The Gospel of Mark
GA 139
20 September 1912, Basel
Translate the original German text into any language:
Versions Available:
The Gospel of Mark, tr. Mainzer
Sechster Vortrag
Lecture Six
[ 1 ] Gestern wurde versucht, eine Vorstellung zu geben von der Offenbarung des Krishna und ihrer Beziehung zu dem, was später in der Evolution der Menschheit eintritt: zu der Offenbarung durch den Christus. Es wurde namentlich darauf hingewiesen, daß uns die Offenbarung des Krishna erscheinen kann wie der Abschluß einer langen Evolutionsströmung der Menschheit, der Abschluß der hellseherischen, der primitiv hellseherischen Epoche der Menschheitsentwickelung. Wenn wir von diesem Gesichtspunkte aus noch einmal das, was wir gestern über diesen zusammenfassenden Abschluß der Krishna-Offenbarung gewinnen konnten, vor unsere Seele stellen, so können wir sagen: Was innerhalb dieser Offenbarung gewonnen worden ist, das ist eben dadurch in der Menschheitsentwickelung vorhanden, ist aber zu einem gewissen Abschluß gelangt und kann eigentlich nicht weiter erhöht werden. Gewisse Lehren, die damals herabgekommen sind, müssen eben so hingenommen werden, man möchte sagen, durch die ganze folgende Entwickelung, wie sie damals gegeben worden sind.
[ 1 ] Yesterday an attempt was made to give you an idea of Krishna's revelation and its relation to what entered later into human evolution, the revelation through the Christ. It was especially noted how the revelation of Krishna can appear to us as the conclusion of the clairvoyant, the primitive clairvoyant epoch of human development. If we once more place before our souls from this point of view the understanding we obtained yesterday about the revelation of Krishna as a conclusion, we may say that whatever was gained through this revelation is still present in human evolution, but in a certain way it has reached an end and can go no further. Some teachings handed down at that time must be accepted during all subsequent evolution just as they were given then.
[ 2 ] Nun ist es vonnöten, auf das ganz Eigenartige dieser Offenbarung von einem gewissen Gesichtspunkte aus einzugehen. Man möchte diese Offenbarung eine solche nennen, die nicht in dem eigentlich menschlichen Sinne mit der Zeit und der Folge der Zeit rechnet. Alles, was nicht mit der Zeit als mit einem realen Faktor rechnet, das ist schon in der Lehre des Krishna enthalten. Wie ist das gemeint?
[ 2 ] Now it is necessary for us to study the peculiar nature of this revelation from one particular point of view. We might say that it does not really reckon with time and the sequence of time. Everything that does not reckon with time as a real factor is already contained in Krishna's teaching. What do we mean by this?
[ 3 ] Wir sehen jeden Frühling die Pflanzen aus dem Erdboden hervorbrechen, sehen sie heranwachsen und heranreifen, Früchte bringen, Keime entlassen, und aus diesen Keimen sehen wir, wenn sie wieder in die Erde gesenkt werden, im nächsten Jahre gleiche Pflanzen in derselben Weise hervorwachsen, zu ihrer Höhe herangedeihen und wieder Keime entwickeln. So wiederholt sich dieser Vorgang von Jahr zu Jahr. — Wenn wir rechnen mit Zeitspannen, die der Mensch zunächst überschaut, dann müssen wir sagen: Wir haben es da mit einer richtigen Wiederholung zu tun. Die Maiglöckchen, die Primeln, die Hyazinthen, sie sehen jedes Jahr gleich aus. Was sie sind, wiederholt sich in ihnen in der gleichen Form, in der gleichen Art jedes Jahr. Wir können in einer gewissen Weise noch hinaufsteigen bis zu den Tieren und werden dort ein Ähnliches finden. Denn wenn wir das einzelne Tier betrachten, die einzelne Löwenspezies, die einzelne Hyänenspezies, die einzelne Affenart, dann finden wir, daß in einer gewissen Weise das, was werden soll aus einem solchen Wesen, gleich von Anfang an veranlagt ist. Daher sprechen wir mit einem gewissen Recht bei den Tieren nicht von einer eigentlichen Erziehung. Unverständige Leute fangen allerdings in der neueren Zeit an, allerlei Erziehungs- und pädagogische Begriffe auch bei den Tieren anzuwenden. Aber weder kann das als die Hauptsache angesehen werden, noch kann es bei einer richtigen Charakteristik ins Auge gefaßt werden. Im Grunde genommen sehen wir die Wiederholung auch bewahrheitet in der Natur, wenn wir kleine Zeitspannen ins Auge fassen. Wir sehen Frühling, Sommer, Herbst und Winter in regelmäßiger Wiederholung durch die Jahrhunderte hindurch. Und nur wenn wir recht große Zeitspannen nehmen, wie sie zunächst für die menschliche Beobachtung nicht in Betracht kommen, würden wir so etwas sehen wie die Notwendigkeit des Rechnens mit dem Zeitbegriff, würden uralte Zeiten sehen, wie die Dinge da anders verlaufen als in unseren Zeiten, und würden zum Beispiel darauf eingehen können, daß die Art, wie die Sonne aufgeht und untergeht in der Gegenwart, sich in eine ferne, ferne Zukunft hinein verändert. Aber das sind Gebiete, die sich erst ergeben, wenn wit in die eigentliche Geisteswissenschaft einrücken. Für das, was der Mensch zunächst beobachten kann, man möchte sagen, für die astronomische Natur, gilt auch die Wiederholung, die Wiederholung des Gleichen oder des Ähnlichen, wie wir sie in der alljährlichen Wiederkehr der Pflanzenformen ganz besonders vor uns haben. Bei dieser Wiederholung hat die Zeit als solche nicht eine tiefere Bedeutung. Sie ist nicht im wesentlichen Sinne dadurch, daß sie Zeit ist, ein real wirkender Faktor.
[ 3 ] Every spring we see the plants spring forth from the earth, we see them grow and ripen, bring forth fruit and drop their seeds, and from these seeds when they have been laid in the ground we see similar plants begin to grow again in the same way, come to maturity and again develop their seeds. This process is repeated year after year. If we reckon with the time span that man is able to survey we must say that we are here concerned with a real repetition. The lilies of the valley, the primroses and hyacinths look the same every year. Their nature is repeated within them every year in the same way, in the same form. We can ascend further to the animal kingdom in a certain way, and we shall still find something similar in it. When we consider the individual animal, the separate species of lions, hyenas, the separate species of monkeys, we find that every creature is from the beginning directed to become what it does become. So we may with a certain justification say that no education is possible among the animals. Although some foolish persons have recently begun to apply all kinds of educational and pedagogical concepts to animals, this cannot be considered as something essential, nor does it lead to a correct characterization of animals. When we have short time-spans in mind we see this repetition in nature fundamentally confirmed, in the same way as we see how spring, summer, autumn and winter repeat themselves regularly through the centuries. Only when we consider really large spans of time, so large that they cannot in the first place be observed by man, would we see something resembling the need to take account of the concept of time. Then we should see how in the far distant past things happened differently from the way they do now, and we should, for example, be able to take into account the fact that the present way in which the sun rises and sets will in the far distant future be different. But these are realms which will come into our view only when we enter into the field of true spiritual science. But as regards what man is first of all able to observe, for example the field of astronomy, the fact of recurrence, the recurrence of the same or similar, holds good, as we can especially notice in the annual recurrence of plant forms. With this kind of recurrence time has no special significance; time itself, as time, is essentially not a real, active factor.
[ 4 ] Das ist anders, wenn wir das einzelne Menschenleben betrachten. Wir gliedern ja auch das Menschenleben, wie Sie alle wissen, in aufeinanderfolgende, sich wiederholende Perioden. Wir unterscheiden eine solche Periode von der Geburt bis zum Abschluß der Zahnung, das heißt bis zum siebenten Jahr ungefähr, dann eine Periode vom siebenten bis zum vierzehnten Jahr, bis zur Geschlechtsreife, dann eine vom vierzehnten bis zum einundzwanzigsten Jahr usw. Kurz, wir unterscheiden im einzelnen Menschenleben siebenjährige Perioden. Wir können schon sagen, daß sich in diesen siebenjährigen Perioden gewisse Dinge wiederholen. Aber viel mehr in die Augen springend als die bloße Wiederholung ist etwas anderes, nämlich die fortschreitende Veränderung, der Fortschritt selber, der da vorgegangen ist. Denn ganz anders ist die menschliche Wesenheit in der zweiten siebenjährigen Periode als in der ersten, und wieder anders ist sie in der dritten. Wir können nicht sagen: wie die Pflanze sich in der Pflanze wiederholt, so würde sich in der zweiten siebenjärigen Periode ebenso wiederholen der Mensch der ersten siebenjährigen Periode und so weiter. Da sehen wir im Menschenleben die Zeit in ihrem Fortschreiten eine reale Rolle spielen. Sie bedeutet etwas.
[ 4 ] It is different when we think of individual human lives. As you all know, we also divide human life into successive, recurring periods. We distinguish one such period from birth to the coming of the second teeth, or about the seventh year, then a period from the seventh to the fourteenth year, to puberty, then one from the fourteenth to the twenty-first year, and so on. In short, we distinguish successive seven-year periods in individual human lives; and it is quite true to say that in these seven-year periods certain things recur. But far more striking than the mere recurrence is something else, the constant changing, the progress that is actually made. For human nature is quite different in the second period of seven years from what it was in the first period; and again in the third period it is different. We cannot say that in the case of man the first seven-year period repeats itself in the second, as we can say that the plant repeats itself in another plant. We can see that time as it passes plays a real role in human life. It has a meaning.
[ 5 ] Und wenn wir sehen, wie sich das, was für den einzelnen Menschen also eine Bedeutung hat, auf die ganze Menschheit anwenden läßt, so können wir sagen: Bei der ganzen Menschheit in der aufeinanderfolgenden Entwickelung zeigt sich uns sowohl das eine wie das andere in einer gewissen Weise. Wir brauchen dabei nur bei der sogenannten nachatlantischen Zeit stehenzubleiben. Wir unterscheiden in der nachatlantischen Zeit als erste nachatlantische Kulturperiode die altindische, als zweite die urpersische, als dritte die ägyptisch-chaldäische, als vierte die griechisch-lateinische, als fünfte unsere jetzige, und zwei weitere werden der unsrigen folgen, bis wieder eine große Katastrophe kommen wird. Dieser Fortgang der Evolution zeigt vielfach in den aufeinanderfolgenden Perioden Ähnlichkeiten, die sich in einer gewissen Weise vergleichen lassen mit der Wiederholung des Gleichen, wie wir sie zum Beispiel von Jahr zu Jahr im Pflanzenreich beobachten. Wir sehen, wie solche Perioden dadurch ablaufen, daß in einer gewissen Weise im Beginne solcher Epochen gewisse Offenbarungen an die Menschheit herantreten, gleichsam ein Strom von spirituellem Leben als Impuls der Menschheit gegeben wird, wie in jedem Frühling der Impuls den Pflanzen der Erde gegeben wird. Und dann sehen wir, wie auf diesen ersten Impuls das Weitere gebaut wird, zur Frucht wird und abstirbt, wenn die Periode zu Ende ist, wie die Pflanzen absterben, wenn es gegen den Winter zugeht. Aber daneben zeigt sich in den aufeinanderfolgenden Perioden etwas, was dem Fortschritt des einzelnen Menschen ähnlich ist, und wovon wir sagen können, daß die Zeit dabei eine Rolle spielt, sich als ein realer Faktor erweist. Es ist nicht nur so, daß in der zweiten, urpersischen Epoche die Keime wieder gelegt werden, wie es in der ersten Epoche war, oder daß es in der dritten Periode wieder so ist, wie es in der ersten war, sondern die Impulse sind immer andere, immer mehr gesteigerte, immer neue, wie es im Menschenleben auch ist, daß die einzelnen siebenjährigen Perioden ihre Differenzierung, ihren Fortschritt haben.
[ 5 ] When we thus come to see how what is significant for the individual human being is applicable to all mankind, we can say that in the consecutive periods of evolution this can in a sense be seen to be true for both the individual and for humanity as a whole. We need not go beyond the post-Atlantean epoch. Here we differentiate in this era the ancient Indian or first post-Atlantean cultural epoch, the Old Persian as the second, the Egypto-Chaldean as the third, the Greco-Roman as the fourth and our own as the fifth. Two more epochs will follow ours, until there is again a great catastrophe. This evolutionary progress in successive epochs does often show similarities that can be compared in a certain way with the kind of recurrence that may be observed, for example, in the plant kingdom. We see how these periods run their course so that in a certain respect at the beginning of each epoch humanity receives certain revelations; a stream of spiritual life is given to mankind as an impulse, in the same way as the plants of the earth receive an impulse in springtime. Then we see how a further development is built on the first impulse, how it bears fruit and then dies away when the period comes to an end, as plants wither at the approach of winter. However, in addition, something appears during the successive epochs that is similar to the progress of an individual human being, and of this we can say that time plays a significant role, and it proves to be a real factor. It is not only the case that in the second, the Old Persian epoch, seeds are again planted, as was the case in the first epoch, or that in the third epoch the same thing happened as in the first. The impulses are always different, always at a higher level and always new, in just the same way that in human life the seven-year periods can be differentiated, and there is progress.
[ 6 ] Nun war das, was an die Menschheit im Laufe der Zeit herangetreten ist, in der Art an sie herangetreten, daß den Menschen, man möchte sagen, langsam und allmählich die Dinge eröffnet worden sind, welche die Summe der Erkenntnis ausmachten. Nicht alle die Strömungen von Volkstümern haben immer den Sinn gehabt für alles zu gleicher Zeit. So sehen wir, daß in derjenigen Evolutionsströmung der Menschheit, welche gerade mit dem Mysterium von Golgatha ablief, in einer gewissen Weise der Sinn fehlt für die Zeit als einen realen Faktor. Dieser Sinn für die Zeit als einen realen Faktor fehlt im Grunde genommen der ganzen morgenländischen Erkenntnis. Ihr ist besonders eigen der Sinn für die Wiederholung des Gleichen. Daher wird auch alles das, was sich geltend macht in bezug auf die Wiederholung des Gleichen, in grandioser Weise erfaßt von der Erkenntnis des Morgenlandes.
[ 6 ] Now that which came to humanity in the course of time came in such a way that we could say that the things which comprise the sum total of human knowledge were opened up to man slowly and gradually. Not all the streams of peoples and nations always had the same perceptions of things at the same time. Thus we see that in that human evolutionary stream that came to an end at about the time of the Mystery of Golgotha, the sense for time as a real factor was missing. Indeed, in all Eastern knowledge this sense of time as a real factor was fundamentally missing. Characteristically the Eastern knowledge has a sense for the recurrence of the same. Therefore everything that is concerned with recurrence is magnificently grasped by the knowledge of the East.
[ 7 ] Was kommt da in Betracht, wenn wir die Wiederholung des Gleichen in den aufeinanderfolgenden Kulturperioden ins Auge fassen? Nehmen wir es an dem Beispiel des Pflanzenwachstums. Da sehen wir, wie im Frühling die Pflanzen herausbrechen aus der Erde. Wir haben es mit ihrer Schöpfung zu tun. Wir sehen, wie diese Pflanzen wachsen und gedeihen, bis sie einen gewissen Höhepunkt erreicht haben, wie sie dann wieder absterben und, indem sie absterben, wieder schon den Keim zu einer neuen Pflanze in sich tragen. Wir haben es also mit einem dreifachen Schritt im Werden zu tun: mit Entstehen, mit Wachsen und Gedeihen und mit Absterben, und haben im Absterben wieder den Keim zu einem Gleichen. Wo es nicht besonders auf die Zeit ankommt, wo es auf die Wiederholung ankommt, ist dieses sich wiederholende Prinzip immer am allerbesten in der Dreizahl zu fassen. Den Sinn des sich wiederholenden Werdens durch die Dreizahl zu fassen, das lag insbesondere in den Begabungen der morgenländischen Weisheit, lag besonders in der Weisheit, die dem Christentum vorangegangen ist. Und in der einseitigen Hinneigung zu dem zeitlosen sozusagen, dem sich wiederholenden Geschehen ist bedingt die Größe dieser alten Weltanschauung. Und da, wo sie zu ihrem Abschluß kommt, treten uns überall entgegen die Trinitäten, die im Grunde genommen der hellseherische Ausdruck dessen sind, was hinter Entstehen, Vergehen und Wiederherstellen ist. Brahma, Shiva, Vishnu, diese Dreiheit liegt überall als schöpferische Mächte zugrunde. Sie wurde in der Zeit, die der Krishna-Offenbarung vorangeht, als durch Hellsehen zu erreichende Dreiheit, sagen wir von Brahma, Vishnu, Shiva, erkannt. Und das Abbild von dieser Dreiheit ist überall da vorhanden, wo man nicht mit der Zeit anders rechnet als mit der aufeinanderfolgenden Wiederholung des Gleichen.
[ 7 ] When we think of this recurrence of the same in successive cultural epochs, what is it that comes into consideration? Take, for example, the question of plant growth. We see how in springtime the plants shoot forth from the earth; we witness their “creation.” We see how these plants grow and flourish until they reach a kind of culmination. Then they wither, and in withering they carry in themselves the seed for a new plant. Thus we have to do here with a threefold process: coming into being, growth and flourishing, and then withering, and this withering is accompanied by the production of the seed of a similar plant. When time does not come into question, when it is a question of recurrence, then this principle of recurrence is best understood as a triad. It was the special talent of Oriental wisdom, pre-Christian wisdom, to understand recurring development as a triad. The grandeur of this ancient world view was limited by what we may think of as a predisposition in favor of events that recur and are timeless. And when this world view comes to a conclusion, trinities confront us everywhere, and fundamentally these represent the clairvoyant perception of what lies behind coming into being, passing away, and renewal. Brahma, Shiva, and Vishnu, this trinity of creative forces is the foundation of all things. In the time preceding Krishna's revelation it was recognized as a trinity that could be perceived through clairvoyance, and it was seen as Brahma, Vishnu and Shiva. The image of this trinity exists wherever time is seen only as the successive recurrence of the same.
[ 8 ] Das ist der Sinn in bezug auf die Erkenntnis einer neuen Zeit, daß die Begabung eintritt, historisch, geschichtlich zu sehen, das heißt, die Zeit mitzurechnen bei dem, was eigentlich für die Evolution in Betracht kommt, die Zeit als einen realen Faktor aufzufassen. Das aber war insbesondere der Erkenntnis des Abendlandes vorbehalten, historischen Sinn zu entwickeln, Geschichte in ihrer Wahrheit zu durchschauen. Und darin unterscheiden sich die beiden Evolutionsströmungen des Morgenlandes und des Abendlandes, daß das Morgenland ungeschichtlich, unhistorisch, aber ungeschichtlich und unhistorisch in höchster Vollendung die Welt anschaut, während das Abendland zunächst beginnt, auf einen Impuls hin historisch, geschichtlich die Welt anzuschauen. Und die Anregung zu einem geschichtlichen Anschauen geht aus von der althebräischen Weltanschauung. Die gibt den ersten Impuls zum geschichtlichen Anschauen.
[ 8 ] The significance of a new era is recognized when the gift of seeing events in historical perspective arises, that is, when time is taken into account in relation to evolution, when time is looked upon as a real factor. It was a special task of Western knowledge to develop a historical sense, to penetrate into the truths of history. And the two streams in human evolution coming from East and West differ in that the East looks at the world unhistorically, while the West, prompted by a new impulse, begins to look at the world from a historical point of view. It was the world view of the Hebrews that gave the first impulse to this historical viewpoint.
[ 9 ] Betrachten wir jetzt einmal nebeneinander, was die eigentlichen Essenzen morgenländischer Weltanschauungen sind. Da wird uns immer von den sich wiederholenden Weltenaltern erzählt. Es wird uns erzählt, was am Anfange des ersten, was am Ende des ersten Weltenalters geschieht. Dann wird erzählt der Beginn des zweiten Weltenalters, das Ende des zweiten Weltenalters, der Beginn des dritten, das Ende des dritten Weltenalters. Und richtig wird das Geheimnis des Weltenwerdens zur Zeit des Krishna so hingestellt, daß gesagt wird: Als die alte Kultur des dritten Weltenalters dürr und trocken geworden war, als die alte Kultur in ihren Herbst und Winter einrückte, da erschien als der Sohn des Vasudeva und der Devaki der Krishna, um zusammenzufassen für später, das heißt für den vierten Zeitraum, was sich als Keim, als neuer Same herüberbringen ließ aus dem dritten in den vierten Zeitraum. Die einzelnen Weltenalter erschienen einem so wie die aufeinanderfolgenden Jahre in bezug auf das Pflanzenwachstum. Zyklen von Zeiten, die das Sich-Wiederholende zum Inhalt haben, das ist das wesentliche Element der morgenländischen Weltanschauungen.
[ 9 ] Let us now consider together what the essential elements of the Oriental world view actually are. We are always told of recurring world ages, of what happens at the beginning of the first and at the end of the first cosmic age. Then we are told of the beginning of the second world age, and its end, then the beginning of the third and its end. And the secret of world development is correctly presented when it is said that when the ancient culture of the third world age had become dry and arid and the culture had entered the phase of autumn and winter, then there appeared Krishna. The son of Vasudeva and Devaki, his task was to sum up for later ages, namely for the fourth period, what could be carried from the third into the fourth period as the germ, the new seed for that period. The individual world ages appear to us like successive years in the life of a plant. In the Oriental world view the cycles of time, which constantly recur, are the essential element.
[ 10 ] Nun vergleichen wir mit diesen Weltanschauungen in ihrer tiefsten Struktur, in ihrer Zeitlosigkeit dasjenige, was uns gleich im Alten Testament entgegentritt. Oh, es ist ein beträchtlicher Unterschied gegenüber den morgenländischen Weltanschauungen! Da sehen wir, wie eine fortlaufende, reale Zeitlinie sich einlagert. Erst werden wir hingeführt zur Genesis, zur Schöpfung, und angegliedert wird an die Schöpfung die Menschheitsgeschichte. Wir sehen einen fortlaufenden Gang durch die sieben Schöpfungstage hindurch, durch die Patriarchenzeit hindurch; von Abraham herunter durch Isaak und Jakob alles Werden, alles Geschichte. Wo wiederholt sich etwas? Nicht wird der erste Schöpfungstag in abstrakter Weise wiederholt in dem zweiten. Nicht werden die Patriarchen wiederholt in den Propheten. Die Königszeit wiederholt nicht die Richterzeit und so weiter. Dann tritt die Zeit der Gefangenschaft ein. Überall werden wir hingeführt in den ganzen dramatischen Fortgang, wo die Zeit eine reale Rolle spielt wie im einzelnen Menschenleben. Durch das ganze Alte Testament wird uns die Zeit als ein realer Faktor des Geschehens gezeigt, abgesehen von dem, was sich wiederholt. Der Fortschritt ist das, was als ein besonderes Element eintritt in die Darstellung des Alten Testamentes. Das erste große Beispiel einer historischen Betrachtungsweise ist dieses Alte Testament. Dadurch wird dem Abendlande das Vermächtnis übergeben zur historischen Betrachtungsweise.
[ 10 ] Now let us compare these world views in their timelessness, their profoundest aspect, with what confronts us in the Old Testament. What a mighty difference we find from the world views of the East! Here we perceive as an essential part of this view a real continuous line in time. We are first led to Genesis, to the Creation, and linked to Creation is the whole history of mankind. We see a continuous sequence through the seven days of Creation, through the era of the patriarchs, from Abraham down through Isaac and Jacob, everything developing, everything a part of history. Where is there any recapitulation? The first day of Creation is by no means repeated in an abstract way in the second. The patriarchs are not repeated in the prophets, nor does the era of the kings repeat the era of the judges. In due course comes the time of the captivity. We are everywhere led through an entire dramatic process, in which time plays a real part as it does in an individual human life. Irrespective of what is repeated time is shown as a real factor in all that happens. The special element in the picture presented by the Old Testament is progress. The Old Testament is the first great example of a historical approach to events, and it is this historical approach that was bequeathed to the West.
[ 11 ] Langsam und allmählich lernen erst die Menschen, was ihnen geoffenbart wird im Laufe der Zeit. Und so darf man sagen, daß immer wieder gerade dann, wenn in einem gewissen Sinne neue Offenbarungen kommen, eine Art Rückfall in das Vorhergehende stattfindet. Großes und Bedeutsames ist im Anfange der theosophischen Bewegung geoffenbart worden. Allein gerade das Merkwürdige ist eingetreten, daß gleich vom Beginn an die historische Betrachtungsweise dieses theosophische Leben wenig durchzogen hat. Davon können Sie sich insbesondere überzeugen, wenn Sie einen Blick werfen in ein sonst ausgezeichnetes, verdienstvolles Buch, in den «Esoterischen Buddhismus» von Sinnett. Alle Kapitel, die dort von Geschichte durchdrungen sind, werden für das abendländische Gemüt gut annehmbar sein. Aber daneben ist ein anderes Element, das wir das «unhistorische Element » nennen können, jenes sonderbare Element, wo geredet wird von großen und kleinen Zyklen, von dem Fortgang in Runden und Rassen, und wo immer die Sache so dargestellt wird, als wenn die Wiederholung die Hauptsache wäre, wie auf die zweite Runde die dritte folgt, wie auf die eine Hauptrasse die andere Hauptrasse, auf die eine Unterrasse die andere Unterrasse folgt und so weiter. Man kommt wirklich in eine Art von Räderwerk hinein und legt den Hauptwert auf die Wiederholung. Das war ein Rückfall in eine bereits überwundene Denkweise der Menschheit.
[ 11 ] Men learn only slowly and gradually what in the course of time has been revealed to them; and we may say that in a certain sense when there are new revelations there is a kind of reversion to what had gone before. Great and significant things were revealed at the beginning of the theosophical movement. But it was an extraordinary feature of this revelation that the historical approach permeated the movement very little. You can convince yourselves of this especially if you glance at Sinnett's Esoteric Buddhism,1Sinnet, A. P., 1840–1921. His Esoteric Buddhism was published in London in 1883, and a German translation appeared the following year. which in other respects is an excellent and meritorious book. All the chapters in it that are pervaded by history will be found acceptable by the Western mind. But side by side with this is another element that we may call an “unhistorical” element, curious passages in which large and small cycles are spoken of, the procession of rounds and races, where the material is presented in such a way that recurrence is of central importance—how the third round follows after the second, how one root-race follows after the other root-race, one subrace follows after the other subrace, and so on. One really becomes caught up in a kind of working of a clock, and the greatest importance is given to recurrence. This was a reversion to a kind of thinking that had already been outgrown by mankind, for the way of thinking suited to western culture is in truth historical.
[ 12 ] Diejenige Denkweise, welche sich als der abendländischen Kultur angemessen ergibt, ist aber die historische. Und was ist die Folge dieses historischen Elementes der abendländischen Kultur? Eben die Erkenntnis des einen Brennpunktes alles Erdenwerdens. Das Morgenland betrachtete das Werden wie den sich wiederholenden Pflanzenvorgang eines jeden Jahres. So traten in jeder Periode die einzelnen großen Initiierten auf und wiederholten — wenigstens betont man vorzugsweise das, was sie wiederholten —, was schon früher da war. Man betont besonders in abstrakter Weise, daß ein jedes nur die besondere Ausgestaltung ist des einen, was sich da von Epoche zu Epoche fortentwickelt. Man hatte das besondere Interesse, das sich fortentwikkelnde Gleiche so darzustellen, wie man im Pflanzlichen durchaus das, was sich als Form offenbart, beachtet, und nicht die einzelnen Jahre unterscheidet. Nur in einem besonderen Falle beachtet der Mensch, wie sich auch im Pflanzenleben die einzelnen Jahre unterscheiden. Wenn er eine Lilie oder ein Weinblatt beschreiben will, kommt es ihm nicht darauf an, ob die Pflanze im Jahre 1857 oder im Jahre 1867 gewachsen ist; denn die Lilien gleichen sich, sie sind Ausprägungen der einen Lilienart. Nur, man möchte sagen, da, wo dieses allgemeine, sich wiederholende gleichartige «Apollinische» auch im Pflanzenwachstum ins «Dionysische » übergeht, da legt der Mensch einen besonderen Wert auch darauf, daß sich die einzelnen « Jahrgänge » unterscheiden: in den Weinjahren. Da kommt es ihm darauf an, zu unterscheiden; aber sonst hat er kein Interesse zu sagen: Dies ist die Form der Lilie vom Jahre 1890 oder 1895.
[ 12 ] What is the consequence of this historical element that belongs to Western culture? Precisely the knowledge of the one focus of all earthly development. The Orient regarded development as similar to the process of plant growth that recurs every year. Thus the individual great initiates appeared in each period and repeated—at all events it was what they repeated that was especially stressed—what had been done earlier. It was particularly emphasized in an abstract manner how each initiate was only a particular form of the one who continues his development from epoch to epoch. There was in the East a special interest in picturing how this continuous development of the same also is easily seen in the plant world as the form reveals itself each year, and the individual years are not distinguished from each other. Only in one particular case do people notice that there is a difference from year to year. If someone wants to describe a lily or a vine leaf it is of no consequence whether the plant grew in 1857 or 1867, for lilies all resemble each other if they belong to a particular variety of lily. But when what we may think of as the general, recurring, identical “Apollonian” element passes over into the “Dionysian,” even in the realm of plant life, then we attach special importance to the fact that individual “vintages” do differ, and it becomes important to distinguish the different years. In all other cases no one cares whether a lily flowered in 1890 or 1895.
[ 13 ] So hatte das Morgenland in einem gewissen Sinne auch kein rechtes Interesse daran — obwohl man den Vergleich nicht pressen darf —, die Verkörperung des Bodhisattva im dritten Zeitalter zu unterscheiden von der im zweiten oder im ersten Zeitalter. Es war die Verkörperung des «einen». Dieses Hinlenken auf das Eine, dieses abstrakte Zuspitzen auf das Gleiche macht das Unhistorische der morgenländischen Betrachtung aus, und es macht im Grunde genommen das Unhistorische aller Betrachtungen der vorchristlichen Zeitalter aus, außer der historischen Betrachtung des Alten Testamentes. Mit dem Alten Testament trat vorbereitend — und mit dem Neuen Testament in gröBerer Vollendung — die historische Betrachtung ein. Da kommt es denn darauf an, die Linie des Werdens als solche als ein Ganzes anzusehen. Da muß man nicht bloß auf das hinsehen, was in den einzelnen Zyklen wiederkehrt, sondern auf das, was den Brennpunkt alles Werdens ausmacht. Und da tritt dann das ins Recht, daß man sagt: Es ist ein einfaches Unding, davon zu sprechen, daß es einen solchen Brennpunkt des Werdens nicht geben soll.
[ 13 ] Similarly, the Orient saw no particular point in distinguishing the incarnation of the Boddhisattva in the third epoch from his incarnation in the second or first epoch. This comparison should not be carried too far, however. For the Easterner the Boddhisattva was always an incarnation of the One. This abstract concentration on the One, this tendency to look for the One, demonstrates the unhistorical nature of Oriental thought; and fundamentally this is equally characteristic of all the unhistorical conceptions of the pre-Christian era. The single exception is the historical point of view that appears in the Old Testament. In the case of the Old Testament this historical viewpoint was only a beginning, which reached a more perfected stage in the New Testament. The important thing here is to look at the whole line of development, as such, and not confine ourselves to looking at what is repeated in the individual cycles, but rather to try to see what constitutes the focus of all development. Then we shall be justified in saying that it is absolute nonsense to say that there can be no such focus of development.
[ 14 ] Hier liegt der Punkt, wo sich die verschiedenen Völker über den Erdenkreis hin erst über das historische Werden verständigen müssen, wo sie sich erst klarwerden müssen, daß dieses Historische zu einer wirklich realen Menschheitsbetrachtung unbedingt notwendig ist. Man wird es heute noch erleben können, auch wenn nicht irgendein fanatisches oder konfessionelles, sondern ein wirklich gemeintes Christentum nach dem Orient gebracht wird und sich nur objektiv neben den anderen Religionen des Orients geltend machen will, daß dann gesagt wird: Ihr habt doch nur den einen Gott, der sich nur einmal in Palästina verkörpert hat; wir aber haben viele Verkörperungen des Gottes; da sind wir euch voraus. Diese Antwort wird eine ganz selbstverständliche sein vom Standpunkte des Morgenländers. Sie hängt zusammen mit seiner besonderen Begabung für das Hinsehen auf die Wiederholung des einen. Für den Abendländer aber muß gelten, daß das Ganze einen Schwerpunkt hat. Wenn daher von mehreren Verkörperungen des Christus gesprochen wird, so ist das derselbe Fehler, als wenn jemand sagen würde: Ja, man macht den Unsinn, zu sagen, daß man für die Waage nur einen Unterstützungspunkt brauche, daß auf der einen Seite die I.ast angreife und auf der anderen Seite die Gewichte; unterstützen wir die Waage an zwei, drei, vier Punkten! — Das ist aber ein Unsinn. Eine Waage kann nur einen Unterstützungspunkt haben. Und will man das ganze Werden verstehen, so muß man den einen Unterstützungspunkt, den einen Schwerpunkt, aufsuchen und nicht glauben, daß man besser fährt, wenn man aufeinanderfolgende Verkörperungen des Christus sucht. In dieser Beziehung werden sich die Nationen, die Völker, über den Erdkreis hin zu verständigen haben, daß im Laufe der Geschichte selbst die historische Denkweise, die historische Auffassung als die im höheren Sinne menschenwürdige erst eintreten mußte.
[ 14 ] This is the point about which the various peoples, scattered across the world, must come to an understanding: the subject of historical development. The first thing they must realize is that for a true and genuine study of mankind it is absolutely vital to take the historical element into consideration. Even today one may have the experience that if a true and genuine Christianity is taken to the East—not a fanatical or denominational Christianity—but a Christianity that wishes to hold its own beside the other Eastern religions, then one may be received with the words, “It is true that you have only the one God who incarnated only once, in Palestine. But we are ahead of you for we have many embodiments of God.” For an Oriental such an answer would be a matter of course. It is connected with his special gift for looking always for the recurrence of the One. By contrast, what is important for the Westerner is that everything should have a center of gravity. So if people speak of several incarnations of Christ they are making the same mistake as if they were to say that it is ridiculous to pretend that only one fulcrum is needed for a pair of scales, and that the load on one side is balanced by the weights on the other; and moreover that the pair of scales can be supported in two, three or four places. But this of course is nonsense—a pair of scales can have only one fulcrum. So if we wish to understand evolution as a whole we must look for the one fulcrum, the single center of gravity, and not think it would be better if we looked for successive incarnations of the Christ. Regarding this question the nations and peoples spread across the world will have to come to the understanding that in the course of human history it was necessary for men to come to a historical way of thinking, to a concept of history, as the only conception in a higher sense truly worthy of man.
[ 15 ] Langsam geschah es, indem diese historische Art, das Menschenwerden anzuschauen, man möchte sagen, zuerst von den primitivsten Zuständen ausgegangen ist. Da finden wir, daß dieses geschichtliche Werden im Alten Testamente uns zuerst angedeutet wird durch das immer wiederkehrende Betonen, wie es das Wesen des alttestamentlichen Volkes ausmacht, daß man sagen kann, sie gehören zu dem Blut von Abraham, Isaak und Jakob; es rinnt durch die aufeinanderfolgenden Generationen hindurch, und was sich entwickelt, ist im Grunde genommen eine Form der Blutabstammung, der Blutfortpflanzung. Wie ein Mensch in der Aufeinanderfolge seiner Lebensepochen den Fortschritt zeigt, so daß die Zeit darin eine Rolle spielt, so ist das beim ganzen alttestamentlichen Volke der Fall. Und man wird, wenn man auf die genaueren Einzelheiten eingeht, tatsächlich diesen Verlauf der Generationen des alttestamentlichen Volkes so ähnlich auffassen können wie das Leben eines einzelnen Menschen, insofern er sich naturgemäß entwickelt, insofern er das in sich entwickelt, was sozusagen entwickelt werden kann am Menschen vermöge der physischen Anlage. Was dadurch geschehen konnte, daß immer überging das Väterliche auf den Sohn und so weiter, und so weiter, das wird uns geschildert im Alten Testament. Und was entstehen konnte an Bekenntnissen des Glaubens dadurch, daß die Nachkommen immer festhielten an denjenigen, mit denen sie blutsverwandt waren, das wird geschildert. Was im natürlichen Leben des einzelnen Menschen durch das Blut bedeutungsvoll geschieht, das wird angewendet auf den ganzen Körper des alttestamentlichen Volkes. Und wie im einzelnen Menschen zu einer gewissen Zeit sozusagen das seelische Element besonders herauskommt, wie dieses seelische Element eine besondere Rolle spielt, so wird das auch — und das ist ganz besonders interessant — in der geschichtlichen Entwickelung des Alten Testamentes schon festgehalten.
[ 15 ] This manner of looking at human evolution from a historical standpoint came about only very slowly; it began in the most primitive conditions. We find this historical evolution first indicated in the Old Testament through the repeated emphasizing of the nature of the people of the Old Testament, how they belong to the bloodstream of Abraham, Isaac and Jacob, how the blood flows through successive generations; fundamentally what develops in this people is a form of descent through the blood, of propagation through the blood. As a man progresses through the successive periods in his life and time plays its part in this process, so it is also in the case of the entire people of the Old Testament. And if we examine the process down to its very details we shall find that in truth the sequence of the generations of the Old Testament peoples is analogous to the life of an individual human being insofar as he develops naturally, developing in himself everything that we may think of as being possible through his physical disposition. What could happen as a result of the passing on of his heritage from father to son as an invariable process is described for us in the Old Testament; and it also describes the kind of religious faith that came into being because later generations always clung to those who were their blood relatives. The significance to be attached to the bloodstream in the natural life of the individual human being is made applicable to the entire people of the Old Testament. And just as the soul element, as it were, emerges in individual man at a particular time and plays a specific part in his life, so—and this is an especially interesting fact—does something similar occur in the historical evolution of the Old Testament.
[ 16 ] Betrachten wir das Kind. Da werden wir sehen, daß bei ihm das Natürliche überwiegt. Die Bedürfnisse des Leibes überwiegen zunächst. Das Seelische steckt noch drinnen im Leibe, es will noch nicht ganz heraus. Wohlsein des Leibes wird bewirkt durch angenehme Eindrücke der Außenwelt. Unangenehme, peinliche Eindrücke der AuBenwelt äußern sich auch in den seelischen Äußerungen des Kindes. Dann wächst der Mensch heran. Durch das, was sich in ihm natürlich entwickelt, gewinnt allmählich das Seelische die Oberhand, und wir treten in ein Lebensalter ein — es wird bei den verschiedenen Menschen verschieden liegen, aber im wesentlichen ist es so in den Zwanzigerjahren —, da wird der Mensch so recht herausbringen, was seelisch in ihm ist. Da wird zurücktreten, was rein körperliche Schmerzen und Bedürfnisse sind; die seelische Konfiguration kommt besonders heraus. Dann tritt die Zeit ein, wo der Mensch geeigneter wird, dieses Seelische, das in ihm selbst ist, mehr in den Hintergrund treten zu lassen. Das dauert wieder beim einen länger, beim andern kürzer. Vielleicht bleibt einer auch ganz dabei, dieses ihm eigentümliche Seelische sein ganzes Leben hindurch festzuhalten. Aber es ist doch auch anderes vorhanden, wenn auch der Mensch oft in den Zwanzigerjahren so recht herausstellt, was er ist, daß es ihm vorkommt, als hätte die Welt nur gewartet auf das spezifische Seelische, das er hat. Insbesondere, wenn jemand starke geistige Anlagen hat, kommt dies heraus, so zum Beispiel, wenn jemand besondere philosophische Anlagen hat. Da zeigt es sich dann so, als ob die Welt nur darauf gewartet hätte, bis er kommt und das richtige philosophische System aufstellt, denn nur sein Seelisches ist dafür geeignet. Aber es kann auch das Richtige und Gute dabei herauskommen. Dann kommt die Zeit, in welcher man beginnt, das zu sehen, was die Welt durch andere hergeben kann, wo man anderes durch sich sprechen läßt, wo man aufnimmt, was bisher geleistet worden ist.
[ 16 ] Let us take the case of a child. Here we see that nature predominates; its bodily needs are at first dominant. The soul-element is still concealed within the body; it does not wish to emerge fully. Bodily well-being is produced through pleasant external impressions; unpleasant, painful impressions of the external world are also reflected in the manifestations of the child's soul-nature. Then the child grows up, and through his natural development his soul-element begins to be dominant; we then enter a stage in life—the age varies in different people, but in general this occurs in the twenties—when men give full expression to the element of soul that is within them. Purely bodily pains and necessities recede into the background and the soul configuration emerges in a marked manner. There follows a period during which the soul-element in man is inclined to recede more into the background—and this period will be longer or shorter in different men. It may happen that a man will retain his specific soul-nature his whole life long. Nevertheless something else is really present, even if in his twenties someone persists in emphasizing what he is, as if the world had been only waiting for just that specific soul-element that he bears within him. This is likely to happen especially when a man has strong spiritual potential, as, for example, when he possesses a marked talent for philosophy. It then seems as if the world had only been waiting until he came and established the correct philosophical system, for which only his soul configuration was suited. And it may happen that what is right and good may emerge in this way. Then there comes a time when we begin to see what the world may give through others. Then we allow something different to speak through ourselves, and we take up what others have achieved before us.
[ 17 ] So, wie der einzelne Mensch ist, so stellt das Alte Testament den ganzen Körper des althebräischen Volkes dar. Wir sehen, was sich durch die Rasseneigentümlichkeiten dieses Volkes alles entwickelt in der Zeit des Abraham, Isaak und Jakob, wie alles davon abhängt, daß dieses Volk gerade diese Bluts- und Rasseneigentümlichkeiten hat. Und verfolgen Sie, was da geschildert wird, dann werden Sie sagen: Bis zu einem bestimmten Moment treten gewisse Rasseneigentümlichkeiten als das die Impulse Gebende im Alten Testament auf. Dann kommt die Zeit, da dieses Volk seine Seele ausbildet, was sich so ausnimmt, wie der einzelne Mensch sein Seelisches in den Zwanzigerjahren hinstellt. Das ist da, wo der Prophet Elias auftritt, denn der Prophet Elias erscheint wie die ganze eigentümliche Seele des althebräischen Volkes. Dann kommen die anderen Propheten, von denen ich Ihnen vor einigen Tagen sagen konnte, daß sie die Seelen der verschiedensten Eingeweihten der anderen Völker sind, die sich in dem alttestamentlichen Volke versammeln. Da hört die Seele dieses Volkes auf dasjenige, was die Seelen der anderen Völker zu sagen haben. Wie in einer großen Harmonie, wie in einer Symphonie vermischt sich das, was von Elias bleibt und was die Seelen der anderen Völker durch die anderen Propheten zu sagen haben, die sich in dem alttestamentlichen Volke verkörpern.
[ 17 ] The whole body of the ancient Hebrew people is presented in the Old Testament as analogous to an individual man. We see how in the time of Abraham, Isaac and Jacob everything in this people develops through its racial characteristics. And if you follow up what has been described here you will say that it was certain racial characteristics that provided the impulses in the Old Testament. Then came the time when this people formed its soul, in the same way that individual man forms his personal soul in his twenties. It is at this point that the prophet Elijah appears, for Elijah seems in himself like the whole soul peculiar to the Hebrew people. After him came the other prophets of whom I spoke a few days ago, telling you that they were the souls of the widely varying initiates of other peoples who came together in the people of the Old Testament. Now the soul of this people listens to what the souls of the other peoples have to say. What Elijah left behind and what the souls of other peoples have to say through their prophets, who now reincarnate in the people of the Old Testament, is blended as in a great harmony or symphony.
[ 18 ] So reift dieser Körper des althebräischen Volkes heran. Und er stirbt in einer gewissen Weise, indem er nur das Geistige, das, was geistig bleibt, in seinen Glauben, in sein Bekenntnis aufnimmt, wie wir es so herrlich sehen an der Darstellung der Makkabäer. Man möchte sagen: In dieser Darstellung der Makkabäer erscheint das altgewordene Volk des Alten Testamentes, das sich allmählich als altgewordenes Volk zur Ruhe legt, aber das Bewußtsein von der Ewigkeit der Menschenseele aus den Makkabäersöhnen unmittelbar kundgibt. Die Ewigkeit des einzelnen tritt uns als Bewußtsein des Volkes entgegen. Und es ist jetzt, indem der Körper des Volkes selber zugrunde geht, wie wenn diese Seele als Seelensame in einer ganz neuen Gestalt bleibt. Wo ist sie, diese Seele?
[ 18 ] Thus did the body of the old Hebrew people come to maturity. Then in a certain way it dies by retaining only the spiritual, what remains spiritual, in its faith and religion, as we see so wonderfully in the picture of the Maccabees. We could say, “Here appears in a picture of the Maccabees the Old Testament people, now grown old, slowly lying down to rest in its old age, yet at the same time proclaiming, through the sons of the Maccabees, its awareness of the eternity of the human soul. The eternity of individual man confronts us as the consciousness of the people. And it seems as though while the body of the people is sinking to its destruction, its soul continues as a soul seed in an entirely new form. Where is this soul to be found?
[ 19 ] Diese Elias-Seele, zugleich ist sie die Seele des alttestamentlichen Volkes, als sie in den Täufer eintritt, im Täufer lebt. Da er gefangengesetzt und dann von Herodes geköpft wird, was geschieht da mit dieser Seele? Wir haben es schon angedeutet. Diese Seele wird selbständig, verläßt den Leib, wirkt aber wie eine Aura weiter, und in das Gebiet dieser Aura tritt cin der Christus Jesus. Wo aber ist die Seele des Elias, die Seele Johannes des Täufers? Es ist im Markus-Evangelium deutlich genug angedeutet. Die Seele Johannes des Täufers, die Seele des Elias, sie wird die Gruppenseele der Zwölf, sie lebt in den Zwölfen und lebt in den Zwölfen weiter. Sehr, sehr merkwürdig wird uns das, man möchte sagen, in jener Art, wie künstlerisch gezeichnet wird, angedeutet, indem uns erzählt wird, bevor im Markus-Evangelium von dem Tode Johannes des Täufers gesprochen wird, wie der Unterricht sozusagen, die Lehrweise des Christus Jesus zu der großen Menge ist und wie zu seinen einzelnen Schülern. Wir haben davon gesprochen. Aber das ändert sich, als die Elias-Seele von Johannes dem Täufer frei wird, als sie wie eine Gruppenseele in den Zwölfen weiterlebt. Und das wird angedeutet. Denn von da ab — lesen Sie nach, man merkt es ganz deutlich — macht der Christus an seine Zwölf höhere Ansprüche als vorher. Er fordert von ihnen, daß sie Höheres verstehen. Und das sehr Merkwürdige ist dies, was sie gerade verstehen sollen und was es ist, das er, weil sie es nicht verstehen, ihnen später zum Vorwurf macht. Lesen Sie in diesem Buche genau! Auf die eine Seite der Dinge habe ich bereits hingewiesen: daß von einer Brotvermehrung die Rede ist, als Elias zu der Witwe nach Sarepta kommt, und daß, als die Elias-Seele frei wird von Johannes dem Täufer, wieder von einer Brotvermehrung berichtet wird. Aber jetzt verlangt der Christus gerade von seinen Jüngern, daß sie den Sinn dieser Brotvermehrung ganz besonders verstehen sollen. Vorher spricht er solche Art von Worten nicht zu ihnen. Dann aber, als sie verstehen sollen, was das Schicksal Johannes des Täufers nach der Enthauptung durch Herodes ist, was durch die fünf Brote mit den Fünftausend geschieht, wo die Brocken in zwölf Körben gesammelt werden, und was mit den sieben Broten und den Viertausend geschieht, wo die Brocken in sieben Körben gesammelt werden, da sagt er zu ihnen:
[ 19 ] This Elijah-soul is at the same time the soul of the Old Testament people, as it enters the Baptist and lives in him. When he was imprisoned and then beheaded by Herod, what happened then to his soul? This we have already indicated. His soul left the body and worked on as an aura; and into the domain of this aura Christ Jesus entered. Where then is the soul of Elijah, the soul of John the Baptist? The Mark Gospel indicates this clearly enough. The soul of John the Baptist, of Elijah, becomes the group soul of the Twelve; it lives, and continues to live in the Twelve. We can say that it is artistically and pictorially shown in a remarkable manner how the teaching of Christ Jesus, his way of teaching, differed when he taught the crowd and when he taught his own individual disciples—and this, even before the Mark Gospel has told us of the death of John the Baptist. We have already spoken of this. However, a change takes place when the soul of Elijah is freed from John the Baptist and works on further in the Twelve as a group soul. And this is indicated, for from this time onward—this is quite clear if we read the passage and reread it—Christ makes greater demands on His disciples than before. He calls upon them to understand higher things. And it is very remarkable what He expects them to understand, and what later on He reproaches them for not understanding. Read it in the Gospel just as it is written. I have already referred to one aspect of these events, namely that mention was made of an increase of bread when Elijah went to the widow at Sareptah, and how, when the soul of Elijah was freed from John the Baptist, again an increase of bread is reported. But now Christ Jesus demands of His disciples that they should understand in particular the meaning of this increase of bread. Before that time He had not spoken to them in such terms. Now they ought to understand what was the destiny of John the Baptist after he had been beheaded through Herod, what happened in the case of the feeding of the five thousand when the fragments of bread were collected in twelve baskets, and what happened when the four thousand were fed from seven loaves and the fragments were collected in seven baskets. So He said to them:
«Merket und verstehet ihr noch nichts? Bleibt es bei der Verfinsterung eurer Seele?
Ihr habt Augen und sehet nicht, Ohren und höret nicht, und denket nicht daran, da ich die fünf Brote gebrochen habe für die Fünftausend. Wieviel Körbe voll Brocken habt ihr da aufgehoben? Sie sagen zu ihm: Zwölf.
Und wie dann die sieben Brote unter die Viertausend, wieviel Handkörbe voll Brocken habt ihr aufgehoben? Und sie sagen zu ihm: Sieben.
Und er sagt zu ihnen: «Verstehet ihr noch nicht?» (8, 17-21.)
“Do you notice and understand nothing? Are your souls still in the darkness? You have eyes and do not see, ears and do not hear, and you do not think of what I did. I broke the five loaves for the five thousand. How many baskets of the fragments did you gather?” They answered, “Twelve.”
“And when seven loaves were divided among four thousand, how many basketsful of fragments did you gather?” And they answered, “Seven.”
Then he said to them, “Do you still not understand?” (Mark 8:17-21.)
[ 20 ] Er macht ihnen den schweren Vorwurf, daß sie das, was in diesen Offenbarungen enthalten ist, nicht verstehen können. Warum? Weil er im Sinne hat: Jetzt ist der Geist des Elias freigeworden, er lebt in euch, und ihr müßt euch nach und nach würdig erzeigen, daß er in eure Seele eindringt, daß ihr Höheres verstehen könnt, als ihr früher verstanden habt. Wenn der Christus Jesus zur Menge sprach, so sprach er in Gleichnissen, in Bildern, weil diese Menschen noch den Nachklang derjenigen bildeten, die das Übersinnliche gesehen haben in den Imaginationen, in der imaginativen Erkenntnis; so daß er zur Menge sprechen mußte in der Art, wie die alten Hellseher gesprochen haben. Sokratisch, das heißt nach der gewöhnlichen Vernunft auslegen konnte er es denen, die als seine Jünger aus dem alttestamentlichen Volke hervorgegangen sind. Er konnte ihnen die Gleichnisse auslegen. Er konnte zu dem neuen Sinn sprechen, zu dem, was für die Menschheit gewöhnlich geworden war, nachdem das alte Hellsehen verglommen war. Aber dadurch, daß der Geist des Elias als eine Gruppenseele an die Zwölf herangetreten ist, sie durchsetzt hat wie eine gemeinsame Aura, dadurch wurden sie in einem höheren Sinne oder konnten wenigstens in einem höheren Sinne hellsichtig werden, konnten das, was sie als einzelne nicht erlangen konnten, als Zwölf zusammen, erleuchtet durch den Geist des Elias-Johannes, erschauen. Dazu wollte der Christus sie erziehen.
[ 20 ] He reproaches them severely because they cannot understand the meaning of these revelations. Why does He do this? Because the thought was in His mind, “Now that the spirit of Elijah has been freed, he lives in you, and you must gradually prove yourselves worthy of his penetration into your souls, so that you may understand things that are higher than what you have hitherto been able to understand.” When Christ Jesus spoke to the crowd, He spoke in parables, in pictures, because there was still in their souls an echo of what had formerly been perceived in the super-sensible world in imaginations, in imaginative knowledge. For this reason He had to speak to the crowd in the way used by the old clairvoyants. To those who came out of the Old Testament people and became His disciples He could interpret the parables in a Socratic manner, in accordance with ordinary human reasoning capacities. He could speak to the new sense that had been given to mankind after the old clairvoyance had died out. But because Elijah's spirit as a group soul came near to the Twelve and permeated them like a common aura, they could, or at least it was possible for them to become in a higher sense clairvoyant. Enlightened as they were through the spirit of Elijah-John they could, when the Twelve were united together, perceive what they could not attain as individual men. It was for this that Christ wished to educate them.
[ 21 ] Zu was wollte er sie erziehen? Was ist denn eigentlich im Grunde genommen diese ganze Erzählung von der Brotvermehrung, das eine Mal durch Verteilung von fünf Broten unter Fünftausend, die Überreste geben zwölf Körbe voll; das zweite Mal durch Verteilung von sieben Broten unter Viertausend, die Überreste geben sieben Körbe voll? Ja, das war immer eine sonderbare Sache für die Bibelerklärer. Heute sind die Erklärer darin übereingekommen, daß sie sagen: Die Leute haben halt Brot mit sich gehabt; und als sie angeordnet worden sind, reihenweise, da haben sie ihre Brocken ausgepackt. Das ist ja das, was heute sozusagen als Übereinkommen selbst bei denjenigen dasteht, die so recht festhalten wollen am Evangelium. Wenn man allerdings die Sachen in dieser äußerlichen Weise nimmt, dann sinken sie zu einer äußeren Draperie, zu einer äußern Zeremonie herunter. Man weiß nicht, warum dann die ganze Sache erzählt wird. Auf der anderen Seite darf man natürlich auch nicht an schwarze Magie denken; denn das wirkliche Hervorzaubern von einer ausgiebigen Menge Brot aus fünf, beziehungsweise sieben Broten wäre schwarze Magie. Aber cs kann sich nicht um schwarze Magie handeln, auch nicht um einen Vorgang, der besonders zurechtgerückt erscheint für die Philister, wie wenn die Leute Brot mitgebracht und ausgepackt hätten. Es ist dabei etwas Besonderes gemeint. Ich habe schon bei der Auslegung der verschiedenen anderen Evangelien darauf hingedeutet, und es wird im Evangelium selbst deutlich genug darauf hingewiesen, um was es sich handelt.
[ 21 ] To what end did He wish to educate them? Fundamentally what is this story of the increase of bread, the first time the division of five loaves among five thousand and the gathering of twelve basketsful of fragments? Then the second time, when seven loaves were divided among four thousand, with seven basketsful over? This has been a difficult theme for commentators. In our time they have come to an agreement and simply say that the people had brought bread with them, and when they had been made to sit down in rows they unpacked their fragments. Even those who wish to adhere to the letter of the Gospel story seem to have agreed on this interpretation. But when things are taken in this external manner they are reduced to nothing but external trappings and external ceremony; and one cannot tell why the whole story should have been related at all. On the other hand we cannot of course think of black magic, though if a plentiful quantity of bread had really been conjured up out of five or seven loaves respectively then it would indeed have been black magic. But it can neither be a question of black magic, nor yet a process found satisfactory by Philistines who suppose that the people had brought bread with them and unpacked it. Something special is meant by the story. I have indicated this when I interpreted the other Gospels, and in this Gospel it is clearly indicated what is the point at issue:
«Und die Apostel sammelten sich bei Jesus und berichteten ihm alles, was sie getan und was sie gelehrt hatten.
Und er sagte zu ihnen: Zieht euch zurück bei seit an einen einsamen Ort und ruhet ein wenig aus.» (6, 30-31.)
And the apostles gathered around Jesus and reported to Him everything they had done and what they had taught.
And he said to them: “Withdraw to a solitary place apart and rest for a short time.” (Mark 6:30-31.)
[ 22 ] Diesen Ausspruch sollen wir wohl ins Auge fassen. Der Christus Jesus schickt die Apostel an einen einsamen Ort, daß sie ein wenig ausruhen, das heißt, daß sie sich in einen Zustand versetzen, in den man eben kommt, wenn man in die Einsamkeit geht. Und was sehen sie da? Was sehen sie da in einem anderen Zustande? Sie werden geführt zu einer Art von neuem Hellsehen, in das sie dadurch versetzt werden, daß der Geist des Elias-Johannes über sie kommt. Bis dahin hat der Christus ihnen die Gleichnisse ausgelegt, jetzt läßt er über sie kommen ein neues Hellsehen. Und was sehen sie? Sie sehen in umfassenden Bildern die Menschheitsentwickelung, sie sehen die Zukunft, sie sehen, wie allmählich heranrücken zu dem, was der Impuls des Christus ist, die Menschen der Zukunft. Was hier erzählt wird als die zweimalige Brotvermehrung, im Geistigen haben es die Jünger gesehen. Ein hellseherischer Akt ist es. Und als hellseherischer Akt ist er so wie ein anderer hellseherischer Akt: er huscht vorüber zunächst, wenn man seiner ungewohnt ist. Daher verstehen die Jünger ihn so lange nicht.
[ 22 ] We should pay careful attention to this saying. Christ Jesus sends His apostles away to a solitary place so that they could rest for a while; that is to put themselves into a condition which comes naturally when one goes into solitude. What now do they see? In this different condition what do they see? They are led into a new kind of clairvoyance, which they are able to enter because the spirit of Elijah-John now overshadows them. Until this time Christ has interpreted the parables for them; now He allows a new clairvoyance to come over them. And what do they see? They see in comprehensive pictures the development of humanity, they see how the peoples of the future gradually come near to the Christ Impulse. The disciples see in the spirit what is described here as the multiple increase of bread. It is an act of clairvoyance. And like other such clairvoyant perceptions it flits past if one is not accustomed to it. It is for this reason that the disciples could not understand it for so long.
[ 23 ] Das ist es überhaupt, was uns nun in den folgenden Vorträgen immer intensiver beschäftigen wird — am meisten wird es ersichtlich im Markus-Evangelium —, daß die Erzählungen vom äußeren Sinnensein übergehen in Wiedergabe von hellseherischen Momenten und daß wir das Evangelium nur verstehen, wenn wir es vom Gesichtspunkte der geistigen Forschung aus auffassen. Da steht man, sagen wir, in der Zeit, von der die Rede ist, nach der Enthauptung des Johannes, hat auf sich wirken lassen den Christus-Impuls; der steht da in der Welt. Mit dem äußeren Blick der Sinne erscheint einem zunächst der Christus selber als die einsame Persönlichkeit, die nicht viel wirken kann. In den im gegenwärtigen Sinne geschulten hellseherischen Blick tritt die Zeit ein! Der Christus tritt nicht nur unter diejenigen, die damals in Palästina waren, sondern auch unter diejenigen, welche da in allen folgenden Geschlechtern aufgehen werden. Sie alle versammeln sich um ihn, und was er ihnen geben kann, das gibt er für Tausende und aber Tausende. Und so sehen ihn die Apostel, die Zwölf. So sehen sie ihn wirken, von damals ausgehend und durch die Jahrtausende hindurch, wie er geistig den Impuls in alle Perspektiven der Zukunft hineinwirft, wie herbeikommen alle die zukünftigen Menschen. Das schauen sie. Es ist ein Vorgang, wo sie im besonderen Maße im Geiste mit dem Christus verbunden sind.
[ 23 ] In the lectures that are to follow we shall have to occupy ourselves ever more intensively with the fact, especially evident in the Mark Gospel, that the stories concerned with outer events in the world of the senses pass over little by little into reports of clairvoyant moments and the Gospel is then understandable only through spiritual research. Let us, for example, imagine ourselves in the period just after the beheading of John, and let us suppose ourselves to be affected by the Christ Impulse, which was already in the world. From the point of view of ordinary sense perception Christ first of all seems to us like a lonely personality, unable to achieve much. But a clairvoyant vision, schooled in a modern manner, perceives the element of time. Christ did not appear only to those who were living then in Palestine, but to all who will appear in future generations. All of them gather around Him; and what He is able to give to them He gives to thousands upon thousands. This is the way the apostles see Him. They see Him actively working from His own epoch onward through countless millennia, casting His impulse forward spiritually into all perspectives of the future. They perceive how all human beings of the future come near. In this process they are indeed in very special measure united with the Christ.
[ 24 ] Das müssen wir insbesondere ins Auge fassen, daß das Spirituelle von jetzt ab die ganze Darstellung des Markus-Evangeliums zu durchdringen beginnt. Wie das eigentümlich ist und wie das Evangelium immer mehr wächst und wächst, wenn man dies ins Auge faßt, das wird uns in den folgenden Vorträgen noch beschäftigen. Jetzt aber sei auf eines aufmerksam gemacht. Auf eine Szene sei hingewiesen, die nur verstanden werden kann durch diese geisteswissenschaftliche Art der Forschung. Es ist die Szene, welche bald nach der eben angeführten eintrat.
[ 24 ] We must especially recognize that from now on the entire presentation of the Mark Gospel is permeated by the spiritual. How the Gospel grows ever more profound because of this permeation we shall perceive in the lectures that are to follow. But let us focus our attention on one thing—a scene that can be understood only through the spiritual scientific method of research. This scene follows closely on the one we have just quoted:
«Und Jesus und seine Jünger zogen hinaus in die Ortschaften bei Cäsarea Philippi. Und unterwegs befragte er seine Jünger also: Was sagen die Leute von mir, wer ich sei?
Sie aber sagten zu ihm: Einige sagen, du seist Johannes der Täufer; und andere sagen, du seist Elias; andere aber, du seist einer von den Propheten.
Und er befragte sie: Ihr aber, was sagt ihr, wer ich sei? Antwortete ihm Petrus und sagte zu ihm: Du bist der Christus.
Und er bedräute sie, daß sie niemandem von ihm sagen sollten.
Und er begann sie zu belehren, daß der Sohn des Menschen viel leiden müsse und verworfen werde von den Ältesten und den Hohepriestern und den Schriftgelehrten, und den Tod erleiden werde und nach drei Tagen auferweckt werde.
Und er redete ganz offen davon. Und Petrus zog ihn an sich heran und begann ihn zu schelten.
Er aber wandte sich um, und da er seine Jünger sah, schalt er den Petrus also: Weiche hinter mich, Satan! du denkst nicht, was Gott ansteht, sondern was den Menschen.» (8, 27-33.)
And Jesus and his disciples went into the areas around Caesarea Philippi. And on the way he asked his disciples, “What do people say of me? Who do they say I am?”
So they told him, “Some say you are John the Baptist; others that you are Elijah, and yet others that you are one of the prophets.”
And he asked them, “What about you? Who do you say that I am?”
Peter answered and told him, “You are the Christ.”
And he warned them not to tell anyone about him.
And he began to teach then that the Son of Man must suffer much and be rejected by the elders and the chief priests and the scribes; and that he would undergo death and after three days be raised. And he spoke quite openly of the matter.
Then Peter went close to him and began to scold him. But he turned round and when he saw his disciples he scolded Peter in this way. “Get behind me, Satan! You are thinking only of what is convenient for men, not for God.” (Mark 8:27-33.)
[ 25 ] Man möchte sagen: eine harte Nuß für die Evangelienforschung! Denn was ist eigentlich alles in dieser Stelle? Es ist eigentlich, wenn man nicht in die spirituelle Forschung einrücken will, alles darin so, daß man es nicht verstehen kann. Der Christus fragt die Jünger: «Was sagen die Leute, wer ich sei?» Und sie antworten: «Einige sagen, du seist Johannes der Täufer.» Aber Johannes der Täufer ist doch kurz vorher enthauptet worden, und der Christus hat doch schon gelehrt, als Johannes der Täufer noch da war. Sollen die Leute offenbaren Unsinn reden, wenn sie den Christus für den Täufer Johannes halten und der Täufer doch noch da ist? Wenn sie sagen, er sei Elias oder ein anderer Prophet, so ginge das noch an. Nun aber, Petrus sagt: «Du bist der Christus», das heißt, er tut etwas kund, was ganz großartig ist, was nur das Heiligste in ihm sprechen kann. Und wenige Zeilen darnach soll der Christus zu ihm sagen: «Satan, weiche hinter mich! du sagst etwas, was Gott nicht ansteht, sondern den Menschen »? Kann jemand glauben, daß, nachdem Petrus diese großartigen Dinge gesagt hat, ihn der Christus mit «Satan » beschimpft? Oder kann man verstehen, wenn vorher gesagt wird: «Er bedräute sie, daß sie niemand davon sagen sollten», also, das heißt: Sagt keinem, daß der Petrus ihn für den Christus hält? Und dann heißt es weiter: «Er begann sie zu lehren, daß des Menschen Sohn viel leiden müsse, verworfen werde, getötet werde und nach drei Tagen auferweckt werde. Und er redete ganz offen davon.» Und dann, nachdem ihn der Petrus deswegen schilt, nennt er den Petrus einen «Satan ». Und das Kurioseste, was noch darinnen liegt: es heißt: «Und Jesus und seine Jünger zogen hinaus in die Ortschaften von Cäsarea Philippi » und so weiter; immer wird erzählt, wie sie zu ihm sprechen, und dann wird noch einmal gesagt: «Und er begann sie zu belehren» und so weiter. Dann aber heißt es: «Er aber wandte sich um, und da er seine Jünger sah, schalt er den Petrus.» Also vorher ist gesagt: Er sprach zu ihnen, er belehrte sie. Ja, hat er das alles getan, indem er mit dem Rücken zu ihnen gewendet war? Denn es heißt dann: «Er wandte sich um und sah seine Jünger.» Hat er ihnen denn den Rücken zugewendet und in die Luft gesprochen?
[ 25 ] Surely a tough nut for Gospel commentators to crack! For what does the entire passage really mean? Unless we engage in spiritual research nothing in the passage is comprehensible. Christ asks the disciples, “Who do the people say I am?” And they answer, “Some say you are John the Baptist!” But John the Baptist had been beheaded a short time before, and in any event Christ was already teaching while John was still alive! Could the people have been talking such obvious nonsense when they took Christ for John the Baptist while the Baptist was still living? It might have been still acceptable when they said He was Elijah or another prophet. But then Peter says, “You are the Christ!” That is to say, he reveals something of a sublime nature that could have been spoken only from the holiest part of his being. Then, a few lines later, Christ is supposed to have told him, “Satan, get behind me. You are thinking only of what is convenient for men, not for God.” Is it possible for anyone to believe that after Peter had made his sublime affirmation Christ would have insulted him by calling him Satan? Or can one believe what was said just before, that Christ warned them not to tell anyone about Him, that is to say, to tell no one that Peter believes Him to be the Christ? Then the Gospel goes on to say, “He began to teach them that the Son of Man must suffer much, and be rejected and killed, and then after three days be raised. And he spoke quite openly about the matter.” Then after Peter scolded Him because of what He had said He calls Peter a “Satan.” But most curious of all is the remaining passage where it is said that “Jesus and his disciples went into the areas around Caesarea Philippi,” and the rest. The Gospel always tells how they speak to Him, and then later it is said, “and he began to teach them ...” and so on. But then it says, “But he turned around, and when he saw his disciples he scolded Peter.” Earlier it is said that He spoke to them and taught them. Did He do all this with His back turned to them? For it is said that “he turned around and saw his disciples.” Did He really turn His back on them and talk into the air?
[ 26 ] Sie sehen: ein ganzes Knäuel von Unverständlichkeiten liegt in dieser einzelnen Stelle. Man wundert sich nur, daß solche Dinge hingenommen werden, ohne daß wahrhafte und wirkliche, reale Erklärungen gesucht werden. Aber gehen Sie die Evangelienerklärung durch: entweder huscht man über solche Stellen hinweg, oder man sucht das Allerkurioseste anzuführen. Auch Streite und Diskussionen waren da; wenige aber werden behaupten, daß sie durch solche Diskussionen gescheiter geworden sind.
[ 26 ] You see what a tangle of incomprehensible things is to be found in this single passage. We can only marvel that such things are accepted without ever looking for real and truthful explanations. But if you look at the Gospel commentaries they either hurry over such passages or they are interpreted in a most curious way. It is true that there have been some discussions and controversies; but few will claim they have made them any wiser.
[ 27 ] Nun wollen wir nur das eine festhalten und vor unsere Seele hinstellen, was gesagt ist. Nachdem wir angedeutet haben, daß nach dem Tode Johannes des Täufers, da die Elias-Johannes-Seele übergeht als eine Gruppenseele in die Jünger, das erste wirkliche «Wunder» vollbracht wird, von dem wir aber immer mehr und mehr sehen werden, wie es zu verstehen ist, da finden wir eine vollständig unverständliche Stelle, in der dargestellt wird: der Christus Jesus spricht zu seinen Jüngern, fragt sie: «Was glauben die Leute, was jetzt geschieht? » Nicht wahr, diese Frage darf man auch so stellen; denn den Leuten kam es vor allen Dingen darauf an, wovon die Wirkungen ausgehen, die jetzt geschehen. Darauf antworten die Jünger: «Die Leute meinen, es gehe» — wenn wir einen trivialen Ausdruck gebrauchen wollen — «Johannes der Täufer um, oder es gehe der Elias um oder ein anderer der Propheten; und dadurch, daß dies geschieht, geschähen die Wirkungen, die eben beobachtet worden sind.» — «Aber wovon glaubt ihr», so fragt der Christus Jesus, «daß die Dinge herkommen?» Da sagt Petrus: «Sie kommen davon her, daß du der Christus bist.» Damit hat Petrus im Sinne des Markus-Evangeliums sich selber in seiner Erkenntnis hingestellt wie den Knotenpunkt in der Menschheitsentwickelung. Denn was hat er damit eigentlich gesagt? Stellen wir uns vor Augen, was er gesagt hat.
[ 27 ] At this moment we wish to stick to only one point, and bring before our souls a picture of what has been said. We pointed out that after the death of John the Baptist when the soul of Elijah-John passed over into the disciples as a group soul, then the first true “miracle” was accomplished, and it will become ever clearer how this word is to be understood. Here we come upon a completely incomprehensible passage in which Christ Jesus is portrayed as having said to His disciples, “What do people believe is now happening?” In truth the question can be put also in this way, for what concerned these people most of all was what the source of these actions was, where these happenings came from. To this the disciples reply, “People think it has something to do with—to use a trivial expression—John the Baptist, or it has to do with Elijah or one of the other prophets. And because of this connection the deeds that we have witnessed have taken place.” So Christ Jesus then asks, “But where do you believe these things come from?” and now Peter answers, “They come from the fact that you are the Christ.” With these words Peter, in the sense of the Mark Gospel, placed himself through this knowledge at the midpoint of the evolution of mankind. For what did he actually say with these words? Let us picture to ourselves what he said.
[ 28 ] Diejenigen, welche die großen Menschheitsführer waren in der vorhergehenden Zeit, das waren die Initiierten, die bis zum letzten Akt der Initiation in den heiligen Mysterien geführt worden waren. Es waren die, welche bis an die Pforte des Todes herangetreten waren, die in die Elemente untergetaucht waren, drei Tage außerhalb ihres Leibes verweilt hatten, während dieser dreier Tage aber in den übersinnlichen Welten waren, danach wieder auferweckt waren und nun Kundschafter, Botschafter waren von den übersinnlichen Welten. Das waren immer die großen Menschheitsführer, die Initiierten, die es auf solche Weise geworden. Petrus sagt nun: «Du bist der Christus», das heißt: Du bist ein Führer, der nicht so durch die Mysterien gegangen ist, der aus dem Kosmos gekommen ist und jetzt Menschheitsführer ist. Historisch, einmal soll das auf den Plan der Erde gestellt werden, was sonst in seiner anderen Weise bei der Initiation geschehen ist. Es war etwas Ungeheutes, was Petrus damit aussprach. Was mußte man denn dem Petrus sagen? Man mußte ihm sagen: Das ist etwas, was man nicht unter die Menge bringen darf; das ist etwas, wovon die heiligsten, ältesten Gesetze sagen, daß es Mysterium bleiben muß. Man darf nicht von den Mysterien sprechen. — In diesem Moment mußte man das dem Petrus sagen.
[ 28 ] In former times it was the initiates who were the great leaders of humanity, those who were taken up to the final stage of initiation in the sacred mysteries. It was these men who approached the gate of death, who had been immersed in the elements, had remained for three days outside their bodies and during these three days were in the super-sensible worlds. Then they were brought back again into their bodies and became thereafter emissaries, ambassadors from the super-sensible worlds. It was always those initiates who had become initiates by means such as these who were the great leaders of mankind. Now Peter says, “You are the Christ,” that is, “You are a leader who has not gone through the mysteries in this way but has come down from the cosmos and become a leader of mankind.” Something which in all other cases had happened in a different way, through initiation, was now to take place on the earth plane once and for all as a historical fact. It was something colossal that Peter had just proclaimed. So what had he to be told? He had to be told that this was something that must not be brought before the people. It is something that according to the most sacred laws of the past must remain a mystery; it is not permissible to speak of the mysteries. That is what Peter had to be told at that moment.
[ 29 ] Nun ist aber der ganze Sinn der weiteren Menschheitsentwickelung der, daß mit dem Mysterium von Golgatha das, was sich sonst nur in den Tiefen der Mysterien abgespielt hatte, hinausgestellt worden ist auf den Plan der Weltgeschichte. Durch das, was auf Golgatha geschehen ist, das Drei-Tage-im-Grabe-Liegen, das Auferwecktwerden, durch das ist historisch hinausgestellt auf den Erdenplan, was sonst in den Tiefen, in dem Dunkel der Mysterien geschehen war. Mit anderen Worten: Was als heiliges Gesetz gegolten hat, daß man schweigen müsse über dieses Mysterium, jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, wo das durchbrochen werden muß. Die Menschen haben die Gesetze aufgerichtet, wonach man über die Mysterien zu schweigen hat. Jetzt aber müssen die Mysterien durch das Mysterium von Golgatha offenbar werden. Ein Entschluß in der Seele des Christus, der größte welthistorische Entschluß ist es, da er sich vornimmt: was bis jetzt immer nach Menschengesetz hat verschwiegen werden müssen, das muß jetzt gezeigt werden vor aller Augen, vor der Weltgeschichte.
[ 29 ] Yet the whole meaning of the further evolution of humanity is that with the Mystery of Golgotha something that otherwise took place only in the depths of the mysteries had now been manifested on the plane of world history. Through what happened on Golgotha, the lying in the grave for three days, the resurrection, through this what otherwise had taken place only in the depths and darkness of the mysteries was placed historically on the earth plane. In other words, the moment in time had now come when what had hitherto been regarded as a sacred law: that silence must be preserved about the mysteries, must be broken. The law that one has to be silent about the mysteries had been established by men. But now, through the Mystery of Golgotha, the mysteries must become manifest! Within the soul of the Christ a decision was taken, the greatest world-historical decision, when He resolved that what until now had always, according to human law, been kept secret must now be made manifest before the sight of all, before world history.
[ 30 ] Denken wir uns einen Augenblick welthistorischen Nachdenkens in dem Christus, einen Augenblick welthistorischen Besinnens: Ich blicke hin auf die ganze Menschheitsentwickelung. Sie verbietet mir durch ihre Gesetze, zu sprechen über den Tod und die Auferstehung, die Auferweckung, über das heilige Mysterium der Initiation. Nein. Ich bin ja von den Göttern heruntergeschickt auf die Erde, um es offenbar zu machen. Ich darf mich nicht nach dem richten, was die Menschen sagen; ich muß mich nach dem richten, was die Götter mir sagen. — Der Entschluß, die Mysterien offenbar zu machen, bereitet sich in diesem Augenblick vor. Und abwerfen von seiner Seele muß der Christus die Unentschlossenheit, die etwa davon kommen könnte, daß er halten möchte in der Evolution, was Menschengebote gegeben haben. Weiche von mir, Unentschlossenheit, und wachse in mir, Entschluß, dasjenige hinzustellen vor die ganze Menschheit, was bisher in den Tiefen der Mysterien gewesen war! — Zu seinem eigenen Entschluß, als er zurückzuweisen hat, was ihn unentschlossen machen kann, sagt der Christus: «Weiche von mir!» und nimmt sich vor in diesem Moment, dasjenige auszuführen, wozu er von seinem Gotte auf die Erde heruntergeschickt worden ist.
[ 30 ] Let us think of this moment in world history when the Christ meditated and reflected in this way, “I am looking at the whole development of mankind. The laws of mankind forbid me to speak about death and resurrection, about raising from the dead, and about the sacred mystery of initiation. Yet no! I have in truth been sent down to the earth by the Gods to make these things manifest. It is not for me to conform to what people say, but I must act in conformity with what the Gods tell me.” It is in this moment that the decision to make the mysteries manifest is prepared. And Christ must shake off the irresolution that might arise from a wish to maintain within human evolution what human commands have enjoined. “Get behind me, irresolution, and decision, grow in me, the decision to place before all mankind what hitherto has been kept in the depths of the mysteries.” Christ addresses His own resolution after He had rejected everything that could make Him irresolute when He says, “Get behind me,” and at this moment He resolves to fulfill what He had been sent down to earth by God to accomplish.
[ 31 ] Wir haben es an dieser Stelle zu tun mit dem welthistorisch größten Monolog, der jemals in der ganzen Erdenevolution stattgefunden hat, mit dem Monolog des Gottes von dem Offenbarmachen der Mysterien. Kein Wunder, daß der Monolog des Gottes nicht von vornherein für Menschenintellekt verständlich ist, daß wir tief schürfen müssen, wenn wir uns nur einigermaßen würdig machen wollen, um diesen Monolog des Gottes, durch den die Tat des Gottes ein Stück weitergeht, zu verstehen. Davon morgen weiter.
[ 31 ] In this passage we have to do with the greatest monologue in world history, the greatest that has ever taken place in the whole of earth evolution, the monologue of a God about making manifest the mysteries. No wonder that the God's monologue is from the beginning incomprehensible to the human intellect. If we wish to penetrate into its depths we must wish, at least in some measure, to make ourselves worthy of understanding the God's monologue through which the deed of the God moves one step further towards realization. More of this tomorrow.
