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Life Between Death and Rebirth
in Relation to Cosmic Realities
GA 141

5 November 1912, Berlin

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Erster Vortrag

First Lecture

[ 1 ] Es erfüllt mich mit Befriedigung, daß ich am heutigen Abend nach verhältnismäßig langer Zeit an diesem Orte wieder zu sprechen in der Lage bin. Diejenigen von Ihnen, die unsere diesjährige Münchener Veranstaltung mitgemacht haben, oder sich in einer anderen Weise Kenntnis von dem verschafft haben, was zu dem Inhalte der vorherigen Veranstaltungen durch meinen Versuch eines Mysteriums, genannt «Der Hüter der Schwelle», hinzugefügt werden durfte, haben sehen können, wie die Seele sich verhalten muß, wenn sie eine wahre, eine inhaltsvolle Vorstellung von mancherlei gewinnen will, wovon man ja in der Geisteswissenschaft, oder sagen wir im Okkultismus, viel spricht.

[ 1 ] It gives me great satisfaction to be able to speak here again this evening after a relatively long time. Those of you who participated in this year’s Munich event, or who have otherwise gained insight into the content of previous events through my attempt at a mystery play titled “The Guardian of the Threshold,” have seen how the soul must conduct itself if it wishes to gain a true, meaningful mental image of various things, of which much is spoken in Spiritual Science, or let us say in occultism.

[ 2 ] Wir haben im Laufe der Jahre über jene Wesenheiten, die wir mit dem Namen der luziferischen und der ahrimanischen Wesenheiten bezeichnen, verschiedenes gesprochen. Daß die Charakterstimmung dieser Wesenheiten sich erst ergibt, wenn wir uns langsam und allmählich von den verschiedensten Seiten her diesen Wesen nähern, das sollte gerade in dem «Hüter der Schwelle» gezeigt werden. Daß es nicht ausreicht, einen leichten Begriff von diesen Wesenheiten sich zu machen — etwa einen Begriff, der ähnlich ist dem, was der Mensch so gern hat, nämlich einer gewöhnlichen Definition —, sondern daß man nötig hat, von den verschiedensten Seiten her zu betrachten, wie diese Wesenheiten in das menschliche Leben eingreifen, das sollte gezeigt werden. Und Sie werden gerade auch aus diesem Versuche etwas mit von dem gewinnen können, was durch viele Jahre den Grundton gerade auch derjenigen Vorträge gebildet hat, die ich hier halten durfte, jenen Grundton, den ich mir jetzt schon öfter zu bezeichnen gestattete mit den Worten der absoluten Wahrhaftigkeit gegenüber den geistigen Welten, oder auch als den Ton eines hohen Ernstes gegenüber diesen geistigen Welten. Es ist dies um so mehr in unserer Gegenwart zu betonen, als ja doch der Ernst, die Würde des im wahren Sinne des Wortes so zu nennenden anthroposophischen Strebens noch gar wenig eingesehen wird. Und wenn ich in den verschiedenen Vorträgen der letzten Jahre eines habe hauptsächlich durchschimmern lassen wollen, so ist es dies: Daß Sie den Versuch machen wollen, wirklich mit diesem Geiste des Ernstes und der Wahrhaftigkeit allein an das anthroposophische Streben heranzugehen und sich bewußt zu werden, was das anthroposophische Streben bedeutet im Gesamtinhalte des Weltenseins, im Inhalte der menschlichen Entwickelung und auch in dem geistigen Inhalte unserer Zeit. — Nicht oft genug kann man es sagen: In das Anthroposophische kann man sich nicht mit wenigen Begriffen, nicht mit einer etwa in kurzen Sätzen zusammengefaßten Theorie oder gar mit einem Programm hineinfinden; in das wahrhaft Anthroposophische kann man sich nur hineinfinden mit dem ganzen Leben seiner Seele. Leben aber ist Werden, ist Entwickelung. Und wenn dagegen gefragt werden könnte: Wie soll sich denn der Einzelne dann einer anthroposophischen Bewegung anschließen, wenn gleich die Forderung der Entwickelung, des Werdens aufgestellt werde, wenn gesagt wird, man könnte nur im Laufe der Zeit langsam und allmählich in das hineinkommen, was in den Tiefen dessen enthalten ist, das man in Wahrheit Anthroposophie nennt, wie kann dann der Einzelne sich entschließen, in dasjenige hineinzugehen, in das er sich erst nach und nach hineinentwickeln soll? — so muß darauf erwidert werden: Bevor der Mensch etwa zu dem höchsten Gipfel einer Entwickelung aufsteigen kann, hat er das, was die ganze Menschheit überhaupt nach dem Streben einer solchen Entwickelung geführt hat, hat er den Sinn für die Wahrheit in seinem Herzen, in seiner Seele, und er braucht sich diesem Sinn für die Wahrheit nur vorurteilslos, aber mit dem Willen zur Wahrheit hinzugeben, nicht mit dem Willen zur Eitelkeit einer Theorie, nicht mit dem Willen zum Hochmut eines Programmes, wohl aber mit dem Willen zur Wahrheit, der tief in der Seele sitzt, wenn er nicht durch allerlei Vorurteile beirrt ist. — Man darf sagen: Man verspürt die Wahrheit da, wo sie aufrichtig fließt. — Daher ist eine aufrichtige Kritik der Wahrheit auch schon möglich, wenn man erst im Anfange ihres Erlangens steht. Das aber schließt nicht aus, daß man eben in dem die Hauptsache sieht, sich hineinzuleben in das ganze Werden, in die ganze Entwickelung des anthroposophischen Strebens.

[ 2 ] Over the years, we have spoken at length about those entities we refer to as the Luciferic and Ahrimanic entities. The fact that the character of these entities only becomes apparent when we approach them slowly and gradually from a wide variety of angles was precisely what was intended to be shown in *The Guardian of the Threshold*. It was intended to show that it is not enough to form a superficial concept of these entities—such as a concept similar to what people so readily embrace, namely a conventional definition—but rather that one must observe from the most diverse angles how these entities intervene in human life. And from this very attempt, you will be able to gain something of what, over many years, has formed the underlying tone of precisely those lectures I have been permitted to give here—that underlying tone which I have already often described in terms of absolute truthfulness toward the spiritual worlds, or as the tone of profound seriousness toward these spiritual worlds. This needs to be emphasized all the more in our present time, since the seriousness and dignity of what may truly be called the anthroposophical endeavor are still scarcely recognized. And if there is one thing I have sought to let shine through in the various lectures of recent years, it is this: That you should attempt to approach the anthroposophical endeavor solely with this spirit of seriousness and truthfulness, and become aware of what the anthroposophical endeavor signifies within the total context of world existence, within the context of human development, and also within the spiritual context of our time. — It cannot be said often enough: One cannot find one’s way into anthroposophy with a few concepts, not with a theory summarized in short sentences, or even with a program; one can find one’s way into what is truly anthroposophical only with the whole life of one’s soul. But life is becoming, is development. And if, on the other hand, one were to ask: How, then, is the individual to join an anthroposophical movement if the demand for development, for becoming, is made, if it is said one can only enter, slowly and gradually over time, into what is contained in the depths of what is truly called anthroposophy, how then can the individual resolve to enter into that into which he is only to develop himself little by little? — then the answer must be: Before a person can ascend to the highest summit of development, they possess what has led all of humanity to strive for such development in the first place; they possess a sense of truth in their heart, in their soul, and they need only surrender to this sense of truth without prejudice, but with the will to truth, not with the will to the vanity of a theory, not with the will to the arrogance of a program, but with the will to truth that lies deep in the soul, provided it is not misled by all manner of prejudices. — One may say: One senses the truth where it flows sincerely. — Therefore, a sincere critique of the truth is already possible even when one is only at the beginning of attaining it. But this does not preclude seeing the main point precisely in immersing oneself in the entire process of becoming, in the entire development of the anthroposophical endeavor.

[ 3 ] In unserer Zeit ist nun wahrhaftig gar vieles, was den Menschen beirrt in bezug auf das naturgemäße, in seiner Seele ja sonst vorhandene Wahrheitsgefühl, und wir haben auf solche beirrende Momente im Verlaufe der Jahre vielfach hinweisen können; ich brauche es heute nicht wieder zu tun. Was ich gesagt habe, habe ich zu Ihnen aus dem Grunde gesprochen, weil ich dadurch die Tatsache belegen möchte, daß es immer wieder und wieder notwendig ist — auch wenn wir in einer gewissen Weise schon das eine oder das andere aus der okkulten Wissenschaft erkannt haben —, von neuen und neuen Seiten und Gesichtspunkten aus an die Dinge heranzutreten, sie immer wieder und wieder zu betrachten. Dafür gibt uns ja gewissermaßen dasjenige einen Anhalt, was uns auf dem Felde der Anthroposophie begegnen kann, zum Beispiel gegenüber den vier Evangelien. Ich durfte in diesem Herbste die Betrachtung über die Reihe der Evangelien in Basel mit einem Vortragszyklus über das Markus-Evangelium abschließen. Man möchte gerade in der Betrachtung der Evangelien, deren es ja vier gibt, sozusagen ein Musterbeispiel sehen des Herankommens von verschiedenen Seiten an die großen Wahrheiten des Daseins. Jedes Evangelium gibt Gelegenheit, das Mysterium von Golgatha von einer anderen Seite aus zu betrachten, und wir können über das Mysterium von Golgatha erst einigermaßen etwas wissen, wenn wir es von diesen vier verschiedenen Seiten her betrachten, die sich uns an der Hand der Betrachtung der Evangelien ergeben.

[ 3 ] In our time, there is indeed much that misleads people with regard to the natural sense of truth that is otherwise present in their souls, and over the years we have been able to point out such misleading factors on many occasions; I need not do so again today. I have spoken to you of these things because I wish thereby to demonstrate the fact that it is necessary, time and again—even if we have already, in a certain sense, come to know one thing or another from occult science—to approach things from ever new angles and perspectives, to consider them again and again. In a sense, what we encounter in the field of anthroposophy—for example, in relation to the four Gospels—provides us with a point of reference for this. This past fall, I had the opportunity to conclude my reflections on the series of Gospels in Basel with a lecture series on the Gospel of Mark. One might see in the contemplation of the Gospels—of which there are four—a prime example, so to speak, of approaching the great truths of existence from different angles. Each Gospel offers an opportunity to view the Mystery of Golgotha from a different perspective, and we can only gain some understanding of the Mystery of Golgotha when we view it from these four different angles, which emerge for us through the contemplation of the Gospels.

[ 4 ] Wie war denn beispielsweise in den letzten zehn bis zwölf Jahren der Geist unserer Betrachtungen in bezug auf diesen einen Punkt?

[ 4 ] For example, what has been the general tone of our reflections on this particular point over the past ten to twelve years?

[ 5 ] Diejenigen von Ihnen, die in diesem Punkte klar sehen werden oder wollen, brauchen nur mein Buch «Das Christentum als mystische Tatsache » zur Hand zu nehmen, dessen Inhalt noch vor der Begründung der «Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft» vorgetragen worden ist. Wer das dort Ausgesprochene im Ernst betrachtet, wird sehen, daß darin im Grunde genommen schon alle die Dinge restlos enthalten sind, die dann später in Anlehnung an die verschiedenen Evangelien besprochen worden sind, und daß das ganze Mysterium von Golgatha, wie es im Laufe der Jahre vorgetragen worden ist, schon in diesem Buche enthalten ist. Aber nichts wäre unberechtigter gewesen, als etwa zu glauben, daß man nun, wenn man das wisse, was in diesem Buche «Das Christentum als mystische Tatsache » steht, auch eine für die Gegenwart hinreichende Vorstellung von dem Mysterium von Golgatha habe. Die ganzen darauf folgenden Ausführungen waren eben notwendig, die in derselben Linie laufen, die ganz konsequent sich aus dem Embryo dieser geistigen Betrachtung ergeben haben, die in keinem Punkte mit diesem «Christentum als mystische Tatsache» in Widerspruch stehen, aber geeignet waren, immer neue und neue Betrachtungsweisen über das Mysterium von Golgatha zu eröffnen und dadurch immer tiefer und tiefer in dasselbe einzudringen. Dadurch versuchten wir an die Stelle von Begriffen, Theorien und Programmen das unmittelbare lebendige Hineinleben in die spirituellen Tatsachen zu setzen. Und wahrhaftig, wenn man bei alle dem doch immer das Gefühl eines gewissen Mangels hatte — nämlich, daß man nicht immer alles Notwendige geben kann -, so hängt dieser Mangel eigentlich mit etwas zusammen, was auf dem physischen Plan nicht zu ändern ist: mit der Zeit. Es ist eben nicht möglich, alles, was zu sagen ist, in einer bestimmten Zeit zu geben. Daher wurde immer eine Voraussetzung sozusagen an Ihr Gemüt gemacht: die Voraussetzung, Geduld zu haben und abzuwarten, wie nach und nach die Dinge herauskommen. Das soll uns ein Hinweis darauf sein, wie wir auch die Dinge aufzufassen haben, welche ich nun in den nächsten Zeiten zu Ihnen sprechen darf.

[ 5 ] Those of you who can or wish to see clearly on this point need only pick up my book *Christianity as a Mystical Fact*, the contents of which were presented even before the founding of the “German Section of the Theosophical Society.” Anyone who seriously considers what is stated there will see that, in essence, it already contains in its entirety all the things that were later discussed in reference to the various Gospels, and that the entire Mystery of Golgotha, as it has been expounded over the years, is already contained in this book. But nothing would have been more unjustified than to believe, for example, that now, having read what is written in this book, *Christianity as a Mystical Fact*, one also possesses a sufficient mental image of the Mystery of Golgotha for the present day. The entire subsequent exposition was precisely necessary; it follows the same line of thought, arising quite consistently from the embryo of this spiritual contemplation, which in no way contradicts “Christianity as a Mystical Fact,” but was suited to opening up ever new perspectives on the Mystery of Golgotha and thereby penetrating ever deeper into it. In this way, we sought to replace concepts, theories, and programs with an immediate, living immersion in the spiritual realities. And truly, if one always had a sense of a certain deficiency in all this—namely, that one cannot always provide everything necessary—this deficiency is actually connected to something that cannot be changed on the physical plane: time. It is simply not possible to convey everything that needs to be said within a specific time frame. Therefore, a certain expectation was always placed upon your minds, so to speak: the expectation to be patient and to wait and see how things unfold little by little. This should serve as a guide for how we are also to understand the things I will now be speaking to you about in the coming times.

[ 6 ] Über das Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt haben wir im Laufe der Jahre viel gesprochen, und doch soll es sich im wesentlichen in den nächsten Vorträgen hier wieder um dieses Gebiet handeln — aus dem Grunde, weil an mich gerade im Laufe des Sommers und Herbstes die Aufgabe herangetreten ist, dieses Gebiet neuerdings spirituell zu durchforschen und auch einen Gesichtspunkt bloßzulegen, der eben früher nicht berührt werden konnte. Manches auch von dem kann jetzt erst ins Auge gefaßt werden, was die tiefe moralische Bedeutung der auf dieses Gebiet bezüglichen übersinnlichen Wahrheiten uns vorführt. Neben allen übrigen Voraussetzungen, die jetzt nur kurz angedeutet worden sind, ist ja allerdings innerhalb unserer Bewegung auch immer die andere Voraussetzung gemacht worden, eine Voraussetzung, die, man möchte sagen, in unserer so hochmütigen und eitlen Zeit viele Herzen geradezu verletzt. Aber da man sich durch eine solche Tatsache nicht von dem Ernste und der Wahrhaftigkeit abhalten lassen kann, die wir unserer Bewegung schuldig sind, so muß eben diese Voraussetzung gemacht werden. Diese Voraussetzung besteht darin, in intimer und ernster Arbeit wirklich lernend und sich darauf einlassend, auf das einzugehen, was aus den spirituellen Welten herausgeholt wird. Wir dürfen sagen, daß seit einer Reihe von Jahren das Verhältnis der auf dem physischen Plan lebenden Menschen zu den spirituellen Welten anders geworden ist, als es zum Beispiel fast das ganze 19. Jahrhundert hindurch war. Bis in das letzte Drittel des 19. Jahrhunderts, ich habe darauf schon hingewiesen, war wenig Zugang zu den spirituellen Welten; es floß, nach den Notwendigkeiten der Menschheitsentwickelung, wenig in die Menschenseele hinein an Inhalt aus den geistigen Welten. Jetzt aber leben wir in einem Zeitalter, in welchem die Seele nur empfänglich zu sein braucht, sich nur hinzugeben und vorbereitet zu sein braucht, damit ihr die Offenbarungen aus den spirituellen Welten zufließen können. Und immer empfänglicher und empfänglicher werden einzelne Seelen, für die, indem sie sich ihrer Zeitaufgabe bewußt sind, das Hereinströmen der spirituellen Erkenntnisse eine Tatsache ist. Daher ist eine weitere Forderung für den Anthroposophen, sich nicht gegen das zu verschließen, was auf irgendeine Weise in der Gegenwart aus den spirituellen Welten in die Seele hereinfließen kann. Bevor ich auf das eingehe, was also den hauptsächlichsten Gegenstand unserer nächsten Betrachtungen bilden wird, möchte ich auf zwei Eigentümlichkeiten des spirituellen Lebens hinweisen, die wir ganz besonders beachten sollen.

[ 6 ] Over the years we have spoken at length about life between death and a new birth, and yet the next few lectures here will essentially deal with this subject again—for the reason that, particularly during the summer and fall, the task has come to me of exploring this area anew from a spiritual perspective and also of revealing a point of view that could not be touched upon earlier. Only now can we begin to grasp some of what the profound moral significance of the supersensible truths pertaining to this area reveals to us. Alongside all the other premises that have been only briefly touched upon here, there has, of course, always been another premise within our movement—a premise that, one might say, actually wounds many hearts in our so haughty and vain age. But since we cannot allow such a fact to deter us from the seriousness and truthfulness we owe to our movement, this very prerequisite must be made. This prerequisite consists in, through intimate and serious work, truly learning and engaging with what is brought forth from the spiritual worlds. We may say that for a number of years now, the relationship of people living on the physical plane to the spiritual worlds has changed from what it was, for example, throughout almost the entire 19th century. Until the last third of the 19th century, as I have already pointed out, there was little access to the spiritual worlds; in accordance with the necessities of human development, little content from the spiritual worlds flowed into the human soul. Now, however, we live in an age in which the soul need only be receptive, need only surrender and be prepared, so that revelations from the spiritual worlds may flow into it. And individual souls are becoming ever more and more receptive; for those who are conscious of their task in this age, the inflow of spiritual knowledge is a reality. Therefore, a further requirement for the anthroposophist is not to close oneself off from whatever may flow into the soul from the spiritual worlds in the present. Before I go into what will thus form the main subject of our next reflections, I would like to point out two peculiarities of spiritual life to which we should pay particular attention.

[ 7 ] Der Mensch durchlebt schon zwischen dem Tode und der neuen Geburt in einer ganz bestimmten Weise die Tatsachen der geistigen Welt. Er erlebt sie aber auch durch die Initiation; er erlebt sie auch, wenn er die Seele vorbereitet hat, eben schon während seines Daseins im physischen Leibe, indem er so Teilnehmer wird an den geistigen Welten. Über diese Dinge haben wir oft gesprochen. Daher kann man sagen: Was zwischen dem Tode und der neuen Geburt geschieht und was eben auch ein Durchleben der geistigen Welt ist, das ist anzuschauen durch die Initiation.

[ 7 ] Even between death and rebirth, human beings experience the realities of the spiritual world in a very specific way. But they also experience them through initiation; they experience them, too, if they have prepared their soul—even during their existence in the physical body—by becoming participants in the spiritual worlds. We have often spoken about these things. Therefore, one can say: What happens between death and the new birth—and what is also a living through of the spiritual world—is to be viewed through initiation.

[ 8 ] Nicht nur zum Erleben der geistigen Welten, sondern auch zum richtigen Verstehen, zum richtigen Sich-Hineinfinden in die Mitteilungen aus der geistigen Welt gehört die Beachtung von zweierlei, das sich im Grunde genommen aus mancherlei ergibt, was hier oft besprochen worden ist. Daß es anders in den geistigen Welten aussieht als hier in der physischen Welt, daß die Seele in eine Sphäre kommt, wenn sie in die geistigen Welten eintritt, in der sie sich an vieles gewöhnen muß, was geradezu entgegengesetzt ist den Dingen der physischen Welt, das ist oft betont worden. Und da sei auf eines aufmerksam gemacht. Hier auf dem physischen Plan müssen wir Menschen, wenn in der physischen Welt etwas durch uns geschehen soll, tätig sein, müssen unsere Hände rühren, müssen uns bewegen, müssen sozusagen von einem Orte zum andern unseren physischen Leib tragen. Damit also in der physischen Welt etwas durch uns geschieht, ist unsere Tätigkeit, ist unser handelndes Eingreifen in die Dinge notwendig. Das genaue Gegenteil davon ist notwendig, ich spreche immer vom heutigen Zeitenzyklus, für die geistigen Welten. Was in den spirituellen Welten durch uns geschehen soll, das muß gerade geschehen durch unsere Ruhe, durch unsere Gemütsruhe. Dem, was geschäftiges Treiben auf dem physischen Plan ist, entspricht in der geistigen Welt das gemütsruhige Abwartenkönnen der Ereignisse. Je weniger wir uns auf dem physischen Plane bewegen, desto weniger geschieht durch uns; je mehr wir uns aber bewegen, desto mehr kann geschehen. Je ruhiger wir in unserer Seele werden können, je mehr wir auf alle Geschäftigkeit in unserem Innern verzichten können, desto mehr kann durch uns in der spirituellen Welt geschehen. Damit durch uns in der spirituellen Welt etwas geschieht, ist es notwendig, daß wir in der Lage sind, dieses Geschehende als etwas betrachten zu können, womit wir begnadet werden, womit wir in einer gewissen Weise gesegnet werden, was sich so ergibt, daß es sich uns nähert, indem wir es verdienen durch unsere Gemütsruhe. Es sei ein Beispiel angeführt.

[ 8 ] In order not only to experience the spiritual worlds, but also to understand them correctly and to properly make sense of the messages from the spiritual world, it is necessary to take into account two things, which essentially stem from various points that have often been discussed here. It has often been emphasized that things look different in the spiritual worlds than they do here in the physical world, and that when the soul enters the spiritual worlds, it enters a sphere where it must become accustomed to many things that are virtually the opposite of those in the physical world. And here one point should be brought to your attention. Here on the physical plane, we humans must be active if something is to happen through us in the physical world; we must move our hands, we must move ourselves, we must, so to speak, carry our physical body from one place to another. Thus, for something to happen through us in the physical world, our activity, our active intervention in things, is necessary. The exact opposite of this is necessary—I am always speaking of the present age—for the spiritual worlds. What is to happen through us in the spiritual worlds must happen precisely through our stillness, through our inner peace. What is bustling activity on the physical plane corresponds in the spiritual world to the ability to wait calmly for events to unfold. The less we move about on the physical plane, the less happens through us; but the more we move about, the more can happen. The calmer we can become in our soul, the more we can renounce all inner activity, the more can happen through us in the spiritual world. For something to happen through us in the spiritual world, it is necessary that we be able to regard these events as something by which we are graced, by which we are blessed in a certain way—something that comes to us because we earn it through our inner peace. Let an example be given.

[ 9 ] Ich habe hier öfter darauf hingewiesen, daß das Jahr 1899 für den, der spirituelle Erkenntnisse hat, ein wichtiges Jahr war. Es ist der Ablauf gewesen einer fünftausendjährigen geschichtlichen Menschheitsperiode, des sogenannten kleinen Kali Yuga. Nach diesem Jahre sind die Seelen der Menschen in die Notwendigkeit versetzt, in anderer Art das Spirituelle an sich herankommen zu lassen als vor dieser Zeit. Um ein konkretes Beispiel zu haben: Ein gewisser [Norbert hat um die Wende des 12. Jahrhunderts herum im Abendlande einen Orden gestiftet. Dieser Norbert war, bevor ihm die Idee aufgegangen ist, den Orden zu stiften, man könnte fast sagen, ein leichtlebiger Mensch, ein Mensch voller Leidenschaft und Weltlust. Da trug sich mit ihm eines Tages etwas ganz Besonderes zu. Er wurde vom Blitz getroffen. Der tötete ihn nicht, sondern veränderte seine ganze Wesenheit. Solcher Beispiele gibt es viele in der Menschheitsentwickelung. Der ganze Mensch wurde umgewandelt; die Zusammenfügung der vier Glieder: physischer Leib, Ätherleib, Astralleib und Ich erfuhr eine Änderung durch dieses Durchschlagen der Kraft, die im Blitze war. Dann hat er den betreffenden Orden gegründet. Und wenn auch der Orden, wie so viele Orden, nicht das gehalten hat, was sein Begründer wollte, so hat er doch damals in vieler Beziehung sein Gutes gestiftet. Das ist öfter geschehen, daß ein, wie der heutige Mensch sagt, Zufall eintrat. Es ist aber kein Zufall; es ist ein im Weltenkarma herbeigeführtes Ereignis. Der Mensch war dazu ausersehen, etwas Besonderes zu tun. Daher sollten die Bedingungen in seiner Leiblichkeit hergestellt werden, daß er das tun konnte. Das war notwendig als ein äußeres Ereignis, als ein mehr äußerer Einfluß. — In dieser Beziehung ist das Grenzjahr 1899 dasjenige gewesen, nach welchem immer mehr und mehr auf die Seelen solche Einflüsse rein innerlich geschehen müssen, die nicht von außen in so erheblichem Maße kommen können. Nicht als ob ein schrofler Übergang kommen müsse, aber es ist doch so, daß das, was von heute ab auf die Menschenseelen wirken wird, immer innerlicher und innerlicher wirken wird. Sie erinnern sich, was ich darüber sagte, wie Christian Rosenkreutz auf die menschliche Seele wirken sollte, wenn er sie berufen wollte, und wie dies eine mehr innerliche Berufung ist. Vor diesem genannten Jahre mußten diese Berufungen mehr durch äußere Ereignisse herbeigeführt werden; nach diesem Jahre werden sie immer innerlicher und innerlicher. Immer innerlicher wird der Verkehr der Menschenseelen mit den höheren Hierarchien werden, und immer mehr und mehr wird sich der Mensch anstrengen müssen, gerade durch das Innere, durch die tiefsten und intimsten Kräfte seiner Seele den Wechselverkehr mit den Wesenheiten der höheren Hierarchien zu unterhalten.

[ 9 ] I have often pointed out here that the year 1899 was an important year for those with spiritual insight. It marked the end of a five-thousand-year historical period of humanity, the so-called Little Kali Yuga. After this year, human souls were compelled to approach the spiritual in a different way than before this time. To give a concrete example: A certain [Norbert founded an order in the West around the turn of the 12th century. Before the idea of founding the order occurred to him, this Norbert was, one might almost say, a carefree man, a man full of passion and worldly desires. Then one day something very special happened to him. He was struck by lightning. It did not kill him, but transformed his entire being. There are many such examples in human development. His whole being was transformed; the interplay of the four members—physical body, etheric body, astral body, and ego—underwent a change through this impact of the force contained in the lightning. Then he founded the order in question. And even if the order, like so many orders, did not uphold what its founder intended, it nevertheless did much good at the time in many respects. It has often happened that what modern people call a coincidence occurred. But it is no coincidence; it is an event brought about by world karma. The person was destined to do something special. Therefore, the conditions had to be established in his physical body so that he could do this. This was necessary as an external event, as a more external influence. — In this regard, the turning point of 1899 was the year after which such influences must increasingly take place purely within the souls, influences that cannot come from the outside to such a significant degree. Not that a sudden transition must occur, but it is nevertheless the case that what will affect human souls from now on will have an ever more inner and inner effect. You recall what I said about how Christian Rosenkreutz was to affect the human soul when he wished to call it, and how this is a more inner calling. Before the year mentioned, these callings had to be brought about more through external events; after this year, they will become ever more and more inner. The interaction of human souls with the higher hierarchies will become ever more inner, and human beings will have to exert themselves more and more to maintain this mutual interaction with the beings of the higher hierarchies precisely through the inner, through the deepest and most intimate forces of their souls.

[ 10 ] Was ich Ihnen jetzt charakterisiert habe wie einen Einschnitt im Leben des physischen Planes, dem entspricht aber in der geistigen Welt — sichtbar für den, der einen Einblick in die spirituellen Welten haben kann — dort vieles, was sich zwischen den Wesenheiten der höheren Hierarchien abgespielt hat. Dinge, welche die Wesenheiten der höheren Welten untereinander zu verrichten haben, sind ganz besonders in diesem Zeitpunkte geschehen. Aber eine Eigentümlichkeit bestand für diesen Zeitpunkt. Die Wesenheiten, welche in den spirituellen Welten das bewirken mußten, daß das Ende des Kali Yuga eintrat, brauchten etwas von unserer Erde, etwas, was auf unserer Erde geschah. Sie brauchten die Tatsache, daß in einzelnen Seelen, die reif dazu waren, ein Wissen vorhanden war von diesen Sachen, oder wenigstens, daß jetzt ein Wissen vorhanden ist, daß Vorstellungen über diesen Umschwung in den Seelen leben. Denn wie der Mensch auf dem physischen Plane ein Gehirn braucht, um ein Bewußtsein zu entwickeln, so brauchen die Wesenheiten der höheren Hierarchien menschliche Gedanken, in denen sich die Dinge spiegeln, welche die höheren Hierarchien tun. Die Menschenwelt ist notwendig auch für die geistige Welt; sie wirkt mit, sie muß da sein. Aber es muß in der richtigen Weise mitgewirkt werden. Und die, welche dazumal reif waren oder heute reif sind, um an diesen Dingen von der Menschheitsseite her mitzuwirken, die durften nicht, oder dürfen nicht für das, was in der geistigen Welt geschehen soll, etwa auf dem physischen Plane eine Propaganda entwickeln, wie man sie auf diesem gewohnt ist zu entwickeln. Nicht dadurch, daß wir uns sozusagen geschäftig verhalten auf dem physischen Plan, helfen wir den Geistern der höheren Hierarchien, sondern dadurch, daß wir erstens Verständnis haben für das, was geschehen soll, daß wir aber außerdem dann in völliger Gemütsruhe, in absolutester Sammlung unseres Seelenlebens gewissermaßen in der Lage sind, andächtig uns hinzugeben einer solchen Erscheinung der übersinnlichen Welt. Also die Ruhe, die wir bewahren können, die Stimmung, die wir uns erringen können, um so etwas in Gnaden zu erwarten, in Gnaden entgegenzunehmen, das ist das, was wir dazu beitragen können.

[ 10 ] What I have just described to you as a turning point in the life of the physical plane corresponds, however, in the spiritual world—visible to those who can gain insight into the spiritual realms—to many events that have taken place among the beings of the higher hierarchies. Events that the beings of the higher worlds must carry out among themselves have occurred particularly at this point in time. But there was a peculiarity to this moment. The beings who, in the spiritual worlds, had to bring about the end of the Kali Yuga needed something from our Earth, something that happened on our Earth. They needed the fact that in individual souls who were ready for it, there was knowledge of these things, or at least that there is now knowledge, that mental images about this upheaval live within the souls. For just as human beings on the physical plane need a brain to develop consciousness, so the beings of the higher hierarchies need human thoughts in which the things the higher hierarchies do are reflected. The human world is also necessary for the spiritual world; it plays a part, it must be there. But cooperation must take place in the right way. And those who were ready back then or are ready today to cooperate in these matters from the human side were not allowed—nor are they allowed—to develop propaganda on the physical plane for what is to happen in the spiritual world, in the way one is accustomed to developing it here. It is not by behaving, so to speak, busily on the physical plane that we help the spirits of the higher hierarchies, but rather by first having an understanding of what is to happen, and then, moreover, being in a state of complete inner peace, in the most absolute concentration of our soul life, so to speak, in a position to devotedly surrender ourselves to such a manifestation of the supersensible world. So the calm we can maintain, the state of mind we can attain in order to await such a thing with grace, to receive it with grace—that is what we can contribute to this.

[ 11 ] Somit können wir sagen, wenn auch der Ausspruch paradox klingt: Unsere Handlungen, unsere Tätigkeit in den höheren Welten hängen ab von unserer Gemütsruhe; je ruhiger wir werden können, desto mehr kann durch uns geschehen in bezug auf die Tatsachen der höheren Welten. Daher ist es auch notwendig für die Teilnahme an einer spirituellen Bewegung, diese Stimmung, diese Gemütsruhe wirklich entwickeln zu können. Und das wäre im höchsten Maße gerade für die anthroposophische Bewegung zu wünschen, daß von ihren Teilnehmern diese Gemütsruhe angestrebt würde, dieses gnadenvolle Verhalten, dieses mit dem Bewußtsein der Gnade erfüllte Verhalten gegenüber den höheren Welten.

[ 11 ] Thus, even if the statement sounds paradoxical, we can say: Our actions, our activity in the higher worlds, depend on our inner peace; the more peaceful we can become, the more can be accomplished through us in relation to the realities of the higher worlds. That is why it is also necessary for participation in a spiritual movement to be able to truly develop this mood, this inner peace. And it would be most desirable, especially for the anthroposophical movement, that its participants strive for this inner peace, this gracious attitude, this behavior toward the higher worlds filled with an awareness of grace.

[ 12 ] Unter den Tätigkeiten, die der Mensch auf dem physischen Plane entwickelt, finden wir eigentlich ähnliche Dinge nur etwa auf dem Gebiete des künstlerischen Schaffens oder auf dem Gebiete des wirklichen Erkenntnisstrebens oder der Förderung einer spirituellen Bewegung. Derjenige Künstler schafft ganz gewiß auch nicht das Höchste, was er nach seinen Anlagen schaffen kann, der nur immer geschäftig und geschäftig sein will und nur immer die Dinge vorwärts und vorwärts bringen will, sondern der Künstler wird das Höchste schaffen, der die Augenblicke der Begnadung abzuwarten in der Lage ist und der auch schweigen kann, wenn sozusagen der Geist nicht zu ihm spricht. Und derjenige gelangt gewiß zu keinen höheren Erkenntnissen, der mit den Begriffen, die er schon einmal hat, nun eine höhere Erkenntnis zusammenzimmern will, sondern der gelangt zu höheren Erkenntnissen, der ruhig, in voller Resignation, wenn ihm eine Frage, ein Welträtsel aufsteigt, warten kann und sich sagt: Ich muß eben abwarten, bis mir aus den geistigen Welten der Lichtstrahl der Antwort kommt. — Und der wirkt gewiß nicht richtig in einer spirituellen Bewegung, der von Mensch zu Mensch läuft und einen jeden so schnell als möglich überreden will, daß diese spirituelle Bewegung das einzig Richtige sei, sondern der warten kann, bis, nachdem die entsprechenden Seelen ihren Trieb zu den Wahrheiten der spirituellen Welt erkannt haben, diese Seelen herankommen. So ist es in bezug auf das Handeln bei demjenigen, was in unsere physische Welt hereinleuchtet, aber namentlich in bezug auf alles, was der Mensch selber in der geistigen Welt vollbringen kann. Und man möchte sagen: Auch die allerpraktischsten Dinge auf diesem spirituellen Gebiet hängen ebensosehr von der Herstellung eines gewissen Zustandes der Ruhe ab.

[ 12 ] Among the activities that human beings engage in on the physical plane, we actually find similar things only in the realm of artistic creation, or in the realm of the genuine pursuit of knowledge, or in the promotion of a spiritual movement. Certainly, the artist who is always busy and eager to push things forward will not create the highest work that his talents allow; rather, the artist who is able to wait for moments of inspiration and who can also remain silent when, so to speak, the spirit does not speak to him will create the highest work. And he certainly does not attain higher insights who seeks to cobble together a higher insight from the concepts he already possesses; rather, he attains higher insights who, when a question or a mystery of the world arises, can wait calmly, in full resignation, and say to himself: I must simply wait until the ray of light of the answer comes to me from the spiritual worlds. — And he certainly does not act correctly within a spiritual movement who runs from person to person and seeks to persuade everyone as quickly as possible that this spiritual movement is the only right one; rather, he who can wait until, after the relevant souls have recognized their impulse toward the truths of the spiritual world, these souls approach. This is true with regard to action concerning what shines into our physical world, but especially with regard to everything that human beings themselves can accomplish in the spiritual world. And one might say: Even the most practical matters in this spiritual realm depend just as much on the establishment of a certain state of calm.

[ 13 ] Ich möchte nur noch auf eines aufmerksam machen. Nehmen wir die psychisch-spirituelle Heilmethode. Da ist beim spirituellen Heilen auch nicht die Hauptsache, daß man diese oder jene Bewegungen, diese oder jene Handgriffe macht. Die müssen gemacht werden gleichsam nur als Vorbereitung. Aber alle zielen sie zuletzt daraufhin ab, Ruhe, Gleichgewicht herzustellen. Was äußerlich sichtbar wird bei einer spirituellen Heilung, ist eigentlich nur die Vorbereitung dessen, was derjenige tut, der der spirituelle Heiler ist. Was zuletzt geschieht, das ist die Hauptsache. Es ist bei einer solchen Sache so, wie wenn wir einer Waage gegenüberstehen. Wir haben zuerst auf die eine Seite irgend etwas zu legen, was wir abwiegen wollen, dann legen wir auf die andere Seite ein Gewicht; da gerät der Waagebalken in Bewegung nach rechts und links. Ablesen aber können wir das Gewicht erst, wenn Gleichgewicht hergestellt ist. So ist es in bezug auf das Handeln in den spirituellen Welten.

[ 13 ] I would just like to draw attention to one more thing. Let’s take the psychospiritual healing method. In spiritual healing, too, the main point is not that one performs this or that movement, or this or that hand gesture. These must be performed, so to speak, merely as a preparation. But ultimately, they all aim to establish peace and balance. What becomes outwardly visible during a spiritual healing is actually only the preparation for what the spiritual healer does. What happens in the end is the main thing. It is like standing in front of a scale. First we must place something on one side that we wish to weigh, then we place a weight on the other side; the balance beam then moves to the right and left. But we can only read the weight once equilibrium has been established. So it is with regard to action in the spiritual worlds.

[ 14 ] Anders ist es mit Bezug auf das Erkennen, das Wahrnehmen. Wie geschieht das Wahrnehmen im alltäglichen Leben des physischen Planes?

[ 14 ] The situation is different when it comes to recognition and perception. How does perception occur in everyday life on the physical plane?

[ 15 ] Das weiß jeder, daß, mit Ausnahme einzelner Gebiete des physischen Planes, die Dinge an den Menschen herankommen. Vom Morgen bis zum Abend kommen im wachen Tagesleben die Dinge an uns heran; von Augenblick zu Augenblick bekommen wir immer neue Eindrücke. Nur in den Ausnahmezuständen suchen wir uns die Eindrücke auf, führen das an den Dingen aus, was die Dinge sonst ausführen. Da geraten wir aber schon in das hinein, was Erkenntnissuchen ist. So ist es nicht mit den spirituellen Erkenntnissen. Bei diesen müssen wir alles, was vor unsere Seele treten soll, selber vor diese Seele hinstellen. Während all unser Tun, alles, was in der geistigen Welt durch uns geschehen soll, dadurch geschieht, daß wir die absoluteste Ruhe herstellen, müssen wir unausgesetzt tätig sein, wenn wir wirklich etwas in der geistigen Welt erkennen wollen. Damit hängt es zusammen, daß für manchen, der ja auch gern Anthroposoph sein möchte, dasjenige, was wir aus einer wirklichen Erkenntnis heraus hier betreiben, zu unbequem erscheint. Gar mancher sagt: Bei euch muß man ja alles erst lernen, man muß über alles erst nachdenken, muß sich mit allem beschäftigen! — Aber ohne dieses gelangt man nicht zu einem Verständnis der spirituellen Welten! Man muß seine Seele anstrengen, muß von den verschiedensten Seiten her die Dinge anschauen. Das ist es, worum es sich handelt. Begriffe, die man sich über die höheren Welten erwerben will, muß man sich in langsamer, ruhiger Arbeit erst zimmern. In der physischen Welt müssen wir, wenn wir einen Tisch haben wollen, diesen Tisch durch unsere bewegte Arbeit herstellen. Wenn wir aber etwas in den spirituellen Welten «herstellen» wollen, dann müssen wir die Ruhe, die Art von Ruhe entwickeln, die dazu notwendig ist, daß etwas geschieht; und wenn etwas getan wird, dann tritt es aus dem Dämmerdunkel heraus. Wenn wir aber etwas erkennen wollen, dann müssen wir durch unsere volle Anstrengung die Inspirationen erst zimmern. Zum Erkennen ist notwendig eine Arbeit, eine innerlich tätige Seelenstimmung, ein Gehen von Inspiration zu Inspiration, von Imagination zu Imagination, von Intuition zu Intuition. Da müssen wir alles zusammenfügen, und nichts tritt an uns heran, was wir nicht selber vor uns hinstellen, wenn wir es erkennen wollen. Also gerade im Gegensatze zu allem, was auf der physischen Welt richtig ist, sind die Dinge in der geistigen Welt.

[ 15 ] Everyone knows that, with the exception of certain areas of the physical plane, things come to us. From morning to night, in our waking daily life, things come to us; from moment to moment, we receive ever-new impressions. Only in exceptional states do we seek out these impressions, performing on things what things would otherwise perform. But then we are already entering into what is the search for knowledge. It is not so with spiritual knowledge. In this case, we must ourselves place before our soul everything that is to come before it. While all our actions, everything that is to happen through us in the spiritual world, come about by our establishing the most absolute stillness, we must be constantly active if we truly wish to perceive anything in the spiritual world. This is why, for some who would also like to be anthroposophists, what we are doing here out of genuine insight seems too inconvenient. Quite a few say: With you, one has to learn everything first, one has to think about everything first, one has to engage with everything! — But without this, one cannot attain an understanding of the spiritual worlds! One must exert one’s soul, must view things from the most diverse angles. That is what it is all about. Concepts one wishes to acquire regarding the higher worlds must first be painstakingly constructed through slow, quiet work. In the physical world, if we want a table, we must create that table through our active labor. But if we want to “create” something in the spiritual worlds, then we must develop the stillness, the kind of stillness necessary for something to happen; and when something is done, it emerges from the twilight. But if we want to recognize something, then we must first build up the inspirations through our full effort. Recognition requires work, an inwardly active state of mind, a journey from inspiration to inspiration, from imagination to imagination, from intuition to intuition. There we must bring everything together, and nothing approaches us that we do not place before ourselves if we wish to recognize it. Thus, things in the spiritual world are precisely the opposite of everything that is true in the physical world.

[ 16 ] Dies muß ich vorausschicken, damit wir uns von vornherein ein bißchen darüber einigen, wie solche Dinge erstens gefunden, zweitens aber auch verstanden werden können, wie wir sie in fernerem miteinander zu besprechen haben werden. Ich will in diesen Betrachtungen weniger das unmittelbare Leben nach dem Tode berühren, das wir unter dem Namen des sogenannten Kamaloka öfter besprochen haben — das ist Ihnen ja seinen wesentlichen Seiten nach bekannt —, wir wollen vielmehr von etwas neuen Gesichtspunkten aus die Zeiten betrachten, die, nachdem wir durch den Tod durchgegangen sind, auf unsere Zeit des Kamaloka-Lebens folgen.

[ 16 ] I must preface this so that we may agree from the outset on how such things can first be discovered and secondly understood, as we will need to discuss them further together. In these reflections, I do not wish to focus so much on the immediate life after death, which we have often discussed under the name of the so-called Kamaloka—you are, after all, familiar with its essential aspects—but rather we wish to consider, from some new perspectives, the periods that follow our time in the Kamaloka after we have passed through death.

[ 17 ] Da ist es vor allen Dingen notwendig, daß wir zuerst auf die Eigentümlichkeit hinweisen, wie wir da überhaupt leben. Sie wissen, daß der Mensch als erste Stufe der höheren Erkenntnis das hat, was wir das imaginative Leben, wir könnten auch sagen, das Leben in wahrhaftigen, wirklichen Visionen nennen können. Während wir in der physischen Welt umgeben sind von Farben, Tönen, Gerüchen, von Geschmacksempfindungen, von Vorstellungen, die wir uns durch unsern Verstand machen, sind wir in der geistigen Welt zunächst umgeben von Imaginationen, die man ja auch Visionen nennen kann; nur müssen wir bei diesem Begriffe der Imagination, der Vision, uns klar sein, daß diese, wenn sie im geistigen Sinne richtig sind, uns nicht etwa Traumgebilde darstellen, sondern Realitäten, Wirklichkeiten. Nehmen wir einen bestimmten Fall.

[ 17 ] Above all, it is necessary that we first point out the peculiarity of how we live there. You know that, as the first stage of higher knowledge, human beings possess what we might call the imaginative life—or, we could also say, life in true, real visions. While in the physical world we are surrounded by colors, sounds, smells, tastes, and the mental images we form through our intellect, in the spiritual world we are initially surrounded by imaginations, which can also be called visions; but we must be clear, when using these terms of imagination and vision, that these, if they are correct in the spiritual sense, do not represent mere dream images, but realities, actualities. Let us take a specific case.

[ 18 ] Wenn der Mensch durch die Pforte des Todes durchgeschritten ist, trifft er diejenigen, die vor ihm hingestorben sind und mit ihm in einer gewissen Weise im Leben zusammen waren. Wir finden uns wirklich mit den zu uns Gehörigen in der Zwischenzeit zwischen dem Tode und der neuen Geburt zusammen. Wie wir nun die Dinge in der physischen Welt wahrnehmen, indem wir ihre Farben sehen, ihre Töne hören und so weiter, so sind wir nach dem Tode umgeben — ich daß vergleichsweise sagen — von einer Wolke von Visionen. Alles ist um uns Vision; wir selbst sind Vision. Wie wir hier Fleisch und Blut sind, so sind wir dann Vision. Aber diese Vision ist kein Traum, sondern wir wissen, es ist Realität. Treffen wir einen Verstorbenen, mit dem wir vorher zusammen waren, so ist er auch Vision; er ist gleichsam eingeschlossen in die visionäre Wolke. Aber wie wir auf dem physischen Plane wissen: die rote Farbe kommt von der roten Rose, so wissen wir auf dem geistigen Plan: die Vision kommt von dem geistigen Wesen, das vor uns durch die Pforte des Todes geschritten ist. Aber nun tritt eine Eigentümlichkeit ein, die wir wohl beachten müssen, und die sich bei jedem zeigt, der diese Zeit nach dem Tode erlebt. Hier auf dem physischen Plan kann zum Beispiel das der Fall sein: Wir haben einen Menschen, den wir eigentlich lieben sollten — nach den Bedingungen, die wir überschauen können, und nach den Begriffen, die wir aber erst nachträglich überschauen —, zuwenig geliebt, wir haben ihm also Liebe entzogen. Nehmen wir ein solches Beispiel: wir hätten einem Menschen Liebe entzogen oder ihm sonst etwas zuleide getan. Dann kann, wenn wir nicht gerade ein verstocktes Herz haben, in uns die Empfindung, die Idee auftauchen: Du mußt das gutmachen! — Und wenn in uns diese Empfindung auftaucht, so ist uns die Möglichkeit gegeben, die Sache wieder gutzumachen. Wir können gewissermaßen weiterarbeiten an dem Verhältnis der uns umgebenden Welt auf dem physischen Plan. Das können wir nicht in der ersten Zeit nach der Kamaloka-Zeit, von der wir jetzt sprechen. Wenn wir einem Menschen dann gegenüberstehen, können wir wohl aus der Art und Weise, wie wir ihm gegenüberstehen, die Erkenntnis haben: Du hast ihm dies oder jenes zuleid getan, oder ihm Liebe entzogen, die du ihm schuldig warst; wir fassen auch den Vorsatz, daß wir das gutmachen wollen, aber wir können es nicht. Wir können nur dasjenige Verhältnis zu dem Menschen in dieser Zeit entwickeln, das schon begründet war in der Zeit vor dem Tode. Das andere können wir einsehen, aber können zunächst nichts hinzufügen, können zunächst nichts ausbessern. Das heißt, in dieser visionären Welt, die uns wie eine Wolke einhüllt, können wir nichts verändern. Wir schauen es an, aber können nichts ändern. Wie wir zu einem Menschen gestanden haben, der vor uns hingestorben ist, so bleibt unser Verhältnis zu ihm, und wir leben es weiter aus. Das ist oftmals auch dasjenige, was zu den mehr leidensvollen Erlebnissen der Initiation gehört. Da erlebt man vieles in seinem Verhältnis zur physischen Welt, und man erschaut es wahrhaftig gründlicher, als man es erschaut mit den Augen oder mit dem Verstande. Man kann es in seinen Gründen durchschauen, aber nicht unmittelbar verändern. Das macht den Schmerz der spirituellen Erkenntnis aus, das macht das Martyrium der spirituellen Erkenntnis aus, insofern sich diese Erkenntnis auf unser eigenes Leben bezieht, insofern sie Selbsterkenntnis ist. Und so ist es auch nach dem Tode. Die Menschen nach dem Tode stehen zu denen, zu welchen sie im Leben in eine Beziehung getreten sind, in solchen Verhältnissen, die gewissermaßen bleibend sind, die sich kontinuierlich fortsetzen wie sie waren.

[ 18 ] When a person has passed through the gate of death, they meet those who died before them and who, in a certain sense, were connected to them in life. We truly find ourselves reunited with those who belong to us in the interval between death and rebirth. Just as we now perceive things in the physical world by seeing their colors, hearing their sounds, and so on, so after death we are surrounded—to put it figuratively—by a cloud of visions. Everything around us is vision; we ourselves are vision. Just as we are flesh and blood here, so then we are vision. But this vision is no dream; rather, we know it is reality. If we meet a departed soul with whom we were previously together, that person is also a vision; they are, as it were, enclosed within the visionary cloud. But just as we know on the physical plane that the red color comes from the red rose, so we know on the spiritual plane that the vision comes from the spiritual being who has passed through the gate of death before us. But now a peculiarity arises that we must take into account, and which manifests in everyone who experiences this time after death. Here on the physical plane, for example, this may be the case: we have loved a person whom we ought to have loved—according to the conditions we can perceive, and according to the concepts we only come to understand in retrospect—too little; we have thus withheld love from them. Let us take such an example: we may have withheld love from a person or otherwise caused them harm. Then, unless we have a hardened heart, the feeling, the thought, may arise within us: You must make amends! — And when this feeling arises within us, we are given the opportunity to make amends. We can, so to speak, continue to work on the relationship with the world around us on the physical plane. We cannot do this in the immediate period following the Kamaloka period of which we are now speaking. When we then stand before a person, we may well gain the insight from the way we stand before them: You have done this or that to them, or withheld love that you owed them; we also resolve to make amends, but we cannot. We can only develop the relationship with that person at this time that was already established in the time before death. We can see the rest, but we cannot add anything at first, nor can we make any improvements. That is to say, in this visionary world that envelops us like a cloud, we cannot change anything. We look at it, but we cannot change anything. Just as we stood in relation to a person who died before us, so our relationship to them remains, and we continue to live it out. This is often also what belongs to the more painful experiences of initiation. There one experiences much in one’s relationship to the physical world, and one perceives it truly more deeply than one perceives it with the eyes or with the intellect. One can see through to its foundations, but cannot change it directly. This is what constitutes the pain of spiritual insight, this is what constitutes the martyrdom of spiritual insight, insofar as this insight relates to our own life, insofar as it is self-knowledge. And so it is also after death. After death, people stand in such relationships with those with whom they entered into a relationship in life—relationships that are, in a sense, enduring, that continue uninterrupted as they were.

[ 19 ] Als sich mir neuerdings diese Tatsache mit einer ungeheuren Stärke vor das geistige Auge stellte, konnte ich mir wieder eines sagen. Ich habe mich in meinem Leben wahrhaftig viel auch mit Homer beschäftigt und habe mancherlei in den alten Dichtungen Homers zu verstehen gesucht. Aber gerade bei dieser Gelegenheit fiel mir eine Stelle bei Homer ein: da, wo Homer — dessen Hellsehertum von den Griechen ja darin angedeutet ist, daß sie von dem «blinden» Homer sprachen — von dem Reiche spricht, das der Mensch nach dem Tode durchlebt, da nennt er es das «Reich der Schatten, in dem kein Wechsel, keine Veränderung möglich ist». Und da wußte ich neuerdings wieder, wie so viele Dinge in den großen Dichtungen und Oftenbarungen der Menschheit leben, die wir nur richtig erkennen, indem wir sie aus den Tiefen der spirituellen Erkenntnis herausholen. Und manches von dem, was das Erkennen der Menschheit geben soll, wird darauf beruhen, daß die Menschen ihre großen Ahnen, die begnadet waren von dem Hereinleuchten des geistigen Lichtes in ihre Seele, erst in einem neuen Lichte, ja, in einem Lichte des wirklichen Verständnisses sehen. Wie berührt es eine Seele, die dafür empfänglich ist, wenn sie an einem solchen Worte merkt: Dieser alte Seher konnte diese Stelle nur dadurch hinschreiben, daß die Wahrheit der spirituellen Welt in seine Seele hereinleuchtete! — Da beginnt dann die wahre Frömmigkeit gegenüber den göttlich-geistigen Kräften, die durch die Welt und namentlich durch die Herzen und Seelen der Menschen wallen. Da sehen wir erst mit richtigem Frommsein auf das hin, was in der Welt geschieht zur Fortentwickelung und zum Fortschritt. Gar vieles ist im tiefsten Sinne wahr in demjenigen, was jene Menschen, die so begnadet waren wie Homer, geschaffen haben. Im spirituellen Sinne ist es wahr. Aber diese Wahrheit, die einst ein altes, dämmerhaftes Hellsehen unmittelbar erkennen konnte, ist der heutigen Zeit verlorengegangen und muß erst auf dem Wege der spirituellen Erkenntnis wieder erobert werden.

[ 19 ] When this fact recently came to mind with such overwhelming force, I was able to remind myself of something. I have indeed spent a great deal of time in my life studying Homer and have sought to understand many things in his ancient poems. But on this very occasion, a passage from Homer came to mind: where Homer—whose clairvoyance is, after all, indicated by the Greeks in that they spoke of the “blind” Homer—speaks of the realm that human beings experience after death, he calls it the “realm of shadows, where no change, no transformation is possible.” And then I realized once again how so many things live within the great poems and revelations of humanity, which we can only truly recognize by drawing them out from the depths of spiritual insight. And much of what is to be given to humanity’s knowledge will rest upon the fact that people will see their great ancestors—who were blessed by the spiritual light shining into their souls—only in a new light, indeed, in a light of true understanding. How does it move a soul that is receptive to this when it perceives in such a passage: This ancient seer could only write down this passage because the truth of the spiritual world shone into his soul! — Then true piety begins toward the divine-spiritual forces that flow through the world and especially through the hearts and souls of human beings. Only then do we look upon what happens in the world for the sake of further development and progress with true piety. Much of what those people, who were as gifted as Homer, created is true in the deepest sense. It is true in a spiritual sense. But this truth, which an ancient, twilight-like clairvoyance was once able to perceive directly, has been lost to the present age and must first be regained through the path of spiritual knowledge.

[ 20 ] Ich möchte bei dieser Gelegenheit, um gerade dieses Beispiel noch mehr zu erhärten — dieses Beispiel von einem Durchdringen dessen, was durch schöpferische Genien der Menschheit gegeben worden ist —, etwas anderes noch anführen: eine Wahrheit, gegen die ich mich sogar gesträubt habe, als sie mir dutch die Seele zog, eine Wahrheit, die mir selbst paradox erschien, die ich aber, wie sie sich mit einer inneren Notwendigkeit unmittelbar ergab, als Wahrheit anerkennen mußte. Deshalb darf es auch gesagt werden, was sich da ergeben hat.

[ 20 ] I would like to take this opportunity to further reinforce this very example—this example of a penetration into what has been given to humanity by creative geniuses—by citing something else: a truth that I even resisted when it pierced my soul, a truth that seemed paradoxical to me, but which I had to acknowledge as truth as it arose immediately with an inner necessity. That is why it is also permissible to speak of what has emerged there.

[ 21 ] Was ich da in den spirituellen Welten zu arbeiten hatte, hing auch mit der Betrachtung gewisser Kunstwerke zusammen. Ich mußte diese Kunstwerke betrachten. Unter diesen war auch das, was ich früher gesehen und studiert hatte, was aber erst jetzt in dieser Weise vor meine Seele getreten ist. — Was ich Ihnen jetzt sage, ist eine Beobachtung gegenüber den Mediceer-Gräbern in Florenz. Dort ist jene Kapelle, die Michelangelo aufgebaut und eingerichtet hat. Zwei Mediceer, von denen wir nicht weiter reden wollen, sollten dort in Statuen verewigt werden. Michelangelo hat aber vier sogenannte allegorische Figuren dazugefügt, die man nach dem, was damals aufgekommen ist und wozu auch Michelangelo die Veranlassung gegeben hat, « Morgen» und «Abend», «Tag» und «Nacht» nannte. Zu Füßen der einen Mediceer-Statue «Tag» und «Nacht», zu Füßen der anderen « Morgen» und «Abend». Nun können Sie sich leicht, wenn Sie auch nicht einmal besonders gute Abbildungen haben, durch den Anblick derselben eine Bestätigung dessen holen, was ich jetzt zu sagen habe über diese vier allegorischen Figuren der Mediceer-Gräber. Da gehen wir aus von der einen berühmtesten, der «Nacht». In den Beschreibungen, aus denen gewöhnlich die Reisebücher abschreiben, kann man lesen, daß die eigentümlichen Gliedstellungen, die Michelangelo für die liegende Figur, die «Nacht», gewählt hat, unnatürlich wären, weil ein Mensch in einer solchen Lage nicht schlafen könne, so daß also diese Figur nicht ein besonders guter symbolischer Ausdruck für die Nacht sei. Aber ich will etwas anderes sagen. Nehmen wir an, wir betrachten mit okkultistischem Blicke diese allegorische Figur der «Nacht», und wir sagten uns: Wenn der Mensch schläft, sind sein Ich und sein astralischer Leib aus dem physischen Leib und dem Ätherleib heraus. Dann ist es denkbar, daß jemand eine Gebärde, eine bestimmte Gliederlage aussinnt, welche der Lage des ätherischen Leibes am angemessensten ist, wenn Astralleib und Ich nicht darin sind. Wenn wir bei Tag herumgehen, so haben wir diese oder jene Gebärde dadurch, daß in dem physischen Leib und dem Ätherleib der Astralleib und das Ich sind. Aber bei Nacht sind Astralleib und Ich draußen, dann ist der Ätherleib allein im physischen Leibe. Er entwickelt seine Tätigkeit und Beweglichkeit; das gibt eine gewisse Gebärde. Und die Impression kann es geben: daß es für das freie Walten des Ätherleibes keine angemessenere Gebärde gibt, als sie Michelangelo bei dieser «Nacht » abgebildet hat, eine Gebärde, so präzis, daß man sie nicht besser, nicht präziser beantworten könnte als durch die Lage der Figur, welche da die Lage des Ätherleibes darstellt. — Nun gehen wir zu der anderen Figur, dem «Tag». Da kann man sich folgendes sagen. Nehmen wir an, wir könnten einen Menschen dazu veranlassen, daß in ihm, soweit es möglich ist, das ätherische und das astralische Leben schweigen, und das Ich vorzugsweise tätig ist und eine Gebärde hervorruft, und wir suchten die angemessenste Gebärde für das Ich. Dann könnten wir keine bessere Gebärde finden als die, welche Michelangelo in dem «Tag» zum Ausdruck gebracht hat! Da sind die Gebärden nicht mehr allegorisch, sondern unmittelbar, ganz realistisch aus dem Leben geschaffen. Und gleichsam für eine zeitliche Ewigkeit sind hineingeschrieben in die Menschheitsentwickelung durch den Künstler: So sieht die Gebärde aus, welche am meisten die Tätigkeit des Ich ausdrückt, und so sieht die Gebärde aus, welche am meisten die Tätigkeit des Ätherleibes ausdrückt! — Und jetzt die anderen Figuren, zunächst die «Abenddämmerung». Wenn wir uns in einem besonders gut und wohl. ausgebildeten Menschen denken den Heraustritt des Ätherleibes, also jene Erschlaffung, die im physischen Leibe eintritt, auch wenn der Tod uns überkommt, wenn wir uns — nicht den Tod denken, sondern das Heraustreten der drei Glieder Ätherleib, Astralleib und Ich vorstellen und die Gebärde aufsuchen, die der physische Leib dann macht, so haben wir die Gebärde dieser allegorischen «Abenddämmerung»-Figur. Und wenn wir die innere Regsamkeit des Astralleibes bei einer geringen Tätigkeit des Ätherleibes und des Ich in einer Gebärde ausdrücken wollen, so ist die präziseste die, welche Michelangelo der « Morgendämmerung » gegeben hat. So daß wir auf der einen Seite haben die Ausdrücke für die Tätigkeit des Ätherleibes und des Ich und auf der anderen Seite für die Tätigkeit des physischen Leibes und des Astralleibes. — Wie gesagt, ich habe mich dagegen gesträubt; aber je genauer man auf die Dinge eingeht, mit einer um so größeren Notwendigkeit ergibt es sich. Und ich möchte in dieser Sache nichts anderes hervorheben, als eben zeigen, wie der Künstler aus der geistigen Welt heraus schafft. Ich gebe zu, daß es Michelangelo mehr oder weniger unbewußt getan hat; aber was heißt das trotzdem anderes, als ein Hereinleuchten der geistigen Welt in die physische Welt! Nicht zur Zerstörung, aber zur Vertiefung der Kunstwerke wird der Okkultismus beitragen. Nur wird auch das kommen, daß manches von dem, was heute als «Kunst » gilt, dann nicht mehr als Kunst gelten wird. Dadurch werden vielleicht einzelne Menschen enttäuscht sein; die Wahrheit wird aber dadurch gewinnen. — Ich konnte ganz gut den inneren Grund der Legende verstehen, die gerade gegenüber der am meisten ausgebildeten Figur entstanden ist: daß Michelangelo in Florenz, wenn er in der Mediceer-Kapelle mit der «Nacht» allein war, imstande war, sie zum Aufstehen zu bringen, so daß sie herumging! Ich will nicht weiter darauf eingehen, aber wenn man weiß: hier ist die Tätigkeit des Lebensleibes zum Ausdruck gebracht, dann hat man die Wirksamkeit der Legende schon ohnedies vor Augen, dann ist sie schon da.

[ 21 ] The work I had to do in the spiritual worlds was also connected with the contemplation of certain works of art. I had to contemplate these works of art. Among them was also what I had seen and studied earlier, but which only now appeared before my soul in this way. — What I am telling you now is an observation regarding the Medici tombs in Florence. There is that chapel which Michelangelo built and furnished. Two Medici, of whom we shall say no more, were to be immortalized there in statues. Michelangelo, however, added four so-called allegorical figures, which, in accordance with what had arisen at the time and to which Michelangelo himself had given impetus, were named “Morning” and “Evening,” “Day” and “Night.” At the feet of one Medici statue are “Day” and “Night,” at the feet of the other are “Morning” and “Evening.” Now, even if you do not have particularly good illustrations, you can easily confirm what I am about to say regarding these four allegorical figures of the Medici tombs simply by looking at them. Let us begin with the most famous one, “Night.” In the descriptions that travel guides usually copy from, one can read that the peculiar limb positions Michelangelo chose for the reclining figure, “Night,” are unnatural, because a person cannot sleep in such a position, so that this figure is not a particularly good symbolic expression of the night. But I want to say something else. Let us assume we view this allegorical figure of “Night” with an occult eye, and we say to ourselves: When a person sleeps, their ego and astral body are outside the physical body and the etheric body. Then it is conceivable that someone might devise a posture, a specific position of the limbs, which is most appropriate to the position of the etheric body when the astral body and the ego are not within it. When we walk about during the day, we assume this or that posture because the astral body and the ego are within the physical body and the etheric body. But at night the astral body and the I are outside; then the etheric body is alone within the physical body. It develops its activity and mobility; this gives rise to a certain posture. And one might get the impression that there is no gesture more fitting for the free movement of the etheric body than the one Michelangelo depicted in this “Night,” a gesture so precise that one could not express it better or more precisely than through the figure’s posture, which represents the posture of the etheric body. — Now let us turn to the other figure, “Day.” Here one might say the following. Let us suppose we could induce a person to silence, as far as possible, the etheric and astral life within them, so that the ego is primarily active and evokes a gesture, and we were seeking the most appropriate gesture for the ego. Then we could find no better gesture than the one Michelangelo has expressed in “Day”! Here the gestures are no longer allegorical, but immediate, created quite realistically from life. And as it were, for a temporal eternity, they are inscribed into the development of humanity by the artist: This is what the gesture looks like that most expresses the activity of the ego, and this is what the gesture looks like that most expresses the activity of the etheric body! — And now the other figures, beginning with “Twilight.” If we imagine, in a particularly well-developed human being, the withdrawal of the etheric body—that is, the relaxation that occurs in the physical body even when death overtakes us—if we imagine not death itself, but the withdrawal of the three members: the etheric body, astral body, and the I—and look for the gesture that the physical body then makes, we have the gesture of this allegorical “Twilight” figure. And if we wish to express in a gesture the inner liveliness of the astral body amidst the minimal activity of the etheric body and the ego, the most precise one is that which Michelangelo gave to “Dawn.” So that on the one hand we have the expressions for the activity of the etheric body and the ego, and on the other hand for the activity of the physical body and the astral body. — As I said, I was reluctant to do this; but the more closely one examines these things, the more inevitably it follows. And I wish to emphasize nothing else in this matter than to show precisely how the artist creates from the spiritual world. I admit that Michelangelo did this more or less unconsciously; but what does that mean other than a shining in of the spiritual world into the physical world! Occultism will contribute not to the destruction, but to the deepening of works of art. However, the time will also come when some of what is today considered “art” will no longer be regarded as art. This may disappoint some people; but the truth will prevail. — I was quite able to understand the inner reason behind the legend that arose precisely regarding the most fully developed figure: that Michelangelo in Florence, when he was alone with “Night” in the Medici Chapel, was able to make her stand up so that she walked around! I do not wish to dwell on this further, but once one realizes that the activity of the Life-Body is expressed here, the power of the legend is already evident; it is already there.

[ 22 ] So ist es mit vielem, und so ist es auch mit Homer. Ein solches Wort fliegt an uns heran, wie es Homer sagt: Das geistige Reich, ein Reich der Schatten, in dem es keinen Wandel, keine Veränderung gibt. Wenn wir aber die Verhältnisse in dem Leben nach dem Kamaloka betrachten, dann beginnt für uns ein neues Verständnis über solche Werke eines gottbegnadeten Menschen, und vieles wird eine solche Bereicherung durch die Geisteswissenschaft erfahren.

[ 22 ] This is true of many things, and it is true of Homer as well. Such a word comes flying at us, as Homer says: the spiritual realm, a realm of shadows, in which there is no change, no transformation. But when we consider the conditions in life after the Kamaloka, a new understanding of such works by a divinely gifted person begins to dawn upon us, and much will be enriched by Spiritual Science.

[ 23 ] Es sind das Dinge, auf die man hinweisen kann, aber sie sind nicht die Hauptsachen im Leben. Die Hauptsachen im Leben sind die, daß immer Wechselverhältnisse von Mensch zu Mensch auftreten. Wenn Mensch dem Menschen so gegenübersteht, daß er jeder Menschenseele gegenüber das Spirituelle im Menschen ahnt, dann wird er sich zu ihm ganz anders stellen, als wenn er nur das im andern vorhanden glaubt, was eine materialistische Weltanschauung annimmt. Das heilige Rätsel, das uns jede Menschenseele sein muß, das kann sie unsern Gefühlen, unsern Empfindungen nach nur sein, wenn wir in unserer Seele etwas haben, was auf die andere Seele das spirituelle Licht zu werfen in der Lage ist. Durch Vertiefung in die kosmischen Geheimnisse, mit denen die menschlichen Geheimnisse zusammenhängen, lernen wir eben die menschliche Natur kennen, lernen erkennen, wem wir gegenüberstehen, wenn wir einem Menschen gegenüberstehen; lernen vor allen Dingen zum Schweigen zu bringen, was wir als Vorurteil sonst dem Menschen gegenüber haben, und lernen die echten, wahren, richtigen Seiten des Menschen fühlen und erkennen. Das wichtigste Licht, welches die Anthroposophie geben wird, wird das sein, das die Menschenseele beleuchten wird. Dadurch werden auch die rechten sozialen Empfindungen und die rechten Empfindungen der Liebe, die zwischen den Menschen walten sollen, als eine Frucht der wahren spirituellen Erkenntnis in die Welt kommen. Dies, was da kommen soll, kann eben nur aufgefaßt werden als eine Frucht, deren Wachsen und Gedeihen wir nur durch das spirituelle Erkennen pflegen können. Wenn Schopenhauer gesagt hat: «Moral predigen ist leicht, Moral begründen schwer», so hat er einem richtigen Gefühl entsprochen, denn Moralgrundsätze ausfindig machen ist ja wirklich nicht gar so schwer, und Moralpredigten halten ist auch nicht so schwer. Aber die menschliche Seele da anzufassen, wo in ihr die Erkenntnisse keimen, die durch sich selbst zur wahren Moral werden, die das menschliche Leben tragen kann, das ist es, worum es sich handelt. Wie wir uns ein jeder selber zu den spirituellen Erkenntnissen verhalten, das wird in uns auch die Keime für eine wirkliche Menschenmoral der Zukunft begründen können. Die Moral der Zukunft wird sich auf spirituelle Erkenntnis aufbauen; sie wird sich entweder so auf bauen — oder sie wird überhaupt nicht begründet werden können!

[ 23 ] These are things one can point out, but they are not the most important things in life. The main things in life are the constant interactions that occur between people. When a person faces another in such a way that they sense the spiritual aspect of every human soul, they will relate to that person quite differently than if they believed the other possessed only what a materialistic worldview assumes. The sacred mystery that every human soul must be to us can only be so to our feelings and sensibilities if we have something within our own soul that is capable of casting spiritual light upon the other soul. Through deepening our understanding of the cosmic mysteries with which human mysteries are connected, we come to know human nature, learn to recognize whom we are facing when we face a human being; above all, we learn to silence the prejudices we otherwise hold toward others, and learn to feel and recognize the genuine, true, and right aspects of the human being. The most important light that anthroposophy will provide will be the one that illuminates the human soul. Through this, the right social feelings and the right feelings of love that should prevail among people will also come into the world as a fruit of true spiritual knowledge. What is to come can only be understood as a fruit whose growth and flourishing we can nurture only through spiritual knowledge. When Schopenhauer said, “Preaching morality is easy; establishing morality is difficult,” he spoke from a true insight, for discovering moral principles is indeed not all that difficult, nor is preaching morality. But to touch the human soul where the insights germinate within it—insights that, through themselves, become true morality capable of sustaining human life—that is what is at stake. How each of us relates to spiritual insights will also be able to lay the seeds within us for a genuine human morality of the future. The morality of the future will be built upon spiritual insight; it will either be built upon this—or it will not be possible to establish it at all!

[ 24 ] Es ist notwendig, daß wir uns solches in treuer Liebe zur Wahrheit gestehen. Das erfordert von uns, daß wir uns wirklich vertiefen in das lebendige Leben und Weben des Anthroposophischen und vor allen Dingen auch das berücksichtigen, was wie eine Einleitung heute gesagt worden ist: Handeln in der geistigen Welt setzt Gemütsruhe voraus, sich würdig erweisen dem Begnadetsein; Erkennen setzt voraus tätig sein. Daraus wird es Ihnen auch verständlich sein, daß wir in der Zeit zwischen dem Tode und der neuen Geburt, wenn wir einem anderen Wesen gegenüberstehen, durch unsere Tätigkeit, die wir dann entfalten, erkennen können, ob wir ihm Liebe entzogen haben oder ob wir ihm etwas getan haben, was wir nicht hätten tun sollen. Aber die Ruhe, die notwendig ist, um die Korrektur eintreten zu lassen, jene Gemütsruhe der Seele, die können wir in diesem Zeitpunkt noch nicht entfalten. Wir werden im Laufe der Wintervorträge auch jene Zeit zwischen dem Tode und der neuen Geburt charakterisieren, wann im natürlichen Verlaufe des Lebens zwischen dem Tode und der neuen Geburt das eintritt, daß der Mensch Bedingungen zur Veränderung einer solchen Sache eintreten lassen kann, das heißt mit anderen Worten, eine Art Aufbau seines Karma bewirken kann. Wir müssen aber in einer ruhigen Weise auseinanderhalten den Zeitpunkt, den wir gerade jetzt betrachtet haben, und die folgenden Zeiten, die andere Aufgaben haben und die wir noch betrachten werden für die Zeit zwischen dem Tode und der neuen Gebutt.

[ 24 ] It is necessary that we acknowledge this to ourselves out of a sincere love for the truth. This requires that we truly immerse ourselves in the living life and fabric of anthroposophy and, above all, take into account what was said earlier today as an introduction: Action in the spiritual world presupposes peace of mind, proving oneself worthy of the gift; knowledge presupposes activity. From this, it will also be clear to you that in the time between death and the new birth, when we face another being, we can recognize through the activity we then unfold whether we have withheld love from them or whether we have done something to them that we should not have done. But the calm necessary to allow correction to take place—that peace of mind of the soul—we cannot yet develop at this point. In the course of the winter lectures, we will also characterize that time between death and the new birth, when, in the natural course of life between death and the new birth, the conditions arise that allow a person to bring about a change in such a matter—that is to say, in other words, to effect a kind of reconstruction of their karma. However, we must calmly distinguish between the moment we have just considered and the subsequent periods, which have different tasks and which we will still consider for the time between death and the new birth.

[ 25 ] Nur das soll noch gesagt werden, daß es gewisse Bedingungen gibt, unter denen der Mensch in einer günstigeren oder in einer ungünstigeren Weise sein Dasein nach dem Tode durchleben kann. Es hängt, wenn man nämlich zwei Menschen oder verschiedene Menschen nach dem Tode vergleicht, die Art, wie sie da leben gerade nach der Zeit, die unmittelbar nach dem Kamaloka-Leben folgt, ab von der moralischen Verfassung, die sie auf der Erde gehabt haben. Menschen, die auf der Erde gute moralische Eigenschaften gezeigt haben, haben die günstigsten Bedingungen in der Zeit nach dem Kamaloka; Menschen, die mangelhafte moralische Eigenschaften gezeigt haben, haben schlechte Bedingungen. Wie sich das im Leben nach dem Tode ausdrückt, möchte ich auf eine Formel bringen, die, weil ja unsere Worte für die physische Welt und nicht für die geistige Welt geprägt sind, nicht ganz genau sein kann. Man kann sich nur bemühen, sie möglichst genau zu machen. Dann aber kann man sagen: Durch moralische Verfassung unserer Seele werden wir in diesem charakterisierten Zeitpunkte gesellige Geister, die mit den anderen Geistern, also mit menschlichen oder mit Geistern der höheren Hierarchien, Geselligkeit haben. Durch mangelhafte moralische Verfassung unserer Seele werden wir nicht gesellige, sondern einsiedlerische Geister, solche Geister, die über den Nebel ihrer Vision nur außerordentlich schwer hinaus können. Und dies ist ein wesentlicher Grund des Leidens nach dem Tode: das Sich-Fühlen als ein einsamer Geist, als ein geistiger Einsiedler; während es ein wesentliches Merkmal der Geselligkeit ist, den Zusammenhang zu finden zu dem, was für einen notwendig ist, was man braucht. Und es ist eine ganz lange Zeit nötig für das Leben nach dem Tode, um diese Sphäre zu durchleben, die man im Okkultismus die Merkur-Sphäre nennt.

[ 25 ] It should only be noted that there are certain conditions under which a person may experience life after death in a more favorable or less favorable manner. When comparing two people or different people after death, the way they live in the period immediately following the Kamaloka life depends on the moral character they possessed on Earth. People who demonstrated good moral qualities on Earth have the most favorable conditions in the period following the Kamaloka; people who have shown deficient moral qualities have poor conditions. I would like to express how this manifests in life after death in a formula which, since our words are coined for the physical world and not for the spiritual world, cannot be entirely precise. One can only strive to make it as accurate as possible. But then one can say: Through the moral constitution of our soul, we become, at this specific point in time, sociable spirits who enjoy fellowship with other spirits—that is, with human spirits or with spirits of the higher hierarchies. Through the deficient moral constitution of our soul, we become not sociable but solitary spirits, spirits who find it exceedingly difficult to rise above the mist of their vision. And this is a fundamental cause of suffering after death: feeling oneself to be a lonely spirit, a spiritual hermit; whereas a fundamental characteristic of sociability is finding a connection to what is necessary for one, to what one needs. And it takes a very long time in the afterlife to pass through this sphere, which in occultism is called the Mercury sphere.

[ 26 ] Für die nächste Sphäre bleibt natürlich die moralische Stimmung der Seele noch maßgebend, aber es treten neue Bedingungen ein. Für die nächste Sphäre, die Venus-Sphäre, sind vor allen Dingen ausschlaggebend die religiösen Stimmungen der Seele. Menschen mit einem religiösen Innenleben werden in dieser Zeit gesellige Wesen werden, gleichgültig, welchem Bekenntnis sie angehörten. Dagegen Geister, welche keine religiöse Verfassung haben, verurteilt diese Sphäre wieder zu einem geistigen Beschränktsein auf sich selber, zu einem Sich-in-sich-selber-Verkriechenmüssen. Ich kann schon nicht anders, wenn es sich auch paradox ausnimmt, als sagen: Diejenigen, welche vorzugsweise eine materialistische Gesinnung haben und sich erbosen gegen religiöses Leben, sie müssen geistige Einsiedler werden, sie werden jeder gleichsam in sein Kabinett gesperrt. Und es ist nicht ein ironisches Gleichnis, sondern eine Wahrheit, wenn ich sage: Alle die, welche heute eine «monistische Religion» — also das Gegenteil von Religion — begründen, sie werden alle extra in einen Kerker gesperrt; die können sich dann absolut nicht finden.

[ 26 ] In the next sphere, the moral disposition of the soul naturally remains decisive, but new conditions come into play. In the next sphere, the sphere of Venus, the religious dispositions of the soul are, above all, decisive. People with a religious inner life will become sociable beings during this time, regardless of their religious denomination. In contrast, spirits who lack a religious disposition are condemned by this sphere to a spiritual confinement within themselves, to a necessity of retreating into themselves. I cannot help but say—even if it seems paradoxical—that those who have a predominantly materialistic outlook and are indignant toward religious life must become spiritual hermits; they will each be locked away, as it were, in their own little room. And it is not an ironic parable, but a truth, when I say: All those who today establish a “monistic religion”—that is, the opposite of religion—will all be locked away in a dungeon; they will then be utterly unable to find themselves.

[ 27 ] In dieser Weise treten die Korrekturen ein für die Irrtümer und Fehler, welche die Seele sich im Erdenleben beilegt. Irrtümer und Fehler werden auf dem physischen Plan durch sich selbst korrigiert; Irrtümer und Fehler bedeuten aber in dem Leben zwischen dem Tode und der neuen Geburt Tatsachen! Was wir hier denken, bedeutet eine Tatsache in dem Leben zwischen Tod und neuer Geburt. Es bedeutet das Denken schon eine Tatsache bei der Initiation. Ein fehlerhafter Gedanke bei der Initiation, wenn man ihn wirklich zu schauen vermag, der steht da nicht nur in all seiner Häßlichkeit, sondern mit all dem Zerstörerischen, das er in sich schließt. Von manchem Gedanken, der innerhalb dieser oder jener agitatorischen Bewegung verbreitet wird, würden sich die Menschen wahrhaftig bald abwenden, wenn sie nur eine Ahnung bekommen könnten, was er als Tatsache, als zerstörerische Tatsache bedeutet. Dies gehört nämlich auch zum Martyrium der Initiation, daß sich die Gedanken’ um uns herumgruppieren und dastehen wie verfestigte, ich möchte sagen, wie vereiste Massen, an denen wir, solange wir uns außer dem Leibe verhalten, nicht rütteln können. Haben wir einen falschen Gedanken gefaßt und treten wir aus dem Leibe heraus, so ist er da, dann können wir ihn nicht ändern. Dazu müssen wir erst wieder in den Leib zurück. Es bleibt uns zwar die Erinnerung, aber auch der Initiierte kann ihn nur innerhalb des physischen Leibes korrigieren. Aber draußen ist er wie ein Berg, der da ist. Der ganze Ernst des tatsächlichen Lebens kann nur auf solche Weise zutage treten.

[ 27 ] In this way, corrections are made for the errors and mistakes the soul commits during its earthly life. Errors and mistakes are corrected on the physical plane by themselves; but in the life between death and rebirth, errors and mistakes are facts! What we think here constitutes a fact in the life between death and rebirth. Thought itself is already a fact at the time of initiation. A flawed thought at initiation, if one is truly able to perceive it, stands there not only in all its ugliness, but with all the destructiveness it contains. People would truly soon turn away from many a thought propagated within this or that agitational movement, if only they could get a glimpse of what it means as a fact, as a destructive fact. For this, too, is part of the ordeal of initiation: that thoughts cluster around us and stand there like solidified—I would say, like frozen—masses, which we cannot shake as long as we remain outside the body. If we have conceived a false thought and step out of the body, it is there; then we cannot change it. To do so, we must first return to the body. We are left with the memory, but even the initiate can correct it only within the physical body. But outside, it is like a mountain that is simply there. The full gravity of actual life can only come to light in this way.

[ 28 ] Wenn das gesagt ist, kann es auch verständlich sein, daß für gewisse Ausgleichungen des Karma das Zurückkehren in den physischen Leib notwendig ist. Die Fehler treten uns in dem Leben zwischen dem Tode und der neuen Geburt wohl entgegen; aber was als Irrtum da war, das hat man im physischen Leibe zu korrigieren. So wird wieder im nächsten Leben ausgeglichen, was im früheren geschehen ist. Aber was in aller Stärke und in aller Fehlerhaftigkeit erkannt werden muß, das steht zunächst unwandelbar da, wie die Dinge, schon nach einem Ausspruche Homers, im geistigen Reiche sind. Die Dinge, die wir da erkennen aus der spirituellen Welt heraus, sie sollen dann als Empfindungen, als Gefühle in unsere Seele hereintreten. Sie werden schon Gefühle und sie werden dann der Grund, um das Leben in einer neuen Weise anzuschauen. Eine monistische Sonntagspredigt kann mancherlei moralische Grundsätze zeigen. Ändern werden sich dadurch — das wird die Zeit zeigen — die Menschen recht wenig, weil durch die Art und Weise, wie da gesprochen wird, die Begriffe nicht geeignet sind, um die Menschenseele real zu ergreifen. Dazu bedarf es der realen Stärke der Begriffe. Und die Begriffe erhalten die reale Stärke, wenn wir wissen: Was an deinem Karma lastet, das tritt dir nach dem Tode eine gewisse Zeit hindurch in aller Unmittelbarkeit entgegen. Du schaust, was an deinem Karma lastet, aber es bleibt so. Du kannst es jetzt nicht ändern, du kannst dich nur vertiefen, daß du es unmittelbar mit deiner Natur vereinst!

[ 28 ] Having said that, it is understandable that returning to the physical body is necessary for certain karmic adjustments. We do indeed encounter our mistakes in the life between death and rebirth; but what was an error there must be corrected in the physical body. Thus, what happened in the previous life is balanced out again in the next. But what must be recognized in all its strength and all its fallibility stands, for the time being, unchangeable, just as things are in the spiritual realm, according to a saying of Homer. The things we recognize there from the spiritual world are then to enter our soul as sensations, as feelings. They will become feelings, and they will then become the reason for viewing life in a new way. A monistic Sunday sermon may point to various moral principles. But this will change people very little—time will tell—because, due to the way in which it is spoken, the concepts are not suited to truly grasp the human soul. This requires the real strength of the concepts. And the concepts gain this real strength when we know: Whatever weighs upon your karma will confront you with complete immediacy for a certain time after death. You see what weighs upon your karma, but it remains as it is. You cannot change it now; you can only immerse yourself in it so that you unite it directly with your nature!

[ 29 ] Solche Begriffe wirken dann so auf unser Gemüt, daß wir das Leben in der richtigen Weise anzuschauen vermögen. Und dann treten alle die Dinge ein, die zur Förderung des Lebens notwendig sind, wenn die Menschheit wirklich vorwärtsschreiten soll im Sinne derer, welche die geistige Führung der Menschheit haben, im Sinne der spirituellen Leiter der Menschheit, vorwärtsschreiten soll zu denjenigen Zielen, die dieser Menschheit vorgesteckt sind.

[ 29 ] Such concepts then have such an effect on our minds that we are able to view life in the right way. And then all the things necessary for the advancement of life will come to pass, if humanity is truly to move forward in the sense intended by those who provide spiritual guidance to humanity—the spiritual leaders of humanity—and advance toward the goals set before this humanity.