Occult Studies on Life Between Death and Rebirth
GA 140
26 November 1912, Vienna
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Life Between Death and Rebirth, tr. Querido
5. Das Leben Zwischen dem Tode und einer neuen Geburt I
5. Life between Death and Rebirth I
[ 1 ] Die Welt der okkulten Tatsachen — wir haben das ja oftmals betont — ist nicht etwa so einfach zu untersuchen und darzustellen, wie man sehr häufig meint, und derjenige, der auf diesem Gebiete gewissenhaft vorgehen will, wird sich immer wieder und wiederum in die Notwendigkeit versetzt fühlen, gewisse wichtige Kapitel der Geistesforschung sozusagen aufs neue zu untersuchen. Und so oblag mir denn gerade in den letzten Monaten unter mancherlei anderem, wiederum von neuem ein Kapitel zu untersuchen, über welches wir ja auch hier schon öfters gesprochen haben. Bei solch neuen Untersuchungen ergeben sich dann neue Gesichtspunkte. Das Kapitel, um das es sich da handelt und das wir heute, wenn das auch nur skizzenhaft geschehen kann, ein wenig beschreiben wollen, handelt über das Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Wenn gesagt worden ist, neue Gesichtspunkte haben sich dabei ergeben, so ist das nicht so zu nehmen, als ob etwa deshalb das, was früher gesagt worden ist, irgend verändert zu denken wäre. Das ist gerade bei diesem Kapitel nicht der Fall. Aber es ist ja einmal so bei der Betrachtung der übersinnlichen Tatsachen, daß man ihnen eigentlich nur dann wirklich nahetritt, wenn man sie von den verschiedensten Gesichtspunkten aus ins Auge faßt. Und so werden wir vielleicht manches von dem, was zum Beispiel in meiner «Theosophie» oder «Geheimwissenschaft» mehr von dem Gesichtspunkt des unmittelbaren menschlichen Erlebens dargestellt worden ist, heute von einem universelleren Standpunkt aus darzustellen haben. Die Dinge sind dieselben, aber man soll eben nicht glauben, daß man sie schon kennt, wenn man sie von einem Standpunkt aus einmal charakterisiert erhalten hat. Gerade die okkulten Tatsachen sind solche, daß man gleichsam um sie herumgehen und von den verschiedensten Gesichtspunkten aus anschauen muß. In der Beurteilung dieser Dinge, die von der Geisteswissenschaft mitgeteilt werden, wird ja am häufigsten der Fehler gemacht, daß die Leute urteilen, die, sagen wir, gerade ein paar Ausführungen über eine Sache gehört haben und nicht die Geduld besitzen, wirklich alles, was gesagt werden kann, von den verschiedensten Gesichtspunkten aus auf sich wirken zu lassen. Dann tritt schon auch für den gewöhnlichen gesunden Menschenverstand das Verständnis ein, von dem wir gestern im öffentlichen Vortrage über «Wahrheiten der Geistesforschung» gesprochen haben. Wir wollen heute nicht so sehr da beginnen, wo das Leben nach dem Tode, welches wir gewöhnlich als das Kamaloka bezeichnen, anhebt, sondern hauptsächlich da, wo das Kamaloka-Leben zu Ende geht und das Leben in der geistigen Welt beginnt, hauptsächlich nach dem Kamaloka-Leben bis zum Wiedereintritt in ein neues Erdenleben, und wo die Kräfte sich bilden zu einer neuen Inkarnation.
[ 1 ] It has often been explained that it is not as easy to investigate and describe the realm of the occult as is commonly thought. If one wishes to proceed conscientiously in this domain, one will feel it necessary to make repeatedly fresh investigations into important chapters of spiritual research. In recent months it has been my task, among many other things, to make new investigations into a subject of which we have often spoken here. New aspects emerge as a result of such investigations. Today we shall deal again with the life between death and rebirth, although it can only be done in outline. This does not mean that what has previously been said has to be changed in any way. Precisely in connection with this chapter this is not the case, but in the study of super-sensible facts we should always consider them from as many points of view as possible. So today we will consider from a universal standpoint much of what has been presented in my books Theosophy or Occult Science more from the aspect of immediate human experience. The facts are the same, but we should not imagine that we are fully conversant with them when they have been described from one point of view only. Occult facts are such that we must move around them, so to speak, and examine them from every point of view. In regard to spiritual science the mistake is all too common that judgments are passed by people who may have heard a few statements about a subject without having had the patience to allow what can be said from other aspects to work upon them. Yet the truths of spiritual research can be understood by sound common sense, as was pointed out in yesterday's public lecture. Today we shall not pay so much attention to the stage after death where the life in kamaloca begins, but rather consider the point at the end of kamaloca when life in the spiritual proper begins. This period lasts until the soul descends into a new incarnation and re-enters earthly life.
[ 2 ] Sie wissen, daß das hellseherische Hineinschauen in die geistige Welt einen in einer gewissen Beziehung in dieselbe Lage versetzt, in welcher der Mensch zwischen dem Tode und einer neuen Geburt ist, so daß innerhalb der Einweihung eben das erlebt wird, was auch zwischen dem Tode und einer neuen Geburt erlebt wird, wenn auch in etwas anderer Weise. Und damit ist ja überhaupt die Möglichkeit gegeben, über diese Dinge sprechen und etwas darüber mitteilen zu können. Da möchte ich zunächst über zwei wichtige Dinge der hellseherischen Anschauung sprechen, die auch zum Verständnis des Lebens nach dem Tode führen können. Zunächst ist ja schon öfters aufmerksam darauf gemacht worden, wie verschieden das ganze Leben in der übersinnlichen Welt gegenüber dem Leben hier in der physischen, in der sinnlichen Welt ist. Wenn wir in die übersinnliche Welt hinaufkommen, dann ist zum Beispiel schon der ganze Erkenntnisprozeß ein anderer als hier in der physischen Welt. Hier in der physischen Welt, da gehen wir gleichsam durch diese Welt, und die Dinge treten an unsere Sinne heran, die Dinge machen ihre Farben- und Lichteindrücke auf unsere Augen, Gehörseindrücke auf unsere Ohren und andere Eindrücke auf unsere anderen Sinnesorgane. Wir nehmen die Dinge wahr, wir gehen durch die Welt und müssen durch die Welt gehen, wenn wir die Dinge wahrnehmen wollen, und es hilft uns nichts zur Wahrnehmung irgendeines Dinges, das an einem entfernten Orte ist, wenn wir nicht hingehen; kurz, wir müssen uns in der Welt der Sinne regen, wir müssen uns bewegen, wenn wir die Dinge wahrnehmen wollen. Das genau Entgegengesetzte gilt für die Wahrnehmungen in der übersinnlichen Welt. Je ruhiger wir in unserer Seele werden, je mehr wir sozusagen alles von innerer Beweglichkeit ausschließen, je weniger wir irgendein Ding aufsuchen, je weniger wir danach streben können, daß dieses Ding zu uns komme, je mehr wir warten können, desto sicherer tritt die Wahrnehmung des Dinges ein, desto wahrer ist dann die Empfindung, das Erlebnis, das wir von dem Dinge haben können. In der übersinnlichen Welt müssen wir die Dinge an uns herankommen lassen, das ist das Wesentliche. Innere Ruhe, die müssen wir uns erwerben, dann kommen die Dinge an uns heran.
[ 2 ] Something can be communicated about these matters because, as you know, clairvoyant vision brings one into the same realm in which a human being dwells between death and rebirth. In initiation one experiences, although in a different way, what takes place between death and rebirth. This accounts for the fact that one can communicate something about this realm. To being with, I wish to mention two fundamental points of clairvoyant perception that also will help in our understanding of life after death. Attention has often been drawn to the great difference between life in the super-sensible world and life in the physical, material world. For instance, the process of knowledge is totally different in the super-sensible world from what it is on earth. In the physical world objects present themselves to our senses by making impressions of color and light upon our eyes, audible impressions upon our ears and other impressions upon other sense organs. To perceive objects we must move about in the world. To perceive an object at a distance, we must go towards it. Briefly, in the sense world we must move about to perceive things. The opposite holds true for super-sensible perceptions. The quieter the soul, the more everything in the way of inner movement is excluded, the less we strive to draw a thing towards us, the longer we are capable of waiting, the more surely will the perception come and the truer will be the experience we gain from it. In the super-sensible world we must allow things to approach us. That is an essential point. We must develop inner silence. Then things will come to us.
[ 3 ] Und das zweite, das ich berühren möchte, ist dieses, daß, wenn wir die übersinnliche Welt betreten, wir gar sehr nötig haben zu berücksichtigen, daß die ganze Art, wie uns diese übersinnliche Welt entgegentritt, abhängig ist von dem, was wir aus der sinnlichen Welt, aus unserer gewöhnlichen menschlich-sinnlichen Welt in diese übersinnliche Welt hinein mitbringen. Das gibt zuweilen recht große Seelenschwierigkeiten in der übersinnlichen Welt. Es mag für uns in der sinnlichen Welt zuweilen recht peinlich sein, wenn wir wissen, wir haben einen Menschen weniger lieb, als wir ihn eigentlich haben sollten, als er verdiente, von uns geliebt zu werden. Demjenigen, der mit so etwas behaftet in die übersinnliche Welt hineintritt, daß er einen Menschen weniger liebt, als derselbe geliebt werden sollte, steht dies mit einer viel, viel größeren Intensität vor dem geistigen Auge, als es jemals uns vor die Seele treten kann hier in der physisch-sinnlichen Welt. Aber nun kommt etwas dazu, und das ist das ungeheuer Wichtige, was oftmals gerade dem hellseherischen Bewußtsein die größten Seelenschmerzen machen kann. Alle Kräfte, die wir aus der übersinnlichen Welt herausziehen können, alles, was wir in der übersinnlichen Welt gewinnen können, kann uns nichts helfen, um irgendein Seelenverhältnis, das wir als nicht richtig erkennen in der physischen Welt, etwa durch Kräfte, die wir aus der übersinnlichen Welt holen, besser zu machen. Das gibt gegenüber all dem, was uns in der sinnlichen Welt peinigen kann, etwas viel Peinigenderes noch in der übersinnlichen Welt; es gibt ein gewisses Gefühl der Ohnmächtigkeit gegenüber dem notwendigen Ausleben des Karma, das ja geschehen muß in der sinnlich-physischen Welt.
[ 3 ] The second point I wish to make is this. The way in which the super-sensible world confronts us depends on what we bring with us from the ordinary sense world. This is important. It may give rise to considerable soul difficulties in the super-sensible world. For instance, it may be exceedingly painful to realize in the super-sensible world that we loved a person less than we ought to have done, less then he deserved to be loved by us. This fact stands before the spiritual gaze of one who has entered the super-sensible world with far greater intensity than could ever be the case in the physical world. In addition, something else may cause great pain to one with clairvoyant consciousness. None of the forces that we are able to draw from the super-sensible world can in any way change or improve a relationship of soul in the physical that we recognize as not having been right. It cannot be made good by forces drawn from the spiritual world. This experience is infinitely more painful than anything we may experience in the physical world. It gives rise to a feeling of powerlessness towards the necessity of karma that can be lived out only in the physical world.
[ 4 ] Sehen Sie, diese beiden Dinge, die dem Schüler der okkulten Wissenschaft sehr bald entgegentreten, wenn er nur ein wenig Fortschritte macht, sie treten sofort auf in dem Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Nehmen wir nur einmal den Fall, daß wir zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, bald nach unserem Tode, mit menschlichen Wesenheiten zusammentreffen, die vielleicht vor uns hier in der physischen Welt gestorben sind. Wir treffen mit ihnen zusammen; wir können das ganze Verhältnis empfinden, das wir zu ihnen hier in der physischen Welt gehabt haben. Wir sind sozusagen mit einem vor uns oder jetzt oder nach uns Hingestorbenen zusammen und empfinden: Genau so standest du im Leben zu diesem Menschen, so war dein Verhältnis zu ihm. Während wir aber in der physischen Welt, wenn wir zum Beispiel darauf kommen, daß wir einem Menschen Unrecht getan haben in unseren Gefühlen oder Taten, imstande sind, irgend etwas dazu zu tun, um die Sache auszugleichen, sind wir das in dem Leben nach dem Tode durchaus nicht unmittelbar. Wir sehen klar ein: So steht es mit unserem Verhältnis, aber wir sehen, daß es unmöglich ist, innerhalb dieser übersinnlichen Welt irgend etwas auch aus der tiefsten Einsicht, daß es anders sein sollte, zu ändern. Es muß zunächst so bleiben, wie es ist. Das ist das Drückende manches Vorwurfes, daß man klar durchschaut, wie das Verhältnis nicht hätte sein sollen, aber daß man es so lassen muß, während man immer die Empfindung hat, es sollte anders sein. Und das wird zu übertragen sein auf das gesamte Leben nach dem Tode. Die Dinge, von denen wir wissen, sie sind von uns nicht richtig gemacht im Leben, wir sehen sie um so tiefer ein nach dem Tode; aber wir müssen sie so lassen, wie sie sind, müssen sie so weiterleben, wie sie sind. Wir sehen gleichsam zurück auf das, was wir getan haben, aber wir müssen vollständig die Konsequenz dessen ausleben, was wir getan haben, und haben das deutliche Erlebnis, daß wir nichts daran ändern können.
[ 4 ] These two factors confront the pupil of occult science after only a little progress. They appear immediately in the life between death and rebirth. Suppose that shortly after death we meet a person who died before us. We encounter him, and we feel the total relationships that we had with him here on earth. We are together with the one who died before, at the same time or after us, and we feel that that is how we stood with him in life. That was our relationship to him. But whereas in the physical world when we realize that we have done an injustice to someone in feeling or in deed, we are able to make the necessary adjustment, we are not able to do so, directly, in the life after death. Clear insight into the nature of the relationship is there, but in spite of the full awareness that it ought to be different, we are incapable of changing anything. To begin with, things must remain as they are. The depression caused by many a reproach is due to the fact that one is clearly aware of the way in which a relationship was not right but it must be left as it is. Yet one feels all the time that it ought to be different. This mood of soul should be transposed to the whole of life after death. After death we realize all the more strongly what we did wrongly during our life on earth but we are incapable of changing anything. Things must take their course, regardless. We look back on what we have done and we must experience wholly the consequences of our actions, knowing full well that nothing can be altered.
[ 5 ] So geht es nicht nur mit den Beziehungen zu anderen Menschen, so geht es mit unserem gesamten seelischen Leben nach dem Tode. Denn dieses seelische Leben hängt von mancherlei ab. Zunächst möchte ich wie durch Imaginationen schildernd dieses Leben nach dem Tode ein wenig darstellen. Wenn man den Ausdruck Visionen oder Imaginationen so nimmt, wie das gestern zum Beispiel auseinandergesetzt worden ist, so kann kein Mißverständnis entstehen über das, was jetzt gesagt werden soll. Während der Mensch hier durch seine Organe in der Sinneswelt wahrnimmt, lebt er nach dem Tode sozusagen in einer Welt von Visionen, nur daß diese Visionen Abbilder von Wirklichkeiten darstellen. Wie wir das innere Wesen der Rose hier in der physischen Welt nicht unmittelbar wahrnehmen, sondern die Röte äußerlich, so nehmen wir einen verstorbenen Freund oder Bruder oder dergleichen nicht unmittelbar wahr, sondern das, was wir nach dem Tode haben, ist das visionäre Bild. Wir sind sozusagen in der Wolke unserer Visionen darinnen, aber wir wissen ganz genau: wir sind mit dem anderen zusammen; es ist ein reales Verhältnis, ja ein viel realeres, als es hier auf der Erde zwischen Mensch und Mensch sein kann. Durch das Bild nehmen wir das Wesen wahr. In der ersten Zeit, auch nach der Kamalokazeit ist es so, daß unsere uns umgebenden, von uns erlebten Visionen so sind, daß sie eigentlich zumeist auf das, was wir hier auf der Erde erlebt haben, in dem angedeuteten Sinn zurückweisen. Wir wissen, sagen wir, es ist außer uns ein verstorbener Freund hier in der geistigen Welt; wir nehmen ihn durch unsere Vision wahr. Dieses Gefühl, mit ihm zusammen zu sein, haben wir vollständig; wir wissen, wie wir mit ihm zusammengehören. Was wir aber hauptsächlich wahrnehmen, ist das, was sich hier auf der Erde mit ihm abgespielt hat; das kleidet sich zunächst anfangs in unsere Vision ein. Eine Nachwirkung unserer irdischen Verhältnisse ist zunächst die Hauptsache im Erleben; wie wir überhaupt auch noch nach der Kamalokazeit in einer gewissen Beziehung in den Konsequenzen unseres irdischen Daseins leben. Und diese Wolke von Visionen, die uns einschließt, ist durchaus abhängig von dem, wie wir unser Erdenleben zugebracht haben. Erst nach und nach, wenn die Zeit etwas verläuft zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, stellt sich für die imaginative Anschauung die Sache so, daß der Mensch, der seelisch wie in seine Imaginationen eingehüllt ist, dann anfängt, so zu erscheinen für die Imagination als wie eine Wolke, die zuerst dunkel ist — das wäre der Mensch in der ersten Zeit nach der Kamalokazeit —, dann beginnt diese Wolke von der einen Seite so beleuchtet zu sein, wie wenn wir am Morgen eine Wolke von der Sonne glühend erleuchtet sehen. Wenn dann die Inspiration kommt und diese Imagination erklären soll, so stellt sich heraus: Wir leben zuerst in der Welt, in der Wolke unserer eigenen Erlebnisse der Erde, sind in diese gleichsam eingehüllt und sind nur imstande, zu den Wesen eine Beziehung zu gewinnen, mit denen wir auf der Erde zusammen waren, also vorzugsweise zu den Menschen, die gestorben sind oder die eine Möglichkeit haben, mit ihren Seelen hinaufzukommen von der Erde in die geistige Welt. Das aber, was sich da ausdrückt für die imaginative Welt, daß die Wolke unseres Wesens von der einen Seite erleuchtet wird wie von einem Glimmlicht, das sich herumlegt, das bezeugt, daß wir beginnen uns einzuleben in das Herankommen der Hierarchien an unsere eigene Wesenheit. Die Wesenheiten der höheren Hierarchien kommen an uns heran, wir leben uns allmählich in die Welt der höheren Geistigkeit ein. Vorher haben wir nur Zusammenhänge mit der Welt, die wir mitgebracht haben; dann beginnt das Leben der höheren Hierarchien an uns heranzuleuchten und in uns einzudringen; wir bekommen ein Mitleben mit den Wesen der höheren Hierarchien, wir leben uns mehr und mehr in die Welt der höheren Hierarchien ein. Um aber zu verstehen, wie wir uns einleben, dazu ist notwendig, daß wir tatsächlich über die durch die imaginative Erkenntnis wahrzunehmenden sozusagen Größenverhältnisse unseres Wesens uns aufklären, indem wir uns von unserem physischen Leibe herausziehen mit unserem seelischen Wesen.
[ 5 ] It is not only with relationships to other human beings, but with the whole of our soul configuration after death, which depends on a number of factors. To begin with, let me portray life after death in the form of Imaginations. If we take the words “Visions” or “Imaginations” in the sense in which I explained them yesterday, no misunderstanding will arise. Man perceives the physical world through his sense organs. After death he lives in a world of visions, but these visions are mirror-images of reality. Just as here in the physical world we do not immediately perceive the inner nature of the rose, but the external redness, so do we not have a direct perception of a departed friend or brother, but encounter a visionary image. We are enveloped in the cloud of our visions, so to speak, but we know quite clearly that we are together with the other being. It is a real relationship, in fact more real than a relationship between one person and another can be on earth. In the first period after death we perceive a soul through the image. Also after the kamaloca period the visions that surround us, and that we experience, point back, for the most part, to what we experienced on earth. We know, for instance, that a dead friend is there outside us in the spiritual world. We perceive him through our visions. We feel entirely at one with him. We know exactly how we are related to him. What we chiefly perceive, however, is what happened between us on earth. This, to begin with, clothes itself in our vision. The chief thing is the aftermath of our earthly relationship, just as even after the kamaloca period we live in the consequences of our earthly existence. The cloud of visions that envelops us is entirely dependent on how we spent our earthly existence. In the first period of kamaloca the soul is clothed, as in a cloud, by its Imaginations. At first the cloud is dark. When some time has elapsed after death, Imaginative vision gradually perceives that this cloud begins to light up as if irradiated by the rays of the morning sun. When Inspiration is added to Imaginative cognition we realize that we live, to begin with, in the cloud of our earthly experiences. We are enveloped by them. We are able to relate ourselves only to those who have died and with whom we were together on the earth, or to those still on earth capable of ascending with their consciousness into the spiritual world. What we have characterized for Imaginative cognition as the illumination of the cloud of our visions from one side by a glimmering light points to the approach of the hierarchies into our own being. We now begin to live into the realm of higher spirituality. Previously, we were only connected to the world we brought with us. Now the life of the higher hierarchies begin to shine towards us, to penetrate us. But in order to understand this process, we must gain some insight into the relationships of size perceived through imaginative cognition as the soul draws out of the physical body.
[ 6 ] Das tun wir ja, wenn wir durch die Pforte des Todes gehen. Da dehnt sich tatsächlich unser Wesen aus, da wird unser Wesen immer größer und größer. Das ist eine schwierige Vorstellung; aber es ist doch so. Wir sind in der Tat nur auf der Erde versucht zu glauben, daß wir so groß sind wie die Grenze unserer Haut. Es ist ein Hinauswachsen in die endlosen Räume, sozusagen ein immer Größer- und Größerwerden. Und wenn wir am Ende der Kamalokazeit angelangt sind, sind wir buchstäblich so groß, daß wir bis zu dem Umkreis reichen, den der Mond um die Erde macht. Also, wir werden sehr, sehr groß. Wir werden, wie der Okkultist sagt, zu Mondbewohnern; das heißt aber, wir dehnen unser Wesen so weit aus, daß unsere äußere Grenze zusammenfällt mit dem Kreis, den der Mond um die Erde beschreibt. Ich kann auf die Lagenverhältnisse der Planeten heute nicht eingehen, aber Sie werden das, was scheinbar mit der äußeren Astronomie nicht stimmt, aufgeklärt finden, wenn Sie die Dinge mit dem in Düsseldorf gehaltenen Vortragszyklus über «Geistige Hierarchien und ihre Widerspiegelung in der physischen Welt» vergleichen. Und dann wachsen wir weiter hinaus in den Weltenraum, in unser ganzes Planetensystem hinein, und wachsen dann zunächst in das, was der Okkultist die Merkursphäre nennt, hinein. Das heisst, wir werden — in den Grenzen, die Sie sich ja selbst abstecken, wenn Sie die Dinge richtig verstehen —, wir werden nach der Kamalokazeit Merkurbewohner, und wir fühlen uns auch durchaus dann so, daß wir den Weltenraum bewohnen. So wie wir uns während unseres physischen Daseins als Erdenbewohner fühlen, so fühlen wir uns dann als Merkurbewohner. Ich kann in Einzelheiten nicht beschreiben, wie sich das ausnimmt, aber das Bewußtsein ist durchaus vorhanden: Wir sind jetzt nicht etwa nur in einem so kleinen Raumteil eingegrenzt wie auf der Erde, sondern unser ganzes Sein umfaßt tatsächlich diesen weiten Umkreis, der begrenzt wird durch die Bahn, die der Merkur beschreibt. Diese Zeit, die wir da durchleben, wie wir sie durchleben, das hängt auch davon ab, wie wir uns vorbereitet haben hier auf der Erde, was wir hier für Kräfte aufgenommen haben, um in der richtigen oder unrichtigen Art hineinzuwachsen in diese Merkursphäre.
[ 6 ] This actually happens as we pass through the gate of death. Our being expands and becomes larger and larger. This is not an easy concept but that is what actually happens. It is only on earth that we consider ourselves limited within the boundary of our skin. After death we expand into the infinite spaces, growing ever larger. When we have reached the end of the kamaloca period, we literally extend to the orbit of the moon around the earth. In the language of occultism we become Moon dwellers. Our being has expanded to such an extent that its outer boundary coincides with the circle described by the moon around the earth. Today I cannot go into the relative positions of the planets. An explanation of what does not apparently agree with orthodox astronomy can be found in the Düsseldorf lectures, Spiritual Hierarchies and Their Reflection in the Physical World: Zodiac, Planets, Cosmos. Thus we grow farther out into cosmic space, into the whole planetary system, though first into what the occultist calls the Mercury sphere. That is to say, after the kamaloca period we become Mercury dwellers. We truly feel that we are inhabiting cosmic space. Just as during our physical existence we feel ourselves to be earth dwellers, so then we feel ourselves to be Mercury dwellers. I cannot describe the details now, but the following conscious experience is present. We are not now enclosed in such a small fraction of space as during our earthly existence but the wide sphere bounded by the orbit of Mercury is within our being. How we live through this period also depends upon how we have prepared ourselves on earth—on the forces we have imbibed on earth in order to grow into the right or wrong relationship to the Mercury sphere.
[ 7 ] Man kann nun bei der okkulten Untersuchung zwei Menschen vergleichen — oder mehrere Menschen, aber sagen wir zunächst zwei Menschen —, um zu einer Erkenntnis dieser Tatsache zu kommen. Und da ist verglichen worden die Seele eines Menschen zum Beispiel, welcher in unmoralischer Verfassung durch die Pforte des Todes gegangen ist, mit der Seele eines Menschen, der in moralischer Seelenverfassung durch die Pforte des Todes gegangen ist. Da stellt sich ein beträchtlicher Unterschied heraus. Es zeigt sich schon sehr bald, wie der Unterschied zunächst ist, wenn es sich handelt um das Verhältnis des einen Menschen zu anderen, die er nach dem Tode trifft. Da ist es so, daß bei dem Menschen mit moralischer Seelenverfassung ja auch die Bilder da sind, in die die Seele eingehüllt ist; aber der Mensch findet überall die Möglichkeit, sozusagen bis zu einem gewissen Grad mit diesen anderen Menschen zusammen zu sein. Das macht die moralische Seelenverfassung. Während bei unmoralischer Seelenverfassung das eintritt, daß der Mensch das wird, was man nennen kann eine Art Einsiedler in der geistigen Welt. Er weiß zum Beispiel, daß ein Mensch, der auch in der geistigen Welt ist, ihn auf der Erde gekannt hat; er weiß, daß er mit ihm zusammen ist, aber er kann keine Möglichkeit finden, sozusagen aus dem Gefängnis seiner imaginativen Wolke herauszukommen und an ihn heranzutreten. Moralität macht uns zum geselligen Wesen in der geistigen Welt, zu einem Wesen, das Beziehungen anknüpfen kann mit anderen Wesen; Unmoralität macht uns zum Einsiedler in der geistigen Welt, versetzt uns in die Einsamkeit. Und dies ist eigentlich ein wichtiger kausaler Zusammenhang zwischen Dingen, die sich hier auf der Erde mit unserer Seele abspielen, und dem, was zwischen dem Tod und einer neuen Geburt geschieht.
[ 7 ] In order to understand these facts we can compare two or more people by means of occult research but we will take two. For instance, let us consider a man who passed through the gate of death with an immoral attitude and one who passed through the gate of death with a moral attitude of soul. A considerable difference is perceptible and it becomes apparent when we consider the relationship of one person to another after death. For the man with a moral attitude of soul, the pictures are present, enveloping the soul and he can have a certain degree of communion everywhere with other human beings. This is due to his moral attitude. A man with an immoral attitude of soul becomes a kind of hermit in the spiritual world. For example, he knows that another human being is also in the spiritual world. He knows that he is together with him but he is unable to emerge from the prison of his cloud of Imaginations and approach him. Morality makes us into social beings in the spiritual world, into beings who can have contact with others. Lack of morality makes us into hermits in the spiritual world and transports us into solitude. This is an important causal connection between death and rebirth.
[ 8 ] Und so ist es auch im weiteren Verlauf. Wir durchleben in einer weiteren Zeit, nachdem wir durch die Merkursphäre gegangen sind im Sinne des Okkultismus, die sogenannte Venus-Sphäre, fühlen uns als Venusbewohner. Da ist es, zwischen Merkur und Venus, wo allmählich unsere Wolke sozusagen von außen beschienen wird, wo herankommen können an den Menschen die Wesenheiten der höheren Hierarchien. Aber jetzt hängt es wieder davon ab, ob wir uns in der richtigen Weise bereit gemacht haben, als gesellige Geister in die Reihen der Hierarchien aufgenommen zu werden, mit ihnen etwas zu tun haben zu können, oder ob wir zwar wissen, daß sie da sind, aber wie Einsiedler gleichsam an jedem vorbeigehen müssen, wie Einsiedler uns da bewegen in der geistigen Welt. Und in dieser Venus-Sphäre ist es wiederum von etwas anderem abhängig, ob wir gesellige Geister sind oder einsam hinwandelnde Geister. Während es in der vorigen Sphäre nur möglich ist, ein geselliger Geist zu sein, wenn wir uns durch Moralität dazu vorbereitet haben auf der Erde, ist im wesentlichen die Kraft, die uns zur Geselligkeit, das heißt zu einem gewissen sozialen Leben in der Venus-Sphäre führt, das religiöse Leben, die religiöse Stimmung der Seele. Und wir können uns am ehesten zu Einsiedlern in dieser Venus-Sphäre verurteilen, wenn wir während des Erdenlebens keine religiöse Stimmung, kein Gefühl unserer Zusammengehörigkeit mit dem Unendlichen, mit dem Göttlichen, entwickelt haben. Ja, es ist das eben so, daß es sich tatsächlich für die okkulte Beobachtung so darstellt, daß der Mensch zum Beispiel durch einen bloßen atheistischen Hang, durch ein Ablehnen jeder Beziehung seiner Endlichkeit zur Unendlichkeit sich in das Gefängnis seiner eigenen Sphäre einsperrt. Und es ist eine Wahrheit, wenn gesagt wird, daß der sogenannte Monistenbund, in dem sich die Leute auch gesellig über die Erde vereinigen, durch sein Bekenntnis es wirklich dazu bringt, daß die Leute, die in ihm verbunden sind mit einem nicht zur religiösen Stimmung hinneigenden Bekenntnis, sich gut dazu vorbereiten, daß sie dann keinen Monistenbund mehr bilden können, sondern wirklich jeder in seinem eigenen Gefängnis sitzt.
[ 8 ] This is true also of the further course of events. At a later period, after having passed through the Mercury sphere, which in the occult we call the Venus sphere, we feel ourselves as Venus dwellers. There between Mercury and Venus, where our cloud of visions is irradiated from without, the Beings of the higher hierarchies are able to approach the human being. Now again it depends on whether we have prepared ourselves in the right manner to be received as social spirits into the ranks of the hierarchies and to have communion with them, or whether we are compelled to pass them by as hermits. Whether we are social or lonely spirits depends upon still another factor. Whereas in the previous sphere was can be sociable only if this has been prepared on earth as a result of morality, in the Venus sphere the power that leads us into community, into a kind of social life, is due to our religious attitude on earth. We most certainly condemn ourselves to become hermits in the Venus sphere if we have failed to develop religious feelings during earthly life, feelings of union with the Infinite, with the Divine. Occult investigation observes that as a result of an atheistic tendency in the soul, of rejecting the connection of our finite with our infinite nature, the human being locks himself up within his own prison. It is a fact that the adherents of the Monistic Union, with its creed that does not promote a truly religious attitude, are preparing themselves for a condition in which they will no longer we able to form any Monistic Union, but will be relegated each to his own separate prison!
[ 9 ] Das ist nicht etwas, was ein Urteil begründen soll, sondern was sich eben aufdrängt für die okkulte Beobachtung als etwas, was ganz notwendig als Folge der irdischen religiösen oder unreligiösen Empfindungen auftreten muß. Nun wissen wir ja, daß auf der Erde die verschiedensten Religionen gestiftet worden sind, und zwar im wesentlichen im Laufe der Menschheitsentwickelung aus einem gemeinsamen Quell heraus. Sie sind gestiftet worden so, daß aus diesem gemeinsamen Quell heraus die einzelnen Religionsstifter berücksichtigt haben die Temperamente der einzelnen Völker, Klima und alle Dinge, an welche die Religionen angepaßt werden mußten. So kamen natürlich die Seelen nicht mit einer allgemeinen religiösen Stimmung in diese Sphäre der Venus, sondern sie kamen dahin mit der Stimmung ihres besonderen Religionsbekenntnisses. Wenn man auch ein Gefühl hat für das Geistige, für das Ewige, für das Göttliche, aber dieses Gefühl mit einer bestimmten Färbung dieses oder jenes Religionsbekenntnisses hat, bewirkt das wiederum, daß man nur ein geselliges Wesen wird für die, welche sozusagen die gleichen Empfindungen haben, welche in demselben Religionsbekenntnis hier auf der Erde gelebt haben. Und daher können wir gerade in der Venus-Sphäre die Menschen abgetrennt finden nach ihren besonderen Religionsbekenntnissen. Die Menschen sind ja auf unserer Erde, wie wir wissen, nach Rassen, mehr nach äußeren Merkmalen bisher gegliedert gewesen. Da Rassen-, Stammeszusammengehörigkeiten mit den religiösen Bekenntnissen etwas zu tun haben, so entspricht im allgemeinen, aber nur im allgemeinen, auch etwas diese Konfiguration von Gruppen in der Venus-Sphäre — aber doch nicht ganz genau — dem, wie die Menschen hier auf der Erde gegliedert sind, weil eben dort die Menschen nur sich gliedern nach ihrem Verständnisse eines gewissen Religionsbekenntnisses. Dadurch schließen sich gleichsam die Menschen in bestimmte Grenzen, in Provinzen ein, daß sie nur Empfindungen haben für ihre bestimmten Religionsbekenntnisse. In der Merkursphäre zeigt der Mensch noch mehr hauptsächliches Verständnis für die Menschen, welche hier auf der Erde mit ihm verbunden waren, zu denen er eine gewisse Beziehung gehabt hat. Wenn er nun eine moralische Seelenverfassung hatte, so ist er während der Merkursphäre im wesentlichen im Umgange mit den Menschen, zu denen sich hier schon ein Verhältnis angesponnen hat. Während der Venus-Sphäre ist der Mensch mehr aufgenommen in die großen religiösen Gemeinschaften, in die er aufgenommen sich fühlte durch die Beschaffenheit seiner Seele hier im Erdendasein.
[ 9 ] This is not meant to be a principle on which to base judgments. It is a fact that presents itself to occult observation as the consequence of a religious or irreligious attitude of soul during earthly life. Many different religions have been established on the earth in the course of evolution, all of them emanating essentially from a common source. Their founders have had to reckon with the temperament of the different peoples, with the climate and with other factors to which the religions had to be adjusted. It is therefore in the nature of things that souls did not come into this Venus sphere with a common religious consciousness, but with one born of their particular creed. Definite feelings for the spiritual that are colored by this or that religious creed bring it about that in the Venus sphere a man has community only with those of like feelings who shared the same creed during earthly life. In the Venus sphere individuals are separated according to their particular creeds. On the earth they have hitherto been divided into races according to external characteristics. Although the configuration of groups in the Venus sphere corresponds in general to the groupings of people here on earth because racial connections are related to religious creeds, the groupings do not quite correspond because there they are brought together according to their understanding of a particular creed. As a result of experience connected with a particular creed, souls enclose themselves within certain boundaries. In the Mercury sphere a man has, above all, understanding for those with whom he was connected on earth. If he had a moral attitude of soul, he will have real intercourse in the Mercury sphere with those to whom he was related during his earthly life. In the Venus sphere he is taken up into one of the great religious communities to which he belonged during his earthly existence by virtue of his constitution of soul.
[ 10 ] Die nächste Sphäre nun, die der Mensch zu betreten hat, ist die Sonnensphäre. Und wir kommen in der Tat zwischen dem Tod und einer neuen Geburt dazu, uns eine gewisse Zeit hindurch als Sonnenbewohner zu fühlen, das heißt zu wissen: Wir sind mit der Sonne verbunden. Wir lernen in dieser Zeit durchaus das Wesen der Sonne kennen, das ganz anders ist, als die physische Astronomie es heute beschreibt. Und wiederum handelt es sich darum, daß wir in die Sonnensphäre uns einzuleben vermögen in der richtigen Art. In der Sonnensphäre tritt nun namentlich eines uns entgegen: da tritt das starke Bedürfnis in der Seele auf wie durch eine elementare Kraft, dass alle Sonderheiten zwischen den Menschenseelen aufhören müssen. Während wir in der Merkursphäre mehr oder weniger eingereiht sind in den Kreis, zu dem wir auf der Erde Beziehung gehabt haben, während wir in der Venus-Sphäre heimisch sind durch ein religiöses Leben innerhalb der Kreise, die mit uns religiös gleich empfunden haben auf der Erde, und wir uns noch in gewisser Weise befriedigt fühlen können bloß in diesen Gemeinschaften, fühlt die Seele tiefe Einsamkeit auf der Sonne, wenn sie sich verurteilt fühlt, kein Verständnis zu haben für alle Seelen, die von der Erde zwischen dem Tod und einer neuen Geburt in diese Sonnensphäre versetzt werden. Nun war es für die alten Zeiten der Menschheitsevolution so, daß ja tatsächlich die Seelen während der Venus-Sphäre sozusagen in den einzelnen Religionsprovinzen befindlich waren, dort ihr Verständnis fanden und gaben und daß, weil alle Religionen aus einem gemeinsamen Quell sind, der Mensch, wenn er in die Sonnensphäre übertrat, gleichsam von dem alten gemeinsamen Erbstück aller Religionsbekenntnisse so viel hatte, daß ihm die Möglichkeit gegeben war, in der Sonnensphäre an alle anderen Seelen heranzutreten und mit ihnen zusammen zu sein, sie zu verstehen, mit ihnen Gemeinsamkeit zu pflegen, mit ihnen geselligen Geistes sein zu können.
[ 10 ] The next sphere is the Sun sphere in which we feel ourselves as Sun dwellers for a definite period between death and rebirth. During this period we learn to know the nature of the Sun, which is quite other than astronomy describes. Here again it is a question of living rightly into the Sun sphere. We now have the outstanding experience, and it arises in the soul like an elemental power, that all differentiations between human souls must cease. In the Mercury sphere we are more or less limited to the circle of those with whom we were related on earth. In the Venus sphere we feel at home with those who had similar religious experiences to ours on earth and we still find satisfaction only among these communities. But the soul is conscious of deep loneliness in the Sun sphere if it has no understanding for the souls entering this sphere, as is the case with Felix Balde, for instance. Now in ancient times conditions were such that in the Venus sphere souls were to be found in the provinces of the several religions, finding and giving understanding in them. Because all religions have sprung from a common source, when the human being entered the Sun sphere he had in him so much of the old common inheritance that he could come near to all the other souls in the Sun sphere and be together with them, to understand them, to be a social spirit among them.
[ 11 ] Die Seelen der älteren Menschheitsentwickelung konnten durch sich selber nicht viel dazu tun, dieser Sehnsucht, die da auftritt, entgegenzukommen; aber dadurch, daß ohne menschliches Zutun ein allgemein menschlicher Kern: in den Seelen war, fanden die Seelen die Möglichkeit, über das religiöse Bekenntnis hinaus mit den Seelen anderer Religionsbekenntnisse zu verkehren. Im alten Brahmanismus, im chinesischen Bekenntnis, in den anderen Religionen der Erde steckte so viel von dem gemeinsamen religiösen Kern, der mitgegeben war aus dem gemeinsamen Urquell aller Religionen, daß die Seelen in der Sonnensphäre sich gleichsam in der Urheimat aller Religionen fanden, welche den Quell alles religiösen Lebens in sich birgt. Das ist nun in der mittleren Erdenzeit anders geworden. Der Zusammenhang mit dem Urquell der Religionen ist verlorengegangen, und er kann erst wiederum durch eine okkulte Erkenntnis aufgefunden werden; so daß auch für diese Sonnensphäre in unserem gegenwärtigen Menschheitszyklus sich der Mensch schon auf der Erde vorbereiten muß und nicht von selbst zu einer allgemein menschlichen Geselligkeit kommt. Darin haben wir wiederum etwas, worin das große Bedeutsame des Mysteriums von Golgatha, des Christentums, liegt, daß es für die neuere Menschheit, für den jetzigen Menschheitszyklus die Möglichkeit gibt, auf der Erde sich so vorzubereiten, daß der Mensch zu einem allgemein-menschlich geselligen Leben während der Sonnensphäre kommt. Darum mußte der Sonnengeist, der Christus, herniedersteigen auf die Erde. Und nachdem er herniedergestiegen ist und sich vereint hat mit der Erde, kann auf der Erde die Möglichkeit gefunden werden für die Seelen, in der Sonnensphäre zwischen dem Tod und einer neuen Geburt ein allgemein menschliches geselliges Wesen zu werden.
[ 11 ] In these more ancient periods of evolution souls could not do much of themselves to satisfy the longing that arose there. Because without human intervention a common human nucleus was present in mankind, it was possible for souls to have intercourse with others belonging to different creeds. In ancient Brahmanism, in the Chinese and other religions of the earth, there was so much of the common kernel of religion that souls in the Sun sphere found themselves in that primal home, the source of all religious life. This changed in the middle period of the earth. Connection with the primal source of the religions was lost and can only be found again through occult knowledge. So, in the present cycle of evolution man also must prepare himself for entering the Sun sphere while still on earth because community does not arise there of itself. This is also an aspect of the significance of the Mystery of Golgotha, of Christianity. Because of it human beings in the present cycle of evolution can so prepare themselves on earth that universal community is achieved in the Sun sphere. For this purpose the Sun Spirit, the Christ, had to come down to earth. Since His coming, it has been possible for souls on the earth to find the way to universal community in the Sun sphere between death and rebirth.
[ 12 ] Es könnte vieles angeführt werden für das Universelle des wirklich verstandenen Christus-Mysteriums. Wir haben ja schon vieles angeführt im Laufe der Jahre; man kann aber dieses ChristusMysterium immer wieder und wiederum von neuen Seiten beleuchten. Wenn gesagt wird, daß durch eine besondere Hervorhebung des Christus-Mysteriums etwa Vorurteile gegenüber den anderen Religionsbekenntnissen hervorgerufen würden — das ist ja oftmals gesagt worden, daß zum Beispiel in unserer geisteswissenschaftlichen Bewegung hier in Mitteleuropa das Christus-Mysterium besonders betont würde und dadurch gleichsam die andern Religionsbekenntnisse nicht gleich behandelt würden —, wäre ein solcher Vorwurf das Unverständlichste, was gemacht werden kann; denn dieses Christus-Mysterium ist seiner eigentlichen Bedeutung nach eben sozusagen erst in den neuen Zeiten okkult entdeckt worden. Und wenn etwa der Buddha-Bekenner sagen wollte: Du stellst das Christentum über das Buddha-Bekenntnis, weil du den Christus als irgend etwas Besonderes hinstellst, das steht noch nicht in meinen heiligen Büchern, also benachteiligst du den Buddhismus — so ist das nicht verständiger, als wenn der Buddhist verlangen wollte, man solle auch nicht die kopernikanische Weltanschauung annehmen, weil die auch nicht in seinen heiligen Büchern steht. Es hat nichts zu tun mit der Gleichberechtigung der Religionen, daß Dinge, die später gefunden worden sind, anerkannt werden. Das Mysterium von Golgatha ist so, daß es kein besonderes Privileg eines christlichen Bekenntnisses ist, sondern es ist eine geisteswissenschaftliche Wahrheit, die geradeso wie das kopernikanische Weltensystem von jedem religiösen System anerkannt werden kann, und es handelt sich wahrhaftig nicht um die Geltendmachung eines Religionsbekenntnisses, das das Mysterium von Golgatha recht schlecht bisher verstanden hat, sondern um die geisteswissenschaftliche Tatsache des Mysteriums von Golgatha. Ist dieses aber schon recht unverständig, so ist noch unverständiger, davon zu sprechen, daß man nun alle Religionsbekenntnisse abstrakt vergleichen und eine Art abstrakter Gleichheit des Wesens aller Religionsbekenntnisse annehmen solle. Denn da müssen konkret diese verschiedenen Religionsbekenntnisse nicht mit dem, was das Christentum geworden ist als dieses oder jenes Bekenntnis, sondern mit dem, was es seinem Wesen nach enthält, zusammengestellt werden.
[ 12 ] Much could be added in support of the universality that is born of the Christ Mystery when it is rightly understood. Much has been said in the course of years, but the Christ Mystery can ever and again be illuminated from new aspects. It is often said that special emphasis of the Christ Mystery creates prejudices against other creeds, and that is advanced because in our Anthroposophical Movement in Central Europe special emphasis has been laid on it. Such a reproach is quite unintelligible. The true meaning of the Christ Mystery has only been discovered from the occult aspect in modern times. If a Buddhist were to say, “You place Christianity above Buddhism because you attribute a special position to the Christ that is not indicated in my sacred books, and you are therefore prejudiced against Buddhism,” that would be as sensible as if the Buddhist were to claim that the Copernican view of the universe cannot be accepted because it, too, is not contained in his sacred writings. The fact that things are discovered at a later date has nothing to do with the equal justification of religious beliefs. The Mystery of Golgotha is such that it cannot be regarded as a special privilege. It is a spiritual-scientific fact that can be acknowledged by every religious system just as the Copernican system can. It is not a question of justifying some creed that up until now has failed to understand the Mystery of Golgotha, but rather is it a question of grasping the spiritual-scientific fact of Golgotha. If this is unintelligible, it is even more so to speak about an abstract comparison of all creeds and to say that one ought to accept an abstract similarity among them. The different creeds should not be compared with what Christianity has become as a creed, but with the essence that is contained in Christianity itself.
[ 13 ] Nehmen Sie das Hindu-Bekenntnis. Zu diesem wird niemand aufgenommen, der nicht ein Hindu ist. Das ist im wesentlichen an ein Volk gebunden. So ist es bei den meisten alten Religionsbekenntnissen. Einzig der Buddhismus hat es durchbrochen; aber auch er ist nur für eine bestimmte Gemeinschaft, wenn er richtig verstanden wird. Aber nehmen Sie jetzt die äußeren Tatsachen. Würden wir zum Beispiel in Europa ein Religionsbekenntnis haben, das in gleicher Weise zu behandeln wäre wie meinetwillen das Hindu-Bekenntnis, dann müßten wir auf den alten Wotan schwören. Das war ein nationaler Gott, war das, was gegeben war einem einzelnen Stamm, einem Volk. Aber was ist geschehen im Abendlande? Wahrhaftig, nicht irgendein nationaler Gott ist angenommen worden, sondern in bezug auf das äußere Leben eine ganz fremde Persönlichkeit: der Jesus von Nazareth ist herübergenommen worden. Während im wesentlichen die anderen Religionsbekenntnisse etwas Religiös-Egoistisches haben und nicht über sich hinaus wollen, ist ja das gerade das Bezeichnende des Abendlandes, daß es zurückgedrängt hat seine religiös-egoistischen Systeme, zum Beispiel das alte Wotan-System, und etwas angenommen hat, was nicht in seinem eigenen Fleisch und Blut gewachsen ist, es angenommen hat wegen seines seelischen Gehaltes. Das Christentum ist für das Abendland durchaus nicht in demselben Sinne ein religiös-egoistisches Bekenntnis, als es andere Religionsbekenntnisse für die einzelnen Völker waren. Das ist das außerordentlich Wichtige, das schon von den äußeren Tatsachen her ins Auge gefaßt werden muß. Und das macht das Universelle des Christentums in einer anderen Beziehung aus, wenn dieses Christentum wirklich das Mysterium von Golgatha in den Mittelpunkt des Menschheitswerdens zu stellen weiß.
[ 13 ] Take the Hindu creed. Nobody is received into this creed who is not a Hindu. It is connected with a people, and this is true of most ancient creeds. Buddhism has broken through this restriction, yet if rightly understood, it too applies to a particular community. But now let us consider the external facts. If in Europe we were to have a creed similar, let us say, to the Hindu creed, we should be obliged to swear allegiance to the ancient god, Wotan. Wotan was a national god, a god connected with a definite racial stock. But what has in fact happened in the West? It is not a national god that has been accepted, but, inasmuch as his external lie is concerned, an alien personality. Jesus of Nazareth has been accepted from outside. Whereas the other creeds essentially have something egoistical about them in the religious sense and do not wish to break through their boundaries, the West has been singled out by the fact that it has suppressed its egoistical religious system—for example, the ancient Wotan religion—and for the sake of its inner substance has accepted an impulse that did not grow out of its own flesh and blood. Insofar as the West is concerned, Christianity is not the egoistical creed that the others were for the different peoples. This is a factor of considerable importance that is also borne out by external happenings. It makes for the universality of Christianity in yet another respect if Christianity truly places the Mystery of Golgotha at the center of the evolution of humanity.
[ 14 ] Dieses Christentum ist ja noch nicht sehr weit fortgeschritten in seiner Entwickelung; denn zwei Dinge kann man in diesem Christentum noch immer nicht ordentlich unterscheiden. Man wird sogar sehr langsam und allmählich erst dahin kommen, dies zu unterscheiden. Im richtigen Sinn des Mysteriums von Golgatha, wer ist da ein Christ? Der ist ein Christ, der weiß, daß mit dem Mysterium von Golgatha etwas Reales geschehen ist, dass der Sonnengeist im Christus gelebt hat, sein Wesen ausgegossen hat über die Erde und daß der Christus für alle Menschen gestorben ist. Obwohl Paulus schon verkündet hat, der Christus ist nicht nur für die Juden gestorben, sondern auch für die Heiden, versteht man dieses Wort heute immer noch recht wenig. Erst wenn man weiß, daß der Christus für alle Menschen die Tat auf Golgatha vollbracht hat, dann wird man das Christentum verstehen. Denn ein anderes ist diese reale Wirkung die sich ausgegossen hat von Golgatha, und ein anderes, ob man sich ein Verständnis dafür angeeignet hat. Daß man weiß, was der Christus ist, soll man anstreben, aber man kann niemals einen Menschen auf Erden nach dem Mysterium von Golgatha anders ansehen als so, daß man sagt: Ob du Chinese oder Hindu bist, der Christus ist auch für dich gestorben, und er hat diese Bedeutung für dich wie für einen andern. So daß im richtigen Verständnis des Mysteriums von Golgatha sich die Anschauung ergibt, daß wir jedem Menschen entgegentreten und fragen: Wieviel hat er Christliches? — gleichgültig, was er für einen Glauben hat. Weil der Mensch sich immer mehr und mehr Bewußtsein davon erwerben muß, was in ihm real ist, ist es selbstverständlich ein hohes Ideal, auch etwas zu wissen vom Christus-Mysterium. Dieses wird sich immer mehr und mehr verbreiten. Und das wird dazu gehören: Verständnis zu haben für das Mysterium von Golgatha. Das ist aber etwas anderes als die Auffassung, die man haben kann von dem Mysterium von Golgatha: das Universelle, das für alle Menschen gültig ist. Jetzt kommt es darauf an, daß wir es in der Seele empfinden: das macht uns zu geselligen Wesen in der Sonnensphäre. Wir sind dort Einsiedler, wenn wir uns eingeschlossen in irgendein Religionsbekenntnis fühlen; wir sind gesellige Wesen in der Sonnensphäre, wenn wir Verständnis haben für das Universelle des Mysteriums von Golgatha. Da finden wir die Möglichkeit, mit jedem Wesen etwas zu tun zu haben, das in der Sonnensphäre an uns herankommt. Zu frei beweglichen Wesen in der Sonnensphäre macht uns die Empfindung, die wir uns aneignen während der Erdenzeit für das Mysterium von Golgatha innerhalb unseres Menschheitszyklus.
[ 14 ] Christianity has not yet made great progress in its development because even now two aspects have still not been clearly distinguished. They will only be distinguished slowly and by degrees. Who, in the true sense of the Mystery of Golgotha, is a Christian? He is one who knows that something real happened in the Mystery of Golgotha, that the Sun Spirit lived in the Christ, that Christ poured His Being over the earth, that Christ died for all men. Although Paul declared that Christ died not only for the Jews but also for the heathen, these words even today are still little understood. Not until it is realized that Christ fulfilled the Deed of Golgotha for all human beings will Christianity be understood. For the real power that flowed from Golgotha is one thing, and the understanding of it is another. Knowledge of who the Christ really is should be striven for, but since the Mystery of Golgotha our attitude to every man can only be expressed as follows. Whatever your creed may be, Christ also died for you, and his significance for you is the same as for every other human being. A true understanding of the Mystery of Golgotha leads to the attitude that we ask ourselves about each person we meet, “How much has he in him of real Christianity, irrespective of his particular beliefs?” Because man must increasingly acquire consciousness of what is real in him to know something of the Mystery of Christ is naturally a lofty ideal. This will become more widespread as time goes on, and to it will belong the need to understand the Mystery of Golgotha. But this is different from the concept that one may have of the Mystery of Golgotha, of its universality that holds good for all human beings. Here the essential thing is for the soul to feel that this makes us into social beings in the Sun sphere. If we feel enclosed in some creed, we become hermits there. We are social beings in the Sun sphere if we understand the universality of the Mystery of Golgotha. Then we can find a relation to every being who draws near to us in the Sun sphere. As a result of the insight into the Mystery of Golgotha that we acquire during earthly life within our cycle of evolution, we become beings able to move freely in the Sun sphere.
[ 15 ] Denn zu was müssen wir in der Lage sein gerade für diesen Zeitpunkt zwischen dem Tod und einer neuen Geburt?
[ 15 ] Of what should we be capable during this period between death and rebirth?
[ 16 ] Hier kommen wir auf eine Tatsache, die außerordentlich wichtig ist für den neueren Okkultismus. Diejenigen Menschen, welche in den Zeiten, bevor sich auf der Erde das Mysterium von Golgatha vollzogen hatte, gelebt haben — im wesentlichen gilt das, was ich jetzt sage, ganz genau nicht —, fanden in der Sonnensphäre sozusagen den Thron Christi und den Christus dort darauf. Sie konnten ihn erkennen, weil die alten Erbstücke von der Gemeinsamkeit aller Religionen in ihnen gelebt haben. Aber dieser Christusgeist ist von der Sonne heruntergestiegen, und im Mysterium von Golgatha ist er sozusagen ausgeflossen in das Leben der Erde. Und indem er da in das Leben der Erde ausgeflossen ist, hat er die Sonne verlassen, und man findet heute zwischen dem Tod und einer neuen Geburt in der Sonne bloß das Akasha-Bild von dem Christus. Der Thron ist dort nicht eingenommen von dem wirklichen Christus. Wir müssen von der Erde die Vorstellung von dem lebendigen Zusammenhang mit dem Christus mit hinaufbringen, damit wir durch das Akasha-Bild den lebendigen Zusammenhang mit dem Christus haben können. Dann finden wir die Möglichkeit, von der Sonne aus auch den Christus zu haben, die Möglichkeit, daß er alle Kräfte in uns erregt, die wir erregt haben müssen, wenn wir die Sonnensphäre in der richtigen Weise durchwandern sollen.
[ 16 ] We come now to a fact that is exceedingly important for modern occultism. Those human beings who lived on earth before the Mystery of Golgotha—what I am now saying is essentially correct, though not in detail—found the Throne of Christ in the Sun sphere with the Christ upon it. They were able to recognize Him because the old legacy of the common source of all religions was still living in them. But the Christ Spirit came down from the Sun, and in the Mystery of Golgotha He flowed into the life of the earth. He left the Sun, and only the Akashic picture of the Christ is found in the Sun sphere between death and rebirth. The throne is not occupied by the real Christ. We must bring up from the earth the concept of our living connection with Christ in order that through the Akashic picture we have a living relationship with Him. Then it is possible for us to have the Christ also from the Sun sphere and for Him to stimulate all the forces in us that are necessary if we are to pass through the Sun sphere in the right way.
[ 17 ] Unsere Wanderung zwischen dem Tod und einer neuen Geburt geht noch weiter. Von der Erde aus haben wir die Kraft gehabt, namentlich durch moralische und religiöse Seelenverfassung, uns sozusagen hineinzuleben in die Wesenheiten, mit denen wir zusammen waren auf der Erde, und dann in die Wesenheiten der höheren Hierarchien. Aber diese Kraft erlahmt allmählich, wird immer dämmerhafter und dämmerhafter, und das Wesentliche, was uns bleibt, ist eigentlich die Kraft, die wir saugen auf der Erde aus dem Mysterium von Golgatha, daß wir uns zurechtfinden in der Sonnensphäre. Dafür tritt ein neuer Lichtträger in der Sonnensphäre auf, den wir kennenlernen müssen in seiner urkräftigen Eigenart. Das Verständnis für den Christus bringen wir uns von der Erde mit; damit wir uns aber weiter entwickeln können, weiter hinauf in das Weltenall von der Sonnensphäre in die Mars-Sphäre hinein, dazu ist notwendig, daß wir — und das können wir einfach dadurch, daß wir Menschenseelen sind —, daß wir den zweiten Thron erkennen, der sozusagen neben dem Christus-Thron in der Sonne sich befindet, von dem aus wir das andere Wesen kennenlernen, das jetzt mit dem Christus uns weiterleitet: den Luzifer. Wir lernen jetzt Luzifer kennen, und durch das, was er uns an Kräften zu geben in der Lage ist, können wir die Weiterwanderung durch die Mars-, Jupiter- und Saturnsphäre machen.
[ 17 ] Our journey between death and rebirth progresses still further. From the earthly realm we have derived the power, through a moral and religious attitude of soul, to live, as it were, into the human beings with whom we were together on the earth, and then into the higher hierarchies. But this power gradually vanishes, becomes dimmer and dimmer, and what remains is essentially the power that we derive on the earth from the Mystery of Golgotha. In order that we may find our way in the Sun sphere a new Light-bearer appears there, a Being whom we must learn to know in his primal power. We bring with us from the earth an understanding of the Christ, but in order to develop a stage further so that we may proceed out into the universe from the Sun sphere to Mars, we need to recognize the second Throne that stands beside the Throne of Christ in the Sun. This is possible simply by virtue of the fact that we are human souls. From this other Throne we now learn to know the other Being who, together with the Christ, leads us onward. This other Being is Lucifer. We learn to know Lucifer, and through the powers that he is able to impart to us we make the further journey through the spheres of Mars, Jupiter and Saturn.
[ 18 ] Und immer weiter kommen wir in den Weltenraum, in immer dauernder Vergrößerung. Es tritt nun in der Tat, wenn wir uns so über die Saturnsphäre hinausbewegen, etwas ein, was unseren Bewußtseinszustand etwas ändert. Wir geraten gleichsam in eine Art von kosmischer Dämmerung — man kann nicht sagen kosmischen Schlafes, aber kosmischer Dämmerung. Dadurch können aber gerade erst recht die Kräfte des gesamten Weltalls auf uns hereinwirken. Von allen Seiten wirken dann die Kräfte auf uns, und wir nehmen Kräfte des ganzen Kosmos in uns auf. Es gibt also, indem wir uns da hinausgedehnt haben, eine Zeit zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, wo in unser Wesen wie von allen Seiten die Kräfte des ganzen Kosmos hereinkommen, wie von allen Sternen die Kräfte hereinkommen in unser Wesen. Dann beginnen wir uns zusammenzuziehen, kommen wieder durch die verschiedenen Sphären herein bis zur Venus-Sphäre, ziehen uns zusammen, kleiner und kleiner werdend, bis die Zeit kommt, wo wir uns wiederum mit einem irdischen Menschenkeim verbinden können.
[ 18 ] We expand ever further into cosmic space, but as we move out beyond the Saturn sphere our state of consciousness is changed. We enter into a kind of cosmic twilight. We cannot call it cosmic sleep, but a cosmic twilight. Now for the first time the powers of the whole cosmos can work in upon us. They work from all sides, and we receive them into our being. So after we have expanded into the spheres, there is a period between death and rebirth when the forces of the whole cosmos stream into our being from all sides, from the whole of the starry realms, as it were. Then we begin to draw together again, pass through the different spheres down to the Venus sphere, contact and become ever smaller until the time comes when we can again unite with an earthly human germ.
[ 19 ] Was aber sind wir da, indem wir uns mit diesem Keim verbinden? Das sind wir, was wir geschildert haben zwischen Tod und neuer Geburt. Aber wir haben die Kräfte des ganzen Kosmos aufgenommen. Draußen in der größten Ausdehnung haben in unser Wesen die Kräfte des ganzen Kosmos hereingewirkt. Während wir beim Hinausentwickeln das, was an uns herandringen kann, um so mehr aufgenommen haben, je besser wir uns dazu vorbereitet haben, und unser Karma präpariert wird durch die Art, wie wir zusammengelebt haben mit den Menschen, die wir getroffen haben, bilden sich in uns dadurch, daß wir nach dem Tode mit ihnen zusammenleben, die Kräfte aus, die durch Karma in einem neuen Erdenleben diese Dinge ausgleichen. Daß wir als ein Mensch erscheinen, daß wir imstande sind, innerlich Karma zu haben, welches zugleich die kosmischen Kräfte in sich aufnimmt, das hängt aber davon ab, daß wir in einer bestimmten Zeit zwischen Tod und einer neuen Geburt die Kräfte des ganzen Kosmos aufnehmen. Und wenn ein Mensch hereingeboren wird in die physische Welt, dann hat sich mit dem physischen Menschenkeim das verbunden, was bis ins kleinste zusammengezogen ist, aber herein sich geholt hat aus einer riesenhaften Vergrößerung die Kräfte des ganzen Kosmos. Wir tragen eben den ganzen Kosmos in uns, wenn wir uns auf der Erde wieder verkörpern. Und in einer gewissen Beziehung dürfen wir sagen: Wir tragen diesen Kosmos so in uns, wie er sich vereinigen kann, wie er sich richtig vereinigen kann mit dem, was wir beim Hinauswandern, beim uns Ausdehnen in die Sphären nach unserem früheren Erdendasein in der Seele als Stimmung mitgebracht haben.
[ 19 ] What kind of a being are we when we unite with this germ? We are the being we have described, but we have received into us the forces from the whole cosmos. What we receive during the outward journey depends on the extent to which we have prepared ourselves for it, and our karma is formed according to the way we have lived together with the human beings we have met during life on earth. The forces by means of which an adjustment takes place in a new earth life are built up as a result of having been together with those human beings after death. That we appear as a human being, that we are inwardly able to have karma imbued with cosmic forces, depends on the fact that we received forces from the whole cosmos during a certain period between death and a new birth. At birth a being who has contracted to the minutest dimensions, but has drawn into itself the forces of the wide expanse of the whole cosmos unites itself with the physical human germ. We bear the whole cosmos within us when we incarnate again on earth. It may be said that we bear this cosmos within us in the way in which it can unite with the attitude that we, in accordance with our earlier earth existence, had brought with us in our souls on the outward journey when we were expanding into the spheres.
[ 20 ] Diese zwei Dinge werden zusammengefaßt, zusammengepaßt, könnten wir sagen: die Anpassung an den gesamten Kosmos und an unser früheres Karma. Daß wir auch an unser früheres Karma angepaßt sind — was aber in Harmonie treten muß mit dem Kosmos —, das trat mir bei den Untersuchungen der letzten Monate in außerordentlich merkwürdiger Weise entgegen in einzelnen Fällen — das sage ich ausdrücklich -, in einzelnen Fällen; ich will nicht ein allgemeines Gesetz damit aussprechen. Wenn ein Mensch stirbt, also durch die Pforte des Todes geht, dann stirbt er unter einer gewissen Sternenkonstellation. Und diese Sternenkonstellation ist in der Tat wesentlich für sein weiteres Seelenleben insofern, als sie sich in einer gewissen Weise abdrückt in sein Seelenwesen und als Abdruck wirklich bleibt. Und es bleibt das Bestreben in dieser Seele, mit dieser Sternenkonstellation wiederum hereinzukommen bei der neuen Geburt, wiederum gerecht zu werden den Kräften, die man aufgenommen hat im Todesmoment, wiederum hereinzukommen in dieser Sternenkonstellation. Und da ist es interessant: Wenn man so versucht die Sternenkonstellation herauszubekommen für einen menschlichen Tod, so stimmt die Sternenkonstellation der späteren Geburt in hohem Maße überein mit der Sternenkonstellation des früheren Todes. Nur muß man berücksichtigen, daß ein anderer Fleck der Erde es ist, auf dem der Mensch geboren wird, der dieser Sternenkonstellation entspricht. So wird der Mensch in der Tat dem Kosmos angepaßt, fügt sich hinein in ihn, und es gibt so in der Seele eine Art von Ausgleich zwischen dem individuellen und dem kosmischen Leben.
[ 20 ] A twofold adaptation has to take place. We adapt to the whole cosmos and to our former karma. The fact that there is also an adaptation to former karma that must be harmonized in the cosmos came to me in an extraordinary way during the investigations of the last few months in connection with individual cases. I say, expressly, in individual cases because I do not wish to state thereby a general law. When a person passes through the gate of death he dies under a certain constellation of stars. This constellation is significant for his further life of soul because it remains there as an imprint. In his soul there remains the endeavor to enter into this same constellation at a new birth, to do justice once again to the forces received at the moment of death. It is an interesting point that if one works out the constellation at death and compares it with the constellation of the later birth, one finds that it coincides to a high degree with the constellation at the former death. It must be remembered that the person is born at another spot on the earth that corresponds with this constellation. In fact, he is adapted to the cosmos, members himself into the cosmos, and thus a balance is established in the soul between the individual and the cosmic life.
[ 21 ] Kant hat einmal den schönen Ausspruch getan: Zwei Dinge seien es, die ihn ganz besonders erhöben, der bestirnte Himmel über ihm und das moralische Gesetz in ihm. Es ist dieses ein schöner Ausspruch aus dem Grund, den der Okkultismus uns anzeigt. Beide sind ja dasselbe: der bestirnte Himmel über uns und das, was wir als moralisches Gesetz in uns tragen. Denn im Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt wachsen wir hinaus in den Weltenraum, nehmen den gestirnten Himmel in uns auf und tragen dann in der Seele als unsere moralische Verfassung ein Abbild mit des gestirnten Himmels. Hier ist einer der Punkte, wo es in der Tat kaum mehr möglich ist, daß in der Seele die Geisteswissenschaft zu etwas anderem werde als zu einer moralischen universellen Empfindung. Hier ist einer der Punkte, wo sich das, was Theorie scheint, umwandelt in unmittelbares moralisches Leben der Seele, in moralische Impulse der Seele; denn hier fühlt der Mensch alle Verantwortlichkeit gegenüber seinem eigenen Wesen. Hier fühlt der Mensch: Du warst zwischen dem Tod und einer neuen Geburt in so einer Lage, daß der ganze Kosmos in dein Wesen hereinwirken mußte, und du zogst zusammen das, was du herausgezogen hast in den kleinen physischen Menschenkeim. Du bist verantwortlich dem ganzen Kosmos, du trägst wirklich den ganzen Kosmos in dir. — Hier ist es, wo man etwas fühlt von dem, was anzudeuten versucht worden ist in der «Prüfung der Seele» in dem Monolog des Capesius, wo darauf aufmerksam gemacht wird in der Stelle: «In deinem Denken leben Weltgedanken ...», was für ein bedeutungsvoller Augenblick es ist, wenn die Seele fühlt: Man hat die heilige Verpflichtung, die Kräfte hervorzuholen, die man aus dem Kosmos herausgezogen hat, weil man das den Göttern wieder zurückbringen muss, und wo die Seele erkennt, daß es größte Sünde wäre, diese Kräfte brachliegen zu lassen. Bei diesen konkreten Untersuchungen stellte sich heraus, wie wir in der Tat den ganzen Kosmos in uns aufnehmen und ins Dasein wiederum hereinbringen. Ja, von denjenigen Kräften, die der Mensch in der Tat mit sich herumträgt, sind nur die wenigsten eigentlich solche Kräfte, für die es irgendwelchen Ursprung auf der Erde gibt. Wir betrachten ja den Menschen in bezug auf die Kräfte, die in seinem physischen Leibe wirken, in seinem Ätherleibe walten, in seinem astralischen Leibe und Ich walten. Die Kräfte, die in unseren physischen Leib hereinspielen, kommen uns allerdings unmittelbar von der Erde zu; aber was wir für den Ätherleib brauchen, können wir nicht unmittelbar aus der Erde herausziehen, sondern nur aus den Kräften, die an uns herantraten zwischen dem Tod und der neuen Geburt, wenn wir uns hinausdehnen ins Planetensystem. Und ein Mensch, welcher eine unmoralische Seelenverfassung da hineinbringt, wird nicht die richtigen Kräfte heranziehen können, während er in der Zeit zwischen dem Tod und einer neuen Geburt durch die Merkursphäre geht. Ein Mensch, der nicht die religiösen Impulse ausgebildet hat, kann nicht die rechten Kräfte in der Venus heranziehen, und so kommt es, daß wir die Kräfte, die wir im Ätherleib brauchen, verkümmert haben können. Hier sehen wir den karmischen Zusammenhang zwischen folgenden und früheren Leben sich ausbilden. Das alles sind Dinge, welche uns zugleich darauf hinweisen, wie die Erkenntnisse, die wir uns verschaffen durch den Okkultismus, zu Impulsen in unserem Seelenleben werden können, und wie wir eigentlich nur zu wissen brauchen, was wir sind, um zu einem immer geistigeren und geistigeren Leben aufzusteigen.
[ 21 ] Kant once said very beautifully that there were two things that especially uplifted him—the starry heavens above him and the moral law within him. This is a beautiful expression in that it is confirmed by occultism. Both are the same—the starry heavens above us and what we bear as moral law within us. For as we grow out into cosmic space between death and a new birth, we take the starry heavens into ourselves, and then in the soul we bear as our moral attitude a mirror image of the starry heavens. Here we touch upon one of the points where anthroposophy can only develop into a feeling for the moral-universal. What appears to be theory is immediately transformed into moral impulses of the soul. Here the human being feels full responsibility towards his own being, for he realizes that between death and a new birth the whole cosmos worked into his being, and he gathered together what he derived from the cosmos. He is responsible to the whole cosmos, for he actually bears the whole of the cosmos within him. An attempt has been made to express this feeling in a passage of The Soul's Probation, in the monologue of Capesius, where it is said, “In your thinking world-thoughts are weaving . . .” Attention is drawn to the significance for the soul when it feels that it is man's sacred duty to bring forth the forces that one has gathered out of the cosmos, and it is the greatest sin to allow these forces to lie fallow. Concrete investigations showed that we take the whole cosmos into our being and bring it forth again in our earthly existence. Of the forces that man carries with him, only a few have their origin on the earth. We study man in connection with the forces that work in the physical, etheric and astral bodies, and in the ego. Of course, the forces that play into our physical body come to us from the earth, but we cannot draw directly out of the earth the forces we need for the etheric body. These forces can only approach us between death and rebirth during the period we are expanding into the planetary spheres. If one takes an immoral attitude of soul into these spheres, one will not be able to attract the right forces during the time between death and a new rebirth. A man who has not developed religious impulses cannot attract the right forces in the Venus sphere, and so the forces that are needed in the etheric may be stultified. Here we see the karmic connection that exists between later and earlier lives. This indicates how the knowledge that we obtain through occultism may become impulses in our life of soul and how the awareness of what we are can lead us to rise to an ever more spiritual life.
[ 22 ] Das, was das Mysterium von Golgatha vorbereitet hat, ist in unserem Menschheitszyklus notwendig, damit der Mensch in der richtigen Weise in die Sonnensphäre sich hineinleben kann zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Das, was die Geistesforschung in Wirklichkeit zu leisten hat, ist das, daß der Mensch nun auch noch weiter über die Sonnensphäre hinauszuwachsen in der Lage ist mit jenem allgemein menschlichen, geistig geselligen Bewußtsein, das da notwendig ist. Für die Sonnensphäre genügt der empfindungsgemäße Zusammenhang mit dem Mysterium von Golgatha. Damit aber das, was allgemein menschliches Verständnis und allgemein menschliches Fühlen gibt, auch über die Sonnensphäre hinaus bleibt für die Zeit zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, ist eben notwendig, daß wir in geisteswissenschaftlicher Weise die Beziehungen der einzelnen Religionen zueinander verstehen, die Entwickelung der einzelnen religiösen Impulse; daß wir nicht aufwachsen in einem eng umgrenzten religiösen Bekenntnis mit den Empfindungsnuancen desselben, sondern daß wir die Möglichkeit gewinnen, für jede Seele, gleichgültig, was sie glaubt, Verständnis zu haben, wie auch sonst die Seelen sind. Eines erfüllt sich als das, was, wie man sagen kann, mit dem Christus-Impuls zusammenhängt für alle Seelen der Erdenentwickelung, eines erfüllt sich insbesondere zwischen dem Tode und einer neuen Geburt — das, was in den Worten liegt: «Wo zwei in meinem Namen vereinigt sind, bin ich mitten unter ihnen.» Und in diesem Ausspruch knüpft der Christus das Vereinigtsein von Zweien nicht an diesen oder jenen Glauben, sondern bloß an die Möglichkeit, daß er unter ihnen ist, indem sie in seinem Namen vereinigt sind.
[ 22 ] What was prepared for by the Mystery of Golgotha is necessary in our present cycle of evolution so that man may live in the right way into the Sun sphere between death and a new birth. Spiritual science has to achieve that the human being shall be in a position to grow out even beyond the Sun sphere with the universal-human, spiritually social consciousness that is needed there. Insofar as the Sun sphere itself is concerned, the connection that is experienced with the Mystery of Golgotha suffices. But in order to carry a feeling and understanding of the human-universal beyond the Sun sphere, we must be able to grasp, in the anthroposophical sense, the relation of the several religions to one another. We must grow beyond a narrowly circumscribed creed with its particular shades of feeling and understand every soul, irrespective of its belief. Above all, one thing connected with the Christ impulse is fulfilled between death and rebirth. It is contained in the words, “Where two or three are gathered together in my Name, there am I in the midst of them.” The gathering of two or three is not connected by Christ with this or that belief. The possibility of Him being among them is provided inasmuch as they are united in His Name.
[ 23 ] Dasjenige, was jetzt seit Jahren gepflogen worden ist auch durch unsere Mysterienaufführungen, insbesondere dutch die letzte, «Der Hüter der Schwelle», das sollte ein geisteswissenschaftliches Verständnis geben für das, was im heutigen Zeitenzyklus notwendig ist. Da ist es notwendig, in einer gewissen Weise ein Verhältnis zu gewinnen auf der einen Seite zum Christus-Impuls, dann aber auch zu den Mächten, die im Gegensatz zu ihm stehen: zu dem Luzifer- und Ahriman-Impuls. Daß wir es da zu tun haben mit Mächten, die im Weltenall, sobald wir über die Maja hinauskommen, Kräfte entwikkeln, das ist das, was wir verstehen lernen müssen. Denn die Zeit kommt immer mehr und mehr heran in der Menschheitsentwickelung, wo man wird lernen müssen, daß es auf das Wesenhafte ankommt und nicht auf die Lehre. Und an nichts so sehr wie an dem Mysterium von Golgatha stellt es sich uns dar, wie es auf das Wesenhafte ankommt und nicht auf den Inhalt des Wortes. Ich möchte — denn mit den Menschen, die wirklich genau prüfen das, was hier gesagt sein soll aus okkulten Quellen heraus, ist am leichtesten auszukommen -—, ich möchte, daß man ganz genau prüfe, was ich jetzt zu sagen haben werde. In allen Religionsbekenntnissen gibt es nichts Ähnliches wie dieses. In all dieser Tiefe, wie es sich durch das Mysterium von Golgatha darstellt, ist es nicht in den anderen Religionsbekenntnissen.
[ 23 ] What has been cultivated for years, through the performances of the Mystery Plays, and especially the last (The Guardian of the Threshold), should provide a spiritual-scientific understanding for what is essential in our epoch. On the one hand, we have to acquire a relationship to the Christ impulse, on the other, to the Powers that stand in opposition to Him—the impulses of Lucifer and Ahriman. We must realize that as soon as we emerge from Maya, we have to deal with Powers who unfold forces in the cosmos. The time is drawing ever nearer in the evolution of humanity when we must learn to discern the essential being rather than the teaching. This is nowhere so apparent as in connection with the Mystery of Golgotha. The Being is essential, not the mere content of the words. I should like the following to be put quite exactly to the test. In fact, it is easiest to deal with people who put to the test what is said out of occult sources. There is nothing similar in any of the other creeds to the depths that are revealed through the Mystery of Golgotha.
[ 24 ] Die Welt hat heute noch ein ganz besonderes Vorurteil. Man redet davon, wie wenn es in der Welt durchaus so zugehen müßte wie in einer Schule: dass es bloß auf die Weltenlehrer ankäme. Beim Christus handelt es sich nicht um einen Weltenlehrer, sondern um einen Weltentäter, der das Mysterium von Golgatha vollbracht hat und dessen Wesenheit man zu erkennen hat. Darauf kommt es an. Wie wenig es auf das bloße Wort ankommt, auf den bloßen Lehrgehalt, das kann uns gerade dieses lehren, das ein schönes Wort aus dem Mund des Christus ist: «Ihr seid Götter!» (Johannes-Ev. 10, 34), und daß er immer und immer hingewiesen hat darauf,daß der Mensch sein Höchstes erreicht, wenn er zum Bewußtsein des Gotteswesens in seiner Natur kommt. Und man könnte sagen, es tönt in die Welt das Christus-Wort hinaus: Ihr sollt euch bewußt sein, daß ihr göttergleich seid! — Man könnte sagen: Eine große Lehre!
[ 24 ] A particular prejudice still prevails today. People speak as if things should happen in the world as they do in a school, as if everything depended on the World Teacher. But the Christ is not a World Teacher but a World Doer, One Who has fulfilled the Mystery of Golgotha, and Whose Being should be recognized. That is the point. How little it is a question of the mere words, of the mere doctrinal content, we learn from the beautiful words uttered by the Christ, “Ye are Gods!” (John 10:34). We learn this also from the fact that He indicated repeatedly that man attains the highest when he realizes the divine in his own nature. These words of the Christ resound into the world, “Be conscious that you are like the Gods!” One can say that that is a great teaching!
[ 25 ] Von anderswo her tönt dieselbe Lehre. Da wo die Bibel erzählt von dem Ausgang der Erdenentwickelung, da ist es Luzifer, der herantritt und sagt: Ihr sollt werden wie die Götter! Derselbe Lehrgehalt, von Luzifer hertönend, derselbe Lehrgehalt, von Christus herrührend: Ihr sollt sein wie die Götter! Und beides bedeutet für die Menschen das Entgegengesetzte. Es sind wahrhaft erschütternde Posaunenklänge, die in diesen Worten klingen: das eine Mal hertönend von dem Versucher, das andre Mal von dem Erlöser und Befreier und dem Wiederhersteller der menschlichen Natur.
[ 25 ] The same teaching, however, resounds from other sources. In the Bible, where the beginning of Earth evolution is described, Lucifer says, “Ye shall be as Gods!” The same doctrinal content is uttered by Lucifer and by the Christ, “Ye shall be as Gods!” but the two utterances mean the opposite for man. Indeed, shattering calls sound forth in these words uttered at one time by the Tempter and at another by Him Who is the Redeemer, the Savior and the Restorer of the being of man.
[ 26 ] Auf die Erkenntnis des Wesens kommt es an, kommt es gar sehr an zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Die größte Gefahr ist vorhanden, den Luzifer mit dem Christus zu verwechseln in der Sonnensphäre, weil beide dieselbe Sprache sprechen, dieselbe Lehre auf der Sonne lehren und wir dieselben Worte von ihnen vernehmen, wenn wir von Worten da sprechen dürfen. Auf das Wesen kommt es an. Daß dieses oder jenes Wesen dieses oder jenes Wort spricht, darauf kommt es an, nicht auf den Lehrgehalt; denn das, was als reale Kräfte durch die Welt pulsiert, das ist das Wesentliche. Und in den höheren Welten und vor allem in dem, was in die irdischen Sphären hineinspielt, verstehen wir die Worte erst richtig, wenn wit wissen, von welchem Wesen die betreffenden Worte kommen. Niemals erkennen wir an dem Inhalt der Worte die Höhe eines Wesens, sondern dadurch, daß wir den ganzen Welten-Zusammenhang kennenlernen, in den ein Wesen hineingestellt ist. Das können wir ganz genau bestätigt sehen an dem Wort von der Göttergleichheit der Menschen, an dem Hereintönen des Luzifer und Christus in das Dasein.
[ 26 ] Between death and rebirth everything depends upon knowledge of the Being. In the Sun sphere the greatest danger is to take Lucifer for the Christ because both use the same language, as it were, give the same teaching, and from them both the same words resound forth. Everything depends on the Being. The fact that this Being or that Being is speaking—that is the point, not the doctrinal content because it is the real forces pulsing through the world that matter. In the higher worlds, and above all in what plays into the earthly spheres, we only understand the words aright when we know from which Being they proceed. We can never recognize the rank of a Being merely by the word, but only by knowledge of the whole connection in which a Being stands. The example of the words that men are like the Gods is an absolute confirmation of this.
[ 27 ] Mit solchen Dingen sind wichtige Tatsachen der Evolution ausgesprochen. Und sie werden ausgesprochen, nicht — auch in diesem Falle gar nicht so sehr — wegen ihres Inhaltes, sondern wegen ihres Wesenhaften; werden ausgesprochen, damit in den Seelen die Empfindungen entstehen, die notwendig als Konsequenz solcher Worte entstehen sollten. Und wenn diejenigen, die solche Wahrheiten in sich aufgenommen haben, die Empfindungen aufnehmen und die Worte vergessen, so ist eigentlich gar nicht einmal so sehr viel verloren. Selbst wenn ich mir den radikalsten Fall denke, daß unter uns jemand wäre, der alles vergessen hätte, was jetzt gesprochen worden ist, und sich gar nicht an ein Wort erinnert, aber in der Empfindung das in sich trüge, was herausfließen kann aus solchen Worten, so würde er genügend in geisteswissenschaftlichem Sinne von dem haben, was eigentlich mit diesen Worten gemeint ist.
[ 27 ] These are significant facts of evolution. They are voiced not on account of their content—and in this case, too, not so much on this account—but on account of the spirit they carry, so that there may arise in souls feelings that ought to be the outcome of such words. If the feelings remain with those who have absorbed such truths, even if the actual words are forgotten, not so much is lost, after all. Let us take the more radical case. Suppose that there were someone among us who would forget everything that had just been said, but would only retain the feeling that can flow from such words. Such a person would, nevertheless, in an anthroposophical sense, receive enough of what is meant by them.
[ 28 ] Wir müssen ja in Worten sprechen, und Worte nehmen sich zuweilen theoretisch aus. Aber das, worauf es ankommt, das ist, daß wir durch die Worte hindurch auf das Wesenhafte im Geiste zu blikken verstehen und dieses Wesenhafte in unsere Seele aufnehmen. Die Welt wird gar mancherlei gerade in bezug auf den Fortgang der Menschheitsentwickelung verstehen lernen, wenn sie die Geisteswissenschaft wesenhaft erfaßt. Und da möchte ich heute nur zwei Beispiele anführen, die nicht gerade innerlich, sondern mehr äußerlich mit meinen okkulten Forschungen der letzten Monate zusammenhängen, aber die mir zum Beispiel recht frappierend waren, weil sie mir gezeigt haben, wie eigentlich erst dadurch, daß man etwas erkannt hat in der okkulten Lehre, was dem entspricht, das in der Welt schon da ist, was hereingeleitet worden ist durch inspirierte Menschen, diese Wahrheit dort wieder aufgefunden werden kann.
[ 28 ] After all, we have to make use of words, and words sometimes appear theoretical. We must learn to look through the words to the essence and receive this into the soul. If anthroposophy is grasped in its essence, the world will learn to understand many things, particularly in connection with the evolution of humanity. Here I want to quote two examples that are connected outwardly, rather than inwardly, with my recent occult investigations. They astonished me because they showed how a truth which was established occultly corresponds to what has come into the world as a result of inspired men and can be rediscovered in what exists already in the world.
[ 29 ] Sehen Sie, ich habe mich viel mit Homer beschäftigt, habe sie oft gelesen, die homerischen Werke. Nun trat mir im Verlauf der letzten Monate immer wieder das gerade lebendig vor die Seele: wie man nach dem Tode nichts ändern kann, wie die Verhältnisse dieselben bleiben; wie man zum Beispiel von einem Menschen, zu dem man irgendwie gestanden hat im Leben, weiß: du hast ihn zu wenig geliebt, aber wie man das nicht ändern kann. Wenn man diese Tatsache ins Auge faßt und dann bei Homer liest, daß er das Jenseits schildert als den Ort, wo das Leben unveränderlich wird, dann fängt man erst an, die ganze Tiefe dieser Worte zu verstehen von dem Orte, wo die Dinge keiner Wandlung mehr unterliegen: Und das ist ein wunderbarer Eindruck, die eigene okkulte Erkenntnis mit dem zu vergleichen, was der «blinde Homer» wie ein Seelenseher hereinbrachte als wichtige okkulte Wahrheit und sie in seinem Dichterwerk zum Ausdruck brachte!
[ 29 ] I have occupied myself a great deal with Homer. Lately the fact that nothing can be changed after death, that relationships remain the same, came vividly before my soul. For example, if in life one was in some way related to a person and did not love him, this cannot be changed. If, bearing this in mind, one now reads the passages in Homer where he describes the world beyond as a place where life becomes unchangeable, one begins to understand the depth of these words about the region where things are no longer subject to change. It is a wonderful experience to compare one's own knowledge with what was expressed as significant occult truth by the “blind Homer,” the seer, in this epic!
[ 30 ] Und noch etwas anderes war mir frappierend, wogegen ich mich wahrhaft gesträubt habe, weil es mir unglaublich erschien, dem aber nicht zu entkommen ist, wenn man mit allen Mitteln der okkulten Forschung daran herantritt.
[ 30 ] Another fact astounded me, and though I strongly resisted it because it seemed incredible, I found it impossible to do so.
[ 31 ] Einige — oder die meisten von Ihnen — werden vielleicht von den sogenannten Mediceergräbern wissen in Florenz, von Michelangelo. Es sind Giuliano und Lorenzo de Medici und vier allegorische Figuren. Dabei denkt man sich gewöhnlich nichts Künstlerisches. Stroherne Allegorien, sagt man gewöhnlich. Nun sind ja eigentlich diese sogenannten allegorischen Figuren mit Ausnahme einer nicht recht fertig geworden; aber sie machen trotzdem nicht den Eindruck von Allegorien. In den Reisehandbüchern ist es sehr eigentümlich, daß man hingewiesen wird bei diesen Mediceergräbern auf die eine Seite: da stünde der eine der Mediceer, Lorenzo, auf der anderen der andere, Giuliano. Und die sind genau verwechselt. Der als der Lorenzo angesprochen wird, ist der Giuliano, und der als Giuliano angesprochen wird, ist der Lorenzo. So ist es einmal. Und da steht es fast in allen Kunstgeschichten so — wie es nicht ist. Jedenfalls ist es nicht so, wie es in den Kunstgeschichten und im Baedecker steht. Ich habe mich nicht weiter darum bekümmert, warum es so ist, aber wahr ist es, daß die beiden Figuren immer verwechselt werden. Die Beschreibungen würden gar nicht stimmen, und wahrscheinlich hat man sie einmal umgestellt. Sie stehen jetzt anders als Michelangelo sie gestellt hat. Aber davon will ich nicht sprechen, sondern nur davon, daß da vier allegorische Figuren sind: am Fuße des einen Mediceers die «Nacht» und der «Tag», beim andern die «Morgendämmerung» und «Abenddämmerung». Nun bedenken Sie, ich habe mich gesträubt gegen das, was ich jetzt sagen werde, aber man vertiefe sich wirklich hinein in jede Geste, in alles, was man vor sich hat, und gehe zunächst von der «Nacht» aus, schaue sich diese Figur an, von der die unsinnige Bemerkung in den Büchern steht, daß sie eine Geste hätte, die ein schlafender Mensch nicht einnehmen könnte. Wenn man aber jede Geste und jedes einzelne Glied studiert und dann sich folgende Frage vorlegt: Wie müßte ein Künstler die menschliche Figur darstellen, wenn er darstellen wollte in dem Ausdruck der Figur die größtmögliche Tätigkeit des Ätherleibes, wie sie stattfinden könnte gerade im Schlaf — also eine Lagerung der Glieder der Figur geben wollte, die am besten entspräche dem Moment, da der Ätherleib am allermeisten arbeitet an dem physischen Leib -, dann müßte er das gerade so machen, wie Michelangelo aus seinen künstlerischen Instinkten das gemacht hat. Er hat die Geste, die dem Ätherleib entspricht, hineingeheimnißt in diese «Nacht». Ich behaupte nicht, daß Michelangelo das gewußt hat, aber es ist so.
[ 31 ] Many of you will know the Medici Tombs by Michelangelo in Florence, with the statues of Giuliano and Lorenzo de Medici and four allegorical figures. The artistic element in these figures is usually overlooked. They are viewed as barren allegories. Now these figures with one exception, were not quite finished, and yet they do not give the impression of being merely allegorical. In the guide books we are told that the statue of Giuliano stands on one side and that of Lorenzo on the other. Actually, they have been reversed. The statue said to represent Lorenzo is that of Giuliano, and that of Giuliano is the statue of Lorenzo. This is correct, but in almost every history of art manual and in Baedecker, the facts are wrongly given. The descriptions would certainly not tally and apparently the statues were once reversed. They no longer stand where Michelangelo had placed them originally. But I want to speak mainly about the four allegorical figures. At the foot of one of the Medici statues we have the figures of “Night” and “Day;” at the foot of the other, “Dawn” and “Dusk.” As I have said, to begin with I resisted what I am now going to say about them. Let us start with the figures of “Night.” Suppose one immerses oneself in everything one sees, in every gesture (books comment rather nonsensically that this is a gesture that a sleeping person cannot possibly adopt.) If, having studied every gesture, every movement of the limbs, one asks oneself how an artist would have to portray the human figure if he wished to convey the greatest possible activity of the etheric body in sleep, then he would have to do it out of his artistic instincts exactly as Michelangelo did it in his figure. The figure of “Night” corresponds with the posture of the etheric body. I am not suggesting that Michelangelo was conscious of this. He simply did it.
[ 32 ] Und dann sehe man sich den «Tag» an! Das ist keine stroherne Allegorie. Wenn man sich vorstellen würde, die niederen Glieder der menschlichen Wesenheit seien weniger tätig und am meisten tätig sei das Ich, dann ergäbe das, bis auf die eigentümliche Umdrehung der ganzen Figur, die Figur des «Tages». Und wenn man ausdrücken wollte, wie am freiesten bei Ausschluß der anderen menschlichen Glieder der astralische Leib wirkt, wie er sich in der Geste ausdrückt, so hätte man das bei der sogenannten Allegorie der Morgendämmerung. Und wenn man ausdrücken wollte, wie wenn der physische Leib nicht sogleich zusammenfallen würde, sondern wie er schlaff wird, wenn sich Ich und astralischer Leib herausziehen, so ist das in der Geste der «Abenddämmerung» wunderbar ausgedrückt. Man hat da vor sich die lebendigen Ausgestaltungen der vier menschlichen Wesensglieder. Man kann sich da ganz gut denken, wie eine solche Legende hat entstehen können, die sich verbreitet hat in bezug auf die «Nacht», von der gesagt worden ist, wenn Michelangelo allein war mit ihr, dann konnte sie lebendig werden und aufstehen und herumgehen, wenn man weiß, daß sie die entsprechende Geste des Äther- oder Lebensleibes hat, und der Äther- oder Lebensleib voll tätig sein kann bei dieser Geste. Und wenn man dies empfindet, dann sieht man diese Figur aufstehen, dann weiß man: sie kann herumgehen. Wenn sie nicht aus Marmor wäre, wenn wirklich der Äther- oder Lebensleib allein tätig wäre, der das Belebende ist, dann wäre kein Hindernis, daß sie herumginge.
[ 32 ] Now let us look at the figure of “Day.” This is no barren allegory. Picture the lower members of the human being more passive, and the ego predominantly active. We have this expressed in the figure of “Day.” If we were now to express in the posture the action of the astral body working freely when the other members are reduced to inactivity, then we should find this in the so-called allegory of “Dawn.” And if sought to express the conditions where the physical body is not altogether falling to pieces, but becomes limp as a result of the withdrawal of the ego and astral body, this is wonderfully portrayed in the figure of “Dusk.” In these figures we have living portrayals of the four sheaths of man. We can readily understand the once widespread legend about the figure “Night.” It was said that when Michelangelo was alone with this figure it became alive, rose up and walked about. This is understandable if one knows that it has the posture of the etheric or life body, and that in such a position the etheric body can be fully active. If this is perceived, then indeed the figure appears to rise up, and one knows that it could walk about were it not carved out of marble. If the etheric body only were really active there, then nothing would prevent it from moving about.
[ 33 ] Vieles ist hineingeheimnißt in das, was die Menschheitsevolution hervorgebracht hat, und vieles wird erst verständlich werden, wenn die Menschen durch das, was den okkulten Blick schärfen kann, die Dinge betrachten werden. Aber auf alle diese Dinge kommt es letzten Endes nicht an! Ob wir ein Kunstwerk besser verstehen oder nicht, das ist nichts allgemein Menschliches. Aber auf etwas anderes kommt es an: Wenn wir den Blick so geschärft haben, so geht uns ein Verständnis auf für die Seele des anderen Menschen; nicht durch den okkulten Blick, der etwa schon hineinschauen muss in die geistige Welt, sondern durch den Blick, der durch die Geisteswissenschaft geschärft ist. Durch das durch den gesunden Menschenverstand bewirkte Verständnis der Geisteswissenschaft wächst in uns die Erkenntnis dessen, was uns im Leben entgegentritt, vor allem dessen, was die Seele unserer Mitmenschen ist. Und wir werden versuchen, Verständnis für jede menschliche Seele zu gewinnen.
[ 33 ] Many secrets are contained in the works of men and much will become intelligible for the first time when these things are studied with sharpened occult perception. Whether, however, we understand a work of art well or not so well, is not connected with the universal-human. What matters is something quite else. If our eyes are sharpened in this way we begin to understand the soul of another human being, not through occult perception, which, after all, cannot help seeing into the spiritual world, but through a perception quickened by spiritual science. Spiritual science grasped by sound human reason develops knowledge in us of what we meet in life, and, above all, of the souls of our fellow men. We shall attempt to understand every human soul.
[ 34 ] Allerdings ist dieses Verständnis für jede menschliche Seele etwas anderes, als was man oftmals im Leben Verständnis nennt. Im Leben ist die Liebe leider nur zu häufig recht egoistisch. Man liebt den — nun, zu dem man eben durch dieses oder jenes Verhältnis ganz besonders hingezogen ist, und im übrigen begnügt man sich meist mit dem, was man allgemeine Menschenliebe nennt: man liebt die allgemeine Menschheit. Was ist denn das? Man muß jede Seele verstehen können.
[ 34 ] This understanding, however, is meant in quite a different way from the usual. Unfortunately, in life love is all too often entirely egotistical. Usually a man loves what he is particularly attracted to because of some circumstance or other. For the rest, he contents himself with universal love, a general love for humanity. But what is this? We should be able to understand every human soul.
[ 35 ] Vielleicht wird man nicht jede vortrefflich finden, aber das ist ja nicht schlimm, denn mancher Seele schadet man durch nichts mehr, als wenn man sie in blinder Liebe anhimmelt.
[ 35 ] We will not find excellence everywhere, but no harm is done for actually one can do no greater injury to some souls than by pouring blind love and adulation over them.
[ 36 ] Von diesem Faktor werden wir dann übermorgen noch etwas näher sprechen.
[ 36 ] We shall speak further on this subject in the lecture the day after tomorrow.
