagen kann, diese Dinge sind alle eins, diese einzelnen Zutaten einander gleichstellen und zum Beispiel Pfeffer oder Salz statt Zucker in den Kaffee streuen wollen. Was man so im Leben nicht hinnehmen kann, das sollte man auch im Geistigen nicht hinnehmen. Man sollte es nicht hinnehmen, wenn gesagt wird, Krishna oder Zarathustra, Orpheus oder Hermes seien im Grunde genommen nur verschiedene Ausgestaltungen des «Einen ». Das ist nicht mehr wert für eine ernsthafte und wahrhafte Charakterisierung, als wenn man sagte: Pfeffer und Salz, Zucker und Paprika sind alle verschiedene Ausgestaltungen der einen Wesenheit, der Zutaten zu den Speisen. Es kommt darauf an, daß man solche methodischen Dinge wirklich versteht und nicht das Bequemere hinnimmt für das Wahrhaftige.
[ 16 ] It is always necessary to emphasize that one can only arrive at the truth by characterizing it in this way. It is easier to characterize things if one were to say, for example: The evolution of humanity advances through great leaders; these great leaders essentially always proclaim the same thing, only in different forms, and all individual leaders of humanity are, in their words, merely manifestations of the One. — Certainly, that is true, but it is as trivial as can be. What matters is that one makes the effort to recognize things, that one seeks unity and differentiation, that one characterizes things according to their diversity, and seeks the higher unity only from that diversity. This methodological remark must be made precisely because it corresponds to life in general when it comes to spiritual considerations. It is so easy to say: All religions contain only one thing, and then to content oneself with characterizing this “one thing” and saying: All the various founders of religions have, after all, merely provided different manifestations of the One. But it is infinitely trivial, even if this characterization is done with the most beautiful words. One gets just as little out of this as if one were to try from the outset to characterize two figures like Buddha and Socrates merely in terms of an abstract unity, without seeking the polar differentiation. But as soon as one traces them back to their forms of thought, people will soon recognize what is at stake. Pepper and salt, sugar and paprika are the ingredients that sit on the table for the meals; they are all “one,” namely ingredients for the meals. But no one, just because one can say these things are all one, would equate these individual ingredients with one another and, for example, want to sprinkle pepper or salt into their coffee instead of sugar. What one cannot accept in life, one should not accept in the spiritual realm either. One should not accept it when it is said that Krishna or Zarathustra, Orpheus or Hermes are, in essence, merely different manifestations of the “One.” This is no more worthy of a serious and truthful characterization than if one were to say: pepper and salt, sugar and paprika are all different manifestations of the one entity, the ingredients for the meal. What matters is that one truly understands such methodological matters and does not accept the more convenient for the truthful.
[ 17 ] Wenn man diese zwei Gestalten sich vor Augen führt, Buddha und Sokrates, so erscheinen sie uns wie zwei verschiedene, polarisch entgegengesetzte Ausgestaltungen der menschheitlichen Evolutionsströmung. Und indem wir nun diese beiden wieder, wie wir gezeigt haben, in einer höheren Einheit verbinden, können wir ein Drittes hinzufügen, bei dem wir es auch mit einer großen Individualität zu tun haben, um die sich Schüler und Jünger versammeln: den Christus Jesus. Wenn wir von diesen Schülern und Jüngern, die sich um ihn versammeln, zunächst seine nächsten Schüler, die Zwölf, ins Auge fassen, so sagt uns insbesondere auch das Markus-Evangelium über das Verhältnis des Meisters zu seinen Schülern mit aller Deutlichkeit etwas, wie wir es eben charakterisiert haben auf einem anderen Gebiet bei Buddha und Sokrates, mit aller möglichen Deutlichkeit. Und der deutlichste Ausdruck, der prägnanteste, der zusammengezogenste Ausdruck, welcher ist es? Es ist der, der uns das Folgende sagt. Der Christus tritt — es wird uns das mehrmals angedeutet — der Menge gegenüber, die ihn hören will. Er spricht zu dieser Menge, spricht zu ihr, wie das Evangelium sagt, in Gleichnissen oder in Bildern. Er deutet das wird ja auch im Evangelium des Markus so großartig und einfach dargestellt — gewisse tief bedeutungsvolle Tatbestände des Weltgeschehens und der Menschheitsentwickelung der Menge an durch Gleichnisse, durch Bilder. Und es wird dann gesagt: Wenn er mit seinen intimen Schülern allein war, so legte er ihnen diese Bilder aus. Es wird uns auch einmal im Markus-Evangelium ein besonderes Beispiel gegeben, wie im Bilde zu der Menge gesprochen wird und wie dann das den intimen Schülern ausgelegt wird.
[ 17 ] When we consider these two figures, Buddha and Socrates, they appear to us as two distinct, polar opposites within the current of human evolution. And by now uniting these two, as we have shown, in a higher unity, we can add a third figure, who is also a great individuality around whom students and disciples gather: Christ Jesus. If we consider, among these pupils and disciples gathered around him, first his closest disciples, the Twelve, the Gospel of Mark in particular tells us something with the utmost clarity about the Master’s relationship to his disciples, just as we have just characterized it in another context regarding Buddha and Socrates, with the utmost clarity. And what is the clearest expression, the most concise, the most condensed expression? It is the one that tells us the following. Christ stands—as is indicated to us several times—before the crowd that wants to hear him. He speaks to this crowd, speaks to them, as the Gospel says, in parables or in images. He explains—as is so magnificently and simply depicted in the Gospel of Mark—certain deeply significant facts of world events and human development to the crowd through parables, through images. And it is then said: When he was alone with his inner disciples, he interpreted these images for them. We are also given a specific example in the Gospel of Mark of how he speaks to the crowd in imagery and how this is then explained to his inner circle of disciples.
«Und er lehrte sie viel in Gleichnissen und sagte zu ihnen in seiner Lehre:
Höret! Siehe, es ging der Säemann aus zu säen.
Und es geschah, da er säete, fiel das eine an den Weg; und es kamen die Vögel und fraßen es auf.
Und anderes fiel auf das steinige Land, wo es nicht viel Boden hatte, und schoß alsbald auf, weil es nicht tief im Boden lag.
Und als die Sonne aufging, ward es versengt und verdorrte, weil es keine Wurzel hatte.
Und anderes fiel in die Dornen; und die Dornen gingen auf und erstickten es, und es gab keine Frucht.
Und anderes fiel in das gute Land und brachte Frucht, die aufging und wuchs und trug dreißigfach und sechzigfach und hundertfach.
Und er sagte: Wer Ohren hat zu hören, der höre!
Und als er allein war, fragten ihn seine Umgebung samt den Zwölfen um die Gleichnisse.» (4, 2-10.)
“And he taught them many things in parables, and said to them in his teaching:
‘Listen! Behold, the sower went out to sow.
And as he was sowing, some seed fell along the path; and the birds came and ate it up.
And some fell on rocky ground, where it had not much soil, and immediately sprang up, because it had no depth of soil.
And when the sun rose, it was scorched and withered, because it had no root.
And some fell among thorns; and the thorns sprang up and choked it, and it bore no fruit.
And some fell on good soil and bore fruit, which sprang up and grew and yielded thirtyfold, sixtyfold, and a hundredfold.
And he said, “Whoever has ears to hear, let them hear!”
And when he was alone, those around him, along with the Twelve, asked him about the parables.” (4:2–10.)
[ 18 ] Und so spricht er zu seinen intimeren Schülern:
[ 18 ] And so he says to his closest disciples:
«Der Säemann säet das Wort.
Das aber sind die am Wege: wo das Wort gesäet wird, und wenn sie es hören, kommt alsbald der Satan und nimmt das Wort weg, das unter sie gesäet ist.
Und desgleichen wo auf das steinige Land gesäet wird, das sind die, die, wenn sie das Wort hören, es alsbald mit Freuden annehmen,
und haben keine Wurzel in sich, sondern sind Kinder des Augenblicks; dann, wenn Drangsal kommt oder Verfolgung um des Wortes willen, nehmen sie alsbald Anstoß.
Und dagegen wo unter die Dornen gesäet wird, das sind die, welche das Wort gehört haben,
und die Sorgen der Welt und der Trug des Reichtums und was sonst Lüste sind, kommen darein und ersticken das Wort, und es bleibt ohne Frucht.
Und dort, wo auf das gute Land gesäet wird, das sind diejenigen, die das Wort hören und annehmen und Frucht bringen, dreißig-, sechzig-, hundertfach.» (4, 14-20.)
“The sower sows the word.
But these are the ones along the path: where the word is sown, and when they hear it, Satan comes immediately and takes away the word that was sown among them.
And likewise, where it is sown on rocky ground, these are the ones who, when they hear the word, immediately receive it with joy,
but have no root in themselves, and are children of the moment; then, when tribulation comes or persecution for the word’s sake, they immediately fall away.
But where it is sown among thorns, these are those who have heard the word,
and the cares of the world and the deceitfulness of riches and the desires for other things come in and choke the word, and it proves unfruitful.
And where it is sown on good soil, these are the ones who hear the word and accept it and bear fruit, thirty, sixty, a hundredfold.” (4:14–20.)
[ 19 ] Hier haben wir den vollständigen Typus dafür, wie der Christus Jesus lehrte. Von Buddha wird uns gesagt, wie er lehrte, und von Sokrates wird uns gesagt, wie er lehrte. Von Buddha können wir in unserer abendländischen Sprache sagen: Er brachte, was die Menschen im Irdischen erleben, zum Himmlischen hinauf. Auf Sokrates hat man oft das Wort angewendet, daß man seine ganze Tendenz richtig kennzeichnet, wenn man sagt: Er brachte die Philosophie vom Himmel auf die Erde herunter, weil er an die unmittelbare Erdenvernunft appellierte. Man kann sich deutlich ein Bild davon machen, wie diese beiden Individualitäten zu ihren Schülern standen.
[ 19 ] Here we have a complete example of how Christ Jesus taught. We are told how Buddha taught, and we are told how Socrates taught. Regarding Buddha, we can say in our Western language: He raised what people experience on earth up to the heavenly realm. The phrase has often been applied to Socrates to accurately characterize his entire approach: He brought philosophy down from heaven to earth, because he appealed to immediate earthly reason. One can clearly picture how these two individuals related to their students.
[ 20 ] Wie stand nun der Christus Jesus zu seinen Schülern? Er stand anders zur Menge: die lehrte er in Gleichnissen; und er stand anders zu seinen Schülern, die mit ihm intimer waren: denen legte er die Gleichnisse aus, indem er ihnen das sagte, was sie einsehen konnten, was unmittelbar für das Ergreifen durch die menschliche Vernunft nahelag. Komplizierter also muß man sprechen, wenn man die Lehrweise des Christus Jesus charakterisieren will. Ein Charakterzug, der allen Buddha-Lehren gemeinsam ist, charakterisiert die Buddha-Lehren; daher haben wir auch nur eine Art bei den Schülern, welche unmittelbar zum Buddha gehören. Einerlei nur sind auch des Sokrates Schüler, denn es kann die ganze Welt Sokrates’ Schülerschaft bilden, weil Sokrates nichts will, als herausholen, was in der Menschenseele liegt; und wiederum auch nur in einerlei Weise steht Sokrates zu seinen Schülern. In zweierlei Weise steht der Christus Jesus da: anders zu seinen intimen Schülern, anders zur Menge. Was hat es damit für eine Bewandtnis?
[ 20 ] What, then, was the attitude of Christ Jesus toward his disciples? His attitude toward the crowd was different: he taught them in parables; and his attitude toward his disciples, who were closer to him, was different: to them he explained the parables by telling them what they could understand, what was immediately accessible to human reason. One must therefore speak in more complex terms if one wishes to characterize the teaching method of Christ Jesus. A trait common to all Buddha teachings characterizes the Buddha teachings; hence we have only one type of disciple who belongs directly to the Buddha. Socrates’ disciples, too, are all alike, for the whole world can constitute Socrates’ discipleship, since Socrates desires nothing but to draw out what lies within the human soul; and again, Socrates relates to his disciples in only one way. Christ Jesus, however, stands in two ways: differently toward his intimate disciples, differently toward the crowd. What is the reason for this?
[ 21 ] Wenn man erkennen will, welche Bewandtnis es damit hat, so muß man sich einmal den ganzen Werdewendepunkt der Zeiten klarmachen, der da steht vor unserer Seele für die Zeit des Mysteriums von Golgatha. Die Zeiten gehen zu Ende, in denen das alte Hellsehen allgemeine menschliche Eigenschaft war. Je weiter wir zurückgehen in der Menschheitsevolution, desto mehr kommen wir zu den Zeiten, in denen das alte Hellsehen allgemeines Menschengut war, wo die Menschen in die geistigen Welten hineingesehen haben. Wie haben sie hineingesehen? So haben sie hineingesehen, daß ihr Sehen ein Schauen der Weltengeheimnisse in Bildern, in unbewußten oder unterbewußten Imaginationen war, ein traumhaftes Hellsehen in traumhaften Imaginationen, nicht in solchen Vernunftbegriffen, wie sie heute der Mensch sich klarmacht, wenn er erkennen will. Was heute Wissenschaft, aber auch was heute populäres Denken ist, was nüchterne Vernunft und Urteilskraft ist, das war in jenen alten Zeiten nicht vorhanden. Wenn der Mensch der Außenwelt gegenüberstand, so stand er ihr gegenüber, indem er sie sah; aber er zergliederte sie nicht in Begriffe, er hatte keine Logik, er dachte nicht kombinierend über die Dinge. Es ist für den heutigen Menschen sogar schwer, sich das vorzustellen, weil man heute über alles denkt. Aber der alte Mensch hat nicht so gedacht. Er ging an den Dingen vorbei, er sah sie und prägte sich die Bilder ein, und erklärbar war ihm das, wenn er in den Zwischenzuständen zwischen Wachen und Schlafen in seine traumhaft imaginative Welt hineinsah. Da sah er Bilder.
[ 21 ] If one wishes to understand what this is all about, one must first grasp the entire turning point in the course of history that stands before our souls in connection with the time of the Mystery of Golgotha. The times are coming to an end in which the old clairvoyance was a common human faculty. The further back we go in human evolution, the more we come to the times when the old clairvoyance was a common human faculty, when people looked into the spiritual worlds. How did they see into them? They saw in such a way that their vision was a beholding of the world’s mysteries in images, in unconscious or subconscious imaginings—a dreamlike clairvoyance in dreamlike imaginings, not in the rational concepts with which people today make sense of things when they seek to understand. What is science today, but also what is popular thinking today—what constitutes sober reason and judgment—did not exist in those ancient times. When a person faced the external world, they faced it by seeing it; but they did not break it down into concepts, they had no logic, they did not think about things in a combinatory way. It is even difficult for people today to create a mental image of this, because today we think about everything. But ancient people did not think that way. They passed by things, they saw them and imprinted the images on their minds, and this became understandable to them when, in the intermediate states between waking and sleeping, they looked into their dreamlike, imaginative world. There they saw images.
[ 22 ] Stellen wir uns die Sache konkreter vor. Stellen wir uns vor, der alte Mensch vor vielen, vielen Jahrtausenden hätte seine Umwelt betrachtet. Es wäre ihm aufgefallen, daß da irgendein Lehrer gewesen wäre, der seinen Schülern etwas erklärt hätte. Da hätte sich der alte Mensch hingestellt und zugehört, was für Worte der Lehrer seinem Schüler sagte. Und wenn mehr Schüler dagewesen wären, hätte er zugehört, wie der eine recht inbrünstig die Worte aufnimmt; der andere nimmt sie auch auf, aber er läßt sie bald fallen; ein dritter ist so hingenommen von seinem Egoismus, daß er nicht hinhört. VerstandesmäBig vergleichen hätte der alte Mensch zum Beispiel drei solche Schüler nicht können. Aber wenn er in den Zwischenzuständen zwischen Wachen und Schlafen war, dann kam ihm das Ganze wieder als Bild vor die Seele. Dann hätte er zum Beispiel so etwas sehen können, wie ein Säemann geht, Saat ausstreut — das hätte er wirklich als hellseherisches Bild gesehen —: die eine Saat wirft er in guten Boden, da geht sie gut auf; die zweite Saat wirft er in schlechteren Boden, die dritte in steinigen Boden. Von dem, was in den zweiten Boden fiel, geht weniger auf, und von dem, was in den dritten Boden fiel, gar nichts. Der alte Mensch hätte nicht so gesagt wie der heutige Mensch: Der eine Schüler nimmt die Worte auf, der andere nimmt sie gar nicht auf und so weiter. Aber in den Zwischenzuständen zwischen Wachen und Schlafen sah er das Bild, da sah er die Erklärung. Und anders hätte er nie darüber gesprochen. Hätte man ihn gefragt, wie er sich das Verhältnis des Lehrers zu den Schülern erklärt, so hätte er sein hellseherisches ’Traumbild erzählt. Das war für ihn die Realität, aber auch die Erklärung der Sache. So hätte er gesprochen.
[ 22 ] Let’s create a more concrete mental image of this. Let’s imagine that an ancient person, many, many millennia ago, had observed his surroundings. He would have noticed that there was a teacher there explaining something to his students. The ancient person would have stood there and listened to the words the teacher spoke to his students. And if there had been more students there, he would have heard how one absorbed the words quite fervently; another also took them in, but soon let them slip away; a third was so absorbed in his own self-interest that he did not listen. Intellectually, for example, the ancient human being would not have been able to compare three such students. But when he was in the intermediate states between waking and sleeping, the whole scene would appear again as an image before his soul. Then he might have seen, for example, something like a sower walking and scattering seed—he would have seen this as a clairvoyant image—: he casts one seed into good soil, where it sprouts well; the second seed he casts into poorer soil, the third into stony soil. Of what fell on the second soil, less sprouts, and of what fell on the third soil, nothing at all. The ancient person would not have spoken as people do today: one student takes in the words, another takes them in not at all, and so on. But in the intermediate states between waking and sleeping, he saw the image; there he saw the explanation. And he would never have spoken of it otherwise. If one had asked him how he explained the relationship between the teacher and the students, he would have recounted his clairvoyant ‘dream image.’ That was reality for him, but also the explanation of the matter. That is how he would have spoken.
[ 23 ] Nun hatte die Menge, die dem Christus Jesus gegenüberstand, von dem alten Hellsehertum zwar nur noch letzte Reste; aber die Seelen waren noch dazu geschickt, zuzuhören, wenn in Bildern gesprochen wurde von dem Hergang des Seins und des Menschheitswerdens. Und wie zu jemand, der sich noch die letzte Erbschaft des alten Hellsehens erhalten hatte und hineingetragen hatte in das gewöhnliche Seelenleben, so sprach der Christus Jesus zur Menge.
[ 23 ] Now, the crowd standing before Christ Jesus retained only the faintest remnants of the ancient art of clairvoyance; yet their souls were still capable of listening when the course of existence and the evolution of humanity were described in imagery. And just as one would speak to someone who had preserved the last legacy of the ancient clairvoyance and carried it into ordinary spiritual life, so Christ Jesus spoke to the crowd.
[ 24 ] Und welches waren die intimen Schüler? Wir haben gehört, wie sie sich zu den Zwölfen zusammensetzten aus den sieben Söhnen der Makkabäermutter und den fünf Söhnen des Mattathias. Wir haben gehört, wie sie aufgerückt waren durch das ganze althebräische Volk hindurch zu der starken Betonung des unsterblichen Ich. Sie waren die wirklich ersten, die der Christus Jesus sich auswählen konnte, um an das zu appellieren, was in jeder Seele lebt, so lebt, wie es werden sollte zu einem neuen Ausgangspunkt für das Menschenwerden. Zur Menge sprach er, indem er voraussetzte, daß sie das verstehe, was sich als Erbschaft von dem alten Hellsehen erhalten hat; zu seinen Jüngern sprach er so, daß er von ihnen voraussetzen konnte, daß sie die ersten seien, die schon etwas von dem verstehen konnten, wie wir heute von den höheren Welten zu den Menschen sprechen. Es war also durch den ganzen Zeitenwendepunkt geboten, daß der Christus Jesus in verschiedener Weise sprach, wenn er zur Menge sprach und wenn er zu denen sprach, die seine intimen Schüler waren. Mitten hinein in die Menge stellt er sie, die er als die Zwölf an sich zog. Was für die Folgezeit allgemeines Menschengut werden sollte, verstehen, vernunftgemäß verstehen, was sich auf die höheren Welten und auf die Geheimnisse der Menschheitsevolution bezieht, das war die Aufgabe des engeren Schülerkreises des Christus Jesus. Er sprach — nehmen Sie nur das Ganze, was er da sagte bei der Auslegung des Gleichnisses für seine Schüler —, man möchte sagen, auch in sokratischen Worten. Denn das, was er da sprach, das holte er aus jeder Seele selber heraus, nur daß Sokrates sich mehr beschränkte auf die irdischen Verhältnisse, man möchte sagen, auf die gemeine Logik, während der Christus Jesus über die spirituellen Angelegenheiten sprach. Aber er sprach über die spirituellen Angelegenheiten, wenn er zu seinen intimen Schülern sprach, auf sokratische Art. Wenn Buddha zu seinen Schülern sprach, dann sprach er so, daß er ihnen die spirituellen Angelegenheiten klarlegte, aber so klarlegte, wie es die Erleuchtung gibt, wie es also nur der Aufenthalt der Menschenseele in den höheren Welten gibt. Wenn der Christus zur Menge sprach, dann sprach er so, wie es die gewöhnliche Menschenseele in früheren Zeiten in den höheren Welten erlebt hat. Zur Menge sprach er, man möchte sagen, wie ein populärer Buddha; zu seinen intimen Schülern sprach er wie ein höherer Sokrates, wie ein spiritualisierter Sokrates. Sokrates holte die individuelle, irdische Vernunft aus den Seelen seiner Schüler heraus; der Christus holte die himmlische Vernunft aus den Seelen seiner Schüler heraus. Der Buddha gab seinen Schülern die himmlische Erleuchtung; der Christus gab der Menge die irdische Erleuchtung in seinen Gleichnissen.
[ 24 ] And who were the inner circle of disciples? We have heard how they came together as the Twelve, comprising the seven sons of the mother of the Maccabees and the five sons of Mattathias. We have heard how they had advanced through the entire ancient Hebrew people toward the strong emphasis on the immortal Self. They were truly the first whom Christ Jesus could choose to appeal to that which lives in every soul, so that it might become a new starting point for human evolution. He spoke to the crowd, assuming that they understood what had been preserved as a legacy from the ancient clairvoyance; to his disciples he spoke in such a way that he could assume they were the first who could already understand something of how we speak to people today from the higher worlds. It was therefore dictated by the entire turning point of the ages that Christ Jesus spoke in different ways when he addressed the crowd and when he spoke to those who were his intimate disciples. He placed those whom he drew to himself as the Twelve right in the midst of the crowd. To understand—to understand rationally—what would become the common heritage of humanity in the time to come, namely, what pertains to the higher worlds and the mysteries of human evolution: that was the task of the inner circle of disciples of Christ Jesus. He spoke—just take everything he said there in explaining the parable to his disciples—one might say, even in Socratic terms. For what he spoke there, he drew out of each soul itself; only that Socrates confined himself more to earthly conditions, one might say, to common logic, while Christ Jesus spoke of spiritual matters. But when he spoke to his inner circle of disciples about spiritual matters, he did so in a Socratic manner. When the Buddha spoke to his disciples, he explained spiritual matters to them, but he explained them in a way that revealed enlightenment—that is, the human soul’s existence in the higher worlds. When Christ spoke to the crowd, he spoke in a way that the ordinary human soul had experienced in earlier times in the higher worlds. To the crowd, he spoke, one might say, like a popular Buddha; to his inner disciples, he spoke like a higher Socrates, like a spiritualized Socrates. Socrates drew the individual, earthly reason out of the souls of his disciples; Christ drew the heavenly reason out of the souls of his disciples. The Buddha gave his disciples heavenly enlightenment; Christ gave the crowd earthly enlightenment in his parables.
[ 25 ] Ich bitte Sie, nehmen Sie diese drei Bilder: drüben im Ganges-Lande den Buddha mit seinen Schülern — das Gegenbild des Sokrates; drüben in Griechenland den Sokrates mit seinen Schülern — das Gegenbild des Buddha. Und dann diese merkwürdige Synthese, diese merkwürdige Verbindung vier bis fünf Jahrhunderte später. Da haben Sie den gesetzmäßigen Werdegang der Menschheitsevolution an einem der größten Beispiele vor Ihrer Scele stehen.
[ 25 ] I ask you to consider these three images: over in the land of the Ganges, the Buddha with his disciples—the counterpart to Socrates; over in Greece, Socrates with his disciples—the counterpart to the Buddha. And then this remarkable synthesis, this remarkable connection four or five centuries later. There you have the lawful course of human evolution laid out before your eyes in one of the greatest examples.
[ 26 ] Die Menschheitsevolution geht Schritt für Schritt weiter. Vieles von dem, was auf den ersten Stufen der geisteswissenschaftlichen Erkenntnis die Jahre her angeführt wurde, es könnte manchem vorkommen wie eine Art Theorie, wie eine Art bloßer Lehre. So zum Beispiel haben gewiß viele gedacht, so etwas sei eine bloße Lehre, eine bloße Theorie, wenn davon gesprochen wird, daß die Menschenseele zu denken ist als ein Zusammenwirken von Empfindungsseele, Verstandes- oder Gemütsseele und Bewußtseinsseele. Gewiß, es gibt Leute, die rasch urteilen. Wie haben wir es doch erlebt, daß noch viel rascher geurteilt wird, noch viel rascher, als diejenigen urteilen, die zunächst so etwas, wo gleichsam die ersten Linien gezeichnet werden für eine weitere Entwickelung, für sich als fertig hinnehmen. Es gibt ja auch ganz andere Beurteilungen noch. Es ist schon gut, wenn wir Anthroposophen auch auf die Art aufmerksam gemacht werden, wie man nicht denken sollte.
[ 26 ] Human evolution proceeds step by step. Much of what has been presented over the years in the early stages of Spiritual Science may seem to some like a kind of theory, a kind of mere doctrine. For example, many have certainly thought that such a thing is merely a doctrine, a mere theory, when it is said that the human soul is to be conceived as an interplay of the soul of feeling, the soul of understanding or the soul of emotion, and the soul of consciousness. Certainly, there are people who are quick to judge. How often have we seen that judgments are made even more hastily, even more hastily than by those who initially accept such a concept—where, as it were, the first outlines are drawn for further development—as complete in and of itself. There are, of course, quite different assessments as well. It is indeed good when we anthroposophists are also made aware of the ways in which one should not think.
[ 27 ] Manchmal treten einem krasse Beispiele entgegen, wie man nicht denken sollte, wovon aber viele Leute glauben, daß man so denken dürfe. Heute morgen erzählte mir jemand ein niedliches Beispiel von einer sonderbaren Art des Denkens. Ich gebrauche es hier nur als ein Exempel, aber als eines jener Exempel, die wir uns recht gut in die Seele schreiben sollten, weil wir als Anthroposophen nicht nur die Unarten der Welt kennenlernen sollen, sondern tatsächlich etwas zur immer weitergehenden Vervollkommnung der Seele tun sollen. Daher geschicht es nicht aus einem persönlichen Grunde, sondern aus einem allgemeinen spirituellen Grunde, wenn ich das als ein Exempel gebrauche, was mir heute morgen gesagt worden ist.
[ 27 ] Sometimes we come across striking examples of how one should not think, yet many people believe that such thinking is permissible. This morning, someone told me a charming example of a peculiar way of thinking. I am using it here merely as an example, but as one of those examples that we should really take to heart, because as anthroposophists we are not only meant to become acquainted with the world’s vices, but are actually meant to do something to further the ever-increasing perfection of the soul. Therefore, it is not for a personal reason, but for a general spiritual reason, that I use as an example what was told to me this morning.
[ 28 ] Da wurde erzählt: In einem gewissen Gebiete Europas gibt es einen Herrn, der vor langer Zeit einmal die unzutreffendsten Dinge hat drucken lassen über dasjenige, was in Steiners «Theosophie» gelehrt wird, oder über die Art, wie er sich überhaupt zur spirituellen Bewegung verhält. Nun hat man es heute einer Persönlichkeit vorgeworfen, daß ein Bekannter dieser Persönlichkeit — nämlich dieser eben angeführte Herr — so etwas hat drucken lassen. Was sagte diese Persönlichkeit? «Ja, dieser mein Bekannter fängt jetzt an, in intensivster Weise die Werke von Dr. Steiner zu studieren.» Aber vor Jahren hat er sein Urteil abgegeben, und jetzt wird es als Entschuldigung aufgefaßt, daß er jetztanfängt, die Dinge zu studieren! Das istein unmögliches Denken innerhalb unserer Bewegung. Die zukünftigen Zeiten, die einmal geschichtlich darüber schreiben werden, werden die Frage aufwerfen: Hat es so etwas überhaupt einmal gegeben, daß es jemandem einfällt, nachdem ein Mensch vor Jahren über eine Sache sein Urteil abgegeben hat, entschuldigend zu sagen, er fängt jetzt an, sich mit der Sache bekannt zu machen?
[ 28 ] It was said that in a certain part of Europe there is a gentleman who, a long time ago, had the most inaccurate things printed about what is taught in Steiner’s *Theosophy*, or about the way he relates to the spiritual movement in general. Now, a certain individual has been reproached today because an acquaintance of this individual—namely, the gentleman just mentioned—had such a thing printed. What did this individual say? “Yes, this acquaintance of mine is now beginning to study Dr. Steiner’s works in the most intensive way.” But he passed judgment years ago, and now the fact that he is now beginning to study these things is taken as an excuse! That is an impossible way of thinking within our movement. Future generations, who will one day write about this in history, will raise the question: Has there ever been such a thing, that it occurs to someone, after a person has passed judgment on a matter years ago, to say by way of excuse that he is now beginning to familiarize himself with the matter?
[ 29 ] Diese Dinge gehören zur anthroposophischen Erziehung, und erst dann kommen wir weiter, wenn wirklich einmal das Urteil allgemein wird, daß solche Dinge unmöglich sein müssen innerhalb der anthroposophischen Bewegung, ganz unmöglich sein müssen. Denn es gehört zur inneren Ehrlichkeit, in dieser Weise gar nicht denken zu können. Man kann ja keinen Schritt machen in der Erkenntnis der Wahrheit, wenn man ein solches Urteil überhaupt noch fällen kann. Und es ist eine Pflicht des Anthroposophen, diese Dinge zu bemerken, nicht lieblos an ihnen vorüberzugehen und über «allgemeine Menschenliebe » zu reden. Es ist im höheren Sinne des Wortes lieblos gegenüber einem Menschen, wenn man ihm so etwas verzeiht. Denn man verurteilt ihn dadurch karmisch zur Wesens- und Bedeutungslosigkeit nach dem Tode. Wenn man ihn auf die Unmöglichkeit eines solchen Urteils aufmerksam macht, erleichtert man ihm sein Dasein nach dem Tode. Das ist die tiefere Bedeutung der Sache.
[ 29 ] These things are part of anthroposophical education, and we will only make progress once the general consensus is that such things simply cannot be allowed within the anthroposophical movement—they must be completely out of the question. For it is a matter of inner honesty not to be able to think in this way at all. One cannot take a single step toward the recognition of truth if one is still capable of making such a judgment at all. And it is the duty of the anthroposophist to take note of these things, not to pass them by unkindly and speak of “universal love for humanity.” In the higher sense of the word, it is unloving toward a person to forgive them for such a thing. For in doing so, one condemns them karmically to insignificance and meaninglessness after death. By drawing their attention to the impossibility of such a judgment, one eases their existence after death. That is the deeper meaning of the matter.
[ 30 ] So darf es auch hier nicht leichtgenommen werden, wenn einfach zunächst die Wahrheit hingestellt wird: Die menschliche Seele setzt sich zusammen aus den drei Gliedern: Empfindungsseele, Verstandesoder Gemütsseele und Bewußtseinsseele. Es trat ja schon im Laufe der Jahre hervor, daß eine solche Sache eine viel tiefere Bedeutung noch hat als bloß die einer systematischen Einteilung der Seele. Es wurde auseinandergesetzt, daß sich in der nachatlantischen Zeit nach und nach die einzelnen Kultuten entwickelten: die alte indische, die urpersische, die ägyptisch-chaldäische, die griechisch-lateinische und danach die unsrige. Und es wurde gezeigt, daß das Wesentliche der babylonisch-chaldäisch-ägyptischen Kulturperiode darin zu suchen ist, daß damals in Wahrheit des Menschen Empfindungsseele eine besondere Entwickelung durchgemacht hat. Ebenso haben wir in der griechisch-lateinischen Zeit eine besondere Kultur der Verstandes- oder Gemütsseele und in unserer Zeit eine Kultur der Bewußtseinsseele. So stehen wir diesen drei Kulturepochen gegenüber. So wirken sie an der Erziehung und Evolution der Menschenseele selber. Diese drei Seelenglieder sind nicht etwas, was ausspintisiert ist, sondern etwas, was lebendig da ist und sich in den aufeinanderfolgenden Zeiten aufeinanderfolgend entwickelt.
[ 30 ] So this should not be taken lightly either, even if the truth is simply stated at the outset: The human soul is composed of three parts: the soul of sensation, the soul of understanding or feeling, and the soul of consciousness. It has become clear over the years that such a concept has a much deeper significance than merely a systematic classification of the soul. It has been explained that in the post-Atlantean era, the individual cultures developed one after another: the ancient Indian, the primordial Persian, the Egyptian-Chaldean, the Greco-Latin, and subsequently our own. And it has been shown that the essence of the Babylonian-Chaldean-Egyptian cultural period lies in the fact that, in truth, the human feeling soul underwent a special development at that time. Similarly, in the Greek-Latin period we have a special culture of the intellectual or emotional soul, and in our own time a culture of the conscious soul. Thus we face these three cultural epochs. Thus they influence the education and evolution of the human soul itself. These three soul members are not something that has been conjured up, but something that is alive and develops successively through the successive ages.
[ 31 ] Aber alles muß zusammenhängen. Das Frühere muß immer in das Spätere hinübergenommen werden, und ebenso muß in dem Früheren das Spätere vorausgenommen werden. In welcher Kulturperiode leben Buddha und Sokrates? In der vierten nachatlantischen Epoche. Da stehen sie darinnen, da, wo die Verstandes- oder Gemütsseele besonders zum Ausdruck kommt. Beide haben darin ihre Mission, ihre Aufgabe.
[ 31 ] But everything must be interconnected. What comes before must always be carried over into what comes after, and likewise, what comes after must be foreshadowed in what comes before. In which cultural epoch do Buddha and Socrates live? In the fourth post-Atlantean epoch. There they stand within it, where the intellectual or emotional soul is particularly expressed. Both have their mission, their task, within it.
[ 32 ] Buddha hat die Aufgabe, die Kultur der Empfindungsseele aus der vorhergehenden Epoche, aus der dritten, in die vierte hinein zu bewahren. Was der Buddha verkündet, was die Schüler des Buddha in ihr Herz aufnehmen, das ist das, was herüberleuchten soll aus der dritten nachatlantischen Kulturperiode, welche die Kulturperiode der Empfindungsseele ist, in die vierte, in die Verstandes- oder Gemütsseelenzeit hinein. So daß also die Zeit der Verstandes- oder Gemütsseele, die vierte nachatlantische Kulturperiode, durchwärmt, durchglüht, durchleuchtet wird durch die Buddha-Lehre, durch das, was die noch vom Hellsehen durchzogene Empfindungsseelenzeit hervorgebracht hat. Der große Konservator der Empfindungsseelenkultur hinein in die Kultur der Verstandes- oder Gemütsseele ist der Buddha. — Welche Mission kommt dem etwas später auftretenden Sokrates zu?
[ 32 ] The Buddha’s task is to preserve the culture of the feeling soul from the preceding epoch—the third—and carry it into the fourth. What the Buddha proclaims, what the Buddha’s disciples take to heart—that is what is to shine over from the third post-Atlantean cultural epoch, which is the cultural epoch of the feeling soul, into the fourth, the epoch of the intellectual or emotional soul. So that the era of the intellectual or emotional soul, the fourth post-Atlantean cultural period, is warmed, purified, and illuminated by the Buddha’s teaching, by what the era of the feeling soul—still permeated by clairvoyance—has brought forth. The great preserver of the culture of the feeling soul into the culture of the intellectual or emotional soul is the Buddha. — What mission is assigned to Socrates, who appeared somewhat later?
[ 33 ] Sokrates steht ebenso in der Verstandes- oder Gemütsseelenzeit darinnen. Er appelliert an die einzelne Individualität des Menschen, an das, was erst in unserem fünften Kulturzeitalter recht herauskommen kann. Er hat hereinzunehmen in einer noch abstrakten Form die Bewußtseinsseelenzeit in die Zeit der Verstandes- oder Gemütsseele. Buddha bewahrt das Vorhergehende. Daher erscheint das, was er verkündet, wie ein wärmendes, leuchtendes Licht. Sokrates nimmt herein, was für ihn Zukunft ist, was das Charakteristikon der Bewußtseinsseelenzeit ausmacht. Daher erscheint es in seiner Zeit wie ein Nüchternes, wie ein bloß Verstandesmäßiges, wie ein Trockenes.
[ 33 ] Socrates is also represented within the era of the intellectual or emotional soul. He appeals to the individuality of the human being, to that which can only truly emerge in our fifth cultural epoch. He must incorporate, in a still abstract form, the era of the consciousness soul into the era of the intellectual or emotional soul. Buddha preserves what has gone before. Therefore, what he proclaims appears like a warming, radiant light. Socrates brings in what is the future for him, what constitutes the characteristic of the era of the consciousness soul. Therefore, in his time, it appears as something sober, as something purely intellectual, as something dry.
[ 34 ] So schieben sich zusammen in dem vierten Kulturzeitraum der dritte, vierte und fünfte; der dritte wird bewahrt durch Buddha, der fünfte wird vorausgenommen durch Sokrates. Abendland und Morgenland sind dazu da, um diese zwei Verschiedenheiten aufzunehmen; das Morgenland, um zu bewahren die Größe der vergangenen Zeit; das Abendland beschäftigt sich damit, in einer früheren Zeit vorauszunehmen, was in späterer Zeit herauskommen soll.
[ 34 ] Thus, in the fourth cultural period, the third, fourth, and fifth periods converge; the third is preserved by Buddha, and the fifth is foreshadowed by Socrates. The West and the East exist to accommodate these two differences; the East to preserve the greatness of the past; the West to anticipate in an earlier time what is to emerge in a later time.
[ 35 ] Es ist ein gerader Weg von uralten Zeiten der Menschheitsevolution, in welchen der Buddha immer als der Bodhisattya aufgetreten war, bis zu der Zeit, da der Bodhisattva zum Buddha aufgestiegen ist. Es ist eine große, fortlaufende Entwickelung, die ihr Ende findet mit dem Buddha und die auch wirklich dadurch ihr Ende findet, daß der Buddha seine letzte irdische Inkarnation erlebt und nicht mehr auf die Erde herabkommt. Es ist eine große Zeit, die damals ihr Ende findet, indem sie aus uralten Zeiten herüberbrachte, was die Empfindungsseelenkultur der dritten nachatlantischen Kulturepoche war, und diese wieder aufleuchten ließ. Lesen Sie des Buddha Reden von diesem Gesichtspunkte aus, dann werden Sie den richtigen Stimmungsgehalt bekommen, und dann wird für Sie dieses Eintreten der Verstandesoder Gemütsseelenzeit vielleicht noch einen ganz anderen Wert erhalten. Dann werden Sie an die Buddha-Reden gehen und sagen: Dadrinnen ist doch alles so, daß es unmittelbar zum menschlichen Gemüt spricht; aber dahinter ist etwas, was diesem Gemüt sich entzieht und einer höheren Welt angehört. Daher auch jene eigentümliche, für den gewöhnlichen Verstandesmenschen anstößige rhythmische Bewegung in den Wiederholungen der Buddha-Reden, die wir gerade dann zu verstehen beginnen, wenn wir aus dem Physischen ins Ätherische hineinkommen, welches das nächste Übersinnliche hinter dem Sinnlichen ist. Wer da versteht, wie vieles im Ätherleibe wirkt, der hinter dem physischen Leib ist, der versteht auch, warum vieles in den Reden des Buddha sich immer wieder und wieder wiederholt. Das Eigentümliche der Stimmung der Buddha-Reden darf man ihnen nicht nehmen, indem man die Wiederholungen ausschaltet. Abstraktlinge haben es gemacht, haben geglaubt, sie tun etwas Gutes, wenn sie nur den Inhalt herausnehmen und die Wiederholungen meiden. Es kommt aber darauf an, daß man alles so stehen läßt, wie es Buddha gegeben hat.
[ 35 ] It is a straight path from the ancient times of human evolution, during which the Buddha always appeared as the Bodhisattva, up to the time when the Bodhisattva ascended to become the Buddha. It is a great, continuous development that finds its end with the Buddha and truly comes to an end when the Buddha experiences his final earthly incarnation and no longer descends to Earth. It is a great era that came to an end at that time, having carried over from ancient times what constituted the culture of the feeling soul of the third post-Atlantean cultural epoch and having caused it to shine forth anew. If you read the Buddha’s discourses from this perspective, you will grasp their true spirit, and then the advent of the era of the intellectual or emotional soul may take on a quite different significance for you. Then you will approach the Buddha’s discourses and say: Everything in them speaks directly to the human heart; but behind it lies something that eludes this soul and belongs to a higher world. Hence also that peculiar rhythmic movement in the repetitions of the Buddha’s discourses—which is offensive to the ordinary intellectual person—which we begin to understand precisely when we move from the physical into the etheric, which is the next supersensible realm beyond the sensible. Whoever understands how much is at work in the etheric body, which lies behind the physical body, also understands why so much in the Buddha’s discourses is repeated over and over again. One must not deprive the Buddha’s discourses of their distinctive mood by eliminating the repetitions. Abstracterists have done this, believing they are doing something good by extracting only the content and avoiding the repetitions. But what matters is that one leaves everything as the Buddha gave it.
[ 36 ] Wenn wir nun Sokrates betrachten, noch ganz ohne all den reichen Stoff, der seither in den naturwissenschaftlichen und menschenwissenschaftlichen Entdeckungen vorliegt, wenn wir betrachten, wie Sokrates an die gewöhnlichen Dinge geht, dann hat der, welcher ihn heute, angelehnt an den naturwissenschaftlichen Stoff, vornimmt, dort überall darinnen die sokratische Methode. Man sucht sie auch und will sie haben. Es ist eine große Linie, die von Sokrates beginnt, bis in unsere Zeit hereingeht und immer mehr an Vollkommenheit gewinnen wird.
[ 36 ] If we now consider Socrates, still entirely without all the rich material that has since become available through discoveries in the natural and human sciences, if we consider how Socrates approaches ordinary things, then the one who approaches him today, drawing on scientific material, finds the Socratic method everywhere within it. People also seek it and want it. It is a great line that begins with Socrates, extends into our time, and will continue to grow in perfection.
[ 37 ] So haben wir einen Strom der Menschheitsentwickelung, der bis zum Buddha hingeht und dort ein Ende erreicht; und wir haben einen anderen Strom, der mit Sokrates beginnt und in eine ferne Zukunft hineingeht. Sokrates und Buddha stehen nebeneinander gleichsam wie zwei Kometenkerne, wenn das Bild erlaubt ist; der Kometenlichtschweif bei Buddha sich um den Kern legend und weit, weit in unbestimmte Vergangenheitsperspektiven hineinweisend; der Kometenlichtschweif bei Sokrates ebenfalls sich um den Kern legend und weit, weit hineinleuchtend in unbestimmte Zukunftsfernen. Zwei auseinandergehende Kometen, nach einander entgegengesetzten Richtungen gehend, deren Kerne gleichzeitig leuchten, das ist das Bild, das ich dafür gebrauchen möchte, wie Sokrates und Buddha nebeneinander stehen.
[ 37 ] Thus we have a stream of human development that extends all the way to the Buddha and comes to an end there; and we have another stream that begins with Socrates and extends into the distant future. Socrates and the Buddha stand side by side, as it were, like two comet nuclei, if the image is permissible; the comet’s tail of light surrounding the Buddha’s nucleus and pointing far, far into indefinite perspectives of the past; the comet’s tail of light surrounding Socrates’ nucleus as well and shining far, far into indefinite distances of the future. Two diverging comets, traveling in opposite directions, whose nuclei shine simultaneously—that is the image I would like to use to describe how Socrates and Buddha stand side by side.
[ 38 ] Ein halbes Jahrtausend vergeht, und etwas wie eine Zusammenfügung der beiden Strömungen findet statt durch den Christus Jesus. Wir haben es schon charakterisiert, indem wir einige Tatsachen vor unsere Seele hinstellten. Wir wollen morgen in der Charakteristik fortfahren, um uns die Frage zu beantworten: Welches ist die in bezug auf die Menschenseele richtig zu charakterisierende Mission des Christus Jesus?
[ 38 ] Half a millennium passes, and something like a merging of the two currents takes place through Christ Jesus. We have already characterized this by setting forth a few facts before our souls. We shall continue this characterization tomorrow in order to answer the question: What is the mission of Christ Jesus that must be correctly characterized in relation to the human soul?
