Occult Studies on Life Between Death and Rebirth
GA 140
28 November 1912, Vienna
Translate the original German text into any language:
Versions Available:
Occult Studies on Life Between Death and Rebirth, tr. SOL
6. Das Leben Zwischen dem Tode und einer neuen Geburt II
6. Life Between Death and a New Birth II
[ 1 ] Die Betrachtung, die wir vorgestern haben anstellen können über das Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, zeigt uns ja, wie eng die ganze menschliche Wesenheit zusammenhängt mit dem, was man das universelle Leben im Weltenall nennen kann. Denn wenn Sie sich mancherlei von dem überlegen, was da gesagt worden ist, so werden Sie daraus entnehmen können, daß der Mensch eigentlich nur während seiner Erdenzeit gewissermaßen an einen Ort gebannt ist, daß er nur während seiner Erdenzeit einen geringen Raum einnimmt, während er in der ganzen Zeit zwischen dem Tod und einer neuen Geburt dem Planetensystem und sogar der Welt außerhalb desselben in späterer Zeit nach dem Tode einverleibt ist. Wenn wir für die Entwickelung zwischen der Geburt und dem Tode oftmals sagen, um einen okkulten Tatbestand auszudrücken, der Mensch zeige sich als eine Art mikrokosmischen Abbildes des Makrokosmos, so müssen wir jetzt sagen: Zwischen dem Tod und einer neuen Geburt ist eigentlich der Mensch selber makrokosmisch; er ist ergossen in den Makrokosmos; er erweist sich da so recht als ein makrokosmisches Wesen, denn er muß in dieser Zwischenzeit die Kräfte, die er für seine nächste Inkarnation braucht, aus dem Makrokosmos ziehen. Und zwar können wir dieses makrokosmische Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt so auffassen, daß der Mensch in der ersten Zeit nach dem Tode gewissermaßen noch, wenn man sich so ausdrücken darf, die Eierschalen des irdischen Lebens an sich trägt, zusammenhängt mit dem, was das irdische Leben ihm geben konnte, was das irdische Leben aus ihm machen konnte. Dies ist ja die Zeit, welche zunächst besonders nahe geht den Bedürfnissen und Interessen des menschlichen Herzens. Wenn der okkulte Blick hingewendet wird auf irgend jemand, der vor verhältnismäßig kurzer Zeit den irdischen Plan verlassen hat, so ist er ja, wie wir wissen, in der Kamalokasphäre. Das ist die Sphäre, die, makrokosmisch gesprochen, bis zum Umkreis des Mondes geht. Der Mensch lebt sich also hinein, ausdehnend seine seelisch-geistige Wesenheit so, daß er die ganze Mondensphäre bewohnt. In dieser Zeit — das wissen wir ja schon — ist der Mensch ganz und gar noch verbunden mit der irdischen Welt. Die Wünsche, die Begierden, die Interessen, die Sympathien, die Antipathien, die er ausgebildet hat, die bilden Kräfte — das haben wir ja öfters schon beschrieben —, die ihn gleichsam zurückneigen zur irdischen Welt. Der Mensch ist da während der Kamalokazeit in einem gewissen Sinne eingeschlossen wie in eine Atmosphäre seiner eigenen astralischen Natur, wie er sie sich auf der Erde angeeignet hat. Er wünscht sich noch immer das, was er sich auf der Erde gewünscht hat; er hat Interesse an dem, woran er auf der Erde Interesse gehabt hat. Und diese Zeit des Kamaloka ist ja gerade dazu da, daß der Mensch diese Wünsche abwickeln kann, aber daß diese Wünsche und Begierden — insofern sie abhängig sind von den physischen Organen, und alle sinnlichen Genüsse zum Beispiel sind davon abhängig — ihm nicht befriedigt werden können und er sie also durch die Unmöglichkeit der Befriedigung sich abgewöhnt. Dies alles, was wir ja öfter geschildert haben in bezug auf den Menschen unmittelbar nach dem Tode, bezieht sich aber, wie wir leicht einsehen können, auf die Individualität des Menschen, im engsten Sinn des Wortes auf das, was der Mensch gleichsam aus seiner Astralität herauszureißen hat, was er sich abgewöhnen muß, was er von sich entfernen muß.
[ 1 ] The reflection we were able to engage in the day before yesterday on life between death and a new birth shows us just how closely the entire human being is connected to what might be called the universal life of the cosmos. For if you reflect on some of what has been said here, you will be able to conclude that the human being is, in a sense, confined to a single place only during his earthly life, that he occupies only a small space during his earthly life, whereas in the entire period between death and a new birth he is incorporated into the planetary system and even, at a later time after death, into the world beyond it. If, when speaking of the development between birth and death, we often say—to express an occult fact—that the human being appears as a kind of microcosmic image of the macrocosm, then we must now say: Between death and a new birth, the human being is actually macrocosmic; he is poured out into the macrocosm; there he truly proves himself to be a macrocosmic being, for in this interim he must draw from the macrocosm the forces he needs for his next incarnation. Indeed, we can understand this macrocosmic life between death and a new birth in such a way that, in the first period after death, the human being still, so to speak—if one may put it that way—carries the eggshells of earthly life upon themselves, connected to what earthly life could give them, what earthly life could make of them. This is, after all, the time that initially lies particularly close to the needs and interests of the human heart. When the occult gaze is turned toward someone who has left the earthly plane relatively recently, they are, as we know, in the kamaloka sphere. This is the sphere that, in macrocosmic terms, extends to the orbit of the Moon. The human being thus lives his way into it, expanding his soul-spiritual being so that he inhabits the entire lunar sphere. During this time—as we already know—the human being is still completely connected to the earthly world. The desires, the cravings, the interests, the sympathies, the antipathies that he has developed form forces—as we have often described—that, as it were, draw him back toward the earthly world. During the Kamaloka period, the human being is, in a certain sense, enclosed as if in an atmosphere of his own astral nature, as he acquired it on Earth. He still desires what he desired on Earth; he is interested in what he was interested in on Earth. And this period of the Kamaloka is precisely intended to allow the human being to work through these desires, but so that these desires and cravings—insofar as they depend on the physical organs, and all sensual pleasures, for example, depend on them—cannot be satisfied, and he thus weans himself from them through the impossibility of satisfaction. All of this, which we have often described in relation to the human being immediately after death, refers, however, as we can easily see, to the individuality of the human being—in the strictest sense of the word—to that which the human being must, as it were, tear away from his astral nature, that which he must wean himself from, that which he must remove from himself.
[ 2 ] In einer andern Beziehung noch trägt der Mensch mit sich hinaus zunächst in die Kamalokazeit die irdischen Zusammenhänge, und zwar in folgender Weise: Das, womit der Mensch zusammenhängt, sei es an Tatsachen, sei es an Wesenheiten der Kamalokagzeit, das hängt von seinem inneren Leben ab, hängt davon ab, wie das Betreffende vorgebildet, veranlagt ist in seiner Seele. Zum Beispiel: ein Mensch geht durch die Pforte des Todes. Etwas früher ist irgend jemand, dem er nahegestanden hat, schon durch die Pforte des Todes gegangen, so daß wir sagen können: Beide Gestorbenen befinden sich in der Kamalokasphäre; sie können sich dort finden. Die okkulte Untersuchung zeigt durchaus, daß der Mensch nicht nur etwa beschäftigt ist mit seiner eigenen Entwickelung, mit der Abgewöhnung seiner Wünsche, Begierden, Interessen und so weiter, sondern daß er bald nach dem Tode, nach einer kurzen, man möchte sagen, embryonalen Schlafenszeit die Menschen findet, denen er auf der Erde nahegestanden. Dagegen ist für diese erste Zeit im allgemeinen nicht gerade eine Aussicht vorhanden, daß der Mensch etwa jedes Wesen, das da mit ihm zugleich in der Kamalokasphäre ist, wirklich finden kann. Raum- und Zeitverhältnisse sind ja da ganz andere, namentlich Raumverhältnisse. Nicht darum handelt es sich, daß man nicht in die Nähe kommt von Wesen, denen man nicht nahegestanden hat, man mag ihnen so nahe als möglich kommen, man nimmt sie nicht wahr. Zum Wahrnehmen gehört, daß man dem betreffenden Wesen im Leben nahegestanden hat. Also diejenigen, denen man im Leben nahegestanden hat — es kommen da zunächst kaum andere Wesen als Menschen in Betracht-, die finden sich auch in der Umgebung eines Verstorbenen bald in der Kamalokazeit. Die Verhältnisse, in denen wir uns da nach dem Tode zu solchen Wesenheiten befinden, die richten sich auch noch ganz nach den irdischen Verhältnissen, die wir zu ihnen ausgebildet haben. Und zwar in einer Weise, die ich auch schon vorgestern charakterisiert habe: in einer solchen Weise, daß wir genauso und der vollen Wahrheit entsprechend zu einem mit im Kamaloka sich befindenden Menschen stehen, wie wir im Erdenleben gestanden haben, aber das nicht können, was wir während der Erdenzeit noch können, das heißt, etwa das Verhältnis ändern. Es bleibt so bestehen, wie es auf der Erde war. Auf der Erde können wir zu einem Menschen, den wir geliebt haben, nachher Haß entwickeln und zu einem Menschen, den wir gehaßt haben, Liebe entwickeln; wir können uns bemühen, unsere Beziehung zu ihm zu ändern. So ist es nicht in der Kamalokazeit. Wir treffen einen Menschen, der vor uns hingestorben ist, und wir fühlen uns zunächst zu ihm in ein solches Verhältnis gebracht, wie es entsprochen hat dem letzten Verhältnis, das wir zu ihm auf der Erde gehabt haben. So stehen wir zu ihm. Dann leben wir ja, wie Sie wissen, rückwärts in der Zeit. Haben wir vorher ein anderes Verhältnis zu ihm gehabt, so können wir das nicht künstlich herbeiführen, sondern wir müssen ruhig zurückleben und durchleben dann nach dem entsprechenden Zeitpunkte ein Verhältnis, das wir zu ihm früher gehabt haben, das wir wieder nicht ändern können, das sich genau so ausdrückt, wie es sich auf der Erde ausgedrückt hat.
[ 2 ] In another respect, the human being carries earthly connections with them into the Kamaloka period, specifically in the following way: What the human being is connected to—whether facts or beings of the Kamaloka period—depends on their inner life, on how the relevant matter is preformed and predisposed in their soul. For example: a person passes through the gate of death. Some time earlier, someone close to them has already passed through the gate of death, so that we can say: both of the deceased are in the Kamaloka sphere; they can find one another there. Occult investigation clearly shows that the human being is not merely concerned with his own development, with the weaning away from his desires, cravings, interests, and so on, but that soon after death, following a brief—one might say embryonic—period of sleep, he finds the people to whom he was close on Earth. On the other hand, during this initial period there is generally no real prospect that a person can actually find every being who is in the Kamaloka sphere at the same time. The spatial and temporal conditions there are quite different, particularly the spatial ones. It is not a matter of not being able to get close to beings with whom one was not close in life; one may come as close as possible to them, but one does not perceive them. Perception requires that one has been close to the being in question during life. Thus, those to whom one was close in life—and initially, hardly any beings other than humans come into consideration—are also found in the vicinity of a deceased person soon after death in the Kamaloka period. The relationships we have with such beings after death are still entirely determined by the earthly relationships we have formed with them. And this is in a way that I already described the day before yesterday: in such a way that we relate to a person in Kamaloka exactly as we did in earthly life, in full accordance with the truth, but we cannot do what we could still do during our earthly life—that is, change the relationship. It remains as it was on Earth. On Earth, we can later develop hatred toward a person we once loved and love toward a person we once hated; we can strive to change our relationship with them. It is not like that in the Kamaloka period. We meet a person who died before us, and at first we find ourselves placed in a relationship with them that corresponds to the last relationship we had with them on Earth. That is how we stand in relation to them. Then, as you know, we live backward in time. If we had a different relationship with them before, we cannot artificially bring that about, but we must calmly live backward and, at the appropriate point in time, experience a relationship that we had with them earlier—one that we cannot change again, one that expresses itself exactly as it did on Earth.
[ 3 ] Man könnte leicht glauben, daß dieses ein außerordentlich schmerzvoller Zustand ist. Das ist er auch in einer gewissen Beziehung; man fühlt ihn sogar durchaus so, wie man etwa fühlt, wenn man gern ginge und angefesselt ist am Erdboden. Man fühlt sich geistig an ein Verhältnis, das auf der Erde gegeben worden ist, gebunden; man fühlt sich in einer Zwangslage. Das ist durchaus richtig. Und wenn diese Zwangslage eine starke ist, so ist das Verhältnis natürlich peinigend. Nun muß man, um einen solchen Zustand richtig zu verstehen und gemütsmäßig zu würdigen, nicht etwa nur den Gedanken haben, das sei ein schmerzlicher Zustand — schmerzlich ist er schon in vieler Beziehung — aber der Tote, der hat nicht nur das Bewußtsein, ein schmerzlicher Zustand sei vorhanden, sondern er hat das ganz entschiedene Bewußtsein, daß dieser Zustand notwendig ist, daß er sein muß, daß man sich geradezu Steine in den Weg wälzen würde, die die Entwickelung aufhalten, wenn man solchen Schmerz nicht durchmachen würde.
[ 3 ] One might easily believe that this is an extraordinarily painful state. In a certain sense, it is; one even feels it exactly as one might feel when one wants to leave but is chained to the ground. One feels spiritually bound to a relationship that was established on earth; one feels trapped. That is certainly true. And if this predicament is a severe one, the relationship is naturally agonizing. Now, in order to properly understand such a state and appreciate it emotionally, one must not merely think of it as a painful state—it is indeed painful in many respects — but the deceased not only has the awareness that a painful state exists, but also the very definite awareness that this state is necessary, that it must be so, that one would be rolling stones right into one’s path to hinder one’s development if one did not go through such pain.
[ 4 ] Was geschieht denn dadurch, daß man das alles durchmacht? Nehmen wir an, wir erleben so das Verhältnis zu einem andern Menschen nach dem Tode, schauen also ein gewisses Verhältnis, das wir zu ihm gefunden haben im Leben, das wir gebildet haben, an, erleben es. Durch das Anschauen, durch das Erleben, durch das Hinstarren gleichsam, bilden sich in unserer Seele die Kräfte aus, zunächst in ihren geistigen Vorbildern, die wir brauchen, damit uns unser Karma in weiterer Zukunft richtig leitet, damit wir uns einfinden bei der Wiederverkörperung mit dem andern Menschen zusammen so, daß der karmische Ausgleich kommen kann. So werden gleichsam technisch gezimmert die Kräfte, die zum karmischen Ausgleich notwendig sind.
[ 4 ] What happens when we go through all of this? Let’s suppose we experience our relationship with another person after death—that is, we look upon and experience a certain relationship that we established with them in life. Through this observation, through this experience, through this gazing, as it were, the forces develop within our soul—initially in their spiritual archetypes—which we need so that our karma may guide us correctly in the future, so that we may come together with the other person in reincarnation in such a way that karmic balance can be achieved. In this way, the forces necessary for karmic balance are, so to speak, technically constructed.
[ 5 ] Ändern kann der Tote an dem, was ihm zunächst in der Umgebung entgegentritt, kaum etwas; aber es tritt zuweilen doch für den Toten das intensive Bedürfnis auf, dieses oder jenes zu ändern. Man möchte sagen: Eine große Bedeutung gewinnen für den Toten unerfüllte Wünsche, aber solche unerfüllte Wünsche, die während des Lebens nicht immer ganz in das Bewußtsein heraufspielen. Und da kommt etwas in Betracht, was außerordentlich wichtig ist zu beachten. Im gewöhnlichen Leben hier auf dem physischen Plan, da fühlen wir ja gewiß diese oder jene Neigung, diese oder jene Sympathie in unserem Bewußtsein, machen uns diese oder jene Vorstellung; aber unter diesem Bewußtsein ist ja das astrale, das Unterbewußtsein. Das taucht nicht mit sehr starker Kraft in das Oberbewußtsein, in das eigentliche Ich-Bewußtsein herauf. Dadurch kommt etwas Unvollständiges, möchte man sagen, in das Bewußtseinsleben des Menschen. Der Mensch lebt sich eigentlich als bewußtes Wesen kaum jemals im Leben ganz aus. Wie der Mensch sich darlebt, das ist, könnte man sagen, keineswegs immer ganz wahr; das menschliche Seelenleben ist ja etwas außerordentlich Kompliziertes. Es kann vorkommen, daß jemand in seinem gewöhnlichen Bewußtsein, in seinem Ich-Bewußtsein, aus Vorurteilen heraus, aus Bequemlichkeit heraus, aus diesem oder jenem Grund heraus etwas gar nicht mag, vielleicht sogar haßt, während in seinem Uhnterbewußtsein ein intensiver Wunsch nach dem ist, was er in seinem Oberbewußtsein sogar haßt. Und es kommt vor, daß die menschliche Seele oftmals intensiv arbeitet daran, gerade über solche Dinge sich zu täuschen.
[ 5 ] The deceased can hardly change anything about what first meets them in their surroundings; yet the deceased sometimes feels a strong urge to change this or that. One might say: Unfulfilled desires take on great significance for the dead, but specifically those unfulfilled desires that did not always fully rise to consciousness during life. And here something comes into play that is extremely important to note. In ordinary life here on the physical plane, we certainly feel this or that inclination, this or that sympathy in our consciousness, and form this or that mental image; but beneath this consciousness lies the astral, the subconscious. This does not rise with great force into the higher consciousness, into the actual sense of self. As a result, something incomplete, one might say, enters into the human being’s life of consciousness. As a conscious being, the human being hardly ever fully lives out their life. The way a person lives their life is, one might say, by no means always entirely true; the human soul life is, after all, something extraordinarily complicated. It can happen that someone, in their ordinary consciousness, in their ego-consciousness, out of prejudice, out of convenience, or for this or that reason, does not like something at all, perhaps even hates it, while in their subconscious there is an intense desire for what they actually hate in their conscious mind. And it happens that the human soul often works intensely to deceive itself about precisely such things.
[ 6 ] Es kann zum Beispiel vorkommen, daß zwei Menschen miteinander leben. Der eine von diesen zweien, die in irgendeinem Verhältnis stehen, kommt an die Geisteswissenschaft oder Anthroposophie heran, fühlt sich von ihr begeistert; der andere, der mit ihm lebt, fühlt sich nicht begeistert, sondern wird immer schrecklicher und schrecklicher in seinem Verhältnis, je mehr der andere sich in die Geisteswissenschaft einlebt, schimpft immer mehr und mehr über diese Geisteswissenschaft, verlästert sie. Nun ist folgendes möglich — denn das menschliche Seelenleben ist kompliziert —, daß dieser andere, der die Geisteswissenschaft verlästert, wenn just nicht sein Freund oder ein anderswie mit ihm Zusammenlebender Anthroposoph geworden wäre, vielleicht selbst bei irgendeiner geeigneten Gelegenheit es geworden wäre. Es hindert ihn gerade der, der mit ihm lebt, daß er selbst es auch wird. Das kann durchaus vorkommen; und es kann vorkommen, daß ein solcher, der diese Geisteswissenschaft verlästert, der alles mögliche gegen die Geisteswissenschaft vorbringt in seinem Ich-Bewußtsein, in seinem Unterbewußtsein oder astralen Bewußtsein den intensivsten Wunsch danach hat — ja, daß, je mehr er die Geisteswissenschaft verlästert, desto stärker und stärker der Wunsch in ihm wird nach ihr. Im Leben hier auf der Erde lässt sich nämlich solches durchaus durchführen, daß man im Oberbewußtsein Dinge verlästert, die im Unterbewußtsein stärker und stärker zutage treten; aber der Tod macht Wahrheiten aus Unwahrheiten. Und so kann man bemerken, daß Menschen durch die Pforte des Todes gehen, die, sei es aus Bequemlichkeit oder aus solchen Dingen heraus, wie wir sie geschildert haben, die Geisteswissenschaft verlästert haben; es kann also vorkommen, und das kann für alles mögliche anwendbar sein, daß sie nach dem Tode, weil da die Wahrheit sich in der Menschenseele geltend macht, den Wunsch, den sie nicht bemerkt haben, in intensivster Weise fühlen. Und man kann nachweisen, daß Menschen durch die Pforte des Todes gehen, die scheinbar nach einer Sache gar keinen Wunsch gehabt haben, und daß doch nach dem Tode ein Wunsch mit aller Intensität hervortritt. Also darauf kommt es nicht an bei der Prüfung unserer Kamalokazeit, ob unsere Wünsche, Begierden, Leidenschaften und so weiter im Oberbewußtsein, im Ich-Bewußtsein sind, sondern ob sie auch im astralischen, im Unterbewußtsein sind. Beide wirken in gleicher Weise brennend nach dem Tode, und die Wünsche und Begierden, die wir verhüllt haben hier im Leben, die wirken eigentlich noch intensiver nach dem Tode.
[ 6 ] For example, it may happen that two people live together. One of these two, who are in some kind of relationship, comes into contact with Spiritual Science or anthroposophy and feels inspired by it; the other, who lives with him, does not feel inspired, but becomes more and more terrible in his attitude the more the other immerses himself in Spiritual Science, railing more and more against this Spiritual Science and slandering it. Now the following is possible—for the human soul life is complicated—that this other person, who slanders Spiritual Science, might well have become an anthroposophist himself at some suitable opportunity, had it not been for the fact that his partner or someone else living with him had become one. It is precisely the person living with him who prevents him from becoming one himself. This can certainly happen; and it can happen that such a person, who slanders Spiritual Science, who brings up all sorts of arguments against it in his ego-consciousness, harbors the most intense desire for it in his subconscious or astral consciousness—indeed, that the more he slanders Spiritual Science, the stronger and stronger the desire for it becomes within him. For in life here on earth, it is entirely possible to speak ill of things in one’s conscious mind that are coming to the fore more and more strongly in the subconscious; but death turns untruths into truths. And so one can observe that people pass through the gate of death who, whether out of convenience or for reasons such as those we have described, have reviled Spiritual Science; it can therefore happen—and this can apply to all manner of things—that after death, because truth asserts itself in the human soul, they feel the desire they had not noticed in the most intense way. And it can be demonstrated that people pass through the gate of death who apparently had no desire at all for a certain thing, and yet after death a desire emerges with the utmost intensity. So what matters in the examination of our Kamaloka period is not whether our desires, cravings, passions, and so on are in the higher consciousness, in the ego-consciousness, but whether they are also in the astral, in the subconscious. Both exert an equally intense influence after death, and the desires and cravings that we have concealed here in life actually exert an even more intense influence after death.
[ 7 ] Nun muß bei einer solchen Sache berücksichtigt werden, daß irgend etwas, was an sich mit der Menschenseele verwandt ist, unter allen Umständen einen Eindruck auf diese Menschenseele macht. Was ich Ihnen jetzt sage, das ist gut untersucht; es kann wirklich als eine wichtige menschlich-seelische Tatsache erscheinen, und es ist gut, daß wir gerade an dem Beispiel der Geisteswissenschaft die Sache ins Auge fassen. Nehmen wir an, zwei Menschen lebten hier miteinander; der eine sei eifriger Anthroposoph und der andere wolle nichts davon wissen. Nun bleibt aber dieser andere, weil Geisteswissenschaftliches in seiner Umgebung getrieben wird, in seinem astralischen Leibe nicht unbeeinflußt davon. Es geschehen wahrhaftig mit unseren Seelen ungeheuer bedeutungsvolle Dinge, von denen wir nichts wissen, die eben auf spirituelle Weise auf uns wirken, und es gibt Dinge, die einfach durch ihre Natur die menschliche Seele formen, verändern. Und so kann man sagen: Man findet kaum irgend jemand, der in eines Anthroposophen Umgebung war, wenn er noch so obstinat dagegen war, der nicht in seinem Unterbewußtsein einen Hang zur Geisteswissenschaft bekommen hätte. Man findet gerade bei den mit Geisteswissenschaft zusammenhängenden Gegnern, daß sie nach dem Tode eine Wunschessphäre haben, von der man mit aller Entschiedenheit sagen kann: sie bringt sich dadurch zum Ausdruck, zur Geltung, daß sie leidenschaftlich dann nach spiritueller Wissenschaft verlangt. Deshalb hat es sich so wohltuend für solche Tote erwiesen, was ja vielfach in unseren Kreisen gemacht wird, daß den Toten, die während des Lebens wenig von Geisteswissenschaft haben aufnehmen wollen, nach dem Tode — wie man das nennen kann — vorgelesen wird. Das erweist sich als außerordentlich wohltuend für die Betreffenden. Das wird in der Weise gemacht, daß man versucht, sich, um eine Imagination zu haben, ein lebendiges Bild von dem Gesichte des betreffenden Toten vorzustellen, wie er in der letzten Zeit auf der Erde war, dal3 man sich ein Buch nimmt und ganz in der Stille mit dem Gedanken an den Toten, wie wenn er einem gegenübersitzen würde, ihm vorliest, die Dinge Satz für Satz durchgeht. Das saugt der Tote mit aller Begierde auf und hat unendlich viel davon. Ja, sehen Sie, hier stehen wir an einem Punkt, wo spirituelle Weisheit wahrhaftig recht praktisch wird im Leben, an einem der Punkte, wo Materialismus und Spiritualität nicht nur wie Theorien einander gegenüberstehen, sondern wie Lebensmächte, so daß man sagen kann: Durch das Herankommen an die Spiritualität wird die Kommunikation, die Verbindung geschaffen zwischen menschlichen Individualitäten, gleichgültig ob sie im Leben oder im Tode sind. Wir können den Toten nützen, wenn wir im spirituellen Leben darinnen stehen, auf die geschilderte und auf noch manch andere Weise, von der bei Gelegenheit noch gesprochen werden soll. Stehen wir aber nicht im spirituellen Leben darinnen, so bedeutet das nicht nur einen Mangel an Wissen, an Erkenntnis, sondern bedeutet, daß es uns wahrhaftig in eine ganz begrenzte Sphäre des Daseins hereinstellt: nämlich nur in die Sphäre des Physischen; so daß wir, wenn wir materialistisch gesinnt sind und nur in der Materie leben, den Zusammenhang sofort verlieren mit irgendeiner Individualität, wenn sie durch die Pforte des Todes gegangen ist. Da haben wir an dem, was gesagt worden ist, ein Beispiel, wie ungeheuer bedeutungsvoll das Hineinwirken der einen Welt in die andere ist. Der Tote selbst muß — wenn er zum Beispiel den intensiven Wunsch hat, nach dem Tode dies oder jenes kennenzulernen von spiritueller Weisheit — das entbehren, er muß mit dem Wunsche beladen bleiben. Es könnte höchstens die Möglichkeit geben, daß er, was aber in der Kamalokazeit für ihn kaum möglich ist, irgend jemanden, der auch gestorben ist, dort findet, der in einem solchen Verhältnis zu ihm gestanden hatte auf der Erde, daß er durch das bloße Dasein, durch das Verhältnis, in dem er zu ihm steht, eine Art von Befriedigung — aber das wäre auch gar keine große — gewähren könnte. Aber das kommt nicht in Betracht gegenüber dem, was an ungeheuren Wohltaten, an Guttaten der noch Lebende, der auf dem physischen Plan noch Stehende, dem Toten gewähren kann.
[ 7 ] Now, in a matter such as this, we must take into account that anything which is in itself related to the human soul will, under all circumstances, make an impression on that human soul. What I am telling you now has been well researched; it can truly be seen as an important fact concerning the human soul, and it is good that we consider the matter specifically through the example of Spiritual Science. Let us suppose that two people lived together here; one is an enthusiastic anthroposophist and the other wants nothing to do with it. Now, however, because Spiritual Science is being practiced in his environment, this other person is not left unaffected by it in his astral body. Truly, immensely significant things happen to our souls of which we know nothing, things that simply work upon us in a spiritual way, and there are things that, simply by their nature, shape and transform the human soul. And so one can say: One can hardly find anyone who has been in the company of an anthroposophist, no matter how obstinately opposed they were, who has not developed a tendency toward Spiritual Science in their subconscious. One finds, particularly among those who were opposed to Spiritual Science, that after death they have a desire sphere of which one can say with the utmost certainty: it expresses itself, makes itself felt, in that they then passionately yearn for Spiritual Science. That is why it has proven so beneficial for such deceased individuals—as is often done in our circles—that those who, during their lives, were unwilling to take in much of Spiritual Science are, after death, so to speak, read to. This proves to be extraordinarily beneficial for those concerned. This is done in such a way that, in order to have a vivid mental image, one tries to picture the face of the deceased in question as they were in their final days on earth; then one takes a book and, in complete silence, with the thought of the deceased as if they were sitting across from one, reads to them, going through the text sentence by sentence. The deceased absorbs this with great eagerness and benefits infinitely from it. Yes, you see, here we stand at a point where spiritual wisdom truly becomes quite practical in life, at one of those points where materialism and spirituality do not merely stand opposed to one another as theories, but as life forces, so that one can say: By approaching spirituality, communication and connection are created between human individuals, whether they are in life or in death. We can be of service to the dead if we are established in spiritual life, in the manner described and in many other ways, which will be discussed on another occasion. But if we do not stand within the spiritual life, this signifies not only a lack of knowledge and insight, but also that it truly confines us to a very limited sphere of existence: namely, only the physical sphere; so that, if we are materialistically minded and live only in the material world, we immediately lose contact with any individuality once it has passed through the gate of death. Here we have, in what has been said, an example of how immensely significant the interaction of one world with the other is. The deceased himself must—if, for example, he has the intense desire to learn this or that about spiritual wisdom after death—forgo this; he must remain burdened with the desire. At most, there might be the possibility—though this is hardly possible for him during the Kamaloka period—that he might find someone there who has also died, someone who had stood in such a relationship to him on Earth that, through their mere presence, through the relationship they share with him, they could grant a kind of satisfaction—though that would not be very great either. But this pales in comparison to the immense benefits and good deeds that the living, those still on the physical plane, can bestow upon the dead.
[ 8 ] Bedenken Sie die Lage des Toten! Er hat den intensivsten Wunsch nach dem oder jenem. Das kann ihm in der Zeit nach dem Tode nicht befriedigt werden, weil die Dinge unwandelbar starr bleiben, die wir in der Seele tragen; aber von der Erde herauf kann kommen ein Strom, der da eindringt in diesen sonst starr bleibenden Wunsch. Und das ist eigentlich der einzige Weg, wie die Dinge, die in unserer Seele spielen, geändert werden können. Und man darf sagen: In der nächsten Zeit nach dem Tode hängt vieles, ungeheuer vieles von dem, wie der Tote leben und sich fühlen kann, davon ab, welches spirituelle Verständnis diejenigen für ihn entwickeln, die ihm nahegestanden hatten und zurückgeblieben sind auf dem physischen Plan.
[ 8 ] Consider the plight of the dead! He has the most intense desire for this or that. This cannot be satisfied in the time after death, because the things we carry in our souls remain immutably rigid; but a stream can rise up from the earth that penetrates this otherwise rigid desire. And that is actually the only way in which the things that play out in our souls can be changed. And one may say: In the immediate time after death, much—an immense amount—of how the deceased can live and feel depends on the spiritual understanding developed for him by those who were close to him and have remained behind on the physical plane.
[ 9 ] Wir machen uns, wenn wir uns im Sinne dessen verhalten, was wir durch die spirituelle Wissenschaft erfahren können, zu Gestaltern von ganz anderen Lebensverhältnissen, von Lebensverhältnissen, welche von der einen Welt in die andere hineinwirken. In dieser Beziehung muß man ja sagen, daß heute noch nicht gerade sehr weit fortgeschritten ist die Ausbildung der Geisteswissenschaft zu Lebensmächten. Man hätte so ungeheuer viel zu tun, dasjenige, was die Geisteswissenschaft begründen kann an realen Mächten, wirklich auszubilden, und es könnte gut sein so, daß man sich bekannt machte mit den geisteswissenschaftlichen Wahrheiten und dann das gesamte Leben danach einrichtete. Würde man in diesem tiefen Sinne Geisteswissenschaft verstehen, würde man sie so zu einem Lebensnerv machen, dann würde über spirituelle Theorien wenig diskutiert und gestritten werden auf der Erde. Das ist das, was wir bedenken sollen. Durch spirituelle Wissenschaft wird nicht nur das irdische Leben verändert, sondern das gesamte Leben der Menschheit. Und wird einmal Geisteswissenschaft viel, viel mehr auf dem Umwege durch das Begreifen der Ideen Herzenssache werden, werden sich die Menschen — wenn man das triviale Wort gebrauchen darf — im Sinne der Geisteswissenschaft verhalten und benehmen, dann wird auch immer mehr und mehr das Wechselverhältnis der einzelnen Welten zueinander hervortreten.
[ 9 ] When we act in accordance with what we can learn through spiritual science, we become the architects of entirely different life conditions—conditions that influence one world from within the other. In this regard, it must be said that the development of Spiritual Science into life forces has not yet progressed very far. There is so much to be done to truly cultivate the real forces that Spiritual Science can establish, and it would be good if people familiarized themselves with the truths of Spiritual Science and then organized their entire lives accordingly. If one were to understand Spiritual Science in this profound sense, if one were to make it the very lifeblood of one’s being, then there would be little discussion or contention on Earth regarding spiritual theories. This is what we must bear in mind. Through Spiritual Science, not only is earthly life transformed, but the entire life of humanity. And once Spiritual Science becomes a matter of the heart—much, much more so—through the understanding of ideas, people will—if one may use the trivial word—act and behave in accordance with Spiritual Science; then the interrelationship of the individual worlds with one another will also become increasingly evident.
[ 10 ] Da muß man allerdings etwas berühren, was einem nicht so leicht, möchte ich sagen, geglaubt wird, obwohl es eingesehen werden kann, wenn man sich die Sache überlegt. Das Wissen des Menschen nämlich ist, insofern es Wissen auf dem physischen Plane ist, etwas außerordentlich Trügerisches, wirklich etwas außerordentlich Trügerisches; denn der Mensch weiß ja auf dem physischen Plane wirklich gar nichts anderes als die Tatsachen und die Zusammenhänge, die er beobachtet. Das ist, während es für den gewöhnlichen Wissenschafter oder für den materialistisch gesinnten Menschen das ganze Um und Auf ist dessen, was er Realität nennt, das wenigste, wenn man das Seelenleben in seiner Ganzheit ins Auge faßt.
[ 10 ] Here, however, we must touch upon something that—I would say—is not easily believed, although it can be understood if one thinks it through. For human knowledge, insofar as it is knowledge on the physical plane, is something extraordinarily deceptive, truly something extraordinarily deceptive; for on the physical plane, human beings really know nothing other than the facts and the relationships they observe. While this is the be-all and end-all of what the ordinary scientist or the materialistically minded person calls reality, it is the least of it when one considers the life of the soul in its entirety.
[ 11 ] Ich will Ihnen ein scheinbar paradoxes Beispiel sagen; aber wir können uns ja an das Wort Schopenhauers erinnern, daß die Wahrheit erröten muß, weil sie paradox ist. Der Mensch weiß Tatsachen und kombiniert die Tatsachen. Er weiß, nun ja: Es ist halb acht Uhr. Da ist er weggegangen von seinem Hause, hat diese oder jene Straße überschritten. Um acht Uhr ist er da oder dort angekommen. So etwas weiß er durch die Sinneswahrnehmung, so etwas weiß er durch, sagen wir, Verstandeskombination; aber nicht weiß er in den meisten Fällen, warum er nicht um zwei oder drei Minuten früher oder später weggegangen ist. Die wenigsten Menschen werden sich Gedanken darüber machen, wenn sie da oder dort um drei oder vier Minuten früher oder später weggehen; aber das kann etwas ausmachen. Ich will ein groteskes Beispiel wählen — aber Beispiele im Kleinen von solcher Art kommen immer im Leben vor —, das Beispiel, daß der Mensch drei Minuten sich verspätet habe. Wäre er um acht Uhr pünktlich weggegangen, so wäre er, sagen wir, wirklich an etwas gekommen, was ihn überfahren, getötet hätte. Er ist nicht getötet worden, weil er sich um drei Minuten verspätet hat. In dieser grotesken Weise wird es seltener vorkommen, aber solches in mehr oder weniger wirklich realer Art kommt immer und immer wieder im Leben vor, nur wissen es die Menschen nicht. Sein Karma hat ihn beschützt vor dem Tode, indem er drei Minuten später weggegangen ist. Nun könnte das unbedeutend, gleichgültig erscheinen, aber es ist nicht gleichgültig; denn denken Sie sich einmal, daß der Mensch nur dadurch gleichgültig ist für eine solche Sache, daß er sie nicht weiß: in dem Augenblick, wo er sie wüßte, wäre er gar nicht gleichgültig. Wenn Sie wüßten: ich bin drei Minuten später weggegangen, als ich wollte; wäre ich zur rechten Zeit weggegangen, dann wäre ich tot — dann wäre es nicht gleichgültig für Sie, dann würde es einen mächtigen Eindruck auf Ihre Seele machen, dann würde eine tiefe Wirkung ausgehen von diesem Wissen auf Ihre Seele. Erinnern Sie sich nur, wenn wirklich so etwas vorkommt, welche Bedeutung das für das Seelenleben hat. Heißt denn das aber etwas anderes als: der Mensch geht eigentlich fortwährend mit fest verbundenen Augen durchs Leben? Das tut er nämlich. Er weiß das, was äußerlich vorgeht, er weiß aber nicht, wenn die Dinge ein wenig anders wären, was mit ihm alles geschehen wäre. Das heißt, dieses Wissen von den Möglichkeiten entzieht sich den Seelenkräften. Die Seele lebt gleichgültig dahin, während sie durch Wissen erschüttert, gehoben werden könnte, durch Wissen von den Möglichkeiten. Also dadurch, daß der Mensch das wenigste weiß von den Zusammenhängen, die da sind, nur das weiß, was eben durch die Umstände herauskommt, dadurch ist das Seelenleben des Menschen arm, dadurch drückt sich in diesem Seelenleben nicht das aus, was sich sonst ausdrücken würde. Vielleicht würde man überhaupt nicht leicht auf einen scheinbar so paradoxen Satz kommen, wie er jetzt ausgeführt worden ist, wenn nicht die Untersuchungen des Lebens nach dem Tode einen sozusagen mit der intellektuellen Nase darauf stoßen würden; denn unter dem Mancherlei, was auftritt in der Seele, ist das, was eben jetzt charakterisiert worden ist als nicht zum Bewußtsein kommend. Stark tritt vor die Seele des Menschen nach dem Tode vieles, wovon er während des Lebens keine Ahnung gehabt hat; stark tritt vor die Seele: Da warst du in Lebensgefahr, da hast du dir ein Glück verscherzt, da warst du bequem, und wenn du nicht bequem gewesen wärest, so hättest du dies oder jenes erreicht, dies oder jenes Gute bewirken können. Eine ganze Welt von Nichterlebtem tritt nach dem Tode einem entgegen. Was dem Materialisten lächerlich erscheint im physischen Leben, das wird nach dem Tode Realität, das wird Wirklichkeit, wahre Wirklichkeit. So daß man sagen muß: man lernt allerdings von dem, was um einen herum ist und im Leben nicht zum Ausdruck kommt, nach dem Tode eine ganze Welt kennen.
[ 11 ] I’d like to give you an example that seems paradoxical; but we can recall Schopenhauer’s words that the truth must blush because it is paradoxical. A person knows facts and combines them. He knows, well: it is half past seven. He left his house and crossed this or that street. At eight o’clock he arrived here or there. He knows such things through sensory perception; he knows such things through, let’s say, intellectual combination; but in most cases he does not know why he did not leave two or three minutes earlier or later. Very few people will give it a second thought if they leave three or four minutes earlier or later; but that can make a difference. I’ll choose a grotesque example—though small-scale examples of this kind always occur in life—the example that a person was three minutes late. If he had left punctually at eight o’clock, he would, let’s say, have actually encountered something that would have run him over and killed him. He was not killed because he was three minutes late. In this grotesque way, it will happen less frequently, but such things, in a more or less real sense, occur time and again in life; it’s just that people are unaware of it. His karma protected him from death by causing him to leave three minutes later. Now this might seem insignificant, indifferent, but it is not indifferent; for just imagine that a person is indifferent to such a thing only because he does not know it: the moment he knew it, he would not be indifferent at all. If you knew: I left three minutes later than I intended; had I left at the right time, I would be dead—then it would not be indifferent to you, then it would make a powerful impression on your soul, then this knowledge would have a profound effect on your soul. Just remember, when something like this actually happens, what significance it has for the life of the soul. But does that mean anything other than: that human beings actually go through life with their eyes firmly bound? For that is precisely what they do. They know what is happening externally, but they do not know what would have happened to them if things had been just a little different. That is to say, this knowledge of possibilities eludes the powers of the soul. The soul drifts along indifferently, while it could be shaken and uplifted by knowledge—by knowledge of possibilities. Thus, because human beings know so little of the connections that exist, knowing only what circumstances happen to reveal, the life of the human soul is impoverished; consequently, what would otherwise be expressed does not find expression in this soul life. Perhaps one would not easily arrive at a seemingly paradoxical statement such as the one just made, were it not for the fact that investigations into life after death, so to speak, point one’s intellectual nose toward it; for among the manifold things that arise in the soul is that which has just been characterized as not coming to consciousness. Much comes strongly before the human soul after death of which one had no inkling during life; much comes strongly before the soul: There you were in mortal danger, there you forfeited your good fortune, there you were complacent, and if you had not been complacent, you would have achieved this or that, could have brought about this or that good. A whole world of the unlived comes to meet one after death. What appears ridiculous to the materialist in physical life becomes reality after death; it becomes reality, true reality. So that one must say: one does indeed come to know, after death, a whole world of what is around one and does not find expression in life.
[ 12 ] Sind denn nun diese Dinge gar nicht da, von denen hier die Rede ist? Nehmen wir einmal den Fall an: Nun gut, wir sind drei Minuten später von unserem Hause weggegangen, als wir wollten, sind dadurch dem Tod entgangen. Wir wissen das gar nicht. Daß wir es nicht wissen als Menschen, das macht eben nur für den Materialisten etwas aus. Der gescheite Mensch weiß, daß es darauf nicht ankommt, ob er etwas davon weiß oder nicht. Der gewöhnlich gescheite Mensch weiß, daß sich die Dinge nicht kümmern um sein Wissen, sondern daß sie da sind auch ohne sein Wissen. Der Kräftezusammenhang, das Gegeneinanderwirken der Kräfte war da. Es war vielleicht die Eisenbahn da, die uns hätte überfahren können; wir waren auch da, alle Vorbereitungen waren da zu unserem Tode. Die Kräfte haben zueinander gewirkt, sie haben nur aneinander vorbei gewirkt; aber sie haben sich zusammengedrängt. Solches ist viel in unserer Umgebung um uns herum im Leben. Da ist es. Wir nehmen es nicht wahr, aber es ist um uns herum. Wenn nun die Menschen nach der Bestimmung unseres Zeitenzyklus, nach der in die Zukunft hineingehenden Menschheitsevolution, nach und nach Verständnis gewinnen werden für die spirituelle Welt, dann wird das, was ja allerdings für die sinnliche Auffassung und den Verstand nicht da sein kann, aber doch in unserer Umgebung ist, es wird in einer gewissen Weise auf uns wirken. Und hier kommen wir auf eine außerordentlich interessante Tatsache. Nehmen wir an, die Sache lag wirklich so wie geschildert, daß wir dem Tode entgangen wären dadurch, daß wir uns drei Minuten verspätet haben: der Materialist, der spürt gar nichts davon; derjenige Mensch, der sich nach und nach — heute ist die spirituelle Wissenschaft noch im Anfang ihrer Entwickelung — Verständnis verschafft in seinem Herzen für solche Zusammenhänge, bei dem verändert sich wahrhaftig die Seele. Er geht dann, wenn er sich Verständnis verschafft hat für diese spirituelle Wissenschaft, wenn er eine Weile in ihr gelebt und nicht bloss ein äußeres Verständnis gewonnen hat, sondern wenn sie Inhalt seiner Seele geworden ist, wenn er mit ihren Begriffen und Gefühlen und so weiter lebt, vielleicht auch drei Minuten später weg, entgeht dem Tode — aber in dem Momente, wo der Tod hätte kommen können, wenn die Umstände anders gewesen wären, da spürt er etwas, da fühlt er etwas in sich. Fühlen lernen nach Möglichkeiten, das wird sich ergeben, wenn die Anthroposophie Lebenssaft der Seele werden wird.
[ 12 ] So are the things we’re talking about here not there at all? Let’s take this example: All right, we left our house three minutes later than we intended, and as a result, we escaped death. We don’t know that at all. The fact that we, as human beings, don’t know it matters only to the materialist. The intelligent person knows that it doesn’t matter whether they know about it or not. The generally intelligent person knows that things don’t care about their knowledge, but that they exist even without their knowledge. The interplay of forces, the interaction of forces, was there. Perhaps the train was there that could have run us over; we were there too, all the conditions were in place for our death. The forces interacted with one another; they merely passed each other by; but they converged. Such things are common in our surroundings, all around us in life. There it is. We do not perceive it, but it is all around us. Now, if people, in accordance with the destiny of our cycle of time, in accordance with the evolution of humanity moving into the future, gradually gain an understanding of the spiritual world, then that which, admittedly, cannot be there for sensory perception and the intellect, but which is nevertheless in our surroundings, will in a certain way have an effect on us. And here we come to an extraordinarily interesting fact. Let us suppose that the situation was really as described, that we had escaped death by being three minutes late: the materialist feels nothing of it; but for the person who, little by little—spiritual science is still in its infancy today—gains an understanding in his heart of such connections, his soul is truly transformed. He then, once he has gained an understanding of this spiritual science, once he has lived within it for a while and has not merely gained an external understanding, but once it has become the content of his soul, once he lives with its concepts and feelings and so on, perhaps also leaves three minutes later, escapes death—but at the very moment when death could have come, had the circumstances been different, then he senses something, he feels something within himself. Learning to feel according to one’s possibilities—this will come about when anthroposophy becomes the lifeblood of the soul.
[ 13 ] Und was werden wir zum Beispiel durch so etwas nach und nach fühlen können, wenn die menschliche Natur sich zu geisteswissenschaftlichem Verständnis wird durchgerungen haben? Nun, wir werden durch solch einen Moment, wo etwas hätte geschehen können, was mit uns im Zusammenhang steht, zu einer Art von zeitweiligem Medium werden — nach den Definitionen, die ich in meinen öffentlichen Vorträgen gegeben habe —, in einen kurz dauernden medialen Zustand kommen, indem wir in die Lage kommen, hereinscheinen zu lassen die geistige Welt in unser Bewußtsein. Solche Momente können die fruchtbarsten sein für den Menschen, wenn nun die Toten auf ihn hereinwirken, wenn er etwas bewußt wissen soll über die Toten. Momente von ungeschehenen Tatsachen, die mit uns zusammenhängen in solcher Weise, wie es geschildert worden ist, solche Momente, die mit uns zusammenhängen, die werden in gewisser Weise Erwecker für Eindrücke aus der geistigen Welt heraus. Die ganz eigentümliche Art eines ahnungsvollen Lebens wird sich gerade dadurch in den Seelen derer entwickeln, welchen Geisteswissenschaft nahetritt im Leben; dies aus dem Grunde, weil ja die Menschheit wirklich in Evolution ist und nur ein ganz kurzverständiger Mensch glauben kann, das Menschengeschlecht sei über alle Zeiten hin mit denselben Seelenkräften behaftet. Die seelischen Kräfte ändern sich, und so wahr der Mensch heute vorzugsweise veranlagt ist, äußerlich wahrzunehmen und das Wahrgenommene denkend zu verarbeiten, so wahr wird er durch solche Verhältnisse, wie sie nun geschildert worden sind, sich hinein entwickeln in ein Zeitalter, in dem psychisch-spirituelle Kräfte ausgebildet werden. Also ist auch in dieser Weise Aussicht vorhanden, daß die Geisteswissenschaft eine Lebensmacht werden wird, die stark gestaltend eingreifen wird in das Leben. Vorhin haben wir gesehen, wie eine Wirkung ausgeübt werden kann von dem physischen Plan aus hinauf in das Leben nach dem Tode; jetzt sehen wir, wo Tore oder Fenster geschaffen werden können, damit das, was die Toten erleben, geschaut werden kann hier im physischen Leben. — Ich wollte Ihnen damit auch einen Begriff geben davon, wie sozusagen die Gelegenheiten sich bilden der Kommunikation der beiden Welten.
[ 13 ] And what, for example, will we gradually be able to sense through such things once human nature has brought itself to embrace an understanding of the Spiritual Science? Well, through such a moment—when something could have happened that is connected to us—we will become a kind of temporary medium—according to the definitions I have given in my public lectures—and enter a brief mediumistic state in which we are able to allow the spiritual world to shine into our consciousness. Such moments can be the most fruitful for human beings when the dead now influence them, when they are to know something consciously about the dead. Moments of unhappened events that are connected to us in the manner described, such moments that are connected to us, become in a certain way catalysts for impressions from the spiritual world. The very peculiar nature of a life imbued with a sense of the unseen will develop precisely in this way in the souls of those whom Spiritual Science touches in life; this is because humanity is truly in a state of evolution, and only a very narrow-minded person can believe that the human race has been endowed with the same soul forces throughout all ages. The soul forces are changing, and just as true as it is that human beings today are primarily predisposed to perceive the external world and to process what they perceive through thought, so true is it that through circumstances such as those just described, they will develop into an age in which psychic-spiritual forces are cultivated. Thus there is also the prospect that Spiritual Science will become a life force that will intervene powerfully and creatively in life. Earlier we saw how an effect can be exerted from the physical plane upward into life after death; now we see where gates or windows can be created so that what the dead experience can be perceived here in physical life. — I also wanted to give you an idea of how, so to speak, the opportunities for communication between the two worlds arise.
[ 14 ] In dieser Beziehung wird ja ungeheuer viel gesündigt in der Verbreitung von allerlei kuriosen Lehren und namentlich manchmal kuriosen Praktiken. Während der, welcher mit solchen Dingen bekannt ist, weiß, daß, wenn er mit irgendeinem Toten zusammenkommen will, erst eine Gelegenheit geschaffen werden muß — ich sehe jetzt ab von solchen Gelegenheiten, die auf medialem Wege zustandekommen —, eine Gelegenheit, daß sich gleichsam das Fenster zu dem Toten öffnet, gibt es ja viele leichtsinnige Menschen, denen mitgeteilt wird, daß der oder jener etwas wissen will von einem Gestorbenen, sehr bald, nach wenigen Stunden, einem sagen: Ich habe mit ihm gesprochen, es geht ihm gut. — Ich habe das nicht wenige Male erlebt, daß das vorgekommen ist. Das ist auch so etwas, was das Kapitel vom Autoritätswahn berührt und all dem Unfug, der damit getrieben wird.
[ 14 ] In this regard, there is indeed a great deal of sin involved in the dissemination of all sorts of curious teachings and, in particular, sometimes curious practices. Whereas those familiar with such matters know that if one wishes to communicate with a deceased person, an opportunity must first be created—I am not referring here to such opportunities that arise through mediumistic means— an opportunity for the window to the deceased to open, as it were—there are, after all, many reckless people who are told that so-and-so wants to know something from a deceased person, and very soon, after just a few hours, they say: I spoke with him; he is well. — I have witnessed this happen on more than a few occasions. This is also something that touches on the chapter about the delusion of authority and all the nonsense that is perpetrated in connection with it.
[ 15 ] Aber ein anderes können Sie daraus noch sehen: Sie können daraus ersehen — weil ja die Kamalokasphäre im wesentlichen im Astralraum ist —, wie mit der astralischen Welt zusammenhängt die Welt der Möglichkeiten; die Welt nicht dessen, was hier in der physischen Welt geschieht, sondern was geschehen könnte. Und das bitte ich Sie, machen Sie geradezu zum Gegenstand einer Art Meditation, daß das, was möglich ist in der physischen Welt, aber nicht wirklich wird, daß das eine Art Atmosphäre, eine Art Kommunikationsatmosphäre für den astralen Raum abgibt.
[ 15 ] But there is something else you can see from this: You can see—since the Kamaloka sphere is essentially located in the astral realm—how the world of possibilities is connected to the astral world; not the world of what actually happens here in the physical world, but of what could happen. And I ask you to make this the very subject of a kind of meditation: that what is possible in the physical world but does not actually come to pass creates a kind of atmosphere, a kind of communicative atmosphere for the astral realm.
[ 16 ] Von all den vielen Dingen, die zu sagen wären über das Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt und von denen wir ja manches im Laufe der nächsten Zeit kennenlernen werden, sei heute nur noch das eine erwähnt: Im Laufe des Lebens zwischen Geburt und Tod finden wir ja vorzugsweise, daß in der Seele dreierlei, sagen wir Kräfte zum Ausdruck kommen: die Denkkräfte, die Gefühlskräfte und die Willens- und Wunschkräfte. Die Denkkräfte, die intellektuellen Kräfte so, daß wir ein wenig heller oder weniger hell sind, die Gemüts- oder Gefühlskräfte so, daß wir mehr oder weniger mitleidsvoll oder hartherzig sind, mehr oder weniger religiös oder irreligiös veranlagt sind, die Wunsch- und Willenskräfte so, daß unsere Taten mehr oder weniger egoistisch oder unegoistisch sind. So kommen diese dreierlei Arten von Seelenkräften zwischen Geburt und Tod zur Geltung. Für das Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt haben diese verschiedenen Seelenkräfte eine ganz verschiedene Bedeutung. Nehmen wir zuerst die intellektuellen Kräfte. Wozu, so können wir uns fragen, verhelfen sie uns nach dem Tode? Die intellektuellen Kräfte verhelfen uns nach dem Tode dazu, unsere Bewußtheit, das bewußte Durchleben der Zeit zwischen dem Tod und einer neuen Geburt besonders hell zu machen, so daß, je mehr wir uns Mühe geben in dem physischen Leben, erstens klar und zweitens richtig und wahrhaftig zu denken, je mehr wir uns Mühe geben, uns mit spirituellen Tatsachen in rechtmäßiger Weise bekanntzumachen, unser Bewußtsein desto mehr sich aufhellt zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, so daß — und ich will da gleich das Konkrete schildern — ein Mensch, der unwahrhaftig ist in bezug auf seine intellektuellen Eigenschaften, der kein besonderes Interesse hat, aus der Wahrhaftigkeit heraus mit den geistigen Verhältnissen bekanntzuwerden, die man. nur durch Erkenntnis erreichen kann, zwar nach dem Tode ein Bewußtsein entwickeln wird, aber ein Bewußtsein, das sich langsam herabdämpfen wird. Und nun ist das Eigentümliche dies, daß das Herabdämpfen des Bewußtseins nach dem Tode verursacht, daß wir eine gewisse Zeit schneller durchlaufen, das heißt, wir laufen schneller in der geistigen Welt, wenn wir mehr schlafend sind, als ordentlich wachend. Wenn also einer stumpf ist gegen alles, was intellektuelle Kräfte sind, so bleibt er eine Zeit nach dem Tode bewußt, aber dann kann er das Bewußtsein nicht mehr aufrechterhalten; seine Dumpfheit bewirkt einen Dämmerzustand, und dann verläuft das übrige Leben rasch, und er kommt verhältnismäßig bald ins irdische Leben zurück.
[ 16 ] Of all the many things that could be said about life between death and a new birth—and of which we will certainly learn more in the coming days—let us mention just one today: In the course of life between birth and death, we find that three kinds of forces, so to speak, are expressed in the soul: the powers of thought, the powers of feeling, and the powers of will and desire. The powers of thought, the intellectual powers, such that we are more or less intelligent; the powers of feeling, such that we are more or less compassionate or hard-hearted, more or less religious or irreligious in disposition; the powers of desire and will, such that our actions are more or less selfish or unselfish. Thus, these three kinds of soul forces come into play between birth and death. For the life between death and a new birth, these various soul forces have a very different significance. Let us first consider the intellectual forces. What, we might ask, do they help us with after death? The intellectual powers help us after death to make our consciousness—the conscious experience of the time between death and a new birth—particularly clear, so that the more we strive in physical life, first, to think clearly, and second, to think correctly and truthfully, the more we strive to familiarize ourselves with spiritual facts in a proper manner, the more our consciousness brightens between death and a new birth, so that—and I will describe the concrete case right away—a person who is untruthful regarding their intellectual qualities, who has no particular interest in becoming acquainted with spiritual conditions out of truthfulness, which one can only be reached through knowledge—will indeed develop a consciousness after death, but a consciousness that will gradually fade away. And now the peculiar thing is that the fading of consciousness after death causes us to pass through a certain period of time more quickly; that is, we move more quickly through the spiritual world when we are more asleep than properly awake. So if someone is dull to all intellectual powers, they remain conscious for a time after death, but then they can no longer sustain that consciousness; their dullness brings about a twilight state, and then the remainder of their life passes quickly, and they return to earthly life relatively soon.
[ 17 ] Anders verhält es sich für die Kräfte, die den Willen und Wunsch betreffen. Diese Kräfte verhelfen uns dazu, starke oder schwache Kräfte herauszuziehen aus den makrokosmischen Verhältnissen in der Zeit zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, wie wir sie brauchen zum Aufbau unseres nächsten Lebens. Kommt man durch unmoralische Seelenstimmung in solche Verhältnisse, wie wir sie geschildert haben, so kann man die nötigen Kräfte nicht herausziehen, die den astralischen- oder Ätherleib ordentlich aufbauen sollen; die werden dann verkümmert sein. Man wird schwächlich sein und dergleichen. Moralität ist also das, was uns dazu befähigt, die Kräfte, die wir brauchen für die folgende Inkarnation, aus der höheren Welt herauszuziehen. So hängen Intellektualität und Moralität eng mit dem zusammen, was aus dem Menschen sozusagen durch seinen Aufenthalt zwischen dem Tode und einer neuen Geburt in der übersinnlichen Sphäre wird. Die Gemüts- oder Gefühlskräfte, gewissermaßen die innersten Kräfte der menschlichen Seele, die treten uns in der entsprechenden Zeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt objektiv entgegen; die sind außer uns. Das ist sehr bedeutungsvoll. Ein Mensch, der liebe- und mitleidsfähig ist, der durchlebt das Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt so, daß ihm die lebensfördernden, seligmachenden, starkmachenden Bilder, die dem Mitleid entsprechen, als seine Umwelt, als das, in dem er sich befindet, vor die Seele tritt. Dem Hasser treten die Bilder des Hasses vor die Seele, Wie wir sind in unserem Innersten, wir schauen es in gewisser Zeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt als Weltengemälde außer uns. Es gibt keinen so guten Maler, als es die Kräfte sind zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Für die innersten Seelenkräfte unseres Gemütes ist unser Firmament dasjenige, was wir zwischen dem Tod und einer neuen Geburt schauen, so wie wir das Himmelsfirmament sehen hier auf Erden. Es ist unser Firmament zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Es ist immer bei uns. Es hängt damit zusammen, daß wir, wenn wir in das Innerste unserer Seele so, wie es vorgestern erwähnt worden ist, das Mysterium von Golgatha aufgenommen haben, wenn wir uns ein Verständnis für das Paulinische Wort erworben haben: «Nicht ich, sondern der Christus in mir», wenn wir den Christus in uns erleben, dann haben wir während des Sonnenseins die Möglichkeit, das, was da erwähnt worden ist als Akasha-Bilderwelt um uns herum, den Christus in seiner schönsten, großartigsten Gestalt, wie man sagt, in seiner Offenbarungsglorie zu schauen wie das Element, in dem wir leben und weben. Dieser Gedanke braucht nicht bloß eine egoistische Bedeutung zu haben, sondern er kann eine ganz sachliche Bedeutung haben. Denn das, was wir da als Gemälde ausgebreitet finden, das nehmen wir beim Weitergang wiederum in unsere Seele auf und bringen es in die nächste Inkarnation und machen uns dadurch nicht nur zu einem besseren Menschen, sondern zu einer besseren Kraft in der Erdenentwickelung.
[ 17 ] The situation is different for the forces that pertain to the will and desire. These forces help us draw strong or weak forces from the macrocosmic conditions during the time between death and a new birth, as we need them to build our next life. If one enters such conditions—as we have described—through an immoral state of mind, one cannot draw out the necessary forces to properly build up the astral or etheric body; these will then be stunted. One will be feeble and the like. Morality is thus what enables us to draw from the higher world the forces we need for the following incarnation. Thus, intellectuality and morality are closely connected with what becomes of the human being, so to speak, through their sojourn in the supersensible sphere between death and a new birth. The powers of feeling, so to speak the innermost powers of the human soul, objectively confront us during the corresponding time between death and a new birth; they are outside of us. This is very significant. A person capable of love and compassion experiences the life between death and a new birth in such a way that the life-affirming, bliss-inducing, strengthening images corresponding to compassion appear before the soul as their environment, as that in which they find themselves. For the hater, the images of hatred appear before the soul. As we are in our innermost being, we see it at a certain time between death and a new birth as a world-picture outside of us. There is no painter as good as the forces between death and a new birth. For the innermost soul forces of our mind, our firmament is that which we behold between death and a new birth, just as we see the firmament of the heavens here on earth. It is our firmament between death and a new birth. It is always with us. It is connected to the fact that, when we have taken in the Mystery of Golgotha into the innermost depths of our soul, as was mentioned the day before yesterday, when we have gained an understanding of the Pauline word: “Not I, but Christ in me”—when we experience Christ within us, then during the time of the Sun we have the opportunity to behold what has been mentioned as the Akashic world of images around us, Christ in his most beautiful, most magnificent form, as it were, in his glory of revelation, as the element in which we live and move. This thought need not have merely an egoistic meaning, but it can have a very objective meaning. For what we find spread out there as a painting, we take back into our soul as we move on and carry it into the next incarnation, thereby making ourselves not only better human beings but a better force in the development of the Earth.
[ 18 ] So hängt das, was wir an unserem Gemüt arbeiten, geradezu mit unseren Fähigkeiten in dem nächsten Leben innig zusammen, und wir haben wiederum gleichsam die Technik kennengelernt, wie sich unsere Gemütskräfte als großer Weltenteppich, als Weltenfirmament um uns herum bilden zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, um dann wiederum in uns zu sein in entsprechender Weise mit stärkerer Kraft als im vorhergehenden Leben: denn alles verstärkt sich dadurch, daß man, was man in einem Leben innerlich durchlebt hat, in der Zwischenzeit zwischen dem Tod und einer neuen Geburt um sich schaut und dadurch sich mit dem Erlebten stärker macht, all die Kräfte noch entwickelt, die aus dem lebendigen Schauen hervorgehen.
[ 18 ] Thus, what we work on in our soul is intimately connected with our abilities in the next life, and we have, as it were, come to know the process by which our soul forces form around us—like a vast cosmic tapestry, like the firmament of the world—between death and a new birth, only to be within us again in a corresponding way, with greater power than in the previous life: for everything is strengthened by the fact that, in the interval between death and a new birth, one looks around at what one has experienced inwardly in a life, thereby fortifying oneself with that experience and further developing all the powers that arise from this living observation.
[ 19 ] So haben wir wiederum einiges besprochen von den Dingen, die so unendlich wichtig sind, über die Verhältnisse zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, die wichtig sind aus dem Grunde, weil wir ja im Leben auf der Erde doch nichts anderes sind als das, was das Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt aus uns gemacht hat, und weil wir zu einer wirklichen Erkenntnis unseres eigenen Wesens und deshalb auch zu einem wirklichen Tun und Handeln und Denken in der Menschenzukunft immer weniger werden kommen können, wenn wir unberücksichtigt lassen das, was in einer spirituellen Welt zwischen dem Tod und einer neuen Geburt vorgeht. Diese Betrachtungen sind ein Teil ausgebreiteter Dinge, die da gesagt werden können über das Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Ich wollte zunächst einmal einen Anfang machen mit dem, was ja auf die eine oder andere Weise in der nächsten Zeit immer mehr und mehr zum Inhalt der Geisteswissenschaft werden soll.
[ 19 ] So we have once again discussed some of the things that are so infinitely important—the relationship between death and a new birth—which are important for the simple reason that, in our life on Earth, we are nothing other than what life between death and a new birth has made of us, and because we will be less and less able to attain a true understanding of our own being—and therefore also to engage in genuine action, conduct, and thought in the future of humanity—if we fail to take into account what takes place in the spiritual world between death and a new birth. These reflections are part of a broader discussion of what can be said about life between death and a new birth. I wanted to begin, first of all, with what, in one way or another, is to become more and more the subject matter of Spiritual Science in the near future.
