Occult Studies on Life Between Death and Rebirth
GA 140
26 November 1912, Vienna
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Occult Studies on Life Between Death and Rebirth, tr. SOL
5. Das Leben Zwischen dem Tode und einer neuen Geburt I
5. Life Between Death and a New Birth I
[ 1 ] Die Welt der okkulten Tatsachen — wir haben das ja oftmals betont — ist nicht etwa so einfach zu untersuchen und darzustellen, wie man sehr häufig meint, und derjenige, der auf diesem Gebiete gewissenhaft vorgehen will, wird sich immer wieder und wiederum in die Notwendigkeit versetzt fühlen, gewisse wichtige Kapitel der Geistesforschung sozusagen aufs neue zu untersuchen. Und so oblag mir denn gerade in den letzten Monaten unter mancherlei anderem, wiederum von neuem ein Kapitel zu untersuchen, über welches wir ja auch hier schon öfters gesprochen haben. Bei solch neuen Untersuchungen ergeben sich dann neue Gesichtspunkte. Das Kapitel, um das es sich da handelt und das wir heute, wenn das auch nur skizzenhaft geschehen kann, ein wenig beschreiben wollen, handelt über das Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Wenn gesagt worden ist, neue Gesichtspunkte haben sich dabei ergeben, so ist das nicht so zu nehmen, als ob etwa deshalb das, was früher gesagt worden ist, irgend verändert zu denken wäre. Das ist gerade bei diesem Kapitel nicht der Fall. Aber es ist ja einmal so bei der Betrachtung der übersinnlichen Tatsachen, daß man ihnen eigentlich nur dann wirklich nahetritt, wenn man sie von den verschiedensten Gesichtspunkten aus ins Auge faßt. Und so werden wir vielleicht manches von dem, was zum Beispiel in meiner «Theosophie» oder «Geheimwissenschaft» mehr von dem Gesichtspunkt des unmittelbaren menschlichen Erlebens dargestellt worden ist, heute von einem universelleren Standpunkt aus darzustellen haben. Die Dinge sind dieselben, aber man soll eben nicht glauben, daß man sie schon kennt, wenn man sie von einem Standpunkt aus einmal charakterisiert erhalten hat. Gerade die okkulten Tatsachen sind solche, daß man gleichsam um sie herumgehen und von den verschiedensten Gesichtspunkten aus anschauen muß. In der Beurteilung dieser Dinge, die von der Geisteswissenschaft mitgeteilt werden, wird ja am häufigsten der Fehler gemacht, daß die Leute urteilen, die, sagen wir, gerade ein paar Ausführungen über eine Sache gehört haben und nicht die Geduld besitzen, wirklich alles, was gesagt werden kann, von den verschiedensten Gesichtspunkten aus auf sich wirken zu lassen. Dann tritt schon auch für den gewöhnlichen gesunden Menschenverstand das Verständnis ein, von dem wir gestern im öffentlichen Vortrage über «Wahrheiten der Geistesforschung» gesprochen haben. Wir wollen heute nicht so sehr da beginnen, wo das Leben nach dem Tode, welches wir gewöhnlich als das Kamaloka bezeichnen, anhebt, sondern hauptsächlich da, wo das Kamaloka-Leben zu Ende geht und das Leben in der geistigen Welt beginnt, hauptsächlich nach dem Kamaloka-Leben bis zum Wiedereintritt in ein neues Erdenleben, und wo die Kräfte sich bilden zu einer neuen Inkarnation.
[ 1 ] The world of occult facts—as we have often emphasized—is not as easy to investigate and describe as is very often assumed, and anyone who wishes to proceed conscientiously in this field will repeatedly find themselves compelled to reexamine certain important chapters of spiritual research, so to speak. And so, in recent months, among other things, I have once again found myself examining a chapter that we have already discussed here on several occasions. Such new investigations inevitably yield new perspectives. The chapter in question, which we wish to describe briefly today—even if only in outline form—concerns life between death and a new birth. When it is said that new perspectives have emerged in this process, this should not be taken to mean that what was said earlier should now be thought of as having changed in any way. That is certainly not the case with this chapter. But it is a fact of the study of supersensible realities that one can truly come close to them only when one approaches them from the most diverse perspectives. And so we may now have to present some of what, for example, in my *Theosophy* or *Esoteric Science* was described more from the perspective of immediate human experience, from a more universal standpoint. The things are the same, but one should not believe that one already knows them simply because one has received a characterization of them from a single perspective. Occult facts, in particular, are such that one must, as it were, walk around them and view them from the most diverse angles. In assessing these matters communicated by Spiritual Science, the most common mistake is made by people who, let us say, have just heard a few remarks on a subject and lack the patience to truly allow everything that can be said to sink in from the most diverse perspectives. Then even for ordinary common sense, the understanding comes into play of which we spoke yesterday in the public lecture on “Truths of Spiritual Research.” Today we do not wish to begin so much where life after death, which we usually call the Kamaloka, begins, but mainly where Kamaloka life comes to an end and life in the spiritual world begins—mainly from the end of Kamaloka life until re-entry into a new earthly life—and where the forces are forming for a new incarnation.
[ 2 ] Sie wissen, daß das hellseherische Hineinschauen in die geistige Welt einen in einer gewissen Beziehung in dieselbe Lage versetzt, in welcher der Mensch zwischen dem Tode und einer neuen Geburt ist, so daß innerhalb der Einweihung eben das erlebt wird, was auch zwischen dem Tode und einer neuen Geburt erlebt wird, wenn auch in etwas anderer Weise. Und damit ist ja überhaupt die Möglichkeit gegeben, über diese Dinge sprechen und etwas darüber mitteilen zu können. Da möchte ich zunächst über zwei wichtige Dinge der hellseherischen Anschauung sprechen, die auch zum Verständnis des Lebens nach dem Tode führen können. Zunächst ist ja schon öfters aufmerksam darauf gemacht worden, wie verschieden das ganze Leben in der übersinnlichen Welt gegenüber dem Leben hier in der physischen, in der sinnlichen Welt ist. Wenn wir in die übersinnliche Welt hinaufkommen, dann ist zum Beispiel schon der ganze Erkenntnisprozeß ein anderer als hier in der physischen Welt. Hier in der physischen Welt, da gehen wir gleichsam durch diese Welt, und die Dinge treten an unsere Sinne heran, die Dinge machen ihre Farben- und Lichteindrücke auf unsere Augen, Gehörseindrücke auf unsere Ohren und andere Eindrücke auf unsere anderen Sinnesorgane. Wir nehmen die Dinge wahr, wir gehen durch die Welt und müssen durch die Welt gehen, wenn wir die Dinge wahrnehmen wollen, und es hilft uns nichts zur Wahrnehmung irgendeines Dinges, das an einem entfernten Orte ist, wenn wir nicht hingehen; kurz, wir müssen uns in der Welt der Sinne regen, wir müssen uns bewegen, wenn wir die Dinge wahrnehmen wollen. Das genau Entgegengesetzte gilt für die Wahrnehmungen in der übersinnlichen Welt. Je ruhiger wir in unserer Seele werden, je mehr wir sozusagen alles von innerer Beweglichkeit ausschließen, je weniger wir irgendein Ding aufsuchen, je weniger wir danach streben können, daß dieses Ding zu uns komme, je mehr wir warten können, desto sicherer tritt die Wahrnehmung des Dinges ein, desto wahrer ist dann die Empfindung, das Erlebnis, das wir von dem Dinge haben können. In der übersinnlichen Welt müssen wir die Dinge an uns herankommen lassen, das ist das Wesentliche. Innere Ruhe, die müssen wir uns erwerben, dann kommen die Dinge an uns heran.
[ 2 ] You know that clairvoyant insight into the spiritual world places one, in a certain sense, in the same situation as that of a human being between death and a new birth, so that during initiation one experiences precisely what is also experienced between death and a new birth, albeit in a somewhat different way. And this, of course, makes it possible to speak about these things and share some insights regarding them. I would like to begin by discussing two important aspects of clairvoyant perception that can also lead to an understanding of life after death. First of all, it has often been pointed out how different life in the supersensible world is from life here in the physical, sensory world. When we ascend into the supersensible world, for example, the entire process of cognition is different from what it is here in the physical world. Here in the physical world, we move through this world, so to speak, and things approach our senses; things make their impressions of color and light on our eyes, auditory impressions on our ears, and other impressions on our other sense organs. We perceive things; we move through the world and must move through the world if we wish to perceive things, and it does us no good to perceive anything that is in a distant place unless we go there; in short, we must be active in the world of the senses; we must move if we wish to perceive things. The exact opposite applies to perceptions in the supersensible world. The calmer we become in our soul, the more we exclude, so to speak, all inner agitation, the less we seek out any object, the less we can strive for that object to come to us, the more we can wait—the more surely the perception of the object occurs, and the truer is then the sensation, the experience, that we can have of the object. In the supersensible world, we must allow things to come to us; that is the essential point. We must acquire inner calm; then things will come to us.
[ 3 ] Und das zweite, das ich berühren möchte, ist dieses, daß, wenn wir die übersinnliche Welt betreten, wir gar sehr nötig haben zu berücksichtigen, daß die ganze Art, wie uns diese übersinnliche Welt entgegentritt, abhängig ist von dem, was wir aus der sinnlichen Welt, aus unserer gewöhnlichen menschlich-sinnlichen Welt in diese übersinnliche Welt hinein mitbringen. Das gibt zuweilen recht große Seelenschwierigkeiten in der übersinnlichen Welt. Es mag für uns in der sinnlichen Welt zuweilen recht peinlich sein, wenn wir wissen, wir haben einen Menschen weniger lieb, als wir ihn eigentlich haben sollten, als er verdiente, von uns geliebt zu werden. Demjenigen, der mit so etwas behaftet in die übersinnliche Welt hineintritt, daß er einen Menschen weniger liebt, als derselbe geliebt werden sollte, steht dies mit einer viel, viel größeren Intensität vor dem geistigen Auge, als es jemals uns vor die Seele treten kann hier in der physisch-sinnlichen Welt. Aber nun kommt etwas dazu, und das ist das ungeheuer Wichtige, was oftmals gerade dem hellseherischen Bewußtsein die größten Seelenschmerzen machen kann. Alle Kräfte, die wir aus der übersinnlichen Welt herausziehen können, alles, was wir in der übersinnlichen Welt gewinnen können, kann uns nichts helfen, um irgendein Seelenverhältnis, das wir als nicht richtig erkennen in der physischen Welt, etwa durch Kräfte, die wir aus der übersinnlichen Welt holen, besser zu machen. Das gibt gegenüber all dem, was uns in der sinnlichen Welt peinigen kann, etwas viel Peinigenderes noch in der übersinnlichen Welt; es gibt ein gewisses Gefühl der Ohnmächtigkeit gegenüber dem notwendigen Ausleben des Karma, das ja geschehen muß in der sinnlich-physischen Welt.
[ 3 ] And the second point I would like to address is this: when we enter the supersensible world, we must take into account that the entire way in which this supersensible world presents itself to us depends on what we bring with us from the sensory world—from our ordinary human-sensory world—into this supersensible world. This sometimes causes quite serious spiritual difficulties in the supersensible world. It may sometimes be quite painful for us in the sensory world when we know that we love a person less than we actually ought to, than he deserves to be loved by us. For those who enter the supersensible world burdened by the fact that they love a person less than that person should be loved, this stands before the spiritual eye with a much, much greater intensity than it can ever appear before our souls here in the physical-sensory world. But now something else comes into play, and this is the immensely important factor that can often cause the greatest soul-pain precisely to the clairvoyant consciousness. All the powers we can draw from the supersensible world, everything we can gain in the supersensible world, cannot help us in any way to improve a soul relationship that we recognize as wrong in the physical world, for example through powers we draw from the supersensible world. This creates, in contrast to all that can torment us in the sensory world, something even more tormenting in the supersensory world; there is a certain feeling of powerlessness in the face of the necessary working out of karma, which must, after all, take place in the sensory-physical world.
[ 4 ] Sehen Sie, diese beiden Dinge, die dem Schüler der okkulten Wissenschaft sehr bald entgegentreten, wenn er nur ein wenig Fortschritte macht, sie treten sofort auf in dem Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Nehmen wir nur einmal den Fall, daß wir zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, bald nach unserem Tode, mit menschlichen Wesenheiten zusammentreffen, die vielleicht vor uns hier in der physischen Welt gestorben sind. Wir treffen mit ihnen zusammen; wir können das ganze Verhältnis empfinden, das wir zu ihnen hier in der physischen Welt gehabt haben. Wir sind sozusagen mit einem vor uns oder jetzt oder nach uns Hingestorbenen zusammen und empfinden: Genau so standest du im Leben zu diesem Menschen, so war dein Verhältnis zu ihm. Während wir aber in der physischen Welt, wenn wir zum Beispiel darauf kommen, daß wir einem Menschen Unrecht getan haben in unseren Gefühlen oder Taten, imstande sind, irgend etwas dazu zu tun, um die Sache auszugleichen, sind wir das in dem Leben nach dem Tode durchaus nicht unmittelbar. Wir sehen klar ein: So steht es mit unserem Verhältnis, aber wir sehen, daß es unmöglich ist, innerhalb dieser übersinnlichen Welt irgend etwas auch aus der tiefsten Einsicht, daß es anders sein sollte, zu ändern. Es muß zunächst so bleiben, wie es ist. Das ist das Drückende manches Vorwurfes, daß man klar durchschaut, wie das Verhältnis nicht hätte sein sollen, aber daß man es so lassen muß, während man immer die Empfindung hat, es sollte anders sein. Und das wird zu übertragen sein auf das gesamte Leben nach dem Tode. Die Dinge, von denen wir wissen, sie sind von uns nicht richtig gemacht im Leben, wir sehen sie um so tiefer ein nach dem Tode; aber wir müssen sie so lassen, wie sie sind, müssen sie so weiterleben, wie sie sind. Wir sehen gleichsam zurück auf das, was wir getan haben, aber wir müssen vollständig die Konsequenz dessen ausleben, was wir getan haben, und haben das deutliche Erlebnis, daß wir nichts daran ändern können.
[ 4 ] You see, these two things, which the student of occult science encounters very soon after making even a little progress, immediately arise in the life between death and a new birth. Let us just take the case where, between death and a new birth—shortly after our death—we encounter human beings who may have died before us here in the physical world. We meet them; we can sense the entire relationship we had with them here in the physical world. We are, so to speak, together with someone who died before us, or at the same time as us, or after us, and we feel: “This is exactly how you related to this person in life; this was your relationship with them.” But whereas in the physical world, if we realize, for example, that we have wronged someone in our feelings or actions, we are able to do something about it to make amends, in the life after death we are by no means able to do so immediately. We see clearly: This is the state of our relationship, but we see that it is impossible, within this supersensible world, to change anything—even from the deepest insight that it should be different. It must first remain as it is. This is the oppressive nature of many a reproach: that one clearly sees how the relationship should not have been, but that one must leave it as it is, while always having the feeling that it should be different. And this will apply to the entire life after death. The things we know we did not do correctly in life, we perceive all the more deeply after death; but we must leave them as they are, must continue to live with them as they are. We look back, as it were, on what we have done, but we must live out the full consequences of what we have done, and have the clear experience that we cannot change anything about it.
[ 5 ] So geht es nicht nur mit den Beziehungen zu anderen Menschen, so geht es mit unserem gesamten seelischen Leben nach dem Tode. Denn dieses seelische Leben hängt von mancherlei ab. Zunächst möchte ich wie durch Imaginationen schildernd dieses Leben nach dem Tode ein wenig darstellen. Wenn man den Ausdruck Visionen oder Imaginationen so nimmt, wie das gestern zum Beispiel auseinandergesetzt worden ist, so kann kein Mißverständnis entstehen über das, was jetzt gesagt werden soll. Während der Mensch hier durch seine Organe in der Sinneswelt wahrnimmt, lebt er nach dem Tode sozusagen in einer Welt von Visionen, nur daß diese Visionen Abbilder von Wirklichkeiten darstellen. Wie wir das innere Wesen der Rose hier in der physischen Welt nicht unmittelbar wahrnehmen, sondern die Röte äußerlich, so nehmen wir einen verstorbenen Freund oder Bruder oder dergleichen nicht unmittelbar wahr, sondern das, was wir nach dem Tode haben, ist das visionäre Bild. Wir sind sozusagen in der Wolke unserer Visionen darinnen, aber wir wissen ganz genau: wir sind mit dem anderen zusammen; es ist ein reales Verhältnis, ja ein viel realeres, als es hier auf der Erde zwischen Mensch und Mensch sein kann. Durch das Bild nehmen wir das Wesen wahr. In der ersten Zeit, auch nach der Kamalokazeit ist es so, daß unsere uns umgebenden, von uns erlebten Visionen so sind, daß sie eigentlich zumeist auf das, was wir hier auf der Erde erlebt haben, in dem angedeuteten Sinn zurückweisen. Wir wissen, sagen wir, es ist außer uns ein verstorbener Freund hier in der geistigen Welt; wir nehmen ihn durch unsere Vision wahr. Dieses Gefühl, mit ihm zusammen zu sein, haben wir vollständig; wir wissen, wie wir mit ihm zusammengehören. Was wir aber hauptsächlich wahrnehmen, ist das, was sich hier auf der Erde mit ihm abgespielt hat; das kleidet sich zunächst anfangs in unsere Vision ein. Eine Nachwirkung unserer irdischen Verhältnisse ist zunächst die Hauptsache im Erleben; wie wir überhaupt auch noch nach der Kamalokazeit in einer gewissen Beziehung in den Konsequenzen unseres irdischen Daseins leben. Und diese Wolke von Visionen, die uns einschließt, ist durchaus abhängig von dem, wie wir unser Erdenleben zugebracht haben. Erst nach und nach, wenn die Zeit etwas verläuft zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, stellt sich für die imaginative Anschauung die Sache so, daß der Mensch, der seelisch wie in seine Imaginationen eingehüllt ist, dann anfängt, so zu erscheinen für die Imagination als wie eine Wolke, die zuerst dunkel ist — das wäre der Mensch in der ersten Zeit nach der Kamalokazeit —, dann beginnt diese Wolke von der einen Seite so beleuchtet zu sein, wie wenn wir am Morgen eine Wolke von der Sonne glühend erleuchtet sehen. Wenn dann die Inspiration kommt und diese Imagination erklären soll, so stellt sich heraus: Wir leben zuerst in der Welt, in der Wolke unserer eigenen Erlebnisse der Erde, sind in diese gleichsam eingehüllt und sind nur imstande, zu den Wesen eine Beziehung zu gewinnen, mit denen wir auf der Erde zusammen waren, also vorzugsweise zu den Menschen, die gestorben sind oder die eine Möglichkeit haben, mit ihren Seelen hinaufzukommen von der Erde in die geistige Welt. Das aber, was sich da ausdrückt für die imaginative Welt, daß die Wolke unseres Wesens von der einen Seite erleuchtet wird wie von einem Glimmlicht, das sich herumlegt, das bezeugt, daß wir beginnen uns einzuleben in das Herankommen der Hierarchien an unsere eigene Wesenheit. Die Wesenheiten der höheren Hierarchien kommen an uns heran, wir leben uns allmählich in die Welt der höheren Geistigkeit ein. Vorher haben wir nur Zusammenhänge mit der Welt, die wir mitgebracht haben; dann beginnt das Leben der höheren Hierarchien an uns heranzuleuchten und in uns einzudringen; wir bekommen ein Mitleben mit den Wesen der höheren Hierarchien, wir leben uns mehr und mehr in die Welt der höheren Hierarchien ein. Um aber zu verstehen, wie wir uns einleben, dazu ist notwendig, daß wir tatsächlich über die durch die imaginative Erkenntnis wahrzunehmenden sozusagen Größenverhältnisse unseres Wesens uns aufklären, indem wir uns von unserem physischen Leibe herausziehen mit unserem seelischen Wesen.
[ 5 ] This applies not only to our relationships with other people, but also to our entire spiritual life after death. For this spiritual life depends on many factors. First, I would like to describe this life after death a little, as if through imaginative visions. If one takes the terms “visions” or “imaginations” in the sense discussed yesterday, for example, there can be no misunderstanding regarding what is now to be said. While here on earth a person perceives the sensory world through their organs, after death they live, so to speak, in a world of visions—except that these visions are reflections of reality. Just as we do not directly perceive the inner essence of the rose here in the physical world, but rather its red color externally, so we do not directly perceive a deceased friend or brother or the like, but what we have after death is the visionary image. We are, so to speak, within the cloud of our visions, but we know quite precisely: we are together with the other; it is a real relationship, indeed a much more real one than can exist here on Earth between human beings. Through the image we perceive the being. In the early period, and even after the Kamaloka period, the visions surrounding us and experienced by us are such that they actually mostly refer back to what we have experienced here on Earth, in the sense indicated. We know, let us say, that there is a deceased friend here in the spiritual world outside of us; we perceive him through our vision. We have this feeling of being together with him in its entirety; we know how we belong together with him. But what we perceive primarily is what took place here on earth with him; that is what initially takes shape in our vision. An aftereffect of our earthly circumstances is initially the main focus of our experience; just as, even after the kamaloka period, we continue to live, in a certain sense, with the consequences of our earthly existence. And this cloud of visions that envelops us is entirely dependent on how we spent our earthly life. Only gradually, as time passes between death and a new birth, does the situation present itself to the imaginative perception in such a way that the human being, who is spiritually as if wrapped in his own imaginations, then begins to appear to the imagination like a cloud that is at first dark—that would be the human being in the early period following the Kamaloka period— then this cloud begins to be illuminated from one side, as when we see a cloud glowing in the morning light of the sun. When inspiration then comes and is to explain this image, it turns out: We first live in the world, in the cloud of our own earthly experiences, are, as it were, enveloped in it, and are only able to form a relationship with the beings with whom we were together on earth—that is, primarily with people who have died or who have the possibility of ascending with their souls from earth into the spiritual world. But what is expressed there for the imaginative world—that the cloud of our being is illuminated from one side as by a glimmering light that spreads around—testifies that we are beginning to settle into the approach of the hierarchies to our own being. The beings of the higher hierarchies are drawing near to us; we are gradually settling into the world of higher spirituality. Previously, we had connections only with the world we brought with us; then the life of the higher hierarchies begins to shine upon us and penetrate into us; we come to share in the life of the beings of the higher hierarchies; we settle more and more into the world of the higher hierarchies. But in order to understand how we become attuned, it is necessary that we actually gain insight into the proportions of our being—so to speak—as perceived through imaginative knowledge, by withdrawing from our physical body with our soul being.
[ 6 ] Das tun wir ja, wenn wir durch die Pforte des Todes gehen. Da dehnt sich tatsächlich unser Wesen aus, da wird unser Wesen immer größer und größer. Das ist eine schwierige Vorstellung; aber es ist doch so. Wir sind in der Tat nur auf der Erde versucht zu glauben, daß wir so groß sind wie die Grenze unserer Haut. Es ist ein Hinauswachsen in die endlosen Räume, sozusagen ein immer Größer- und Größerwerden. Und wenn wir am Ende der Kamalokazeit angelangt sind, sind wir buchstäblich so groß, daß wir bis zu dem Umkreis reichen, den der Mond um die Erde macht. Also, wir werden sehr, sehr groß. Wir werden, wie der Okkultist sagt, zu Mondbewohnern; das heißt aber, wir dehnen unser Wesen so weit aus, daß unsere äußere Grenze zusammenfällt mit dem Kreis, den der Mond um die Erde beschreibt. Ich kann auf die Lagenverhältnisse der Planeten heute nicht eingehen, aber Sie werden das, was scheinbar mit der äußeren Astronomie nicht stimmt, aufgeklärt finden, wenn Sie die Dinge mit dem in Düsseldorf gehaltenen Vortragszyklus über «Geistige Hierarchien und ihre Widerspiegelung in der physischen Welt» vergleichen. Und dann wachsen wir weiter hinaus in den Weltenraum, in unser ganzes Planetensystem hinein, und wachsen dann zunächst in das, was der Okkultist die Merkursphäre nennt, hinein. Das heisst, wir werden — in den Grenzen, die Sie sich ja selbst abstecken, wenn Sie die Dinge richtig verstehen —, wir werden nach der Kamalokazeit Merkurbewohner, und wir fühlen uns auch durchaus dann so, daß wir den Weltenraum bewohnen. So wie wir uns während unseres physischen Daseins als Erdenbewohner fühlen, so fühlen wir uns dann als Merkurbewohner. Ich kann in Einzelheiten nicht beschreiben, wie sich das ausnimmt, aber das Bewußtsein ist durchaus vorhanden: Wir sind jetzt nicht etwa nur in einem so kleinen Raumteil eingegrenzt wie auf der Erde, sondern unser ganzes Sein umfaßt tatsächlich diesen weiten Umkreis, der begrenzt wird durch die Bahn, die der Merkur beschreibt. Diese Zeit, die wir da durchleben, wie wir sie durchleben, das hängt auch davon ab, wie wir uns vorbereitet haben hier auf der Erde, was wir hier für Kräfte aufgenommen haben, um in der richtigen oder unrichtigen Art hineinzuwachsen in diese Merkursphäre.
[ 6 ] That is indeed what we do when we pass through the gate of death. There, our being actually expands; there, our being grows ever larger and larger. It is a difficult mental image to grasp, but it is nonetheless true. It is only here on Earth that we are tempted to believe that we are as big as the limits of our skin. It is a growing out into endless space, so to speak, a process of becoming ever larger and larger. And when we reach the end of the Kamaloka period, we are literally so large that we extend to the orbit that the Moon makes around the Earth. So, we become very, very large. We become, as the occultist says, lunar inhabitants; but that means we expand our being so far that our outer boundary coincides with the circle the Moon describes around the Earth. I cannot go into the relative positions of the planets today, but you will find clarification of what appears to be incorrect in external astronomy if you compare these matters with the lecture series held in Düsseldorf on “Spiritual Hierarchies and Their Reflection in the Physical World.” And then we continue to expand out into space, into our entire planetary system, and then initially grow into what the occultist calls the Mercury sphere. That is to say, we become—within the limits you set for yourselves, if you understand things correctly—we become inhabitants of Mercury after the Kamaloka period, and we certainly feel then that we inhabit outer space. Just as we feel ourselves to be inhabitants of the Earth during our physical existence, so do we feel ourselves to be inhabitants of Mercury. I cannot describe in detail what this is like, but the consciousness is definitely present: we are now not confined to such a small part of space as we are on Earth, but our entire being actually encompasses this vast expanse, which is bounded by the orbit described by Mercury. The time we are experiencing there, and how we experience it, also depends on how we have prepared ourselves here on Earth, what forces we have absorbed here, in order to grow into this Mercury sphere in the right or wrong way.
[ 7 ] Man kann nun bei der okkulten Untersuchung zwei Menschen vergleichen — oder mehrere Menschen, aber sagen wir zunächst zwei Menschen —, um zu einer Erkenntnis dieser Tatsache zu kommen. Und da ist verglichen worden die Seele eines Menschen zum Beispiel, welcher in unmoralischer Verfassung durch die Pforte des Todes gegangen ist, mit der Seele eines Menschen, der in moralischer Seelenverfassung durch die Pforte des Todes gegangen ist. Da stellt sich ein beträchtlicher Unterschied heraus. Es zeigt sich schon sehr bald, wie der Unterschied zunächst ist, wenn es sich handelt um das Verhältnis des einen Menschen zu anderen, die er nach dem Tode trifft. Da ist es so, daß bei dem Menschen mit moralischer Seelenverfassung ja auch die Bilder da sind, in die die Seele eingehüllt ist; aber der Mensch findet überall die Möglichkeit, sozusagen bis zu einem gewissen Grad mit diesen anderen Menschen zusammen zu sein. Das macht die moralische Seelenverfassung. Während bei unmoralischer Seelenverfassung das eintritt, daß der Mensch das wird, was man nennen kann eine Art Einsiedler in der geistigen Welt. Er weiß zum Beispiel, daß ein Mensch, der auch in der geistigen Welt ist, ihn auf der Erde gekannt hat; er weiß, daß er mit ihm zusammen ist, aber er kann keine Möglichkeit finden, sozusagen aus dem Gefängnis seiner imaginativen Wolke herauszukommen und an ihn heranzutreten. Moralität macht uns zum geselligen Wesen in der geistigen Welt, zu einem Wesen, das Beziehungen anknüpfen kann mit anderen Wesen; Unmoralität macht uns zum Einsiedler in der geistigen Welt, versetzt uns in die Einsamkeit. Und dies ist eigentlich ein wichtiger kausaler Zusammenhang zwischen Dingen, die sich hier auf der Erde mit unserer Seele abspielen, und dem, was zwischen dem Tod und einer neuen Geburt geschieht.
[ 7 ] In occult investigation, one can now compare two people—or several people, but let’s start with two—in order to gain insight into this fact. And there has been a comparison, for example, between the soul of a person who passed through the gate of death in an immoral state and the soul of a person who passed through the gate of death in a moral state. A considerable difference emerges. It becomes apparent very quickly what the difference is, at least initially, when it comes to the relationship of one person to others whom they encounter after death. In the case of the person with a moral state of mind, the images in which the soul is enveloped are indeed present; but the person finds everywhere the possibility, so to speak, of being together with these other people to a certain extent. That is what the moral state of the soul accomplishes. Whereas with an immoral state of the soul, what happens is that the person becomes what one might call a kind of hermit in the spiritual world. For example, they know that a person who is also in the spiritual world knew them on Earth; they know that they are together with that person, but they cannot find a way, so to speak, to emerge from the prison of their imaginative cloud and approach them. Morality makes us a social being in the spiritual world, a being capable of forming relationships with other beings; immorality makes us a hermit in the spiritual world, casting us into solitude. And this is actually an important causal connection between events that take place here on Earth with our soul and what occurs between death and a new birth.
[ 8 ] Und so ist es auch im weiteren Verlauf. Wir durchleben in einer weiteren Zeit, nachdem wir durch die Merkursphäre gegangen sind im Sinne des Okkultismus, die sogenannte Venus-Sphäre, fühlen uns als Venusbewohner. Da ist es, zwischen Merkur und Venus, wo allmählich unsere Wolke sozusagen von außen beschienen wird, wo herankommen können an den Menschen die Wesenheiten der höheren Hierarchien. Aber jetzt hängt es wieder davon ab, ob wir uns in der richtigen Weise bereit gemacht haben, als gesellige Geister in die Reihen der Hierarchien aufgenommen zu werden, mit ihnen etwas zu tun haben zu können, oder ob wir zwar wissen, daß sie da sind, aber wie Einsiedler gleichsam an jedem vorbeigehen müssen, wie Einsiedler uns da bewegen in der geistigen Welt. Und in dieser Venus-Sphäre ist es wiederum von etwas anderem abhängig, ob wir gesellige Geister sind oder einsam hinwandelnde Geister. Während es in der vorigen Sphäre nur möglich ist, ein geselliger Geist zu sein, wenn wir uns durch Moralität dazu vorbereitet haben auf der Erde, ist im wesentlichen die Kraft, die uns zur Geselligkeit, das heißt zu einem gewissen sozialen Leben in der Venus-Sphäre führt, das religiöse Leben, die religiöse Stimmung der Seele. Und wir können uns am ehesten zu Einsiedlern in dieser Venus-Sphäre verurteilen, wenn wir während des Erdenlebens keine religiöse Stimmung, kein Gefühl unserer Zusammengehörigkeit mit dem Unendlichen, mit dem Göttlichen, entwickelt haben. Ja, es ist das eben so, daß es sich tatsächlich für die okkulte Beobachtung so darstellt, daß der Mensch zum Beispiel durch einen bloßen atheistischen Hang, durch ein Ablehnen jeder Beziehung seiner Endlichkeit zur Unendlichkeit sich in das Gefängnis seiner eigenen Sphäre einsperrt. Und es ist eine Wahrheit, wenn gesagt wird, daß der sogenannte Monistenbund, in dem sich die Leute auch gesellig über die Erde vereinigen, durch sein Bekenntnis es wirklich dazu bringt, daß die Leute, die in ihm verbunden sind mit einem nicht zur religiösen Stimmung hinneigenden Bekenntnis, sich gut dazu vorbereiten, daß sie dann keinen Monistenbund mehr bilden können, sondern wirklich jeder in seinem eigenen Gefängnis sitzt.
[ 8 ] And so it continues. After passing through the sphere of Mercury in the occult sense, we experience a further phase—the so-called sphere of Venus—and feel ourselves to be inhabitants of Venus. It is there, between Mercury and Venus, that our cloud is gradually illuminated from the outside, so to speak, and where the beings of the higher hierarchies can approach human beings. But now it depends again on whether we have prepared ourselves in the right way to be accepted into the ranks of the hierarchies as sociable spirits, to be able to have a relationship with them, or whether, although we know they are there, we must pass everyone by like hermits, moving through the spiritual world as hermits. And in this Venus sphere, it again depends on something else whether we are social spirits or spirits wandering in solitude. While in the previous sphere it is only possible to be a sociable spirit if we have prepared ourselves for it through morality on Earth, the power that essentially leads us to sociability—that is, to a certain social life in the Venus sphere—is the religious life, the religious mood of the soul. And we are most likely to condemn ourselves to a life of solitude in this Venus sphere if, during our earthly life, we have not developed a religious mood, a sense of our belonging to the infinite, to the divine. Indeed, it is precisely the case that, as occult observation reveals, a person—for example, through a mere atheistic inclination, through a rejection of any connection between their finitude and the infinite—imprisons themselves within the confines of their own sphere. And it is true when it is said that the so-called Monist League, in which people also unite socially across the globe, through its creed actually brings about the situation where those who are united within it by a creed not inclined toward a religious mood are well prepared for the fact that they will then no longer be able to form a Monist League, but rather that each person will truly be sitting in their own prison.
[ 9 ] Das ist nicht etwas, was ein Urteil begründen soll, sondern was sich eben aufdrängt für die okkulte Beobachtung als etwas, was ganz notwendig als Folge der irdischen religiösen oder unreligiösen Empfindungen auftreten muß. Nun wissen wir ja, daß auf der Erde die verschiedensten Religionen gestiftet worden sind, und zwar im wesentlichen im Laufe der Menschheitsentwickelung aus einem gemeinsamen Quell heraus. Sie sind gestiftet worden so, daß aus diesem gemeinsamen Quell heraus die einzelnen Religionsstifter berücksichtigt haben die Temperamente der einzelnen Völker, Klima und alle Dinge, an welche die Religionen angepaßt werden mußten. So kamen natürlich die Seelen nicht mit einer allgemeinen religiösen Stimmung in diese Sphäre der Venus, sondern sie kamen dahin mit der Stimmung ihres besonderen Religionsbekenntnisses. Wenn man auch ein Gefühl hat für das Geistige, für das Ewige, für das Göttliche, aber dieses Gefühl mit einer bestimmten Färbung dieses oder jenes Religionsbekenntnisses hat, bewirkt das wiederum, daß man nur ein geselliges Wesen wird für die, welche sozusagen die gleichen Empfindungen haben, welche in demselben Religionsbekenntnis hier auf der Erde gelebt haben. Und daher können wir gerade in der Venus-Sphäre die Menschen abgetrennt finden nach ihren besonderen Religionsbekenntnissen. Die Menschen sind ja auf unserer Erde, wie wir wissen, nach Rassen, mehr nach äußeren Merkmalen bisher gegliedert gewesen. Da Rassen-, Stammeszusammengehörigkeiten mit den religiösen Bekenntnissen etwas zu tun haben, so entspricht im allgemeinen, aber nur im allgemeinen, auch etwas diese Konfiguration von Gruppen in der Venus-Sphäre — aber doch nicht ganz genau — dem, wie die Menschen hier auf der Erde gegliedert sind, weil eben dort die Menschen nur sich gliedern nach ihrem Verständnisse eines gewissen Religionsbekenntnisses. Dadurch schließen sich gleichsam die Menschen in bestimmte Grenzen, in Provinzen ein, daß sie nur Empfindungen haben für ihre bestimmten Religionsbekenntnisse. In der Merkursphäre zeigt der Mensch noch mehr hauptsächliches Verständnis für die Menschen, welche hier auf der Erde mit ihm verbunden waren, zu denen er eine gewisse Beziehung gehabt hat. Wenn er nun eine moralische Seelenverfassung hatte, so ist er während der Merkursphäre im wesentlichen im Umgange mit den Menschen, zu denen sich hier schon ein Verhältnis angesponnen hat. Während der Venus-Sphäre ist der Mensch mehr aufgenommen in die großen religiösen Gemeinschaften, in die er aufgenommen sich fühlte durch die Beschaffenheit seiner Seele hier im Erdendasein.
[ 9 ] This is not something intended to justify a judgment, but rather something that presents itself to occult observation as an inevitable consequence of earthly religious or non-religious sentiments. Now we know, of course, that the most diverse religions have been founded on Earth, essentially in the course of human development from a common source. They were founded in such a way that, drawing from this common source, the individual founders of religions took into account the temperaments of the individual peoples, the climate, and all the factors to which the religions had to be adapted. Thus, naturally, the souls did not come into this sphere of Venus with a general religious disposition, but rather with the disposition of their particular religious denomination. Even if one has a feeling for the spiritual, for the eternal, for the divine, but this feeling is colored by this or that religious denomination, this in turn causes one to become a social being only for those who, so to speak, have the same feelings, who lived in the same religious denomination here on Earth. And that is why, particularly in the Venus sphere, we find people separated according to their specific religious creeds. As we know, people on our Earth have hitherto been divided into races, more according to external characteristics. Since racial and tribal affiliations have something to do with religious creeds, this configuration of groups in the Venus sphere generally—but only generally—corresponds somewhat to how people are grouped here on Earth, though not exactly, because there people group themselves solely according to their understanding of a particular religious creed. In this way, people, as it were, confine themselves within certain boundaries, within provinces, in that they have feelings only for their specific religious beliefs. In the Mercury sphere, a person still shows a greater degree of understanding for the people with whom they were connected here on Earth, to whom they had a certain relationship. If they had a moral disposition of soul, then during the Mercury sphere they essentially associate with the people with whom a relationship had already been established here. During the Venus sphere, people are more absorbed into the great religious communities into which they felt accepted due to the nature of their soul here in earthly existence.
[ 10 ] Die nächste Sphäre nun, die der Mensch zu betreten hat, ist die Sonnensphäre. Und wir kommen in der Tat zwischen dem Tod und einer neuen Geburt dazu, uns eine gewisse Zeit hindurch als Sonnenbewohner zu fühlen, das heißt zu wissen: Wir sind mit der Sonne verbunden. Wir lernen in dieser Zeit durchaus das Wesen der Sonne kennen, das ganz anders ist, als die physische Astronomie es heute beschreibt. Und wiederum handelt es sich darum, daß wir in die Sonnensphäre uns einzuleben vermögen in der richtigen Art. In der Sonnensphäre tritt nun namentlich eines uns entgegen: da tritt das starke Bedürfnis in der Seele auf wie durch eine elementare Kraft, dass alle Sonderheiten zwischen den Menschenseelen aufhören müssen. Während wir in der Merkursphäre mehr oder weniger eingereiht sind in den Kreis, zu dem wir auf der Erde Beziehung gehabt haben, während wir in der Venus-Sphäre heimisch sind durch ein religiöses Leben innerhalb der Kreise, die mit uns religiös gleich empfunden haben auf der Erde, und wir uns noch in gewisser Weise befriedigt fühlen können bloß in diesen Gemeinschaften, fühlt die Seele tiefe Einsamkeit auf der Sonne, wenn sie sich verurteilt fühlt, kein Verständnis zu haben für alle Seelen, die von der Erde zwischen dem Tod und einer neuen Geburt in diese Sonnensphäre versetzt werden. Nun war es für die alten Zeiten der Menschheitsevolution so, daß ja tatsächlich die Seelen während der Venus-Sphäre sozusagen in den einzelnen Religionsprovinzen befindlich waren, dort ihr Verständnis fanden und gaben und daß, weil alle Religionen aus einem gemeinsamen Quell sind, der Mensch, wenn er in die Sonnensphäre übertrat, gleichsam von dem alten gemeinsamen Erbstück aller Religionsbekenntnisse so viel hatte, daß ihm die Möglichkeit gegeben war, in der Sonnensphäre an alle anderen Seelen heranzutreten und mit ihnen zusammen zu sein, sie zu verstehen, mit ihnen Gemeinsamkeit zu pflegen, mit ihnen geselligen Geistes sein zu können.
[ 10 ] The next sphere that human beings must enter is the solar sphere. And indeed, between death and a new birth, we come to feel ourselves as inhabitants of the sun for a certain time, that is, to know that we are connected to the sun. During this time, we come to know the very nature of the Sun, which is quite different from how physical astronomy describes it today. And once again, the point is that we must be able to settle into the solar sphere in the right way. In the solar sphere, one thing in particular confronts us: a strong need arises in the soul, as if through an elemental force, that all differences between human souls must cease. While in the Mercury sphere we are more or less integrated into the circle with which we had a relationship on Earth, and while in the Venus sphere we feel at home through a religious life within the circles that shared our religious sensibilities on Earth, and we can still feel a certain degree of satisfaction merely within these communities, the soul feels deep loneliness on the Sun when it feels condemned for lacking understanding of all the souls who are transferred from Earth into this solar sphere between death and a new birth. Now, in the early days of human evolution, it was indeed the case that during the Venus sphere, souls were, so to speak, situated in the various religious provinces, finding and offering their understanding there; and because all religions stem from a common source, when a person passed into the solar sphere, had, as it were, so much of the old common heritage of all religious creeds that he was given the opportunity to approach all other souls in the solar sphere and to be with them, to understand them, to cultivate common ground with them, and to be of a convivial spirit with them.
[ 11 ] Die Seelen der älteren Menschheitsentwickelung konnten durch sich selber nicht viel dazu tun, dieser Sehnsucht, die da auftritt, entgegenzukommen; aber dadurch, daß ohne menschliches Zutun ein allgemein menschlicher Kern: in den Seelen war, fanden die Seelen die Möglichkeit, über das religiöse Bekenntnis hinaus mit den Seelen anderer Religionsbekenntnisse zu verkehren. Im alten Brahmanismus, im chinesischen Bekenntnis, in den anderen Religionen der Erde steckte so viel von dem gemeinsamen religiösen Kern, der mitgegeben war aus dem gemeinsamen Urquell aller Religionen, daß die Seelen in der Sonnensphäre sich gleichsam in der Urheimat aller Religionen fanden, welche den Quell alles religiösen Lebens in sich birgt. Das ist nun in der mittleren Erdenzeit anders geworden. Der Zusammenhang mit dem Urquell der Religionen ist verlorengegangen, und er kann erst wiederum durch eine okkulte Erkenntnis aufgefunden werden; so daß auch für diese Sonnensphäre in unserem gegenwärtigen Menschheitszyklus sich der Mensch schon auf der Erde vorbereiten muß und nicht von selbst zu einer allgemein menschlichen Geselligkeit kommt. Darin haben wir wiederum etwas, worin das große Bedeutsame des Mysteriums von Golgatha, des Christentums, liegt, daß es für die neuere Menschheit, für den jetzigen Menschheitszyklus die Möglichkeit gibt, auf der Erde sich so vorzubereiten, daß der Mensch zu einem allgemein-menschlich geselligen Leben während der Sonnensphäre kommt. Darum mußte der Sonnengeist, der Christus, herniedersteigen auf die Erde. Und nachdem er herniedergestiegen ist und sich vereint hat mit der Erde, kann auf der Erde die Möglichkeit gefunden werden für die Seelen, in der Sonnensphäre zwischen dem Tod und einer neuen Geburt ein allgemein menschliches geselliges Wesen zu werden.
[ 11 ] The souls of earlier stages of human development could do little on their own to satisfy this longing that arose; but because a universal human core existed within the souls without human intervention, the souls found the possibility of interacting with souls of other religious denominations beyond their own religious affiliation. In ancient Brahmanism, in the Chinese faith, and in the other religions of the earth, there was so much of the common religious core—which had been imparted from the common source of all religions—that the souls in the solar sphere found themselves, as it were, in the original homeland of all religions, which holds within itself the source of all religious life. This has now changed in the middle period of the earth’s history. The connection with the primordial source of religions has been lost, and it can only be rediscovered through occult knowledge; so that even for this solar sphere in our present human cycle, human beings must prepare themselves already on Earth and do not arrive at a universal human fellowship of their own accord. Herein lies once again the great significance of the Mystery of Golgotha, of Christianity: that it offers the possibility for modern humanity, for the present human cycle, to prepare itself on Earth in such a way that human beings may attain a life of universal human fellowship during the solar sphere. That is why the Sun Spirit, Christ, had to descend to Earth. And after he has descended and united with the Earth, the possibility can be found on Earth for souls to become a universal human social being in the solar sphere between death and a new birth.
[ 12 ] Es könnte vieles angeführt werden für das Universelle des wirklich verstandenen Christus-Mysteriums. Wir haben ja schon vieles angeführt im Laufe der Jahre; man kann aber dieses ChristusMysterium immer wieder und wiederum von neuen Seiten beleuchten. Wenn gesagt wird, daß durch eine besondere Hervorhebung des Christus-Mysteriums etwa Vorurteile gegenüber den anderen Religionsbekenntnissen hervorgerufen würden — das ist ja oftmals gesagt worden, daß zum Beispiel in unserer geisteswissenschaftlichen Bewegung hier in Mitteleuropa das Christus-Mysterium besonders betont würde und dadurch gleichsam die andern Religionsbekenntnisse nicht gleich behandelt würden —, wäre ein solcher Vorwurf das Unverständlichste, was gemacht werden kann; denn dieses Christus-Mysterium ist seiner eigentlichen Bedeutung nach eben sozusagen erst in den neuen Zeiten okkult entdeckt worden. Und wenn etwa der Buddha-Bekenner sagen wollte: Du stellst das Christentum über das Buddha-Bekenntnis, weil du den Christus als irgend etwas Besonderes hinstellst, das steht noch nicht in meinen heiligen Büchern, also benachteiligst du den Buddhismus — so ist das nicht verständiger, als wenn der Buddhist verlangen wollte, man solle auch nicht die kopernikanische Weltanschauung annehmen, weil die auch nicht in seinen heiligen Büchern steht. Es hat nichts zu tun mit der Gleichberechtigung der Religionen, daß Dinge, die später gefunden worden sind, anerkannt werden. Das Mysterium von Golgatha ist so, daß es kein besonderes Privileg eines christlichen Bekenntnisses ist, sondern es ist eine geisteswissenschaftliche Wahrheit, die geradeso wie das kopernikanische Weltensystem von jedem religiösen System anerkannt werden kann, und es handelt sich wahrhaftig nicht um die Geltendmachung eines Religionsbekenntnisses, das das Mysterium von Golgatha recht schlecht bisher verstanden hat, sondern um die geisteswissenschaftliche Tatsache des Mysteriums von Golgatha. Ist dieses aber schon recht unverständig, so ist noch unverständiger, davon zu sprechen, daß man nun alle Religionsbekenntnisse abstrakt vergleichen und eine Art abstrakter Gleichheit des Wesens aller Religionsbekenntnisse annehmen solle. Denn da müssen konkret diese verschiedenen Religionsbekenntnisse nicht mit dem, was das Christentum geworden ist als dieses oder jenes Bekenntnis, sondern mit dem, was es seinem Wesen nach enthält, zusammengestellt werden.
[ 12 ] Much could be said about the universal nature of the Christ Mystery when truly understood. We have, of course, already discussed many aspects over the years; yet this Christ Mystery can always be illuminated anew from fresh perspectives. If it is said that a particular emphasis on the Christ Mystery might give rise to prejudices against other religious denominations—this has often been said, for example, that in our Spiritual Science movement here in Central Europe the Christ Mystery is particularly emphasized and that, as a result, other religious denominations are not treated equally— such a charge would be the most incomprehensible thing one could make; for this Christ Mystery, in its true meaning, has, so to speak, only recently been occultly discovered in modern times. And if, for example, a follower of the Buddha were to say: “You place Christianity above the Buddhist faith because you present Christ as something special that is not yet found in my sacred texts; therefore, you are discriminating against Buddhism”—this is no more reasonable than if a Buddhist were to demand that one should not accept the Copernican worldview either, because it is not found in his sacred texts either. It has nothing to do with the equality of religions that things discovered later are recognized. The Mystery of Golgotha is such that it is not a special privilege of the Christian faith, but rather a truth of Spiritual Science that, just like the Copernican world system, can be recognized by any religious system, and it is truly not a matter of asserting a religious denomination that has so far understood the Mystery of Golgotha quite poorly, but rather the fact of Spiritual Science concerning the Mystery of Golgotha. But if this is already quite foolish, it is even more foolish to speak of the need to now compare all religious creeds abstractly and assume a kind of abstract equality of essence among all religious creeds. For these various religious creeds must be compared not with what Christianity has become as this or that creed, but with what it contains in its very essence.
[ 13 ] Nehmen Sie das Hindu-Bekenntnis. Zu diesem wird niemand aufgenommen, der nicht ein Hindu ist. Das ist im wesentlichen an ein Volk gebunden. So ist es bei den meisten alten Religionsbekenntnissen. Einzig der Buddhismus hat es durchbrochen; aber auch er ist nur für eine bestimmte Gemeinschaft, wenn er richtig verstanden wird. Aber nehmen Sie jetzt die äußeren Tatsachen. Würden wir zum Beispiel in Europa ein Religionsbekenntnis haben, das in gleicher Weise zu behandeln wäre wie meinetwillen das Hindu-Bekenntnis, dann müßten wir auf den alten Wotan schwören. Das war ein nationaler Gott, war das, was gegeben war einem einzelnen Stamm, einem Volk. Aber was ist geschehen im Abendlande? Wahrhaftig, nicht irgendein nationaler Gott ist angenommen worden, sondern in bezug auf das äußere Leben eine ganz fremde Persönlichkeit: der Jesus von Nazareth ist herübergenommen worden. Während im wesentlichen die anderen Religionsbekenntnisse etwas Religiös-Egoistisches haben und nicht über sich hinaus wollen, ist ja das gerade das Bezeichnende des Abendlandes, daß es zurückgedrängt hat seine religiös-egoistischen Systeme, zum Beispiel das alte Wotan-System, und etwas angenommen hat, was nicht in seinem eigenen Fleisch und Blut gewachsen ist, es angenommen hat wegen seines seelischen Gehaltes. Das Christentum ist für das Abendland durchaus nicht in demselben Sinne ein religiös-egoistisches Bekenntnis, als es andere Religionsbekenntnisse für die einzelnen Völker waren. Das ist das außerordentlich Wichtige, das schon von den äußeren Tatsachen her ins Auge gefaßt werden muß. Und das macht das Universelle des Christentums in einer anderen Beziehung aus, wenn dieses Christentum wirklich das Mysterium von Golgatha in den Mittelpunkt des Menschheitswerdens zu stellen weiß.
[ 13 ] Take the Hindu creed. No one who is not a Hindu is admitted into it. It is essentially tied to a particular people. This is the case with most ancient religious creeds. Only Buddhism has broken this pattern; but even it is meant only for a specific community, if it is properly understood. But now consider the external facts. If, for example, we were to have a religious creed in Europe that were to be treated in the same way as, say, the Hindu creed, then we would have to swear by the ancient Wotan. He was a national god, the deity given to a single tribe, a people. But what has happened in the West? Truly, no national god has been adopted, but rather, in terms of external life, a completely foreign figure: Jesus of Nazareth has been adopted. While essentially the other religious creeds have something religiously egoistic about them and do not seek to transcend themselves, it is precisely the defining characteristic of the West that it has pushed back its religiously egoistic systems—for example, the old Wotan system—and has adopted something that did not grow out of its own flesh and blood, adopting it because of its spiritual content. For the West, Christianity is by no means a religiously egoistic creed in the same sense that other religious creeds were for individual peoples. This is the extraordinarily important point that must be grasped even from the external facts alone. And this constitutes the universality of Christianity in another respect, if this Christianity truly knows how to place the Mystery of Golgotha at the center of human becoming.
[ 14 ] Dieses Christentum ist ja noch nicht sehr weit fortgeschritten in seiner Entwickelung; denn zwei Dinge kann man in diesem Christentum noch immer nicht ordentlich unterscheiden. Man wird sogar sehr langsam und allmählich erst dahin kommen, dies zu unterscheiden. Im richtigen Sinn des Mysteriums von Golgatha, wer ist da ein Christ? Der ist ein Christ, der weiß, daß mit dem Mysterium von Golgatha etwas Reales geschehen ist, dass der Sonnengeist im Christus gelebt hat, sein Wesen ausgegossen hat über die Erde und daß der Christus für alle Menschen gestorben ist. Obwohl Paulus schon verkündet hat, der Christus ist nicht nur für die Juden gestorben, sondern auch für die Heiden, versteht man dieses Wort heute immer noch recht wenig. Erst wenn man weiß, daß der Christus für alle Menschen die Tat auf Golgatha vollbracht hat, dann wird man das Christentum verstehen. Denn ein anderes ist diese reale Wirkung die sich ausgegossen hat von Golgatha, und ein anderes, ob man sich ein Verständnis dafür angeeignet hat. Daß man weiß, was der Christus ist, soll man anstreben, aber man kann niemals einen Menschen auf Erden nach dem Mysterium von Golgatha anders ansehen als so, daß man sagt: Ob du Chinese oder Hindu bist, der Christus ist auch für dich gestorben, und er hat diese Bedeutung für dich wie für einen andern. So daß im richtigen Verständnis des Mysteriums von Golgatha sich die Anschauung ergibt, daß wir jedem Menschen entgegentreten und fragen: Wieviel hat er Christliches? — gleichgültig, was er für einen Glauben hat. Weil der Mensch sich immer mehr und mehr Bewußtsein davon erwerben muß, was in ihm real ist, ist es selbstverständlich ein hohes Ideal, auch etwas zu wissen vom Christus-Mysterium. Dieses wird sich immer mehr und mehr verbreiten. Und das wird dazu gehören: Verständnis zu haben für das Mysterium von Golgatha. Das ist aber etwas anderes als die Auffassung, die man haben kann von dem Mysterium von Golgatha: das Universelle, das für alle Menschen gültig ist. Jetzt kommt es darauf an, daß wir es in der Seele empfinden: das macht uns zu geselligen Wesen in der Sonnensphäre. Wir sind dort Einsiedler, wenn wir uns eingeschlossen in irgendein Religionsbekenntnis fühlen; wir sind gesellige Wesen in der Sonnensphäre, wenn wir Verständnis haben für das Universelle des Mysteriums von Golgatha. Da finden wir die Möglichkeit, mit jedem Wesen etwas zu tun zu haben, das in der Sonnensphäre an uns herankommt. Zu frei beweglichen Wesen in der Sonnensphäre macht uns die Empfindung, die wir uns aneignen während der Erdenzeit für das Mysterium von Golgatha innerhalb unseres Menschheitszyklus.
[ 14 ] This form of Christianity has not yet progressed very far in its development; for there are still two things within it that cannot be properly distinguished. It will take a very long time and a gradual process before we are able to make this distinction. In the true sense of the Mystery of Golgotha, who is a Christian? A Christian is one who knows that something real happened with the Mystery of Golgotha, that the Sun Spirit lived in Christ, poured out His being over the earth, and that Christ died for all people. Although Paul already proclaimed that Christ did not die only for the Jews but also for the Gentiles, this word is still understood quite poorly today. Only when one knows that Christ accomplished the deed on Golgotha for all humanity will one understand Christianity. For the real effect that poured forth from Golgotha is one thing, and whether one has acquired an understanding of it is another. One should strive to know what Christ is, but one can never look upon a human being on earth in light of the Mystery of Golgotha in any other way than by saying: Whether you are Chinese or Hindu, Christ also died for you, and he has this significance for you just as for anyone else. So that in the right understanding of the Mystery of Golgotha, the view arises that we approach every human being and ask: How much of the Christian has he? — regardless of what faith he holds. Because human beings must acquire more and more awareness of what is real within them, it is naturally a high ideal to know something of the Christ Mystery as well. This will spread more and more. And part of that will be: having an understanding of the Mystery of Golgotha. But this is something different from the conception one might have of the Mystery of Golgotha: the universal aspect that applies to all human beings. What matters now is that we feel it in our souls: this makes us social beings in the solar sphere. We are hermits there if we feel confined within some religious creed; we are social beings in the solar sphere if we have an understanding of the universal aspect of the Mystery of Golgotha. There we find the possibility of having a relationship with every being that approaches us in the solar sphere. The feeling we acquire during our earthly life for the Mystery of Golgotha within our human cycle makes us beings who can move freely in the solar sphere.
[ 15 ] Denn zu was müssen wir in der Lage sein gerade für diesen Zeitpunkt zwischen dem Tod und einer neuen Geburt?
[ 15 ] For what must we be capable of, especially during this time between death and a new birth?
[ 16 ] Hier kommen wir auf eine Tatsache, die außerordentlich wichtig ist für den neueren Okkultismus. Diejenigen Menschen, welche in den Zeiten, bevor sich auf der Erde das Mysterium von Golgatha vollzogen hatte, gelebt haben — im wesentlichen gilt das, was ich jetzt sage, ganz genau nicht —, fanden in der Sonnensphäre sozusagen den Thron Christi und den Christus dort darauf. Sie konnten ihn erkennen, weil die alten Erbstücke von der Gemeinsamkeit aller Religionen in ihnen gelebt haben. Aber dieser Christusgeist ist von der Sonne heruntergestiegen, und im Mysterium von Golgatha ist er sozusagen ausgeflossen in das Leben der Erde. Und indem er da in das Leben der Erde ausgeflossen ist, hat er die Sonne verlassen, und man findet heute zwischen dem Tod und einer neuen Geburt in der Sonne bloß das Akasha-Bild von dem Christus. Der Thron ist dort nicht eingenommen von dem wirklichen Christus. Wir müssen von der Erde die Vorstellung von dem lebendigen Zusammenhang mit dem Christus mit hinaufbringen, damit wir durch das Akasha-Bild den lebendigen Zusammenhang mit dem Christus haben können. Dann finden wir die Möglichkeit, von der Sonne aus auch den Christus zu haben, die Möglichkeit, daß er alle Kräfte in uns erregt, die wir erregt haben müssen, wenn wir die Sonnensphäre in der richtigen Weise durchwandern sollen.
[ 16 ] Here we come to a fact that is of extraordinary importance for modern occultism. Those people who lived in the times before the Mystery of Golgotha had taken place on Earth—essentially, what I am about to say does not apply to them at all—found, so to speak, the throne of Christ in the solar sphere, and Christ sitting upon it. They were able to recognize him because the ancient heritage of the commonality of all religions lived within them. But this Christ spirit descended from the Sun, and in the Mystery of Golgotha it flowed out, so to speak, into the life of the Earth. And by flowing out into the life of the Earth, it left the Sun, and today, between death and a new birth, one finds in the Sun only the Akashic image of the Christ. The throne there is not occupied by the real Christ. We must bring up from the Earth the mental image of the living connection with the Christ, so that through the Akashic image we may have the living connection with the Christ. Then we will find the possibility of having the Christ from the Sun as well, the possibility that he may awaken within us all the forces we must awaken if we are to traverse the solar sphere in the right way.
[ 17 ] Unsere Wanderung zwischen dem Tod und einer neuen Geburt geht noch weiter. Von der Erde aus haben wir die Kraft gehabt, namentlich durch moralische und religiöse Seelenverfassung, uns sozusagen hineinzuleben in die Wesenheiten, mit denen wir zusammen waren auf der Erde, und dann in die Wesenheiten der höheren Hierarchien. Aber diese Kraft erlahmt allmählich, wird immer dämmerhafter und dämmerhafter, und das Wesentliche, was uns bleibt, ist eigentlich die Kraft, die wir saugen auf der Erde aus dem Mysterium von Golgatha, daß wir uns zurechtfinden in der Sonnensphäre. Dafür tritt ein neuer Lichtträger in der Sonnensphäre auf, den wir kennenlernen müssen in seiner urkräftigen Eigenart. Das Verständnis für den Christus bringen wir uns von der Erde mit; damit wir uns aber weiter entwickeln können, weiter hinauf in das Weltenall von der Sonnensphäre in die Mars-Sphäre hinein, dazu ist notwendig, daß wir — und das können wir einfach dadurch, daß wir Menschenseelen sind —, daß wir den zweiten Thron erkennen, der sozusagen neben dem Christus-Thron in der Sonne sich befindet, von dem aus wir das andere Wesen kennenlernen, das jetzt mit dem Christus uns weiterleitet: den Luzifer. Wir lernen jetzt Luzifer kennen, und durch das, was er uns an Kräften zu geben in der Lage ist, können wir die Weiterwanderung durch die Mars-, Jupiter- und Saturnsphäre machen.
[ 17 ] Our journey between death and a new birth continues. While on Earth, we had the strength—namely through our moral and religious state of mind—to, so to speak, live ourselves into the beings with whom we were together on Earth, and then into the beings of the higher hierarchies. But this power gradually wanes, becoming ever fainter and fainter, and what essentially remains to us is actually the power we draw on Earth from the Mystery of Golgotha, enabling us to find our way in the solar sphere. In its place, a new bearer of light appears in the solar sphere, whom we must come to know in his primal, vital nature. We bring our understanding of Christ with us from Earth; but in order for us to develop further, to ascend further into the cosmos from the solar sphere into the Martian sphere, it is necessary that we—and we can do this simply because we are human souls—recognize the second throne, which is situated, so to speak, next to the Christ throne in the Sun, from which we come to know the other being who now guides us onward with Christ: Lucifer. We are now getting to know Lucifer, and through the powers he is able to bestow upon us, we can make the further journey through the spheres of Mars, Jupiter, and Saturn.
[ 18 ] Und immer weiter kommen wir in den Weltenraum, in immer dauernder Vergrößerung. Es tritt nun in der Tat, wenn wir uns so über die Saturnsphäre hinausbewegen, etwas ein, was unseren Bewußtseinszustand etwas ändert. Wir geraten gleichsam in eine Art von kosmischer Dämmerung — man kann nicht sagen kosmischen Schlafes, aber kosmischer Dämmerung. Dadurch können aber gerade erst recht die Kräfte des gesamten Weltalls auf uns hereinwirken. Von allen Seiten wirken dann die Kräfte auf uns, und wir nehmen Kräfte des ganzen Kosmos in uns auf. Es gibt also, indem wir uns da hinausgedehnt haben, eine Zeit zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, wo in unser Wesen wie von allen Seiten die Kräfte des ganzen Kosmos hereinkommen, wie von allen Sternen die Kräfte hereinkommen in unser Wesen. Dann beginnen wir uns zusammenzuziehen, kommen wieder durch die verschiedenen Sphären herein bis zur Venus-Sphäre, ziehen uns zusammen, kleiner und kleiner werdend, bis die Zeit kommt, wo wir uns wiederum mit einem irdischen Menschenkeim verbinden können.
[ 18 ] And we continue to venture further and further into outer space, in an ever-increasing expansion. Indeed, as we move beyond the sphere of Saturn, something occurs that slightly alters our state of consciousness. We enter, as it were, a kind of cosmic twilight—one cannot call it cosmic sleep, but cosmic twilight. Through this, however, the forces of the entire universe can act upon us all the more. Forces then act upon us from all sides, and we take in the forces of the entire cosmos. So, as we have expanded outwards, there is a time between death and a new birth when the forces of the entire cosmos enter our being as if from all sides, just as the forces from all the stars enter our being. Then we begin to contract, passing back through the various spheres down to the sphere of Venus, contracting, growing smaller and smaller, until the time comes when we can once again connect with an earthly human embryo.
[ 19 ] Was aber sind wir da, indem wir uns mit diesem Keim verbinden? Das sind wir, was wir geschildert haben zwischen Tod und neuer Geburt. Aber wir haben die Kräfte des ganzen Kosmos aufgenommen. Draußen in der größten Ausdehnung haben in unser Wesen die Kräfte des ganzen Kosmos hereingewirkt. Während wir beim Hinausentwickeln das, was an uns herandringen kann, um so mehr aufgenommen haben, je besser wir uns dazu vorbereitet haben, und unser Karma präpariert wird durch die Art, wie wir zusammengelebt haben mit den Menschen, die wir getroffen haben, bilden sich in uns dadurch, daß wir nach dem Tode mit ihnen zusammenleben, die Kräfte aus, die durch Karma in einem neuen Erdenleben diese Dinge ausgleichen. Daß wir als ein Mensch erscheinen, daß wir imstande sind, innerlich Karma zu haben, welches zugleich die kosmischen Kräfte in sich aufnimmt, das hängt aber davon ab, daß wir in einer bestimmten Zeit zwischen Tod und einer neuen Geburt die Kräfte des ganzen Kosmos aufnehmen. Und wenn ein Mensch hereingeboren wird in die physische Welt, dann hat sich mit dem physischen Menschenkeim das verbunden, was bis ins kleinste zusammengezogen ist, aber herein sich geholt hat aus einer riesenhaften Vergrößerung die Kräfte des ganzen Kosmos. Wir tragen eben den ganzen Kosmos in uns, wenn wir uns auf der Erde wieder verkörpern. Und in einer gewissen Beziehung dürfen wir sagen: Wir tragen diesen Kosmos so in uns, wie er sich vereinigen kann, wie er sich richtig vereinigen kann mit dem, was wir beim Hinauswandern, beim uns Ausdehnen in die Sphären nach unserem früheren Erdendasein in der Seele als Stimmung mitgebracht haben.
[ 19 ] But what are we, as we connect with this seed? We are what we have described as existing between death and new birth. Yet we have absorbed the forces of the entire cosmos. Out there, in the vastest expanse, the forces of the entire cosmos have worked their way into our being. As we developed outward, the better we prepared ourselves, the more we absorbed what could reach us; and our karma is shaped by the way we lived together with the people we met. Through living together with them after death, the forces form within us that, through karma, balance these things out in a new earthly life. That we appear as human beings, that we are capable of having inner karma which at the same time absorbs the cosmic forces within itself, depends, however, on our absorbing the forces of the entire cosmos during a specific period between death and a new birth. And when a human being is born into the physical world, what has become connected with the physical human embryo is something that has been condensed down to the smallest degree, yet has drawn into itself, from a gigantic expansion, the forces of the entire cosmos. We carry the entire cosmos within us when we reincarnate on Earth. And in a certain sense, we may say: We carry this cosmos within us in such a way that it can unite, that it can truly unite with what we have brought with us in our soul as a mood when we journeyed out, when we expanded into the spheres following our previous earthly existence.
[ 20 ] Diese zwei Dinge werden zusammengefaßt, zusammengepaßt, könnten wir sagen: die Anpassung an den gesamten Kosmos und an unser früheres Karma. Daß wir auch an unser früheres Karma angepaßt sind — was aber in Harmonie treten muß mit dem Kosmos —, das trat mir bei den Untersuchungen der letzten Monate in außerordentlich merkwürdiger Weise entgegen in einzelnen Fällen — das sage ich ausdrücklich -, in einzelnen Fällen; ich will nicht ein allgemeines Gesetz damit aussprechen. Wenn ein Mensch stirbt, also durch die Pforte des Todes geht, dann stirbt er unter einer gewissen Sternenkonstellation. Und diese Sternenkonstellation ist in der Tat wesentlich für sein weiteres Seelenleben insofern, als sie sich in einer gewissen Weise abdrückt in sein Seelenwesen und als Abdruck wirklich bleibt. Und es bleibt das Bestreben in dieser Seele, mit dieser Sternenkonstellation wiederum hereinzukommen bei der neuen Geburt, wiederum gerecht zu werden den Kräften, die man aufgenommen hat im Todesmoment, wiederum hereinzukommen in dieser Sternenkonstellation. Und da ist es interessant: Wenn man so versucht die Sternenkonstellation herauszubekommen für einen menschlichen Tod, so stimmt die Sternenkonstellation der späteren Geburt in hohem Maße überein mit der Sternenkonstellation des früheren Todes. Nur muß man berücksichtigen, daß ein anderer Fleck der Erde es ist, auf dem der Mensch geboren wird, der dieser Sternenkonstellation entspricht. So wird der Mensch in der Tat dem Kosmos angepaßt, fügt sich hinein in ihn, und es gibt so in der Seele eine Art von Ausgleich zwischen dem individuellen und dem kosmischen Leben.
[ 20 ] These two things are brought together, harmonized, we might say: adaptation to the entire cosmos and to our past karma. The fact that we are also attuned to our past karma—which, however, must be in harmony with the cosmos—struck me in an extraordinarily remarkable way during my investigations of the past few months in individual cases—I say this explicitly—in individual cases; I do not wish to state a general law with this. When a person dies, that is, passes through the gate of death, they die under a certain constellation of stars. And this constellation of stars is indeed essential for their further soul life insofar as it imprints itself in a certain way upon their soul being and truly remains as an imprint. And there remains the striving within this soul to enter again at the time of the new birth with this constellation of stars, to once more live up to the forces one has taken in at the moment of death, to enter again under this constellation of stars. And here is the interesting thing: When one attempts to determine the constellation for a human death, the constellation of the subsequent birth corresponds to a high degree with the constellation of the previous death. One must only take into account that it is a different spot on Earth where the human being is born that corresponds to this constellation. Thus, the human being is indeed adapted to the cosmos, fits into it, and there is thus in the soul a kind of balance between the individual and the cosmic life.
[ 21 ] Kant hat einmal den schönen Ausspruch getan: Zwei Dinge seien es, die ihn ganz besonders erhöben, der bestirnte Himmel über ihm und das moralische Gesetz in ihm. Es ist dieses ein schöner Ausspruch aus dem Grund, den der Okkultismus uns anzeigt. Beide sind ja dasselbe: der bestirnte Himmel über uns und das, was wir als moralisches Gesetz in uns tragen. Denn im Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt wachsen wir hinaus in den Weltenraum, nehmen den gestirnten Himmel in uns auf und tragen dann in der Seele als unsere moralische Verfassung ein Abbild mit des gestirnten Himmels. Hier ist einer der Punkte, wo es in der Tat kaum mehr möglich ist, daß in der Seele die Geisteswissenschaft zu etwas anderem werde als zu einer moralischen universellen Empfindung. Hier ist einer der Punkte, wo sich das, was Theorie scheint, umwandelt in unmittelbares moralisches Leben der Seele, in moralische Impulse der Seele; denn hier fühlt der Mensch alle Verantwortlichkeit gegenüber seinem eigenen Wesen. Hier fühlt der Mensch: Du warst zwischen dem Tod und einer neuen Geburt in so einer Lage, daß der ganze Kosmos in dein Wesen hereinwirken mußte, und du zogst zusammen das, was du herausgezogen hast in den kleinen physischen Menschenkeim. Du bist verantwortlich dem ganzen Kosmos, du trägst wirklich den ganzen Kosmos in dir. — Hier ist es, wo man etwas fühlt von dem, was anzudeuten versucht worden ist in der «Prüfung der Seele» in dem Monolog des Capesius, wo darauf aufmerksam gemacht wird in der Stelle: «In deinem Denken leben Weltgedanken ...», was für ein bedeutungsvoller Augenblick es ist, wenn die Seele fühlt: Man hat die heilige Verpflichtung, die Kräfte hervorzuholen, die man aus dem Kosmos herausgezogen hat, weil man das den Göttern wieder zurückbringen muss, und wo die Seele erkennt, daß es größte Sünde wäre, diese Kräfte brachliegen zu lassen. Bei diesen konkreten Untersuchungen stellte sich heraus, wie wir in der Tat den ganzen Kosmos in uns aufnehmen und ins Dasein wiederum hereinbringen. Ja, von denjenigen Kräften, die der Mensch in der Tat mit sich herumträgt, sind nur die wenigsten eigentlich solche Kräfte, für die es irgendwelchen Ursprung auf der Erde gibt. Wir betrachten ja den Menschen in bezug auf die Kräfte, die in seinem physischen Leibe wirken, in seinem Ätherleibe walten, in seinem astralischen Leibe und Ich walten. Die Kräfte, die in unseren physischen Leib hereinspielen, kommen uns allerdings unmittelbar von der Erde zu; aber was wir für den Ätherleib brauchen, können wir nicht unmittelbar aus der Erde herausziehen, sondern nur aus den Kräften, die an uns herantraten zwischen dem Tod und der neuen Geburt, wenn wir uns hinausdehnen ins Planetensystem. Und ein Mensch, welcher eine unmoralische Seelenverfassung da hineinbringt, wird nicht die richtigen Kräfte heranziehen können, während er in der Zeit zwischen dem Tod und einer neuen Geburt durch die Merkursphäre geht. Ein Mensch, der nicht die religiösen Impulse ausgebildet hat, kann nicht die rechten Kräfte in der Venus heranziehen, und so kommt es, daß wir die Kräfte, die wir im Ätherleib brauchen, verkümmert haben können. Hier sehen wir den karmischen Zusammenhang zwischen folgenden und früheren Leben sich ausbilden. Das alles sind Dinge, welche uns zugleich darauf hinweisen, wie die Erkenntnisse, die wir uns verschaffen durch den Okkultismus, zu Impulsen in unserem Seelenleben werden können, und wie wir eigentlich nur zu wissen brauchen, was wir sind, um zu einem immer geistigeren und geistigeren Leben aufzusteigen.
[ 21 ] Kant once made the beautiful remark: There are two things that particularly elevate him—the starry sky above him and the moral law within him. This is a beautiful statement for the reason that occultism reveals to us. Both are, in fact, the same: the starry heavens above us and what we carry within us as the moral law. For in the life between death and a new birth, we grow out into the cosmos, take the starry heavens into ourselves, and then carry within our soul, as our moral constitution, an image of the starry heavens. Here is one of the points where it is in fact hardly possible for Spiritual Science to become anything other than a universal moral feeling in the soul. Here is one of the points where what appears to be theory is transformed into the immediate moral life of the soul, into moral impulses of the soul; for here the human being feels all responsibility toward his own being. Here the human being feels: You were in such a situation between death and a new birth that the entire cosmos had to work into your being, and you drew together what you had drawn out into the small physical human embryo. You are responsible to the entire cosmos; you truly carry the entire cosmos within you. — This is where one senses something of what was attempted to be hinted at in the “Trial of the Soul” in Capesius’s monologue, where attention is drawn to the passage: “World-thoughts live in your thinking …,” what a momentous moment it is when the soul feels: One has the sacred obligation to bring forth the forces one has drawn from the cosmos, because one must return them to the gods, and where the soul recognizes that it would be the greatest sin to let these forces lie fallow. In these concrete investigations, it became clear how we indeed take the entire cosmos into ourselves and bring it back into existence. Indeed, of the forces that human beings actually carry within them, only the very few are actually forces that have any origin on Earth. We consider the human being in relation to the forces that act in their physical body, govern their etheric body, and govern their astral body and I. The forces that enter our physical body do indeed come to us directly from the Earth; but what we need for the etheric body, we cannot draw directly from the Earth, but only from the forces that approached us between death and the new birth, when we extend ourselves into the planetary system. And a person who brings an immoral state of mind into this process will not be able to draw upon the right forces while passing through the Mercury sphere in the time between death and a new birth. A person who has not developed religious impulses cannot draw upon the right forces in Venus, and so it happens that we may have allowed the forces we need in the etheric body to atrophy. Here we see the karmic connection between present and past lives taking shape. All these are things that simultaneously point out to us how the insights we gain through occultism can become impulses in our soul life, and how we actually need only to know what we are in order to ascend to an ever more spiritual life.
[ 22 ] Das, was das Mysterium von Golgatha vorbereitet hat, ist in unserem Menschheitszyklus notwendig, damit der Mensch in der richtigen Weise in die Sonnensphäre sich hineinleben kann zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Das, was die Geistesforschung in Wirklichkeit zu leisten hat, ist das, daß der Mensch nun auch noch weiter über die Sonnensphäre hinauszuwachsen in der Lage ist mit jenem allgemein menschlichen, geistig geselligen Bewußtsein, das da notwendig ist. Für die Sonnensphäre genügt der empfindungsgemäße Zusammenhang mit dem Mysterium von Golgatha. Damit aber das, was allgemein menschliches Verständnis und allgemein menschliches Fühlen gibt, auch über die Sonnensphäre hinaus bleibt für die Zeit zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, ist eben notwendig, daß wir in geisteswissenschaftlicher Weise die Beziehungen der einzelnen Religionen zueinander verstehen, die Entwickelung der einzelnen religiösen Impulse; daß wir nicht aufwachsen in einem eng umgrenzten religiösen Bekenntnis mit den Empfindungsnuancen desselben, sondern daß wir die Möglichkeit gewinnen, für jede Seele, gleichgültig, was sie glaubt, Verständnis zu haben, wie auch sonst die Seelen sind. Eines erfüllt sich als das, was, wie man sagen kann, mit dem Christus-Impuls zusammenhängt für alle Seelen der Erdenentwickelung, eines erfüllt sich insbesondere zwischen dem Tode und einer neuen Geburt — das, was in den Worten liegt: «Wo zwei in meinem Namen vereinigt sind, bin ich mitten unter ihnen.» Und in diesem Ausspruch knüpft der Christus das Vereinigtsein von Zweien nicht an diesen oder jenen Glauben, sondern bloß an die Möglichkeit, daß er unter ihnen ist, indem sie in seinem Namen vereinigt sind.
[ 22 ] What the Mystery of Golgotha has prepared is necessary in our human cycle so that human beings can properly enter into the solar sphere between death and a new birth. What spiritual research must actually accomplish is to enable human beings to grow even further beyond the solar sphere with that universal human, spiritually communal consciousness that is necessary there. For the solar sphere, the intuitive connection with the Mystery of Golgotha is sufficient. But in order for what constitutes general human understanding and general human feeling to remain even beyond the solar sphere during the time between death and a new birth, it is precisely necessary that we understand, through Spiritual Science, the relationships of the individual religions to one another and the development of the individual religious impulses; that we do not grow up within a narrowly defined religious creed with its emotional nuances, but that we gain the ability to understand every soul, regardless of what it believes, just as souls are in other respects. One thing is fulfilled as that which, so to speak, is connected with the Christ impulse for all souls in the course of Earth’s development; one thing is fulfilled in particular between death and a new birth—that which is contained in the words: “Where two are united in my name, I am in their midst.” And in this saying, Christ does not link the unity of two to this or that faith, but merely to the possibility that he is among them, inasmuch as they are united in his name.
[ 23 ] Dasjenige, was jetzt seit Jahren gepflogen worden ist auch durch unsere Mysterienaufführungen, insbesondere dutch die letzte, «Der Hüter der Schwelle», das sollte ein geisteswissenschaftliches Verständnis geben für das, was im heutigen Zeitenzyklus notwendig ist. Da ist es notwendig, in einer gewissen Weise ein Verhältnis zu gewinnen auf der einen Seite zum Christus-Impuls, dann aber auch zu den Mächten, die im Gegensatz zu ihm stehen: zu dem Luzifer- und Ahriman-Impuls. Daß wir es da zu tun haben mit Mächten, die im Weltenall, sobald wir über die Maja hinauskommen, Kräfte entwikkeln, das ist das, was wir verstehen lernen müssen. Denn die Zeit kommt immer mehr und mehr heran in der Menschheitsentwickelung, wo man wird lernen müssen, daß es auf das Wesenhafte ankommt und nicht auf die Lehre. Und an nichts so sehr wie an dem Mysterium von Golgatha stellt es sich uns dar, wie es auf das Wesenhafte ankommt und nicht auf den Inhalt des Wortes. Ich möchte — denn mit den Menschen, die wirklich genau prüfen das, was hier gesagt sein soll aus okkulten Quellen heraus, ist am leichtesten auszukommen -—, ich möchte, daß man ganz genau prüfe, was ich jetzt zu sagen haben werde. In allen Religionsbekenntnissen gibt es nichts Ähnliches wie dieses. In all dieser Tiefe, wie es sich durch das Mysterium von Golgatha darstellt, ist es nicht in den anderen Religionsbekenntnissen.
[ 23 ] What has been practiced for years now, including through our mystery plays—especially the most recent one, *The Guardian of the Threshold*—is intended to provide a understanding of Spiritual Science regarding what is necessary in the current cycle of time. It is necessary, in a certain sense, to develop a relationship on the one hand to the Christ impulse, but also to the forces that stand in opposition to it: the Lucifer and Ahriman impulses. That we are dealing here with forces that, in the universe, as soon as we move beyond maya, develop their power—this is what we must learn to understand. For the time is drawing ever closer in human development when we will have to learn that what matters is the essence and not the doctrine. And nowhere is this more evident than in the Mystery of Golgotha, where we see how it is the essence that matters and not the content of the word. I would like—for it is easiest to deal with people who truly examine closely what is to be said here from occult sources—I would like people to examine very closely what I am about to say. There is nothing like this in any other religious creed. In all this depth, as it is revealed through the Mystery of Golgotha, it is not found in the other religious creeds.
[ 24 ] Die Welt hat heute noch ein ganz besonderes Vorurteil. Man redet davon, wie wenn es in der Welt durchaus so zugehen müßte wie in einer Schule: dass es bloß auf die Weltenlehrer ankäme. Beim Christus handelt es sich nicht um einen Weltenlehrer, sondern um einen Weltentäter, der das Mysterium von Golgatha vollbracht hat und dessen Wesenheit man zu erkennen hat. Darauf kommt es an. Wie wenig es auf das bloße Wort ankommt, auf den bloßen Lehrgehalt, das kann uns gerade dieses lehren, das ein schönes Wort aus dem Mund des Christus ist: «Ihr seid Götter!» (Johannes-Ev. 10, 34), und daß er immer und immer hingewiesen hat darauf,daß der Mensch sein Höchstes erreicht, wenn er zum Bewußtsein des Gotteswesens in seiner Natur kommt. Und man könnte sagen, es tönt in die Welt das Christus-Wort hinaus: Ihr sollt euch bewußt sein, daß ihr göttergleich seid! — Man könnte sagen: Eine große Lehre!
[ 24 ] The world still harbors a very particular prejudice today. People speak of it as if the world were bound to function exactly like a school: as if everything depended solely on the world-teachers. Christ is not a world teacher, but a world-maker who accomplished the Mystery of Golgotha and whose essence we must come to know. That is what matters. Just how little depends on the mere word, on the mere content of the teaching—this is precisely what a beautiful saying from the mouth of Christ can teach us: “You are gods!” (John 10:34), and that he repeatedly pointed out that human beings attain their highest potential when they come to the awareness of the divine nature within themselves. And one might say, the words of Christ resound throughout the world: You must be aware that you are godlike! — One might say: A great teaching!
[ 25 ] Von anderswo her tönt dieselbe Lehre. Da wo die Bibel erzählt von dem Ausgang der Erdenentwickelung, da ist es Luzifer, der herantritt und sagt: Ihr sollt werden wie die Götter! Derselbe Lehrgehalt, von Luzifer hertönend, derselbe Lehrgehalt, von Christus herrührend: Ihr sollt sein wie die Götter! Und beides bedeutet für die Menschen das Entgegengesetzte. Es sind wahrhaft erschütternde Posaunenklänge, die in diesen Worten klingen: das eine Mal hertönend von dem Versucher, das andre Mal von dem Erlöser und Befreier und dem Wiederhersteller der menschlichen Natur.
[ 25 ] The same teaching resounds from elsewhere. Where the Bible recounts the outcome of the Earth’s development, it is Lucifer who steps forward and says: “You shall become like gods!” The same teaching, resounding from Lucifer; the same teaching, emanating from Christ: You shall be like gods! And for humanity, both mean the opposite. Truly, these words resound with the shattering tones of a trumpet: once spoken by the tempter, the other time by the Redeemer, Liberator, and Restorer of human nature.
[ 26 ] Auf die Erkenntnis des Wesens kommt es an, kommt es gar sehr an zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Die größte Gefahr ist vorhanden, den Luzifer mit dem Christus zu verwechseln in der Sonnensphäre, weil beide dieselbe Sprache sprechen, dieselbe Lehre auf der Sonne lehren und wir dieselben Worte von ihnen vernehmen, wenn wir von Worten da sprechen dürfen. Auf das Wesen kommt es an. Daß dieses oder jenes Wesen dieses oder jenes Wort spricht, darauf kommt es an, nicht auf den Lehrgehalt; denn das, was als reale Kräfte durch die Welt pulsiert, das ist das Wesentliche. Und in den höheren Welten und vor allem in dem, was in die irdischen Sphären hineinspielt, verstehen wir die Worte erst richtig, wenn wit wissen, von welchem Wesen die betreffenden Worte kommen. Niemals erkennen wir an dem Inhalt der Worte die Höhe eines Wesens, sondern dadurch, daß wir den ganzen Welten-Zusammenhang kennenlernen, in den ein Wesen hineingestellt ist. Das können wir ganz genau bestätigt sehen an dem Wort von der Göttergleichheit der Menschen, an dem Hereintönen des Luzifer und Christus in das Dasein.
[ 26 ] What matters—and matters greatly—between death and a new birth is the recognition of the essence. The greatest danger lies in confusing Lucifer with Christ in the solar sphere, because both speak the same language, teach the same doctrine on the Sun, and we hear the same words from them—if we may speak of words in this context. What matters is the being. Whether this or that being speaks this or that word—that is what matters, not the content of the teaching; for what pulsates through the world as real forces—that is the essential. And in the higher worlds, and above all in what plays into the earthly spheres, we only truly understand the words when we know from which being the words in question come. We never recognize the height of a being by the content of the words, but rather by coming to know the entire cosmic context in which a being is situated. We can see this confirmed quite precisely in the saying about the godlikeness of human beings, in the resounding presence of Lucifer and Christ in existence.
[ 27 ] Mit solchen Dingen sind wichtige Tatsachen der Evolution ausgesprochen. Und sie werden ausgesprochen, nicht — auch in diesem Falle gar nicht so sehr — wegen ihres Inhaltes, sondern wegen ihres Wesenhaften; werden ausgesprochen, damit in den Seelen die Empfindungen entstehen, die notwendig als Konsequenz solcher Worte entstehen sollten. Und wenn diejenigen, die solche Wahrheiten in sich aufgenommen haben, die Empfindungen aufnehmen und die Worte vergessen, so ist eigentlich gar nicht einmal so sehr viel verloren. Selbst wenn ich mir den radikalsten Fall denke, daß unter uns jemand wäre, der alles vergessen hätte, was jetzt gesprochen worden ist, und sich gar nicht an ein Wort erinnert, aber in der Empfindung das in sich trüge, was herausfließen kann aus solchen Worten, so würde er genügend in geisteswissenschaftlichem Sinne von dem haben, was eigentlich mit diesen Worten gemeint ist.
[ 27 ] Such things express important facts of evolution. And they are expressed not—and in this case, not so much—because of their content, but because of their essence; they are expressed so that the feelings may arise in the souls that necessarily follow from such words. And if those who have taken such truths into themselves retain the feelings and forget the words, then not much is actually lost. Even if I were to imagine the most extreme case—that there were someone among us who had forgotten everything that has just been said and could not recall a single word, yet carried within them, in feeling, what can flow from such words—they would still possess, in the sense of Spiritual Science, enough of what is actually meant by these words.
[ 28 ] Wir müssen ja in Worten sprechen, und Worte nehmen sich zuweilen theoretisch aus. Aber das, worauf es ankommt, das ist, daß wir durch die Worte hindurch auf das Wesenhafte im Geiste zu blikken verstehen und dieses Wesenhafte in unsere Seele aufnehmen. Die Welt wird gar mancherlei gerade in bezug auf den Fortgang der Menschheitsentwickelung verstehen lernen, wenn sie die Geisteswissenschaft wesenhaft erfaßt. Und da möchte ich heute nur zwei Beispiele anführen, die nicht gerade innerlich, sondern mehr äußerlich mit meinen okkulten Forschungen der letzten Monate zusammenhängen, aber die mir zum Beispiel recht frappierend waren, weil sie mir gezeigt haben, wie eigentlich erst dadurch, daß man etwas erkannt hat in der okkulten Lehre, was dem entspricht, das in der Welt schon da ist, was hereingeleitet worden ist durch inspirierte Menschen, diese Wahrheit dort wieder aufgefunden werden kann.
[ 28 ] We must, of course, speak in words, and words can sometimes sound theoretical. But what matters is that we are able to look beyond the words to the essential nature of the spirit and take this essence into our souls. The world will come to understand many things, particularly regarding the progress of human development, if it grasps Spiritual Science in its essence. And today I would like to cite just two examples that are not so much intrinsically as extrinsically connected to my occult research of the past few months, but which struck me as particularly striking because they showed me how it is actually only by recognizing something in the occult teaching that corresponds to what is already present in the world—what has been introduced by inspired human beings—that this truth can be rediscovered there.
[ 29 ] Sehen Sie, ich habe mich viel mit Homer beschäftigt, habe sie oft gelesen, die homerischen Werke. Nun trat mir im Verlauf der letzten Monate immer wieder das gerade lebendig vor die Seele: wie man nach dem Tode nichts ändern kann, wie die Verhältnisse dieselben bleiben; wie man zum Beispiel von einem Menschen, zu dem man irgendwie gestanden hat im Leben, weiß: du hast ihn zu wenig geliebt, aber wie man das nicht ändern kann. Wenn man diese Tatsache ins Auge faßt und dann bei Homer liest, daß er das Jenseits schildert als den Ort, wo das Leben unveränderlich wird, dann fängt man erst an, die ganze Tiefe dieser Worte zu verstehen von dem Orte, wo die Dinge keiner Wandlung mehr unterliegen: Und das ist ein wunderbarer Eindruck, die eigene okkulte Erkenntnis mit dem zu vergleichen, was der «blinde Homer» wie ein Seelenseher hereinbrachte als wichtige okkulte Wahrheit und sie in seinem Dichterwerk zum Ausdruck brachte!
[ 29 ] You see, I have studied Homer extensively; I have read his works many times. Now, over the course of the last few months, this has repeatedly come vividly to mind: how after death one can change nothing, how circumstances remain the same; how, for example, regarding a person to whom one was somehow attached in life, one knows: you did not love him enough, but how one cannot change that. When one faces this fact and then reads in Homer that he describes the afterlife as the place where life becomes unchangeable, only then does one begin to understand the full depth of these words from the place where things are no longer subject to change: And it is a wonderful experience to compare one’s own occult insight with what “blind Homer,” as a seer of souls, brought forth as an important occult truth and expressed in his poetic work!
[ 30 ] Und noch etwas anderes war mir frappierend, wogegen ich mich wahrhaft gesträubt habe, weil es mir unglaublich erschien, dem aber nicht zu entkommen ist, wenn man mit allen Mitteln der okkulten Forschung daran herantritt.
[ 30 ] And there was something else that struck me as astonishing—something I truly resisted, because it seemed unbelievable to me—but which cannot be avoided if one approaches it using all the methods of occult research.
[ 31 ] Einige — oder die meisten von Ihnen — werden vielleicht von den sogenannten Mediceergräbern wissen in Florenz, von Michelangelo. Es sind Giuliano und Lorenzo de Medici und vier allegorische Figuren. Dabei denkt man sich gewöhnlich nichts Künstlerisches. Stroherne Allegorien, sagt man gewöhnlich. Nun sind ja eigentlich diese sogenannten allegorischen Figuren mit Ausnahme einer nicht recht fertig geworden; aber sie machen trotzdem nicht den Eindruck von Allegorien. In den Reisehandbüchern ist es sehr eigentümlich, daß man hingewiesen wird bei diesen Mediceergräbern auf die eine Seite: da stünde der eine der Mediceer, Lorenzo, auf der anderen der andere, Giuliano. Und die sind genau verwechselt. Der als der Lorenzo angesprochen wird, ist der Giuliano, und der als Giuliano angesprochen wird, ist der Lorenzo. So ist es einmal. Und da steht es fast in allen Kunstgeschichten so — wie es nicht ist. Jedenfalls ist es nicht so, wie es in den Kunstgeschichten und im Baedecker steht. Ich habe mich nicht weiter darum bekümmert, warum es so ist, aber wahr ist es, daß die beiden Figuren immer verwechselt werden. Die Beschreibungen würden gar nicht stimmen, und wahrscheinlich hat man sie einmal umgestellt. Sie stehen jetzt anders als Michelangelo sie gestellt hat. Aber davon will ich nicht sprechen, sondern nur davon, daß da vier allegorische Figuren sind: am Fuße des einen Mediceers die «Nacht» und der «Tag», beim andern die «Morgendämmerung» und «Abenddämmerung». Nun bedenken Sie, ich habe mich gesträubt gegen das, was ich jetzt sagen werde, aber man vertiefe sich wirklich hinein in jede Geste, in alles, was man vor sich hat, und gehe zunächst von der «Nacht» aus, schaue sich diese Figur an, von der die unsinnige Bemerkung in den Büchern steht, daß sie eine Geste hätte, die ein schlafender Mensch nicht einnehmen könnte. Wenn man aber jede Geste und jedes einzelne Glied studiert und dann sich folgende Frage vorlegt: Wie müßte ein Künstler die menschliche Figur darstellen, wenn er darstellen wollte in dem Ausdruck der Figur die größtmögliche Tätigkeit des Ätherleibes, wie sie stattfinden könnte gerade im Schlaf — also eine Lagerung der Glieder der Figur geben wollte, die am besten entspräche dem Moment, da der Ätherleib am allermeisten arbeitet an dem physischen Leib -, dann müßte er das gerade so machen, wie Michelangelo aus seinen künstlerischen Instinkten das gemacht hat. Er hat die Geste, die dem Ätherleib entspricht, hineingeheimnißt in diese «Nacht». Ich behaupte nicht, daß Michelangelo das gewußt hat, aber es ist so.
[ 31 ] Some—or perhaps most—of you may be familiar with the so-called Medici tombs in Florence, by Michelangelo. They depict Giuliano and Lorenzo de’ Medici, along with four allegorical figures. People don’t usually think of them as artistic. “Stiff allegories,” is what people usually say. Now, with the exception of one, these so-called allegorical figures were actually never quite finished; yet they still do not give the impression of being allegories. It is very peculiar that travel guides point out, regarding these Medici tombs, that on one side stands one of the Medici, Lorenzo, and on the other the other, Giuliano. And they are exactly reversed. The one referred to as Lorenzo is Giuliano, and the one referred to as Giuliano is Lorenzo. That is how it is. And that is how it is described in almost all art history books—even though it is not true. In any case, it is not as it is described in art history books and in Baedecker. I haven’t bothered to find out why that is, but it is true that the two figures are always confused. The descriptions wouldn’t be accurate at all, and they were probably rearranged at some point. They now stand differently than Michelangelo placed them. But I don’t want to talk about that; I just want to mention that there are four allegorical figures: at the foot of one Medici, “Night” and “Day”; at the other, “Dawn” and “Dusk.” Now consider this: I have been reluctant to say what I am about to say, but one really must immerse oneself in every gesture, in everything one sees before one, and begin with “Night”; look at this figure, about which the books contain the nonsensical remark that it has a gesture a sleeping person could not assume. But if one studies every gesture and every single limb and then asks oneself the following question: How would an artist have to depict the human figure if he wanted to express in the figure’s expression the greatest possible activity of the etheric body, as it might occur precisely during sleep — that is, if he wanted to give the figure a posture that best corresponded to the moment when the etheric body is working most intensely on the physical body—then he would have to do it exactly as Michelangelo did, guided by his artistic instincts. He has enshrined the gesture corresponding to the etheric body within this “Night.” I am not claiming that Michelangelo knew this, but it is so.
[ 32 ] Und dann sehe man sich den «Tag» an! Das ist keine stroherne Allegorie. Wenn man sich vorstellen würde, die niederen Glieder der menschlichen Wesenheit seien weniger tätig und am meisten tätig sei das Ich, dann ergäbe das, bis auf die eigentümliche Umdrehung der ganzen Figur, die Figur des «Tages». Und wenn man ausdrücken wollte, wie am freiesten bei Ausschluß der anderen menschlichen Glieder der astralische Leib wirkt, wie er sich in der Geste ausdrückt, so hätte man das bei der sogenannten Allegorie der Morgendämmerung. Und wenn man ausdrücken wollte, wie wenn der physische Leib nicht sogleich zusammenfallen würde, sondern wie er schlaff wird, wenn sich Ich und astralischer Leib herausziehen, so ist das in der Geste der «Abenddämmerung» wunderbar ausgedrückt. Man hat da vor sich die lebendigen Ausgestaltungen der vier menschlichen Wesensglieder. Man kann sich da ganz gut denken, wie eine solche Legende hat entstehen können, die sich verbreitet hat in bezug auf die «Nacht», von der gesagt worden ist, wenn Michelangelo allein war mit ihr, dann konnte sie lebendig werden und aufstehen und herumgehen, wenn man weiß, daß sie die entsprechende Geste des Äther- oder Lebensleibes hat, und der Äther- oder Lebensleib voll tätig sein kann bei dieser Geste. Und wenn man dies empfindet, dann sieht man diese Figur aufstehen, dann weiß man: sie kann herumgehen. Wenn sie nicht aus Marmor wäre, wenn wirklich der Äther- oder Lebensleib allein tätig wäre, der das Belebende ist, dann wäre kein Hindernis, daß sie herumginge.
[ 32 ] And then look at the “Day”! This is no mere allegory. If one were to have a mental image of the lower members of the human being as being less active and the “I” as being the most active, this would result, apart from the peculiar inversion of the entire figure, in the figure of the “Day.” And if one wanted to express how the astral body acts most freely when the other human members are excluded, how it expresses itself in gesture, one would have that in the so-called allegory of dawn. And if one were to express how the physical body does not immediately collapse, but rather how it becomes limp when the ego and astral body withdraw, this is wonderfully expressed in the gesture of “Evening Twilight.” There before us are the living manifestations of the four human members. One can quite well imagine how such a legend could have arisen, one that spread regarding the “Night,” of whom it was said that when Michelangelo was alone with her, she could come to life and rise and walk about, if one knows that she has the corresponding gesture of the etheric or Life-Body, and that the etheric or Life-Body can be fully active in this gesture. And when one senses this, then one sees this figure rise, then one knows: she can walk about. If she were not made of marble, if truly the etheric or Life-Body alone were active—which is the animating force—then there would be no obstacle to her walking about.
[ 33 ] Vieles ist hineingeheimnißt in das, was die Menschheitsevolution hervorgebracht hat, und vieles wird erst verständlich werden, wenn die Menschen durch das, was den okkulten Blick schärfen kann, die Dinge betrachten werden. Aber auf alle diese Dinge kommt es letzten Endes nicht an! Ob wir ein Kunstwerk besser verstehen oder nicht, das ist nichts allgemein Menschliches. Aber auf etwas anderes kommt es an: Wenn wir den Blick so geschärft haben, so geht uns ein Verständnis auf für die Seele des anderen Menschen; nicht durch den okkulten Blick, der etwa schon hineinschauen muss in die geistige Welt, sondern durch den Blick, der durch die Geisteswissenschaft geschärft ist. Durch das durch den gesunden Menschenverstand bewirkte Verständnis der Geisteswissenschaft wächst in uns die Erkenntnis dessen, was uns im Leben entgegentritt, vor allem dessen, was die Seele unserer Mitmenschen ist. Und wir werden versuchen, Verständnis für jede menschliche Seele zu gewinnen.
[ 33 ] Much is veiled in mystery within what human evolution has brought forth, and much will only become understandable when people view things through what can sharpen the occult gaze. But in the end, none of these things really matter! Whether or not we understand a work of art better is not a matter of general human significance. But something else matters: Once we have sharpened our gaze in this way, an understanding opens up for us of the soul of our fellow human beings; not through the occult gaze, which must already look into the spiritual world, but through the gaze that has been sharpened by Spiritual Science. Through the understanding of Spiritual Science brought about by common sense, the recognition of what we encounter in life grows within us, above all of what the soul of our fellow human beings is. And we will strive to gain an understanding of every human soul.
[ 34 ] Allerdings ist dieses Verständnis für jede menschliche Seele etwas anderes, als was man oftmals im Leben Verständnis nennt. Im Leben ist die Liebe leider nur zu häufig recht egoistisch. Man liebt den — nun, zu dem man eben durch dieses oder jenes Verhältnis ganz besonders hingezogen ist, und im übrigen begnügt man sich meist mit dem, was man allgemeine Menschenliebe nennt: man liebt die allgemeine Menschheit. Was ist denn das? Man muß jede Seele verstehen können.
[ 34 ] However, this understanding is, for every human soul, something different from what is often called “understanding” in life. In life, love is, unfortunately, all too often quite selfish. One loves the person—well, the one to whom one is particularly drawn through this or that relationship—and for the rest, one usually content oneself with what is called general love for humanity: one loves humanity in general. What is that, then? One must be able to understand every soul.
[ 35 ] Vielleicht wird man nicht jede vortrefflich finden, aber das ist ja nicht schlimm, denn mancher Seele schadet man durch nichts mehr, als wenn man sie in blinder Liebe anhimmelt.
[ 35 ] Perhaps not everyone will find them all admirable, but that is no great loss, for there is nothing more harmful to a soul than to idolize it with blind love.
[ 36 ] Von diesem Faktor werden wir dann übermorgen noch etwas näher sprechen.
[ 36 ] We will discuss this factor in more detail the day after tomorrow.
