The Gospel of Mark
GA 139
21 September 1912, Basel
Translate the original German text into any language:
Versions Available:
The Gospel of Mark, tr. SOL
Siebenter Vortrag
Seventh Lecture
[ 1 ] Am besten wäre es zweifellos, wenn man bei den Betrachtungen, die sich an das eine oder andere der Evangelien erklärend anknüpfen sollen, immer ganz absehen könnte von den anderen Evangelien; denn dadurch würde das reinste und beste Verständnis des Grundtones des einzelnen Evangeliums zustande kommen. Allein es liegt nahe, daß eine solche Betrachtungsweise — wenn man gar nicht den einen oder anderen Lichtstrahl von einem Evangelium aus auf die anderen wirft doch leicht Mißverständnisse hervorrufen kann. So könnte gerade das, was gestern als der «welthistorisch größte Monolog » angegeben worden ist, leicht mißverstanden werden, wenn irgend jemand nicht genau, sondern etwas oberflächlich zu Rate ziehen wollte, was zum Beispiel in Anlehnung an das Matthäus-Evangelium über die ähnliche Stelle gesagt werden muß und auch damals bei den Vorträgen in Bern gesagt worden ist. Und zwar wäre ein Einwand, der etwa von einem solchen Gesichtspunkt aus gemacht würde, im tieferen logischen Sinne eigentlich doch dasselbe, wie wenn es eine Mitteilung gäbe: Hier auf diesem Podium stand einmal ein Mensch, und zu seiner Linken stand ein Rosenbukett — und ein andermal würde man lesen: Hier auf diesem Podium stand einmal ein Mensch, und zu seiner Rechten stand ein Rosenbukett —, und wenn jemand, der nicht daran beteiligt gewesen wäre, dann sagen würde: Das stimmt nicht; denn das eine Mal stand das Rosenbukett rechts, und das andere Mal stand es links. Es kommt eben darauf an, wo der betreffende Beobachter gestanden hat; dann sind beide Sätze richtig. So muß man die Evangelien nehmen. Wir haben es eben nicht zu tun mit einer abstrakten Biographie des Christus Jesus, sondern mit einer reichen Welt von äußeren sowohl wie okkulten Tatsachen, die hier dargestellt sind.
[ 1 ] It would undoubtedly be best if, when making observations intended to shed light on one Gospel or another, one could always completely disregard the other Gospels; for this would lead to the purest and best understanding of the fundamental tone of the individual Gospel. However, it stands to reason that such an approach—if one does not cast even a single ray of light from one Gospel onto the others—can easily give rise to misunderstandings. Thus, precisely what was described yesterday as the “greatest monologue in world history” could easily be misunderstood if anyone were to consult, not precisely but somewhat superficially, what must be said about the corresponding passage—for example, in reference to the Gospel of Matthew—and what was also stated at the time during the lectures in Bern. In fact, an objection raised from such a perspective would, in a deeper logical sense, actually be the same as if there were a statement: Once upon a time, a person stood here on this podium, and to his left stood a bouquet of roses—and another time one might read: Once a person stood here on this podium, and to his right stood a bouquet of roses—and if someone who had not been present were then to say: That is not true; for on one occasion the bouquet of roses stood on the right, and on another it stood on the left. It simply depends on where the observer in question was standing; then both statements are correct. This is how one must approach the Gospels. We are not dealing here with an abstract biography of Jesus Christ, but with a rich world of both external and occult facts that are presented here.
[ 2 ] Um diesen Gesichtspunkt ins Auge zu fassen, nehmen wir jetzt einmal das, was gestern der «welthistorisch größte Monolog» genannt worden ist, das Selbstgespräch des Gottes. Wir müssen uns darüber klar sein, daß das, was im Fortgange des Ganzen sich abspielte, sich ganz besonders zwischen dem Christus Jesus und seinen Jüngern, seinen nächsten Schülern, zutrug. Und was gestern gesagt worden ist, daß eigentlich der Geist des Elias, nachdem er befreit war von dem physischen Leib Johannes des Täufers, wie eine Art von Gruppenseele der Jünger wirksam war, das muß zu einer solchen Betrachtung noch ganz besonders hinzugezogen werden. Was damals vorging, das spielte sich nicht nur so ab, daß man es einfach in einer äußerlichen Weise erzählen kann, sondern es spielte sich in einer viel komplizierteren Weise ab. Es war gewissermaßen eine innere und tiefe Wechselbeziehung zwischen der Seele des Christus und der Seele der Zwölf. Was in der Seele des Christus vorging, das waren für die damalige Zeit alles bedeutungsvolle Vorgänge, Vorgänge reicher Art, vielfältige Vorgänge. Aber alles, was in der Seele des Christus vorging, spielte sich gleichsam noch einmal ab wie in einer Art von Spiegelbild, in einer Art von Reflex, in den Seelen der Jünger, aber in zwölf Teile geteilt; so daß jeder der Zwölf einen Teil dessen wie im Spiegelbilde erlebte, was in der Seele des Christus Jesus vorging, aber jeder der Zwölf etwas anderes.
[ 2 ] To consider this point of view, let us now take a look at what was yesterday called the “greatest monologue in world history,” God’s soliloquy. We must be clear that what unfolded in the course of the whole event took place specifically between Christ Jesus and his disciples, his closest followers. And what was said yesterday—that the spirit of Elijah, after being freed from the physical body of John the Baptist, was active as a kind of group soul of the disciples—must be taken into account in such a consideration in a very special way. What took place at that time did not unfold in such a way that it can simply be recounted in an external manner, but it unfolded in a much more complex way. It was, so to speak, an inner and profound interrelationship between the soul of Christ and the souls of the Twelve. What took place in the soul of Christ were, for that time, all significant processes, processes of a rich nature, manifold processes. But everything that took place in the soul of Christ was, as it were, repeated once more as in a kind of mirror image, in a kind of reflection, in the souls of the disciples, but divided into twelve parts; so that each of the Twelve experienced a part of what was taking place in the soul of Christ Jesus as in a mirror image, but each of the Twelve experienced something different.
[ 3 ] Was in der Seele des Christus Jesus vorging, vorging wie eine große Harmonie, wie eine große Symphonie, das spiegelte sich in der Seele jedes der Zwölf in der Weise etwa wie das, was eines von zwölf Instrumenten geben kann. Daher kann man ein jegliches Ereignis, das sich auf einen oder mehrere der Jünger besonders bezieht, nach zwei Seiten hin schildern. Man kann schildern, wie sich das betreffende Ereignis ausnimmt in der Seele des Christus, so zum Beispiel, was gestern als der große welthistorische Monolog des Christus Jesus hingestellt worden ist; man kann schildern, wie es sich dort abspielte, wie es sich dort erlebte. Da nimmt es sich eben so aus, wie es gestern dargestellt worden ist. Aber in einem gewissen Spiegelbilde geht es auch vor in der Seele des Petrus. Dasselbe Seelenerlebnis geht in Petrus vor. Aber während cs bei dem Christus Jesus die ganze Menschlichkeit einnimmt, geht dasselbe in Petrus so vor, daß es ein Zwölftel ist des gesamten Menschentums, ein Zwölftel oder ein Tierkreiszeichen des gesamten Christus-Geistes. Daher muß man es in einer anderen Weise darstellen, wenn man es darstellt in bezug auf den Christus Jesus selbst.
[ 3 ] What took place in the soul of Christ Jesus unfolded like a great harmony, like a great symphony; this was reflected in the soul of each of the Twelve in a manner similar to what one of twelve instruments might contribute. Therefore, any event that relates particularly to one or more of the disciples can be described from two perspectives. One can describe how the event in question appears in the soul of Christ, for example, what was presented yesterday as the great world-historical monologue of Christ Jesus; one can describe how it unfolded there, how it was experienced there. There it appears exactly as it was portrayed yesterday. But in a certain mirror image, the same process also takes place in the soul of Peter. The same soul experience takes place in Peter. But while in Christ Jesus it encompasses the whole of humanity, in Peter it takes place in such a way that it is one-twelfth of the totality of humanity, one-twelfth or one zodiac sign of the entire Christ Spirit. Therefore, one must depict it in a different way when depicting it in relation to Christ Jesus himself.
[ 4 ] So muß man reden, wenn man es darstellt im Sinne des MarkusEvangeliums; denn in diesem werden die markanten Dinge dargestellt, und es wird ganz besonders dasjenige dargestellt, was sich in der Seele des Christus Jesus selbst vollzog. Im Matthäus-Evangelium dagegen wird dargestellt, was sich mehr auf die Seele des Petrus bezieht und was der Christus Jesus beitragen kann zur Erklärung dessen, was sich in der Seele des Petrus vollzieht. Lesen Sie das Evangelium genau, dann werden Sie darauf kommen können, wie im Matthäus-Evangelium in noch besonders hinzugefügten Worten die Darstellung von der Seite des Petrus ist. Denn warum werden dort die Worte zugefügt: «Selig bist du, Simon, Sohn des Jona; denn Fleisch und Blut hat es dir nicht geoffenbart, sondern mein Vater in den Himmeln»? (Matth. 16, 17. ) Mit anderen Worten: Etwas von dem, was die Seele des Christus Jesus gefühlt hat, fühlt auch die Seele des Petrus. Aber indem die Seele des Petrus fühlt, daß sein Meister der Christus ist, ist das so auszulegen, daß Petrus eine Weile heraufgehoben ist zu einem Erleben im höheren Ich und überwältigt wird von dem, was er auf diese Weise erlebt, und sozusagen wieder zurückfällt. Aber dennoch war es ihm möglich, hindurchzudringen zu der Erkenntnis, die sich mit anderer Absicht, mit anderem Ziel in der Seele des Christus abspielt. Und weil er dazu fähig war, deshalb jene Übertragung der Schlüsselmacht, von der im Matthäus-Evangelium die Rede ist (Matth. 16, 19) und von der auch bei der Erklärung des Matthäus-Evangeliums gesprochen worden ist. Dagegen haben wir im Markus-Evangelium nur herausgehoben kräftig und einzig diejenigen Worte, welche anzeigen, daß das Ereignis, abgesehen von dem, was es in dem Petrus war, sich abspielte gleichzeitig, parallel, als der Monolog des Gottes.
[ 4 ] This is how one must speak when presenting it in the spirit of the Gospel of Mark; for in this Gospel, the most striking events are described, and particular emphasis is placed on what took place within the soul of Christ Jesus himself. In the Gospel of Matthew, on the other hand, what is presented relates more to the soul of Peter and to what Christ Jesus can contribute to explaining what takes place in Peter’s soul. If you read the Gospel carefully, you will be able to see how the Gospel of Matthew includes additional words that present the story from Peter’s perspective. For why are the words added there: “Blessed are you, Simon, son of Jonah; for flesh and blood has not revealed this to you, but my Father in heaven”? (Matt. 16:17.) In other words: Something of what the soul of Christ Jesus felt is also felt by the soul of Peter. But in that the soul of Peter feels that his Master is the Christ, this is to be interpreted as Peter being lifted up for a time to an experience in the higher Self and being overwhelmed by what he experiences in this way, and so to speak falling back again. Yet it was still possible for him to penetrate to the insight that is taking place in the soul of the Christ with a different intention, with a different goal. And because he was capable of this, that is why the conferral of the power of the keys, of which the Gospel of Matthew speaks (Matt. 16:19) and which was also discussed in the commentary on the Gospel of Matthew. In contrast, in the Gospel of Mark we have emphasized strongly and exclusively those words which indicate that the event, apart from what it was in Peter, took place simultaneously, in parallel, as the monologue of God.
[ 5 ] So müssen wir diese Dinge nehmen. Dann fühlen wir aber auch, wie der Christus Jesus eigentlich mit den Seinigen vorgeht, wie er sie führt von Stufe zu Stufe, wie er, nachdem der Geist des Elias-Johannes auf sie übergegangen ist, sie weiter führen kann im Verständnis der spirituellen Geheimnisse, als er sie früher führen konnte. Und dann fühlen wir erst, welche Bedeutung es hat, daß an die Stelle, die wir gestern am Schlusse besprochen haben als den Monolog des Gottes, sich anschließt die sogenannte Verklärungs- oder Verwandlungsszene. Das ist wieder ein bedeutendes Element in der dramatischen Komposition des Markus-Evangeliums. Um diese Verklärung zu beleuchten, müssen wir auf einiges hinweisen, das mit vielem zusammenhängt, was zum Verständnisse der Darstellung in den Evangelien nötig ist; zunächst auf eines.
[ 5 ] This is how we must take these things. Then, however, we also sense how Christ Jesus actually deals with his own, how he leads them from stage to stage, how, after the spirit of Elijah-John has passed over to them, he can lead them further in their understanding of spiritual mysteries than he could before. And only then do we feel the significance of the fact that the so-called Transfiguration or Transmutation scene follows the passage we discussed yesterday at the end as the monologue of God. This is another significant element in the dramatic composition of the Gospel of Mark. To shed light on this Transfiguration, we must point out a few things that are connected to much of what is necessary for understanding the presentation in the Gospels; first of all, one thing.
[ 6 ] Sie können es im Markus-Evangelium und auch in den anderen Evangelien öfter lesen, wie der Christus Jesus davon spricht, daß des Menschen Sohn viel leiden müsse, daß er angefallen würde von den Schriftgelehrten, von den Hohenpriestern, daß er getötet würde, daß er nach drei Tagen auferweckt würde. Und Sie finden überall bis zu einem gewissen Punkt hin deutlich angedeutet, wie die Apostel zunächst diese Redewendung von dem leidenden, sterbenden und auferweckten Menschensohn nicht verstehen können, wie sie Schwierigkeiten haben gerade im Verständnis dieser Stelle (9, 31-32). Warum begegnen wir dieser eigentümlichen Tatsache? Warum treten Schwierigkeiten bei den Aposteln gerade in bezug auf das Verständnis des eigentlichen Mysteriums von Golgatha auf? Was ist denn dieses Mysterium von Golgatha? Wir haben es schon erwähnt. Es ist nichts anderes als das Herausholen der Initiation aus den Tiefen der Mysterien auf den Plan der Weltgeschichte. Natürlich ist ein ganz bedeutsamer Unterschied zwischen einer jeglichen Initiation und dem Mysterium von Golgatha. Der Unterschied liegt in folgendem.
[ 6 ] You can read in the Gospel of Mark, and also in the other Gospels, how Jesus Christ speaks of the Son of Man having to suffer greatly, of being attacked by the scribes and the high priests, of being killed, and of being raised after three days. And you will find clear indications throughout, up to a certain point, of how the Apostles at first cannot understand this phrase about the suffering, dying, and risen Son of Man, and how they struggle specifically with understanding this passage (9:31–32). Why do we encounter this peculiar fact? Why do difficulties arise for the Apostles precisely in relation to understanding the actual Mystery of Golgotha? What, then, is this Mystery of Golgotha? We have already mentioned it. It is nothing other than the bringing of Initiation out of the depths of the Mysteries onto the plane of world history. Of course, there is a very significant difference between any initiation and the Mystery of Golgotha. The difference lies in the following:
[ 7 ] Wer in den Mysterien der verschiedenen Völker initiiert worden ist, hatte in einer gewissen Weise dasselbe durchgemacht. Er wurde gebracht zu Leiden, zu einem dreitägigen, man möchte sagen, scheinbaren Tod, wo sein Geist außerhalb seines Leibes in den spirituellen Welten weilte, wo dann sein Geist wieder zurückgebracht wurde in seinen Leib, so daß der Geist in dem Leib sich erinnern konnte an das, was er in der geistigen Welt durchgemacht hatte, und er als ein Bote auftreten konnte für die Geheimnisse der geistigen Welt. Man kann also sagen, ein Hingehen zum Tode, wenn auch nicht zu dem Tode, der den Geist vollständig, sondern der ihn nur für eine Zeit vom physischen Leibe trennt, das ist die Initiation. Ein Verweilen außerhalb des Leibes und ein Zurückkehren in den physischen Leib und dadurch ein Bote werden der göttlichen Geheimnisse, das ist die Initiation. Sie vollzog sich nach sorgfältiger Vorbereitung, nachdem der Betreffende in die Lage gekommen war, in sich die Kräfte der Seele so verdichtet zu haben, daß er in diesen dreieinhalb Tagen leben konnte, ohne die Instrumente seines physischen Leibes zu gebrauchen. Dann aber, nach diesen dreieinhalb Tagen, mußte er sich wieder mit seinem physischen Leib vereinigen. Er hatte also sozusagen durch Entrückung in eine höhere Welt, abseits von den gewöhnlichen historischen Ereignissen, das durchgemacht.
[ 7 ] Those who had been initiated into the mysteries of various peoples had, in a certain sense, undergone the same experience. They were led through suffering, through a three-day, one might say, apparent death, during which their spirit dwelt outside their body in the spiritual worlds, from where their spirit was then brought back into their body, so that the spirit within the body could remember what it had experienced in the spiritual world and could act as a messenger for the mysteries of the spiritual world. One can therefore say that a journey toward death—though not the death that separates the spirit completely from the physical body, but only for a time—is initiation. A sojourn outside the body and a return to the physical body, thereby becoming a messenger of the divine mysteries—that is initiation. It took place after careful preparation, once the individual had reached a state where the powers of the soul had become so concentrated within him that he could live through these three and a half days without using the instruments of his physical body. But then, after these three and a half days, he had to reunite with his physical body. He had thus, so to speak, undergone this through a rapture into a higher world, apart from ordinary historical events.
[ 8 ] Anders in seinem inneren Wesen, aber ähnlich in der äußeren Erscheinung war das Mysterium von Golgatha. Die Ereignisse, die sich während des Verweilens des Christus in dem Leib des Jesus von Nazareth abspielten, führten dahin, daß nun tatsächlich der physische Tod eintrat für den physischen Leib des Jesus von Nazareth, daß der Geist des Christus die drei Tage außerhalb des physischen Leibes weilte, dann aber zurückkehrte und jetzt nicht in den physischen Leib, sondern in den verdichteten Ätherleib, so verdichtet, daß ihn die Jünger wahrnehmen konnten, wie es in den Evangelien geschildert ist; so daß der Christus wandeln konnte und sichtbar werden konnte auch nach dem Ereignis von Golgatha. Damit war also als ein historisches Ereignis die Initiation hingestellt, die sonst, den äußeren Augen entzogen, in den Tiefen der Mysterien sich zugetragen hatte, war als ein einmaliges Ereignis hingestellt vor die ganze Menschheit. Damit war in einer gewissen Weise die Initiation herausgeholt aus den Mysterien, war durch den einen Christus vollbracht vor aller Augen. Aber eben damit ist der Abschluß der alten Welt gegeben, ist der Beginn der neuen Zeit gekommen.
[ 8 ] The Mystery of Golgotha was different in its inner essence but similar in its outward appearance. The events that took place during Christ’s sojourn in the body of Jesus of Nazareth led to the actual physical death of the physical body of Jesus of Nazareth, to the Spirit of Christ remaining outside the physical body for three days, but then returning—not into the physical body, but into the condensed etheric body, so condensed that the disciples could perceive him, as described in the Gospels; so that Christ could walk and become visible even after the event of Golgotha. Thus the initiation, which had otherwise taken place in the depths of the mysteries, hidden from external eyes, was presented as a historical event, set before all humanity as a unique event. Thus, in a certain sense, the initiation was brought out of the mysteries; it was accomplished by the one Christ before all eyes. But precisely in this way, the conclusion of the old world is marked, and the beginning of the new era has come.
[ 9 ] Aus der Darstellung, die von den Propheten gegeben worden ist, haben Sie ersehen, daß der Geist des Prophetentums und das, was durch diesen Geist dem althebräischen Volke gegeben worden ist, anders war als der Geist der Initiation der anderen Völker. Die anderen Völker hatten Führer, die Initiierte waren, die so initiiert waren, wie es eben dargestellt worden ist. Das war beim althebräischen Volke nicht so der Fall. Da haben wir es nicht mit Initiationen wie bei anderen Völkern zu tun, sondern wir haben es zu tun, wie wir gehört haben, mit einem elementaren Hervortreten des Geistes in den Leibern derjenigen, die als Propheten auftauchten, mit etwas, was wie Genies der Spiritualität hervortritt. Und damit das sein kann, sehen wir, daß bei den mittleren Propheten diejenigen Seelen im althebräischen Volke auftreten, die in den früheren Inkarnationen Initiierte bei den anderen Völkern waren, damit sie das, was sie dem althebräischen Volke geben, wie eine Erinnerung an das erleben, was sie in der Initiation empfangen haben. So war das Hereinleuchten des spirituellen Lebens anders beim alttestamentlichen Volke und anders bei den anderen Völkern. Bei den letzteren geschah es durch die Handlung, durch die Initiation, beim alttestamentlichen Volke kam es durch die Gaben, die denen eingepflanzt wurden, die eben als Propheten unter dem Volke wirkten.
[ 9 ] From the account given by the prophets, you have seen that the spirit of prophecy and what was given to the ancient Hebrew people through that spirit differed from the spirit of initiation among other peoples. The other peoples had leaders who were initiates, initiated in the manner just described. This was not the case with the ancient Hebrew people. Here we are not dealing with initiations as with other peoples, but rather, as we have heard, with an elemental emergence of the spirit within the bodies of those who appeared as prophets—with something that emerges like genies of spirituality. And for this to be possible, we see that among the middle prophets, those souls appear within the ancient Hebrew people who, in earlier incarnations, were initiates among other peoples, so that what they give to the ancient Hebrew people is experienced by them as a remembrance of what they received in initiation. Thus, the shining forth of spiritual life was different among the Old Testament people and different among the other peoples. Among the latter, it occurred through the act of initiation; among the Old Testament people, it came through the gifts implanted in those who were active as prophets among the people.
[ 10 ] Durch dieses Wirken seiner Propheten wurde das althebräische Volk dazu vorbereitet, jene einzigartige Initiation zu erleben, die jetzt nicht die Initiation eines Menschen, sondern die Initiation einer kosmischen Individualität war, wenn man dann noch von Initiation sprechen will, was eigentlich nicht mehr richtig ist. Dadurch wurde das althebräische Volk vorbereitet, das zu empfangen, was an die Stelle der alten Initiation treten sollte: in richtiger Art hinzuschauen auf das Mysterium von Golgatha. Dadurch aber ist auch gegeben, daß die dem alttestamentlichen Volke angehörenden Apostel zunächst kein Verständnis haben für die Worte, welche die Initiation charaktetisieren. Der Christus Jesus spricht von der Initiation, und er drückt sich so aus, daß er sagt: Hineilen zum Tode, drei Tage im Grabe sein, dann auferweckt werden. Das ist die Beschreibung der Initiation. Hätte er diese Beschreibung der Initiation seinen Schülern anders gegeben, so hätten sie ihn verstanden. Weil aber diese Art zu sprechen nicht heimisch war beim alttestamentlichen Volke, deshalb verstanden die Zwölf diese Art der Beschreibung zunächst nicht. Daher werden wir mit Recht darauf hingewiesen, wie die Apostel erstaunt sind und nicht wissen, wovon er redet, als er von dem Leiden und Sterben und Auferwecktwerden des Menschensohnes spricht.
[ 10 ] Through the work of its prophets, the ancient Hebrew people were prepared to experience that unique initiation, which was now not the initiation of a human being but the initiation of a cosmic individuality—if one still wishes to speak of initiation, which is actually no longer accurate. Thus the ancient Hebrew people were prepared to receive what was to take the place of the old initiation: to look in the right way upon the Mystery of Golgotha. But this also means that the apostles belonging to the Old Testament people initially have no understanding of the words that characterize the initiation. Christ Jesus speaks of initiation, and he expresses himself by saying: to hasten toward death, to be in the tomb for three days, then to be raised. That is the description of initiation. Had he given this description of initiation to his disciples in a different way, they would have understood him. But because this way of speaking was not familiar to the people of the Old Testament, the Twelve did not understand this description at first. Therefore, we are rightly reminded of how astonished the apostles are and do not know what he is talking about when he speaks of the suffering, dying, and rising of the Son of Man.
[ 11 ] Solche Dinge sind also durchaus im Sinne der historischen Darstellung im Geiste dessen, was geschehen ist. Wenn der alte Initiierte seine Initiation erlebte, da geschah das mit ihm, daß er, während er außerhalb seines Leibes weilte, in einer höheren Welt war, nicht in der Welt des gewöhnlichen Sinnenseins. Er war vereinigt außerhalb des Leibes, man kann sagen, mit den Tatsachen eines höheren Planes. Wenn er dann wieder in seinen Leib zurückkam, was war dann dasjenige, was er in der spirituellen Welt leibfrei erlebt hatte? Erinnerung war es. Er mußte so sprechen, daß er sagen konnte: Ich erinnere mich, wie man sich sonst an das erinnert, was man gestern und vorgestern erlebt hat, an meine Erlebnisse im leibfreien Zustande. Und er konnte für sie zeugen. Zu wesentlich mehr kam es bei den Initiierten nicht, als daß sie in ihrer Seele die Geheimnisse von den spirituellen Welten trugen, wie die Menschenseele die Erlebnisse von gestern als Erinnerung in sich trägt. Und wie die Seele vereinigt ist mit dem, was sie als Erinnerung bewahrt, so trugen die Initiierten in sich die Geheimnisse der spirituellen Welten, waren mit ihnen vereinigt.
[ 11 ] Such things are therefore entirely in keeping with a historical account that reflects the spirit of what actually happened. When the ancient initiate underwent his initiation, what happened to him was that, while he was outside his body, he was in a higher world, not in the world of ordinary sensory existence. Outside his body, he was united, so to speak, with the realities of a higher plane. When he then returned to his body, what was it that he had experienced in the spiritual world while out of his body? It was memory. He had to speak in such a way that he could say: I remember my experiences in the out-of-body state just as one otherwise remembers what one experienced yesterday and the day before. And he could bear witness to them. For the initiates, it amounted to little more than carrying within their souls the mysteries of the spiritual worlds, just as the human soul carries within itself the experiences of yesterday as memories. And just as the soul is united with what it preserves as memory, so the initiates carried within themselves the mysteries of the spiritual worlds and were united with them.
[ 12 ] Warum war das so? Es war so aus dem Grunde, weil bis zur Zeit des Mysteriums von Golgatha des Menschen Seele auf der Erde überhaupt nicht geeignet war, in das Ich hineinkommen zu lassen die Reiche der Himmel, die übersinnlichen Welten. Sie konnten gar nicht bis zum wirklichen Ich kommen, konnten sich mit dem Ich nicht vereinigen. Nur wenn man über sich selber hinaussah oder hinausahnte durch das Hellsehen, wie es in den alten Zeiten war, wenn man, ich möchte sagen, sich hinausträumte oder durch die Initiation aus dem Ich herauskam, konnte man in die übersinnlichen Welten hineinkommen. Aber innerhalb des Ich gab es kein Verständnis, keine Urteilskraft für die höheren Welten. So war es nun schon einmal. Mit all den Kräften, die zum Ich gehören, konnte sich der Mensch vor dem Mysterium von Golgatha nicht mit den spirituellen Welten vereinigen.
[ 12 ] Why was this so? It was so because, up until the time of the Mystery of Golgotha, the human soul on Earth was not at all capable of allowing the realms of the heavens, the supersensible worlds, to enter into the I. They could not reach the true I at all; they could not unite with the I. Only when one looked beyond oneself or sensed beyond through clairvoyance, as was the case in ancient times, when one, I might say, dreamed oneself out or emerged from the I through initiation, could one enter the supersensible worlds. But within the I there was no understanding, no power of judgment for the higher worlds. That is how it was at that time. With all the powers belonging to the ego, human beings could not unite with the spiritual worlds before the Mystery of Golgotha.
[ 13 ] Das war das Geheimnis, das durch die Johannes-Taufe den Leuten klarwerden sollte, daß jetzt die Zeit herangekommen war, wo die Reiche der Himmel bis ins Ich hineinleuchten sollten, bis an das Ich, das Erden-Ich, herankommen sollten. Oh, es war immer wieder und wieder durch die Zeiten hin angedeutet worden, wie eigentlich in den alten Zeiten das, was der Mensch darleben konnte als sein Seelisches, nicht in die übersinnlichen Welten hinaufkommen konnte. Wie eine Disharmonie war es für die alten Zeiten zwischen dem Erleben der eigentlichen menschlichen Heimat, der geistigen Welt, und dem, was, wenn man auch das alte Seelenhafte als Ich bezeichnen will, im menschlichen Innern sich abspielte. Dieses menschliche Innere war abgetrennt von der geistigen Welt; man konnte sich nur in Ausnahmezuständen mit ihr vereinigen. Und wenn alle Gewalt dessen, was später «Ich» werden sollte, was später im Menschen wohnen sollte, wenn alle Gewalt, alle Impulse dieses Ich dennoch einmal die Menschen ausfüllten, sagen wir durch die Initiation oder durch die Erinnerung an eine vorher erlebte Initiation in einer späteren Inkarnation, wenn da die Gewalt des Ich, des noch nicht für die menschliche Leiblichkeit bestimmten Ich, sich hineindrängte als Kraft in die menschliche Leiblichkeit, was geschah dann? Was dann geschah, das wird immer angedeutet: dann hat in den vorchristlichen Zeiten die über die menschliche Leiblichkeit hinausgehende Kraft des Ich sozusagen nicht recht Platz in dem Leibe, durchbricht das, was für das Ich bestimmt ist.
[ 13 ] That was the secret that was to be revealed to people through the baptism of John: that the time had now come when the realms of heaven were to shine into the self, were to reach the self—the earthly self. Oh, it had been hinted at time and again throughout the ages how, in ancient times, what human beings could experience as their soul life could not ascend into the supersensible worlds. It was like a disharmony in ancient times between the experience of humanity’s true home, the spiritual world, and what took place within the human being—even if one wishes to call the old soul-nature the “I.” This inner human being was separated from the spiritual world; one could unite with it only in exceptional states. And even when all the power of that which was later to become the “I,” that which was later to dwell within the human being—even when all the power all the impulses of this “I” nevertheless filled human beings—say, through initiation or through the memory of a previously experienced initiation in a later incarnation—when the power of the “I,” the “I” not yet destined for human physicality, forced its way into human physicality as a force, what then happened? What happened then is always hinted at: in pre-Christian times, the power of the “I” that transcends human physicality, so to speak, had no real place in the body and broke through what was intended for the “I.”
[ 14 ] Solche Menschen also, die mehr von der übersinnlichen Welt in sich tragen, die von der übersinnlichen Welt so etwas in sich tragen, was schon in der vorchristlichen Zeit gleichsam an das erinnert, was das Ich später werden soll, die zerbrechen mit dieser Ich-Kraft ihre Leiblichkeit, weil diese Ich-Kraft zu stark ist für die vorchristliche Zeit. Und das wird angedeutet zum Beispiel dadurch, daß bei gewissen Individualitäten in ihrer Verkörperung, wenn sie diese Kraft des Ich in sich haben, dieses Ich nur dadurch in ihnen weilen kann, daß der Leib in irgendeiner Weise verletzt ist oder verletzbar ist, irgendeine leicht verletzbare Stelle hat, die dann auch verletzt wird. Da ist der Mensch durch irgend etwas an sich mehr, als es durch seine übrige Leiblichkeit der Fall ist, der Umgebung ausgesetzt. Wir brauchen uns nur an die Verwundbarkeit des Achill an der Ferse, an die Verwundbarkeit des Siegfried, an Ödipus zu erinnern, wo die Gewalt des Ich die Leiblichkeit durchbricht. Da wird uns angedeutet an dem Vorhandensein der Verwundung, daß nur ein zerbrochener Leib zu der Größe des Ich, zu der übermenschlichen Kraft des Ich paßt, die dadrinnen ist.
[ 14 ] Such people, then, who carry more of the supersensible world within themselves—who carry within themselves something from the supersensible world that, even in pre-Christian times, already foreshadows, as it were, what the “I” is to become later—break their physicality with this “I”-force, because this “I”-force is too strong for the pre-Christian era. And this is indicated, for example, by the fact that in certain individuals, when they possess this ego-force within themselves, the ego can only dwell within them if the body is in some way injured or vulnerable, has some easily injured spot that is then also injured. There, the human being is, through something in themselves, more exposed to the environment than is the case through the rest of their physicality. We need only recall the vulnerability of Achilles’ heel, the vulnerability of Siegfried, and Oedipus, where the power of the ego breaks through the physical body. The presence of the wound suggests to us that only a broken body is fitting for the greatness of the ego, for the superhuman power of the ego that lies within it.
[ 15 ] Was hiermit eigentlich gesagt werden soll, es kann vielleicht, wenn es in einer anderen Weise formuliert wird, noch ganz bedeutsam vor unsere Seele treten. Nehmen wir an, irgendein Mensch in der vorchristlichen Zeit würde — es braucht nicht mit Bewußtsein zu sein mit allen Impulsen, mit allen Kräften, die später das Ich durchdringen sollen, in sich erfüllt sein und würde mit dieser, man möchte sagen, Über-Ich-Kraft, mit dieser übermenschlichen Kraft untertauchen in seinen Leib. Er müßte diesen Leib zerbrechen und ihn nicht so sehen, wie er ist, wenn das schwache Ich — oder das schwache Innere — dadrinnen ist. Er müßte ihn anders sehen, der Mensch der alten Zeit, der alle Gewalt des Ich in sich dazu gehabt hätte, daß er heraustreten konnte aus seinem Leibe. Er würde ihn so gesehen haben, wie er als zerbrochener Leib ist unter dem Einflusse des Über-Ich, würde ihn mit allerlei Wunden gesehen haben, weil nur das schwache Ich — oder das schwache Innere — in den alten Zeiten den Leib so schwach durchdringt, daß er ganz bleiben kann.
[ 15 ] What is actually being said here may, if phrased differently, still come across as quite significant to our souls. Let us suppose that some person in pre-Christian times would—it need not be with full consciousness—be filled within with all the impulses, with all the forces that are later to permeate the ego, and would, with this, one might say, superego-force, with this superhuman force, submerge into his body. He would have to break this body and not see it as it is when the weak ego—or the weak inner self—is inside it. He would have to see it differently, this person of ancient times, who would have possessed all the power of the ego within himself to step out of his body. He would have seen it as a broken body under the influence of the superego, would have seen it covered with all manner of wounds, because in ancient times only the weak ego—or the weak inner self—penetrates the body so weakly that it can remain whole.
[ 16 ] Was ich jetzt gesagt habe, ist bei den Propheten ausgesprochen. Es ist die Stelle ungefähr so formuliert, daß gesagt wird (Sacharja 12,10): Der Mensch, der alle Kraft der Ichheit in sich vereint und sich dem menschlichen Leib gegenüber sieht, er sieht ihn durchstochen, verwundet, mit Löchern. Denn die höhere Kraft des Ich, die in den alten Zeiten noch nicht das menschliche Innere bewohnen konnte, durchlöchert, durchdringt, zersticht den Leib. Das ist ein Impuls, der deshalb durch die Menschheitsevolution läuft, weil wegen des luziferischen und ahrimanischen Einflusses dem Menschen in der vorchristlichen Zeit ein geringeres Quantum seines Ich mitgegeben werden mußte, als das Voll-Ich umfaßt. Und weil der Leib nur geeignet ist für das geringere Quantum und nicht für die ganze Kraft des Ich, deshalb zermürbt er. Und daher mußte — nicht weil es in der vorchristlichen Zeit geschieht, sondern weil mit dem Christus Jesus auf einmal das volle Ich in die Leiblichkeit eingezogen ist, weil da am stärksten die Ichheit eingezogen ist —, deshalb mußte diese Leiblichkeit nicht nur mit einer Wunde, wie es bei so vielen Menschheitsindividualitäten war, die ein Über-Ich getragen haben, sondern mit fünf Wunden angeschaut werden, mit fünf Wunden, die notwendig sind wegen des Hinausragens der Christus-Wesenheit, das heißt des Voll-Ich des Menschen, über die Form der Leiblichkeit, über die angemessene Form der Leiblichkeit. Wegen dieses Hinausragens mußte sich auf dem physischen Plan der Weltgeschichte das Kreuz erheben, das den Christus-Leib so trug, wie der menschliche Leib sein würde, wenn jemals in einem Augenblick die ganze Summe des Menschentums, von welcher der Mensch einen großen Teil durch den luziferischen und ahrimanischen Einfluß verloren hat, in einem Menschen weilen würde.
[ 16 ] What I have just said is expressed in the Prophets. The passage is worded roughly as follows (Zechariah 12:10): The person who unites within himself all the power of the ego and faces the human body sees it pierced, wounded, and riddled with holes. For the higher power of the ego, which in ancient times could not yet dwell within the human inner being, pierces, penetrates, and shreds the body. This is an impulse that runs through human evolution because, due to the Luciferic and Ahrimanic influences, human beings in pre-Christian times had to be endowed with a lesser measure of their ego than the full ego encompasses. And because the body is suited only for this lesser portion and not for the full power of the ego, it is thus worn down. And therefore—not because this occurs in pre-Christian times, but because with Christ Jesus the full ego suddenly entered into physicality, because the egoic nature entered there most powerfully— therefore this physicality had to be regarded not merely with a single wound, as was the case with so many human individualities who bore a super-I, but with five wounds, with five wounds that are necessary because of the protrusion of the Christ-being, that is, the full I of the human being, beyond the form of physicality, beyond the appropriate form of physicality. Because of this transcendence, the cross had to rise on the physical plane of world history, bearing the Christ body just as the human body would be if, in a single moment, the entire sum of humanity—of which humanity has lost a great part through the Luciferic and Ahrimanic influences—were to dwell in a single human being.
[ 17 ] Das ist ein tiefes Mysterium, das uns aus der Geheimwissenschaft heraus geradezu das Bild auf Golgatha hinstellt. Und wer versteht, was Menschheit und Menschentum ist, was das Erden-Ich ist, was das Verhältnis des Erden-Ich zur Menschenform des Leibes, zur Form des Menschenleibes ist, der weiß, daß bei der vollständigen Durchdringung des Erden-Ich mit dem Menschenleibe nicht die Durchdringung geschehen kann, welche die normale bei dem herumwandelnden Menschen ist, sondern daß der Mensch, wenn er aus sich herausgeht und, sich selber anschauend, fragen kann: Wie müßte dieser Leib sein, wenn alle Ichheit in ihn hineinrücken würde? — ihn anschauen würde mit fünf Wunden. Aus der Menschennatur und aus der Erdenwesenheit selber folgt die Gestalt des Kreuzes mit dem Christus und den Wunden auf Golgatha. Bis in das Bild hinein kann sich aus der Betrachtung der Menschennatur das Mysterium von Golgatha aus dem ergeben, was man wissen kann. Das ist das Eigentümliche, daß es eine Möglichkeit gibt, nicht nur im Hellsehen, wo es sich als natürlich erweist, hinzuschauen, wie das Kreuz auf Golgatha erhöht ist, wie die Kreuzigung stattfindet, und die Wahrheit dieses historischen Ereignisses zu schauen, sondern daß es eine Möglichkeit gibt, daß wir durch das Mysterium von Golgatha sogar die menschliche Vernunft so weit heranbringen an das Mysterium von Golgatha, daß, wenn man fein genug, scharf genug diese menschliche Vernunft gebraucht, diese sich umwandelt in Imagination, in Einbildung, die aber dann Wahrheit enthält, wodurch dann, wenn man versteht, was der Christus ist und wie er sich zur Form des Menschenleibes verhält, die menschliche Phantasie so geleitet wird, daß das Bild auf Golgatha selber entsteht. So waren vielfach die älteren christlichen Maler geleitet, die nicht etwa immer Hellseher waren, sondern aus der Kraft der Erkenntnis des Mysteriums von Golgatha bis zu dem Bilde von Golgatha getrieben wurden, so daß sie es malen konnten. Es ist eben in jenem großen Wendepunkt der Menschheitsevolution aus dem Hellsehen herangebracht worden an die Ich-Seele des Menschen das Verständnis für die Christus-Wesenheit, das heißt für das Ur-Ich des Menschen.
[ 17 ] This is a profound mystery that, through esoteric science, presents us with a vivid image of Golgotha. And anyone who understands what humanity and human nature are, what the Earth-I is, and what the relationship is between the Earth-I and the human form of the body, to the form of the human body, knows that when the Earth-I is fully permeated by the human body, the permeation cannot be the same as that which is normal for the walking human being; rather, when the human being steps outside of himself and, looking at himself, can ask: ‘What would this body be like if all of the I-ness were to enter into it? — would see it with five wounds. From human nature and from the Earth being itself follows the form of the cross with Christ and the wounds on Golgotha. Even within the image, the Mystery of Golgotha can emerge from the contemplation of human nature, from what can be known. This is the peculiarity: that there is a possibility not only in clairvoyance—where it proves to be natural—to look upon how the cross is raised on Golgotha, how the crucifixion takes place, and to behold the truth of this historical event, but that there is a possibility that through the Mystery of Golgotha we may even bring human reason so close to the Mystery of Golgotha that, if one uses this human reason finely enough, sharply enough, it is transformed into imagination, into a mental picture, which then contains truth; whereby, when one understands what Christ is and how he relates to the form of the human body, the human imagination is so guided that the image of Golgotha itself arises. This is how many of the older Christian painters were guided; they were not always clairvoyants, but were driven by the power of their understanding of the Mystery of Golgotha to the image of Golgotha itself, so that they could paint it. It was precisely at that great turning point in human evolution that the understanding of the Christ-being—that is, of the human primordial ego—was brought from clairvoyance to the human ego-soul.
[ 18 ] Das Hellsehen macht möglich, außerhalb des Leibes das Mysterium von Golgatha zu schauen. Wodurch? Wenn ein Verhältnis zum Mysterium von Golgatha innerhalb des Leibes eingegangen ist, so ist es auch heute möglich, in den höheren Welten das Mysterium von Golgatha und damit die volle Bekräftigung dieses großen Knotenpunktes der Menschheitsevolution zu schauen. Aber es ist auch ein Begreifen dieses Mysteriums von Golgatha möglich, und in den Worten, die ich eben gesprochen habe, sollte die Möglichkeit eines Begreifens gegeben sein. Freilich muß man lange meditieren, muß lange nachdenken über das, was gesagt worden ist. Und wenn jemand das Gefühl hat, was jetzt gesagt worden ist, sei schwer verständlich, so darf das als berechtigt bezeichnet werden; denn selbstverständlich gehört das, was die Menschenseele hinführen kann zu dem vollen Verständnis des Größten, des Höchsten, des Bedeutsamsten, das auf der Erde geschehen ist, zu den schwierigsten Dingen. In einer gewissen Weise sollten die Jünger dazu hingeführt werden; und von diesen wieder, die nach und nach herangebracht werden sollten zu einem neuen Verständnis der Menschheitsevolution, erwiesen sich eben als die brauchbarsten Petrus, Jakobus und Johannes.
[ 18 ] Clairvoyance makes it possible to behold the Mystery of Golgotha outside the body. How? If a connection to the Mystery of Golgotha has been established within the body, it is possible even today to behold the Mystery of Golgotha in the higher worlds and thereby to witness the full affirmation of this great turning point in human evolution. But it is also possible to comprehend this Mystery of Golgotha, and the words I have just spoken should provide the means for such comprehension. Of course, one must meditate at length, must reflect at length on what has been said. And if anyone feels that what has just been said is difficult to understand, that may be considered justified; for, naturally, that which can lead the human soul to a full understanding of the greatest, the highest, the most significant event that has taken place on Earth belongs to the most difficult things. In a certain sense, the disciples were to be led toward this; and of these, Peter, James, and John proved to be the most suitable for gradually being brought to a new understanding of human evolution.
[ 19 ] Es ist gut, den bedeutsamen Zeitabschnitt, der da in der Zeit des Mysteriums von Golgatha eingetreten ist, sich von den verschiedensten Seiten vor Augen zu halten. Deshalb ja ist es auch so dankenswert, daß Sie heute morgen die Hegelsche Darstellung dieses Zeitpunktes haben hören können. Alle Dinge, die menschliches Begreifen geben kann, können nämlich zusammenströmen, um das Bedeutsamste zu begreifen, das damals, heranreifend in den vorhergehenden Jahrhunderten, sich vollziehend um die Zeit des Mysteriums von Golgatha und dann die weitere Menschheitsevolution langsam vorbereitend und bedingend, eingetreten ist. Es ist an verschiedenen Orten der Erde eingetreten. Wir können nicht nur in Palästina, wo das Ereignis von Golgatha selber geschehen ist, die Sachen verfolgen, sondern wir können sie verfolgen, wenn wir in der richtigen Weise vorgehen, auch an anderen Punkten der Erde; nur spielte sich da nicht das Ereignis von Golgatha ab. Aber das Absteigen und das Wiederaufsteigen der Menschheit, das Sichemporheben der Menschheit durch die Wirkung des Mysteriums von Golgatha, das sich über die westliche Welt verbreitete, können wir verfolgen. Namentlich das Herabsteigen können wir verfolgen, und es ist interessant, wie wir das Herabsteigen der Menschheit verfolgen können.
[ 19 ] It is good to keep in mind, from a wide variety of perspectives, the significant period that began at the time of the Mystery of Golgotha. That is precisely why it is so gratifying that you were able to hear Hegel’s account of this moment this morning. For all that human understanding can offer can indeed converge to grasp the most significant event that occurred at that time—an event that had been maturing over the preceding centuries, unfolding around the time of the Mystery of Golgotha, and then slowly preparing and determining the further evolution of humanity. It took place in various locations on Earth. We can trace these events not only in Palestine, where the event of Golgotha itself took place, but—if we proceed in the right way—we can also trace them at other points on Earth; it is just that the event of Golgotha did not take place there. But we can trace humanity’s descent and ascent, humanity’s lifting up through the effect of the Mystery of Golgotha, which spread throughout the Western world. We can trace the descent in particular, and it is interesting how we can trace humanity’s descent.
[ 20 ] Nehmen wir den griechischen Boden noch einmal und fassen wir ins Auge, wie ein halbes Jahrtausend, bevor das Ereignis von Golgatha sich vollzog, die Ereignisse sich abspielten. Drüben im Morgenlande, wo der Krishna aufgetreten ist, war man in einer gewissen Weise der damaligen Zeit voraus. Man war voraus sozusagen in der Epoche des Niedergehens des alten Hellsehens. Es ist etwas Eigentümliches um diese Kultur gerade zum Beispiel Indiens. Während in der unmittelbar nachatlantischen Zeit in Indien die erste große nachatlantische Kulturblüte auftritt und in der reinsten Weise — für die menschliche Seele reinsten Weise — ein Hineinschauen in die geistige Welt noch da war, das sich bei den Rishis verband mit einer wunderbaren Möglichkeit, das Geschaute darzustellen, so daß es auf die späteren Zeiträume wirken konnte, und dann, als das Hellsehen verschwand, in solchen bedeutenden Offenbarungen, wie es die Krishna-Offenbarung ist, aufbewahrt wurde für die späteren Zeiten, war das, was eigentliches Hellsehen war, am Ende des dritten Zeitraumes schon erloschen. Aber durch Krishna und seine Schüler waren die Tatsachen, die man schauen konnte, in wunderbare Worte gebracht und aufbewahrt, so daß man in der Schrift das hatte, was früher gesehen worden ist. Das trat eigentlich für Indien niemals ein, was weiter westlich, zum Beispiel in Griechenland, eingetreten ist.
[ 20 ] Let us return to Greece and consider how events unfolded half a millennium before the events at Golgotha took place. Over in the East, where Krishna appeared, people were, in a certain sense, ahead of their time. They were ahead, so to speak, in the era of the decline of ancient clairvoyance. There is something peculiar about this culture, particularly that of India, for example. While in the immediate post-Atlantean era in India the first great post-Atlantean cultural flowering occurred, and in the purest way—the purest way for the human soul—a glimpse into the spiritual world still existed, which in the Rishis was combined with a wonderful ability to portray what was seen, so that it could influence later periods, and then, when clairvoyance disappeared, was preserved for later times in such significant revelations as the Krishna revelation, what was actual clairvoyance had already died out by the end of the third epoch. But through Krishna and his disciples, the facts that could be seen were expressed in wonderful words and preserved, so that what had been seen in the past was recorded in the scriptures. What occurred further west, for example in Greece, never actually took place in India.
[ 21 ] Wenn wir so recht die indische Welt ins Auge fassen, können wir sagen: Es erlischt das alte Hellsehen; dafür schreiben nieder in wunderbaren Worten diejenigen, von denen Krishna der Bedeutendste ist, was einstmals geschaut worden ist. Das ist dann da im Wort, im Veda. Und wer sich in das Wort vertieft, erlebt in seiner Seele davon den Nachklang. Aber nicht das entsteht, was in Sokrates zum Beispiel oder in anderen Philosophen entstanden ist. Das, was man westliche Vernunft, westliche Urteilskraft nennen kann, das tritt nicht in den indischen Seelen auf. Wovon wir heute im eminentesten Sinne sprechen, wenn wir von der ureigenen Kraft des Ich sprechen, das tritt gar nicht einmal in Indien auf. Daher macht sich sogleich etwas anderes geltend, als das alte Hellsehen verglommen war: der Drang nach Yoga, dem schulgerechten Hinaufkommen in die Welten, die auf natürliche Weise verloren worden sind. Und Yoga wird ein künstliches Hellsehen. Und im Grunde genommen tritt an die Stelle des alten Hellsehens sogleich die Yoga-Philosophie, ohne daß dazwischen das ist, was zum Beispiel in der griechischen, rein vernunftgemäßen Philosophie auftritt. Das tritt für das Indertum gar nicht ein. Diese Zwischenphase ist gar nicht vorhanden. Und wenn wir die Vedantaphilosophie des Vyasa nehmen, können wir sagen: Nicht so ist sie ausgeprägt, wie die westlichen Weltanschauungen lehren, von Ideen durchzogen, von Vernunft durchzogen, sondern sie ist gleichsam noch heruntergeholt aus den höheren Welten, aber in menschliche Worte gebracht; das ist das Eigentümliche: nicht mit menschlichen Begriffen errungen, nicht ausgedacht wie das sokratische, das platonische Element, sondern hellseherisch erschaut.
[ 21 ] When we truly take a close look at the Indian world, we can say: The ancient gift of clairvoyance is fading; in its place, those—of whom Krishna is the most significant—record in wondrous words what was once beheld. This is then contained in the Word, in the Veda. And whoever immerses themselves in the Word experiences its resonance in their soul. But what arises is not what arose in Socrates, for example, or in other philosophers. What one might call Western reason, Western judgment, does not occur in Indian souls. What we speak of today in the most eminent sense, when we speak of the innermost power of the I, does not even arise in India. Therefore, as soon as the old clairvoyance had faded, something else immediately asserted itself: the urge toward yoga, the systematic ascent into the worlds that have been lost in a natural way. And yoga becomes an artificial form of clairvoyance. And fundamentally, the philosophy of yoga immediately takes the place of the old clairvoyance, without the intermediary phase that occurs, for example, in Greek philosophy, which is purely rational. This does not occur at all in Indian culture. This intermediate phase does not exist at all. And if we take the Vedanta philosophy of Vyasa, we can say: It is not characterized, as Western worldviews teach, as permeated by ideas or reason, but rather it has, as it were, been brought down from the higher worlds and expressed in human words; that is its distinctive feature: not attained through human concepts, not conceived like the Socratic or Platonic elements, but perceived clairvoyantly.
[ 22 ] Es ist schwer, sich ganz über diese Dinge klarzuwerden; aber es gibt eine Möglichkeit, auch heute diesen Unterschied zu erleben. Nehmen Sie irgendein Philosophiebuch, irgendeine Darstellung eines philosophischen Systems der westlichen Philosophie in die Hand. Was heute ernsthaft als Philosophie bezeichnet werden kann, wie ist es meistens errungen? Wenn Sie in die Werkstätte eines Menschen, der als ernster Philosoph bezeichnet werden kann, hineinschauen, so können Sie sehen, wie durch Anstrengung der logischen Urteilskraft, des logischen Denkens diese Systeme gewonnen sind. Das alles ist nach und nach gebildet. Und die, welche so Philosophie machen, können eigentlich nicht verstehen, daß man das, was sie da von Begriff zu Begriff weben, in gewisser Beziehung auch hellseherisch schauen kann, daß man das hellseherisch vor sich hat. Daher ein so schwieriges Sichverständlichmachen, wenn man, man möchte sagen, mit einem Schlage gewisse Philosopheme, die sonst «im Schweiße des Angesichts» von Idee zu Idee gewoben werden, hellseherisch überschaut und nicht nötig hat, alle die einzelnen Gedankenschritte zu machen. So gleichsam hellseherisch geschaute Begriffe sind die Begriffe der Vedantaphilosophie. Sie sind nicht im Schweiße des Angesichts nach dem Beispiel der europäischen Philosophen erworben, sondern hellseherisch heruntergebracht, sind eben die letzten Überreste, die in die abstrakten Begriffe hinein verdünnten Reste des alten Hellsehens oder die ersten durch Yoga errungenen, noch dünnen Eroberungen in der übersinnlichen Welt.
[ 22 ] It is difficult to fully grasp these things; but there is a way to experience this difference even today. Pick up any philosophy book, any exposition of a philosophical system within Western philosophy. What can seriously be called philosophy today—how is it usually arrived at? If you look into the workshop of a person who can be called a serious philosopher, you can see how these systems have been arrived at through the exertion of logical judgment and logical thinking. All of this has been formed step by step. And those who practice philosophy in this way cannot really understand that what they are weaving there from concept to concept can, in a certain sense, also be perceived clairvoyantly—that one has it before one’s eyes in a clairvoyant way. Hence the difficulty in making oneself understood when one, so to speak, in a single stroke clairvoyantly surveys certain philosophical concepts—which are otherwise woven “by the sweat of one’s brow” from idea to idea—and does not need to take all the individual steps of thought. The concepts of Vedanta philosophy are, as it were, concepts viewed clairvoyantly. They are not acquired through the sweat of one’s brow following the example of European philosophers, but are brought down clairvoyantly; they are precisely the last remnants—the remnants of ancient clairvoyance diluted into abstract concepts—or the first, still meager conquests in the supersensible world achieved through yoga.
[ 23 ] Anderes aber haben die mehr westlich wohnenden Menschen durchgemacht. Da blicken wir auf eigenartige, wichtige innere Geschehnisse der Menschheitsevolution. Nehmen wir einen merkwürdigen Philosophen des sechsten Jahrhunderts der vorchristlichen Zeitrechnung: Pherekydes von Syros. Ein merkwürdiger Philosoph! Ein Philosoph, den die heutigen Philosophen nicht als Philosophen gelten lassen. Es gibt heute Philosophiebücher, die sagen das tatsächlich. Ich zitiere da zwei Worte wörtlich: Nun ja, das ist alles kindliche Schilderung, kindliche Symbole; «kindlich und genial» sagt einer heute, der sich ganz besonders erhaben dünkt über jenen alten Philosophen. Also ein halbes Jahrtausend vor der christlichen Zeitrechnung taucht da in Syros ein merkwürdiger Denker auf. Allerdings stellt er anders dar als die übrigen Denker, die man dann später Philosophen nennt. Pherekydes von Syros sagt zum Beispiel: Es liegt dem, was man in der Welt sieht, ein Dreifaches zugrunde: Chronos, Zeus, Chthon. Aus Chronos gehen hervor das luftige, das feurige und das wässerige Element. Und mit alledem, was aus diesen drei Mächten hervorgeht, kommt eine Art Schlangenwesenheit in Streit, Ophioneus. — Alles, was er schildert, man kann es, wenn man seiner Schilderung auch ohne Hellsehen, sondern nur mit etwas Phantasie begabt, nachgeht, vor sich sehen: Chronos, nicht nur als die abstrakt verfließende Zeit, sondern als Wesenheit, als wirkliche Wesenheit, erschaubar gestaltet; ebenso Zeus, den unendlichen Äther, als die in sich belebte Allwesenheit; Chthon, dasjenige, wodurch das sonst Himmlische irdisch wird, was das im Raume auseinander Gewobene zusammenzieht im Planeten Erde, um ein irdisches Dasein zu haben; das alles sich irdisch abspielend; dann, sich hineinmischend wie ein feindliches Element, eine Art Schlangenwesenheit. Wenn man dem nachgeht, was da der merkwürdige Pherckydes von Syros schildert, so braucht man Geistesforschung, um das zu verstehen; denn er ist ein letzter Nachzügler des alten Hellsehens. Er sieht die Welt der Ursachen hinter der Sinneswelt und beschreibt diese Ursachen mit seinem hellseherischen Vermögen. Das gefällt natürlich denen, die nur in Begriffen wirtschaften, gar nicht. Er schaut das lebendige Weben der guten Götter und das Hineinspielen der feindlichen Mächte, die er schildert, wie man sie hellseherisch schaut. Er sieht, wie geboren werden aus Chronos, aus der realen Zeit, die Elemente.
[ 23 ] But people living further west have gone through something different. Here we are looking at peculiar, significant inner events in the evolution of humanity. Let us consider a curious philosopher from the sixth century B.C.: Pherecydes of Syros. A peculiar philosopher! A philosopher whom today’s philosophers do not recognize as a philosopher. There are philosophy books today that actually say this. I will quote two words verbatim: “Well, that is all childish description, childish symbols”; “childish and brilliant,” says someone today who considers himself particularly superior to that ancient philosopher. So, half a millennium before the Christian era, a strange thinker appears in Syros. However, he presents things differently from the other thinkers who would later be called philosophers. Pherecydes of Syros says, for example: What one sees in the world is based on a triad: Chronos, Zeus, Chthon. From Chronos emerge the airy, the fiery, and the watery elements. And with all that arises from these three powers, a serpentine being comes into conflict: Ophioneus. — Everything he describes, one can visualize if one follows his account—even without clairvoyance, but merely with a little imagination: Chronos, not merely as abstractly flowing time, but as a being, a real being, rendered visible; likewise Zeus, the infinite ether, as the self-animated omnipresence; Chthon, that through which the otherwise celestial becomes earthly, which draws together what is woven apart in space into the planet Earth in order to have an earthly existence; all of this unfolding on Earth; then, intermingling like a hostile element, a kind of serpentine being. If one investigates what the remarkable Pherckydes of Syros describes here, one needs spiritual research to understand it; for he is a last straggler of the old clairvoyance. He sees the world of causes behind the sensory world and describes these causes with his clairvoyant powers. Of course, this does not please those who operate solely in concepts. He observes the living weaving of the good gods and the interplay of the hostile forces, which he describes as they are seen clairvoyantly. He sees how the elements are born from Chronos, from real time.
[ 24 ] Da haben wir also in diesem Philosophen Pherekydes von Syros einen Mann, der noch mit seiner Seele hineinschaut in die Welt, die das hellseherische Bewußtsein erschließt, und sie beschreibt, eine Beschreibung, der man nachgehen kann. So steht er noch in der westlichen Welt da im sechsten Jahrhundert der vorchristlichen Zeitrechnung. Thales, Anaximenes, Anaximander, Heraklit, die fast seine Zeitgenossen sind, stehen schon anders da. Da kommen wirklich zwei Welten ineinander. Aber wie sieht es in ihren Seelen aus? Ausgelöscht, gelähmt ist das alte Hellsehen in ihnen. Höchstens noch die Sehnsucht nach diesen geistigen Welten ist da. Und was erleben sie an der Stelle, wo ein Rest des alten Schauens bei dem Weisen von Syros noch da war, wo er noch hineingeschaut hat in die elementarische Welt der Ursachen? Die ist ihnen bereits verschlossen. Da sehen sie nicht mehr hinein. Es ist so, wie wenn sich gerade diese Welt vor ihnen verschlieBen wollte, wie wenn sie halb noch da wäre für sie und doch sich wieder ihnen entzöge, so daß sie abstrakte Begriffe, die dem Ich angehöen, an die Stelle des alten Hellsehens setzen. So schaut es aus in diesen Seelen. Das ist ein sehr merkwürdiger Seelenzustand in den westlichen Seelen. Das ist jener Seelenzustand, der hinarbeitet nach Vernunft, nach Urteilskraft, die gerade das Ich auszeichnen sollen. An einzelnen Seelen sehen wir es, so zum Beispiel, wenn Heraklit noch das lebendig webende Feuer, man möchte sagen, mit einem letzten Anflug von richtigem hellseherischem Schauen als die Ursache aller Dinge schildert; Thales das Wasser, aber nicht das physisch-sinnliche Wasser, wie Heraklit auch nicht das physisch-sinnliche Feuer meint, sondern es ist noch etwas von der elementarischen Welt, die sie halb noch sehen, während sie sich ihnen halb entzieht und sie abstrakte Begriffe geben müssen. Da blicken wir hinein in diese Seelen und da verstehen wir, wie bis in unsere Zeit hinein noch etwas nachklingen konnte von der Stimmung dieser Seelen.
[ 24 ] So here we have, in the philosopher Pherecydes of Syros, a man who still looks into the world with his soul—a world revealed by clairvoyant consciousness—and describes it in a way that can be followed. Thus he still stands there in the Western world in the sixth century B.C.E. Thales, Anaximenes, Anaximander, Heraclitus—who are almost his contemporaries—already stand in a different place. Here, two worlds truly converge. But what is the state of their souls? The old clairvoyance within them has been extinguished, paralyzed. At most, only the longing for these spiritual worlds remains. And what do they experience in the place where a remnant of the old vision still existed in the sage of Syros, where he still looked into the elemental world of causes? That is already closed to them. They no longer see into it. It is as if this very world were trying to close itself off from them, as if it were still half there for them and yet were withdrawing from them again, so that they substitute abstract concepts belonging to the ego for the old clairvoyance. This is what it looks like in these souls. This is a very peculiar state of the soul in Western souls. This is the state of mind that works toward reason, toward the power of judgment, which are precisely what are supposed to characterize the ego. We see it in individual souls, for example, when Heraclitus still describes the living, weaving fire—one might say with a final hint of true clairvoyant vision—as the cause of all things; Thales describes water, but not the physical, sensory water—just as Heraclitus does not mean the physical, sensory fire—but rather something from the elemental world that they can still half-see, while it half-eludes them, forcing them to resort to abstract concepts. There we look into these souls, and there we understand how something of the mood of these souls could still resonate into our own time.
[ 25 ] Wenn unsere Zeitgenossen nur nicht oftmals gar so gedankenlos über manche Dinge hinweglesen wollten! Über eine Stelle bei Nietzsche, die einen tief erfassen, ergreifen, erschüttern kann, liest man leicht heute hinweg. Sie steht in der nachgelassenen Schrift «Die Philosophie im tragischen Zeitalter der Griechen», worin er Thales, Anaximander, Heraklit, Parmenides, Anaxagoras und Empedokles schildert. Da ist eine Stelle gleich im Anfange — man muß sie nachfühlen —, da hat Nietzsche etwas von dem empfunden, was in den Seelen dieser ersten griechischen einsamen Denker erlebt worden war. Lesen Sie die Stelle bei Nietzsche nach, wo er sagt: Wie mag es gewesen sein in den Seelen dieser philosophischen Heroengestalten, welche den Übergang finden mußten aus der Zeit des lebendigen Anschauens — von dem auch er nichts mehr wußte, das er aber ahnte —, als die alte Lebendigkeit in den Seelen abgelöst wurde durch die abstrakten, trockenen, nüchternen Begriffe, wo das «Sein», dieses nüchterne, trockene, abstrakte, kalte Sein als Begriff trat an die Stelle der vollen Lebendigkeit, die das hellseherische Bewußtsein hatte? Und Nietzsche empfindet: Es ist, wie wenn das Blut einem erstarrte, wenn man übergeht aus der Welt der Lebendigkeit in die Welt der Begriffe bei Thales oder Heraklit, wenn diese Leute Begriffe von «Sein» und «Werden» brauchen, so daß man sich aus dem warmen Werden in die Eisregion der Begriffe versetzt fühlt.
[ 25 ] If only our contemporaries would not so often skim over certain things so thoughtlessly! Today, it is easy to skim over a passage in Nietzsche that can deeply move, captivate, and shake one. It appears in his posthumous work *Philosophy in the Tragic Age of the Greeks*, in which he describes Thales, Anaximander, Heraclitus, Parmenides, Anaxagoras, and Empedocles. There is a passage right at the beginning—one must feel it out—where Nietzsche has sensed something of what was experienced in the souls of these first solitary Greek thinkers. Look up the passage in Nietzsche where he says: What must it have been like in the souls of these heroic philosophical figures, who had to make the transition from the age of living contemplation—of which even he knew nothing, though he sensed it—when the old vitality in the souls was replaced by abstract, dry, sober concepts, where “Being,” this sober, dry, abstract, cold “Being” as a concept took the place of the full vitality that clairvoyant consciousness possessed? And Nietzsche feels: It is as if one’s blood were to congeal when one passes from the world of vitality into the world of concepts with Thales or Heraclitus, when these men use concepts of “Being” and “Becoming,” so that one feels transported from the warm becoming into the icy realm of concepts.
[ 26 ] In jenes Zeitalter muß man sich hineinversetzt fühlen, in dem diese Menschen standen, muß empfinden, wie sie beim Herannahen des Mysteriums von Golgatha dastanden, muß sich in sie so hineinfühlen, daß man empfindet, wie noch in ihnen ein dunkler Nachklang der alten Zeiten ist, sie aber so dastehen, daß sie sich begnügen müssen mit dem, was abstrakte Urteilskraft im menschlichen Ich ist, was früher gar nicht dazusein brauchte. Und während in der Folgezeit die Begriffswelt immer reicher und reicher wurde, konnten in der ersten Zeit, als die Begriffswelt herankam, die griechischen Philosophen nur die allereinfachsten Begriffe erfassen. Wie quälen sie sich mit den Begriffen, mit dem abstrakten «Sein»; wie quälen sich zum Beispiel die Philosophen der eleatischen Schule mit dem abstrakten «Sein»! So bereitet sich vor, was die eigentlichen abstrakten Eigenschaften des Ich sind.
[ 26 ] One must feel transported back to the age in which these people lived, must sense how they stood as the Mystery of Golgotha drew near, one must empathize with them to such an extent that one senses how a dark echo of ancient times still lingers within them, yet they stand there in such a way that they must content themselves with what abstract judgment is in the human ego—something that was not at all necessary in earlier times. And while in the subsequent era the world of concepts became ever richer and richer, in the early days, as the world of concepts was just emerging, the Greek philosophers could grasp only the simplest of concepts. How they struggle with concepts, with the abstract “Being”; how, for example, the philosophers of the Eleatic school struggle with the abstract “Being”! Thus the groundwork is laid for what the actual abstract qualities of the ego are.
[ 27 ] Jetzt denken wir uns eine solche Seele, welche da im Westen steht, präpariert ist zu dieser Mission des Westens, die aber noch in sich trägt die stärksten Nachklänge an das alte Hellsehen. In Indien sind diese Nachklänge längst verglommen; im Westen sind sie noch da. Der Trieb der Seele will hinein in die elementarische Welt, aber das Bewußtsein kann nicht. Eine Stimmung wie die Buddha-Stimmung konnte in diesen Seelen nicht entstehen. Die Buddha-Stimmung würde gesagt haben: Wir sind hinausversetzt in die Welt des Leidens; also machen wir uns frei von ihr. Nein, die westlichen Seelen wollten etwas erfassen von dem, was vor ihnen war. In das, was hinter ihnen war, konnten sie nicht hinein; in der Welt vor ihnen hatten sie nur die kalten, eisigen Begriffe. Denken wir uns eine solche Seele wie den Pherekydes von Syros. Er ist der, welcher als der letzte hineinschauen konnte in das, was da drinnen ist in der elementarischen Welt. Denken wir uns eine der anderen Seelen aber. Sie kann nicht sehen, wie die Elemente lebendig geboren werden aus dem Chronos heraus.Sie kann nicht sehen, daß das Schlangenwesen Ophioneus den Streit beginnt mit den oberen Göttern; aber im Bilde hält sie fest, daß da etwas hereinwirkt in das Sinnliche. Sie sieht nicht hindurch auf Chronos; aber das sieht sie, was als Abdruck in der Sinneswelt aus Chronos hervorgeht: Feuer, Wasser, Luft und Erde. Sie sieht nicht, wie die oberen Götter von den unteren bekämpft werden, wie sich der Schlangengott Luzifer empört; aber sie sieht, wie Disharmonie und Harmonie, Freundschaft und Feindschaft walten. Liebe und Haß sieht sie als abstrakte Begriffe, Feuer, Wasser, Luft und Erde als abstrakte Elemente. Was jetzt noch in die Seele hereindringt, das sieht sie; aber was früher von den Zeitgenossen gesehen worden war, das ist zugedeckt.
[ 27 ] Now let us imagine such a soul, one that stands in the West, prepared for the West’s mission, but which still carries within itself the strongest echoes of the ancient clairvoyance. In India, these echoes have long since faded; in the West, they are still present. The soul’s impulse wants to enter the elemental world, but consciousness cannot. A mood like the Buddha’s mood could not arise in these souls. The Buddha’s mood would have said: We are cast out into the world of suffering; therefore, let us free ourselves from it. No, the Western souls wanted to grasp something of what lay before them. They could not enter into what lay behind them; in the world before them, they had only cold, icy concepts. Let us imagine a soul such as Pherekydes of Syros. He is the one who, as the last, was able to look into what lies within the elemental world. But let us imagine one of the other souls. It cannot see how the elements are born alive out of Chronos; it cannot see that the serpent-being Ophioneus begins the conflict with the higher gods; but in the image it holds fast to the fact that something is working into the sensible world. It does not see through to Chronos; but it sees what emerges from Chronos as an imprint in the sensory world: fire, water, air, and earth. It does not see how the higher gods are fought by the lower ones, how the serpent god Lucifer rebels; but it sees how disharmony and harmony, friendship and enmity prevail. She sees love and hate as abstract concepts, fire, water, air, and earth as abstract elements. She sees what now still penetrates the soul; but what was once seen by her contemporaries is veiled.
[ 28 ] Denken wir uns eine solche Seele, die noch ganz drinnensteht in dem Lebendigen der früheren Zeit, aber nicht hineinschauen kann in die geistige Welt, die nur erfassen kann das äußere Abbild, bei der zugedeckt ist — wegen ihrer besonderen Mission — dasjenige, was vorher die Menschen beglückt hat; auf der anderen Seite hat sie aber von der neuen Ich-Welt nichts anderes als ein paar Begriffe, an denen sie sich festhalten muß, dann haben wir die Seele des Ermpedokles. Denn so steht die Seele des Empedokles vor uns, wenn wir ihr Innerstes erfassen wollen. Fast Zeitgenosse des Weisen von Syros ist Empedokles. Kaum zwei drittel Jahrhunderte später lebt er. Aber ganz anders ist seine Seele beschaffen. Den Übergang mußte sie vollziehen über den Rubikon von dem alten Hellsehen zu dem abstrakten Begreifen des Ich. Da sehen wir, wie auf einmal zwei Welten zusammenstoßen. Da sehen wir, wie das Ich hereindämmert und seiner Erfüllung entgegengeht. Da sehen wir die Seelen der alten griechischen Philosophen, die dazu verurteilt waren, zuerst das aufzunehmen, was wir jetzt Vernunft, Logik nennen; da sehen wit, wie ihre Seelen ausgeleert waren von den alten Offenbarungen. Und in diese Seelen mußte hineingegossen werden der neue Impuls, der Impuls von Golgatha.
[ 28 ] Let us imagine such a soul, one that is still fully immersed in the vitality of earlier times, but cannot glimpse the spiritual world, one that can grasp only the outer image, and from which—because of its special mission—that which once brought happiness to humanity is veiled; on the other hand, however, it has nothing of the new world of the ego but a few concepts to which it must cling—then we have the soul of Empedocles. For this is how the soul of Empedocles stands before us when we seek to grasp its innermost essence. Empedocles is almost a contemporary of the Sage of Syros. He lived barely two-thirds of a century later. But his soul is of a very different nature. It had to make the transition across the Rubicon from the old clairvoyance to the abstract comprehension of the ego. There we see how two worlds suddenly collide. There we see how the ego dawns and moves toward its fulfillment. There we see the souls of the ancient Greek philosophers, who were condemned to first take in what we now call reason and logic; there we see how their souls were emptied of the ancient revelations. And into these souls the new impulse, the impulse of Golgotha, had to be poured.
[ 29 ] So waren die Seelen beschaffen, als dieser Impuls heraufkam. Aber sie mußten lechzen nach einer neuen Erfüllung. Dann nur konnten sie ihn verstehen. Für das indische Denken ist fast kein Übergang, der sich vergleichen ließe mit dem, was wir bei den einsamen griechischen Denkern haben. Daher bietet die indische Philosophie, die gleich den Übergang zur Yoga-Lehre gemacht hat, kaum eine Möglichkeit, den Übergang zu finden zu dem Mysterium von Golgatha. Die griechische Philosophie ist so vorbereitet, daß sie lechzt nach dem Mysterium von Golgatha. Sehen Sie sich die Gnosis an, wie sie in ihrer Philosophie verlangt nach dem Mysterium von Golgatha. Auf griechischem Boden ersteht die Philosophie des Mysteriums von Golgatha, weil die besten der Griechenseelen lechzten nach der Aufnahme des Impulses von Golgatha.
[ 29 ] Such was the nature of the souls when this impulse arose. But they had to yearn for a new fulfillment. Only then could they understand it. In Indian thought, there is almost no transition comparable to what we find among the solitary Greek thinkers. Therefore, Indian philosophy, which made the transition directly to the teachings of yoga, offers little opportunity to find the path to the Mystery of Golgotha. Greek philosophy is so prepared that it yearns for the Mystery of Golgotha. Look at Gnosticism, how it demands the Mystery of Golgotha in its philosophy. The philosophy of the Mystery of Golgotha arises on Greek soil because the finest of the Greek souls yearned to receive the impulse of Golgotha.
[ 30 ] Man muß guten Willen haben, um zu verstehen, was in der Menschheitsevolution geschah; dann, möchte man sagen, verspürt man etwas von dem, was man nennen könnte: es ist wie ein Ruf und ein Gegenruf auf dem Boden der Erde. Wir schauen nach Griechenland, wir schauen weiter nach Sizilien in solche Seelen, von denen Empedokles eine ganz besonders hervorragende ist, und wir vernehmen einen merkwürdigen Ruf. Wie können wir uns ihn charakterisieren? Wie sprechen solche Seelen? Etwa so — schauen wir hinein in die Empedokles-Seele —: Ich weiß historisch von der Initiation. Ich weiß historisch, daß durch die Initiation hineingingen in die Menschenseele die übersinnlichen Welten. Allein jetzt ist ein anderes Zeitalter gekommen. Die Initiation kann nicht mehr unmittelbar lebendig werden. Die Menschenseele ist in ein anderes Stadium eingerückt. Wir brauchen, hineinreichend in das Ich, einen neuen Impuls. Wo bist du, Impuls, der an die Stelle der alten Initiation treten kann, die wir nicht mehr erleben können, der vor das neue Ich hinstellt dasselbe Geheimnis, das das alte Hellsehen enthielt? — Und darauf antwortet der andere Ruf, der von Golgatha kommt: Herausholen durfte ich, indem ich mich | den Göttern fügte und nicht den Menschen, die Geheimnisse der Mysterien und sie hinstellen vor die ganze Menschheit, damit vor der ganzen Menschheit dasteht, was sonst in den Tiefen der Mysterien gestanden hat.
[ 30 ] One must have good will to understand what has happened in the evolution of humanity; then, one might say, one senses something of what one might call: it is like a call and a response on the face of the earth. We look to Greece, we look further to Sicily at such souls, of whom Empedocles is a particularly outstanding one, and we hear a strange call. How can we characterize it? How do such souls speak? Something like this—let us look into the soul of Empedocles—: I know historically of initiation. I know historically that through initiation the supersensible worlds entered the human soul. But now a different age has come. Initiation can no longer come to life directly. The human soul has entered a different stage. We need a new impulse reaching into the I. Where are you, impulse, that can take the place of the old initiation we can no longer experience, that places before the new I the same mystery that the old clairvoyance contained? — And to this answers the other call, coming from Golgotha: I was permitted to bring forth, by submitting myself to the gods and not to human beings, the secrets of the Mysteries and to set them before all humanity, so that what otherwise stood in the depths of the Mysteries may stand before all humanity.
[ 31 ] Wie die Frage der westlichen Welt nach einer neuen Lösung des Weltenrätsels, so erscheint uns das, was zum Beispiel im Süden von Europa in den Griechenseelen geboren worden ist. Und wie die Antwort — die aber nur nach dem Westen hin verstanden werden kann erscheint uns der große Monolog des Gottes, von dem wir am Schlusse des gestrigen Vortrages gesprochen haben und von dem wir morgen weiter sprechen wollen.
[ 31 ] Just as the Western world seeks a new solution to the riddle of the world, so too does what has been born, for example, in the southern part of Europe within the Greek soul. And just like the answer—which, however, can only be understood in relation to the West—seems to us the great monologue of God, of which we spoke at the end of yesterday’s lecture and of which we intend to speak further tomorrow.
