What Significance does
Occult Development have for Man's Sheaths
The physical, etheric, and astral bodies, and the Self?
GA 145
24 March 1913, The Hague
Translate the original German text into any language:
Versions Available:
What Significance does Occult Development have for Man's Sheaths?, tr. SOL
6. Umwandlung von Urteil, Gefühl und Wille
6. The Transformation of Judgment, Feeling, and Will
[ 1 ] Es wird sich darum handeln, daß wir diesen Vortragszyklus gerade im richtigen Sinne nehmen, das heißt, ihn betrachten als eine Auseinandersetzung über Erlebnisse, die der Mensch durchmacht als Veränderungen in sich selbst während seiner esoterischen, oder sagen wir, durch Anthroposophie an ihm bewirkten Entwicklung, so daß das, was geschildert wird, durchaus anzusehen ist als etwas, was während der Entwicklung wirklich erlebt werden kann.
[ 1 ] The point is that we should take this lecture series in the right sense, that is, view it as an exploration of experiences that a person undergoes as changes within themselves during their esoteric development—or, let us say, the development brought about in them through anthroposophy—so that what is described can certainly be regarded as something that can truly be experienced during that development.
[ 2 ] Naturgemäß können nur hervorstechende Erlebnisse, sozusagen typische Erlebnisse auseinandergesetzt werden; allein an diesen hauptsächlichsten Erlebnissen wird man ja eine Vorstellung gewinnen können über mancherlei anderes noch, was im Verlaufe der Entwicklung zu beobachten ist. Gestern sprachen wir hauptsächlich davon, daß der Mensch sich eine feinere Empfindlichkeit gegenüber dem aneignet, was im äußeren Lebensäther oder überhaupt im Äther vorgeht. Verknüpft sind diese Erlebnisse mit mancherlei anderen, und ein Erlebnis, auf das ganz besonders zu achten ist, ist das, was wir gegenüber unserer Urteilskraft machen.
[ 2 ] Naturally, only striking experiences—so to speak, typical experiences—can be analyzed; it is only through these most significant experiences that one can gain a mental image of various other phenomena that can be observed in the course of development. Yesterday we spoke mainly about how human beings acquire a finer sensitivity to what takes place in the outer life-ether or in the ether in general. These experiences are linked to many others, and one experience that deserves special attention is what we do with regard to our power of judgment.
[ 3 ] Nicht wahr, als Menschen stehen wir ja in der Welt so, daß wir die Dinge, die an uns herantreten, in einer gewissen Weise beurteilen, daß wir uns Vorstellungen über die Dinge machen, daß wir das eine für richtig, das andere für nicht richtig halten. Wie ein Mensch imstande ist, die Dinge zu beurteilen, davon hängt ja das ab, was man in der Regel als Klugheit, als Gescheitheit, als Urteilsfähigkeit bezeichnet. Diese Klugheit, diese Gescheitheit, diese Urteilsfähigkeit wird allmählich im Laufe der Entwicklung etwas, was sich in ein anderes Licht setzt. Ein wenig ist das ja schon gestern angedeutet worden. Man findet immer mehr und mehr, daß für die eigentlichen Angelegenheiten des höheren, des spirituellen Lebens gerade diese Klugheit, diese Gescheitheit nicht von dem allergeringsten Wert ist, obwohl man sie so viel als möglich mitbringen muß von seinem Ausgangspunkt, von dem physischen Plan aus, wenn man den Weg in die höheren Welten antreten will. Und so kommt man schon einmal in die Lage, die den Nützlichkeitsmenschen leicht als unerträglich erscheinen kann: daß man etwas ganz notwendigerweise zunächst braucht für eine höhere Entwicklung und daß dennoch dann, wenn man in dieser höheren Entwicklung drinnen steht, es an Wert verliert. Man muß also gewissermaßen alles daransetzen, um eine gesunde, den Tatsachen gerecht werdende Urteilskraft hier auf dem physischen Plan zunächst zu entwickeln, muß sich aber dann klar sein darüber, daß beim Verweilen in den höheren Welten selbst diese Urteilskraft nicht den gleichen Wert hat wie hier unten auf dem physischen Plan. Wenn man gesunde höhere Sinne haben will, dann muß man von einer gesunden Urteilskraft ausgehen; aber diese gesunde Urteilskraft muß sich eben verwandeln für das höhere Anschauen in gesundes Anschauen.
[ 3 ] Isn't it true that, as human beings, we stand in the world in such a way that we judge the things that come our way in a certain way, that we form mental images about them, that we consider one thing to be right and another to be wrong? How a person is able to judge things depends, of course, on what is generally referred to as wisdom, intelligence, and discernment. This wisdom, this intelligence, this discernment gradually, in the course of development, takes on a different light. This was already hinted at a little yesterday. One finds more and more that, for the actual matters of the higher, spiritual life, precisely this wisdom, this intelligence, is of not the slightest value, although one must bring as much of it as possible from one’s starting point, from the physical plane, if one wishes to embark on the path to the higher worlds. And so one finds oneself in a situation that may easily seem unbearable to the utilitarian: that one initially needs something quite necessarily for higher development, and yet, once one is immersed in this higher development, it loses its value. One must therefore, so to speak, do everything possible to first develop a healthy power of judgment here on the physical plane that does justice to the facts, but must then be clear that, while dwelling in the higher worlds, even this power of judgment does not have the same value as it does down here on the physical plane. If one wishes to have healthy higher senses, one must start from a healthy power of judgment; but this healthy power of judgment must transform itself into healthy perception for higher perception.
[ 4 ] Nun sind wir aber, wenn wir uns noch so sehr entwickeln, immer solange wir auf dem physischen Plan zu verweilen haben, Menschen dieses physischen Planes, und auf diesem physischen Plane haben wir die Aufgabe, unsere Urteilskraft gesund zu entwickeln. Daher müssen wir sorgfältig darauf achten, daß wir beizeiten lernen, nicht miteinander zu vermischen das Leben in den höheren Welten und das Leben auf dem physischen Plan. Wer unmittelbar anwenden will dasjenige, was er für höhere Welten erlebt, auf den physischen Plan, der wird leicht zum Schwärmer, zum unbrauchbaren Menschen. Wir müssen uns angewöhnen, klar in der höheren Welt leben zu können und dann wiederum, wenn wir heraustreten aus dem Zustande dieses Lebens in den höheren Welten, möglichst uns an das zu halten, was das Richtige ist für den physischen Plan. Und diese Doppelstellung, die durch die Doppelstellung des geistigen und physischen Lebens selber gefordert wird, die müssen wir sorgfältig und gewissenhaft durchführen. Wir gewöhnen uns an eine richtige Lage zur Welt auf diesem Gebiete dadurch, daß wir möglichst uns nicht angewöhnen, in den alltäglichen Umgang hinein dasjenige zu mischen, was der höheren Welt einmal angehört; daß wir in den alltäglichen Umgang hinein möglichst wenig von dem mischen, wozu man so leicht versucht sein kann: etwa zu sagen, wenn einem irgend etwas an einem Menschen unsympathisch ist, man könne seine Aura nicht vertragen. Es ist besser, wenn man bei der gewöhnlichen Redensart bleibt für das gewöhnliche Leben, wenn man sagt: es sei einem dieses oder jenes unsympathisch. Es ist besser, daß man in dieser Beziehung ein Mensch auf dem physischen Plan unter anderen Menschen auf dem physischen Plan bleibt und möglichst mit Ausdrücken, die ja vollständig ihre Richtigkeit in bezug auf das höhere Leben haben, sparsam ist im gewöhnlichen Leben. Sorgfältig sollte man sich davor bewahren, in den täglichen Umgang Worte, Begriffe, Vorstellungen hineinzumischen, die dem höheren Leben gehören. Das könnte vielleicht wie eine Art pedantischer Forderung erscheinen demjenigen, der — nun, sagen wir — aus einer gewissen Begeisterung für das spirituelle Leben findet, daß es notwendig sei, das ganze Sein zu durchdringen mit diesem spirituellen Leben; und dennoch: Was vielleicht in einem gewöhnlichen Fall für das gewöhnliche Leben pedantisch erscheinen möchte, es ist ein wichtiger Erziehungsgrundsatz für die höheren Welten.
[ 4 ] However, no matter how much we develop, as long as we must remain on the physical plane, we are beings of this physical plane, and on this physical plane we have the task of developing our power of judgment in a healthy way. Therefore, we must take great care to learn in good time not to confuse life in the higher worlds with life on the physical plane. Anyone who seeks to apply directly to the physical plane what they experience in the higher worlds will easily become a dreamer, a useless person. We must accustom ourselves to being able to live clearly in the higher world and then, when we step out of the state of that life in the higher worlds, to adhere as much as possible to what is right for the physical plane. And this dual stance, which is demanded by the very dual nature of spiritual and physical life, we must carry out carefully and conscientiously. We accustom ourselves to a proper attitude toward the world in this regard by avoiding, as much as possible, the habit of mixing into our daily interactions that which belongs to the higher world; by mixing as little as possible into our daily interactions of what one is so easily tempted to do: for example, saying that if one finds something about a person unsympathetic, one cannot tolerate their aura. It is better to stick to ordinary expressions for ordinary life, saying that one finds this or that unsympathetic. It is better, in this regard, to remain a human being on the physical plane among other human beings on the physical plane and to use expressions—which are, of course, entirely accurate in relation to the higher life—sparingly in ordinary life. One should take great care to avoid mixing words, concepts, and mental images belonging to the higher life into daily interactions. This might perhaps appear as a kind of pedantic demand to someone who—well, let us say—out of a certain enthusiasm for spiritual life finds it necessary to permeate one’s entire being with this spiritual life; and yet: What might seem pedantic in an ordinary case for ordinary life is an important educational principle for the higher worlds.
[ 5 ] Übersetzen wir daher, wenn es uns naturgemäßer scheinen sollte, mit Worten des höheren Lebens das gewöhnliche Leben zu bezeichnen, übersetzen wir das in eine möglichst für den physischen Plan taugliche Sprache! Immer wieder und wiederum muß betont werden, daß diese Dinge nicht gleichgültig, sondern bedeutungsvoll und wirksam sind. Wenn man das voraussetzt, dann kann man auch unbefangen davon reden, wie mit Bezug auf das Leben in den höheren Welten die gewöhnliche Urteilskraft an Wert verliert, wie man gewissermaßen fühlen lernt, daß die Art, wie man vorher gescheit war, jetzt aufhören müsse. Und da merkt man dann wiederum — das ist eine Erfahrung, die man immer mehr und mehr macht — seine Abhängigkeit von dem ätherischen Leben der Welt, nämlich von der Zeit. Wie leicht trifft man es gerade in unserem Zeitalter, daß Menschen — sagen wir — von einer gewissen Jugend sich an alles, alles, was in der Welt beurteilt werden kann, heranmachen und nun glauben: Ja, wenn man sich angeeignet hat eine gewisse Urteilsfähigkeit, dann kann man über alles sein Ja und Nein sagen, dann kann man über alles mögliche philosophieren. — Dieser Glaube, daß man über alles mögliche philosophieren könne, der reißt sich bei einer esoterischen Entwicklung gründlich aus der Seele heraus; denn da merkt man, daß unsere Urteile eigentlich etwas Wesenhaftes haben, das vor allen Dingen der Reifung bedarf. Man lernt erkennen, wie man mit gewissen Vorstellungen, die man in sich aufgenommen hat, einfach eine Zeitlang leben muß, so daß unser eigener Ätherleib sich mit ihnen auseinandersetzen kann, wenn man zu einem Urteil kommen will, mit dem man selber einverstanden sein kann. Man merkt, daß man es abwarten muß, zu einem gewissen Urteil zu kommen. Man merkt erst dann die ganze, volle Bedeutung des Wortes: Ausreifenlassen dasjenige, was Seeleninhalt ist. Und man wird im Grunde genommen immer bescheidener und bescheidener.
[ 5 ] Therefore, if it seems more natural to us to describe ordinary life using the language of the higher life, let us translate that into a language as suitable as possible for the physical plane! It must be emphasized again and again that these things are not indifferent, but meaningful and effective. If one accepts this premise, then one can also speak freely about how, in relation to life in the higher worlds, ordinary judgment loses its value, how one learns, so to speak, that the way one used to be wise must now come to an end. And then one realizes once again—this is an experience one has more and more—one’s dependence on the etheric life of the world, namely on time. How often does it happen, especially in our age, that people—let’s say—of a certain youth set about everything, everything that can be judged in the world, and now believe: Yes, once one has acquired a certain capacity for judgment, then one can say yes or no to everything, then one can philosophize about all manner of things. — This belief that one can philosophize about all manner of things is thoroughly torn from the soul in the course of esoteric development; for there one realizes that our judgments actually have something essential about them that requires, above all, maturation. One learns to recognize that one must simply live with certain mental images one has taken in for a time, so that one’s own etheric body can grapple with them if one wishes to arrive at a judgment with which one can oneself agree. One realizes that one must wait before arriving at a certain judgment. Only then does one grasp the full, complete meaning of the phrase: allowing that which is the content of the soul to mature. And, fundamentally speaking, one becomes ever more and more humble.
[ 6 ] Es ist ja allerdings mit diesem Bescheidenerwerden eine so eigenartige Sache, weil man nicht immer die Waage halten kann zwischen dem Urteilenmüssen und dem Wartenkönnen auf die Reife, um über irgendeine Sache ein Urteil zu haben, weil man sich auch gerade über diese Dinge in hohem Maße täuscht und weil es eigentlich nichts Rechtes gibt als das Leben selber, das einen aufklären kann über diese Dinge. Es kann — sagen wir — bei einer Frage über irgendein Weltengeheimnis, über irgendein Weltengesetz ein Philosoph gegenübertreten einem solchen, der esoterisch bis zu einem gewissen Grade entwickelt ist. Wenn der Philosoph nur sein philosophisches Urteil fällen kann, so wird er einmal in sich den Glauben haben, daß er recht haben müsse über irgendeine Sache, und man wird begreifen, daß er diesen Glauben haben muß. Der andere wird ganz gut wissen: mit der Urteilsfähigkeit, die der Philosoph aufbringen kann, kann über die Frage überhaupt nicht entschieden werden. Denn er weiß, daß er die Vorstellungen, die der Philosoph zu einem Urteil zusammenbraut, in vergangenen Zeiten in sich aufgenommen hat, daß er sie ausreifen ließ in sich und daß ihm das erst die Möglichkeit gebracht hat, eine Anschauung zu haben über die Sache; er weiß, daß er gelebt hat mit der Sache und daß er sich dadurch reif gemacht hat zu diesem Urteil, welches er jetzt auf einer höheren Stufe der Reife fällt. Aber eine Verständigung zwischen beiden ist eigentlich ausgeschlossen, kann gar nicht unmittelbar herbeigeführt werden in vielen Fällen; nur dann kann sie herbeigeführt werden, wenn in dem Philosophen ein Gefühl auftaucht von der Notwendigkeit des Ausreifens gewisser Seeleninhalte, bis man sich über sie eine Meinung gestatten darf. Meinungen, Anschauungen — das lernt man immer mehr und mehr erkennen — müssen erkämpft, müssen errungen werden. Dafür eignet man sich eine tiefe, eine intensive Empfindung an, und das rührt davon her, weil man dieses innere Zeitgefühl bekommt, das im wesentlichen mit der Entwicklung des Ätherleibes zusammenhängt.
[ 6 ] It is, however, such a peculiar thing with this growing humility, because one cannot always strike a balance between the need to judge and the ability to wait for the maturity to form a judgment on any given matter, because one is also greatly mistaken precisely about these things, and because there is actually nothing more reliable than life itself, which can enlighten one about these matters. It can happen—let’s say—that in a question concerning some mystery of the world, some law of the world, a philosopher may confront someone who is esoterically developed to a certain degree. If the philosopher can only pass his philosophical judgment, he will eventually come to believe within himself that he must be right about a certain matter, and one will understand that he must hold this belief. The other person will know full well: with the capacity for judgment that the philosopher can muster, the question cannot be decided at all. For he knows that he has absorbed within himself the mental images the philosopher has concocted into a judgment in times past, that he has allowed them to mature within himself, and that this alone has given him the possibility of having a view of the matter; he knows that he has lived with the matter and that through this he has made himself ready for this judgment, which he now passes at a higher stage of maturity. But understanding between the two is actually impossible; in many cases, it cannot be brought about directly at all; it can only be brought about when a feeling arises in the philosopher regarding the necessity of allowing certain inner contents to mature before one may form an opinion about them. Opinions, views—as one learns to recognize more and more—must be fought for, must be won. To this end, one acquires a deep, intense feeling, and this stems from the fact that one develops this inner sense of time, which is essentially connected with the development of the etheric body.
[ 7 ] Ja, man merkt allmählich einen gewissen Gegensatz in der Seele heraufkommen zwischen der Art, wie man früher geurteilt hat, und wie man jetzt, nachdem man sich eine gewisse Reife in der entsprechenden Angelegenheit errungen hat, urteilt; und man merkt, wie das, was man in der Vergangenheit hat urteilen können, und das, was man jetzt urteilt, sich wie zwei Mächte gegenüberstehen, und man merkt dann eine gewisse innere Beweglichkeit des Zeitlichen in sich, man merkt, wie durch das Spätere das Frühere überwunden werden muß. Dies ist das Heraufdämmern eines gewissen Zeitgefühles im Bewußtsein, das auftritt durch das Vorhandensein innerer Kämpfe, die aber nur dadurch auftreten, daß das Spätere mit dem Früheren in einen gewissen Gegensatz kommt. Dieses ist durchaus notwendig sich anzueignen als ein inneres Zeitgefühl, als eine innere Zeitempfindung; denn daran müssen wir festhalten, daß wir das Ätherische nur erfahren lernen, wenn wir uns einen inneren Zeitbegriff aneignen.
[ 7 ] Yes, one gradually begins to sense a certain conflict arising within the soul between the way one used to judge things and the way one judges them now, having attained a certain maturity in the matter at hand; and one notices how what one was able to judge in the past and what one judges now stand opposed to one another like two forces, and one then notices a certain inner fluidity of the temporal within oneself; one notices how the later must overcome the earlier. This is the dawning of a certain sense of time in consciousness, which arises through the presence of inner struggles, but which arise only because the later comes into a certain contrast with the earlier. It is absolutely necessary to acquire this as an inner sense of time, as an inner perception of time; for we must hold fast to the fact that we can only learn to experience the ethereal if we acquire an inner concept of time.
[ 8 ] Des weiteren wird uns das ein gewisses Erlebnis, daß wir immer das Gefühl haben: das Frühere rührt von uns selber her in unserem Urteil, in unserer Erkenntnis; das Spätere ist wie in uns eingeflossen, ist uns wie entgegengeströmt, ist uns verliehen worden. Immer deutlicher tritt das Gefühl eben hervor von dem, was schon gestern erwähnt worden ist: daß die Gescheitheit, die aus einem selber stammt, abgelöst werden muß von der Weisheit, die wie durch eine Art von Hingabe an einen aus der Zukunft entgegenfließenden Strom erworben wird. Sich erfüllt fühlen von Gedanken, im Gegensatz zu dem, was man früher getan hat, da man gelebt hat in dem Bewußtsein, man mache die Gedanken, das bezeugt den Fortschritt. Indem man immer mehr und mehr fühlen lernt, man macht nicht mehr Gedanken, sondern die Gedanken denken sich in einem, indem man dieses Gefühl hat, hat man ein Zeichen dafür, daß der ätherische Leib allmählich in sich das notwendige innere Zeitgefühl entwickelt. Alles Frühere wird den Beigeschmack des egoistisch Gemachten haben; alles das, was beim Heranreifen erlangt ist, wird den Beigeschmack haben, daß es verbrennt dasjenige, was man selber gemacht hat, daß es aufzehrt dasjenige, was man selber gemacht hat. Und so verwandelt man allmählich sein Inneres in ein ganz merkwürdiges Erleben: Man kommt immer mehr und mehr zu dem Bewußtsein davon, daß das eigene Denken, das eigene Gedankenmachen unterdrückt werden müsse, weil es etwas Minderwertiges ist, und daß das Sichhingeben an die Gedanken, die einem aus dem Kosmos zuströmen, das eigentlich Wertvolle ist.
[ 8 ] Furthermore, we have a certain experience: we always feel that the former stems from within ourselves—in our judgment, in our understanding—while the latter has, as it were, flowed into us, has come to us as a countercurrent, has been bestowed upon us. The feeling mentioned yesterday becomes ever clearer: that the cleverness that originates from within oneself must be replaced by the wisdom acquired through a kind of surrender to a stream flowing toward one from the future. Feeling filled with thoughts, in contrast to what one did before, when one lived in the consciousness of creating one’s own thoughts—this testifies to progress. As one learns more and more to feel that one no longer creates thoughts, but rather that thoughts think themselves within one, having this feeling is a sign that the etheric body is gradually developing within itself the necessary inner sense of time. Everything from the past will have the aftertaste of what was done selfishly; everything attained through maturation will have the aftertaste of burning away what one has made oneself, of consuming what one has made oneself. And so one gradually transforms one’s inner life into a most remarkable experience: one becomes increasingly aware that one’s own thinking, one’s own act of thinking, must be suppressed because it is something inferior, and that surrendering to the thoughts flowing toward one from the cosmos is what is truly valuable.
[ 9 ] Das Eigenleben verliert sozusagen einen seiner Teile — das ist außerordentlich wichtig —, es verliert den Teil, den wir vorzugsweise das Selbstdenken nennen, und übrig bleibt nur das Selbstfühlen, Selbstempfinden und Selbstwollen. Aber auch diese erfahren eine Veränderung gleichzeitig mit dem Denken. Man macht nicht mehr seine Gedanken, sondern sie denken sich im Innern der Seele. Mit dem Gefühl, daß die Gedanken Eigenkräfte haben, durch die sie sich denken, kommt ein gewisses Zusammenfließen von Gefühl und Wille. Gefühl — könnte man sagen — wird immer mehr und mehr aktiv, und Wille wird immer mehr und mehr gefühlsmäßig. Gefühl und Wille werden miteinander verwandter, als sie vorher auf dem physischen Plan waren. Man kann da nicht mehr einen Willensimpuls fassen, ohne daß man ein Gefühl damit entwickelt. Manches von dem, was man tut, erzeugt einem ein bitteres Gefühl, anderes erzeugt einem ein erhebendes Gefühl. Gleichzeitig mit seinem Willen fühlt man in sich ein gefühlsmäßiges Richteramt über seine eigenen Willensimpulse. Gefühle, die bloß um des Genusses willen da sind, an denen erlebt sich allmählich, daß sie einem zu einer Art von Vorwurf gereichen; Gefühle aber, welche so empfunden werden, daß man sich sagt, man muß als Menschenseele den Schauplatz für solche Gefühle abgeben, man muß sie innerlich erleben, sonst würden sie im Weltenall nicht da sein, solche Gefühle findet man nach und nach gerechtfertigter als die anderen.
[ 9 ] One’s inner life loses, so to speak, one of its components—and this is of extraordinary importance—it loses the component we prefer to call “self-thinking,” and all that remains is self-feeling, self-sensation, and self-will. But these, too, undergo a transformation at the same time as thinking. One no longer forms one’s thoughts; rather, they form themselves within the soul. With the sense that thoughts possess their own forces through which they form themselves, a certain convergence of feeling and will arises. Feeling—one might say—becomes increasingly active, and will becomes increasingly emotional. Feeling and will become more closely related to one another than they were previously on the physical plane. One can no longer grasp a volitional impulse without developing a feeling along with it. Some of what one does produces a bitter feeling, while other things produce an uplifting feeling. Simultaneously with one’s will, one feels within oneself an emotional judgment regarding one’s own volitional impulses. Feelings that exist merely for the sake of pleasure gradually come to be experienced as a kind of reproach; but feelings that are perceived in such a way that one tells oneself that, as a human soul, one must provide the setting for such feelings—one must experience them inwardly, otherwise they would not exist in the universe—such feelings are gradually found to be more justified than the others.
[ 10 ] Es sei gleich ein besonderes Beispiel angeführt, und zwar ein radikales Beispiel, damit das, was gemeint ist, recht deutlich hervortreten kann. Irgend jemand — es soll damit nichts profaniert werden, sondern die Sache nur radikal ausgedrückt werden —, irgend jemand könnte so recht seine Freude haben an einer guten Mahlzeit, an einem guten Mahle. Wenn er diese Freude erlebt, so geschieht etwas mit ihm — das ist ganz zweifellos —, aber es verändert sich nicht viel im Welteninhalt, im Kosmos, ob der einzelne diese Freude an einem guten Mahle hat oder nicht; es macht das für das allgemeine Weltenleben nicht viel aus. Wenn aber jemand hernimmt das Johannes-Evangelium und liest darin nur drei Zeilen, so macht das ungeheuer viel für das ganze Weltenall aus; denn wenn zum Beispiel niemand unter den Erdenseelen das Johannes-Evangelium lesen würde, würde die ganze Erdenmission nicht erfüllt werden können: von unserer Teilnahme an solchen Dingen strahlen aus spirituell die Kräfte, welche der Erde immer neues Leben zuführen gegenüber dem, was in ihr abstirbt.
[ 10 ] Let us take a specific example right away—a radical one, in fact—so that what is meant may become quite clear. Anyone—and this is not meant to trivialize the matter, but merely to express it in radical terms—anyone could truly take pleasure in a good meal. When they experience this joy, something happens to them—that is quite certain—but not much changes in the fabric of the world, in the cosmos, whether the individual experiences this joy in a good meal or not; it makes little difference to the general life of the world. But if someone takes up the Gospel of John and reads just three lines from it, that makes an enormous difference to the entire universe; for if, for example, no one among the souls on Earth were to read the Gospel of John, the entire mission of the Earth could not be fulfilled: from our participation in such things radiate, spiritually, the forces that constantly bring new life to the Earth in contrast to what dies within it.
[ 11 ] Man muß sich einen Unterschied im Erleben aneignen zwischen demjenigen, was bloß egoistisches Fühlen ist, und dem, wo wir nur den Schauplatz abgeben zu dem Erleben des Gefühls, das da sein muß für das Weltendasein. Es kann unter Umständen ein Mensch äußerlich sehr wenig tun, aber wenn er, nicht um einen persönlichen Genuß zu haben, sondern mit einer entwickelten Seele weiß, daß in seinem Gefühl die Gelegenheit gegeben wird, daß dieses Gefühl, welches für das Weltendasein wichtig ist, überhaupt vorhanden ist, so tut er damit außerordentlich viel. So sonderbar es erscheint, so sei auch noch das Folgende gesagt: Es hat einmal einen griechischen Philosophen gegeben, der Plato hieß. Es rühren von ihm Schriften her. Solange man nur auf dem physischen Plan lebt mit seiner Seele, liest man diese Schriften, um sich aus ihnen zu belehren. Eine solche äußere Belehrung hat ihre Bedeutung für den physischen Plan, und es ist ganz gut, wenn man alles mögliche benutzt, um sich auf dem physischen Plane zu belehren, denn sonst bleibt man eben dumm. Die Dinge, die auf dem physischen Plane geleistet werden, sind dazu da, daß man sich aus ihnen belehrt. Wenn aber die Seele esoterisch sich entwickelt hat, dann nimmt sie — sagen wir — den Plato und liest ihn wiederum aus einem anderen Grunde: nämlich weil der Plato mit seinen Schöpfungen nur dann einen Sinn im Erdendasein gehabt hat, wenn das, was er geschaffen hat, in Seelen auch erlebt wird; und man liest dann nicht nur, um sich zu belehren, sondern man liest, weil dadurch etwas getan wird.
[ 11 ] One must learn to distinguish, in one’s experience, between what is merely selfish feeling and that in which we merely provide the setting for the experience of the feeling that must exist for existence in the world. Under certain circumstances, a person may do very little outwardly, but if, not for personal pleasure, but with a developed soul, he knows that the opportunity is given in his feeling for this feeling—which is important for worldly existence—to be present at all, then he is doing an extraordinary amount. As strange as it may seem, let the following also be said: There once was a Greek philosopher named Plato. Writings are attributed to him. As long as one lives with one’s soul solely on the physical plane, one reads these writings to learn from them. Such external instruction has its significance for the physical plane, and it is quite good to use everything possible to educate oneself on the physical plane, for otherwise one simply remains ignorant. The things accomplished on the physical plane are there so that one may learn from them. But when the soul has developed esoterically, then it takes—let us say—Plato and reads him for a different reason: namely, because Plato’s creations only had meaning in earthly existence if what he created is also experienced in souls; and one then reads not merely to learn, but because something is accomplished through it.
[ 12 ] So müssen wir uns etwas aneignen für unser Fühlen, was uns einen Unterschied erkennen läßt zwischen egoistischem Fühlen, das mehr nach der Genußseite hingeht, und unegoistischem Fühlen, welches einem erscheint wie eine spirituelle Verpflichtung. Sogar bis ins äußere Leben und in die äußerliche Lebensanschauung kann sich das hineinerstrecken. Und hier kommen wir auf einen Punkt zu sprechen, welcher — man möchte sagen — aus dem einzelnen Erleben in das soziale Erleben hineinleuchtet. Wenn derjenige, der mit den Geheimnissen der Esoterik bekannt ist, sich das äußere Weltentreiben anschaut: wie so viele Menschen die freie Zeit, die ihnen bleibt, verschwenden, statt ihre Gefühle zu veredeln in Anknüpfung an das, was dem Erdendasein aus den geistigen Schöpfungen kommt, dann möchte der, der eine esoterische Entwicklung durchgemacht hat, weinen über die Stumpfheit im Menschendasein, das vorübergeht an dem, was da ist, damit es durch menschliches Fühlen und menschliches Empfinden ströme. Und es ist auf diesem Gebiete durchaus darauf aufmerksam zu machen, daß da, wo diese Erlebnisse beginnen, schon ein gewisser feinerer Egoismus in der Menschennatur auftreten wird. Wir werden in den nächsten Vorträgen hören, wie dieser feinere Egoismus dazu angetan ist, sich selber zu überwinden; aber es tritt das durchaus zuerst wie ein feinerer Egoismus auf, und man wird während der spirituellen Entwicklung an sich erfahren können, daß eine Art höherer Genußbedürftigkeit auftritt, eine Genußbedürftigkeit gegenüber geistigen Dingen und geistigen Angelegenheiten. Und so grotesk es klingen mag, so ist es doch wahr, derjenige, der eine esoterische Entwicklung durchmacht, er sagt sich von einem bestimmten Punkte an, wenn er auch dieses Bewußtsein nicht bis zum Hochmut und zur Eitelkeit kommen lassen darf, er sagt sich: Dasjenige, was an geistigen Schöpfungen auf der Erde vorliegt, muß von mir genossen werden; es ist da, um von mir genossen zu werden. So gehört es sich. — Und man entwickelt einen gewissen Drang allmählich nach solchen geistigen Genüssen. Die Esoterik wird schon in dieser Beziehung kein Unheil stiften in der Welt; denn man kann sich versichert halten, daß, wenn solche Genußsucht gegenüber den geistigen Schöpfungen der Menschheit auftritt, diese nicht zum Nachteil sein wird.
[ 12 ] We must therefore develop a capacity within ourselves that allows us to distinguish between selfish feelings, which tend more toward the pursuit of pleasure, and unselfish feelings, which appear to us as a spiritual obligation. This can even extend into our external life and our outward outlook on life. And here we come to a point that—one might say—shines from individual experience into social experience. When the person familiar with the mysteries of esotericism observes the goings-on of the outer world—how so many people waste the free time they have left instead of refining their feelings in connection with what comes to earthly existence from the spiritual creations— then the one who has undergone an esoteric development would like to weep over the dullness in human existence that passes by what is there to flow through human feeling and human perception. And in this realm, it is certainly worth noting that where these experiences begin, a certain finer egoism will already arise in human nature. In the next lectures we shall hear how this more subtle egoism is inclined to overcome itself; but it certainly appears at first as a more subtle egoism, and one will be able to experience for oneself during spiritual development that a kind of higher need for enjoyment arises, a need for enjoyment in relation to spiritual things and spiritual matters. And as grotesque as it may sound, it is nevertheless true: the person undergoing esoteric development tells himself, from a certain point onward—though he must not allow this awareness to develop into arrogance or vanity—he tells himself: What exists on Earth in the form of spiritual creations must be enjoyed by me; it is there to be enjoyed by me. That is how it should be. — And one gradually develops a certain craving for such spiritual pleasures. Esotericism will cause no harm in the world in this regard; for one can be assured that, even if such a craving for the spiritual creations of humanity arises, it will not be to the detriment of humanity.
[ 13 ] Im Gefolge davon tritt aber noch etwas anderes auf. Man fühlt also nach und nach seinen eigenen Ätherleib gewissermaßen erwachen dadurch, daß man das eigene Denken wie etwas Minderwertiges fühlt, daß man die Gedanken, die in einen einströmen wie von dem Kosmos, von dem gottdurchwobenen Kosmos einströmen fühlt. Man fühlt immer mehr und mehr, wie Wille und Gefühl aus einem selber aufsteigen; Egoität beginnt man zu fühlen eigentlich nur noch in Wille und Gefühl, während man wie etwas, das einen mit der ganzen Welt verbindet, die Gaben der Weisheit empfindet, von denen man sich durchströmt fühlt. Und dann ist dieses Erlebnis mit einem anderen verbunden: Man beginnt diese innere Wirksamkeit von Gefühl und Willen mit innerer Sympathie und Antipathie durchwirkt zu erleben. Das Gefühl wird immer feiner und feiner dafür: Wenn du dieses oder jenes tust, so ist es eine Schande, da du ein gewisses Quantum von Weisheit doch in dir hast. — Von anderem kann man fühlen: Es ist würdig, es zu tun, da man dieses Quantum von Weisheit fühlt. — Ein im Fühlen auftretendes Erleben der Selbstkontrolle stellt sich naturgemäß ein. Ein bitteres Gefühl überkommt einen, wenn man von sich aufsteigen fühlt einen Willen, der einen drängt, dieses oder jenes zu tun, was doch nicht gerechtfertigt erscheint gegenüber der Weisheit, deren man teilhaftig geworden ist. Dieses bittere Gefühl wird am deutlichsten wahrgenommen gegenüber dem, was man gesprochen hat; und es ist gut bei dem anthroposophisch sich Entwickelnden, nicht mit Unaufmerksamkeit darüber hinwegzugehen, wie sich gerade in dieser Beziehung verfeinern kann das ganze innere Empfindungsleben. Während der Mensch des exoterischen Lebens, wenn er Worte ausgesprochen hat, wenn er dieses oder jenes gesagt hat, es auch abgetan hat, stellt sich bei demjenigen, der eine esoterische Entwicklung durchgemacht hat, ein deutliches Nachgefühl gerade gegenüber dem Gesprochenen ein: etwas wie eine innere Schande, wenn er etwas Unrichtiges in moralischer oder intellektueller Beziehung ausgesprochen hat, etwas wie eine Art von Dankbarkeit — nicht Wohlgefallen mit sich selbst —, wenn es einem gelungen ist, so etwas auszusprechen, wozu die errungene Weisheit «ja» sagen kann. Und fühlt man — man bekommt auch dafür eine feine Empfindung —, daß etwas auftaucht wie innere Selbstbefriedigung, Selbstgefälligkeit, wenn man etwas Richtiges gesagt hat, dann läßt man sich das zum Zeugnis dafür sein, daß man noch zuviel Eitelkeit in sich trägt, die nichts taugt in der Entwicklung des Menschen. Man lernt unterscheiden zwischen dem Gefühl der Befriedigung, wenn man etwas gesagt hat, womit man einverstanden sein kann, und der Selbstgefälligkeit, die nichts taugt. Man versuche dieses Gefühl nicht aufkommen zu lassen, sondern nur die Empfindung zu entwickeln gegenüber der Schande, wenn man Unrichtiges und Unmoralisches gesagt hat, und gegenüber der Dankbarkeit für die Weisheit, die einem zuteil geworden ist und die man nicht als seine eigene beansprucht, sondern als vom Weltenall geschenkt, wenn es einem gelungen ist, etwas ihr Angemessenes zu sagen.
[ 13 ] But something else also arises as a result. One gradually feels one’s own etheric body, as it were, awakening through the fact that one perceives one’s own thinking as something inferior, that one feels the thoughts flowing into one as if from the cosmos, from the cosmos interwoven with God. One feels more and more how will and feeling rise up from within oneself; one begins to feel egoity, in fact, only in will and feeling, while one perceives the gifts of wisdom—which one feels flowing through oneself—as something that connects one to the whole world. And then this experience is linked to another: one begins to experience this inner activity of feeling and will interwoven with inner sympathy and antipathy. The feeling becomes ever finer and finer in this regard: if you do this or that, it is a shame, since you do possess a certain measure of wisdom within you. — One can feel about other things: It is worthy to do them, since one feels this measure of wisdom. — An experience of self-control arising in feeling naturally sets in. A bitter feeling comes over one when one feels a will rising within oneself that urges one to do this or that, which does not seem justified in the face of the wisdom one has come to share. This bitter feeling is most clearly perceived in relation to what one has spoken; and it is good for those developing anthroposophically not to overlook this through inattention, for it is precisely in this regard that the entire inner life of feeling can be refined. While the person living an exoteric life, once they have spoken words, once they have said this or that, has also dismissed it, the person who has undergone esoteric development experiences a distinct aftereffect precisely in relation to what has been spoken: something like an inner sense of shame if they have uttered something incorrect in a moral or intellectual sense, something like a kind of gratitude—not self-satisfaction—if they have succeeded in saying something to which the wisdom they have attained can say “yes.” And if one feels—one also develops a subtle sense for this—that something like inner self-satisfaction or self-complacency arises when one has said something correct, then one takes this as evidence that one still harbors too much vanity within oneself, which is of no use in human development. One learns to distinguish between the feeling of satisfaction when one has said something with which one can agree, and the self-satisfaction that is of no use. One should try not to let this feeling arise, but rather to develop a sense of shame when one has said something incorrect or immoral, and a sense of gratitude for the wisdom that has been bestowed upon one—which one does not claim as one’s own, but rather as a gift from the universe—when one has succeeded in saying something appropriate to it.
[ 14 ] Nach und nach empfindet man auch so gegenüber seinem eigenen Denken. Es ist ja vorhin gesagt worden: Man muß ein Mensch auf dem physischen Plane bleiben; man muß also neben dem, daß man den selbstgemachten Gedanken nicht allzuviel Wert beimißt, diese Gedanken doch machen, aber dieses Selbstdenken verwandelt sich jetzt auch, und zwar so, daß man es unter die eben charakterisierte Selbstkontrolle stellt. Bei einem Gedanken, von dem man sich sagen kann: du hast ihn gemacht und er ist angemessen der Weisheit, — bei diesem Gedanken entwickelt man ein Gefühl der Dankbarkeit gegenüber der Weisheit. Ein Gedanke, der aufsteigt als irrtümlicher, unschöner, unmoralischer Gedanke, der führt zu einem gewissen inneren Schamgefühl, und man bekommt die Empfindung: So kannst du noch sein; das ist noch möglich, daß du so viel Egoität hast, um das zu denken gegenüber dem, was schon als Weisheit in dich eingezogen ist! — Das ist ungeheuer wichtig, eine solche Art von Selbstkontrolle in seinem Inneren zu fühlen. Diese Selbstkontrolle hat noch die Eigentümlichkeit, daß sie einem nie gegeben wird durch den kritischen Verstand, sondern immer auftritt im Fühlen, im Empfinden.
[ 14 ] Gradually, one begins to feel this way about one’s own thinking as well. As was said earlier: one must remain a human being on the physical plane; so, in addition to not attaching too much value to one’s own thoughts, one must still form these thoughts; but this independent thinking is now also transforming, in such a way that one places it under the self-control just described. With a thought of which one can say: you have formed it and it is in keeping with wisdom—with this thought, one develops a feeling of gratitude toward wisdom. A thought that arises as an erroneous, ugly, immoral thought leads to a certain inner sense of shame, and one gets the feeling: “You can still be like this; it is still possible that you have so much egoism as to think this in the face of what has already entered you as wisdom!” — It is immensely important to feel this kind of self-control within oneself. This self-control has the peculiarity that it is never given to one by the critical mind, but always arises in feeling, in sensation.
[ 15 ] Achten wir wohl darauf, meine lieben Freunde: Derjenige, der nur gescheit ist, der nur Urteilskraft in bezug auf das äußere Leben hat, kritisch ist, der kann zu dem, um was es sich handelt, niemals kommen; denn das muß im Fühlen aufkommen. Wenn es im Gefühl auftaucht, wenn man dieses Gefühl sich errungen hat, so ist es ein Gefühl, das wie aus dem eigenen Innern aufsteigt; man identifiziert sich dann mit diesem Gefühl der Scham oder Dankbarkeit und man empfindet sein Selbst verbunden mit diesem Gefühl. Und wenn ich schematisch aufzeichnen sollte, was man da erlebt, so müßte ich sagen, daß es ist, wie wenn man Weisheit von oben einströmend, von oben also einem entgegenkommend fühlte, von vorne in das Haupt einströmend und dann einen von oben nach unten ausfüllend. Dagegen empfindet man, wie einem aus dem eigenen Leib entgegenströmt etwas von Scham, so daß man sich identifiziert mit diesen Gefühlen, und sich das, was als Weisheit da ist, anspricht als etwas, was von außen gegeben ist; und man empfindet in sich eine Region, wo sich begegnet das, was jetzt das Ich ist, dieses Gefühl, und die einströmende, einem geschenkte Weisheit.
[ 15 ] Let us take heed, my dear friends: the person who is merely intelligent, who possesses only the power of judgment regarding external life, who is critical—such a person can never arrive at the heart of the matter; for that must arise from feeling. When it arises in feeling, when one has attained this feeling, it is a feeling that rises as if from one’s own inner being; one then identifies with this feeling of shame or gratitude and feels one’s self connected to this feeling. And if I were to sketch out schematically what one experiences there, I would have to say that it is as if one felt wisdom flowing in from above, coming toward one from above, flowing into the head from the front, and then filling one from top to bottom. In contrast, one feels something like shame flowing toward one from one’s own body, so that one identifies with these feelings, and what is present as wisdom speaks to one as something given from outside; and one perceives within oneself a region where what is now the ego, this feeling, and the inflowing wisdom bestowed upon one meet.
[ 16 ] Diese Region, wo die beiden zusammenkommen, die kann man innerlich erleben. Fühlt man dieses Zusammenkommen, so ist dieses das richtige innere Erleben der ätherischen Welt. Man erlebt, wie sich hereindrängen die Gedanken aus der äußeren ätherischen Welt — denn das ist die Weisheit, die aus der äußeren ätherischen Welt einem entgegenströmt, was da hereindrängt und empfunden wird durch die beiden Gefühle. Das ist die richtig empfundene ätherische Welt, — und wenn wir sie so empfinden, steigen wir auf zu den höheren Wesen, die nur bis zu einem Ätherleib herunterkommen und nicht bis zu einem physischen Menschenleib. — Dagegen kann man auch diese ätherische Welt in einer gewissen Weise unrichtig erleben. Richtig wird die ätherische Welt zwischen Denken und Fühlen erlebt, wie eben gezeigt worden ist: das Erlebnis ist also ein rein innerer seelischer Vorgang. Unrichtig kann die elementarische oder ätherische Welt erlebt werden, wenn man sie erlebt an der Grenze zwischen Atmen und unserem eigenen Ätherleib. Wenn man zu früh oder überhaupt unrichtig Atemübungen macht, so wird man allmählich ein Zeuge seines eigenen Atmungsprozesses. Mit dem Atmungsprozeß, den man dann wahrnimmt — während man sonst atmet, ohne es wahrzunehmen —, kann man sich aneignen ein wie sich selber empfindendes Atmen. Und zu diesem Empfinden kann sich gesellen ein gewisses Wahrnehmen der ätherischen Welt. Man kann sich durch alle möglichen Atmungsprozesse ein Erfahren, ein Beobachten ätherischer Prozesse aneignen, die in der Außenwelt real sind, die aber zu den niedersten äußerlichen psychischen Prozessen gehören und die einem niemals, wenn man sie zu früh erlebt, einen richtigen Begriff geben werden von der wahren geistigen Welt.
[ 16 ] This region where the two come together can be experienced inwardly. If one feels this coming together, this is the true inner experience of the etheric world. One experiences how thoughts from the outer etheric world pour in—for this is the wisdom that flows toward us from the outer etheric world, which pours in and is perceived through these two feelings. This is the correctly perceived etheric world—and when we perceive it in this way, we ascend to the higher beings who descend only as far as an etheric body and not as far as a physical human body. — On the other hand, one can also experience this etheric world incorrectly in a certain way. The etheric world is correctly experienced between thinking and feeling, as has just been shown: the experience is thus a purely inner psychological process. The elemental or etheric world can be experienced incorrectly if one experiences it at the boundary between breathing and one’s own etheric body. If one performs breathing exercises too early or incorrectly, one gradually becomes a witness to one’s own breathing process. Through the breathing process one then perceives—whereas one otherwise breathes without perceiving it—one can acquire a sense of breathing that feels like oneself. And this sensation may be accompanied by a certain perception of the etheric world. Through all manner of breathing processes, one can acquire an experience, an observation of etheric processes that are real in the external world, but which belong to the lowest external psychic processes and which, if experienced too early, will never give one a true understanding of the true spiritual world.


[ 17 ] Gewiß, es kann von einem gewissen Zeitpunkt des esoterischen Übens an auch ein regulierter Atmungsprozeß eintreten; aber er muß in der richtigen Weise geführt werden. Dann kommt das zustande, daß wir die ätherische Welt wahrnehmen, wie es geschildert worden ist, an der Grenze zwischen dem Denken und Fühlen, und daß nur unterstützt wird dasjenige, was wir da kennenlernen, dadurch, daß wir auch die groben ätherischen Vorgänge kennenlernen, die sich an der Grenze der ätherischen Welt und unseres Atmungsvorganges abspielen. Denn die Sache ist so, daß es eine Welt wirklicher höherer Geistigkeit gibt; die erreichen wir durch jenen Prozeß, der beschrieben worden ist, zwischen der Weisheit und dem Fühlen; da dringen wir hinauf bis zu den Taten, welche in der ätherischen Welt die Wesen der höheren Hierarchien verrichten. Aber es gibt eine große Anzahl von allen möglichen guten und schlechten und widrigen und schauerlichen und schädlichen Elementarwesen, die, wenn wir mit ihnen zur Unzeit bekannt werden, sich uns so aufdrängen, als ob sie wirklich eine wertvolle geistige Welt wären, während sie nichts anderes sind als in einer gewissen Weise die letzten Abfallwesen der geistigen Welt. Derjenige, der in die geistige Welt eindringen will, muß ja schon auch mit diesen Wesenheiten bekannt werden; aber es ist nicht gut, zuerst mit ihnen bekanntzuwerden. Denn das Eigentümliche ist dieses, meine lieben Freunde, daß, wenn man mit diesen Wesenheiten zunächst bekannt wird, ohne den schwierigeren Weg des eigenen inneren Erlebens zu gehen, dann bekommt man eine Vorliebe für diese Wesenheiten, eine ungeheure Vorliebe für diese Wesenheiten. Und da kann es sich herausstellen, daß jemand, der auf unrichtige Weise, namentlich durch solche physische Trainierung, die man eine Änderung des Atmungsprozesses nennen kann, sich so hinauflebt in die geistige Welt, daß er gewisse Dinge beschreibt aus diesen geistigen Welten, so wie sie ihm erscheinen. Und er beschreibt sie so, daß manche Menschen sie hinnehmen als etwas außerordentlich Schönes, während sie für denjenigen, der sie im inneren Erleben wahrnimmt, Schauerliches und Ekelhaftes sein können. Diese Dinge sind durchaus möglich im Erleben der geistigen Welt.
[ 17 ] Certainly, from a certain point in esoteric practice, a regulated breathing process may also occur; but it must be guided in the proper way. Then it comes about that we perceive the etheric world, as has been described, at the boundary between thinking and feeling, and that what we come to know there is supported only by our also coming to know the gross etheric processes that take place at the boundary between the etheric world and our breathing process. For the fact is that there is a world of true higher spirituality; we reach it through that process described, between wisdom and feeling; there we ascend to the deeds performed in the etheric world by the beings of the higher hierarchies. But there is a great multitude of all manner of good and bad, adverse, dreadful, and harmful elemental beings who, if we become acquainted with them at the wrong time, impose themselves upon us as if they were truly a valuable spiritual world, whereas they are nothing other than, in a certain sense, the lowest fallen beings of the spiritual world. Anyone who wishes to enter the spiritual world must, of course, also become acquainted with these beings; but it is not good to become acquainted with them first. For the peculiar thing is this, my dear friends, that if one first becomes acquainted with these beings without taking the more difficult path of one’s own inner experience, then one develops a fondness for these beings, an immense fondness for these beings. And it may turn out that someone who, in an incorrect manner—namely through such physical training that can be called a modification of the breathing process—elevates themselves into the spiritual world to such an extent that they describe certain things from these spiritual worlds as they appear to them. And they describe them in such a way that some people accept them as something extraordinarily beautiful, while for the one who perceives them in inner experience, they can be terrifying and repulsive. These things are entirely possible in the experience of the spiritual world.
[ 18 ] Von anderen Vorgängen, die der Mensch als Trainierung an sich vornehmen kann und durch die er in schlimme Welten eintreten kann, braucht hier nicht die Rede zu sein, da es im allgemeinen in dem der Welt zu verkündenden Okkultismus Usus, Sitte ist, daß man von demjenigen, was der Mensch in der geistigen Welt als den Abschaum dieser geistigen Welt kennenlernt, nicht spricht. Es ist nicht notwendig, daß man in diese Welt geistig eintritt; daher ist es nicht Usus, von den Methoden, die unter den Atmungsprozeß noch hinuntergehen, zu sprechen. Schon der Atmungsprozeß, wenn er nicht in der richtigen Weise getrieben wird, führt durchaus in Abfallswesen hinein, die man allerdings kennenlernen soll, aber nicht zuerst, weil sie einem sonst durchaus eine gewisse Verliebtheit in sie abgewinnen, die man eben nicht haben soll. Einen richtigen objektiven Standpunkt gegenüber ihrem Werte wird man erst bekommen, wenn man von der anderen Seite in die geistigen Welten eingedrungen ist.
[ 18 ] There is no need to discuss here other practices that a person may undertake as a form of training and through which they may enter into evil worlds, since it is generally customary in the occultism to be proclaimed to the world not to speak of that which a person comes to know in the spiritual world as the dregs of that spiritual world. It is not necessary to enter this world spiritually; therefore, it is not customary to speak of the methods that go even deeper than the breathing process. Even the breathing process, if not carried out in the proper manner, leads directly into beings of the lower realms, which one should certainly come to know, but not first, because otherwise they might well inspire a certain infatuation in one that one should not have. One will only gain a proper, objective perspective on their value once one has entered the spiritual worlds from the other side.
[ 19 ] Wenn man nun beginnt, so aus sich selber gleichsam herausströmend zu fühlen Gegengefühle gegenüber der Weisheit, Schamgefühle, Dankbarkeitsgefühle, wenn einem das gleichsam aus dem eigenen Organismus heraus aufstößt, dann macht man dadurch wiederum die erste elementarste Bekanntschaft mit etwas, das dann weiter kennengelernt werden muß in der fortschreitenden okkulten Entwicklung. Wir haben gestern darauf aufmerksam gemacht, daß bei dem allmählichen Erleben des Ätherischen wir mit dem bekannt werden, was in unserem Hirnätherleib tätig ist als Amshaspands der Zarathustralehre. Für unsere Begriffe können wir auch sagen: Wir lernen da zuerst einen Begriff kennen für die wirkenden Erzengelwesen, für das, was diese Archangeloi in uns zu tun haben. Durch das, was da zurück sich staut, was da aus uns selber heraufdringt in dem Gefühl von Dankbarkeit und Scham, das einen Persönlichkeitscharakter hat, weil es aus uns herauskommt, durch das bekommen wir den ersten elementaren wahren Begriff von dem, was man Archai oder Urkräfte nennt; denn was die Urkräfte in uns wirken, das erleben wir auf diese eben geschilderte Weise in der ersten elementarsten Art. Während man sozusagen in seinem Kopfe, wenn man anfängt ätherisch zu erleben, zuerst die Archangeloi — man möchte sagen — schattenhaft erlebt in ihren Tätigkeiten, in ihren ätherischen Wirkungen, erlebt man in dem, worauf die Weisheit in einem stößt und was einen Rückschlag gibt, die mit etwas Willensartigem, aber nicht ganz Willensartigem durchströmten Urkräfte, die in einen eingezogen sind und die in der menschlichen Persönlichkeit mitwirken. Man bekommt dann allmählich einen Begriff davon — wenn man so fühlen lernt —, was der Okkultist meint, wenn er sagt: Auf der uralten Verkörperung unserer Erde, auf dem alten Saturn, haben gelebt sozusagen auf ihrer Menschenstufe die Urkräfte oder Geister der Persönlichkeit. Damals waren diese Urkräfte oder Geister der Persönlichkeit Menschen. Sie haben sich weiterentwickelt. Indem sie sich weiterentwickelt haben, haben sie die Fähigkeit erlangt, aus dem Übersinnlichen heraus zu wirken. Und wie entfalten sie in unserer heutigen Zeit, in unserer Erdenzeit, diese Macht, die sie sich angeeignet haben, indem ihre Entwicklung fortgeschritten ist bis zur Erde herein?
[ 19 ] When one begins to feel, as it were, counter-feelings toward wisdom—feelings of shame, feelings of gratitude—welling up from within oneself, when these arise, as it were, from one’s own organism, then one thereby makes the first, most elementary acquaintance with something that must then be further explored in the course of one’s ongoing occult development. We pointed out yesterday that in the gradual experience of the etheric, we become acquainted with what is active in our brain-etheric body as the Amshaspands of the Zoroastrian teaching. In our terms, we can also say: We first come to know a concept for the active archangelic beings, for what these Archangeloi have to do within us. Through what accumulates there in the background, what wells up from within us in the feeling of gratitude and shame that has a personal character because it comes from within us—through this we gain the first elementary, true concept of what are called Archai or primal forces; for what the primal forces do within us, we experience in the manner just described in the most elementary way. Whereas, so to speak, in one’s mind, when one begins to experience the etheric, one first experiences the Archangels — one might say — in a shadowy way in their activities, in their etheric effects, in what wisdom brings to one’s attention and what gives one a jolt, one experiences the primal forces permeated with something will-like, yet not entirely will-like, which have drawn into one and which are at work within the human personality. One then gradually gains a sense of—if one learns to feel in this way—what the occultist means when he says: On the ancient incarnation of our Earth, on the old Saturn, the primal forces or spirits of the personality lived, so to speak, at their human level. At that time, these primal forces or spirits of personality were human beings. They have continued to develop. As they have developed, they have acquired the ability to work from the supersensible realm. And how do they unfold this power—which they have acquired as their development has progressed down to Earth—in our present time, in our Earth era?
[ 20 ] Sie haben sich die Fähigkeit erworben, aus dem Übersinnlichen an unserer eigenen Leiblichkeit, an unserer Hülle so zu arbeiten, daß sie in unserem Ätherleib Kräfte bewirken, welche so zur Erscheinung kommen, wie beschrieben worden ist. Sie haben diese Kräfte in uns hereingelenkt, und wenn wir heute fühlen: Wir sind so organisiert, daß wir in uns die charakterisierten Gefühle von Dankbarkeit und Scham entwickeln können wie einen inneren naturgemäßen Vorgang — das kann in uns zum Erleben werden —, so müssen wir sagen: Damit dies zum inneren Erlebnis werden kann, damit unser Ätherleib so pulsieren kann, damit er so reagiert auf die Weisheit, dazu haben Kräfte in ihn hineingegossen die Urkräfte, geradeso wie der Mensch selber dazu gelangen wird, einstmals bei den fernen Verkörperungen unserer Erde in andere Wesenheiten, die unter ihm stehen werden, in ihr Inneres hinein solche Fähigkeiten für eine entsprechende Hülle zu prägen. Was man über die höheren Welten wissen soll, wird eben nach und nach durch inneres Erleben erworben, wird erworben dadurch, daß wir aufsteigen, daß wir von dem physischen Erleben ins ätherische Erleben übergehen. Auf dem alten Saturn — das sei zur Verdeutlichung dieser Dinge noch angeführt — war ja, wie Sie wissen, die Wärme sozusagen der dichteste physische Zustand, der einzige physische Zustand, zu dem es zunächst gekommen ist in der mittleren Saturnzeit. Und das, was damals — Sie können das nachlesen in meiner «Geheimwissenschaft» — als Saturnwirkungen im Physischen vorhanden war, das waren Wärme- und Kälteströmungen. Psychisch, seelisch können wir diese Wärme- und Kälteströmungen auch ansprechen dadurch, daß wir sagen: Es strömte Wärme, aber diese war strömende Dankbarkeit der Geister der Persönlichkeit, oder es strömte Kälte, und diese strömende Kälte, die nach einer anderen Richtung strömte, war strömendes Schamgefühl der Geister der Persönlichkeit. Das ist das, was wir uns allmählich aneignen müssen, daß sich uns verbindet das physische Wirken mit dem moralischen Wirken; denn je weiter wir in die höheren Welten hineingehen, desto mehr gesellen sich diese beiden Dinge zusammen, das physische Geschehen, das dann kein physisches Geschehen mehr ist, und das moralische, das dann aber mit der Macht von Naturgesetzen durch die Welt hinströmt.
[ 20 ] They have acquired the ability to work from the supersensible realm on our physical body, on our outer shell, in such a way that they bring about forces in our etheric body which manifest themselves as has been described. You have directed these forces into us, and when we feel today: We are organized in such a way that we can develop within ourselves the specific feelings of gratitude and shame as a natural inner process—this can become an experience within us—then we must say: In order for this to become an inner experience, so that our etheric body can pulsate in this way, so that it reacts to wisdom in this way, the primal forces have poured forces into it, just as humanity itself will one day, in the distant incarnations of our Earth, be able to imprint such capacities within the inner beings of other entities that will stand beneath it, for a corresponding physical form. What one needs to know about the higher worlds is acquired little by little through inner experience; it is acquired by our ascending, by our passing from physical experience into etheric experience. On ancient Saturn—let me mention this to clarify these matters—as you know, heat was, so to speak, the densest physical state, the only physical state that initially came into being during the middle Saturn period. And what was present at that time—you can read about this in my *Esoteric Science*—as Saturn’s effects in the physical realm were currents of warmth and cold. Psychically, in the soul, we can also address these currents of warmth and cold by saying: Warmth flowed, but this was the flowing gratitude of the spirits of the personality; or cold flowed, and this flowing cold, which flowed in a different direction, was the flowing sense of shame of the spirits of the personality. This is what we must gradually come to understand: that physical activity is connected with moral activity; for the further we enter into the higher worlds, the more these two things merge—the physical event, which is then no longer merely a physical event, and the moral event, which then flows through the world with the power of natural laws.
[ 21 ] Alles das, was jetzt charakterisiert worden ist als etwas, was im inneren Erleben auftritt durch den veränderten Ätherleib, das bewirkt noch ein anderes in der menschlichen Seele. Es bewirkt, daß diese menschliche Seele nach und nach anfängt, ein Unbehagen darüber zu empfinden, daß man überhaupt dieser einzelne Mensch ist, dieser einzelne persönliche Mensch ist. Das ist wichtig, daß man auch darauf achten lernt; und es ist gut, wenn man sich zum Grundsatz macht, überhaupt darauf zu achten. Je weniger man sich nämlich vor dieser Stufe der esoterischen Entwicklung angeeignet hat an Interesse für das, was die Menschen im allgemeinen angeht, an Interesse für das allgemein Menschliche, desto störender empfindet man das beim Vorwärtsdringen. Eine Seele, die ohne Interesse geblieben ist für das allgemein Menschliche und die dennoch eine esoterische Entwicklung durchmachen würde, würde sich selber immer mehr und mehr wie eine Last empfinden. Eine Seele zum Beispiel, die es vermag, hinzugeben durch die Welt mitleidlos und ohne Mitfreude an dem, was eine andere Seele erfreuen und erleiden kann, eine solche Seele, die nicht gut untertauchen kann in die Seelen der anderen, die sich nicht recht hineinversetzen kann in die Seelen von anderen Menschen, eine solche Seele empfindet, wenn sie fortschreitet in der esoterischen Entwicklung, sich selber wie eine Art von Last. Wie ein schweres Gewicht schleppt man sich selber mit, wenn man, trotzdem man gleichgültig bleibt gegenüber Menschenleid und Menschenfreude, dennoch eine esoterische Entwicklung durchmacht; und man kann sicher sein, daß die esoterische Entwicklung eine äußerliche, verstandesmäßige bleibt, daß man das Geistige so aufnimmt wie die Lehren eines Kochbuches oder einer äußeren Wissenschaft, sobald man sich nicht als Last empfindet, wenn man trotz seiner Entwicklung nicht ein mitfühlendes Herz entfalten kann mit allem Menschenleid und mit aller Menschenfreude.
[ 21 ] Everything that has now been described as occurring in inner experience due to the transformed etheric body has another effect on the human soul. It causes this human soul to gradually begin to feel a sense of unease about the fact that one is this particular human being, this particular individual human being. It is important to learn to pay attention to this as well; and it is good to make it a principle to pay attention to it at all. For the less one has, prior to this stage of esoteric development, cultivated an interest in what concerns humanity in general, an interest in the universal human condition, the more disruptive one finds this as one progresses. A soul that has remained uninterested in the universal human condition and yet were to undergo esoteric development would increasingly perceive itself as a burden. A soul, for example, that is capable of passing through the world without compassion and without sharing in the joy or suffering of another soul—such a soul, which cannot fully immerse itself in the souls of others, which cannot truly empathize with the souls of other human beings—such a soul, as it progresses in esoteric development, perceives itself as a kind of burden. Like a heavy weight, one drags oneself along when, despite remaining indifferent to human suffering and joy, one nevertheless undergoes esoteric development; and one can be certain that the esoteric development remains an external, intellectual one, that one absorbs the spiritual just as one would the teachings of a cookbook or an external science, as soon as one does not feel oneself to be a burden, when, despite one’s development, one cannot develop a compassionate heart toward all human suffering and all human joy.
[ 22 ] Daher ist es so gut, wenn man seine menschlichen Interessen erweitert während seiner okkulten Entwicklung, und nichts ist eigentlich schlimmer, als wenn man nicht versucht, Verständnis sich anzueignen im Fortschritt der esoterischen Entwicklung für jede Art von Menschenfühlen und Menschenempfinden und Menschenleben. Das bedingt natürlich nicht den Grundsatz — das muß immer wieder betont werden —, daß man über alles Unrecht, das etwa in der Welt geschicht, kritiklos hinweggehen müsse; denn das wäre ein Unrecht gegenüber der Welt. Aber etwas anderes bedingt es: Während man vor seiner esoterischen Entwicklung eine gewisse Freude haben kann am Tadel irgendeines Menschenfehlers, hört dieses Freudehaben am Tadeln eines Menschen im Laufe der esoterischen Entwicklung eigentlich ganz auf. Wer kennt nicht im äußeren Leben die Spötter, die so gerne über Fehler anderer eine ganz treffende Kritik abgeben können. Nicht als ob gerade das Treffende des Urteils über Menschenfehler aufhören müßte, nicht als ob man unter allen Umständen verpönte — sagen wir — eine solche Tat, wie sie Erasmus von Rotterdam getan hat mit seinem Buche «Das Lob der Narrheit». Nein, es kann ganz berechtigt bleiben, scharf zu sein gegen die Fehler, die in der Welt geschehen; aber wer eine esoterische Entwicklung durchmacht, bei dem ist es so, daß ihn jeder Tadel, den er aussprechen oder in Wirkung umsetzen muß, schmerzt und immer mehr und mehr Schmerz bereitet. Und das Leid über das Tadelnmüssen, das ist etwas, was auch wie ein Barometer der esoterischen Entwicklung auftreten kann. Je mehr man noch Freude empfinden kann, wenn man tadeln muß oder wenn man lächerlich finden muß die Welt, desto weniger ist man wirklich reif, fortzuschreiten. Und man muß schon allmählich eine Art von Gefühl dafür bekommen, daß sich in einem immer mehr ein Leben entwickelt, welches einen diese Torheiten und Fehler der Welt anschauen läßt mit einem spottenden und mit einem von Tränen erfüllten Auge, mit einem nassen und einem trockenen Auge. Dieses innerliche Gegliedertwerden, dieses Selbständigerwerden sozusagen von dem, was früher vermischt war, das gehört nun auch zu der Veränderung, die der Ätherleib des Menschen erlebt.
[ 22 ] That is why it is so beneficial to broaden one’s human interests during one’s occult development, and nothing is actually worse than failing to seek an understanding, as one progresses in esoteric development, of every kind of human feeling, human perception, and human life. This does not, of course, imply the principle—and this must be emphasized again and again—that one must uncritically overlook all the wrongs that occur in the world; for that would be an injustice to the world. But it implies something else: While one may take a certain pleasure in criticizing human failings before one’s esoteric development, this pleasure in criticizing others actually ceases entirely in the course of esoteric development. Who is not familiar in everyday life with the mockers who are so eager to offer a perfectly apt critique of others’ faults? Not that the aptness of judgment regarding human errors must cease, nor that one would under any circumstances condemn—let us say—an act such as that performed by Erasmus of Rotterdam in his book *The Praise of Folly*. No, it can remain entirely justified to be sharp toward the faults that occur in the world; but for someone undergoing esoteric development, it is the case that every rebuke they must utter or put into effect pains them and causes ever more and more pain. And the suffering caused by having to rebuke is something that can also serve as a barometer of esoteric development. The more one can still feel joy when one must reproach or when one must find the world ridiculous, the less one is truly ready to move forward. And one must gradually develop a sense that a life is unfolding within one that allows one to view the world’s follies and errors with a mocking eye and a tear-filled eye, with a wet eye and a dry eye. This inner structuring, this becoming more independent, so to speak, from what was previously mixed together—this, too, is now part of the transformation that the human etheric body undergoes.
