The Gospel of Mark
GA 139
24 September 1912, Basel
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The Gospel of Mark, tr. Mainzer
Zehnter Vortrag
Lecture Ten
[ 1 ] Wir haben gestern gesehen, wie von dem gemeinsamen Zusammenleben der auserwählten Jünger des Christus Jesus mit diesem selbst ein Stück herausfällt im Markus-Evangelium. Und dementsprechend ist ja auch in den anderen Evangelien dieses deutlich angedeutet. Es haben also die Ereignisse, die da verfließen von der Auslieferung ab, also das Richten, Verurteilen und Kreuzigen des Christus Jesus gerade die ihm Nahestehenden nicht mitgemacht. Dieses ist wieder ein Zug im Evangelium, der mit großer Absichtlichkeit zum Ausdruck kommt. Es soll gewissermaßen dies zum Ausdruck kommen, wie der Weg der Menschen beschaffen sein soll zum Verständnisse des Mysteriums von Golgatha und wie die Menschen in der Folgezeit, das heißt also, nachdem das Mysterium von Golgatha sich vollzogen hat, zu dem Verständnisse dieses Mysteriums kommen können. Dieses Verständnis soll nämlich in einer ganz anderen Weise errungen werden als irgendein anderes Verständnis einer geschichtlichen Tatsache der Menschheitsevolution. Wie es sich damit verhält, das sehen wir am besten aus dem, was sich gerade in unserer Zeit am deutlichsten abgespielt hat.
[ 1 ] We saw yesterday how a part of the life shared by Jesus and His chosen disciples is missing in the Mark Gospel, and indeed also in the others. Just those most closely connected with Him did not take any part in the events beginning with the period following His arrest, that is, the trial, condemnation and crucifixion of Christ Jesus. This again is a feature of the Gospel that is intentionally emphasized. To some extent the intention was to show how a path can be prepared to enable human beings to come to an understanding of the Mystery of Golgotha, how after the Mystery of Golgotha had been accomplished it would be possible to come to an understanding of the Mystery. For it is true that this understanding has to be acquired in a totally different way than is needed for the understanding of any other historical fact of human evolution. From what has happened just in our own times we can grasp this point most clearly.
[ 2 ] Seit dem achtzehnten Jahrhundert wird von den verschiedensten Gesichtspunkten aus, man möchte sagen, für das moderne Bewußtsein eine Art Stütze des Glaubens an das Mysterium von Golgatha gesucht. Mannigfaltige Phasen hat dieses Suchen durchgemacht. Bis ins achtzehnte Jahrhundert herein ist im Grunde genommen wenig darnach gefragt worden, wie die historischen Dokumente — die historischen Dokumente in dem Sinne, wie man von solchen Dokumenten spricht beschaffen sind, die das Dasein des Christus Jesus bekräftigen können. Es war zu sehr in den menschlichen Seelen, auf die es ankam, dasjenige lebendig, was als Wirkung von dem Mysterium von Golgatha ausgegangen war. Man hatte sozusagen zu deutlich gesehen, was als Wirkung durch die Jahrhunderte an den Namen des Christus Jesus sich anknüpfte, als daß man nötig gehabt hätte zu fragen: Bezeugt irgendein Dokument, daß der Christus Jesus da war? Für die, welche überhaupt zu dem Christus Jesus sich bekannten, war sein Dasein eben ganz selbstverständlich, und ebenso selbstverständlich war — viel mehr, als man heute glaubt — das Festhalten an der zugleich menschlichen und zugleich übermenschlichen geistig-göttlichen Wesenheit des Christus Jesus.
[ 2 ] Since the eighteenth century modern consciousness has been seeking, as we might say, a support for a belief in the Mystery of Golgotha; and this attempt has been made from various viewpoints and the search has gone through various phases. Until the eighteenth century actually very few questions were asked about how the historical documents, historical in the usual sense, were compiled and if they are capable of confirming a belief in the existence of Christ Jesus. Too much still lived in human souls that had radiated down from the working of the Mystery of Golgotha. People had been able to perceive for themselves, so to speak, only too clearly the influence proceeding from the name of Christ Jesus through the centuries for them to think it necessary to ask whether any document was extant capable of proving the existence of Christ Jesus. To those who professed Him in any way His existence was entirely self-evident; and more than is generally believed today it was just as self-evident that they ought to hold firmly to the belief in His being as both human and superhuman, and at the same time spiritual and divine.
[ 3 ] Aber immer mehr und mehr kamen die materialistischen Zeiten herauf. Und damit trat das ein in der Menschheitsentwickelung, was notwendig mit der materialistischen Anschauung verknüpft ist. Diese Anschauung verträgt nicht den Hinblick darauf, daß im Menschen etwas lebt von einer höheren Individualität, verträgt überhaupt nicht, daß man durch die äußere Persönlichkeit auf ein Geistiges im Menschen zurückgehe. Wenn man materiell die Menschen anschaut — am radikalsten geschieht das in unserer Zeit —, so sehen sich doch die Menschen für ein materielles Anschauen gar sehr gleich. Alle gehen auf zwei Beinen, alle haben einen Kopf und die Nase an einer gewissen Stelle des Gesichtes sitzend, alle haben zwei Augen, haben einen Teil des Kopfes mit Haaren bedeckt usw. Und die materialistische Zeit sieht ja, wie die Menschen alle in dieser Weise gleich aussehen. Warum sollte sie da noch auf irgend etwas hinschauen, was hinter diesem äußeren Menschen ist? Das beleidigt ja auch den, der sich nicht sagen kann, daß hinter ihm in der betreffenden Inkarnation etwas so Bedeutendes sitzt wie in den anderen Menschen. Der Materialismus läßt das nicht zu. So verlor man die Möglichkeit des Verständnisses, daß in dem Menschen Jesus von Nazareth der Christus gewesen sein konnte. Und je mehr das neunzehnte Jahrhundert heraufging, verlor man überhaupt die Idee von dem Christus. Immer mehr und mehr richtete man den Blick bloß hin auf den Jesus von Nazareth, der in Nazareth oder sonstwo geboren sein mußte, wie ein Mensch gelebt hat, nur eben schöne Grundsätze verbreitet hat und dann in irgendeiner Weise den Märtyrertod gestorben sein mag. Der Mensch Jesus trat immer mehr und mehr an die Stelle des Christus Jesus der vorhergehenden Jahrhunderte. So war es ganz selbstverständlich für die materialistische Anschauung.
[ 3 ] However, as time went on materialism came into being, and with it something entered mankind's evolution that necessarily belongs to the materialistic point of view. The materialistic world conception cannot tolerate the idea that something like a higher individuality lives in man. It cannot accept the notion that one can penetrate behind the outer personality to something spiritual in man. If you look at human beings materialistically, and this happens most radically in our time, then from a materialistic viewpoint all human beings will appear to you to be much the same. They all walk on two legs, all have a head, and a nose situated at a particular point on the face, all have two eyes and a part of the head covered with hair, and so on. From this materialistic viewpoint all human beings look much the same. So why should this age look for anything behind the outer man? This idea seriously offends someone who cannot bring himself to admit that in his present incarnation there is within him something that is equally important also in other human beings. Materialism will not admit that. So the possibility was lost of understanding that the Christ could have lived within the man Jesus of Nazareth; and the more the eighteenth century wore on the more any idea at all of the Christ was lost. Attention was directed more and more toward Jesus of Nazareth, who must have been born in Nazareth or somewhere else, who lived like a man, doing nothing but proclaim fine principles and in some way or another may have died the death of a martyr. More and more the man Jesus replaced the Christ Jesus of earlier centuries. This, from the point of view of materialism, was a self-evident fact.
[ 4 ] Und dann war es wiederum selbstverständlich, daß sich im neunzehnten Jahrhundert heraufentwickelte, was man die Leben-Jesu-Forschung nennt. Auch die aufgeklärte Theologie sucht nichts anderes als diese Leben-Jesu-Forschung; das heißt, wie man die Daten über Karl den Großen, über Otto den Großen oder sonst über irgend jemanden feststellt, so sucht sie die Daten über den Jesus von Nazareth festzustellen. Nun ist es aber sehr schwierig, die Daten über den Jesus von Nazareth festzustellen. Denn zunächst liegen ja als Hauptdokumente die Evangelien und die Paulusbriefe vor. Aber im Sinne von historischen Dokumenten können die Evangelien als solche selbstverständlich nicht gelten. Es sind ihrer vier, und für eine äußere materialistische Betrachtungsweise widersprechen sie sich alle. Man hat da allerdings im Laufe der Leben-Jesu-Forschung allerlei Auswege gesucht. Nun kann man zunächst absehen von einer gewissen Phase der Leben-Jesu-Forschung, welche, weil sie in die materialistische Zeit fiel, an «Wunder » nicht mehr glauben wollte und daher die Wunder, die erzählt werden, in der sonderbarsten Weise deutete, Deutungen etwa von dem Kaliber, daß man die Erscheinung des Christus Jesus auf dem See dadurch erklärte, daß er nicht mit Füßen physisch über den See gegangen sei — wir haben ja gesehen, wie es sich damit verhält —, aber die Jünger hätten eben die physische Weltordnung nicht gewußt; und nun stellte man bei einem gewissen Auswuchse der Leben- Jesu-Forschung die Sache so dar, daß die Apostel im Schiff gefahren sind, und drüben am Ufer ging der Christus Jesus, und da konnten die Leute, die am jenseitigen Ufer waren, sich leicht täuschen und glauben, daß der Christus Jesus auf dem Wasser ginge. Gar nicht zu gedenken anderer besonders rationalistischer Auswüchse, daß bei der Verwandlung des Wassers in Wein etwas wie eine Weinessenz hineingeschmuggelt worden ist! Es hat ja sogar jemand die Johannes-Taufe im Jordan dadurch zu erklären versucht, daß einfach eine Taube dabei gerade vorbeigeflogen sei. Das gibt es alles. Was gibt es nicht alles auf dem Boden, den man den Boden der strengen, objektiven Wissenschaft nennt! Aber von diesen Auswüchsen kann man ganz absehen.
[ 4 ] It was also entirely natural that in the course of the nineteenth century there should have developed what may be called “research into the life of Jesus.” Enlightened theology also carries out research into the life of Jesus, that is to say, it tries to establish the facts about Jesus of Nazareth in just the same way as facts are established about Charlemagne, Otto the Great and similar personalities. However, it is very difficult to establish the facts about Jesus of Nazareth. In the first place all the principal documents that must come under consideration are the Gospels and the Pauline letters. But it is obvious that documents such as the Gospels cannot be counted as historical. There are four Gospels and from the external materialistic point of view they all contradict each other. All kinds of ways out of this dilemma have been sought in the course of “research into the life of Jesus.” A certain phase of this research can first of all be disregarded. Because this research fell into the materialistic period there was no longer any desire to believe in miracles. As a result some of the miracles are explained in the most peculiar way, as for example the kind of interpretation that tried to explain the appearance of Christ Jesus on the lake by suggesting that He did not walk on the lake with physical feet—we have dealt with this story earlier—but the disciples were simply unaware of the physical laws of the world. One far-fetched explanation from this Jesus research suggested that the apostles went by ship while Christ Jesus was accompanying them on the shore and that the people on the opposite shore could easily have been mistaken and believed that Jesus was walking on the water! To say nothing of other peculiarities thought up by rationalists, for example that when water was transformed into wine something like a wine-essence was smuggled into the water! Someone actually tried to explain the baptism by John in the Jordan by saying that just at that moment a dove happened to fly by! All this does exist. You would scarcely believe what has been put forward on the basis of strict objective science. But we may entirely disregard these aberrations.
[ 5 ] Man kann hinsehen auf die Forschung, die da versuchte, weil es mit dem Übersinnlichen nicht ging, dieses Übersinnliche materialistisch als Zutaten anzusehen, und sich sagte: Wenn man an den Christus Jesus nicht glauben kann, nicht glauben kann, daß jemand als ein Zimmermannssohn in Nazareth geboren ist, mit zwölf Jahren im Tempel gewesen ist und so weiter, wenn man alles Übersinnliche herausnimmt und kombiniert, was in den verschiedenen Evangelien zusammenstimmt oder nicht zusammenstimmt, dann ließe sich daraus so etwas wie eine Biographie des Jesus von Nazareth herstellen. Das hat man in der mannigfaltigsten Weise versucht. Es konnte ja allerdings dabei nicht ausbleiben, weil viele Leute eine solche Biographie zu schreiben versuchten, daß dann jede Biographie anders war. Aber auf die Einzelheiten kann jetzt nicht eingegangen werden. Es gab auch eine Zeit in der Leben-Jesu-Forschung, in welcher man den Jesus von Nazareth als einen höheren Menschen, etwa wie einen höheren Sokrates, vorstellte, in ähnlicher Weise, wie man sich auch den Sokrates vorstellte nach einer materialistischen Anschauung.
[ 5 ] Look instead at the kind of research which tried to look at the super-sensible from a materialistic viewpoint, not being able to handle the super-sensible. This research regarded the super-sensible elements as simply ornamentation. It decided that if anyone cannot believe in Christ Jesus, nor that someone was born as a carpenter's son in Nazareth, was in the temple at the age of twelve and so on, nevertheless if everything super-sensible is removed and if everything that harmonizes or does not harmonize in the various Gospels is combined, then it is possible to produce something like a biography of Jesus of Nazareth. The effort was made to do this in the most varied ways, but it was really inevitable that each biography was different when so many different people tried to write a biography of this kind. But we cannot enter here into such details. There was also a period when during this “research into the life of Jesus” it was supposed that Jesus of Nazareth was a superior human being, something not unlike a higher Socrates, higher in the sense attributed to that word by materialists.
[ 6 ] Das ist die Leben-Jesu-Forschung, die vor allen Dingen auf eine Biographie des Jesus von Nazareth losarbeitete, die aber im Grunde genommen doch wieder auch Anstoß erregen mußte. Und zwar gegenüber zwei Dingen erregte sie Anstoß: erstens gegenüber den Dokumenten selber. Denn in dem Sinne, wie man heute von historischen Dokumenten spricht, wie die Historiker ihre Dokumente werten, sind die Evangelien keine Dokumente. Das liegt zunächst an den vielen Widersprüchen und an der ganzen Art und Weise, wie sie sich erhalten haben. Das andere ist, daß in den letzten Jahren etwas dazukam zu dieser Leben-Jesu-Forschung, was Leute fanden, die nun doch eingingen auf gewisse Stellen in den Evangelien, auf immer wiederkehrende Bemerkungen, von denen wir wissen, daß sie sich auf die übersinnlichen Tatsachen beziehen. Aber diese anderen, welche im materialistischen Glauben heute befangen sind, sie fanden diese Dinge, und sie konnten sie nicht einfach aus der Forschung herauseskamotieren, wie die Leben-Jesu-Forschung sie herauseskamotierte. Da kam man dann zu dem anderen, zu der Christus-Forschung, die sich in den letzten Jahren hervorgetan hat, während die Leben-Jesu-Forschung lange in dem von einem heutigen Professor geprägten Wort von dem «schlichten Mann aus Nazareth» gipfelte. Denn das war den Menschen recht angenehm. Es schmeichelte ihnen, wenn sie nicht etwas Höheres anzuerkennen brauchten in den Evangelien. Es paßte ihnen besser, von dem «schlichten Mann aus Nazareth» zu sprechen, als sich hinaufzuranken zu dem Gottesmenschen.
[ 6 ] Such was the kind of research into the life of Jesus of Nazareth whose principal aim was to create a biography of Jesus. However, such an effort was bound to give rise to criticism, especially on two counts, in the first place because of the documents themselves; for the Gospels are not documents at all in the sense that one speaks of historical documents, as they are evaluated by historians. This is primarily due to the many contradictions to be found in them and the way in which they have been preserved. Secondly, in recent years something new was added to this “research into the life of Jesus” because those who went deeply into certain passages in the Gospels discovered certain constantly recurring remarks, which, as you know, refer to super-sensible facts. But these men, in spite of being in the clutches of materialism, when they found these things could not simply disregard them, as was done by the researchers into the life of Jesus. So they moved on to something different, to the “Christ research,” which in recent years has come into prominence, by contrast with the “research into the life of Jesus,” which culminated in the term coined by a present day professor: the “plain man from Nazareth.” This was found very agreeable by many people; it was flattering to them not to have to recognize anything higher in the Gospels. It suited them better to speak of the “plain man from Nazareth” rather than to ascend to the “God-Man.”
[ 7 ] Aber man fand dann doch den Gottesmenschen. Da ergab sich dann die Christus-Forschung. Die ist nun ganz eigentümlich. Sie tritt in einer besonders grotesken Form hervor in der Schrift «Ecce Deus» von Benjamin Smith und in anderem, was er geschrieben hat. Sie tritt so hervor, daß gezeigt wird: Ein Jesus von Nazareth hat überhaupt nicht in Wirklichkeit existiert; der ist nur eine Sage. Aber die Evangelien berichten von dem Christus Jesus. Was ist dieser Christus Jesus? Ja, er ist ein erdichteter Gott, ein Idealbild. Und die Leute haben ja schon ihre guten Gründe, von diesem Gesichtspunkte aus den realen Jesus von Nazareth abzuleugnen; denn die Evangelien erzählen von dem Christus, legen ihm Eigenschaften bei, die es gar nicht gibt nach materialistischer Auffassung. Daraus folgt mit Evidenz, daß er nicht historisch existiert haben kann, daß er erdichtet sein muß. Er ist also entstanden durch die Zeitdichtung, in die eben das Mysterium von Golgatha versetzt wird. So ist man in einer gewissen Weise in den letzten Jahren von dem Jesus zurückgekehrt zu dem Christus; aber der Christus ist überhaupt nichts Wirkliches, sondern lebt nur in den menschlichen Gedanken. Alles ist heute sozusagen ohne Boden da auf diesem Gebiete.
[ 7 ] Then the God-Man was really found, and there followed “research into Christ.” This was a most peculiar phenomenon, appearing in an especially grotesque form in the work Ecce Deus of Benjamin Smith,1Benjamin Smith (1850–1912). His book Ecce Deus, which appeared in German in 1912 bore the subtitle, “The Early Christian Doctrine of the Purely-Divine Jesus.” and in other works by the same author. The attempt was made to prove that Jesus of Nazareth never really existed; he is only a legend. Nevertheless, the Gospels give an account of Jesus Christ. What is this Jesus Christ? Well, he is a fictional God, an ideal image. From this point of view it is certainly not unreasonable to deny the real Jesus of Nazareth, for the Gospels speak of Christ and they attribute to Him qualities that, according to materialistic interpretations, do not exist. Then evidence follows that He cannot have existed historically, so He must be fictional, a fiction that originated in the period assigned to the Mystery of Golgotha. So there has been a kind of return from Jesus to Christ in recent years. But Christ is in no sense real; He lives only in human thoughts. So we may say that everything in this realm today rests without solid foundations.
[ 8 ] Das größere Publikum weiß natürlich noch nicht viel von den Dingen, die da mitspielen. Aber im Grunde genommen ist alles auf dem Boden der Wissenschaft in bezug auf das Mysterium von Golgatha unterminiert. Nirgends ist mehr ein fester Grund. Die Leben-Jesu-Forschung hat abgewirtschaftet, weil sie nichts beweisen kann, und die Christus-Forschung kann überhaupt nicht ernsthaft besprochen werden. Denn worauf es ankommt, ist die kolossale Wirkung, die ausgegangen ist von jener Wesenheit, die mit dem Mysterium von Golgatha zusammenhängt. Wenn das Ganze eine Erdichtung ist, dann sollte eigentlich eine materialistische Zeit sich gestehen, daß sie sich möglichst bald abgewöhnen sollte, auf eine Dichtung hinzuschauen; denn eine materialistische Zeit kann nicht an eine Dichtung glauben, die die allerwichtigste Mission in der Zeit vollbracht haben soll. Ja, unsere «aufgeklärte » Zeit hat es eben sehr weit gebracht in bezug auf das Aufhäufen von Widersprüchen und weiß gar nicht, wie sehr sie gerade auf wissenschaftlichem Felde Anspruch erhebt auf Berücksichtigung des Spruches «Herr, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun». Das gilt eigentlich in bezug auf alle Jesus- und Christus-Forschung der Gegenwart, die sich nicht ernst und würdig auf den spirituellen Boden stellen will.
[ 8 ] Naturally the general public does not know much about the things that are happening in this realm. Everything connected with the Mystery of Golgotha has been totally undermined on scientific grounds; there is no longer any firm foundation. The “research into the life of Jesus” has collapsed because it can prove nothing, and the “Christ research” is not worth even discussing. The crucial point is the tremendous effect that emanates from that being with whom the Mystery of Golgotha is linked. If the whole thing is a fiction, then this materialistic age should agree to cease to look at it as soon as possible, for a materialistic age cannot believe in a “fiction” that is supposed nevertheless to have fulfilled the most important mission of all time! Yes, our enlightened age has surely been successful in accumulating contradictions, and is scarcely aware how much it is in need, just in the scientific field, of the saying, “Lord, forgive them for they know not what they do.” This indeed is equally applicable to all current research regarding Jesus and Christ which has no wish to place itself in a serious and dignified way on a spiritual base.
[ 9 ] Das Evangelium selber aber deutet klar schon auf dasjenige hin, was in der eben geschilderten Weise in unserer Zeit herausgekommen ist. Die Menschen, die Materialisten sein wollen, die durchaus nur an das glauben wollen, was sich dem materialistischen Bewußtsein im Sinnensein ergibt, sie können keinen Weg finden zu dem Christus Jesus. Denn dieser Weg ist abgeschnitten worden dadurch, daß diejenigen, welche dem Christus am nächsten standen, ihn gerade, während sich das Mysterium von Golgatha vollzogen hat, verlassen haben und ihn erst später wiedergetroffen haben, also nicht mitgemacht haben, was sich dazumal auf dem physischen Plan in Palästina zugetragen hat. Und daß keine irgendwie glaubwürdigen Dokumente von der anderen Seite gegeben worden sind, das weiß ja jedermann. Dennoch haben wir im Markus-Evangelium und in den anderen Evangelien Schilderungen gerade dieses Mysteriums von Golgatha.
[ 9 ] The Gospel itself clearly points to what has appeared in our time in the manner just described. Those people who wish to remain materialists and to believe in nothing whatever beyond what can be attained by materialistic consciousness based on sense perception can find no path leading to Christ Jesus. For this path has been closed because those who stood closest to Christ left Him just at the time the Mystery of Golgotha was taking place. It was only later that they met Him again, thus failing to participate in what happened in Palestine on the physical plane. And everyone knows for certain that no credible documents have been furnished by the other side of the threshold. Yet in the Mark Gospel and in the other Gospels descriptions of this very Mystery of Golgotha have been given.
[ 10 ] Wie sind diese Schilderungen zustande gekommen? Dies ins Auge zu fassen, ist außerordentlich wichtig. Betrachten wir diese Schilderungen an dem einzelnen Fall, an dem Fall des Markus-Evangeliums. Es wird uns ja hinlänglich auch im Markus-Evangelium angedeutet, wenn auch kurz und prägnant, nach der Auferstehungsszene, daß der Jüngling im weißen Talar, das heißt der kosmische Christus, nachdem dasMysteriumsich vollzogen hatte, den Jüngern wieder sich gezeigt hat, auf die Jünger Impulse ausgeübt hat. Und so konnten denn solche Jünger, solche Apostel, wie es etwa Petrus war, nachher dadurch, daß sie durchdrungen waren von dem Impuls, der auf sie ausgeübt wurde, zum hellseherischen Schauen entflammt werden, so daß sie das, was sie nicht mit physischen Augen mit angesehen hatten, weil sie entflohen waren, hinterher hellseherisch geschaut haben. Petrus und den anderen, welche auch Schüler sein durften nach der Auferstehung des Christus Jesus, wurden die Augen hellseherisch geöffnet, so daß sie hellseherisch schauen durften das Mysterium von Golgatha.
[ 10 ] How then did these descriptions come into being? It is of the utmost importance for us to picture this to ourselves. Let us consider the descriptions given in one instance, in the Gospel of St. Mark. Even though the description is short and concise, it is in fact indicated to us quite adequately how after the scene of the Resurrection the youth in the white garment, that is to say, the cosmic Christ, again showed Himself to the disciples after the Mystery had been accomplished, and gave certain impulses to them. As a consequence the apostles, among whom we should include Peter, could be enkindled to clairvoyant vision, so that afterward they could see clairvoyantly what they had been unable to see with their physical eyes because they fled. The eyes of Peter, and of others who were permitted to be their pupils after the Resurrection of Christ Jesus, were opened clairvoyantly so that they could through clairvoyance behold the Mystery of Golgotha.
[ 11 ] Es gibt nur einen hellseherischen Weg zu dem Mysterium von Golgatha, trotzdem es auf dem physischen Plan sich vollzogen hat. Das müssen wir festhalten. Das deutet das Evangelium ganz klar an, indem es schildert, daß die Berufensten im entscheidenden Augenblicke geflohen waren; so daß also in einer solchen Seele, wie es die PetrusSeele war, nachdem sie den Impuls des Auferstandenen empfangen hatte, aufleuchtete die Erinnerung an das, was geschehen war nach der Flucht. Sonst erinnert sich der Mensch nur an das, wo er im Sinnensein dabeigewesen war. Bei einem solchen Hellsehen, das da bei den Jüngern auftrat, ist es gegenüber dem gewöhnlichen Erinnern so, daß man Ereignisse — physisch-sinnliche — wie im Gedächtnis hat, aber solche, bei denen man nicht dabeigewesen ist. Denken Sie also in bezug auf das Aufleuchten der Erinnerung in einer solchen Seele, wie die Petrus-Seele war, an die Ereignisse, bei denen sie nicht unmittelbar dabeigewesen ist. Und so lehrte der Petrus zum Beispiel die, welche ihn hören wollten, aus seinem Gedächtnis heraus über das Mysterium von Golgatha, lehrte sie das, an was er sich erinnerte, trotzdem er nicht dabeigewesen ist.
[ 11 ] Although the Mystery of Golgotha took place on the physical plane, the only path to it is that of clairvoyance; and we must keep this firmly in our minds. The Gospel points this out quite clearly when it tells us how those who had been summoned fled at the decisive moment, so that it was only after it had received the impulse of the Risen One that in such a soul as that of Peter the memory flashed up of what had happened after the flight. In ordinary life man remembers only what he has experienced in sense existence. The kind of clairvoyance that now appeared in the disciples differs from ordinary memory in that they were able to remember physical material events, just as if these events had been in their memories, although they were not present. Just imagine how memory shone forth in the soul of a man like Peter, when he remembered events at which he had not been directly present. And so Peter, for example, taught those who wished to hear him about the Mystery of Golgotha, from memory, taught them what he remembered, even though he had not been present.
[ 12 ] In dieser Weise kam es zur Lehre, zur Offenbarung des Mysteriums von Golgatha. Aber der Impuls, der von dem Christus auf solche Jünger wie Petrus ausgegangen war, konnte sich mitteilen auch an die, welche wieder Schüler dieser Jünger waren. Ein solcher Schüler des Petrus war der, welcher ursprünglich zusammengestellt hat — allerdings nur mündlich — das sogenannte Markus-Evangelium. So ging der Impuls, der sich in Petrus selber geltend gemacht hatte, auf die Markus-Seele über, so daß Markus selber in seiner eigenen Seele das aufleuchten sah, was in Jerusalem als Mysterium von Golgatha sich vollzogen hatte. Längere Zeit war jener Markus Schüler des Petrus. Dann kam er, Markus, an einen Ort, wo er wahrhaftig sozusagen das äußere Milieu, die äußere Umgebung hatte, aus der heraus er seinem Evangelium jene Färbung geben konnte, die gerade dieses Evangelium brauchte.
[ 12 ] It was in this way that the teachings, the revelations about the Mystery of Golgotha came into being. But the impulse that emanated from the Christ to such disciples as Peter could also be communicated to those who were pupils of these disciples. The man who originally compiled, even though in an oral form, the Gospel called the Gospel of St. Mark, was just such a pupil of Peter. So the impulse that had manifested itself in Peter himself passed into the soul of Mark, with the result that within Mark's own soul there flashed up what had been accomplished in Jerusalem as the Mystery of Golgotha. Mark remained a pupil of Peter for some time. Then he came to an area where he truly had the external milieu, so to speak, the outer environment which enabled him to give the particular coloring needed for this Gospel.
[ 13 ] Bei allen unseren Darstellungen — vielleicht ergibt sich später, was noch darüber zu sagen ist — haben wir das eine gesehen, daß uns das Markus-Evangelium am deutlichsten die ganze kosmische Größe und Bedeutung des Christus fühlen läßt. Angeregt werden zu dieser Schilderung der kosmischen Größe des Christus konnte der ursprüngliche Autor des Markus-Evangeliums gerade durch den Ort, an den er versetzt worden war, nachdem er Petrus’ Schüler gewesen war. Er wurde nach Alexandrien in Ägypten versetzt, lebte dort in einer Zeit, in welcher in einer gewissen Weise die jüdische theosophisch-philosophische Gelehrsamkeit in Alexandrien auf einer gewissen Höhe war, und konnte dort aufnehmen, was damals die besten Seiten der heidnischen Gnosis waren. Aufnehmen konnte er dort Anschauungen, die auch damals vorhanden waren, von dem Heraustreten der menschlichen Wesenheit aus dem Geistigen, von dem In-Berührung-Kommen dieser menschlichen Wesenheit mit Luzifer, mit Ahriman, von dem Aufnehmen der luziferischen und ahrimanischen Kräfte in die Menschenseele. Er konnte alles das aus der heidnischen Gnosis aufnehmen, was ein Verständnis der Herkunft des Menschen aus dem Kosmos heraus beim Aufbau unseres Planeten gab. Aber Markus konnte auch sehen, gerade an einem Orte, der innerhalb Ägyptens lag, wie stark der Kontrast war zwischen dem, wozu ursprünglich der Mensch bestimmt war, und dem, was dann der Mensch geworden war.
[ 13 ] Through all that we have presented to you—and perhaps in the future it will be possible to say more on the subject—one thing has been shown in particular: that the Mark Gospel allows us to feel most clearly the whole cosmic greatness and significance of Christ. It was possible for the original author of this Gospel to be stimulated to give his description of the cosmic greatness of Christ precisely because of the place to which he had moved after he had been Peter's pupil. He moved to Alexandria in Egypt and lived there at a period when in a certain way Jewish-philosophical-theosophical learning in Alexandria had reached a certain culmination. He could take up in Alexandria what at that time were the best aspects of pagan gnosis. He could absorb views that were also in existence there about how the human being has come forth from the spiritual, and how he came into contact with Lucifer and Ahriman, and how luciferic and ahrimanic forces are taken up into the human soul. From the pagan gnosis he could accept everything that was told him about the origin of man out of the cosmos when our planet came into being. But Mark could also see, especially when he was living in an Egyptian locality, how strong the contrast was between what had originally been destined for man, and what he had by this time become.
[ 14 ] Das zeigt sich ja in der ägyptischen Kultur am allerbesten, in dieser ägyptischen Kultur, die ausgegangen war von den höchsten Offenbarungen, von Offenbarungen, die dann in der ägyptischen Architektur, insbesondere in den Pyramiden und Palästen zu schauen waren, in der Kultur der Sphinx, die aber immer mehr und mehr in Ägypten in die Dekadenz, in die Korruption hineinkam; so daß gerade die größten Werke der ägyptischen Kultur immer mehr und mehr herunterfielen, gerade während der dritten Kulturperiode, in die schlimmsten Ausgeburten der schwarzen Magie, in die schlimmsten Auswüchse der Korruption des Spirituellen. In einer gewissen Beziehung konnte man, wenn man dazu die geistigen Augen hatte, tiefste Geheimnisse noch schauen in dem, was in Ägypten getrieben wurde, weil es ausging von ursprünglicher reiner Hermes-Weisheit; aber es gehörte eben immer mehr die Seele dazu, die auf den Grund sah, nicht auf das, was als Korruption vorhanden war. Schon zu Mosis Zeiten war die Korruption weit fortgeschritten, und schon er mußte das, was auf der einen Seite im Ägyptertum als ein Gutes vorhanden war, kaum aber sichtbar für eine so edle Seele, wie es die Moses-Seele war, aus diesem Ägyptertum herausziehen, damit es auf dem Umwege durch die Moses-Seele auf die Nachwelt kommen konnte. — Dann ging es weiter mit der Korruption in spiritueller Beziehung.
[ 14 ] This was shown most strikingly in Egyptian culture, which had originated from the loftiest revelations that had then become manifest in Egyptian architecture, especially in the pyramids and palaces, in the culture of the Sphinx, which, however was falling ever more into corruption and decadence. Thus it was particularly the greatest works of Egyptian culture that sank down, still during the third cultural epoch, into the worst aberrations of black magic, and the worst depravities of spiritual corruption. If one had the spiritual eyes for it, it was possible in a certain way to see in what was practised in Egypt the most profound secrets because this culture emanated from the pure original Hermes wisdom. But only a soul that looked at the foundation, and not at the existing corruption, could see this. Already by the time of Moses corruption was far advanced, and he had to extract from Egyptian culture the good which was scarcely visible even to such a noble soul as Moses. It could then be passed on indirectly to posterity through the soul of Moses. Thereafter the corruption in Egypt continued unabated.
[ 15 ] Wie die Menschheit herunterfallen konnte, wie sie ganz in den Materialismus sich verkehren konnte, namentlich in bezug auf die Anschauungen, das stand lebendig vor des Markus Seele. Und gerade eines erlebte Markus, was — zwar in ganz anderer Form, aber in einer gewissen Weise ähnlich — der Mensch heute wieder erleben kann, allerdings nur der Mensch, der Gefühl und Empfindung dafür hat. Denn wir erleben eigentlich heute das Wiederaufgehen der ägyptischen Kultur. Ich habe öfter betont, wie eigentümlich die Verkettungen in der Menschheitsevolution sind, und gesagt, wie von den sieben aufeinanderfolgenden Kulturperioden eines größeren Zeitraumes die vierte Kulturperiode mit dem Griechentum und dem Mysterium von Golgatha für sich dasteht. Aber der dritte Kulturzeitraum mit der ägyptisch-chaldäischen Kultur kommt, nur in einer unspirituellen Weise, in der heutigen Kultur wieder heraus in unserer heutigen Wissenschaft. In unserer materialistischen Kultur, ja selbst in den äußeren Kulturerscheinungen, haben wir eine gewisse Auferweckung des dritten Kulturzeitraumes im fünften. Ebenso wird in gewisser Beziehung der zweite im sechsten und der erste im siebenten wiedererscheinen. So umgreifen, so umspannen sich diese Zeiträume. Das ist öfter hervorgehoben worden. Man erlebt es heute, was damals ein Geist wie Markus in intensivster Weise erleben konnte.
[ 15 ] Mark's soul was alive to the possibility that mankind could sink down and become engulfed in materialism, especially in regard to its view of the world. And he experienced in particular one thing that men can again today experience in a different, though in some respects similar, form—though only by men who possess the necessary feeling and perception. For we are really today experiencing the reemergence of Egyptian culture. I have often emphasized the peculiar nature of these linkages between cultures in human evolution, and I have explained how among the seven successive cultural epochs of the post-Atlantean era the fourth cultural epoch that contains Hellenism and the Mystery of Golgotha stands by itself. However, the third cultural epoch, that of the Egypto-Chaldean culture, emerges once more, though in an unspiritual manner, in the culture, especially the science of today. Within our materialistic culture, even in its outer manifestations, we have in this fifth age a certain reawakening of the culture of the third epoch. In a certain way the second will also reappear in the sixth and the first in the seventh. So do these spans of time encircle and include each other, as we have often emphasized. Today we are experiencing something that a spirit like Mark could experience in a most intensive way.
[ 16 ] Man richte den Blick hin auf die Kultur — der Außenwelt braucht man es nicht so zu schildern, weil sie es nicht vertragen kann —, und, sehen wir ab von den radikalsten Korruptionserscheinungen, so kann man sagen: Alles ist mechanisiert; und angebetet wird in Wahrheit heute innerhalb unserer materialistischen Kultur eigentlich nur der Mechanismus, wenn auch die Leute es nicht Gebete nennen und wenn sie es auch nicht Frömmigkeit nennen. Aber die Seelenkräfte, wie man sie einst hingelenkt hat zu den geistigen Wesenheiten, sie lenkt man heute zu den Maschinen, zu den Mechanismen hin, widmet ihnen die Aufmerksamkeit, wie man sie einst, wirklich man kann sagen, den Göttern gewidmet hat. So ist es namentlich in bezug auf die Wissenschaft, diese Wissenschaft, die gar nicht weiß, wie wenig sie wirklich auf der einen Seite mit der Wahrheit, mit der wirklichen Wahrheit zu tun hat, und andererseits, wie wenig sie mit wirklicher Logik zu tun hat.
[ 16 ] If we consider the culture of today, we should not describe it in this way to the outside world because it could not bear it; even if we overlook the most radical forms of corruption we can still say that everything is mechanized. And within our materialistic culture it is only mechanism that is worshipped, even if we do not call it prayer or devotion. It is true that our soul forces that in former times were directed toward spiritual beings are now directed only toward machines, toward mechanisms. One can truly say that they receive the attention that once was given to the gods. This is especially the case in the realm of science, this science which is totally unaware of how little it is concerned with truth, with real truth, and at the same time how little it is concerned with true logic.
[ 17 ] Von einem gewissen höheren Gesichtspunkt aus gesehen, haben wir heute allerdings ein ernst es, ein tief intensives Streben und eine tief intensive Sehnsucht. Es ist in München in einem Vortrage gesprochen worden von der Sehnsucht in unserer Zeit, besonders wie sich diese Sehnsucht herausgebildet hat bei einzelnen Seelen. Aber in der eigentlichen «offiziellen» Wissenschaft ist diese Sehnsucht nicht vorhanden, sondern, man möchte sagen, ein gewisses sattes Zufriedensein, aber ein Zufriedensein mit etwas Sonderbarem: mit Unwirklichem und Unlogischem. Nirgends ist diese Wissenschaft imstande, auch nur zuerkennen, wie tief sie in dem Gegenteil von aller Logik drinnensteckt. Das alles nimmt man wahr, das alles erlebt man, und es ist wirklich so, daß an dem einen Pol sich der andere entzünden muß in der Menschheitsevolution. Gerade dieses Ungenügen der äußeren Wissenschaft, dieses UnwirklicheundUnlogische der äußeren Wissenschaft und dieses Sichblähen und Gar-nicht-einmal-Ahnen, wie es eigentlich mit der äußeren Wissenschaft steht, daswirdundmußnachundnachdieedelsteReaktion, die Sehnsucht nach dem Spirituellen in unserer Zeit in den Menschenseelen erzeugen.
[ 17 ] If we look at it from a higher point of view we can certainly say that there is today a deeply serious and intense striving, an intense longing. I spoke already in Munich (in August, 1912, Ed.) in a lecture about the longing in our time, and especially how this longing has taken root in individual souls. But in present day “official” science such a longing is missing, and instead one might say that there is a certain satisfied contentment. Yet this contentment has something strange about it, since it is a contentment with what is unreal and illogical. Nowhere is this science capable of recognizing how deeply it is entrenched in what is opposed to all logic. All this can easily be seen and experienced, and it is indeed true that in human evolution one pole must be enkindled by the other. It is the very inadequacy of external science and its unreality and illogicality, the way it prides itself on its knowledge and its total unawareness of its deficiencies, that will and must gradually give rise to the noblest reaction within human souls: the longing for the spiritual that is manifesting itself in our time.
[ 18 ] Es wird noch lange so dauern, daß die Menschen, die tief drinnenstecken in unserer Unnatur und Unlogik, sich über eine spirituelle Wissenschaft vielleicht lustig machen, sie verspotten oder als allerlei Gefahr bezeichnen. Aber durch die innere Kraft der Tatsachen wird sich ganz von selber der andere Pol entzünden. Und wenn nur nicht die, welche etwas davon verstehen, in die Krankheit der Kompromisse verfallen würden und klar sehen würden, so würde es auch schneller gehen können, als es jetzt geht. Denn wir erleben es ja immer wieder: wenn nur einmal ein Gelehrter auftritt und etwas sagt, wovon ein anderer glaubt, das ist «ganz anthroposophisch», da wird gleich viel Wesens davon gemacht. Und wenn gar jemand auf einer Kanzel predigt, wovon der andere glaubt, das ist «ganz anthroposophisch », dann wird noch mehr Wesens davon gemacht. Es kommt nicht darauf an, daß solche Kompromisse gemacht werden, sondern daß wir uns ganz klar und wahr in das spirituelle Leben hineinstellen und dieses durch seine Impulse auf uns wirken lassen. Je mehr wir uns darüber klar sind, daß die innere Lebendigkeit des spirituellen Lebens entzündet werden muß, und je mehr wir uns davon überzeugen, daß wir aus keinem Grunde die Berechtigung anerkennen können, aus dem materialistischen Denken unserer Zeit irgend etwas anderes herauszuholen, als was Hand und Fuß hat, desto besser ist es. Das ist etwas anderes, als zu zeigen, daß die wirklich vorrückende Wissenschaft in Harmonie steht mit der spirituellen Forschung. Das kann man zeigen, und man kann es wirklich zeigen auf Schritt und Tritt.
[ 18 ] For a long time still to come people who remain attached to this unreality and lack of logic may well make fun of spiritual science, will scoff at it, or label it dangerous in all sorts of ways. Nevertheless through the inner power of the facts themselves the other pole will be enkindled, entirely of its own accord. And if those who understand something of it would only refrain from relapsing into the sickness of compromises and were to see clearly, then the time might well come much more quickly than seems likely now. For again and again it is our experience that if a learned man turns up and says something that someone else thinks is “quite anthroposophical,” then a great fuss is immediately made of it. More so still if someone or other preaches from a pulpit something that is thought to be “quite anthroposophical.” What is important is not that such compromises are made, but that we should place ourselves clearly and sincerely in the spiritual life, and allow it to affect us through its own impulses. The more clearly we are aware that the inner vitality of spiritual life must be enkindled, and the more we become convinced that we have no right to accept from the materialistic thinking of our time anything that is not well grounded in fact, the better it will be. This is a very different thing from demonstrating that truly progressive science is in harmony with spiritual research.
[ 19 ] Denn diese Wissenschaft begeht wirklich fast auf jeder Seite ihrer Literaturwerke logische Schnitzer von der Art, wie der ist, auf den in humoristischer Weise einer unserer Freunde wiederholt aufmerksam gemacht hat, hinweisend darauf, daß es der logische Schnitzer des Professors Schlaucherl aus den «Fliegenden Blättern » ist, der beweisen will, wodurch ein Frosch eigentlich hört. Der Professor Schlaucherl läßt dazu den Frosch auf den Tisch springen, schlägt dann auf die Tischplatte. Der Frosch hüpft fort; also hat er es gehört. Aber dann reißt er ihm die Beine aus und klopft dann wieder auf die Tischplatte. Der Frosch hüpft jetzt nicht fort; also ist es klar, daß der Frosch mit den Beinen gehört hat. Denn als er noch die Beine hatte, da hüpfte er fort, als auf die Tischplatte geklopft wurde, nachher nicht. — Mit dem Frosch machen zwar auch Gelehrte allerlei Experimente; aber ihre logischen Schlußfolgerungen auf anderen Gebieten sind genau nach diesem Beispiele, so zum Beispiel bei der vielgerühmten Gehirnforschung. Da macht man darauf aufmerksam: Wenn dieser oder jener Teil des Gehirnes vorhanden ist, kann man zum Beispiel ein Wortgedächtnis haben, oder man kann diese oder jene Gedanken hegen; wenn dann dieser Teil nicht mehr da ist, kann man die Gedanken nicht haben oder verliert das Wortgedächtnis — ganz nach dem Beispiele des Frosches, der mit den Beinen hört. Es gibt keine Logik in diesen Dingen. Denn dafür, daß der Mensch mit einem Teile seines Gehirns denken kann oder daß er nicht denken kann, wenn er diesen Teil des Gehirnes nicht hat, dafür gibt es keine anderen Gründe, als die sind, daß der Frosch nicht hört, wenn ihm die Beine ausgerissen worden sind. Es ist ganz dasselbe, nur merken die Leute nicht, daß die ganze Schlußfolgerung auf nichts anderem beruht als auf Denkfehlern. So könnte man Denkfehler über Denkfehler nachweisen in allem, was heute als festes wissenschaftliches Resultat geglaubt wird. Aber je mehr man Fehler macht, desto stolzer wird man auf die Wissenschaft und schimpft auf die spirituelle Wissenschaft.
[ 19 ] It can be shown how at every step science commits logical blunders on every page of its literary works, of the kind often referred to by one of our friends in a humorous manner. A certain Professor Schlaucherl (“clever fellow”) a character in the comic paper Fliegender Blätter wished to prove just how a frog hears. To this end the Professor causes the frog to jump on a table, then he hits the top of the table. The frog jumps away, thus proving he heard the tap. Then he proceeds to tear off the frog's legs, and again hits the table. But this time the frog does not jump away, proving clearly that the frog hears with his legs. For when he still had legs he jumped away, but when he had lost his legs he no longer jumped. Learned men do indeed make all kinds of experiments with frogs. But in other domains their logical inferences are just like this example, as, for instance, in their much lauded brain research. Attention is drawn to the fact that words can be remembered and certain thoughts may be produced if this or that part of the brain is present. But if this part of the brain is missing then words can no longer be remembered nor is it possible to have thoughts—exactly the same logic as in the case of the frog who hears through his legs. Indeed there are no better grounds for saying that a man can think with one part of his brain or cannot think if this part of the brain is missing, than there are for saying that the frog can no longer hear when his legs have been torn off. The two cases are entirely parallel, only people do not notice that the whole inference rests on nothing but faulty reasoning. We could continue to point out faulty reasoning piled on more faulty reasoning in all the results of what science believes to be firmly established. And the more mistakes that are made the more proud people are of science, and the more they scoff at spiritual science.
[ 20 ] Das wird die edelste Reaktion, die Sehnsucht nach der spirituellen Wissenschaft immer mehr und mehr erzeugen. Das ist nur die für unsere Zeit geartete Reaktion dessen, was eine Seele wie Markus erleben mußte, indem sich ihm gerade in seiner Zeit zeigen konnte, wie die Menschheit heruntergestiegen ist von ihrer einstigen spirituellen Höhe und heruntergekommen ist zu dem bloßen Hängen am Materiellen. Dadurch ergab sich ihm ein so tiefes Verständnis dafür, daß der größte Impuls in einem Übersinnlichen lebt; und das unterstützte dann auch noch sein Lehrer. Was ihm Petrus gegeben hatte, das war nicht etwas, was von einer sinnlichen Überlieferung des Mysteriums von Golgatha hat kommen können, wie wenn jemand es hätte mit Augen schauen können, was in Jerusalem sich zugetragen hatte; sondern hellseherisch sind die Dinge hinterher erforscht worden. So sind alle Nachrichten über den Christus Jesus und über das Mysterium von Golgatha entstanden.
[ 20 ] This will have the result of generating the noblest of reactions, a longing for spiritual science. Such a reaction that belongs to our era is the same as what must have been experienced by Mark in his own age when he was able to perceive how mankind had descended from its former spiritual height and had become enmeshed in materialism. Through this experience he gained a profound understanding of how the greatest impulse lives in the super-sensible, and this understanding was further strengthened by his teacher. What Peter had given him regarding the Mystery of Golgotha was not something that could have been based on sense perception and then handed down by tradition, as if someone had seen with his own eyes what had happened at Jerusalem. The events described were investigated later through clairvoyance; and it is in this way that all information about Christ Jesus and the Mystery of Golgotha was gained.
[ 21 ] Das Mysterium von Golgatha ist ein Ereignis, das sich auf dem physischen Plan zugetragen hat, aber nur hellseherisch hinterher hat geschaut werden können. Das bitte ich Sie ganz besonders ins Auge zu fassen, daß das Mysterium von Golgatha ein physisch-sinnliches Ereignis ist, zu dem aber der Weg des Verständnisses auf überphysischem, auf übersinnlichem Wege gesucht werden muß, und auch trotz der Dokumente, die geblieben sind, gesucht werden muß. Wer das nicht versteht, mag darüber streiten, wieviel das eine oder das andere Evangelium gilt. Für den, der den Tatbestand kennt, existieren alle diese Fragen nicht. Er weiß, daß wir nötig haben, durchzuschauen durch die mangelhaften Überlieferungen, welche die Evangelien vielfach darstellen, auf das, was uns heute noch die hellseherische Forschung zeigen kann. Und da sehen wir, wenn wir die Wahrheit dessen untersuchen, was geschehen ist, an den Wiederherstellungen nach den Daten der Akasha-Chronik, wie wir die Evangelien aufzufassen haben und was wir an den einzelnen Stellen zu lesen haben, zu lesen haben darüber, was in jener Zeit, da die Menschheit am tiefsten heruntergestiegen war von ihrer einstigen Höhe, sich als des Menschen wahre Würde, als des Menschen wahres Wesen vor die Menschheit hingestellt hat.
[ 21 ] The Mystery of Golgotha is an event that occurred on the physical plane, but it could be seen afterward only through clairvoyance. I want you to bear in mind most particularly that the Mystery of Golgotha is a physical-material event, but the path leading toward understanding it must nevertheless be looked for in a superphysical, super-sensible way and in spite of the documents that have come down to us. People who do not understand this may argue about the merits of this or that Gospel. But for one who is aware of the true state of affairs, such questions do not exist. Such a one knows how necessary it is for us to look beyond the often imperfect traditions represented by the various Gospels, and reach what clairvoyant investigation alone can tell us today. And if we investigate the truth of what actually happened by reconstructing it with the aid of the Akasha Chronicle, then we shall see how we must interpret the Gospels and what we have to read in individual passages. We shall see how we must read about what was then placed before humanity as man's true dignity, his true being, at a time when mankind had descended most deeply from its former heights.
[ 22 ] Die göttlich-geistigen Mächte haben dem Menschen sein äußeres Bild, seine äußere Form gegeben. Aber was in dieser äußeren Form seit der alten lemurischen Zeit gewohnt hat, das stand immer unter dem Einfluß der luziferischen und dann im weiteren Fortgang der Entwickelung auch der ahrimanischen Kräfte. Unter diesen Einflüssen bildete sich dann das heraus, was die Menschen Wissenschaft, Erkenntnis, Verständnis nannten. Kein Wunder, daß vor die Menschheit hätte hingestellt werden können, gerade zu jener Zeit, des Menschen wahres, übersinnliches Wesen, und die Menschen würden es am wenigsten erkannt haben, würden am wenigsten gewußt haben, was der Mensch geworden ist. Des Menschen Wissen, des Menschen Erkenntnis hatte sich immer mehr und mehr in das Sinnensein verstrickt. Des Menschen Erkenntnis konnte nach und nach immer weniger an das wahre Menschenwesen herandringen.
[ 22 ] The divine spiritual powers have given to man his outer image, his outer form. But since the old Lemurian epoch what lived in this outer form stood always under the influence of the luciferic forces, and then, during the later phases of evolution also under the ahrimanic forces. It was under these influences that what men have called science, knowledge and understanding have come into being. It is no wonder that just exactly at that time the true super-sensible being of man appeared before mankind, and men were least able to recognize it, and were least able to know what mankind had become. Man's knowledge and understanding had become ever more deeply enmeshed in sense existence, and gradually became ever less capable of penetrating close to the true being of man.
[ 23 ] Das ist es, worum es sich handelt, und das müssen wir in Erwägung ziehen, wenn wir uns noch einmal hinwenden zu dem verlassenen Menschensohn, zu der Gestalt des Menschen, die vor uns steht in dem Augenblick, da nach dem Markus-Evangelium der kosmische Christus nur mehr in einem losen Zusammenhange mit dem Menschensohn war. Da stand vor der Menschheit, vor der das alles hingestellt war, der Mensch, der Mensch in seiner Gestalt, wie sie die göttlich-geistigen Mächte dem Menschen gegeben haben. So stand er da, aber veredelt, durchgeistigt durch den dreijährigen Aufenthalt des Christus in dem Jesus von Nazareth. So stand er da vor den Mitmenschen. Die Menschen hatten sich in bezug auf ihr Verständnis nur das errungen, was aus Verstehen und Erkennen geworden war durch den jahrtausendelangen Einfluß von Luzifer und Ahriman. Da aber stand der Mensch, der während der drei Jahre aus sich herausgetrieben hatte die luziferischen und ahrimanischen Einflüsse. Da stand wiederhergestellt vor den anderen Menschen, was der Mensch war, bevor Luzifer und Ahriman gekommen sind. Erst durch den Impuls des kosmischen Christus war der Mensch wieder so, wie er, aus der geistigen Welt ausgehend, in die physische Welt versetzt worden war. Da stand der Geist der Menschheit, der Menschensohn, vor jenen, die damals in Jerusalem die Richter, die Henker waren; aber so stand er da, wie er werden konnte, wenn alles, was ihn heruntergebracht hatte, wieder herausgetrieben war aus der menschlichen Natur. Da stand der Mensch, als das Mysterium von Golgatha sich vollzog, im Bilde vor seinen Mitmenschen, vor dem die andern Menschen hätten stehen sollen und anbetend sagen: Da bin ich selbst in meiner wahren Wesenheit, in meinem höchsten Ideal, da bin ich in der Gestalt, die ich aus mir machen soll durch das allerheißeste Streben, das nur aus meiner Seele herauskommen kann. Da stehe ich vor dem, was allein verehrungswürdig und anbetungswürdig an mir selbst ist, da stehe ich vor dem Göttlichen in mir, von dem die Apostel, wenn sie Selbsterkenntnis hätten üben können, sich hätten sagen müssen: Es gibt im ganzen weiten Umkreise nichts an Bestand und Größe, was sich vergleichen läßt mit dem, was da vor uns ist im Menschensohn.
[ 23 ] This is the important point we must take into consideration when we turn again to the forsaken Son of Man, to the form of the man who stands before us at the moment when, according to the Mark Gospel, the cosmic Christ was only loosely connected with the Son of Man. There, before all humanity, stood the man, the man in the form originally given to man by divine spiritual powers. There He stood, but ennobled and spiritualized by the three-year sojourn of the Christ within the body of Jesus of Nazareth. Here He stood before His fellow-men. But man's understanding had reached only as far as was possible through the thousands of years during which Lucifer and Ahriman had penetrated his understanding and knowing. Yet here stood the man who in those three years had driven out of Himself the influences of Lucifer and Ahriman. Here in front of other men stood restored what man had been before the coming of Lucifer and Ahriman. Only through the impulse of the cosmic Christ was man once again what he had been when he left the spiritual world and was brought down into the physical world. Here stood the spirit of mankind, the Son of Man, in the presence of men who at that time were the judges and executioners in Jerusalem. He stood there in the form that man can become if all that has debased him were to be driven out from his nature. Here stood the man at the moment when the Mystery of Golgotha was being accomplished, in the image of His fellowmen. Before such a man His fellowmen should have stood and worshipped, saying, “Here am I in my true nature, here is my highest ideal. Here am I, in the form to which I can attain only through my most ardent striving, a striving that can come only from the depths of my soul. Here I stand before that in myself which is alone worthy of reverence and worship, the divine in me.” And the apostles, if they had been able to practice self-knowledge, would have been compelled to say, “In the whole expanse of space there is nothing in existence that can be compared in greatness with what is before us in the Son of Man!”
[ 24 ] Dies Selbsterkennen hätte die Menschheit in jenem historischen Moment haben sollen. Und was tat diese Menschheit? Sie spie an den Menschensohn, geißelte ihn, führte ihn hinaus zur Kreuzigungsstätte. Das ist der dramatische Wendepunkt zwischen dem, was hätte sein sollen, zwischen der Anerkennung dessen, daß hier etwas stand, mit dem sich nichts in aller Welt vergleichen läßt, und dem, was uns nun dargestellt wird. Geschildert wird der Mensch, der sich selber, statt sich zu erkennen, in den Staub tritt, der sich selber tötet, weil er sich nicht erkennt, und der nur durch diese Lektion, durch diese kosmische Lektion den Impuls empfangen kann, nach und nach seine Wesenheit in der weiteren Perspektive der Erdenentwickelung sich zu erringen.
[ 24 ] At that moment in history mankind ought to have possessed that self-knowledge. But what did this mankind do? It spat upon the Son of Man, it scourged Him, and led Him forth to the place of execution. That was the dramatic turning point between what ought to have been, the recognition that something was there with which nothing in the world is comparable, and what was described as actually happening. Instead of recognizing himself, man is described as having crushed himself under foot, as having killed himself because he did not recognize himself. Yet through this lesson, this cosmic lesson he is able to receive the impulse to attain gradually for himself his true being within the wider perspective of earth evolution!
[ 25 ] So war der welthistorische Augenblick, und so müssen wir ihn charakterisieren, wenn wir ihn in der richtigen Weise charakterisieren wollen, wie ihn uns gerade in markanten, gewaltigen Sätzen das Markus-Evangelium andeutet. Denn das will nicht bloß verstanden werden, das will gefühlt, empfunden werden. Von diesem In-den-Staub-Treten der eigenen Wesenheit ging dann dasjenige aus, was in meinem Vortragszyklus «Von Jesus zu Christus» in Karlsruhe als das «Phantom» geschildert worden ist. Denn dadurch, daß der Mensch seine eigene Wesenheit in den Staub trat, verwandelte sich das, was das äußere Ebenbild der Gottheit war, in das «Phantom», das sich vermehrt und in der weiteren Entwickelung der Menschheit vermehrt in die Seelen dringen kann, wie es in dem Karlsruher Zyklus dargestellt worden ist.
[ 25 ] This therefore was the world-historical moment, and this is the way we must characterize it if we want to do so in the right way entirely in accord with the powerful, striking sentences of the Gospel of St. Mark. It not only needs to be understood, it needs to be felt, sensed. Out of this crushing under foot of man's own nature there came forth what was described in my lecture cycle From Jesus to Christ2The cycle From Jesus to Christ was given in Karlsruhe in October, 1911. The lectures especially concerned with the phantom are six, seven and eight. in Karlsruhe as the “phantom.” Because man crushed his own being under foot, that which was the outer image of the divine was transformed into the phantom which multiplies, and multiplying during the further development of mankind is able to penetrate into the souls of men, as was described in the Karlsruhe cycle.
[ 26 ] Wenn man so die Dinge ansieht, dann tritt wahrhaftig der große Unterschied hervor zwischen dem, was eigentlich das Markus-Evangelium darstellen will, und dem, was man vielfach heute daraus machen will. Wer ein Evangelium, und insbesondere das Markus-Evangelium, versteht, es so versteht, daß er das, was geschildert wird, seinem künstlerischen Aufbau und seinem tiefen Inhalt nach empfindet, fühlt, bei dem wird dieses Gefühl zu einer realen inneren Tatsache, zu jener realen inneren Tatsache, die allerdings da sein muß, wenn man ein Verhältnis zu dem Christus Jesus gewinnen will. Es muß sich die Seele schon ein wenig der gefühls- und empfindungsmäßigen Betrachtung hingeben, die sich etwa so charakterisieren läßt, daß man sich aus so etwas, wie es das Markus-Evangelium ist, die Vorstellung macht: Wie waren meine Mitmenschen, die den Menschensohn umstanden, da, wo sie sich hätten selber in ihrem höchsten Ideal sehen sollen, wie waren sie im Irrtum befangen!
[ 26 ] If we look at things in this way, then the great difference becomes visible between what the Mark Gospel really wishes to describe, and what is so often made of it today. Anyone who understands a Gospel, and particularly the Mark Gospel, in such a way that he can sense and feel what is described in accordance with its artistic composition and its deep content, will have the experience that this feeling will become a true inner fact, the kind of inner fact that must be present if we wish to attain to a relationship with Christ Jesus. The soul must really dedicate itself, at least in some small measure, to the kind of reflection filled with feeling and emotion that can arise from a reading of the Mark Gospel and that may be characterized somewhat as follows, “How greatly deluded were my fellowmen who stood around the Son of Man, when in truth they should have perceived there the highest ideal of themselves!”
[ 27 ] Wenn man so recht ein Mensch unserer materialistischen Zeit ist, dann schreibt man so eine Bemerkung hin oder läßt sich entringen eine solche Bemerkung, wie man sie vielfach heute lesen oder hören kann, insbesondere bei den monistisch Abergläubigen — will sagen, bei den monistisch Aufgeklärten: Warum ist das Dasein so, wie es ist? Dies hat noch kein Mensch beantworten können. Warum leiden wir Schmerz? Buddha, Christus, Sokrates, Giordano Bruno haben nicht einen Zipfel dieses Schleiers zu lüften vermocht. — Wir hören es in unzähligen Variationen wiederholt. Solche Menschen, die das hinschreiben, merken nicht, daß sie sich für etwas viel Höheres erklären als Buddha, Christus, Sokrates und so weiter, und daß sie alles in diesem Sinne verstehen. Wie sollte es aber auch nicht in einer Zeit so sein, in welcher ein jeder Privatdozent die Dinge besser versteht, die in der Geschichte verlaufen sind, und über die jeder Privatdozent seine Bücher schreibt, die er professionsmäßig schreiben muß?
[ 27 ] A typical man of this materialistic age may write down or let slip such a remark as can often be heard or read today, especially from superstitious monists, I mean enlightened monists, “Why is existence as it is? Why do we suffer pain? These questions no one has ever been able to answer. Buddha, Christ, Socrates, Giordano Bruno, none of them have been able to lift a corner of this veil.” People who write in this way do not realize that in so doing they are placing themselves much higher than Buddha, Christ, Socrates and the rest, nor that they in working on this assumption understand everything. How could it be otherwise in an age when any beginning university lecturer possesses an unrivalled understanding of everything that has happened in history, and is obliged for the sake of his career to write books on the subject?
[ 28 ] Es könnte den Anschein haben, als ob dies aus einer Sucht nach Kritik unserer Zeit heraus gesprochen wäre. Nein, das ist es nicht. Sondern diese Dinge müssen vor unsere Seele treten, weil wir nur dadurch, daß wir sie vor unsere Seele treten lassen, die richtige Distanz zu etwas so übermächtig Großem gewinnen, wie es die Evangelien sind, wie es zum Beispiel das Markus-Evangelium ist. Es ist ja aus keinem anderen Grunde, als weil die Menschen sich nur so langsam hinaufringen können zu solcher Höhe, daß diese Dinge immer wieder und wieder mißverstanden werden und in den äußersten Zerrbildern vor die Menschen hingebracht werden. Die Evangelien sind großartig in allen Einzelheiten, und im Grunde genommen lehrt uns jede Einzelheit etwas Außerordentliches.
[ 28 ] It might be thought that this is said out of a desire to criticize our age. This is not the reason. But such things ought to be visible to our souls because only if we allow them to be perceived by our souls do we keep a true perspective on the overpowering greatness of the Gospels, as, for instance, the Gospel of St. Mark. These things are constantly misunderstood for no other reason than that people can approach such a height only slowly, and usually only caricatures are presented to them. In every detail the Gospels are great, and in essence every detail teaches us something extraordinary.
[ 29 ] So können wir auch noch im letzten Kapitel des Markus-Evangeliums manches lernen. Freilich, ich müßte noch lange fortsprechen, wenn alle die großen Gedanken des Markus-Evangeliums herausgestellt werden sollten. Aber eine solche Einzelheit wie gleich der Anfang des sechzehnten Kapitels zeigt uns, wie tief der Evangelienschreiber eingedrungen ist in die Geheimnisse des Daseins. Gerade der Autor des Markus-Evangeliums drang tief ein in die Geheimnisse des Daseins. Er wußte also — wie es eben dargestellt worden ist —, wie die Menschheit von ihrer spirituellen Höhe heruntergekommen ist in den Materialismus. Er wußte, wie wenig das menschliche Verständnisvermögen dem Menschenwesen gewachsen war, wie wenig die Menschen in der Zeit des Mysteriums von Golgatha geneigt waren, zu verstehen, was da geschehen ist.
[ 29 ] We can therefore learn something also from the last chapter of the Mark Gospel. Of course if I were to point out all the great thoughts in this Gospel I should have to go on speaking for a long time yet. But one such detail immediately at the beginning of the sixteenth chapter shows us how deeply the evangelist has penetrated into the secrets of existence. So the author of the Mark Gospel knew, as we have described, how humanity had declined, sinking from the spiritual heights into materialism. He knew how little human beings were truly able to grasp the nature of the being of man, and how little people at the time of the Mystery of Golgotha were capable of understanding what happened then.
[ 30 ] Nun erinnern Sie sich an etwas, was ich öfter ausgeführt habe in bezug auf das Weibliche und Männliche, ausgeführt habe in bezug darauf, daß das weibliche Element gewissermaßen — nicht als Individualität, nicht als die einzelne Frau, aber die «Frauenheit » — nicht ganz heruntergestiegen ist zum physischen Plan; während der Mann — aber wieder nicht die einzelne Individualität, nicht das Wesen in der einzelnen Inkarnation, aber die «Mannheit» — den Punkt nach unten hin überschritten hat, so daß in Wahrheit das wahre Menschentum zwischen Mann und Weib liegt. Daher wechselt auch in den einzelnen Inkarnationen der Mensch als solcher das Geschlecht. Aber es ist nun schon einmal so, daß das Weib als Weib durch die andersartige Bildung des Gehirns, durch die andere Art, wie es das Gehirn gebrauchen kann, die spirituellen Ideen leichter erfassen kann. Dagegen ist der Mann viel mehr dazu organisiert — eben durch die äußere physische Körperlichkeit —, sich mehr in den Materialismus hineinzudenken, weil, wenn wir es grob ausdrücken wollen, sein Gehirn härter ist. Das weibliche Gehirn ist weicher, ist nicht so eigensinnig, nicht so in sich verhärtet, wobei also nichts über die einzelne Persönlichkeit gesagt ist. Es braucht sich dies die einzelne Persönlichkeit nicht zum Guten und nicht zum Schlimmen anzurechnen; denn es sitzt auf manchem Frauenkörper ein recht eigensinniger Kopf, von dem Gegenteil gar nicht zu sprechen. Aber im ganzen und großen ist es so, daß das weibliche Gehirn leichter zu brauchen ist, wenn es sich darum handelt, Besonderes zu verstehen, wenn sonst der Wille dazu vorhanden ist. Darum läßt der Evangelienschreiber Frauen zuerst hinzutreten, als sich das Mysterium von Golgatha vollzogen hat.
[ 30 ] At this point I should like to remind you of something I have often pointed out with regard to the difference between male and female, pointing out the fact that to some extent the female element—not the single individual woman but rather “womanhood”—has not entirely descended to the physical plane, whereas the man—again not a single individuality, not man in a particular incarnation but “manhood”—has crossed the line and descended lower. As a result true humanity lies between man and woman; and it is for this reason that a human being also changes sex in different incarnations. But it is already the case that the woman, as such, because of the different formation of her brain and the different way in which she can use it, is able to grasp spiritual ideas with greater facility. By contrast the man because of his external physical corporeality is much better adapted to think himself into materialism, because, if we wish to express the matter crudely, his brain is harder. The female brain is softer, not so stubborn, that is to say in general—I am not referring to individual personalities. In the case of individual personalities there is no need to flatter oneself, for many truly obstinate heads sit on many a female body—to say nothing of the reverse! But on the whole it is true that it is easier to make use of a female brain if one is to understand something exceptional, as long as the will to do so is also present. It is for this reason that the evangelist after the Mystery of Golgotha allows women to appear first.
«Und wie nun der Sabbath vorüber war, da kauften Maria von Magdala und Maria, des Jakobus Mutter, und Salome Gewürze, um hinzugehen und ihn einzusalben.» (16, 1.)
And now, as the Sabbath was over, Mary Magdalene and Mary the mother of James, and Salome, brought spices, so that they could go and anoint him. (Mark 16:1.)
[ 31 ] Und ihnen erscheint er zuerst, der Jüngling, das heißt der kosmische Christus; dann erst den männlichen Bekennern. Bis in diese Einzelheiten der Komposition spielt wahrer Okkultismus, wahre Geisteswissenschaft hinein, bis in die Einzelheiten der Komposition und in den Inhalt der Evangelien und insbesondere des markigen Markus-Evangeliums.
[ 31 ] And it was to them that the youth, that is, the cosmic Christ, first appeared; and only afterward to the male disciples. True occultism, true spiritual science is interwoven into the composition and details of the contents of the Gospels, and especially of the concise Mark Gospel.
[ 32 ] Wenn wir so fühlen, was aus den Evangelien spricht, und uns anregen lassen durch das, was wir fühlen und empfinden, dann finden wir dadurch allein den Weg zu dem Mysterium von Golgatha. Und dann existiert die Frage nicht mehr: Sind diese Evangelien in einem äußeren historischen Sinne echt oder unecht? Das mag denen, die nichts von der Sache verstehen, zu untersuchen überlassen sein. Denjenigen aber, die sich durch die Geisteswissenschaft zum Empfinden und Verstehen der Evangelien hinaufranken, wird es allmählich klar werden, daß diese zunächst gar nicht historische Dokumente sein wollen, sondern solche Urkunden, die sich hineinergießen in unsere Seelen. Und wenn sie in unsere Seelen ihre Impulse hineinergießen, dann werden die Seelen ergriffen — ohne Dokumente — durch das, was sie fühlen und erleben, wenn sie den Blick hinwenden zu dem Mysterium von Golgatha, wenn sie anschauen, wie menschliches Verständnis, menschliches Wissen und menschliche Erkenntnis heruntergekommen sind gegenüber der menschlichen Wesenheit, wie sie anspieen und kreuzigten diese Wesenheit, die sie hätten in weiser Selbsterkenntnis verehren sollen als höchstes Ideal. Und dann wird von dieser Empfindung ausgehen die höchste Kraft, um sich hinaufzuranken zu dem, was durch dieses Ideal von Golgatha herüberglänzt und leuchtet zu allen denen, die es empfinden, die es wahrnehmen wollen. Denn, daß die Erde zusammenhängt mit den geistigen Welten, das werden die Menschen in Realität erst dann begreifen, wenn sie verstehen werden, wie die geistige Realität, der Christus, als kosmische Entität in dem Leibe des Jesus von Nazareth gelebt hat; wenn sie verstehen werden, wie alles, was sonst an Menschheitsführern in der Welt vorhanden war, zuerst ausgesandt worden ist von dem Christus als seine Vorläufer, als diejenigen, die ihm den Weg bereiten sollten, damit er erkannt, verstanden werden könne. In dem Augenblick, als das Mysterium von Golgatha geschah, hat allerdings alle Vorbereitung wenig Nutzen gehabt; denn im entscheidenden Momente versagte ja alles. Aber immer mehr und mehr wird die Zeit kommen, da die Menschen verstehen werden nicht nur das Mysterium von Golgatha, sondern auch die anderen Ereignisse, die sich um das Mysterium von Golgatha herumgruppieren, und durch deren Hilfe auch das Mysterium von Golgatha immer mehr und mehr verstanden werden kann.
[ 32 ] Only if we feel what speaks to us from the Gospels and allow ourselves to be stirred by what we feel and sense can we find the way to the Mystery of Golgotha. And then there will be no longer any question as to whether these Gospels are genuine or false from the external historical point of view. Those who understand nothing of the matter can be left to their investigations. But those who ascend by means of spiritual science to a feeling for and understanding of the Gospels will gradually realize that they are not in the first place intended to be historical documents but rather documents that flow into our souls. And when they pour out their impulses into our souls, then our souls, without the aid of any documents, are taken hold of by what they feel and experience when they turn their gaze to the Mystery of Golgotha, and recognize how human understanding, knowledge and cognition when directed to the being of man have fallen short—how men spat on and crucified this being of man that they should have revered in the wisdom of self-knowledge as their highest ideal. And from this recognition the soul will win for itself the supreme strength needed to rise upward to the ideal that radiates across from Golgotha and shines upon all who are willing to feel and perceive it. For only then will men truly grasp the reality that the earth is linked with the spiritual worlds, when they understand how the spiritual reality, the Christ, lived as a cosmic being in the body of Jesus of Nazareth; and when they understand that all the leaders of humanity that the world has ever known were sent out by the Christ as His forerunners with the task of preparing the way for Him so that He could be recognized and understood. All this preparation turned out to be virtually useless when the Mystery of Golgotha took place, for at the decisive moment everything failed. But ever more and more in the future the time will come when people will understand not only the Mystery of Golgotha itself but all the other events that accompanied it, by means of which the Mystery will be ever more fully understood.
[ 33 ] Vorläufig lassen sich vielleicht die europäischen Völker noch scheel ansehen, weil sie es nicht wie viele andere Völker machen, die nur ihre Religionsbekenntnisse, die ihrer Nation, Rasse, entsprungen sind, als die wahre Religion anerkennen, wie wir es zum Beispiel in Indien so hervorragend sehen, wo nur gelten soll, was dem eigenen Blute entsprungen ist. Oh, man spricht auch oft auf theosophischem Felde von der Gleichheit, von der Anerkennung aller Religionen, während man aber in Wahrheit doch nur die eigene durchdrücken will und diese als die Weisheitsreligion ansieht. Die Europäer können das gar nicht tun; denn kein einziges europäisches Volk hat jetzt noch irgendeine Nationalgottheit, irgendeine auf seinem eigenen Grund und Boden gewachsene Gottheit, wie es die asiatischen Völker haben. Der Christus Jesus gehört Asien an, und die europäischen Völker haben ihn übernommen, haben ihn auf sich wirken lassen. Es ist kein Egoismus in der Annahme des Christus Jesus, und es wäre eine völlige Entstellung der Tatsachen, wenn man das Sprechen des Europäers über den Christus Jesus vergleichen wollte mit der Art und Weise, wie andere Völker über ihre nationalen Gottheiten sprechen, zum Beispiel, wie der Chinese über seinen Konfuzius oder wie der Inder über Krishna und Buddha spricht.
[ 33 ] For the time being the peoples of Europe can easily perhaps be misjudged because they do not act like many other peoples who recognize as the true religion only those religious creeds that have sprung from their own nation and race, as for example, in India in particular, where only that is considered valuable that has sprung from their own blood. How often in theosophical circles one talks about how the equality of all religions ought to be recognized, whereas in reality one wishes only to promote one's own religion and looks upon that as the only real wisdom-religion. The Europeans are totally unable to do this because not a single people of Europe has retained any national deity, any deity growing out of its own soil of the kind that the peoples of Asia possess. Christ Jesus belongs to Asia, and the peoples of Europe have adopted Him, and allowed Him to influence them. In the acceptance of Christ Jesus there is no egoism; and it would be a complete distortion if someone were to wish to compare the way a European speaks about Christ Jesus with the way other peoples speak about their national deities, for example the way a Chinese speaks about Confucious or the way an Indian speaks about Krishna or the Buddha.
[ 34 ] Über den Christus Jesus kann gesprochen werden rein vom Standpunkte objektiver Geschichte aus. Diese objektive Geschichte hat es auch nicht zu tun mit irgend etwas anderem als mit der großen Aufforderung zur Selbsterkenntnis des Menschen, die so gründlich in ihr Gegenteil verzerrt worden ist, während das Mysterium von Golgatha stattgefunden hat. Aber durch das Mysterium von Golgatha ist der Menschheit die Möglichkeit gegeben worden, den Impuls zu empfangen, um zu sich selber zu kommen, wogegen dazumal für die Erkenntnis, für die äußere Erkenntnis, alles versagte bei der Menschheit in bezug auf das Mysterium von Golgatha, wie wir gesehen haben. Und so werden dereinst, sich richtig verstehend, alle Religionen der Welt zusammenwirken nach und nach, um das, was im Mysterium von Golgatha liegt, zu verstehen, um es den Menschen als Impuls zugänglich zu machen.
[ 34 ] And we can speak of Christ Jesus from a purely objective historical standpoint. This objective history is concerned with nothing else but the great appeal to man's self-knowledge, a self-knowledge that was so completely distorted into its opposite while the Mystery of Golgotha was taking place. Yet through this Mystery the possibility was given to man to receive the impulse to find his own true being, whereas, as far as knowledge, external knowledge, was concerned, humanity totally failed to grasp the meaning of the Mystery of Golgotha, as we have seen. And so all the world's religions will one day rightly understand each other and work together to understand what the Mystery of Golgotha contains, and to make its impulse accessible to men.
[ 35 ] Wird man einmal einsehen, daß man es nicht mit einem egoistischen Religionsbekenntnis zu tun hat, wenn von dem Christus Jesus gesprochen wird, sondern mit etwas, was als eine historische Tatsache der Menschheitsevolution jedes Religionsbekenntnis in gleichem Sinne zugestehen kann, dann erst wird man zu einem Begreifen des Weisheits- und Wahrheitskernes in allen Religionen kommen. Und das Maß, in welchem man Geisteswissenschaft im wahren Sinne noch nicht will, ist das Maß, in welchem Grade man das wahre Verständnis des Mysteriums von Golgatha noch zurückweist. Das Maß aber des Verständnisses für Geisteswissenschaft ist gegeben in dem Maße des Verständnisses, das ein Mensch hat für das Mysterium von Golgatha. So kann sich der Christ, der sich zur Geisteswissenschaft bekennt, eigentlich mit allen Menschen der Welt verständigen. Und wenn in einem schon ans Maßlose grenzenden Hochmut — der aber ganz verständlich ist und berechtigt genannt werden kann — von den Vertretern anderer Religionssysteme gesagt wird: Ihr Christen habt nur eine einmalige Inkarnation des Gottes, wir können aber mit mehreren aufwarten; also haben wir in reichererm Maße das, was ihr habt, — so sollte der Christ nicht dadurch antworten, daß er etwa dem nacheifert in bezug auf den Christus Jesus, denn dann würde er das Mysterium von Golgatha nicht verstehen. Das Richtige ist ja dies, daß der Christ tatsächlich sagen kann — auch zu dem, der viele Inkarnationen seines Religionsstifters aufweisen kann —: Nun gewiß, alle diejenigen aber, die viele Inkarnationen haben, konnten eben nicht das Mysterium von Golgatha vollbringen. Und das suche man in der Weise, wie es innerhalb des Christentumes dargestellt wird, in irgendeiner der anderen Religionen!
[ 35 ] If it is once realized that when Christ Jesus is spoken of this has nothing to do with any egoistic creed, but with something that, as a historical fact in human evolution, can belong to every religious creed, then, and then only, will the kernel of wisdom and truth in all religions be grasped. And to the extent to which we still do not accept spiritual science in its true sense, it is to the same extent that we refuse to accept the true understanding of the Mystery of Golgotha. And to the extent that we understand spiritual science, it is to that extent that a human being can understand the Mystery of Golgotha. So a Christian who accepts spiritual science can really come to an understanding with all the peoples of the world. And if representatives of other religions with a somewhat excessive, though understandable and even justifiable pride were to say, “You Christians have only one single incarnation of God, but we can offer several, and thus are richer than you,” no Christian should try to rival him by claiming something similar for Christ Jesus, since this would show his lack of understanding for the Mystery of Golgotha. The correct thing would be for a Christian to say in reply to someone who is able to show that the founder of his own religion had many incarnations, “Yes, of course, but all those who had many incarnations could not have fulfilled the Mystery of Golgotha. Look where you will, in no other religion will you ever find it in the way it is presented in Christianity.”
[ 36 ] Bei anderen Gelegenheiten habe ich schon dargestellt, daß wir, wenn wir das Buddha-Leben verfolgen, bis zu dem Punkte kommen, den wir im Markus-Evangelium für den Christus gegeben haben als die Verklärung, wo Buddha, am äußersten Ende des Menschenlebens angekommen, sich auflöst in Licht, wie es dargestellt wird, was ja der okkulten Wahrheit entspricht. Da tritt für den Christus — wie Sie es geschildert finden in dem «Christentum als mystische Tatsache » — das ein, was in der Verklärungsszene eintritt, nur nicht, daß er als ein Einzelner die Verklärung hat, sondern daß er sich unterredet auf dem Berge, auf der Stelle, wo sich die kosmischen Angelegenheiten abspielen sollen, mit Elias und Moses. Dann erst beginnt das Mysterium von Golgatha, nach dieser Verklärungsszene. Das ist so anschaulich in den Dokumenten selbst enthalten, daß die Leugnung dieser Tatsache, wenn man sie einmal durch den Vergleich des Buddha-Lebens mit dem Christus-Leben erkannt hat, im Grunde genommen als unmöglich erscheint. Und im Grunde genommen ist auch das, was ich Ihnen heute sagen konnte über die Gefühle, die in uns aufsteigen gegenüber der großen Verkennung des Menschensohnes durch die Menschen, nur eine Folge dessen, was Sie auch schon angedeutet finden in meinem Buche «Das Christentum als mystische Tatsache ».
[ 36 ] On other occasions in the past I have already shown how, if we follow the life of the Buddha we shall reach the point described in the Mark Gospel as the scene of the Transfiguration of Christ. At this point the Buddha's life has come to its final end, and he dissolves into light, as it is described, and this description in truth corresponds to the occult fact. In the case of Christ, as you will find it stated in Christianity as Mystical Fact,3Christianity as Mystical Fact consists of a series of lectures given in Berlin in 1902 and revised by Steiner for publication in the same year and again in 1910. The chapter entitled “Egyptian Mystery Wisdom” contains the statement about the Transfiguration to which he refers here. Available in English in three different translations. He does indeed reach the scene of the Transfiguration. But He was not transfigured alone, by Himself; He converses with Moses and Elijah on the mountain, where cosmic events occur. Only after the scene of the Transfiguration does the Mystery of Golgotha begin. This emerges so clearly from the documents themselves that it is fundamentally impossible to deny the fact, once one has recognized it from a comparison between the lives of Christ and the Buddha. And in essence all that I was able to tell you today about the feelings that arise in us when we think of the great misunderstanding of the Son of Man by human beings is only a consequence of what you will find already pointed out in Christianity as Mystical Fact.
[ 37 ] In einer gewissen Beziehung darf ich sagen jetzt am Abschlusse der Betrachtungen über das Markus-Evangelium: Es ist in einer gewissen Weise das Programm, das damals im Beginne unserer anthroposophischen Bewegung Mitteleuropas gegeben war in bezug auf das Christentum, es ist dieses Programm im einzelnen ausgebaut. Als wir begonnen haben, wurde der Grundzug gegeben, inwiefern die Religionen eine Fortentwickelung zeigen und im Christus-Problem gipfeln können. Wir haben die einzelnen Evangelien, wir haben mancherlei von den Welterscheinungen betrachtet. Wir haben versucht, immer tiefer und tiefer in die Schachte des okkulten Lebens einzudringen, ausführend, was damals angedeutet worden ist. Konsequent suchten wir fortzuarbeiten. Nichts haben wir im Grunde genommen getan, als nur im einzelnen ausgebaut, was damals an unserem Ausgangspunkt klar und deutlich gesagt war. War das nicht der natürlichste Fortgang in bezug auf das Christus-Problem innerhalb der anthroposophischen Bewegung Mitteleuropas? Wo solches geschehen ist, da darf man, wenn sich andere Leute vor drei Jahren zu einem im Sinne des Christentums unmöglichen Christus-Gedanken bekehrt haben, wahrhaftig nicht von uns etwa verlangen, daß wir uns mit unserer konsequenten Arbeit zu diesem vor drei Jahren erfundenen Christus-Gedanken bekehren sollten. Es ist oftmals in der letzten Zeit betont worden, daß die Theosophische Gesellschaft ein Feld sein sollte für alle Meinungen. Gewiß, das sollte sie sein. Nur nimmt es sich anders aus, wenn sie auch ein Feld sein soll für die aufeinanderfolgenden verschiedenen Meinungen derselben Persönlichkeit, wenn dieselbe Persönlichkeit jetzt etwas anderes als vor vier Jahren behauptet und nun verlangt, daß die Theosophische Gesellschaft ein Feld für diese Meinung sein soll. Das mag vielleicht möglich sein, nur braucht man es nicht mitzumachen. Und man braucht nicht darum ein Ketzer zu sein, weil man diese Dinge nicht mitmacht. In Mitteleuropa geht man aber noch weiter; man geht so weit, daß man das Weiße schwarz und das Schwarze weiß nennt!
[ 37 ] And now, at the conclusion of our studies on the Mark Gospel I may in a certain respect say that the program laid down at the beginning of the anthroposophical movement in Central Europe insofar as it related to Christianity has in all essentials been completed in every detail. When we started, our main task was to show how in the course of time religions have developed, culminating in the problem of Christ. We have considered the individual Gospels and various cosmic revelations; we have tried to penetrate ever more deeply into the depths of occult life in order to carry out what we indicated we should do at the beginning. We have tried to work consistently, but in essence all we have done is complete in detail what we said we would do when we started. Was this not the most natural development with respect to the Christ problem within the theosophical movement of Central Europe? In view of all this that has happened, other people who became converts to an impossible conception of Christ within the framework of Christianity can scarcely demand that we who have done this consistent work for years should be converts to their conception of Christ devised three years ago! It has often been emphasized of recent years that the Theosophical Society ought to be hospitable to all opinions. Of course it should be. But the matter appears in a quite different light if it is to be hospitable to the successive different opinions of the same personality, if that personality now maintains something different from what it did four years ago, and now demands that the Theosophical Society should provide a home for this latest opinion. Such a thing may be possible, but there is no need for us to go along with it. Nor should one be considered a heretic if one doesn't take part in such things. In Central Europe people go further still, going so far as to call white black and black white!
[ 38 ] Es ist gerade ein feierlicher Augenblick, wo wir den letzten Schlußpunkt unserer programmatisch seit zehn Jahren durchgeführten Arbeit setzen. Da wollen wir feststehen in dieser Arbeit und auch nicht mutlos werden und auch nicht verständnislos anderen gegenüber. Aber wir wollen klar einsehen, was wir tun müssen, wollen fest auf unserem Boden stehen und uns durch nichts beirren lassen, selbst wenn man das Weiße schwarz und das Schwarze weiß nennt oder selbst wenn man gegenüber allem, was innerhalb unserer mitteleuropäischen anthroposophischen Bewegung geschehen ist, wo ein jeder nach den besten Kräften strebt, das zu geben, was er zu geben hat, wo ein jeder aufgefordert wird, ohne Rücksicht auf irgendeine Autorität sein Bestes zu geben, wenn man diesem gegenüber behauptet, diese mitteleuropäische anthroposophische Bewegung enthalte Fanatiker und Dogmatiker, und wenn jene, die von einem Dogma sprechen, das kaum drei Jahre alt ist, eine Gegnerschaft gegenüber dem schrecklichen Dogma von Mitteleuropa begründen möchten. Es ist hart, zu sehen, welcher Unfug heute mit dem Christus-Namen getrieben wird. Aber das berechtigt uns auch, selbst in dem Gebrauch eines solchen Wortes nichts anderes als einen objektiven Terminus technicus zu sehen. Wir bezeichnen nur die betreffende Tatsache, ohne Emotion, ohne Kritik; sie ist selbst schuld, diese objektive Tatsache, daß sie mit einem solchen Worte bezeichnet werden muß.
[ 38 ] This is indeed a solemn moment when we are bringing to an end the latest and final phase of the work we have been carrying on for the last ten years according to plan. So we are determined to stand firm in this work and neither become discouraged nor yet lacking in understanding for others. But we must see very clearly what we have to do, and we must stand firm on our own ground and not allow ourselves to be discouraged by anything, even if white is called black and black white. Even if our anthroposophical Central European movement—in which everyone strives to do his best according to his ability, and everyone is called upon to give his best without submitting to any authority—is said to be full of fanatics and dogmatizers, we should still not be discouraged, not even if those who have their own dogma that is scarcely three years old try to organize an opposition to the dreadful dogma of Central Europe. It is painful to witness the kind of mischievous tricks that are played today in the name of Christ. We are justified in using words like these, and regard them as nothing more than a technical term, used objectively. We are doing nothing more than stating the actual fact, without emotion and without criticism. If we are obliged to put it this way it is the fault of the objective fact itself.
[ 39 ] Uns aber können diese Tatsachen gegenüber dem, was uns aus einem wirklichen Verständnis von so etwas fließen kann, wie es das Markus-Evangelium ist, auch zu nichts anderem führen, als in dem Sinne fortzuarbeiten, den wir als den richtigen erkannt haben, der sich uns erprobt hat nicht nur in dem allgemeinen Programm, das aber schon den positiven Tatsachen entnommen ist, sondern der sich uns an jedem Tage aufs neue erprobt, wenn wir ihn anwenden auf die einzelnen Probleme, auf die einzelnen Tatsachen. Und nichts anderes als eine Bestätigung dessen, was an unserem Ausgangspunkte gesagt worden war, hat sich uns gezeigt, indem wir Schritt für Schritt unseren Lauf weiter genommen haben durch die Einzelheiten der Dinge, die wir zu erforschen haben.
[ 39 ] But these facts, when they are set against what can flow to us from a real understanding of the Gospel of St. Mark, can also lead to no other course than to continue to work in the way we have recognized as the right one. This has proved itself in our general program based on positive facts, and continues to prove itself again every day as long as we apply it to individual problems and individual facts. And as we make our way step by step through the details of the things we have to investigate, what was said at the beginning is invariably confirmed.
[ 40 ] So kann selbst da, wo wir das Größte betrachten, kein anderes Gefühl in uns aufkommen als nur das Gefühl des echten und wahren Strebens zur Wahrheit. Solche Dinge wie der Blick auf das Mysterium von Golgatha haben schon die nötige heilende Kraft, um den Irrtum zu vertreiben, wenn man sich ihnen wirklich im Geiste naht, und um einzusehen, wie im Grunde genommen nur der mangelnde Wille zur Wahrheit die Menschen nicht zum wahrhaften Verfolgen des Weges kommen läßt, der sich eröffnet von dem Irdischen zum Kosmischen, wenn untersucht wird in dem Jesus von Nazareth der kosmische Christus. Er aber zeigt sich uns so deutlich, wenn wir eine solche Schrift wie das Markus-Evangelium wahrhaftig verstehen.
[ 40 ] So even when we are studying the loftiest things we can harbor no other feeling than a true and genuine feeling for truth. Such things as the contemplation of the Mystery of Golgotha have within them already the necessary healing power that dispels error if we approach them in the spirit. Then we are led to recognize how in essence it is only an insufficient will to pursue the truth that prevents us from truly pursuing the path that opens out from the earthly into the cosmic, when the cosmic Christ within Jesus of Nazareth is investigated. But He appears to us so clearly if we understand a work like the Mark Gospel.
[ 41 ] So werden solche Schriften, indem sie dem Verständnis der Menschen sich eröffnen, durch geisteswissenschaftlich-spirituelle Betrachtungen sich eröffnen, allmählich auch in die übrige Menschheit hinausdringen und immer mehr und mehr verstanden werden. Und es werden immer mehr und mehr in den Evangelien die Worte gesehen werden, die gefunden werden mußten, sogar mit Außerachtlassung des Sinnenscheins, durch nachheriges hellseherisches Hinblicken auf das Mysterium von Golgatha. Die, welche die Evangelien geschrieben haben, sie haben aus hellseherischer Beobachtung hinterher die physischen Ereignisse beschrieben. Das muß man verstehen, dafür muß man aber auch die Notwendigkeit einsehen, da die Menschen als Zeitgenossen der Ereignisse in Palästina nicht verstehen konnten, was damals geschah, weil erst dieses Ereignis selbst den Impuls geben konnte zu seinem Verständnis. Bevor dieses Ereignis geschehen war, konnte keiner da sein, der es verstehen konnte. Es mußte erst wirken. Daher kann es erst hinterher verstanden werden. Denn der Schlüssel zum Verständnisse dieses Mysteriums von Golgatha ist das Mysterium von Golgatha selber. Der Christus mußte erst mit allem, was er wirken sollte, bis zum Mysterium von Golgatha hin wirken. Dann konnte erst durch das, was er wirkte, das Verständnis von ihm selber ausgehen. Dann konnte sich durch das, was er war, das Wort entzünden, das zu gleicher Zeit der Ausdruck ist seiner wahren Wesenheit. Und so entzündet sich denn durch das, was der Christus war, das Urwort, das uns mitgeteilt ist und das wiedererkannt werden kann in hellseherischer Betrachtung, dieses Wort, das auch verkündet das wahre Wesen des Mysteriums von Golgatha. Und auch an dieses Wort dürfen wir denken, wenn wir sprechen von den eigenen Worten des Christus, von den Worten, die er selber nicht nur gesprochen hat, die er auch entzündet hat in den Seelen derer, die ihn verstehen konnten, so daß sie sein Wesen aus den Menschenseelen heraus bezeichnen und beschreiben konnten.
[ 41 ] For this reason such works, after they have been opened up to the understanding of men by means of spiritual scientific studies, will gradually also reach out to the rest of mankind, and will be ever more clearly understood. And attention will be focused ever more on the words of the Gospels rediscovered without the aid of sense perception through clairvoyant vision of the Mystery of Golgotha. Those who wrote the Gospels from clairvoyant observation described the physical events afterward. This must be understood, as also the necessity for it. Those people who lived at the same time as the events in Palestine were incapable of understanding what happened at that time because it was only through the impulse given by this event that it could be understood! Before the event had taken place no one was alive who could have understood it. It had first to take effect, so it could be understood only after the event. The key to the understanding of this Mystery of Golgotha is the Mystery of Golgotha itself! Christ had first to do all that He had to do up to the time of the Mystery of Golgotha, and only through the effects of what He did could the understanding of Himself come forth. Then through what He was, the Word could be enkindled which is at the same time the expression of His true being. And so through what Christ was, the primal Word is enkindled which is communicated to us and can be recognized again in clairvoyant vision, this Word which also proclaims the true being of the Mystery of Golgotha. We may also think of this Word when we speak of Christ's own words, not only those that He spoke Himself but those which He also kindled in the souls of those able to understand Him, so that they could both understand and describe His being from within their human souls.
[ 42 ] Die Menschen werden die Impulse des Mysteriums von Golgatha aufnehmen, solange die Erde bestehen wird. Dann wird eine Zwischenzeit zwischen der «Erde» und dem «Jupiter» kommen. Eine solche Zwischenzeit ist immer damit verbunden, daß nicht nur der einzelne Planet, sondern alles, was um ihn herum ist, sich verändert, in das Chaos geht, durch ein Pralaya durchgeht. Nicht nur die Erde selbst wird anders im Pralaya, sondern auch der zur Erde hinzugehörige Himmel. Was aber der Erde gegeben worden ist durch das Wort, das der Christus gesprochen hat, das er entzündet hat in denen, die ihn erkannten, und das fortdauern wird in denen, die ihn erkennen, das ist die wahre Essenz des Erdendaseins. Und ein richtiges Verständnis gibt uns die Wahrheit des Spruches, der uns den kosmischen Verlauf andeutet, wie die Erde und der Himmelsaspekt, der Himmelsaspekt von der Erde aus gesehen, anders wird, nachdem die Erde ihr Ziel gefunden hat und Himmel und Erde vergehen werden. Aber ein solches Wort des Christus, das über Himmel und Erde gesprochen werden kann, das wird bleiben. Wenn man die Evangelien richtig versteht, dann fühlt man die innersten Impulse der Evangelien, dann fühlt man nicht nur die Wahrheit, sondern auch die Kraft des Wortes, das sich uns selber als Kraft mitteilt und uns feststehen läßt auf dem Erdengrund und uns hinausblicken läßt über das Erdenrund, indem wir mit vollem Verständnis das Wort aufnehmen:
[ 42 ] As long as the earth endures men will take up into themselves the impulses from the Mystery of Golgotha. Then there will come an interval between “Earth” and “Jupiter.” Such an interval is always linked to the fact that not only the individual planet, but all its surroundings change, pass into chaos, undergo a “pralaya.” And not only the earth itself will be different in pralaya, but also the heavens belonging to the earth. But what has been given to the earth through the Word that Christ spoke, which He kindled also in those who recognize Him, is the true essence of earth existence. And a right understanding allows us to recognize the truth of that saying that tells us of the development of the cosmos, how the earth and heaven as seen from the earth will be different after the earth has reached its goal, and heaven and earth pass away. But such a Word as could be spoken by Christ about heaven and earth will remain. If one rightly understands the Gospels, and feels their innermost impulse, then one feels not only the truth but also the power of the Word which as power passes over into us, enabling us to gaze out beyond the wide world as we take up into ourselves with full understanding the Word, “Heaven and Earth shall pass away, but my words shall not pass away.” (Matt. 24:35.)
[ 43 ] «Himmel und Erde werden vergehen, meine Worte aber werden nicht vergehen.» (Matth. 24, 35.) Des Christus Worte werden niemals vergehen, und wenn auch Himmel und Erde vergehen. Man darf so sagen nach der okkulten Erkenntnis, denn es werden noch geblieben sein die Wahrheiten, die über das Mysterium von Golgatha gesprochen worden sind. Das MarkusEvangelium entzündet in unseren Seelen die Erkenntnis dafür, daß Himmel und Erde vergehen, daß aber dasjenige, was wir wissen können über das Mysterium von Golgatha, hinausziehen wird in künftigen Zeiten mit uns, auch wenn Himmel und Erde vergangen sein werden.
[ 43 ] The words of Christ will never pass away, even if heaven and earth pass away. This may be said in accordance with occult knowledge, for the truths of the Mystery of Golgotha that have been spoken will still remain. The Mark Gospel kindles in our souls the knowledge of the truth that heaven and earth pass away, while what we can know about the Mystery of Golgotha will accompany us into the ages that are to come, even if heaven and earth will have passed away!
