The Gospel of Mark
GA 139
21 September 1912, Basel
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Das Markus-Evangelium, 6th ed.
Siebenter Vortrag
Siebenter Vortrag
[ 1 ] Am besten wäre es zweifellos, wenn man bei den Betrachtungen, die sich an das eine oder andere der Evangelien erklärend anknüpfen sollen, immer ganz absehen könnte von den anderen Evangelien; denn dadurch würde das reinste und beste Verständnis des Grundtones des einzelnen Evangeliums zustande kommen. Allein es liegt nahe, daß eine solche Betrachtungsweise — wenn man gar nicht den einen oder anderen Lichtstrahl von einem Evangelium aus auf die anderen wirft doch leicht Mißverständnisse hervorrufen kann. So könnte gerade das, was gestern als der «welthistorisch größte Monolog » angegeben worden ist, leicht mißverstanden werden, wenn irgend jemand nicht genau, sondern etwas oberflächlich zu Rate ziehen wollte, was zum Beispiel in Anlehnung an das Matthäus-Evangelium über die ähnliche Stelle gesagt werden muß und auch damals bei den Vorträgen in Bern gesagt worden ist. Und zwar wäre ein Einwand, der etwa von einem solchen Gesichtspunkt aus gemacht würde, im tieferen logischen Sinne eigentlich doch dasselbe, wie wenn es eine Mitteilung gäbe: Hier auf diesem Podium stand einmal ein Mensch, und zu seiner Linken stand ein Rosenbukett — und ein andermal würde man lesen: Hier auf diesem Podium stand einmal ein Mensch, und zu seiner Rechten stand ein Rosenbukett —, und wenn jemand, der nicht daran beteiligt gewesen wäre, dann sagen würde: Das stimmt nicht; denn das eine Mal stand das Rosenbukett rechts, und das andere Mal stand es links. Es kommt eben darauf an, wo der betreffende Beobachter gestanden hat; dann sind beide Sätze richtig. So muß man die Evangelien nehmen. Wir haben es eben nicht zu tun mit einer abstrakten Biographie des Christus Jesus, sondern mit einer reichen Welt von äußeren sowohl wie okkulten Tatsachen, die hier dargestellt sind.
[ 1 ] Am besten wäre es zweifellos, wenn man bei den Betrachtungen, die sich an das eine oder andere der Evangelien erklärend anknüpfen sollen, immer ganz absehen könnte von den anderen Evangelien; denn dadurch würde das reinste und beste Verständnis des Grundtones des einzelnen Evangeliums zustande kommen. Allein es liegt nahe, daß eine solche Betrachtungsweise — wenn man gar nicht den einen oder anderen Lichtstrahl von einem Evangelium aus auf die anderen wirft doch leicht Mißverständnisse hervorrufen kann. So könnte gerade das, was gestern als der «welthistorisch größte Monolog » angegeben worden ist, leicht mißverstanden werden, wenn irgend jemand nicht genau, sondern etwas oberflächlich zu Rate ziehen wollte, was zum Beispiel in Anlehnung an das Matthäus-Evangelium über die ähnliche Stelle gesagt werden muß und auch damals bei den Vorträgen in Bern gesagt worden ist. Und zwar wäre ein Einwand, der etwa von einem solchen Gesichtspunkt aus gemacht würde, im tieferen logischen Sinne eigentlich doch dasselbe, wie wenn es eine Mitteilung gäbe: Hier auf diesem Podium stand einmal ein Mensch, und zu seiner Linken stand ein Rosenbukett — und ein andermal würde man lesen: Hier auf diesem Podium stand einmal ein Mensch, und zu seiner Rechten stand ein Rosenbukett —, und wenn jemand, der nicht daran beteiligt gewesen wäre, dann sagen würde: Das stimmt nicht; denn das eine Mal stand das Rosenbukett rechts, und das andere Mal stand es links. Es kommt eben darauf an, wo der betreffende Beobachter gestanden hat; dann sind beide Sätze richtig. So muß man die Evangelien nehmen. Wir haben es eben nicht zu tun mit einer abstrakten Biographie des Christus Jesus, sondern mit einer reichen Welt von äußeren sowohl wie okkulten Tatsachen, die hier dargestellt sind.
[ 2 ] Um diesen Gesichtspunkt ins Auge zu fassen, nehmen wir jetzt einmal das, was gestern der «welthistorisch größte Monolog» genannt worden ist, das Selbstgespräch des Gottes. Wir müssen uns darüber klar sein, daß das, was im Fortgange des Ganzen sich abspielte, sich ganz besonders zwischen dem Christus Jesus und seinen Jüngern, seinen nächsten Schülern, zutrug. Und was gestern gesagt worden ist, daß eigentlich der Geist des Elias, nachdem er befreit war von dem physischen Leib Johannes des Täufers, wie eine Art von Gruppenseele der Jünger wirksam war, das muß zu einer solchen Betrachtung noch ganz besonders hinzugezogen werden. Was damals vorging, das spielte sich nicht nur so ab, daß man es einfach in einer äußerlichen Weise erzählen kann, sondern es spielte sich in einer viel komplizierteren Weise ab. Es war gewissermaßen eine innere und tiefe Wechselbeziehung zwischen der Seele des Christus und der Seele der Zwölf. Was in der Seele des Christus vorging, das waren für die damalige Zeit alles bedeutungsvolle Vorgänge, Vorgänge reicher Art, vielfältige Vorgänge. Aber alles, was in der Seele des Christus vorging, spielte sich gleichsam noch einmal ab wie in einer Art von Spiegelbild, in einer Art von Reflex, in den Seelen der Jünger, aber in zwölf Teile geteilt; so daß jeder der Zwölf einen Teil dessen wie im Spiegelbilde erlebte, was in der Seele des Christus Jesus vorging, aber jeder der Zwölf etwas anderes.
[ 2 ] Um diesen Gesichtspunkt ins Auge zu fassen, nehmen wir jetzt einmal das, was gestern der «welthistorisch größte Monolog» genannt worden ist, das Selbstgespräch des Gottes. Wir müssen uns darüber klar sein, daß das, was im Fortgange des Ganzen sich abspielte, sich ganz besonders zwischen dem Christus Jesus und seinen Jüngern, seinen nächsten Schülern, zutrug. Und was gestern gesagt worden ist, daß eigentlich der Geist des Elias, nachdem er befreit war von dem physischen Leib Johannes des Täufers, wie eine Art von Gruppenseele der Jünger wirksam war, das muß zu einer solchen Betrachtung noch ganz besonders hinzugezogen werden. Was damals vorging, das spielte sich nicht nur so ab, daß man es einfach in einer äußerlichen Weise erzählen kann, sondern es spielte sich in einer viel komplizierteren Weise ab. Es war gewissermaßen eine innere und tiefe Wechselbeziehung zwischen der Seele des Christus und der Seele der Zwölf. Was in der Seele des Christus vorging, das waren für die damalige Zeit alles bedeutungsvolle Vorgänge, Vorgänge reicher Art, vielfältige Vorgänge. Aber alles, was in der Seele des Christus vorging, spielte sich gleichsam noch einmal ab wie in einer Art von Spiegelbild, in einer Art von Reflex, in den Seelen der Jünger, aber in zwölf Teile geteilt; so daß jeder der Zwölf einen Teil dessen wie im Spiegelbilde erlebte, was in der Seele des Christus Jesus vorging, aber jeder der Zwölf etwas anderes.
[ 3 ] Was in der Seele des Christus Jesus vorging, vorging wie eine große Harmonie, wie eine große Symphonie, das spiegelte sich in der Seele jedes der Zwölf in der Weise etwa wie das, was eines von zwölf Instrumenten geben kann. Daher kann man ein jegliches Ereignis, das sich auf einen oder mehrere der Jünger besonders bezieht, nach zwei Seiten hin schildern. Man kann schildern, wie sich das betreffende Ereignis ausnimmt in der Seele des Christus, so zum Beispiel, was gestern als der große welthistorische Monolog des Christus Jesus hingestellt worden ist; man kann schildern, wie es sich dort abspielte, wie es sich dort erlebte. Da nimmt es sich eben so aus, wie es gestern dargestellt worden ist. Aber in einem gewissen Spiegelbilde geht es auch vor in der Seele des Petrus. Dasselbe Seelenerlebnis geht in Petrus vor. Aber während cs bei dem Christus Jesus die ganze Menschlichkeit einnimmt, geht dasselbe in Petrus so vor, daß es ein Zwölftel ist des gesamten Menschentums, ein Zwölftel oder ein Tierkreiszeichen des gesamten Christus-Geistes. Daher muß man es in einer anderen Weise darstellen, wenn man es darstellt in bezug auf den Christus Jesus selbst.
[ 3 ] Was in der Seele des Christus Jesus vorging, vorging wie eine große Harmonie, wie eine große Symphonie, das spiegelte sich in der Seele jedes der Zwölf in der Weise etwa wie das, was eines von zwölf Instrumenten geben kann. Daher kann man ein jegliches Ereignis, das sich auf einen oder mehrere der Jünger besonders bezieht, nach zwei Seiten hin schildern. Man kann schildern, wie sich das betreffende Ereignis ausnimmt in der Seele des Christus, so zum Beispiel, was gestern als der große welthistorische Monolog des Christus Jesus hingestellt worden ist; man kann schildern, wie es sich dort abspielte, wie es sich dort erlebte. Da nimmt es sich eben so aus, wie es gestern dargestellt worden ist. Aber in einem gewissen Spiegelbilde geht es auch vor in der Seele des Petrus. Dasselbe Seelenerlebnis geht in Petrus vor. Aber während cs bei dem Christus Jesus die ganze Menschlichkeit einnimmt, geht dasselbe in Petrus so vor, daß es ein Zwölftel ist des gesamten Menschentums, ein Zwölftel oder ein Tierkreiszeichen des gesamten Christus-Geistes. Daher muß man es in einer anderen Weise darstellen, wenn man es darstellt in bezug auf den Christus Jesus selbst.
[ 4 ] So muß man reden, wenn man es darstellt im Sinne des MarkusEvangeliums; denn in diesem werden die markanten Dinge dargestellt, und es wird ganz besonders dasjenige dargestellt, was sich in der Seele des Christus Jesus selbst vollzog. Im Matthäus-Evangelium dagegen wird dargestellt, was sich mehr auf die Seele des Petrus bezieht und was der Christus Jesus beitragen kann zur Erklärung dessen, was sich in der Seele des Petrus vollzieht. Lesen Sie das Evangelium genau, dann werden Sie darauf kommen können, wie im Matthäus-Evangelium in noch besonders hinzugefügten Worten die Darstellung von der Seite des Petrus ist. Denn warum werden dort die Worte zugefügt: «Selig bist du, Simon, Sohn des Jona; denn Fleisch und Blut hat es dir nicht geoffenbart, sondern mein Vater in den Himmeln»? (Matth. 16, 17. ) Mit anderen Worten: Etwas von dem, was die Seele des Christus Jesus gefühlt hat, fühlt auch die Seele des Petrus. Aber indem die Seele des Petrus fühlt, daß sein Meister der Christus ist, ist das so auszulegen, daß Petrus eine Weile heraufgehoben ist zu einem Erleben im höheren Ich und überwältigt wird von dem, was er auf diese Weise erlebt, und sozusagen wieder zurückfällt. Aber dennoch war es ihm möglich, hindurchzudringen zu der Erkenntnis, die sich mit anderer Absicht, mit anderem Ziel in der Seele des Christus abspielt. Und weil er dazu fähig war, deshalb jene Übertragung der Schlüsselmacht, von der im Matthäus-Evangelium die Rede ist (Matth. 16, 19) und von der auch bei der Erklärung des Matthäus-Evangeliums gesprochen worden ist. Dagegen haben wir im Markus-Evangelium nur herausgehoben kräftig und einzig diejenigen Worte, welche anzeigen, daß das Ereignis, abgesehen von dem, was es in dem Petrus war, sich abspielte gleichzeitig, parallel, als der Monolog des Gottes.
[ 4 ] So muß man reden, wenn man es darstellt im Sinne des MarkusEvangeliums; denn in diesem werden die markanten Dinge dargestellt, und es wird ganz besonders dasjenige dargestellt, was sich in der Seele des Christus Jesus selbst vollzog. Im Matthäus-Evangelium dagegen wird dargestellt, was sich mehr auf die Seele des Petrus bezieht und was der Christus Jesus beitragen kann zur Erklärung dessen, was sich in der Seele des Petrus vollzieht. Lesen Sie das Evangelium genau, dann werden Sie darauf kommen können, wie im Matthäus-Evangelium in noch besonders hinzugefügten Worten die Darstellung von der Seite des Petrus ist. Denn warum werden dort die Worte zugefügt: «Selig bist du, Simon, Sohn des Jona; denn Fleisch und Blut hat es dir nicht geoffenbart, sondern mein Vater in den Himmeln»? (Matth. 16, 17. ) Mit anderen Worten: Etwas von dem, was die Seele des Christus Jesus gefühlt hat, fühlt auch die Seele des Petrus. Aber indem die Seele des Petrus fühlt, daß sein Meister der Christus ist, ist das so auszulegen, daß Petrus eine Weile heraufgehoben ist zu einem Erleben im höheren Ich und überwältigt wird von dem, was er auf diese Weise erlebt, und sozusagen wieder zurückfällt. Aber dennoch war es ihm möglich, hindurchzudringen zu der Erkenntnis, die sich mit anderer Absicht, mit anderem Ziel in der Seele des Christus abspielt. Und weil er dazu fähig war, deshalb jene Übertragung der Schlüsselmacht, von der im Matthäus-Evangelium die Rede ist (Matth. 16, 19) und von der auch bei der Erklärung des Matthäus-Evangeliums gesprochen worden ist. Dagegen haben wir im Markus-Evangelium nur herausgehoben kräftig und einzig diejenigen Worte, welche anzeigen, daß das Ereignis, abgesehen von dem, was es in dem Petrus war, sich abspielte gleichzeitig, parallel, als der Monolog des Gottes.
[ 5 ] So müssen wir diese Dinge nehmen. Dann fühlen wir aber auch, wie der Christus Jesus eigentlich mit den Seinigen vorgeht, wie er sie führt von Stufe zu Stufe, wie er, nachdem der Geist des Elias-Johannes auf sie übergegangen ist, sie weiter führen kann im Verständnis der spirituellen Geheimnisse, als er sie früher führen konnte. Und dann fühlen wir erst, welche Bedeutung es hat, daß an die Stelle, die wir gestern am Schlusse besprochen haben als den Monolog des Gottes, sich anschließt die sogenannte Verklärungs- oder Verwandlungsszene. Das ist wieder ein bedeutendes Element in der dramatischen Komposition des Markus-Evangeliums. Um diese Verklärung zu beleuchten, müssen wir auf einiges hinweisen, das mit vielem zusammenhängt, was zum Verständnisse der Darstellung in den Evangelien nötig ist; zunächst auf eines.
[ 5 ] So müssen wir diese Dinge nehmen. Dann fühlen wir aber auch, wie der Christus Jesus eigentlich mit den Seinigen vorgeht, wie er sie führt von Stufe zu Stufe, wie er, nachdem der Geist des Elias-Johannes auf sie übergegangen ist, sie weiter führen kann im Verständnis der spirituellen Geheimnisse, als er sie früher führen konnte. Und dann fühlen wir erst, welche Bedeutung es hat, daß an die Stelle, die wir gestern am Schlusse besprochen haben als den Monolog des Gottes, sich anschließt die sogenannte Verklärungs- oder Verwandlungsszene. Das ist wieder ein bedeutendes Element in der dramatischen Komposition des Markus-Evangeliums. Um diese Verklärung zu beleuchten, müssen wir auf einiges hinweisen, das mit vielem zusammenhängt, was zum Verständnisse der Darstellung in den Evangelien nötig ist; zunächst auf eines.
[ 6 ] Sie können es im Markus-Evangelium und auch in den anderen Evangelien öfter lesen, wie der Christus Jesus davon spricht, daß des Menschen Sohn viel leiden müsse, daß er angefallen würde von den Schriftgelehrten, von den Hohenpriestern, daß er getötet würde, daß er nach drei Tagen auferweckt würde. Und Sie finden überall bis zu einem gewissen Punkt hin deutlich angedeutet, wie die Apostel zunächst diese Redewendung von dem leidenden, sterbenden und auferweckten Menschensohn nicht verstehen können, wie sie Schwierigkeiten haben gerade im Verständnis dieser Stelle (9, 31-32). Warum begegnen wir dieser eigentümlichen Tatsache? Warum treten Schwierigkeiten bei den Aposteln gerade in bezug auf das Verständnis des eigentlichen Mysteriums von Golgatha auf? Was ist denn dieses Mysterium von Golgatha? Wir haben es schon erwähnt. Es ist nichts anderes als das Herausholen der Initiation aus den Tiefen der Mysterien auf den Plan der Weltgeschichte. Natürlich ist ein ganz bedeutsamer Unterschied zwischen einer jeglichen Initiation und dem Mysterium von Golgatha. Der Unterschied liegt in folgendem.
[ 6 ] Sie können es im Markus-Evangelium und auch in den anderen Evangelien öfter lesen, wie der Christus Jesus davon spricht, daß des Menschen Sohn viel leiden müsse, daß er angefallen würde von den Schriftgelehrten, von den Hohenpriestern, daß er getötet würde, daß er nach drei Tagen auferweckt würde. Und Sie finden überall bis zu einem gewissen Punkt hin deutlich angedeutet, wie die Apostel zunächst diese Redewendung von dem leidenden, sterbenden und auferweckten Menschensohn nicht verstehen können, wie sie Schwierigkeiten haben gerade im Verständnis dieser Stelle (9, 31-32). Warum begegnen wir dieser eigentümlichen Tatsache? Warum treten Schwierigkeiten bei den Aposteln gerade in bezug auf das Verständnis des eigentlichen Mysteriums von Golgatha auf? Was ist denn dieses Mysterium von Golgatha? Wir haben es schon erwähnt. Es ist nichts anderes als das Herausholen der Initiation aus den Tiefen der Mysterien auf den Plan der Weltgeschichte. Natürlich ist ein ganz bedeutsamer Unterschied zwischen einer jeglichen Initiation und dem Mysterium von Golgatha. Der Unterschied liegt in folgendem.
[ 7 ] Wer in den Mysterien der verschiedenen Völker initiiert worden ist, hatte in einer gewissen Weise dasselbe durchgemacht. Er wurde gebracht zu Leiden, zu einem dreitägigen, man möchte sagen, scheinbaren Tod, wo sein Geist außerhalb seines Leibes in den spirituellen Welten weilte, wo dann sein Geist wieder zurückgebracht wurde in seinen Leib, so daß der Geist in dem Leib sich erinnern konnte an das, was er in der geistigen Welt durchgemacht hatte, und er als ein Bote auftreten konnte für die Geheimnisse der geistigen Welt. Man kann also sagen, ein Hingehen zum Tode, wenn auch nicht zu dem Tode, der den Geist vollständig, sondern der ihn nur für eine Zeit vom physischen Leibe trennt, das ist die Initiation. Ein Verweilen außerhalb des Leibes und ein Zurückkehren in den physischen Leib und dadurch ein Bote werden der göttlichen Geheimnisse, das ist die Initiation. Sie vollzog sich nach sorgfältiger Vorbereitung, nachdem der Betreffende in die Lage gekommen war, in sich die Kräfte der Seele so verdichtet zu haben, daß er in diesen dreieinhalb Tagen leben konnte, ohne die Instrumente seines physischen Leibes zu gebrauchen. Dann aber, nach diesen dreieinhalb Tagen, mußte er sich wieder mit seinem physischen Leib vereinigen. Er hatte also sozusagen durch Entrückung in eine höhere Welt, abseits von den gewöhnlichen historischen Ereignissen, das durchgemacht.
[ 7 ] Wer in den Mysterien der verschiedenen Völker initiiert worden ist, hatte in einer gewissen Weise dasselbe durchgemacht. Er wurde gebracht zu Leiden, zu einem dreitägigen, man möchte sagen, scheinbaren Tod, wo sein Geist außerhalb seines Leibes in den spirituellen Welten weilte, wo dann sein Geist wieder zurückgebracht wurde in seinen Leib, so daß der Geist in dem Leib sich erinnern konnte an das, was er in der geistigen Welt durchgemacht hatte, und er als ein Bote auftreten konnte für die Geheimnisse der geistigen Welt. Man kann also sagen, ein Hingehen zum Tode, wenn auch nicht zu dem Tode, der den Geist vollständig, sondern der ihn nur für eine Zeit vom physischen Leibe trennt, das ist die Initiation. Ein Verweilen außerhalb des Leibes und ein Zurückkehren in den physischen Leib und dadurch ein Bote werden der göttlichen Geheimnisse, das ist die Initiation. Sie vollzog sich nach sorgfältiger Vorbereitung, nachdem der Betreffende in die Lage gekommen war, in sich die Kräfte der Seele so verdichtet zu haben, daß er in diesen dreieinhalb Tagen leben konnte, ohne die Instrumente seines physischen Leibes zu gebrauchen. Dann aber, nach diesen dreieinhalb Tagen, mußte er sich wieder mit seinem physischen Leib vereinigen. Er hatte also sozusagen durch Entrückung in eine höhere Welt, abseits von den gewöhnlichen historischen Ereignissen, das durchgemacht.
[ 8 ] Anders in seinem inneren Wesen, aber ähnlich in der äußeren Erscheinung war das Mysterium von Golgatha. Die Ereignisse, die sich während des Verweilens des Christus in dem Leib des Jesus von Nazareth abspielten, führten dahin, daß nun tatsächlich der physische Tod eintrat für den physischen Leib des Jesus von Nazareth, daß der Geist des Christus die drei Tage außerhalb des physischen Leibes weilte, dann aber zurückkehrte und jetzt nicht in den physischen Leib, sondern in den verdichteten Ätherleib, so verdichtet, daß ihn die Jünger wahrnehmen konnten, wie es in den Evangelien geschildert ist; so daß der Christus wandeln konnte und sichtbar werden konnte auch nach dem Ereignis von Golgatha. Damit war also als ein historisches Ereignis die Initiation hingestellt, die sonst, den äußeren Augen entzogen, in den Tiefen der Mysterien sich zugetragen hatte, war als ein einmaliges Ereignis hingestellt vor die ganze Menschheit. Damit war in einer gewissen Weise die Initiation herausgeholt aus den Mysterien, war durch den einen Christus vollbracht vor aller Augen. Aber eben damit ist der Abschluß der alten Welt gegeben, ist der Beginn der neuen Zeit gekommen.
[ 8 ] Anders in seinem inneren Wesen, aber ähnlich in der äußeren Erscheinung war das Mysterium von Golgatha. Die Ereignisse, die sich während des Verweilens des Christus in dem Leib des Jesus von Nazareth abspielten, führten dahin, daß nun tatsächlich der physische Tod eintrat für den physischen Leib des Jesus von Nazareth, daß der Geist des Christus die drei Tage außerhalb des physischen Leibes weilte, dann aber zurückkehrte und jetzt nicht in den physischen Leib, sondern in den verdichteten Ätherleib, so verdichtet, daß ihn die Jünger wahrnehmen konnten, wie es in den Evangelien geschildert ist; so daß der Christus wandeln konnte und sichtbar werden konnte auch nach dem Ereignis von Golgatha. Damit war also als ein historisches Ereignis die Initiation hingestellt, die sonst, den äußeren Augen entzogen, in den Tiefen der Mysterien sich zugetragen hatte, war als ein einmaliges Ereignis hingestellt vor die ganze Menschheit. Damit war in einer gewissen Weise die Initiation herausgeholt aus den Mysterien, war durch den einen Christus vollbracht vor aller Augen. Aber eben damit ist der Abschluß der alten Welt gegeben, ist der Beginn der neuen Zeit gekommen.
[ 9 ] Aus der Darstellung, die von den Propheten gegeben worden ist, haben Sie ersehen, daß der Geist des Prophetentums und das, was durch diesen Geist dem althebräischen Volke gegeben worden ist, anders war als der Geist der Initiation der anderen Völker. Die anderen Völker hatten Führer, die Initiierte waren, die so initiiert waren, wie es eben dargestellt worden ist. Das war beim althebräischen Volke nicht so der Fall. Da haben wir es nicht mit Initiationen wie bei anderen Völkern zu tun, sondern wir haben es zu tun, wie wir gehört haben, mit einem elementaren Hervortreten des Geistes in den Leibern derjenigen, die als Propheten auftauchten, mit etwas, was wie Genies der Spiritualität hervortritt. Und damit das sein kann, sehen wir, daß bei den mittleren Propheten diejenigen Seelen im althebräischen Volke auftreten, die in den früheren Inkarnationen Initiierte bei den anderen Völkern waren, damit sie das, was sie dem althebräischen Volke geben, wie eine Erinnerung an das erleben, was sie in der Initiation empfangen haben. So war das Hereinleuchten des spirituellen Lebens anders beim alttestamentlichen Volke und anders bei den anderen Völkern. Bei den letzteren geschah es durch die Handlung, durch die Initiation, beim alttestamentlichen Volke kam es durch die Gaben, die denen eingepflanzt wurden, die eben als Propheten unter dem Volke wirkten.
[ 9 ] Aus der Darstellung, die von den Propheten gegeben worden ist, haben Sie ersehen, daß der Geist des Prophetentums und das, was durch diesen Geist dem althebräischen Volke gegeben worden ist, anders war als der Geist der Initiation der anderen Völker. Die anderen Völker hatten Führer, die Initiierte waren, die so initiiert waren, wie es eben dargestellt worden ist. Das war beim althebräischen Volke nicht so der Fall. Da haben wir es nicht mit Initiationen wie bei anderen Völkern zu tun, sondern wir haben es zu tun, wie wir gehört haben, mit einem elementaren Hervortreten des Geistes in den Leibern derjenigen, die als Propheten auftauchten, mit etwas, was wie Genies der Spiritualität hervortritt. Und damit das sein kann, sehen wir, daß bei den mittleren Propheten diejenigen Seelen im althebräischen Volke auftreten, die in den früheren Inkarnationen Initiierte bei den anderen Völkern waren, damit sie das, was sie dem althebräischen Volke geben, wie eine Erinnerung an das erleben, was sie in der Initiation empfangen haben. So war das Hereinleuchten des spirituellen Lebens anders beim alttestamentlichen Volke und anders bei den anderen Völkern. Bei den letzteren geschah es durch die Handlung, durch die Initiation, beim alttestamentlichen Volke kam es durch die Gaben, die denen eingepflanzt wurden, die eben als Propheten unter dem Volke wirkten.
[ 10 ] Durch dieses Wirken seiner Propheten wurde das althebräische Volk dazu vorbereitet, jene einzigartige Initiation zu erleben, die jetzt nicht die Initiation eines Menschen, sondern die Initiation einer kosmischen Individualität war, wenn man dann noch von Initiation sprechen will, was eigentlich nicht mehr richtig ist. Dadurch wurde das althebräische Volk vorbereitet, das zu empfangen, was an die Stelle der alten Initiation treten sollte: in richtiger Art hinzuschauen auf das Mysterium von Golgatha. Dadurch aber ist auch gegeben, daß die dem alttestamentlichen Volke angehörenden Apostel zunächst kein Verständnis haben für die Worte, welche die Initiation charaktetisieren. Der Christus Jesus spricht von der Initiation, und er drückt sich so aus, daß er sagt: Hineilen zum Tode, drei Tage im Grabe sein, dann auferweckt werden. Das ist die Beschreibung der Initiation. Hätte er diese Beschreibung der Initiation seinen Schülern anders gegeben, so hätten sie ihn verstanden. Weil aber diese Art zu sprechen nicht heimisch war beim alttestamentlichen Volke, deshalb verstanden die Zwölf diese Art der Beschreibung zunächst nicht. Daher werden wir mit Recht darauf hingewiesen, wie die Apostel erstaunt sind und nicht wissen, wovon er redet, als er von dem Leiden und Sterben und Auferwecktwerden des Menschensohnes spricht.
[ 10 ] Durch dieses Wirken seiner Propheten wurde das althebräische Volk dazu vorbereitet, jene einzigartige Initiation zu erleben, die jetzt nicht die Initiation eines Menschen, sondern die Initiation einer kosmischen Individualität war, wenn man dann noch von Initiation sprechen will, was eigentlich nicht mehr richtig ist. Dadurch wurde das althebräische Volk vorbereitet, das zu empfangen, was an die Stelle der alten Initiation treten sollte: in richtiger Art hinzuschauen auf das Mysterium von Golgatha. Dadurch aber ist auch gegeben, daß die dem alttestamentlichen Volke angehörenden Apostel zunächst kein Verständnis haben für die Worte, welche die Initiation charaktetisieren. Der Christus Jesus spricht von der Initiation, und er drückt sich so aus, daß er sagt: Hineilen zum Tode, drei Tage im Grabe sein, dann auferweckt werden. Das ist die Beschreibung der Initiation. Hätte er diese Beschreibung der Initiation seinen Schülern anders gegeben, so hätten sie ihn verstanden. Weil aber diese Art zu sprechen nicht heimisch war beim alttestamentlichen Volke, deshalb verstanden die Zwölf diese Art der Beschreibung zunächst nicht. Daher werden wir mit Recht darauf hingewiesen, wie die Apostel erstaunt sind und nicht wissen, wovon er redet, als er von dem Leiden und Sterben und Auferwecktwerden des Menschensohnes spricht.
[ 11 ] Solche Dinge sind also durchaus im Sinne der historischen Darstellung im Geiste dessen, was geschehen ist. Wenn der alte Initiierte seine Initiation erlebte, da geschah das mit ihm, daß er, während er außerhalb seines Leibes weilte, in einer höheren Welt war, nicht in der Welt des gewöhnlichen Sinnenseins. Er war vereinigt außerhalb des Leibes, man kann sagen, mit den Tatsachen eines höheren Planes. Wenn er dann wieder in seinen Leib zurückkam, was war dann dasjenige, was er in der spirituellen Welt leibfrei erlebt hatte? Erinnerung war es. Er mußte so sprechen, daß er sagen konnte: Ich erinnere mich, wie man sich sonst an das erinnert, was man gestern und vorgestern erlebt hat, an meine Erlebnisse im leibfreien Zustande. Und er konnte für sie zeugen. Zu wesentlich mehr kam es bei den Initiierten nicht, als daß sie in ihrer Seele die Geheimnisse von den spirituellen Welten trugen, wie die Menschenseele die Erlebnisse von gestern als Erinnerung in sich trägt. Und wie die Seele vereinigt ist mit dem, was sie als Erinnerung bewahrt, so trugen die Initiierten in sich die Geheimnisse der spirituellen Welten, waren mit ihnen vereinigt.
[ 11 ] Solche Dinge sind also durchaus im Sinne der historischen Darstellung im Geiste dessen, was geschehen ist. Wenn der alte Initiierte seine Initiation erlebte, da geschah das mit ihm, daß er, während er außerhalb seines Leibes weilte, in einer höheren Welt war, nicht in der Welt des gewöhnlichen Sinnenseins. Er war vereinigt außerhalb des Leibes, man kann sagen, mit den Tatsachen eines höheren Planes. Wenn er dann wieder in seinen Leib zurückkam, was war dann dasjenige, was er in der spirituellen Welt leibfrei erlebt hatte? Erinnerung war es. Er mußte so sprechen, daß er sagen konnte: Ich erinnere mich, wie man sich sonst an das erinnert, was man gestern und vorgestern erlebt hat, an meine Erlebnisse im leibfreien Zustande. Und er konnte für sie zeugen. Zu wesentlich mehr kam es bei den Initiierten nicht, als daß sie in ihrer Seele die Geheimnisse von den spirituellen Welten trugen, wie die Menschenseele die Erlebnisse von gestern als Erinnerung in sich trägt. Und wie die Seele vereinigt ist mit dem, was sie als Erinnerung bewahrt, so trugen die Initiierten in sich die Geheimnisse der spirituellen Welten, waren mit ihnen vereinigt.
[ 12 ] Warum war das so? Es war so aus dem Grunde, weil bis zur Zeit des Mysteriums von Golgatha des Menschen Seele auf der Erde überhaupt nicht geeignet war, in das Ich hineinkommen zu lassen die Reiche der Himmel, die übersinnlichen Welten. Sie konnten gar nicht bis zum wirklichen Ich kommen, konnten sich mit dem Ich nicht vereinigen. Nur wenn man über sich selber hinaussah oder hinausahnte durch das Hellsehen, wie es in den alten Zeiten war, wenn man, ich möchte sagen, sich hinausträumte oder durch die Initiation aus dem Ich herauskam, konnte man in die übersinnlichen Welten hineinkommen. Aber innerhalb des Ich gab es kein Verständnis, keine Urteilskraft für die höheren Welten. So war es nun schon einmal. Mit all den Kräften, die zum Ich gehören, konnte sich der Mensch vor dem Mysterium von Golgatha nicht mit den spirituellen Welten vereinigen.
[ 12 ] Warum war das so? Es war so aus dem Grunde, weil bis zur Zeit des Mysteriums von Golgatha des Menschen Seele auf der Erde überhaupt nicht geeignet war, in das Ich hineinkommen zu lassen die Reiche der Himmel, die übersinnlichen Welten. Sie konnten gar nicht bis zum wirklichen Ich kommen, konnten sich mit dem Ich nicht vereinigen. Nur wenn man über sich selber hinaussah oder hinausahnte durch das Hellsehen, wie es in den alten Zeiten war, wenn man, ich möchte sagen, sich hinausträumte oder durch die Initiation aus dem Ich herauskam, konnte man in die übersinnlichen Welten hineinkommen. Aber innerhalb des Ich gab es kein Verständnis, keine Urteilskraft für die höheren Welten. So war es nun schon einmal. Mit all den Kräften, die zum Ich gehören, konnte sich der Mensch vor dem Mysterium von Golgatha nicht mit den spirituellen Welten vereinigen.
[ 13 ] Das war das Geheimnis, das durch die Johannes-Taufe den Leuten klarwerden sollte, daß jetzt die Zeit herangekommen war, wo die Reiche der Himmel bis ins Ich hineinleuchten sollten, bis an das Ich, das Erden-Ich, herankommen sollten. Oh, es war immer wieder und wieder durch die Zeiten hin angedeutet worden, wie eigentlich in den alten Zeiten das, was der Mensch darleben konnte als sein Seelisches, nicht in die übersinnlichen Welten hinaufkommen konnte. Wie eine Disharmonie war es für die alten Zeiten zwischen dem Erleben der eigentlichen menschlichen Heimat, der geistigen Welt, und dem, was, wenn man auch das alte Seelenhafte als Ich bezeichnen will, im menschlichen Innern sich abspielte. Dieses menschliche Innere war abgetrennt von der geistigen Welt; man konnte sich nur in Ausnahmezuständen mit ihr vereinigen. Und wenn alle Gewalt dessen, was später «Ich» werden sollte, was später im Menschen wohnen sollte, wenn alle Gewalt, alle Impulse dieses Ich dennoch einmal die Menschen ausfüllten, sagen wir durch die Initiation oder durch die Erinnerung an eine vorher erlebte Initiation in einer späteren Inkarnation, wenn da die Gewalt des Ich, des noch nicht für die menschliche Leiblichkeit bestimmten Ich, sich hineindrängte als Kraft in die menschliche Leiblichkeit, was geschah dann? Was dann geschah, das wird immer angedeutet: dann hat in den vorchristlichen Zeiten die über die menschliche Leiblichkeit hinausgehende Kraft des Ich sozusagen nicht recht Platz in dem Leibe, durchbricht das, was für das Ich bestimmt ist.
[ 13 ] Das war das Geheimnis, das durch die Johannes-Taufe den Leuten klarwerden sollte, daß jetzt die Zeit herangekommen war, wo die Reiche der Himmel bis ins Ich hineinleuchten sollten, bis an das Ich, das Erden-Ich, herankommen sollten. Oh, es war immer wieder und wieder durch die Zeiten hin angedeutet worden, wie eigentlich in den alten Zeiten das, was der Mensch darleben konnte als sein Seelisches, nicht in die übersinnlichen Welten hinaufkommen konnte. Wie eine Disharmonie war es für die alten Zeiten zwischen dem Erleben der eigentlichen menschlichen Heimat, der geistigen Welt, und dem, was, wenn man auch das alte Seelenhafte als Ich bezeichnen will, im menschlichen Innern sich abspielte. Dieses menschliche Innere war abgetrennt von der geistigen Welt; man konnte sich nur in Ausnahmezuständen mit ihr vereinigen. Und wenn alle Gewalt dessen, was später «Ich» werden sollte, was später im Menschen wohnen sollte, wenn alle Gewalt, alle Impulse dieses Ich dennoch einmal die Menschen ausfüllten, sagen wir durch die Initiation oder durch die Erinnerung an eine vorher erlebte Initiation in einer späteren Inkarnation, wenn da die Gewalt des Ich, des noch nicht für die menschliche Leiblichkeit bestimmten Ich, sich hineindrängte als Kraft in die menschliche Leiblichkeit, was geschah dann? Was dann geschah, das wird immer angedeutet: dann hat in den vorchristlichen Zeiten die über die menschliche Leiblichkeit hinausgehende Kraft des Ich sozusagen nicht recht Platz in dem Leibe, durchbricht das, was für das Ich bestimmt ist.
[ 14 ] Solche Menschen also, die mehr von der übersinnlichen Welt in sich tragen, die von der übersinnlichen Welt so etwas in sich tragen, was schon in der vorchristlichen Zeit gleichsam an das erinnert, was das Ich später werden soll, die zerbrechen mit dieser Ich-Kraft ihre Leiblichkeit, weil diese Ich-Kraft zu stark ist für die vorchristliche Zeit. Und das wird angedeutet zum Beispiel dadurch, daß bei gewissen Individualitäten in ihrer Verkörperung, wenn sie diese Kraft des Ich in sich haben, dieses Ich nur dadurch in ihnen weilen kann, daß der Leib in irgendeiner Weise verletzt ist oder verletzbar ist, irgendeine leicht verletzbare Stelle hat, die dann auch verletzt wird. Da ist der Mensch durch irgend etwas an sich mehr, als es durch seine übrige Leiblichkeit der Fall ist, der Umgebung ausgesetzt. Wir brauchen uns nur an die Verwundbarkeit des Achill an der Ferse, an die Verwundbarkeit des Siegfried, an Ödipus zu erinnern, wo die Gewalt des Ich die Leiblichkeit durchbricht. Da wird uns angedeutet an dem Vorhandensein der Verwundung, daß nur ein zerbrochener Leib zu der Größe des Ich, zu der übermenschlichen Kraft des Ich paßt, die dadrinnen ist.
[ 14 ] Solche Menschen also, die mehr von der übersinnlichen Welt in sich tragen, die von der übersinnlichen Welt so etwas in sich tragen, was schon in der vorchristlichen Zeit gleichsam an das erinnert, was das Ich später werden soll, die zerbrechen mit dieser Ich-Kraft ihre Leiblichkeit, weil diese Ich-Kraft zu stark ist für die vorchristliche Zeit. Und das wird angedeutet zum Beispiel dadurch, daß bei gewissen Individualitäten in ihrer Verkörperung, wenn sie diese Kraft des Ich in sich haben, dieses Ich nur dadurch in ihnen weilen kann, daß der Leib in irgendeiner Weise verletzt ist oder verletzbar ist, irgendeine leicht verletzbare Stelle hat, die dann auch verletzt wird. Da ist der Mensch durch irgend etwas an sich mehr, als es durch seine übrige Leiblichkeit der Fall ist, der Umgebung ausgesetzt. Wir brauchen uns nur an die Verwundbarkeit des Achill an der Ferse, an die Verwundbarkeit des Siegfried, an Ödipus zu erinnern, wo die Gewalt des Ich die Leiblichkeit durchbricht. Da wird uns angedeutet an dem Vorhandensein der Verwundung, daß nur ein zerbrochener Leib zu der Größe des Ich, zu der übermenschlichen Kraft des Ich paßt, die dadrinnen ist.
[ 15 ] Was hiermit eigentlich gesagt werden soll, es kann vielleicht, wenn es in einer anderen Weise formuliert wird, noch ganz bedeutsam vor unsere Seele treten. Nehmen wir an, irgendein Mensch in der vorchristlichen Zeit würde — es braucht nicht mit Bewußtsein zu sein mit allen Impulsen, mit allen Kräften, die später das Ich durchdringen sollen, in sich erfüllt sein und würde mit dieser, man möchte sagen, Über-Ich-Kraft, mit dieser übermenschlichen Kraft untertauchen in seinen Leib. Er müßte diesen Leib zerbrechen und ihn nicht so sehen, wie er ist, wenn das schwache Ich — oder das schwache Innere — dadrinnen ist. Er müßte ihn anders sehen, der Mensch der alten Zeit, der alle Gewalt des Ich in sich dazu gehabt hätte, daß er heraustreten konnte aus seinem Leibe. Er würde ihn so gesehen haben, wie er als zerbrochener Leib ist unter dem Einflusse des Über-Ich, würde ihn mit allerlei Wunden gesehen haben, weil nur das schwache Ich — oder das schwache Innere — in den alten Zeiten den Leib so schwach durchdringt, daß er ganz bleiben kann.
[ 15 ] Was hiermit eigentlich gesagt werden soll, es kann vielleicht, wenn es in einer anderen Weise formuliert wird, noch ganz bedeutsam vor unsere Seele treten. Nehmen wir an, irgendein Mensch in der vorchristlichen Zeit würde — es braucht nicht mit Bewußtsein zu sein mit allen Impulsen, mit allen Kräften, die später das Ich durchdringen sollen, in sich erfüllt sein und würde mit dieser, man möchte sagen, Über-Ich-Kraft, mit dieser übermenschlichen Kraft untertauchen in seinen Leib. Er müßte diesen Leib zerbrechen und ihn nicht so sehen, wie er ist, wenn das schwache Ich — oder das schwache Innere — dadrinnen ist. Er müßte ihn anders sehen, der Mensch der alten Zeit, der alle Gewalt des Ich in sich dazu gehabt hätte, daß er heraustreten konnte aus seinem Leibe. Er würde ihn so gesehen haben, wie er als zerbrochener Leib ist unter dem Einflusse des Über-Ich, würde ihn mit allerlei Wunden gesehen haben, weil nur das schwache Ich — oder das schwache Innere — in den alten Zeiten den Leib so schwach durchdringt, daß er ganz bleiben kann.
[ 16 ] Was ich jetzt gesagt habe, ist bei den Propheten ausgesprochen. Es ist die Stelle ungefähr so formuliert, daß gesagt wird (Sacharja 12,10): Der Mensch, der alle Kraft der Ichheit in sich vereint und sich dem menschlichen Leib gegenüber sieht, er sieht ihn durchstochen, verwundet, mit Löchern. Denn die höhere Kraft des Ich, die in den alten Zeiten noch nicht das menschliche Innere bewohnen konnte, durchlöchert, durchdringt, zersticht den Leib. Das ist ein Impuls, der deshalb durch die Menschheitsevolution läuft, weil wegen des luziferischen und ahrimanischen Einflusses dem Menschen in der vorchristlichen Zeit ein geringeres Quantum seines Ich mitgegeben werden mußte, als das Voll-Ich umfaßt. Und weil der Leib nur geeignet ist für das geringere Quantum und nicht für die ganze Kraft des Ich, deshalb zermürbt er. Und daher mußte — nicht weil es in der vorchristlichen Zeit geschieht, sondern weil mit dem Christus Jesus auf einmal das volle Ich in die Leiblichkeit eingezogen ist, weil da am stärksten die Ichheit eingezogen ist —, deshalb mußte diese Leiblichkeit nicht nur mit einer Wunde, wie es bei so vielen Menschheitsindividualitäten war, die ein Über-Ich getragen haben, sondern mit fünf Wunden angeschaut werden, mit fünf Wunden, die notwendig sind wegen des Hinausragens der Christus-Wesenheit, das heißt des Voll-Ich des Menschen, über die Form der Leiblichkeit, über die angemessene Form der Leiblichkeit. Wegen dieses Hinausragens mußte sich auf dem physischen Plan der Weltgeschichte das Kreuz erheben, das den Christus-Leib so trug, wie der menschliche Leib sein würde, wenn jemals in einem Augenblick die ganze Summe des Menschentums, von welcher der Mensch einen großen Teil durch den luziferischen und ahrimanischen Einfluß verloren hat, in einem Menschen weilen würde.
[ 16 ] Was ich jetzt gesagt habe, ist bei den Propheten ausgesprochen. Es ist die Stelle ungefähr so formuliert, daß gesagt wird (Sacharja 12,10): Der Mensch, der alle Kraft der Ichheit in sich vereint und sich dem menschlichen Leib gegenüber sieht, er sieht ihn durchstochen, verwundet, mit Löchern. Denn die höhere Kraft des Ich, die in den alten Zeiten noch nicht das menschliche Innere bewohnen konnte, durchlöchert, durchdringt, zersticht den Leib. Das ist ein Impuls, der deshalb durch die Menschheitsevolution läuft, weil wegen des luziferischen und ahrimanischen Einflusses dem Menschen in der vorchristlichen Zeit ein geringeres Quantum seines Ich mitgegeben werden mußte, als das Voll-Ich umfaßt. Und weil der Leib nur geeignet ist für das geringere Quantum und nicht für die ganze Kraft des Ich, deshalb zermürbt er. Und daher mußte — nicht weil es in der vorchristlichen Zeit geschieht, sondern weil mit dem Christus Jesus auf einmal das volle Ich in die Leiblichkeit eingezogen ist, weil da am stärksten die Ichheit eingezogen ist —, deshalb mußte diese Leiblichkeit nicht nur mit einer Wunde, wie es bei so vielen Menschheitsindividualitäten war, die ein Über-Ich getragen haben, sondern mit fünf Wunden angeschaut werden, mit fünf Wunden, die notwendig sind wegen des Hinausragens der Christus-Wesenheit, das heißt des Voll-Ich des Menschen, über die Form der Leiblichkeit, über die angemessene Form der Leiblichkeit. Wegen dieses Hinausragens mußte sich auf dem physischen Plan der Weltgeschichte das Kreuz erheben, das den Christus-Leib so trug, wie der menschliche Leib sein würde, wenn jemals in einem Augenblick die ganze Summe des Menschentums, von welcher der Mensch einen großen Teil durch den luziferischen und ahrimanischen Einfluß verloren hat, in einem Menschen weilen würde.
[ 17 ] Das ist ein tiefes Mysterium, das uns aus der Geheimwissenschaft heraus geradezu das Bild auf Golgatha hinstellt. Und wer versteht, was Menschheit und Menschentum ist, was das Erden-Ich ist, was das Verhältnis des Erden-Ich zur Menschenform des Leibes, zur Form des Menschenleibes ist, der weiß, daß bei der vollständigen Durchdringung des Erden-Ich mit dem Menschenleibe nicht die Durchdringung geschehen kann, welche die normale bei dem herumwandelnden Menschen ist, sondern daß der Mensch, wenn er aus sich herausgeht und, sich selber anschauend, fragen kann: Wie müßte dieser Leib sein, wenn alle Ichheit in ihn hineinrücken würde? — ihn anschauen würde mit fünf Wunden. Aus der Menschennatur und aus der Erdenwesenheit selber folgt die Gestalt des Kreuzes mit dem Christus und den Wunden auf Golgatha. Bis in das Bild hinein kann sich aus der Betrachtung der Menschennatur das Mysterium von Golgatha aus dem ergeben, was man wissen kann. Das ist das Eigentümliche, daß es eine Möglichkeit gibt, nicht nur im Hellsehen, wo es sich als natürlich erweist, hinzuschauen, wie das Kreuz auf Golgatha erhöht ist, wie die Kreuzigung stattfindet, und die Wahrheit dieses historischen Ereignisses zu schauen, sondern daß es eine Möglichkeit gibt, daß wir durch das Mysterium von Golgatha sogar die menschliche Vernunft so weit heranbringen an das Mysterium von Golgatha, daß, wenn man fein genug, scharf genug diese menschliche Vernunft gebraucht, diese sich umwandelt in Imagination, in Einbildung, die aber dann Wahrheit enthält, wodurch dann, wenn man versteht, was der Christus ist und wie er sich zur Form des Menschenleibes verhält, die menschliche Phantasie so geleitet wird, daß das Bild auf Golgatha selber entsteht. So waren vielfach die älteren christlichen Maler geleitet, die nicht etwa immer Hellseher waren, sondern aus der Kraft der Erkenntnis des Mysteriums von Golgatha bis zu dem Bilde von Golgatha getrieben wurden, so daß sie es malen konnten. Es ist eben in jenem großen Wendepunkt der Menschheitsevolution aus dem Hellsehen herangebracht worden an die Ich-Seele des Menschen das Verständnis für die Christus-Wesenheit, das heißt für das Ur-Ich des Menschen.
[ 17 ] Das ist ein tiefes Mysterium, das uns aus der Geheimwissenschaft heraus geradezu das Bild auf Golgatha hinstellt. Und wer versteht, was Menschheit und Menschentum ist, was das Erden-Ich ist, was das Verhältnis des Erden-Ich zur Menschenform des Leibes, zur Form des Menschenleibes ist, der weiß, daß bei der vollständigen Durchdringung des Erden-Ich mit dem Menschenleibe nicht die Durchdringung geschehen kann, welche die normale bei dem herumwandelnden Menschen ist, sondern daß der Mensch, wenn er aus sich herausgeht und, sich selber anschauend, fragen kann: Wie müßte dieser Leib sein, wenn alle Ichheit in ihn hineinrücken würde? — ihn anschauen würde mit fünf Wunden. Aus der Menschennatur und aus der Erdenwesenheit selber folgt die Gestalt des Kreuzes mit dem Christus und den Wunden auf Golgatha. Bis in das Bild hinein kann sich aus der Betrachtung der Menschennatur das Mysterium von Golgatha aus dem ergeben, was man wissen kann. Das ist das Eigentümliche, daß es eine Möglichkeit gibt, nicht nur im Hellsehen, wo es sich als natürlich erweist, hinzuschauen, wie das Kreuz auf Golgatha erhöht ist, wie die Kreuzigung stattfindet, und die Wahrheit dieses historischen Ereignisses zu schauen, sondern daß es eine Möglichkeit gibt, daß wir durch das Mysterium von Golgatha sogar die menschliche Vernunft so weit heranbringen an das Mysterium von Golgatha, daß, wenn man fein genug, scharf genug diese menschliche Vernunft gebraucht, diese sich umwandelt in Imagination, in Einbildung, die aber dann Wahrheit enthält, wodurch dann, wenn man versteht, was der Christus ist und wie er sich zur Form des Menschenleibes verhält, die menschliche Phantasie so geleitet wird, daß das Bild auf Golgatha selber entsteht. So waren vielfach die älteren christlichen Maler geleitet, die nicht etwa immer Hellseher waren, sondern aus der Kraft der Erkenntnis des Mysteriums von Golgatha bis zu dem Bilde von Golgatha getrieben wurden, so daß sie es malen konnten. Es ist eben in jenem großen Wendepunkt der Menschheitsevolution aus dem Hellsehen herangebracht worden an die Ich-Seele des Menschen das Verständnis für die Christus-Wesenheit, das heißt für das Ur-Ich des Menschen.
[ 18 ] Das Hellsehen macht möglich, außerhalb des Leibes das Mysterium von Golgatha zu schauen. Wodurch? Wenn ein Verhältnis zum Mysterium von Golgatha innerhalb des Leibes eingegangen ist, so ist es auch heute möglich, in den höheren Welten das Mysterium von Golgatha und damit die volle Bekräftigung dieses großen Knotenpunktes der Menschheitsevolution zu schauen. Aber es ist auch ein Begreifen dieses Mysteriums von Golgatha möglich, und in den Worten, die ich eben gesprochen habe, sollte die Möglichkeit eines Begreifens gegeben sein. Freilich muß man lange meditieren, muß lange nachdenken über das, was gesagt worden ist. Und wenn jemand das Gefühl hat, was jetzt gesagt worden ist, sei schwer verständlich, so darf das als berechtigt bezeichnet werden; denn selbstverständlich gehört das, was die Menschenseele hinführen kann zu dem vollen Verständnis des Größten, des Höchsten, des Bedeutsamsten, das auf der Erde geschehen ist, zu den schwierigsten Dingen. In einer gewissen Weise sollten die Jünger dazu hingeführt werden; und von diesen wieder, die nach und nach herangebracht werden sollten zu einem neuen Verständnis der Menschheitsevolution, erwiesen sich eben als die brauchbarsten Petrus, Jakobus und Johannes.
[ 18 ] Das Hellsehen macht möglich, außerhalb des Leibes das Mysterium von Golgatha zu schauen. Wodurch? Wenn ein Verhältnis zum Mysterium von Golgatha innerhalb des Leibes eingegangen ist, so ist es auch heute möglich, in den höheren Welten das Mysterium von Golgatha und damit die volle Bekräftigung dieses großen Knotenpunktes der Menschheitsevolution zu schauen. Aber es ist auch ein Begreifen dieses Mysteriums von Golgatha möglich, und in den Worten, die ich eben gesprochen habe, sollte die Möglichkeit eines Begreifens gegeben sein. Freilich muß man lange meditieren, muß lange nachdenken über das, was gesagt worden ist. Und wenn jemand das Gefühl hat, was jetzt gesagt worden ist, sei schwer verständlich, so darf das als berechtigt bezeichnet werden; denn selbstverständlich gehört das, was die Menschenseele hinführen kann zu dem vollen Verständnis des Größten, des Höchsten, des Bedeutsamsten, das auf der Erde geschehen ist, zu den schwierigsten Dingen. In einer gewissen Weise sollten die Jünger dazu hingeführt werden; und von diesen wieder, die nach und nach herangebracht werden sollten zu einem neuen Verständnis der Menschheitsevolution, erwiesen sich eben als die brauchbarsten Petrus, Jakobus und Johannes.
[ 19 ] Es ist gut, den bedeutsamen Zeitabschnitt, der da in der Zeit des Mysteriums von Golgatha eingetreten ist, sich von den verschiedensten Seiten vor Augen zu halten. Deshalb ja ist es auch so dankenswert, daß Sie heute morgen die Hegelsche Darstellung dieses Zeitpunktes haben hören können. Alle Dinge, die menschliches Begreifen geben kann, können nämlich zusammenströmen, um das Bedeutsamste zu begreifen, das damals, heranreifend in den vorhergehenden Jahrhunderten, sich vollziehend um die Zeit des Mysteriums von Golgatha und dann die weitere Menschheitsevolution langsam vorbereitend und bedingend, eingetreten ist. Es ist an verschiedenen Orten der Erde eingetreten. Wir können nicht nur in Palästina, wo das Ereignis von Golgatha selber geschehen ist, die Sachen verfolgen, sondern wir können sie verfolgen, wenn wir in der richtigen Weise vorgehen, auch an anderen Punkten der Erde; nur spielte sich da nicht das Ereignis von Golgatha ab. Aber das Absteigen und das Wiederaufsteigen der Menschheit, das Sichemporheben der Menschheit durch die Wirkung des Mysteriums von Golgatha, das sich über die westliche Welt verbreitete, können wir verfolgen. Namentlich das Herabsteigen können wir verfolgen, und es ist interessant, wie wir das Herabsteigen der Menschheit verfolgen können.
[ 19 ] Es ist gut, den bedeutsamen Zeitabschnitt, der da in der Zeit des Mysteriums von Golgatha eingetreten ist, sich von den verschiedensten Seiten vor Augen zu halten. Deshalb ja ist es auch so dankenswert, daß Sie heute morgen die Hegelsche Darstellung dieses Zeitpunktes haben hören können. Alle Dinge, die menschliches Begreifen geben kann, können nämlich zusammenströmen, um das Bedeutsamste zu begreifen, das damals, heranreifend in den vorhergehenden Jahrhunderten, sich vollziehend um die Zeit des Mysteriums von Golgatha und dann die weitere Menschheitsevolution langsam vorbereitend und bedingend, eingetreten ist. Es ist an verschiedenen Orten der Erde eingetreten. Wir können nicht nur in Palästina, wo das Ereignis von Golgatha selber geschehen ist, die Sachen verfolgen, sondern wir können sie verfolgen, wenn wir in der richtigen Weise vorgehen, auch an anderen Punkten der Erde; nur spielte sich da nicht das Ereignis von Golgatha ab. Aber das Absteigen und das Wiederaufsteigen der Menschheit, das Sichemporheben der Menschheit durch die Wirkung des Mysteriums von Golgatha, das sich über die westliche Welt verbreitete, können wir verfolgen. Namentlich das Herabsteigen können wir verfolgen, und es ist interessant, wie wir das Herabsteigen der Menschheit verfolgen können.
[ 20 ] Nehmen wir den griechischen Boden noch einmal und fassen wir ins Auge, wie ein halbes Jahrtausend, bevor das Ereignis von Golgatha sich vollzog, die Ereignisse sich abspielten. Drüben im Morgenlande, wo der Krishna aufgetreten ist, war man in einer gewissen Weise der damaligen Zeit voraus. Man war voraus sozusagen in der Epoche des Niedergehens des alten Hellsehens. Es ist etwas Eigentümliches um diese Kultur gerade zum Beispiel Indiens. Während in der unmittelbar nachatlantischen Zeit in Indien die erste große nachatlantische Kulturblüte auftritt und in der reinsten Weise — für die menschliche Seele reinsten Weise — ein Hineinschauen in die geistige Welt noch da war, das sich bei den Rishis verband mit einer wunderbaren Möglichkeit, das Geschaute darzustellen, so daß es auf die späteren Zeiträume wirken konnte, und dann, als das Hellsehen verschwand, in solchen bedeutenden Offenbarungen, wie es die Krishna-Offenbarung ist, aufbewahrt wurde für die späteren Zeiten, war das, was eigentliches Hellsehen war, am Ende des dritten Zeitraumes schon erloschen. Aber durch Krishna und seine Schüler waren die Tatsachen, die man schauen konnte, in wunderbare Worte gebracht und aufbewahrt, so daß man in der Schrift das hatte, was früher gesehen worden ist. Das trat eigentlich für Indien niemals ein, was weiter westlich, zum Beispiel in Griechenland, eingetreten ist.
[ 20 ] Nehmen wir den griechischen Boden noch einmal und fassen wir ins Auge, wie ein halbes Jahrtausend, bevor das Ereignis von Golgatha sich vollzog, die Ereignisse sich abspielten. Drüben im Morgenlande, wo der Krishna aufgetreten ist, war man in einer gewissen Weise der damaligen Zeit voraus. Man war voraus sozusagen in der Epoche des Niedergehens des alten Hellsehens. Es ist etwas Eigentümliches um diese Kultur gerade zum Beispiel Indiens. Während in der unmittelbar nachatlantischen Zeit in Indien die erste große nachatlantische Kulturblüte auftritt und in der reinsten Weise — für die menschliche Seele reinsten Weise — ein Hineinschauen in die geistige Welt noch da war, das sich bei den Rishis verband mit einer wunderbaren Möglichkeit, das Geschaute darzustellen, so daß es auf die späteren Zeiträume wirken konnte, und dann, als das Hellsehen verschwand, in solchen bedeutenden Offenbarungen, wie es die Krishna-Offenbarung ist, aufbewahrt wurde für die späteren Zeiten, war das, was eigentliches Hellsehen war, am Ende des dritten Zeitraumes schon erloschen. Aber durch Krishna und seine Schüler waren die Tatsachen, die man schauen konnte, in wunderbare Worte gebracht und aufbewahrt, so daß man in der Schrift das hatte, was früher gesehen worden ist. Das trat eigentlich für Indien niemals ein, was weiter westlich, zum Beispiel in Griechenland, eingetreten ist.
[ 21 ] Wenn wir so recht die indische Welt ins Auge fassen, können wir sagen: Es erlischt das alte Hellsehen; dafür schreiben nieder in wunderbaren Worten diejenigen, von denen Krishna der Bedeutendste ist, was einstmals geschaut worden ist. Das ist dann da im Wort, im Veda. Und wer sich in das Wort vertieft, erlebt in seiner Seele davon den Nachklang. Aber nicht das entsteht, was in Sokrates zum Beispiel oder in anderen Philosophen entstanden ist. Das, was man westliche Vernunft, westliche Urteilskraft nennen kann, das tritt nicht in den indischen Seelen auf. Wovon wir heute im eminentesten Sinne sprechen, wenn wir von der ureigenen Kraft des Ich sprechen, das tritt gar nicht einmal in Indien auf. Daher macht sich sogleich etwas anderes geltend, als das alte Hellsehen verglommen war: der Drang nach Yoga, dem schulgerechten Hinaufkommen in die Welten, die auf natürliche Weise verloren worden sind. Und Yoga wird ein künstliches Hellsehen. Und im Grunde genommen tritt an die Stelle des alten Hellsehens sogleich die Yoga-Philosophie, ohne daß dazwischen das ist, was zum Beispiel in der griechischen, rein vernunftgemäßen Philosophie auftritt. Das tritt für das Indertum gar nicht ein. Diese Zwischenphase ist gar nicht vorhanden. Und wenn wir die Vedantaphilosophie des Vyasa nehmen, können wir sagen: Nicht so ist sie ausgeprägt, wie die westlichen Weltanschauungen lehren, von Ideen durchzogen, von Vernunft durchzogen, sondern sie ist gleichsam noch heruntergeholt aus den höheren Welten, aber in menschliche Worte gebracht; das ist das Eigentümliche: nicht mit menschlichen Begriffen errungen, nicht ausgedacht wie das sokratische, das platonische Element, sondern hellseherisch erschaut.
[ 21 ] Wenn wir so recht die indische Welt ins Auge fassen, können wir sagen: Es erlischt das alte Hellsehen; dafür schreiben nieder in wunderbaren Worten diejenigen, von denen Krishna der Bedeutendste ist, was einstmals geschaut worden ist. Das ist dann da im Wort, im Veda. Und wer sich in das Wort vertieft, erlebt in seiner Seele davon den Nachklang. Aber nicht das entsteht, was in Sokrates zum Beispiel oder in anderen Philosophen entstanden ist. Das, was man westliche Vernunft, westliche Urteilskraft nennen kann, das tritt nicht in den indischen Seelen auf. Wovon wir heute im eminentesten Sinne sprechen, wenn wir von der ureigenen Kraft des Ich sprechen, das tritt gar nicht einmal in Indien auf. Daher macht sich sogleich etwas anderes geltend, als das alte Hellsehen verglommen war: der Drang nach Yoga, dem schulgerechten Hinaufkommen in die Welten, die auf natürliche Weise verloren worden sind. Und Yoga wird ein künstliches Hellsehen. Und im Grunde genommen tritt an die Stelle des alten Hellsehens sogleich die Yoga-Philosophie, ohne daß dazwischen das ist, was zum Beispiel in der griechischen, rein vernunftgemäßen Philosophie auftritt. Das tritt für das Indertum gar nicht ein. Diese Zwischenphase ist gar nicht vorhanden. Und wenn wir die Vedantaphilosophie des Vyasa nehmen, können wir sagen: Nicht so ist sie ausgeprägt, wie die westlichen Weltanschauungen lehren, von Ideen durchzogen, von Vernunft durchzogen, sondern sie ist gleichsam noch heruntergeholt aus den höheren Welten, aber in menschliche Worte gebracht; das ist das Eigentümliche: nicht mit menschlichen Begriffen errungen, nicht ausgedacht wie das sokratische, das platonische Element, sondern hellseherisch erschaut.
[ 22 ] Es ist schwer, sich ganz über diese Dinge klarzuwerden; aber es gibt eine Möglichkeit, auch heute diesen Unterschied zu erleben. Nehmen Sie irgendein Philosophiebuch, irgendeine Darstellung eines philosophischen Systems der westlichen Philosophie in die Hand. Was heute ernsthaft als Philosophie bezeichnet werden kann, wie ist es meistens errungen? Wenn Sie in die Werkstätte eines Menschen, der als ernster Philosoph bezeichnet werden kann, hineinschauen, so können Sie sehen, wie durch Anstrengung der logischen Urteilskraft, des logischen Denkens diese Systeme gewonnen sind. Das alles ist nach und nach gebildet. Und die, welche so Philosophie machen, können eigentlich nicht verstehen, daß man das, was sie da von Begriff zu Begriff weben, in gewisser Beziehung auch hellseherisch schauen kann, daß man das hellseherisch vor sich hat. Daher ein so schwieriges Sichverständlichmachen, wenn man, man möchte sagen, mit einem Schlage gewisse Philosopheme, die sonst «im Schweiße des Angesichts» von Idee zu Idee gewoben werden, hellseherisch überschaut und nicht nötig hat, alle die einzelnen Gedankenschritte zu machen. So gleichsam hellseherisch geschaute Begriffe sind die Begriffe der Vedantaphilosophie. Sie sind nicht im Schweiße des Angesichts nach dem Beispiel der europäischen Philosophen erworben, sondern hellseherisch heruntergebracht, sind eben die letzten Überreste, die in die abstrakten Begriffe hinein verdünnten Reste des alten Hellsehens oder die ersten durch Yoga errungenen, noch dünnen Eroberungen in der übersinnlichen Welt.
[ 22 ] Es ist schwer, sich ganz über diese Dinge klarzuwerden; aber es gibt eine Möglichkeit, auch heute diesen Unterschied zu erleben. Nehmen Sie irgendein Philosophiebuch, irgendeine Darstellung eines philosophischen Systems der westlichen Philosophie in die Hand. Was heute ernsthaft als Philosophie bezeichnet werden kann, wie ist es meistens errungen? Wenn Sie in die Werkstätte eines Menschen, der als ernster Philosoph bezeichnet werden kann, hineinschauen, so können Sie sehen, wie durch Anstrengung der logischen Urteilskraft, des logischen Denkens diese Systeme gewonnen sind. Das alles ist nach und nach gebildet. Und die, welche so Philosophie machen, können eigentlich nicht verstehen, daß man das, was sie da von Begriff zu Begriff weben, in gewisser Beziehung auch hellseherisch schauen kann, daß man das hellseherisch vor sich hat. Daher ein so schwieriges Sichverständlichmachen, wenn man, man möchte sagen, mit einem Schlage gewisse Philosopheme, die sonst «im Schweiße des Angesichts» von Idee zu Idee gewoben werden, hellseherisch überschaut und nicht nötig hat, alle die einzelnen Gedankenschritte zu machen. So gleichsam hellseherisch geschaute Begriffe sind die Begriffe der Vedantaphilosophie. Sie sind nicht im Schweiße des Angesichts nach dem Beispiel der europäischen Philosophen erworben, sondern hellseherisch heruntergebracht, sind eben die letzten Überreste, die in die abstrakten Begriffe hinein verdünnten Reste des alten Hellsehens oder die ersten durch Yoga errungenen, noch dünnen Eroberungen in der übersinnlichen Welt.
[ 23 ] Anderes aber haben die mehr westlich wohnenden Menschen durchgemacht. Da blicken wir auf eigenartige, wichtige innere Geschehnisse der Menschheitsevolution. Nehmen wir einen merkwürdigen Philosophen des sechsten Jahrhunderts der vorchristlichen Zeitrechnung: Pherekydes von Syros. Ein merkwürdiger Philosoph! Ein Philosoph, den die heutigen Philosophen nicht als Philosophen gelten lassen. Es gibt heute Philosophiebücher, die sagen das tatsächlich. Ich zitiere da zwei Worte wörtlich: Nun ja, das ist alles kindliche Schilderung, kindliche Symbole; «kindlich und genial» sagt einer heute, der sich ganz besonders erhaben dünkt über jenen alten Philosophen. Also ein halbes Jahrtausend vor der christlichen Zeitrechnung taucht da in Syros ein merkwürdiger Denker auf. Allerdings stellt er anders dar als die übrigen Denker, die man dann später Philosophen nennt. Pherekydes von Syros sagt zum Beispiel: Es liegt dem, was man in der Welt sieht, ein Dreifaches zugrunde: Chronos, Zeus, Chthon. Aus Chronos gehen hervor das luftige, das feurige und das wässerige Element. Und mit alledem, was aus diesen drei Mächten hervorgeht, kommt eine Art Schlangenwesenheit in Streit, Ophioneus. — Alles, was er schildert, man kann es, wenn man seiner Schilderung auch ohne Hellsehen, sondern nur mit etwas Phantasie begabt, nachgeht, vor sich sehen: Chronos, nicht nur als die abstrakt verfließende Zeit, sondern als Wesenheit, als wirkliche Wesenheit, erschaubar gestaltet; ebenso Zeus, den unendlichen Äther, als die in sich belebte Allwesenheit; Chthon, dasjenige, wodurch das sonst Himmlische irdisch wird, was das im Raume auseinander Gewobene zusammenzieht im Planeten Erde, um ein irdisches Dasein zu haben; das alles sich irdisch abspielend; dann, sich hineinmischend wie ein feindliches Element, eine Art Schlangenwesenheit. Wenn man dem nachgeht, was da der merkwürdige Pherckydes von Syros schildert, so braucht man Geistesforschung, um das zu verstehen; denn er ist ein letzter Nachzügler des alten Hellsehens. Er sieht die Welt der Ursachen hinter der Sinneswelt und beschreibt diese Ursachen mit seinem hellseherischen Vermögen. Das gefällt natürlich denen, die nur in Begriffen wirtschaften, gar nicht. Er schaut das lebendige Weben der guten Götter und das Hineinspielen der feindlichen Mächte, die er schildert, wie man sie hellseherisch schaut. Er sieht, wie geboren werden aus Chronos, aus der realen Zeit, die Elemente.
[ 23 ] Anderes aber haben die mehr westlich wohnenden Menschen durchgemacht. Da blicken wir auf eigenartige, wichtige innere Geschehnisse der Menschheitsevolution. Nehmen wir einen merkwürdigen Philosophen des sechsten Jahrhunderts der vorchristlichen Zeitrechnung: Pherekydes von Syros. Ein merkwürdiger Philosoph! Ein Philosoph, den die heutigen Philosophen nicht als Philosophen gelten lassen. Es gibt heute Philosophiebücher, die sagen das tatsächlich. Ich zitiere da zwei Worte wörtlich: Nun ja, das ist alles kindliche Schilderung, kindliche Symbole; «kindlich und genial» sagt einer heute, der sich ganz besonders erhaben dünkt über jenen alten Philosophen. Also ein halbes Jahrtausend vor der christlichen Zeitrechnung taucht da in Syros ein merkwürdiger Denker auf. Allerdings stellt er anders dar als die übrigen Denker, die man dann später Philosophen nennt. Pherekydes von Syros sagt zum Beispiel: Es liegt dem, was man in der Welt sieht, ein Dreifaches zugrunde: Chronos, Zeus, Chthon. Aus Chronos gehen hervor das luftige, das feurige und das wässerige Element. Und mit alledem, was aus diesen drei Mächten hervorgeht, kommt eine Art Schlangenwesenheit in Streit, Ophioneus. — Alles, was er schildert, man kann es, wenn man seiner Schilderung auch ohne Hellsehen, sondern nur mit etwas Phantasie begabt, nachgeht, vor sich sehen: Chronos, nicht nur als die abstrakt verfließende Zeit, sondern als Wesenheit, als wirkliche Wesenheit, erschaubar gestaltet; ebenso Zeus, den unendlichen Äther, als die in sich belebte Allwesenheit; Chthon, dasjenige, wodurch das sonst Himmlische irdisch wird, was das im Raume auseinander Gewobene zusammenzieht im Planeten Erde, um ein irdisches Dasein zu haben; das alles sich irdisch abspielend; dann, sich hineinmischend wie ein feindliches Element, eine Art Schlangenwesenheit. Wenn man dem nachgeht, was da der merkwürdige Pherckydes von Syros schildert, so braucht man Geistesforschung, um das zu verstehen; denn er ist ein letzter Nachzügler des alten Hellsehens. Er sieht die Welt der Ursachen hinter der Sinneswelt und beschreibt diese Ursachen mit seinem hellseherischen Vermögen. Das gefällt natürlich denen, die nur in Begriffen wirtschaften, gar nicht. Er schaut das lebendige Weben der guten Götter und das Hineinspielen der feindlichen Mächte, die er schildert, wie man sie hellseherisch schaut. Er sieht, wie geboren werden aus Chronos, aus der realen Zeit, die Elemente.
[ 24 ] Da haben wir also in diesem Philosophen Pherekydes von Syros einen Mann, der noch mit seiner Seele hineinschaut in die Welt, die das hellseherische Bewußtsein erschließt, und sie beschreibt, eine Beschreibung, der man nachgehen kann. So steht er noch in der westlichen Welt da im sechsten Jahrhundert der vorchristlichen Zeitrechnung. Thales, Anaximenes, Anaximander, Heraklit, die fast seine Zeitgenossen sind, stehen schon anders da. Da kommen wirklich zwei Welten ineinander. Aber wie sieht es in ihren Seelen aus? Ausgelöscht, gelähmt ist das alte Hellsehen in ihnen. Höchstens noch die Sehnsucht nach diesen geistigen Welten ist da. Und was erleben sie an der Stelle, wo ein Rest des alten Schauens bei dem Weisen von Syros noch da war, wo er noch hineingeschaut hat in die elementarische Welt der Ursachen? Die ist ihnen bereits verschlossen. Da sehen sie nicht mehr hinein. Es ist so, wie wenn sich gerade diese Welt vor ihnen verschlieBen wollte, wie wenn sie halb noch da wäre für sie und doch sich wieder ihnen entzöge, so daß sie abstrakte Begriffe, die dem Ich angehöen, an die Stelle des alten Hellsehens setzen. So schaut es aus in diesen Seelen. Das ist ein sehr merkwürdiger Seelenzustand in den westlichen Seelen. Das ist jener Seelenzustand, der hinarbeitet nach Vernunft, nach Urteilskraft, die gerade das Ich auszeichnen sollen. An einzelnen Seelen sehen wir es, so zum Beispiel, wenn Heraklit noch das lebendig webende Feuer, man möchte sagen, mit einem letzten Anflug von richtigem hellseherischem Schauen als die Ursache aller Dinge schildert; Thales das Wasser, aber nicht das physisch-sinnliche Wasser, wie Heraklit auch nicht das physisch-sinnliche Feuer meint, sondern es ist noch etwas von der elementarischen Welt, die sie halb noch sehen, während sie sich ihnen halb entzieht und sie abstrakte Begriffe geben müssen. Da blicken wir hinein in diese Seelen und da verstehen wir, wie bis in unsere Zeit hinein noch etwas nachklingen konnte von der Stimmung dieser Seelen.
[ 24 ] Da haben wir also in diesem Philosophen Pherekydes von Syros einen Mann, der noch mit seiner Seele hineinschaut in die Welt, die das hellseherische Bewußtsein erschließt, und sie beschreibt, eine Beschreibung, der man nachgehen kann. So steht er noch in der westlichen Welt da im sechsten Jahrhundert der vorchristlichen Zeitrechnung. Thales, Anaximenes, Anaximander, Heraklit, die fast seine Zeitgenossen sind, stehen schon anders da. Da kommen wirklich zwei Welten ineinander. Aber wie sieht es in ihren Seelen aus? Ausgelöscht, gelähmt ist das alte Hellsehen in ihnen. Höchstens noch die Sehnsucht nach diesen geistigen Welten ist da. Und was erleben sie an der Stelle, wo ein Rest des alten Schauens bei dem Weisen von Syros noch da war, wo er noch hineingeschaut hat in die elementarische Welt der Ursachen? Die ist ihnen bereits verschlossen. Da sehen sie nicht mehr hinein. Es ist so, wie wenn sich gerade diese Welt vor ihnen verschlieBen wollte, wie wenn sie halb noch da wäre für sie und doch sich wieder ihnen entzöge, so daß sie abstrakte Begriffe, die dem Ich angehöen, an die Stelle des alten Hellsehens setzen. So schaut es aus in diesen Seelen. Das ist ein sehr merkwürdiger Seelenzustand in den westlichen Seelen. Das ist jener Seelenzustand, der hinarbeitet nach Vernunft, nach Urteilskraft, die gerade das Ich auszeichnen sollen. An einzelnen Seelen sehen wir es, so zum Beispiel, wenn Heraklit noch das lebendig webende Feuer, man möchte sagen, mit einem letzten Anflug von richtigem hellseherischem Schauen als die Ursache aller Dinge schildert; Thales das Wasser, aber nicht das physisch-sinnliche Wasser, wie Heraklit auch nicht das physisch-sinnliche Feuer meint, sondern es ist noch etwas von der elementarischen Welt, die sie halb noch sehen, während sie sich ihnen halb entzieht und sie abstrakte Begriffe geben müssen. Da blicken wir hinein in diese Seelen und da verstehen wir, wie bis in unsere Zeit hinein noch etwas nachklingen konnte von der Stimmung dieser Seelen.
[ 25 ] Wenn unsere Zeitgenossen nur nicht oftmals gar so gedankenlos über manche Dinge hinweglesen wollten! Über eine Stelle bei Nietzsche, die einen tief erfassen, ergreifen, erschüttern kann, liest man leicht heute hinweg. Sie steht in der nachgelassenen Schrift «Die Philosophie im tragischen Zeitalter der Griechen», worin er Thales, Anaximander, Heraklit, Parmenides, Anaxagoras und Empedokles schildert. Da ist eine Stelle gleich im Anfange — man muß sie nachfühlen —, da hat Nietzsche etwas von dem empfunden, was in den Seelen dieser ersten griechischen einsamen Denker erlebt worden war. Lesen Sie die Stelle bei Nietzsche nach, wo er sagt: Wie mag es gewesen sein in den Seelen dieser philosophischen Heroengestalten, welche den Übergang finden mußten aus der Zeit des lebendigen Anschauens — von dem auch er nichts mehr wußte, das er aber ahnte —, als die alte Lebendigkeit in den Seelen abgelöst wurde durch die abstrakten, trockenen, nüchternen Begriffe, wo das «Sein», dieses nüchterne, trockene, abstrakte, kalte Sein als Begriff trat an die Stelle der vollen Lebendigkeit, die das hellseherische Bewußtsein hatte? Und Nietzsche empfindet: Es ist, wie wenn das Blut einem erstarrte, wenn man übergeht aus der Welt der Lebendigkeit in die Welt der Begriffe bei Thales oder Heraklit, wenn diese Leute Begriffe von «Sein» und «Werden» brauchen, so daß man sich aus dem warmen Werden in die Eisregion der Begriffe versetzt fühlt.
[ 25 ] Wenn unsere Zeitgenossen nur nicht oftmals gar so gedankenlos über manche Dinge hinweglesen wollten! Über eine Stelle bei Nietzsche, die einen tief erfassen, ergreifen, erschüttern kann, liest man leicht heute hinweg. Sie steht in der nachgelassenen Schrift «Die Philosophie im tragischen Zeitalter der Griechen», worin er Thales, Anaximander, Heraklit, Parmenides, Anaxagoras und Empedokles schildert. Da ist eine Stelle gleich im Anfange — man muß sie nachfühlen —, da hat Nietzsche etwas von dem empfunden, was in den Seelen dieser ersten griechischen einsamen Denker erlebt worden war. Lesen Sie die Stelle bei Nietzsche nach, wo er sagt: Wie mag es gewesen sein in den Seelen dieser philosophischen Heroengestalten, welche den Übergang finden mußten aus der Zeit des lebendigen Anschauens — von dem auch er nichts mehr wußte, das er aber ahnte —, als die alte Lebendigkeit in den Seelen abgelöst wurde durch die abstrakten, trockenen, nüchternen Begriffe, wo das «Sein», dieses nüchterne, trockene, abstrakte, kalte Sein als Begriff trat an die Stelle der vollen Lebendigkeit, die das hellseherische Bewußtsein hatte? Und Nietzsche empfindet: Es ist, wie wenn das Blut einem erstarrte, wenn man übergeht aus der Welt der Lebendigkeit in die Welt der Begriffe bei Thales oder Heraklit, wenn diese Leute Begriffe von «Sein» und «Werden» brauchen, so daß man sich aus dem warmen Werden in die Eisregion der Begriffe versetzt fühlt.
[ 26 ] In jenes Zeitalter muß man sich hineinversetzt fühlen, in dem diese Menschen standen, muß empfinden, wie sie beim Herannahen des Mysteriums von Golgatha dastanden, muß sich in sie so hineinfühlen, daß man empfindet, wie noch in ihnen ein dunkler Nachklang der alten Zeiten ist, sie aber so dastehen, daß sie sich begnügen müssen mit dem, was abstrakte Urteilskraft im menschlichen Ich ist, was früher gar nicht dazusein brauchte. Und während in der Folgezeit die Begriffswelt immer reicher und reicher wurde, konnten in der ersten Zeit, als die Begriffswelt herankam, die griechischen Philosophen nur die allereinfachsten Begriffe erfassen. Wie quälen sie sich mit den Begriffen, mit dem abstrakten «Sein»; wie quälen sich zum Beispiel die Philosophen der eleatischen Schule mit dem abstrakten «Sein»! So bereitet sich vor, was die eigentlichen abstrakten Eigenschaften des Ich sind.
[ 26 ] In jenes Zeitalter muß man sich hineinversetzt fühlen, in dem diese Menschen standen, muß empfinden, wie sie beim Herannahen des Mysteriums von Golgatha dastanden, muß sich in sie so hineinfühlen, daß man empfindet, wie noch in ihnen ein dunkler Nachklang der alten Zeiten ist, sie aber so dastehen, daß sie sich begnügen müssen mit dem, was abstrakte Urteilskraft im menschlichen Ich ist, was früher gar nicht dazusein brauchte. Und während in der Folgezeit die Begriffswelt immer reicher und reicher wurde, konnten in der ersten Zeit, als die Begriffswelt herankam, die griechischen Philosophen nur die allereinfachsten Begriffe erfassen. Wie quälen sie sich mit den Begriffen, mit dem abstrakten «Sein»; wie quälen sich zum Beispiel die Philosophen der eleatischen Schule mit dem abstrakten «Sein»! So bereitet sich vor, was die eigentlichen abstrakten Eigenschaften des Ich sind.
[ 27 ] Jetzt denken wir uns eine solche Seele, welche da im Westen steht, präpariert ist zu dieser Mission des Westens, die aber noch in sich trägt die stärksten Nachklänge an das alte Hellsehen. In Indien sind diese Nachklänge längst verglommen; im Westen sind sie noch da. Der Trieb der Seele will hinein in die elementarische Welt, aber das Bewußtsein kann nicht. Eine Stimmung wie die Buddha-Stimmung konnte in diesen Seelen nicht entstehen. Die Buddha-Stimmung würde gesagt haben: Wir sind hinausversetzt in die Welt des Leidens; also machen wir uns frei von ihr. Nein, die westlichen Seelen wollten etwas erfassen von dem, was vor ihnen war. In das, was hinter ihnen war, konnten sie nicht hinein; in der Welt vor ihnen hatten sie nur die kalten, eisigen Begriffe. Denken wir uns eine solche Seele wie den Pherekydes von Syros. Er ist der, welcher als der letzte hineinschauen konnte in das, was da drinnen ist in der elementarischen Welt. Denken wir uns eine der anderen Seelen aber. Sie kann nicht sehen, wie die Elemente lebendig geboren werden aus dem Chronos heraus.Sie kann nicht sehen, daß das Schlangenwesen Ophioneus den Streit beginnt mit den oberen Göttern; aber im Bilde hält sie fest, daß da etwas hereinwirkt in das Sinnliche. Sie sieht nicht hindurch auf Chronos; aber das sieht sie, was als Abdruck in der Sinneswelt aus Chronos hervorgeht: Feuer, Wasser, Luft und Erde. Sie sieht nicht, wie die oberen Götter von den unteren bekämpft werden, wie sich der Schlangengott Luzifer empört; aber sie sieht, wie Disharmonie und Harmonie, Freundschaft und Feindschaft walten. Liebe und Haß sieht sie als abstrakte Begriffe, Feuer, Wasser, Luft und Erde als abstrakte Elemente. Was jetzt noch in die Seele hereindringt, das sieht sie; aber was früher von den Zeitgenossen gesehen worden war, das ist zugedeckt.
[ 27 ] Jetzt denken wir uns eine solche Seele, welche da im Westen steht, präpariert ist zu dieser Mission des Westens, die aber noch in sich trägt die stärksten Nachklänge an das alte Hellsehen. In Indien sind diese Nachklänge längst verglommen; im Westen sind sie noch da. Der Trieb der Seele will hinein in die elementarische Welt, aber das Bewußtsein kann nicht. Eine Stimmung wie die Buddha-Stimmung konnte in diesen Seelen nicht entstehen. Die Buddha-Stimmung würde gesagt haben: Wir sind hinausversetzt in die Welt des Leidens; also machen wir uns frei von ihr. Nein, die westlichen Seelen wollten etwas erfassen von dem, was vor ihnen war. In das, was hinter ihnen war, konnten sie nicht hinein; in der Welt vor ihnen hatten sie nur die kalten, eisigen Begriffe. Denken wir uns eine solche Seele wie den Pherekydes von Syros. Er ist der, welcher als der letzte hineinschauen konnte in das, was da drinnen ist in der elementarischen Welt. Denken wir uns eine der anderen Seelen aber. Sie kann nicht sehen, wie die Elemente lebendig geboren werden aus dem Chronos heraus.Sie kann nicht sehen, daß das Schlangenwesen Ophioneus den Streit beginnt mit den oberen Göttern; aber im Bilde hält sie fest, daß da etwas hereinwirkt in das Sinnliche. Sie sieht nicht hindurch auf Chronos; aber das sieht sie, was als Abdruck in der Sinneswelt aus Chronos hervorgeht: Feuer, Wasser, Luft und Erde. Sie sieht nicht, wie die oberen Götter von den unteren bekämpft werden, wie sich der Schlangengott Luzifer empört; aber sie sieht, wie Disharmonie und Harmonie, Freundschaft und Feindschaft walten. Liebe und Haß sieht sie als abstrakte Begriffe, Feuer, Wasser, Luft und Erde als abstrakte Elemente. Was jetzt noch in die Seele hereindringt, das sieht sie; aber was früher von den Zeitgenossen gesehen worden war, das ist zugedeckt.
[ 28 ] Denken wir uns eine solche Seele, die noch ganz drinnensteht in dem Lebendigen der früheren Zeit, aber nicht hineinschauen kann in die geistige Welt, die nur erfassen kann das äußere Abbild, bei der zugedeckt ist — wegen ihrer besonderen Mission — dasjenige, was vorher die Menschen beglückt hat; auf der anderen Seite hat sie aber von der neuen Ich-Welt nichts anderes als ein paar Begriffe, an denen sie sich festhalten muß, dann haben wir die Seele des Ermpedokles. Denn so steht die Seele des Empedokles vor uns, wenn wir ihr Innerstes erfassen wollen. Fast Zeitgenosse des Weisen von Syros ist Empedokles. Kaum zwei drittel Jahrhunderte später lebt er. Aber ganz anders ist seine Seele beschaffen. Den Übergang mußte sie vollziehen über den Rubikon von dem alten Hellsehen zu dem abstrakten Begreifen des Ich. Da sehen wir, wie auf einmal zwei Welten zusammenstoßen. Da sehen wir, wie das Ich hereindämmert und seiner Erfüllung entgegengeht. Da sehen wir die Seelen der alten griechischen Philosophen, die dazu verurteilt waren, zuerst das aufzunehmen, was wir jetzt Vernunft, Logik nennen; da sehen wit, wie ihre Seelen ausgeleert waren von den alten Offenbarungen. Und in diese Seelen mußte hineingegossen werden der neue Impuls, der Impuls von Golgatha.
[ 28 ] Denken wir uns eine solche Seele, die noch ganz drinnensteht in dem Lebendigen der früheren Zeit, aber nicht hineinschauen kann in die geistige Welt, die nur erfassen kann das äußere Abbild, bei der zugedeckt ist — wegen ihrer besonderen Mission — dasjenige, was vorher die Menschen beglückt hat; auf der anderen Seite hat sie aber von der neuen Ich-Welt nichts anderes als ein paar Begriffe, an denen sie sich festhalten muß, dann haben wir die Seele des Ermpedokles. Denn so steht die Seele des Empedokles vor uns, wenn wir ihr Innerstes erfassen wollen. Fast Zeitgenosse des Weisen von Syros ist Empedokles. Kaum zwei drittel Jahrhunderte später lebt er. Aber ganz anders ist seine Seele beschaffen. Den Übergang mußte sie vollziehen über den Rubikon von dem alten Hellsehen zu dem abstrakten Begreifen des Ich. Da sehen wir, wie auf einmal zwei Welten zusammenstoßen. Da sehen wir, wie das Ich hereindämmert und seiner Erfüllung entgegengeht. Da sehen wir die Seelen der alten griechischen Philosophen, die dazu verurteilt waren, zuerst das aufzunehmen, was wir jetzt Vernunft, Logik nennen; da sehen wit, wie ihre Seelen ausgeleert waren von den alten Offenbarungen. Und in diese Seelen mußte hineingegossen werden der neue Impuls, der Impuls von Golgatha.
[ 29 ] So waren die Seelen beschaffen, als dieser Impuls heraufkam. Aber sie mußten lechzen nach einer neuen Erfüllung. Dann nur konnten sie ihn verstehen. Für das indische Denken ist fast kein Übergang, der sich vergleichen ließe mit dem, was wir bei den einsamen griechischen Denkern haben. Daher bietet die indische Philosophie, die gleich den Übergang zur Yoga-Lehre gemacht hat, kaum eine Möglichkeit, den Übergang zu finden zu dem Mysterium von Golgatha. Die griechische Philosophie ist so vorbereitet, daß sie lechzt nach dem Mysterium von Golgatha. Sehen Sie sich die Gnosis an, wie sie in ihrer Philosophie verlangt nach dem Mysterium von Golgatha. Auf griechischem Boden ersteht die Philosophie des Mysteriums von Golgatha, weil die besten der Griechenseelen lechzten nach der Aufnahme des Impulses von Golgatha.
[ 29 ] So waren die Seelen beschaffen, als dieser Impuls heraufkam. Aber sie mußten lechzen nach einer neuen Erfüllung. Dann nur konnten sie ihn verstehen. Für das indische Denken ist fast kein Übergang, der sich vergleichen ließe mit dem, was wir bei den einsamen griechischen Denkern haben. Daher bietet die indische Philosophie, die gleich den Übergang zur Yoga-Lehre gemacht hat, kaum eine Möglichkeit, den Übergang zu finden zu dem Mysterium von Golgatha. Die griechische Philosophie ist so vorbereitet, daß sie lechzt nach dem Mysterium von Golgatha. Sehen Sie sich die Gnosis an, wie sie in ihrer Philosophie verlangt nach dem Mysterium von Golgatha. Auf griechischem Boden ersteht die Philosophie des Mysteriums von Golgatha, weil die besten der Griechenseelen lechzten nach der Aufnahme des Impulses von Golgatha.
[ 30 ] Man muß guten Willen haben, um zu verstehen, was in der Menschheitsevolution geschah; dann, möchte man sagen, verspürt man etwas von dem, was man nennen könnte: es ist wie ein Ruf und ein Gegenruf auf dem Boden der Erde. Wir schauen nach Griechenland, wir schauen weiter nach Sizilien in solche Seelen, von denen Empedokles eine ganz besonders hervorragende ist, und wir vernehmen einen merkwürdigen Ruf. Wie können wir uns ihn charakterisieren? Wie sprechen solche Seelen? Etwa so — schauen wir hinein in die Empedokles-Seele —: Ich weiß historisch von der Initiation. Ich weiß historisch, daß durch die Initiation hineingingen in die Menschenseele die übersinnlichen Welten. Allein jetzt ist ein anderes Zeitalter gekommen. Die Initiation kann nicht mehr unmittelbar lebendig werden. Die Menschenseele ist in ein anderes Stadium eingerückt. Wir brauchen, hineinreichend in das Ich, einen neuen Impuls. Wo bist du, Impuls, der an die Stelle der alten Initiation treten kann, die wir nicht mehr erleben können, der vor das neue Ich hinstellt dasselbe Geheimnis, das das alte Hellsehen enthielt? — Und darauf antwortet der andere Ruf, der von Golgatha kommt: Herausholen durfte ich, indem ich mich | den Göttern fügte und nicht den Menschen, die Geheimnisse der Mysterien und sie hinstellen vor die ganze Menschheit, damit vor der ganzen Menschheit dasteht, was sonst in den Tiefen der Mysterien gestanden hat.
[ 30 ] Man muß guten Willen haben, um zu verstehen, was in der Menschheitsevolution geschah; dann, möchte man sagen, verspürt man etwas von dem, was man nennen könnte: es ist wie ein Ruf und ein Gegenruf auf dem Boden der Erde. Wir schauen nach Griechenland, wir schauen weiter nach Sizilien in solche Seelen, von denen Empedokles eine ganz besonders hervorragende ist, und wir vernehmen einen merkwürdigen Ruf. Wie können wir uns ihn charakterisieren? Wie sprechen solche Seelen? Etwa so — schauen wir hinein in die Empedokles-Seele —: Ich weiß historisch von der Initiation. Ich weiß historisch, daß durch die Initiation hineingingen in die Menschenseele die übersinnlichen Welten. Allein jetzt ist ein anderes Zeitalter gekommen. Die Initiation kann nicht mehr unmittelbar lebendig werden. Die Menschenseele ist in ein anderes Stadium eingerückt. Wir brauchen, hineinreichend in das Ich, einen neuen Impuls. Wo bist du, Impuls, der an die Stelle der alten Initiation treten kann, die wir nicht mehr erleben können, der vor das neue Ich hinstellt dasselbe Geheimnis, das das alte Hellsehen enthielt? — Und darauf antwortet der andere Ruf, der von Golgatha kommt: Herausholen durfte ich, indem ich mich | den Göttern fügte und nicht den Menschen, die Geheimnisse der Mysterien und sie hinstellen vor die ganze Menschheit, damit vor der ganzen Menschheit dasteht, was sonst in den Tiefen der Mysterien gestanden hat.
[ 31 ] Wie die Frage der westlichen Welt nach einer neuen Lösung des Weltenrätsels, so erscheint uns das, was zum Beispiel im Süden von Europa in den Griechenseelen geboren worden ist. Und wie die Antwort — die aber nur nach dem Westen hin verstanden werden kann erscheint uns der große Monolog des Gottes, von dem wir am Schlusse des gestrigen Vortrages gesprochen haben und von dem wir morgen weiter sprechen wollen.
[ 31 ] Wie die Frage der westlichen Welt nach einer neuen Lösung des Weltenrätsels, so erscheint uns das, was zum Beispiel im Süden von Europa in den Griechenseelen geboren worden ist. Und wie die Antwort — die aber nur nach dem Westen hin verstanden werden kann erscheint uns der große Monolog des Gottes, von dem wir am Schlusse des gestrigen Vortrages gesprochen haben und von dem wir morgen weiter sprechen wollen.
