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The Rudolf Steiner Archive

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The Gospel of Mark
GA 139

16 September 1912, Basel

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Zweiter Vortrag

Second Lecture

[ 1 ] Wenn Sie sich erinnern, was gewissermaßen der Hauptpunkt und das Hauptziel der gestrigen Auseinandersetzungen war, so werden Sie sich vor die Seele rücken können, wie ganz anders die menschliche Wesenheit sich darlebt in bezug auf ihr Innerstes in der Zeit vor dem Mysterium von Golgatha und in der Zeit nach demselben. Ich versuchte nicht, eine Charakteristik anzuführen, sondern ich gab Ihnen Beispiele aus der Geisteswissenschaft, solche Beispiele, die uns Seelen zeigen der alten Zeit und Seelen der neuen Zeit, charakteristische Beispiele, an denen wir wahrnehmen können, wie bestimmte Seelen aus früheren Zeiten in der neuen Zeit sich umgeändert, metamorphosiert wieder darstellen. Welches der Grund zu einer solchen gewaltigen Umwandlung ist, wird uns erst aus dem ganzen Sinn dieses Vortragszyklus hervorgehen.

[ 1 ] If you recall what, in a sense, was the main point and the main goal of yesterday’s discussions, you will be able to picture for yourself how very differently the human being lived in relation to their innermost being in the time before the Mystery of Golgotha and in the time after it. I did not attempt to provide a characterization, but rather I gave you examples from Spiritual Science—examples that show us souls of the old era and souls of the new era, characteristic examples through which we can perceive how certain souls from earlier times have transformed and metamorphosed themselves in the new era. The reason for such a tremendous transformation will only become clear to us from the overall meaning of this lecture series.

[ 2 ] Jetzt darf nur vielleicht einleitend auf das eine hingewiesen werden, was öfter schon in unseren Betrachtungen, die ähnliche Gegenstände berührten, erwähnt worden ist: daß das Bewußtwerden, das volle Bewußtwerden des menschlichen Ich, zu dessen Ausbildung und Ausprägung die Mission des Erdplaneten da ist, eigentlich erst durch das Mysterium von Golgatha eingetreten ist. Es ist nicht genau, aber annähernd genau gesprochen, daß, wenn wir sehr weit in der Menschheitsentwickelung zurückgehen, wir finden, wie die Menschenseelen eigentlich noch nicht individualisiert sind, sondern noch in der Gruppenseelenhaftigkeit befangen sind. Dieses Befangensein in der Gruppenseelenhaftigkeit ist gerade bei den hervorragenderen Gestalten der Fall, so daß man sagen kann: Ein Hektor, ein Empedokles sind typische gruppenseelenhafte Vertreter ihrer ganzen Menschengemeinschaft; Hektor, herausgewachsen aus dem, was die Seele von Troja ist, ein Abbild der Gruppenseele des trojanischen Volkes in einer ganz bestimmten Form, gewiß spezialisiert, aber ebenso in der Gruppenseele wurzelnd wie Empedokles. Wenn sie in der nachchristlichen Zeit wieder inkarniert werden, so sind sie dann vor die Notwendigkeit gestellt, das Ich-Bewußtsein auszuleben. Das Übergehen von der Gruppenseelenhaftigkeit zu dem Ausleben der Individualseele ist es, was einen so gewaltigen Ruck nach vorwärts gibt. Und das macht, daß Seelen, die so fest geschlossen dastehen wie zum Beispiel Hektor, in der nachchristlichen Zeit wankend erscheinen, als ob sie dem Leben nicht gewachsen seien, wie zum Beispiel die Seele des Hamlet, und daß auf der anderen Seite eine Seele wie die des Empedokles, die in der nachchristlichen Zeit als die Seele des Faust des 16. Jahrhunderts wiedererscheint, scheinbar eine Art von Abenteurer wird und in mancherlei Lagen gebracht wird, aus denen sie sich sehr schwer herausfinden kann, und die von den Mitmenschen, ja von der ganzen Nachwelt mißverstanden wird.

[ 2 ] Now, perhaps, we may begin by pointing out something that has already been mentioned frequently in our reflections on similar subjects: that the awakening, the full awakening of the human ego—the development and formation of which is the mission of the Earth—actually only began with the Mystery of Golgotha. It is not strictly accurate, but it is close enough to say that, if we go back very far in human evolution, we find that human souls are not yet truly individualized, but are still caught up in group-soul-like existence. This entanglement in group-soul existence is particularly the case with the more outstanding figures, so that one can say: A Hector, an Empedocles, are typical group-soul representatives of their entire human community; Hector, having grown out of what the soul of Troy is, is an image of the group soul of the Trojan people in a very specific form, certainly specialized, but just as rooted in the group soul as Empedocles. When they reincarnate in the post-Christian era, they are then faced with the necessity of living out ego-consciousness. The transition from group-soul-like existence to the living out of the individual soul is what provides such a powerful jolt forward. And this is what causes souls that stand as firmly closed as, for example, Hector, to appear wavering in the post-Christian era, as if they were not up to the task of life, like, for example, the soul of Hamlet, and that, on the other hand, a soul like that of Empedocles—which reappears in the post-Christian era as the soul of 16th-century Faust—seems to become a sort of adventurer and is placed in various situations from which it finds it very difficult to extricate itself, and which is misunderstood by fellow human beings, indeed by all of posterity.

[ 3 ] Es ist ja öfter betont worden, daß für eine solche Entwickelung, wie sie eben angedeutet worden ist, das, was seit dem Verlauf des Mysteriums von Golgatha bis heute bereits geschehen ist, noch nichts Besonderes bedeutet. Das ist alles erst im Anfange, und mit der Zukunft der Erdenentwickelung werden erst die großen Impulse, die man dem Christentum zuschreiben kann, herauskommen. Es muß immer wieder und wieder betont werden: das Christentum steht erst im Anfange seiner großen Entwickelung. Aber will man sich hineinstellen in diese große Entwickelung, so muß man mit seinem Verständnisse mitgehen mit dem immer weiteren Fortschreiten der Offenbarungen, der Impulse, die mit der Begründung des Christentums ihren Anfang genommen haben.

[ 3 ] It has often been emphasized that, in the context of the development just described, what has already taken place from the events of Golgotha to the present day is not yet particularly significant. All of this is only just beginning, and it is only with the future of Earth’s development that the great impulses attributable to Christianity will come to the fore. It must be emphasized again and again: Christianity is only at the beginning of its great development. But if one wishes to place oneself within this great development, one must use one’s understanding to keep pace with the ever-increasing progress of the revelations and impulses that began with the founding of Christianity.

[ 4 ] Vor allem wird man in der nächsten Zeit etwas lernen müssen — und es bedarf nicht viel Hellsehens dazu, um sich darüber klar zu werden, daß man etwas ganz Bestimmtes lernen muß, etwas, das einen guten Anfang für ein fortgeschrittenes Verständnis des Christentums bilden wird —, man wird lernen müssen, die Bibel in einer ganz neuen Weise zu lesen. Heute gibt es noch viele Hindernisse dafür. Teilweise ist daran schuld der Umstand, daß ja noch immer das Bibelverständnis in weiten Kreisen in einer etwas süßlich-sentimentalen Art getrieben wird, daß die Bibel nicht zu einem Erkenntnisbuch, sondern zu einem Gebrauchsbuch für alle möglichen persönlichen Seelenlagen benutzt wird. Wenn jemand für seine persönlichen Lebenslagen etwas aufmunterungsbedürftig ist, so vertieft er sich in das eine oder andere Kapitel der Bibel, läßt das eine oder andere auf sich wirken, und nur selten kommt er über ein persönliches Verhältnis zur Bibel hinaus. Auf der anderen Seite hat die Gelehrsamkeit in den letzten Jahrzehnten — eigentlich durch das ganze 19. Jahrhundert hindurch — das wirkliche Verständnis der Bibel sehr erschwert, indem sie dieselbe zerrissen hat und behauptet hat, daß zum Beispiel das Neue Testament aus allen möglichen Dingen zusammengestellt sei, welche dann später zusammengetragen sein sollen, und daß ebenso auch das Alte Testament eine Zusammenfügung sei aus ganz verschiedenen Dingen, die zu verschiedenen Zeiten zusammengekommen sein sollen. Dadurch hätte man in der Bibel lauter Fragmente, die sehr leicht den Eindruck machen, daß sie ein Aggregat, eine Zusammenfügung darstellen, daß sie «zusammengenäht» worden wären im Laufe der Zeit.

[ 4 ] Above all, we will have to learn something in the near future—and it doesn’t take much foresight to realize that we must learn something very specific, something that will serve as a good starting point for a deeper understanding of Christianity—we will have to learn to read the Bible in a completely new way. Today, there are still many obstacles to this. Part of the reason is that, in many circles, the understanding of the Bible is still approached in a somewhat saccharine and sentimental manner, so that the Bible is used not as a book of knowledge but as a handbook for all manner of personal emotional states. When someone needs a little encouragement for their personal circumstances, they immerse themselves in one chapter or another of the Bible, let one passage or another sink in, and rarely move beyond a personal relationship with the Bible. On the other hand, scholarship in recent decades—indeed throughout the entire 19th century—has greatly hindered a genuine understanding of the Bible by tearing it apart and claiming, for example, that the New Testament is a compilation of all sorts of things that were supposedly gathered together later, and that the Old Testament, too, is a compilation of very different elements that are said to have come together at various times. As a result, the Bible is said to consist of nothing but fragments that very easily give the impression of being an aggregate, a compilation, as if they had been “stitched together” over the course of time.

[ 5 ] Solche Gelehrsamkeit wird populär, und sie ist heute schon populär geworden. Es ist schon bei sehr vielen Leuten eine Ansicht geworden, daß zum Beispiel das Alte Testament aus vielen einzelnen Teilen zusammengefügt ist. Diese Ansicht aber stört das, was als ein wirkliches ernstes Bibellesen der nächsten Zukunft kommen muß. Wenn dieses Bibellesen eintreten wird, dann wird man vieles, was auch vom anthroposophischen Gesichtspunkte aus über die Geheimnisse der Bibel zu sagen sein wird, viel besser noch verstehen. Man wird zum Beispiel lernen müssen, alles bis dahin, wo das Alte Testament in den gebräuchlichen Bibelausgaben schließt, als etwas Ganzes zu nehmen. Man wird sich nicht beirren lassen dürfen durch alles, was gegen die Einheitlichkeit des Alten Testamentes eingewendet werden kann. Und wenn man nicht einseitig vorgeht von dem Standpunkte aus, daß man persönliche Erbauung sucht, daß man dieses oder jenes von diesem Gesichtspunkte aus liest, sondern wenn man einmal das Alte Testament, wie man es hat, als Ganzes auf sich wirken lassen wird und verbinden wird den Blick auf das Inhaltliche mit dem, was, wie Sie durch unsere geisteswissenschaftliche Entwickelung der letzten Jahre hinlänglich haben sehen können, gerade durch die Geisteswissenschaft in die Welt kommen wird, wenn man damit verbinden wird, aber geistig, einen gewissen spirituell-künstlerischen Sinn, so daß man darauf ausgehen wird, zu sehen, wie die Dinge aufeinander künstlerisch folgen, wie sie künstlerisch komponiert sind, wie sich die Fäden verschlingen und lösen, nicht so sehr im äußerlich kompositionellen Sinne, sondern wenn man auch das tief Künstlerische anwenden wird auf so etwas, wie es das Alte Testament ist, erst dann wird man darauf kommen, welche ungeheure dramatische Kraft, welche innerliche, spirituell-dramatische Kraft in der Komposition und in dem Aufbau des ganzen Alten Testamentes eigentlich liegt. Erst dann wird man das herrliche dramatische Tableau als eine Einheitlichkeit, als ein Ganzes übersehen und nicht mehr glauben, es sei ein Stück in der Mitte von dorther, ein anderes Stück von woanders herrührend, sondern dann wird man den einheitlichen Geist in der Bibel erblicken.

[ 5 ] Such scholarship is becoming popular, and it has already become popular today. It has already become a widely held view among many people that, for example, the Old Testament is composed of many individual parts. This view, however, stands in the way of what must come in the near future as a truly serious reading of the Bible. When this reading of the Bible takes place, then much of what will also need to be said from an anthroposophical perspective about the mysteries of the Bible will be understood much better. For example, one will have to learn to take everything up to the point where the Old Testament ends in the standard editions of the Bible as a whole. One must not allow oneself to be misled by anything that might be raised against the unity of the Old Testament. And if one does not proceed one-sidedly from the standpoint of seeking personal edification, of reading this or that from this perspective, but rather if one allows the Old Testament, as it stands, to take effect as a whole and combines the view of its content with what, as you have been able to see sufficiently through our development in Spiritual Science of recent years, will come into the world precisely through Spiritual Science, and if one combines this—but spiritually—with a certain spiritual-artistic sense, so that one sets out to see how things follow one another artistically, how they are artistically composed, how the threads intertwine and unravel, not so much in the outwardly compositional sense, but when one applies the deeply artistic to something like the Old Testament, only then will one come to realize what immense dramatic power, what inner, spiritual-dramatic power actually lies in the composition and structure of the entire Old Testament. Only then will one be able to view the magnificent dramatic tableau as a unity, as a whole, and no longer believe that one part comes from here and another from there; rather, one will then perceive the unified spirit within the Bible.

[ 6 ] Man wird sehen, daß es ein ganz von einheitlichem Geiste beherrschtes Fortschreiten ist von der Zeit der ersten Schöpfungsgeschichte an durch die Patriarchenzeit hindurch, durch die Zeit der Richter, durch die Zeit der jüdischen Könige hindurch, bis alles in einem wunderbaren dramatischen Gipfelpunkte zusammenläuft in dem Buche der Makkabäer, in den Söhnen des Mattathias, den Brüdern des Judas, die gegen den König Antiochus von Syrien kämpfen. Darin ist eine innere dramatische Kraft. Da ist ein gewisser Kulminationspunkt dann am Schlusse erlangt. Und man wird fühlen, daß es nicht eine bloße Redensart, eine Phrase ist, daß den, der ausgerüstet ist mit der okkulten Betrachtungsweise, ein besonderes Gefühl beschleicht, wenn er an das Ende dieses Buches kommt, dort sieben Söhne der Makkabäermutter vor sich hat und fünf Söhne des Mattathias. Fünf Söhne des Mattathias und sieben Söhne der Makkabäermutter, das gibt eine merkwürdige Zwölfzahl, eine Zwölfzahl, die uns auch sonst begegnet, wo wir in die Geheimnisse der Evolution eingeführt werden. Die Zwölfzahl am Ende des Alten Testamentes, in einem Kulminationspunkt dargestellt! Zunächst kann es uns als eine Empfindung beschleichen, wenn die sieben Makkabäersöhne den Märtyrertod sterben. Wie sie nach und nach gemartert werden, wie sie sich aber nach und nach erheben — lesen Sie, welche innere Dramatik darin ist! —, wie zuerst der erste nur hindeutet auf das, was zuletzt in dem siebenten zum Ausdruck kommt als das Bekenntnis der Unsterblichkeit der Seele, wie er so dem Könige entgegenschleudert das Wort: Du Ruchloser, du willst ja nichts wissen von dem Auferwecker meiner Seele! diese dramatische Steigerung von Sohn zu Sohn lasse man auf sich wirken, und man wird sehen, welche Kräfte in der Bibel enthalten sind (2. Makk. 7). Wenn man gegenüber der bisher süßlich-sentimentalen Art der Betrachtung diese dramatisch-künstlerische Durchdringung ins Auge faßt, dann gestaltet sich uns die Bibel von selber zu dem, was zugleich religiöse Inbrunst bringen wird. Da wird Kunst zur Religion durch die Bibel. Und dann wird man beginnen, ganz eigentümliche Dinge zu bemerken.

[ 6 ] One will see that it is a progression entirely governed by a unified spirit, beginning with the time of the first creation narrative, through the patriarchal era, through the time of the Judges, through the time of the Jewish kings, until everything converges in a marvelous dramatic climax in the Book of Maccabees, in the sons of Mattathias, the brothers of Judas, who fight against King Antiochus of Syria. There is an inner dramatic power in this. A certain culmination is then reached at the end. And one will feel that it is not merely a figure of speech, a phrase, that a special feeling comes over the one equipped with the occult perspective when he reaches the end of this book, where he has before him the seven sons of the Maccabean mother and the five sons of Mattathias. Five sons of Mattathias and seven sons of the Maccabean mother—this adds up to a remarkable number twelve, a number twelve that we also encounter elsewhere when we are introduced to the mysteries of evolution. The number twelve at the end of the Old Testament, presented as a culmination! At first, a certain feeling may come over us when the seven sons of the Maccabees die as martyrs. How they are tortured one by one, yet how they rise up one by one—read the inner drama contained therein!—how the first merely hints at what is ultimately expressed in the seventh as the confession of the soul’s immortality, how he hurls these words at the king: “You wicked man, you want to know nothing of the One who raises my soul!” Let this dramatic crescendo from son to son sink in, and you will see what powers are contained in the Bible (2 Macc. 7). When one considers this dramatic and artistic insight in contrast to the previously saccharine and sentimental mode of contemplation, the Bible naturally reveals itself to us as something that will simultaneously inspire religious fervor. Thus, through the Bible, art becomes religion. And then one will begin to notice quite peculiar things.

[ 7 ] Vielleicht erinnern sich die meisten von Ihnen, weil es ja auch an diesem Orte geschildert worden ist, daß bei der Betrachtung des Lukas-Evangeliums von mir dargestellt worden ist, wie eigentlich die ganze grandiose Gestalt des Christus Jesus herausgewachsen ist aus dem Zusammengehen von zwei Seelen, der Seelen zweier Jesusknaben. Die Seele des einen war ja keine andere als die des Zarathustra, des Begründers des Zarathustrismus; so daß Sie vielleicht noch vor Ihrem geistigen Auge diese Tatsache haben, daß mit jenem Jesusknaben, der durch das Matthäus-Evangelium geschildert wird, zunächst der wiederverkörperte Zarathustra gemeint ist. Die Seele des Zarathustra lebte in diesem Jesusknaben.

[ 7 ] Perhaps most of you recall—since it has also been described here—that in my examination of the Gospel of Luke, I explained how the entire magnificent figure of Christ Jesus actually emerged from the union of two souls, the souls of two boy Jesuses. The soul of one of them was none other than that of Zarathustra, the founder of Zoroastrianism; so that you may still have this fact before your mind’s eye: that the Jesus-child described in the Gospel of Matthew is, first and foremost, the reincarnated Zarathustra. The soul of Zarathustra lived in this Jesus-child.

[ 8 ] Was liegt da eigentlich für eine Tatsache vor? Wir haben den Begründer des Zarathustrismus, den großen Eingeweihten der Vorzeit, der urpersischen Kultur, der, hindurchgehend durch die Menschheitsentwickelung bis zu einem bestimmten Punkt, dann wiedererscheint innerhalb des althebräischen Volkes: den Übergang haben wir von dem Urpersertum zu dem Element des althebräischen Volkes auf dem Umwege durch die Seele des Zarathustra. Ja, das Äußere, was in der Weltgeschichte geschieht, was im Menschenleben geschieht, es ist im Grunde genommen nur die Offenbarung, die Äußerung der inneren geistigen Vorgänge, der inneren geistigen Kräfte; so daß man in Wahrheit das, was die äußere Geschichte erzählt, studieren kann, indem man es als einen Ausdruck des inneren Geistigen betrachtet, der Tatsachen, die sich im Geistigen bewegen.

[ 8 ] What is the actual fact here? We have the founder of Zoroastrianism, the great initiate of antiquity, of the ancient Persian culture, who, passing through human evolution to a certain point, then reappears within the ancient Hebrew people: we have the transition from the ancient Persian culture to the element of the ancient Hebrew people via the soul of Zoroaster. Yes, the outer events—what happens in world history, what happens in human life—are, in essence, merely the revelation, the expression of inner spiritual processes, of inner spiritual forces; so that, in truth, one can study what external history recounts by viewing it as an expression of the inner spiritual, of the facts that move within the spiritual realm.

[ 9 ] Lassen wir das vor unsere Seele hingestellt sein: der Zarathustra geht aus dem Persertum in das althebräische Element über. Und jetzt — man braucht nur die Überschriften der Kapitel des Alten Testamentes zu nehmen — betrachte man einmal das Alte Testament. Daß es sich mit Zarathustra so verhält, wie ich es damals erzählt habe, ist ein Ergebnis hellseherischer Forschung; das ergibt sich, wenn man die Zarathustra-Seele verfolgt. Aber jetzt stelle man diesem Resultat gegenüber nicht nur die Bibel, wie in ihr dargestellt wird, sondern auch das, was durch die äußere Forschung belegt wird.

[ 9 ] Let us keep this in mind: Zarathustra moves from the Persian realm into the ancient Hebrew element. And now—one need only look at the chapter headings of the Old Testament—let us consider the Old Testament. That Zarathustra is as I described him back then is a finding of clairvoyant research; this becomes evident when one traces the soul of Zarathustra. But now let us contrast this finding not only with the Bible, as it is presented therein, but also with what is substantiated by external research.

[ 10 ] Das althebräische Volk begründet sein Reich in Palästina. Das ursprüngliche Reich trennt sich. Es kommt zuerst zur assyrischen, dann zur babylonischen Gefangenschaft. Es kommt zur Unterwerfung des althebräischen Volkes durch die Perser. Was heißt denn das alles? Ja, weltgeschichtliche Tatsachen haben eben einen Sinn. Sie folgen den inneren Vorgängen, folgen den geistig-seelischen Vorgängen. Warum ist das alles geschehen? Warum werden die althebräischen Völker so geführt, daß sie von Palästina aus in das chaldäische, in das assyrisch-babylonische, in das persische Element hineingeführt werden und dann wieder von Alexander dem Großen befreit werden? Wenn man es trocken aussprechen will, kann man sagen, daß es nur der äußere Übergang ist des Zarathustra aus dem Persertum in das jüdische Element. Sie haben ihn sich geholt, die Juden; sie sind zu ihm geführt worden bis zur Unterwerfung unter das persische Element, weil Zarathustra zu ihnen kommen wollte. Die äußere Geschichte ist ein wunderbarer Abdruck dieser Vorgänge. Und wer die Sache geisteswissenschaftlich betrachtet, der weiß, daß die äußere Geschichte nur der Körper ist für den Übergang des Zarathustra von dem persischen Element, das im Grunde genommen zuerst umspannt das althebräische Element. Und dann, nachdem dieses genugsam von dem persischen Element umspannt war, wurde es herausgenommen von Alexander dem Großen, und was nun blieb, war das Milieu, das für Zarathustra notwendig war. Das ging über von dem einen Volksstamm zum anderen.

[ 10 ] The ancient Hebrew people establish their kingdom in Palestine. The original kingdom splits apart. First comes the Assyrian captivity, then the Babylonian captivity. The ancient Hebrew people are subjugated by the Persians. What does all this mean? Yes, events in world history do indeed have a meaning. They follow inner processes, follow spiritual and psychological processes. Why did all this happen? Why were the ancient Hebrew peoples led in such a way that they were taken from Palestine into the Chaldean, the Assyrian-Babylonian, and the Persian spheres, and then liberated again by Alexander the Great? If one wishes to put it bluntly, one can say that it is merely the outer transition of Zarathustra from the Persian element into the Jewish element. The Jews brought him to themselves; they were led to him until they were subjugated by the Persian element, because Zarathustra wanted to come to them. Outer history is a marvelous imprint of these processes. And anyone who views the matter from a perspective of Spiritual Science knows that external history is merely the vehicle for Zarathustra’s transition from the Persian element, which, in essence, initially encompassed the ancient Hebrew element. And then, after this had been sufficiently encompassed by the Persian element, it was removed by Alexander the Great, and what remained was the milieu necessary for Zarathustra. This passed from one tribe to another.

[ 11 ] Wenn wir — wir können natürlich nur einzelne Punkte herausheben einen Blick werfen auf die ganze Zeit, wie sie sich zugespitzt hat in der althebräischen Geschichte durch die Zeit der Könige, durch die Zeit der Propheten, der babylonischen Gefangenschaft, der persischen Eroberung bis herein in die Makkabäerzeit, dann fällt uns ja gerade, wenn wir das Verständnis des Markus-Evangeliums suchen, das gleich eingeleitet wird mit einem Jesajas-Ausspruch als Prophetenausspruch, das Element der jüdischen Propheten in die Augen. Man möchte sagen, von Elias ausgehend, dessen Wiederverkörperung der Täufer Johannes ist, treten uns die Propheten in einer wunderbaren Größe entgegen.

[ 11 ] If we—though we can, of course, only highlight individual points—take a look at the entire period, as it came to a head in ancient Hebrew history through the era of the kings, the era of the prophets, the Babylonian Exile, the Persian conquest, and on into the Maccabean period, then, especially as we seek to understand the Gospel of Mark—which begins with a quote from Isaiah as a prophetic utterance—the element of the Jewish prophets immediately strikes us. One might say that, beginning with Elijah, whose reincarnation is John the Baptist, the prophets appear before us in a marvelous grandeur.

[ 12 ] Lassen wir vorläufig den Elias und dessen Wiederverkörperung im Täufer unberücksichtigt, und betrachten wir die Namen der dazwischenliegenden Propheten. Da müssen wir sagen: Mit dem, was wir durch die Geisteswissenschaft gewonnen haben, läßt sich in ganz eigenartiger Weise dieses jüdische Prophetentum betrachten. Wovon reden wir denn eigentlich, wenn wir von den großen geistigen Führern des Erdkreises der alten Zeiten sprechen? Von den Initiierten, von den Eingeweihten. Wir wissen, daß diese Eingeweihten zu ihrer geistigen Höhe dadurch gekommen sind, daß sie die verschiedenen Weihestufen durchgemacht hatten, daß sie sich von Stufe zu Stufe emporgearbeitet haben durch Erkenntnis zum spirituellen Schauen, daß sie dadurch zur Vereinigung mit den in der Welt wirkenden spirituellen Impulsen gekommen sind und dadurch die Impulse, die sie selbst in der geistigen Welt empfingen, einverleibten dem Leben auf dem physischen Plan. Wenn wir daher einem Eingeweihten des persischen, des indischen oder des ägyptischen Volkes begegnen, werden wir zunächst fragen: Wie ist innerhalb dieses Volkskreises, innerhalb dieses Volksstammes der Betreffende hinaufgestiegen die Leiter der Einweihung? Wie ist er zum Führer und damit zum geistigen Leiter seines Volkes geworden? Diese Frage ist überall berechtigt, nur nicht, wenn wir uns den Propheten gegenüberstellen. Es gibt zwar eine Art theosophischer Richtung, die alles gern in einen Topf zusammenwirft und von den Propheten der alten Hebräer so sprechen will wie von den Eingeweihten der anderen Völker; aber dadurch erkennt man nichts.

[ 12 ] Let us leave Elijah and his reincarnation in John the Baptist aside for the moment, and consider the names of the prophets who came between them. Here we must say: With what we have gained through Spiritual Science, this Jewish prophetic tradition can be viewed in a very unique way. What are we actually talking about when we speak of the great spiritual leaders of the Earth in ancient times? Of the Initiates, of those who have been initiated. We know that these initiates attained their spiritual heights by passing through the various stages of initiation, by working their way up from stage to stage through knowledge to spiritual vision, that through this they attained union with the spiritual impulses active in the world and thereby incorporated the impulses they themselves received in the spiritual world into life on the physical plane. Therefore, when we encounter an initiate from the Persian, Indian, or Egyptian peoples, we will first ask: How did this individual ascend the ladder of initiation within this ethnic group, within this tribe? How did he become a leader and thus the spiritual guide of his people? This question is justified everywhere, except when we consider the prophets. There is, admittedly, a certain theosophical school that likes to lump everything together and speaks of the prophets of the ancient Hebrews in the same way as of the initiates of other peoples; but this reveals nothing.

[ 13 ] Man braucht nur die Bibel zu nehmen, und gerade die neuere historische Forschung ergibt ja, daß sie nicht ein untreues, sondern ein treues Dokument ist, und braucht nur die Propheten anzusehen von Jesajas bis zu Maleachi, durch Jeremias, Ezechiel, Daniel hindurch, braucht nur einzugehen auf das, was die Bibel über diese Gestalten sagt, dann wird man sehen, daß man sie nicht in dem allgemeinen Schema der Initiation unterbringen kann. Wo wird denn erzählt, daß die jüdischen Propheten denselben Initiationsweg durchgemacht hätten wie die anderen Eingeweihten der übrigen Völker? Es wird gesagt, sie traten auf, indem sich die Stimme Gottes in ihrer Seele regte, die sie befähigte, anderes zu schauen als der gewöhnliche Mensch, die sie befähigte, Angaben zu machen über den künftigen Verlauf der Geschicke ihres Volkes, auch über den künftigen Verlauf der Weltgeschichte. Das entrang sich elementar der Seele der Propheten. Nicht in derselben Weise wird erzählt, daß sie die Einweihung durchmachten, wie bei den anderen Propheten, bei denen man nachweisen kann, wie diese die Einweihung durchmachten. Die jüdischen Propheten treten so auf, daß wie aus einer Genialität heraus ihr geistiges Schauen dasteht, dasjenige dasteht, was sie ihrem Volke, was sie der Menschheit zu sagen haben. Und so ist auch ihre Art, wie sie sich auf ihre prophetische Stimme und auf ihre prophetischen Gaben berufen. Sehen Sie nur einmal, wie ein Prophet, wenn er etwas zu sagen hat, davon spricht, daß der Gott es ihm mitgeteilt hat durch seine Mittler, oder daß es gekommen ist wie eine unmittelbare elementarische Wahrheit. Das gibt Veranlassung zu fragen: Wie verhält es sich mit diesen jüdischen Prophetengestalten, die äußerlich neben die Eingeweihten der anderen Völker zu stellen sind, wenn wir von Elias und seiner Wiederverkörperung, dem Täufer, absehen wollen? Wenn man geisteswissenschaftlich, okkult die Seelen dieser Propheten untersucht, da kommt man auf etwas sehr Merkwürdiges. Versuchen Sie, mit dem, was ich Ihnen jetzt als ein geisteswissenschaftliches Forschungsresultat mitteile, alles das prüfend zu vergleichen, was die Geschichte und die religiöse Überlieferung über diese Gestalten gibt, so werden Sie schon die Bestätigung finden.

[ 13 ] One need only take up the Bible—and recent historical research has indeed shown that it is not an untrustworthy but a trustworthy document—and look at the prophets from Isaiah to Malachi, through Jeremiah, Ezekiel, Daniel, and consider what the Bible says about these figures, then one will see that they cannot be placed within the general framework of initiation. Where, indeed, is it stated that the Jewish prophets underwent the same path of initiation as the other initiates of the remaining peoples? It is said that they appeared when the voice of God stirred within their souls, enabling them to see things that ordinary people could not, enabling them to provide information about the future course of their people’s destiny, and also about the future course of world history. This welled up spontaneously from the prophets’ souls. It is not recounted in the same way that they underwent initiation as with the other prophets, for whom one can demonstrate how they underwent initiation. The Jewish prophets appear in such a way that their spiritual vision stands forth as if from a genius, that which they have to say to their people, that which they have to say to humanity. And so, too, is their manner of invoking their prophetic voice and their prophetic gifts. Just observe how a prophet, when he has something to say, speaks of God having communicated it to him through His intermediaries, or that it has come as an immediate, elemental truth. This gives rise to the question: What is the situation with these Jewish prophetic figures, who outwardly stand alongside the initiates of other peoples, if we are to set aside Elijah and his reincarnation, the Baptist? If one examines the souls of these prophets from a perspective of Spiritual Science and occultism, one comes upon something very remarkable. If you try to compare critically what I am now sharing with you as a result of Spiritual Science research with everything that history and religious tradition have to say about these figures, you will already find confirmation.

[ 14 ] Wenn man die Seelen der jüdischen Propheten verfolgt, so findet man, daß sie Wiederverkörperungen sind von Eingeweihten, die bei anderen Völkern eingeweiht waren und dort schon gewisse Stufen der Einweihung erstiegen hatten. Wenn wir also einen der jüdischen Propheten zurückverfolgen, so kommen wir zu anderen Völkern. Dort finden wir eine Initiiertenseele, die lange bei diesem Volke geblieben war; sie ging dann durch die Pforte des Todes und wurde wiederverkörpert bei dem jüdischen Volke. Und alle die einzelnen Gestalten Jeremias, Jesajas, Daniel und so weiter —, wir müssen sie, wenn wir ihre Seelen in früheren Verkörperungen finden wollen, bei anderen Völkern suchen. Es ist wirklich, trivial gesprochen, so wie ein Nach-und-nach-sich-Versammeln der Eingeweihten der anderen Völker bei dem jüdischen Volke, wo die Eingeweihten in der Gestalt der Propheten auftreten. Dann aber ist es erklärlich, daß die Propheten so erscheinen, daß ihre Prophetengabe wie ein elementarisches Hervortreten ihres Innern erscheint. Es ist die Erinnerung an das, was sie sich als Eingeweihte da oder dort erworben haben. Das tritt heraus, tritt aber auch heraus so, daß es nicht immer jene klare harmonische Form zeigen muß, die es in früheren Inkarnationen gehabt hat. Denn es wird die Seele, die in einem persischen oder ägyptischen Leibe inkarniert war, sich erst anbequemen müssen der Körperlichkeit des jüdischen Volkes. Da wird manches nicht herauskommen können, was früher schon in ihr darinnen war. Denn es ist nicht so, daß, wenn der Mensch fortschreitet von Inkarnation zu Inkarnation, immer auch das in ihm vorhanden ist, was früher vorhanden war, sondern es kann etwas, was früher schon da war, durch die Schwierigkeiten, welche die Körperlichkeit macht, unharmonisch erscheinen, kann chaotisch erscheinen.

[ 14 ] If one traces the souls of the Jewish prophets, one finds that they are reincarnations of initiates who were initiated among other peoples and had already ascended certain stages of initiation there. So when we trace back one of the Jewish prophets, we come to other peoples. There we find an initiated soul who had remained with that people for a long time; it then passed through the gate of death and was reincarnated among the Jewish people. And all the individual figures of Jeremiah, Isaiah, Daniel, and so on—if we wish to find their souls in earlier incarnations, we must seek them among other peoples. Put simply, it is truly as if the initiates of other peoples were gradually gathering among the Jewish people, where the initiates appear in the form of prophets. But then it becomes understandable that the prophets appear in such a way that their prophetic gift appears as an elemental manifestation of their inner being. It is the memory of what they acquired as initiates here or there. This emerges, but it also emerges in such a way that it does not always have to display that clear, harmonious form it had in earlier incarnations. For the soul that was incarnated in a Persian or Egyptian body will first have to adapt to the physicality of the Jewish people. Thus, some things that were already present within them in the past will not be able to emerge. For it is not the case that, as a person progresses from incarnation to incarnation, what was present in them before is always present; rather, something that was already there may appear disharmonious or chaotic due to the difficulties posed by physicality.

[ 15 ] So sehen wir, wie die jüdischen Propheten ihrem Volke eine Summe von spirituellen Impulsen gaben, die oft ungeordnete, aber grandiose Wiedererinnerungen sind der früheren Initiation. Das ist das Eigentümliche, was uns bei diesen jüdischen Propheten entgegentritt. Und warum geschieht dies? Aus keinem anderen Grunde geschieht es, als weil in der Tat die ganze Menschheitsentwickelung diesen Durchgangspunkt nehmen mußte, weil das, was zerstreut errungen worden war, gesammelt werden sollte wie in einem Brennpunkt und wiedergeboren werden sollte aus dem Blut des alttestamentlichen Volkes heraus. Daher wird überall in der Geschichte des althebräischen Volkes wie bei keinem anderen Volke — nur bei Stämmen war das der Fall, aber nicht bei Völkern, die schon «Völker» geworden waren — die Zusammengehörigkeit, das Rinnen des Blutes durch die Generationen betont. Alles, was die weltgeschichtliche Mission des alttestamentlichen Volkes ist, beruht auf der Kontinuierlichkeit des Rinnens des Blutes durch die Generationen. Deshalb wird der, welcher vollgültig dem jüdischen Volke angehören soll, immer genannt ein Sohn Abrahams, Isaaks und Jakobs, das heißt desjenigen Elementes, das sich zuerst im Blute bei Abraham, Isaak und Jakob gezeigt hat. Dieses durchrinnende Blut war es, in das sich hineininkarnieren sollten die Initiationselemente der verschiedenen anderen Völker. Wie Strahlen, die von verschiedenen Seiten kommen und sich in einem Mittelpunkte vereinigen, so sammelten sich die Initiationsstrahlen der verschiedenen Völker wie in einem Mittelpunkte in dem Blute des althebräischen Volkes. Da mußte das Psychische der Menschheitsevolution einmal hindurchgehen. Es ist wichtig, daß wir diese okkulte Tatsache ins Auge fassen; denn nur dann versteht man, wie sich so etwas wie das Markus-Evangelium gleich bei seinem Anfange auf das Element des Alten Testamentes gründet.

[ 15 ] Thus we see how the Jewish prophets gave their people a wealth of spiritual impulses that are often disordered yet magnificent recollections of earlier initiation. This is the distinctive feature that strikes us about these Jewish prophets. And why does this happen? It happens for no other reason than that the entire development of humanity had to pass through this point; for what had been achieved in a scattered manner was to be gathered together as if at a focal point and reborn from the blood of the Old Testament people. Hence, throughout the history of the ancient Hebrew people—as with no other people (this was the case only with tribes, but not with peoples who had already become “nations”)—the sense of belonging, the flow of blood through the generations, is emphasized. Everything that constitutes the world-historical mission of the Old Testament people rests upon the continuity of the flow of blood through the generations. That is why the one who is to belong fully to the Jewish people is always called a son of Abraham, Isaac, and Jacob—that is, of that element which first manifested itself in the blood of Abraham, Isaac, and Jacob. It was this flowing blood into which the initiatory elements of the various other peoples were to incarnate. Like rays coming from different directions and converging at a central point, so the initiatory rays of the various peoples gathered, as it were, at a central point in the blood of the ancient Hebrew people. The psychic aspect of human evolution had to pass through this at some point. It is important that we take this occult fact into account; for only then can one understand how something like the Gospel of Mark is founded, right from its very beginning, on the element of the Old Testament.

[ 16 ] Was geschieht nun aber bei diesem Sammeln der Initiationselemente der verschiedenen Völker in diesem einen Zentrum? Wir werden schon noch sehen, warum es geschieht. Aber wenn man nun den ganzen dramatischen Fortgang des Alten Testamentes wieder nimmt, wird man merken, wie durch dieses Aufnehmen des Initiationselementes der verschiedenen Völker sich nach und nach innerhalb der Entwickelung des Alten Testamentes herausbildet der Unsterblichkeitsgedanke, der auf seiner Höhe eben gerade bei den Makkabäersöhnen erscheint. Aber wir müssen ihn nun, man möchte sagen, in seiner ganzen ursprünglichen Bedeutung einmal auf unsere Seele wirken lassen, so wirken lassen, daß wir dabei das Bewußtsein des Menschen ins Auge fassen von seinem Verhältnisse zur geistigen Welt.

[ 16 ] But what actually happens when these elements of initiation from various peoples are gathered into this one center? We shall yet see why this happens. But if we now take up the entire dramatic course of the Old Testament again, we will notice how, through this incorporation of the initiatory elements of the various peoples, the idea of immortality gradually takes shape within the development of the Old Testament, appearing at its zenith precisely in the sons of the Maccabees. But we must now, one might say, allow it to take effect upon our souls in all its original significance—in such a way that we thereby take into account the human consciousness in its relationship to the spiritual world.

[ 17 ] Ich mache Sie auf eines aufmerksam. Versuchen Sie, im Alten Testament die Stellen zu verfolgen, wo die Rede davon ist, daß das göttliche Element in das Menschenleben hereinleuchtet. Wie oft wird erzählt, zum Beispiel bei Tobias: Wenn irgend etwas geschehen soll, wenn beispielsweise Tobias seinen Sohn aussendet, um irgendein Geschäft zu vollziehen, da kommt zu ihm in scheinbar menschlicher Gestalt der Erzengel Raphael (Tob. 5). An einer anderen Stelle kommen andere übersinnliche Wesenheiten der höheren Hierarchien. Es ist ein Hereinspielen des göttlich-geistigen Elementes in die Menschenwelt, ein Hereinspielen, das so geschieht, daß der Mensch das göttlich-geistige Element klar als ein Äußeres hat, daß es ihm entgegenttritt in der Außenwelt. Raphael tritt in dem Buche Tobias dem, den er führen soll, so entgegen, wie ein Mensch dem anderen entgegentritt, indem er äußerlich an ihn herankommt. Wir werden vielfach sehen, wenn wir das Alte Testament durchgehen, daß die Beziehungen zur geistigen Welt so geregelt werden. Der Stellen im Alten Testament, wo von solchen Dingen die Rede ist, sind sehr viele. Aber wir sehen in seinem Verlauf einen ganz dramatischen Fortgang. Und ein Höhepunkt dieses dramatischen Fortschrittes tritt uns endlich entgegen in dem Märtyrertode der sieben Makkabäersöhne, die von dem Vereinigtsein, ja von dem Auferwecktsein ihrer Seelen in dem göttlichen Elemente aus ihren Seelen heraus sprechen. Eine innere Gewißheit der Seelen von ihrer inneren Unsterblichkeit tritt uns bei den Makkabäersöhnen und auch beiden Brüdern des Judas Makkabäus entgegen, die noch in der letzten Zeit ihr Volk verteidigen gegen den König Antiochus von Syrien. Immer innerlicher wird es ergriffen, das spirituelle Element. Und der dramatische Fortschritt wird erst recht ein großer, wenn wir das Alte Testament verfolgen von dem Erscheinen des Gottes in dem brennenden Dornbusch bei Moses, wo wir sehen, wie das Eigentümliche des Herankommens des Gottes ein Äußerliches ist, bis zu dem, was hervorsprudelt aus den Makkabäersöhnen als innere Gewißheit, daß, wenn sie hier sterben, sie auferweckt sein werden im Reiche ihres Gottes durch das, was in ihnen lebt.

[ 17 ] I would like to draw your attention to something. Try to trace the passages in the Old Testament where it is spoken of the divine element shining into human life. How often is it recounted, for example in the Book of Tobit: Whenever something is to happen—such as when Tobit sends his son out to carry out some errand—the archangel Raphael appears to him in what seems to be human form (Tob. 5). In another passage, other supernatural beings from the higher hierarchies appear. It is an intervention of the divine-spiritual element into the human world, an intervention that occurs in such a way that the human being clearly perceives the divine-spiritual element as an external reality, that it confronts him in the external world. In the Book of Tobit, Raphael approaches the one he is to guide just as one human being approaches another, by physically approaching him. We will see many times, as we go through the Old Testament, that relationships with the spiritual world are regulated in this way. There are very many passages in the Old Testament where such things are spoken of. But we see a quite dramatic progression as it unfolds. And a climax of this dramatic progression finally confronts us in the martyrdom of the seven Maccabean sons, who speak from within their souls of the unity, indeed of the awakening of their souls in the divine element. An inner certainty of the souls regarding their inner immortality confronts us in the Maccabean sons and also in the two brothers of Judas Maccabeus, who even in the final days defend their people against King Antiochus of Syria. The spiritual element is grasped ever more deeply. And the dramatic progression becomes all the more significant as we trace the Old Testament from the appearance of God in the burning bush to Moses—where we see how the distinctive nature of God’s approach is an external one—up to what springs forth from the sons of the Maccabees as an inner certainty that, if they die here, they will be raised up in the kingdom of their God through what lives within them.

[ 18 ] Das ist ein gewaltiger Fortgang, der ein einheitliches Inneres im Alten Testament verrät. In dieser Art wird aus dem Bewußtsein, von Gott hingenommen zu werden, gleichsam von Gott von der Erde weggenommen zu werden und ein Glied in der Gottheit zu sein, von dem Alten Testamente in seinem Anfange nichts darüber gesagt, ob dieses Glied der Menschenseele, das von der Gottheit aufgenommen und der göttlichen Welt einverleibt wird, dann wirklich auferweckt wird. Es wird aber der ganze Fortgang so durchgeführt, daß das Bewußtsein immer mehr und mehr erwächst, daß die Menschenseele durch das, was sie ist, doch hineinwächst in das geistige Element. Aus einem Sich-passiv-Verhalten zu dem Gotte Jahve oder Jehova wird allmählich ein aktives inneres Bewußtsein der Seele von ihrem Wesen. Das geht als eine von Seite zu Seite sich treibende Steigerung durch das Alte Testament. Der Unsterblichkeitsgedanke wird geboren, aber nach und nach erst geboren im Fortgang des Alten Testamentes.

[ 18 ] This is a tremendous development that reveals a unified inner core in the Old Testament. In this way, the Old Testament says nothing at the outset about whether this part of the human soul—which is received by the Godhead and incorporated into the divine world—is then truly raised up, even though the consciousness of being accepted by God, of being, as it were, taken from the earth by God, and of being a member of the Godhead is present. However, the entire process unfolds in such a way that the awareness grows ever more and more that the human soul, through what it is, does indeed grow into the spiritual element. A passive attitude toward the God Yahweh or Jehovah gradually gives way to an active inner awareness of the soul regarding its own nature. This unfolds as a progression that moves from one part of the Old Testament to the next. The idea of immortality is born, but it is born only gradually as the Old Testament unfolds.

[ 19 ] Und derselbe Fortschritt ist merkwürdigerweise auch im Prophetentum. Sehen Sie, wie die Gesichte und die Verheißungen jedes folgenden Propheten immer innerlicher und innerlicher werden: wieder so ein dramatisches Element von wunderbarer Steigerung! Je weiter in die Vergangenheit wir zurückgehen, desto mehr wird gesprochen von Gesichten, die sich auf den äußeren Verlauf beziehen; und je mehr wir fortgehen in der Zeit, desto mehr wird von der inneren Kraft, von der inneren Zuversicht und dem Zusammengehörigkeitsgefühl mit dem Geistig-Göttlichen auch von den Propheten gesprochen.

[ 19 ] And, curiously enough, the same progression is evident in prophecy. Notice how the visions and promises of each successive prophet become ever more inward: yet another dramatic element of marvelous intensification! The further back we go into the past, the more there is spoken of visions relating to external events; and the further we go forward in time, the more the prophets speak of inner strength, inner confidence, and a sense of oneness with the spiritual-divine.

[ 20 ] So steigert es sich allmählich, bis uns das Alte Testament heranführt zu dem Beginn des Neuen Testamentes. Und das Markus-Evangelium knüpft ja direkt an alle diese Verhältnisse an. Denn das MarkusEvangelium sagt gleich an seinem Beginn, daß es das Ereignis des Christus Jesus ganz in dem Sinne des alten Prophetentums auffassen will, daß man gleichsam verstehen kann die Erscheinung des Christus Jesus, wenn man die Worte des Propheten Maleachi, beziehungsweise des Propheten Jesajas ins Auge faßt: «Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, der soll dir den Weg bereiten. Hört, wie es ruft in der Wüste: bereitet den Weg des Herrn, macht eben seine Pfade. » (1, 2-3.) Dadurch wird wie in einem Grundton, der durch die Geschichte des Alten Testamentes hindurchgeht, auf das Erscheinen des Christus Jesus hingewiesen. Und weiter wird gesagt im Markus-Evangelium — man hört es aus den Worten ganz deutlich heraus, wenn man nur will —: Ja, wie die ProPheten gesprochen haben, spricht im Grunde genommen jetzt wieder einer, der Täufer. — Und wie geschlossen, wie großartig steht die Gestalt des Täufers da, wenn wir sie so charakterisiert auffassen: Die alten Propheten sprachen von einem Gottesboten, sprachen davon, wie er in der Einsamkeit den Weg zeigen wird, den der Christus Jesus durch die Weltentwickelung zu machen hat.

[ 20 ] Thus it gradually builds up until the Old Testament leads us to the beginning of the New Testament. And the Gospel of Mark, of course, ties directly into all these circumstances. For the Gospel of Mark states right at the beginning that it intends to understand the event of Christ Jesus entirely in the spirit of the ancient prophetic tradition, so that one can, as it were, grasp the appearance of Christ Jesus by considering the words of the prophet Malachi, or rather the prophet Isaiah: “Behold, I send my messenger before you, who shall prepare your way. A voice of one crying out in the wilderness: ‘Prepare the way of the Lord; make his paths straight.’ ” (1:2–3). In this way, as in a fundamental theme running through the history of the Old Testament, the appearance of Christ Jesus is pointed to. And further on in the Gospel of Mark—one can hear it quite clearly in the words, if one is willing—it is said: Yes, just as the prophets spoke, so now, in essence, one speaks again: the Baptist. — And how complete, how magnificent the figure of the Baptist stands there, when we perceive him characterized in this way: The ancient prophets spoke of a messenger of God, spoke of how he would show the way in solitude, the way that Christ Jesus must take through the development of the world.

[ 21 ] Dann fährt das Markus-Evangelium fort: «So trat auf Johannes der Täufer in der Einsamkeit und verkündete die Taufe zur Erkenntnis der menschlichen Sündenhaftigkeit» (1, 4); denn so muß man die Worte, wenn man sie sachgemäß wiedergeben will, übersetzen. Also es wird gesagt: Richtet hin den Blick auf das alte Prophetentum, das sich hineingelebt hat in ein neues Verhältnis zu der Gottheit, in einen neuen Unsterblichkeitsglauben, und schaut an die Gestalt Johannes des Täufers, wie er auftrat und sprach von der Art der Entwickelung, durch die man des Menschen Sündenhaftigkeit erkennt. Dadurch wird gleichfalls als auf eine große Gestalt bei diesem Täufer hingewiesen.

[ 21 ] The Gospel of Mark then continues: “Then John the Baptist appeared in the wilderness and preached a baptism of repentance for the forgiveness of sins” (1:4); for this is how the words must be translated if one is to render them accurately. Thus it is said: Turn your gaze to the ancient prophetic tradition, which has established itself in a new relationship with the Deity, in a new belief in immortality, and look at the figure of John the Baptist, how he appeared and spoke of the kind of development through which one recognizes human sinfulness. This likewise points to a great figure in this Baptist.

[ 22 ] Dann aber die wunderbare Gestalt des Christus Jesus selber, wie wird sie uns im Markus-Evangelium mit einer, man darf sagen, nirgends sonst in der Welt so einfach und so grandios zugleich gegebenen dramatischen Steigerung vorgeführt! Ich bitte, so recht den seelischen Blick darauf zu richten. Was wird gesagt? Etwa so wird gesprochen: Richtet hin den Blick auf die Gestalt des Täufers; ihr werdet ihn nur verstehen, wenn ihr die Gestalten der alten jüdischen Propheten berücksichtigt, deren Stimme in ihm lebendig geworden ist. Zu ihm ging hinaus das ganze jüdische Volk, um sich von ihm taufen zu lassen; das heißt, es gab viele, die erkannten, daß aus Johannes dem Täufer das alte Prophetentum sprach. Das wird gleich im Beginne des Markus-Evangeliums gesagt. Wir sehen vor uns stehen Johannes den Täufer, sehen in ihm lebendig werden die Stimme des alten Prophetentums, sehen zu ihm das Volk hinauswandern und sehen, wie er — bleiben wir innerhalb des Markus-Evangeliums zunächst stehen — von den Menschen erkannt wird als der wiedererstandene Prophet. Das ist das erste. Und nun tritt ein die Gestalt des Christus Jesus selber. Wir wollen zunächst die sogenannte Johannes-Taufe im Jordan unberücksichtigt lassen, wollen ihn unberücksichtigt lassen nach der JohannesTaufe und auch noch nach der Versuchungsgeschichte und wollen die so grandiose dramatische Steigerung, die uns gerade im MarkusEvangelium entgegentritt, ins Auge fassen.

[ 22 ] But then there is the wondrous figure of Christ Jesus himself—how is he presented to us in the Gospel of Mark with a dramatic intensification that, one might say, is found nowhere else in the world in such a form that is at once so simple and so magnificent! I ask you to truly turn your spiritual gaze toward this. What is said? It is spoken of in this way: Turn your gaze to the figure of the Baptist; you will only understand him if you take into account the figures of the ancient Jewish prophets, whose voice has come alive in him. The entire Jewish people went out to him to be baptized by him; that is to say, there were many who recognized that the ancient prophetic tradition spoke through John the Baptist. This is stated right at the beginning of the Gospel of Mark. We see John the Baptist standing before us, see the voice of the ancient prophetic tradition come alive in him, see the people going out to him, and see how he—let us remain within the Gospel of Mark for now—is recognized by the people as the resurrected prophet. That is the first point. And now the figure of Christ Jesus himself enters the scene. Let us first set aside the so-called baptism of John in the Jordan, let us set aside what follows the baptism of John and also the story of the temptation, and let us take in the magnificent dramatic crescendo that confronts us precisely in the Gospel of Mark.

[ 23 ] Nachdem der Täufer vorgeführt ist und gezeigt ist, wie sich die Menschen zu ihm und seiner Mission stellen, wird der Christus Jesus selber vorgeführt. Aber wie? Zunächst wird er so hingestellt, daß ex da ist; aber ihn erkennen nicht bloß die Menschen, ihn erkennen auch andere Wesen. Darauf kommt es an. Da sind um ihn herum Menschen, die geheilt werden wollen von dem Dämonismus, in denen Dämonen wirken. Da stehen die Menschen herum, die nicht bloß von Menschenseelen bewohnt sind, sondern die besessen sind von übersinnlichen Geistern, die durch sie wirken. Und nun wird an einer bedeutungsvollen Stelle gesagt, diese Geister erkennen den Christus Jesus (1, 23-26). Den Täufer erkennen die Menschen und gehen hinaus und lassen sich von ihm taufen. Die übersinnlichen Geister erkennen den Christus, so daß er ihnen gebieten muß, nicht von ihm zu sprechen. Ihn erkennen die Wesen, die von der übersinnlichen Welt sind. Es wird also gesagt: Da tritt ein Wesen herein, das nicht bloß von den Menschen erkannt wird, sondern das in seinem Auftreten erkannt wird und für gefährlich gehalten wird von übersinnlichen Wesenheiten. Das ist die grandiose Steigerung, die uns gleich im Beginne des Markus-Evangeliums entgegentritt: auf der einen Seite Johannes der Täufer, der von den Menschen erkannt und verehrt wird, und auf der anderen Seite der, welcher von übersinnlichen Wesenheiten, die aber mit der Erde etwas zu tun haben, erkannt und gefürchtet wird, so daß sie erkennen, sie müssen jetzt abziehen. Das ist der Christus Jesus. In einer solchen Einfachheit gibt es nirgends sonst eine solche dramatische Steigerung. Wenn man dies ins Auge faßt, empfindet man gewisse Dinge als notwendig, die sonst an den Menschenseelen einfach vorbeigehen. Da mache ich Sie nur auf eine einzige Stelle aufmerksam, die — weil das Markus-Evangelium so einfach und so groß ist — im Markus-Evangelium am meisten auffallen kann. Erinnern Sie sich, wie da, wo gleich im Beginne des Markus-Evangeliums von der Bestellung der Zwölf geredet wird und wo die Rede ist von der Namengebung, wie er da zwei von seinen Aposteln die «Donnerssöhne » nennt (3, 17). Das ist nicht etwas, über das man einfach hinweglesen darf; das ist etwas, was man wohl beachten muß, wenn man das Evangelium verstehen will. Warum nennt er sie die Donnerssöhne? Weil er, damit sie seine Diener werden, ein Element in sie verpflanzen will, das nicht von der Erde ist, das von außerhalb der Erde herkommt, weil es das Evangelium aus den Reichen der Angeloi und Archangeloi ist, weil es ein ganz Neues ist und weil es nicht mehr genügt, bloß von den Menschen zu sprechen, sondern von einem himmlischen, überirdischen Element, dem Ich, und weil es notwendig ist, dies zu betonen. Er nennt sie Donnerssöhne, um zu zeigen, daß auch die Seinigen eine Beziehung zu dem überirdischen Element haben. Die nächste Welt, die an die unsrige angeknüpft ist, ist die elementarische Welt, durch die erst erklärlich wird, was in unsere Welt hereinspielt. Und der Christus gibt seinen Jüngern Namen, durch die gesagt wird, daß unsere Welt an eine nächste übersinnlicheangrenzt. Er gibt ihnen die Beinamen von den Eigenschaften der elementarischen Welt. Dasselbe ist der Fall, wenn er Simon den «Felsenmann » nennt (3, 16). Wieder ist dabei auf ein Übersinnliches hingewiesen. So wird durch das ganze Evangelium angekündigt das Hereintreten des «Angelium», der Impulse aus der geistigen Welt.

[ 23 ] After John the Baptist has been introduced and it has been shown how people respond to him and his mission, Christ Jesus himself is introduced. But how? At first, he is presented in such a way that he is simply there; but it is not only people who recognize him—other beings recognize him as well. That is what matters. There are people around him who want to be healed of the demonism in which demons are at work. There stand people who are not merely inhabited by human souls, but who are possessed by supernatural spirits working through them. And now, at a significant point, it is said that these spirits recognize Christ Jesus (1:23–26). People recognize the Baptist and go out and have themselves baptized by him. The supernatural spirits recognize Christ, so that he must command them not to speak of him. He is recognized by beings who are of the supernatural world. It is thus said: Here enters a being who is not merely recognized by humans, but who is recognized in his appearance and is regarded as dangerous by supernatural beings. This is the magnificent climax that confronts us right at the beginning of the Gospel of Mark: on the one hand, John the Baptist, who is recognized and revered by people, and on the other hand, the one who is recognized and feared by supersensible beings—who nevertheless have a connection to the earth—so that they realize they must now withdraw. This is Christ Jesus. Nowhere else is there such a dramatic climax in such simplicity. When one takes this to heart, one perceives certain things as necessary that otherwise simply pass human souls by. I would like to draw your attention to just one passage that—because the Gospel of Mark is so simple and so great—stands out most in the Gospel of Mark. Do you remember how, right at the beginning of the Gospel of Mark, when the calling of the Twelve is discussed and the naming of the apostles is mentioned, he calls two of his apostles the “Sons of Thunder” (3:17)? This is not something one can simply gloss over; it is something one must take note of if one wishes to understand the Gospel. Why does he call them the Sons of Thunder? Because, in order for them to become his servants, he wants to implant in them an element that is not of the earth, that comes from outside the earth, because it is the Gospel from the realms of the Angeloi and Archangeloi, because it is something entirely new, and because it is no longer enough to speak merely of human beings, but of a heavenly, supernatural element—the I—and because it is necessary to emphasize this. He calls them “sons of thunder” to show that even his own have a connection to the supernatural element. The next world, which is linked to ours, is the elemental world, through which alone can be explained what comes into play in our world. And Christ gives his disciples names that signify that our world borders on a next, supernatural one. He gives them epithets derived from the qualities of the elemental world. The same is true when he calls Simon the “Rock” (3:16). Here again, reference is made to the supersensible. Thus, throughout the entire Gospel, the coming of the “Angelium”—the impulses from the spiritual world—is announced.

[ 24 ] Um das zu verstehen, braucht man nur richtig zu lesen, braucht man nur die Voraussetzung zu machen, daß das Evangelium zugleich ein Buch ist, aus dem die tiefste Weisheit herauszuholen ist. Der ganze Fortschritt, der gemacht worden ist, besteht darin, daß die Seelen individualisiert werden, daß sie nicht mehr bloß auf dem Umwege durch die Gruppenseelenhaftigkeit, sondern durch das Element der Individualseele ihre Beziehung zur übersinnlichen Welt haben. Und der, welcher so vor die Menschheit hintritt, daß er innerhalb der Erdenwesen erkannt wird, aber auch erkannt wird von den übersinnlichen Wesenheiten, er bedarf, um hineinzuversenken in die Seelen deter, die ihm dienen sollen, etwas von einem übersinnlichen Element, dazu des besten Menschenelementes. Derjenigen Menschen bedarf er, die es nach der alten Art in ihren Seelen selbst schon am weitesten gebracht haben.

[ 24 ] To understand this, one need only read carefully; one need only assume that the Gospel is also a book from which the deepest wisdom can be drawn. All the progress that has been made consists in the fact that souls are becoming individualized, that they no longer relate to the supersensible world merely indirectly through group soulhood, but through the element of the individual soul. And he who steps before humanity in such a way that he is recognized among earthly beings, yet is also recognized by the supersensible beings, requires, in order to instill into the souls of those who are to serve him, something of a supersensible element, and of the finest human element. He needs those people who, in the old way, have already come the farthest in their own souls.

[ 25 ] Es ist im höchsten Sinne interessant, den seelischen Werdegang derjenigen zu verfolgen, die der Christus Jesus um sich versammelt, die er beruft zu seinen Zwölfen, die, man möchte sagen, wenn sie einem in ihrer Einfachheit entgegentreten, am allergrandiosesten das durchgemacht haben, was ich Ihnen gestern zeigen wollte bei mehr auseinanderliegenden Inkarnationen von Menschenseelen. Der Mensch muß sich erst hineinfinden in das Individuelle. Er kann da zunächst sich selber schwer zurechtfinden, wenn er von dem, was in seiner Seele im Element des Volkstums gewurzelt hat, versetzt wird in das Auf-sich-selbst-Gestelltsein. Die Zwölf waren es. Sie wurzelten tief in einem Volkstum, das sich gerade wieder in der grandiosesten Weise als Volkstum erfaßt hatte. Und sie waren wie mit nackter Seele, mit einfacher Seele dastehend, als der Christus sie wiederfand. Man hat es dabei mit ganz unregelmäßigen Zwischenzeiten zwischen den Inkarnationen zu tun. Richten konnte sich der Blick des Christus auf die Zwölf: Diejenigen Seelen erschienen wieder, die in den sieben Makkabäersöhnen (see 207) und in den fünf Söhnen des Mattathias, in Judas und seinen Brüdern, verkörpert waren; daraus setzte sich das Apostolat zusammen. Sie waren hineingeworfen in das Element der Fischer und der einfachen Leute; aber sie waren in der Zeit, als das jüdische Element zu einem Kulminationspunkt hinaufgestiegen war, von dem Bewußtsein durchdrungen, daß dieses Element zu dieser Zeit höchste Kraft war, aber nur Kraft, während es jetzt individualisiert auftrat, als es sich um den Christus herumgruppierte.

[ 25 ] It is fascinating in the highest sense to trace the spiritual development of those whom Christ Jesus gathers around him, whom he calls to be his Twelve—those who, one might say, when they appear before us in their simplicity, have undergone in the most magnificent way what I sought to show you yesterday in the case of human souls in more widely separated incarnations. Human beings must first find their way into the individual. At first, they may find it difficult to find their bearings there when they are transferred from what has taken root in their souls within the element of national character to a state of being left to their own devices. It was the Twelve. They were deeply rooted in a folk culture that had just re-established itself in the most magnificent way as a folk culture. And they stood there as if with a naked soul, with a simple soul, when Christ found them again. Here we are dealing with quite irregular intervals between incarnations. Christ’s gaze could focus on the Twelve: those souls reappeared who had been embodied in the seven Maccabean sons (see 207) and in the five sons of Mattathias, in Judas and his brothers; from these the Apostolate was composed. They were cast into the milieu of fishermen and simple folk; but at the time when the Jewish element had risen to a culminating point, they were imbued with the awareness that this element was the supreme power at that time, yet merely power, whereas it now appeared in an individualized form as it gathered around the Christ.

[ 26 ] Man könnte sich vorstellen, daß jemand ein ganz Ungläubiger wäre und nur künstlerisch das ins Auge fassen wollte, wie am Ende des Alten Testamentes Sieben und Fünf auftreten und wie Zwölf wieder am Anfange des Neuen Testamentes zu finden sind. Wenn man dies rein als künstlerisch-kompositionelles Element nimmt, kann man schon von der Einfachheit und der künstlerischen Größe des Bibelbuches ergriffen sein, ganz abgesehen davon, daß die Zwölf sich zusammensetzen aus den fünf Söhnen des Mattathias und den sieben Söhnen der Makkabäermutter.* Man wird lernen müssen, die Bibel auch als Kunstwerk zu nehmen; dann wird einem erst das Gefühl für die Größe aufgehen, die in die Bibel als Kunstwerk hineingelegt ist. Und man wird ein Gefühl dafür erhalten, worauf sich das, was da künstlerisch hineingelegt ist, eben beziehen muß.

[ 26 ] One could have a mental image of someone who is a complete non-believer and yet wishes to consider, from a purely artistic perspective, how the numbers seven and five appear at the end of the Old Testament and how the number twelve is found again at the beginning of the New Testament. If one takes this purely as an artistic-compositional element, one can already be moved by the simplicity and artistic grandeur of the biblical book, quite apart from the fact that the Twelve are composed of the five sons of Mattathias and the seven sons of the Maccabean mother.* One will have to learn to regard the Bible as a work of art as well; only then will one begin to grasp the sense of the greatness that is embedded in the Bible as a work of art. And one will gain a sense of what it is that the artistic elements embedded therein must refer to.

[ 27 ] Nun darf vielleicht noch auf eines aufmerksam gemacht werden. Unter den fünf Söhnen des Mattathias ist einer, der schon im Alten Testament Judas heißt. Er ist damals derjenige, welcher am kräftigsten kämpft für sein Volk, der ganz und gar mit seiner Seele seinem Volkstum hingegeben ist, und dem es auch gelingt, einen Bund mit den Römern zu schließen gegen den König Antiochus von Syrien (1. Makk. 8). Dieser Judas ist derselbe, welcher später die Prüfung durchzumachen hat, den Verrat zu begehen, weil er, der am allerinnigsten verbunden ist mit dem spezifisch althebräischen Element, nicht gleich den Übergang zu dem christlichen Element finden kann und erst die harte Prüfung braucht durch den Verrat. Es steht, wenn man wieder das rein Künstlerisch-Kompositionelle betrachtet, ganz wunderbar da die, man möchte sagen, grandiose Gestalt des Judas in den letzten Kapiteln des Alten Testamentes und die Gestalt des Judas im Neuen Testament. Und merkwürdig ist in diesem symptomatischen Vorgang, daß der Judas des Alten Testamentes einen Bund mit den Römern schließt, alles das vorbildet, was später geschehen ist, nämlich den Weg, den das Christentum genommen hat durch das Römertum, um in die Welt einzutreten. Das ist, möchte man sagen, die weitere Ausgestaltung. Und wenn ich hinzufügen würde, was auch gewußt werden kann, was aber doch nicht in einem Vortrage vor einem so großen Zuhörerkreise gesagt werden kann, so würden Sie sehen, wie eigentlich gerade durch die spätere Wiederverkörperung dieses Judas die Verschmelzung geschieht des römischen Elementes mit dem christlichen Element und wie der wiederverkörperte Judas der erste ist, der sozusagen den großen Erfolg hat in der Ausbreitung des romanisierten Christentums, und wie der Bündnisabschluß des Judas des Alten Testamentes mit den Römern die prophetische Vortatsache ist dessen, was ein Späterer tut, der dem Okkultisten wiedererscheint als der wiederverkörperte Judas, der da durchgehen mußte durch die harte Seelenprüfung des Verrates. Und was sich dann durch sein späteres Wirken zeigt als Christentum im Römertum und Römertum im Christentum zugleich, das erscheint wie eine ins Geistige umgesetzte Erneuerung des Bündnisses des alttestamentlichen Judas mit den Römern.

[ 27 ] Perhaps one more point should be noted here. Among the five sons of Mattathias is one who is already named Judas in the Old Testament. He is the one who fights most vigorously for his people at that time, who is wholly devoted to his people with all his soul, and who also succeeds in concluding an alliance with the Romans against King Antiochus of Syria (1 Macc. 8). This Judas is the very same man who later has to undergo the trial of committing betrayal, because he, who is most intimately connected with the specifically ancient Hebrew element, cannot immediately find the transition to the Christian element and first needs the harsh trial of betrayal. If one considers the purely artistic and compositional aspects again, there is a truly remarkable contrast between the—one might say—grand figure of Judas in the final chapters of the Old Testament and the figure of Judas in the New Testament. And what is remarkable in this symptomatic process is that the Judas of the Old Testament makes a pact with the Romans, foreshadowing everything that later took place, namely the path that Christianity took through Roman culture in order to enter the world. This is, one might say, the further elaboration. And if I were to add what can indeed be known, but which cannot be said in a lecture before such a large audience, you would see how it is precisely through the later reincarnation of this Judas that the fusion of the Roman element with the Christian element takes place, and how the reincarnated Judas is the first who, so to speak, achieves great success in the spread of Romanized Christianity, and how the Old Testament Judas’s covenant with the Romans is the prophetic foreshadowing of what a later figure does—one who appears to the occultist as the reincarnated Judas, who had to undergo the harsh soul trial of betrayal. And what then manifests itself through his later work as Christianity within Romanism and Romanism within Christianity at the same time appears as a renewal, transposed into the spiritual realm, of the Old Testament Judas’s alliance with the Romans.

[ 28 ] Wenn man solche Dinge vor sich hat, kommt man nach und nach zu der Einsicht: Geistig betrachtet, ist, von allem übrigen abgesehen, das größte Kunstwerk, das jemals gewesen ist, die menschliche Evolution selber. Man muß nur den Blick dafür haben. Aber sollte es denn gar so unbegründet sein, diesen Blick für die Menschenseele zu fordern? Ich denke, wenn jemand das eine oder das andere Drama sieht, das eine durchsichtige dramatische Schürzung und Lösung hat, so kann er, wenn er nicht die Fähigkeit hat, den Aufbau zu durchschauen, in dem Drama nur eine Aufeinanderfolge von Vorgängen sehen, die man hintereinander beschreiben kann. So ungefähr macht es die äußere Weltgeschichte. Da kommt allerdings aus der Menschheitsgeschichte kein Kunstwerk zustande, sondern nur ein Hintereinanderauftreten von Vorgängen. Jetzt aber ist die Menschheit schon an dem Wendepunkt, wo das eintreten muß, die innere fortschreitende Gestaltung der Vorgänge, ihre Verwicklung und Lösung in der Menschheitsevolution aufzufassen. Dann wird sich herausstellen, daß die Menschheitsevolution selber uns zeigt, wie an diesem Punkt, wie an jenem Punkte die individuellen Gestalten auftreten, Impulse geben, Knoten schürzen, Knoten lösen. Und man lernt erst das Hineingestelltsein des Menschen in die Menschheitsevolution erkennen, wenn man so den geschichtlichen Hergang kennt.

[ 28 ] When one is confronted with such things, one gradually comes to realize: From a spiritual perspective, setting everything else aside, the greatest work of art that has ever existed is human evolution itself. One simply needs to have an eye for it. But is it really so unreasonable to demand this insight into the human soul? I think that when someone watches one drama or another—one with a clear dramatic build-up and resolution—if they lack the ability to see through the structure, they can only perceive the drama as a succession of events that can be described one after another. This is roughly how external world history unfolds. However, no work of art emerges from human history in this way, but only a succession of events. Now, however, humanity has already reached the turning point where we must grasp the inner, progressive shaping of these events, their entanglement and resolution within human evolution. Then it will become clear that human evolution itself shows us how, at this point or that point, individual figures appear, provide impulses, create knots, and untie knots. And one only begins to recognize humanity’s place within human evolution when one understands the historical course in this way.

[ 29 ] Dann aber muß man, weil das Ganze aus dem Zustande der reinen Zusammenfügung zu einem Organismus und zu mehr als einem Organismus erhoben wird, wirklich jedes an seine Stelle stellen und den Unterschied machen, den auf anderen Gebieten die Menschen für selbstverständlich halten. Denn keinem Astronomen wird es einfallen, die Sonne den übrigen Planeten gleichzustellen. Es ist ihm eine Selbstverständlichkeit, daß er die Sonne herausgliedert und als ein Monon gegenüber den Planeten hinstellt. So ist es dem, der die Menschheitsentwickelung durchschaut, selbstverständlich, eine «Sonne» hineinzustellen unter die großen Führer der Menschheit. Und wie es ein völliges Unding wäre, von der Sonne unseres Planetensystems so zu sprechen wie von dem Jupiter, Mars und so weiter, so ist es ein Unding, von dem Christus so zu sprechen wie von den Bodhisattvas und den anderen Menschheitsführern. Das sollte so selbstverständlich sein, daß jede Wiederverkörperung des Christus als etwas Absurdes erscheint, als etwas, was gar nicht gesagt werden kann, wenn man sich die Dinge nur ganz einfach vor Augen stellt. Aber es ist notwendig, daß man auch wirklich auf die Sachen eingeht, sie wirklich in ihrer wahren Gestalt erfaßt und sie nicht als dieses oder jenes Dogma, als diesen oder jenen Sektenglauben hinstellt. Es ist nicht notwendig, wenn man im wirklichen, kosmologischen Sinne von einer Christologie spricht, von einer Bevorzugung des Christentums vor einer anderen Religion zu sprechen. Das wäre so, wie wenn irgendwo eine Religion in ihren heiligen Schriften hätte, daß die Sonne ein Planet sei wie die übrigen Planeten, und dann jemand auftreten würde und sagen: Man muß die Sonne herausheben aus der Zahl der Planeten — und es würden sich nun die übrigen dagegen auflehnen und sagen: Ja, das ist aber eine Bevorzugung der Sonne! Das ist es gar nicht, sondern nur eine Anerkennung der Wahrheit selber.

[ 29 ] But then, because the whole is elevated from a state of mere aggregation to an organism—and to more than just an organism—one must truly put each element in its proper place and make the distinction that people in other fields take for granted. For it would never occur to an astronomer to equate the Sun with the other planets. It is self-evident to him that he must single out the Sun and set it apart as a monon in relation to the planets. So it is self-evident to one who understands the development of humanity to place a “Sun” among the great leaders of humanity. And just as it would be a complete absurdity to speak of the Sun of our planetary system in the same way as of Jupiter, Mars, and so on, so it is an absurdity to speak of the Christ in the same way as of the Bodhisattvas and the other leaders of humanity. This should be so self-evident that any reincarnation of the Christ appears as something absurd, as something that cannot even be spoken of, if one simply considers the matter clearly. But it is necessary to truly engage with these matters, to truly grasp them in their true form, and not to present them as this or that dogma, as this or that sectarian belief. It is not necessary, when speaking of Christology in the real, cosmological sense, to speak of giving preference to Christianity over another religion. That would be like if a religion somewhere had in its sacred writings that the sun is a planet like the other planets, and then someone were to come along and say: The sun must be singled out from among the planets—and the others would now rebel against this and say: But that is giving preference to the sun! That is not the case at all, but merely a recognition of the truth itself.

[ 30 ] Und so ist es mit dem Christentum. Es ist lediglich eine Anerkennung der Wahrheit, einer solchen Wahrheit, die heute jede Religion auf der Erde annehmen kann, wenn sie nur will. Und wenn andere Religionen es ernst nehmen mit dem gleichmäßigen Geltenlassen aller Religionsbekenntnisse, wenn sie nicht dieses gleichmäßige Geltenlassen nur zu einem Aushängeschild benutzen, dann werden sie auch keinen Anstoß daran nehmen, daß das Abendland nicht einen Nationalgott angenommen hat, sondern einen Gott, der zunächst mit einer Nationalität gar nichts zu tun hat, der eine kosmische Wesenheit ist. Die Inder sprechen von ihren Nationalgöttern. Es ist ganz selbstverständlich, daß sie anders sprechen müssen als die Menschen, die nicht einen germanischen Nationalgott angenommen haben und geltend machen, sondern die eine Wesenheit, die sich wahrhaftig nicht auf ihrem Boden verkörpert hat, in ihren Mittelpunkt stellen, die fern von ihnen bei einem anderen Volke verkörpert war. Von einem Entgegensetzen des christlich-abendländischen Prinzips gegenüber einem indisch-morgenländischen könnte man dann sprechen, wenn jemand zum Beispiel Wotan über Krishna stellen wollte. Bei dem Christus ist es aber gar nicht so. Er ist von allem Anfang an gar nicht einem Volke angehörig, sondern er verwirklicht das, was das Schönste ist in dem geisteswissenschaftlichen Prinzip: die Wahrheit anzuerkennen ohne Unterschied von Farbe, Rasse, Stamm und so weiter.

[ 30 ] And so it is with Christianity. It is merely a recognition of the truth—a truth that every religion on earth today can accept, if only it is willing to do so. And if other religions take seriously the equal recognition of all religious creeds—if they do not use this equal recognition merely as a figurehead—then they will also take no offense at the fact that the West has not adopted a national god, but rather a God who initially has nothing to do with any nationality, who is a cosmic being. The Indians speak of their national gods. It goes without saying that they must speak differently from people who have not adopted and assert a Germanic national god, but who place at their center an entity that has truly not incarnated on their soil, but was incarnated far from them among another people. One could speak of a contrast between the Christian-Western principle and an Indian-Eastern one if, for example, someone were to place Wotan above Krishna. But with Christ, it is not at all like that. From the very beginning, he has not belonged to any one people, but rather he embodies what is most beautiful in the principle of Spiritual Science: recognizing the truth without distinction of color, race, tribe, and so on.

[ 31 ] Diese Dinge objektiv zu betrachten, das ist es, wozu wir uns durchringen müssen. Und wenn wir die Evangelien dadurch erkennen, daß wir das erkennen, was ihnen zugrunde liegt, dann werden wir sie erst in Wahrheit verstehen. An dem, was heute gesagt worden ist über das Markus-Evangelium in seiner erhabenen Einfachheit und dramatischen Steigerung von der Persönlichkeit Johannes des Täufers zu der des Christus Jesus, kann man sehen, was eigentlich dieses Evangelium enthält.

[ 31 ] We must bring ourselves to view these things objectively. And if we come to know the Gospels by recognizing what underlies them, only then will we truly understand them. From what has been said today about the Gospel of Mark—with its sublime simplicity and dramatic progression from the personality of John the Baptist to that of Christ Jesus—one can see what this Gospel actually contains.