Occult Studies on Life Between Death and Rebirth
GA 140
26 October 1912, Milan
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Occult Studies on Life Between Death and Rebirth, tr. SOL
1. Untersuchungen über das Leben zwischen Tod und neuer Geburt I
1. Studies on Life Between Death and Rebirth I
[ 1 ] Es soll an diesem heutigen Abend meine Aufgabe sein, Ihnen von einigen Eigentümlichkeiten in der Erkenntnis der spirituellen Welt zu sprechen und auch die Konsequenzen solcher Erkenntnisse für das ganze Leben anzudeuten. Derjenige, welcher die Aufgabe zugeteilt erhalten hat, aus den spirituellen Welten etwas seinen Mitmenschen mitzuteilen, kann nicht oft genug daran gehen, seine Erkenntnisse immer wieder zu prüfen auf ihre Richtigkeit und auf ihre absolute spirituelle Korrektheit hin. Meine Ausführungen werden zuletzt darauf hinauslaufen, Ihnen einiges mitzuteilen von Erkenntnissen des menschlichen Lebens zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Es ist mir gerade in der letzten Zeit möglich gewesen, die Untersuchungen, die der menschliche Geist auf diesem Boden machen kann, einmal gründlich durchzuprüfen; und von dieser gründlichen Durchprüfung möchte ich Ihnen heute im zweiten Teile meiner Ausführungen sprechen. Es ist nämlich notwendig, daß ich im ersten Teil meines Vortrages einige Bemerkungen über die Art der Erlangung spiritueller Erkenntnisse vorausschicke.
[ 1 ] My task this evening is to speak to you about some peculiarities in the understanding of the spiritual world and also to touch upon the implications of such insights for one’s entire life. Anyone who has been given the task of communicating something from the spiritual worlds to their fellow human beings cannot emphasize enough the need to continually test their insights for accuracy and absolute spiritual correctness. My remarks will ultimately aim to share with you some insights into human life between death and a new birth. It has been possible for me, especially in recent times, to thoroughly examine the investigations that the human spirit can undertake in this realm; and today, in the second part of my remarks, I would like to speak to you about this thorough examination. For it is necessary that I preface the first part of my lecture with a few remarks on the nature of the acquisition of spiritual insights.
[ 2 ] Zur Erlangung spiritueller Erkenntnisse ist eine ganz bestimmte Verfassung der menschlichen Seele notwendig. Und diese Verfassung der menschlichen Seele ist in gewisser Beziehung durchaus entgegengesetzt jener Verfassung, welche die menschliche Seele im äußeren Leben auf dem physischen Plan hat. Im äußeren Leben, insbesondere in unserer Gegenwart, ist die menschliche Seele im Grunde in einer fortwährenden Unruhe. Von Stunde zu Stunde im Laufe des Tages bekommt die Seele fortwährend neue Eindrücke, und weil die menschliche Seele sich doch mit ihren Eindrücken identifiziert, so bedeutet das eine fortwährende Unruhe der Seele.
[ 2 ] To attain spiritual insights, a very specific state of the human soul is necessary. And this state of the human soul is, in a certain sense, quite the opposite of the state the human soul has in external life on the physical plane. In external life, especially in our present time, the human soul is essentially in a state of constant restlessness. Hour by hour throughout the day, the soul continually receives new impressions, and because the human soul identifies with these impressions, this results in a constant restlessness of the soul.
[ 3 ] Das Gegenteil muß bei demjenigen in der Seele eintreten, der in die spirituelle Welt hineindringen will. Die erste Bedingung zum Aufsteigen in die spirituelle Welt und zum Begreifen der Erkenntnisse aus den spirituellen Welten ist vollständige Ruhe, Stetigkeit, innere Ruhe der Seele. Diese Ruhe der Seele ist schwieriger herzustellen, als man glauben könnte. Schweigen müssen, damit diese Ruhe der Seele hergestellt werden kann, vor allen Dingen alle Aufregungen, alle Besorgnisse, alle Kümmernisse und sogar die Interessen des äußeren Lebens während der Zeit, in welcher wir uns in die spirituelle Welt versetzen wollen. Es muß so sein, wie wenn wir an einem Punkte der Welt stehen würden und keinen Willen hätten, von diesem Punkte auch nur ein wenig wegzutreten, damit die Dinge der geistigen Welt an uns vorüberziehen können. Dabei aber müssen wir bedenken, daß wir in dem alltäglichen Leben auf dem physischen Plan von einem Dinge zum anderen gehen können, und die Dinge sind da. Das ist nicht so in der geistigen Welt. In der geistigen Welt müssen wir durch unser Denken, durch unser Vorstellen tatsächlich die Dinge erst an uns, an den ruhenden Punkt in uns herantragen. Wir müssen gleichsam aus uns heraustreten, in die Dinge hinein uns begeben, und dann von außen die Dinge zu uns heranbringen. Dabei machen wir dann Erfahrungen, welche beängstigend sein können für die menschliche Seele.
[ 3 ] The opposite must occur in the soul of anyone who wishes to enter the spiritual world. The first condition for ascending into the spiritual world and for comprehending the insights from the spiritual worlds is complete stillness, steadfastness, and inner peace of the soul. This peace of the soul is more difficult to achieve than one might think. In order for this peace of the soul to be established, we must, above all, silence all agitation, all anxieties, all sorrows, and even the concerns of external life during the time in which we wish to transport ourselves into the spiritual world. It must be as if we were standing at a single point in the world and had no will to step even a little way from that point, so that the things of the spiritual world may pass before us. Yet we must bear in mind that in everyday life on the physical plane we can move from one thing to another, and the things are there. This is not the case in the spiritual world. In the spiritual world, we must first actually bring things to ourselves—to the still point within us—through our thinking and our mental images. We must, as it were, step out of ourselves, enter into the things, and then bring the things to us from the outside. In doing so, we then have experiences that can be frightening for the human soul.
[ 4 ] Wir entdecken, daß wir im gewöhnlichen Leben auf dem physischen Plan die Dinge ändern können, daß wir uns selber verbessern können, wenn wir die Dinge falsch sehen oder falsch machen. Alles dieses ist auf dem geistigen Plan nicht mehr der Fall. Vielmehr müssen wit auf dem geistigen Plan erfahren, daß uns die Dinge wahr oder falsch erscheinen je nach dem, was schon in uns war in dem Augenblicke, in welchem wir uns an den Geistesplan heranbegeben. Alle Vorbereitung zum richtigen Erkennen der geistigen Welten muß daher in die Zeit vor dem Eintreten in die geistige Welt fallen; denn ist man einmal durch das Tor in die geistige Welt eingetreten, so kann man nicht mehr das darin Geschaute korrigieren, sondern macht die Fehler, die man nach seinen Charaktereigenschaften machen muß. Und um gewisse Fehler, die man dann gemacht hat, ferner zu vermeiden, muß man wieder zurückkommen auf den physischen Plan und auf dem physischen Plan seine Eigenschaften verbessern, und dann zurückkehren in die geistige Welt, um es nun besser zu machen. — Sie werden daraus ersehen, wie ungeheuer notwendig eine gute, richtige Vorbereitung für die geistige Welt ist, bevor man durch das Tor in die geistige Welt eintritt.
[ 4 ] We discover that in our ordinary life on the physical plane, we can change things, that we can improve ourselves when we see things incorrectly or do things wrong. None of this is the case on the spiritual plane. Rather, on the spiritual plane we must learn that things appear true or false to us depending on what was already within us at the moment we approach the spiritual plane. All preparation for the correct perception of the spiritual worlds must therefore take place before entering the spiritual world; for once one has passed through the gate into the spiritual world, one can no longer correct what is seen there, but instead makes the mistakes that one is bound to make according to one’s character traits. And in order to avoid certain mistakes one has made thereafter, one must return to the physical plane and improve one’s character traits there, and then return to the spiritual world to do better this time. — You will see from this how immensely necessary good, proper preparation for the spiritual world is before one enters through the gate into the spiritual world.
[ 5 ] Alles dieses, was ich hier sage, ist abhängig von den Entwickelungszyklen der Menschen, und so wie die Dinge heute stehen für die Seele, so war es nicht immer. Gegenwärtig muß der Mensch sich vor einem zu starken Auftreten einer visionären Schau beim Eintreten in die geistige Welt mehr fürchten, als sie willkommen heißen. Es können, wenn wir unsere Übungen beginnen zum Aufsteigen in die höheren Welten, visionäre Erscheinungen, visionäre Tatsachen auf den Menschen eindringen. Und es gibt nur eine einzige Möglichkeit in der gegenwärtigen Zeit, gegenüber der visionären Welt den Irrtum zu vermeiden. Diese einzige Möglichkeit ist die Notwendigkeit, von seinen Visionen zuerst sich zu sagen, man erkennt durch diese Visionen zunächst nichts anderes als sich selber. Wenn eine ganze visionäre Welt um uns herum auftritt, so braucht diese nichts anderes zu sein als eine Spiegelung unseres eigenen Wesens. Unsere Eigenschaften, unsere eigene Reife, alles dasjenige, was wir denken und fühlen, verwandelt sich in der visionären Welt in Tatsachen, die für uns wie eine objektive Welt aussehen. Wenn wir zum Beispiel glauben, in der astralischen Welt Wesenheiten oder Vorgänge zu sehen, die uns völlig objektiv erscheinen, so braucht das nichts anderes zu sein als eine Spiegelung, sagen wir zum Beispiel, irgendeiner unserer Tugenden oder Untugenden oder auch nur unseres Kopfschmerzes. Derjenige, der zur wirklichen Initiation aufsteigen will, muß insbesondere heute dazu gelangen, das, was ihm in der visionären Welt entgegentritt, denkend zu begreifen, denkend zu durchdringen. Der zu Initiierende wird daher nicht eher ruhen, als bis er dasjenige, was ihm in der visionären Welt entgegentritt, so begriffen hat wie das, was ihm in der physischen Welt entgegentritt.
[ 5 ] Everything I am saying here depends on the cycles of human development, and the situation for the soul today is not what it has always been. At present, when entering the spiritual world, people should fear the overwhelming presence of visionary visions more than they should welcome them. When we begin our exercises to ascend into the higher worlds, visionary apparitions and visionary realities can intrude upon us. And there is only one way, in the present time, to avoid error in relation to the visionary world. This one way is the necessity of first telling oneself regarding one’s visions: through these visions, one initially recognizes nothing other than oneself. When an entire visionary world appears around us, it need be nothing other than a reflection of our own being. Our qualities, our own maturity, everything we think and feel, is transformed in the visionary world into realities that appear to us as an objective world. If, for example, we believe we see beings or events in the astral world that appear completely objective to us, this need not be anything other than a reflection of, say, one of our virtues or vices, or even just our headache. Anyone who wishes to ascend to true initiation must, especially today, come to comprehend and penetrate through thought what confronts them in the visionary world. The initiate will therefore not rest until they have understood what confronts them in the visionary world just as they understand what confronts them in the physical world.
[ 6 ] Nun treten uns aber, wenn wir zur Initiation aufsteigen, diejenigen Dinge entgegen, die wir auch in der Welt zwischen dem Tode und einer neuen Geburt durchleben. Es entstand nun in der letzten Zeit für meine okkulten Untersuchungen die Frage: Wie verhält sich die visionäre Welt, die man finden kann durch Initiation oder durch eine den Ätherleib lockernde Erschütterung, zu der Welt, in der man lebt zwischen Tod und neuer Geburt? — Da ergab sich denn das Folgende: Wenn wir also von der Zeit des Kamaloka an, die Sie ja kennen, unsere Aufmerksamkeit lenken auf die weitere Zeit zwischen Tod und neuer Geburt, da sehen wir zunächst, daß wir in einer Art objektiven Welt leben, die sich vergleichen läßt mit der Welt des Initiierten. Das soll nicht bedeuten, daß wir nach dem Tode nicht in einer wirklichen Welt lebten; wir leben in einer absolut realen Welt, leben mit denen, mit welchen wir in Beziehung getreten sind schon in dieser physischen Welt, in durchaus wirklichen Verhältnissen. Aber wie auf der Erde uns alles vermittelt wird durch die Wahrnehmung der Sinne, so werden uns alle Dinge nach dem Tode vermittelt durch die Visionen.
[ 6 ] Now, however, as we ascend toward initiation, we encounter those very things that we also experience in the world between death and a new birth. Recently, a question has arisen in connection with my occult research: How does the visionary world—which can be accessed through initiation or through a shock that loosens the etheric body—relate to the world in which one lives between death and a new birth? — The following then emerged: When, starting from the time of the Kamaloka—which you are familiar with—we turn our attention to the subsequent period between death and a new birth, we first observe that we live in a kind of objective world comparable to the world of the initiate. This does not mean that after death we do not live in a real world; we live in an absolutely real world, living with those with whom we have already entered into relationships in this physical world, in thoroughly real circumstances. But just as on Earth everything is conveyed to us through sensory perception, so after death all things are conveyed to us through visions.
[ 7 ] Setzen wir den Fall, wir treffen nach dem Tode in der geistigen Welt jemanden, der vor uns verstorben ist. Er ist in der Wirklichkeit für uns da, wir stehen ihm wirklich gegenüber, aber wir müssen ihn auch wahrnehmen können, müssen in eine Beziehung zu ihm treten in der visionären Welt, geradeso, wie wir in der physischen Welt mit einem Menschen durch Augen und Ohren in Beziehung treten müssen. Nun aber stellt sich eine Schwierigkeit ein, welche ebenso vorhanden ist für die Erfahrung des Initiierten, wie sie zwischen dem Tode und einer neuen Geburt vorhanden ist: die visionäre Welt gibt uns zunächst, wie schon angedeutet, nur eine Spiegelung unseres eigenen Wesens. Wenn ein Mensch so, wie es charakterisiert worden ist, uns in der geistigen Welt entgegentritt, dann steigt eine Vision auf. Diese Vision gibt aber zunächst nichts anderes wieder als die Art von Liebe oder Antipathie, die wir hier für ihn gehabt haben, oder eine andere Beziehung, die wir zu dem haben, der uns in der geistigen Welt entgegentritt. Wir können also einem Menschen gegenüberstehen in der geistigen Welt und doch nichts anderes wahrnehmen als dasjenige, was sich in uns festgesetzt hat vor dem Tode. Es kann also sein, daß wir dem Menschen gegenübertreten und uns mit unseren eigenen Empfindungen, Sympathien oder Antipathien wie mit einem visionären Nebel umgeben, so daß er gerade die Veranlassung wird, daß wir uns durch unseren eigenen Nebel von ihm abschließen. Das wichtigste dabei ist, daß ein solches Verhalten einem Menschen gegenüber in der geistigen Welt nach dem Tode verknüpft ist mit einer realen Empfindung, mit einem realen inneren Erlebnis. Wir fühlen zum Beispiel, daß wir einen Menschen, den wir im Leben nicht vollständig, wie wir es hätten tun sollen, geliebt haben, nicht mehr nach dem Tode lieben können, als wie wir ihn im Leben geliebt haben, trotzdem wir ihm gegenüberstehen und ihn mehr lieben möchten, und das nicht mehr gutmachen können, was wir im physischen Leben versäumt haben. Dieses Nichtkönnen, dieses Seine-eigene-Seele-absolut-nicht-besser-entwickeln-Können, das kann empfunden werden als eine ungeheure Pressung der Seele und wird auch nach dem Tode so empfunden.
[ 7 ] Let us suppose that, after death, we meet someone in the spiritual world who passed away before us. They are actually there for us; we are truly standing before them, but we must also be able to perceive them, must enter into a relationship with them in the visionary world, just as we must enter into a relationship with a person in the physical world through our eyes and ears. But now a difficulty arises that is just as present in the experience of the initiate as it is between death and a new birth: as already indicated, the visionary world initially gives us only a reflection of our own being. When a person, as has been described, approaches us in the spiritual world, a vision arises. But this vision initially reflects nothing other than the kind of love or antipathy we felt for them here, or some other relationship we have with the one who approaches us in the spiritual world. We can thus stand before a person in the spiritual world and yet perceive nothing other than what has become fixed within us before death. It may therefore be that we stand before the person and surround ourselves with our own feelings, sympathies, or antipathies as with a visionary mist, so that he becomes the very cause of our shutting ourselves off from him through our own mist. The most important thing here is that such behavior toward a person in the spiritual world after death is linked to a real feeling, to a real inner experience. We feel, for example, that we can no longer love a person whom we did not love fully in life—as we should have—any more after death than we loved them in life, even though we stand before them and wish to love them more, and cannot make up for what we failed to do in physical life. This inability, this absolute inability to develop one’s own soul any further, can be felt as an immense pressure on the soul and is experienced in this way even after death.
[ 8 ] Und hier komme ich auf das Kapitel, das sich mir in der letzten Zeit ergeben hat: Die ersten Erlebnisse im sogenannten Devachan sind im wesentlichen erfüllt von dem, was sich schon festgesetzt hat in unserer Seele als unsere Beziehungen zu anderen Menschen vor unserem Tode. Wir können zum Beispiel einem Menschen gegenüber in einer ganz bestimmten Zeit nach dem Tode nicht fragen: Wie soll ich ihn lieben? — sondern wir können nur fragen: Wie habe ich ihn im irdischen Leben geliebt und wie liebe ich ihn in Konsequenz jetzt? Dieser Zustand ändert sich dadurch, daß wir nach und nach fähig werden können, nach dem Tode auf dasjenige, was wir in Visionen um uns herum haben, die Wesenheiten der geistigen Welt, die Wesenheiten der Hierarchien wirken zu fühlen. Also dieser Zustand, den ich eben beschrieben habe, ändert sich nur dadurch, daß wir nach und nach fühlen lernen: Es wirken auf den Nebel, der uns umgibt, die Wesenheiten der Hierarchien; sie bestrahlen diesen Nebel, wie die Sonne die Wolken bestrahlt. Wir müssen sogar eine gewisse Summe von Erinnerungen an die Erlebnisse vor dem Tode mitbringen, die uns wie eine Wolke umgeben, und mit ihnen müssen wir uns fähig machen, aufzunehmen das Licht der andern Hierarchien. — Im allgemeinen ist auch in der gegenwärtigen Zeit fast jeder Mensch geneigt, sich in dieser Weise den Einflüssen, den Wirkungen der höheren Hierarchien hinzugeben. Das heißt: Jeder Mensch, der heute stirbt und in die geistige Welt eintritt, kommt dazu, daß die Hierarchien seinen Nebel von Visionen beleuchten.
[ 8 ] And here I come to the topic that has recently come to my attention: The initial experiences in what is known as Devachan are essentially shaped by what has already taken root in our soul—namely, our relationships with other people prior to our death. For example, we cannot ask a person at a specific time after death: How should I love him? — but we can only ask: How did I love him in earthly life, and how do I love him as a consequence now? This state changes as we gradually become able, after death, to feel the effects of the beings of the spiritual world and the beings of the hierarchies on the visions surrounding us. So this state, which I have just described, changes only in that we gradually learn to feel: the beings of the hierarchies are working upon the mist that surrounds us; they radiate upon this mist, just as the sun radiates upon the clouds. We must even bring with us a certain sum of memories of our pre-death experiences, which surround us like a cloud, and with these we must make ourselves capable of receiving the light of the other hierarchies. — In general, even in the present day, almost every human being is inclined to surrender in this way to the influences and effects of the higher hierarchies. That is to say: Every human being who dies today and enters the spiritual world finds that the hierarchies illuminate their mist of visions.
[ 9 ] Aber dieses Einwirken der Hierarchien, das im Laufe der Zeit geschieht, dieses Lichtgeben, verändert sich allmählich. Es verändert sich so, daß wir nach und nach fühlen, wie durch das Hereinbrechen des Lichtes der höheren Hierarchien unser Bewußtsein allmählich herabgedämpft werden kann. Und dann merken wir, daß das Erhalten des Bewußtseins von ganz bestimmten Dingen vor dem Tode abhängt. So zum Beispiel verdunkelt sich das Bewußtsein leichter bei einem Menschen mit unmoralischer Seelenverfassung. Das wichtigste also ist, durch den Tod mit moralischen Kräften hindurchzugehen, denn das moralische Bewußtsein hält unsere Seele offen für das Licht der Hierarchien. Es war mir in der letzten Zeit möglich zu untersuchen Menschen nach dem Tode mit moralischer wie auch Menschen mit unmoralischer Seelenverfassung, und es stellte sich immer dabei heraus, daß die Menschen mit moralischer Seelenverfassung ein Bewußtsein erhalten nach dem Tode, das hell und klar ist; die Menschen mit unmoralischer Seelenverfassung verfallen in eine Art dunkler Bewußtseinsdämmerung.
[ 9 ] But this influence of the hierarchies, which takes place over time—this bestowal of light—gradually changes. It changes in such a way that we gradually feel how, through the influx of light from the higher hierarchies, our consciousness can gradually be subdued. And then we realize that the preservation of consciousness depends on very specific factors prior to death. For example, consciousness darkens more easily in a person with an immoral state of mind. The most important thing, therefore, is to pass through death with moral strength, for moral consciousness keeps our soul open to the light of the hierarchies. Recently, I have had the opportunity to examine people after death who possessed both a moral and an immoral state of mind, and it consistently turned out that those with a moral state of mind retain a consciousness after death that is bright and clear; those with an immoral state of mind fall into a kind of dark twilight of consciousness.
[ 10 ] Man kann nun freilich fragen: Was schadet das, wenn die Menschen nach dem Tode in eine Art Bewußtseinsschlaf kommen? Dann haben sie nichts zu leiden und entgehen sogar den Folgen ihrer Unmoralität. — Das kann man aber nicht einwenden aus dem Grunde, weil diese Verdunkelung des Bewußtseins verknüpft ist mit ungeheuren Angstzuständen, die sich als Folge der Unmoralität ergeben. Nach dem Tode gibt es keine größeren Angstzustände als diese Verdunkelung des Bewußtseins.
[ 10 ] One might well ask: What harm is there if, after death, people enter a kind of sleep of consciousness? Then they suffer nothing and even escape the consequences of their immorality. — But this cannot be used as an objection, because this darkening of consciousness is linked to immense states of anxiety that result from immorality. After death, there are no greater states of anxiety than this darkening of consciousness.
[ 11 ] Später, wenn eine gewisse Zeit nach dem Tode verflossen ist, macht man wieder andere Erfahrungen: Man vergleicht Menschen verschiedener Art zwischen dem Tode und einer neuen Geburt; für die spätere Zeit nach dem Tode kommen außer den moralischen Seelenverfassungen die religiösen Seelenverfassungen in Betracht, und es stellt sich einfach als eine Tatsache heraus, gegen die man nichts einwenden kann, daß Menschen mit mangelnden religiösen Vorstellungen in einer gewissen Zeit nach dem Tode durch diesen Mangel an religiösen Vorstellungen eine Bewußtseinsverdunkelung erfahren. Man kann sich gar nicht erwehren dieser Impression, die sich bei solchen Untersuchungen der Menschen ergibt, welche nur materialistische Vorstellungen haben, daß sie tatsächlich ihr Bewußtsein bald nach dem Tode erlöschen, verdämmern fühlen. Und es mögen materialistische Weltanschauungen noch so sehr einleuchten, diese Tatsache, die eben gesagt worden ist, ergibt sich eben einmal gegen das dem Menschen Förderliche der materialistischen Anschauungen. Sie sind nun einmal nicht förderlich der menschlichen Entwickelung nach dem Tode.
[ 11 ] Later, once a certain amount of time has passed since death, one has yet other experiences: One compares people of different kinds between death and a new birth; for the period following death, in addition to moral dispositions of the soul, religious dispositions of the soul come into consideration, and it simply turns out to be an undeniable fact that people with a lack of religious concepts experience a darkening of consciousness some time after death due to this lack of religious concepts. One cannot help but be struck by the impression that emerges from such studies of people who hold only materialistic mental images: that they indeed feel their consciousness fading or dimming soon after death. And no matter how plausible materialistic worldviews may seem, this fact, which has just been stated, simply stands in opposition to what is beneficial to humanity in materialistic views. They are simply not conducive to human development after death.
[ 12 ] Damit habe ich sozusagen zwei Zeitepochen geschildert, die für das menschliche Leben nach dem Tode vorhanden sind: die eine Epoche, wo die moralischen, die andere, wo die religiösen Vorstellungen eine Rolle spielen. Dann kommt aber eine dritte, die für jedes menschliche Wesen eine Verdunkelung des Bewußtseins hervorbringen würde, wenn es nicht gewisse Weltmaßnahmen gäbe, welche diese Verdunkelung des Bewußtseins verhindern. Wenn wir nun diese dritte Epoche untersuchen, so müssen wir Rücksicht nehmen auf die Evolution der ganzen Menschheit durch die verschiedenen Entwickelungszyklen hindurch. Durch dasjenige, was sie auf der Erde haben erwerben können, konnten sich die Menschen der vorchristlichen Zeit nichts von dem verschaffen, was ihnen ein Bewußtsein in dieser dritten Epoche nach dem Tode hätte geben können. Daß die Menschen in dieser vorchristlichen Zeit dennoch ein Bewußtsein hatten während dieser dritten Epoche, kam davon her, daß beim Erdbeginn dem Menschen gewisse spirituelle Kräfte gegeben worden waren, die in der Seele eben das Bewußtsein in dieser dritten Epoche nach dem Tode erhalten konnten. Diese Erbstücke, welche die Menschen noch vom Erdbeginne her hatten, wurden aufbewahrt durch die weisen Maßnahmen, die durch die initiierten Führer getroffen worden sind. Wir müssen nämlich durchaus festhalten, daß in den vorchristlichen Zeiten alle verschiedenen Völker der Erde die Einflüsse der Initiationsstätten erhalten haben. Es gab Hunderte von Wegen, auf denen das spirituelle Leben aus den Mysterien in das Volksleben hineinfloß.
[ 12 ] I have thus described, so to speak, two periods that exist for human life after death: one in which moral concepts play a role, and the other in which religious concepts play a role. But then comes a third era, which would bring about a darkening of consciousness for every human being if it were not for certain cosmic measures that prevent this darkening of consciousness. When we now examine this third era, we must take into account the evolution of all humanity through the various cycles of development. Through what they were able to acquire on Earth, the people of the pre-Christian era could not obtain anything that would have given them consciousness in this third epoch after death. The fact that people in this pre-Christian era nevertheless possessed a consciousness during this third epoch stemmed from the fact that, at the dawn of the Earth, certain spiritual powers had been bestowed upon humanity, which were able to preserve precisely this consciousness in the soul during this third epoch after death. These heirlooms, which people still possessed from the dawn of the Earth, were preserved through the wise measures taken by the initiated leaders. For we must certainly note that in pre-Christian times, all the various peoples of the Earth received the influences of the places of initiation. There were hundreds of ways in which spiritual life flowed from the mysteries into the life of the people.
[ 13 ] Diese Impulse wurden immer schwächer und schwächer, je mehr sich die Menschheitsentwickelung in ihren Zyklen dem Mysterium von Golgatha näherte. Ein äußerer Beweis, daß diese Impulse immer schwächer wurden, kann gefunden werden zum Beispiel in dem Auftreten des großen Buddha in der vorchristlichen Zeit. Sie finden, wenn Sie die Lehren des Buddha im Ernst betrachten, nirgends wirkliche Andeutungen über das Wesen der spirituellen Welt. Daher ist dort die Bezeichnung für die geistige Welt in der Nirwanalehre eine wirklich negative. Buddha verlangte zwar, daß derjenige, der in die geistige Welt aufsteigen will, sich frei macht von dem Hängen an der physischen Welt; aber in der ganzen Buddha-Lehre finden Sie keine irgendwie hervortretende Beschreibung der geistigen Welt, wie sie vorher zum Beispiel in der Brahman-Lehre gegeben worden ist, die noch Erbstücke der alten Zeiten aufzuweisen hatte. Immer wiederum muß darauf aufmerksam gemacht werden, daß die Tatsachen, die jetzt angeführt worden sind, zum Ausdruck kommen bei den verschiedenen Völkern bis zu der Zeit, wo die Griechen die Bedeutung des Mysteriums von Golgatha empfunden haben. Weil während der vorangehenden griechischen Periode der Menschheitsentwickelung das Bewußtsein herabgedämmert war zwischen Tod und neuer Geburt, empfand der Grieche, der das wußte, den Aufenthalt in der geistigen Welt nur wie etwas Schattenhaftes. Ihm war die geistige Welt nur eine Schattenwelt. Alle Schönheit, alles Künstlerische, auch harmonische Einrichtungen der äußeren Welt konnte der Mensch sich aus eigenen Kräften geben, aber nicht konnte er sich in der physischen "Welt dasjenige erwerben, was ihm ein Licht gab in der dritten Epoche zwischen Tod und neuer Geburt.
[ 13 ] These impulses grew weaker and weaker as the cycles of human development drew closer to the Mystery of Golgotha. An external proof that these impulses grew ever weaker can be found, for example, in the appearance of the great Buddha in pre-Christian times. If you seriously consider the teachings of the Buddha, you will find nowhere any real hints regarding the nature of the spiritual world. Therefore, the term for the spiritual world in the doctrine of Nirvana is truly negative. Buddha did indeed require that whoever wishes to ascend into the spiritual world free themselves from attachment to the physical world; but in the entire Buddha-teaching you will find no description of the spiritual world that stands out in any way, as was previously given, for example, in the Brahmanic teaching, which still bore the hallmarks of ancient times. It must be pointed out again and again that the facts now cited are reflected among the various peoples up to the time when the Greeks grasped the significance of the Mystery of Golgotha. Because during the preceding Greek period of human development consciousness had dimmed between death and new birth, the Greek who knew this perceived the sojourn in the spiritual world only as something shadowy. To him, the spiritual world was merely a world of shadows. Human beings could provide themselves with all beauty, all artistry, and even harmonious arrangements in the outer world through their own efforts, but they could not acquire in the physical world that which gave them light in the third epoch between death and new birth.
[ 14 ] Das hängt durchaus damit zusammen, daß mit der griechischen Zeit herangekommen war derjenige Menschheitszyklus, wo das alte spirituelle Erbe abgedämmert war und der Mensch durch eigene Kräfte sich das in der physischen Welt nicht erwerben konnte, was ihm hätte bleiben können nach dem Tode, damit er mit dem geschilderten Bewußtsein hätte hineinkommen können in die geistige Welt. Daher mußte in der Weltentwickelung gerade in diesem Zeitpunkte sich etwas ganz Besonderes vollziehen: Es mußte an den Menschen von außen her der Impuls herantreten, der ihm Bewußtsein gab in diesem Zeitraum nach dem Tode, von dem wir eben gesprochen haben. Die Menschen hatten die eigene Fähigkeit verloren, in der Mitte zwischen Tod und neuer Geburt Bewußtsein zu haben aus alten Erbstücken heraus. Sie konnten die Kraft des Bewußtseins wieder gewinnen, hinblickend auf das, was im Mysterium von Golgatha geschehen ist. Es ist die Sache durchaus so, daß dasjenige, was in der griechischen Periode hat erfahren werden können durch das Mysterium von Golgatha, dem Menschen in dem entsprechenden Zeitpunkt zwischen Tod und neuer Geburt das Bewußtsein aufgehellt hat. Das Verständnis des Mysteriums von Golgatha ist der Impuls für das Bewußtsein in dem dritten Zeitraum nach dem Tode.
[ 14 ] This is certainly connected with the fact that, with the Greek era, the cycle of human history had arrived in which the old spiritual heritage had faded away, and human beings, through their own powers, could not acquire in the physical world what might have remained to them after death, so that they could have entered the spiritual world with the consciousness described. Therefore, at precisely this point in the world’s development, something quite special had to take place: an impulse had to come to humanity from outside, giving it the consciousness in the period after death of which we have just spoken. Human beings had lost their own ability to possess consciousness in the interval between death and new birth through inherited legacies. They were able to regain the power of consciousness by looking to what took place in the Mystery of Golgotha. It is certainly the case that what could be experienced in the Greek period through the Mystery of Golgotha illuminated consciousness for human beings at the corresponding point in time between death and new birth. Understanding the Mystery of Golgotha is the impulse for consciousness in the third period after death.
[ 15 ] Blicken wir also auf diesen Zeitpunkt der sogenannten griechisch-lateinischen Epoche der Menschheitsentwickelung, so können wir sagen: Für die erste Periode nach dem Tode ist die moralische Verfassung der Seele das Maßgebende; für die zweite ist die religiöse Verfassung der Seele das Maßgebende; für die dritte aber war das Maßgebende das Verständnis für das Mysterium von Golgatha. Wer das nicht hatte, dem erlosch in der dritten Epoche nach dem Tode das Bewußtsein, geradeso, wie es vorher den Griechen gefehlt hat. Es bedeutet das Mysterium von Golgatha in der Tat die Belebung des menschlichen Bewußtseins gerade in der mittleren Zeit zwischen dem Tode und der neuen Geburt. Was die Menschen an altem spirituellem Erbgut verloren hatten, wurde ihnen durch dieses Ereignis wieder gegeben. — So wurde das Eintreten des ChristusEreignisses notwendig aus den menschlichen Voraussetzungen und Lebensverhältnissen heraus. Im weiteren Fortgang wurden die Menschen mit immer neuen Fähigkeiten ausgestattet. In der ersten Zeit der christlichen Entwickelung war es im wesentlichen die reale Anknüpfung an das Mysterium von Golgatha, wie es überliefert wurde von denen, die es miterlebt hatten und die fortgepflanzt haben, was sich ergab als die Kraft des Bewußtseins in der dritten Epoche nach dem Tode, wie ich es geschildert habe. Mit der weiteren Entwickelung der menschlichen Fähigkeiten wird aber heute wiederum ein neues Verhältnis zu dem Mysterium von Golgatha und zu dem Christus notwendig.
[ 15 ] If we look at this point in the so-called Greco-Latin epoch of human development, we can say: For the first period after death, the moral constitution of the soul is the determining factor; for the second, the religious constitution of the soul is the determining factor; but for the third, the determining factor was an understanding of the Mystery of Golgotha. For those who lacked this, consciousness ceased in the third epoch after death, just as it had previously been lacking among the Greeks. The Mystery of Golgotha does indeed signify the revitalization of human consciousness precisely in the middle period between death and the new birth. What humanity had lost of its ancient spiritual heritage was restored to them through this event. — Thus, the advent of the Christ event became necessary out of human conditions and circumstances. As things progressed, people were endowed with ever-new abilities. In the early period of Christian development, it was essentially the real connection to the Mystery of Golgotha, as it was handed down by those who had witnessed it and who passed on what emerged as the power of consciousness in the third epoch after death, as I have described. With the further development of human abilities, however, a new relationship to the Mystery of Golgotha and to the Christ is once again necessary today.
[ 16 ] Wenn man das tiefste Wesen der Menschenseele namentlich in unserer gegenwärtigen Zeit erfassen will, so muß man sagen: Dieses tiefste Wesen besteht darin, daß der Mensch heute vordringen kann zu einer gewissen Kenntnis seines Ich. Ein solches Herantreten an das Ich, wie es heute möglich ist, war in früheren Zeiten nicht möglich. Bei den Menschen der äußeren Welt macht sich dieses Herantreten an das Ich in der Form des krassesten Egoismus geltend, dann finden sich alle möglichen Abstufungen bis zu jener, die wir die Stufe der Philosophen nennen können. Wenn Sie die heutigen Philosophen studieren, werden Sie finden, daß sie einen gewissen Ruhepunkt doch nur haben, wenn sie auf das menschliche Ich zu sprechen kommen. Wenn in der vorchristlichen Zeit der Mensch versuchte, die Welt zu erkennen, so ging er an die äußere Erscheinung, die an ihn herantreten konnte, heran; das heißt, er ging aus sich heraus, wenn er philosophieren wollte. Heute gehen die Menschen in sich hinein und finden einen festen Punkt nur, wenn sie an das Ich herankommen. Ich will als Beispiel hier nur anführen den großen Philosophen Fichte und den Gegenwartsphilosophen Bergson und erwähnen, daß eine gewisse Ruhe an diese Menschen erst dann herankommt, wenn sie das menschliche Ich finden. Suchen wir den Grund dieser Erscheinung, so kommen wir darauf, daß die Menschen früher zu einer Ich-Erkenntnis aus sich selbst heraus nicht kommen konnten. Gegeben wurde sie in der griechisch-lateinischen Zeit durch das Ereignis von Golgatha. Der Christus gab den Menschen die Gewißheit, daß in der Seele ein Funken des Göttlichen lebt. Er lebt weiter im Menschen, der nicht nur Fleisch geworden ist in einem physischen Sinn, sondern der Fleisch geworden ist im christlichen Sinne. Und das bedeutet: ein Ich geworden sein. Diese Möglichkeit, das Göttliche in einem menschlichen Individuum zu schauen, nämlich in dem Christus, die wird dem Menschen von heute auf dem physischen Plan dadurch immer mehr verdunkelt, daß er immer mehr in sein persönliches Ich hineindringt. Es wird die Fähigkeit, den Christus zu schauen, dadurch verdunkelt, daß der Mensch diesen Funken in sich selbst sucht. Und wir haben ja erlebt, daß im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts diese Anschauung von dem Ich sich dazu verdichtet hat, daß die Christus-Gestalt entgottet worden ist und das Göttliche als das Abstrakte aufgefaßt wird, das sich in der ganzen Menschheit ausdrückt. Es machte zum Beispiel der deutsche Philosoph David Friedrich Strauß geltend, daß man nicht hinblicken sollte auf einen einzelnen historischen Christus, sondern auf dasjenige, was sich als Göttliches durch die ganze Menschheit hindurchzieht, daß zum Beispiel die Auferstehungsszene nichts anderes sei als das, was sich in der ganzen Menschheit offenbare: die Auferstehung des göttlichen Geistes in der ganzen Menschheit.
[ 16 ] If one wishes to grasp the deepest essence of the human soul, particularly in our present age, one must say: This deepest essence consists in the fact that human beings today are able to attain a certain knowledge of their ego. Such an approach to the ego, as is possible today, was not possible in earlier times. Among people in the outer world, this approach to the ego manifests itself in the form of the most blatant egoism; then one finds all manner of gradations up to that which we might call the level of the philosophers. If you study today’s philosophers, you will find that they have a certain point of rest only when they come to speak of the human ego. In pre-Christian times, when people sought to understand the world, they turned to the external phenomena that presented themselves to them; that is, they turned outward when they wished to philosophize. Today, people turn inward and find a firm point of reference only when they approach the “I.” I will cite here as an example only the great philosopher Fichte and the contemporary philosopher Bergson, and mention that a certain peace comes to these people only when they find the human ego. If we seek the reason for this phenomenon, we come to the conclusion that people in the past could not arrive at a knowledge of the ego from within themselves. It was given in the Greco-Roman era through the event of Golgotha. Christ gave people the certainty that a spark of the divine lives in the soul. It lives on in the human being who has not only become flesh in a physical sense, but who has become flesh in the Christian sense. And that means: to have become an “I.” This ability to perceive the divine in a human individual—namely, in Christ—is increasingly obscured for people today on the physical plane because they are delving ever deeper into their personal “I.” The ability to see the Christ is obscured by the fact that human beings seek this spark within themselves. And we have indeed witnessed that, in the course of the nineteenth century, this view of the “I” has solidified to the point where the figure of the Christ has been de-divinized and the divine is conceived as the abstract that expresses itself throughout all of humanity. The German philosopher David Friedrich Strauss, for example, argued that one should not look to a single historical Christ, but rather to that which runs through all of humanity as the divine; that, for example, the Resurrection scene is nothing other than what is revealed in all of humanity: the Resurrection of the divine spirit in all of humanity.
[ 17 ] Aus diesem Grunde ist es, daß ein tieferes Verständnis für das Mysterium von Golgatha immer mehr verloren wird, je mehr die Menschen in sich selbst das Göttliche suchen. Die ganze Tendenz des modernen Denkens geht dahin, das Göttliche nur in dem Menschen selbst zu reflektieren. Dadurch wird immer mehr die Unmöglichkeit geschaffen zu erkennen, daß das Göttliche in einer Persönlichkeit verkörpert war.
[ 17 ] This is why a deeper understanding of the mystery of Golgotha is increasingly lost the more people seek the divine within themselves. The entire tendency of modern thinking is to reflect the divine solely within the human being. This makes it increasingly impossible to recognize that the divine was embodied in a personality.
[ 18 ] Für das Leben zwischen dem Tode und der neuen Geburt hat dieses eine ganz ungeheuer reale Folge. War es schon während der griechisch-lateinischen Zeit so, daß der Mensch sich durch seine eigenen Kräfte das Bewußtsein nicht aufrechterhalten konnte in der dritten Epoche nach dem Tode, so wird das noch viel schwieriger sein in unserer Zeit durch den allgemein menschlichen und auch durch den philosophischen Egoismus. In unserer Zeit schafft sich der Mensch in seine vorhin charakterisierte Visionswolke, in seine Nebelwolke in der dritten Epoche zwischen Tod und neuer Geburt noch mehr Hindernisse hinein als in der griechisch-lateinischen Zeit.
[ 18 ] This has an incredibly real consequence for life between death and rebirth. If it was already the case during the Greco-Roman era that human beings could not sustain consciousness through their own powers in the third epoch after death, this will be even more difficult in our time due to general human and also philosophical egoism. In our time, human beings create even more obstacles for themselves within the cloud of visions—the cloud of mist—in the third epoch between death and rebirth than they did in the Greco-Roman era.
[ 19 ] Wenn man ungeschminkt die Entwickelung der Menschheit in der letzten Zeit ansieht, so muß man sagen: Paulus hat das Wort gesprochen: «Nicht ich, sondern der Christus in mir.» Der heutige Mensch sagt: Ich in mir, und der Christus so weit, als ich ihn zugeben kann. — Der Christus soll nur so weit gelten, als er durch die Ich-Vernunft, durch den Ich-Verstand zugegeben werden kann. Nun gibt es nur ein Mittel in unserem gegenwärtigen Zeitalter, das Bewußtsein in der geistigen Welt während der dritten Periode nach dem Tode wirklich hell und aufrecht zu erhalten, das ist: daß wir uns aus dem gegenwärtigen Leben ein gewisses Gedächtnis, eine gewisse Erinnerung nach dem Tode erhalten. Wir müßten nämlich während dieser Periode alles vergessen, was wir auf der Erde erlebt haben, wenn wir nicht an ein ganz Bestimmtes uns erinnern können: Haben wir auf unserer Erde ein Verständnis erlebt und ein Verhältnis gefunden zu dem Christus und dem Mysterium von Golgatha, so pflanzt das in uns hinein Gedanken und Kräfte, die uns das Bewußtsein aufrechterhalten in dieser Zeit nach dem Tode. — Die Tatsachen zeigen also, daß es die Möglichkeit gibt, in dem bezeichneten Zeitpunkte nach dem Tode sich zu erinnern an das, was man hier gelernt und verstanden hat über das Mysterium von Golgatha. Wenn wir uns solche Vorstellungen, Gefühle und Empfindungen erworben haben, die anknüpfen an das Mysterium von Golgatha, dann können wir uns nach dem Tode an diese Empfindungen erinnern und auch an das andere, was sich an solche Empfindungen, Gefühle und Vorstellungen anknüpft. Das heißt: Unser Bewußtsein muß dadurch, daß wir auf der Erde ein Verständnis erwerben für das Mysterium von Golgatha, nach dem Tode über einen gewissen Abgrund hinweggeführt werden. Wenn wir dieses Verständnis uns erworben haben, dann werden wir von dem betreffenden Zeitpunkte an in dieser dritten Periode mitwirken können, aus unserer Erinnerung heraus auszubessern die Fehler, die wir in unserer Seele aus unserem Karma heraus haben. Wenn wir uns aber kein Verständnis von dem Christus und dem Mysterium von Golgatha erworben haben, kein Verständnis von der ganzen Tiefe des Ausspruches: «Nicht ich, sondern Christus in mir», dann erlischt in uns das Bewußtsein und damit die Möglichkeit, unser Karma auszubessern, und es muß übernommen werden von anderen Mächten die Arbeit an unseren Fehlern, die wir aus unserem Karma nun zu verbessern haben.
[ 19 ] If one looks unflinchingly at the development of humanity in recent times, one must say: Paul spoke the words, “Not I, but Christ in me.” People today say: I in me, and Christ only to the extent that I can acknowledge him. — Christ is to be accepted only to the extent that He can be acknowledged by the ego-reason, by the ego-intellect. Now there is only one means in our present age to truly keep consciousness in the spiritual world bright and upright during the third period after death, and that is: that we retain a certain memory, a certain recollection from our present life after death. For during this period we would have to forget everything we have experienced on Earth if we could not remember one very specific thing: if we have experienced an understanding on our Earth and found a relationship to Christ and the Mystery of Golgotha, this plants within us thoughts and forces that sustain our consciousness during this time after death. — The facts thus show that it is possible, at the specified point in time after death, to remember what one has learned and understood here about the Mystery of Golgotha. If we have acquired such mental images, feelings, and sensations that connect to the Mystery of Golgotha, then after death we can remember these sensations and also the other things connected to such mental images, feelings, and sensations. This means: By acquiring an understanding of the Mystery of Golgotha on earth, our consciousness must be led across a certain abyss after death. If we have acquired this understanding, then from that point onward in this third period we will be able to participate in correcting, from our memory, the errors we have in our soul arising from our karma. But if we have not acquired an understanding of Christ and the Mystery of Golgotha, no understanding of the full depth of the saying: “Not I, but Christ in me,” then consciousness within us fades away, and with it the possibility of correcting our karma; and the work on our faults—which we now have to correct from our karma—must be taken over by other powers.
[ 20 ] Natürlich kommt jeder Mensch durch eine neue Geburt ins Dasein, aber es ist wesentlich, ob das Bewußtsein abgerissen ist oder ob es sich über diese Kluft hinüber erhalten hat. Wenn wir mit einer Erkenntnis des Mysteriums von Golgatha an diesem Zeitpunkt nach dem Tode ankommen, dann können wir zurückschauen und uns erinnern, daß wir mit allem Menschlichen aus dem Göttlichen kommen. Dann empfinden wir aber auch, daß wir unser Bewußtsein herüberretten dadurch, daß wir eine Erkenntnis des Mysteriums von Golgatha gewonnen haben, und wir bauen das Bewußtsein weiter aus, indem wir diesen Geist, der an uns herankommt, sehen können. Wenn wir uns hier ein Verständnis für das Mysterium von Golgatha erworben haben, dann kommen wir an den Zeitpunkt jener dritten Periode nach dem Tode so, daß wir uns erinnern können und daß wir sagen können: Wir sind aus dem Geiste geboren — ex Deo nascimur. Und ich kann Ihnen sagen: Niemals vernimmt derjenige, der bis zu irgendeinem Grade der Initiation vorgedrungen ist,die Wahrheit der Worte: « Aus dem göttlichen Geiste bin ich geboren» so stark, wie wenn er sich versetzt in den Zeitpunkt, der eben charakterisiert wurde. In diesem Augenblick sagt es sich jede Seele, die durch das Mysterium von Golgatha verstehend hindurch gedrungen ist. Und man empfindet erst die Bedeutsamkeit dieses Ausspruches: Ex Deo nascimur, wenn man weiß, daß er in seiner tiefsten Bedeutung, auf seinem höchsten Gipfel empfunden werden kann in dem Zeitpunkt, an den der Mensch in der Mitte zwischen dem Tode und einer neuen Geburt gelangen wird.
[ 20 ] Of course, every human being comes into existence through a new birth, but what is essential is whether consciousness has been severed or whether it has been preserved across this chasm. If we arrive at this point after death with an understanding of the Mystery of Golgotha, then we can look back and remember that we come from the Divine with all that is human. But then we also feel that we have carried our consciousness over by having gained an understanding of the Mystery of Golgotha, and we continue to develop our consciousness by being able to see this Spirit that approaches us. Once we have gained an understanding of the Mystery of Golgotha here, we arrive at the moment of that third period after death in such a way that we can remember and say: We are born of the Spirit — ex Deo nascimur. And I can tell you: Never does one who has advanced to any degree of initiation perceive the truth of the words: ‘I am born of the divine Spirit’ as strongly as when he places himself in the moment just described. At that moment, every soul that has penetrated through the Mystery of Golgotha with understanding says this to itself. And one only truly grasps the significance of this saying: Ex Deo nascimur, when one knows that it can be felt in its deepest meaning, at its highest peak, at the moment when the human being arrives at the midpoint between death and a new birth.
[ 21 ] Und man möchte, wenn man diese Tatsachen objektiv erkennt, unserem Zeitalter wünschen, daß immer mehr und mehr Menschen dazu kommen zu verstehen, wie im Grunde dieser eben genannte Ausspruch in seiner höchsten Würde heute nur erkannt werden kann in der Weise, die eben geschildert worden ist. Und wenn durch die rosenkreuzerische spirituelle Bewegung dieser Ausspruch zu einer Art Leitspruch in unserem Kreise gemacht worden ist, so ist es getan, um den Seelen Anregung zu geben für das, was in diesen Seelen leben soll zwischen Tod und neuer Geburt.
[ 21 ] And when one objectively recognizes these facts, one might wish for our age that more and more people come to understand how, fundamentally, the saying just mentioned can be recognized today in its highest dignity only in the manner that has just been described. And if, through the Rosicrucian spiritual movement, this saying has been made a kind of motto in our circle, it is done so as to inspire the souls toward what should live within them between death and new birth.
[ 22 ] Es ist leicht, meine lieben Freunde, solch eine Ausführung wie diejenige, die eben gemacht worden ist, als eine Voreingenommenheit für die christliche Lebensanschauung zu nehmen. Würde in diesem Sinne ein solches Vorurteil für das christliche Religionsbekenntnis vorhanden sein, so wäre das wirklich untheosophisch. Auf dem Boden der Geisteswissenschaft stehen wir objektiv den Religionen gegenüber und studieren sie mit vollständig gleicher Sympathie. Und die Tatsache, die eben jetzt vom Mysterium von Golgatha geltend gemacht worden ist, hat mit irgendeinem konfessionellen Christus nichts zu tun, sondern ist eine objektive okkulte Tatsache. Man hat zwar den Vorwurf gemacht, daß innerhalb unserer abendländischen spirituellen Bewegung solche Dinge, wie sie eben gesagt worden sind, aus einer gewissen Voreingenommenheit für das Christentum gegenüber den anderen Religionen entsprungen seien. Allein die Stellung, die dem Mysterium von Golgatha hier gegeben wird, wird ihm in demselben Sinne gegeben wie in der äußeren Wissenschaft irgendeiner zu konstatierenden Tatsache. Und wenn gesagt wird, man dürfe nicht das Mysterium von Golgatha in seiner Einzigartigkeit für die Menschheitsentwickelung hinstellen, weil andere Religionen dieses nicht so anerkennen können, so ist das aus folgenden Gründen ein absolutes Mißverständnis. Denn nehmen wir einmal die Tatsache, daß wir Religionsbücher der alten indischen Religion haben und daß wir eine abendländische Weltanschauung haben. Wir lehren heute die Kopernikanische Weltanschauung im Abendlande. Niemand wird den Vorwurf machen, daß man diese Kopernikanische Weltanschauung nicht lehren dürfe, weil sie in den alten indischen Religionsbüchern nicht enthalten ist. Wie niemand verbieten kann, diese Weltanschauung zu lehren, weil sie nicht in den alten indischen Religionsbüchern steht, so kann auch niemand verwehren, die Tatsache von dem Mysterium von Golgatha zu lehren aus dem Grunde, weil sie nicht in den Religionsbüchern der alten Inder enthalten ist.
[ 22 ] It is easy, my dear friends, to interpret a statement such as the one just made as a bias in favor of the Christian worldview. If such a prejudice in favor of the Christian creed were present in this sense, it would indeed be un-theosophical. On the basis of Spiritual Science, we approach religions objectively and study them with completely equal sympathy. And the fact that has just been asserted regarding the Mystery of Golgotha has nothing to do with any denominational Christ, but is an objective occult fact. It has indeed been alleged that within our Western spiritual movement, such things as have just been said have arisen from a certain bias toward Christianity over other religions. Yet the position accorded to the Mystery of Golgotha here is granted to it in the same sense as any verifiable fact is in external science. And when it is said that one should not present the Mystery of Golgotha in its uniqueness for human development because other religions cannot recognize it in this way, this is an absolute misunderstanding for the following reasons. For let us take the fact that we have religious texts of the ancient Indian religion and that we have a Western worldview. Today we teach the Copernican worldview in the West. No one will make the accusation that this Copernican worldview should not be taught because it is not contained in the ancient Indian religious texts. Just as no one can forbid the teaching of this worldview because it is not found in the ancient Indian religious texts, so too can no one forbid the teaching of the fact of the Mystery of Golgotha on the grounds that it is not contained in the religious texts of the ancient Indians.
[ 23 ] Daraus sollen Sie nur ersehen, wie unbegründet der Vorwurf ist, die Charakterisierung des Mysteriums von Golgatha, wie sie hier gegeben ist, entspringe einer Vorliebe für das Christentum. Sie entspricht nur der Festsetzung einer objektiven Tatsache. Und wenn Sie mich fragen, warum ich niemals einen Schritt zurückweichen werde in bezug auf die Betonung dieser Tatsache des Mysteriums von Golgatha, so kann Ihnen gerade die heutige Auseinandersetzung eine Antwort darauf geben.
[ 23 ] This should suffice to show you how unfounded the accusation is that the characterization of the Mystery of Golgotha, as presented here, stems from a preference for Christianity. It merely reflects the statement of an objective fact. And if you ask me why I will never back down from emphasizing this fact of the Mystery of Golgotha, today’s discussion can provide you with an answer.
[ 24 ] Wir treiben Geisteswissenschaft nicht aus Neugierde oder auch nur aus abstraktem Wissensdrang, sondern wir treiben sie aus dem Grunde, um mit ihr der Seele eine notwendige Nahrung zu geben. Und mit der Erkenntnis des Mysteriums von Golgatha geben wir der menschlichen Seele die Möglichkeit, in sich diejenige Empfindung und Gefühlsstimmung auszubilden, die sie notwendig braucht, um über den geschilderten Abgrund zwischen Tod und neuer Geburt hinwegzukommen. ‘Wer einsieht, daß die Seele zwischen Tod und neuer Geburt den für alle Menschenzukunft so schwer zu tragenden Verlust des Bewußtseins in der angegebenen dritten Epoche zu erleiden hätte, der möchte bei jeder Gelegenheit das Geheimnis von Golgatha der Menschheit nahelegen.
[ 24 ] We do not pursue Spiritual Science out of curiosity or merely out of an abstract thirst for knowledge, but rather we pursue it in order to provide the soul with the nourishment it needs. And through the knowledge of the Mystery of Golgotha, we give the human soul the opportunity to develop within itself the inner feeling and emotional disposition it needs to cross the abyss described between death and new birth. ‘Whoever realizes that between death and new birth the soul would have to suffer the loss of consciousness—so difficult to bear for all humanity’s future—in the third epoch described, should take every opportunity to bring the Mystery of Golgotha to humanity’s attention.
[ 25 ] Und aus diesem Grunde gehört zu den wichtigen Dingen, die wir auf geisteswissenschaftlichem Felde verstehen lernen sollen, gerade das Verständnis dieses Mysteriums von Golgatha.
[ 25 ] And for this reason, one of the most important things we must learn to understand in the field of Spiritual Science is precisely the mystery of Golgotha.
[ 26 ] Je mehr wir fortschreiten werden in unserem Zeitalter, desto mehr werden die verschiedenen Religionen der Welt gedrängt werden, anzunehmen die Tatsache, die gerade heute besprochen worden ist. Eine Zeit wird kommen, wo derjenige, der Anhänger der chinesischen, der buddhistischen, der brahmanischen Religion ist, es ebensowenig gegen seine Religion finden wird, das Mysterium von Golgatha anzunehmen, wie er es gegen seine Religion findet, anzunehmen das Kopernikanische Weltensystem. Und es wird angesehen werden als eine Art von religiösem Egoismus, wenn man sich in den außerchristlichen Religionen wehren wird, diese Tatsache anzunehmen.
[ 26 ] The further we advance in our age, the more the various religions of the world will be compelled to accept the fact that has just been discussed today. A time will come when those who follow the Chinese, Buddhist, or Brahmanic religions will find it no more contrary to their religion to accept the mystery of Golgotha than they find it contrary to their religion to accept the Copernican system of the world. And it will be regarded as a kind of religious egotism if adherents of non-Christian religions resist accepting this fact.
[ 27 ] Sie sehen, meine lieben Freunde, wir sind bei dem Mysterium von Golgatha angekommen, indem wir die Bedingungen zwischen Tod und neuer Geburt betrachten wollten. Man kann in einer einzelnen Vortragsstunde immer nur Andeutungen geben über ein solches Gebiet wie dasjenige, das wir heute betreten wollten. Aber ich wollte Sie wenigstens hinweisen auf einige Ergebnisse, die sich mir erschlossen haben durch meine neuesten Untersuchungen.
[ 27 ] As you can see, my dear friends, we have arrived at the Mystery of Golgotha by seeking to examine the conditions between death and new birth. In a single lecture, one can only ever offer hints about a field such as the one we have sought to enter today. But I wanted at least to point out to you some findings that have become clear to me through my most recent research.
[ 28 ] Da der nächste Vortrag zusammenhängen wird mit dem heutigen, so werden wir wahrscheinlich eine kurze Rückschau des Gesagten anschließen können und dann zu den in Aussicht genommenen weiteren Ausführungen übergehen.
[ 28 ] Since the next lecture will be related to today’s, we will likely be able to briefly review what has been said and then move on to the further remarks we have planned.
