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The Gospel of Mark
GA 139

20 September 1912, Basel

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Sechster Vortrag

Sechster Vortrag

[ 1 ] Gestern wurde versucht, eine Vorstellung zu geben von der Offenbarung des Krishna und ihrer Beziehung zu dem, was später in der Evolution der Menschheit eintritt: zu der Offenbarung durch den Christus. Es wurde namentlich darauf hingewiesen, daß uns die Offenbarung des Krishna erscheinen kann wie der Abschluß einer langen Evolutionsströmung der Menschheit, der Abschluß der hellseherischen, der primitiv hellseherischen Epoche der Menschheitsentwickelung. Wenn wir von diesem Gesichtspunkte aus noch einmal das, was wir gestern über diesen zusammenfassenden Abschluß der Krishna-Offenbarung gewinnen konnten, vor unsere Seele stellen, so können wir sagen: Was innerhalb dieser Offenbarung gewonnen worden ist, das ist eben dadurch in der Menschheitsentwickelung vorhanden, ist aber zu einem gewissen Abschluß gelangt und kann eigentlich nicht weiter erhöht werden. Gewisse Lehren, die damals herabgekommen sind, müssen eben so hingenommen werden, man möchte sagen, durch die ganze folgende Entwickelung, wie sie damals gegeben worden sind.

[ 1 ] Gestern wurde versucht, eine Vorstellung zu geben von der Offenbarung des Krishna und ihrer Beziehung zu dem, was später in der Evolution der Menschheit eintritt: zu der Offenbarung durch den Christus. Es wurde namentlich darauf hingewiesen, daß uns die Offenbarung des Krishna erscheinen kann wie der Abschluß einer langen Evolutionsströmung der Menschheit, der Abschluß der hellseherischen, der primitiv hellseherischen Epoche der Menschheitsentwickelung. Wenn wir von diesem Gesichtspunkte aus noch einmal das, was wir gestern über diesen zusammenfassenden Abschluß der Krishna-Offenbarung gewinnen konnten, vor unsere Seele stellen, so können wir sagen: Was innerhalb dieser Offenbarung gewonnen worden ist, das ist eben dadurch in der Menschheitsentwickelung vorhanden, ist aber zu einem gewissen Abschluß gelangt und kann eigentlich nicht weiter erhöht werden. Gewisse Lehren, die damals herabgekommen sind, müssen eben so hingenommen werden, man möchte sagen, durch die ganze folgende Entwickelung, wie sie damals gegeben worden sind.

[ 2 ] Nun ist es vonnöten, auf das ganz Eigenartige dieser Offenbarung von einem gewissen Gesichtspunkte aus einzugehen. Man möchte diese Offenbarung eine solche nennen, die nicht in dem eigentlich menschlichen Sinne mit der Zeit und der Folge der Zeit rechnet. Alles, was nicht mit der Zeit als mit einem realen Faktor rechnet, das ist schon in der Lehre des Krishna enthalten. Wie ist das gemeint?

[ 2 ] Nun ist es vonnöten, auf das ganz Eigenartige dieser Offenbarung von einem gewissen Gesichtspunkte aus einzugehen. Man möchte diese Offenbarung eine solche nennen, die nicht in dem eigentlich menschlichen Sinne mit der Zeit und der Folge der Zeit rechnet. Alles, was nicht mit der Zeit als mit einem realen Faktor rechnet, das ist schon in der Lehre des Krishna enthalten. Wie ist das gemeint?

[ 3 ] Wir sehen jeden Frühling die Pflanzen aus dem Erdboden hervorbrechen, sehen sie heranwachsen und heranreifen, Früchte bringen, Keime entlassen, und aus diesen Keimen sehen wir, wenn sie wieder in die Erde gesenkt werden, im nächsten Jahre gleiche Pflanzen in derselben Weise hervorwachsen, zu ihrer Höhe herangedeihen und wieder Keime entwickeln. So wiederholt sich dieser Vorgang von Jahr zu Jahr. — Wenn wir rechnen mit Zeitspannen, die der Mensch zunächst überschaut, dann müssen wir sagen: Wir haben es da mit einer richtigen Wiederholung zu tun. Die Maiglöckchen, die Primeln, die Hyazinthen, sie sehen jedes Jahr gleich aus. Was sie sind, wiederholt sich in ihnen in der gleichen Form, in der gleichen Art jedes Jahr. Wir können in einer gewissen Weise noch hinaufsteigen bis zu den Tieren und werden dort ein Ähnliches finden. Denn wenn wir das einzelne Tier betrachten, die einzelne Löwenspezies, die einzelne Hyänenspezies, die einzelne Affenart, dann finden wir, daß in einer gewissen Weise das, was werden soll aus einem solchen Wesen, gleich von Anfang an veranlagt ist. Daher sprechen wir mit einem gewissen Recht bei den Tieren nicht von einer eigentlichen Erziehung. Unverständige Leute fangen allerdings in der neueren Zeit an, allerlei Erziehungs- und pädagogische Begriffe auch bei den Tieren anzuwenden. Aber weder kann das als die Hauptsache angesehen werden, noch kann es bei einer richtigen Charakteristik ins Auge gefaßt werden. Im Grunde genommen sehen wir die Wiederholung auch bewahrheitet in der Natur, wenn wir kleine Zeitspannen ins Auge fassen. Wir sehen Frühling, Sommer, Herbst und Winter in regelmäßiger Wiederholung durch die Jahrhunderte hindurch. Und nur wenn wir recht große Zeitspannen nehmen, wie sie zunächst für die menschliche Beobachtung nicht in Betracht kommen, würden wir so etwas sehen wie die Notwendigkeit des Rechnens mit dem Zeitbegriff, würden uralte Zeiten sehen, wie die Dinge da anders verlaufen als in unseren Zeiten, und würden zum Beispiel darauf eingehen können, daß die Art, wie die Sonne aufgeht und untergeht in der Gegenwart, sich in eine ferne, ferne Zukunft hinein verändert. Aber das sind Gebiete, die sich erst ergeben, wenn wit in die eigentliche Geisteswissenschaft einrücken. Für das, was der Mensch zunächst beobachten kann, man möchte sagen, für die astronomische Natur, gilt auch die Wiederholung, die Wiederholung des Gleichen oder des Ähnlichen, wie wir sie in der alljährlichen Wiederkehr der Pflanzenformen ganz besonders vor uns haben. Bei dieser Wiederholung hat die Zeit als solche nicht eine tiefere Bedeutung. Sie ist nicht im wesentlichen Sinne dadurch, daß sie Zeit ist, ein real wirkender Faktor.

[ 3 ] Wir sehen jeden Frühling die Pflanzen aus dem Erdboden hervorbrechen, sehen sie heranwachsen und heranreifen, Früchte bringen, Keime entlassen, und aus diesen Keimen sehen wir, wenn sie wieder in die Erde gesenkt werden, im nächsten Jahre gleiche Pflanzen in derselben Weise hervorwachsen, zu ihrer Höhe herangedeihen und wieder Keime entwickeln. So wiederholt sich dieser Vorgang von Jahr zu Jahr. — Wenn wir rechnen mit Zeitspannen, die der Mensch zunächst überschaut, dann müssen wir sagen: Wir haben es da mit einer richtigen Wiederholung zu tun. Die Maiglöckchen, die Primeln, die Hyazinthen, sie sehen jedes Jahr gleich aus. Was sie sind, wiederholt sich in ihnen in der gleichen Form, in der gleichen Art jedes Jahr. Wir können in einer gewissen Weise noch hinaufsteigen bis zu den Tieren und werden dort ein Ähnliches finden. Denn wenn wir das einzelne Tier betrachten, die einzelne Löwenspezies, die einzelne Hyänenspezies, die einzelne Affenart, dann finden wir, daß in einer gewissen Weise das, was werden soll aus einem solchen Wesen, gleich von Anfang an veranlagt ist. Daher sprechen wir mit einem gewissen Recht bei den Tieren nicht von einer eigentlichen Erziehung. Unverständige Leute fangen allerdings in der neueren Zeit an, allerlei Erziehungs- und pädagogische Begriffe auch bei den Tieren anzuwenden. Aber weder kann das als die Hauptsache angesehen werden, noch kann es bei einer richtigen Charakteristik ins Auge gefaßt werden. Im Grunde genommen sehen wir die Wiederholung auch bewahrheitet in der Natur, wenn wir kleine Zeitspannen ins Auge fassen. Wir sehen Frühling, Sommer, Herbst und Winter in regelmäßiger Wiederholung durch die Jahrhunderte hindurch. Und nur wenn wir recht große Zeitspannen nehmen, wie sie zunächst für die menschliche Beobachtung nicht in Betracht kommen, würden wir so etwas sehen wie die Notwendigkeit des Rechnens mit dem Zeitbegriff, würden uralte Zeiten sehen, wie die Dinge da anders verlaufen als in unseren Zeiten, und würden zum Beispiel darauf eingehen können, daß die Art, wie die Sonne aufgeht und untergeht in der Gegenwart, sich in eine ferne, ferne Zukunft hinein verändert. Aber das sind Gebiete, die sich erst ergeben, wenn wit in die eigentliche Geisteswissenschaft einrücken. Für das, was der Mensch zunächst beobachten kann, man möchte sagen, für die astronomische Natur, gilt auch die Wiederholung, die Wiederholung des Gleichen oder des Ähnlichen, wie wir sie in der alljährlichen Wiederkehr der Pflanzenformen ganz besonders vor uns haben. Bei dieser Wiederholung hat die Zeit als solche nicht eine tiefere Bedeutung. Sie ist nicht im wesentlichen Sinne dadurch, daß sie Zeit ist, ein real wirkender Faktor.

[ 4 ] Das ist anders, wenn wir das einzelne Menschenleben betrachten. Wir gliedern ja auch das Menschenleben, wie Sie alle wissen, in aufeinanderfolgende, sich wiederholende Perioden. Wir unterscheiden eine solche Periode von der Geburt bis zum Abschluß der Zahnung, das heißt bis zum siebenten Jahr ungefähr, dann eine Periode vom siebenten bis zum vierzehnten Jahr, bis zur Geschlechtsreife, dann eine vom vierzehnten bis zum einundzwanzigsten Jahr usw. Kurz, wir unterscheiden im einzelnen Menschenleben siebenjährige Perioden. Wir können schon sagen, daß sich in diesen siebenjährigen Perioden gewisse Dinge wiederholen. Aber viel mehr in die Augen springend als die bloße Wiederholung ist etwas anderes, nämlich die fortschreitende Veränderung, der Fortschritt selber, der da vorgegangen ist. Denn ganz anders ist die menschliche Wesenheit in der zweiten siebenjährigen Periode als in der ersten, und wieder anders ist sie in der dritten. Wir können nicht sagen: wie die Pflanze sich in der Pflanze wiederholt, so würde sich in der zweiten siebenjärigen Periode ebenso wiederholen der Mensch der ersten siebenjährigen Periode und so weiter. Da sehen wir im Menschenleben die Zeit in ihrem Fortschreiten eine reale Rolle spielen. Sie bedeutet etwas.

[ 4 ] Das ist anders, wenn wir das einzelne Menschenleben betrachten. Wir gliedern ja auch das Menschenleben, wie Sie alle wissen, in aufeinanderfolgende, sich wiederholende Perioden. Wir unterscheiden eine solche Periode von der Geburt bis zum Abschluß der Zahnung, das heißt bis zum siebenten Jahr ungefähr, dann eine Periode vom siebenten bis zum vierzehnten Jahr, bis zur Geschlechtsreife, dann eine vom vierzehnten bis zum einundzwanzigsten Jahr usw. Kurz, wir unterscheiden im einzelnen Menschenleben siebenjährige Perioden. Wir können schon sagen, daß sich in diesen siebenjährigen Perioden gewisse Dinge wiederholen. Aber viel mehr in die Augen springend als die bloße Wiederholung ist etwas anderes, nämlich die fortschreitende Veränderung, der Fortschritt selber, der da vorgegangen ist. Denn ganz anders ist die menschliche Wesenheit in der zweiten siebenjährigen Periode als in der ersten, und wieder anders ist sie in der dritten. Wir können nicht sagen: wie die Pflanze sich in der Pflanze wiederholt, so würde sich in der zweiten siebenjärigen Periode ebenso wiederholen der Mensch der ersten siebenjährigen Periode und so weiter. Da sehen wir im Menschenleben die Zeit in ihrem Fortschreiten eine reale Rolle spielen. Sie bedeutet etwas.

[ 5 ] Und wenn wir sehen, wie sich das, was für den einzelnen Menschen also eine Bedeutung hat, auf die ganze Menschheit anwenden läßt, so können wir sagen: Bei der ganzen Menschheit in der aufeinanderfolgenden Entwickelung zeigt sich uns sowohl das eine wie das andere in einer gewissen Weise. Wir brauchen dabei nur bei der sogenannten nachatlantischen Zeit stehenzubleiben. Wir unterscheiden in der nachatlantischen Zeit als erste nachatlantische Kulturperiode die altindische, als zweite die urpersische, als dritte die ägyptisch-chaldäische, als vierte die griechisch-lateinische, als fünfte unsere jetzige, und zwei weitere werden der unsrigen folgen, bis wieder eine große Katastrophe kommen wird. Dieser Fortgang der Evolution zeigt vielfach in den aufeinanderfolgenden Perioden Ähnlichkeiten, die sich in einer gewissen Weise vergleichen lassen mit der Wiederholung des Gleichen, wie wir sie zum Beispiel von Jahr zu Jahr im Pflanzenreich beobachten. Wir sehen, wie solche Perioden dadurch ablaufen, daß in einer gewissen Weise im Beginne solcher Epochen gewisse Offenbarungen an die Menschheit herantreten, gleichsam ein Strom von spirituellem Leben als Impuls der Menschheit gegeben wird, wie in jedem Frühling der Impuls den Pflanzen der Erde gegeben wird. Und dann sehen wir, wie auf diesen ersten Impuls das Weitere gebaut wird, zur Frucht wird und abstirbt, wenn die Periode zu Ende ist, wie die Pflanzen absterben, wenn es gegen den Winter zugeht. Aber daneben zeigt sich in den aufeinanderfolgenden Perioden etwas, was dem Fortschritt des einzelnen Menschen ähnlich ist, und wovon wir sagen können, daß die Zeit dabei eine Rolle spielt, sich als ein realer Faktor erweist. Es ist nicht nur so, daß in der zweiten, urpersischen Epoche die Keime wieder gelegt werden, wie es in der ersten Epoche war, oder daß es in der dritten Periode wieder so ist, wie es in der ersten war, sondern die Impulse sind immer andere, immer mehr gesteigerte, immer neue, wie es im Menschenleben auch ist, daß die einzelnen siebenjährigen Perioden ihre Differenzierung, ihren Fortschritt haben.

[ 5 ] Und wenn wir sehen, wie sich das, was für den einzelnen Menschen also eine Bedeutung hat, auf die ganze Menschheit anwenden läßt, so können wir sagen: Bei der ganzen Menschheit in der aufeinanderfolgenden Entwickelung zeigt sich uns sowohl das eine wie das andere in einer gewissen Weise. Wir brauchen dabei nur bei der sogenannten nachatlantischen Zeit stehenzubleiben. Wir unterscheiden in der nachatlantischen Zeit als erste nachatlantische Kulturperiode die altindische, als zweite die urpersische, als dritte die ägyptisch-chaldäische, als vierte die griechisch-lateinische, als fünfte unsere jetzige, und zwei weitere werden der unsrigen folgen, bis wieder eine große Katastrophe kommen wird. Dieser Fortgang der Evolution zeigt vielfach in den aufeinanderfolgenden Perioden Ähnlichkeiten, die sich in einer gewissen Weise vergleichen lassen mit der Wiederholung des Gleichen, wie wir sie zum Beispiel von Jahr zu Jahr im Pflanzenreich beobachten. Wir sehen, wie solche Perioden dadurch ablaufen, daß in einer gewissen Weise im Beginne solcher Epochen gewisse Offenbarungen an die Menschheit herantreten, gleichsam ein Strom von spirituellem Leben als Impuls der Menschheit gegeben wird, wie in jedem Frühling der Impuls den Pflanzen der Erde gegeben wird. Und dann sehen wir, wie auf diesen ersten Impuls das Weitere gebaut wird, zur Frucht wird und abstirbt, wenn die Periode zu Ende ist, wie die Pflanzen absterben, wenn es gegen den Winter zugeht. Aber daneben zeigt sich in den aufeinanderfolgenden Perioden etwas, was dem Fortschritt des einzelnen Menschen ähnlich ist, und wovon wir sagen können, daß die Zeit dabei eine Rolle spielt, sich als ein realer Faktor erweist. Es ist nicht nur so, daß in der zweiten, urpersischen Epoche die Keime wieder gelegt werden, wie es in der ersten Epoche war, oder daß es in der dritten Periode wieder so ist, wie es in der ersten war, sondern die Impulse sind immer andere, immer mehr gesteigerte, immer neue, wie es im Menschenleben auch ist, daß die einzelnen siebenjährigen Perioden ihre Differenzierung, ihren Fortschritt haben.

[ 6 ] Nun war das, was an die Menschheit im Laufe der Zeit herangetreten ist, in der Art an sie herangetreten, daß den Menschen, man möchte sagen, langsam und allmählich die Dinge eröffnet worden sind, welche die Summe der Erkenntnis ausmachten. Nicht alle die Strömungen von Volkstümern haben immer den Sinn gehabt für alles zu gleicher Zeit. So sehen wir, daß in derjenigen Evolutionsströmung der Menschheit, welche gerade mit dem Mysterium von Golgatha ablief, in einer gewissen Weise der Sinn fehlt für die Zeit als einen realen Faktor. Dieser Sinn für die Zeit als einen realen Faktor fehlt im Grunde genommen der ganzen morgenländischen Erkenntnis. Ihr ist besonders eigen der Sinn für die Wiederholung des Gleichen. Daher wird auch alles das, was sich geltend macht in bezug auf die Wiederholung des Gleichen, in grandioser Weise erfaßt von der Erkenntnis des Morgenlandes.

[ 6 ] Nun war das, was an die Menschheit im Laufe der Zeit herangetreten ist, in der Art an sie herangetreten, daß den Menschen, man möchte sagen, langsam und allmählich die Dinge eröffnet worden sind, welche die Summe der Erkenntnis ausmachten. Nicht alle die Strömungen von Volkstümern haben immer den Sinn gehabt für alles zu gleicher Zeit. So sehen wir, daß in derjenigen Evolutionsströmung der Menschheit, welche gerade mit dem Mysterium von Golgatha ablief, in einer gewissen Weise der Sinn fehlt für die Zeit als einen realen Faktor. Dieser Sinn für die Zeit als einen realen Faktor fehlt im Grunde genommen der ganzen morgenländischen Erkenntnis. Ihr ist besonders eigen der Sinn für die Wiederholung des Gleichen. Daher wird auch alles das, was sich geltend macht in bezug auf die Wiederholung des Gleichen, in grandioser Weise erfaßt von der Erkenntnis des Morgenlandes.

[ 7 ] Was kommt da in Betracht, wenn wir die Wiederholung des Gleichen in den aufeinanderfolgenden Kulturperioden ins Auge fassen? Nehmen wir es an dem Beispiel des Pflanzenwachstums. Da sehen wir, wie im Frühling die Pflanzen herausbrechen aus der Erde. Wir haben es mit ihrer Schöpfung zu tun. Wir sehen, wie diese Pflanzen wachsen und gedeihen, bis sie einen gewissen Höhepunkt erreicht haben, wie sie dann wieder absterben und, indem sie absterben, wieder schon den Keim zu einer neuen Pflanze in sich tragen. Wir haben es also mit einem dreifachen Schritt im Werden zu tun: mit Entstehen, mit Wachsen und Gedeihen und mit Absterben, und haben im Absterben wieder den Keim zu einem Gleichen. Wo es nicht besonders auf die Zeit ankommt, wo es auf die Wiederholung ankommt, ist dieses sich wiederholende Prinzip immer am allerbesten in der Dreizahl zu fassen. Den Sinn des sich wiederholenden Werdens durch die Dreizahl zu fassen, das lag insbesondere in den Begabungen der morgenländischen Weisheit, lag besonders in der Weisheit, die dem Christentum vorangegangen ist. Und in der einseitigen Hinneigung zu dem zeitlosen sozusagen, dem sich wiederholenden Geschehen ist bedingt die Größe dieser alten Weltanschauung. Und da, wo sie zu ihrem Abschluß kommt, treten uns überall entgegen die Trinitäten, die im Grunde genommen der hellseherische Ausdruck dessen sind, was hinter Entstehen, Vergehen und Wiederherstellen ist. Brahma, Shiva, Vishnu, diese Dreiheit liegt überall als schöpferische Mächte zugrunde. Sie wurde in der Zeit, die der Krishna-Offenbarung vorangeht, als durch Hellsehen zu erreichende Dreiheit, sagen wir von Brahma, Vishnu, Shiva, erkannt. Und das Abbild von dieser Dreiheit ist überall da vorhanden, wo man nicht mit der Zeit anders rechnet als mit der aufeinanderfolgenden Wiederholung des Gleichen.

[ 7 ] Was kommt da in Betracht, wenn wir die Wiederholung des Gleichen in den aufeinanderfolgenden Kulturperioden ins Auge fassen? Nehmen wir es an dem Beispiel des Pflanzenwachstums. Da sehen wir, wie im Frühling die Pflanzen herausbrechen aus der Erde. Wir haben es mit ihrer Schöpfung zu tun. Wir sehen, wie diese Pflanzen wachsen und gedeihen, bis sie einen gewissen Höhepunkt erreicht haben, wie sie dann wieder absterben und, indem sie absterben, wieder schon den Keim zu einer neuen Pflanze in sich tragen. Wir haben es also mit einem dreifachen Schritt im Werden zu tun: mit Entstehen, mit Wachsen und Gedeihen und mit Absterben, und haben im Absterben wieder den Keim zu einem Gleichen. Wo es nicht besonders auf die Zeit ankommt, wo es auf die Wiederholung ankommt, ist dieses sich wiederholende Prinzip immer am allerbesten in der Dreizahl zu fassen. Den Sinn des sich wiederholenden Werdens durch die Dreizahl zu fassen, das lag insbesondere in den Begabungen der morgenländischen Weisheit, lag besonders in der Weisheit, die dem Christentum vorangegangen ist. Und in der einseitigen Hinneigung zu dem zeitlosen sozusagen, dem sich wiederholenden Geschehen ist bedingt die Größe dieser alten Weltanschauung. Und da, wo sie zu ihrem Abschluß kommt, treten uns überall entgegen die Trinitäten, die im Grunde genommen der hellseherische Ausdruck dessen sind, was hinter Entstehen, Vergehen und Wiederherstellen ist. Brahma, Shiva, Vishnu, diese Dreiheit liegt überall als schöpferische Mächte zugrunde. Sie wurde in der Zeit, die der Krishna-Offenbarung vorangeht, als durch Hellsehen zu erreichende Dreiheit, sagen wir von Brahma, Vishnu, Shiva, erkannt. Und das Abbild von dieser Dreiheit ist überall da vorhanden, wo man nicht mit der Zeit anders rechnet als mit der aufeinanderfolgenden Wiederholung des Gleichen.

[ 8 ] Das ist der Sinn in bezug auf die Erkenntnis einer neuen Zeit, daß die Begabung eintritt, historisch, geschichtlich zu sehen, das heißt, die Zeit mitzurechnen bei dem, was eigentlich für die Evolution in Betracht kommt, die Zeit als einen realen Faktor aufzufassen. Das aber war insbesondere der Erkenntnis des Abendlandes vorbehalten, historischen Sinn zu entwickeln, Geschichte in ihrer Wahrheit zu durchschauen. Und darin unterscheiden sich die beiden Evolutionsströmungen des Morgenlandes und des Abendlandes, daß das Morgenland ungeschichtlich, unhistorisch, aber ungeschichtlich und unhistorisch in höchster Vollendung die Welt anschaut, während das Abendland zunächst beginnt, auf einen Impuls hin historisch, geschichtlich die Welt anzuschauen. Und die Anregung zu einem geschichtlichen Anschauen geht aus von der althebräischen Weltanschauung. Die gibt den ersten Impuls zum geschichtlichen Anschauen.

[ 8 ] Das ist der Sinn in bezug auf die Erkenntnis einer neuen Zeit, daß die Begabung eintritt, historisch, geschichtlich zu sehen, das heißt, die Zeit mitzurechnen bei dem, was eigentlich für die Evolution in Betracht kommt, die Zeit als einen realen Faktor aufzufassen. Das aber war insbesondere der Erkenntnis des Abendlandes vorbehalten, historischen Sinn zu entwickeln, Geschichte in ihrer Wahrheit zu durchschauen. Und darin unterscheiden sich die beiden Evolutionsströmungen des Morgenlandes und des Abendlandes, daß das Morgenland ungeschichtlich, unhistorisch, aber ungeschichtlich und unhistorisch in höchster Vollendung die Welt anschaut, während das Abendland zunächst beginnt, auf einen Impuls hin historisch, geschichtlich die Welt anzuschauen. Und die Anregung zu einem geschichtlichen Anschauen geht aus von der althebräischen Weltanschauung. Die gibt den ersten Impuls zum geschichtlichen Anschauen.

[ 9 ] Betrachten wir jetzt einmal nebeneinander, was die eigentlichen Essenzen morgenländischer Weltanschauungen sind. Da wird uns immer von den sich wiederholenden Weltenaltern erzählt. Es wird uns erzählt, was am Anfange des ersten, was am Ende des ersten Weltenalters geschieht. Dann wird erzählt der Beginn des zweiten Weltenalters, das Ende des zweiten Weltenalters, der Beginn des dritten, das Ende des dritten Weltenalters. Und richtig wird das Geheimnis des Weltenwerdens zur Zeit des Krishna so hingestellt, daß gesagt wird: Als die alte Kultur des dritten Weltenalters dürr und trocken geworden war, als die alte Kultur in ihren Herbst und Winter einrückte, da erschien als der Sohn des Vasudeva und der Devaki der Krishna, um zusammenzufassen für später, das heißt für den vierten Zeitraum, was sich als Keim, als neuer Same herüberbringen ließ aus dem dritten in den vierten Zeitraum. Die einzelnen Weltenalter erschienen einem so wie die aufeinanderfolgenden Jahre in bezug auf das Pflanzenwachstum. Zyklen von Zeiten, die das Sich-Wiederholende zum Inhalt haben, das ist das wesentliche Element der morgenländischen Weltanschauungen.

[ 9 ] Betrachten wir jetzt einmal nebeneinander, was die eigentlichen Essenzen morgenländischer Weltanschauungen sind. Da wird uns immer von den sich wiederholenden Weltenaltern erzählt. Es wird uns erzählt, was am Anfange des ersten, was am Ende des ersten Weltenalters geschieht. Dann wird erzählt der Beginn des zweiten Weltenalters, das Ende des zweiten Weltenalters, der Beginn des dritten, das Ende des dritten Weltenalters. Und richtig wird das Geheimnis des Weltenwerdens zur Zeit des Krishna so hingestellt, daß gesagt wird: Als die alte Kultur des dritten Weltenalters dürr und trocken geworden war, als die alte Kultur in ihren Herbst und Winter einrückte, da erschien als der Sohn des Vasudeva und der Devaki der Krishna, um zusammenzufassen für später, das heißt für den vierten Zeitraum, was sich als Keim, als neuer Same herüberbringen ließ aus dem dritten in den vierten Zeitraum. Die einzelnen Weltenalter erschienen einem so wie die aufeinanderfolgenden Jahre in bezug auf das Pflanzenwachstum. Zyklen von Zeiten, die das Sich-Wiederholende zum Inhalt haben, das ist das wesentliche Element der morgenländischen Weltanschauungen.

[ 10 ] Nun vergleichen wir mit diesen Weltanschauungen in ihrer tiefsten Struktur, in ihrer Zeitlosigkeit dasjenige, was uns gleich im Alten Testament entgegentritt. Oh, es ist ein beträchtlicher Unterschied gegenüber den morgenländischen Weltanschauungen! Da sehen wir, wie eine fortlaufende, reale Zeitlinie sich einlagert. Erst werden wir hingeführt zur Genesis, zur Schöpfung, und angegliedert wird an die Schöpfung die Menschheitsgeschichte. Wir sehen einen fortlaufenden Gang durch die sieben Schöpfungstage hindurch, durch die Patriarchenzeit hindurch; von Abraham herunter durch Isaak und Jakob alles Werden, alles Geschichte. Wo wiederholt sich etwas? Nicht wird der erste Schöpfungstag in abstrakter Weise wiederholt in dem zweiten. Nicht werden die Patriarchen wiederholt in den Propheten. Die Königszeit wiederholt nicht die Richterzeit und so weiter. Dann tritt die Zeit der Gefangenschaft ein. Überall werden wir hingeführt in den ganzen dramatischen Fortgang, wo die Zeit eine reale Rolle spielt wie im einzelnen Menschenleben. Durch das ganze Alte Testament wird uns die Zeit als ein realer Faktor des Geschehens gezeigt, abgesehen von dem, was sich wiederholt. Der Fortschritt ist das, was als ein besonderes Element eintritt in die Darstellung des Alten Testamentes. Das erste große Beispiel einer historischen Betrachtungsweise ist dieses Alte Testament. Dadurch wird dem Abendlande das Vermächtnis übergeben zur historischen Betrachtungsweise.

[ 10 ] Nun vergleichen wir mit diesen Weltanschauungen in ihrer tiefsten Struktur, in ihrer Zeitlosigkeit dasjenige, was uns gleich im Alten Testament entgegentritt. Oh, es ist ein beträchtlicher Unterschied gegenüber den morgenländischen Weltanschauungen! Da sehen wir, wie eine fortlaufende, reale Zeitlinie sich einlagert. Erst werden wir hingeführt zur Genesis, zur Schöpfung, und angegliedert wird an die Schöpfung die Menschheitsgeschichte. Wir sehen einen fortlaufenden Gang durch die sieben Schöpfungstage hindurch, durch die Patriarchenzeit hindurch; von Abraham herunter durch Isaak und Jakob alles Werden, alles Geschichte. Wo wiederholt sich etwas? Nicht wird der erste Schöpfungstag in abstrakter Weise wiederholt in dem zweiten. Nicht werden die Patriarchen wiederholt in den Propheten. Die Königszeit wiederholt nicht die Richterzeit und so weiter. Dann tritt die Zeit der Gefangenschaft ein. Überall werden wir hingeführt in den ganzen dramatischen Fortgang, wo die Zeit eine reale Rolle spielt wie im einzelnen Menschenleben. Durch das ganze Alte Testament wird uns die Zeit als ein realer Faktor des Geschehens gezeigt, abgesehen von dem, was sich wiederholt. Der Fortschritt ist das, was als ein besonderes Element eintritt in die Darstellung des Alten Testamentes. Das erste große Beispiel einer historischen Betrachtungsweise ist dieses Alte Testament. Dadurch wird dem Abendlande das Vermächtnis übergeben zur historischen Betrachtungsweise.

[ 11 ] Langsam und allmählich lernen erst die Menschen, was ihnen geoffenbart wird im Laufe der Zeit. Und so darf man sagen, daß immer wieder gerade dann, wenn in einem gewissen Sinne neue Offenbarungen kommen, eine Art Rückfall in das Vorhergehende stattfindet. Großes und Bedeutsames ist im Anfange der theosophischen Bewegung geoffenbart worden. Allein gerade das Merkwürdige ist eingetreten, daß gleich vom Beginn an die historische Betrachtungsweise dieses theosophische Leben wenig durchzogen hat. Davon können Sie sich insbesondere überzeugen, wenn Sie einen Blick werfen in ein sonst ausgezeichnetes, verdienstvolles Buch, in den «Esoterischen Buddhismus» von Sinnett. Alle Kapitel, die dort von Geschichte durchdrungen sind, werden für das abendländische Gemüt gut annehmbar sein. Aber daneben ist ein anderes Element, das wir das «unhistorische Element » nennen können, jenes sonderbare Element, wo geredet wird von großen und kleinen Zyklen, von dem Fortgang in Runden und Rassen, und wo immer die Sache so dargestellt wird, als wenn die Wiederholung die Hauptsache wäre, wie auf die zweite Runde die dritte folgt, wie auf die eine Hauptrasse die andere Hauptrasse, auf die eine Unterrasse die andere Unterrasse folgt und so weiter. Man kommt wirklich in eine Art von Räderwerk hinein und legt den Hauptwert auf die Wiederholung. Das war ein Rückfall in eine bereits überwundene Denkweise der Menschheit.

[ 11 ] Langsam und allmählich lernen erst die Menschen, was ihnen geoffenbart wird im Laufe der Zeit. Und so darf man sagen, daß immer wieder gerade dann, wenn in einem gewissen Sinne neue Offenbarungen kommen, eine Art Rückfall in das Vorhergehende stattfindet. Großes und Bedeutsames ist im Anfange der theosophischen Bewegung geoffenbart worden. Allein gerade das Merkwürdige ist eingetreten, daß gleich vom Beginn an die historische Betrachtungsweise dieses theosophische Leben wenig durchzogen hat. Davon können Sie sich insbesondere überzeugen, wenn Sie einen Blick werfen in ein sonst ausgezeichnetes, verdienstvolles Buch, in den «Esoterischen Buddhismus» von Sinnett. Alle Kapitel, die dort von Geschichte durchdrungen sind, werden für das abendländische Gemüt gut annehmbar sein. Aber daneben ist ein anderes Element, das wir das «unhistorische Element » nennen können, jenes sonderbare Element, wo geredet wird von großen und kleinen Zyklen, von dem Fortgang in Runden und Rassen, und wo immer die Sache so dargestellt wird, als wenn die Wiederholung die Hauptsache wäre, wie auf die zweite Runde die dritte folgt, wie auf die eine Hauptrasse die andere Hauptrasse, auf die eine Unterrasse die andere Unterrasse folgt und so weiter. Man kommt wirklich in eine Art von Räderwerk hinein und legt den Hauptwert auf die Wiederholung. Das war ein Rückfall in eine bereits überwundene Denkweise der Menschheit.

[ 12 ] Diejenige Denkweise, welche sich als der abendländischen Kultur angemessen ergibt, ist aber die historische. Und was ist die Folge dieses historischen Elementes der abendländischen Kultur? Eben die Erkenntnis des einen Brennpunktes alles Erdenwerdens. Das Morgenland betrachtete das Werden wie den sich wiederholenden Pflanzenvorgang eines jeden Jahres. So traten in jeder Periode die einzelnen großen Initiierten auf und wiederholten — wenigstens betont man vorzugsweise das, was sie wiederholten —, was schon früher da war. Man betont besonders in abstrakter Weise, daß ein jedes nur die besondere Ausgestaltung ist des einen, was sich da von Epoche zu Epoche fortentwickelt. Man hatte das besondere Interesse, das sich fortentwikkelnde Gleiche so darzustellen, wie man im Pflanzlichen durchaus das, was sich als Form offenbart, beachtet, und nicht die einzelnen Jahre unterscheidet. Nur in einem besonderen Falle beachtet der Mensch, wie sich auch im Pflanzenleben die einzelnen Jahre unterscheiden. Wenn er eine Lilie oder ein Weinblatt beschreiben will, kommt es ihm nicht darauf an, ob die Pflanze im Jahre 1857 oder im Jahre 1867 gewachsen ist; denn die Lilien gleichen sich, sie sind Ausprägungen der einen Lilienart. Nur, man möchte sagen, da, wo dieses allgemeine, sich wiederholende gleichartige «Apollinische» auch im Pflanzenwachstum ins «Dionysische » übergeht, da legt der Mensch einen besonderen Wert auch darauf, daß sich die einzelnen « Jahrgänge » unterscheiden: in den Weinjahren. Da kommt es ihm darauf an, zu unterscheiden; aber sonst hat er kein Interesse zu sagen: Dies ist die Form der Lilie vom Jahre 1890 oder 1895.

[ 12 ] Diejenige Denkweise, welche sich als der abendländischen Kultur angemessen ergibt, ist aber die historische. Und was ist die Folge dieses historischen Elementes der abendländischen Kultur? Eben die Erkenntnis des einen Brennpunktes alles Erdenwerdens. Das Morgenland betrachtete das Werden wie den sich wiederholenden Pflanzenvorgang eines jeden Jahres. So traten in jeder Periode die einzelnen großen Initiierten auf und wiederholten — wenigstens betont man vorzugsweise das, was sie wiederholten —, was schon früher da war. Man betont besonders in abstrakter Weise, daß ein jedes nur die besondere Ausgestaltung ist des einen, was sich da von Epoche zu Epoche fortentwickelt. Man hatte das besondere Interesse, das sich fortentwikkelnde Gleiche so darzustellen, wie man im Pflanzlichen durchaus das, was sich als Form offenbart, beachtet, und nicht die einzelnen Jahre unterscheidet. Nur in einem besonderen Falle beachtet der Mensch, wie sich auch im Pflanzenleben die einzelnen Jahre unterscheiden. Wenn er eine Lilie oder ein Weinblatt beschreiben will, kommt es ihm nicht darauf an, ob die Pflanze im Jahre 1857 oder im Jahre 1867 gewachsen ist; denn die Lilien gleichen sich, sie sind Ausprägungen der einen Lilienart. Nur, man möchte sagen, da, wo dieses allgemeine, sich wiederholende gleichartige «Apollinische» auch im Pflanzenwachstum ins «Dionysische » übergeht, da legt der Mensch einen besonderen Wert auch darauf, daß sich die einzelnen « Jahrgänge » unterscheiden: in den Weinjahren. Da kommt es ihm darauf an, zu unterscheiden; aber sonst hat er kein Interesse zu sagen: Dies ist die Form der Lilie vom Jahre 1890 oder 1895.

[ 13 ] So hatte das Morgenland in einem gewissen Sinne auch kein rechtes Interesse daran — obwohl man den Vergleich nicht pressen darf —, die Verkörperung des Bodhisattva im dritten Zeitalter zu unterscheiden von der im zweiten oder im ersten Zeitalter. Es war die Verkörperung des «einen». Dieses Hinlenken auf das Eine, dieses abstrakte Zuspitzen auf das Gleiche macht das Unhistorische der morgenländischen Betrachtung aus, und es macht im Grunde genommen das Unhistorische aller Betrachtungen der vorchristlichen Zeitalter aus, außer der historischen Betrachtung des Alten Testamentes. Mit dem Alten Testament trat vorbereitend — und mit dem Neuen Testament in gröBerer Vollendung — die historische Betrachtung ein. Da kommt es denn darauf an, die Linie des Werdens als solche als ein Ganzes anzusehen. Da muß man nicht bloß auf das hinsehen, was in den einzelnen Zyklen wiederkehrt, sondern auf das, was den Brennpunkt alles Werdens ausmacht. Und da tritt dann das ins Recht, daß man sagt: Es ist ein einfaches Unding, davon zu sprechen, daß es einen solchen Brennpunkt des Werdens nicht geben soll.

[ 13 ] So hatte das Morgenland in einem gewissen Sinne auch kein rechtes Interesse daran — obwohl man den Vergleich nicht pressen darf —, die Verkörperung des Bodhisattva im dritten Zeitalter zu unterscheiden von der im zweiten oder im ersten Zeitalter. Es war die Verkörperung des «einen». Dieses Hinlenken auf das Eine, dieses abstrakte Zuspitzen auf das Gleiche macht das Unhistorische der morgenländischen Betrachtung aus, und es macht im Grunde genommen das Unhistorische aller Betrachtungen der vorchristlichen Zeitalter aus, außer der historischen Betrachtung des Alten Testamentes. Mit dem Alten Testament trat vorbereitend — und mit dem Neuen Testament in gröBerer Vollendung — die historische Betrachtung ein. Da kommt es denn darauf an, die Linie des Werdens als solche als ein Ganzes anzusehen. Da muß man nicht bloß auf das hinsehen, was in den einzelnen Zyklen wiederkehrt, sondern auf das, was den Brennpunkt alles Werdens ausmacht. Und da tritt dann das ins Recht, daß man sagt: Es ist ein einfaches Unding, davon zu sprechen, daß es einen solchen Brennpunkt des Werdens nicht geben soll.

[ 14 ] Hier liegt der Punkt, wo sich die verschiedenen Völker über den Erdenkreis hin erst über das historische Werden verständigen müssen, wo sie sich erst klarwerden müssen, daß dieses Historische zu einer wirklich realen Menschheitsbetrachtung unbedingt notwendig ist. Man wird es heute noch erleben können, auch wenn nicht irgendein fanatisches oder konfessionelles, sondern ein wirklich gemeintes Christentum nach dem Orient gebracht wird und sich nur objektiv neben den anderen Religionen des Orients geltend machen will, daß dann gesagt wird: Ihr habt doch nur den einen Gott, der sich nur einmal in Palästina verkörpert hat; wir aber haben viele Verkörperungen des Gottes; da sind wir euch voraus. Diese Antwort wird eine ganz selbstverständliche sein vom Standpunkte des Morgenländers. Sie hängt zusammen mit seiner besonderen Begabung für das Hinsehen auf die Wiederholung des einen. Für den Abendländer aber muß gelten, daß das Ganze einen Schwerpunkt hat. Wenn daher von mehreren Verkörperungen des Christus gesprochen wird, so ist das derselbe Fehler, als wenn jemand sagen würde: Ja, man macht den Unsinn, zu sagen, daß man für die Waage nur einen Unterstützungspunkt brauche, daß auf der einen Seite die I.ast angreife und auf der anderen Seite die Gewichte; unterstützen wir die Waage an zwei, drei, vier Punkten! — Das ist aber ein Unsinn. Eine Waage kann nur einen Unterstützungspunkt haben. Und will man das ganze Werden verstehen, so muß man den einen Unterstützungspunkt, den einen Schwerpunkt, aufsuchen und nicht glauben, daß man besser fährt, wenn man aufeinanderfolgende Verkörperungen des Christus sucht. In dieser Beziehung werden sich die Nationen, die Völker, über den Erdkreis hin zu verständigen haben, daß im Laufe der Geschichte selbst die historische Denkweise, die historische Auffassung als die im höheren Sinne menschenwürdige erst eintreten mußte.

[ 14 ] Hier liegt der Punkt, wo sich die verschiedenen Völker über den Erdenkreis hin erst über das historische Werden verständigen müssen, wo sie sich erst klarwerden müssen, daß dieses Historische zu einer wirklich realen Menschheitsbetrachtung unbedingt notwendig ist. Man wird es heute noch erleben können, auch wenn nicht irgendein fanatisches oder konfessionelles, sondern ein wirklich gemeintes Christentum nach dem Orient gebracht wird und sich nur objektiv neben den anderen Religionen des Orients geltend machen will, daß dann gesagt wird: Ihr habt doch nur den einen Gott, der sich nur einmal in Palästina verkörpert hat; wir aber haben viele Verkörperungen des Gottes; da sind wir euch voraus. Diese Antwort wird eine ganz selbstverständliche sein vom Standpunkte des Morgenländers. Sie hängt zusammen mit seiner besonderen Begabung für das Hinsehen auf die Wiederholung des einen. Für den Abendländer aber muß gelten, daß das Ganze einen Schwerpunkt hat. Wenn daher von mehreren Verkörperungen des Christus gesprochen wird, so ist das derselbe Fehler, als wenn jemand sagen würde: Ja, man macht den Unsinn, zu sagen, daß man für die Waage nur einen Unterstützungspunkt brauche, daß auf der einen Seite die I.ast angreife und auf der anderen Seite die Gewichte; unterstützen wir die Waage an zwei, drei, vier Punkten! — Das ist aber ein Unsinn. Eine Waage kann nur einen Unterstützungspunkt haben. Und will man das ganze Werden verstehen, so muß man den einen Unterstützungspunkt, den einen Schwerpunkt, aufsuchen und nicht glauben, daß man besser fährt, wenn man aufeinanderfolgende Verkörperungen des Christus sucht. In dieser Beziehung werden sich die Nationen, die Völker, über den Erdkreis hin zu verständigen haben, daß im Laufe der Geschichte selbst die historische Denkweise, die historische Auffassung als die im höheren Sinne menschenwürdige erst eintreten mußte.

[ 15 ] Langsam geschah es, indem diese historische Art, das Menschenwerden anzuschauen, man möchte sagen, zuerst von den primitivsten Zuständen ausgegangen ist. Da finden wir, daß dieses geschichtliche Werden im Alten Testamente uns zuerst angedeutet wird durch das immer wiederkehrende Betonen, wie es das Wesen des alttestamentlichen Volkes ausmacht, daß man sagen kann, sie gehören zu dem Blut von Abraham, Isaak und Jakob; es rinnt durch die aufeinanderfolgenden Generationen hindurch, und was sich entwickelt, ist im Grunde genommen eine Form der Blutabstammung, der Blutfortpflanzung. Wie ein Mensch in der Aufeinanderfolge seiner Lebensepochen den Fortschritt zeigt, so daß die Zeit darin eine Rolle spielt, so ist das beim ganzen alttestamentlichen Volke der Fall. Und man wird, wenn man auf die genaueren Einzelheiten eingeht, tatsächlich diesen Verlauf der Generationen des alttestamentlichen Volkes so ähnlich auffassen können wie das Leben eines einzelnen Menschen, insofern er sich naturgemäß entwickelt, insofern er das in sich entwickelt, was sozusagen entwickelt werden kann am Menschen vermöge der physischen Anlage. Was dadurch geschehen konnte, daß immer überging das Väterliche auf den Sohn und so weiter, und so weiter, das wird uns geschildert im Alten Testament. Und was entstehen konnte an Bekenntnissen des Glaubens dadurch, daß die Nachkommen immer festhielten an denjenigen, mit denen sie blutsverwandt waren, das wird geschildert. Was im natürlichen Leben des einzelnen Menschen durch das Blut bedeutungsvoll geschieht, das wird angewendet auf den ganzen Körper des alttestamentlichen Volkes. Und wie im einzelnen Menschen zu einer gewissen Zeit sozusagen das seelische Element besonders herauskommt, wie dieses seelische Element eine besondere Rolle spielt, so wird das auch — und das ist ganz besonders interessant — in der geschichtlichen Entwickelung des Alten Testamentes schon festgehalten.

[ 15 ] Langsam geschah es, indem diese historische Art, das Menschenwerden anzuschauen, man möchte sagen, zuerst von den primitivsten Zuständen ausgegangen ist. Da finden wir, daß dieses geschichtliche Werden im Alten Testamente uns zuerst angedeutet wird durch das immer wiederkehrende Betonen, wie es das Wesen des alttestamentlichen Volkes ausmacht, daß man sagen kann, sie gehören zu dem Blut von Abraham, Isaak und Jakob; es rinnt durch die aufeinanderfolgenden Generationen hindurch, und was sich entwickelt, ist im Grunde genommen eine Form der Blutabstammung, der Blutfortpflanzung. Wie ein Mensch in der Aufeinanderfolge seiner Lebensepochen den Fortschritt zeigt, so daß die Zeit darin eine Rolle spielt, so ist das beim ganzen alttestamentlichen Volke der Fall. Und man wird, wenn man auf die genaueren Einzelheiten eingeht, tatsächlich diesen Verlauf der Generationen des alttestamentlichen Volkes so ähnlich auffassen können wie das Leben eines einzelnen Menschen, insofern er sich naturgemäß entwickelt, insofern er das in sich entwickelt, was sozusagen entwickelt werden kann am Menschen vermöge der physischen Anlage. Was dadurch geschehen konnte, daß immer überging das Väterliche auf den Sohn und so weiter, und so weiter, das wird uns geschildert im Alten Testament. Und was entstehen konnte an Bekenntnissen des Glaubens dadurch, daß die Nachkommen immer festhielten an denjenigen, mit denen sie blutsverwandt waren, das wird geschildert. Was im natürlichen Leben des einzelnen Menschen durch das Blut bedeutungsvoll geschieht, das wird angewendet auf den ganzen Körper des alttestamentlichen Volkes. Und wie im einzelnen Menschen zu einer gewissen Zeit sozusagen das seelische Element besonders herauskommt, wie dieses seelische Element eine besondere Rolle spielt, so wird das auch — und das ist ganz besonders interessant — in der geschichtlichen Entwickelung des Alten Testamentes schon festgehalten.

[ 16 ] Betrachten wir das Kind. Da werden wir sehen, daß bei ihm das Natürliche überwiegt. Die Bedürfnisse des Leibes überwiegen zunächst. Das Seelische steckt noch drinnen im Leibe, es will noch nicht ganz heraus. Wohlsein des Leibes wird bewirkt durch angenehme Eindrücke der Außenwelt. Unangenehme, peinliche Eindrücke der AuBenwelt äußern sich auch in den seelischen Äußerungen des Kindes. Dann wächst der Mensch heran. Durch das, was sich in ihm natürlich entwickelt, gewinnt allmählich das Seelische die Oberhand, und wir treten in ein Lebensalter ein — es wird bei den verschiedenen Menschen verschieden liegen, aber im wesentlichen ist es so in den Zwanzigerjahren —, da wird der Mensch so recht herausbringen, was seelisch in ihm ist. Da wird zurücktreten, was rein körperliche Schmerzen und Bedürfnisse sind; die seelische Konfiguration kommt besonders heraus. Dann tritt die Zeit ein, wo der Mensch geeigneter wird, dieses Seelische, das in ihm selbst ist, mehr in den Hintergrund treten zu lassen. Das dauert wieder beim einen länger, beim andern kürzer. Vielleicht bleibt einer auch ganz dabei, dieses ihm eigentümliche Seelische sein ganzes Leben hindurch festzuhalten. Aber es ist doch auch anderes vorhanden, wenn auch der Mensch oft in den Zwanzigerjahren so recht herausstellt, was er ist, daß es ihm vorkommt, als hätte die Welt nur gewartet auf das spezifische Seelische, das er hat. Insbesondere, wenn jemand starke geistige Anlagen hat, kommt dies heraus, so zum Beispiel, wenn jemand besondere philosophische Anlagen hat. Da zeigt es sich dann so, als ob die Welt nur darauf gewartet hätte, bis er kommt und das richtige philosophische System aufstellt, denn nur sein Seelisches ist dafür geeignet. Aber es kann auch das Richtige und Gute dabei herauskommen. Dann kommt die Zeit, in welcher man beginnt, das zu sehen, was die Welt durch andere hergeben kann, wo man anderes durch sich sprechen läßt, wo man aufnimmt, was bisher geleistet worden ist.

[ 16 ] Betrachten wir das Kind. Da werden wir sehen, daß bei ihm das Natürliche überwiegt. Die Bedürfnisse des Leibes überwiegen zunächst. Das Seelische steckt noch drinnen im Leibe, es will noch nicht ganz heraus. Wohlsein des Leibes wird bewirkt durch angenehme Eindrücke der Außenwelt. Unangenehme, peinliche Eindrücke der AuBenwelt äußern sich auch in den seelischen Äußerungen des Kindes. Dann wächst der Mensch heran. Durch das, was sich in ihm natürlich entwickelt, gewinnt allmählich das Seelische die Oberhand, und wir treten in ein Lebensalter ein — es wird bei den verschiedenen Menschen verschieden liegen, aber im wesentlichen ist es so in den Zwanzigerjahren —, da wird der Mensch so recht herausbringen, was seelisch in ihm ist. Da wird zurücktreten, was rein körperliche Schmerzen und Bedürfnisse sind; die seelische Konfiguration kommt besonders heraus. Dann tritt die Zeit ein, wo der Mensch geeigneter wird, dieses Seelische, das in ihm selbst ist, mehr in den Hintergrund treten zu lassen. Das dauert wieder beim einen länger, beim andern kürzer. Vielleicht bleibt einer auch ganz dabei, dieses ihm eigentümliche Seelische sein ganzes Leben hindurch festzuhalten. Aber es ist doch auch anderes vorhanden, wenn auch der Mensch oft in den Zwanzigerjahren so recht herausstellt, was er ist, daß es ihm vorkommt, als hätte die Welt nur gewartet auf das spezifische Seelische, das er hat. Insbesondere, wenn jemand starke geistige Anlagen hat, kommt dies heraus, so zum Beispiel, wenn jemand besondere philosophische Anlagen hat. Da zeigt es sich dann so, als ob die Welt nur darauf gewartet hätte, bis er kommt und das richtige philosophische System aufstellt, denn nur sein Seelisches ist dafür geeignet. Aber es kann auch das Richtige und Gute dabei herauskommen. Dann kommt die Zeit, in welcher man beginnt, das zu sehen, was die Welt durch andere hergeben kann, wo man anderes durch sich sprechen läßt, wo man aufnimmt, was bisher geleistet worden ist.

[ 17 ] So, wie der einzelne Mensch ist, so stellt das Alte Testament den ganzen Körper des althebräischen Volkes dar. Wir sehen, was sich durch die Rasseneigentümlichkeiten dieses Volkes alles entwickelt in der Zeit des Abraham, Isaak und Jakob, wie alles davon abhängt, daß dieses Volk gerade diese Bluts- und Rasseneigentümlichkeiten hat. Und verfolgen Sie, was da geschildert wird, dann werden Sie sagen: Bis zu einem bestimmten Moment treten gewisse Rasseneigentümlichkeiten als das die Impulse Gebende im Alten Testament auf. Dann kommt die Zeit, da dieses Volk seine Seele ausbildet, was sich so ausnimmt, wie der einzelne Mensch sein Seelisches in den Zwanzigerjahren hinstellt. Das ist da, wo der Prophet Elias auftritt, denn der Prophet Elias erscheint wie die ganze eigentümliche Seele des althebräischen Volkes. Dann kommen die anderen Propheten, von denen ich Ihnen vor einigen Tagen sagen konnte, daß sie die Seelen der verschiedensten Eingeweihten der anderen Völker sind, die sich in dem alttestamentlichen Volke versammeln. Da hört die Seele dieses Volkes auf dasjenige, was die Seelen der anderen Völker zu sagen haben. Wie in einer großen Harmonie, wie in einer Symphonie vermischt sich das, was von Elias bleibt und was die Seelen der anderen Völker durch die anderen Propheten zu sagen haben, die sich in dem alttestamentlichen Volke verkörpern.

[ 17 ] So, wie der einzelne Mensch ist, so stellt das Alte Testament den ganzen Körper des althebräischen Volkes dar. Wir sehen, was sich durch die Rasseneigentümlichkeiten dieses Volkes alles entwickelt in der Zeit des Abraham, Isaak und Jakob, wie alles davon abhängt, daß dieses Volk gerade diese Bluts- und Rasseneigentümlichkeiten hat. Und verfolgen Sie, was da geschildert wird, dann werden Sie sagen: Bis zu einem bestimmten Moment treten gewisse Rasseneigentümlichkeiten als das die Impulse Gebende im Alten Testament auf. Dann kommt die Zeit, da dieses Volk seine Seele ausbildet, was sich so ausnimmt, wie der einzelne Mensch sein Seelisches in den Zwanzigerjahren hinstellt. Das ist da, wo der Prophet Elias auftritt, denn der Prophet Elias erscheint wie die ganze eigentümliche Seele des althebräischen Volkes. Dann kommen die anderen Propheten, von denen ich Ihnen vor einigen Tagen sagen konnte, daß sie die Seelen der verschiedensten Eingeweihten der anderen Völker sind, die sich in dem alttestamentlichen Volke versammeln. Da hört die Seele dieses Volkes auf dasjenige, was die Seelen der anderen Völker zu sagen haben. Wie in einer großen Harmonie, wie in einer Symphonie vermischt sich das, was von Elias bleibt und was die Seelen der anderen Völker durch die anderen Propheten zu sagen haben, die sich in dem alttestamentlichen Volke verkörpern.

[ 18 ] So reift dieser Körper des althebräischen Volkes heran. Und er stirbt in einer gewissen Weise, indem er nur das Geistige, das, was geistig bleibt, in seinen Glauben, in sein Bekenntnis aufnimmt, wie wir es so herrlich sehen an der Darstellung der Makkabäer. Man möchte sagen: In dieser Darstellung der Makkabäer erscheint das altgewordene Volk des Alten Testamentes, das sich allmählich als altgewordenes Volk zur Ruhe legt, aber das Bewußtsein von der Ewigkeit der Menschenseele aus den Makkabäersöhnen unmittelbar kundgibt. Die Ewigkeit des einzelnen tritt uns als Bewußtsein des Volkes entgegen. Und es ist jetzt, indem der Körper des Volkes selber zugrunde geht, wie wenn diese Seele als Seelensame in einer ganz neuen Gestalt bleibt. Wo ist sie, diese Seele?

[ 18 ] So reift dieser Körper des althebräischen Volkes heran. Und er stirbt in einer gewissen Weise, indem er nur das Geistige, das, was geistig bleibt, in seinen Glauben, in sein Bekenntnis aufnimmt, wie wir es so herrlich sehen an der Darstellung der Makkabäer. Man möchte sagen: In dieser Darstellung der Makkabäer erscheint das altgewordene Volk des Alten Testamentes, das sich allmählich als altgewordenes Volk zur Ruhe legt, aber das Bewußtsein von der Ewigkeit der Menschenseele aus den Makkabäersöhnen unmittelbar kundgibt. Die Ewigkeit des einzelnen tritt uns als Bewußtsein des Volkes entgegen. Und es ist jetzt, indem der Körper des Volkes selber zugrunde geht, wie wenn diese Seele als Seelensame in einer ganz neuen Gestalt bleibt. Wo ist sie, diese Seele?

[ 19 ] Diese Elias-Seele, zugleich ist sie die Seele des alttestamentlichen Volkes, als sie in den Täufer eintritt, im Täufer lebt. Da er gefangengesetzt und dann von Herodes geköpft wird, was geschieht da mit dieser Seele? Wir haben es schon angedeutet. Diese Seele wird selbständig, verläßt den Leib, wirkt aber wie eine Aura weiter, und in das Gebiet dieser Aura tritt cin der Christus Jesus. Wo aber ist die Seele des Elias, die Seele Johannes des Täufers? Es ist im Markus-Evangelium deutlich genug angedeutet. Die Seele Johannes des Täufers, die Seele des Elias, sie wird die Gruppenseele der Zwölf, sie lebt in den Zwölfen und lebt in den Zwölfen weiter. Sehr, sehr merkwürdig wird uns das, man möchte sagen, in jener Art, wie künstlerisch gezeichnet wird, angedeutet, indem uns erzählt wird, bevor im Markus-Evangelium von dem Tode Johannes des Täufers gesprochen wird, wie der Unterricht sozusagen, die Lehrweise des Christus Jesus zu der großen Menge ist und wie zu seinen einzelnen Schülern. Wir haben davon gesprochen. Aber das ändert sich, als die Elias-Seele von Johannes dem Täufer frei wird, als sie wie eine Gruppenseele in den Zwölfen weiterlebt. Und das wird angedeutet. Denn von da ab — lesen Sie nach, man merkt es ganz deutlich — macht der Christus an seine Zwölf höhere Ansprüche als vorher. Er fordert von ihnen, daß sie Höheres verstehen. Und das sehr Merkwürdige ist dies, was sie gerade verstehen sollen und was es ist, das er, weil sie es nicht verstehen, ihnen später zum Vorwurf macht. Lesen Sie in diesem Buche genau! Auf die eine Seite der Dinge habe ich bereits hingewiesen: daß von einer Brotvermehrung die Rede ist, als Elias zu der Witwe nach Sarepta kommt, und daß, als die Elias-Seele frei wird von Johannes dem Täufer, wieder von einer Brotvermehrung berichtet wird. Aber jetzt verlangt der Christus gerade von seinen Jüngern, daß sie den Sinn dieser Brotvermehrung ganz besonders verstehen sollen. Vorher spricht er solche Art von Worten nicht zu ihnen. Dann aber, als sie verstehen sollen, was das Schicksal Johannes des Täufers nach der Enthauptung durch Herodes ist, was durch die fünf Brote mit den Fünftausend geschieht, wo die Brocken in zwölf Körben gesammelt werden, und was mit den sieben Broten und den Viertausend geschieht, wo die Brocken in sieben Körben gesammelt werden, da sagt er zu ihnen:

[ 19 ] Diese Elias-Seele, zugleich ist sie die Seele des alttestamentlichen Volkes, als sie in den Täufer eintritt, im Täufer lebt. Da er gefangengesetzt und dann von Herodes geköpft wird, was geschieht da mit dieser Seele? Wir haben es schon angedeutet. Diese Seele wird selbständig, verläßt den Leib, wirkt aber wie eine Aura weiter, und in das Gebiet dieser Aura tritt cin der Christus Jesus. Wo aber ist die Seele des Elias, die Seele Johannes des Täufers? Es ist im Markus-Evangelium deutlich genug angedeutet. Die Seele Johannes des Täufers, die Seele des Elias, sie wird die Gruppenseele der Zwölf, sie lebt in den Zwölfen und lebt in den Zwölfen weiter. Sehr, sehr merkwürdig wird uns das, man möchte sagen, in jener Art, wie künstlerisch gezeichnet wird, angedeutet, indem uns erzählt wird, bevor im Markus-Evangelium von dem Tode Johannes des Täufers gesprochen wird, wie der Unterricht sozusagen, die Lehrweise des Christus Jesus zu der großen Menge ist und wie zu seinen einzelnen Schülern. Wir haben davon gesprochen. Aber das ändert sich, als die Elias-Seele von Johannes dem Täufer frei wird, als sie wie eine Gruppenseele in den Zwölfen weiterlebt. Und das wird angedeutet. Denn von da ab — lesen Sie nach, man merkt es ganz deutlich — macht der Christus an seine Zwölf höhere Ansprüche als vorher. Er fordert von ihnen, daß sie Höheres verstehen. Und das sehr Merkwürdige ist dies, was sie gerade verstehen sollen und was es ist, das er, weil sie es nicht verstehen, ihnen später zum Vorwurf macht. Lesen Sie in diesem Buche genau! Auf die eine Seite der Dinge habe ich bereits hingewiesen: daß von einer Brotvermehrung die Rede ist, als Elias zu der Witwe nach Sarepta kommt, und daß, als die Elias-Seele frei wird von Johannes dem Täufer, wieder von einer Brotvermehrung berichtet wird. Aber jetzt verlangt der Christus gerade von seinen Jüngern, daß sie den Sinn dieser Brotvermehrung ganz besonders verstehen sollen. Vorher spricht er solche Art von Worten nicht zu ihnen. Dann aber, als sie verstehen sollen, was das Schicksal Johannes des Täufers nach der Enthauptung durch Herodes ist, was durch die fünf Brote mit den Fünftausend geschieht, wo die Brocken in zwölf Körben gesammelt werden, und was mit den sieben Broten und den Viertausend geschieht, wo die Brocken in sieben Körben gesammelt werden, da sagt er zu ihnen:

«Merket und verstehet ihr noch nichts? Bleibt es bei der Verfinsterung eurer Seele?

Ihr habt Augen und sehet nicht, Ohren und höret nicht, und denket nicht daran, da ich die fünf Brote gebrochen habe für die Fünftausend. Wieviel Körbe voll Brocken habt ihr da aufgehoben? Sie sagen zu ihm: Zwölf.

Und wie dann die sieben Brote unter die Viertausend, wieviel Handkörbe voll Brocken habt ihr aufgehoben? Und sie sagen zu ihm: Sieben.

Und er sagt zu ihnen: «Verstehet ihr noch nicht?» (8, 17-21.)

«Merket und verstehet ihr noch nichts? Bleibt es bei der Verfinsterung eurer Seele?

Ihr habt Augen und sehet nicht, Ohren und höret nicht, und denket nicht daran, da ich die fünf Brote gebrochen habe für die Fünftausend. Wieviel Körbe voll Brocken habt ihr da aufgehoben? Sie sagen zu ihm: Zwölf.

Und wie dann die sieben Brote unter die Viertausend, wieviel Handkörbe voll Brocken habt ihr aufgehoben? Und sie sagen zu ihm: Sieben.

Und er sagt zu ihnen: «Verstehet ihr noch nicht?» (8, 17-21.)

[ 20 ] Er macht ihnen den schweren Vorwurf, daß sie das, was in diesen Offenbarungen enthalten ist, nicht verstehen können. Warum? Weil er im Sinne hat: Jetzt ist der Geist des Elias freigeworden, er lebt in euch, und ihr müßt euch nach und nach würdig erzeigen, daß er in eure Seele eindringt, daß ihr Höheres verstehen könnt, als ihr früher verstanden habt. Wenn der Christus Jesus zur Menge sprach, so sprach er in Gleichnissen, in Bildern, weil diese Menschen noch den Nachklang derjenigen bildeten, die das Übersinnliche gesehen haben in den Imaginationen, in der imaginativen Erkenntnis; so daß er zur Menge sprechen mußte in der Art, wie die alten Hellseher gesprochen haben. Sokratisch, das heißt nach der gewöhnlichen Vernunft auslegen konnte er es denen, die als seine Jünger aus dem alttestamentlichen Volke hervorgegangen sind. Er konnte ihnen die Gleichnisse auslegen. Er konnte zu dem neuen Sinn sprechen, zu dem, was für die Menschheit gewöhnlich geworden war, nachdem das alte Hellsehen verglommen war. Aber dadurch, daß der Geist des Elias als eine Gruppenseele an die Zwölf herangetreten ist, sie durchsetzt hat wie eine gemeinsame Aura, dadurch wurden sie in einem höheren Sinne oder konnten wenigstens in einem höheren Sinne hellsichtig werden, konnten das, was sie als einzelne nicht erlangen konnten, als Zwölf zusammen, erleuchtet durch den Geist des Elias-Johannes, erschauen. Dazu wollte der Christus sie erziehen.

[ 20 ] Er macht ihnen den schweren Vorwurf, daß sie das, was in diesen Offenbarungen enthalten ist, nicht verstehen können. Warum? Weil er im Sinne hat: Jetzt ist der Geist des Elias freigeworden, er lebt in euch, und ihr müßt euch nach und nach würdig erzeigen, daß er in eure Seele eindringt, daß ihr Höheres verstehen könnt, als ihr früher verstanden habt. Wenn der Christus Jesus zur Menge sprach, so sprach er in Gleichnissen, in Bildern, weil diese Menschen noch den Nachklang derjenigen bildeten, die das Übersinnliche gesehen haben in den Imaginationen, in der imaginativen Erkenntnis; so daß er zur Menge sprechen mußte in der Art, wie die alten Hellseher gesprochen haben. Sokratisch, das heißt nach der gewöhnlichen Vernunft auslegen konnte er es denen, die als seine Jünger aus dem alttestamentlichen Volke hervorgegangen sind. Er konnte ihnen die Gleichnisse auslegen. Er konnte zu dem neuen Sinn sprechen, zu dem, was für die Menschheit gewöhnlich geworden war, nachdem das alte Hellsehen verglommen war. Aber dadurch, daß der Geist des Elias als eine Gruppenseele an die Zwölf herangetreten ist, sie durchsetzt hat wie eine gemeinsame Aura, dadurch wurden sie in einem höheren Sinne oder konnten wenigstens in einem höheren Sinne hellsichtig werden, konnten das, was sie als einzelne nicht erlangen konnten, als Zwölf zusammen, erleuchtet durch den Geist des Elias-Johannes, erschauen. Dazu wollte der Christus sie erziehen.

[ 21 ] Zu was wollte er sie erziehen? Was ist denn eigentlich im Grunde genommen diese ganze Erzählung von der Brotvermehrung, das eine Mal durch Verteilung von fünf Broten unter Fünftausend, die Überreste geben zwölf Körbe voll; das zweite Mal durch Verteilung von sieben Broten unter Viertausend, die Überreste geben sieben Körbe voll? Ja, das war immer eine sonderbare Sache für die Bibelerklärer. Heute sind die Erklärer darin übereingekommen, daß sie sagen: Die Leute haben halt Brot mit sich gehabt; und als sie angeordnet worden sind, reihenweise, da haben sie ihre Brocken ausgepackt. Das ist ja das, was heute sozusagen als Übereinkommen selbst bei denjenigen dasteht, die so recht festhalten wollen am Evangelium. Wenn man allerdings die Sachen in dieser äußerlichen Weise nimmt, dann sinken sie zu einer äußeren Draperie, zu einer äußern Zeremonie herunter. Man weiß nicht, warum dann die ganze Sache erzählt wird. Auf der anderen Seite darf man natürlich auch nicht an schwarze Magie denken; denn das wirkliche Hervorzaubern von einer ausgiebigen Menge Brot aus fünf, beziehungsweise sieben Broten wäre schwarze Magie. Aber cs kann sich nicht um schwarze Magie handeln, auch nicht um einen Vorgang, der besonders zurechtgerückt erscheint für die Philister, wie wenn die Leute Brot mitgebracht und ausgepackt hätten. Es ist dabei etwas Besonderes gemeint. Ich habe schon bei der Auslegung der verschiedenen anderen Evangelien darauf hingedeutet, und es wird im Evangelium selbst deutlich genug darauf hingewiesen, um was es sich handelt.

[ 21 ] Zu was wollte er sie erziehen? Was ist denn eigentlich im Grunde genommen diese ganze Erzählung von der Brotvermehrung, das eine Mal durch Verteilung von fünf Broten unter Fünftausend, die Überreste geben zwölf Körbe voll; das zweite Mal durch Verteilung von sieben Broten unter Viertausend, die Überreste geben sieben Körbe voll? Ja, das war immer eine sonderbare Sache für die Bibelerklärer. Heute sind die Erklärer darin übereingekommen, daß sie sagen: Die Leute haben halt Brot mit sich gehabt; und als sie angeordnet worden sind, reihenweise, da haben sie ihre Brocken ausgepackt. Das ist ja das, was heute sozusagen als Übereinkommen selbst bei denjenigen dasteht, die so recht festhalten wollen am Evangelium. Wenn man allerdings die Sachen in dieser äußerlichen Weise nimmt, dann sinken sie zu einer äußeren Draperie, zu einer äußern Zeremonie herunter. Man weiß nicht, warum dann die ganze Sache erzählt wird. Auf der anderen Seite darf man natürlich auch nicht an schwarze Magie denken; denn das wirkliche Hervorzaubern von einer ausgiebigen Menge Brot aus fünf, beziehungsweise sieben Broten wäre schwarze Magie. Aber cs kann sich nicht um schwarze Magie handeln, auch nicht um einen Vorgang, der besonders zurechtgerückt erscheint für die Philister, wie wenn die Leute Brot mitgebracht und ausgepackt hätten. Es ist dabei etwas Besonderes gemeint. Ich habe schon bei der Auslegung der verschiedenen anderen Evangelien darauf hingedeutet, und es wird im Evangelium selbst deutlich genug darauf hingewiesen, um was es sich handelt.

«Und die Apostel sammelten sich bei Jesus und berichteten ihm alles, was sie getan und was sie gelehrt hatten.

Und er sagte zu ihnen: Zieht euch zurück bei seit an einen einsamen Ort und ruhet ein wenig aus.» (6, 30-31.)

«Und die Apostel sammelten sich bei Jesus und berichteten ihm alles, was sie getan und was sie gelehrt hatten.

Und er sagte zu ihnen: Zieht euch zurück bei seit an einen einsamen Ort und ruhet ein wenig aus.» (6, 30-31.)

[ 22 ] Diesen Ausspruch sollen wir wohl ins Auge fassen. Der Christus Jesus schickt die Apostel an einen einsamen Ort, daß sie ein wenig ausruhen, das heißt, daß sie sich in einen Zustand versetzen, in den man eben kommt, wenn man in die Einsamkeit geht. Und was sehen sie da? Was sehen sie da in einem anderen Zustande? Sie werden geführt zu einer Art von neuem Hellsehen, in das sie dadurch versetzt werden, daß der Geist des Elias-Johannes über sie kommt. Bis dahin hat der Christus ihnen die Gleichnisse ausgelegt, jetzt läßt er über sie kommen ein neues Hellsehen. Und was sehen sie? Sie sehen in umfassenden Bildern die Menschheitsentwickelung, sie sehen die Zukunft, sie sehen, wie allmählich heranrücken zu dem, was der Impuls des Christus ist, die Menschen der Zukunft. Was hier erzählt wird als die zweimalige Brotvermehrung, im Geistigen haben es die Jünger gesehen. Ein hellseherischer Akt ist es. Und als hellseherischer Akt ist er so wie ein anderer hellseherischer Akt: er huscht vorüber zunächst, wenn man seiner ungewohnt ist. Daher verstehen die Jünger ihn so lange nicht.

[ 22 ] Diesen Ausspruch sollen wir wohl ins Auge fassen. Der Christus Jesus schickt die Apostel an einen einsamen Ort, daß sie ein wenig ausruhen, das heißt, daß sie sich in einen Zustand versetzen, in den man eben kommt, wenn man in die Einsamkeit geht. Und was sehen sie da? Was sehen sie da in einem anderen Zustande? Sie werden geführt zu einer Art von neuem Hellsehen, in das sie dadurch versetzt werden, daß der Geist des Elias-Johannes über sie kommt. Bis dahin hat der Christus ihnen die Gleichnisse ausgelegt, jetzt läßt er über sie kommen ein neues Hellsehen. Und was sehen sie? Sie sehen in umfassenden Bildern die Menschheitsentwickelung, sie sehen die Zukunft, sie sehen, wie allmählich heranrücken zu dem, was der Impuls des Christus ist, die Menschen der Zukunft. Was hier erzählt wird als die zweimalige Brotvermehrung, im Geistigen haben es die Jünger gesehen. Ein hellseherischer Akt ist es. Und als hellseherischer Akt ist er so wie ein anderer hellseherischer Akt: er huscht vorüber zunächst, wenn man seiner ungewohnt ist. Daher verstehen die Jünger ihn so lange nicht.

[ 23 ] Das ist es überhaupt, was uns nun in den folgenden Vorträgen immer intensiver beschäftigen wird — am meisten wird es ersichtlich im Markus-Evangelium —, daß die Erzählungen vom äußeren Sinnensein übergehen in Wiedergabe von hellseherischen Momenten und daß wir das Evangelium nur verstehen, wenn wir es vom Gesichtspunkte der geistigen Forschung aus auffassen. Da steht man, sagen wir, in der Zeit, von der die Rede ist, nach der Enthauptung des Johannes, hat auf sich wirken lassen den Christus-Impuls; der steht da in der Welt. Mit dem äußeren Blick der Sinne erscheint einem zunächst der Christus selber als die einsame Persönlichkeit, die nicht viel wirken kann. In den im gegenwärtigen Sinne geschulten hellseherischen Blick tritt die Zeit ein! Der Christus tritt nicht nur unter diejenigen, die damals in Palästina waren, sondern auch unter diejenigen, welche da in allen folgenden Geschlechtern aufgehen werden. Sie alle versammeln sich um ihn, und was er ihnen geben kann, das gibt er für Tausende und aber Tausende. Und so sehen ihn die Apostel, die Zwölf. So sehen sie ihn wirken, von damals ausgehend und durch die Jahrtausende hindurch, wie er geistig den Impuls in alle Perspektiven der Zukunft hineinwirft, wie herbeikommen alle die zukünftigen Menschen. Das schauen sie. Es ist ein Vorgang, wo sie im besonderen Maße im Geiste mit dem Christus verbunden sind.

[ 23 ] Das ist es überhaupt, was uns nun in den folgenden Vorträgen immer intensiver beschäftigen wird — am meisten wird es ersichtlich im Markus-Evangelium —, daß die Erzählungen vom äußeren Sinnensein übergehen in Wiedergabe von hellseherischen Momenten und daß wir das Evangelium nur verstehen, wenn wir es vom Gesichtspunkte der geistigen Forschung aus auffassen. Da steht man, sagen wir, in der Zeit, von der die Rede ist, nach der Enthauptung des Johannes, hat auf sich wirken lassen den Christus-Impuls; der steht da in der Welt. Mit dem äußeren Blick der Sinne erscheint einem zunächst der Christus selber als die einsame Persönlichkeit, die nicht viel wirken kann. In den im gegenwärtigen Sinne geschulten hellseherischen Blick tritt die Zeit ein! Der Christus tritt nicht nur unter diejenigen, die damals in Palästina waren, sondern auch unter diejenigen, welche da in allen folgenden Geschlechtern aufgehen werden. Sie alle versammeln sich um ihn, und was er ihnen geben kann, das gibt er für Tausende und aber Tausende. Und so sehen ihn die Apostel, die Zwölf. So sehen sie ihn wirken, von damals ausgehend und durch die Jahrtausende hindurch, wie er geistig den Impuls in alle Perspektiven der Zukunft hineinwirft, wie herbeikommen alle die zukünftigen Menschen. Das schauen sie. Es ist ein Vorgang, wo sie im besonderen Maße im Geiste mit dem Christus verbunden sind.

[ 24 ] Das müssen wir insbesondere ins Auge fassen, daß das Spirituelle von jetzt ab die ganze Darstellung des Markus-Evangeliums zu durchdringen beginnt. Wie das eigentümlich ist und wie das Evangelium immer mehr wächst und wächst, wenn man dies ins Auge faßt, das wird uns in den folgenden Vorträgen noch beschäftigen. Jetzt aber sei auf eines aufmerksam gemacht. Auf eine Szene sei hingewiesen, die nur verstanden werden kann durch diese geisteswissenschaftliche Art der Forschung. Es ist die Szene, welche bald nach der eben angeführten eintrat.

[ 24 ] Das müssen wir insbesondere ins Auge fassen, daß das Spirituelle von jetzt ab die ganze Darstellung des Markus-Evangeliums zu durchdringen beginnt. Wie das eigentümlich ist und wie das Evangelium immer mehr wächst und wächst, wenn man dies ins Auge faßt, das wird uns in den folgenden Vorträgen noch beschäftigen. Jetzt aber sei auf eines aufmerksam gemacht. Auf eine Szene sei hingewiesen, die nur verstanden werden kann durch diese geisteswissenschaftliche Art der Forschung. Es ist die Szene, welche bald nach der eben angeführten eintrat.

«Und Jesus und seine Jünger zogen hinaus in die Ortschaften bei Cäsarea Philippi. Und unterwegs befragte er seine Jünger also: Was sagen die Leute von mir, wer ich sei?

Sie aber sagten zu ihm: Einige sagen, du seist Johannes der Täufer; und andere sagen, du seist Elias; andere aber, du seist einer von den Propheten.

Und er befragte sie: Ihr aber, was sagt ihr, wer ich sei? Antwortete ihm Petrus und sagte zu ihm: Du bist der Christus.

Und er bedräute sie, daß sie niemandem von ihm sagen sollten.

Und er begann sie zu belehren, daß der Sohn des Menschen viel leiden müsse und verworfen werde von den Ältesten und den Hohepriestern und den Schriftgelehrten, und den Tod erleiden werde und nach drei Tagen auferweckt werde.

Und er redete ganz offen davon. Und Petrus zog ihn an sich heran und begann ihn zu schelten.

Er aber wandte sich um, und da er seine Jünger sah, schalt er den Petrus also: Weiche hinter mich, Satan! du denkst nicht, was Gott ansteht, sondern was den Menschen.» (8, 27-33.)

«Und Jesus und seine Jünger zogen hinaus in die Ortschaften bei Cäsarea Philippi. Und unterwegs befragte er seine Jünger also: Was sagen die Leute von mir, wer ich sei?

Sie aber sagten zu ihm: Einige sagen, du seist Johannes der Täufer; und andere sagen, du seist Elias; andere aber, du seist einer von den Propheten.

Und er befragte sie: Ihr aber, was sagt ihr, wer ich sei? Antwortete ihm Petrus und sagte zu ihm: Du bist der Christus.

Und er bedräute sie, daß sie niemandem von ihm sagen sollten.

Und er begann sie zu belehren, daß der Sohn des Menschen viel leiden müsse und verworfen werde von den Ältesten und den Hohepriestern und den Schriftgelehrten, und den Tod erleiden werde und nach drei Tagen auferweckt werde.

Und er redete ganz offen davon. Und Petrus zog ihn an sich heran und begann ihn zu schelten.

Er aber wandte sich um, und da er seine Jünger sah, schalt er den Petrus also: Weiche hinter mich, Satan! du denkst nicht, was Gott ansteht, sondern was den Menschen.» (8, 27-33.)

[ 25 ] Man möchte sagen: eine harte Nuß für die Evangelienforschung! Denn was ist eigentlich alles in dieser Stelle? Es ist eigentlich, wenn man nicht in die spirituelle Forschung einrücken will, alles darin so, daß man es nicht verstehen kann. Der Christus fragt die Jünger: «Was sagen die Leute, wer ich sei?» Und sie antworten: «Einige sagen, du seist Johannes der Täufer.» Aber Johannes der Täufer ist doch kurz vorher enthauptet worden, und der Christus hat doch schon gelehrt, als Johannes der Täufer noch da war. Sollen die Leute offenbaren Unsinn reden, wenn sie den Christus für den Täufer Johannes halten und der Täufer doch noch da ist? Wenn sie sagen, er sei Elias oder ein anderer Prophet, so ginge das noch an. Nun aber, Petrus sagt: «Du bist der Christus», das heißt, er tut etwas kund, was ganz großartig ist, was nur das Heiligste in ihm sprechen kann. Und wenige Zeilen darnach soll der Christus zu ihm sagen: «Satan, weiche hinter mich! du sagst etwas, was Gott nicht ansteht, sondern den Menschen »? Kann jemand glauben, daß, nachdem Petrus diese großartigen Dinge gesagt hat, ihn der Christus mit «Satan » beschimpft? Oder kann man verstehen, wenn vorher gesagt wird: «Er bedräute sie, daß sie niemand davon sagen sollten», also, das heißt: Sagt keinem, daß der Petrus ihn für den Christus hält? Und dann heißt es weiter: «Er begann sie zu lehren, daß des Menschen Sohn viel leiden müsse, verworfen werde, getötet werde und nach drei Tagen auferweckt werde. Und er redete ganz offen davon.» Und dann, nachdem ihn der Petrus deswegen schilt, nennt er den Petrus einen «Satan ». Und das Kurioseste, was noch darinnen liegt: es heißt: «Und Jesus und seine Jünger zogen hinaus in die Ortschaften von Cäsarea Philippi » und so weiter; immer wird erzählt, wie sie zu ihm sprechen, und dann wird noch einmal gesagt: «Und er begann sie zu belehren» und so weiter. Dann aber heißt es: «Er aber wandte sich um, und da er seine Jünger sah, schalt er den Petrus.» Also vorher ist gesagt: Er sprach zu ihnen, er belehrte sie. Ja, hat er das alles getan, indem er mit dem Rücken zu ihnen gewendet war? Denn es heißt dann: «Er wandte sich um und sah seine Jünger.» Hat er ihnen denn den Rücken zugewendet und in die Luft gesprochen?

[ 25 ] Man möchte sagen: eine harte Nuß für die Evangelienforschung! Denn was ist eigentlich alles in dieser Stelle? Es ist eigentlich, wenn man nicht in die spirituelle Forschung einrücken will, alles darin so, daß man es nicht verstehen kann. Der Christus fragt die Jünger: «Was sagen die Leute, wer ich sei?» Und sie antworten: «Einige sagen, du seist Johannes der Täufer.» Aber Johannes der Täufer ist doch kurz vorher enthauptet worden, und der Christus hat doch schon gelehrt, als Johannes der Täufer noch da war. Sollen die Leute offenbaren Unsinn reden, wenn sie den Christus für den Täufer Johannes halten und der Täufer doch noch da ist? Wenn sie sagen, er sei Elias oder ein anderer Prophet, so ginge das noch an. Nun aber, Petrus sagt: «Du bist der Christus», das heißt, er tut etwas kund, was ganz großartig ist, was nur das Heiligste in ihm sprechen kann. Und wenige Zeilen darnach soll der Christus zu ihm sagen: «Satan, weiche hinter mich! du sagst etwas, was Gott nicht ansteht, sondern den Menschen »? Kann jemand glauben, daß, nachdem Petrus diese großartigen Dinge gesagt hat, ihn der Christus mit «Satan » beschimpft? Oder kann man verstehen, wenn vorher gesagt wird: «Er bedräute sie, daß sie niemand davon sagen sollten», also, das heißt: Sagt keinem, daß der Petrus ihn für den Christus hält? Und dann heißt es weiter: «Er begann sie zu lehren, daß des Menschen Sohn viel leiden müsse, verworfen werde, getötet werde und nach drei Tagen auferweckt werde. Und er redete ganz offen davon.» Und dann, nachdem ihn der Petrus deswegen schilt, nennt er den Petrus einen «Satan ». Und das Kurioseste, was noch darinnen liegt: es heißt: «Und Jesus und seine Jünger zogen hinaus in die Ortschaften von Cäsarea Philippi » und so weiter; immer wird erzählt, wie sie zu ihm sprechen, und dann wird noch einmal gesagt: «Und er begann sie zu belehren» und so weiter. Dann aber heißt es: «Er aber wandte sich um, und da er seine Jünger sah, schalt er den Petrus.» Also vorher ist gesagt: Er sprach zu ihnen, er belehrte sie. Ja, hat er das alles getan, indem er mit dem Rücken zu ihnen gewendet war? Denn es heißt dann: «Er wandte sich um und sah seine Jünger.» Hat er ihnen denn den Rücken zugewendet und in die Luft gesprochen?

[ 26 ] Sie sehen: ein ganzes Knäuel von Unverständlichkeiten liegt in dieser einzelnen Stelle. Man wundert sich nur, daß solche Dinge hingenommen werden, ohne daß wahrhafte und wirkliche, reale Erklärungen gesucht werden. Aber gehen Sie die Evangelienerklärung durch: entweder huscht man über solche Stellen hinweg, oder man sucht das Allerkurioseste anzuführen. Auch Streite und Diskussionen waren da; wenige aber werden behaupten, daß sie durch solche Diskussionen gescheiter geworden sind.

[ 26 ] Sie sehen: ein ganzes Knäuel von Unverständlichkeiten liegt in dieser einzelnen Stelle. Man wundert sich nur, daß solche Dinge hingenommen werden, ohne daß wahrhafte und wirkliche, reale Erklärungen gesucht werden. Aber gehen Sie die Evangelienerklärung durch: entweder huscht man über solche Stellen hinweg, oder man sucht das Allerkurioseste anzuführen. Auch Streite und Diskussionen waren da; wenige aber werden behaupten, daß sie durch solche Diskussionen gescheiter geworden sind.

[ 27 ] Nun wollen wir nur das eine festhalten und vor unsere Seele hinstellen, was gesagt ist. Nachdem wir angedeutet haben, daß nach dem Tode Johannes des Täufers, da die Elias-Johannes-Seele übergeht als eine Gruppenseele in die Jünger, das erste wirkliche «Wunder» vollbracht wird, von dem wir aber immer mehr und mehr sehen werden, wie es zu verstehen ist, da finden wir eine vollständig unverständliche Stelle, in der dargestellt wird: der Christus Jesus spricht zu seinen Jüngern, fragt sie: «Was glauben die Leute, was jetzt geschieht? » Nicht wahr, diese Frage darf man auch so stellen; denn den Leuten kam es vor allen Dingen darauf an, wovon die Wirkungen ausgehen, die jetzt geschehen. Darauf antworten die Jünger: «Die Leute meinen, es gehe» — wenn wir einen trivialen Ausdruck gebrauchen wollen — «Johannes der Täufer um, oder es gehe der Elias um oder ein anderer der Propheten; und dadurch, daß dies geschieht, geschähen die Wirkungen, die eben beobachtet worden sind.» — «Aber wovon glaubt ihr», so fragt der Christus Jesus, «daß die Dinge herkommen?» Da sagt Petrus: «Sie kommen davon her, daß du der Christus bist.» Damit hat Petrus im Sinne des Markus-Evangeliums sich selber in seiner Erkenntnis hingestellt wie den Knotenpunkt in der Menschheitsentwickelung. Denn was hat er damit eigentlich gesagt? Stellen wir uns vor Augen, was er gesagt hat.

[ 27 ] Nun wollen wir nur das eine festhalten und vor unsere Seele hinstellen, was gesagt ist. Nachdem wir angedeutet haben, daß nach dem Tode Johannes des Täufers, da die Elias-Johannes-Seele übergeht als eine Gruppenseele in die Jünger, das erste wirkliche «Wunder» vollbracht wird, von dem wir aber immer mehr und mehr sehen werden, wie es zu verstehen ist, da finden wir eine vollständig unverständliche Stelle, in der dargestellt wird: der Christus Jesus spricht zu seinen Jüngern, fragt sie: «Was glauben die Leute, was jetzt geschieht? » Nicht wahr, diese Frage darf man auch so stellen; denn den Leuten kam es vor allen Dingen darauf an, wovon die Wirkungen ausgehen, die jetzt geschehen. Darauf antworten die Jünger: «Die Leute meinen, es gehe» — wenn wir einen trivialen Ausdruck gebrauchen wollen — «Johannes der Täufer um, oder es gehe der Elias um oder ein anderer der Propheten; und dadurch, daß dies geschieht, geschähen die Wirkungen, die eben beobachtet worden sind.» — «Aber wovon glaubt ihr», so fragt der Christus Jesus, «daß die Dinge herkommen?» Da sagt Petrus: «Sie kommen davon her, daß du der Christus bist.» Damit hat Petrus im Sinne des Markus-Evangeliums sich selber in seiner Erkenntnis hingestellt wie den Knotenpunkt in der Menschheitsentwickelung. Denn was hat er damit eigentlich gesagt? Stellen wir uns vor Augen, was er gesagt hat.

[ 28 ] Diejenigen, welche die großen Menschheitsführer waren in der vorhergehenden Zeit, das waren die Initiierten, die bis zum letzten Akt der Initiation in den heiligen Mysterien geführt worden waren. Es waren die, welche bis an die Pforte des Todes herangetreten waren, die in die Elemente untergetaucht waren, drei Tage außerhalb ihres Leibes verweilt hatten, während dieser dreier Tage aber in den übersinnlichen Welten waren, danach wieder auferweckt waren und nun Kundschafter, Botschafter waren von den übersinnlichen Welten. Das waren immer die großen Menschheitsführer, die Initiierten, die es auf solche Weise geworden. Petrus sagt nun: «Du bist der Christus», das heißt: Du bist ein Führer, der nicht so durch die Mysterien gegangen ist, der aus dem Kosmos gekommen ist und jetzt Menschheitsführer ist. Historisch, einmal soll das auf den Plan der Erde gestellt werden, was sonst in seiner anderen Weise bei der Initiation geschehen ist. Es war etwas Ungeheutes, was Petrus damit aussprach. Was mußte man denn dem Petrus sagen? Man mußte ihm sagen: Das ist etwas, was man nicht unter die Menge bringen darf; das ist etwas, wovon die heiligsten, ältesten Gesetze sagen, daß es Mysterium bleiben muß. Man darf nicht von den Mysterien sprechen. — In diesem Moment mußte man das dem Petrus sagen.

[ 28 ] Diejenigen, welche die großen Menschheitsführer waren in der vorhergehenden Zeit, das waren die Initiierten, die bis zum letzten Akt der Initiation in den heiligen Mysterien geführt worden waren. Es waren die, welche bis an die Pforte des Todes herangetreten waren, die in die Elemente untergetaucht waren, drei Tage außerhalb ihres Leibes verweilt hatten, während dieser dreier Tage aber in den übersinnlichen Welten waren, danach wieder auferweckt waren und nun Kundschafter, Botschafter waren von den übersinnlichen Welten. Das waren immer die großen Menschheitsführer, die Initiierten, die es auf solche Weise geworden. Petrus sagt nun: «Du bist der Christus», das heißt: Du bist ein Führer, der nicht so durch die Mysterien gegangen ist, der aus dem Kosmos gekommen ist und jetzt Menschheitsführer ist. Historisch, einmal soll das auf den Plan der Erde gestellt werden, was sonst in seiner anderen Weise bei der Initiation geschehen ist. Es war etwas Ungeheutes, was Petrus damit aussprach. Was mußte man denn dem Petrus sagen? Man mußte ihm sagen: Das ist etwas, was man nicht unter die Menge bringen darf; das ist etwas, wovon die heiligsten, ältesten Gesetze sagen, daß es Mysterium bleiben muß. Man darf nicht von den Mysterien sprechen. — In diesem Moment mußte man das dem Petrus sagen.

[ 29 ] Nun ist aber der ganze Sinn der weiteren Menschheitsentwickelung der, daß mit dem Mysterium von Golgatha das, was sich sonst nur in den Tiefen der Mysterien abgespielt hatte, hinausgestellt worden ist auf den Plan der Weltgeschichte. Durch das, was auf Golgatha geschehen ist, das Drei-Tage-im-Grabe-Liegen, das Auferwecktwerden, durch das ist historisch hinausgestellt auf den Erdenplan, was sonst in den Tiefen, in dem Dunkel der Mysterien geschehen war. Mit anderen Worten: Was als heiliges Gesetz gegolten hat, daß man schweigen müsse über dieses Mysterium, jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, wo das durchbrochen werden muß. Die Menschen haben die Gesetze aufgerichtet, wonach man über die Mysterien zu schweigen hat. Jetzt aber müssen die Mysterien durch das Mysterium von Golgatha offenbar werden. Ein Entschluß in der Seele des Christus, der größte welthistorische Entschluß ist es, da er sich vornimmt: was bis jetzt immer nach Menschengesetz hat verschwiegen werden müssen, das muß jetzt gezeigt werden vor aller Augen, vor der Weltgeschichte.

[ 29 ] Nun ist aber der ganze Sinn der weiteren Menschheitsentwickelung der, daß mit dem Mysterium von Golgatha das, was sich sonst nur in den Tiefen der Mysterien abgespielt hatte, hinausgestellt worden ist auf den Plan der Weltgeschichte. Durch das, was auf Golgatha geschehen ist, das Drei-Tage-im-Grabe-Liegen, das Auferwecktwerden, durch das ist historisch hinausgestellt auf den Erdenplan, was sonst in den Tiefen, in dem Dunkel der Mysterien geschehen war. Mit anderen Worten: Was als heiliges Gesetz gegolten hat, daß man schweigen müsse über dieses Mysterium, jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, wo das durchbrochen werden muß. Die Menschen haben die Gesetze aufgerichtet, wonach man über die Mysterien zu schweigen hat. Jetzt aber müssen die Mysterien durch das Mysterium von Golgatha offenbar werden. Ein Entschluß in der Seele des Christus, der größte welthistorische Entschluß ist es, da er sich vornimmt: was bis jetzt immer nach Menschengesetz hat verschwiegen werden müssen, das muß jetzt gezeigt werden vor aller Augen, vor der Weltgeschichte.

[ 30 ] Denken wir uns einen Augenblick welthistorischen Nachdenkens in dem Christus, einen Augenblick welthistorischen Besinnens: Ich blicke hin auf die ganze Menschheitsentwickelung. Sie verbietet mir durch ihre Gesetze, zu sprechen über den Tod und die Auferstehung, die Auferweckung, über das heilige Mysterium der Initiation. Nein. Ich bin ja von den Göttern heruntergeschickt auf die Erde, um es offenbar zu machen. Ich darf mich nicht nach dem richten, was die Menschen sagen; ich muß mich nach dem richten, was die Götter mir sagen. — Der Entschluß, die Mysterien offenbar zu machen, bereitet sich in diesem Augenblick vor. Und abwerfen von seiner Seele muß der Christus die Unentschlossenheit, die etwa davon kommen könnte, daß er halten möchte in der Evolution, was Menschengebote gegeben haben. Weiche von mir, Unentschlossenheit, und wachse in mir, Entschluß, dasjenige hinzustellen vor die ganze Menschheit, was bisher in den Tiefen der Mysterien gewesen war! — Zu seinem eigenen Entschluß, als er zurückzuweisen hat, was ihn unentschlossen machen kann, sagt der Christus: «Weiche von mir!» und nimmt sich vor in diesem Moment, dasjenige auszuführen, wozu er von seinem Gotte auf die Erde heruntergeschickt worden ist.

[ 30 ] Denken wir uns einen Augenblick welthistorischen Nachdenkens in dem Christus, einen Augenblick welthistorischen Besinnens: Ich blicke hin auf die ganze Menschheitsentwickelung. Sie verbietet mir durch ihre Gesetze, zu sprechen über den Tod und die Auferstehung, die Auferweckung, über das heilige Mysterium der Initiation. Nein. Ich bin ja von den Göttern heruntergeschickt auf die Erde, um es offenbar zu machen. Ich darf mich nicht nach dem richten, was die Menschen sagen; ich muß mich nach dem richten, was die Götter mir sagen. — Der Entschluß, die Mysterien offenbar zu machen, bereitet sich in diesem Augenblick vor. Und abwerfen von seiner Seele muß der Christus die Unentschlossenheit, die etwa davon kommen könnte, daß er halten möchte in der Evolution, was Menschengebote gegeben haben. Weiche von mir, Unentschlossenheit, und wachse in mir, Entschluß, dasjenige hinzustellen vor die ganze Menschheit, was bisher in den Tiefen der Mysterien gewesen war! — Zu seinem eigenen Entschluß, als er zurückzuweisen hat, was ihn unentschlossen machen kann, sagt der Christus: «Weiche von mir!» und nimmt sich vor in diesem Moment, dasjenige auszuführen, wozu er von seinem Gotte auf die Erde heruntergeschickt worden ist.

[ 31 ] Wir haben es an dieser Stelle zu tun mit dem welthistorisch größten Monolog, der jemals in der ganzen Erdenevolution stattgefunden hat, mit dem Monolog des Gottes von dem Offenbarmachen der Mysterien. Kein Wunder, daß der Monolog des Gottes nicht von vornherein für Menschenintellekt verständlich ist, daß wir tief schürfen müssen, wenn wir uns nur einigermaßen würdig machen wollen, um diesen Monolog des Gottes, durch den die Tat des Gottes ein Stück weitergeht, zu verstehen. Davon morgen weiter.

[ 31 ] Wir haben es an dieser Stelle zu tun mit dem welthistorisch größten Monolog, der jemals in der ganzen Erdenevolution stattgefunden hat, mit dem Monolog des Gottes von dem Offenbarmachen der Mysterien. Kein Wunder, daß der Monolog des Gottes nicht von vornherein für Menschenintellekt verständlich ist, daß wir tief schürfen müssen, wenn wir uns nur einigermaßen würdig machen wollen, um diesen Monolog des Gottes, durch den die Tat des Gottes ein Stück weitergeht, zu verstehen. Davon morgen weiter.