Christ and the Spiritual World
The Search for the Holy Grail
GA 149
29 December 1913, Leipzig
Translate the original German text into any language:
Versions Available:
Christus und die geistige Welt
Zweiter Vortrag
Zweiter Vortrag
[ 1 ] Wenn wir uns noch einmal zurückrufen die Gedanken der gestrigen Betrachtung, so können wir sie zusammenfassen in die Worte, daß das Zeitalter im Beginne unserer Zeitrechnung sich aus dem Schatze seiner Weisheit heraus alle mögliche Mühe gegeben hat, das Mysterium von Golgatha zu verstehen, und daß diese Weisheit bei diesem Unternehmen die allergrößten Schwierigkeiten gefunden hat. Wir müssen bei dieser Erscheinung noch etwas verweilen, denn es wäre unmöglich, ohne das rechte Verständnis für dieses notwendige Mißverstehen dessen, was geschehen war durch das Mysterium von Golgatha, ohne ein Verständnis dieser Erscheinung eine bedeutsame Tatsache der späteren Jahrhunderte ins gehörige Licht zu fassen: das Aufkommen der Grals-Ideen, die gerade in unserem Zusammenhang mit einigen Worten zu besprechen sein werden. Gerade wenn wir auf die bedeutsamste, weisheitsvolle Richtung der Epoche vom Beginne unserer Zeitrechnung, auf die Gnostiker blicken, so können wir im Sinne der gestrigen Ausführungen sehen, wie tief eindringlich, wie grandios-genialisch ihre Ideen auf der einen Seite waren, um in ein gewaltiges Weltbild hineinzustellen den Gottessohn. Wenn wir aber nur auf dasjenige blicken, was uns möglich war über dieses Mysterium von Golgatha heute schon herauszufinden aus der geistigen Chronik der Zeiten, so müssen wir doch sagen: nichts Rechtes ist anzufangen mit den Begriffen und Ideen der Gnostiker. Und das sehen wir insbesondere genau, wenn wir hinblicken auf mancherlei Vorstellungen, die sich die Gnostiker über das Erscheinen des Christus im Jesus von Nazareth gebildet haben. Da gab es solche, welche aus der Gnosis heraus sich wohl sagten: Ja, diese Christus-Wesenheit ist eine über alles Irdische hinausgehende, in den geistigen Reichen wurzelnde Wesenheit; eine solche Wesenheit kann nur zeitweilig sich aufhalten in einem Leibe, der ein Menschenleib ist, wie der Leib des Jesus von Nazareth.
[ 1 ] Wenn wir uns noch einmal zurückrufen die Gedanken der gestrigen Betrachtung, so können wir sie zusammenfassen in die Worte, daß das Zeitalter im Beginne unserer Zeitrechnung sich aus dem Schatze seiner Weisheit heraus alle mögliche Mühe gegeben hat, das Mysterium von Golgatha zu verstehen, und daß diese Weisheit bei diesem Unternehmen die allergrößten Schwierigkeiten gefunden hat. Wir müssen bei dieser Erscheinung noch etwas verweilen, denn es wäre unmöglich, ohne das rechte Verständnis für dieses notwendige Mißverstehen dessen, was geschehen war durch das Mysterium von Golgatha, ohne ein Verständnis dieser Erscheinung eine bedeutsame Tatsache der späteren Jahrhunderte ins gehörige Licht zu fassen: das Aufkommen der Grals-Ideen, die gerade in unserem Zusammenhang mit einigen Worten zu besprechen sein werden. Gerade wenn wir auf die bedeutsamste, weisheitsvolle Richtung der Epoche vom Beginne unserer Zeitrechnung, auf die Gnostiker blicken, so können wir im Sinne der gestrigen Ausführungen sehen, wie tief eindringlich, wie grandios-genialisch ihre Ideen auf der einen Seite waren, um in ein gewaltiges Weltbild hineinzustellen den Gottessohn. Wenn wir aber nur auf dasjenige blicken, was uns möglich war über dieses Mysterium von Golgatha heute schon herauszufinden aus der geistigen Chronik der Zeiten, so müssen wir doch sagen: nichts Rechtes ist anzufangen mit den Begriffen und Ideen der Gnostiker. Und das sehen wir insbesondere genau, wenn wir hinblicken auf mancherlei Vorstellungen, die sich die Gnostiker über das Erscheinen des Christus im Jesus von Nazareth gebildet haben. Da gab es solche, welche aus der Gnosis heraus sich wohl sagten: Ja, diese Christus-Wesenheit ist eine über alles Irdische hinausgehende, in den geistigen Reichen wurzelnde Wesenheit; eine solche Wesenheit kann nur zeitweilig sich aufhalten in einem Leibe, der ein Menschenleib ist, wie der Leib des Jesus von Nazareth.
[ 2 ] Diese Gnostiker, die so sprachen, sie haben ja das getroffen, was wir heute immer wieder und wieder betonen müssen: daß es richtig ist, daß durch drei Jahre hindurch die Christus-Wesenheit zeitweilig, vorübergehend, in dem Leibe des Jesus von Nazareth wohnte. Allein, diese Gnostiker kamen nicht zurecht mit der Art, wie die ChristusWesenheit in dem Leibe des Jesus von Nazareth lebte. Denn erstens war ihnen das Geheimnis des Leibes des Jesus von Nazareth selber nicht klar; sie wußten nicht, daß in diesem Leibe ja das Ich des Zarathustra wohnte, daß die drei Leiber des Jesus von Nazareth solche waren, daß sie in ihrer Zusammenfügung eine Menschheitssubstanz darstellten, die vorher niemals auf der Erde im Fleisch verkörpert war. Die ganze Beziehung des Christus zu den beiden Jesusknaben überschauten diese Gnostiker nicht. Daher kam es ihnen immer unbefriedigend vor, was sie selber sagen konnten, oder wenigstens kam es ihren Anhängern bald unbefriedigend vor, was sie sagen konnten über das zeitweilige Verweilen des Christus im Leibe des Jesus von Nazareth. Auch die Art der Geburt, dieses gewaltigste Mysterium der Menschheitsentwickelung, berührten die Gnostiker in ihrer Weise. Wohl wußten sie, daß dasjenige, was die Erscheinung des Christus auf Erden notwendig gemacht hat, zusammenhängt mit dem Durchgang durch die fleischliche Empfängnis. Aber die Mutter des Jesus von Nazareth in Beziehung zu bringen zu der Geburt des Christus-Jesus, das vermochten sie nicht völlig durchzuführen. Und diejenigen — es gab auch solche —, die es durchzuführen versuchten, die wurden eigentlich sehr wenig verstanden. Auch gab es Gnostiker, welche aus den eben charakterisierten Schwierigkeiten heraus ganz die fleischliche Erscheinung des Christus auf Erden leugneten, die sich die Vorstellung machten, daß vor und nach dem Tode auf Golgatha auf Erden nur herumgegangen wäre ein Scheinleib, also was wir einen astralischen Leib nennen würden, der da oder dort eben erschien, der aber nicht ein physischer Leib war. Weil man Schwierigkeiten darin fand, zu einer Vorstellung zu kommen, wie der Christus sich mit einem fleischlichen Leibe verbinden kann, so sagte man, er habe sich überhaupt nicht mit einem solchen verbunden. Maja sei es gewesen, wenn die Menschen geglaubt haben, daß er in einem fleischlichen Leibe herumgegangen sei. Auch dieses fand keine Anerkennung. Man sieht überall, daß die Gnostiker sich mit ihren Begriffen und Ideen bemühten, das historisch größte Problem der Erdenentwickelung zu bewältigen, daß aber in gewisser Beziehung doch ihre Begriffe und Ideen nicht ausreichten; sie erwiesen sich gleichsam ohnmächtig gegenüber dem, was geschehen war.
[ 2 ] Diese Gnostiker, die so sprachen, sie haben ja das getroffen, was wir heute immer wieder und wieder betonen müssen: daß es richtig ist, daß durch drei Jahre hindurch die Christus-Wesenheit zeitweilig, vorübergehend, in dem Leibe des Jesus von Nazareth wohnte. Allein, diese Gnostiker kamen nicht zurecht mit der Art, wie die ChristusWesenheit in dem Leibe des Jesus von Nazareth lebte. Denn erstens war ihnen das Geheimnis des Leibes des Jesus von Nazareth selber nicht klar; sie wußten nicht, daß in diesem Leibe ja das Ich des Zarathustra wohnte, daß die drei Leiber des Jesus von Nazareth solche waren, daß sie in ihrer Zusammenfügung eine Menschheitssubstanz darstellten, die vorher niemals auf der Erde im Fleisch verkörpert war. Die ganze Beziehung des Christus zu den beiden Jesusknaben überschauten diese Gnostiker nicht. Daher kam es ihnen immer unbefriedigend vor, was sie selber sagen konnten, oder wenigstens kam es ihren Anhängern bald unbefriedigend vor, was sie sagen konnten über das zeitweilige Verweilen des Christus im Leibe des Jesus von Nazareth. Auch die Art der Geburt, dieses gewaltigste Mysterium der Menschheitsentwickelung, berührten die Gnostiker in ihrer Weise. Wohl wußten sie, daß dasjenige, was die Erscheinung des Christus auf Erden notwendig gemacht hat, zusammenhängt mit dem Durchgang durch die fleischliche Empfängnis. Aber die Mutter des Jesus von Nazareth in Beziehung zu bringen zu der Geburt des Christus-Jesus, das vermochten sie nicht völlig durchzuführen. Und diejenigen — es gab auch solche —, die es durchzuführen versuchten, die wurden eigentlich sehr wenig verstanden. Auch gab es Gnostiker, welche aus den eben charakterisierten Schwierigkeiten heraus ganz die fleischliche Erscheinung des Christus auf Erden leugneten, die sich die Vorstellung machten, daß vor und nach dem Tode auf Golgatha auf Erden nur herumgegangen wäre ein Scheinleib, also was wir einen astralischen Leib nennen würden, der da oder dort eben erschien, der aber nicht ein physischer Leib war. Weil man Schwierigkeiten darin fand, zu einer Vorstellung zu kommen, wie der Christus sich mit einem fleischlichen Leibe verbinden kann, so sagte man, er habe sich überhaupt nicht mit einem solchen verbunden. Maja sei es gewesen, wenn die Menschen geglaubt haben, daß er in einem fleischlichen Leibe herumgegangen sei. Auch dieses fand keine Anerkennung. Man sieht überall, daß die Gnostiker sich mit ihren Begriffen und Ideen bemühten, das historisch größte Problem der Erdenentwickelung zu bewältigen, daß aber in gewisser Beziehung doch ihre Begriffe und Ideen nicht ausreichten; sie erwiesen sich gleichsam ohnmächtig gegenüber dem, was geschehen war.
[ 3 ] Nun werden wir ja noch zu sprechen haben über die Art, in welcher Paulus mit dem Problem fertig zu werden versuchte. Aber es wird zuerst gut sein, wenn wir uns klarmachen, was denn eigentlich vorgelegen hat, daß ein solches Mißverstehen uns sozusagen wie eine Notwendigkeit entgegentritt. Wenn wir mit den Mitteln der Geistesforschung uns eine Reihe von Fragen stellen und diese dann versuchen zu beantworten, so wird uns zunächst abstrakt, möchte man sagen, klarwerden, was eigentlich vorlag.
[ 3 ] Nun werden wir ja noch zu sprechen haben über die Art, in welcher Paulus mit dem Problem fertig zu werden versuchte. Aber es wird zuerst gut sein, wenn wir uns klarmachen, was denn eigentlich vorgelegen hat, daß ein solches Mißverstehen uns sozusagen wie eine Notwendigkeit entgegentritt. Wenn wir mit den Mitteln der Geistesforschung uns eine Reihe von Fragen stellen und diese dann versuchen zu beantworten, so wird uns zunächst abstrakt, möchte man sagen, klarwerden, was eigentlich vorlag.
[ 4 ] Man kann zum Beispiel so fragen: Wenn das Zeitalter des Christus Jesus so wenig in der Lage war, seine Wesenheit zu verstehen, wäre ein anderes Zeitalter imstande gewesen, ihn zu verstehen? Wenn man sich zurückversetzt in die Seelen der Menschen der verschiedenen Epochen, so kommt man allerdings als Geistesforscher zu einem sonderbaren Resultat. Man kann sich zunächst in die Seelen der großen Lehrer des uralten Indiens versetzen, der indischen Kultur, die die erste war der nachatlantischen Zeit. Wir stehen da, wie wir das oftmals betont haben, mit allertiefster Bewunderung vor der umfassenden und tiefgründigen, überall von hellsichtigen Ausblicken durchzogenen Weisheit der heiligen indischen Rishis der alten Zeit. Wir wissen, daß in die Seelen dieser großen Lehrer ihrer Epoche hereingezogen sind die Weltengeheimnisse, die den späteren Epochen für die Weisheitserkenntnis verlorengegangen sind. Und wenn man sich mit dem hellseherischen Bewußtsein, so gut es geht, in die Seele eines solchen großen Lehrers Altindiens versetzt, dann muß man sagen: Wenn es möglich gewesen wäre, daß die Christus-Wesenheit dazumal, meinetwillen inmitten der heiligen Rishis, auf Erden erschienen wäre, dann wäre die Weisheit dieser Rishis im höchsten Maße fähig gewesen, das Wesen des Christus zu verstehen. Da hätte es keine Schwierigkeiten gegeben, man hätte gewußt, um was es sich handelt. Und weil man so bedeutsame Erscheinungen wie die eben charakterisierte eigentlich in abstrakten Worten gar nicht ordentlich aussprechen kann, so gestatten Sie, meine lieben Freunde, ein Bild.
[ 4 ] Man kann zum Beispiel so fragen: Wenn das Zeitalter des Christus Jesus so wenig in der Lage war, seine Wesenheit zu verstehen, wäre ein anderes Zeitalter imstande gewesen, ihn zu verstehen? Wenn man sich zurückversetzt in die Seelen der Menschen der verschiedenen Epochen, so kommt man allerdings als Geistesforscher zu einem sonderbaren Resultat. Man kann sich zunächst in die Seelen der großen Lehrer des uralten Indiens versetzen, der indischen Kultur, die die erste war der nachatlantischen Zeit. Wir stehen da, wie wir das oftmals betont haben, mit allertiefster Bewunderung vor der umfassenden und tiefgründigen, überall von hellsichtigen Ausblicken durchzogenen Weisheit der heiligen indischen Rishis der alten Zeit. Wir wissen, daß in die Seelen dieser großen Lehrer ihrer Epoche hereingezogen sind die Weltengeheimnisse, die den späteren Epochen für die Weisheitserkenntnis verlorengegangen sind. Und wenn man sich mit dem hellseherischen Bewußtsein, so gut es geht, in die Seele eines solchen großen Lehrers Altindiens versetzt, dann muß man sagen: Wenn es möglich gewesen wäre, daß die Christus-Wesenheit dazumal, meinetwillen inmitten der heiligen Rishis, auf Erden erschienen wäre, dann wäre die Weisheit dieser Rishis im höchsten Maße fähig gewesen, das Wesen des Christus zu verstehen. Da hätte es keine Schwierigkeiten gegeben, man hätte gewußt, um was es sich handelt. Und weil man so bedeutsame Erscheinungen wie die eben charakterisierte eigentlich in abstrakten Worten gar nicht ordentlich aussprechen kann, so gestatten Sie, meine lieben Freunde, ein Bild.
[ 5 ] Ich möchte sagen: Die heiligen Rishis Altindiens würden, wenn sie vernommen hätten den Glanz der Weisheit, der die Welt durchpulsenden Weisheit des Logos in einem Menschen, sie würden dem Logos ihren Opferweihrauch dargebracht haben, das Symbolum der Anerkennung des Göttlichen, das in die Menschheitssphäre hereinarbeitet. Aber diese Christus-Wesenheit konnte in jener Zeit keinen Körper finden. Die Körper wären in jener Zeit für sie nicht geeig: net gewesen. So konnte sie nicht — wir werden die Gründe dafür später anführen — in dem Zeitalter erscheinen, in dem alle Mittel für das Verständnis vorhanden gewesen wären.
[ 5 ] Ich möchte sagen: Die heiligen Rishis Altindiens würden, wenn sie vernommen hätten den Glanz der Weisheit, der die Welt durchpulsenden Weisheit des Logos in einem Menschen, sie würden dem Logos ihren Opferweihrauch dargebracht haben, das Symbolum der Anerkennung des Göttlichen, das in die Menschheitssphäre hereinarbeitet. Aber diese Christus-Wesenheit konnte in jener Zeit keinen Körper finden. Die Körper wären in jener Zeit für sie nicht geeig: net gewesen. So konnte sie nicht — wir werden die Gründe dafür später anführen — in dem Zeitalter erscheinen, in dem alle Mittel für das Verständnis vorhanden gewesen wären.
[ 6 ] Und wenn wir weitergehen und uns versetzen in die Seelen der alten Zarathustra-Kultur, so können wir sagen: Mit jenen hohen Mitteln der uralt indischen Kultur waren diese Seelen der Zarathustra-Kultur zwar nicht mehr ausgerüstet; aber verstanden würden sie haben, daß der Sonnengeist sich vorgesetzt hätte, in einem menschlichen Leib zu leben, und sie würden in der Lage gewesen sein, das Sonnengeistmäßige einer solchen Tatsache zu verstehen. Wenn ich wieder bildlich sprechen wollte, so müßte ich sagen: Es würden die Schüler Zarathustras ihren Sonnengeist im Menschen mit dem leuchtenden Gold gefeiert haben, dem Symbolum der Weisheit.
[ 6 ] Und wenn wir weitergehen und uns versetzen in die Seelen der alten Zarathustra-Kultur, so können wir sagen: Mit jenen hohen Mitteln der uralt indischen Kultur waren diese Seelen der Zarathustra-Kultur zwar nicht mehr ausgerüstet; aber verstanden würden sie haben, daß der Sonnengeist sich vorgesetzt hätte, in einem menschlichen Leib zu leben, und sie würden in der Lage gewesen sein, das Sonnengeistmäßige einer solchen Tatsache zu verstehen. Wenn ich wieder bildlich sprechen wollte, so müßte ich sagen: Es würden die Schüler Zarathustras ihren Sonnengeist im Menschen mit dem leuchtenden Gold gefeiert haben, dem Symbolum der Weisheit.
[ 7 ] Und wenn wir noch weiter gehen in die chaldäisch-ägyptische Kulturperiode: Wiederum hätte die Möglichkeit abgenommen, den Christus Jesus zu verstehen. Aber so gering wäre sie nicht gewesen wie in der vierten nachatlantischen Kulturperiode, wie in der griechisch-lateinischen, wo nicht einmal die Gnosis mächtig genug war, diese Erscheinung zu verstehen. Man würde verstanden haben, daß ein Stern aus geistigen Höhen erschienen ist und in einem Menschen geboren worden ist. Man würde also die göttlich-geistige Abkunft aus außerirdischen Sphären gut begriffen haben. Man würde dargebracht haben die Myrrhen zum Opfer. Und wenn wir uns in die Seelen derjenigen versetzen, die in der Bibel als die drei Magier aus dem Morgenlande kommen und die Bewahrer sind der aus den drei nachatlantischen Kulturepochen stammenden Weisheitsschätze, so wird uns durch die Bibel selber angezeigt, wie ein gewisses Verständnis dadurch vorliegt, daß diese drei Magier wenigstens bei der Geburt des Jesuskindes erscheinen. Eines wird uns allerdings auffallen, woran heute vielleicht die wenigsten denken: daß gerade diesen drei Magiern gegenüber die Bibel in einer sonderbaren Lage ist. Denn will uns nicht diese Bibel sagen: Das sind drei bedeutsame Weise, die schon bei der Geburt verstanden, um was es sich handelte? Aber man möchte fragen: Wo bleiben denn diese drei Weisen später? Was wird eigentlich aus ihrer Weisheit? Haben wir irgend etwas, was wir zum Verständnis der Christus-Erscheinung auf diese drei Weisen aus dem Morgenlande zurückführen können? Das, wie gesagt, soll nur als Frage aufgeworfen werden. Es gehört zu den zahlreichen Fragen, welche gegenüber der Bibel gewiß aufgeworfen werden müssen und die bedeutsamer sein werden als alle pedantischen Bibelkritiken des neunzehnten Jahrhunderts.
[ 7 ] Und wenn wir noch weiter gehen in die chaldäisch-ägyptische Kulturperiode: Wiederum hätte die Möglichkeit abgenommen, den Christus Jesus zu verstehen. Aber so gering wäre sie nicht gewesen wie in der vierten nachatlantischen Kulturperiode, wie in der griechisch-lateinischen, wo nicht einmal die Gnosis mächtig genug war, diese Erscheinung zu verstehen. Man würde verstanden haben, daß ein Stern aus geistigen Höhen erschienen ist und in einem Menschen geboren worden ist. Man würde also die göttlich-geistige Abkunft aus außerirdischen Sphären gut begriffen haben. Man würde dargebracht haben die Myrrhen zum Opfer. Und wenn wir uns in die Seelen derjenigen versetzen, die in der Bibel als die drei Magier aus dem Morgenlande kommen und die Bewahrer sind der aus den drei nachatlantischen Kulturepochen stammenden Weisheitsschätze, so wird uns durch die Bibel selber angezeigt, wie ein gewisses Verständnis dadurch vorliegt, daß diese drei Magier wenigstens bei der Geburt des Jesuskindes erscheinen. Eines wird uns allerdings auffallen, woran heute vielleicht die wenigsten denken: daß gerade diesen drei Magiern gegenüber die Bibel in einer sonderbaren Lage ist. Denn will uns nicht diese Bibel sagen: Das sind drei bedeutsame Weise, die schon bei der Geburt verstanden, um was es sich handelte? Aber man möchte fragen: Wo bleiben denn diese drei Weisen später? Was wird eigentlich aus ihrer Weisheit? Haben wir irgend etwas, was wir zum Verständnis der Christus-Erscheinung auf diese drei Weisen aus dem Morgenlande zurückführen können? Das, wie gesagt, soll nur als Frage aufgeworfen werden. Es gehört zu den zahlreichen Fragen, welche gegenüber der Bibel gewiß aufgeworfen werden müssen und die bedeutsamer sein werden als alle pedantischen Bibelkritiken des neunzehnten Jahrhunderts.
[ 8 ] Und wenn wir nunmehr in den vierten nachatlantischen Zeitraum gehen, so können wir von ihm das eine sagen: Jetzt ist der Körper da, in dem die Christus-Wesenheit sich verkörpern kann. Dieser Körper war nicht da in der ersten, zweiten, dritten nachatlantischen Zeit. Jetzt ist er aber da. Aber jetzt ist bei den Menschen nicht die Möglichkeit vorhanden, das, was geschieht, zu verstehen, wirklich begreifend zu durchdringen. Eine eigentümliche Erscheinung, nicht wahr? Denn nichts anderes tritt da vor unsere Secle als die Tatsache, daß der Christus auf der Erde in einem Zeitalter erscheint, das am wenigsten geeignet ist, ihn zu verstehen. Und wenn man auf die folgenden Zeitalter blickt und insbesondere die Unternehmungen ins Auge faßt, die wiederum aufgekommen sind in den folgenden Jahrhunderten, um die Wesenheit des Christus Jesus zu verstehen, so finden wir ein unendliches theologisches Gezank. Wir finden endlich, im Mittelalter, die scharfe Trennung zwischen Wissen und Glauben, das heißt ein völliges Verzichten auf ein Wissen von dem Wesen des Christus Jesus überhaupt — von der neuen Zeit gar nicht zu reden, die bis in unsere Tage ohnmächtig geblieben ist dieser Erscheinung gegenüber. Also eine merkwürdige Erscheinung! Gerade in dasjenige Zeitalter wird der Christus hereingeboren, das am wenigsten geeignet ist, ihn zu verstehen. Und käme es darauf an in der Menschheitsentwickelung, daß der Christus hätte durch das Verständnis der Menschenseelen auf Erden wirken sollen, dann wäre es um diese Wirkung wahrhaftig, man muß sagen, traurig bestellt gewesen. Vielleicht könnte man sagen, es sei radikal ausgedrückt, aber um nicht mißverstanden zu werden, möchte ich doch dieses Wort gebrauchen: Eigentlich hat es für denjenigen, der die theologisch-geistige Entwickelung, die sich an die Christus-Erscheinung knüpft, vom geisteswissenschaftlichen Standpunkt aus anblickt, den Anschein, als ob diese theologische Entwickelung sich die Aufgabe gesetzt hätte, soviel wie möglich dazu beizutragen, um Hindernis über Hindernis dem Verständnisse der Christus-Wesenheit entgegenzubringen. Denn diese theologische Gelehrsamkeit scheint in ihrem Gange sich immer weiter und weiter von diesem Verständnis zu entfernen. Das ist etwas radikal ausgesprochen; aber derjenige, der eingehen will auf den Sinn dieses radikalen Ausspruches, der wird sich schon den tieferen Sinn dieser Worte klarmachen können.
[ 8 ] Und wenn wir nunmehr in den vierten nachatlantischen Zeitraum gehen, so können wir von ihm das eine sagen: Jetzt ist der Körper da, in dem die Christus-Wesenheit sich verkörpern kann. Dieser Körper war nicht da in der ersten, zweiten, dritten nachatlantischen Zeit. Jetzt ist er aber da. Aber jetzt ist bei den Menschen nicht die Möglichkeit vorhanden, das, was geschieht, zu verstehen, wirklich begreifend zu durchdringen. Eine eigentümliche Erscheinung, nicht wahr? Denn nichts anderes tritt da vor unsere Secle als die Tatsache, daß der Christus auf der Erde in einem Zeitalter erscheint, das am wenigsten geeignet ist, ihn zu verstehen. Und wenn man auf die folgenden Zeitalter blickt und insbesondere die Unternehmungen ins Auge faßt, die wiederum aufgekommen sind in den folgenden Jahrhunderten, um die Wesenheit des Christus Jesus zu verstehen, so finden wir ein unendliches theologisches Gezank. Wir finden endlich, im Mittelalter, die scharfe Trennung zwischen Wissen und Glauben, das heißt ein völliges Verzichten auf ein Wissen von dem Wesen des Christus Jesus überhaupt — von der neuen Zeit gar nicht zu reden, die bis in unsere Tage ohnmächtig geblieben ist dieser Erscheinung gegenüber. Also eine merkwürdige Erscheinung! Gerade in dasjenige Zeitalter wird der Christus hereingeboren, das am wenigsten geeignet ist, ihn zu verstehen. Und käme es darauf an in der Menschheitsentwickelung, daß der Christus hätte durch das Verständnis der Menschenseelen auf Erden wirken sollen, dann wäre es um diese Wirkung wahrhaftig, man muß sagen, traurig bestellt gewesen. Vielleicht könnte man sagen, es sei radikal ausgedrückt, aber um nicht mißverstanden zu werden, möchte ich doch dieses Wort gebrauchen: Eigentlich hat es für denjenigen, der die theologisch-geistige Entwickelung, die sich an die Christus-Erscheinung knüpft, vom geisteswissenschaftlichen Standpunkt aus anblickt, den Anschein, als ob diese theologische Entwickelung sich die Aufgabe gesetzt hätte, soviel wie möglich dazu beizutragen, um Hindernis über Hindernis dem Verständnisse der Christus-Wesenheit entgegenzubringen. Denn diese theologische Gelehrsamkeit scheint in ihrem Gange sich immer weiter und weiter von diesem Verständnis zu entfernen. Das ist etwas radikal ausgesprochen; aber derjenige, der eingehen will auf den Sinn dieses radikalen Ausspruches, der wird sich schon den tieferen Sinn dieser Worte klarmachen können.
[ 9 ] Nun ist im Grunde genommen die Aufdeckung des damit ausgesprochenen Rätsels gar nicht so leicht, und ich gestehe Ihnen, daß ich die verschiedensten Wege der Geistesforschung im Laufe der Zeit versucht habe, um diesem Rätsel beizukommen. Es ist naheliegend, daß — aus Mangel an Zeit — nicht von diesen verschiedenen Wegen gesprochen werden kann. Aber einen unter den mancherlei Wegen möchte ich heute anführen. Es ist der Weg, der um den Beginn unserer Zeitrechnung herum durch eine sehr merkwürdige Erscheinung des Geisteslebens führt, nämlich durch die Erscheinung des Lebens der Sibyllen.
[ 9 ] Nun ist im Grunde genommen die Aufdeckung des damit ausgesprochenen Rätsels gar nicht so leicht, und ich gestehe Ihnen, daß ich die verschiedensten Wege der Geistesforschung im Laufe der Zeit versucht habe, um diesem Rätsel beizukommen. Es ist naheliegend, daß — aus Mangel an Zeit — nicht von diesen verschiedenen Wegen gesprochen werden kann. Aber einen unter den mancherlei Wegen möchte ich heute anführen. Es ist der Weg, der um den Beginn unserer Zeitrechnung herum durch eine sehr merkwürdige Erscheinung des Geisteslebens führt, nämlich durch die Erscheinung des Lebens der Sibyllen.
[ 10 ] Merkwürdige Erscheinungen mit einem höchst eigentümlichen Prophetencharakter sind diese Sibyllen. Die äußere Wissenschaft kann nicht einmal angeben, aus welcher Sprache das Wort Sibylle stammt. Wenn wir zunächst auf das blicken, was durch äußerliche Dokumente eigentlich ziemlich ausführlich über die Sibyllen bekannt ist, so können wir sagen, daß wir gleich im Beginne des Sibyllenlebens eine höchst merkwürdige Erscheinung zu verzeichnen haben. So etwa vom achten Jahrhundert an und dann weiter fortgehend begegnet uns in Erythräa in Ionien der erste Sibyllenort, wo sozusagen die ersten Sibyllen ihre mannigfaltigsten Prophezeiungen in die Welt hinausschickten, Prophezeiungen, die, schon wie sie äußerlich überliefert sind, uns anzeigen, daß diese Aussprüche der Sibyllen aus merkwürdigen Untergründen des menschlichen Wesens und Seelenlebens herrühren. Wie aus chaotischen Untergründen des Seelenlebens pressen diese Sibyllen allerlei hervor, was sie über die Zukunft der Erdenentwickelung diesem oder jenem Volk zu sagen haben; namentlich zunächst, was sie zu sagen haben an Grauenvollem, aber zuweilen auch an Gutem. Entfernt von alledem, was man geordnetes Denken nennt, wie aus den chaotischen Untergründen der Seele hervorgehend, preßt sich aus den Sibyllen heraus dasjenige, was sie so sagen, daß man fast jeder Sibylle anhört — wenn man sie jetzt nachträglich prüft mit den Mitteln der Geisteswissenschaft —, daß sie mit einem durchgeistigten Fanatismus vor die Menschheit hintritt und den Menschen aufdrängen will, was sie zu sagen hat. Sie wartet nicht, bis sie gefragt wird, wie etwa die Pythia Griechenlands mit ihren Prophezeiungen, sondern sie tritt heraus, das Volk versammelt sich, und wie gewaltsam sich aufdrängend klingen die Aussprüche der Sibylle über Menschen, Völker, Erdenzyklen. Daß sie in Ionien auftreten, ist eine merkwürdige Erscheinung, sagte ich; denn in Ionien nimmt zugleich ihren Anfang die griechische Philosophie, jene Weisheit, die von Thales und Aristoteles her bis in die römische Zeit hinein so ganz aus dem geordneten Seelenleben des Menschen hervorgeht, aus dem, was dem Chaos entgegengesetzt ist, was heraussucht aus dem Seelenleben alles das, was an klaren, hellen, lichtvollen Begriffen zu erreichen ist. Von Ionien geht sie aus, die Philosophie der Klarheit, des Lichtvollen, man möchte sagen des Himmlischen, das sie angenommen hat dann in Plato. Und wie ihr Schatten erscheinen die Sibyllen mit ihren Geistprodukten, die aus dem Seelenchaos hervorkommen, manchmal lichtvoll ankündigend solches, das sich dann erfüllt, manchmal auch solches, das gefälscht werden muß von Anhängern des Sibyllentums, um von einer Erfüllung sprechen zu können. Und dann sehen wir weiter, wie der Schatten der Weisheit die vierte Kulturepoche eben begleitend, dieses Sibyllentum sich über Griechenland, über Italien ausbreiten. Von den mannigfaltigsten Arten der Sibyllen wird uns gesprochen, und wir sehen, wie bis herein nach Italien sich das Sibyllentum ausbreitet. Allmählich kommt es herauf in die Zeit, in der das Mysterium von Golgatha erscheint. Wir sehen dann, wie es Einfluß gewinnt auf die römischen Dichter, wie es selbst in die Dichtungen Virgils hineinspielt, wie das Leben gerade durch geistvolle Leute zu gestalten versucht wird, indem man sich beruft auf die Aussprüche der Sibyllen.
[ 10 ] Merkwürdige Erscheinungen mit einem höchst eigentümlichen Prophetencharakter sind diese Sibyllen. Die äußere Wissenschaft kann nicht einmal angeben, aus welcher Sprache das Wort Sibylle stammt. Wenn wir zunächst auf das blicken, was durch äußerliche Dokumente eigentlich ziemlich ausführlich über die Sibyllen bekannt ist, so können wir sagen, daß wir gleich im Beginne des Sibyllenlebens eine höchst merkwürdige Erscheinung zu verzeichnen haben. So etwa vom achten Jahrhundert an und dann weiter fortgehend begegnet uns in Erythräa in Ionien der erste Sibyllenort, wo sozusagen die ersten Sibyllen ihre mannigfaltigsten Prophezeiungen in die Welt hinausschickten, Prophezeiungen, die, schon wie sie äußerlich überliefert sind, uns anzeigen, daß diese Aussprüche der Sibyllen aus merkwürdigen Untergründen des menschlichen Wesens und Seelenlebens herrühren. Wie aus chaotischen Untergründen des Seelenlebens pressen diese Sibyllen allerlei hervor, was sie über die Zukunft der Erdenentwickelung diesem oder jenem Volk zu sagen haben; namentlich zunächst, was sie zu sagen haben an Grauenvollem, aber zuweilen auch an Gutem. Entfernt von alledem, was man geordnetes Denken nennt, wie aus den chaotischen Untergründen der Seele hervorgehend, preßt sich aus den Sibyllen heraus dasjenige, was sie so sagen, daß man fast jeder Sibylle anhört — wenn man sie jetzt nachträglich prüft mit den Mitteln der Geisteswissenschaft —, daß sie mit einem durchgeistigten Fanatismus vor die Menschheit hintritt und den Menschen aufdrängen will, was sie zu sagen hat. Sie wartet nicht, bis sie gefragt wird, wie etwa die Pythia Griechenlands mit ihren Prophezeiungen, sondern sie tritt heraus, das Volk versammelt sich, und wie gewaltsam sich aufdrängend klingen die Aussprüche der Sibylle über Menschen, Völker, Erdenzyklen. Daß sie in Ionien auftreten, ist eine merkwürdige Erscheinung, sagte ich; denn in Ionien nimmt zugleich ihren Anfang die griechische Philosophie, jene Weisheit, die von Thales und Aristoteles her bis in die römische Zeit hinein so ganz aus dem geordneten Seelenleben des Menschen hervorgeht, aus dem, was dem Chaos entgegengesetzt ist, was heraussucht aus dem Seelenleben alles das, was an klaren, hellen, lichtvollen Begriffen zu erreichen ist. Von Ionien geht sie aus, die Philosophie der Klarheit, des Lichtvollen, man möchte sagen des Himmlischen, das sie angenommen hat dann in Plato. Und wie ihr Schatten erscheinen die Sibyllen mit ihren Geistprodukten, die aus dem Seelenchaos hervorkommen, manchmal lichtvoll ankündigend solches, das sich dann erfüllt, manchmal auch solches, das gefälscht werden muß von Anhängern des Sibyllentums, um von einer Erfüllung sprechen zu können. Und dann sehen wir weiter, wie der Schatten der Weisheit die vierte Kulturepoche eben begleitend, dieses Sibyllentum sich über Griechenland, über Italien ausbreiten. Von den mannigfaltigsten Arten der Sibyllen wird uns gesprochen, und wir sehen, wie bis herein nach Italien sich das Sibyllentum ausbreitet. Allmählich kommt es herauf in die Zeit, in der das Mysterium von Golgatha erscheint. Wir sehen dann, wie es Einfluß gewinnt auf die römischen Dichter, wie es selbst in die Dichtungen Virgils hineinspielt, wie das Leben gerade durch geistvolle Leute zu gestalten versucht wird, indem man sich beruft auf die Aussprüche der Sibyllen.
[ 11 ] Wieviel auf das gegeben wird, was in Sibyllenaussprüchen gegeben ist, sieht man an den sogenannten Sibyllinischen Büchern, die man um Rat anspricht. Und wir sehen da wiederum auch in der äußeren Welt in bezug auf die Sibyllenaussprüche merkwürdig chaotisch sich mischen Geistvollstes mit vollständig Humbugartigem. Und dann sehen wir dieses Sibyllentum selbst in das Christentum hereingreifen. Es klingt uns ja noch aus dem Gesang des Thomas von Celano entgegen:
[ 11 ] Wieviel auf das gegeben wird, was in Sibyllenaussprüchen gegeben ist, sieht man an den sogenannten Sibyllinischen Büchern, die man um Rat anspricht. Und wir sehen da wiederum auch in der äußeren Welt in bezug auf die Sibyllenaussprüche merkwürdig chaotisch sich mischen Geistvollstes mit vollständig Humbugartigem. Und dann sehen wir dieses Sibyllentum selbst in das Christentum hereingreifen. Es klingt uns ja noch aus dem Gesang des Thomas von Celano entgegen:
Dies irae, dies illa
solvet saeclum in favilla
teste David cum Sibylla!
Dies irae, dies illa
solvet saeclum in favilla
teste David cum Sibylla!
[ 12 ] Tag des Zornes, o Tag, der zunichte führt dies Weltalter nach dem Zeugnis des David wie auch der Sibylle!
[ 12 ] Tag des Zornes, o Tag, der zunichte führt dies Weltalter nach dem Zeugnis des David wie auch der Sibylle!
[ 13 ] Also bis in die Zeit der Entwickelung des Christentums herein steht mancherlei Geistern die Sibylle vor Augen mit ihren Aussprüchen, namentlich auf das gehend, was sich auf die Vernichtung der bisherigen und auf das Kommen einer neuen Weltenordnung bezieht. So kann man sagen, daß durch viele, viele Jahrhunderte, ja durch den ganzen vierten nachatlantischen Zeitraum hindurch, und ihre Strahlen, wenn auch nur noch spärlich, bis in den fünften Zeitraum hereinwerfend, die Sibylle uns gegenübertritt in der Menschheitsentwickelung. Nur wer, von rationalistischen Vorstellungen der Gegenwart beherrscht, sich um solche Sachen nicht kümmern will, kann übersehen, welchen tiefgehenden Einfluß gerade das Sibyllentum auf die Welt gehabt hat, innerhalb welcher sich das Christentum ausbreitete. Was heute als Geschichte erzählt wird, ist, wie ich öfter ausgesprochen habe, namentlich wo es sich um Dinge geistiger Art handelt, in vieler Beziehung eine Fable convenue. Viel mehr, als man glaubt, waren die Vorstellungen in den breitesten Schichten des Volkes bis in späte Jahrhunderte herauf von dem beherrscht, was von den Sibyllen ausging. Es ist eine merkwürdige, rätselhafte Erscheinung, die sich hineinstellt in den vierten nachatlantischen Zeitraum, diese Welt der Sibyllen.
[ 13 ] Also bis in die Zeit der Entwickelung des Christentums herein steht mancherlei Geistern die Sibylle vor Augen mit ihren Aussprüchen, namentlich auf das gehend, was sich auf die Vernichtung der bisherigen und auf das Kommen einer neuen Weltenordnung bezieht. So kann man sagen, daß durch viele, viele Jahrhunderte, ja durch den ganzen vierten nachatlantischen Zeitraum hindurch, und ihre Strahlen, wenn auch nur noch spärlich, bis in den fünften Zeitraum hereinwerfend, die Sibylle uns gegenübertritt in der Menschheitsentwickelung. Nur wer, von rationalistischen Vorstellungen der Gegenwart beherrscht, sich um solche Sachen nicht kümmern will, kann übersehen, welchen tiefgehenden Einfluß gerade das Sibyllentum auf die Welt gehabt hat, innerhalb welcher sich das Christentum ausbreitete. Was heute als Geschichte erzählt wird, ist, wie ich öfter ausgesprochen habe, namentlich wo es sich um Dinge geistiger Art handelt, in vieler Beziehung eine Fable convenue. Viel mehr, als man glaubt, waren die Vorstellungen in den breitesten Schichten des Volkes bis in späte Jahrhunderte herauf von dem beherrscht, was von den Sibyllen ausging. Es ist eine merkwürdige, rätselhafte Erscheinung, die sich hineinstellt in den vierten nachatlantischen Zeitraum, diese Welt der Sibyllen.
[ 14 ] Uns muß interessieren, was sich eigentlich in den Seelen dieser Sibyllen abspielt. Solche Dinge müssen wir wiederum durch unsere Geistesforschung herausholen aus dem, was heute sozusagen durch eine Schicht materialistischer Geisteskultur bedeckt ist, was aber so, wie es ist, nicht gebraucht werden kann, sondern erneuert werden muß mit den Mitteln der Geistesforschung unseres Zeitalters. Aber aufmerksam darf doch darauf gemacht werden, daß das Wesen des Sibyllentums in verhältnismäßig nicht weit zurückliegenden Zeiten nicht so vergessen war wie in der unstigen. Und wir haben ja, ich möchte sagen, ein bedeutsames Dokument, welches uns hinweist auf Überlieferungen über die Bedeutung des Sibyllentums. Vielleicht schauen wir dieses Dokument nicht immer auf diese Bedeutsamkeit hin an, aber es ist doch vorhanden und sollte die Menschen zum Nachdenken veranlassen. Es ist vorhanden in der großen Schöpfung Michelangelos, wo er in den bedeutsamen Bildern der Sixtinischen Kapelle nicht nur die Entwickelung der Erde und der Menschheit, sondern auch die Propheten und die Sibyllen darstellt. Und wir sollten, gerade wenn wir diese Bilder betrachten, nicht vorbeigehen an der Art, wie Michelangelo die Sibyllen darstellt, insbesondere wie er kontrastiert die Sibyllen und die Propheten. Denn ganz unbefangen betrachtet, stellt sich dar in dieser Kontrastierung etwas von dem, was wir wiederum erkennen können durch Geisteswissenschaft über mancherlei Geheimnisse des vierten nachatlantischen Zeitraums, in den das Mysterium von Golgatha hereinfällt.
[ 14 ] Uns muß interessieren, was sich eigentlich in den Seelen dieser Sibyllen abspielt. Solche Dinge müssen wir wiederum durch unsere Geistesforschung herausholen aus dem, was heute sozusagen durch eine Schicht materialistischer Geisteskultur bedeckt ist, was aber so, wie es ist, nicht gebraucht werden kann, sondern erneuert werden muß mit den Mitteln der Geistesforschung unseres Zeitalters. Aber aufmerksam darf doch darauf gemacht werden, daß das Wesen des Sibyllentums in verhältnismäßig nicht weit zurückliegenden Zeiten nicht so vergessen war wie in der unstigen. Und wir haben ja, ich möchte sagen, ein bedeutsames Dokument, welches uns hinweist auf Überlieferungen über die Bedeutung des Sibyllentums. Vielleicht schauen wir dieses Dokument nicht immer auf diese Bedeutsamkeit hin an, aber es ist doch vorhanden und sollte die Menschen zum Nachdenken veranlassen. Es ist vorhanden in der großen Schöpfung Michelangelos, wo er in den bedeutsamen Bildern der Sixtinischen Kapelle nicht nur die Entwickelung der Erde und der Menschheit, sondern auch die Propheten und die Sibyllen darstellt. Und wir sollten, gerade wenn wir diese Bilder betrachten, nicht vorbeigehen an der Art, wie Michelangelo die Sibyllen darstellt, insbesondere wie er kontrastiert die Sibyllen und die Propheten. Denn ganz unbefangen betrachtet, stellt sich dar in dieser Kontrastierung etwas von dem, was wir wiederum erkennen können durch Geisteswissenschaft über mancherlei Geheimnisse des vierten nachatlantischen Zeitraums, in den das Mysterium von Golgatha hereinfällt.
[ 15 ] Da sehen wir ja zunächst, als künstlerisches Werk so bewunderungswürdig, die Darstellung der Propheten: des Zacharias, des Joel, Jesaias, Hesekiel, Daniel, Jeremias und Jonas. Und eingereiht in diese Prophetenreihe sehen wir die Sibyllen: die persische, die deiphische, die erythräische, die libysche, die cumäische Sibylle. Wenn wir uns die Propheten ansehen, fast alle haben sie mehr oder weniger etwas von dem Charakter, der uns gleich bei Jeremias entgegentritt, der uns aber insbesondere signifikant erscheint bei Zacharias: tief sinnende Menschen, zum großen Teil in Bücher oder sonstiges vertieft, ruhig mit gleichmäßig geordneter Seele aufnehmend, was sie lesen oder sonst an sich heranbringen. Das, was ruhig in der Seele lebt, tritt uns auch aus den Antlitzen dieser Propheten entgegen. Eine kleine Ausnahme macht, aber auch nur scheinbar, Daniel, der vor einem Buche sitzt, das auf den Rücken eines Knaben gestützt ist, und der etwas zum Schreiben in der Hand hat, um das, was er liest, in ein anderes Buch zu schreiben: ein leiser Übergang von dem sinnigen Aufnehmen der Weltengeheimnisse zum Niederschreiben, während die anderen sinnend verharren und mit gelassener, ruhiger Seele ganz hingegeben sind den Weltengeheimnissen. Ihnen allen sehen wir an — das müssen wir festhalten —, daß sie ins Überirdische versenkt sind, daß ihre Seele im Geistigen ruht und das Menschheitswerden aus dem Geistigen zu ergründen sucht. Ihnen sehen wir an, daß sie mit ihren Gedanken hinaus sind über das, was sie unmittelbar umgibt, über das, was in den menschlichen Leidenschaften und in dem Fanatismus enthalten ist und in der Ekstase, die aus dem Fanatismus und der menschlichen Leidenschaft kommt; daß sie nicht nur hinaus sind über das, was der Mensch erblickt, sondern auch über das, was er in sich erlebt, insofern er auf Erden Mensch ist. Das ist das Große in dieser Prophetendarstellung des Michelangelo.
[ 15 ] Da sehen wir ja zunächst, als künstlerisches Werk so bewunderungswürdig, die Darstellung der Propheten: des Zacharias, des Joel, Jesaias, Hesekiel, Daniel, Jeremias und Jonas. Und eingereiht in diese Prophetenreihe sehen wir die Sibyllen: die persische, die deiphische, die erythräische, die libysche, die cumäische Sibylle. Wenn wir uns die Propheten ansehen, fast alle haben sie mehr oder weniger etwas von dem Charakter, der uns gleich bei Jeremias entgegentritt, der uns aber insbesondere signifikant erscheint bei Zacharias: tief sinnende Menschen, zum großen Teil in Bücher oder sonstiges vertieft, ruhig mit gleichmäßig geordneter Seele aufnehmend, was sie lesen oder sonst an sich heranbringen. Das, was ruhig in der Seele lebt, tritt uns auch aus den Antlitzen dieser Propheten entgegen. Eine kleine Ausnahme macht, aber auch nur scheinbar, Daniel, der vor einem Buche sitzt, das auf den Rücken eines Knaben gestützt ist, und der etwas zum Schreiben in der Hand hat, um das, was er liest, in ein anderes Buch zu schreiben: ein leiser Übergang von dem sinnigen Aufnehmen der Weltengeheimnisse zum Niederschreiben, während die anderen sinnend verharren und mit gelassener, ruhiger Seele ganz hingegeben sind den Weltengeheimnissen. Ihnen allen sehen wir an — das müssen wir festhalten —, daß sie ins Überirdische versenkt sind, daß ihre Seele im Geistigen ruht und das Menschheitswerden aus dem Geistigen zu ergründen sucht. Ihnen sehen wir an, daß sie mit ihren Gedanken hinaus sind über das, was sie unmittelbar umgibt, über das, was in den menschlichen Leidenschaften und in dem Fanatismus enthalten ist und in der Ekstase, die aus dem Fanatismus und der menschlichen Leidenschaft kommt; daß sie nicht nur hinaus sind über das, was der Mensch erblickt, sondern auch über das, was er in sich erlebt, insofern er auf Erden Mensch ist. Das ist das Große in dieser Prophetendarstellung des Michelangelo.
[ 16 ] Dann wenden wir den Blick hin zur Darstellung der Sibyllen. Da haben wir zuerst die persische Sibylle in der Nähe des Propheten Jeremias, merkwürdig kontrastierend mit dem sinnigen Verhalten des Jeremias. Wie wenn sie das, was sie eben erfahren hat, aufdrängen wollte der Menschheit, so erhebt sie die Hand; wie wenn sie, nach dem Muster schlechter Redner, unmittelbar mit aller Macht beweisen wollte das, was sie zu sagen hatte, und wie wenn sie gar nicht anders könne, vermöge ihrer fanatischen Leidenschaft, als in die beweisende Hand hineinfließen zu lassen dasjenige, wovon sie überreden möchte die ganze Menschheit! Dann wenden wir den Blick hin zu der erythräischen Sibylle. Da verspüren wir, wie sie verknüpft ist mit dem, was dem Menschen sozusagen von den Geheimnissen der Erdenelemente zukommen kann. Eine Lampe hat sie über dem Haupt; ein nackter Knabe zündet die Lampe mit einer Fackel an. Wie kann man das, was man ausdrücken will, deutlicher ausdrücken: Da zündet menschliche Leidenschaft das an, was sie aus den unbewußten Seelenkräften heraus der Menschheit mit aller Gewalt als Prophetie einpflanzen möchte. Die Propheten sind hingegeben in ihrer Seele dem Urewigen im Geiste; die Sibyllen sind mitgerissen von allem Irdischen, insofern das Irdische das GeistigSeelische offenbart. Die delphische Sibylle zeigt uns das ganz besonders, wenn wir sehen, wie sogar ihr Haar von einem Windhauch nach der einen Seite getrieben wird, wie dieser Wind bis hinein in den bläulichen Schleier bläst, so daß sie dem Elemente der Luft das verdankt, was sie mitzuteilen hat. In diesem Windhauch, der Haar und Schleier der Sibylle durchbläst, tritt uns entgegen, was die Erde damals offenbaren wollte durch den Mund dieser Sibylle, mit Gewalt überredend. Dann die cumäische Sibylle: Sie redet mit halbgeöffnetem Mund wie lallend. Wie eine aus dem Unbewußten stammende Prophetie hervorstammelnd, so erscheint sie uns. Die libysche Sibylle, die hastig, wie sich umkehrend, etwas ergreift, worin sie Geheimnisse lesen kann — so etwa! Alles ist sozusagen in diesen Sibyllen hingegeben dem unmittelbaren Erdenelement.
[ 16 ] Dann wenden wir den Blick hin zur Darstellung der Sibyllen. Da haben wir zuerst die persische Sibylle in der Nähe des Propheten Jeremias, merkwürdig kontrastierend mit dem sinnigen Verhalten des Jeremias. Wie wenn sie das, was sie eben erfahren hat, aufdrängen wollte der Menschheit, so erhebt sie die Hand; wie wenn sie, nach dem Muster schlechter Redner, unmittelbar mit aller Macht beweisen wollte das, was sie zu sagen hatte, und wie wenn sie gar nicht anders könne, vermöge ihrer fanatischen Leidenschaft, als in die beweisende Hand hineinfließen zu lassen dasjenige, wovon sie überreden möchte die ganze Menschheit! Dann wenden wir den Blick hin zu der erythräischen Sibylle. Da verspüren wir, wie sie verknüpft ist mit dem, was dem Menschen sozusagen von den Geheimnissen der Erdenelemente zukommen kann. Eine Lampe hat sie über dem Haupt; ein nackter Knabe zündet die Lampe mit einer Fackel an. Wie kann man das, was man ausdrücken will, deutlicher ausdrücken: Da zündet menschliche Leidenschaft das an, was sie aus den unbewußten Seelenkräften heraus der Menschheit mit aller Gewalt als Prophetie einpflanzen möchte. Die Propheten sind hingegeben in ihrer Seele dem Urewigen im Geiste; die Sibyllen sind mitgerissen von allem Irdischen, insofern das Irdische das GeistigSeelische offenbart. Die delphische Sibylle zeigt uns das ganz besonders, wenn wir sehen, wie sogar ihr Haar von einem Windhauch nach der einen Seite getrieben wird, wie dieser Wind bis hinein in den bläulichen Schleier bläst, so daß sie dem Elemente der Luft das verdankt, was sie mitzuteilen hat. In diesem Windhauch, der Haar und Schleier der Sibylle durchbläst, tritt uns entgegen, was die Erde damals offenbaren wollte durch den Mund dieser Sibylle, mit Gewalt überredend. Dann die cumäische Sibylle: Sie redet mit halbgeöffnetem Mund wie lallend. Wie eine aus dem Unbewußten stammende Prophetie hervorstammelnd, so erscheint sie uns. Die libysche Sibylle, die hastig, wie sich umkehrend, etwas ergreift, worin sie Geheimnisse lesen kann — so etwa! Alles ist sozusagen in diesen Sibyllen hingegeben dem unmittelbaren Erdenelement.
[ 17 ] Es ist vieles gerade solchen Dokumenten anvertraut in derjenigen Zeit, wo man, wie das ja selbstverständlich war für dieses Zeitalter, viel besser in der Malerei, in der Kunst, ausdrücken konnte, was man zu sagen hatte, als in einer späteren Zeit, wo uns mehr der Begriff, die Idee dienen muß.
[ 17 ] Es ist vieles gerade solchen Dokumenten anvertraut in derjenigen Zeit, wo man, wie das ja selbstverständlich war für dieses Zeitalter, viel besser in der Malerei, in der Kunst, ausdrücken konnte, was man zu sagen hatte, als in einer späteren Zeit, wo uns mehr der Begriff, die Idee dienen muß.
[ 18 ] Was ist denn die eigentümliche Natur dieser Sibyllen? Was sind sie denn eigentlich? Was bedeutet ihre Prophetie? Man muß tief hineinbohren, möchte man sagen, in die Geheimnisse der Menschheitsentwickelung, wenn man ergründen will, was in den Seelen dieser Sibyllen vorgeht.
[ 18 ] Was ist denn die eigentümliche Natur dieser Sibyllen? Was sind sie denn eigentlich? Was bedeutet ihre Prophetie? Man muß tief hineinbohren, möchte man sagen, in die Geheimnisse der Menschheitsentwickelung, wenn man ergründen will, was in den Seelen dieser Sibyllen vorgeht.
[ 19 ] Fragen wir uns zu diesem Zwecke noch einmal: Warum hätten denn die alten indischen Rishis mit ihrer uns ja kaum ergründlichen Weisheit den Christus Jesus so leicht verstehen können? Nun, es ist eine Trivialität, aber wahr ist es doch: weil sie eben die nötigen Weisheiten und Begriffe hatten, die die vierte nachatlantische Kulturperiode nicht hatte. Sie hatten das alles, wonach vergebens zum Beispiel lechzten die Gnostiker und auch die Antignostiker und die apostolischen Väter, wie man sie nennt. Sie hatten das alles; aber wie hatten sie es? Nicht als erarbeitete Ideen, nicht als etwas, was sie sich etwa wie Plato oder Aristoteles an Ideen erarbeitet hatten, sondern wie Eingebungen, wie Inspirationen, wie etwas, was wie in aller Gewalt als konkrete Inspiration vor ihnen stand. Ihr Astralleib wurde ergriffen von dem, was einströmte aus dem Weltenall, und aus den Wirkungen des Kosmos auf ihren astralischen Leib gingen hervor die Begriffe, die ihnen dann vor die Seele hätten zaubern können die Wesenheit des Christus Jesus. Man möchte sagen, es ward den Menschen gegeben; die Menschen haben es sich nicht erarbeitet, es kam wie herausgesprüht aus den Tiefen des Astralleibes. Und mit einer wunderbaren Klarheit kam es herausgesprüht aus dem Astralleib der heiligen Rishis und ihrer Schüler und im Grunde genommen der ganzen, der ersten nachatlantischen Kulturperiode angehörigen altindischen Kultur. Und das war immer geringer geworden, war aber noch da in der zweiten, in der dritten nachatlantischen Kulturperiode und erhielt sich als ein Rest bis in die vierte nachatlantische Kulturperiode hinein. Aber wie? Als was für ein Rest?
[ 19 ] Fragen wir uns zu diesem Zwecke noch einmal: Warum hätten denn die alten indischen Rishis mit ihrer uns ja kaum ergründlichen Weisheit den Christus Jesus so leicht verstehen können? Nun, es ist eine Trivialität, aber wahr ist es doch: weil sie eben die nötigen Weisheiten und Begriffe hatten, die die vierte nachatlantische Kulturperiode nicht hatte. Sie hatten das alles, wonach vergebens zum Beispiel lechzten die Gnostiker und auch die Antignostiker und die apostolischen Väter, wie man sie nennt. Sie hatten das alles; aber wie hatten sie es? Nicht als erarbeitete Ideen, nicht als etwas, was sie sich etwa wie Plato oder Aristoteles an Ideen erarbeitet hatten, sondern wie Eingebungen, wie Inspirationen, wie etwas, was wie in aller Gewalt als konkrete Inspiration vor ihnen stand. Ihr Astralleib wurde ergriffen von dem, was einströmte aus dem Weltenall, und aus den Wirkungen des Kosmos auf ihren astralischen Leib gingen hervor die Begriffe, die ihnen dann vor die Seele hätten zaubern können die Wesenheit des Christus Jesus. Man möchte sagen, es ward den Menschen gegeben; die Menschen haben es sich nicht erarbeitet, es kam wie herausgesprüht aus den Tiefen des Astralleibes. Und mit einer wunderbaren Klarheit kam es herausgesprüht aus dem Astralleib der heiligen Rishis und ihrer Schüler und im Grunde genommen der ganzen, der ersten nachatlantischen Kulturperiode angehörigen altindischen Kultur. Und das war immer geringer geworden, war aber noch da in der zweiten, in der dritten nachatlantischen Kulturperiode und erhielt sich als ein Rest bis in die vierte nachatlantische Kulturperiode hinein. Aber wie? Als was für ein Rest?
[ 20 ] Wenn wir untersuchen würden, wie es noch in der dritten nachatlantischen Kulturperiode war, so würden wir finden, daß wenigstens diejenigen Menschen, die sich auf die Höhe ihrer Zeit hinaufgeschwungen hatten — und dazumal waren dem Prozentsatz nach viel mehr Gebildete als heute —, Begriffe hatten über Zusammenhänge des Außerirdischen, über das, was sich symbolisierte am Sternenhimmel. Sie konnten in den Bewegungen der Sterne Geheimnisse des Weltendaseins lesen. Der dritte nachatlantische Zeitraum hätte ganz gewiß, wenn der Christus Jesus auf Erden erschienen wäre, aus der Sternenschrift erkannt, welche Bewandtnis es mit ihm gehabt hat. Aber das war ja das notwendige Schicksal, das wir dem Prinzip nach öfters hervorgehoben haben in bezug auf Menschheitsentwickelung: daß immer mehr und mehr zurücktrat im menschlichen Astralleib die Gabe, so mit den Geheimnissen der Welt durch lebendige Bilder zusammenzuhängen. Diese Bilder wurden immer chaotischer und chaotischer. Das, was auf diese Weise in die Menschenseele hereinkam, war immer weniger maßgebend — nicht daß es gar nicht maßgebend war, sage ich, sondern nur immer weniger und weniger maßgebend — für die Ergründung der eigentlichen Weltengeheimnisse.
[ 20 ] Wenn wir untersuchen würden, wie es noch in der dritten nachatlantischen Kulturperiode war, so würden wir finden, daß wenigstens diejenigen Menschen, die sich auf die Höhe ihrer Zeit hinaufgeschwungen hatten — und dazumal waren dem Prozentsatz nach viel mehr Gebildete als heute —, Begriffe hatten über Zusammenhänge des Außerirdischen, über das, was sich symbolisierte am Sternenhimmel. Sie konnten in den Bewegungen der Sterne Geheimnisse des Weltendaseins lesen. Der dritte nachatlantische Zeitraum hätte ganz gewiß, wenn der Christus Jesus auf Erden erschienen wäre, aus der Sternenschrift erkannt, welche Bewandtnis es mit ihm gehabt hat. Aber das war ja das notwendige Schicksal, das wir dem Prinzip nach öfters hervorgehoben haben in bezug auf Menschheitsentwickelung: daß immer mehr und mehr zurücktrat im menschlichen Astralleib die Gabe, so mit den Geheimnissen der Welt durch lebendige Bilder zusammenzuhängen. Diese Bilder wurden immer chaotischer und chaotischer. Das, was auf diese Weise in die Menschenseele hereinkam, war immer weniger maßgebend — nicht daß es gar nicht maßgebend war, sage ich, sondern nur immer weniger und weniger maßgebend — für die Ergründung der eigentlichen Weltengeheimnisse.
[ 21 ] Und so war es dann gekommen, daß zweierlei entstanden war. Auf der einen Seite die Begriffswelt, sagen wir des Plato und des Aristoteles, die Ideenwelt, man möchte sagen, die durchgesiebteste Geisteswelt, die geistige Welt, die am wenigsten noch in sich hat vom Geiste, die unmittelbar aus dem Ich selber erfaßt und ergründet wird, nicht mehr aus dem Astralleibe kommt. Denn das ist das Charakteristische der griechischen Philosophie, daß in ihr zum erstenmal der Geist sich aus dem Ich heraus manifestierte, wie er sich aus dem Ich heraus manifestieren kann in den ganz und gar durchsichtigen, aber dem eigentlichen Geistesleben doch fernestehenden Begriffen. Nur daß der griechische Philosoph in dieser Beziehung, ungleich dem neueren Philosophen, noch fühlte, daß die Gedanken herstammten aus der geistigen Welt, während der neuere Philosoph notwendigerweise ein Zweifler, ein Skeptiker geworden ist, weil er nicht mehr den lebendigen Zusammenhang fühlt zwischen seinen Gedanken und den Weltengeheimnissen. Geringer wurde in der neueren Zeit die Fähigkeit, zu sagen: Das, was ich denke, denkt der Weltengeist in mir. Man muß schon, wie ich in «Die Schwelle der geistigen Welt» darzustellen versucht habe, ein wenig durch Meditation dazu kommen, Vertrauen zum Denken zu gewinnen, jenes Vertrauen zum Äusgestalten der Begriffe und Ideen, das dem griechischen Philosophen naiv gegeben war, weil er seine Gedanken für die Gedanken des Weltengeistes selber halten durfte. Es war also gleichsam die äußerste Haut des Weltengeistes, was in der griechischen Philosophie an die Menschheit herantrat, aber es war eben doch noch von dem lebendigen Leben des Weltengeistes durchdrungene Haut; das fühlte man. Das zweite, was geblieben war aus alten Zeiten, war atavistisch, war ein Vererbungsstück. Und es blieb gewissermaßen in deutlichster Weise in der Prophetie der Sibyllen, die aus dem Chaos ihrer Welt heraus gleichsam noch einmal auferstehen ließen die Kräfte der Menschenseele, die durch den zweiten, dritten nachatlantischen Zeitraum in harmonischer Weise gewirkt hatten und die jetzt chaotisch heraufbrachten Schauer der geistigen Welt.
[ 21 ] Und so war es dann gekommen, daß zweierlei entstanden war. Auf der einen Seite die Begriffswelt, sagen wir des Plato und des Aristoteles, die Ideenwelt, man möchte sagen, die durchgesiebteste Geisteswelt, die geistige Welt, die am wenigsten noch in sich hat vom Geiste, die unmittelbar aus dem Ich selber erfaßt und ergründet wird, nicht mehr aus dem Astralleibe kommt. Denn das ist das Charakteristische der griechischen Philosophie, daß in ihr zum erstenmal der Geist sich aus dem Ich heraus manifestierte, wie er sich aus dem Ich heraus manifestieren kann in den ganz und gar durchsichtigen, aber dem eigentlichen Geistesleben doch fernestehenden Begriffen. Nur daß der griechische Philosoph in dieser Beziehung, ungleich dem neueren Philosophen, noch fühlte, daß die Gedanken herstammten aus der geistigen Welt, während der neuere Philosoph notwendigerweise ein Zweifler, ein Skeptiker geworden ist, weil er nicht mehr den lebendigen Zusammenhang fühlt zwischen seinen Gedanken und den Weltengeheimnissen. Geringer wurde in der neueren Zeit die Fähigkeit, zu sagen: Das, was ich denke, denkt der Weltengeist in mir. Man muß schon, wie ich in «Die Schwelle der geistigen Welt» darzustellen versucht habe, ein wenig durch Meditation dazu kommen, Vertrauen zum Denken zu gewinnen, jenes Vertrauen zum Äusgestalten der Begriffe und Ideen, das dem griechischen Philosophen naiv gegeben war, weil er seine Gedanken für die Gedanken des Weltengeistes selber halten durfte. Es war also gleichsam die äußerste Haut des Weltengeistes, was in der griechischen Philosophie an die Menschheit herantrat, aber es war eben doch noch von dem lebendigen Leben des Weltengeistes durchdrungene Haut; das fühlte man. Das zweite, was geblieben war aus alten Zeiten, war atavistisch, war ein Vererbungsstück. Und es blieb gewissermaßen in deutlichster Weise in der Prophetie der Sibyllen, die aus dem Chaos ihrer Welt heraus gleichsam noch einmal auferstehen ließen die Kräfte der Menschenseele, die durch den zweiten, dritten nachatlantischen Zeitraum in harmonischer Weise gewirkt hatten und die jetzt chaotisch heraufbrachten Schauer der geistigen Welt.
[ 22 ] Nehmen wir einmal eine Hypothese an, die ja vielleicht in unserem Zusammenhange gestattet sein mag, die Hypothese, die man so aussprechen könnte: Was wäre geschehen, wenn kein Christus und auch keine griechischen Philosophen gekommen wären? Nun, dann hätte die Menschheit eben fortbestehen müssen mit dem, was sie als Erbgut gehabt hat, mit dem, was in der vierten nachatlantischen Periode bereits auf der Stufe des Sibyllismus angekommen war. Denken Sie sich das geradeswegs fortentwickelt im Abendlande ohne Christus-Impuls, ohne Philosophie und ohne die Wissenschaft, die auf ihr beruht, dann haben Sie das geistige Chaos des Abendlandes vor Ihre Vorstellung gestellt, das, was hätte werden können ohne Christus und ohne die Philosophie, was aus demjenigen hätte entstehen müssen, was in den Seelen der Sibyllen vorgegangen ist. Aber Kräfte wirken nach. Und wenn man mit den Mitteln der Geisteswissenschaft gerade diese elementare Stärke prüft, mit der sich sozusagen die im unmittelbaren Umkreis der Erde lebenden geistigen Gewalten in Wind und Wasser und Feuer aussprechen, und wenn man prüft, wie sich diese in die menschliche Seele eingenistet hätten, wenn man namentlich die Stärke prüft, mit der die Wind-, Feuer-, Wasser-, Erdengeister von den Seelen der Menschen Besitz ergriffen hätten, dann bekommt man eine Vorstellung davon, wie zwar Harmonie und Ordnung gewichen ist aus der alten Art, die Welt zu erkennen, die in der ersten, zweiten, dritten nachatlantischen Periode da war, wie aber noch die Kräfte in den menschlichen Seelen geblieben wären. Die menschlichen Seelen hätten nicht mehr die Fähigkeit gehabt, wirklich einen Zusammenhang mit den großen Erscheinungen des Weltalls in ihren Seelen herzustellen, wohl aber mit den Wind-Geistern, Feuer-Geistern und so weiter, namentlich mit all dem Gespenster- und Dämonengezücht, das sich losgelöst gezeigt hätte von den großen Weltenzusammenhängen. Ganz in die Gewalt der elementaren Geister wären die Menschen gekommen, und ihre Lehrer wären sibyllenartige Lehrer geworden, und die Kraft wäre so stark, daß sie heute und bis ans Ende der Erdentage verblieben wäre. Und wenn wir uns fragen: Wodurch ist das unterblieben? Wer hat bewirkt, daß diese Kraft allmählich abgeschwächt worden ist, die uns anschaulich in den Sibyllen lebt, so müssen wir antworten: der Christus, der durch das Mysterium von Golgatha in die Erdenaura ausgeflossen ist und der aus den Menschenseelen heraus zerstört hat die sibyllinische Kraft, weggenommen hat die sibyllinische Kraft.
[ 22 ] Nehmen wir einmal eine Hypothese an, die ja vielleicht in unserem Zusammenhange gestattet sein mag, die Hypothese, die man so aussprechen könnte: Was wäre geschehen, wenn kein Christus und auch keine griechischen Philosophen gekommen wären? Nun, dann hätte die Menschheit eben fortbestehen müssen mit dem, was sie als Erbgut gehabt hat, mit dem, was in der vierten nachatlantischen Periode bereits auf der Stufe des Sibyllismus angekommen war. Denken Sie sich das geradeswegs fortentwickelt im Abendlande ohne Christus-Impuls, ohne Philosophie und ohne die Wissenschaft, die auf ihr beruht, dann haben Sie das geistige Chaos des Abendlandes vor Ihre Vorstellung gestellt, das, was hätte werden können ohne Christus und ohne die Philosophie, was aus demjenigen hätte entstehen müssen, was in den Seelen der Sibyllen vorgegangen ist. Aber Kräfte wirken nach. Und wenn man mit den Mitteln der Geisteswissenschaft gerade diese elementare Stärke prüft, mit der sich sozusagen die im unmittelbaren Umkreis der Erde lebenden geistigen Gewalten in Wind und Wasser und Feuer aussprechen, und wenn man prüft, wie sich diese in die menschliche Seele eingenistet hätten, wenn man namentlich die Stärke prüft, mit der die Wind-, Feuer-, Wasser-, Erdengeister von den Seelen der Menschen Besitz ergriffen hätten, dann bekommt man eine Vorstellung davon, wie zwar Harmonie und Ordnung gewichen ist aus der alten Art, die Welt zu erkennen, die in der ersten, zweiten, dritten nachatlantischen Periode da war, wie aber noch die Kräfte in den menschlichen Seelen geblieben wären. Die menschlichen Seelen hätten nicht mehr die Fähigkeit gehabt, wirklich einen Zusammenhang mit den großen Erscheinungen des Weltalls in ihren Seelen herzustellen, wohl aber mit den Wind-Geistern, Feuer-Geistern und so weiter, namentlich mit all dem Gespenster- und Dämonengezücht, das sich losgelöst gezeigt hätte von den großen Weltenzusammenhängen. Ganz in die Gewalt der elementaren Geister wären die Menschen gekommen, und ihre Lehrer wären sibyllenartige Lehrer geworden, und die Kraft wäre so stark, daß sie heute und bis ans Ende der Erdentage verblieben wäre. Und wenn wir uns fragen: Wodurch ist das unterblieben? Wer hat bewirkt, daß diese Kraft allmählich abgeschwächt worden ist, die uns anschaulich in den Sibyllen lebt, so müssen wir antworten: der Christus, der durch das Mysterium von Golgatha in die Erdenaura ausgeflossen ist und der aus den Menschenseelen heraus zerstört hat die sibyllinische Kraft, weggenommen hat die sibyllinische Kraft.
[ 23 ] Und so erblickt man, auf dem Boden der Geisteswissenschaft stehend, die merkwürdige Tatsache, daß Menschen mit ihrer Weisheit nicht viel von dem Christus-Impuls verstehen; Begriffe und Ideen erweisen sich als ziemlich ohnmächtig. Aber in bezug auf den Christus-Impuls kommt es zunächst nicht darauf an, daß er als Lehre in die Welt tritt, es kommt auf den Tatsachencharakter an, auf das, was ausgeflossen ist als unmittelbarer Impuls von dem Mysterium von Golgatha. Und das muß man nicht allein suchen in dem, was Menschen lehren, nicht suchen in dem, was Menschen verstehen, sondern in dem, was geschieht, geschieht für die Menschenseele. Und eine der Taten, den Kampf des in die Erdenaura ausgeflossenen Christus gegen das Sibyllentum, diese Tat wollte ich Ihnen durch die heutige Betrachtung vorführen.
[ 23 ] Und so erblickt man, auf dem Boden der Geisteswissenschaft stehend, die merkwürdige Tatsache, daß Menschen mit ihrer Weisheit nicht viel von dem Christus-Impuls verstehen; Begriffe und Ideen erweisen sich als ziemlich ohnmächtig. Aber in bezug auf den Christus-Impuls kommt es zunächst nicht darauf an, daß er als Lehre in die Welt tritt, es kommt auf den Tatsachencharakter an, auf das, was ausgeflossen ist als unmittelbarer Impuls von dem Mysterium von Golgatha. Und das muß man nicht allein suchen in dem, was Menschen lehren, nicht suchen in dem, was Menschen verstehen, sondern in dem, was geschieht, geschieht für die Menschenseele. Und eine der Taten, den Kampf des in die Erdenaura ausgeflossenen Christus gegen das Sibyllentum, diese Tat wollte ich Ihnen durch die heutige Betrachtung vorführen.
[ 24 ] So hatte der Christus in der Tat ein Richteramt zu vollführen. Diejenigen, die es materialistisch verstanden haben, daß der Christus nach seiner Auferstehung bald wiederkommen werde, die hatten es mißverstanden. Menschliche Begriffe der damaligen Zeit reichten ja nicht hin, um diese Dinge zu verstehen. Aber in dem, was da chaotisch als Wiederkunftsideen baldiger Zeit zutage trat, lebte die Wahrheit, daß der Christus erschienen war auf einem Boden, den äußerlich vorbereitete Paulus, wie wir morgen sehen werden, aber vor allen Dingen erschienen war in dem Gebiete, das hinter der Sinneswelt liegt, auf dem sich der Kampf abspielt zwischen Christus und den Sibyllen, ein geistiger Kampf. Den Schleier müssen wir lüften, der uns die Ausbreitung des Christentums auf dem physischen Plan zeigt. Hinter den physischen Plan müssen wir schauen auf jenen Geisterkampf, wo aus den Seelen herausgetrieben wird, was sonst zu immer größerer und größerer Stärke gerade in seinem chaotischen Charakter hätte heranwachsen müssen. Und der versteht schon falsch diese einzige Tat, der nicht einsieht, daß durch diese metaphysische Tat ein Unendliches für die Menschheit durch den Christus geleistet worden ist.
[ 24 ] So hatte der Christus in der Tat ein Richteramt zu vollführen. Diejenigen, die es materialistisch verstanden haben, daß der Christus nach seiner Auferstehung bald wiederkommen werde, die hatten es mißverstanden. Menschliche Begriffe der damaligen Zeit reichten ja nicht hin, um diese Dinge zu verstehen. Aber in dem, was da chaotisch als Wiederkunftsideen baldiger Zeit zutage trat, lebte die Wahrheit, daß der Christus erschienen war auf einem Boden, den äußerlich vorbereitete Paulus, wie wir morgen sehen werden, aber vor allen Dingen erschienen war in dem Gebiete, das hinter der Sinneswelt liegt, auf dem sich der Kampf abspielt zwischen Christus und den Sibyllen, ein geistiger Kampf. Den Schleier müssen wir lüften, der uns die Ausbreitung des Christentums auf dem physischen Plan zeigt. Hinter den physischen Plan müssen wir schauen auf jenen Geisterkampf, wo aus den Seelen herausgetrieben wird, was sonst zu immer größerer und größerer Stärke gerade in seinem chaotischen Charakter hätte heranwachsen müssen. Und der versteht schon falsch diese einzige Tat, der nicht einsieht, daß durch diese metaphysische Tat ein Unendliches für die Menschheit durch den Christus geleistet worden ist.
[ 25 ] Wer aber hat wenigstens noch einiges, ja vieles für das Verständnis dieser Tat leisten können? Diejenigen, die mit einer gewissen Inspiration oder Offenbarung aus der geistigen Welt begabt waren, diejenigen, die die Evangelien geschrieben haben, und Paulus. Von anderen Seiten werden wir auch die Erscheinung der Evangelisten und des Paulus zu würdigen haben. Wir werden aber jetzt ins Auge fassen können, wie gleichsam Paulus inmitten einer Welt steht, in der etwas vorgeht auch ohne sein Wort, ohne das, was er mit seinen mächtigen, feurigen Worten zum Verständnis des Mysteriums von Golgatha hat beitragen können. Aber man hat doch — das lassen Sie mich zum Schluß des heutigen Vortrags noch aussprechen —, gerade wenn man diese Erscheinung ins Auge faßt, die jetzt als der Kampf des Christus gegen die Sibyllen charakterisiert worden ist, gegenüber dem Paulus ein Gefühl, das ich in die Worte zusammenfassen möchte: Bei Paulus erscheint alles so, als ob zwischen seinen Worten noch viel mehr läge als das, was man zunächst liest, als ob die Kraft, die von der Erscheinung von Damaskus auf ihn übergegangen ist, sich durch ihn zum Ausdruck brächte und als ob durch ihn doch ein Ton hereindringe in die Menschheit, der entgegengesetzt ist dem prophetischen Tone der Sibyllen; als ob bei ihm sich fortsetzte etwas von dem Ton der alten Propheten, die Michelangelo so schön in seinen Figuren dargestellt hat. Die Sibyllen, sie haben etwas gehabt, sagte ich, was von dem Elementaren der Erde ausging, was nicht hätte in ihnen sein können, wenn nicht die Elementargeister der Erde zu ihnen gesprochen hätten. Bei Paulus ist etwas Ähnliches da, etwas, was merkwürdigerweise, aber ganz exoterisch, schon die äußere Wissenschaft bemerkt hat, was einen aber wirklich, man möchte sagen, vor eine Welt des Staunens bringt, wenn man es geisteswissenschaftlich betrachtet.
[ 25 ] Wer aber hat wenigstens noch einiges, ja vieles für das Verständnis dieser Tat leisten können? Diejenigen, die mit einer gewissen Inspiration oder Offenbarung aus der geistigen Welt begabt waren, diejenigen, die die Evangelien geschrieben haben, und Paulus. Von anderen Seiten werden wir auch die Erscheinung der Evangelisten und des Paulus zu würdigen haben. Wir werden aber jetzt ins Auge fassen können, wie gleichsam Paulus inmitten einer Welt steht, in der etwas vorgeht auch ohne sein Wort, ohne das, was er mit seinen mächtigen, feurigen Worten zum Verständnis des Mysteriums von Golgatha hat beitragen können. Aber man hat doch — das lassen Sie mich zum Schluß des heutigen Vortrags noch aussprechen —, gerade wenn man diese Erscheinung ins Auge faßt, die jetzt als der Kampf des Christus gegen die Sibyllen charakterisiert worden ist, gegenüber dem Paulus ein Gefühl, das ich in die Worte zusammenfassen möchte: Bei Paulus erscheint alles so, als ob zwischen seinen Worten noch viel mehr läge als das, was man zunächst liest, als ob die Kraft, die von der Erscheinung von Damaskus auf ihn übergegangen ist, sich durch ihn zum Ausdruck brächte und als ob durch ihn doch ein Ton hereindringe in die Menschheit, der entgegengesetzt ist dem prophetischen Tone der Sibyllen; als ob bei ihm sich fortsetzte etwas von dem Ton der alten Propheten, die Michelangelo so schön in seinen Figuren dargestellt hat. Die Sibyllen, sie haben etwas gehabt, sagte ich, was von dem Elementaren der Erde ausging, was nicht hätte in ihnen sein können, wenn nicht die Elementargeister der Erde zu ihnen gesprochen hätten. Bei Paulus ist etwas Ähnliches da, etwas, was merkwürdigerweise, aber ganz exoterisch, schon die äußere Wissenschaft bemerkt hat, was einen aber wirklich, man möchte sagen, vor eine Welt des Staunens bringt, wenn man es geisteswissenschaftlich betrachtet.
[ 26 ] Auch Paulus hat in gewisser Weise aus dem Elementarischen der Erde geschöpft, aber aus einem eigentümlichen Gebiet des Elementarischen der Erde. Und man kann theologisch-rationalistisch-abstrakt Paulus selbstverständlich ganz gut verstehen, wenn man das nicht in Betracht zieht, was ich jetzt sagen will, was von der äußeren Wissenschaft nicht erklärt werden kann; man kann ihn ganz gut auslegen, wenn man nur vom Standpunkte der gewöhnlichen Rationalität heraus Paulus begreifen will. Will man aber begreifen, was geistig, spirituell in Paulus gelebt hat, in und zwischen seinen Worten, will man begreifen, warum man durch seine Worte durchfühlt etwas Ähnliches wie in den Prophetien der Sibyllen, aber bei ihm ausgehend von einem guten Elemente der Erdenentwickelung, dann kommt die Erscheinung in Betracht, die die Frage beantwortet: Wie weit geht die Welt des Paulus? Wie begrenzt sich die Welt des Paulus? Und das Merkwürdige, was wir als Antwort bekommen, ist: Paulus wurde groß in derjenigen Welt, die gerade so weit geht wie die Ölbaumkultur. Ich sage etwas Sonderbares, ich weiß es; aber wir werden sehen, daß dieses Sonderbare doch in gewisser Weise sich auflöst, wenn wir morgen auf die Gestalt des Paulus ein wenig eingehen werden. Die Erde ist auch geographisch voller Geheimnisse. Und ein Gebiet der Erde, auf dem der Ölbaum gedeiht, ist ein anderes als dasjenige, auf dem die Eiche oder Esche gedeiht. Und der Mensch steht als physisches Wesen in physischer Verkörperung mit den elementaren Geistern in Beziehung. Anders raunt und rauscht und wallt und webt es in der Welt des Ölbaumes als in der Welt der Eiche oder Esche oder Eibe. Und wenn man den Zusammenhang des Erdenwesens mit dem Menschheitswesen begreifen will, dann ist es nicht unnötig, auch auf solche eigentümliche Erscheinungen aufmerksam zu machen wie diejenige, daß Paulus gerade so weit kommt mit seinem Wort auf der Erde, wie der Ölbaum reicht. Paulus’ Welt ist die Welt des Ölbaums.
[ 26 ] Auch Paulus hat in gewisser Weise aus dem Elementarischen der Erde geschöpft, aber aus einem eigentümlichen Gebiet des Elementarischen der Erde. Und man kann theologisch-rationalistisch-abstrakt Paulus selbstverständlich ganz gut verstehen, wenn man das nicht in Betracht zieht, was ich jetzt sagen will, was von der äußeren Wissenschaft nicht erklärt werden kann; man kann ihn ganz gut auslegen, wenn man nur vom Standpunkte der gewöhnlichen Rationalität heraus Paulus begreifen will. Will man aber begreifen, was geistig, spirituell in Paulus gelebt hat, in und zwischen seinen Worten, will man begreifen, warum man durch seine Worte durchfühlt etwas Ähnliches wie in den Prophetien der Sibyllen, aber bei ihm ausgehend von einem guten Elemente der Erdenentwickelung, dann kommt die Erscheinung in Betracht, die die Frage beantwortet: Wie weit geht die Welt des Paulus? Wie begrenzt sich die Welt des Paulus? Und das Merkwürdige, was wir als Antwort bekommen, ist: Paulus wurde groß in derjenigen Welt, die gerade so weit geht wie die Ölbaumkultur. Ich sage etwas Sonderbares, ich weiß es; aber wir werden sehen, daß dieses Sonderbare doch in gewisser Weise sich auflöst, wenn wir morgen auf die Gestalt des Paulus ein wenig eingehen werden. Die Erde ist auch geographisch voller Geheimnisse. Und ein Gebiet der Erde, auf dem der Ölbaum gedeiht, ist ein anderes als dasjenige, auf dem die Eiche oder Esche gedeiht. Und der Mensch steht als physisches Wesen in physischer Verkörperung mit den elementaren Geistern in Beziehung. Anders raunt und rauscht und wallt und webt es in der Welt des Ölbaumes als in der Welt der Eiche oder Esche oder Eibe. Und wenn man den Zusammenhang des Erdenwesens mit dem Menschheitswesen begreifen will, dann ist es nicht unnötig, auch auf solche eigentümliche Erscheinungen aufmerksam zu machen wie diejenige, daß Paulus gerade so weit kommt mit seinem Wort auf der Erde, wie der Ölbaum reicht. Paulus’ Welt ist die Welt des Ölbaums.
