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Occult Studies on Life Between Death and Rebirth
GA 140

3 November 1912, Vienna

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4. Die neuesten Ergebnisse okkulter Forschung über das Leben zwischen Tod und neuer Geburt

4. The latest Findings from Occult Research on Life between Death and Rebirth

[ 1 ] Es ist mir eine große Freude, daß ich heute abend in Ihrer Mitte sein kann gelegentlich meiner Anwesenheit in Wien, die durch anderes notwendig geworden ist.

[ 1 ] It is a great pleasure for me to be among you this evening on the occasion of my visit to Vienna, which was necessitated by other matters.

[ 2 ] Sprechen möchte ich zu Ihnen heute abend, meine lieben Freunde, da es ja ein ausnahmsweises Zusammentreffen ist, von einigem, man darf wohl sagen, Intimerem, das sich doch nur besprechen läßt ganz im engen Kreise derjenigen, die schon längere Zeit geisteswissenschaftlich gearbeitet haben.

[ 2 ] I would like to speak to you this evening, my dear friends, since this is, after all, an exceptional gathering, about something that one might well call intimate—something that can only be discussed within the very close circle of those who have been engaged in Spiritual Science for quite some time.

[ 3 ] Es ist nun so in der okkulten Forschung, daß man eigentlich nicht oft genug gleichsam nachsehen kann, wie es mit den Dingen ist, die ja immer wieder und wieder durchforscht, durchsucht werden, von denen immer wieder und wieder verkündet wird, und die, weil sie sich ja in der dem Menschen nicht so leicht zugänglichen, von ihm nicht so leicht faßbaren geistigen Welt befinden, gewissermaßen auch leicht nach der einen oder nach der anderen Richtung hin selbst vom Forscher mißdeutet oder ungenau gesehen werden können; daher muß immer wieder und wieder gewissermaßen nachkontrolliert werden. Gewiß, die Hauptsache der Tatsachen des übersinnlichen Lebens steht seit Jahrtausenden fest, aber es ist schwierig, sie darzustellen. Und deshalb war es mir eine tiefe Befriedigung, daß es mir in den letzten Zeiten möglich geworden ist, mich intimer wiederum mit einem Gebiete zu befassen, das auf der Seite des Okkultismus von Wichtigkeit ist: mit dem Gebiete des Lebens zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Gewiß, nicht gerade neue Dinge müssen sich bei einer solchen Gelegenheit zum Durchforschen herausstellen, aber manches ergibt dann die Möglichkeit, genauer, präziser die Dinge wieder und wieder zu sagen. So möchte ich am heutigen Tage gerade von dieser für die übersinnliche Erkenntnis so wichtigen Zeit des Menschen, der Zeit zwischen Tod und neuer Geburt, sprechen; nicht so sehr über das nächste Gebiet, das ja in den Schriften und auch sonst oft hier zur Sprache gekommen ist, über das sogenannte Kamaloka-Gebiet, sondern über dasjenige, was sich daran anschließt, über den eigentlichen Aufenthalt des Menschen in der geistigen Welt zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Nur ein paar Worte möchte ich dieser Schilderung vorausschicken.

[ 3 ] In occult research, it is the case that one can never check often enough, as it were, to see what the situation is with matters that are investigated and examined time and again, and about which proclamations are made time and again, and which, because they are situated in the spiritual world—a realm not easily accessible to human beings and not easily grasped by them—can, so to speak, easily be misinterpreted or viewed inaccurately by the researcher himself in one direction or another; therefore, they must be rechecked again and again, so to speak. Certainly, the main facts of the supersensible life have been established for millennia, but it is difficult to describe them. And that is why it has been a deep satisfaction to me that in recent times I have been able to engage once again more intimately with a field that is of importance on the side of occultism: with the field of life between death and a new birth. Certainly, it is not exactly new things that come to light on such an occasion, but many things then offer the opportunity to state them again and again more accurately and precisely. So today I would like to speak specifically about this time in a human being’s life that is so important for supersensory knowledge—the time between death and a new birth; not so much about the next realm, which has indeed been discussed often in the writings and elsewhere here, the so-called Kamaloka realm, but about what follows it, about the actual sojourn of the human being in the spiritual world between death and a new birth. I would like to preface this description with just a few words.

[ 4 ] Dasjenige, was zwischen Tod und neuer Geburt liegt, lernt man kennen durch die Initiation, durch die Einweihung oder durch das Durchschreiten der Pforte des Todes. Gewöhnlich nimmt man den Unterschied nicht ernst genug, der besteht zwischen allen Erkenntnissen, die wir uns aneignen können in bezug auf die sinnliche Welt, in der wir immer mit unseren Sinnen und mit dem Verstande drinnenstehen, und in bezug auf die geistige Welt, in die wir eintreten entweder durch die Initiation schon in diesem Leibe, in diesem physischen Dasein, oder ohne diesen Leib, wenn wir durch die Pforte des Todes geschritten sind. Es ist gewissermaßen alles umgekehrt in dieser geistigen Welt. Zwei Merkmale möchte ich anführen, welche so recht zeigen können, wie die geistige Welt sich ganz bedeutsam unterscheidet von der gewöhnlichen sinnlichen Welt.

[ 4 ] What lies between death and rebirth is revealed through initiation, through the rite of initiation, or through passing through the gate of death. Usually, we do not take seriously enough the difference that exists between all the knowledge we can acquire regarding the sensory world, in which we are always immersed with our senses and our intellect, and in relation to the spiritual world, into which we enter either through initiation while still in this body, in this physical existence, or without this body, once we have passed through the gate of death. In a sense, everything is reversed in this spiritual world. I would like to cite two characteristics that can truly show how the spiritual world differs significantly from the ordinary sensory world.

[ 5 ] Nehmen wir unser Dasein in dieser Sinnenwelt während unseres wachenden Zustandes vom Morgen bis zum Abend. Da sehen wir, daß die Dinge, die wir durch unsere Augen und Ohren wahrnehmen, an uns herankommen; und sozusagen nur die höheren Gebiete des Lebens, die Erkenntnisgebiete, das Kunstgebiet suchen wir auf, die müssen wir tätig an uns heranbringen, da müssen wir mittun — aber das übrige äußere Leben, das uns in Anspruch nimmt, bringt wahrhaftig alles, was auf unsere Sinne und unseren Verstand wirken soll, von morgens bis abends an uns heran. Wo wir gehen, auf der Straße, wie wir auch leben, alles und jedes, jeder Augenblick hat seine Eindrücke, und wir tun, mit den angedeuteten Ausnahmen, nichts für das Herbeibringen; sie kommen von selber.

[ 5 ] Let us consider our existence in this sensory world during our waking hours, from morning until evening. We see that the things we perceive through our eyes and ears come to us; and, so to speak, we seek out only the higher realms of life—the realms of knowledge, the realm of art—which we must actively bring to ourselves; there we must participate—but the rest of external life, which engages us, truly brings everything that is meant to affect our senses and our intellect to us from morning to night. Wherever we go, on the street, however we live, everything and anything, every moment has its impressions, and we do nothing, with the exceptions mentioned, to bring them about; they come of their own accord.

[ 6 ] Anders ist es mit dem, was in der physischen Welt durch uns geschieht; da müssen wir tätig sein, da müssen wir von Ort zu Ort schreiten, da müssen wir uns rühren. Das sind die bedeutsamen Kennzeichen des täglichen Lebens, daß das, was sich unserer Erkenntnis darbietet, geschieht, ohne daß wir etwas dazu tun. So grotesk es ist, im Geistigen ist es umgekehrt. In der geistigen Welt kann man nicht handeln, nicht tätig sein, nicht etwas herbeiführen dadurch, daß man von einem Ort zum anderen geht; man kann auch nichts herbeiführen in der geistigen Welt dadurch, daß man sozusagen Organe rührt, welche analog wären den physischen Händen, sondern dasjenige, was vor allen Dingen notwendig ist, damit mit uns etwas geschieht in der geistigen Welt, das ist die absolute Gemütsruhe.

[ 6 ] The situation is different with what happens through us in the physical world; there we must be active, there we must move from place to place, there we must take action. These are the defining characteristics of daily life: that what presents itself to our awareness happens without us doing anything to bring it about. As strange as it may seem, in the spiritual realm it is the opposite. In the spiritual world, one cannot act, cannot be active, cannot bring about anything by moving from one place to another; nor can one bring anything about in the spiritual world by, so to speak, moving organs that would be analogous to physical hands; rather, what is necessary above all else for something to happen to us in the spiritual world is absolute peace of mind.

[ 7 ] Je ruhiger wir sein können, desto mehr geschieht durch uns in der geistigen Welt, so daß wir also gar nicht sprechen können davon, daß etwas geschieht in der geistigen Welt, wenn wir hasten und treiben, sondern indem wir in aller Gemütsruhe entwickeln eine größere liebevolle Anteilnahme an dem, was geschehen soll, und dann abwarten, wie die Dinge sich entwickeln. Diese Gemütsruhe, welche in der geistigen Welt schaffend ist, hat kaum irgend etwas Ähnliches im gewöhnlichen physischen Leben, wohl aber in höheren Gebieten auf dem physischen Plane, im Erkenntnisleben und im Kunstleben. Da haben Sie schon etwas Analoges. Der Künstler kann eigentlich nicht das Höchste, was er vermag nach seinen Anlagen, schaffen, wenn er nicht warten kann, wenn er nicht in aller Gemütsruhe warten kann, bis der rechte Augenblick gekommen ist, bis die Intuition kommt. Wer programmäßig schaffen will, der kann nur minderwertige Produkte zustande bringen. Wer auf irgendeinen äußeren Anlaß hin irgendein Werk, sei es das kleinste, schaffen will, wird es nicht so gut zustande bringen, als wenn er in liebevoller Hingabe und ruhig warten kann auf den Augenblick der Inspiration, wir können auch sagen, auf den Augenblick der Gnade. So ist es auch in der geistigen Welt, da gibt es kein Hasten und Drängen, da gibt es nur Gemütsruhe.

[ 7 ] The calmer we can be, the more happens through us in the spiritual world; thus, we cannot speak of anything happening in the spiritual world when we are rushing about, but rather by developing, in complete peace of mind, a greater loving interest in what is to happen, and then waiting to see how things unfold. This peace of mind, which is creative in the spiritual world, has hardly any parallel in ordinary physical life, but it does in higher realms on the physical plane, in intellectual life and in artistic life. There you already have something analogous. The artist cannot truly create the highest work of which he is capable according to his talents if he cannot wait, if he cannot wait in complete calm of mind until the right moment has come, until intuition strikes. Whoever seeks to create by a set program can produce only inferior works. Whoever seeks to create any work—no matter how small—in response to some external impulse will not produce it as well as if they can wait with loving devotion and calm for the moment of inspiration; we might also say, for the moment of grace. So it is in the spiritual world as well: there is no haste or urgency there; there is only peace of mind.

[ 8 ] Im Grunde genommen muß es auch so sein bei der Ausbreitung unserer Bewegung. Alle äußere Agitation, alles äußere den Menschen die Geisteswissenschaft Aufdrängenwollen, führt im Grunde genommen zu nichts. Am besten ist es, wenn wir warten können, bis sich uns im Leben die Menschen zeigen, die in ihrer Seele das Bedürfnis haben, etwas zu hören, die sich hinneigen wollen dem Geistigen, und wir sollen gar nicht das Bedürfnis entwickeln, einen jeden an die Geisteswissenschaft heranzubringen. Wir werden die Erfahrung machen, je mehr Ruhe, agitationslose Ruhe wir entwickeln können, desto mehr Leute kommen an uns heran, während wir durch eine brüske Agitation die Leute geradezu zurückstoßen werden. Wenn ein öffentlicher Vortrag gehalten wird, geschieht es nur, damit gesagt werde, was gesagt werden muß; wer es aufnehmen will, kann es aufnehmen. Insofern muß unser ganzes Leben innerhalb der geisteswissenschaftlichen Bewegung ein Abbild des Geistigen sein, daß wir das, was geschehen soll, geschehen lassen und es abwarten mit Gemütsruhe.

[ 8 ] Essentially, this is how the spread of our movement must proceed. All external agitation, all attempts to force Spiritual Science upon people, ultimately leads to nothing. It is best if we can wait until people who have a need in their souls to hear something, who are inclined toward the spiritual, reveal themselves to us in life, and we should not feel the need to introduce everyone to Spiritual Science. We will find that the more calm, the more agitation-free calm we can develop, the more people will come to us, whereas through abrupt agitation we will actually push people away. When a public lecture is given, it is done only so that what must be said may be said; whoever wishes to take it in may do so. In this respect, our entire life within the Spiritual Science movement must be a reflection of the spiritual, so that we allow what is to happen to happen and await it with equanimity.

[ 9 ] Nehmen wir einmal einen initiierten Menschen, welcher erkannt hat, daß in einem bestimmten Zeitpunkte irgend etwas aus der geistigen Welt heraus geschehen soll. Ich habe öfters aufmerksam gemacht auf einen wichtigen Zeitpunkt, in dem etwas geschehen ist von der geistigen Welt aus, nur zeigt es sich jetzt noch nicht in so außerordentlichem Maße. Das war das Jahr 1899, der Ablauf des kleinen Kali Yuga. Das war im wesentlichen das Jahr, welches einen bestimmten Impuls brachte, der dazu bestimmt war, den Menschen dasjenige von innen heraus zu geben, ihnen in der Seele zu erwecken, was im Grunde genommen in den früheren Zeiten durch irgendwelche äußeren Dinge, man nannte es Zufall, aus der geistigen Welt gegeben worden ist. Ich will einen bestimmten Fall anführen: Im zwölften Jahrhundert lebte ein gewisser Norbert. Dieser begründete einen Orden. Er führte zunächst ein recht weltliches, man könnte sagen, ein ausschweifendes Leben, da traf ihn ein Blitzstrahl. Oftmals kommt es in der Geschichte bei einzelnen Menschen vor, daß ein solches Ereignis eintritt; ein Blitzstrahl kann durchschütteln den physischen und den Ätherleib. Da wurde sein ganzes Leben verändert. Da ist es so, daß wie ein äußerer Anlaß von der geistigen Welt zu Hilfe genommen wird, um die Menschen zu verändern. Solche Zufälle kommen oft vor, sie durchschütteln den ganzen Zusammenhang zwischen physischem und Ätherleib und verändern den Betreffenden ganz und gar. So war es auch hier. Das sind aber keine Zufälle, das sind in der geistigen Welt wohlvorbereitete Tatsachen, den Menschen zu verändern. Nun wurden diese Tatsachen vom Jahre 1899 an immer intimer und intimer, viel weniger äußerlich, viel mehr durch das Innere wirkend; verinnerlicht wird des Menschen Seele. Und tatsächlich, bei einer solchen Umwälzung in der Welt wie im Jahre 1899 müssen mitwirken alle Wesenheiten und Mächte aus der geistigen Welt, aber auch alle Initiierten, die hier leben. Sie sagen nicht: Bereitet euch vor! —, sie sagen es nicht den Leuten in die Ohren, sondern es geschieht so, daß der Impuls von innen kommt, daß die Menschen ihn von innen heraus verstehen lernen. Dann bleiben die Leute in der Seele ruhig, befassen sich mit dem Gedanken, lassen diesen Gedanken in sich wirken und warten. Und je ruhiger sie werden mit dem Gedanken in der Seele, desto kräftiger kommen solche geistigen Ereignisse. Also, abwarten diese Begnadung! Dies ist es vorzugsweise, daß wir abwarten sollen, was mit uns geschehen soll in der geistigen Welt.

[ 9 ] Let us consider an initiated person who has realized that, at a certain point in time, something is to occur from the spiritual world. I have often drawn attention to an important moment when something did indeed occur from the spiritual world, though it has not yet manifested itself to such an extraordinary degree. That was the year 1899, the end of the Minor Kali Yuga. That was essentially the year that brought a specific impulse intended to give people something from within, to awaken in their souls what had essentially been given from the spiritual world in earlier times through various external events—what was called chance. I would like to cite a specific case: In the twelfth century, there lived a certain Norbert. He founded an order. He initially led a rather worldly, one might say, a dissolute life, when he was struck by a bolt of lightning. It often happens in history with individual people that such an event occurs; a bolt of lightning can shake the physical and etheric bodies. That is when his whole life was transformed. It is the case that an external event is utilized by the spiritual world to help transform people. Such coincidences often occur; they shake up the entire connection between the physical and etheric bodies and completely transform the person concerned. That was the case here as well. But these are no coincidences; they are events in the spiritual world that have been carefully prepared to transform human beings. From the year 1899 onward, these events became ever more intimate, much less external, and much more effective through the inner self; the human soul is internalized. And indeed, with such an upheaval in the world as in 1899, all beings and powers from the spiritual world must be involved, but also all the initiates who live here. They do not say: “Prepare yourselves!”—they do not shout it into people’s ears, but it happens in such a way that the impulse comes from within, that people learn to understand it from within. Then people remain calm in their souls, engage with the thought, allow this thought to work within them, and wait. And the calmer they become with the thought in their souls, the more powerfully such spiritual events come. So, let us await this blessing! It is above all this that we should wait to see what is to happen to us in the spiritual world.

[ 10 ] Anders ist es mit dem Erkennen im Alltag; da müssen wir alles herantragen, müssen es erwerben, müssen arbeiten, um es uns gewissermaßen entgegenzubringen. Eine Rose, die wir am Wege finden, erfreut uns in dieser physischen Welt; auf dem geistigen Plane würde es nicht geschehen, es würde sich uns nichts einer Rose auf dem physischen Plane Ähnliches hinstellen, wenn wir uns nicht bemühten, in bestimmte geistige Gebiete hineinzukommen, um die Dinge an uns heranzubringen. Gerade was wir beim Tun hier machen, müssen wir beim Erkennen im Geistigen machen; und umgekehrt: Was durch uns geschehen soll, müssen wir in Ruhe abwarten und nur sozusagen das Hereinragen aus der geistigen Welt in die physische, die höheren Betätigungen der Menschen bilden ein Abbild des Geschehens in der geistigen Welt. Daher ist es notwendig, daß derjenige, der durch seine Seele verstehen will die Wahrheiten, die durch die Geisteswissenschaft kommen sollen, die zwei Eigenschaften immer mehr und mehr entwickelt: Liebe zum geistigen Leben, die ihn zum tätigen Heranbringen der geistigen Welt führt, und diese ist das allersicherste, uns in die Lage zu versetzen, immer wieder und wieder die Dinge an uns heranzubringen — und Ruhe, Gemütsruhe, eine Ruhe, die nicht eitel und ehrgeizig Erfolge herbeiführen will, sondern die begnadet sein will, die auf Inspiration warten kann. Dieses Warten ist im konkreten Falle schwierig. Aber ein Gedanke, den wir immer wieder und wieder in unserer Seele haben sollten, kann uns über vieles hinausführen. Er ist schwer zu fassen, weil er sehr gegen unsere Eitelkeit verstößt. Dieser Gedanke ist, daß es gleichgültig ist im Weltenzusammenhang, ob etwas durch uns oder einen anderen Menschen geschieht. Das soll uns nicht abhalten, alles zu tun, was uns zu vollbringen obliegt; nicht von unserer Pflicht soll es uns abhalten, aber vom Hasten, Treiben soll es uns abhalten. Wie gern hat es ein jeder Mensch, daß er befähigt ist, daß er etwas kann. Es gehört eine gewisse Resignation dazu, ebenso gern zu haben, daß und wenn ein anderer etwas kann. Nicht lieben soll man eine Sache, weil man sie selber tut, sondern lieben, weil sie in der Welt ist, gleichgültig ob durch uns oder durch andere. Dieser Gedanke führt uns sicher zur Selbstlosigkeit, wenn wir ihn immer wieder denken. Solche Stimmungen sind notwendig, um sich einzuleben in die geistige Welt, um nicht nur immer zu forschen, sondern auch zu verstehen, was geforscht wird. Viel wichtiger als Visionen, die wohl auch da sein müssen, sind diese Stimmungen, und eben damit wir die Visionen beurteilen können, sind solche Stimmungen notwendig.

[ 10 ] The situation is different when it comes to perception in everyday life; there we must bring everything to bear, must acquire it, must work to bring it to us, so to speak. A rose we find along the way brings us joy in this physical world; on the spiritual plane this would not happen; nothing similar to a rose on the physical plane would present itself to us if we did not make an effort to enter certain spiritual realms in order to bring things to us. Precisely what we do here in our actions, we must do in our spiritual perception; and conversely: We must wait patiently for what is to happen through us and merely observe, so to speak, the projections from the spiritual world into the physical; the higher activities of human beings form a reflection of what occurs in the spiritual world. Therefore, it is necessary that the one who wishes to understand through his soul the truths that are to come through Spiritual Science develop these two qualities more and more: a love for spiritual life, which leads him to actively bring the spiritual world closer, and this is the surest way to enable us to bring these things to us again and again—and calmness, peace of mind, a calmness that does not seek to bring about success through vanity and ambition, but rather seeks to be graced, that can wait for inspiration. This waiting is difficult in concrete cases. But a thought that we should hold in our souls again and again can lead us beyond many things. It is hard to grasp because it goes very much against our vanity. This thought is that, in the context of the world, it makes no difference whether something happens through us or through another person. This should not deter us from doing everything that falls to us to accomplish; it should not deter us from our duty, but it should deter us from haste and restlessness. How much every person loves to be capable, to be able to do something. It takes a certain resignation to love just as much that and when another person can do something. One should not love a thing because one does it oneself, but love it because it exists in the world, regardless of whether through us or through others. This thought surely leads us to selflessness if we keep it in mind. Such dispositions are necessary to attune oneself to the spiritual world, so as not only to keep seeking, but also to understand what is being sought. Far more important than visions—which must certainly be present as well—are these states of mind, and it is precisely so that we may judge the visions that such states of mind are necessary.

[ 11 ] Visionen, man braucht nur dies Wort auszusprechen und jeder weiß, der sich nur ein wenig damit befaßt hat, was eigentlich unter Visionen zu verstehen ist — aber unser ganzes Leben nach dem Tode, wenn das Kamaloka vorüber ist, ist eigentlich ein Leben in Visionen. Wenn der Mensch durch die Pforte des Todes gegangen ist, das Kamaloka hinter sich hat, in die eigentliche geistige Welt eintritt, lebt er in einer Welt, die ganz so ist, als wenn er nach allen Seiten umgeben wäre von lauter Visionen; nur sind diese Visionen Abbilder von Wirklichkeiten. Und man kann sehr wohl sagen, während wir die Welt des Physischen wahrnehmen durch Farben, die uns das Auge vorzaubert, durch Töne, die uns das Ohr vermittelt, nehmen wir die geistige Welt auch dann, wenn wir durch die Pforte des Todes getreten sind, als Visionen wahr, in die wir hineinverwoben sind. Nun werde ich, weil ich über diese Dinge intimer sprechen will, manches zu sagen haben in einer mehr erzählenden Form, was, wenn man es zunächst hört, etwas grotesk sich ausnimmt, aber es ergibt sich eben durch eine wirkliche geistige Forschung.

[ 11 ] Visions—one need only utter this word, and anyone who has given it even a little thought knows what is actually meant by visions—but our entire life after death, once the Kamaloka is over, is in fact a life of visions. When a person has passed through the gate of death, left the Kamaloka behind, and entered the actual spiritual world, they live in a world that is just as if they were surrounded on all sides by nothing but visions; only these visions are images of realities. And one can very well say that just as we perceive the physical world through colors conjured up by the eye and through sounds conveyed by the ear, we also perceive the spiritual world—even after we have passed through the gate of death—as visions into which we are woven. Now, because I wish to speak more intimately about these things, I will have much to say in a more narrative form, which, when first heard, may seem somewhat grotesque, but it arises precisely from genuine spiritual research.

[ 12 ] Das Kamaloka selbst verläuft ja, wenn man es inhaltlich schildert, so wie ich es in meiner «Theosophie» geschildert habe; aber man kann es noch anders charakterisieren. Ist der Mensch durch die Pforte des Todes geschritten, wo fühlt er sich dann? kann man fragen. Und man kann diese Frage beantworten: Wo ist denn der Mensch während seiner Kamalokazeit? Man kann sogar in Worten, die physisch zu fassen sind, den Raum ausdrücken, wo der Mensch ist während des Kamaloka-Lebens. Wenn Sie sich denken den Raum zwischen der Erde und dem Monde, den Menschen losgelöst von der Erde, aber durchaus noch in dem Raume zwischen der Erde und dem Monde, in jenem kugelförmigen Raume, der sich ergibt, wenn man die Mondbahn als den äußersten Ring ansieht, weg von der Erde, aber in diesem Raume — dort ist der Mensch in der Kamalokazeit. Wenn die Kamalokazeit zu Ende ist, dann geht der Mensch aus diesem Kreise in den wirklichen Himmelsraum hinaus. Wie gesagt, es klingt grotesk, aber es ist so. Auch in dieser Richtung merkt man durch eine wirklich gewissenhafte Forschung, daß diese Dinge entgegengesetzt sind denen auf dem physischen Plane hier. Wir sind von außen an die Erde gebunden, vom Irdischen umgeben und getrennt von den Himmelssphären; nach dem Tode ist die Erde von uns entfernt, und wir sind mit den Himmelssphären zusammen. Solange wir drinnen sind in der Mondensphäre, sind wir im Kamaloka, das heißt, daß wir den Wunsch haben, noch mit der Erde verbunden zu sein, und wir kommen hinaus, wenn wir durch das Kamaloka-Leben gelernt haben, auf Affekte, Leidenschaften, Verlangen zu verzichten. Anders als man hier gewohnt ist, muß man sich nun den Aufenthalt in der geistigen Welt vorstellen. Da sind wir ausgebreitet über den ganzen Raum, da fühlen wir uns überall drinnen im ganzen Raume. Daher ist das Leben, sei es das eines Initiierten oder eines Menschen nach dem Tode, ein Fühlen des Sich-Ausbreitens in den Raum hinaus, und man wird so groß nach dem Tod oder als Initiierter, daß man dann durch den Mondenlauf begrenzt wird wie jetzt durch die Haut. Ja, es ist nun einmal so und es nützt nichts, solche Dinge durch Worte auszudrücken, die einem die gegenwärtige Zeit leichter verzeiht, denn dadurch drückt man sie nicht richtiger aus. Im öffentlichen Vortrage muß man solche schockierenden Dinge weglassen, aber demjenigen, der sich längere Zeit befaßt hat mit geisteswissenschaftlichen Dingen, ist es gut, mit wahren Namen die Dinge zu benennen.

[ 12 ] The Kamaloka itself, when described in terms of its nature, is as I have described it in my *Theosophy*; but it can also be characterized in other ways. Once a person has passed through the gate of death, where does he find himself? one might ask. And one can answer this question: Where, then, is the human being during their time in the Kamaloka? One can even express, in terms that can be physically grasped, the space where the human being is during their Kamaloka life. If you imagine the space between the Earth and the Moon, the human being detached from the Earth but still very much within the space between the Earth and the Moon, within that spherical space that results when one regards the Moon’s orbit as the outermost ring—away from the Earth, yet within this space—that is where the human being is during the Kamaloka period. When the Kamaloka period is over, the human being leaves this circle and goes out into the actual celestial space. As I said, it sounds grotesque, but it is so. In this regard as well, one realizes through truly conscientious research that these things are the opposite of those on the physical plane here. We are bound to the Earth from the outside, surrounded by the earthly realm and separated from the celestial spheres; after death, the Earth is removed from us, and we are united with the celestial spheres. As long as we are within the lunar sphere, we are in the Kamaloka, which means that we still have the desire to be connected to the Earth, and we emerge when, through life in the Kamaloka, we have learned to renounce emotions, passions, and desires. One must now create a mental image of life in the spiritual world differently than one is accustomed to here. There we are spread out across the entire space; there we feel ourselves to be everywhere within the whole space. Therefore, life—whether that of an initiate or of a human being after death—is a feeling of spreading out into space, and one becomes so vast after death or as an initiate that one is then bounded by the lunar cycle just as one is now by the skin. Yes, that is simply how it is, and it does no good to express such things in words that the present age finds easier to accept, for that does not express them more accurately. In a public lecture, one must omit such shocking things, but for those who have been engaged in Spiritual Science for a long time, it is good to name things by their true names.

[ 13 ] Dann, nach dem Kamaloka-Leben, wachsen wir weiter hinaus, und das nun hängt ab von gewissen Eigenschaften, die wir uns hier schon errungen haben. Eine lange Zeit unserer Entwickelung nach dem Tode hängt die Art, wie wir uns da ausbreiten können bis zur nächsten Sphäre, ab von dem, was wir an moralischer Verfassung, sittlichen Begriffen und Gefühlen auf der Erde entwickelt haben. Man kann sagen, der Mensch, der die Eigenschaften des Mitleids, der Liebe entwickelt hat, die Eigenschaften, die man gewöhnlich als sittlich-gute bezeichnet, lebt sich in die nächste Sphäre so hinein, daß er mit den Wesen, die sonst in dieser Sphäre sind, bekannt werden kann, mit ihnen zusammenleben kann, während der Mensch, der mangelhafte Moral mitbringt in diese Sphäre, wie ein Einsiedler darinnen lebt. Das ist die beste Bezeichnung, daß uns zum Zusammenleben mit der geistigen Welt vorbereitet das Moralische; zur quälenden Einsamkeit, in welcher wir immer die Sehnsucht haben, das andere kennenzulernen, und es nicht können, zu dieser Einsamkeit verurteilt uns das Nichtmoralische unseres Herzens wie unseres Denkens und Verhaltens in der physischen Welt. Und entweder als Einsiedler oder als geselliger Geist, der zum Segen ist in der geistigen Welt, leben wir uns ein in die zweite Sphäre, die man im Okkultismus immer genannt hat die Sphäre des Merkur. Heute wird sie Venus genannt in der äußeren Astronomie; es hat bekanntlich eine Umkehrung der Namen stattgefunden, wie schon oft gesagt worden ist. Bis zum Kreise des heutigen Morgen- und Abendsterns breitet der Mensch sein Wesen aus, während er sich früher nur bis zum Monde ausgebreitet hat. Nun stellt sich etwas Eigentümliches ein. Bis zur Mondensphäre sind wir immer noch mit den irdischen Verhältnissen beschäftigt, aber auch darüber hinaus ist das Verhältnis zur Erde nicht ganz abgebröckelt, wir wissen noch immer alles, was wir auf der Erde getan, gedacht haben; wie wir uns jetzt an etwas erinnern können, so wissen wir es, und — sehen Sie, meine lieben Freunde — wieder ist leicht das Erinnern das Quälende! — Wenn wir noch auf der Erde leben und wir haben einem Menschen Unrecht getan oder haben einen Menschen, den wir eigentlich lieben sollten, nicht hinreichend geliebt, ist es an uns, die Folgen noch abzuwenden; wir können zu ihm hingehen und uns mit ihm auseinandersetzen und dergleichen. Das ist von der Merkursphäre an nicht mehr der Fall. Wir können alle Verhältnisse in der Erinnerung erschauen und diese bleiben auch aufrecht, aber wir können sie nicht mehr ändern.

[ 13 ] Then, after the life in Kamaloka, we continue to grow, and this now depends on certain qualities we have already acquired here. For a long time after death, the way we are able to expand into the next sphere depends on the moral character, ethical concepts, and feelings we have developed on Earth. One might say that the person who has developed the qualities of compassion and love—the qualities usually described as morally good—integrates into the next sphere in such a way that they can become acquainted with the beings who are otherwise in that sphere and live together with them, whereas the person who brings deficient morality into this sphere lives there like a hermit. This is the best way to describe it: morality prepares us for coexistence with the spiritual world; the immorality of our hearts, as well as of our thoughts and behavior in the physical world, condemns us to a tormenting solitude in which we always long to get to know the other but cannot. And whether as a hermit or as a sociable spirit who is a blessing in the spiritual world, we settle into the second sphere, which in occultism has always been called the sphere of Mercury. Today it is called Venus in external astronomy; as is well known, a reversal of names has taken place, as has often been said. Human beings extend their being as far as the orbit of today’s morning and evening star, whereas in the past they extended only as far as the Moon. Now something peculiar occurs. Up to the lunar sphere, we are still engaged with earthly conditions, but even beyond that, the connection to Earth has not entirely crumbled; we still know everything we have done and thought on Earth; just as we can now remember something, so we know it, and—you see, my dear friends—once again, remembering is easily the torment!—If we are still living on Earth and have wronged a person, or have not loved sufficiently a person whom we ought to love, it is up to us to avert the consequences; we can go to them and come to terms with them and the like. From the Mercury sphere onward, this is no longer the case. We can perceive all circumstances in our memory, and these remain intact, but we can no longer change them.

[ 14 ] Nehmen wir an, es ist jemand vor uns gestorben, den wir vermöge der Verhältnisse auf der Erde eigentlich hätten lieben sollen, aber nicht genügend geliebt haben. Wir treffen ihn — wir treffen tatsächlich die Menschen nach dem Tode wieder, mit denen wir verbunden waren —, wir treffen ihn aber so, wie wir zu ihm gestanden waren und können es nicht ändern zunächst. Es lebt also ein Vorwurf in uns, daß wir ihn nicht genügend geliebt haben, aber wir können unsern Charakter hier nicht mehr ändern, so daß wir ihn jetzt etwas mehr lieben könnten. Es bleibt, was wir auf der Erde begründet haben, wir können es aber nicht ändern. Gerade diese Tatsache, daß wir da eintreten in das richtige, unveränderliche Wahrnehmungen in bezug auf die Liebe, sie trat mir in den letzten neueren Forschungen dieses Sommers ganz kräftig entgegen, und durch solche Dinge wird man auf mancherlei aufmerksam, was sonst dem Menschen entgeht, und auch davon möchte ich Ihnen sozusagen eine Empfindung geben. Man lernt also durch die Erkenntnis der geistigen Welt diese eigentümliche Tatsache kennen, daß man in der Merkursphäre lebt, wie gesagt, mit allen Menschen in den alten Verhältnissen, die man nicht ändern kann zunächst. Zurückschauend und entwickelnd, was man schon entwickelt hat, so lebt man.

[ 14 ] Let us suppose that someone has died before us whom, given the circumstances on earth, we really should have loved but did not love enough. We meet them—we do indeed meet again after death the people with whom we were connected—but we meet them just as we were toward them, and we cannot change that at first. So a sense of reproach lives within us that we did not love them enough, but we can no longer change our character here so that we might love them a little more now. What we established on Earth remains; we cannot change it. Precisely this fact—that we enter there into the true, unchangeable perceptions regarding love—came to me very strongly in my recent research this summer, and through such things one becomes aware of many things that otherwise escape human notice, and I would also like to give you, so to speak, a sense of this. Through the knowledge of the spiritual world, one thus comes to know this peculiar fact: that one lives in the sphere of Mercury, as I said, with all people in the old relationships that cannot be changed for the time being. Looking back and developing what one has already developed—that is how one lives.

[ 15 ] Nun, ich darf wohl sagen, daß ich mich in meinem Leben viel mit Homer beschäftigt habe, aber eine Stelle ist mir erst ganz klar geworden, als dies, wovon ich eben sprach, mir in der okkulten Forschung so mächtig entgegengetreten ist; das ist die Stelle, wo Homer das Reich nach dem Tode nennt das Land der Schatten, wo sich nichts verwandeln kann. Man kann sie auslegen nach dem Verstande, aber was der Künstler sagen will von der geistigen Welt, wie er als ein Prophet spricht, lernt man kennen, wenn man die betreffende Entdeckung in der geistigen Forschung gemacht hat. So ist es bei jedem wahren Künstler, er braucht es. gar nicht zu wissen in seinen Alltagsgedanken, was ihm aus der Inspiration zufließt. Und dasjenige, was die Menschheit durch ihre Künstler im Laufe der Jahrhunderte erhalten hat, wird nicht verblassen durch die Ausbreitung der spirituellen Bewegung, sondern es wird immer mehr und mehr vertieft werden, und ganz gewiß wird den Menschen ein Licht aufgehen über ihre wahren Künstler, wenn sie durch die okkulte Forschung in die geistige Welt, in jene Welt hineinkommen, aus welcher die Künstler inspiriert sind. Allerdings solche, welche oft einem Zeitalter als Künstler gelten, es aber nicht sind, werden eine solche Beleuchtung nicht erhalten. Manche Tagesgröße wird dahin erkannt werden, daß sie nichts hat an Inspiration aus der geistigen Welt.

[ 15 ] Well, I can safely say that I have spent a great deal of time with Homer in my life, but one passage only became fully clear to me when what I just spoke of confronted me so powerfully in my occult research; this is the passage where Homer calls the realm after death the land of shadows, where nothing can be transformed. One can interpret it intellectually, but what the artist intends to say about the spiritual world—speaking as a prophet—one comes to understand only after making the relevant discovery in spiritual research. This is true of every true artist; he need not be aware in his everyday thoughts of what flows to him through inspiration. And what humanity has received through its artists over the centuries will not fade away with the spread of the spiritual movement, but will be deepened more and more, and people will certainly come to realize the true nature of their artists when, through occult research, they enter the spiritual world—that world from which artists draw their inspiration. However, those who are often regarded as artists in a given age but are not will not receive such enlightenment. Many figures of the day will be recognized as having no inspiration from the spiritual world.

[ 16 ] Die nächste Sphäre kann man im Okkultismus nennen die VenusSphäre; da dehnen wir unser Wesen hinaus bis zum Merkur, der okkult die Venus genannt wird; bis dahin dehnen wir unser Wesen aus. In dieser Sphäre, ja da hat wieder etwas einen großen Einfluß auf den Menschen und wiederum hat dies so Einfluß, daß derjenige, der es hat, sozusagen ein geselliger Geist wird, der es nicht hat, ein einsamer Geist; furchtbar quälend ist das Fehlen dieses Etwas — das ist das religiöse Moment. Je religiösere Gesinnung wir uns angeeignet haben, desto geselligere Geister werden wir in dieser Sphäre. Menschen, denen die religiöse Gesinnung fehlt, die schlieBen sich ab zu Wesen, die sozusagen nirgends hinaus können über eine gewisse Schale oder Hülle, die sich um sie ausbreitet. Wir lernen, sagen wir, unsere Freunde kennen, trotzdem sie Einsiedler sind, aber wir kommen nicht an sie heran; wir fühlen uns immer, als ob wir eine Hülle durchbrechen müßten, die wir aber nicht durchbrechen können. Wenn wir nicht religiöse Innerlichkeit haben, frieren wir gewissermaßen ein in dieser Venus-Sphäre.

[ 16 ] In occultism, the next sphere can be called the Venus Sphere; there we extend our being as far as Mercury, which is occultly called Venus; that is as far as we extend our being. In this sphere, indeed, there is again something that exerts a great influence on human beings, and this influence is such that the one who possesses it becomes, so to speak, a sociable spirit, while the one who lacks it becomes a lonely spirit; the absence of this something is terribly tormenting—this is the religious element. The more religious a disposition we have acquired, the more sociable spirits we become in this sphere. People who lack a religious disposition shut themselves off into beings who, so to speak, cannot go beyond a certain shell or covering that spreads around them. We get to know, let us say, our friends, even though they are recluses, but we cannot get close to them; we always feel as if we had to break through a shell, which we cannot, however, break through. If we lack religious inwardness, we freeze, so to speak, in this Venus sphere.

[ 17 ] Dann kommt eine Sphäre, so sonderbar es klingt, wenn der Mensch — und jeder tut es nach dem Tode — sich hineinlebt in diese Sphäre, fühlt er sich erweitert bis zu unserer Sonne. Es wird nicht mehr lange dauern, dann wird man auch anders über die Himmelskörper denken, als die heutige Astronomie annimmt. Wir selber sind mit dieser Sonne verbunden; es kommt eben eine Zeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, wo wir ein Sonnenwesen geworden sind. Aber jetzt ist noch ein anderes notwendig: zur ersten Sphäre ist sittliches Leben, zur Venus-Sphäre religiöses Leben, zur Sonnensphäre ist notwendig, daß wir Natur und Wesenheit der Sonnengeister, namentlich des Hauptsonnengeistes, des Christus, wirklich kennen, daß wir uns auf Erden eine Verbindung zu ihm geschaffen haben. Mit dieser Verbindung ist es so: Als die Menschen noch ein altes Hellsehen hatten, fanden sie diese Verbindung so, daß sie sich durch die alte göttliche Gnade hineinlebten; das verschwand dann und das Mysterium von Golgatha mit der Vorbereitung durch das Alte Testament war dazu da, um den Menschen das Sonnenwesen verständlich zu machen. Heute genügt nicht mehr die alte Weise, wie seit dem Mysterium von Golgatha die Menschen sich mehr naiv zum Christus emporgerungen haben; heute soll die Geisteswissenschaft die Welt vom Gesichtspunkte eines Sonnenwesens begreiflich machen. Das erste Mal, als das so richtig verstanden worden ist, war die Zeit des Mittelalters, als innerhalb Europas die Gralssage in ihrer eigentlichen tieferen Bedeutung ihren Ursprung genommen hat. Durch das Verständnis dessen, was wiederum durch die spirituelle Bewegung gegeben wird, wird ja gerade das wieder erobert, was durch den hohen Sonnengeist, den Christus, gebracht worden ist, der herabgestiegen ist und nun der Erdgeist geworden ist durch das Mysterium von Golgatha. Dieser Impuls, der durch das Mysterium von Golgatha gegeben worden ist, ist geeignet, in der Geisteswissenschaft alle religiösen Bekenntnisse über das ganze Erdenrund hin in Frieden zu verbinden. Das bleibt die Grundforderung der Geisteswissenschaft: jede Religion mit gleicher Hingebung zu behandeln, keiner Religion den Vorzug zu geben durch irgendwelche äußeren Gründe. Wenn zum Beispiel unserer Strömung vorgeworfen wird, daß wir das Mysterium von Golgatha in die Mitte der Weltenentwickelung stellen und daß das eine Bevorzugung wäre der christlichen Religion, so ist das ein ganz ungerechter Vorwurf. Verständigen wir uns einmal darüber, was es mit einem solchen Vorwurfe für eine Bewandtnis hätte. Wenn ein Buddhist oder Brahmane zu uns käme und uns diesen Vorwurf machen würde, würden wir ihm sagen: Kommt es denn darauf an, was in religiösen Büchern steht, und ist es eine Benachteiligung einer Religion, wenn man das alles nicht ablehnt, was nicht in diesen Büchern steht? Kann nicht jeder Buddhist die kopernikanische Weltanschauung annehmen, ohne aufzuhören, ein Buddhist zu bleiben? Das ist ein Fortschritt der allgemeinen Menschheit. Und so ist die Erkenntnis, daß das Mysterium von Golgatha in der Mitte der Weltenentwickelung steht, ein Fortschritt der ganzen Menschheitsentwickelung, ob davon in den alten Büchern steht oder nicht, und uns zuzumuten, sozusagen von der chinesischen oder buddhistischen Religion nicht so zu denken, wäre dasselbe, wie wenn von diesen Religionen ganz Europa verboten würde, die kopernikanische Weltanschauung anzunehmen, weil sie nicht in ihren Büchern steht. Aber gerade dieses Verständnis des Mysteriums von Golgatha — wenn man erkennt, was da vorgegangen ist — macht uns zu einem geselligen Geiste nach dem Tode in der Sonnensphäre. Überhaupt ist es so: In dem Augenblicke, in dem wir über den Mond hinauskommen, da tritt etwas ein, was wir jetzt auch geistig innerlich bezeichnen können — wir sind von Visionen umgeben. Wenn wir einem verstorbenen Freund begegnen nach dem Tode, ist es eine Vision, aber er ist es selbst, er lebt in dieser Realität drinnen; aber es sind Visionen, die sich aufbauen auf das Gedächtnis an das, was wir hier getan haben.

[ 17 ] Then comes a sphere—as strange as it may sound—where, when a person—and everyone does this after death—immerses themselves in this sphere, they feel themselves expanding all the way to our sun. It won’t be long before people begin to think of the celestial bodies differently than modern astronomy assumes. We ourselves are connected to this sun; there is a time between death and a new birth when we have become a solar being. But now something else is necessary: for the first sphere, a moral life; for the Venus sphere, a religious life; for the solar sphere, it is necessary that we truly know the nature and essence of the solar spirits, namely the Chief Solar Spirit, Christ, and that we have established a connection to him while on Earth. The situation with this connection is as follows: When people still possessed the ancient gift of clairvoyance, they found this connection by living into it through the ancient divine grace; that then disappeared, and the Mystery of Golgotha, with its preparation through the Old Testament, was there to make the solar being comprehensible to humanity. Today, the old way—in which, since the Mystery of Golgotha, people have more naively striven toward Christ—is no longer sufficient; today, Spiritual Science is to make the world comprehensible from the perspective of a solar being. The first time this was truly understood was during the Middle Ages, when the Grail legend took root within Europe in its actual, deeper meaning. Through an understanding of what is now being given by the spiritual movement, we are reclaiming precisely what was brought by the High Solar Spirit, Christ, who descended and has now become the Earth Spirit through the Mystery of Golgotha. This impulse, given through the Mystery of Golgotha, is capable of uniting all religious confessions across the entire globe in peace within Spiritual Science. This remains the fundamental requirement of Spiritual Science: to treat every religion with equal devotion, to give no religion preference for any external reasons. If, for example, our movement is accused of placing the Mystery of Golgotha at the center of world evolution and that this constitutes a preference for the Christian religion, then this is a completely unjust accusation. Let us first understand what such a reproach would actually entail. If a Buddhist or a Brahmin were to come to us and make this accusation, we would say to him: Does it really matter what is written in religious books, and is it a disadvantage to a religion if one does not reject everything that is not written in these books? Can’t every Buddhist accept the Copernican worldview without ceasing to be a Buddhist? That is a step forward for humanity as a whole. And so the realization that the Mystery of Golgotha stands at the center of world development is a step forward for the entire development of humanity, whether or not it is written in the ancient books, and to expect us, so to speak, not to think this way from the Chinese or Buddhist religion would be the same as if all of Europe were forbidden by these religions to accept the Copernican worldview because it is not in their books. But it is precisely this understanding of the Mystery of Golgotha—when one recognizes what took place there—that makes us a social spirit after death in the solar sphere. In general, it is this: the moment we go beyond the moon, something occurs that we can now also describe spiritually and inwardly—we are surrounded by visions. When we encounter a deceased friend after death, it is a vision, but it is he himself; he lives within this reality; yet these are visions built upon the memory of what we have done here.

[ 18 ] Später, außerhalb der Mondensphäre, ist das zwar auch noch der Fall, aber es leuchten dann die geistigen Wesen der höheren Hierarchien an uns heran. Es ist so, als ob die Sonne aufgeht und die Wolken vergoldet. So ist es im Sonnenkreise. Aber wir lernen auch die geistigen Hierarchien in der Merkursphäre nur kennen, wenn wir mit religiöser Gesinnung erfüllt sind, in der Sonnensphäre nur, wenn wir mit jahvisch-christlicher Stimmung erfüllt sind. Da treten die äußeren geistigen Wesenheiten an uns heran. Wiederum ist etwas höchst merkwürdig, und was ich gesagt habe, ergibt sich durch objektive okkulte Forschung: Der Mensch ist über den Mond hinaus wie eine Wolke aus Geist gewoben und wird beleuchtet von den geistigen Wesenheiten, sowie er in den Merkur kommt. Daher haben die Griechen den Merkur den Götterboten genannt, weil in dieser Sphäre hohe geistige Wesenheiten den Menschen beleuchten. Das sind die großen gewaltigen Eindrücke, die wir empfangen, wenn wir aus dem Kreise der okkulten Forschung entwickeln, was die Menschheit geschaffen hat, was als Kunst, als Mythos gegeben worden ist.

[ 18 ] Later, beyond the lunar sphere, this is still the case, but then the spiritual beings of the higher hierarchies shine upon us. It is as if the sun rises and gilds the clouds. So it is in the solar sphere. But we only come to know the spiritual hierarchies in the Mercury sphere when we are filled with a religious disposition, and in the solar sphere only when we are filled with a Yahwist-Christian mood. Then the outer spiritual beings approach us. Again, something highly remarkable occurs, and what I have said is the result of objective occult research: Beyond the Moon, the human being is woven like a cloud of spirit and is illuminated by the spiritual beings as soon as he enters the Mercury sphere. That is why the Greeks called Mercury the messenger of the gods, because in this sphere high spiritual beings illuminate the human being. These are the great, powerful impressions we receive when, from the realm of occult research, we develop what humanity has created, what has been given as art and as myth.

[ 19 ] So leben wir uns durchchristet in die Sonnensphäre hinein. Dann leben wir weiter und kommen in eine Region hinein, wo wir die Sonne so unter uns haben, wie wir früher die Erde unter uns gehabt haben. Wir beginnen auf die Sonne zurückzublicken — und da beginnt etwas sehr Merkwürdiges. In diesem Augenblicke zeigt sich uns, daß wir noch einen anderen Geist in seiner eigenartigen Weise zu erkennen beginnen, den Luzifergeist.

[ 19 ] Thus, having been permeated by Christ, we enter the solar sphere. Then we continue on and enter a region where the Sun lies beneath us, just as the Earth once lay beneath us. We begin to look back at the Sun—and then something very strange begins to happen. At that moment, it becomes clear to us that we are beginning to recognize yet another spirit in its own peculiar way: the spirit of Lucifer.

[ 20 ] Was Luzifer ist, das durchschauen wir, wenn nicht vorher durch die okkulte Wissenschaft oder Initiation, durch das bloße Leben nach dem Tode nicht. Erst wenn wir jenseits der Sonnensphäre angekommen sind, lernen wir ihn erkennen, wie er war, bevor er Luzifer geworden ist, als er noch ein Bruder des Christus gewesen ist. Denn daß er anders geworden ist, ist erst in der Zeit eingetreten, da Luzifer zurückgeblieben ist und sich losgelöst hat vom Fortschritt im Kosmos. Und dasjenige, was er Schlimmes tun kann, erstreckt sich nur bis zur Sonne hin. Darüber ist noch eine Sphäre, wo Luzifer seine Tätigkeit so entwickeln kann, wie sie vor seiner Loslösung war. Da ist nichts von Schaden, was er da entwickelt, und wenn wir uns mit dem Mysterium von Golgatha in der richtigen Weise zusammengehörig gemacht haben, gehen wir, geleitet von Christus, von Luzifer in Empfang genommen, in der richtigen Weise in die noch weiteren Sphären des Weltalls hinaus. Der Name Luzifer ist gut gewählt, wie überhaupt die Alten sich weise Namen gewählt haben. Wenn wir die Sonne unter uns haben, ist auch das Sonnenlicht unter uns. Da brauchen wir dann einen neuen Lichtträger, der uns hinausleuchtet in den Weltenraum. Wir kommen dann in die Mars-Sphäre. Solange wir unter der Sonne waren, blickten wir hinaus in die Sonne; jetzt ist die Sonne unter uns und wir blicken in den weiten Weltenraum hinaus. Und diesen weiten Weltenraum empfinden wir durch das, was immer genannt und so wenig verstanden wird, im eigentlichen Sinne durch die Sphärenmusik, durch eine Art von geistiger Musik. Immer weniger und weniger Bedeutung haben dann die Visionen, in die wir getaucht sind, immer größere und größere Bedeutung gewinnt, was wir geistig hören und vernehmen. Da erscheinen uns die Weltenkörper nicht so, daß wir wie die irdischen Astronomen messen, ob der eine schnell oder langsam geht — das schnelle oder langsame Zusammenstimmen ergibt das Tönen der Weltenharmonie. Und dasjenige, was der Mensch dabei innerlich erlebt, ist das, daß er immer mehr und mehr fühlt: das einzige, was ihm bleibt in diese Region hinein, ist das, was er als Spirituelles auf Erden aufgenommen hat. Dadurch entwickelt er seine Bekanntschaft mit den Wesenheiten dieser Sphäre, bleibt er ein geselliger Geist. Die Menschen, die sich heute abschließen von dem Spirituellen, geraten trotz des Moralischen, trotz des religiösen Lebens auch nicht in die spirituelle Welt. Da ist nichts zu machen. Es ist ja natürlich durchaus möglich, daß solche Menschen in der nächsten Inkarnation dazukommen. Alle materialistisch Gesinnten werden, wenn sie über die Sonne hinaus in die Mars-Sphäre kommen, Einsiedler; das ist nicht anders. So töricht es vielleicht manchem erscheinen könnte, es ist doch wirklich; der ganze Monistenbund wird nicht fortbestehen können, wenn seine Anhänger einmal in die Sonnensphäre gelangt sind, weil seine Anhänger nicht zusammenkommen können, weil jeder ein Einsiedler ist.

[ 20 ] We cannot truly understand who Lucifer is—if not through occult science or initiation beforehand, then certainly not through the mere experience of life after death. Only when we have arrived beyond the solar sphere do we learn to recognize him as he was before he became Lucifer, when he was still a brother of Christ. For the fact that he became different only occurred at the time when Lucifer remained behind and detached himself from the progress of the cosmos. And the evil he is capable of doing extends only as far as the Sun. Above that there is another sphere where Lucifer can carry out his activity as it was before his detachment. There is no harm in what he develops there, and if we have made ourselves one with the Mystery of Golgotha in the right way, we go, guided by Christ and received by Lucifer, out into the even further spheres of the universe in the right way. The name Lucifer is well chosen, just as the ancients chose wise names in general. When we have the sun beneath us, the sunlight is also beneath us. Then we need a new bearer of light to shine out for us into outer space. We then enter the sphere of Mars. As long as we were beneath the sun, we looked out toward the sun; now the sun is beneath us, and we look out into the vast expanse of space. And we perceive this vast outer space through what is always spoken of yet so little understood—in the true sense, through the music of the spheres, through a kind of spiritual music. The visions into which we have been immersed then take on less and less significance, while what we hear and perceive spiritually gains ever greater and greater significance. There the celestial bodies do not appear to us in such a way that we measure, as earthly astronomers do, whether one moves quickly or slowly—the rapid or slow harmonization produces the sound of the cosmic harmony. And what the human being experiences inwardly in this process is that he feels more and more: the only thing that remains to him in this region is what he has absorbed as spiritual on Earth. Through this, they develop their acquaintance with the beings of this sphere; they remain a sociable spirit. People who shut themselves off from the spiritual today do not enter the spiritual world, despite their moral conduct or religious life. There is nothing to be done about it. It is, of course, entirely possible that such people will join in the next incarnation. All those of a materialistic disposition, when they pass beyond the Sun into the sphere of Mars, become hermits; it is no different. As foolish as this might seem to some, it is nevertheless true; the entire Monist League will not be able to continue to exist once its followers have reached the sphere of the Sun, because its followers cannot come together, since each one is a hermit.

[ 21 ] Auf dem Mars wird der Mensch, der sich hier auf der Erde spirituelles Verständnis erworben hat, noch eine andere Erfahrung machen. Und da wir heute schon intimer sprechen, darf auch das ausgesprochen werden. Es kann ja gefragt werden gerade innerhalb unserer Weltanschauung, wie wir sie als Geisteswissenschaft im Abendlande entwickeln: Was ist mit einem solchen Geiste geschehen wie dem Buddha nach seiner letzten Inkarnation auf der Erde? Ich habe schon darauf hingewiesen, nicht wahr: Der Buddha hat als Gautama die letzte Inkarnation durchgemacht sechshundert Jahre vor Christus. Wenn Sie meine Vorträge gut verfolgt haben, werden Sie wissen, er hat sozusagen noch einmal gewirkt — er brauchte sich nicht mehr als Buddha zu inkarnieren —, er hat nur geistig gewirkt bei der Geburt des Lukas-Jesusknaben. Geistig hat er aus höheren Sphären herabgewirkt auf die Erde; aber wo ist er selber? Ich habe in Schweden, in Norrköping, auf ein noch späteres Hereinwirken des Buddha auf die Erde hingedeuter. So war im achten Jahrhundert eine Initiationsstätte in Europa, am Schwarzen Meer, da lebte Buddha geistig in einem Schüler, nämlich in einem Schüler, der später Franz von Assisi geworden ist. Franz von Assisi war in der früheren Inkarnation im achten Jahrhundert also ein Schüler des Buddha und hat alle Eigenschaften aufgenommen, um in dieser sonderbaren Weise zu wirken, wie er als Franz von Assisi gewirkt hat. In vielem kann man seine Gemeinde nicht von Anhängern Buddhas unterscheiden, außer durch das, daß die einen Anhänger Buddhas, die anderen Christen waren. Das ist eine Folge davon gewesen, daß er in seinem vorhergehenden Leben ein Schüler Buddhas war, des geistigen Buddha. — Wo ist aber der Buddha selbst, wo ist er, der als Gautama gelebt hat? Er ist für den Mars dasselbe geworden, was Christus für die Erde geworden ist; er hat für den Mars eine Art von Mysterium von Golgatha durchgeführt und die eigentümliche Erlösung der Marsleute hat Buddha zustande gebracht; er lebt dort unter ihnen. Und für ihn selbst war gerade sein Erdenleben die richtige Vorbereitung, um die Marsleute zu erlösen, doch war diese seine Erlösung nicht so wie das Mysterium von Golgatha, sondern etwas anders.

[ 21 ] On Mars, the human being who has attained spiritual understanding here on Earth will have yet another experience. And since we are already speaking more intimately today, this may also be stated. One might well ask, particularly within our worldview as we are developing it as Spiritual Science in the West: What happened to a spirit such as the Buddha after his last incarnation on Earth? I have already pointed this out, haven’t I? The Buddha underwent his last incarnation as Gautama six hundred years before Christ. If you have followed my lectures closely, you will know that he, so to speak, worked once more—he no longer needed to incarnate as the Buddha—he worked only spiritually at the birth of the boy Luke-Jesus. Spiritually, he worked down from higher spheres onto the Earth; but where is he himself? In Sweden, in Norrköping, I alluded to an even later working of the Buddha upon the Earth. Thus, in the eighth century, there was a place of initiation in Europe, on the Black Sea, where the Buddha lived spiritually within a disciple—namely, a disciple who later became Francis of Assisi. Francis of Assisi was thus, in his earlier incarnation in the eighth century, a disciple of the Buddha and had absorbed all the qualities necessary to work in this peculiar way, as he did as Francis of Assisi. In many respects, his community cannot be distinguished from the followers of the Buddha, except that one group were followers of the Buddha and the other were Christians. This was a consequence of his having been a disciple of the Buddha—the spiritual Buddha—in his previous life. —But where is the Buddha himself, where is he who lived as Gautama? He has become for Mars what Christ became for the Earth; he has carried out a kind of Mystery of Golgotha for Mars, and the Buddha has brought about the peculiar redemption of the Martians; he lives there among them. And for him, his earthly life was precisely the right preparation for redeeming the people of Mars; yet his redemption was not like the Mystery of Golgotha, but something different.

[ 22 ] Geistig aber lebt der Mensch in der Mars-Sphäre in der angedeuteten Zeit, dann lebt er wieder weiter, dann lebt er sich in die Jupitersphäre hinein. In der Jupitersphäre wird sozusagen der Zusammenhang mit der Erde, der vorher noch ein bißchen bestanden hat, schon ganz bedeutungslos für den Menschen; von der Sonne wirkt noch ein wenig auf den Menschen, dagegen wirkt mächtig der Kosmos auf ihn ein. So stellt es sich dar: Alles wirkt von außen herein und der Mensch nimmt Kosmisches auf. Der ganze Kosmos wirkt eben durch die Sphärenharmonie, die immer andere Formen annimmt, je weiter wir das Leben durchforschen zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Es ist schwer zu charakterisieren dieses Leben, diese Veränderung der Sphärenharmonie; man könnte, weil man diese Dinge nicht mit irdischen Worten ausdrücken kann, vergleichsweise sagen: Die Sphärenmusik verändert sich beim Durchgang vom Mars zum Jupiter so, man kann nur sagen, wie das Orchestrale in die gesangliche Musik. Es wird immer mehr zum Tone, zu dem, was den Ton zugleich durchsetzt als das Bedeutungsvolle, als das Sein-Wesen-Ausdrückende. Inhalt bekommt die Sphärenmusik, wenn wir uns in die Sphäre des Jupiter hineinbegeben, und sie wird dann in der Sphäre des Saturn zum völligen Inhalt, zum Ausdruck des Weltenwortes, aus dem alle Dinge geschaffen sind, und das gemeint ist im Johannes-Evangelium: «Im Urbeginne war das Wort...» Dieses Wort ist das Hineintönen der kosmischen Gesetzmäßigkeit und Weisheit. Dann geht der Mensch, wenn er vorbereitet ist — der geistige Mensch weiter, der nicht geistige weniger weit —, in noch weitere Sphären, aber er geht auch über in einen ganz anderen Zustand als der ist, in dem er vorher war. Und wenn man diesen späteren Zustand charakterisieren will, müßte man sagen: Von da ab, wo der Mensch über den Saturn hinausgeschritten ist, beginnt ein geistiges Schlafen, während das Vorhergehende ein geistiges Wachen war. Das Bewußtsein dämpft sich herab von jetzt an, es tritt ein Benommensein ein, und dieses Benommensein wieder gestattet gerade dem Menschen andere Dinge durchzumachen, als er früher durchgemacht hat. Geradeso, wie wir im Schlafe die Ermüdung wegschaffen und uns neue Kräfte zuführen, so tritt dann durch das Herabdämpfen des Bewußtseins ein Einströmen geistiger Kräfte des Kosmos ein, wenn wir sozusagen eine weit, weit ausgedehnte spirituelle Raumkugel geworden sind. Erst haben wir es geahnt, dann haben wir es als Weltorchester gehört, dann hat es gesungen, dann haben wir es als Wort vernommen, dann schlafen wir ein und es durchdringt uns, und während dieser Zeit gehen wir wieder zurück durch alle diese Sphären unter Herabdämpfung des Bewußtseins; immer dumpfer und dumpfer wird unser Bewußtsein, wir ziehen uns zusammen, je nach unserem Karma langsam oder schnell, und während dieses Zusammenziehens treten wieder auf die Kräfte, die aus dem Sonnensystem kommen. Von Sphäre zu Sphäre gehen wir zurück. Für die Mondensphäre sind wir nicht empfänglich, wenn wir aus dem Kosmos zurückkommen; wir gehen sozusagen unberührt und ungehemmt durch sie hindurch, und dann sind wir so, daß wir uns zusammenziehen und zusammenziehen, so daß wir uns vereinigen können mit dem kleinen Menschenkeime, der dann seine Entwickelung durchmacht vor der Geburt. Und in aller Physiologie und Embryologie wird gar nichts Wahres enthalten sein, wenn ihr dies nicht aus der okkulten Forschung, nicht aus diesen Tatsachen zukommt; denn der Menschenkeim ist ein Abbild des großen Kosmos. Er trägt den ganzen Kosmos in sich; was zwischen Empfängnis und Geburt materiell geschieht und als Mensch sich bildet, aber auch was der Mensch im Weltenschlafe durchgemacht hat, trägt er als Kraft im Keimzustande in sich.

[ 22 ] Spiritually, however, a person lives in the Mars sphere during the period described; then they continue on, eventually entering the Jupiter sphere. In the sphere of Jupiter, the connection with the Earth—which previously still existed to some extent—becomes, so to speak, completely meaningless for the human being; the Sun still exerts a slight influence on the human being, whereas the cosmos exerts a powerful influence on him. This is how it presents itself: Everything acts in from the outside, and the human being absorbs the cosmic. The entire cosmos acts precisely through the harmony of the spheres, which takes on ever-changing forms the further we explore life between death and a new birth. It is difficult to characterize this life, this change in the harmony of the spheres; since these things cannot be expressed in earthly words, one might say by way of comparison: The music of the spheres changes during the passage from Mars to Jupiter in such a way that one can only describe it as the transition from orchestral to vocal music. It becomes more and more a tone, that which permeates the tone at the same time as the meaningful, as the expression of being and essence. The music of the spheres acquires content as we enter the sphere of Jupiter, and in the sphere of Saturn it becomes complete content, the expression of the World Word from which all things are created—and this is what is meant in the Gospel of John: “In the beginning was the Word…” This Word is the resounding of cosmic law and wisdom. Then, when prepared—the spiritual human goes further, the non-spiritual less so—the human proceeds into even further spheres, but they also pass into a state entirely different from the one in which they were before. And if one were to characterize this later state, one would have to say: From the point where the human being has advanced beyond Saturn, a spiritual sleep begins, whereas what preceded it was a spiritual waking. Consciousness now subsides; a drowsiness sets in, and this drowsiness in turn allows the human being to experience things different from what he has experienced before. Just as we dispel fatigue in sleep and replenish our strength, so too does the dimming of consciousness allow a flow of spiritual forces from the cosmos to enter, when we have, so to speak, become a vast, vast spiritual sphere. First we sensed it, then we heard it as a world orchestra, then it sang, then we heard it as a word, then we fall asleep and it permeates us, and during this time we pass back through all these spheres as our consciousness subsides; our consciousness grows ever more dull, we contract, slowly or quickly depending on our karma, and during this contraction the forces coming from the solar system reappear. We return from sphere to sphere. We are not receptive to the lunar sphere when we return from the cosmos; we pass through it, so to speak, untouched and unimpeded, and then we are in such a state that we contract and contract, so that we can unite with the tiny human embryo, which then undergoes its development before birth. And there will be nothing true in all of physiology and embryology if this does not come to you from occult research, not from these facts; for the human embryo is a reflection of the great cosmos. It carries the entire cosmos within itself; what happens materially between conception and birth and forms as a human being, but also what the human being has undergone in the sleep of the worlds, it carries within itself as a force in the embryonic state.

[ 23 ] Da berühren wir ein wunderbares Mysterium, das im Grunde genommen in unserer Zeit nur Künstler angedeutet und dargestellt haben, aber es wird schon auch noch besser verstanden werden — sagen wit die Tristan-Frage — als dasjenige, was in ihr lebt, die Tristan-Stimmung, wenn wir in der Tristan- und Isolde-Liebe einmal empfinden werden das Hereinströmen des ganzen Kosmischen, das wir in seiner wahren Gestalt kennenlernen eben durch das Durchlaufen der ganzen Entwickelung des Menschen vom Tode zu einer neuen Geburt hin. Was vom Kosmos hereingeholt wird, was vom Saturn hereingebracht worden ist, wirkt auf Liebende, die zusammengeführt werden. Es wird manches zu einem kosmischen Ereignis gemacht, nur darf es nicht verstandesmäßig analysiert werden, sondern es muß empfunden werden, was den Menschen verbindet in Realität mit dem ganzen Kosmos. Daher wird es die Geisteswissenschaft schon gewiß dahin bringen, daß die Menschheit eine neue Frömmigkeit entwickelt, die eine wahre, echte Religiosität ist, indem dasjenige, was oftmals sich als Kleinstes kundgibt, erscheint als aus dem Kosmos heraus entstanden. Das, was in menschlicher Brust lebt, wir lernen es in der richtigen, weisen Form an seinen Ursprung angliedern, wenn wir es im Zusammenhang mit dem Kosmos betrachten. So kann ausgießen das, was von der Geisteswissenschaft ausgeht, über das ganze Leben, über die ganze Menschheit, die da kommen muß, eine wirklich neue Stimmung. Künstler haben sie vorbereitet, aber das wirkliche Verständnis muß vielfach gerade durch die spirituelle Stimmung erst geschaffen werden.

[ 23 ] Here we touch upon a wondrous mystery that, in our time, has essentially been hinted at and portrayed only by artists, but it will certainly be understood even better—let us say, the Tristan question—than what lives within it, the Tristan mood, once we come to feel in the love of Tristan and Isolde the influx of the entire cosmos, which we come to know in its true form precisely through passing through the entire development of the human being from death toward a new birth. What is drawn in from the cosmos, what has been brought in from Saturn, acts upon lovers who are brought together. Many things are made into a cosmic event; only, it must not be analyzed intellectually, but one must feel what connects human beings in reality with the entire cosmos. Therefore, Spiritual Science will certainly lead humanity to develop a new piety, which is a true, genuine religiosity, in that what often manifests as the smallest thing appears to have arisen from the cosmos. We learn to connect what lives in the human breast to its origin in the right, wise way when we view it in connection with the cosmos. Thus, what emanates from Spiritual Science can pour out a truly new mood over the whole of life, over the whole of humanity that is to come. Artists have prepared the ground for it, but the true understanding must in many cases first be created precisely through this spiritual mood.

[ 24 ] Das sind so einige Andeutungen, die ich Ihnen geben wollte gerade auf Grund erneuter intimer Forschungen über das Leben des Menschen zwischen dem Tode und der neuen Geburt. Nichts ist eigentlich in der Geisteswissenschaft, was uns nicht in unserer tiefsten Empfindung, im tiefsten Gefühle zugleich berühren würde; nichts bleibt abstrakte Vorstellung, wenn wir es richtig erfassen und verstehen. Die Blume freut uns mehr, wenn wir sie anschauen, als wenn der Botaniker sie zerfasert. Die weit entfernte Sternenwelt kann ein Gefühl der Ahnung uns entwickeln, aber was sich darlebt darinnen, das geht uns erst auf, wenn wir uns mit der Seele in die Sphären hinaus erheben können. Die Pflanze verliert, wenn sie zerfasert wird; die Sternenwelt verliert nichts, wenn wir hinausgehen über sie und wenn wir erkennen, wie der Geist mit ihr verbunden ist.

[ 24 ] These are just a few insights I wanted to share with you, based specifically on my recent in-depth research into human life between death and rebirth. There is actually nothing in Spiritual Science that does not simultaneously touch us in our deepest sensibilities, in our deepest feelings; nothing remains a mental image if we grasp and understand it correctly. A flower brings us more joy when we look at it than when a botanist dissects it. The distant world of the stars can awaken a sense of foreboding within us, but what lives there only becomes clear to us when we can lift ourselves with our soul into the spheres. The plant loses something when it is dissected; the world of the stars loses nothing when we go out into it and recognize how the spirit is connected to it.

[ 25 ] Kant hat ein merkwürdiges Wort ausgesprochen, aber nur so wie einer, der die Ethik einseitig erfaßt hat: zwei Dinge berührten ihn eigentümlich, der bestirnte Himmel über ihm und die moralische Welt in ihm. Beide sind eigentlich dasselbe, wir nehmen sie nur aus den Himmelswelten in uns herein. Wenn wir etwas Moralisches haben, damit geboren werden, so ist es daher, daß uns beim Einschlafen, bei der Zurückentwickelung, die Merkursphäre viel hat geben können und die Venus-Sphäre, wenn wir auftreten mit religiösen Gefühlen. Wie wir des Morgens hier im irdischen Leben gestärkt, mit wiedererwachten Kräften aufwachen, so werden wir geboren mit dem, was uns als stärkende Kraft der Kosmos gegeben hat; wir können es aufnehmen gemäß unserem Karma. In dem Maße, als das Karma gestattet, kann uns der Kosmos die Kräfte geben, so daß wir mit diesen als Anlagen geboren werden.

[ 25 ] Kant uttered a curious remark, but only as someone who had grasped ethics one-sidedly: two things struck him in a peculiar way—the starry sky above him and the moral world within him. Both are actually the same; we merely take them into ourselves from the celestial realms. If we possess something moral, if we are born with it, it is because, as we fall asleep—during our re-evolution—the sphere of Mercury has been able to give us much, and the sphere of Venus, when we emerge with religious feelings. Just as we wake up in the morning here in earthly life strengthened, with reawakened powers, so are we born with what the cosmos has given us as a strengthening force; we can receive it according to our karma. To the extent that karma permits, the cosmos can give us these powers, so that we are born with them as predispositions.

[ 26 ] So zerfällt das Leben zwischen dem Tode und der neuen Geburt in zwei Teile. Zuerst ist es unwandelbar. Wir leben uns dann hinauf, die Wesen kommen an uns heran; wir kommen in den Schlaf, da wird es wandelbar; da kommen die Kräfte in uns hinein, mit denen wir geboren werden. Wenn wir diese Entwickelung des Menschen so ins Auge fassen, dann sehen wir ja zugleich, daß der Mensch, indem er sich nach dem Tode entwickelt, zuerst in einer Welt der Visionen lebt. Was der Mensch geistig-seelisch ist, lernt er später erkennen. Dann kommen die Wesen von außen, die, wie das goldene Morgensonnenlicht die Dinge der Außenwelt beleuchtet, nun uns beleuchten; so leben wir uns hinauf, so dringt die geistige Welt auf uns ein. Dieses Sich-Hineinleben in die geistige Welt von außen, das tritt zuerst dann hervor, wenn das sozusagen ganz reif geworden ist, was wir selber sind in unserer visionären Welt, wenn wir als Mensch entgegentreten den Wesen der geistigen Welt, die von allen Seiten wie Strahlen an uns herankommen.

[ 26 ] Thus, life between death and rebirth is divided into two parts. At first, it is unchangeable. We then live our way upward; beings approach us; we fall asleep, and then it becomes changeable; the forces with which we are born enter into us. When we consider this development of the human being in this way, we see at the same time that, as the human being develops after death, they first live in a world of visions. What the human being is in spirit and soul, they come to recognize later. Then the beings come from outside, who, just as the golden morning sunlight illuminates the things of the outer world, now illuminate us; thus we live our way upward, thus the spiritual world penetrates us. This living into the spiritual world from the outside first comes to the fore when what we ourselves are in our visionary world has, so to speak, become fully mature, when we as human beings encounter the beings of the spiritual world who approach us from all sides like rays.

[ 27 ] Versetzen Sie sich jetzt einmal in die geistige Welt, wie wenn Sie zuschauen könnten. Da kommt der Mensch als eine Visionswolke hinauf, da ist er so recht, was er eigentlich ist. Dann kommen die Wesen an ihn heran und beleuchten ihn von außen. Die Rose, im Dunkel sehen Sie sie nicht; wenn wir das Licht anzünden, fällt das Licht auf die Rose, darum sehen wir die Rose, wie sie ist. So ist es, wenn der Mensch sich hinausbegibt in die geistige Welt: es kommt das Licht der geistigen Wesen an ihn heran. Aber es gibt einen Moment, wo der Mensch gar deutlich sichtbar ist, wo er beschienen wird vom Lichte der Hierarchien, so daß er eigentlich zurückstrahlt die ganze Außenwelt, und da erscheint der ganze Kosmos eigentlich vom Menschen zurückgestrahlt. Sie können sich also vorstellen: Erst leben Sie weiter als eine Wolke, die nicht genug beleuchtet ist, dann strahlen Sie das Licht des Kosmos zurück und dann lösen Sie sich auf. Einen solchen Moment gibt es, wo der Mensch das kosmische Licht zurückstrahlt. Bis dahin kann man sich erheben. Dante sagt in seiner «Divina Commedia», daß man in einem gewissen Teile der geistigen Welt Gott als Mensch sieht. Diese Stelle ist real gemeint, sie ist anders gar nicht verständlich. Man kann sie als eine schöne Sache hinnehmen, wie es die Ästheten tun, aber im inneren Gehalt kann man sie nicht verstehen. Das ist wieder solch ein Fall, wo wir die geistige Welt gespiegelt sehen in den Werken der Künstler; so auch namentlich in den Werken der großen Tonkünstler der letzten Zeit, bei Beethoven, Wagner, Bruckner. Da wird es einem so gehen, wie es mir vor einigen Tagen gegangen ist, wo ich mich eigentlich gewehrt habe gegen eine Erkenntnis, weil sie zu frappierend ist. Es gibt in Florenz die Mediceer-Kapelle, wo Michelangelo die zwei Denkmäler der Mediceer geschaffen hat und vier allegorische Figuren, «Tag und Nacht, Morgen- und Abenddämmerung». Man redet leicht von frostiger Allegorie; aber wenn man sich die vier Figuren ansieht, so erscheinen sie doch als etwas anderes denn als frostige Allegorien. Da ist eine Figur, die «Nacht». Sehen Sie, daß es mit der Forschung auf diesem Gebiete nicht besonders gut steht, hat sich mir deshalb schon gezeigt, daß überall gefunden wird, daß von den beiden Mediceer-Denkmälern von Lorenzo und Giuliano, Lorenzo derjenige ist, der für den Sinnenden gehalten wird. Nun hat sich mir vom okkulten Standpunkte gezeigt, daß das gerade umgekehrt ist, denn derjenige, den die Historiker als Lorenzo ansprechen, ist der Giuliano und umgekehrt. Das wird sich auch historisch beweisen lassen aus dem Charakter der beiden Persönlichkeiten. Die Denkmäler stehen auf Postamenten, es wird eben im Laufe der Zeiten wahrscheinlich eine Verwechslung stattgefunden haben. Das wollte ich nicht eigentlich sagen, ich wollte nur bemerken, daß da die Dinge in der äußeren Forschung etwas hapern.

[ 27 ] Now imagine yourself in the spiritual world, as if you were an observer. There, the human being ascends as a cloud of vision; there, he is truly what he actually is. Then the beings approach him and illuminate him from the outside. You cannot see the rose in the dark; when we turn on the light, the light falls on the rose, and that is why we see the rose as it is. It is the same when a human being ventures out into the spiritual world: the light of the spiritual beings comes to him. But there is a moment when the human being is clearly visible, when he is illuminated by the light of the hierarchies, so that he actually reflects the entire outer world, and then the entire cosmos appears to be reflected back from the human being. So you can imagine: first you continue to live as a cloud that is not sufficiently illuminated, then you reflect the light of the cosmos back, and then you dissolve. There is such a moment when the human being reflects the cosmic light. One can rise to that point. Dante says in his *Divina Commedia* that in a certain part of the spiritual world one sees God as a human being. This passage is meant literally; it cannot be understood any other way. One can accept it as a beautiful thing, as the aesthetes do, but one cannot understand its inner meaning. This is another such case where we see the spiritual world reflected in the works of artists; this is especially true of the works of the great composers of recent times, such as Beethoven, Wagner, and Bruckner. One will feel there as I did a few days ago, when I actually resisted a realization because it was too startling. In Florence there is the Medici Chapel, where Michelangelo created the two Medici monuments and four allegorical figures: “Day and Night, Dawn and Dusk.” It is easy to speak of cold allegory; but when one looks at the four figures, they appear to be something other than cold allegories. There is a figure called “Night.” You see, the fact that research in this field is not particularly well-developed has already shown me that it is generally accepted that, of the two Medici monuments of Lorenzo and Giuliano, Lorenzo is the one considered to be the contemplative one. Now, from an occult point of view, it has become clear to me that the opposite is true, for the one whom historians refer to as Lorenzo is Giuliano, and vice versa. This can also be historically proven based on the character of the two personalities. The monuments stand on pedestals; a mix-up has likely occurred over the course of time. That is not what I actually wanted to say; I merely wanted to point out that there is a certain lack of precision in external research.

[ 28 ] An einer der Figuren, an der, die als «Nacht» bezeichnet wird, kann man gerade recht künstlerische Studien machen, wie die Gebärden sind, wie die Stellung ist des ruhenden Körpers, das Haupt in die Hand gestützt, der Arm auf das Bein, wie dies gestellt ist — wenn man das also alles künstlerisch studiert, kann man das Ganze dann so zusammenfassen, daß man sagt: Wenn der Ätherleib ganz besonders tätig ist im Menschen und wenn das dargestellt werden sollte, so müßte es in dieser Weise dargestellt werden; so drückt sich das in der Gebärde, in der Äußerlichkeit aus, wenn der Mensch ruht. Wenn der Mensch schläft, ist der ätherische Leib am meisten tätig. Die angemessenste Stellung hat Michelangelo in der «Nacht» geschaffen. Wie die Gestalt daliegt, ist das der wirksame Ausdruck für den tätigen Ätherleib, den Lebensleib.

[ 28 ] One of the figures, the one referred to as “Night,” is particularly well-suited for artistic study: the gestures, the posture of the resting body, the head resting on the hand, the arm resting on the leg—how it is positioned. If one studies all of this artistically, one can then summarize the whole by saying: When the etheric body is particularly active in a human being, and if this were to be depicted, it would have to be depicted in this way; this is expressed in the gesture, in the outward appearance, when the human being is at rest. When a human being sleeps, the etheric body is most active. Michelangelo created the most appropriate posture in “The Night.” The way the figure lies there is the effective expression of the active etheric body, the Life-Body.

[ 29 ] Wenn man zum «Tag» übergeht, der auf der anderen Seite liegt, ist das der angemessenste Ausdruck für das Ich; die Gestalt der «Morgendämmerung» für den Astralleib, die des «Abends» für den physischen Leib. Das sind keine Allegorien, sondern das sind aus dem Leben heraus gewonnene Wahrheiten, mit einer ungeheuer künstlerisch bedeutsamen Tiefe da verewigt. Ich habe mich gewehrt gegen diese Erkenntnis, aber je genauer ich studiert habe, desto klarer ist es geworden. Ich wundere mich jetzt nicht mehr über eine Legende, die damals in Florenz entstanden ist. Es hieß, Michelangelo habe Macht über die «Nacht»; wenn er allein mit ihr in der Kapelle sei, stehe sie auf und gehe herum. Wenn sie der Ausdruck ist für den Ätherleib, ist es kein Wunder. Ich wollte damit nur sagen, wie klar und anschaulich alles wird, wenn wir immer mehr und mehr lernen, alles vom Standpunkte des Okkultismus anzuschauen. |

[ 29 ] When one moves on to the “Day” that lies on the other side, this is the most appropriate expression for the ego; the figure of “Dawn” for the astral body, and that of “Evening” for the physical body. These are not allegories, but truths drawn from life, immortalized there with a depth of immense artistic significance. I resisted this realization, but the more closely I studied it, the clearer it became. I am no longer surprised by a legend that arose in Florence at that time. It was said that Michelangelo had power over the “Night”; when he was alone with her in the chapel, she would rise and walk about. If she is the expression of the etheric body, it is no wonder. I only wanted to say how clear and vivid everything becomes when we learn more and more to view everything from the standpoint of occultism. |

[ 30 ] Am meisten aber wird beigetragen zur Entwickelung des geistigen Lebens und der Kultur, wenn der Mensch dem Menschen so gegenübertritt, daß er voraussetzt und ahnt das okkult Verborgene. Dann wird das rechte Verhältnis von Mensch zu Mensch gewonnen werden, und die Liebe wird einziehen in die menschliche Seele in der Gestalt, in der sie wirklich echt menschlich ist, wo der Mensch dem Menschen entgegentritt so, daß der Mensch dem Menschen ein heiliges Rätsel ist. In diesem Verhalten kultiviert sich erst, was das richtige Verhältnis der Menschenliebe ist.

[ 30 ] But the greatest contribution to the development of spiritual life and culture is made when one person approaches another in a way that presupposes and senses the occult, the hidden. Then the right relationship between human beings will be achieved, and love will enter the human soul in the form in which it is truly and genuinely human—where one person approaches another in such a way that one person is a sacred mystery to the other. It is only in this attitude that the true nature of human love is cultivated.

[ 31 ] So wird Geisteswissenschaft dasjenige sein, was nicht stets zu betonen braucht äußerliche Pflege von allgemeiner Menschenliebe, sondern sie wird dasjenige sein, was diese Menschenliebe durch die rechte und wahrhaft echte Erkenntnis im menschlichen Seelenleben empfangen wird.

[ 31 ] Thus, Spiritual Science will not be something that constantly needs to emphasize the outward cultivation of universal love for humanity, but rather it will be that which receives this love for humanity through true and genuine insight into the life of the human soul.