The Gospel of Mark
GA 139
19 September 1912, Basel
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The Gospel of Mark, tr. SOL
Fünfter Vortrag
Fifth Lecture
[ 1 ] Wir suchten gestern von einem gewissen Gesichtspunkte aus die welthistorische Stellung des Zeitmomentes ins Auge zu fassen, in welchen hinein das Mysterium von Golgatha fällt. Wir versuchten das in der Weise zu tun, daß wir zwei bedeutsame Menschheitsführer, Buddha und Sokrates, ins Auge faßten, welche beide um einige Jahrhunderte der Tatsache des Mysteriums von Golgatha vorangegangen sind. Uns ist dabei aufgefallen, wie derBuddhadarstellt etwas wie den bedeutungsvollen Abschluß einer Evolutionsströmung. Da steht er, dieser Buddha, im sechsten bis fünften Jahrhundert vor dem Mysterium von Golgatha, verkündend, was seither bekannt ist als die tief bedeutsame Lehre, die Offenbarung von Benares, gleichsam zusammenfassend und in einer bestimmten Weise erneuernd, was in die Menschenseelen hat fließen können seit Jahrtausenden der uralten Vorzeit, und es in einer Art verkündend, wie es eben verkündet werden mußte ein halbes Jahrtausend vor dem Mysterium von Golgatha und wie es verkündet werden mußte denjenigen Völkern, denjenigen Rassen, für welche die Lehre gerade in dieserForm am geeignetsten war. Inwiefern Buddha der große Abschluß einer Weltenströmung ist, das fällt noch mehr in die Augen, wenn man seinen großen Vorgänger ins Auge faßt, der in einer gewissen Weise schon zurückfällt in ein Dämmerdunkel der Menschheitsentwicklung: Krishna, den großen indischen Lehrer, der uns in einem ganz anderen Sinne noch wie der Endpunkt jahrtausendealter Offenbarungen erscheint.
[ 1 ] Yesterday, from a certain perspective, we sought to grasp the place in world history of the moment in time in which the Mystery of Golgotha occurs. We attempted to do this by considering two significant leaders of humanity, Buddha and Socrates, both of whom preceded the event of the Mystery of Golgotha by several centuries. In doing so, we noticed how Buddha represents something like the significant culmination of an evolutionary current. There he stands, this Buddha, in the sixth to fifth century before the Mystery of Golgotha, proclaiming what has since become known as the profoundly significant teaching, the Revelation of Benares, as it were summarizing and in a certain way renewing what had been able to flow into human souls over millennia of ancient prehistory, and proclaiming it in a manner that it simply had to be proclaimed half a millennium before the Mystery of Golgotha, and as it had to be proclaimed to those peoples, those races, for whom the teaching was most suitable precisely in this form. The extent to which Buddha represents the great culmination of a world-historical current becomes even more apparent when one considers his great predecessor, who in a certain sense already recedes into the twilight of human development: Krishna, the great Indian teacher, who in a very different sense still appears to us as the culmination of millennia-old revelations.
[ 2 ] Krishna, man kann ihn etwa einige Jahrhunderte vor den Buddha setzen; aber darauf kommt es jetzt nicht an. Die Hauptsache ist: je mehr man auf sich wirken läßt, was Krishna ist und was Buddha ist, desto mehr sieht man ein, daß von einer gewissen Seite her dieBuddhaVerkündigung in Krishna in einem noch helleren Lichte erscheint und bei Buddha — wie wir gleich charakterisieren wollen — in einer gewissen Weise dann am Ende ist.
[ 2 ] Krishna can be placed a few centuries before the Buddha; but that is not the point right now. The main point is: the more one allows oneself to be influenced by what Krishna is and what the Buddha is, the more one realizes that, from a certain perspective, the Buddha’s message appears in an even brighter light in Krishna and, in the case of the Buddha—as we shall characterize shortly—is, in a certain sense, ultimately complete.
[ 3 ] Krishna, in diesem Namen faßt sich in der Tat etwas zusammen, was in der geistigen Entwickelung über viele, viele Jahrtausende der Menschheitsentwickelung hinleuchtet. Und wenn man sich hineinvertieft in all das, was man bezeichnen könnte als die Offenbarung, als die Verkündigung des Krishna, dann sieht man hinauf in erhabene Höhen menschlicher Geistesoffenbarung, denen gegenüber man das Gefühl hat: In bezug auf das, was aus der Offenbarung des Krishna ertönt, in bezug auf alles, was in ihr enthalten ist, kann es überhaupt kaum einen Fortschritt, eine Erhöhung noch geben. Es ist ein Höchstes in seiner Art, was da heraustönt aus der Offenbarung des Krishna. Natürlich fassen wir da vieles in der Person des Krishna zusammen, was auf viele Offenbarer verteilt ist. Aber es ist eben auch da so, daß alles das, was nach und nach im Laufe der Jahrtausende und Jahrhunderte vor ihm sich denen mitgeteilt hat, die die Träger werden mußten in seiner Vorzeit, in ihm, in Krishna, wieder erneuert, zusammengefaßt, zu einem Abschluß gebracht, für sein Volk geoffenbart wurde. Und wenn man die Art nimmt, wie über die göttlichen, über die geistigen Welten, über das Verhältnis der göttlichen und geistigen Welten zur Menschheit, über den Verlauf der Weltenereignisse gesprochen wird aus den Worten des Krishna heraus, wenn man die Geistigkeit nimmt, zu der man sich selbst erheben muß, wenn man eindringen will in den tieferen Sinn der Krishna-Lehre, dann gibt es vielleicht in einer gewissen Art nur eines noch im Verlaufe der Menschheitsentwickelung der späteren Zeit, das sich ein wenig damit vergleichen läßt.
[ 3 ] Krishna—this name truly encapsulates something that has shone forth throughout the spiritual evolution of humanity over many, many millennia. And when one delves deeply into all that which could be described as the revelation, as the proclamation of Krishna, then one looks up to the sublime heights of human spiritual revelation, in the face of which one has the feeling: With regard to what resounds from the revelation of Krishna, with regard to everything contained within it, there can scarcely be any further progress or elevation. What resounds from Krishna’s revelation is supreme in its own kind. Of course, we summarize in the person of Krishna much that is distributed among many revelators. But it is also the case that everything that was gradually communicated over the course of millennia and centuries before him to those who had to become the bearers in his time was renewed, summarized, brought to a conclusion, and revealed to his people in him, in Krishna. And if one considers the way in which the divine and spiritual worlds, the relationship of the divine and spiritual worlds to humanity, and the course of world events are spoken of through the words of Krishna; if one considers the spiritual level to which one must elevate oneself if one wishes to penetrate the deeper meaning of the teachings of Krishna, then perhaps there is, in a certain sense, only one thing in the course of humanity’s later development that can be compared to it to some extent.
[ 4 ] Von der Offenbarung des Krishna darf man sagen: Es ist diese in einer gewissen Weise eine Geheimlehre. Warum eine Geheimlehre? Eine Geheimlehre einfach aus dem Grunde, weil wenige Menschen sich die innere Eignung verschaffen können, um zu der geistigen Höhe emporzuklimmen, um die Dinge zu verstehen. Man braucht solche Dinge, die Krishna geoffenbart hat, nicht durch äußere Mittel abzuschließen, nicht einzusperren, damit sie geheim bleiben; denn sie bleiben aus keinem anderen Grunde geheim, als weil die wenigsten Menschen zu der Höhe sich hinauferheben, zu der es notwendig ist sich zu erheben, um sie zu verstehen. Man kann solche Offenbarungen wie die des Krishna noch so sehr unter die Leute verteilen, man kann sie jedem in die Hand geben, sie bleiben doch geheim. Denn das Mittel, sie aus der Geheimlehre herauszubringen, ist nicht, daß man sie unter die Leute verteilt, sondern daß die Seelen hinaufschreiten, damit sich die Menschen damit vereinigen. Das ist es, daß solche Dinge in einer gewissen geistigen Höhe schweben und dann noch in einer Weise reden, die eine Art geistigen Höhepunktes darstellt. Wer die Worte aufnimmt, die aus solchen Offenbarungen kommen, darf noch lange nicht glauben, daß er solche Offenbarungen kennt, selbst wenn er ein Gelehrter des zwanzigsten Jahrhunderts ist. Man versteht es vollständig, wenn von vielen Seiten heute gesagt wird, es gebe keine Geheimlehre; man begreift es, weil oft die, welche solche Dinge behaupten, die Worte haben und damit glauben alles zu haben. Aber das Geheimlehrenartige liegt darin, daß sie das, was sie haben, nicht verstehen.
[ 4 ] Regarding Krishna’s revelation, one may say: In a certain sense, it is a secret teaching. Why a secret teaching? It is a secret teaching simply because few people can acquire the inner aptitude to ascend to the spiritual heights necessary to understand these things. There is no need to lock away or seal off the things Krishna revealed through external means so that they remain secret; for they remain secret for no other reason than that very few people rise to the level necessary to understand them. No matter how widely one distributes revelations such as those of Krishna among the people, no matter how one places them in everyone’s hands, they remain secret. For the means of bringing them out of the secret teachings is not to distribute them among the people, but for the souls to ascend so that people may unite with them. This is why such things hover at a certain spiritual height and then speak in a way that represents a kind of spiritual climax. Whoever receives the words that come from such revelations must by no means believe that he knows such revelations, even if he is a scholar of the twentieth century. One understands it completely when it is said from many quarters today that there is no secret teaching; one understands it because often those who claim such things have the words and thereby believe they have everything. But the secret-teaching aspect lies in the fact that they do not understand what they have.
[ 5 ] Eines, sagte ich, gibt es noch, was sich damit vergleichen lassen kann. Und zwar läßt sich gerade das, was an den Namen des Krishna angeknüpft werden kann, vergleichen mit dem, was an drei spätere, uns in einer gewissen Weise nahestehende Namen anklingt; nur tritt es da in einer ganz anderen Art, in einer begrifflichen Art, in einer philosophischen Art vor uns hin. Es ist alles das, was sich in der neueren Zeit anknüpft an die drei Namen Fichte, Schelling und Hegel. In bezug auf das Geheimlehrenartige lassen sich schon die Lehren dieser drei Menschen ein wenig vergleichen mit anderen «Geheimlehren» der Menschheit. Denn obwohl man schließlich die Lehren von Fichte, Schelling und Hegel haben kann, so wird doch niemand leugnen, daß sie im weitesten Umfang des Wortes richtige Geheimlehren geblieben sind. Sie sind wahrhaftig Geheimlehren geblieben. Es gibt wenige Menschen, die sich zu diesen Dingen, welche diese drei Leute geschrieben haben, auch nur irgendwie verhalten wollen. Aus einer gewissen, man möchte sagen, philosophischen Courtoisie heraus redet man heute in gewissen philosophischen Kreisen wieder von Hegel, und es wird einem entgegengehalten, wenn so etwas wie das eben Gesagte ausgesprochen wird, daß es doch Leute gibt, die sich mit Hegel beschäftigen. Wenn man dann allerdings nimmt, was diese Leute hervorbringen und was sie beitragen für das Verständnis Hegels, dann kommt man erst recht zu der Anschauung, daß für diese Leute Hegel eine richtige Geheimlehre geblieben ist. Aber es tritt bei Fichte, Schelling und Hegel das, was uns aus dem Orient von Krishna her entgegenleuchtet, in einer abstrakten, begrifflichen Weise wieder auf, und es gehört schon etwas dazu, um die Ähnlichkeit zu bemerken; eine ganz bestimmte Konstitution der Menschenseele gehört dazu. Man möchte sich einmal unumwunden darüber aussprechen, was dazu gehört.
[ 5 ] There is one thing, I said, that can be compared to this. Namely, what can be associated with the name of Krishna can be compared to what resonates in three later names that are, in a certain sense, close to us; only it appears before us in a completely different way, in a conceptual way, in a philosophical way. It is everything that in more recent times is associated with the three names Fichte, Schelling, and Hegel. With regard to their esoteric nature, the teachings of these three men can already be compared to some extent with other “esoteric teachings” of humanity. For although one may ultimately possess the teachings of Fichte, Schelling, and Hegel, no one will deny that they have remained, in the broadest sense of the word, true esoteric teachings. They have truly remained esoteric teachings. There are few people who are willing to take any kind of stance on the things these three men have written. Out of a certain—one might say—philosophical courtesy, people in certain philosophical circles speak of Hegel again today, and when something like what has just been said is expressed, one is told that there are, after all, people who engage with Hegel. However, when one considers what these people produce and what they contribute to the understanding of Hegel, one comes all the more to the view that for these people, Hegel has remained a true secret teaching. But in Fichte, Schelling, and Hegel, what shines toward us from the East through Krishna reappears in an abstract, conceptual way, and it takes something special to notice the similarity; a very specific constitution of the human soul is required. One would like to speak frankly about what is required for this.
[ 6 ] Wenn ein Mensch, der sich heute so, ich will nicht sagen, der Durchschnittsbildung, sondern der höheren Bildung zu erfreuen glaubt, irgendein philosophisches Werk von Fichte oder Hegel in die Hand nimmt, so beginnt er zu lesen und glaubt darin etwas zu lesen, was nur ein Fortgang in der Begriffsentwickelung ist. Und es werden wohl die meisten Menschen darüber einig sein, daß man so recht warm dabei nicht werden kann, wenn man zum Beispiel Hegels «Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften» aufschlägt, wo zuerst über das «Sein», dann über das «Nichtsein », «Werden », «Dasein » und so weiter geredet wird. Man wir des dann erleben können, daß gesagt wird: Da hat jemand eben in der höchsten Begriffsabstraktion etwas zusammengebraut; das mag ganz schön sein, aber für mein Herz, für meine Seele, für meine Wärme gibt es mir nichts. Ich habe viele Leute kennengelernt, die gerade dieses Werk von Hegel, das ich jetzt im Auge habe, nach drei, vier Seiten rasch wieder zugeschlagen haben. Eines will man sich dabei nur nicht gern gestehen: daß vielleicht die Schuld, warum man dabei nicht warm werden kann, warum man dabei nicht Lebenskämpfe durchmachen kann, welche einen von Höllen in Himmel führen, an einem selber liegt. Das gesteht man sich nicht gern. Denn es gibt eine Möglichkeit, bei dem, was die Leute «abstrakte Begriffe» bei diesen Dreien nennen, ganze Lebenskämpfe durchzumachen und nicht nur Lebenswärme zu empfinden, sondern den ganzen Aufstieg von der äußersten Lebenskälte bis zur äußersten Lebenswärme zu fühlen. Man kann empfinden, wie diese Dinge unmittelbar mit Menschenblut, nicht bloß mit abstrakten Begriffen geschrieben sind.
[ 6 ] When a person who today believes himself to be enjoying—I won’t say an average education, but rather a higher education—picks up some philosophical work by Fichte or Hegel, he begins to read and believes he is reading something that is merely a continuation of conceptual development. And most people would probably agree that one cannot really get very excited about it when, for example, one opens Hegel’s *Encyclopedia of the Philosophical Sciences*, where the discussion begins with “Being,” then moves on to “Non-being,” “Becoming,” “Existence,” and so on. One might then hear it said: Someone has simply concocted something in the highest conceptual abstraction; that may be quite nice, but it gives me nothing for my heart, for my soul, for my warmth. I have met many people who, after reading just three or four pages of this very work by Hegel that I have in mind, quickly closed the book again. There is one thing one is reluctant to admit: that perhaps the reason one cannot warm to it, why one cannot go through life’s struggles that lead one from hell to heaven, lies with oneself. One does not like to admit that. For there is a possibility, in what people call “abstract concepts” in these three works, to go through entire life struggles and not only to feel the warmth of life, but to feel the entire ascent from the utmost coldness of life to the utmost warmth of life. One can sense how these things are written directly with human blood, not merely with abstract concepts.
[ 7 ] Man darf das, was von Krishna herüberleuchtet, mit dieser sogenannten neuesten Evolutionsphase des menschlichen Aufstieges in die geistigen Höhen vergleichen; nur ist eben ein bedeutender Unterschied vorhanden. Was uns da entgegenttritt in Fichte, Schelling und Hegel, diesen reifsten Denkern des Christentums, das tritt uns in der vorchristlichen Zeit, so wie es damals sein mußte, bei Krishna entgegen. Denn was ist diese Krishna-Offenbarung? Sie ist etwas, was nachher niemals wiederkommen konnte, was in seiner Höhe hingenommen werden muß, weil es in seiner Art nicht überboten werden kann. Und wer ein Verständnis hat für diese Dinge, der erhält erst einen Begriff, eine Idee von der Stärke des Geisteslichtes, das da zu uns herüberscheint, wenn wir solche Dinge auf uns wirken lassen, die mit jener Kultur zusammenhängen, aus der Krishna hervorgegangen ist. Man muß nur im richtigen Sinne die Dinge auf sich wirken lassen. Wenn man — nur ein paar Proben seien herausgenommen — in einer richtigen Weise auf sich wirken läßt Worte wie diese, sie gehören derBhagavadGita an, wo Krishna spricht, um sein eigenes Wesen anzudeuten, so kommt man zu gewissen Erkenntnissen, Gefühlen und Empfindungen, die wir nachher charakterisieren werden. So sagt Krishna (im zehnten Gesang):
[ 7 ] One may compare what shines forth from Krishna with this so-called latest phase of human evolution toward spiritual heights; yet there is a significant difference. What we encounter in Fichte, Schelling, and Hegel—these most mature thinkers of Christianity—is what we encountered in the pre-Christian era, as it had to be at that time, in Krishna. For what is this revelation of Krishna? It is something that could never return again afterward, something that must be accepted at its highest level because it cannot be surpassed in its kind. And whoever has an understanding of these things only then gains a concept, an idea of the strength of the light of the spirit that shines upon us when we allow such things to take effect upon us—things connected with the culture from which Krishna emerged. One must simply allow these things to take effect upon oneself in the right sense. If one—to take just a few examples—allows words such as these to take effect in the right way, words that belong to the Bhagavad Gita, where Krishna speaks to hint at his own nature, then one arrives at certain insights, feelings, and sensations that we shall characterize later. Thus says Krishna (in the tenth canto):
«Ich bin des Werdens Geist, sein Anfang, seine Mitte und sein Ende. Unter den Wesen bin ich das edelste stets von allem, was geworden ist. Unter den geistigen Wesen bin ich Vishnu, bin die Sonne unter den Sternen, bin unter den Lichtern der Mond, bin unter den Elementen das Feuer, bin unter den Bergen der hohe Meru, bin unter den Wassern das große Weltenmeer, bin unter den Flüssen Ganga, bin unter der Bäume Menge Asvattha, bin der Herrscher im wahren Sinne des Wortes der Menschen und aller Wesen, die da leben, bin unter den Schlangen die, die da ewig ist, die des Daseins Grund selber ist.»
“I am the Spirit of becoming, its beginning, its middle, and its end. Among all beings, I am always the noblest of all that has come into being. Among spiritual beings, I am Vishnu; among the stars, I am the sun; among the lights, I am the moon; among the elements, I am fire; among the mountains, I am the lofty Meru; among the waters, the great ocean of the world; among the rivers, the Ganges; among the multitude of trees, the Asvattha; I am the ruler, in the true sense of the word, of humans and all beings that live there; among the serpents, I am the one who is eternal, who is the very foundation of existence.”
[ 8 ] Und nehmen wir eine andere Manifestation aus derselben Kultur heraus, die wir in den Veden finden:
[ 8 ] And let’s take another example from the same culture, which we find in the Vedas:
«Die Devas versammeln sich um den Thron des Allmächtigen und fragen in Hingebung, wer er selbst sei. Da antwortet er» der Allmächtige, das ist also der Weltengott in diesem altindischen Sinne —: «Wäre ein anderer als ich, so würde ich mich durch ihn beschreiben. Ich bin von Ewigkeit gewesen und werde in alle Ewigkeit sein. Ich bin die erste Ursache von allem, die Ursache von alledem, das sich befindet im Westen, Osten, Norden, Süden, bin die Ursache von allem in den Höhen oben, in den Tiefen unten. Ich bin alles, bin älter, als was da ist. Ich bin der Herrscher der Herrscher. Ich bin die Wahrheit selber, bin die Offenbarung selbst, bin die Ursache der Offenbarung. Ich bin die Kenntnis, bin die Frömmigkeit und bin das Recht. Ich bin allmächtig.»
“The devas gather around the throne of the Almighty and ask devoutly who he is. Then he—the Almighty, that is, the God of the World in this ancient Indian sense—replies: ‘If there were another besides me, I would describe myself through him. I have been from eternity and shall be for all eternity. I am the first cause of all things, the cause of all that is in the west, east, north, and south; I am the cause of all that is in the heights above and in the depths below. I am everything; I am older than all that exists. I am the ruler of rulers. I am Truth itself, I am Revelation itself, I am the cause of Revelation. I am Knowledge, I am Piety, and I am Justice. I am almighty.”
[ 9 ] Und als gefragt wird innerhalb dieser Kultur — so wird es in dieser alten Urkunde dargestellt — nach der Ursache von allem, da wird gesagt:
[ 9 ] And when, within this culture—as this ancient document describes—the question is asked about the cause of everything, the answer is given:
[ 10 ] «Diese Ursache der Welt — Feuer ist es, die Sonne ist es, und der Mond ist es auch; so auch ist es dieses reine Brahman und dieses Wasser und dieses oberste der Geschöpfe. Alle Augenblicke und alle Wochen und alle Monate und alle Jahre und alle Jahrhunderte und alle Jahrtausende und alle Jahrmillionen sind aus ihm hervorgegangen, sind hervorgegangen aus seiner strahlenden Persönlichkeit, die niemand begreifen kann, nicht oben, nicht unten, nicht tings im Umkreise und nicht in der Mitte, da wo wir stehen.»
[ 10 ] “This is the cause of the world—it is fire, it is the sun, and it is also the moon; so too is it this pure Brahman, this water, and this supreme being among all creatures. All moments and all weeks and all months and all years and all centuries and all millennia and all millions of years have come forth from it, have come forth from its radiant personality, which no one can comprehend—neither above, nor below, nor anywhere in the circumference, nor in the center, where we stand.”
[ 11 ] Solche Worte tönen aus diesen uralten Zeiten zu uns herüber. Wir geben uns diesen Worten hin. Was müssen wir bei unbefangener Betrachtungsweise diesen Worten gegenüber empfinden? Gewisse Dinge sind darin gesagt. Wir haben gesehen, daß Krishna über sich selber etwas sagt; wir haben gesehen, daß über den Weltengott und über die Weltenursache Dinge gesagt werden. Aus dem Ton der Erkenntnisse, wie sie hier ausgesprochen werden, sind Dinge gesagt worden, die niemals größer, niemals bedeutsamer gesagt worden sind; und man weiß, daß sie niemals größer und bedeutsamer gesagt werden könnten. Das heißt, es ist da etwas in die Menschheitsentwickelung hereingestellt, was so, wie es ist, stehenbleiben muß, was so aufgenommen werden muß, was zu einem Abschluß gelangt ist. Und wo immer man über diese Dinge später gedacht hat, man hat vielleicht nach den Methoden der späteren Zeiten in bezug auf dieses oder jenes geglaubt, es in klarere Begriffe zu fassen, es in der einen oder anderen Weise zu modifizieren, aber besser hat man es deshalb nicht gesagt, niemals. Und wollte gerade über diese Dinge irgend jemand etwas Besseres sagen, so würde es vermessen sein.
[ 11 ] Such words echo to us from those ancient times. We surrender ourselves to these words. What must we feel toward these words when we consider them with an open mind? Certain things are stated in them. We have seen that Krishna says something about himself; we have seen that things are said about the God of the world and about the cause of the world. From the tone of the insights as they are expressed here, things have been said that have never been expressed more grandly or more significantly; and one knows that they could never be expressed more grandly or more significantly. That is to say, something has been placed within human development that must remain as it is, that must be received as it is, that has reached a conclusion. And wherever people have thought about these things later on, they may have believed, according to the methods of later times, that they could grasp this or that in clearer terms, modify it in one way or another, but they have never expressed it any better because of that, never. And if anyone were to attempt to say anything better about these very things, it would be presumptuous.
[ 12 ] Nehmen wir zuerst die Bhagavad Gita-Stelle, wo Krishna sozusagen seine eigene Wesenheit charakterisiert. Was charakterisiert er eigentlich? Es ist ganz merkwürdig, wie er spricht. Er spricht davon, daß er des Gewordenen Geist sei, daß er unter den Himmelsgeistern Vishnu sei, unter den Sternen die Sonne, unter den Lichtern der Mond, unter den Elementen das Feuer und so weiter. Wollen wir es umschreiben, so daß wir es in einer Formel zusammenhaben, so können wir sagen: Krishna bezeichnet sich als die Essenz, als die Wesenheit in allem, so daß die Wesenheit er ist, daß sie überall die reinste, göttlichste Art repräsentiert. Wo man also hinter die Dinge dringt und das sucht, was ihre Wesenheit ist, kommt man auf die Wesenheit des Krishna im Sinne dieser Stelle. Man nehme eine Anzahl von Pflanzen gleicher Art. Man suche die Wesenheit dieser Art, die nicht sichtbar ist, sondern sich in den einzelnen sichtbaren Pflanzenformen zum Ausdruck bringt. Was ist dahinter als ihre Essenz? Krishna! Aber wir müssen dieses Wesen nicht nur mit einer Pflanze identisch denken, sondern wir müssen es als das Höchste, Reinste in der Form denken; so daß wir überall nicht nur das haben, was die Wesenheit ist, sondern diese Wesenheit überall in der reinsten, edelsten, höchsten Form.
[ 12 ] Let us first consider the passage in the Bhagavad Gita where Krishna, so to speak, characterizes his own essence. What is he actually characterizing? It is quite remarkable how he speaks. He speaks of being the Spirit of all that has come into being, of being Vishnu among the celestial spirits, the sun among the stars, the moon among the lights, fire among the elements, and so on. If we were to rephrase this so that we have it in a formula, we could say: Krishna describes himself as the essence, as the essence in all things, such that the essence is him, that it represents the purest, most divine nature everywhere. So wherever one penetrates behind things and seeks what their essence is, one arrives at the essence of Krishna in the sense of this passage. Take a number of plants of the same species. Seek the essence of this species, which is not visible but expresses itself in the individual visible forms of the plants. What lies behind them as their essence? Krishna! But we must not merely conceive of this essence as identical with a single plant; rather, we must conceive of it as the highest, purest form; so that everywhere we have not only what the essence is, but this essence everywhere in its purest, noblest, highest form.
[ 13 ] Wovon spricht also Krishna eigentlich? Von nichts anderem als von dem, was auch der Mensch, wenn er in sich selber geht, als seine Wesenheit erkennen kann; aber nicht die Wesenheit, die er im gewöhnlichen Leben darstellt, sondern die hinter der gewöhnlichen Offenbarung des Menschen und dem menschlichen Seelischen ist. Er spricht von der Menschenwesenheit, die in uns ist, weil die wahre Menschenwesenheit eins ist mit dem All. Es ist nicht die Erkenntnis etwa, die sich egoistisch gebärdet in Krishna; es ist das in Krishna, was hinweisen will auf das Höchste im Menschen, das sich identisch, sich einheitlich sehen darf mit dem, was als das Wesen in allen Dingen lebt.
[ 13 ] So what is Krishna actually talking about? Nothing other than what human beings, when they look within themselves, can recognize as their true nature; but not the nature they present in ordinary life, rather the nature that lies behind the ordinary manifestation of the human being and the human soul. He speaks of the human essence that is within us, because the true human essence is one with the universe. It is not, for example, a form of knowledge that behaves selfishly in Krishna; it is that which, in Krishna, seeks to point to the highest in the human being—that which may see itself as identical and one with what lives as the essence in all things.
[ 14 ] So, wie wir heute sprechen, wenn wir etwas anderes im Auge haben, so spricht Krishna von dem, was er im Auge hat für seine Kultur. Wenn wir heute in unser eigenes Wesen hineinschauen, so erblicken wir zunächst das Ich, wie Sie es dargestellt finden in dem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?». Von diesem gewöhnlichen Ich unterscheiden wir noch das höhere, übersinnliche Ich, das im Sinnensein nicht auftritt, das aber so auftritt, daß es nicht nur in uns ist, sondern zugleich über die Wesenheit aller Dinge ergossen ist. Wenn wir also von unserm höheren Ich sprechen, von der im Menschen wohnenden höheren Wesenheit, so sprechen wir nicht von dem, wovon der Mensch gewöhnlich «Ich bin » sagt, obwohl es in unserer Sprache denselben Klang hat. In dem Munde des Krishna würde es nicht denselben Klang gehabt haben. Er spricht von der Menschenseelenwesenheit in dem Sinne der Auffassung der damaligen Zeit, wie wir heute vom Ich sprechen.
[ 14 ] Just as we speak today when we have something else in mind, so Krishna speaks of what he has in mind for his culture. When we look into our own being today, we first perceive the “I,” as described in the book *How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?*. We distinguish this ordinary “I” from the higher, supersensible “I,” which does not appear in sensory consciousness, but which appears in such a way that it is not only within us but is simultaneously poured out over the essence of all things. So when we speak of our higher “I,” of the higher being dwelling within the human being, we are not speaking of that of which the human being usually says “I am,” even though it has the same sound in our language. In Krishna’s mouth, it would not have had the same sound. He speaks of the human soul-being in the sense of the conception of that time, just as we speak of the “I” today.
[ 15 ] Wodurch konnte es zustande kommen, daß, was Krishna ausspricht, dem so ähnlich ist, was wir selbst als höchste Erkenntnis aussprechen können? Das konnte dadurch kommen, daß voranging der Kultur, aus welcher Krishna hervorgegangen ist, in früheren Jahrtausenden die hellseherische Kultur der Menschheit, daß die Menschen gewohnt waren, wenn sie auf das Wesen der Dinge gesehen haben, sich immer hinaufzuwenden zum hellseherischen Anschauen. Und verstehen kann man eine solche Sprache, wie sie uns hier in der Bhagavad Gita entgegentönt, wenn man sie als Abschluß der alten hellseherischen Weltanschauung betrachtet, wenn man sich klar ist: In dem Augenblick, da sich der Mensch in den alten Zeiten in jenen Zwischenzustand hinauf versetzte, der damals menschlich allgemein war zwischen dem Schlafen und Wachen, da war er so in die Dinge hinein versetzt, daß dann nicht, wie es in der sinnlichen Anschauung der Fall ist, die Dinge hier sind und der Mensch außerhalb ihrer ist, sondern er war dann ausgegossen über alle Wesen, fühlte sich in allen Wesen, fühlte sich mit allen Wesen eins. Es war das Beste der Dinge, mit dem er sich eins fühlte, und sein Bestes war in allen Dingen. Und wenn Sie nicht von einem abstrakten Fühlen und Empfinden ausgehen, wie es der heutige Mensch hat, sondern von der eben charakterisierten Art, wie der alte Mensch empfand, dann verstehen Sie solche Worte, wie sie uns in der Bhagavad Gita von Krishna entgegentönen. Sie verstehen sie, wenn Sie sich fragen: Wie sah sich da der Mensch des alten Hellsehens? — und sich dann klar sind: Wie durch das, was heute errungen wird durch die geisteswissenschaftliche Schulung, wenn der Mensch seinen Ätherleib freibekommt, so daß er sich erweitert fühlt, sich ausgegossen fühlt über das, was in allem darinnen ist, so war, wenn auch nicht in der Weise, wie es heute durch die geisteswissenschaftliche Schulung der Fall sein kann, der naturgemäße Zustand der Menschen der alten Zeiten. Sie fühlten sich in solchen Zuständen, die wie von selbst kamen, in den Dingen darinnen. Und wenn dann die Offenbarungen in Formen gebracht wurden, wenn das, was man da sah, in schönen, herrlichen Worten zum Ausdruck gebracht wurde, dann trat es zum Beispiel so zutage wie diese Offenbarungen des Krishna.
[ 15 ] How is it possible that what Krishna says is so similar to what we ourselves can express as the highest knowledge? This could be because the culture from which Krishna emerged was preceded, in earlier millennia, by humanity’s clairvoyant culture; because people were accustomed, when they looked at the essence of things, to always turn to clairvoyant perception. And one can understand a language such as that which resounds to us here in the Bhagavad Gita if one regards it as the culmination of the ancient clairvoyant worldview, if one is clear about this: At the moment when, in ancient times, a person raised themselves into that intermediate state—which was then common to humanity—between sleeping and waking, he was so immersed in things that it was not, as is the case in sensory perception, that things are here and the human being is outside of them, but rather he was then poured out over all beings, felt himself in all beings, felt himself one with all beings. It was the best of things with which he felt himself one, and his best was in all things. And if you do not start from an abstract feeling and perception, as modern man does, but from the manner of feeling just described, as the ancient human being felt, then you will understand such words as those spoken to us by Krishna in the Bhagavad Gita. You will understand them if you ask yourself: How did the human being of ancient clairvoyance see himself? — and then realize: Just as what is achieved today through Spiritual Science training, when a person frees their etheric body so that they feel expanded, feel poured out over what is within everything—so was, though not in the same way as it can be today through Spiritual Science training, the natural state of people in ancient times. In such states, which arose as if of their own accord, they felt themselves within the things themselves. And when the revelations were then given form, when what was seen there was expressed in beautiful, magnificent words, then it came to light, for example, as these revelations of Krishna.
[ 16 ] Daher könnte man etwa auch sagen: Krishna hat zu seinen Mitmenschen gesagt: Wie die Besten von uns gesehen haben, wenn sie in den übersinnlichen Zuständen waren, wie die Besten geschaut haben ihr Verhältnis zur Welt, das will ich mit Worten verkünden. Denn die Zukunft wird nicht mehr die Menschen so finden, und ihr selber könnt nicht mehr so sein, wie die Urväter waren. Wie es die Urväter gesehen haben, ich will es in Worte bringen, damit es verbleibe, weil es die Menschheit nicht mehr haben kann als einen natürlichen Zustand. — Gleichsam in Worte, die möglich waren in der damaligen Zeit, dasjenige gebracht, was durch die Jahrtausende der Menschheit zuteil geworden war, das waren die Offenbarungen des Krishna, damit es auch die späteren Zeiten, die es nicht mehr schauen können, als Offenbarung des Krishna haben.
[ 16 ] Therefore, one could also say: Krishna told his fellow human beings: As the best among us have seen when they were in transcendental states, as the best have perceived their relationship to the world, that is what I wish to proclaim in words. For the future will no longer find people in this way, and you yourselves can no longer be as the forefathers were. As the forefathers saw it, I will put it into words so that it may remain, because humanity can no longer have it as a natural state. — Expressing in words that were possible at that time what had been bestowed upon humanity over the millennia—these were the revelations of Krishna, so that later generations, who can no longer see them, might have them as revelations of Krishna.
[ 17 ] Und auch die anderen Worte können wir so auffassen. Nehmen wir einmal an, in der Zeit, in welcher Krishna seine Offenbarungen gegeben hat, wäre vor einen wissenden Lehrer ein Schüler hingetreten und hätte gefragt: Nun, du wissender Lehrer, was ist denn hinter den Dingen, die jetzt nur meine Augen schauen? Da hätte der wissende Lehrer wohl geantwortet: Hinter diesen Dingen, die jetzt nur deine äußeren, sinnlichen Augen schauen, ist das Geistige, das Übersinnliche. Aber in alten Zeiten haben die Menschen in naturgemäßen Zuständen dieses Übersinnliche noch geschaut. Und die nächste übersinnliche Welt, die an unsere sinnliche angrenzt, ist die ätherische Welt; in die haben sie hineingeschaut. Da ist die Ursache von allem Sinnlichen. Da haben es die Menschen gesehen, was die Ursache ist. Jetzt kann ich es nur mit Worten aussprechen, was früher geschaut worden ist: Feuer ist es, dieSonne ist es — aber nicht, wie sich jetzt die Sonne zeigt, denn damals war gerade das für das alte Hellsehen am allerunsichtbarsten, was jetzt das Auge sieht; der weiße, feurige Sonnenball war das Dunkle, und über alle Räume gehend waren ausgebreitet die Sonnenwirkungen, die Strahlungen der Sonnenaura, in vielfarbigen Bildern auseinandergehend und wieder ineinandergehend, in der Weise aber, daß das, was so in die Dinge untertauchte, zugleich schaffendes Licht war —, die Sonne ist es; und so ist es auch der Mond — der auch anders gesehen worden ist —, denn darin ist sämtlich das reine Brahman.
[ 17 ] And we can interpret the other words in the same way. Let us suppose that, in the time when Krishna gave his revelations, a student had approached a wise teacher and asked: “Well, wise teacher, what lies behind the things that only my eyes can see?” The wise teacher would likely have replied: “Behind these things that are now visible only to your outer, physical eyes lies the spiritual, the supersensible. But in ancient times, people in their natural states could still perceive this supersensible realm. And the next supersensible world, which borders our physical one, is the etheric world; they were able to look into it. There lies the cause of all the physical. There people saw what the cause is. Now I can only express in words what was once seen: it is fire, it is the Sun—but not as the Sun now appears, for back then, precisely what the eye now sees was the most invisible to the ancient clairvoyance; the white, fiery sun-ball was the dark, and spreading across all spaces were the sun’s effects, the radiations of the sun’s aura, diverging and converging again in multicolored images, but in such a way that what thus immersed itself in things was at the same time creative light—it is the sun; and so it is also the moon—which has also been seen differently—for in it all is the pure Brahman.
[ 18 ] Was ist das reine Brahman? Wenn wir die Luft einatmen und ausatmen, so glaubt der materialistische Mensch, daß er mit der Luft nur Sauerstoff einatmet. Das ist aber eine Täuschung. Mit jedem Atemzuge atmen wir Geist ein, atmen wir Geist aus. Was in der Atemluft lebt als Geist, dringt in uns ein und dringt von uns aus. Und indem es das alte Hellsehen gesehen hat, kam es ihm nicht so vor wie dem Materialisten, der da glaubt, daß er Sauerstoff einatmet. Das ist ein materialistisches Vorurteil. Dem alten Hellsehen war es bewußt, daß eingeatmet wurde das ätherische Element des Geistes, Brahman, von dem das Leben kommt. Wie heute geglaubt wird, daß von dem Sauerstoff der Luft das Leben komme, so wußte der alte Mensch, daß das Leben von Brahman kommt; und indem er Brahman aufnimmt, lebt er. Das reinste Brahman ist die Ursache unseres eigenen Lebens.
[ 18 ] What is pure Brahman? When we inhale and exhale air, the materialistic person believes that he is inhaling only oxygen along with the air. But this is an illusion. With every breath we inhale spirit, we exhale spirit. What lives in the air we breathe as spirit enters us and flows out from us. And because the clairvoyants of old saw this, it did not appear to them as it does to the materialist, who believes that he is inhaling oxygen. That is a materialistic prejudice. Ancient clairvoyants were aware that what was inhaled was the ethereal element of the spirit, Brahman, from which life comes. Just as it is believed today that life comes from the oxygen in the air, so the ancient human knew that life comes from Brahman; and by taking in Brahman, he lives. The purest Brahman is the cause of our own life.
[ 19 ] Und wie sind die Begriffeshöhen, zu denen sich diese uralte, reine Weisheit, diese äthergleiche, lichtgleiche Weisheit aufschwingt? Die Menschen heute glauben recht fein denken zu können. Aber wenn man so sieht, wie die Menschen alles kunterbunt durcheinanderwerfen, wenn sie anfangen etwas zu erklären, dann hat man keinen großen Respekt vor dem heutigen Denken, namentlich nicht vor dem heutigen logischen Denken. Denn ich muß da schon einmal eingehen — ich will es so einfach wie möglich machen — in eine scheinbar recht abstrakt erscheinende, kurze Erörterung.
[ 19 ] And what are the heights of understanding to which this ancient, pure wisdom—this wisdom as ethereal and luminous as light—soars? People today believe they are capable of quite sophisticated thinking. But when one sees how people throw everything into a jumbled mess as soon as they begin to explain something, one has little respect for contemporary thinking, especially for contemporary logical thinking. For I must now enter into—and I will make it as simple as possible—a brief discussion that may seem quite abstract at first glance.
[ 20 ] Nehmen wir an, es tritt vor uns ein Tier, das gelb ist, eine Mähne hat; dann nennen wir das Tier einen Löwen. Jetzt fangen wir an zu fragen: Was ist ein Löwe? Die Antwort ist: Ein Raubtier. Nun fragen wir weiter: Was ist ein Raubtier? Antwort: Ein Säugetier. Wir fragen weiter: Was ist ein Säugetier ? Antwort: Ein Lebewesen. Und so gehen wir weiter; wir beschreiben das eine durch das andere. Die meisten Menschen glauben recht klar zu sein, wenn sie in der Weise immer weiter fragen, wie es jetzt angedeutet ist für den Löwen, für das Säugetier, für das Tier usw. Wenn man über geistige Dinge spricht, auch über die höchsten geistigen Dinge, wird häufig in derselben Weise gefragt, wie man fragt: Was ist ein Löwe? Was ist ein Raubtier? usw. Und da, wo es eingeführt ist, daß Zettel abgegeben werden und am Ende der Vorträge Fragen beantwortet werden, wo dann oft die gleichen Fragen auf den Zetteln stehen, da geht ins Unzählbare zum Beispiel die Frage: Was ist Gott? oder: Was ist der Weltenanfang? oder: Was ist das Weltenende? Gar nichts anderes wollen eigentlich viele Menschen wissen als: Was ist Gott? Was ist der Weltenanfang? Was ist das Weltenende? Sie fragen darüber geradeso, wie man fragt: Was ist ein Löwe? und so weiter.
[ 20 ] Suppose an animal appears before us that is yellow and has a mane; we call that animal a lion. Now we begin to ask: What is a lion? The answer is: A predator. Now we ask further: What is a predator? Answer: A mammal. We ask further: What is a mammal? Answer: A living being. And so we continue; we describe one thing through another. Most people believe they are being quite clear when they keep asking questions in this way, as indicated here for the lion, for the mammal, for the animal, and so on. When speaking about spiritual matters, even the highest spiritual matters, people often ask in the same way: What is a lion? What is a predator? etc. And where it has become customary to hand in slips of paper and have questions answered at the end of lectures—where the same questions often appear on the slips—there are countless questions such as: What is God? or: What is the beginning of the world? or: What is the end of the world? In truth, many people want to know nothing else but: What is God? What is the beginning of the world? What is the end of the world? They ask about these things just as one asks: What is a lion? and so on.
[ 21 ] Die Menschen denken, was für den Alltag gültig ist, müsse auch für die höchsten Dinge so sein. Sie denken nicht daran, daß es gerade für die höchsten Dinge das Charakteristische sein muß, daß man nicht mehr so fragen kann. Denn man muß ja, wenn man von dem einen zum andern, von dem Löwen zum Raubtier usw. hinaufkommt, doch einmal zu etwas kommen, was man nicht mehr so beschreiben kann, wo es keinen Sinn mehr hat zu fragen: Was ist dies? Denn wenn man so fragt, will man zu dem Subjekt ein Prädikat haben. Aber es muß einmal ein höchstes Wesen geben, das sich durch sich selbst erfassen läßt. Die Frage: Was ist Gott? ist ganz sinnlos im logischen Sinne. Man kann alles heraufführen bis zum Höchsten; aber dem Höchsten darf kein Prädikat zugefügt werden, denn dann erfolgt als Antwort: Gott ist ...; dann müßte aber das, wodurch Gott beschrieben ist, das Höhere sein. Das wäre der kurioseste Widerspruch, den es gibt.
[ 21 ] People think that what applies to everyday life must also apply to the highest things. They do not consider that it is precisely the highest things that must be characterized by the fact that one can no longer ask such questions. For when one ascends from one thing to another—from the lion to the predator, and so on—one must eventually arrive at something that can no longer be described in this way, where it no longer makes sense to ask: What is this? For when one asks this, one seeks a predicate for the subject. But there must be a supreme being that can be grasped through itself. The question: “What is God?” is completely meaningless in the logical sense. One can trace everything back to the Highest; but no predicate may be ascribed to the Highest, for then the answer would be: “God is…”; but then that by which God is described would have to be the Higher. That would be the most curious contradiction there is.
[ 22 ] Daß diese Frage heute noch immer gestellt wird, bezeugt, wie hoch erhaben in uralten Zeiten Krishna sich dadurch zeigte, daß er sagte: «Die Devas sammeln sich um den Thron des Allmächtigen und fragen ihn in Hingebung, wer er selbst sei. Da antwortet er: Wäre ein anderer wie ich, so würde ich mich durch ihn beschreiben.» Das tut er aber nicht; er beschreibt sich nicht durch einen anderen. Und so werden wir, möchte man sagen, auch in Hingabe und in Demut wie die Devas, vor die uralt-heilige indische Kultur hingeführt und bewundern sie zugleich in ihrer grandiosen logischen Höhe, die ihr nicht durch Denken gekommen ist, sondern durch das alte Hellsehen, dadurch, daß die Leute unmittelbar wußten: wenn sie an die Ursachen kommen, dann hört das Fragen auf, weil die Ursachen angeschaut werden. Da stehen wir in Bewunderung vor dem, was so auf uns heruntergekommen ist aus diesen uralten Zeiten, wie wenn die Geister, die es uns überliefert haben, sagen wollten: Da sind die Weltenalter abgelaufen, in denen die Menschen unmittelbar in die geistigen Welten hineingeschaut haben. Es wird künftig nicht mehr so sein. Wir aber wollen das registrieren, zu dem wir uns aufschwingen können, was einstmals dem menschlichen Hellsehen gegeben war.
[ 22 ] The fact that this question is still being asked today testifies to how exalted Krishna appeared in ancient times when he said: “The devas gather around the throne of the Almighty and ask him with devotion who he himself is. To which he replies: ‘If there were another like me, I would describe myself through him.’ But he does not do so; he does not describe himself through another. And so, one might say, we too are led, in devotion and humility like the Devas, before the ancient-holy Indian culture and at the same time admire it in its magnificent logical height, which did not come to it through thinking, but through the ancient clairvoyance, through the fact that people knew immediately: when they reach the causes, then the questioning ceases, because the causes are beheld. There we stand in admiration before what has come down to us from those ancient times, as if the spirits who have handed it down to us wanted to say: There have passed the ages of the world in which human beings looked directly into the spiritual worlds. It will no longer be so in the future. But we want to take note of that to which we can aspire—what was once given to human clairvoyance.
[ 23 ] So finden wir verzeichnet in der Bhagavad Gita, in den Veden alle die Dinge, die wir zusammenfassen können wie in einem Abschluß bei Krishna, was nicht überboten werden kann, was zwar wieder gesehen werden kann durch erneutes Hellsehen, aber nie ergründet werden kann durch die Fähigkeiten, die von den Menschen nachher erworben worden sind. Daher ist immer Grund vorhanden, wenn man in dem ganzen Gebiete der menschlichen Kultur bleibt, das die Tageskultur, die äußere Kultur im Sinnensein ist, zu sagen: Innerhalb dieser Kultur, wenn man absieht von dem, was wieder errungen werden kann durch schulgemäß errungenes Hellsehen, innerhalb der Tageskultur ist nie meF ‘das zu erreichen, was uralt-heilige Offenbarung ist, die ihren Abschluß erlangt bei Krishna. Aber durch ihre Evolution, durch die geisteswissenschaftliche Schulung kann sich die Seele wieder hinauferheben und es wieder erlangen. Was auf normalem Wege — wenn wir das Wort anwenden dürfen —, wie es einst der Fall war, der Menschheit gegeben worden ist, das ist der Menschheit für den Alltag in naturgemäß zu erringenden Zuständen nicht gegeben. Daher gingen sie herunter, diese Wahrheiten. Wenn es einige Denker gibt, wie Fichte, Schelling und Hegel, die ihr Denken bis zur möglichsten Reinheit gebracht haben, dann können diese Dinge, zwar nicht so lebensvoll, nicht mit der unmittelbar persönlichen Note wie bei Krishna, aber in Ideenform, uns wieder entgegentreten, nie mehr aber so, wie es die Menschen erfaßt haben im alten Hellsehen. Und aus dem Geiste, wie ich es oft vorgetragen habe, ergibt sich, daß langsam und allmählich im Laufe der nachatlantischen Zeit das alte Hellsehen erstorben ist.
[ 23 ] Thus, in the Bhagavad Gita and the Vedas, we find recorded all those things that we can summarize as culminating in Krishna—something that cannot be surpassed, something that can indeed be seen again through renewed clairvoyance, but can never be fathomed by the abilities acquired by human beings subsequently. Therefore, there is always reason, when one remains within the entire realm of human culture—that is, the culture of the day, the outer culture of the sense world—to say: Within this culture, apart from what can be regained through clairvoyance acquired through proper training, it is never possible to attain within the culture of the day that which is the ancient, sacred revelation that finds its culmination in Krishna. But through its evolution, through Spiritual Science training, the soul can rise up again and attain it once more. What was given to humanity in the normal way—if we may use the term—as was once the case, is not given to humanity for everyday life in states that can be attained naturally. Therefore, these truths descended. If there are some thinkers, such as Fichte, Schelling, and Hegel, who have brought their thinking to the purest possible level, then these things can appear to us again—though not as vividly, not with the immediate personal touch as with Krishna, but in the form of ideas—never again, however, as people perceived them in the old clairvoyance. And from the spirit, as I have often explained, it follows that slowly and gradually in the course of the post-Atlantean era, the old clairvoyance died out.
[ 24 ] Wenn wir in die erste nachatlantische Kulturperiode, in die alte indische Zeit, zurückblicken, dann dürfen wir sagen: Von ihr sind keine Aufzeichnungen vorhanden, denn damals schauten die Menschen noch in die geistige Welt hinein. Was damals der Menschheit geoffenbart worden ist, kann nur durch die Akasha-Chronik wiedergefunden werden. Das war eine hohe Offenbarung. Aber allmählich stieg die Menschheit immer mehr und mehr herab, und in der zweiten nachatlantischen Kulturperiode, in der urpersischen Zeit, waren zwar die Offenbarungen noch da, aber nicht mehr so rein. Noch weniger rein waren sie vorhanden im dritten Kulturzeitraum, in der ägyptisch-chaldäischen Zeit. Wir müssen dabei ins Auge fassen, wenn wir die Verhältnisse in Wirklichkeit anschauen wollen, daß aus diesen ersten Kulturperioden — und nicht nur bei den Völkern, nach denen sie getauft worden waren — Aufzeichnungen nicht vorhanden sind. Wenn wir von der alten indischen Kultur sprechen, dann meinen wir eine Kultur, von welcher nichts Schriftliches auf uns gekommen ist. Bei der urpersischen Kultur ist es wieder so, daß etwas Schriftliches nicht auf uns gekommen ist. Denn alles Schriftliche, das wir haben, ist nur Nachklang dessen, was überliefert worden ist. Erst von der babylonisch-chaldäischen Kultur ab, also von dem dritten Kulturzeitraum ab, sind Aufzeichnungen vorhanden. Aber während nun die urpersische Kultur ablief, gab es in der indischen Kultur eine zweite Periode, welche parallel lief mit der urpersischen. Und als die babylonisch-chaldäisch-ägyptische Kultur sich abspielte, war in Indien eine dritte Periode angebrochen, und während dieser Zeit begann man erst Aufzeichnungen zu machen. Aus der Spätzeit dieser dritten Kulturperiode stammen erst die Aufzeichnungen, die zum Beispiel in den Veden enthalten sind, die dann in das äußere Leben eingedrungen sind. Das sind die Aufzeichnungen, die auch von Krishna sprechen.
[ 24 ] When we look back at the first post-Atlantean cultural epoch, the ancient Indian period, we can say: No written records of it exist, for in those days people still looked into the spiritual world. What was revealed to humanity at that time can only be rediscovered through the Akashic Records. That was a high revelation. But gradually humanity descended further and further, and in the second post-Atlantean cultural period, the ancient Persian era, the revelations were still present, but no longer as pure. They were even less pure in the third cultural period, the Egyptian-Chaldean era. We must bear in mind, if we wish to view the circumstances as they really were, that no records exist from these earliest cultural periods—and not only from the peoples after whom they were named. When we speak of ancient Indian culture, we mean a culture from which nothing written has come down to us. With the Proto-Persian culture, it is again the case that no written records have come down to us. For all the written material we have is merely an echo of what has been handed down. It is only from the Babylonian-Chaldean culture onward—that is, from the third cultural period onward—that records are available. But while the ancient Persian culture was unfolding, there was a second period in Indian culture that ran parallel to the ancient Persian one. And as the Babylonian-Chaldean-Egyptian culture unfolded, a third period had begun in India, and it was only during this time that people began to make records. It is from the late period of this third cultural era that the records originate, such as those contained in the Vedas, which then found their way into outer life. These are the records that also speak of Krishna.
[ 25 ] Also niemand darf denken, wenn er von Aufzeichnungen spricht, daß er die erste indische Kulturperiode im Auge hat. Denn alles, was in den Dokumenten enthalten ist, sind Aufzeichnungen, die erst in der dritten Periode von den alten Indern gemacht wurden, weil eben in der dritten Periode immer mehr und mehr die Reste des alten Hellsehens verglommen. Das ist das, was wir um die Person des Krishna herum sammeln können. Daher erzählt uns das alte Indertum dasjenige, was äußerlich erforscht werden kann. Wenn wir die Dinge in ihren Fundamenten betrachten, so stimmt alles auch immer mit dem, was aus äußeren Urkunden gewonnen werden kann. Als das dritte Weltenalter zu Ende ging und die Menschen das, was sie ursprünglich besaßen, verloren hatten, da erschien Krishna, um das zu bewahren, was zu verlieren war.
[ 25 ] So no one should assume, when speaking of records, that they are referring to the first period of Indian culture. For all that is contained in the documents are records made by the ancient Indians only during the third period, precisely because it was during the third period that the remnants of the ancient clairvoyance gradually faded away. This is what we can gather around the person of Krishna. Therefore, ancient Indian tradition tells us what can be investigated externally. When we examine things at their foundations, everything always corresponds with what can be gleaned from external records. As the third world age drew to a close and humanity had lost what they originally possessed, Krishna appeared to preserve what was in danger of being lost.
[ 26 ] Von welchem Weltenalter spricht also die Überlieferung, wenn sie sagt, Krishna erschien im «dritten Weltenalter»? Von dem, das wir nennen das ägyptisch-chaldäische Kulturzeitalter. Und genau mit dem, was wir charakterisieren, stimmt diese indisch-morgenländische Lehre von Krishna überein. Als das alte Hellsehen und alle die Schätze des alten Hellsehens der Menschheit begannen abhanden zu kommen, da erschien Krishna und offenbarte sie so, wie sie bewahrt bleiben können für die spätere Zeit. In dieser Weise ist Krishna ein Abschluß von etwas Großem, Gewaltigem. Und alles, was die Jahre her bei uns gesagt worden ist, stimmt vollständig mit dem überein, was auch die Urkunden des Orients geben, wenn man sie richtig liest. In diesem Sinne zu sprechen von einem «Okzidentalischen » und «Orientalischen », ist der reine Unsinn; denn nicht darauf kommt es an, ob wir im Morgenlande oder Abendlande lehren mit diesen oder jenen Worten, sondern daß wir mit Verständnis von dem sprechen, was verkündet worden ist. Und je mehr Sie auf das eingehen, was diese Jahre verkündet worden ist, desto mehr werden Sie sehen, daß es mit allen Urkunden des Orients übereinstimmt.
[ 26 ] So which world age is tradition referring to when it says that Krishna appeared in the “third world age”? The one we call the Egyptian-Chaldean cultural age. And this Indo-Oriental teaching of Krishna corresponds precisely to what we characterize. When ancient clairvoyance and all the treasures of ancient clairvoyance began to be lost to humanity, Krishna appeared and revealed them in such a way that they could be preserved for later times. In this way, Krishna is the culmination of something great and mighty. And everything that has been said here over the years corresponds completely with what the documents of the Orient also reveal, if one reads them correctly. In this sense, to speak of an “Occidental” and an “Oriental” is pure nonsense; for what matters is not whether we teach in the East or the West using these or those words, but that we speak with understanding of what has been proclaimed. And the more you delve into what has been proclaimed in recent years, the more you will see that it corresponds with all the documents of the East.
[ 27 ] So also steht Krishna da als ein Abschluß. Dann kommt wenige Jahrhunderte danach Buddha. In welcher Weise ist dann Buddha, man möchte sagen, der andere Pol des Abschlusses? Wie steht Buddha zu Krishna?
[ 27 ] So Krishna stands there as a culmination. Then, a few centuries later, comes the Buddha. In what way, then, is the Buddha—one might say—the other pole of this culmination? How does the Buddha relate to Krishna?
[ 28 ] Lassen wir einmal vor unsere Seele gestellt sein, was wir eben als die Charakteristik des Krishna gegeben haben. Große, gewaltige hellseherische Offenbarungen der Urzeit, in solche Worte gefaßt, daß die Zukunft diese Worte verstehen und in ihnen fühlen und empfinden kann den Nachklang des alten Hellsehens der Menschheit, so steht Krishna vor uns. Seine Offenbarung ist den Menschen etwas, was sie hinnehmen können, dem gegenüber sie sich sagen können: Darin ist enthalten die Weisheit über die hinter der sinnlichen liegende geistige Welt, die Welt der Ursachen, der geistigen Tatsachen. In großen, gewaltigen Worten ist es in der Offenbarung des Krishna enthalten. Und wenn man sich vertieft in die Veden, in all das, was man eben abschließend zusammenfassen kann als die Offenbarung des Krishna, dann kann man sagen: Das ist die Welt, in welcher der Mensch heimisch ist, die Welt, die hinter derjenigen ist, welche Augen sehen, Ohren hören, Hände greifen und so weiter. Du, Menschenseele, gehörst der Welt an, von der dir Krishna verkündet.
[ 28 ] Let us hold before our souls what we have just described as the essence of Krishna. Great, powerful clairvoyant revelations from primeval times, expressed in such words that future generations can understand them and feel and sense in them the echo of humanity’s ancient clairvoyance—this is how Krishna stands before us. His revelation is something people can accept, something to which they can say: It contains the wisdom about the spiritual world lying beyond the sensory world, the world of causes, of spiritual realities. It is contained in the revelation of Krishna in grand, powerful words. And when one delves into the Vedas, into all that which can ultimately be summarized as the revelation of Krishna, then one can say: This is the world in which the human being is at home, the world that lies beyond the one that eyes see, ears hear, hands grasp, and so on. You, human soul, belong to the world of which Krishna speaks to you.
[ 29 ] Diese Menschenseele selber, wie konnte sie in den folgenden Jahrhunderten fühlen? Sie konnte sehen, wie diese wunderbaren alten Offenbarungen von der eigentlichen geistigen, himmlischen Heimat der Menschheit sprechen. Sie konnte dann hinausschauen in das, was um sie herum ist. Sie sah mit Augen, hörte mit Ohren, griff die Dinge mit dem Tastsinn, dachte über die Dinge mit dem Verstand, der nimmermehr hineindringt in das Geistige, das verkündet wurde durch die Krishna-Offenbarung. Und die Seele konnte sich sagen: Da gibt es die heilige Lehre der alten Zeit, welche die Erkenntnis überliefert von der geistigen Heimat, die um uns herum ist, um jene Welt, welche wir jetzt allein erkennen. Wir leben nicht mehr in der geistigen Heimat. Wir sind herausgeworfen aus dem, wovon am herrlichsten der Krishna spricht.
[ 29 ] How could this human soul itself have felt in the centuries that followed? It could see how these wonderful ancient revelations speak of humanity’s true spiritual, heavenly home. It could then look out at what surrounds it. It saw with its eyes, heard with its ears, grasped things with its sense of touch, and thought about things with its intellect, which never penetrates the spiritual realm proclaimed by the Krishna revelation. And the soul could say to itself: There is the sacred teaching of ancient times, which transmits the knowledge of the spiritual homeland that surrounds us, of that world which we now perceive alone. We no longer live in the spiritual homeland. We have been cast out of that of which Krishna speaks most gloriously.
[ 30 ] Da kommt Buddha. Wie spricht er von dem, wovon Krishna gesprochen hat als von den Herrlichkeiten der Welt, zudenMenschenseelen, die nur um sich sehen, was Augen sehen, Ohren hören können ? Er spricht: Jawohl, ihr lebt in dieser Welt der Sinne. Da hinein hat euch der Drang geführt, der euch von Inkarnation zu Inkarnation treibt. Aber ich spreche euch von dem Wege, der euch aus dieser Welt herausführen kann und hineinführen kann in die Welt, von der Krishna gesprochen hat. Ich spreche euch von dem Wege, durch den ihr erlöst werdet von der Welt, die nicht die Welt des Krishna ist. — Wie das Heimweh nach der Welt des Krishna ertönte in den folgenden Jahrhunderten die Lehre des Buddha. Insofern erscheint uns Buddha als der letzte Nachfolger des Krishna, als der Nachfolger des Krishna, der da kommen mußte. Und wenn Buddha über den Krishna selber gesprochen hätte, wie hätte er über ihn sprechen können? So etwa, daß er gesagt hätte: Ich bin gekommen, um den Größeren, der vor mir war, euch wieder zu verkünden. Richtet den Sinn nach rückwärts zu dem größeren Krishna, und ihr werdet dasjenige sehen, was ihr erlangen könnt, wenn ihr die Welt verlaßt, in der ihr euch nicht mehr als in der wahren geistigen Heimat findet. Ich zeige euch die Wege der Erlösung aus der Sinneswelt. Ich führe euch zurück zu dem Krishna. — So hätte der Buddha sprechen können. Er hat nur nicht gerade diese Worte gebraucht. Aber er hat sie gesagt in einer etwas anderen Form, indem er sagte: «In der Welt, in der ihr lebt, ist Leiden, ist Leiden, ist Leiden. Geburt ist Leiden, Alter ist Leiden, Krankheit ist Leiden, Tod ist Leiden, nicht vereinigt sein mit dem, was man liebt, ist Leiden; vereinigt sein mit dem, was man nicht liebt, ist Leiden; verlangen, was man liebt, und es nicht erhalten können, ist Leiden.» Und als er den «achtgliedrigen Pfad» gab, war es eine Lehre, die nicht über das hinauskam, wovon Krishna gesprochen hat, weil es eine Lehre dessen war, was Krishna gegeben hatte. Ich bin nach ihm gekommen, der größer ist als ich; aber ich will euch zeigen die Wege zu dem zurück, der größer ist als ich, — das sind die welthistorischen Töne, die uns aus dem Gangeslande herübertönen. Jetzt gehen wir ein Stückchen weiter nach dem Westen. Stellen wir noch einmal vor unsere Seele die Gestalt des Täufers und erinnern wir uns der Worte, die Buddha hätte sprechen können: Ich bin nach ihm gekommen, nach dem Krishna, denn er ist größer als ich; und ich will euch die Wege zeigen zu ihm zurück aus der Welt, in welcher die göttliche Welt nicht enthalten ist, von der Krishna gesprochen hat. Wendet den Sinn zurück! — Und jetzt die Gestalt des Täufers. Wie sprach er? Wie drückte er seine Anschauungen aus, wie drückte er die Tatsachen aus, die ihm in der geistigen Welt gegeben waren? Er wies auch auf einen anderen hin; aber er sagte nicht, wie Buddha hätte sagen können: Ich bin nach ihm gekommen. Sondern er sagte: «Nach mir kommt ein Größerer, denn ich bin» (1, 7). So sagt der Täufer. Und er sagt nicht: Hier in der Welt ist Leiden, und ich will euch führen zu etwas aus dieser Welt heraus. Sondern er sagt: Ändert den Sinn! Blicket nicht mehr nach rückwärts, sondern blicket nach vorwärts! Wenn der Größere kommt, wird die Zeit erfüllt sein, wenn in der Welt, wo Leiden ist, Einzug halten wird die himmlische Welt, wenn Einzug halten wird in die Menschenseelen in einer neuen Art das, was sie verloren haben als Offenbarungen der alten Zeiten (Matth. 5, 2).
[ 30 ] Here comes the Buddha. How does he speak of what Krishna referred to as the glories of the world—to human souls who look only at what their eyes can see and their ears can hear? He says: Indeed, you live in this world of the senses. The urge that drives you from incarnation to incarnation has led you into it. But I speak to you of the path that can lead you out of this world and into the world of which Krishna spoke. I speak to you of the path through which you will be redeemed from the world that is not the world of Krishna. — Just as the longing for the world of Krishna resounded in the following centuries through the teachings of the Buddha. In this respect, the Buddha appears to us as the last successor of Krishna, as the successor of Krishna who was bound to come. And if the Buddha had spoken of Krishna himself, how could he have spoken of him? Perhaps by saying: I have come to proclaim to you once more the Greater One who was before me. Turn your minds backward toward the greater Krishna, and you will see what you can attain when you leave the world in which you no longer find yourselves in your true spiritual home. I show you the paths of salvation from the sensory world. I lead you back to Krishna. — That is how the Buddha could have spoken. He just did not use exactly those words. But he did say it in a slightly different form, saying: “In the world in which you live, there is suffering, there is suffering, there is suffering. Birth is suffering, old age is suffering, sickness is suffering, death is suffering; not being united with what one loves is suffering; being united with what one does not love is suffering; desiring what one loves and not being able to obtain it is suffering.” And when he taught the “Eightfold Path,” it was a teaching that did not go beyond what Krishna had spoken of, because it was a teaching of what Krishna had given. I have come after him who is greater than I; but I want to show you the ways back to him who is greater than I—these are the tones of world history that echo to us from the land of the Ganges. Now let us go a little further west. Let us once again place before our soul the figure of the Baptist and recall the words that Buddha might have spoken: I have come after him, after Krishna, for he is greater than I; and I will show you the paths back to him from the world in which the divine world is not contained, of which Krishna spoke. Turn your minds back! — And now the figure of the Baptist. How did he speak? How did he express his views, how did he express the truths given to him in the spiritual world? He also pointed to another; but he did not say, as the Buddha might have said: “I have come after him.” Instead, he said: “After me comes one greater than I” (1:7). So says the Baptist. And he does not say: Here in the world there is suffering, and I want to lead you to something outside this world. Instead, he says: Change your mindset! Look no longer backward, but look forward! When the greater one comes, the time will be fulfilled, when the heavenly world will take hold in the world where there is suffering, when that which they lost as revelations of olden times will take hold in human souls in a new way (Matt. 5:2).
[ 31 ] So ist der Nachfolger des Krishna der Buddha. So ist der Vorläufer des Christus Jesus Johannes der Täufer. So ist alles umgekehrt. So stehen die sechs Jahrhunderte, die zwischen diesen beiden Ereignissen verfließen, vor uns. Wieder haben wir die beiden Kometen mit ihren Kernen: den einen, Krishna, mit seinem Kern als alles, was nach rückwärts weist, und den, der die Menschen nach rückwärts führt, den Buddha; und den anderen Kometen, nach vorwärts weisend mit seinem Kern, Christus, und den, der sich als der Vorläufer hinstellt. Erfassen Sie im besten Sinne Buddha als den Nachfolger des Krishna und Johannes den Täufer als den Vorläufer des Christus Jesus, dann haben Sie in dieser Formel am einfachsten ausgesprochen, was für diese Zeit der Menschheitsentwickelung um das Mysterium von Golgatha herum vor sich ging. So müssen wir die Dinge ansehen, dann verstehen wir sie.
[ 31 ] Thus, the successor to Krishna is the Buddha. Thus, the forerunner of Christ Jesus is John the Baptist. Thus, everything is reversed. Thus, the six centuries that elapse between these two events lie before us. Once again we have the two comets with their cores: one, Krishna, with his core representing everything that points backward, and the one who leads humanity backward, the Buddha; and the other comet, pointing forward with its core, Christ, and the one who stands as the forerunner. If you understand Buddha, in the best sense, as the successor to Krishna, and John the Baptist as the forerunner of Christ Jesus, then you have expressed in this formula, in the simplest terms, what was taking place during this period of human development surrounding the Mystery of Golgotha. This is how we must view these things; then we will understand them.
[ 32 ] Das ist nichts, was irgendeine Konfession berührt. Das sind keine Dinge, die man zusammenbringen darf mit dieser oder jener Religion in der Welt, sondern das sind welthistorische Tatsachen, ganz einfach welthistorische Tatsachen. Und keiner, der sie einsieht in ihrem tiefsten Grunde, kann sie anders darstellen und wird sie jemals anders darstellen. Denn ist damit in irgendeiner Weise irgendeiner Manifestation in der Menschheit irgend etwas genommen? Es ist sonderbar, wenn da oder dort gesagt wird, bei uns würde dem Christentum in irgendeiner Weise eine höhere Stellung angewiesen als den anderen Religionen. Ja, kommt es auf dieses «höher» oder «tiefer» an? Sind das nicht die abstraktesten Worte, die man anwenden kann, «höher » oder «tiefer», «größer» oder «kleiner»? Sagen wir hier etwas, was weniger zum Lobe des Krishna ist, als diejenigen sagen, die den Krishna höher stellen als den Christus? Wir verzichten darauf, solche Worte wie hoch oder weniger hoch anzuwenden, und wollen die Dinge in ihrer Wahrheit charakterisieren. Nicht darauf kommt es an, ob wir das Christentum höher oder tiefer stellen, sondern ob uns jemand nachweisen kann, daß wir die Dinge des Krishna nicht in der richtigen Weise charakterisieren. Suchen Sie sich die Dinge, die über Krishna handeln, und fragen Sie sich, ob von anderen Seiten wirklich etwas Höheres gegeben wird als bei uns, wenn wir versuchen, über den Krishna etwas zu geben. Das andere sind leere Wortstreitigkeiten. Die Wahrheit kommt aber zutage, wenn jener Wahrheitssinn wirkt, der auf die Essenz der Dinge geht.
[ 32 ] This is not something that concerns any particular denomination. These are not matters that can be linked to this or that religion in the world; rather, they are facts of world history, quite simply facts of world history. And no one who understands them in their deepest essence can portray them differently, nor will they ever portray them differently. For does this in any way take anything away from any manifestation of humanity? It is strange when it is said here and there that we assign Christianity a higher position than other religions in some way. Indeed, does it matter whether something is “higher” or “lower”? Are not “higher” or “lower,” “greater” or “smaller” the most abstract terms one can use? Are we saying here something that is less in praise of Krishna than what those say who place Krishna higher than Christ? We refrain from using words like “higher” or “lower,” and wish to characterize things in their truth. What matters is not whether we place Christianity higher or lower, but whether anyone can prove to us that we do not characterize the things of Krishna in the correct way. Look for the things that deal with Krishna, and ask yourself whether other sources truly offer anything higher than what we do when we try to convey something about Krishna. The rest is empty verbal quibbling. But the truth comes to light when that sense of truth operates that goes to the essence of things.
[ 33 ] Hier, wo wir das einfachste und das grandioseste Evangelium charakterisieren, haben wir Gelegenheit, einzugehen auf die ganze kosmisch-terrestrische Stellung des Christus. Daher mußte eingegangen werden auf die Größe dessen, was seinen Abschluß gefunden hat Jahrhunderte vor dem Mysterium von Golgatha, in dem die neue Morgenröte der Zukunft der Menschheit aufgegangen ist.
[ 33 ] Here, as we characterize the simplest and most magnificent Gospel, we have the opportunity to address the entire cosmic-terrestrial significance of Christ. Therefore, it was necessary to address the magnitude of what came to a conclusion centuries before the Mystery of Golgotha, in which the new dawn of humanity’s future broke.
