Occult Studies on Life Between Death and Rebirth
GA 140
27 October 1912, Milan
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Occult Studies on Life Between Death and Rebirth, tr. SOL
2. Untersuchungen über das Leben zwischen Tod und neuer Geburt II
2. Studies on Life Between Death and Rebirth II
[ 1 ] Unsere Besprechung hat uns bis zu dem Zeitpunkt geführt, wo das Bewußtsein der Gestorbenen nur noch durch die Erinnerung an das Mysterium von Golgatha aufrechterhalten wird. Alles Leben war bis zu diesem Momente Erinnerungsleben an die Erdenzeit, nicht durch die Sinne, sondern durch Visionen vermittelt. Auch die Realitäten der geistigen Welt können in diesem Zeitpunkt nur durch Visionen wahrgenommen werden.
[ 1 ] Our discussion has led us to the point where the consciousness of the deceased is sustained solely by the memory of the Mystery of Golgotha. Up to this point, all life has been a life of remembrance of the earthly existence, conveyed not through the senses but through visions. Even the realities of the spiritual world can be perceived at this point only through visions.
[ 2 ] Allmählich wird es für die Seelen immer schwieriger, die Erinnerungen an die Erdenzeit zu bewahren; ein Vergessen alles Erlebten breitet sich immer mehr aus. Begegnet man zum Beispiel in dieser Zeit zwischen dem Tode und der neuen Geburt einem früher bekannten Menschen, so erkennt man ihn zunächst leicht, allmählich aber immer schwerer; später kann man sich nur noch an die Beziehung zu ihm erinnern, wenn man an das Mysterium von Golgatha anknüpft. Je mehr man von diesem durchdrungen ist, desto leichter erkennt man seine Umgebung wieder. Ist aber dieser Zeitpunkt erreicht, in welchem wir die Erinnerung an das Mysterium von Golgatha nötig haben, um unser Gedächtnis bewahren zu können, dann setzt wiederum eine große Veränderung ein. Wir sind dann nämlich nicht mehr imstande, die Visionen von vorher in uns zu erhalten. Wir können bis dahin zum Beispiel von astralen Farberscheinungen sprechen, wir können in der Welt, in der wir bis zu diesem Zeitpunkt leben, davon sprechen, daß wir astralische Farben sehen; wir können davon sprechen, daß wir auch in visionären Nachbildungen die Wesen um uns sehen. In diesem Zeitpunkt aber, der, wie gesagt, in der Mitte liegt zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, fallen die Visionen und die Erinnerungen gleichsam wie Schuppen von uns ab; wir verlieren das Verhältnis zu ihnen, sie lösen sich vollständig von unserem Wesen. Um diesen Zeitpunkt nun genauer zu charakterisieren, ist es gut, etwas heranzuziehen, was sich vielleicht für das erste Verständnis schockierend ausnimmt.
[ 2 ] Gradually, it becomes increasingly difficult for souls to retain memories of their time on Earth; a forgetting of all that has been experienced spreads ever more widely. If, for example, one encounters a person once known during this time between death and rebirth, one recognizes them easily at first, but gradually with increasing difficulty; later, one can only recall the relationship with them by connecting to the Mystery of Golgotha. The more one is imbued with this, the easier it is to recognize one’s surroundings. But once this point is reached, where we need the memory of the Mystery of Golgotha to preserve our recollection, a great change begins again. For then we are no longer able to retain the visions of before within us. Up to that point, for example, we can speak of astral color phenomena; in the world in which we live up to that point, we can speak of seeing astral colors; we can speak of seeing the beings around us even in visionary reproductions. At this moment, however—which, as I said, lies midway between death and a new birth—the visions and memories fall away from us, as it were, like scales; we lose our connection to them; they detach themselves completely from our being. To characterize this moment more precisely, it is helpful to draw upon something that may seem shocking at first glance.
[ 3 ] Man fühlt in diesem Zeitpunkt sich der Erde entrückt, die Erde gewissermaßen unter sich, weit fort, und fühlt, daß man in dem Hineinleben in die Geisteswelt in der Sonne angekommen ist. Denn so, wie man sich im Erdenleben mit der Erde vereinigt gefühlt hat, so fühlt man sich nun mit der Sonne und ihrem ganzen Planetensystem vereinigt. Und deshalb wird in unserem modernen Okkultismus ein so großer Wert darauf gelegt, daß verstanden werde, wie Christus als Sonnenwesen zu uns gekommen ist, weil notwendig ist, zu verstehen, wie er uns durch das Mysterium von Golgatha zur Sonne geleitet. Es wird uns durch den Okkultismus gezeigt, daß der Christus ein Sonnenwesen ist, das uns wieder zurück zur Sonne führt. Und nun kommt das Schockierende: Wie es notwendig ist, unser Verhältnis zum Christus zu verstehen, so muß nun aber auch ein anderes verstanden werden. Jetzt beginnt die Zeit, wo man, als ein reales Wesen sich gegenüberstehend, dasjenige kennenlernt, was man immer bezeichnet hat als Luzifer. Wenn man sich jetzt in der Sonne fühlt, dann fühlt man sich nicht in strömendem physischem Lichte, sondern man fühlt sich in rein geistigem Lichte. Und von diesem Zeitpunkt an empfindet man Luzifer wie ein Wesen, das jetzt nicht mehr gegnerisch ist wie früher, sondern man empfindet ihn immer mehr als ein in der Welt durchaus berechtigtes Wesen. Man fühlt jetzt die Notwendigkeit, im weiteren Verlauf des Lebens nach dem Tode Luzifer und das Christuswesen wie zwei nebeneinander gleichberechtigte Mächte anzusehen. So sonderbar diese Gleichbedeutendheit von Christus und Luzifer klingen mag, man gelangt eben dazu, von dem bezeichneten Zeitpunkte an sie einzusehen; wie eine Art von Brüdern beide Mächte anzusehen. Wie das zu erklären ist, das geht aus dem hervor, was man noch im weiteren Verlauf des Lebens nach dem Tode durchmacht.
[ 3 ] At this moment, one feels detached from the Earth, the Earth, as it were, far below and far away, and feels that, through living into the spiritual world, one has arrived at the Sun. For just as one felt united with the Earth in earthly life, so one now feels united with the Sun and its entire planetary system. And that is why our modern occultism places such great emphasis on understanding how Christ came to us as a solar being, because it is necessary to understand how he leads us to the Sun through the Mystery of Golgotha. Occultism shows us that Christ is a solar being who leads us back to the Sun. And now comes the shocking part: just as it is necessary to understand our relationship to Christ, so too must another be understood. Now begins the time when, facing a real being, one comes to know that which has always been called Lucifer. When one now feels oneself in the sun, one does not feel oneself in streaming physical light, but rather in purely spiritual light. And from this point on, one perceives Lucifer as a being who is no longer hostile as before, but rather one increasingly perceives him as a being who is entirely justified in the world. One now feels the necessity, in the further course of life after death, to regard Lucifer and the Christ being as two powers standing side by side on equal terms. As strange as this equivalence of Christ and Lucifer may sound, one comes to understand it from the point in time described; to view both powers as a kind of brothers. How this is to be explained becomes clear from what one experiences in the further course of life after death.
[ 4 ] Wenn Sie die Schilderung nehmen, die von mir oftmals gegeben worden ist als Schilderung des Lebens von Saturn, Sonne und Mond, dann haben Sie darin den Verlauf des Weges, den man tatsächlich nach dem Tode geistig durchlebt. Merkwürdig ist nur, daß man nicht in der Reihenfolge des kosmischen Entstehens die Sache erlebt: Saturn, Sonne, Mond, sondern zuerst das Mondensein erlebt, dann das Sonnen- und zuletzt das Saturndasein. Wenn Sie alles das, was von mir als solche Schilderung in der «Akasha-Chronik» gegeben worden ist, durchlesen und vom Monde weiter zurückgehen, so haben Sie die Welt, welche die Seele erlebt auf dem Wege, den sie zurücklegt nach dem Tode. Und es fällt einem dann auf, daß, wenn man diese Dinge gleichsam aus der geistigen Welt heraus schaut, man etwas hat wie eine Erinnerung an das Leben im vorgeburtlichen Dasein. Noch viel bedeutsamer aber ist sozusagen das moralische Element des weiteren Lebens in dieser Welt, die eben jetzt charakterisiert worden ist. Wie in der «Akasha-Chronik» geschildert worden ist, verliert man allmählich das Interesse, das man früher, bis zu diesem Zeitpunkt hin, sehr stark gehabt hat für das auf Erden zu Erlebende. Es schwindet das Interesse für die einzelnen Menschen, mit denen man Zusammenhänge gehabt hat; es schwinden die Interessen für die einzelnen Dinge. Man weiß, daß die Erinnerungen, die man jetzt behält, niemand anders weiterträgt als der Christus: der Christus begleitet einen, und infolgedessen kann man die Erinnerung haben. Würde einen der Christus nicht begleiten, so würde die Erinnerung an das Erdenleben schwinden; denn dasjenige, was uns über den geschilderten Zeitpunkt hinaus mit der Erde verbindet, ist tatsächlich das Erlebnis, daß wir uns dem Christus verbunden haben. Durch unser neues Leben dann in der geistigen Welt gewinnen wir ein ganz neues Interesse für Luzifer und seine Welt. Wir finden dann nämlich, daß jetzt, wo wir frei geworden sind von den Erdeninteressen, wir ganz ohne Schaden Luzifer gegenübertreten können. Und wir machen die merkwürdige Entdeckung, daß Luzifer auf uns nur dann schädlich wirkt, wenn wir selber im Irdischen befangen sind. Jetzt erscheint er uns geradezu als das Wesen, welches uns dasjenige erklären kann, was wir weiter in der Welt des Geistes zu durchleben haben, und eine längere Zeit verweilen wir in dem Erlebnis, uns das zu erobern, was uns Luzifer in diesen Weiten der geistigen Welt dann geben kann.
[ 4 ] If you take the description I have often given of the lives of Saturn, the Sun, and the Moon, you will find in it the course of the path that one actually experiences spiritually after death. The only curious thing is that one does not experience these things in the order of their cosmic origin: Saturn, Sun, Moon, but rather first experiences the lunar state, then the solar, and finally the Saturnian state. If you read through everything I have described in this way in the *Akasha Chronicle* and go back from the Moon, you will find the world that the soul experiences on the path it travels after death. And one then notices that, when one looks at these things, as it were, from the spiritual world, one has something like a memory of life in the pre-birth existence. Even more significant, however, is, so to speak, the moral element of the further life in this world, which has just been characterized. As described in the *Akasha Chronicle*, one gradually loses the interest that one had previously, up to this point, in what is to be experienced on Earth. Interest in the individual people with whom one had connections fades; interest in individual things fades. One knows that the memories one now retains are carried on by no one other than the Christ: the Christ accompanies one, and as a result, one can retain the memory. If the Christ were not to accompany one, the memory of earthly life would fade; for what connects us to the earth beyond the point described is, in fact, the experience that we have united ourselves with the Christ. Through our new life in the spiritual world, we then gain a completely new interest in Lucifer and his world. For we find that now that we have become free from earthly interests, we can face Lucifer without any harm. And we make the remarkable discovery that Lucifer has a harmful effect on us only when we ourselves are entangled in the earthly. Now he appears to us as the very being who can explain to us what we still have to experience in the world of the spirit, and for a long time we dwell in the experience of mastering what Lucifer can then give us in these vast expanses of the spiritual world.
[ 5 ] Vielleicht ist es jetzt wieder schockierend, das zu sagen, was wir nur subjektiv fühlen; aber wenn auch etwas zunächst Schockierendes ausgesprochen wird, so ist es vielleicht doch in diesem Falle auch das Verständlichste: Wir fühlen uns jetzt nämlich nach einiger Zeit als Marsbewohner. Nachdem wir uns als Sonnenbewohner gefühlt haben, merken wir allmählich, daß so, wie wir früher die Erde hinter uns gelassen haben, wir nun die Sonne hinter uns lassen, und wir fühlen uns in bezug auf unsere kosmische Wirklichkeit als Bewohner des Mars. Und für das Leben, das wir jetzt durchmachen, scheint es uns in der Tat so, daß Christus uns alles Vergangene gegeben hat, das hinter uns liegt, und Luzifer uns vorbereitet für die künftige Reinkarnation. Wenn wir dieses Marsleben bewußt durchmachen und uns später auf Erden durch Initiation daran erinnern können, so erfahren wir, daß alles, was wir nicht als Erlebnisse aus dem Erdendasein in uns tragen durch den großen 'Weltenraum, daß alles, was wir nicht von der Erde aus haben, uns Luzifer gibt. Unser früheres menschliches Interesse wird jetzt immer kosmischer. Während wir auf Erden das, was uns das Mineral, die Pflanze, das Tier, was uns Luft und Wasser, Berg und Tal gibt, aufnahmen, nehmen wir von diesem Zeitpunkte an die Erfahrungen des Kosmos auf, dasjenige, was von der Welt des Kosmos auf uns eindringt. Es beginnt jene Form des Wahrnehmens, die man immer bezeichnet hat — die man aber wenig versteht — als die Sphärenmusik. Alles was ist, wird wahrgenommen, indem es uns aus dem Umkreis des Kosmos entgegentönt. Doch so, wie wenn man lauter Harmonien vernehmen würde, tönt es heraus aus dem Kosmos, nicht wie die Klänge aus der physischen Welt. Man gelangt zu einem Punkte des Erlebens, wo man sich selbst wie im Mittelpunkte des Kosmos fühlt, und von allen Seiten hereinklingend nimmt man die Weltentatsachen durch diese Sphärenmusik wahr.
[ 5 ] Perhaps it is shocking once again to say what we merely feel subjectively; but even if what is said is initially shocking, it may well be the most understandable thing in this case: After all, after some time, we now feel like inhabitants of Mars. Having felt like inhabitants of the Sun, we are gradually realizing that just as we once left the Earth behind us, we are now leaving the Sun behind us, and in terms of our cosmic reality, we feel like inhabitants of Mars. And regarding the life we are now going through, it indeed seems to us that Christ has given us everything from the past that lies behind us, and that Lucifer is preparing us for future reincarnation. If we consciously go through this Martian life and can later recall it on Earth through initiation, we will experience that everything we do not carry within us as experiences from our earthly existence through the great ‘cosmic space,’ that everything we do not have from Earth, is given to us by Lucifer. Our former human interest is now becoming increasingly cosmic. Whereas on Earth we absorbed what the mineral, the plant, the animal, what the air and water, the mountain and the valley gave us, from this point on we absorb the experiences of the cosmos, that which penetrates us from the world of the cosmos. That form of perception begins which has always been described—but which is little understood—as the music of the spheres. Everything that is is perceived as it resounds toward us from the expanse of the cosmos. Yet, just as if one were hearing loud harmonies, it resounds from the cosmos, not like the sounds of the physical world. One reaches a point in the experience where one feels oneself as if at the center of the cosmos, and, with sounds ringing in from all sides, one perceives the facts of the world through this music of the spheres.
[ 6 ] Jetzt haben wir auch das Marsdasein hinter uns gelassen, und der Okkultist spricht davon, daß wir angekommen sind im Jupiterdasein. Wenn wir nun weiterleben, so steigert sich zwar immer die Sphärenmusik; sie wird aber zuletzt so stark, daß sie uns betäubt. Wir leben uns wie in einer Betäubung in die Sphärenmusik hinein.
[ 6 ] Now we have also left the Mars existence behind us, and the occultist speaks of our having arrived in the Jupiter existence. As we continue to live, the music of the spheres grows ever louder; but in the end it becomes so intense that it numbs us. We live our way into the music of the spheres as if in a state of numbness.
[ 7 ] Das weitergehende Leben verläuft so, daß, nachdem wir durch das Jupiterdasein gegangen sind, wir auch dieses hinter uns lassen und uns nun tatsächlich dann an der äußersten Grenze unseres Sonnensystems befinden: im Saturn. Hier angekommen, machen wir eine sehr wichtige moralische Erfahrung: Hat uns bis zu diesem Zeitpunkt der Christus die Erinnerung an unsere früheren Erdenzustände erhalten und dadurch vor den Angstzuständen des schwindenden Bewußtseins bewahrt, so merken wir gerade in diesem unserem jetzigen Seelenzustande nach dem Tode, wie wenig angemessen den höheren moralischen Forderungen dasjenige war, was wir auf der Erde durchgemacht haben, wie wenig angemessen es war der Majestät des ganzen kosmischen Seins. Wie ein Vorwurf berührt uns das Leben, das wir hinter uns gelassen haben. Und etwas außerordentlich Bedeutsames stellt sich jetzt ein. Wie aus einem unbestimmten nächtlichen Dunkel heraus tritt die ganze Summe unseres Lebens, wie sie sich karmisch in der letzten Erdeninkarnation geformt hat, vor die Seele. Wenn Sie Ihr jetziges Erdendasein, Ihre jetzige Inkarnation ins Auge fassen, so haben Sie sie in der Tat wieder so, wie sie sich in jenem Zeitpunkt nach dem Tode, der eben gekennzeichnet worden ist, vor die Seele stellt; aber in sich fühlen Sie scharf alles dasjenige, was Sie einzuwenden haben gegen jene Inkarnation. Sie sehen diese letzte Inkarnation vom kosmischen Standpunkte aus.
[ 7 ] The journey of life continues in such a way that, after we have passed through the Jupiter stage, we leave that behind us as well and find ourselves at the very outer edge of our solar system: Saturn. Once we arrive here, we have a very important moral experience: If, up to this point, Christ has preserved for us the memory of our earlier earthly states and thereby protected us from the states of anxiety associated with fading consciousness, we realize precisely in this present state of our soul after death how little what we went through on Earth was in keeping with the higher moral demands, how little it was in keeping with the majesty of the entire cosmic being. The life we have left behind touches us like a reproach. And something extraordinarily significant now takes place. As if emerging from an indefinite nocturnal darkness, the entire sum of our life, as it was karmically formed in our last earthly incarnation, appears before the soul. When you contemplate your present earthly existence, your present incarnation, you indeed see it again as it stands before your soul at that moment after death which has just been described; but within yourself you keenly feel everything you have to object to regarding that incarnation. You view this last incarnation from a cosmic standpoint.
[ 8 ] Von diesem Zeitpunkt an kann nun nichts mehr, weder das Christus-Prinzip noch das Luzifer-Prinzip, unser Bewußtsein aufrechterhalten, sondern es tritt unter allen Umständen — wenn nicht im Leben vorher eine Initiation eingetreten ist — eine Herabdämmerung des Bewußtseins ein. Ein gewisser geistiger Schlaf beginnt, der notwendig ist für das menschliche Leben, nachdem bis zu diesem Zeitpunkt eine Art Bewußtsein vorhanden war, das aufrechterhalten wurde durch die geschilderten Verhältnisse. Dieser geistige Schlaf ist aber nun mit etwas anderem verbunden. Dadurch, daß der Mensch nichts mehr fühlen kann, nichts mehr sich vorstellen kann, können alle kosmischen Einflüsse unmittelbar auf ihn wirken, mit Ausnahme desjenigen des Sonniensystems. Denken Sie sich das ganze Sonnensystem ausgeschaltet und nur das allein vorhanden, was außer ihm da ist, dann haben Sie die Wirkungen, die jetzt eintreten. Und da kommen wir an den Punkt, von welchem gestern die Ausführungen ausgegangen sind.
[ 8 ] From this point on, neither the Christ principle nor the Lucifer principle can sustain our consciousness; instead, unless an initiation has taken place earlier in life, a decline in consciousness sets in under all circumstances. A certain spiritual sleep begins, which is necessary for human life, since up to this point a kind of consciousness existed that was sustained by the conditions described. This spiritual sleep, however, is now connected to something else. Because the human being can no longer feel anything, can no longer create mental images, all cosmic influences can act directly upon him, with the exception of those of the solar system. Imagine the entire solar system switched off and only that which exists outside of it remaining—then you have the effects that now occur. And this brings us to the point from which yesterday’s remarks originated.
[ 9 ] Was jetzt zu untersuchen wichtig ist, das ist nämlich der Zusammenhang zwischen diesem zweiten Teil des Lebens zwischen Tod und neuer Geburt und dem Embryonalleben des Menschen. Sie wissen ja, daß das Embryonalleben des Menschen mit dem kugelrunden kleinen Keim beginnt. Nun ist das Merkwürdige für die okkulte Betrachtung, daß dieser Menschenkeim ganz im Anfang sich als ein Spiegelbild dessen darstellt, was der Mensch in der eben geschilderten Weise aus dem Kosmos heraus erlebt. Im Beginne des Embryonallebens ist tatsächlich der Keimling des Menschen ein kosmisches Produkt, ein Spiegelbild des kosmischen Lebens, in welchem nicht das Leben innerhalb des Sonnensystems zum Ausdruck kommt. Und das Merkwürdige ist, daß alles das, was jetzt mit dem Keime während des Embryonallebens geschieht, sich erweist als ein Ausscheiden des kosmischen Einschlags und ein Hineinnehmen der Einflüsse des Sonnensystems. Erst in einer verhältnismäßig späteren Zeit, wenn die Vorgänge während des Lebens nach dem Tode wiederum zurückgegangen sind den Weg durch die Saturn-, Jupiterund Marszustände, beginnen jene Einflüsse in dem Keim zu wirken, welche die sogenannten vererbten sind. So dürfen wir sagen, daß der Mensch sein Keimleben schon in einem kosmischen Sein vor dem Embryonalleben vorbereitet, in einer Art auch ihn umfangenden Weltenschlafs. Wenn man dann die Vorgänge nehmen würde, die so im Embryonalleben stattfinden während dieser Art von kosmischem Sein, von Weltenschlaf, wenn man nacheinander nehmen würde die Zustände des vorgeburtlichen Menschen, des Keimes, und sie zeichnerisch jetzt so betrachten würde, daß man hier ein Spiegelbild machte, also so:
[ 9 ] What is important to examine now is the connection between this second phase of life—between death and rebirth—and the embryonic life of the human being. As you know, the embryonic life of the human being begins with the small, round embryo. Now, what is remarkable from an occult perspective is that this human germ, right at the very beginning, presents itself as a mirror image of what the human being experiences from the cosmos in the manner just described. At the beginning of embryonic life, the human embryo is indeed a cosmic product, a mirror image of cosmic life, in which life within the solar system is not expressed. And the remarkable thing is that everything that now happens to the embryo during embryonic life proves to be a withdrawal of the cosmic influence and an absorption of the influences of the solar system. Only at a relatively later stage, when the processes during life after death have once again retraced the path through the Saturn, Jupiter, and Mars states, do those influences begin to take effect in the embryo that are the so-called inherited ones. Thus we may say that the human being prepares its embryonic life already in a cosmic existence prior to embryonic life, in a kind of world sleep that also envelops it. If one were then to take the processes that take place in this way during embryonic life within this kind of cosmic existence, this cosmic sleep, if one were to take the states of the prenatal human, the embryo, one after another, and were to now view them graphically in such a way that one created a mirror image here, that is, like this:


[ 10 ] dann müßte man alle die Zustände, die im Keime sich am spätesten zeigen, im Bilde später haben, und was früher im Embryonalleben ist, hier im Spiegelbilde früher sehen. So würde man ein geistiges Spiegelbild des Embryonallebens nach rückwärts hin bekommen. Wenn ich Ihnen aufzeichnen würde das Keimleben in der einen Richtung und für jeden Zustand ein anderes Spiegelbild in der anderen Richtung, so würde sich dieses auf der Tafel tatsächlich ausnehmen wie Bild und Spiegelbild, und der Punkt, worin gespiegelt wird, ist die Empfängnis. Würde ich nun zeichnen, dann müßte ich die Zeichnung so machen, daß das eine, das Embryonalleben, klein gezeichnet wird und das andere Spiegelbild nach hinten furchtbar vergrößert wird; denn was der Mensch in zehn Mondenmonaten vor der Geburt erlebt, das wird tatsächlich in seiner Spiegelung in vielen Jahren erlebt. Nehmen Sie nur all dasjenige, was der Mensch nach den geschilderten Andeutungen bis zu seiner Wiederverkörperung in der geistigen Welt erlebt. Im ersten Teil seines Lebens nach dem Tode hat er die Nachklänge an sein früheres Erdendasein in sich aufgenommen. Im zweiten Teil dieses Lebens zwischen Tod und neuer Geburt hat er Erfahrungen aus dem Kosmos gesucht. In diesem Erleben zwischen dem Tode und der neuen Geburt ist vieles darinnen, nur eines ist nicht darinnen: Wir erleben tatsächlich alles wieder, was wir seit der vorigen Inkarnation bis zur jetzigen erlebt haben; wir erfühlen das kosmische Sein, wir erleben aber während des ersten Teiles unseres Lebens zwischen Tod und neuer Geburt nicht dasjenige, was sich auf der Erde zwischen den zwei Inkarnationen schon zugetragen hat. Bis zum Sonnensein sind wir mit den Erinnerungen an das, was vor dem Tode war, so beschäftigt, daß unser Interesse völlig abgezogen ist von dem, was auf der Erde geschieht. Wir leben mit denjenigen Menschen, die ebenso wie wir im Leben nach dem Tode in der geistigen Welt sind; wir leben uns in alle Verhältnisse hinein, die wir zu diesen Menschen auf Erden schon gehabt haben, und leben in diesen Verhältnissen weiter, gestalten sie in ihren Konsequenzen aus. Und weniger Interesse können wir — weil wir fortwährend abgelenkt sind — in dieser Zeit uns erhalten für die Menschen, die wir auf der Erde noch haben. Nur wenn uns diese Menschen mit ihrer ganzen Seele suchen, ist ein Verbindungsband mit ihnen geschaffen. Dieses ist als ein sehr wichtiges moralisches Element zu betrachten. Denn es wirft Licht auf das Verhältnis zwischen den Gestorbenen und den Zurückgebliebenen. Jemand, der vor uns hinweggestorben ist und den wir vollständig vergessen, hat es außerordentlich schwierig, zu uns ins Erdenleben zurückzudringen. Unsere Liebe, unsere fortdauernde Sympathie, die wir dem Verstorbenen bewahren, die liefert einen Weg dazu, weil sie eben eine Verbindung mit dem Erdendasein herstellt. Und aus dieser Verbindung heraus müssen in diesen ersten Zeiten nach dem Tode die Hingeschiedenen mit uns leben. Und es ist wirklich eine überraschende Tatsache, wie sehr der instinktive Gedächtniskultus für die Toten durch den Okkultismus in seinem tiefen Sinne bestätigt wird. Unsere Hingestorbenen erreichen uns am leichtesten, wenn sie auf Erden hier an sie gerichtete Gedanken, Gefühle, Empfindungen finden können.
[ 10 ] then one would have to place all the states that appear latest in the embryo later in the image, and see what occurs earlier in embryonic life earlier here in the mirror image. In this way, one would obtain a mental mirror image of embryonic life in reverse. If I were to draw the embryonic life in one direction and, for each stage, a different mirror image in the other direction, this would actually look on the board like an image and its mirror image, and the point at which the reflection occurs is conception. If I were to draw this now, I would have to make the drawing such that one—the embryonic life—is drawn small, and the other mirror image is greatly enlarged in the background; for what a human being experiences in ten lunar months before birth is actually experienced in its reflection over many years. Just consider all that a human being experiences in the spiritual world up to their reincarnation, according to the indications described. In the first part of their life after death, they have absorbed the echoes of their former earthly existence. In the second part of this life between death and new birth, they have sought experiences from the cosmos. In this experience between death and the new birth, there is much within it, yet one thing is not there: We do indeed relive everything we have experienced from the previous incarnation up to the present; we sense cosmic existence, but during the first part of our life between death and the new birth, we do not experience what has already taken place on Earth between the two incarnations. Until we reach the state of being a sun, we are so occupied with memories of what was before death that our interest is completely withdrawn from what is happening on Earth. We live with those people who, like us, are in the spiritual world in the life after death; we immerse ourselves in all the relationships we already had with these people on Earth, and continue to live within these relationships, working out their consequences. And because we are constantly distracted, we are able to maintain less interest during this time for the people we still have on Earth. Only when these people seek us out with their whole soul is a bond of connection created with them. This is to be regarded as a very important moral element. For it sheds light on the relationship between the deceased and those left behind. Someone who has died before us and whom we have completely forgotten finds it extremely difficult to make their way back to us in earthly life. Our love, our enduring sympathy for the deceased, provides a way for this, because it establishes a connection with earthly existence. And through this connection, the departed must live with us in these early days following death. And it is truly a surprising fact how much the instinctive cult of remembrance for the dead is confirmed by occultism in its deepest sense. Our departed loved ones reach us most easily when they can find thoughts, feelings, and emotions directed toward them here on earth.
[ 11 ] Für den zweiten Teil des Lebens zwischen Tod und neuer Geburt stellt sich allerdings wiederum etwas anderes dar. Wir sind so sehr dann eingesponnen in unsere kosmischen Interessen, daß wir überhaupt nur äußerst schwierig in diesem zweiten Zeitraum einen Zusammenhang mit der Erde finden. Dasjenige, was uns außer den kosmischen Interessen beschäftigt, ist: mitzuarbeiten an der richtigen Herstellung unseres weiteren Karma. Neben unseren kosmischen Eindrücken bewahren wir uns am allerbesten dasjenige, was wir gewissermaßen karmisch zu korrigieren haben, und wir arbeiten mit an der Herstellung eines solchen nächsten Lebens, das dazu beitragen kann, unsere karmischen Schulden auszugleichen.
[ 11 ] For the second part of life, between death and rebirth, however, the situation is quite different. We are then so deeply immersed in our cosmic concerns that it is extremely difficult for us to maintain any connection with the Earth during this second period. What occupies us besides our cosmic interests is: working to shape our future karma correctly. Alongside our cosmic impressions, we retain most clearly that which we must, so to speak, correct karmically, and we work to shape a future life that can help balance our karmic debts.
[ 12 ] Mancher Mensch sagt, er könne nicht an die Reinkarnation glauben, weil er nicht wiederum in das irdische Leben zurückkommen möchte. Dies ist zum Beispiel ein Einwand, der oftmals gemacht worden ist: Ich wünsche mir durchaus nicht mehr das Zurückkommen in das Irdische. — Das sagen manche. Die Betrachtung des eben angeführten Zeitpunktes zwischen Tod und neuer Geburt korrigiert diese Ansicht beträchtlich. In diesem Zeitraum wollen wir eben mit aller Gewalt wieder ins Leben hinein, um unser Karma zu kortigieren, und wir vergessen nur, wenn wir aus dem geschilderten kosmischen Schlaf wieder erwachen in der Gegenwart, daß wir das gewollt haben, dieses Wiedergeborenwerden. Ob wir während des Lebens zwischen Geburt und Tod nochmals auf Erden wiedererscheinen wollen, darauf kommt es nicht an, sondern ob wir es wollen zwischen Tod und neuer Geburt. Und da wollen wir es. Wir müssen uns eben vorstellen, daß in vielfacher Beziehung, wie wir es eben gesehen haben, das Leben zwischen Tod und neuer Geburt geradezu das Entgegengesetzte ist von dem, was wir hier auf Erden erleben zwischen Geburt und Tod. Geradeso, wie wir in diesem physischen Leben durch den Schlaf gestärkt und mit neuen Kräften ausgerüstet werden, so werden wir durch den angedeuteten Weltenschlaf mit neuen Kräften für die neue Inkarnation ausgerüstet. Noch eine andere wichtige Frage wird sich uns durch die geschilderten Tatsachen beantworten lassen. Es wird oftmals gefragt: Warum muß der Mensch, wenn er sich so oft reinkarniert, immer wieder von Kindheit an lernen und kommt nicht schon mit alledem zur Welt, was er von Kindheit an lernen muß? Diese Frage beantwortet sich dann, wenn man eines berücksichtigt: daß man ja nicht miterlebt — mit Ausnahme dessen, was angedeutet ist: des Zusammenhanges mit dem Leben, den Menschen und dem ganzen Karma —, daß man nicht erlebt dasjenige, was sich zwischen unseren Inkarnationen auf dieser Erde abgespielt hat. War also jemand zum Beispiel vor der Erfindung der Buchdruckerkunst auf der Erde inkarniert, und er inkarniert sich heute wieder, so hat er alles das nicht miterlebt, was sich in der Zeit zwischen der Erfindung der Buchdruckerkunst und jetzt entwickelt hat. Und in der Tat, wenn man kulturhistorisch genauer untersucht, so sieht man, daß man in jeder Inkarnation als Kind dasjenige lernt, was sich auf der Erde inzwischen abgespielt hat. Man braucht nur zu betrachten, was eben ein altrömischer Knabe von sechs Jahren gelernt hat: das war etwas ganz anderes, als was ein Kind von sechs Jahren heute lernt. Es vergeht zwischen zwei Inkarnationen ein so langer Zeitraum, daß in der Tat das Kulturbild der Erde dann vollständig verändert ist. Wir kommen nicht herunter zu einer Inkarnation, bevor sich die Verhältnisse auf der Erde so weit verändert haben, daß sie fast keine Ähnlichkeit zeigen mit dem Leben in der vorherigen Inkarnation.
[ 12 ] Some people say they cannot believe in reincarnation because they do not wish to return to earthly life. This, for example, is an objection that has often been raised: I certainly do not wish to return to the earthly realm. — That is what some say. Considering the period just mentioned between death and a new birth corrects this view considerably. During this period, we actually want with all our might to return to life in order to correct our karma, and we simply forget, when we awaken from the cosmic sleep described above into the present, that we wanted this rebirth. Whether we wish to reappear on Earth again during the life between birth and death is not the point; rather, it is whether we wish it between death and new birth. And there we do wish it. We must simply create a mental image of what life is like between death and new birth, as we have just seen, which is virtually the opposite of what we experience here on Earth between birth and death. Just as we are strengthened and equipped with new strength through sleep in this physical life, so too are we equipped with new strength for the new incarnation through the world sleep described. Another important question can be answered by the facts described. It is often asked: Why must a person, if they reincarnate so often, learn everything anew from childhood on, rather than being born with everything they need to learn from childhood? This question is answered when one takes into account that—with the exception of what has been indicated: the connection to life, to people, and to the entire karma—one does not experience what has taken place on this Earth between our incarnations. So if, for example, someone was incarnated on Earth before the invention of the printing press and is incarnating again today, they have not experienced everything that has developed in the time between the invention of the printing press and now. And indeed, if one examines cultural history more closely, one sees that in every incarnation, as a child, one learns what has taken place on Earth in the meantime. One need only consider what a six-year-old boy in ancient Rome learned: that was something quite different from what a six-year-old child learns today. Such a long period of time elapses between two incarnations that the cultural landscape of the Earth has, in fact, completely changed by then. We do not come down to an incarnation until conditions on Earth have changed so much that they bear almost no resemblance to life in the previous incarnation.
[ 13 ] Was ich eben geschildert habe, bezieht sich auf das Durchschnittsleben der Menschen. Aber es ist eben ein Durchschnitt, und es kann zum Beispiel das Bewußtsein bei einem Menschen nach dem Tode schon früher erlöschen, der Schlaf kann schon früher eintreten, wie Sie ja aus einigen Tatsachen, die gestern angeführt worden sind, ersehen können.
[ 13 ] What I have just described refers to the average human life. But it is, after all, an average, and consciousness can, for example, fade away earlier in a person after death; sleep can set in earlier, as you can see from some of the facts that were cited yesterday.
[ 14 ] Nun besteht aber das kosmische Gesetz, daß dieser Weltenschlaf die Zeit kürzt, die wir im Kosmos nach dem Tode verbringen: derjenige, der früher in den Zustand der Unbewußtheit hineinkommt, der durchlebt sie schneller, die Zeit vergeht für ihn in schnellerem Tempo, sie ist kürzer als für den, der sein Bewußtsein weiter hinaus erweitert. Ja wir können, wenn wir das Menschenleben untersuchen zwischen Tod und neuer Geburt, die Bemerkung machen, daß ungeistige Menschen verhältnismäßig am schnellsten wiederkommen. Wenn jemand nur seinen sinnlichen Genüssen, seinen sinnlichen Leidenschaften, also demjenigen lebt, was man das Tierische im Menschen nennen kann, so vergeht ein verhältnismäßig kurzer Zeitraum zwischen zwei Inkarnationen. Es geschieht dieses aus dem Grunde, weil bei ihm eine verhältnismäßig frühe Bewußtlosigkeit eintritt, ein Schlafzustand, und er dann schnell durch dieses Leben zwischen Tod und neuer Geburt hindurchgeht.
[ 14 ] However, there is a cosmic law that this world sleep shortens the time we spend in the cosmos after death: the one who enters the state of unconsciousness earlier experiences it more quickly; time passes at a faster pace for them; it is shorter than for the one who extends their consciousness further. Indeed, when we examine human life between death and rebirth, we can observe that unspiritual people return relatively quickly. If someone lives solely for their sensual pleasures, their sensual passions—that is, for what might be called the animal nature in human beings—then a relatively short period of time elapses between two incarnations. This happens because a state of unconsciousness sets in relatively early for such a person—a state of sleep—and they then pass quickly through this life between death and rebirth.
[ 15 ] Außerdem habe ich nur von einer durchschnittlichen Erscheinung erzählt, weil ich Rücksicht genommen habe vorzugsweise auf diejenigen Menschen, welche sozusagen ein normales Lebensalter erreichen.
[ 15 ] Furthermore, I spoke only of an average lifespan because I was primarily concerned with those people who, so to speak, reach a normal age.
[ 16 ] Es ist im Grunde ein großer Unterschied zwischen Verstorbenen, die nach dem 35. Jahr gestorben sind, und jenen, die vorher aus diesem Leben geschieden sind. Es lebt eigentlich nur der, welcher das 35. Jahr in seinem Erdenleben überschritten hat, alle die Zustände mehr oder weniger bewußt durch, die wir beschrieben haben. Bei einem früheren Tode tritt tatsächlich eine Art früheren Schlafzustandes zwischen Tod und neuer Geburt ein.
[ 16 ] There is, in fact, a significant difference between those who have died after the age of 35 and those who have departed from this life before that age. Only those who have lived past the age of 35 actually experience, to a greater or lesser degree of consciousness, all the states we have described. In the case of an earlier death, a kind of preliminary sleep state actually occurs between death and rebirth.
[ 17 ] Wenn jemand einwenden wollte, daß man für einen frühen Tod doch nichts kann und daher unverschuldet einem früheren Weltenschlaf anheimfällt, so wäre dieser Einwand doch nicht richtig. Er wäre aus dem Grunde nicht richtig, weil ein früher Tod durch frühere karmische Ursachen schon vorbereitet worden ist und durch früheres Wiedereintreten in die kosmischen Welten die Weiterentwickelung nun gefördert werden kann. Wie sonderbar und ebenfalls schockierend dies auch klingen mag, wir wissen aus ganz objektiven Untersuchungen des kosmischen Lebens: Von einem gewissen Zeitpunkt an ist der Mensch ein Wesen, das in weite Weltensphären hinein ausgedehnt ist und ausgesetzt den Wahrnehmungen des Kosmos, des Makrokosmos. Wie der Mensch in der Mitte seines physischen Erdenlebens gleichsam am meisten verstrickt ist mit der Erde, so ist er in der Mitte des Lebens zwischen Tod und neuer Geburt am meisten verstrickt in das kosmische Sein. Nehmen Sie das Kind: es lebt sozusagen noch nicht völlig auf der Erde, es lebt mit all den Erbstücken, die es von früher her erhalten hat, und es muß sich erst das Erdenleben erobern. Nehmen Sie jetzt das Leben des Menschen nach dem Tode: er lebt in einer gewissen Weise mit dem, was er aus der Erde herausgetragen hat, und muß sich erst die Wahrnehmungsfähigkeit in dem Leben des Kosmos erringen. In der Mitte des Erdenlebens sind wir ja am meisten in irdische Verhältnisse hinein versponnen; in der Mitte zwischen Tod und neuer Geburt sind wir am meisten in kosmische Verhältnisse hineingesponnen. Je mehr es dem Ende unseres Lebens auf Erden zugeht, desto mehr ziehen wir uns aus den Erdenverhältnissen im physischen Sinne heraus. Je mehr wir die Mitte des Lebens zwischen Tod und neuer Geburt überschreiten, desto mehr ziehen wir uns aus dem Kosmos heraus und neigen uns wieder hin zum Erdenleben.
[ 17 ] If someone were to object that one cannot help an early death and therefore falls into an earlier sleep of the world through no fault of one’s own, such an objection would not be correct. It would be incorrect for the reason that an early death has already been prepared by earlier karmic causes, and further development can now be promoted through an earlier re-entry into the cosmic worlds. As strange and equally shocking as this may sound, we know from entirely objective studies of cosmic life: From a certain point onward, the human being is a being that extends into vast cosmic spheres and is exposed to the perceptions of the cosmos, the macrocosm. Just as the human being is, so to speak, most entangled with the Earth in the middle of their physical earthly life, so are they most entangled in cosmic existence in the middle of the life between death and new birth. Take the child: it does not yet live fully on Earth, so to speak; it lives with all the inherited traits it has received from earlier times, and it must first conquer earthly life. Now consider human life after death: in a certain sense, the person lives with what they have carried out of the earth and must first attain the capacity for perception in the life of the cosmos. In the middle of earthly life, we are, after all, most deeply entangled in earthly conditions; in the middle between death and new birth, we are most deeply entangled in cosmic conditions. The closer we come to the end of our life on earth, the more we withdraw from earthly conditions in the physical sense. The further we move beyond the midpoint of life between death and new birth, the more we withdraw from the cosmos and turn back toward earthly life.
[ 18 ] Das, was ich Ihnen zuletzt als eine Art Analogie gesagt habe, betrachten Sie aber nicht so, als wenn es zugrunde gelegen hätte der geisteswissenschaftlichen Untersuchung. Dem Okkultisten fällt eine solche Analogie erst auf, wenn er die okkulten Untersuchungen gemacht hat und mit den vorhandenen Tatsachen vergleicht. Eine solche Analogie hat auch insofern noch einen Fehler: Sollten wir das Leben in der ersten Periode nach dem Tode das kindliche Leben nennen und die zweite Periode zwischen Tod und neuer Geburt das Greisenleben, so würden wir einen Fehler machen. Im geistigen Dasein zwischen Tod und neuer Geburt sind wir nämlich zuerst Greise und werden dann in der zweiten Hälfte eben Kinder in bezug auf das geistige Leben. Das geistige Leben verfließt umgekehrt. Zuerst tragen wir die Fehler und Gebrechen des physischen Lebens da hinein; dann werden sie während des kosmischen Lebens allmählich herausgeworfen.
[ 18 ] However, do not regard what I just mentioned to you as a kind of analogy as if it had formed the basis of Spiritual Science research. Such an analogy only becomes apparent to the occultist once he has conducted occult investigations and compares them with the available facts. Such an analogy also has another flaw: if we were to call the life in the first period after death “childhood” and the second period between death and rebirth “old age,” we would be making a mistake. For in the spiritual existence between death and new birth, we are first the elderly and then, in the second half, become children in relation to spiritual life. Spiritual life flows in reverse. First, we carry the faults and infirmities of physical life into it; then, during the cosmic life, they are gradually cast out.
[ 19 ] Ich war sehr überrascht, in alten Traditionen einen Ausdruck zu finden wie eine Art — ich will nicht sagen Bestätigung, aber wie eine Art Hinweis auf diese Erfahrungen. Wenn wir auf der Erde im physischen Leben sind, so sagen wir: Wir werden alt. Im geistigen Leben zwischen Tod und neuer Geburt müssen wir ganz sinngemäß sagen: Wir werden jung. So daß man also sagen könnte, wenn jemand geboren wird da oder dort und man sein geistiges Dasein betrachtet: Er ist da und dort jung geworden.
[ 19 ] I was very surprised to find in ancient traditions an expression that serves as a kind of—I don’t want to say confirmation, but a kind of reference to these experiences. When we are on Earth in physical life, we say: We grow old. In spiritual life, between death and rebirth, we must say, in a sense: We are becoming young. So that one could say, when someone is born here or there and one considers their spiritual existence: They have become young here and there.
[ 20 ] Nun finden sich merkwürdigerweise im zweiten Teil des «Faust» die Worte: Er ist «im Nebelalter jung geworden». Warum braucht Goethe für Geborenwerden den Ausdruck: «Jung werden»? Wenn wir weiter zurückgehen würden, dann würden wir finden, daß dies eine Tradition ist der Menschheit, die empfand, daß man mit der geistigen Geburt jung wird. Wir finden überhaupt — was in unserem Okkultismus immer betont wird —, daß, je weiter wir zurückgehen in der Entwickelung, wir immer mehr auf hellseherische Zustände treffen. Wir finden sie überall bestätigt.
[ 20 ] Now, curiously enough, the following words appear in the second part of *Faust*: He has “become young in the age of mist.” Why does Goethe use the expression “become young” to describe being born? If we were to go further back, we would find that this is a tradition of humanity, which felt that one becomes young through spiritual birth. We find, in general—as is always emphasized in our occultism—that the further back we go in evolution, the more we encounter clairvoyant states. We find them confirmed everywhere.
[ 21 ] Nehmen Sie zum Beispiel dasjenige, worauf gestern hingedeutet worden ist. Von dem Tode an lösen wir uns allmählich aus den irdischen Verhältnissen heraus, aber wir erleben mitten drinnen in dem Leben zwischen Tod und neuer Geburt die kosmischen Zustände. Wir erleben sie in Visionen, die an die Stelle der Sinneswahrnehmung treten; dann, habe ich gesagt, fällt auf das, was wir erleben, das Licht der Hierarchien. Es tritt da tatsächlich nach dem Tode eine Art von Zustand ein, den wir in folgender Weise charakterisieren können: Denken Sie, Ihr Bewußtsein wäre nicht in Ihnen, sondern außerhalb in der Umgebung, und Sie würden nicht das Gefühl haben, daß das Leben in Ihrem Körper, sondern daß das Leben außerhalb Ihres Körpers sei, und würden von außen fühlen: dies ist mein Auge, dies meine Nase, dies mein Bein. Dann müßten wir dasjenige, was wir außen im Geistigen erleben, auf uns hin beziehen, müßten auch das Leben Gottes auf uns hin beziehen und es in uns reflektieren lassen. Ein solcher Zeitpunkt tritt auf, wenn nach dem Tode, indem wir — gleichsam zurückblickend auf den Menschen — alles das, was in der Umgebung ist, sich in ihm zurückspiegeln sehen: so daß selbst die Gottheit sich im Menschen reflektiert.
[ 21 ] Take, for example, what was alluded to yesterday. From the moment of death, we gradually detach ourselves from earthly conditions, but we experience the cosmic states right in the midst of the life between death and rebirth. We experience them in visions that take the place of sensory perception; then, as I said, the light of the hierarchies falls upon what we experience. A certain state does indeed arise after death that we can characterize as follows: Imagine that your consciousness were not within you, but outside in your surroundings, and that you would not have the feeling that life is within your body, but rather that life is outside your body, and you would perceive from the outside: this is my eye, this my nose, this my leg. Then we would have to relate what we experience externally in the spiritual realm to ourselves; we would also have to relate the life of God to ourselves and allow it to be reflected within us. Such a moment occurs when, after death, as we look back upon the human being, we see everything in the surroundings reflected within him: so that even the Godhead is reflected in the human being.
[ 22 ] Wäre es deshalb gar zu gewagt, es als eine Erkenntnis hinzunehmen, wenn ein Dichter sagt, daß das Leben nach dem Tode eine Spiegelung des Göttlichen ist? Das wissen wohl alle, daß Dante diesen Ausspruch gebraucht hat, daß im geistigen Leben der Zeitpunkt eintritt, wo man Gott als Menschen sieht.
[ 22 ] Would it therefore be too bold to accept as a truth a poet’s statement that life after death is a reflection of the divine? Everyone surely knows that Dante used this expression to describe the moment in the spiritual life when one sees God as a human being.
[ 23 ] Es mag gewiß zuweilen solch ein Hinweis wie unberechtigt erscheinen, vielleicht als eine Spielerei einem vorkommen. Derjenige aber, der in die tiefen Zusammenhänge der Menschheit hineinblickt, wird diese Dinge nicht mehr als Spielerei ansehen. Bei den großen Dichtern leben eben Nachklänge alter hellseherischer Erkenntnis der Menschheit immer wieder auf, und durch Initiation werden solche Nachklänge aufgefrischt und zu menschlicher Erkenntnis erhoben.
[ 23 ] Such a reference may indeed seem unwarranted at times, perhaps even appear to be a mere trifle. But those who look into the deep connections of humanity will no longer regard these things as trifles. In the works of the great poets, echoes of humanity’s ancient clairvoyant knowledge are constantly revived, and through initiation, such echoes are refreshed and elevated to human knowledge.
[ 24 ] Damit, meine lieben Freunde, habe ich Ihnen einige Tatsachen angeführt, die zu den zuletzt gemachten Untersuchungen über das Leben zwischen Tod und neuer Geburt gehören, und ich hoffe, daß wir in nicht zu ferner Zeit weitersprechen können über solche Erkenntnisse über das Leben zwischen Tod und neuer Geburt.
[ 24 ] With that, my dear friends, I have presented you with some facts pertaining to the most recent research on life between death and rebirth, and I hope that we will be able to continue our discussion of such insights into life between death and rebirth in the not-too-distant future.
