The Gospel of Mark
GA 139
17 September 1912, Basel
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The Gospel of Mark, tr. SOL
Dritter Vortrag
Third Lecture
[ 1 ] Im Beginne des Markus-Evangeliums werden wir hingeführt zu der großen Gestalt des Täufers. Wie bedeutsam auf der einen Seite Johannes der Täufer eingeführt wird durch das Markus-Evangelium, wie bedeutsam er kontrastiert wird mit dem Christus Jesus selber, darauf ist gestern schon hingewiesen worden. Man wird, wenn man das Markus-Evangelium in seiner Einfachheit auf sich wirken läßt, sogleich einen bedeutsamen Eindruck gewinnen von der Gestalt des Täufers. Gehen wir dann auf die geisteswissenschaftlichen Hintergründe dieser Gestalt ein, so erscheint uns der Täufer erst gewissermaßen in seiner vollen Größe. Es ist von mir des öfteren auseinandergesetzt worden, wie wir den Täufer, auch im Sinne des Evangeliums selber — denn wir wissen, daß dies im Evangelium deutlich ausgesprochen ist — als eine Wiederverkörperung des Propheten Elias aufzufassen haben (siehe Matth. 11, 14). Geisteswissenschaftlich werden wir daher, um so recht den tieferen Grund der Begründung des Christentums und des Mysteriums von Golgatha einzusehen, die Gestalt des Täufers eben auf dem Hintergrunde dessen zu sehen haben, was uns im Propheten Elias entgegentritt. An dieser Stelle soll nur kurz angedeutet werden, um was es sich da handelt; denn ich habe gelegentlich der letzten Generalversammlung der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft in Berlin gerade etwas ausführlicher über den Propheten Elias gesprochen.
[ 1 ] At the beginning of the Gospel of Mark, we are introduced to the great figure of John the Baptist. The significance of how John the Baptist is introduced in the Gospel of Mark, and how he is contrasted with Christ Jesus himself, was already pointed out yesterday. If one allows the Gospel of Mark to take effect in its simplicity, one immediately gains a profound impression of the figure of John the Baptist. When we then delve into the background of Spiritual Science concerning this figure, John the Baptist appears to us, so to speak, in his full stature. I have often discussed how we must understand John the Baptist—even in the sense of the Gospel itself, for we know that this is clearly stated in the Gospel—as a reincarnation of the prophet Elijah (see Matt. 11:14). From a perspective of Spiritual Science, therefore, in order to truly grasp the deeper basis for the foundation of Christianity and the Mystery of Golgotha, we must view the figure of John the Baptist precisely against the backdrop of what we encounter in the prophet Elijah. At this point, I shall only briefly indicate what this is all about; for I spoke in somewhat greater detail about the prophet Elijah on the occasion of the last general assembly of the German Section of the Theosophical Society in Berlin.
[ 2 ] Alles, was die Geisteswissenschaft, die okkulte Forschung, über den Propheten Elias zu sagen hat, bestätigt sich ja vollständig durch dasjenige, was in der Bibel selbst steht, während beim gewöhnlichen Lesen der entsprechenden Kapitel über Elias in der Bibel ganz zweifellos vieles unerklärlich bleibt. Ich mache nur auf das eine aufmerksam.
[ 2 ] Everything that Spiritual Science and occult research have to say about the prophet Elijah is, in fact, fully confirmed by what is written in the Bible itself, whereas a casual reading of the relevant chapters about Elijah in the Bible undoubtedly leaves much unexplained. I would like to draw attention to just one point.
[ 3 ] Wir lesen in der Bibel, daß Elias gleichsam herausfordert die ganze Gefolgschaft und das ganze Volk des Königs Ahab, unter dem er lebt, daß er den Baalspriestern, seinen Gegnern, sich selbst gegenüberstellt; daß er gleichsam zwei Altäre einrichtet, die Baalspriester ihr Opfertier darauflegen läßt, darnach auf seinen Altar sein Opfertier legt und dann zeigt, wie nichtig alles das ist, was über die Baalspriester von seiner Gegnerschaft gesagt wird, weil nichts sich zeigt von spiritueller Größe bei dem Baalsgotte, während sich die Größe und Bedeutung des Jahve oder Jehova sogleich an dem Opfer des Elias zeigt. Es ist ein Sieg, den Elias gewinnt über die Anhänger des Baal. Dann wird merkwürdigerweise erzählt, wie Ahab einen Nachbarn hat, Naboth, der einen Weinberg besitzt, wie Ahab, der König, diesen Weinberg gewinnen will, Naboth sich ihn aber nicht abdingen läßt, weil er ihm heilig ist als das Erbe seiner Väter. Nun finden wir zwei Tatsachen in der Bibel. Auf der einen Seite wird uns erzählt, daß Isebel, die Königin, die Feindin wird des Elias und erklärt, daß sie dafür sorgen werde, daß Elias ebenso getötet werde, wie durch seinen Sieg auf dem Altar seine Gegner, die Baalspriester, getötet worden sind. Aber so, wie es die Bibel uns erzählt, tritt dieser Tod durch die Isebel nicht ein; dagegen tritt etwas anderes ein. Naboth, der Nachbar des Königs, wird zu einer Art von Bußfest berufen, zu dem die anderen Vornehmen des Staates berufen werden, und gelegentlich dieses Bußfestes wird er ermordet auf Anstiften der Isebel (1. Kön. 18-21).
[ 3 ] We read in the Bible that Elijah, as it were, challenges the entire entourage and all the people of King Ahab, under whose rule he lives, by pitting himself against the priests of Baal, his adversaries; that he, as it were, sets up two altars, has the priests of Baal place their sacrificial animal upon one, then places his own sacrificial animal upon his altar, and then demonstrates how futile all the claims made by his opponents against the priests of Baal are, because nothing of spiritual greatness is evident in the god Baal, whereas the greatness and significance of Yahweh or Jehovah is immediately evident in Elijah’s sacrifice. It is a victory that Elijah wins over the followers of Baal. Then, curiously, it is told how Ahab has a neighbor, Naboth, who owns a vineyard; how Ahab, the king, wants to acquire this vineyard, but Naboth refuses to sell it to him because it is sacred to him as the inheritance of his fathers. Now we find two facts in the Bible. On the one hand, we are told that Jezebel, the queen, becomes Elijah’s enemy and declares that she will ensure that Elijah is killed just as his opponents, the priests of Baal, were killed through his victory at the altar. But as the Bible tells us, this death at Jezebel’s hand does not occur; instead, something else happens. Naboth, the king’s neighbor, is invited to a kind of penitential feast to which the other nobles of the state are summoned, and on the occasion of this feast he is murdered at Jezebel’s instigation (1 Kings 18–21).
[ 4 ] So können wir sagen: Die Bibel scheint zu erzählen, daß Naboth durch die Isebel ermordet wird; aber Isebel kündigt gar nicht an, daß sie Naboth, sondern daß sie Elias ermorden will. Also diese Dinge stimmen gar nicht zusammen. Da setzt nun die okkulte Forschung ein und zeigt, was der Tatbestand ist: daß wir es in Elias zu tun haben mit einem umfassenden Geiste, der gleichsam unsichtbar im Lande des Ahab umgeht, daß aber dieser Geist zuzeiten seinen Einzug hält in die Seele des Naboth, gleichsam die Seele des Naboth durchdringt, so daß Naboth die physische Persönlichkeit des Elias ist, und daß wir, wenn wir von der Persönlichkeit des Naboth zu sprechen haben, von der physischen Persönlichkeit des Elias sprechen. Elias ist die unsichtbare Gestalt im Sinne der Bibel, Naboth sein sichtbarer Abdruck in der physischen Welt. Das alles habe ich in dem Vortrage «Der Prophet Elias im Lichte der Geisteswissenschaft» ausführlich dargestellt. Wenn wir uns aber auf den ganzen Geist des Elias-Werkes einlassen und wenn wir den ganzen Geist des Elias, wie er uns in der Bibel dargestellt ist, auf unsere Seele wirken lassen, so können wir sagen: In Elias tritt uns überhaupt zugleich der Geist des ganzen althebräischen Volkes entgegen. Alles, was das ganze althebräische Volk belebt und durchwebt, ist in dem Geiste des Elias enthalten. Wie den Volksgeist des althebräischen Volkes können wir ihn ansprechen. Er ist zu groß — das zeigt uns gerade die geisteswissenschaftliche Forschung —, um völlig wohnen zu können in der Seele seiner irdischen Gestalt, in der Seele des Naboth. Er umschwebt sie gleichsam wie in einer Wolke, aber er ist nicht nur in Naboth, sondern er geht herum wie ein Naturelement in dem ganzen Lande und wirkt in Regen und Sonnenschein. Das tritt ja deutlich zutage, wenn wir die ganze Beschreibung nehmen, die gleich damit beginnt, daß Trockenheit und Dürre herrscht, wie aber durch dasjenige, was Elias in dem Verhältnis zu den göttlichgeistigen Welten anordnet, der Trockenheit und Dürre und allem, was damals Not des Landes war, Abhilfe geschaffen wird. Wie ein Naturelement, wie ein Naturgesetz selber wirkt er. Und man möchte sagen: Man lernt, was in dem Geist des Elias wirkt, am besten dadurch kennen, daß man den 104. Psalm auf sich wirken läßt mit der ganzen Beschreibung des Jahve oder Jehova als der Naturgottheit, die durch alles hindurchwirkt. Nun ist Elias selbstverständlich nicht mit dieser Gottheit selbst zu identifizieren; er ist das irdische Abbild dieser Gottheit, er ist jenes irdische Abbild, das zugleich die Volksseele des althebräischen Volkes ist. Eine Art differenzierter Jehova, eine Art irdischer Jehova, oder — wie man es im Alten Testament ausdrückt — wie das Antlitz des Jehova ist dieser Geist des Elias.
[ 4 ] So we can say: The Bible seems to tell us that Naboth is murdered by Jezebel; but Jezebel does not announce that she intends to murder Naboth, but rather that she intends to murder Elijah. So these things do not fit together at all. This is where occult research comes in and reveals the facts: that in Elijah we are dealing with a comprehensive spirit that, as it were, moves invisibly throughout the land of Ahab, but that this spirit at times takes up residence in the soul of Naboth, as it were, permeating the soul of Naboth, so that Naboth is the physical personality of Elijah, and that when we speak of the personality of Naboth, we are speaking of the physical personality of Elijah. Elijah is the invisible figure in the sense of the Bible; Naboth is his visible imprint in the physical world. I have described all this in detail in the lecture “The Prophet Elijah in the Light of Spiritual Science.” But if we immerse ourselves in the entire spirit of the Elijah work and allow the whole spirit of Elijah, as presented to us in the Bible, to work upon our souls, then we can say: In Elijah, the spirit of the entire ancient Hebrew people meets us at once. Everything that animates and permeates the entire ancient Hebrew people is contained in the spirit of Elijah. We can address him as the national spirit of the ancient Hebrew people. He is too great—as Spiritual Science shows us—to be able to dwell entirely within the soul of his earthly form, within the soul of Naboth. He hovers around it, as it were, like a cloud, but he is not only in Naboth; rather, he moves about like a natural element throughout the entire land and works through rain and sunshine. This becomes clear indeed when we take the entire description, which begins with the fact that drought and aridity prevail, but how, through what Elijah commands in relation to the divine-spiritual worlds, a remedy is found for the drought and aridity and all that was then the distress of the land. He works like a natural element, like a law of nature itself. And one might say: The best way to understand what works in the spirit of Elijah is to let Psalm 104 take effect upon oneself, with its entire description of Yahweh or Jehovah as the nature deity who works through everything. Now, of course, Elijah is not to be identified with this deity himself; he is the earthly image of this deity; he is that earthly image which is at the same time the folk-soul of the ancient Hebrew people. This spirit of Elijah is a kind of differentiated Jehovah, a kind of earthly Jehovah, or—as it is expressed in the Old Testament—like the face of Jehovah.
[ 5 ] So angesehen, illustriert sich uns die Tatsache noch ganz besonders, daß derselbe Geist, der in dem Elias-Naboth lebt, nun wiedererscheint in Johannes dem Täufer. Wie wirkt er in Johannes dem Täufer? Zunächst, im Sinne der Bibel und namentlich im Sinne des MarkusEvangeliums, wirkt er durch dasjenige, was die Taufe ist. Was ist diese Taufe in Wahrheit? Wozu wird sie eigentlich von Johannes dem Täufer an denjenigen vollzogen, die sich herbeilassen, sie an sich vollziehen zu lassen? Da müssen wir ein wenig auf das eingehen, was durch diese Taufe an den Täuflingen wahrhaft bewirkt worden ist. — Die Täuflinge wurden untergetaucht ins Wasser. Da trat bei ihnen immer das ein, wovon öfter gesprochen worden ist, daß es eintritt, wenn der Mensch durch irgend etwas jenen Schock bekommt, den er durch irgendeine plötzliche Todesdrohung bekommen kann, zum Beispiel, wenn er ins Wasser fällt und dem Ertrinken nahe ist, oder bei einem Absturz im Gebirge. Da tritt eine Lockerung des Ätherleibes ein. Der Ätherleib geht teilweise aus dem physischen Leibe heraus, und die Folge ist, daß dann etwas eintritt, was beim Menschen immer unmittelbar nach dem Tode eintritt: eine Art Rückschau auf das letzte Leben. Das ist eine ganz bekannte Tatsache, die oft beschrieben wird, auch von materialistischen Denkern der Gegenwart. Etwas Ähnliches trat aber auch ein bei der ’Taufe des Johannes im Jordan. Die Leute wurden unter das Wasser getaucht. Das war nicht eine Taufe, wie sie heute gebräuchlich ist, sondern durch die Johannes-Taufe wurde bewirkt, daß der Ätherleib der Menschen sich lockerte und daß die Leute mehr sahen, als sie mit dem gewöhnlichen Verstande begreifen konnten. Sie sahen ihr Leben im Geiste und auch die Einflüsse auf dieses Leben im Geistigen. Und auch das sahen sie, wovon der Täufer lehrte: daß die alte Zeit erfüllt ist und daß eine neue Zeit beginnen müsse. In der hellseherischen Beobachtung, die sie für wenige Augenblicke machen konnten während des Untertauchens bei der Taufe, sahen sie: die Menschheit ist an einem Wendepunkt in der Evolution angekommen; was die Menschen in den alten Zeiten, da sie in der Gruppenseelenhaftigkeit waren, gehabt haben, ist im völligen Aussterben; ganz andere Verhältnisse müssen eintreten. Das sahen sie in ihrem freigewordenen Ätherleibe: Ein neuer Impuls, neue Eigenschaften müssen über die Menschheit kommen.
[ 5 ] Viewed in this light, the fact that the same Spirit who dwells in Elijah and Naboth now reappears in John the Baptist becomes particularly clear to us. How does it work in John the Baptist? First of all, in the sense of the Bible and specifically in the sense of the Gospel of Mark, it works through what baptism is. What is this baptism in truth? For what purpose is it actually performed by John the Baptist on those who allow themselves to be baptized? Here we must consider a little what was truly brought about in the baptized through this baptism. — The baptized were immersed in water. This always triggered in them what has often been described as occurring when a person experiences a shock—such as that caused by a sudden threat of death—for example, when falling into water and nearing drowning, or during a fall in the mountains. This causes a loosening of the etheric body. The etheric body partially leaves the physical body, and the result is that something then occurs that always happens to a person immediately after death: a kind of review of the last life. This is a well-known fact that is often described, even by contemporary materialist thinkers. But something similar also occurred during John’s baptism in the Jordan. People were immersed in the water. This was not a baptism as it is practiced today, but John’s baptism caused the etheric body of the people to loosen, and the people saw more than they could comprehend with their ordinary intellect. They saw their life in the spirit and also the influences on this life in the spiritual realm. And they also saw what the Baptist taught: that the old age had come to an end and that a new age must begin. In the clairvoyant observation they were able to make for a few moments while being immersed during the baptism, they saw: humanity has arrived at a turning point in evolution; what people had in ancient times, when they were bound to the group soul, is in the process of complete extinction; entirely different conditions must come into being. This is what they saw in their liberated etheric body: a new impulse, new qualities must come upon humanity.
[ 6 ] Deshalb war die Johannes-Taufe eine Erkenntnissache. «Ändert den Sinn, wendet den Blick nicht bloß nach rückwärts, wohin es noch möglich wäre, die Blicke zurückzuwenden, sondern blicket hin auf etwas anderes: der Gott, der sich im menschlichen Ich offenbaren kann, ist nahe herbeigekommen; die Reiche des Göttlichen sind nahe herbeigekommen.» Das predigte der Täufer nicht nur, das ließ er sie erkennen, indem er ihnen die Taufe im Jordan zuteil werden ließ. Und die, welche getauft wurden, wußten fortan aus ihrer eigenen hellsichtigen Beobachtung, wenn diese auch nur kurze Zeit dauerte, daß die Worte des Täufers eine weltgeschichtliche Tatsache ausdrückten.
[ 6 ] That is why John’s baptism was a matter of insight. “Change your mindset; do not merely look back to where it might still be possible to turn your gaze, but look toward something else: the God who can reveal himself in the human self has drawn near; the realms of the divine have drawn near.” The Baptist did not merely preach this; he made them realize it by administering baptism to them in the Jordan. And those who were baptized knew from then on, through their own clairvoyant observation—even if it lasted only a short time—that the Baptist’s words expressed a fact of world history.
[ 7 ] Wenn wir diesen Zusammenhang betrachten, erscheint uns erst der Geist des Elias im rechten Lichte, der auch in Johannes dem Täufer wirkte. Dann erscheint uns die Sache so, daß wir in Elias haben den Geist des jüdischen Volkes, den Geist des alttestamentlichen Volkes. Was war das für ein Geist? Er war schon in einer gewissen Weise der Geist des Ich; aber er trat nicht auf als der Geist des einzelnen Menschen, sondern er trat bei Elias auf als der Geist des gesamten Volkes. Er war der undifferenzierte Geist. Was später in einem einzelnen Menschen wohnen sollte, das war gleichsam bei Elias noch die Gruppenseele des althebräischen Volkes. Es war noch in den übersinnlichen Welten, was als die individuelle Seele herabsteigen sollte in jede einzelne Menschenbrust, als die Johanneische Zeit herankam. Das war noch nicht in jedes Menschen Brust. Das konnte in Elias noch nicht so leben, daß es hineinstieg in die einzelne Persönlichkeit des Naboth, sondern nur so, daß es umschwebte die einzelne Persönlichkeit des Naboth. Es manifestierte sich bei Elias-Naboth nur genauer, als es sich im Grunde genommen in jedem einzelnen Angehörigen des althebräischen Volkes manifestierte. Daß dieser Geist, der gleichsam über den Menschen und ihrer Geschichte schwebte, nun immer mehr und mehr einziehen sollte in jede einzelne individuelle Brust, das war die große Tatsache, die nun Elias-Johannes selber ankündigte, indem er gleichsam sagte, die Leute taufend: Was bisher nur in der übersinnlichen Welt war und aus dieser heraus wirkte, das müßt ihr jetzt in eure Seelen aufnehmen als die Impulse, die aus den Reichen der Himmel bis ins menschliche Herz gekommen sind. — Der Geist des Elias zeigt selber, wie er nun vervielfältigt einziehen muß in die menschlichen Herzen, damit die Menschen nach und nach den Impuls des Christus im Laufe der Weltgeschichte aufnehmen können. Das war der Sinn der Johannes-Taufe, daß Elias bereit war, den Platz zu bereiten für den Christus. Das war enthalten in der Tat der Johannes-Taufe im Jordan. «Ich will ihm Platz machen, ich will ihm den Weg bereiten in den Herzen der Menschen; ich will nicht mehr bloß über den Menschen schweben, sondern in die menschlichen Herzen einziehen, damit auch er einziehen kann.»
[ 7 ] When we consider this connection, the spirit of Elijah—which was also at work in John the Baptist—appears to us in its true light. Then it becomes clear to us that in Elijah we have the spirit of the Jewish people, the spirit of the Old Testament people. What kind of spirit was that? In a certain sense, it was already the spirit of the “I”; but it did not appear as the spirit of the individual human being, rather, in Elijah it appeared as the spirit of the entire people. It was the undifferentiated spirit. What was later to dwell in an individual human being was, as it were, in Elijah still the group soul of the ancient Hebrew people. It was still in the supersensible worlds what was to descend as the individual soul into every single human breast as the Johannine era approached. It was not yet in every human breast. It could not yet live in Elijah in such a way that it entered into the individual personality of Naboth, but only in such a way that it hovered around the individual personality of Naboth. It manifested itself in Elijah-Naboth only more precisely than it did, in essence, in every single member of the ancient Hebrew people. That this spirit, which hovered, as it were, over humanity and its history, was now to enter more and more into every single individual breast—that was the great fact that Elijah-John himself now announced, as it were, while baptizing the people: What until now existed only in the supersensible world and worked from within it, you must now take into your souls as the impulses that have come from the realms of heaven down into the human heart. — The spirit of Elijah himself shows how it must now enter human hearts in multiplied form, so that people may gradually take in the impulse of Christ in the course of world history. That was the meaning of John’s baptism: that Elijah was ready to prepare the way for the Christ. That was contained in the very act of John’s baptism in the Jordan. “I will make room for him; I will prepare the way for him in the hearts of human beings; I will no longer merely hover above humanity, but will enter into human hearts so that he, too, may enter.”
[ 8 ] Wenn das so ist, was dürfen wir dann erwarten? Es ist nichts natürlicher, wenn dies so ist, als daß wir erwarten können, daß in dem Täufer Johannes in einer gewissen Weise wieder das zutage tritt, was wir an Elias schon beobachtet haben, daß zutage tritt, wie in der grandiosen Gestalt des Täufers nicht bloß wirkt diese einzelne Persönlichkeit, sondern dasjenige, was mehr ist als diese einzelne Persönlichkeit, was wie eine Aura diese einzelne Persönlichkeit umschwebt, aber in seiner Wirksamkeit über diese einzelne Persönlichkeit hinausgeht, was wie eine Atmosphäre lebt unter denjenigen, innerhalb welcher auch der Täufer wirkt. Wie Elias gewirkt hat wie eine Atmosphäre, so können wir auch erwarten, daß Elias wieder wirkt wie eine Atmosphäre als der Täufer Johannes. Ja, wir können sogar noch etwas anderes erwarten: daß diese spirituelle Wesenheit des Elias, die jetzt an Johannes den Täufer gebunden ist, dann spirituell weiterwirkt, wenn der Täufer nicht mehr da ist, wenn er weg ist. Und was will sie denn, diese spirituelle Wesenheit? Nun, sie will den Weg bereiten für den Christus. Wir können also sagen: Der Fall ist möglich, daß der Täufer abgeht als physische Person, daß aber seine spirituelle Wesenheit bleibt wie eine geistige Atmosphäre auf dem Boden, in der Gegend, wo er gewirkt hat, und daß diese geistige Atmosphäre gerade vorbereitet den Boden, auf dem der Christus nun seine Tat ausführen kann. Das können wir erwarten. Und was wir so erwarten können, wird am besten dadurch ausgedrückt, wenn vielleicht gesagt würde: Johannes der Täufer ist weggegangen, aber was er als der Elias-Geist ist, das ist da, und in das hinein kann am besten der Christus Jesus wirken, da kann er am besten seine Worte hineingießen; in der Atmosphäre, die da geblieben ist, in der Elias-Atmosphäre, da kann er am besten seine Taten ausprägen. Das können wir erwarten. Und was wird uns im Markus-Evangelium gesagt?
[ 8 ] If that is the case, what can we expect? If this is the case, there is nothing more natural than that we can expect to see, in John the Baptist, a certain reappearance of what we have already observed in Elijah—that is, how in the magnificent figure of the Baptist it is not merely this individual personality that is at work, but that which is more than this individual personality, which hovers around this individual personality like an aura, but whose influence extends beyond this individual personality, something that lives like an atmosphere among those within whom the Baptist also works. Just as Elijah worked like an atmosphere, so we can also expect that Elijah will work again like an atmosphere as John the Baptist. Indeed, we can even expect something else: that this spiritual entity of Elijah, which is now bound to John the Baptist, will continue to work spiritually even when the Baptist is no longer there, when he has departed. And what does this spiritual entity seek? Well, it seeks to prepare the way for the Christ. We can therefore say: It is possible that John the Baptist departs as a physical person, but that his spiritual being remains like a spiritual atmosphere on the ground, in the region where he worked, and that this spiritual atmosphere precisely prepares the ground on which Christ can now carry out his work. We can expect this. And what we can thus expect is best expressed by saying, perhaps: John the Baptist has departed, but what he is as the spirit of Elijah remains, and it is into this that Christ Jesus can best work; it is here that he can best pour out his words; in the atmosphere that has remained, in the atmosphere of Elijah, it is here that he can best carry out his deeds. This is what we can expect. And what is told to us in the Gospel of Mark?
[ 9 ] Außerordentlich charakteristisch ist es, daß zweimal im MarkusEvangelium angedeutet wird, was ich jetzt ausgesprochen habe. Das erstemal wird gesagt: Gleich nach der Verhaftung des Johannes kam Jesus nach Galiläa und verkündete dort die Lehre von den himmlischen Reichen (1, 14). Johannes war also verhaftet, das heißt, seine physische Person war zunächst gehemmt, selbst zu wirken; aber es tritt in die Atmosphäre, die er geschaffen hat, ein die Gestalt des Christus Jesus. Und ein zweites Mal tritt bedeutsam dasselbe auf im Markus-Evangelium, und das ist grandios, daß es ein zweites Mal auftritt. Man muß nur das Markus-Evangelium richtig lesen. Wenn Sie weitergehen bis zum sechsten Kapitel, dann hören Sie die ganze Beschreibung, wie der König Herodes den Täufer Johannes köpfen ließ. Aber sehr merkwürdig: man vermutete mancherlei, nachdem die physische Persönlichkeit des Johannes nicht nur verhaftet, sondern durch den Tod hinweggeräumt war. Einigen scheint es, die Wunderkraft, durch die der Christus Jesus wirkt, komme davon her, weil der Christus Jesus selber der Elias sei — oder einer der Propheten. Aber Herodes hat aus seinem geängstigten Gewissen heraus eine sehr merkwürdige Ahnung. Als er hört, was durch den Christus Jesus alles geschah, sagt er: «Johannes, den ich köpfen ließ, der ist auferweckt.» (6, 16.) Herodes spürt, daß, als Johannes als physische Persönlichkeit weg ist, er jetzt erst recht da ist. Er spürt, daß seine Atmosphäre, seine Spiritualität — und die keine andere ist als die Spiritualität des Elias — da ist. Herodes, aus dem gemarterten Gewissen heraus, merkt, wie Johannes der Täufer, das heißt Elias, da ist. Aber dann wird etwas Sonderbares angedeutet, wie der Christus Jesus kam, gerade in die Gegend kam, wo Johannes der Täufer gewirkt hatte, nachdem dieser seinen physischen Tod gefunden hatte. Da steht eine merkwürdige Stelle, die ich Sie bitte, ganz besonders zu berücksichtigen, über die man nicht hinweglesen darf. Denn im Evangelium sind die Worte nicht bloß Redeschmuck; die Evangelisten schreiben noch keinen journalistischen Stil. Da wird etwas sehr Bedeutsames gesagt. Unter die Schar derer tritt der Christus Jesus, welche die Anhänger und Jünger Johannes des Täufers waren, und das wird ausgedrückt in einem Worte, das man berücksichtigen muß: «Und als er herauskam, sah er eine große Menge», womit nur die Jünger des Johannes gemeint sein können, «und hatte Mitleiden mit ihnen ...» Warum Mitleiden? Weil sie ihren Meister verloren hatten, weil sie dastehen ohne den Johannes, von dem gesagt wird, daß sie kurz vorher seinen enthaupteten Leichnam zu Grabe getragen hatten. Es wird aber noch genauer gesagt: «...denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben, und fing an, sie vieles zu lehren.» (6, 34.) Man kann nicht deutlicher hinweisen auf die Tatsache, wie er die Jünger des Johannes lehrt. Er lehrt sie aus dem Grunde, weil noch der Geist des Elias unter ihnen wirkt, der zugleich des Geist Johannes des Täufers ist. So wird an einer bedeutungsvollen Stelle des Markus-Evangeliums wieder mit dramatischer Kraft darauf hingewiesen, wie in das, was der Geist des RliasJohannes vorbereitet hat, eintritt der Geist des Christus Jesus. Das alles ist aber nur ein Hauptpunkt, um den sich anderes herumgruppiert, das sehr bedeutsam ist. Ich möchte nur auf eines noch aufmerksam machen.
[ 9 ] It is highly significant that what I have just stated is alluded to twice in the Gospel of Mark. The first time it is said: “Immediately after John’s arrest, Jesus went to Galilee and began there to preach the gospel of the kingdom” (1:14). John had thus been arrested, which means that his physical presence was initially prevented from acting on its own; but the figure of Christ Jesus enters the atmosphere he had created. And the same thing occurs significantly a second time in the Gospel of Mark, and it is magnificent that it occurs a second time. One need only read the Gospel of Mark correctly. If you proceed to the sixth chapter, you will hear the full account of how King Herod had John the Baptist beheaded. But it is very curious: people speculated about many things after John’s physical person had not only been arrested but removed by death. To some, it seems that the miraculous power through which Christ Jesus works comes from the fact that Christ Jesus himself is Elijah—or one of the prophets. But Herod, out of his troubled conscience, has a very strange premonition. When he hears of all that has happened through Christ Jesus, he says: “John, whom I had beheaded, has been raised.” (6:16) Herod senses that, now that John is gone as a physical personality, he is all the more present. He senses that his atmosphere, his spirituality—which is none other than the spirituality of Elijah—is present. Herod, out of his tormented conscience, perceives how John the Baptist, that is, Elijah, is present. But then something strange is hinted at: how Christ Jesus came, specifically to the region where John the Baptist had worked, after the latter had met his physical death. There is a remarkable passage here that I ask you to pay special attention to; it must not be skimmed over. For in the Gospel, the words are not merely rhetorical flourishes; the evangelists do not yet write in a journalistic style. Something very significant is being said here. Christ Jesus steps among the crowd of those who were the followers and disciples of John the Baptist, and this is expressed in a phrase that must be taken into account: “And when he came out, he saw a great crowd,” which can only refer to John’s disciples, “and he had compassion on them...” Why compassion? Because they had lost their master, because they stood there without John, of whom it is said that they had recently carried his beheaded body to the grave. But it is stated even more precisely: “...for they were like sheep without a shepherd, and he began to teach them many things.” (6:34) One cannot point more clearly to the fact of how he teaches the disciples of John. He teaches them because the spirit of Elijah is still at work among them, which is at the same time the spirit of John the Baptist. Thus, at a significant point in the Gospel of Mark, it is again pointed out with dramatic force how the Spirit of Christ Jesus enters into what the Spirit of Elijah-John has prepared. But all this is only a central point around which other, very significant elements are grouped. I would like to draw attention to just one more thing.
[ 10 ] Ich habe öfter angedeutet, wie dann dieser Geist des Elias-Johannes durch seine Impulse weiter wirksam war in der Weltgeschichte. Und da wir als Anthroposophen hier beisammen sind und auch auf okkulte Tatsachen eingehen dürfen, so darf die Sache besprochen werden. Es ist öfter von mir angedeutet worden, daß die Seele des Elias-Johannes wiedererscheint in dem Maler Rafael. Dies gehört zu den Tatsachen, die so recht darauf aufmerksam machen können, wie sich die Metamorphose der Seele vollzieht gerade durch den großen Einschlag, der durch das Mysterium von Golgatha geschieht. Weil in der nachchristlichen Zeit auch eine solche Seele durch das Medium der einzelnen Persönlichkeit in Raffael wirken mußte, deshalb erscheint, man möchte sagen, dasjenige, was in den alten Zeiten so umfassend, so weltumfassend war, in einer so differenzierten Persönlichkeit, wie es Raffael war. Kann man gar nicht empfinden, daß doch dieses wie eine Aura Umschwebende des Elias-Johannes auch bei Raffael da ist, daß auch bei Raffael etwas Ähnliches da ist wie bei den beiden anderen, von dem man sagen kann: es ist zu groß, um in die einzelne Persönlichkeit einzugehen, es umschwebt die einzelne Persönlichkeit, so daß die Offenbarungen, welche diese physische Persönlichkeit empfängt, wie Erleuchtungen wirken? Das ist bei Raffael doch der Fall.
[ 10 ] I have often hinted at how the spirit of Elijah-John continued to influence world history through its impulses. And since we are gathered here as anthroposophists and are permitted to discuss occult facts, the matter may be addressed. I have often suggested that the soul of Elijah-John reappears in the painter Raphael. This is one of those facts that can really draw attention to how the metamorphosis of the soul takes place precisely through the great impact wrought by the Mystery of Golgotha. Because in the post-Christian era such a soul also had to work through the medium of the individual personality in Raphael, that which in ancient times was so all-encompassing, so universal, appears, one might say, in a personality as differentiated as Raphael’s. Can one not sense that this aura-like presence of Elijah-John is also present in Raphael, that there is something in Raphael similar to what is in the other two, of which one can say: it is too great to enter into the individual personality; it surrounds the individual personality, so that the revelations received by this physical personality appear as illuminations? This is certainly the case with Raphael.
[ 11 ] Es gibt einen, wenn auch persönlich ausschauenden, aber doch sehr merkwürdigen Beweis für diese Tatsache, einen Beweis, dessen Elemente ich schon in München angedeutet habe. Ich möchte aber doch die Sache hier besprechen, nicht nur um die Persönlichkeit des Täufers, sondern die ganze Wesenheit Elias-Johannes herauszuarbeiten, und möchte deshalb auch den weiteren Fortgang der Seele des Elias- Johannes in Raffael besprechen. Es muß jemand, der dann ehrlich, aufrichtig eingehen will auf das, was Raffael war, schon ganz besondere Gefühle dafür haben. Ich habe aufmerksam gemacht auf den modernen Kunsthistoriker Herman Grimm und gesagt, daß es ihm möglich war, mit einer gewissen Leichtigkeit eine Biographie von Michelangelo zustande zu bringen, daß er aber dreimal darangegangen ist, um eine Art von Lebensbeschreibung von Raffael zustande zu bringen. Und weil Herman Grimm nicht ein gewöhnlicher «Gelehrter» war — ein solcher wird selbstverständlich mit allem fertig —, sondern ein universeller Mensch, der aufrichtig war mit seinem Herzen in bezug auf das, was er ergreifen und erforschen wollte, so mußte er sich gestehen, wenn er wieder etwas fertiggebracht hatte, was ein «Leben Raffaels » sein sollte, daß es doch kein Leben Raffaels war. So mußte er immer wieder ansetzen, und niemals wurde er von seiner Arbeit befriedigt. Kurz vor seinem Tode versuchte er noch einmal — was in seinen nachgelassenen Werken enthalten ist — an Raffael heranzutreten, um ihn so zu erfassen, wie ihn sein Herz erfassen wollte, und schon charakteristisch ist der Titel, den die neue Abhandlung tragen sollte, nämlich «Raffael als Weltmacht». Denn es erschien ihm, daß man, wenn man sich aufrichtig Raffael nähert, ihn gar nicht schildern kann, wenn man ihn nicht als Weltmacht schildern kann, wenn man nicht durchsehen kann auf das, was durch die ganze Weltgeschichte hindurch wirkt. Es ist ganz natürlich, daß ein moderner Schriftsteller, man möchte sagen, mit einer gewissen Unbehaglichkeit seine Worte setzt, wenn er schildern soll so frank und frei, wie die Evangelisten schilderten. Es geniert sich selbst der beste Schriftsteller, da zu Werke zu gehen; aber es ringen ihm die Gestalten, die er zu beschreiben hat, doch oft die entsprechenden Worte ab. Da ist es sehr merkwürdig, wie Herman Grimm in den ersten Kapiteln, die er kurz vor seinem Tode schrieb, über Raffael spricht. Es ist wirklich so, daß man in seinem Herzen etwas ahnen kann von dem Verhältnis einer solchen Gestalt, wie es Elias-Johannes war, wenn er von Raffael spricht, indem er sagt:
[ 11 ] There is a piece of evidence for this fact—one that, while appearing personal, is nonetheless quite remarkable—an evidence whose elements I have already hinted at in Munich. However, I would like to discuss the matter here, not only to elucidate the personality of the Baptist, but the entire being of Elijah-John, and I would therefore also like to discuss the further development of the soul of Elijah-John in Raphael. Anyone who wishes to honestly and sincerely engage with what Raphael was must already have very special feelings about it. I have drawn attention to the modern art historian Herman Grimm and said that he was able to produce a biography of Michelangelo with a certain ease, but that he undertook the task three times in order to produce a kind of biography of Raphael. And because Herman Grimm was not an ordinary “scholar”—such a person, of course, can handle anything—but a universal human being who was sincere in his heart regarding what he sought to grasp and explore, he had to admit to himself, whenever he had once again produced something that was supposed to be a “Life of Raphael,” that it was, after all, not a life of Raphael. So he had to start over again and again, and he was never satisfied with his work. Shortly before his death, he attempted once more—as is contained in his posthumous works—to approach Raphael in order to grasp him as his heart wished to grasp him, and the title that the new treatise was to bear is already characteristic: “Raphael as a World Power.” For it seemed to him that if one approaches Raphael sincerely, one cannot describe him at all unless one can portray him as a world power, unless one can see through to that which works its way through the entire history of the world. It is quite natural that a modern writer, one might say, chooses his words with a certain uneasiness when he is to describe as frankly and freely as the Evangelists did. Even the best writer feels embarrassed to set to work in this way; yet the figures he has to describe often wrest the appropriate words from him. It is very remarkable how Herman Grimm speaks of Raphael in the first chapters he wrote shortly before his death. It is truly the case that one can sense in his heart something of the relationship to a figure such as Elias-Johannes when he speaks of Raphael, saying: “/p”
«Würde Michelangelo dutch ein Wunder von den Toten fortgerufen, um unter uns wieder zu leben, und begegnete ich ihm, so würde ich ehrfurchtsvoll zur Seite treten, damit er vorüberginge; käme mir Raffael aber in den Weg, so würde ich hinter ihm hergehen, ob ich nicht Gelegenheit fände, ein paar Worte aus seinen Lippen zu vernehmen. Bei Lionardo und Michelangelo kann man sich darauf beschränken, zu erzählen, was sie ihren Tagen einst gewesen sind: bei Raffael muß von dem ausgegangen werden, was er uns heute ist. Über jene anderen hat sich ein leiser Schleier gelegt, über Raffael nicht. Er gehört zu denen, deren Wachstum noch lange nicht zu Ende ist. Es sind immer wieder zukünftig lebende Geschlechter von Menschen denkbar, denen Raffael neue Rätsel aufgeben wird.» («Fragmente », II. Band, Seite 171.)
“If Michelangelo were miraculously summoned back from the dead to live among us again, and I were to encounter him, I would step aside in reverence to let him pass; but if Raphael were to cross my path, I would follow behind him, hoping to catch a few words from his lips. With Leonardo and Michelangelo, one can limit oneself to recounting what they once were in their day; with Raphael, one must proceed from what he is to us today. A gentle veil has settled over those others, but not over Raphael. He belongs to those whose growth is far from over. It is always conceivable that future generations of people will exist to whom Raphael will present new enigmas.” (“Fragments,” Vol. II, p. 171.)
[ 12 ] Herman Grimm schildert Raffael als Weltmacht, als einen Geist, der durch die Jahrhunderte, durch die Jahrtausende schreitet, als einen Geist, der nicht Platz hat in einem einzelnen Menschen. Aber noch andere Worte lesen wir bei Herman Grimm, die sich, wie gesagt, abringen der Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit seiner Seele. Und die sind so, wie wenn jemand ausdrücken möchte, daß bei Raffael etwas vorliegt wie eine große Aura, die ihn umschwebt, so wie der Geist des Elias den Naboth umschwebte. Könnte man es anders ausdrücken, als es Herman Grimm schreibt:
[ 12 ] Herman Grimm describes Raphael as a world power, as a spirit that strides through the centuries, through the millennia, as a spirit that has no place within a single human being. But we read other words in Herman Grimm as well, which, as I said, spring from the sincerity and honesty of his soul. And they are as if someone were trying to express that Raphael possesses something like a great aura that surrounds him, just as the spirit of Elijah surrounded Naboth. Could one put it any other way than as Herman Grimm writes:
«Raffael ist ein Bürger der Weltgeschichte. Wie einer von den vier Flüssen ist er, die dem Glauben der alten Welt nach aus dem Paradiese kamen.» («Fragmente », II. Band, Seite 153.)
“Raphael is a citizen of world history. He is like one of the four rivers that, according to the beliefs of the ancient world, flowed from Paradise.” (“Fragments,” Vol. II, p. 153.)
[ 13 ] Das könnte fast ein Evangelist geschrieben haben, und so könnte man fast über Elias schreiben. Das heißt, auch der moderne Kunsthistoriker kann, wenn er ehrlich und aufrichtig empfindet, etwas fühlen von dem, was so durch die Zeiten geht an großen Weltimpulsen. Man braucht wahrhaftig nichts anderes, um die moderne Geisteswissenschaft zu verstehen, als zu den seelischen und geistigen Bedürfnissen der Menschen zu gehen, die mit aller Sehnsucht hineinstreben in das, was die Wahrheit ist bei der Evolution der Menschheit.
[ 13 ] This could almost have been written by an evangelist, and one could almost write about Elijah in this way. That is to say, even the modern art historian, if he feels honestly and sincerely, can sense something of the great world impulses that have passed through the ages. Truly, one needs nothing else to understand modern Spiritual Science than to turn to the soul and spiritual needs of people who strive with all their longing toward what is true in the evolution of humanity.
[ 14 ] So steht Johannes der Täufer vor uns, und es ist gut, wenn wir ihn so fühlen beim Aufschlagen des Markus-Evangeliums, beim Lesen der ersten Worte und im Verfolg dann wieder im sechsten Kapitel. Die Bibel ist kein Buch, das wirken soll wie ein Buch der modernen Gelehrsamkeit, wo man sozusagen recht «klar» — so nennt man es nämlich den Leuten unter die Nase streicht, was sie lesen sollen. Die Bibel verbirgt manches, was sie an geheimnisvollen Tatsachen zu verkünden hat, hinter dem Kompositionellen, hinter dem grandiosen okkult Kompositionell-Künstlerischen. Und so verbirgt sie auch manches hinter diesem okkult Kompositionell-Künstlerischen gerade in bezug auf die Tatsache des Täufers. Ich darf Sie dabei auf eines aufmerksam machen, was Sie als Empfindungs-, als Gefühlswahrheit vielleicht bloß nehmen wollen, woraus Sie aber sehen können, daß, wenn man noch andere als Verstandeswahrheiten gelten läßt, es in der Bibel doch darinnensteht, wie sich der Geist oder die Seele des Elias zu dem Geist oder der Seele Johannes des Täufers verhält. Wollen wir einmal zusehen, inwiefern dies der Fall ist, und, so kurz als es geschehen kann, eine Stelle aus der Elias-Beschreibung des Alten Testamentes auf uns wirken lassen.
[ 14 ] This is how John the Baptist stands before us, and it is good if we sense him this way when we open the Gospel of Mark, when we read the first words, and then again in chapter six. The Bible is not a book meant to function like a work of modern scholarship, where one, so to speak, quite “clearly” — for that is how it is presented to people, telling them exactly what they are to read. The Bible conceals many of the mysterious truths it has to proclaim behind its compositional structure, behind the magnificent, occult interplay of composition and artistry. And so it also conceals many things behind this occult interplay of composition and artistry, particularly with regard to the figure of the Baptist. I would like to draw your attention to something here that you might be inclined to dismiss as merely an intuitive or emotional truth, but from which you can see that, if one acknowledges truths other than those of the intellect, the Bible does indeed contain an inner revelation of how the spirit or soul of Elijah relates to the spirit or soul of John the Baptist. Let us see to what extent this is the case, and, as briefly as possible, allow a passage from the Old Testament’s description of Elijah to take effect upon us.
«Elias machte sich auf und ging gen Sarepta. Und da er zum Tore der Stadt kam, siehe, da war eine Witwe und las Holz auf. Und er rief ihr und sprach: Hole mir ein wenig Wasser im Kruge, daß ich trinke.
Da sie aber hinging zu holen, rief er ihr und sprach: Bringe mir auch einen Bissen Brot mit.
Sie sprach: So wahr der Herr, dein Gott, lebet, ich habe nichts Gebackenes, nur eine Handvoll Mehl im Kasten und ein wenig Öl im Kruge. Und siehe, ich habe ein Holz oder zwei aufgelesen und gehe hinein und will mir und meinem Sohne zurichten, daß wir essen und sterben.
Elias sprach zu ihr: Fürchte dich nicht; gehe hin und mache es, wie du gesagt hast; doch mache mir am ersten ein kleines Gebackenes davon und bringe mir’s heraus; dir aber und deinem Sohne sollst du darnach auch machen.
Denn also spricht der Herr, der Gott Israels: Das Mehl im Kasten soll nicht verzehret werden, und dem Ölkruge soll nichts mangeln bis auf den Tag, da der Herr regnen lassen wird auf Erden.
Sie ging hin und machte, wie Elias gesagt hatte. Und er aß, und sie auch und ihr Haus eine Zeitlang.
Das Mehl im Kasten ward nicht verzehret, und dem Ölkruge mangelte nichts nach dem Wort des Herrn, das er geredet hatte durch Elias.» (1. Könige 17, 10-16.)
“Elijah set out and went to Zarephath. When he came to the city gate, there was a widow gathering sticks. He called to her and said, ‘Please bring me a little water in a jar so I may drink.’
But as she went to get it, he called to her and said, ‘Please bring me a morsel of bread as well.’
She said, “As the Lord your God lives, I have no bread, only a handful of flour in the jar and a little oil in the jug. And behold, I have gathered a log or two and am going in to prepare a meal for myself and my son, that we may eat and die.”
Elijah said to her, “Do not be afraid; go and do as you have said; but first make me a small cake from it and bring it out to me; afterward you shall make some for yourself and your son.”
For thus says the Lord, the God of Israel: The flour in the jar shall not be used up, and the oil in the jug shall not run dry until the day the Lord sends rain upon the earth.
She went and did as Elijah had said. And he ate, and she also, and her household for a time.
The flour in the jar was not used up, and the oil in the jug did not run dry, according to the word of the Lord that he had spoken through Elijah.” (1 Kings 17:10–16.)
[ 15 ] Was lesen wir in dieser Erzählung von Elias? Wir lesen das Hinkommen des Elias zu einer Witwe und eine merkwürdige Brotvermehrung. Dadurch, daß der Geist des Elias da ist, tritt das ein, daß keine Not ist, trotzdem wenig Brot da ist. Das Brot mehrt sich, das lesen wir, in dem Augenblick, da der Geist des Elias bei der Witwe eintritt. Durch den Geist des Elias geschieht das, was hier als Brotvermehrung, als Beschenkung mit Brot dargestellt wird. Wir könnten sagen: Es leuchtet aus dem Alten Testament die Tatsache heraus, daß durch das Erscheinen des Elias eine Brotvermehrung bewirkt wird.
[ 15 ] What do we read in this account of Elijah? We read of Elijah’s arrival at a widow’s house and a remarkable multiplication of bread. Because the spirit of Elijah is present, there is no need, even though there is little bread. The bread multiplies, as we read, the moment the spirit of Elijah enters the widow’s home. Through the spirit of Elijah, what is depicted here as the multiplication of bread—as a gift of bread—comes to pass. We could say: The fact that the appearance of Elijah brings about a multiplication of bread shines forth from the Old Testament.
[ 16 ] Und jetzt lesen wir das sechste Kapitel des Markus-Evangeliums. Da wird zunächst erzählt, wie Herodes den Johannes köpfen ließ, wie dann der Christus Jesus zu der Schar des Johannes kam. Und lassen wir nun dieses Kapitel auf unsere Seele wirken.
[ 16 ] And now let us read the sixth chapter of the Gospel of Mark. It begins by recounting how Herod had John beheaded, and how Christ Jesus then came to John’s followers. And now let this chapter sink into our souls.
«Und als er herauskam, sah er eine große Menge, und hatte Mitleiden mit ihnen; denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben; und fing an, sie vieles zu lehren.
Und wie es schon spät wurde, traten seine Jünger zu ihm und sagten: Der Ort ist öde, und es ist schon spät; entlasse sie, damit sie in die Höfe und Dörfer ringsum gehen und sich etwas zu essen kaufen.
Er aber antwortete ihnen: Gebt ihr ihnen zu essen. Und sie sagten zu ihm: Sollen wir hingehen und für zweihundert Denare Brot kaufen und ihnen zu essen geben?
Er aber sagte zu ihnen: Wie viele Brote habt ihr? Gehet hin und sehet nach. Und nachdem sie sich unterrichtet, sagten sie: Fünf, und zwei Fische.
Und er befahl ihnen, sich alle niederzusetzen tischweise auf dem grünen Rasen.
Und sie lagerten sich beetweise, zu hundert und zu fünfzig.
Und er nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte auf zum Himmel, segnete und brach die Brote und gab sie den Jüngern, sie ihnen vorzusetzen, auch die zwei Fische teilte er unter alle. Und sie aßen alle und wurden satt ...» (6, 34-42).
“And when he came out, he saw a large crowd, and he had compassion on them, for they were like sheep without a shepherd; and he began to teach them many things.
And as it was already getting late, his disciples came to him and said: ‘This is a desolate place, and it is already late; send them away so that they may go into the surrounding villages and buy themselves something to eat.’
But he replied to them, ‘You give them something to eat.’ And they said to him, ‘Are we to go and buy two hundred denarii’ worth of bread and give it to them to eat?’
But he said to them, “How many loaves do you have? Go and see.” And after they had found out, they said, “Five, and two fish.”
And he ordered them all to sit down in groups on the green grass.
And they sat down in groups of a hundred and of fifty.
And he took the five loaves and the two fish, looked up to heaven, blessed and broke the loaves, and gave them to the disciples to set before them; he also divided the two fish among them all. And they all ate and were satisfied ...» (6:34–42).
[ 17 ] Sie kennen die Geschichte: eine Brotvermehrung, wiederum durch den Geist Elias-Johannes. Die Bibel spricht eben nicht klar, wie man das heute «klar» nennt; aber die Bibel legt in das Kompositionelle das hinein, was sie zu sagen hat. Und wer Gefühlswahrheiten zu bewerten versteht, der wird ruhen wollen mit seinem Gefühl auf der einen Stelle, wo davon die Rede ist, wie Elias zu der Witwe kommt und das Brot vermehrt, und wo dann der wiedergebotene Elias den physischen Leib verläßt und der Christus Jesus in seiner Atmosphäre in einer neuen Gestalt das vornimmt, was als eine Brotvermehrung zu deuten ist.
[ 17 ] You know the story: a multiplication of loaves, once again through the spirit of Elijah-John. The Bible does not speak clearly, in the sense that we today call “clear”; but the Bible embeds what it has to say within its structure. And anyone who knows how to evaluate emotional truths will want to rest with their feelings on the one passage where it is spoken of how Elijah comes to the widow and multiplies the bread, and where the reborn Elijah then leaves the physical body and Christ Jesus, in his atmosphere and in a new form, undertakes what is to be interpreted as a multiplication of bread.
[ 18 ] So sind die inneren Fortschritte in der Bibel. So sind die inneren Zusammenhänge. Die weisen uns darauf hin, wie im Grunde genommen alles nur eine leere Gelehrsamkeit ist, die da von einem « Zusammentragen von Bibelfragmenten» spricht, und wie durch eine wirkliche Bibelerkenntnis es möglich ist, daß wir durch die ganze Bibel hindurch den einheitlich komponierenden Geist erkennen, gleichgültig jetzt, wer dieser einheitlich komponierende Geist ist. So sehen wir hingestellt vor uns den Täufer.
[ 18 ] This is how the inner progression works in the Bible. This is how the inner connections work. They point out to us how, fundamentally, everything that speaks of a “compilation of Bible fragments” is merely empty scholarship, and how, through a true understanding of the Bible, it is possible for us to recognize the unifying Spirit throughout the entire Bible, regardless of who this unifying Spirit is. Thus we see John the Baptist standing before us.
[ 19 ] Es ist sehr merkwürdig nun, wie dieser Täufer selbst wieder hineingestellt wird in das Werk des Christus Jesus. Zweimal wird uns also angedeutet, daß eigentlich der Christus Jesus eintritt in die Aura des Täufers, eintritt da, wo die physische Persönlichkeit immer mehr und mehr in den Hintergrund tritt und endlich ganz weggeht von dem physischer: Plan. Dann aber wird uns gerade durch das einfache Markus-Evangelium mit sehr klaren Worten angedeutet, wie anders doch alles jetzt wird durch den Eintritt des Christus Jesus in das Element von Elias-Johannes, wie ein ganz neuer Impuls dadurch doch in die Welt hereintritt.
[ 19 ] It is very curious, then, how John the Baptist himself is once again placed within the work of Christ Jesus. Twice, then, we are given to understand that it is actually Christ Jesus who enters the aura of the Baptist, entering there where the physical personality recedes more and more into the background and finally departs entirely from the physical plane. But then, precisely through the simple Gospel of Mark, it is indicated to us in very clear words how different everything now becomes through the entry of Christ Jesus into the element of Elijah-John, how a completely new impulse thereby enters the world.
[ 20 ] Um das zu verstehen, muß man nun die ganze Schilderung ins Auge fassen, die gegeben wird im Evangelium von dem Moment an, da der Christus nach der Verhaftung von Johannes dem Täufer auftritt, um von den göttlichen Reichen zu sprechen, einerseits, bis dahin, wo von der Ermordung des Johannes durch Herodes geredet wird, und dann wieder in den Kapiteln nachher. Nehmen wir alle diese Erzählungen, die uns da vorliegen, bis zu der Herodesgeschichte, so finden wir, daß sie alle darauf ausgehen, wenn wir sie in ihrem wahren Charakter betrachten, uns so recht das Wesenhafte des Christus Jesus zur Anschauung zu bringen. Es ist schon gestern darauf aufmerksam gemacht worden, wie dieses Wesenhafte des Christus Jesus wirkt, nämlich so, daß er nicht nur erkannt wird von den Menschen, sondern daß er auch erkannt wird von den Geistern, von denen die Dämonischen besessen sind, so daß ihn auch die übersinnlichen Wesenheiten erkennen. Das tritt uns zuerst scharf und markant entgegen. Dann aber tritt uns entgegen, wie das, was in dem Christus Jesus wohnt, doch etwas anderes ist als das, was in Elias-Naboth dadurch wohnte, daß der Geist des Elias nicht ganz in Naboth eintreten konnte.
[ 20 ] To understand this, one must now take in the entire account given in the Gospel from the moment Christ appears after the arrest of John the Baptist to speak of the divine kingdoms, on the one hand, up to the point where the murder of John by Herod is mentioned, and then again in the chapters that follow. If we take all these narratives that are before us up to the story of Herod, we find that, when we consider them in their true character, they all aim to truly reveal to us the essence of Christ Jesus. It was already pointed out yesterday how this essential nature of Christ Jesus works, namely in such a way that he is not only recognized by human beings, but is also recognized by the spirits by which the demonic beings are possessed, so that the supersensible beings also recognize him. This first strikes us as sharp and striking. But then we are confronted with the fact that what dwells in Christ Jesus is, after all, something different from what dwelt in Elijah-Naboth, in that the spirit of Elijah could not fully enter into Naboth.
[ 21 ] Der Sinn im Markus-Evangelium ist nun der, zu erzählen, wie ganz in den Jesus von Nazareth eingeht, ganz die irdische Persönlichkeit erfüllt dasjenige, was der Christus ist, und wie das darin wirkt, was man als allgemeines menschliches Ich erkennt. Was ist denn den Dämonen, welche die Menschen von sich besessen halten, so furchtbar, als ihnen der Christus entgegentritt? Das ist es, daß sie zu ihm sagen müssen: «Du bist der, der den Gott in sich trägt», daß sie ihn erkennen als eine göttliche Macht in der Persönlichkeit, welche die Dämonen zwingt, sich ihr zu erkennen zu geben und herauszutreten aus den Menschen durch die Macht dessen, was in der individuellen Persönlichkeit des Menschen sitzt (1, 24; 3, 11; 5, 7). Dadurch wird uns in den ersten Kapiteln des Markus-Evangeliums diese Gestalt so besonders herausgearbeitet, die in einer gewissen Weise wie ein Gegensatz zu Elias-Naboth und auch zu Elias-Johannes ist. Während in diesen nicht völlig wohnen konnte, was das Beseelende war, ist in dem Christus Jesus dieses Beseelende völlig enthalten. Daher steht auch der Christus Jesus, obwohl in ihm ein kosmisches Prinzip lebt, ganz individuell, als einzelne menschliche Persönlichkeit zugleich, den anderen Menschen gegenüber, auch denjenigen gegenüber, die er heilt.
[ 21 ] The point of the Gospel of Mark is to tell how Jesus of Nazareth is wholly absorbed into it, how the earthly personality is entirely filled with what Christ is, and how what is recognized as the universal human self is at work within it. What is it, then, that is so terrifying to the demons who hold people in their power when Christ confronts them? It is this: that they must say to him, “You are the one who bears God within you,” that they recognize him as a divine power in the personality, which compels the demons to reveal themselves to it and to step out of the people through the power of that which resides in the individual personality of the human being (1:24; 3:11; 5:7). Thus, in the first chapters of the Gospel of Mark, this figure is brought out so distinctly, who in a certain way stands in contrast to Elijah-Naboth and also to Elijah-John. While what was animating could not dwell fully in them, this animating force is fully contained in Christ Jesus. Therefore, although a cosmic principle lives within him, Christ Jesus also stands before other human beings—including those he heals—as a completely individual, singular human personality.
[ 22 ] Man nimmt ja in der Gegenwart solche Schilderungen, die aus der Vergangenheit gegeben werden, gewöhnlich in einem eigentümlichen Sinne auf. Insbesondere viele der heutigen Naturgelehrten, Monisten, wie sie sich auch nennen, wenn sie Weltanschauungen vertreten wollen, nehmen solche Darstellungen in einem ganz besonderen Sinne auf. Man möchte diesen Sinn dadurch bezeichnen, daß man sagt: Diese guten Gelehrten, diese guten Naturphilosophen haben im geheimen doch ein wenig die Meinung, wenn sie sich auch genieren, sie auszusprechen, daß es besser gewesen wäre, wenn es der Herrgott ihnen überlassen hätte, die Welt einzurichten; denn sie hätten sie doch besser eingerichtet. Nehmen wir einen solchen Naturgelehrten, der darauf schwört, daß die Weisheit erst in den letzten zwanzig Jahren über die Menschheit gekommen ist — und andere rechnen ja nur nach den letzten fünf Jahren, die betrachten das schon als Aberglauben, was vor den letzten fünf Jahren liegt —, so wird er insbesondere tief bedauern, daß, als der Christus Jesus auf Erden wandelte, es noch nicht eine moderne naturwissenschaftliche Medizin mit allen ihren verschiedenen Mitteln gegeben hat; denn es wäre doch gescheiter gewesen, wenn alle diese Menschen — wie zum Beispiel die Schwiegermutter des Simon und auch die anderen — mit den Mitteln der heutigen Medizin hätten geheilt werden können. Denn das wäre nach ihrer Meinung doch ein ganz vollkommener Herrgott, der nach den Begriffen der modernen Naturgelehrten die Schöpfung eingerichtet hätte; der hätte doch die Menschen nicht so lange schmachten lassen nach der modernen Naturgelehrsamkeit. So aber ist doch die Welt, wie sie der Herrgott eingerichtet hat, gegenüber dem, was ein Naturgelehrter gekonnt hätte, etwas verpfuscht. Man sagt es nicht, man geniert sich, es zu sagen; aber zwischen den Zeilen ist es doch da. Man muß nur die Dinge einmal beim rechten Namen nennen, die heute bei den materialistischen Naturgelehrten herumschwirren. So könnte man, wenn man mit einem solchen Herrn vielleicht einmal unter vier Augen sprechen könnte, doch wohl die Meinung hören, eigentlich könnte man schon deshalb gar nicht anders als Atheist sein, weil man sieht, wie wenig es dem Herrgott gelungen ist, die Menschen zur Zeit des Christus Jesus mit den Methoden der modernen Naturwissenschaft zu heilen.
[ 22 ] Nowadays, people generally interpret such accounts from the past in a peculiar way. In particular, many of today’s natural scientists—monists, as they call themselves when they wish to express their worldviews—interpret such accounts in a very specific way. One might describe this sense by saying: These fine scholars, these fine natural philosophers, secretly harbor the opinion—even if they are embarrassed to voice it—that it would have been better if the Lord had left it to them to organize the world; for they would have organized it better. Take, for example, a natural scientist who swears that wisdom has only come to humanity in the last twenty years—and others, after all, count only the last five years, regarding anything prior to the last five years as superstition— he will deeply regret, in particular, that when Christ Jesus walked the earth, there was not yet modern scientific medicine with all its various remedies; for it would have been wiser, after all, if all these people—such as Simon’s mother-in-law and the others—could have been healed with the remedies of today’s medicine. For in their opinion, that would have been a truly perfect Lord God who had arranged creation according to the concepts of modern natural scientists; he surely would not have let people languish so long for modern natural science. But as it is, the world, as the Lord God arranged it, is somewhat botched compared to what a natural scientist could have achieved. People don’t say it; they’re too embarrassed to say it; but it’s there between the lines. One need only call things by their proper names, the things that are currently buzzing around among materialist natural scientists. So if one could perhaps speak with such a gentleman in private, one might well hear the opinion that, in fact, one could not help but be an atheist simply because one sees how little God succeeded in healing people at the time of Christ Jesus using the methods of modern natural science.
[ 23 ] Das eine bedenken die Menschen aber nicht: daß sie das Wort Evolution, das sie so oft aussprechen, ernst und ehrlich nehmen müssen, daß alles in der Evolution begriffen sein muß, damit die Welt an ihr Ziel kommen kann, und daß man nicht fragen muß bloß nach dem Plan, den die heutige Naturwissenschaft aufstellen würde, wenn sie eine Welt erschaffen würde. Weil man aber so denkt, weiß man nicht recht, daß die ganze Konstitution des Menschen, die Zusammenfügung der feineren Leiber, früher eine ganz andere gewesen ist. Man hätte damals nichts anfangen können mit den naturwissenschaftlichen Methoden bei der menschlichen Persönlichkeit. Da war der Ätherleib viel wirksamer, viel kräftiger noch, als er heute ist; da konnte man auf dem Umwege durch den Ätherleib ganz anders auf den physischen Leib wirken. Und es bedeutete eine ganz andere Wirkung als heute, wenn man sprechen wir es ganz trocken aus — mit «Gefühlen » heilte, wenn das Gefühl sich ausgoß von dem einen auf den anderen. Als der Ätherleib wirklich noch stärker war und den physischen Leib noch beherrschte, da konnte das, was man psychisch-spirituelle Heilmittel nennt, ganz anders sich betätigen. Die Menschen waren in ihrerKonstitution anders, daher mußte anders geheilt werden. Wenn man das nicht weiß, wird man als Naturgelehrter sagen: An Wunder glauben wir nicht mehr, und was da über die Heilungen gesagt wird, sind eben Wunder, und das muß beseitigt werden. Und wenn man ein heutiger aufgeklärter Theologe ist, dann ist man in einer ganz besonderen Verlegenheit. Da möchte man die Sachen aufrechterhalten, aber man steckt doch voll von dem modernen Vorurteil, daß so nicht geheilt werden kann, daß das «Wunder» seien. Und dann macht man alle möglichen Erklärungen über die Möglichkeit oder Unmöglichkeit der Wunder. Nur eines weiß man nicht: daß alles, was bis zum sechsten Kapitel des MarkusEvangeliums beschrieben wird, für die damalige Zeit überhaupt keine Wunder waren, sowenig wie es ein Wunder ist, wenn heute mit irgendeiner Arznei diese oder jene Funktion des menschlichen Organismus beeinflußt wird. Kein Mensch hätte damals an Wunder gedacht, wenn jemand zu einem Aussätzigen sagte, indem er die Hand ausstreckte: «Ich will es, werde rein!» Das ganze Naturell des Christus Jesus, das da überfloß, war das Heilmittel. Es würde heute nicht mehr wirken, weil heute die Zusammenfügung des menschlichen Ätherleibes und physischen Leibes eine ganz andere ist. Damals aber heilten die Ärzte überhaupt so. Daher ist es bei dem Christus Jesus gar nicht etwas besonders Hervorzuhebendes, daß er die Aussätzigen durch Mitleid und Handauflegen heilte. Das war eine Selbstverständlichkeit für die damalige Zeit. Was in diesem Kapitel hervorgehoben werden soll, ist etwas ganz anderes, und dem muß man richtig ins Auge schauen.
[ 23 ] But there is one thing people fail to consider: that they must take the word “evolution”—which they utter so often—seriously and honestly; that everything must be encompassed within evolution so that the world can reach its destination; and that one need not ask merely about the plan that modern science would devise if it were to create a world. But because people think this way, they do not fully realize that the entire constitution of the human being—the composition of the finer bodies—used to be quite different. Back then, one could not have applied the methods of natural science to the human personality. At that time, the etheric body was much more active, much more powerful even than it is today; one could act upon the physical body in a completely different way through the etheric body. And it had a completely different effect than today when—to put it quite bluntly—one healed with “feelings,” when the feeling flowed from one person to another. When the etheric body was truly still stronger and still dominated the physical body, what we call psychospiritual remedies could work in a completely different way. People were different in their constitution, so healing had to be done differently. If one does not know this, one will say as a natural scientist: We no longer believe in miracles, and what is said about these healings are simply miracles, and that must be eliminated. And if one is a modern, enlightened theologian, then one finds oneself in a very particular predicament. One would like to uphold these accounts, but one is nonetheless steeped in the modern prejudice that healing cannot occur in this way, that these are “miracles.” And then one offers all manner of explanations regarding the possibility or impossibility of miracles. There is only one thing we do not realize: that everything described up to the sixth chapter of the Gospel of Mark was not a miracle at all for that time, any more than it is a miracle today when some medicine influences this or that function of the human organism. No one back then would have thought of miracles if someone had said to a leper, stretching out his hand: “I will it; be cleansed!” The very nature of Christ Jesus, which overflowed there, was the remedy. It would no longer work today, because today the composition of the human etheric body and physical body is quite different. Back then, however, doctors healed in this way. Therefore, it is not at all something particularly noteworthy about Christ Jesus that he healed the lepers through compassion and the laying on of hands. That was a matter of course for that time. What is to be emphasized in this chapter is something quite different, and one must look it squarely in the eye.
[ 24 ] Werfen wir dazu einen Blick auf die Art und Weise, wie damals zum Beispiel die kleineren oder größeren Ärzte ausgebildet wurden. Sie wurden in Schulen ausgebildet, welche den Mysterienschulen beigeordnet waren, und sie bekamen in die Hand Kräfte, die aus der übersinnlichen Welt durch sie herunterwirkten, so daß die damals heilenden Ärzte gleichsam Medien waren für übersinnliche Kräfte. Sie übertrugen übersinnliche Kräfte durch ihre eigene Mediumschaft, zu der sie erhoben wurden in den ärztlichen Mysterienschulen. Indem ein solcher Arzt seine Hand auflegte, waren es nicht seine Kräfte, die ausströmten, sondern Kräfte aus der übersinnlichen Welt. Und daß er ein Kanal sein konnte für das Wirken von übersinnlichen Kräften, das wurde bewirkt bei seiner Einweihung in den Mysterienschulen. Erzählungen, daß ein Aussätziger oder Fieberkranker geheilt worden war durch solche psychische Vorgänge, wären dem damaligen Menschen nicht besonders wundersam erschienen. Was das Bedeutsame war, ist nicht, daß geheilt wurde, sondern daß jemand auftrat, der, ohne in einer Mysterienschule gewesen zu sein, so heilen konnte; daß einer auftrat, dem die Kraft, die früher von den höheren Welten herunterfloß, in das Herz, in die Seele selber gelegt war, und daß diese Kräfte persönliche, individuelle Kräfte geworden waren. Die Tatsache sollte hingestellt werden, daß die Zeit erfüllt ist, daß der Mensch fortan nicht mehr so sein kann, daß er ein Kanal für übersinnliche Kräfte ist, daß dies aufhört. Das war auch denen, die sich durch Johannes im Jordan taufen ließen, klar geworden, daß diese Zeit aufhört, daß alles, was zukünftig gemacht werden muß, durch das menschliche Ich, durch das, was in das göttliche, innere Zentrum des Menschen einkehren soll, gemacht werden muß und daß da einer unter den Menschen steht, der von sich aus das tut, was die anderen getan haben mit Hilfe der Wesenheiten, die in den übersinnlichen Welten leben, und deren Kräfte auf sie herunterwirkten.
[ 24 ] Let us take a look at the way in which, for example, doctors—both junior and senior—were trained at that time. They were trained in schools affiliated with the mystery schools, and they were given powers that flowed down from the supersensible world through them, so that the healing physicians of that time were, as it were, mediums for supersensible forces. They transmitted supersensible forces through their own mediumship, to which they were elevated in the medical mystery schools. When such a physician laid his hands on a patient, it was not his own powers that flowed forth, but powers from the supersensible world. And the fact that he could serve as a channel for the working of supersensible powers was brought about during his initiation in the mystery schools. Stories that a leper or a fever patient had been healed through such psychic processes would not have seemed particularly miraculous to people of that time. What was significant was not that healing took place, but that someone appeared who, without having been in a mystery school, could heal in this way; that someone appeared in whom the power that had formerly flowed down from the higher worlds had been placed in the heart, in the soul itself, and that these powers had become personal, individual powers. The fact had to be established that the time had come to an end, that from now on human beings could no longer be channels for supersensible forces, that this was ceasing. It had also become clear to those who were baptized by John in the Jordan that this era was coming to an end, that everything that must be done in the future must be done through the human ego, through that which is to enter into the divine, inner center of the human being, and that there stands one among humanity who, of his own accord, does what others had done with the help of the beings who dwell in the supersensible worlds and whose powers had worked down upon them.
[ 25 ] So trifft man gar nicht einmal den Sinn der Bibel, wenn man den Heilungsvorgang selber als etwas Besonderes darstellt. Das war er in der Abendröte der alten Zeit noch nicht, wo solche Heilungen noch stattfinden konnten und wo gesagt wird, daß der Christus in der Zeit der Abendröte Heilungen vollzieht — aber mit den neuen Kräften, die fortan da sein sollten. Daher wird auch mit einer völligen Klarheit, die durch nichts eigentlich übertönt werden könnte, gezeigt, wie der Christus Jesus ganz von Mensch zu Mensch wirkt. Überall wird betont, daß er von Mensch zu Mensch wirkt. Es kann das kaum klarer zum Ausdruck kommen als dort, wo der Christus Jesus die Frau heilt, im fünften Kapitel des Markus-Evangeliums. Er heilt sie dadurch, daß sie an ihn herankommt, sein Kleid erfaßt, und er spürt, daß von ihm ein Strom von Kraft weggegangen ist. Die ganze Erzählung ist so, daß uns dargestellt wird: Die Frau nähert sich dem Christus Jesus, sie ergreift sein Gewand. Er tut zunächst gar nichts anderes dazu. Sie tut etwas: sie ergreift sein Gewand. Von ihm geht ein Strom von Kraft weg. Wodurch? Nicht dadurch, daß er ihn weggeschickt hat in diesem Falle, sondern daß sie ihn wegzieht, und er merkt es erst später. Das wird ganz klar dargestellt. Und als er es merkt, wie drückt er sich da aus? «Tochter, dein Glaube hat dir geholfen; gehe hin in Frieden und sei genesen von deiner Plage.» Er wird selbst erst gewahr, wie er dasteht, wie das göttliche Reich in sein Inneres einströmt und von ihm ausströmt. Er steht nicht so da, wie die früheren Dämonenheiler ihren Patienten gegenübergestanden haben. Da konnte der Patient glauben oder nicht glauben, die Kraft, die ausströmte aus überirdischen Welten durch das Medium des Heilers, strömte auf den Kranken ein. Jetzt aber, wo es auf das Ich ankam, mußte dieses Ich mitarbeiten; da wurde alles individualisiert. Auf die Schilderung dieser Tatsache kommt es an, nicht auf das, was damals selbstverständlich war, daß man durch die Seele auf den Leib wirken konnte, sondern daß Ich zu Ich, als die neue Zeit beginnen sollte, in eine Relation, in ein Verhältnis treten sollte. Früher war das Spirituelle in den höheren Welten, überschwebte den Menschen; jetzt waren die Reiche der Himmel nahe herbeigekommen und sollten einziehen in die Herzen der Menschen, sollten in den Herzen der Menschen wie in einem Zentrum wohnen. Darauf kommt es an. Da floß zusammen für eine solche Weltanschauung das äußere Physische und das innere Moralische in einer neuen Weise, in einer solchen Weise, daß es für die Zeiten von der Begründung des Christentums bis heute nur ein Glaube sein konnte und von jetzt ab ein Wissen werden kann.
[ 25 ] One does not even grasp the true meaning of the Bible if one portrays the healing process itself as something special. It was not yet so in the twilight of ancient times, when such healings could still take place and when it is said that Christ performs healings in the twilight of that era—but with the new powers that were to be present from then on. That is why it is shown with a complete clarity that could not really be overshadowed by anything, how Christ Jesus works entirely from human to human. Everywhere it is emphasized that he works from person to person. This could hardly be expressed more clearly than where Christ Jesus heals the woman, in the fifth chapter of the Gospel of Mark. He heals her by her coming to him, grasping his garment, and him sensing that a stream of power has gone out from him. The entire narrative is structured to show us: The woman approaches Christ Jesus; she grasps his garment. At first, he does nothing in response. She takes action: she grasps his garment. A stream of power flows out from him. How? Not because he sent it out in this instance, but because she draws it out, and he only notices it later. This is portrayed very clearly. And when he notices it, how does he express himself? “Daughter, your faith has helped you; go in peace and be healed of your affliction.” He himself first becomes aware of how he stands there, how the divine kingdom flows into his inner being and radiates from him. He does not stand there as the earlier demon healers stood before their patients. There, the patient could believe or not believe; the power that flowed from supernatural worlds through the medium of the healer poured into the sick person. Now, however, since it depended on the I, this I had to cooperate; everything became individualized. What matters is the description of this fact, not what was taken for granted back then—that one could act upon the body through the soul—but that I should enter into a relationship, a connection, with I, as the new era was to begin. Previously, the spiritual was in the higher worlds, hovering above humanity; now the realms of heaven had drawn near and were to enter into the hearts of people, were to dwell in the hearts of people as in a center. That is what matters. Thus, for such a worldview, the outer physical and the inner moral flowed together in a new way—in such a way that from the founding of Christianity until today it could only be a matter of faith, and from now on it can become a matter of knowledge.
[ 26 ] Man nehme einen alten Patienten, der seinem Arzte, seinem Heiler, wie ich es eben beschrieben habe, gegenüberstand in den alten Zeiten. Magische Kräfte wurden heruntergeholt aus den übersinnlichen Welten durch das Medium des Arztes, der in den Mysterienschulen dazu vorbereitet war, und diese Kräfte flossen über durch den Leib des Arztes auf den Patienten. Da war kein Zusammenhang mit dem Moralischen des Patienten, denn der ganze Vorgang berührte noch nicht das Ich des Patienten. Da war es gleich, wie das Moralische war, denn die Kräfte flossen magisch herunter aus den höheren Welten. Jetzt kam eine neue Zeit. Da flossen zusammen das Moralische und das Physische des Heilens in einer neuen Weise. Wenn man das weiß, versteht man eine andere Erzählung.
[ 26 ] Consider an ancient patient who, in times past, stood before his doctor, his healer, as I have just described. Magical powers were drawn down from the supersensory worlds through the medium of the doctor, who had been trained for this in the mystery schools, and these powers flowed through the doctor’s body onto the patient. There was no connection to the patient’s moral state, for the entire process did not yet touch the patient’s ego. It did not matter what the patient’s moral state was, for the forces flowed down magically from the higher worlds. Now a new era dawned. The moral and physical aspects of healing came together in a new way. Knowing this helps one understand another account.
«Und Tage waren vergangen, da kam er wieder nach Kapernaum; und es verlautete, daß er zu Hause sei.
Und es versammelten sich viele Leute, so daß selbst vor der Türe nicht mehr Raum war; und er redete zu ihnen das Wort.
Und sie kamen zu ihm mit einem Gichtbrüchigen, von vier Mann getragen.
Und da sie mit demselben nicht zu ihm gelangen konnten, der Menge wegen, deckten sie da, wo er war, das Dach ab und ließen durch die Lücke die Bahre herab, auf der der Gichtbrüchige lag.
Und da Jesus ihren Glauben sah, sagte er zu dem Gichtbrüchigen: Kind, deine Sünden sind dir vergeben.» (2, 1-5.)
“A few days later, he returned to Capernaum, and word spread that he was at home.
A large crowd gathered, so that there was no room left, not even outside the door; and he was speaking the word to them.
And they came to him with a paralytic, carried by four men.
And since they could not get to him because of the crowd, they removed the roof where he was and lowered the stretcher on which the paralytic lay through the opening.
And when Jesus saw their faith, he said to the paralytic, “Son, your sins are forgiven.” (2:1–5)
[ 27 ] Was würde ein alter Arzt gesagt haben? Was haben die Pharisäer, die Schriftgelehrten erwartet, wenn eine Heilung eintreten sollte? Von einem alten Arzt hätten sie erwartet, daß er gesagt hätte: Die Kräfte, die in dich hineingehen und in deine gelähmten Glieder, werden dich bewegen können. Wie sagt der Christus Jesus? «Deine Sünden sind dir vergeben», das heißt, das Moralische, woran das Ich beteiligt ist. Das ist eine Sprache, welche die Pharisäer gar nicht verstehen. Sie können sie nicht verstehen. Es erscheint ihnen wie eine Gotteslästerung, daß hier einer so sprach. Warum ? Weil man in ihrem Sinne von Gott nur so sprechen kann, daß er in den übersinnlichen Welten wohnt und von dort herunterwirkt, und weil Sünden nur vergeben werden können von den übersinnlichen Welten aus. Daß Sündenvergeben mit dem, der heilt, etwas zu tun hat, das können sie nicht verstehen. Deshalb sagt der Christus weiter:
[ 27 ] What would an old doctor have said? What did the Pharisees and the scribes expect if a healing were to take place? They would have expected an old doctor to say: “The forces entering you and your paralyzed limbs will be able to move you.” What does Christ Jesus say? “Your sins are forgiven”—that is, the moral aspect in which the ego is involved. This is a language the Pharisees do not understand at all. They cannot understand it. It seems to them like blasphemy that someone would speak this way. Why? Because, in their view, one can speak of God only in such a way that He dwells in the supersensible worlds and works down from there, and because sins can be forgiven only from the supersensible worlds. That the forgiveness of sins has something to do with the one who heals—they cannot understand that. That is why Christ goes on to say:
«Was ist leichter, dem Gichtbrüchigen sagen: Deine Sünden sind vergeben; oder sagen: Stehe auf, nimm deine Bahre und wandle?
Damit ihr aber wisset, daß der Sohn des Menschen Vollmacht hat, Sünden zu vergeben auf der Erde (zu dem Gichtbrüchigen sich wendend):
Ich sage dir: Stehe auf, nimm deine Bahre und gehe heim!
Und er stand auf, nahm alsbald seine Bahre und ging hinaus vor aller Augen.» (2, 9-12.)
“Which is easier: to say to the paralytic, ‘Your sins are forgiven,’ or to say, ‘Get up, take your mat, and walk’?
But so that you may know that the Son of Man has authority on earth to forgive sins (turning to the paralytic):
I say to you: Get up, take your stretcher, and go home!
And he got up, immediately took his stretcher, and went out in full view of everyone.” (2:9–12.)
[ 28 ] Er verbindet das Moralische mit der magischen Art der Heilung und gibt dadurch den Übergang von dem Ich-losen zu dem Ich-erfüllten Zustande. Das findet man bei jeder einzelnen Darstellung. So müssen wir die Sachen verstehen, denn so werden sie gesagt. Und vergleichen Sie jetzt, was nunmehr Geisteswissenschaft zu sagen hat, mit alledem, was in den Bibelerklärungen über die «Sündenvergebung » gesagt wird. Sie werden da die sonderbarsten Erklärungen finden, nirgends aber etwas Befriedigendes, weil man nicht gewußt hat, was das Mysterium von Golgatha eigentlich war.
[ 28 ] He combines the moral aspect with the magical nature of healing, thereby marking the transition from the ego-less to the ego-filled state. This is evident in every single description. This is how we must understand these things, for this is how they are presented. And now compare what Spiritual Science has to say with everything that is said in biblical commentaries about “forgiveness of sins.” You will find the strangest explanations there, but nowhere anything satisfactory, because people did not know what the Mystery of Golgotha actually was.
[ 29 ] Ein Glaube, sagte ich, mußte es sein. Warum ein Glaube? Weil der Ausdruck des Moralischen in dem Physischen nicht in der einen Inkarnation sich vollzieht. Wenn wir heute einem Menschen gegenüberstehen, dürfen wir in Hinsicht auf ein physisches Gebrechen nicht sein Moralisches mit dem Physischen in der einen Inkarnation zusammenbringen. Erst wenn wir über die einzelne Inkarnation hinausgehen, haben wir den Zusammenhang des Moralischen mit dem Physischen in seinem Karma. Weil bisher das Karma gar nicht oder nur wenig betont wurde, deshalb können wir sagen: Bisher konnte der Zusammenhang zwischen dem Physischen und dem Moralischen nur ein Glaube sein. Jetzt, da geisteswissenschaftlich an das Evangelium herangetreten werden darf, wird das zum Wissen. Da steht dann der Christus Jesus wie ein Erleuchteter über das Karma neben uns, wenn er enthüllt: Den darf ich heilen; denn ich sehe es seiner Persönlichkeit an: sein Karma ist so, daß er jetzt aufstehen darf und wandeln.
[ 29 ] It had to be a belief, I said. Why a belief? Because the expression of the moral in the physical does not take place within a single incarnation. When we encounter a person today, we must not, in the face of a physical infirmity, equate their moral nature with the physical in a single incarnation. Only when we go beyond the individual incarnation do we see the connection between the moral and the physical in their karma. Because karma has been emphasized little or not at all until now, we can say: Until now, the connection between the physical and the moral could only be a matter of faith. Now that the Gospel may be approached from a perspective of Spiritual Science, this becomes knowledge. Then Christ Jesus stands beside us, like an enlightened being, regarding karma, when he reveals: “I may heal him; for I see it in his personality: his karma is such that he may now rise and walk.”
[ 30 ] Sie sehen es gerade einer solchen Stelle an, wie erst, ausgerüstet mit den Mitteln der modernen Geisteswissenschaft, die Bibel verstanden werden kann. Das ist unsere Aufgabe: zu zeigen, wie in diesem Buche, in diesem Weltenbuche wirklich die tiefsten Weistümer über die Menschheitsevolution stehen. Wenn einmal begriffen werden wird, was da kosmisch geschieht auf der Erde — und wir werden es immer mehr und mehr hervorheben gerade im Verlaufe dieser Vorträge, denn dazu gibt das Markus-Evangelium den Anlaß —, welche kosmisch-terrestrische, irdisch-kosmische Bedeutung dieses Mysterium von Golgatha hat, dann wird man niemals mehr finden können, daß das, was in Anlehnung an die Evangelien gesagt werden kann, irgendwie verletzend sein könnte für irgendein anderes Religionsbekenntnis der Welt. Richtige Bibelerkenntnis wird aus den Gründen, die gestern am Schlusse des Vortrages angeführt worden sind, und vor allem auch deshalb, weil richtige Bibelerkenntnis sich wahrhaftig nicht in irgendeiner Konfession einschließen lassen kann, sondern universell werden muß, richtige Bibelerkenntnis wird durch ihre innere Wahrheit auf dem Boden der Geisteswissenschaft stehen und allen Religionsbekenntnissen der Welt gleichen Wert beilegen. Dadurch werden die Religionen versöhnt werden. Und wie ein Anfang zu einer solchen Versöhnung erscheint das, was ich Ihnen im ersten Vortrag sagen konnte über jenen Inder, der den Vortrag «Christus und das Christentum» gehalten hat, wobei er, zwar mit allen Vorurteilen seiner Nation behaftet, aber doch zu dem Christus in einem interkonfessionellen Sinne aufblickte. Daß man versuchen muß, diese Gestalt des Christus zu verstehen, das wird die Aufgabe des geisteswissenschaftlichen Wirkens in den verschiedenen Religionsbekenntnissen sein. Denn mir scheint, die Aufgabe der geistigen Bewegung muß sein eine Vertiefung in die Religionsbekenntnisse, so daß man das innere Wesen der einzelnen Religionen ergreift und vertieft.
[ 30 ] You can see from a passage like the one just mentioned how the Bible can be understood only with the tools of modern Spiritual Science. That is our task: to show how this book, this book of the world, truly contains the deepest wisdom regarding human evolution. Once it is understood what is happening on Earth from a cosmic perspective—and we will emphasize this more and more in the course of these lectures, for the Gospel of Mark provides the occasion for this—what cosmic-terrestrial, earthly-cosmic significance this Mystery of Golgotha holds, then one will never again be able to find that what can be said in reference to the Gospels could in any way be offensive to any other religious denomination in the world. True understanding of the Bible, for the reasons cited at the end of yesterday’s lecture, and above all because true understanding of the Bible truly cannot be confined to any single denomination but must become universal, will, through its inner truth, stand on the foundation of Spiritual Science and attach equal value to all religious denominations in the world. Through this, the religions will be reconciled. And what I was able to tell you in the first lecture about that Indian who gave the lecture “Christ and Christianity”—in which, though burdened with all the prejudices of his nation, he nevertheless looked up to Christ in an interdenominational sense—appears as a beginning toward such a reconciliation. That one must strive to understand this figure of Christ—that will be the task of Spiritual Science work within the various religious denominations. For it seems to me that the task of the spiritual movement must be a deepening into the religious denominations, so that one grasps and deepens the inner essence of the individual religions.
[ 31 ] Wieder sei bei dieser Gelegenheit angeführt, was ich schon öfter hinstellte, wie sich ein Buddhist, der Anthroposoph ist, stellen wird zu einem Anthroposophen, der als Anthroposoph Christ ist. Da wird der Buddhist sagen: Der Gotama Buddha hat, nachdem aus dem Bodhisattva ein Buddha geworden ist, nach seinem Tode eine solche Höhe erreicht, daß er nicht wieder auf die Erde zurückzukehren braucht. Und der Christ, der Anthroposoph ist, wird dazu sagen: Ich verstehe es, denn ich glaube es selber von deinem Buddha, wenn ich mich in dein Herz hineinfinde und glaube, was du glaubst. Das heißt, die Religion des anderen verstehen, sich aufschwingen zur Religion des anderen. Der Christ, der Anthroposoph geworden ist, kann alles verstehen, was der andere sagt. Was wird dagegen der Buddhist, der Anthroposoph geworden ist, sagen? Er wird sagen: Ich versuche zu verstehen, was der innerste Nerv des Christentums ist: daß es sich beim Christus um etwas anderes als um einen Religionsstifter handelt, daß es sich beim Mysterium von Golgatha um eine unpersönliche Tatsache handelt, darum handelt, daß nicht ein Mensch Jesus von Nazareth dagestanden hat als Religionsstifter, sondern daß der Christus in ihn eingezogen ist, gestorben ist am Kreuz und so das Mysterium von Golgatha vollzogen hat. Und daß dieses Mysterium von Golgatha eine kosmische Tatsache ist, darauf wird es ankommen. Und der Buddhist wird sagen: Ich werde jetzt nicht mehr mißverstehen, nachdem ich den Wesenskern deiner Religion ergriffen habe, wie du den der meinen, worauf es ankommt, und werde nicht den Christus hinstellen als einen, der wiederverkörpert wird; denn es kommt dir auf das an, was da geschehen ist. Und ich würde sonderbar reden, wenn ich sagen würde, daß das Christentum in irgend etwas verbessert werden müßte, daß man dazumal bei einem besseren Verständnis des Christus Jesus ihn nicht nach drei Jahren ans Kreuz geschlagen hätte, daß man einen Religionsstifter anders behandeln sollte und so weiter. — Darauf kommt es ja gerade an, daß der Christus ans Kreuz geschlagen worden ist und was durch diesen Kreuzestod geschehen ist! Es kommt nicht darauf an, daß man denkt: Da ist ein Unrecht geschehen, und das Christentum könnte heute verbessert werden. Kein Buddhist, der Anthroposoph ist, könnte heute anders sprechen als: Ich versuche, wie du den Wesenskern meiner Religion verstehst, so auch den Wesenskern deiner Religion in Wahrheit zu verstehen.
[ 31 ] Once again, I would like to take this opportunity to mention what I have often pointed out: how a Buddhist who is also an anthroposophist will relate to an anthroposophist who is a Christian. The Buddhist will say: After the Bodhisattva became a Buddha, Gotama Buddha attained such a high level after his death that he need not return to Earth. And the Christian who is an anthroposophist will say in response: I understand this, for I myself believe it of your Buddha when I enter into your heart and believe what you believe. That is to say, to understand the other’s religion, to rise up to the other’s religion. The Christian who has become an anthroposophist can understand everything the other says. What, on the other hand, will the Buddhist who has become an anthroposophist say? He will say: I try to understand what the innermost nerve of Christianity is: that Christ is something other than a founder of a religion, that the Mystery of Golgotha is an impersonal fact, that it is not a matter of a human being, Jesus of Nazareth, standing there as a founder of a religion, but that the Christ entered into him, died on the cross, and thus accomplished the Mystery of Golgotha. And that this Mystery of Golgotha is a cosmic fact—that is what will matter. And the Buddhist will say: Now that I have grasped the essence of your religion, just as you have grasped that of mine, I will no longer misunderstand what is essential, and I will not portray the Christ as one who will be reincarnated; for what matters to you is what actually happened there. And I would be speaking strangely if I were to say that Christianity needs to be improved in any way, that if people back then had had a better understanding of Christ Jesus, they would not have crucified him after three years, that a founder of a religion should be treated differently, and so on. — For that is precisely what matters: that Christ was crucified and what happened through this death on the cross! What matters is not that one thinks: An injustice has been done, and Christianity could be improved today. No Buddhist who is an anthroposophist could speak today other than to say: I try to understand the essence of your religion in truth, just as you understand the essence of my religion.
[ 32 ] Was wird kommen, wenn sich so die einzelnen Bekenner der verschiedenen Religionssysteme verstehen werden, wenn der Christ zum Buddhisten sagen wird: Ich glaube an deinen Buddha, wie du an deinen Buddha glaubst, — und wenn der Buddhist zum Christen sagen wird: Ich kann das Mysterium von Golgatha verstehen, wie du selbst es verstehst, — was wird kommen über die Menschheit, wenn so etwas allgemein werden wird? Friede wird kommen über die Menschen, gegenseitige Anerkennung der Religionen. Und die muß kommen. Und die anthroposophische Bewegung muß sein ein solches gegenseitiges wahrhaftes Erfassen der Religionen. Und gegen den Geist der Anthroposophie wäre es, wenn ein Christ, der Anthroposoph geworden wäre, zum Buddhisten sagen würde: Es ist nichts mit dem, daß der Gotama, nachdem er ein Buddha geworden ist, sich nicht wieder verkörpern sollte; er muß im zwanzigsten Jahrhundert wiedererscheinen als physischer Mensch. Da würde der Buddhist sagen: Hast du deine Anthroposophie nur dazu, um meine Religion zu verhöhnen? Und an Stelle des Friedens würde der Unfriede unter den Religionen gezüchtet. So aber müßte auch ein Christ zu einem Buddhisten, der von einem zu verbessernden Christentum sprechen wollte, sagen: Wenn du behaupten kannst, daß das Mysterium von Golgatha ein Fehler sei und daß der Christus wiederkommen sollte in einem physischen Leibe, damit es ihm jetzt besser ergehe, dann bemühst du dich nicht, meine Religion zu verstehen, dann verhöhnst du meine Religion. - Anthroposophie aber ist nicht dazu da, daß ein Religionsbekenntnis, ob altes oder neu gestiftetes, das sich Geltung verschafft, verhöhnt werde; denn sonst würde man eine Gesellschaft gründen auf gegenseitiges Verhöhnen und nicht auf gegenseitigen Ausgleich der Religionen.
[ 32 ] What will happen when the individual adherents of the various religious systems come to understand one another in this way, when the Christian says to the Buddhist: “I believe in your Buddha just as you believe in your Buddha”—and when the Buddhist says to the Christian: “I can understand the Mystery of Golgotha just as you yourself understand it”—what will come upon humanity when such a thing becomes widespread? Peace will come upon humanity, mutual recognition of the religions. And that must come. And the anthroposophical movement must be such a mutual, genuine understanding of the religions. And it would be contrary to the spirit of anthroposophy if a Christian who had become an anthroposophist were to say to a Buddhist: “There is no truth to the idea that Gotama, after becoming a Buddha, should not incarnate again; he must reappear in the twentieth century as a physical human being.” Then the Buddhist would say: “Do you have your anthroposophy only to mock my religion?” And instead of peace, discord would be sown among the religions. But in that case, a Christian would also have to say to a Buddhist who wanted to speak of a Christianity in need of improvement: “If you can claim that the Mystery of Golgotha is a mistake and that the Christ should return in a physical body so that things might go better for him now, then you are not striving to understand my religion; you are mocking my religion.” - But anthroposophy is not intended to mock any religious creed, whether ancient or newly established, that asserts its validity; for otherwise one would be founding a society on mutual mockery rather than on the mutual reconciliation of religions.
[ 33 ] Das müssen wit uns in die Seele schreiben, damit wir den Geist und den okkulten Kern der Anthroposophie verstehen. Und den werden wir durch nichts besser verstehen, als wenn wir die Kraft und die Liebe, die in den Evangelien walten, ausdehnen auf das Verständnis aller Religionen. Daß dies besonders in Anlehnung an das Markus-Evangelium geschehen kann, sollen uns noch die weiteren Vorträge zeigen.
[ 33 ] We must take this to heart so that we may understand the spirit and the occult core of anthroposophy. And there is no better way to understand this than by extending the power and love that reign in the Gospels to our understanding of all religions. The subsequent lectures will show us that this can be achieved particularly by drawing on the Gospel of Mark.
