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Occult Studies on Life Between Death and Rebirth
GA 140

16 February 1913, Tübingen

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10. Anthroposophie als Empfindungs- und Lebensgehalt. Andacht und Ehrfurcht vor dem Verborgenen

10. Anthroposophy as the Quickener of Feeling and of Life

[ 1 ] Wenn wir in unseren anthroposophischen Betrachtungen zuweilen innehalten und uns dann fragen: Was treibt uns in eine solche spirituelle Bewegung, wie es die unsrige ist, hinein? —-, dann können wir uns natürlich von den verschiedensten Gesichtspunkten aus eine Antwort auf diese Fragen geben. Einer derjenigen Gesichtspunkte, welcher am meisten unserem Gefühl, unserer Empfindung entsprechende Antwort geben kann, das ist — obwohl nicht der einzige, so doch der wichtigste Gesichtspunkt: die Betrachtung des Lebens, welches die Menschenseele verlaufen fühlt zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Die Ereignisse, die sich abspielen in der langen Zeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, sind wahrhaftig nicht geringer als die Ereignisse zwischen der Geburt und dem Tode; und wir können immer nur einzelne dieser wichtigen Ereignisse, die wir durchzumachen haben, herausheben. Aber man möchte sagen, wo man auch dieses Leben zwischen Tod und einer neuen Geburt betrachtet, überall überzeugt es uns davon, wie die Menschheit einer Zeit entgegenleben muß, in der sie etwas weiß und fühlt von den übersinnlichen Welten.

[ 1 ] If we pause in our anthroposophical considerations and raise the question of what attracts us to such a spiritual movement as our own, then naturally we can provide an answer from a variety of aspects. One of the most important aspects that engages our feelings most deeply, though not the only one, is the consideration of the life of the human soul between death and a new birth. In fact, the happenings that occur during the long period between death and rebirth are truly not less significant than the events between birth and death. We can consider now only a few of the most important events that we experience. But one may add that in such considerations one has the profound conviction that humanity is approaching a period when it must know and experience something of super-sensible worlds.

[ 2 ] Nun wollen wir gleich sozusagen in das Bestimmte, das Konkrete hineingehen. Wenn sich dem Seher, der die Möglichkeit hat, das Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt zu betrachten, folgender Anblick bietet, so kann schon dieser Anblick ihm die dringende Pflicht auferlegen, für die Erkenntnis der spirituellen Welt zu wirken. Ein Mensch ist hingestorben. Der Seher sucht ihn auf, sucht ihn zu schauen einige Zeit, nachdem der betreffende Mensch durch die Pforte des Todes gegangen ist. Auf diejenige Art, durch die man sich mit den Toten verständigt, kann man folgendes von dem Toten vernehmen - es ist nun ein ganz bestimmter Fall. Er sagt: Da habe ich zurückgelassen meine Frau, ich weiß, sie ist noch unten in der physischen Welt. — Selbstverständlich wird das nicht mit physischen Worten gesagt. — Als ich mit ihr zusammenlebte in der physischen Welt, da war sie, nachdem ich von morgens bis abends meinem Geschäfte obgelegen hatte, jederzeit mein Sonnenschein, da war jedes Wort, das sie aussprach, mir beseligend; und es war so, daß ich mir nicht denken konnte, daß ich dieses Leben überhaupt hätte leben mögen, wenn es nicht immerfort durchsonnt worden wäre von dieser meiner Lebensgefährtin. Dann ging ich durch die Pforte des Todes und ließ sie zurück; und jetzt sehne ich mich zurück, jetzt fühle ich, daß dies mir alles fehlt, ich suche mit der sehnenden Seele einen Weg zu finden zu dieser meiner Lebensgefährtin. Aber ich finde diese Seele nicht, ich kann nicht durchdringen zu ihr, es ist, wie wenn sie nicht da wäre. Und wenn ich zuweilen eine Ahnung bekomme, fühle, als ob sie da wäre, als ob ich in ihrer Nähe wäre, dann ist sie wie stumm, so daß ich es nur vergleichen kann mit dem Gegenüberstehen zweier Menschen, von denen der eine haben möchte, daß der andere zu ihm einige Worte spreche, der andere aber ist stumm und kann nichts sagen. So ist mir die Seele stumm geworden, die für mich so beseligend war lange Zeit des physischen Lebens. — Nun, sehen Sie, wenn man nachforscht, was einer solchen Tatsache zugrunde liegt, da bekommt man zur Antwort: Es gibt da eben keine gemeinsame Sprache zwischen dem Hingestorbenen und dem zurückgebliebenen Lebenden. Es gibt nichts, was die Seele mit jener Substanz durchdringen könnte, durch die sie wahrnehmbar bleibt. Weil keine gemeinsame Sprache da ist, fühlen sich diese zwei Seelen getrennt.

[ 2 ] Let us broach the matter concretely. When the seer who is able to perceive life between death and rebirth meets the following event, this in itself is sufficient for him to feel it a duty to work towards a cognition of the spiritual world. A person has died. The seer seeks to find him some time after he has passed through the gate of death. In the manner that one can communicate with the dead one may gather the following from him. I am quoting an actual instance, “I have left my wife behind on the earth; I know that she is still there.” Obviously this is not conveyed by means of earthly words. “When I was living with her in the physical world she was always like sunshine to me as I came home from work. I experienced her words like a blessing and I could not have conceived of life without the light-filled presence of my beloved companions. Then I went through the gate of death and left her behind, and now I long to go back. I feel the lack of all I had. Longingly in my soul I seek a path to my life-long companion but I cannot find her. I cannot penetrate into her presence. It is as if she were not there. When from time to time I feel as if she were there, as if I were with her, then she appears unable to speak. It can be compared to two people, one of whom would like the other to say a few words, but the other is dumb and unable to say anything. And so the soul who was a blessing to me during the long span of physical existence has become dumb.” Now if one investigates the basis of such facts one finds the following answer. In this case there is simply no common language between the one who has died and the one who remains on earth. There is nothing that could permeate the soul with that substance by means of which it would remain perceptible. Because there is no common language, these two souls feel severed from one another. This was not always so.

[ 3 ] Es war nicht immer so. Wenn wir weiter zurückgehen in der Menschheitsentwickelung, finden wir, daß die Seelen ein gewisses geistiges Erbgut jener Spiritualität hatten, durch die sie füreinander wahrnehmbar waren, gleichgültig, ob sie hier auf dem physischen Plan sind oder ob die eine hier in der physischen, die andere in der spirituellen Welt ist. Aber jenes alte Erbstück spiritueller Innerlichkeit ist heute aufgezehrt, es ist heute nicht mehr da, und es kann wirklich der schmerzliche Fall eintreten, daß eine Seele, die von der andern so geliebt worden ist, wie eben angedeutet wurde, von der andern Seele nicht mehr gefunden wird jenseits des Todes, weil in der zurückgebliebenen Seele nichts lebt, was wahrgenommen werden kann von der hingestorbenen. Dasjenige nämlich, was wahrgenommen werden kann von der gestorbenen Seele, ist das spirituelle Wissen, Fühlen und Empfinden; das ist der Zusammenhang der Seele hier auf Erden mit der geistigen Welt. Wenn eine solche Seele zurückgelassen wird, die sich hier mit Wissen, mit Erkenntnis der spirituellen Welten befaßt, Gedanken davon durch sich ziehen läßt, dann können diese Gedanken wahrgenommen werden von der hingeschiedenen Seele. Nicht einmal die alten religiösen Empfindungen reichen aus, um der Seele etwas zu geben, was von der andern Seele wahrgenommen werden kann. — Wenn dieser Fall weiter verfolgt werden würde, würde sich für den Seher zeigen, daß auch, wenn beide Seelen dann durch den Tod gegangen sind, sich die hingestorbenen Seelen nur dunkel wahrnehmen können — aber gar nicht oder nur sehr schwierig eine gegenseitige Verständigung herbeiführen können, weil sie keine gemeinschaftliche Sprache führen können.

[ 3 ] If we go back in the evolution of mankind, we find that souls possessed a spiritual inheritance that enabled them to remain perceptible, irrespective of whether they were both on the physical plane or one in the physical and the other in the spiritual world. That spiritual inheritance is exhausted today. It is no longer present, and the painful cases just described occurs where the soul of a loved one cannot be found after death because in the soul of the one who has remained on earth there is nothing that can render it perceptible to the one who has died. What can in fact be seen by the dead is spiritual knowledge, feeling and experience. That is the connection of souls here on earth with the spiritual world. If a soul who has been left behind on earth occupies himself with knowledge of the spiritual worlds, allows such thoughts to cross his mind, then these thoughts can be perceived by the one who has died. The religious feelings of the past are no longer sufficient to give the soul what it needs in order to be perceived by the dead. If he pursues the matter further, the seer discovers that even when these souls have gone through the gate of death, they have but a dim perception of one another. They will only be able to achieve a mutual understanding under considerable difficulty, or not at all, because a common language is lacking.

[ 4 ] Als Seher kommt man darauf, was im tiefern Sinn Anthroposophie ist: sie ist die Sprache, welche allmählich sprechen werden die Lebenden und die Toten, solche, die leben in der physischen Welt, und solche, die leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Die Seelen, die zurückgeblieben sind und die in sich aufgenommen haben Vorstellungen von den übersinnlichen Welten, die können auch von solchen wahrgenommen und geschaut werden, welche hingeschieden sind. Wenn sie Liebe ausgestreut haben vor dem Tode, können sie es auch nach dem Tode tun. Das bringt uns die Überzeugung, daß Anthroposophie eine Sprache ist, welche wahrnehmbar macht, was vorgeht in der Welt des Physischen für die Welt des Übersinnlichen. Ja, das steht der Erdenmenschheit in Aussicht, daß die Seelen immer einsamer werden müssen, keine Brücke mehr zu einander schlagen können, wenn die Seelen nicht das Band werden finden können, das von Seele zu Seele gezogen werden muß durch die Aufnahme spiritueller Begriffe. Das ist die Realität der Anthroposophie, denn sie ist keine bloße Theorie. Das theoretische Wissen ist das Allerwenigste; was wir in uns aufnehmen, ist ein wirkliches Seelenelixier, eine wirkliche Substanz. Durch diese Substanz sieht die Seele, die durch den Tod gegangen ist, jene Seele, die zurückgeblieben ist. Man darf sagen: Der Seher, der dies durchschaut, der einmal eine solche Seele erkennt, die sich sehnt, wahrzunehmen das, was sie zurückgelassen hat auf der Erde, es aber nicht wahrnehmen kann, weil die betreffende Familie noch nicht in die Geisteswissenschaft hineingekommen ist, der Seher, der das geschaut hat, was die Seelen unter solchen Entbehrungen leiden können, der weiß, daß er gar nicht anders kann, als seinen Mitmenschen von der spirituellen Weisheit zu sprechen und die Zeit für gekommen zu erachten, in welcher die spirituelle Weisheit eintreten muß in die Menschenherzen. Das dürfen wir sagen, daß diejenigen, welche aus der Erkenntnis der übersinnlichen Welten selbst die Mission herleiten, zu sprechen über diese übersinnlichen Welten, dies als eine dringende Notwendigkeit fühlen, gegen die sie nie handeln können; das wäre die schwerste Sünde. So fühlen sie die Notwendigkeit, spirituelle Verkündigungen, Offenbarungen über die übersinnlichen Welten zu geben.

[ 4 ] The seer realizes what anthroposophy is in a deeper sense. It is the language that will be spoken by the living and the dead, by those who live in the physical world and those who dwell between death and rebirth. Souls who remain behind and have acquired thoughts about the super-sensible worlds can be seen by the dead. If they have radiated love before death, they can also do so after death. This carries the conviction that anthroposophy is a language that renders it possible for those in super-sensible realms to perceive the events of the physical world. The prospect that stands before humanity is that souls will become even more lonely, will be unable to find a bridge to one another, unless a link is forged from soul to soul by means of spiritual concepts. That is the reality of anthroposophy, for it is not a theory. Theoretical knowledge is of the least importance. What we take into ourselves is a genuine soul elixir, a real substance. This substance enables the soul who has gone through the gate of death to perceive the soul who has remained behind. In fact, the seer who has gained insight into such a situation, where the one who has died cannot find those he has left behind because that family has not connected itself with spiritual science, knows that he can follow no other course than to speak to his fellow men about spiritual wisdom. He sees the sorrow with which the soul is burdened by such a lack of communication. He knows that the time has come when spiritual wisdom must take hold of human hearts. Those whose mission to speak about the super-sensible stems from the knowledge of the spiritual worlds, experience it as an urgent necessity that they cannot counter in any way. It would be the greatest sin if they did so. They feel it a necessity to proclaim revelations about the super-sensible worlds.

[ 5 ] Aus dem, was eben gesagt worden ist, können Sie entnehmen, welch ungeheurer Ernst verknüpft ist mit der Notwendigkeit geistiger Verkündigungen. Es gibt aber auch eine andere Seite der Verständigung der Lebenden mit den Toten. In dieser Beziehung sind wir jedoch noch nicht weit, aber es wird kommen. Um verstehen zu können, wie nach und nach die Lebenden eine Art Verständigung werden erzielen können mit denen, die hingestorben sind, müssen wir folgende Betrachtung anstellen. Der Mensch weiß das Allerwenigste von der physischen Welt. Denn wodurch verschafft er sich sein Wissen von der physischen Welt? Dadurch, daß er seine Sinne gebraucht, seine Phantasie anwendet, daß er empfindet, was ihm in der äußeren Welt entgegentritt. Das ist aber nur der geringste Teil von dem, was die Welt enthält. Sie enthält noch etwas ganz anderes. Ich möchte, daß Sie eine Vorstellung bekommen davon, daß es etwas gibt in der Welt, was viel wichtiger ist als das sinnlich Wirkliche. Ich meine auch nicht die übersinnliche Welt, sondern etwas anderes. Denken Sie sich einmal, Sie seien gewöhnt, jeden Tag acht Uhr morgens in Ihr Geschäft zu gehen; auf einmal bemerken Sie, daß Sie heute drei Minuten später gehen, und siehe da, Sie gehen über einen bestimmten Platz, wo Sie hätten durchgehen müssen durch eine Art von Remise, auf der ein Dach ist, das auf Säulen gestützt ist, und als Sie heute diese drei Minuten später ankommen, wird es Ihnen klar, daß — wären Sie heute rechtzeitig angekommen, also nicht drei Minuten später als gewöhnlich — Sie erschlagen worden wären von dem heruntergestürzten Dach. Malen Sie sich das aus! Es kommt vor, daß ein Mensch einen Eisenbahnzug versäumt, welcher unterwegs einen Zusammenstoß erleidet. Wäre er mit diesem Zuge noch mitgekommen, so wäre er umgekommen. Das sind lauter Dinge, die nicht geschahen, deshalb beachtet sie der Mensch nicht. Wenn Sie ein solches Ereignis vor sich haben, durch das Sie gerade wie mit der Nase darauf gestoßen werden, dann macht es einen bestimmten Eindruck auf Sie. Aber von morgens bis abends können ja immer solche Dinge vorgehen, die Sie alle nicht betroffen haben im Laufe des Tages. Das ist unübersehbar. Das alles sind Dinge, die vielleicht «erspintisiert» aussehen können, sie gehören aber zu den allerwichtigsten Teilen des Lebens. Sie werden eine gewisse Empfindung haben, wenn Sie sehen, sagen wir zum Beispiel einen Menschen in Berlin, der ein Billett hatte für die Titanic; ihn trifft ein Bekannter, der sagt: Ich möchte haben, daß du nicht mit der Titanic fährst! — und er bringt ihn davon ab, mit diesem Schiff zu fahren. Die Titanic geht unter — er ist dem Tode entgangen. Dies macht einen bleibenden Eindruck auf den betreffenden Menschen! — Das ist ein besonderer Fall. Aber solche Dinge können immer wieder passieren, ohne bemerkt zu werden; wenn sie aber bemerkt werden, machen sie einen Empfindungs-, einen Gemütseindruck auf den Menschen.

[ 5 ] From what has just been said you can gather the immense seriousness connected with the proclamation of spiritual revelation. There is, however, yet another aspect to the understanding between the living and the dead. In this connection we have not progressed very far as yet but it will come about. In order to grasp how the living will gradually develop an understanding for the dead, let us consider the following. Man knows little about the physical world. How does he gain knowledge of this world? He makes use of his senses, brings his imagination to bear, has certain sensations conveyed to him by the external world. But that is only the minutest portion of the content of the world. There is something quite other contained in it. I would like you to realize that there is something of far greater importance than sense reality. I do not mean the super-sensible world, but something other than that. Imagine for a moment that you are in the habit of leaving home every morning at eight in order to go to work. One day you suddenly notice you are leaving three minutes later. You go through a particular place where there is kind of overhand, the roof of which is supported by pillars. When you arrive there three minutes later than usual you realize that if you have arrived on time, you would have been crushed by the falling roof. Imagine this quite vividly! It does happen that a person misses a train that is later involved in an accident. Had he caught the train he would have been killed. When such things do not occur we pay no attention to them. If you become dramatically aware of such an occurrence, it makes a certain impression on you. Similar things, which fail to strike you in the course of the day, can happen from morning till night. They cannot be surveyed. Such occurrences may appear as “clever conjecture,” and yet they belong to the most important aspects of life. To take another example, you gain a particular feeling when you consider that a man in Berlin had already got his ticket for the Titanic. He meets a friend who urges him not to sail on the Titanic. The friend succeeds in persuading him not to sail on this ship. The Titanic sinks, and he escapes from death. This makes a lasting impression on the person concerned! That is a special case, and yet such things are happening all the time without being noticed. When one does become aware of them they make an impression on the heart and mind.

[ 6 ] Betrachten wir aber die Sache von einer andern Seite: Wieviel Gemüts-, Empfindungseindrücke entgehen uns dadurch, daß wir nicht beachten, wovor wir bewahrt werden! Wenn wir das alles beachten könnten, was nahe daran ist zu geschehen, und woran wir vorbeigehen, würden wir mit ganz anderem Gemüt durch die Welt ziehen. Nun entdeckt der Seher folgende Möglichkeit: Nehmen Sie an, die Sache ist Wirklichkeit. Sie kämen drei Minuten später als gewöhnlich über den Platz. In diesem Augenblick ist der günstigste Moment, wo ein sich vernehmbar machen wollender Toter in Ihre Seele hereinspricht. Sie können den Gedanken, die Empfindung haben: Woher kommt das, was auftaucht in meiner Seele? Das braucht nicht bloß bei einem solchen besonderen Vorgang der Fall zu sein, es kann in mannigfacher Weise geschehen. Es wird beginnen, wenn die Menschen anfangen werden, auch die Welt des Möglichen zu beachten und nicht nur die Welt des Wirklichen. Heute wird nur die Welt des Wirklichen betrachtet. Wirklich sind zum Beispiel eine große Anzahl Heringe im Meere; möglich aber sind sie nur dadurch, daß unendlich viel Keime abgelegt worden sind. So liegt auf dem Grunde des Lebens eine unendliche Fülle von Möglichkeiten.

[ 6 ] Let us consider this matter from another aspect. How many impressions of heart and mind escape us because we have been protected unawares from danger! If we were aware of the many things from which we are constantly preserved, we would go about the world in a totally different frame of mind. Furthermore, the seer discovers the following possibility. Let us assume that things actually happened in the way described. You arrived three minutes later than usual at that spot. This is the most opportune moment for a person who has died to make himself perceptible to your soul. You may have the feeling, “Where does that come from that arises in my soul?” It need not occur only in such a special case as quoted. It may take manifold forms. A beginning will be made when people become attentive not only to the world of outer reality but also to the sphere of probabilities. The considerable number of herring in the ocean is a reality. They become possible only because a vast quantity of eggs was released. In this way an infinite number of possibilities forms the basis of life.

[ 7 ] Das ist es, was auch einen unendlich bedeutungsvollen Eindruck macht auf den Seher, wenn er an die Grenze von zwei Welten kommt. Da hat der Seher den Eindruck: Wie unendlich reich ist das, was in dieser übersinnlichen Welt geschieht, und nur ein kleiner Teil verwirklicht sich in dieser unserer Sinnenwelt! — Wenn man das fühlt, fühlt man auch: Unendliches liegt verborgen auf dem Grunde des Daseins. — Dieses Gefühl wird sich entwickeln durch anthroposophische Betrachtungen. Man wird ein Gefühl dafür erhalten, daß in jedem Punkte, wo etwas äußerlich Wirkliches ist, etwas anderes dahinter ist. Hinter jeder Blume, hinter jedem Luftzuge, hinter jedem Steinchen und Kristall liegen unendlich viele Möglichkeiten. Dieses Gefühl wird der Mensch allmählich so ausbilden, daß er die Andacht, die Ehrfurcht gegenüber dem Verborgenen immer mehr entwickeln wird. Wenn er dieses Gefühl immer mehr ausbildet, dann wird er von selber darauf kommen, daß in solchen Augenblicken, wie sie eben geschildert worden sind, diejenigen zu ihm sprechen, die für das Erdenleben tot sind. Das wird eintreten in der Zukunft, daß der Mensch ganz wie etwas Normales empfinden wird: Jetzt hat in deine Seele hereingesprochen ein Toter. — Nach und nach wird er wissen, woher diese Mitteilung kommt, das heißt, wer da hereinspricht. Nur weil die Menschen heute so achtlos vorübergehen vor der unendlichen Welt der Möglichkeiten, der unendlichen Tiefe des Möglichen, hören sie nicht, was die Toten so hereinsprechen möchten in die Herzen der Lebenden.

[ 7 ] This makes a profound impression on the seer also when he reaches the boundary of two worlds. He feels, “How infinitely rich in possibilities is the spiritual world. Only a minute part of it becomes a reality in our sense world!” This is accompanied by the feeling, “An enormous amount lies hidden in the very ground of being.” This feeling grows as one occupies oneself with anthroposophy. One develops the feeling that at every point where something happens externally a hidden something lies behind it. Each flower, each breath of air, each stone and crystal hides an endless number of possibilities. Ultimately this feeling will bring about a growing sense of devotion towards what is hidden. As this feeling develops, one will quite naturally become aware that at such moments they can communicate with one who for earthly life is dead. In the future it will occur quite normally that a person will feel that the dead has spoken to his soul. Gradually he will realize from whom the communication comes, that is, who has spoken into him. It is only because people are so little aware of the endless, fathomless realm of possibilities that they cannot hear what the dead would speak to the hearts of the living.

[ 8 ] Aus dem Zweifachen, was ich Ihnen gesagt habe: daß durch Lebende, durch die Gedanken der Anthroposophen hier etwas erzeugt wird, was für die Toten wahrnehmbar wird — und daß die Toten werden sprechen können zu den Herzen, die sich hineingefunden haben in das spirituelle Fühlen —, aus dieser Tatsache können Sie entnehmen, welchen Umschwung die Verbreitung der Anthroposophie für die ganze Menschheit bewirken wird. Eine Brücke wird geschlagen werden zu den Welten hier und zu den Welten drüben. Und wahr ist es, daß das Leben ein anderes sein wird zwischen Tod und einer neuen Geburt. Es wird dies nicht nur eine Theorie sein, sondern ein Übergehen in Realität, so daß Verständnis sein wird zwischen den sogenannten Lebenden und den Toten, die aber viel lebendiger sind. Und dann werden auch die Seelen hier fühlen, was so fruchtbar werden kann für die Toten. Denn man kann es doch nicht im richtigen Sinne fruchtbar machen, wenn man nicht fühlt, welche Wohltat es für die Toten sein kann, wenn man ihnen vorliest. Nehmen wir einmal einen extremen Fall. Sie können es erfahren, wenn Sie mit anderen Menschen zusammenleben als Geschwister, Eltern oder Gatten, daß während der eine den Drang empfindet, zur Geisteswissenschaft zu kommen, der andere geradezu einen Haß bekommt, wenn der erstere sich ihr nähert. Wie oft kann man das erleben! So kann sich das abspielen im Bewußtsein, aber es braucht nicht in der Seele selbst so zu sein. Da kann etwas anderes stattfinden. Es gibt das Unterbewußtsein im astralischen Leib. Während jemand leidenschaftlich wütet und schimpft gegen die Geisteswissenschaft, kann es sein, daß er im Unterbewußtsein um so mehr den Drang, die Sehnsucht hat, selber etwas von der Geisteswissenschaft zu erfahren. Wenn man durch die Pforte des Todes geschritten ist, so werden die Dinge wahr; da läßt sich nichts maskieren. Hier auf der Erde kann man lügen, sich verstellen, nach dem Tode aber werden alle Dinge wahr; sie zeigen da ihr wahres Antlitz. Wenn man sich während des Lebens noch so sehr betäubt hat, indem man gegen die Geisteswissenschaft schimpft, nach dem Tode macht sich dann ein Drang darnach bemerkbar, und man leidet Schmerzen, weil der Drang nicht befriedigt werden kann. Da kann dann der Lebende sich in Gedanken den Verstorbenen gegenübersitzend vorstellen, und er kann in Gedanken spirituelle Dinge durchgehen, und der Tote versteht das; und wenn der Tote auch kein Anthroposoph gewesen ist, wenn es auch nur der Lebende ist, dann nimmt der Tote doch den Lebenden wahr.

[ 8 ] This twofold consideration will indicate the radical change that will be brought about for the whole of humanity by the spreading of anthroposophy. On the one hand, the thoughts of anthroposophists will become perceptible for the dead. On the other, the dead will be able to speak to the hearts of those who have developed a spiritual sensitivity. A bridge will be built between this world and the world beyond. In fact, life between death and rebirth will also be different. This will not be mere theory, but reality. An understanding will be achieved between the so-called living and the dead, who are in fact far more alive. Souls on earth will also feel what is fruitful for the dead. One cannot really make life fruitful for them unless one feels what an immense service one bestows on the dead by reading to them. Let us consider an extreme case. One will no doubt have come across it in relation to other people. One lives with a sister, parent, a husband or a wife. The more the one feels the urge to connect himself closely to anthroposophy, the more the other develops a strong animosity towards it. How often can one experience this! It may take this form in consciousness, but it need not be so in the soul itself. There something different may take place. The unconscious works in the astral body. It may be that the more a person slanders and rages against spiritual science, the more deeply in his unconscious he harbors an urge, a longing, to hear about spiritual science. When we go through the gate of death we encounter truth. There nothing can be concealed. Here on earth one can lie and pretend but after death things take on their true coloring. Things reveal themselves as they really are. However much one has stupefied oneself and slandered spiritual science during one's lifetime, after death an urge towards it is noticeable. One suffers because this urge cannot be satisfied. But now the living can imagine himself in the presence of the dead, and he can think spiritual thoughts and the dead will understand. Even if the one who died was not an anthroposophist, the dead will nevertheless be able to perceive the living one who occupies himself with spiritual thoughts.

[ 9 ] Das, was man nennen könnte: einen gewissen Hang zur Sprache, die man im Leben gesprochen hat, das muß da berücksichtigt werden, weil in den ersten Zeiten nach dem Tode der Tote noch einen gewissen Zusammenhang mit derselben Sprache hat, wie er sie hier im Leben gehabt hat. Man tut deshalb gut, in Gedanken die Sprache anzunehmen, die der Tote gesprochen hat; aber nach fünf, sechs, acht Jahren, manchmal auch früher, stellt sich heraus, daß die Sprache des Geistes eine solche ist, daß für sie die äußere Sprache kein Hindernis ist und daß der Tote spirituelle Gedanken auch dann verstehen kann, wenn er die Sprache im Leben nicht gekannt hat. Jedenfalls hat sich das als etwas ungeheuer Schönes ergeben, wenn unsere Freunde Verstorbenen vorgelesen haben, namentlich auch solchen gegenüber, die im Leben keine Anthroposophen waren. Es hat sich dies als eine ungeheure Wohlktat, als einer der größten Liebesdienste herausgestellt. Und zu dem, was wir erreichen wollen, gehört nicht allein, daß wir die Anthroposophie äußerlich ausbreiten wollen als eine Lehre — das müssen wir tun und es ist notwendig —, aber Anthroposophie wird auch in viel stillerer Art in der Seele wirken müssen. Spirituelle Ämter sozusagen können sich da ausbilden, durch die vieles geleistet werden kann zur Fortentwickelung der Seelen nach dem Tode. Und das ist es, was wir immer mehr erreichen müssen: daß wir eine große Schwierigkeit überwinden helfen für die Seelen, die zwischen Tod und einer neuen Geburt stehen, und die darin liegt, daß das alte spirituelle Erbgut erschöpft ist und eine Zeit herangerückt ist, in der das Sichorientieren den Seelen nach dem Tode ungeheuer schwer fällt und in der sich auszukennen zwischen Tod und einer neuen Geburt den Seelen fast unmöglich ist.

[ 9 ] There is a certain inclination on the part of the dead towards the language he used to speak during his lifetime, because during the early phases after death he is still connected with his particular language. It is therefore advisable to clothe one's thoughts in language the dead used to speak. But after five, six, eight years, and on occasion earlier, we find that the language of the spirit is such that the external language presents no obstacle whatever. The one who died can also understand spiritual thoughts in a language that he did not know during his lifetime. At any rate, the outcome of reading to the dead, even if they were not anthroposophists, has proved itself to be particularly beautiful. It has shown itself to be a special service and one of the greatest deeds of love that can be performed. In order to reach our aims it is not only a question of spreading anthroposophy externally—this must be done and it is important—but anthroposophy must also be cultivated more quietly within the recesses of the soul. Spiritual positions of responsibility may be created by means of which much can be achieved for the development of the soul after death. Some find it almost impossible to do so.

[ 10 ] Da sieht der Seher, wie die Seelen zwischen Tod und neuer Geburt zu Aufgaben gezwungen werden, die sie lösen müssen, die sie aber nicht begreifen. So ist es zum Beispiel eine Tatsache: Der Seher, der seinen Blick hinwendet auf das Leben zwischen Tod und einer neuen Geburt, kann Seelen entdecken, die eine bestimmte Verrichtung machen müssen: sie müssen in gewissen Zeiträumen Diener sein jener Mächte, die wir kennen als die Geister des Todes und der Krankheit. Wir sprechen da von jenem Tode, der nicht regelmäßig als eine Erscheinung des Lebens eintritt, sondern von dem Tode, der an die Menschen außer der Zeit herantritt, wenn Menschen hinsterben in der Blüte ihres Lebens. Wenn Krankheiten eintreten, sind es physische Ereignisse; sie werden aber bewirkt von Kräften, die von der übersinnlichen Welt hereinspielen. Den sich verbreitenden Krankheiten liegen zugrunde die Taten übersinnlicher Wesenheiten. Gewisse Geister haben die Aufgabe, unzeitigen Tod zu bringen. Daß das doch auch in der Weisheit begründet ist, können wir jetzt nicht berühren; aber das ist wichtig zu beachten, daß wir nun Seelen finden, die unter das Joch von solchen 'Wesenheiten gespannt sind. Und es ist für den Seher, trotzdem er sich gewöhnt haben muß an eine gewisse Gelassenheit, doch schmerzlich und erschütternd, zuzusehen, wie solche, die in das Joch gespannt sind, dienen müssen, um an die Menschen Krankheit und Tod heranzutragen. Und wenn der Seher versucht zu verfolgen solche Seelen bis zu der Zeit ihres vorhergehenden Lebens, dann findet er die Ursache, warum diese Seelen verurteilt sind, Diener zu sein der Geister der Krankheiten und des Todes: diese Ursachen liegen in der Gewissenlosigkeit, welche diese Seelen im physischen Leben entwickelt haben. In dem Maße, wie sie gewissenlos waren, in dem Maße verurteilen sie sich dazu, Diener zu sein dieser bösen Wesenheiten. So wahr, wie Ursache und Wirkung zusammenhängen bei aufeinanderstoßenden Kugeln, so wahr müssen gewissenlose Menschen Diener sein dieser bösen Wesenheiten. Das ist erschütternd! Eine andere Tatsache, die der Seher sieht: Solche Seelen sind unter das Joch ahrimanischer Geister gespannt, sie müssen bereiten die spirituellen Ursachen von all dem, was hier geschieht als Widerstand, als Hindernis unseres Tuns. Ahriman hat ja auch diese Aufgabe. All die Widerstände, die sich hier ergeben, werden aus der geistigen Welt herein dirigiert. Es sind Diener des Ahriman. Wodurch verurteilten sich solche Seelen zu diesem Dienste? Dadurch, daß sie in ihrem Leben zwischen Geburt und Tod der Bequemlichkeit gehuldigt haben. Und wenn Sie betrachten, wie die Bequemlichkeit weit verbreitet ist, so werden Sie finden, daß es unendlich viele Rekruten gibt für Ahriman. Die Bequemlichkeit ist es, die das Leben in reichstem Maße regiert. — Dazu sind auch die neueren Nationalökonomen gekommen, mit der Bequemlichkeit der Menschen zu rechnen, nicht nur mit dem Egoismus und der Konkurrenz. Die Bequemlichkeit ist ein Faktor.

[ 10 ] The seer also sees souls between death and rebirth who are compelled to carry out tasks that they themselves do not understand. For example, the seer may discover souls in that realm who are the servants of the powers of death and disease for a period of time. This does not refer to the regular occurrence of death but to events relating to people being taken away in the flower of youth. Illnesses are of a physical nature. They are caused, however, by powers that play in from super-sensible realms. Epidemic illnesses can be traced back to the deeds of super-sensible beings and certain spirits have the task of bringing about untimely death. We cannot discuss now how this can be substantiated as part of a wise guidance, but it is important to note that certain souls are yoked to such beings. Although the seer must have accustomed himself to a certain equanimity, such situations are painful and shattering to behold. Such souls are compelled to serve and bring death and disease to mankind. If the seer looks back into the lives of such souls before death, he discovers why they are condemned to serve as servants to the spirits of death and disease. The cause lies in a lack of conscience in such souls during their earthly life. In accordance with the extent of their lack of conscience they condemn themselves to become servants of those evil beings. As truly as cause and effect obtain in the case of impinging billiard balls, so, too, must people who have no conscience become servants of these evil beings. That is indeed shattering! The seer beholds yet another fact. Souls who are under the yoke of ahrimanic beings have to prepare the spiritual origin of all that occurs on earth as obstacles, as impediments to our deeds. Ahriman also has this task. All obstacles that arise here on earth are directed from the spiritual world. They are servants of Ahriman. Why have such souls condemned themselves to such service? Because during their lives on earth they indulged in love of ease and comfort. If you but consider how widespread love of ease has become, you will find that Ahriman has a considerable number of recruits. Love of ease is uppermost in life today. Modern economists do not only reckon with egoism and competition, but also with the comfort of the human being. Love of ease and comfort are important factors.

[ 11 ] Nun nimmt es sich anders aus, ob man solche Erlebnisse hat so, daß man sich in ihnen orientieren kann, daß man weiß, warum man sie erlebt, oder ob man sie ganz bewußtlos erlebt, ohne zu wissen, warum man dienen muß solchen Geistern. Wenn man weiß, warum man in das Joch der Geister gespannt ist, welche die Seuchen bringen, so weiß man auch, was man im nächsten Leben für Tugenden sich aneignen muß, damit man einen kosmischen Ausgleich schaffen kann, um aus der Welt zu schaffen, was nach dieser Richtung wirkt. Wenn man unorientiert in diesen Erlebnissen ist, schafft man zwar dasselbe Karma, aber man schafft erst wieder das, was sich zu der zweiten Inkarnation hin als Ausgleich gestalten muß, und so verzögert man den wirklichen Fortgang. Deshalb ist es wichtig, daß der Mensch hier diese Dinge lernt. Erleben wird man sie nach dem Tode; sich orientieren lernen muß man hier. Da haben wir wieder einmal eine Tatsache, die es zu einer zwingenden Notwendigkeit macht, neue Orientierung zu schaffen durch Verbreitung der spirituellen Wahrheiten, weil die alte Orientierung nicht mehr da sein kann. Wir können uns auf die Frage: Warum sind wir Anthroposophen? — aus den geistigen Tatsachen heraus eine Antwort geben, die gar sehr zu unserer Empfindung, unserem Gefühle spricht, nicht nur zu unserem Verstande. Und so sehen wir Anthroposophie immer mehr und mehr an als eine universelle Sprache, als eine Sprache, die es uns möglich machen wird, die Scheidewand hinwegzutun zwischen den verschiedenen Welten, in denen unsere Seelen leben, das eine Mal im physischen Leibe, das andere Mal außerhalb des physischen Leibes; und so wird fallen die Scheidewand gegenüber der übersinnlichen Welt, wenn die Geisteswissenschaft sich wirklich in die Seelen der Menschen einlebt. Das müssen wir fühlen, empfinden; dann haben wir den richtigen, den inneren Enthusiasmus für die Geisteswissenschaft.

[ 11 ] Now there is a difference in whether one has such experiences and is able to understand why one has them or whether one experiences them quite unconsciously without realizing why one has to serve such spirits. If one knows why one is yoked to the spirits that bring epidemics about, one also realizes the virtues that have to be developed in the next life in order to work towards a cosmic compensation. If one remains ignorant of the reason, one does in fact create the same karma, but the compensation can only occur in a second incarnation. Actual progress is thereby postponed. It is important, therefore, that man should learn about such things on earth. One will experience them after death but one learns to orient oneself down here. Here we have yet another fact that makes it essential to bring about a new sense or orientation by spreading spiritual truths. The old means of orientation are no longer available. We can ask, “Why are we anthroposophists?” We can give an answer out of the spiritual facts themselves that speaks directly to our feelings rather than to our intellect. So anthroposophy becomes increasingly a universal language. It becomes a language that will render it possible to tear down the partition that stands between the different worlds in which we live, one time in a physical body, another without a physical body. Thus the wall between the physical and the spiritual world will crumble when spiritual science really takes hold of the souls of men. We should feel this. It can give us the right inner enthusiasm for spiritual science.

[ 12 ] Lassen Sie mich von einer weiteren Erscheinung sprechen. Für den Seher tritt ein Zeitpunkt ein, der im Leben der Seelen zwischen Tod und einer neuen Geburt sich offenbart und der ungeheuer bedeutsam wird für den Seher, aber auch für solche, die dieses Leben durchmachen. Der Zeitpunkt liegt bei manchen mehr zurück, bei manchen mehr vorwärts. Wenn man mit dem seherischen Blick den Schlaf verfolgt, dann, wenn der Mensch mit seinem Astralleib und Ich außerhalb des physischen Leibes ist und zurückblickt auf physischen Leib und Ätherleib, dann ist der Eindruck der, daß zumeist der physische Leib sich als langsam sterbend darstellt. Nur in den allerersten Kindheitsjahren, bis das Kind ein Verständnis bekommt, bis zu der Zeit, zu der unser Gedächtnis zurückreicht, da erscheint der Schlaf im Kindesleib als etwas, was sproßt und gedeiht; aber es fängt sehr früh an, so daß dem Seher es vor Augen tritt, daß der physische Leib nach dem Eintritt in das Leben langsam wieder abstirbt; der Tod ist nur der letzte Akt dieses Absterbens. Die Sache ist so, daß der Schlaf dazu da ist, die vetbrauchten Kräfte auszugleichen. Aber dieser Ausgleich ist nur unvollständig; dieser Rest ist immer ein kleines Stück Todesursache. Wenn so viele Reste zurückgeblieben sind, daß die Wiederherstellungskräfte nicht mehr dagegen aufkommen, dann stirbt der Mensch den physischen Tod. Man sieht also eigentlich, wenn man den Menschenleib ansieht, den Tod sich langsam vollziehen. Man stirbt wirklich von Geburt an ganz langsam. Der Eindruck ist ein recht ernster, wenn man die Sache zuerst gewahr wird.

[ 12 ] Let me bring another matter to your attention. For the seer there is during the lives of souls between death and rebirth a moment that reveals itself of special importance. It is also of importance for others after death. For some this point lies earlier, for others, later. If one beholds the life of sleep with super-sensible cognition, one sees the human being with his astral body and ego outside the physical body. Looking back, one gains the impression that the physical body is slowly dying. It is only from the first years of infancy until the child develops an understanding, until the moment that memory begins, that the body during sleep has a blooming, flourishing appearance. A slow withering process in the physical body sets in shortly after life begins. Death is but the final occurrence in this dying process. Sleep is there in order to compensate for the forces that have been exhausted but the compensation is incomplete. Each time there remains a small residue of death forces. When so much residue has been accumulated that the upbuilding forces are unequal to the task, physical death ensues. Therefore, as one considers the human physical body one sees how death gradually fulfills itself. In reality we slowly die from birth onwards. This makes a solemn impression as one becomes aware of the facts.

[ 13 ] Zwischen Tod und einer neuen Geburt kommt nun der Augenblick an die Seele heran, wo sie die Kräfte zu entwickeln beginnt, durch die sie in das nächste Dasein eintritt. Lassen Sie mich an einem Beispiel zeigen, was gemeint ist. Heute gibt es schon viele Bücher über Goethes Veranlagung. Es wird nachgeforscht bei den Vorfahren Goethes, woher er diese oder jene Eigenschaft geerbt habe. In der physischen Vererbungslinie werden diese Ursachen gesucht. Das soll nicht bestritten werden, daß sie da gesucht werden können; aber wer die Seele zwischen Tod und einer neuen Geburt verfolgen kann, findet das Folgende. Nehmen Sie die Seele Goethes. Lange, lange, ehe sie geboren wird, wirkt sie schon aus den übersinnlichen Welten heraus auf ihre Ahnen, steht schon durch ihre Kräfte mit den Ahnen in Beziehung. Sie wirkt sogar so, daß in entsprechender Weise zusammenkommen diejenigen Männer und Frauen, die nach langer Zeit die richtigen Eigenschaften geben können, die die Seele braucht. Es ist dies keine leichte Arbeit, denn es sind viele Seelen daran beteiligt. Wenn Sie sich vorstellen, daß von den Seelen des sechzehnten Jahrhunderts im achtzehnten Jahrhundert Menschen abstammen und daß alle diese schon vorher zusammenarbeiten, so müssen Sie begreifen, daß eine solche Verständigung eine wichtige Sache ist. Seelen, die im achtzehnten, neunzehnten Jahrhundert geboren werden, müssen sich schon im sechzehnten Jahrhundert verständigen, damit die ganzen Netze von Verwandtschaften hergestellt werden können. Es ist viel zu tun zwischen Tod und einer neuen Geburt. Nicht nur, daß wir zu tun haben in objektiver Beziehung, daß wir einen Teil unserer Zeit mit Dienstleistungen gegenüber den Geistern des Widerstandes zubringen, wir müssen auch arbeiten an den Kräften, die überhaupt unsere Wiederverkörperung ermöglichen. Da stellt sich die Sache so dar, daß wir uns die Form schon im Urbild herausarbeiten müssen. Dies macht einen entgegengesetzten Eindruck von dem, was der Seher schaut, wenn er auf den schlafenden physischen und Ätherleib sieht. Der physische und Ätherleib stellen sich im Schlafe als etwas Absterbendes dar; was sich aber da wie ein Urbild aufbaut und in die physische Natur hereinzieht, das bietet den Eindruck des Sprossenden, Werdenden.

[ 13 ] Between death and rebirth the moment occurs when forces begin to develop in the soul that lead to a next incarnation. Let me attempt to explain what I mean by way of an example. There are a number of books that deal with Goethe's predisposition. One examines Goethe's ancestors in order to ascertain the hereditary origin of this or that quality. The sources are sought within the physical hereditary line of descent. I have no quarrel with the fact that they can be found there, but he who can trace the life of soul between death and rebirth discovers the following. Let us take the soul of Goethe. For a long time before birth the soul worked on its ancestors out of the super-sensible worlds, and because of its own forces, developed a relationship with its forefathers. The soul even worked to the extent of bringing together those men and women who could provide over a long period of time the appropriate predispositions needed by that individuality. This is not an easy task because many souls are involved in this process. Picture to yourselves that from souls of the sixteenth through the eighteenth centuries human beings descend. All these souls must already have collaborated, and you will gather from this that such a working together is a matter of great importance. Souls born in the eighteenth and nineteenth centuries must already have reached a reciprocal understanding in the sixteenth century in order that the complete network of relationships may come about. There is much to do between death and rebirth. Not only the objective tasks have to be performed such as the temporary service that has to be given to the spirits of opposition, but we must labor at the forces that in fact enable us to reincarnate. That means that we have to shape the general form archetypally. This makes the opposite impression from what the seer beholds when he observes the sleeping physical and etheric bodies. The physical and etheric bodies in sleep have a withering appearance, but the upbuilding of the archetype and its descent into the physical realm makes a blossoming, flourishing impression.

[ 14 ] So daß ein wichtiger Augenblick da ist zwischen Tod und einer neuen Geburt: er liegt zwischen der Erinnerung an das frühere Dasein und dem Übergang zu dem nächsten Dasein, da wo der Mensch anfängt zu arbeiten an dem Werden seiner physischen Organisation. Wenn Sie sich den physischen Tod vorstellen und im Vergleich dazu diesen Augenblick, so haben Sie in ihm das Gegenteil von dem physischen Tode. Der physische Tod ist ein Übergang von dem physischen Sein zum Nichtsein; der geschilderte Augenblick ist ein Übergang von dem Nichtsein zum Werden. Ganz anders erlebt man diesen Augenblick, wenn man ihn versteht, als wenn man ihn nicht versteht.

[ 14 ] The important moment between death and rebirth lies at the point between the recollection of the earlier existence and the transition period where man begins to prepare so that his physical organism may come into being. If you now picture to yourselves physical death and compare it with this moment, then you have the opposite pole of physical death. Physical death marks a transition from being into non-being. The moment described above is the transition from non-being into a state of becoming. This moment is experienced quite differently if one understands it than if one does not.

[ 15 ] Solch ein Begriff wie der des Gegenteils des Todes, dessen, was eintritt zwischen Tod und neuer Geburt, das sollte eigentlich in der Seele eines Anthroposophen zur Empfindung kommen. Er sollte nicht bloß verstandesgemäß begriffen, sondern durchempfunden werden; dann kann man fühlen die Bereicherung, welche unser Leben erfährt, wenn solche Begriffe von der Seele aufgenommen werden. Dann stellt sich noch etwas anderes ein: daß nämlich die Seele allmählich überhaupt ein Gefühl dafür bekommt, was es alles in der Welt gibt. Wenn man durch einen Wald geht im Frühling und man vorher meditiert hat über den Begriff, den ich eben erwähnt habe, so ist man nicht weit davon entfernt, wenn man achtgibt, zu vernehmen die Geister, die zwischen den physischen Dingen wirken und walten. Das Wahrnehmen der geistigen Welt wäre eigentlich gar nicht schwierig, wenn die Menschen sich das nicht selber schwierig machen würden. Indem sie darnach trachten, dasjenige, was in Begriffen aufgenommen wird, sich zur Empfindung zu bringen, innerlich zum Leben zu erwecken, kann dieses Streben sie zum Schauen führen. Durch solche Dinge, wie sie heute gesagt worden sind, möchte ich dazu beitragen, daß dieser Drang nach Geisteswissenschaft lebendig werde. Die Darstellung von solchen Dingen ist immer so, daß man fühlt: es ist die Schilderung wie ein Stammeln, weil unsere Sprache ja nur für die physische Welt ist — und man muß sich anstrengen, durch ganz besondere Darstellungsmittel wenigstens einen geringen Begriff von diesen Dingen hervorzubringen. Aber gerade solche Art, zu sprechen über diese Dinge, kann in unsern Herzen auslösen, was man anthroposophisch als Empfindungsgehalt bezeichnen kann.

[ 15 ] The concept of the polar opposite of death, the moment that arises between death and a new birth, should become feeling within the soul of an anthroposophist. It should not merely be understood intellectually, but should become inner experience. Then we shall be able to sense how much our life is enriched when such thoughts are received by the soul. There is yet another aspect, namely, that gradually the soul develops a feeling for all that is in the world. If, after having meditated upon the concepts I have just mentioned, one goes for a walk through a forest in the spring, one will find that one is not far removed, providing one is attentive, from experiencing the spiritual beings that weave among the physical phenomena. To experience the spiritual world in reality would not be at all difficult if human beings were not to create their own obstacles. One should attempt to translate what has been received in the form of concepts into a feeling experience, to awaken it vividly within oneself. Such a striving can lead to a beholding of the spirit. The questions I have broached today are intended as a contribution to enliven the impulse toward spiritual science. Whenever one speaks about matters such as these, one feels that it is a mere stammering because our language belongs to the physical world. One has to make a considerable effort, by way of special descriptive means, to evoke at least a limited concept of these matters. But to speak precisely about these matters in this way can release from our hearts what may be termed anthroposophically as potency of feeling.

[ 16 ] Das sollte Geisteswissenschaft für uns werden: ein Empfindungs-, ein Lebensgehalt, so daß wir in der Aufnahme von spirituellen Begriffen nicht etwas Geringes sehen, sondern ihnen gern nachgehen, dann aber auch nicht in diesen Begriffen die Hauptsache sehen, sondern in dem, was die Anthroposophie aus uns macht.

[ 16 ] Spiritual science should become for us that which quickens feeling and life. The acquisition of spiritual concepts should not become a matter of lesser concern. We should gladly pursue it. Yet we should also refrain from considering the concepts as of chief importance, but rather what anthroposophy can make of us as human beings.