Precursors to the Mystery of Golgotha
GA 152
7 March 1914, Stuttgart
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Precursors to the Mystery of Golgotha, tr. SOL
7. Der Christus-Impuls im Zeitenwesen und sein Walten im Menschen
7. The Christ Impulse in the Nature of Time and Its Influence on Human Beings
[ 1 ] In unserer Zeit ist es den Seelen, die durch ihr Karma zur Geisteswissenschaft geführt werden, immer wichtiger und wichtiger, einen tiefen Eindruck zu bekommen über das, was wir nennen können: Verständnis des Mysteriums von Golgatha. Die Freunde, die bei unseren letzten Zweigversammlungen anwesend waren, haben ja schon manches gehört darüber, daß dieses Mysterium von Golgatha eine geistige Vorgeschichte hat, daß ihm etwas vorangegangen ist, daß es gleichsam der Abschluß ist einer Reihe von Ereignissen. Gehört haben unsere lieben Freunde auch, daß da in unserer Erdenentwickelung stattgefunden hat die Vereinigung der Christus-Wesenheit mit dem Leibe des Jesus von Nazareth, und daß dadurch ein Wesen über die Gefilde unserer Erde hingegangen ist, von dem wir sagen können: Es hat sich durch dieses Wesen auf dem physischen Plan abgespielt die Gegenwart des kosmischen Christus-Wesens innerhalb unseres Erdendaseins.
[ 1 ] In our time, it is becoming increasingly important for souls who are led to Spiritual Science through their karma to gain a deep understanding of what we might call the Mystery of Golgotha. The friends who were present at our last branch meetings have already heard quite a bit about how this Mystery of Golgotha has a spiritual prehistory, that something preceded it, that it is, as it were, the culmination of a series of events. Our dear friends have also heard that the union of the Christ-being with the body of Jesus of Nazareth took place in the course of our Earth’s evolution, and that through this a being walked the fields of our Earth of whom we can say: Through this being, the presence of the cosmic Christ-being within our earthly existence was manifested on the physical plane.
[ 2 ] Es ist bedeutsam für die ganze Zukunft der Menschheitsentwickelung, daß diese Menschheit immer mehr und mehr Verständnis gewinne für das Mysterium von Golgatha, und daß immer mehr und mehr aus diesem Verständnis fließen Verehrung und liebevolle, tief herzliche Hingabe an dasjenige, was im Mysterium von Golgatha für die Entwickelung der Menschheit vorging. Wir wissen — auch das wurde wiederholentlich gesagt und ist ja bekannt —, daß zur Vorbereitung des Mysteriums von Golgatha zwei Jesusknaben geboren worden sind. Der eine war der Jesus mit dem Zarathustra-Ich, der andere — aus der nathanischen Linie des Hauses David — war ein ganz besonderes Wesen. Wir wissen, daß im zwölften Jahre des nathanischen Jesusknaben hinübergezogen ist aus dem anderen, dem salomonischen Jesusknaben, das Ich des Zarathustra, und daß zwischen dem zwölften und dreißigsten Jahre sich dieser nathanische Jesus mit dem Ich des Zarathustra vorbereitet hat, um durch das Ereignis, das angedeutet wird durch die Taufe im Jordan, die Christus-Wesenheit dann zu empfangen, von der dieser Jesus von Nazareth nun durchzogen ist, und die mit dem Tode sich ausgegossen hat in die geistige Erdensphäre, so daß die Menschheit immer mehr teilhaftig werden kann desjenigen, was, ausgehend von dem Mysterium von Golgatha an geistigen Kräften, alle Seelen und alle Herzen durchströmen kann.
[ 2 ] It is of great significance for the entire future of human development that humanity gain ever greater understanding of the Mystery of Golgotha, and that this understanding give rise to ever greater reverence and loving, deeply heartfelt devotion to what took place in the Mystery of Golgotha for the sake of human development. We know—this too has been said repeatedly and is well known—that two Jesus children were born in preparation for the Mystery of Golgotha. One was the Jesus with the Zarathustra I, the other—from the Nathanic line of the House of David—was a very special being. We know that in the twelfth year of the Nathanic Jesus-child, the I of Zarathustra passed over from the other, the Solomonic Jesus-child, and that between the twelfth and thirtieth years this Nathanic Jesus, with the I of Zarathustra, prepared himself to receive, through the event signified by the baptism in the Jordan, to receive the Christ-being by which this Jesus of Nazareth is now permeated, and which, through death, has poured itself out into the spiritual sphere of the Earth, so that humanity may increasingly partake of that which, proceeding from the Mystery of Golgotha as spiritual forces, can flow through all souls and all hearts.
[ 3 ] Nun habe ich bereits gesagt, daß dieses Mysterium von Golgatha in einer gewissen Weise vorbereitend sich schon dreimal vorher zum Heile der Menschheit vollzogen hat: einmal in der alten lemurischen Zeit, dann in der atlantischen Zeit, dann noch einmal gegen Ende der atlantischen Zeit — das waren drei Male —, dann eben das vierte Mal so, wie wir es kennen im Beginne unserer Zeitrechnung in der nachatlantischen Zeit. Was wir das Mysterium von Golgatha nennen, hat sich aber einzig und allein auf dem physischen Plan zugetragen, die anderen Ereignisse, welche die vorbereitenden waren, haben sich ganz in der geistigen Welt zugetragen. Aber die Kräfte, die sich dabei ausgebildet haben, dasjenige, was geschehen ist, das ist zum Heile der Menschheit heruntergeflossen in die irdischen Seelen und Leiber. Und bei all diesen vorbereitenden Ereignissen zu dem Mysterium von Golgatha war es wiederum dieselbe Wesenheit, die dann als nathanischer Jesusknabe geboren worden ist, die durrchdrungen worden ist von der Christus-Wesenheit. Das ist ja das Wesentliche an dem Mystetium von Golgatha, daß diese Jesuswesenheit, die herangewachsen ist als der nathanische Knabe, durchdrungen worden ist von der ChristusWesenheit. Aber auch bei den drei früheren Ereignissen war diese spätere nathanische Jesuswesenheit da, nur war sie nicht als physischer Mensch inkarniert. Sie lebte als geistige, als erzengelartige Wesenheit in den geistigen Welten. Und in den geistigen Welten ist sie als in Vorstufen des Mysteriums von Golgatha während der lemurischen Zeit und zweimal während der atlantischen Zeit durchzogen worden von der Christus-Wesenheit.
[ 3 ] Now, I have already said that this Mystery of Golgotha, in a certain preparatory sense, had already taken place three times before for the salvation of humanity: once in the ancient Lemurian era, then in the Atlantean era, and then again toward the end of the Atlantean era—that was three times—and then, of course, the fourth time as we know it at the beginning of our calendar in the post-Atlantean era. What we call the Mystery of Golgotha, however, took place solely on the physical plane; the other events, which were the preparatory ones, took place entirely in the spiritual world. But the forces that developed in the process, that which took place, flowed down into the earthly souls and bodies for the salvation of humanity. And in all these preparatory events leading up to the Mystery of Golgotha, it was again the same being who was then born as the Nathanic Jesus child, who was permeated by the Christ-being. That is indeed the essence of the Mystery of Golgotha: that this Jesus-being, who grew up as the Nathanic boy, was permeated by the Christ-being. But this later Nathanic Jesus-being was also present during the three earlier events; it was simply not incarnated as a physical human being. It lived as a spiritual, archangel-like being in the spiritual worlds. And in the spiritual worlds, as in the preliminary stages of the Mystery of Golgotha during the Lemurian epoch and twice during the Atlantean epoch, it was permeated by the Christ-being.
[ 4 ] So daß man sagen kann: Es gab gleichsam drei Engelleben in der geistigen Welt. Die Wesenheit, die dieses Engel- und Erzengelleben geführt hat, war im Grunde dieselbe, die später als Mensch geboren worden ist und als Jesusknabe im Lukas-Evangelium geschildert worden ist. Dreimal brachte sich diese Engelwesenheit, die später als Mensch sich zum Opfer brachte, für das Eindringen des ChristusImpulses zum Opfer. Wie wir in dem Christus Jesus einen vom Christus-Impuls durchzogenen Menschen haben, so können wir sagen, wir haben dreimal vorher einen von dem Christus-Impuls durchzogenen Engel. Und so, wie dasjenige, was durch das Mysterium von Golgatha geschehen ist, ausgeströmt ist in die geistige Erdenatmosphäre, so strömte ein, allerdings aus dem Kosmos herein, das, was dutch die drei ersten Ereignisse geschehen ist. Wenn wir auf den Gang unserer Menschheitsentwickelung blicken, wie im Mittelpunkte dieser Menschheitsentwickelung das Mysterium von Golgatha drinnensteht, so können wir eigentlich uns sagen: Mit diesem Mysterium von Golgatha ist eben ein solcher Mittelpunkt der irdischen Entwickelung gegeben. Alles, was vorher geschieht, weist hin wie vorbereitend auf dieses Mysterium von Golgatha. Und alles, was nachher geschehen ist, ist ein nach und nach fortschreitendes Einströmen der Kräfte des Mysteriums von Golgatha in die menschlichen Seelen und in die menschlichen Herzen.
[ 4 ] So one might say: There were, as it were, three angelic lives in the spiritual world. The being who lived these lives as an angel and an archangel was essentially the same one who was later born as a human being and is described as the boy Jesus in the Gospel of Luke. Three times this angelic being, who later sacrificed itself as a human being, offered itself as a sacrifice for the penetration of the Christ impulse. Just as we have in Christ Jesus a human being permeated by the Christ impulse, so we can say that we have, three times before that, an angel permeated by the Christ impulse. And just as what happened through the Mystery of Golgotha has flowed out into the spiritual atmosphere of the Earth, so too did what happened through the first three events flow in—albeit from the cosmos. When we look at the course of human development, and see how the Mystery of Golgotha stands at the very center of this human development, we can actually say to ourselves: With this Mystery of Golgotha, we have precisely such a center of earthly development. Everything that happens beforehand points toward this Mystery of Golgotha as a preparation. And everything that has happened since is a gradual, progressive inflow of the forces of the Mystery of Golgotha into human souls and into human hearts.
[ 5 ] Wenn wir genauer prüfen, welchem Wesensglied im Menschen gegeben wurde dasjenige, was von der Kraft des Mysteriums von Golgatha ausströmt, so können wir sagen: Dem menschlichen Wesensglied strömt zu, wenn es sich öffnet, die Kraft des Mysteriums von Golgatha, dem menschlichen Wesensglied, das in der Welt des physischen Planes sein Bewußtsein entwickeln kann. Ist es denn nicht so? Zu dem Kinde, das eben geboren worden ist, können wir noch nicht sprechen von dem Christus Jesus. Es gibt keinen Weg, wie wir dem Kinde verständlich machen können, was der Christus Jesus ist. Und wenn wir die Augen des Kindes verweilen lassen würden auf irgendeinem Bildnis, sei es ein Bildnis wie die Sixtinische Madonna mit dem Jesusknaben oder sei es der Kruzifixus, wir würden bemerken, wenn wir hineinsehen könnten in die Seele des Kindes, daß wir in den allerersten Zeiten des kindlichen Lebens noch nicht an sie herankommen können mit unseren äußeren Erziehungsmitteln des physischen Planes. Wir können zwar schon von der Zeit an, wo das Kind gewissermaßen zu lallen beginnt, es gewöhnen, den Christus-Namen auszusprechen, wir können ihm Vorstellungen beibringen, die auf den Christus hinweisen. Aber das tiefere Herzensverständnis werden wir in den ersten Zeiten des menschlichen Kindeslebens sich noch nicht bereiten fühlen. Und eines ist für jeden klar, der mit den Mitteln der Geisteswissenschaft hineinzuleuchten vermag in das kindliche Gemüt: die schwächste Art, wie wir durch äußere Erziehungsmittel das Christus-Empfinden zu einem Aufdämmern bringen können, die schwächste Art tritt wirklich auch erst ein von dem Zeitpunkte an, wo das Kind an den Punkt seines Lebens herantritt, bis zu welchem es sich später zurückerinnert: an dem sein Ich-Bewußtsein erwacht. Es wird gewiß auch in den ersten Jahren, nachdem das Ich-Bewußtsein erwacht ist, kein großes Verständnis da sein. Aber alles, was wir da übermitteln an Christus-Vorstellungen, ohne daß wir es in die Dogmatik hineinführen, was wir so vermitteln, daß in den Worten und Vorstellungen etwas von dem Leben des Christus-Impulses ist, das kommt dem Menschen, der aus diesem Kinde wird, in dem ganzen späteren Leben zugute. Nach dem Erwachen des Ich-Bewußtseins können wir schon einzelnes tun, wenn auch nur ein dämmerndes Bewußtsein vorhanden ist. Nach dem Erwachen des Ich-Bewußtseins sieht zum Beispiel das Kind, wenn wir auch noch nicht beginnen können mit physischen Mitteln auf es einzuwirken, zu der Sixtinischen Madonna und zu dem Kreuze mit dem Christus daran ganz anders auf als vorher. Denn so, wie das Mysterium von Golgatha hereingetretem ist in die irdische Menschheitsentwickelung, so ist es dazu bestimmt, in den Fortschritt des Geisteslebens auf dem physischen Plane zu wirken. Und eigentlich betritt der Mensch bewußt den physischen Plan erst, wenn sein Ich erwacht. Was ist nun vorher?
[ 5 ] If we examine more closely which part of the human being has been given that which flows from the power of the Mystery of Golgotha, we can say: When it opens, the power of the Mystery of Golgotha flows into the human element—the human element that can develop its consciousness in the world of the physical plane. Is this not so? We cannot yet speak of Christ Jesus to a child who has just been born. There is no way we can make the child understand what Christ Jesus is. And if we were to let the child’s eyes linger on any image—be it an image like the Sistine Madonna with the infant Jesus or the crucifix—we would notice, if we could look into the child’s soul, that in the very earliest stages of childhood we cannot yet reach them with our external educational means of the physical plane. We can, of course, from the time when the child begins to babble, of course, accustom it to pronouncing the name of Christ; we can teach it mental images that point to Christ. But we will not yet feel ready to cultivate a deeper understanding of the heart in the earliest stages of a child’s life. And one thing is clear to anyone who is able to shed light on the child’s mind through the means of Spiritual Science: the weakest way in which we can bring about a dawning of the Christ-feeling through external educational means—this weakest way truly begins only at the point in the child’s life that they later recall: the point at which their sense of self awakens. Certainly, even in the first few years after the ego-consciousness has awakened, there will not be much understanding. But everything we convey there regarding Christ-mental images, without introducing it into dogmatics—what we convey in such a way that there is something of the life of the Christ impulse in the words and mental images—will benefit the person who grows from this child throughout their entire later life. After the awakening of the ego-consciousness, we can already do certain things, even if only a dawning consciousness is present. After the awakening of the ego-consciousness, for example, the child—even if we cannot yet begin to influence it through physical means—looks at the Sistine Madonna and at the cross with Christ on it quite differently than before. For just as the Mystery of Golgotha has entered into the earthly development of humanity, so is it destined to work in the progress of spiritual life on the physical plane. And in truth, the human being only consciously enters the physical plane when the ego awakens. What, then, comes before that?
[ 6 ] Drei Dinge gehen dem Ich-Erwachen beim Kinde voran, drei Dinge, auf die ich auch schon hingewiesen habe in früheren Vorträgen, drei Dinge, die von ungeheurer Wichtigkeit sind. Das Kind lernt gehen, das heißt, es lernt sich erheben aus der Lage, in der es noch unfähig ist, seine Leibesrichtung von der Erde ab in die Himmelshöhen des Kosmos hinauf zu richten. Es lernt aus der einen Lage in jene andere sich bringen, durch die sich der Mensch in erster Linie vom Tier unterscheidet. Es lernt durch eigene innere Kraft sich die aufrechte Stellung zu geben, den Blick abzuwenden vom Irdischen, zu dem ihn das Tier durch seine ganze Bestimmung und Gestalt dennoch gerichtet haben muß, denn die Ausnahmen sind nur scheinbar. Die aufrechte Stellung ist es, die das Kind lernt, bevor das Ich-Bewußtsein erwacht. Wir wiederholen wirklich in unserem jetzigen nachatlantischen Leben die Dinge, die wir als Mensch überhaupt uns erst angeeignet haben im Laufe der Zeit. Was wir uns während der alten lemurischen Zeit erst nach und nach angeeignet haben, das Aufrechtgehen-Lernen, das Aufrechtstehen-Lernen, das wiederholen wir, bevor unser Ich bewußt erwacht, jetzt im kindlichen Alter. Das ist hineingedrängt in die Zeit, wo es noch nicht von unserem Bewußtsein abhängt, wo es noch als unbewußte Aufrichtekraft wirkt. Jene Tiere, welche einen annähernd vertikalen, annähernd nach oben gerichteten Gang haben, haben den ganzen Organismus so eingerichtet, daß sie von Natur in diese doch im Grunde nicht ganz aufrechte Lage kommen. Wie so mancher Vergleich, würde aber auch dieser irren. Der Mensch ist dazu berufen, in der ersten Zeit seines Lebens, bevor sein Ich-Bewußtsein erwacht, aus der Veranlagung dieses Ich heraus sich in die aufrechte, die vertikale Stellung zu bringen, sich herauszuheben aus der Lage, in der er noch in der alten Mondenzeit war. Da war die Richtungslinie seines Rückgrates parallel der Oberfläche des Mondes gerichtet, war in der Hauptlinie horizontal. In der alten lemurischen Zeit lernte der Mensch die Mondrichtung in die Erdrichtung verwandeln. Das kam davon, weil während der Erdenentwickelung erst die Geister der Form dem Menschen aus eigener Substanz heraus sein Ich einflößten. Und die erste Manifestation dieser Ich-Einflößung ist jene innere Kraft, durch welche der Mensch sich aufrichtet. So ist der Mensch durch seine Lage der Erde entrissen. Die Erde selber hat in sich geistige Kräfte, welche durchströmen können das Rückgrat, wenn es im natürlichen Wachstum, wie beim Tierleib, horizontal bleibt. Aber die Erde hat keine Kräfte, um von sich aus unmittelbar zu dienen dem Menschenwesen, das durch sein Ich, dessen Bewußtsein später erwacht, vertikal gerichtet sein kann. Damit der Mensch sich harmonisch entwickeln kann bei aufrechtem, vertikalem Gang, müssen Kräfte aus dem Kosmos, aus dem Außerirdischen hereinströmen. Luzifer und Ahriman hätten alle menschliche Entwickelung in Unordnung bringen können dadurch, daß der Mensch durch seine aufrechte Stellung von den geistigen Kräften des Irdischen herausgerissen ist, wenn nicht in der alten lemurischen Zeit das erste ChristusEreignis eingetreten wäre.
[ 6 ] Three things precede the awakening of the “I” in the child—three things I have already mentioned in earlier lectures, three things of immense importance. The child learns to walk; that is, it learns to rise from a position in which it is still unable to direct its physical orientation away from the earth and up toward the celestial heights of the cosmos. It learns to move from one position to the other—the very thing that distinguishes human beings from animals in the first place. It learns, through its own inner strength, to assume an upright posture, to turn its gaze away from the earthly realm, toward which the animal must nevertheless have directed it through its very nature and form, for the exceptions are only apparent. It is the upright posture that the child learns before the sense of self awakens. We are truly repeating in our present post-Atlantean life the things that we, as human beings, first acquired over the course of time. What we acquired only gradually during the ancient Lemurian era—learning to walk upright, learning to stand upright—we repeat before our ego awakens consciously, now in childhood. This is compressed into the time when it does not yet depend on our consciousness, when it still acts as an unconscious force of uprightness. Those animals that have an approximately vertical, upward-directed gait have organized their entire organism in such a way that they naturally assume this position, which is, after all, not quite upright. Like so many comparisons, however, this one would also be misleading. Human beings are called upon, in the early stages of their lives, before their sense of self awakens, to bring themselves into an upright, vertical position out of the predisposition of this self, to rise above the posture in which they still found themselves during the ancient Lunar Age. At that time, the axis of their spine was parallel to the surface of the Moon; it was essentially horizontal. In the ancient Lemurian era, human beings learned to transform the lunar orientation into an earthly one. This occurred because, during the Earth’s development, it was first the spirits of form who instilled the ego into human beings from their own substance. And the first manifestation of this instillation of the ego is that inner force through which human beings raise themselves upright. Thus, human beings are snatched from the Earth by their posture. The Earth itself possesses spiritual forces that can flow through the spine if it remains horizontal during natural growth, as in the animal body. But the Earth has no powers of its own to serve directly the human being, who can be oriented vertically through his I, whose consciousness awakens later. In order for the human being to develop harmoniously with an upright, vertical gait, forces must flow in from the cosmos, from the extraterrestrial. Lucifer and Ahriman could have thrown all human development into disorder by tearing humanity away from the spiritual forces of the earthly realm through its upright posture, had the first Christ event not occurred in the ancient Lemurian era.
[ 7 ] In dieser alten Jemurischen Zeit hat stattgefunden in demjenigen Reiche, das als geistiges Reich das nächste ist unserem Erdenreiche, die Durchdringung jenes Wesens, aber als einer Art von Engelwesen, das später der nathanische Jesus geworden ist, mit dem ChristusWesen. Das war eine Vorstufe des Mysteriums von Golgatha. Die Folge davon war, daß in dieser alten lemurischen Zeit — aber in ätherischen, geistigen Höhen — der spätere nathanische Jesus, der sonst die Gestalt des Engels gehabt haben würde, natürlich nicht fleischliche, sondern ätherische Menschengestalt annahm. In der überirdischen Region — aber in der nächst überirdischen Region — als ätherische Engelsgestalt ist der Jesus von Nazareth zu finden. Durch das Durchziehen mit dem Christus hat er ätherische Menschengestalt angenommen. Damit ist ein Neues in den Kosmos hineingedrungen, das jetzt ausstrahlt auf die Erde und dem Menschen, der physischen ErdenMenschenform, in die hineinströmte die Kraft der ätherischen überirdischen Christus-Wesenheit, möglich macht, sich zu schützen vor jener Zerstörung, die hätte eindringen müssen, wenn nicht aus dem Kosmos hätte hereinstrahlen und den Menschen durchdringen können, so daß sie in ihm lebt, die Gestaltungskraft, die ihn ein aufrechtes, ordentliches Wesen werden läßt. Unordnung hätte kommen müssen, wenn nicht hereingeströmt wäre mit der physischen Sonnenkraft die Kraft jener Formung, jener Gestaltung, die dadurch hetreinstrahlen kann, daß das erste Christus-Ereignis stattgefunden hat. Das, was der Mensch dadurch in sich hereinbekam, das lebte seit der alten lemurischen Zeit in der Entwickelung der Menschheit. Und wir schauen recht hin auf ein sich entwickelndes Menschenkind, wenn wir in dem Moment, wo das Kind aus dem kriechenden, rutschenden, unbehilflichen Zustande sich aufrichtet und zum ersten Mal steht oder geht, wenn wir in diesem Augenblick sagen: Recht und zum Heil der Menschheit kann das doch nur aus dem Grunde geschehen, weil in der alten lemurischen Zeit das erste Christus-Ereignis stattgefunden hat, weil derjenige, der als nathanischer Jesus sich durchdrungen hat mit dem Christus, damals in der lemurischen Zeit als geistig-ätherisches Wesen durch die Durchdringung mit dem Christus menschlichätherische Form angenommen hat.
[ 7 ] In that ancient Lemurian era, within the realm that, as a spiritual realm, is closest to our earthly realm, the Christ Being permeated that being—who was, however, a kind of angelic being who later became the Nathanic Jesus. This was a preliminary stage of the Mystery of Golgotha. The result of this was that in this ancient Lemurian era—but in ethereal, spiritual realms—the later Nathanic Jesus, who would otherwise have taken the form of an angel, naturally assumed not a physical but an ethereal human form. In the super-earthly region—but in the next super-earthly region—the Jesus of Nazareth is to be found as an ethereal angelic form. Through his union with the Christ, he has taken on an ethereal human form. Thus something new has entered the cosmos, which now radiates onto the Earth and enables the human being—the physical human form on Earth, into which the power of the ethereal, super-earthly Christ-being has flowed—to protect itself from that destruction which would have had to penetrate had it not been possible for this power to radiate in from the cosmos and permeate the human being, so that the formative power lives within him, the power that makes him an upright, orderly being. Disorder would have ensued had not the power of that shaping, that formation—which can now radiate in because the first Christ event took place—flowed in with the physical power of the Sun. That which humanity thereby received within itself has lived on in the development of humanity since the ancient Lemurian era. And we truly observe a developing human child when, at the moment the child rises from the crawling, sliding, helpless state and stands or walks for the first time, when at that very moment we say: This can only happen rightly and for the good of humanity because the first Christ event took place in the ancient Lemurian era, because the one who, as the Nathanic Jesus, became imbued with the Christ, took on a human-etheric form in the Lemurian era as a spiritual-etheric being through this imbuement with the Christ.
[ 8 ] Ja, daß wir unsere Empfindungen bereichern, dazu ist Geisteswissenschaft da. Solch eine Empfindung, die in unserer Seele leben kann, wenn wir ein Kind aufrechtstehen und gehen lernen sehen, solch eine Empfindung hat ganz gewiß tiefe religiöse Hintergründe. Wir sollen uns später öfter erinnern, warum das Kind geht, und dann denken, wie das dem Christus-Impuls zu verdanken ist. Dann haben wit durch Geisteswissenschaft unsere Weltanschauung bereichert, haben uns eine Empfindung angeeignet für das, was unsere Umgebung ist, die wir sonst nicht haben könnten. Wir merken gleichsam durch Geisteswissenschaft die Schützer, die Hüter kindlichen Wachstums und kindlichen Werdens. Wir merken, wie die Christus-Kraft dieses kindliche Wesen und kindliche Werden umstrahlt.
[ 8 ] Yes, Spiritual Science exists to enrich our feelings. A feeling like this—one that can live in our soul when we see a child stand up and learn to walk—certainly has deep religious roots. Later on, we should often remind ourselves why the child walks, and then reflect on how this is due to the Christ impulse. Then, through Spiritual Science, we have enriched our worldview and acquired a feeling for our surroundings that we could not otherwise have. Through Spiritual Science, we perceive, as it were, the protectors, the guardians of a child’s growth and development. We perceive how the Christ force radiates around this childlike being and this childlike development.
[ 9 ] Aus meiner Darstellung aus der Akasha-Chronik für die lemurische Zeit, wo von den lemurischen Vorfahren die Rede ist, werden Sie gesehen haben, daß diese Vorfahren stumm waren. Der atlantische Mensch hat eigentlich erst sprechen gelernt. Es ist in jenen Aufsätzen über die Akasha-Chronik ausgeführt, wie das gekommen ist. Das ist die zweite der Fähigkeiten, die sich das Kind aneignet, bevor das eigentliche Ich-Bewußtsein aufwacht: das Sprechenlernen. Das Erwachen des Ich-Bewußtseins folgt erst auf das Sprechenlernen. Das Sprechenlernen beruht durchaus bloß auf einer Art Nachahmung, zu der allerdings die Anlagen tief in der menschlichen Natur ruhen. Dieses Sprechen ist wiederum eine menschliche Fähigkeit, die in den Erdenmenschen hineingekommen ist dadurch, daß er sich vorwärtsentwickelt hat. Dadurch, daß die Geister der Form ihn durchgossen, durchdrungen haben, ist er imstande, eine Sprache zu sprechen, sein Erdenleben auf dem physischen Plan zu leben. Damit entreißt er sich durch zwei Elemente denjenigen geistigen Kräften, die auf der Erde wirksam sind. Die Tiere lernen nicht in Wirklichkeit sprechen, sie sind von diesen geistigen Kräften der Erde durchdrungen. Selbst das Sprechen durch Gebärden ist bei den Tieren nicht das Sprechen des Menschen. Und würde man durch Dressur oder andere Mittel dem Tiere ein ähnliches Sprechen beibringen, so würden außerhalb seines Leibes Verhältnisse eintreten, die von der Geisteswissenschaft erst besprochen werden müßten, was heute außerhalb unseres Themas bleibt. Wir wollen bei der normalen Entwickelung des Menschen stehenbleiben und sagen, daß dieses menschliche Sprechen schon veranlagt war im Menschen aus göttlichen Höhen herunter durch das, was die Geister der Form eingegossen haben. Wir wollen bei diesem stehenbleiben und ausschauen, wie der Mensch sich aus der Stummheit zum sprechenden Wesen verwandelt hat. Unabhängig hat er sich dadurch von den Kräften gemacht, die die Erde geistig durchspülen, wie er durch das aufrechte Verhalten sich unabhängig von der ersten Strömung gemacht hat. Durch den luziferischen und ahrimanischen Einfluß hätte im Sprechen alles unedel werden müssen, wenn der Mensch nur der Erde überlassen worden wäre, wenn nicht kosmischgeistige Einflüsse, die zur Erde herunterkamen, in den Menschen sich hereinergossen hätten. Der Mensch würde seine ganze Lebenskultur so entwickelt haben, alle seine Leibesorgane, Kehlkopf, Zunge, Rachen und so weiter, ja auch die tieferliegenden Organe wie Herz und so weiter, insofern sie damit zusammenhängen, der Mensch würde sie so entwickelt haben in der atlantischen Zeit, wenn nichts geschehen wäre durch den Christus, daß der Mensch nur fähig gewesen sein würde, in ärmlichem Lallen auszusprechen — etwa nach Sibyllen- oder Medienart — dasjenige, was ihm egoistisch Schmerz, Freude, Lust, Wollust bereitet. Der Mensch würde zwar viel künstlichere Laute als das Tier hervorbringen können, aber in seinen Lauten würde er nur Ausdrücke gefunden haben für das, was ihm im Innern lebt. Für das, was im Organismus als leibliche Vorgänge vorgeht, würde er die lebendigen Empfindungsworte gefunden haben. Die ganze Sprache wäre eine Summe von Interjektionen geworden. Während wir jetzt unsere Empfindungsworte auf ein kleines Maß zusammendrängen, wäre die menschliche Sprachkunst mit aller Kompliziertheit nur zu Interjektionen hinaufentwickelt worden. Das wurde abgewendet von der menschlichen Entwickelung. Die Unordnung in dieser Sprachkraft — soweit diese Unordnung das Innere des Menschen zum Ausdruck hat — wurde abgewendet durch das zweite Christus-Ereignis, dadurch, daß sich diese Wesenheit in Ätherhöhe, die später der nathanische Jesusknabe wurde, das zweite Mal durchdrang mit der ChristusWesenheit, und daß sie eine solche Wesenheit annahm, die nunmehr die Leibesorgane des Menschen so durchdrang, daß der Mensch jetzt fähig wurde, etwas anderes als bloße Empfindungsworte auszustoßen. Daß er fähig wurde, das Objektive zu ergreifen, das ist durch das zweite Christus-Ereignis ermöglicht worden.
[ 9 ] From my account of the Lemurian era in the Akashic Records, which discusses the Lemurian ancestors, you will have seen that these ancestors were mute. It was actually the Atlantean who first learned to speak. Those essays on the Akashic Records explain how this came about. This is the second of the abilities a child acquires before the actual sense of self awakens: learning to speak. The awakening of the sense of self follows only after learning to speak. Learning to speak is based entirely on a kind of imitation, for which, however, the predispositions lie deep within human nature. This speech, in turn, is a human ability that has entered into the earthly human being through his forward development. Because the spirits of form have permeated him, he is able to speak a language and live his earthly life on the physical plane. In this way, through two elements, he severs himself from those spiritual forces that are active on Earth. Animals do not actually learn to speak; they are permeated by these spiritual forces of the Earth. Even communication through gestures in animals is not the same as human speech. And if one were to teach an animal a similar form of speech through training or other means, conditions would arise outside its body that would first have to be discussed by Spiritual Science—a topic that lies beyond the scope of our discussion today. Let us remain with the normal development of the human being and say that this human speech was already predisposed in the human being from divine heights through what the spirits of form have poured into it. Let us remain with this and observe how the human being has transformed from a mute being into a speaking being. Through this, he has made himself independent of the forces that spiritually permeate the Earth, just as he made himself independent of the primal current through upright posture. Through the Luciferic and Ahrimanic influences, everything in speech would have become base if humanity had been left to the Earth alone, had not cosmic-spiritual influences descending to Earth poured into the human being. Humanity would have developed its entire culture of life in such a way—all its physical organs, larynx, tongue, throat, and so on, indeed even the deeper organs such as the heart and so on— insofar as they are connected to it, human beings would have developed them in the Atlantean era, had nothing happened through the Christ, such that human beings would have been capable only of expressing—in a poor, babbling manner, much like a sibyl or a medium—that which selfishly causes them pain, joy, pleasure, or lust. Human beings would indeed be able to produce much more artificial sounds than animals, but in their sounds they would have found expressions only for what lives within them. For what takes place in the organism as physical processes, they would have found the living words of sensation. The entire language would have become a sum of interjections. Whereas we now condense our words of sensation to a small measure, the art of human language, with all its complexity, would have developed only as far as interjections. This was averted in human evolution. The disorder in this power of speech—insofar as this disorder expresses the inner life of the human being—was averted by the second Christ event, by the fact that this being in the etheric realm, who later became the boy Jesus of Nazareth, was permeated a second time by the Christ-being, and that it assumed such a being that now permeated the physical organs of the human being in such a way that the human being became capable of uttering something other than mere words of feeling. That he became capable of grasping the objective world—this was made possible by the Second Christ Event.
[ 10 ] Und noch immer stand die Sprache, die Sprachkraft, die menschliche Fähigkeit, Gemütsbewegungen in Worte umzuprägen, vor einer Gefahr. Durch das zweite Christus-Ereignis hätte es wohl geschehen können, daß der Mensch nicht nur Töne, Interjektionen, Empfindungsworte gefunden hätte für sein Inneres, sondern daß er in gewisser Weise hätte loslösen können das, was er als innere Sprachbewegung hervorgerufen hat. Aber die äußeren Dinge durch Worte zu bezeichnen, so daß die Worte richtige Zeichen sein können für die äußeren Dinge, das war immer noch gefährdet durch die luziferischen und ahrimanischen Einflüsse bis in die atlantische Zeit hinein. Da geschah das dritte Christus-Ereignis. Zum dritten Mal verband sich die Wesenheit in den geistigen Höhen, welche später als nathanischer Jesus geboren wurde, mit der Christus-Wesenheit, und ergoß sich wiederum mit den Kräften, die sie jetzt angenommen hatte, in die menschliche Sprachfähigkeit. Die Kraft dieser Christus Jesus-Wesenheit durchdrang jetzt neuerdings ein zweites Mal im menschlichen Leibe Organe, insofern diese Organe in der Sprachkraft zum Ausdruck kommen. Damit war der Sprachkraft die Möglichkeit gegeben, mit den Worten wirkliche Zeichen zu schaffen für das, was äußere Umgebung ist, und dadurch über die einzelnen Gebiete der Menschheit die Sprache als Verständigungsmittel zu schaffen. Das Kind könnte nimmermehr sprechen lernen, wenn nicht in der atlantischen Zeit diese beiden Christus-Ereignisse eingetreten wären. Und wir bereichern wiederum durch die Geisteswissenschaft unser Empfinden, wenn wir, wenn das Kind anfängt zu sprechen und immer mehr sich vervollkommnet im Sprechen, wenn wir da bedenken, wie im Unbewußten drinnen walten die Christus-Impulse, wie da beschützend und fördernd die Christus-Kraft in der Sprachkraft lebt.
[ 10 ] And yet language—the power of language, the human ability to translate emotional stirrings into words—still faced a danger. Through the second Christ event, it might well have come to pass that human beings would not only have found sounds, interjections, and words of feeling for their inner lives, but that they would have been able, in a certain sense, to detach what they had evoked as an inner linguistic impulse. But to designate external things through words, so that the words might be true signs of the external things—this was still endangered by the Luciferic and Ahrimanic influences right up into the Atlantean epoch. Then the third Christ event took place. For the third time, the being in the spiritual heights—who was later born as the Nathanic Jesus—united with the Christ being, and once again poured out the powers it had now assumed into the human capacity for speech. The power of this Christ-Jesus being now permeated the organs of the human body a second time, insofar as these organs find expression in the power of speech. This gave the power of speech the ability to create, through words, real signs for the external environment, and thereby to establish language as a means of communication across the various regions of humanity. The child could never have learned to speak had these two Christ events not occurred during the Atlantean era. And we in turn enrich our perception through Spiritual Science when, as the child begins to speak and becomes increasingly proficient in speech, we reflect on how the Christ impulses reign within the unconscious, and how the Christ power lives protectively and fosteringly within the power of speech.
[ 11 ] Dann kam die nachatlantische Zeit, nachdem die drei ChristusEreignisse stattgefunden hatten, die ich von einem gewissen Standpunkte auch heute wiederum geschildert habe in ihrem Einfluß auf die menschliche Entwickelung.
[ 11 ] Then came the post-Atlantean epoch, following the three Christ events, which I have once again described today—from a certain perspective—in terms of their influence on human development.
[ 12 ] In der nachatlantischen Entwickelung haben zunächst die Völker, die vorzugsweise jenem menschlichen Entwickelungszustande angehörten, den wir die ägyptisch-chaldäische Kultur nennen, die Aufgabe, zu wiederholen, was in der alten lemurischen Zeit für die Menschheit geschehen ist, aber das mit Bewußtsein zu durchdringen. Ganz unbewußt lernt der Mensch ein aufrechtes Wesen zu sein in der lemurischen Zeit, lernt er ein sprechendes Wesen zu sein in der atlantischen Zeit. Ganz unbewußt nimmt er, weil seine Denkkraft noch nicht erwacht war in dieser Zeit, den Christus-Impuls auf. Langsam sollte er hingeführt werden in der nachatlantischen Zeit, zu verstehen, was er in der Vorzeit unbewußt aufgenommen hatte. Was ihn aufrecht hinausschauen ließ in kosmische Höhen, das war der Christus-Impuls. Er erlebte dies unbewußt, wie er es erleben mußte in der lemurischen Zeit. Dann sollten, noch nicht vollbewußt, aber doch wie in einer Vorbereitung zum vollen Bewußtsein, die Völker Ägyptens hingeführt werden, zu verehren dasjenige, was in der Aufrichtekraft des Menschen lebt. Daß sie es verehren lernten, dafür sorgten die Eingeweihten, welche die ägyptische Kultur zu beeinflussen hatten, dadurch, daß sie die Menschen aufrichten ließen die Pyramiden, die von der Erde in den Kosmos hinausragen. Jetzt noch haben wir zu bewundern, wie durch das Hereinwirken der kosmischen Kräfte in die ganze Form und Lage des Baues der Pyramiden diese Aufrichtekraft zum Ausdruck gebracht wurde. Die Obelisken sollten hingestellt werden, damit der Mensch anfängt einzudtingen in dasjenige, was Auftichtekraft ist. Die wunderbaren Hieroglyphen in den Pyramiden und an den Obelisken, die auf den Christus hindeuten sollten, erweckten die überirdischen Kräfte aus der lemurischen Zeit. Aber selbst zu einem solchen dunkeln Verständnis, wie die Ägypter kommen konnten bezüglich der Auftichtekraft, konnten sie nicht kommen bezüglich der Sprachkraft. Da sollte erst ihr Gemüt die richtige Schulung für die Empfindung erlangen, damit in späteren Zeiten man einsehen könne das Rätsel, wie der Christus lebt in der Wortbegabung des Menschen. Das sollte aufgenommen werden mit der heiligsten Scheu in der reifenden Menschenseele. Dafür sorgten in wunderbarer Art die Hierophanten, die Eingeweihten der ägyptischen Kultur, indem sie hinstellten die rätselhafte Sphinx mit ihrer stummen, höchstens für die damalige menschliche Erhebung unter dem Einflusse des Kosmos tönenden, ehernen Gestalt. Im Anblicke der stummen, nur vom Kosmos herein unter gewissen Voraussetzungen und Beziehungen durch die aufgehende Sonne tönend werdenden Sphinx, bildete sich heraus jene heilige Scheu der Seele, durch welche die Seele vorbereitet wurde zu verstehen die Sprache, die gesprochen werden mußte in der Zeit, als zu höherem Bewußtsein gebracht werden sollte, wie der Christus-Impuls nach und nach in die irdische Menschheitsentwickelung hereinkommt. Was die Sphingen noch nicht sagen konnten, wozu sie aber vorbereiteten, das sollte der Menschheit gesagt werden. In der Bildung der Wortbewegung liegt der Christus-Impuls. Dies wurde der Menschheit gesagt in den Worten:
[ 12 ] In post-Atlantean evolution, the peoples who primarily belonged to that stage of human development we call the Egyptian-Chaldean culture were initially tasked with repeating what had happened to humanity in the ancient Lemurian era, but this time with full consciousness. In the Lemuric era, human beings learned quite unconsciously to be upright beings; in the Atlantean era, they learned to be speaking beings. Because their power of thought had not yet awakened at that time, they absorbed the Christ impulse quite unconsciously. In the post-Atlantean era, they were to be gradually led to understand what they had unconsciously absorbed in earlier times. What enabled them to look out uprightly into cosmic heights was the Christ impulse. They experienced this unconsciously, as they had to in the Lemurian era. Then, though not yet fully conscious, yet as a preparation for full consciousness, the peoples of Egypt were to be guided to revere that which lives in the human power of uprightness. The initiates, who were to influence Egyptian culture, ensured that they learned to revere this by having the people erect the pyramids, which rise from the earth into the cosmos. Even now we can admire how this uplifting force was expressed through the interplay of cosmic forces in the entire form and orientation of the pyramids’ construction. The obelisks were to be erected so that humanity might begin to penetrate into that which is the power of upliftment. The wondrous hieroglyphs in the pyramids and on the obelisks, which were meant to point toward the Christ, awakened the superhuman forces from the Lemurian era. But even to such a dim understanding as the Egyptians could attain regarding the uplifting force, they could not attain regarding the power of speech. Their minds first had to receive the proper training for perception so that in later times one might comprehend the mystery of how Christ lives in the human gift of speech. This was to be received with the most sacred reverence in the maturing human soul. The hierophants, the initiates of Egyptian culture, ensured this in a wondrous way by erecting the enigmatic Sphinx with its silent, bronze form—which, under the influence of the cosmos, resonated only to the extent of the human elevation of that time. In the sight of the silent Sphinx, which only resounded under certain conditions and relationships through the rising sun as it entered from the cosmos, that sacred awe of the soul took shape, through which the soul was prepared to understand the language that had to be spoken at the time when humanity was to be brought to a higher consciousness regarding how the Christ impulse gradually enters into the earthly development of humanity. What the sphinxes could not yet say, but for which they prepared, was to be told to humanity. The Christ impulse lies in the formation of the word movement. This was told to humanity in the words:
Im Urbeginne war das Wort,
Und das Wort war bei Gott,
Und ein Gott war das Wort.
Dieses war im Urbeginne bei Gott.
Dort war es, wo alles entstanden ist,
Und nichts ist entstanden
Außer durch das Wort.
Im Worte war das Leben,
Und das Leben war
Das Licht der Menschen.
In the beginning was the Word,
And the Word was with God,
And the Word was God.
This was with God in the beginning.
It was there where everything came into being,
And nothing came into being
Except through the Word.
In the Word was life,
And life was
The light of mankind.
[ 13 ] «Im Worte war das Leben, und das Leben war das Licht der Men schen» — dieses Wort steht an der Stelle, wo das Evangelium herausgeboren ist aus der vierten nachatlantischen Periode, wo vorbereitet durch die griechisch-lateinische Kultur die Menschen dahin gekommen waren, zu wiederholen in der vierten nachatlantischen Kulturperiode, was sich in der atlantischen Zeit zugetragen hat. Wie in der ägyptischen Zeit wiederholt wurde die Verehrung des Sich-Aufrichtens, so wurde jetzt wiederholt die Verehrung des Wortes. So wirken in die Menschheitsentwickelung hinein die übermenschlichen spirituellen Kräfte.
[ 13 ] “In the Word was life, and the life was the light of men”—these words appear at the point where the Gospel emerged from the fourth post-Atlantean epoch, where, prepared by Greco-Roman culture, humanity had come to repeat in the fourth post-Atlantean cultural epoch what had taken place in the Atlantean era. Just as the veneration of the act of standing upright was repeated in the Egyptian era, so now the veneration of the Word was repeated. This is how the superhuman spiritual forces influence the development of humanity.
[ 14 ] Ein Drittes, was das Kind lernen muß, bevor es eigentlich zum IchBewußtsein erwacht, ist das Vorstellen, das Denken. Dieses Denken war erst aufgespart für die Menschheit der nachatlantischen Zeit, ja sogar im Grunde genommen erst für die Menschheit der vierten nachatlantischen Periode. Vorher dachte man in Bildern. Das werde ich gerade wiederum darstellen in dem Buche, das demnächst erscheint: « Die Rätsel der Philosophie.» Das Kind denkt ja auch in Bildern. Den Gedanken zu denken ist der Menschheit erst gegeben, das GedankenDenken ist erst erwacht im 6. und 7. Jahrhundert vor Christus. Dann hat sich das Gedanken-Denken immer weiter ausgebildet. Jetzt stehen wir mittendrin. So ist die Entwickelung des Gedanken-Denkens, daß von diesem Gedanken-Denken unser Ich ergriffen wird. Daß auch das Denken verbunden sein kann mit dem Christus-Impuls, daß das Denken als solches nicht in Unordnung gekommen ist in seiner Wirksamkeit auf das Ich, dazu war das vierte Christus-Ereignis, das Mystetium von Golgatha, da. Und wenn unser Denken immer mehr in Ordnung kommen soll, wenn es sich immer mehr so entwickeln soll, daß unsere Gedanken nicht chaotisch durcheinander gehen, sondern von innerem Gefühl, innerer Empfindung durchdrungen, durchsetzt sind, wenn gesundes Wahrheitsdenken immer mehr und mehr entwickelt werden soll, so geschieht dies deshalb, weil durch das Mysterium von Golgatha, das vierte Christus-Ereignis, dieses Denken den Impuls dazu erlangt hat, dadurch erlangen konnte, daß der ChristusImpuls sich in die geistige Erdenatmosphäre ausgegossen hat.
[ 14 ] A third thing the child must learn before it actually awakens to self-consciousness is a mental image and thinking. This kind of thinking was originally reserved for humanity in the post-Atlantean era—indeed, strictly speaking, only for humanity in the fourth post-Atlantean period. Before that, people thought in images. I will describe this again in the book that is soon to be published: *The Riddles of Philosophy*. Children, too, think in images. The ability to think thoughts was only granted to humanity; conceptual thinking first arose in the 6th and 7th centuries B.C.E. Then conceptual thinking continued to develop further. Now we are right in the midst of it. The development of thinking is such that our ego is seized by this thinking. That thinking can also be connected to the Christ impulse, that thinking as such has not become disordered in its effect on the ego—this is what the fourth Christ event, the Mystery of Golgotha, was for. And if our thinking is to become increasingly orderly, if it is to develop more and more in such a way that our thoughts do not run chaotically amok but are permeated and interwoven with inner feeling and inner sensation, if healthy, truth-seeking thinking is to be developed more and more, this happens because, through the Mystery of Golgotha, the fourth Christ event, this thinking has received the impulse to do so, having been able to receive it through the fact that the Christ impulse has poured itself out into the spiritual atmosphere of the Earth.
[ 15 ] Zum ersten Mal geschah dies in der lemurischen Zeit, da vonLuzifer der aufrechten Wesenheit des Menschen Gefahr drohte.
[ 15 ] This first occurred during the Lemurian era, when Lucifer posed a threat to the upright nature of humankind.
[ 16 ] Zum zweiten Mal geschah es in der atlantischen Zeit. Da wurde der Mensch der Gefahr entrissen, die seiner Sprache drohte in bezug darauf, daß die Sprache Ausdruck von innen heraus ist. Die Gefahr bestand, daß die Sprache in Unordnung kommt.
[ 16 ] It happened a second time during the Atlantic epoch. At that time, humanity was saved from the danger threatening its language, given that language is an expression that comes from within. The danger was that language would fall into disarray.
[ 17 ] Zum dritten Mal geschah es gegen Ende der atlantischen Zeit. Dadurch, daß der Christus die geistige Wesenheit des späteren Jesus von Nazareth durchdrang, wurde die Sprachbegabung, insoferne sie zum Zeichen wird für die Außendinge, durch den Christus vor einer Gefahr gerettet.
[ 17 ] It happened for the third time toward the end of the Atlantean epoch. Because the Christ permeated the spiritual being of the future Jesus of Nazareth, the gift of speech—insofar as it serves as a sign for external things—was saved from danger by the Christ.
[ 18 ] Die vierte Gefahr war für das Denken, das innerliche Vorstellen der Gedanken da. Der Mensch wird vor dieser Gefahr gerettet durch das Eindringen mit den Gedanken auf solche Formen, die in seinem Innern leben — wie das jetzt sein kann, wenn er es haben will und sich dazu vorbereitet in der Geisteswissenschaft —, auf solche Formen wie das, was ausgeflossen ist durch das Mysterium von Golgatha in die geistige Erdensphäre.
[ 18 ] The fourth danger lay in thinking, in the inner mental image of thoughts. Human beings are saved from this danger by penetrating with their thoughts into those forms that live within them—as is now possible if they so desire and prepare themselves for it through Spiritual Science—into forms such as those that have flowed out through the Mystery of Golgotha into the spiritual sphere of the Earth.
[ 19 ] Wir sind jetzt so weit in der Menschheitsentwickelung, daß auch noch in einer anderen Form die ersten Worte des Johannes-Evangeliums ausgesprochen werden dürfen; daß sie ausgesprochen werden dürfen in der Form:
[ 19 ] We have now reached a point in human development where the first words of the Gospel of John may be spoken in yet another form; where they may be spoken in the form:
Im Urbeginne ist der Gedanke,
Und der Gedanke ist bei Gott,
Und ein Göttliches ist der Gedanke.
In ihm ist Leben,
Und das Leben soll werden das Licht meines Ich.
Und scheinen möge der göttliche Gedanke in mein Ich,
Daß die Finsternis meines Ich ergreife
Den göttlichen Gedanken.
In the very beginning is the Thought,
And the Thought is with God,
And the Thought is divine.
In it is life,
And life shall become the light of my self.
And may the divine thought shine into my self,
So that the darkness of my self may embrace
The divine thought.
[ 20 ] Es wurde nicht ganz klar ausgesprochen, aber es wurde so gestrebt in der Menschheitsentwickelung.
[ 20 ] It was not explicitly stated, but this was the goal pursued in the course of human development.
[ 21 ] Im 8. Jahrhundert der vorchristlichen Zeit begann die vierte nachatlantische Kultur. Etwa dreieinhalb Jahrhunderte danach war der Gedanke so weit reif, daß er in den griechischen Philosophen mit jener Klarheit ausgesprochen werden konnte, die dann zur platonischen Philosophie führte. Dann wurde das Leben der Menschen durchdrungen mit dem Christus-Impuls. Als das 15. nachchristliche Jahrhundert begann, da begann die fünfte nachatlantische Periode. Genauso lange, wie es dauerte vom Beginn der vierten nachatlantischen Periode bis zu einem Verständnis des Gedankens, so lange dauerte es vom Beginn der fünften nachatlantischen Periode bis zu einer bewußten Aussprache von der Natur des Gedankens, das heißt bis zu Flegel. Der menschliche Gedanke erlebte seinen Höhepunkt in Hegel mit dem Satze: Das Leben und Weben des Gedankens in der Wahrheit ist der wirkende Geist. — Das, was Hegel in so scheinbar ganz unverständlicher Weise sagt, man kann es aussprechen wirklich mit den Worten:
[ 21 ] The fourth post-Atlantean culture began in the 8th century B.C. About three and a half centuries later, the idea had matured to the point where it could be articulated by the Greek philosophers with the clarity that subsequently led to Platonic philosophy. Then human life became permeated with the Christ impulse. When the 15th century A.D. began, the fifth post-Atlantean period began. Just as long as it took from the beginning of the fourth post-Atlantean period to an understanding of the idea, so long did it take from the beginning of the fifth post-Atlantean period to a conscious articulation of the nature of the idea—that is, up to Flegel. Human thought reached its zenith in Hegel with the statement: “The life and weaving of thought in truth is the active spirit.” — What Hegel says in such a seemingly incomprehensible way can actually be expressed with the words: “/p”
Im Urbeginne ist der Gedanke,
Und ein Unendliches ist der Gedanke,
Und das Leben des Gedankens ist das Licht des Ich.
Erfüllen möge der leuchtende Gedanke
Die Finsternis meines Ich,
Daß ihn die Finsternis meines Ich ergreife,
Den lebendigen Gedanken,
Und lebe und webe in seinem göttlichen Urbeginn.
In the beginning is the thought,
And infinite is the thought,
And the life of the thought is the light of the self.
May the radiant thought fill
The darkness of my self,
That the darkness of my self may embrace it,
The living thought,
And live and weave in its divine beginning.
[ 22 ] So geht regelmäßig die Entwickelung der Menschheit. Noch nicht sehr weit ist die Menschheit gekommen, denn gerade Hegel wurde sehr viel verleumdet. Man kann wohl sagen: Und der leuchtende Gedanke schien zwar in die Finsternis, aber die Finsternis wollte nichts davon wissen. — Wenn man sein Leben begreifen lernt, das Leben des Gedankens, dann wird man verstehen, was der Menschheit obliegt in ihrem ferneren Dasein.
[ 22 ] This is how the development of humanity generally proceeds. Humanity has not yet come very far, for Hegel himself was the subject of much slander. One might well say: And though the radiant thought shone into the darkness, the darkness would have none of it. — When one learns to comprehend one’s life, the life of thought, then one will understand what is incumbent upon humanity in its future existence.
[ 23 ] Aber zugleich haben wir, indem wir auf dem Boden der Geisteswissenschaft stehen, noch ein Weiteres. Spätere Epochen bereiten sich immer schon in den früheren Epochen vor. Und indem wir mittendrin stehen in der fünften nachatlantischen Periode, indem wir Geisteswissenschaft pflegen und immer mehr und mehr zum Verständnis des lebendigen Gedankens, des hellseherisch werdenden Denkens beizutragen haben, haben wir zugleich die sechste nachatlantische Periode vorzubereiten.
[ 23 ] But at the same time, because we stand on the foundation of Spiritual Science, we have something more. Later epochs are always already being prepared in earlier epochs. And as we stand in the midst of the fifth post-Atlantean period, as we cultivate Spiritual Science and have more and more to contribute to the understanding of living thought—of thought that is becoming clairvoyant—we are at the same time preparing the sixth post-Atlantean period.
[ 24 ] Wie in die Gedanken das Leben hereinströmt durch den ChristusImpuls, so wird er noch in etwas hereinströmen, was zur menschlichen Seelenfähigkeit gehört und was nicht verwechselt werden darf mit dem bloßen Gedanken. Aus dem Unbewußten heraus entwickelt das Kind seine Fähigkeiten. Indem es zum Ich-Bewußtsein kommt, tritt es in die Sphäre ein, wo es sich aneignen kann, wo es entwickeln muß dasjenige, was von außen hereinkommen kann durch den ChristusImpuls. Wir können, wenn das Kind gehen gelernt hat, wenn es sprechen gelernt hat, und wenn es beginnt mit dem Denkenlernen sich durchzuarbeiten zu dem Ich, wir können es allmählich schon sehen, wie der bewußte Christus-Impuls, der durch das Mysterium von Golgatha hereingekommen ist, auf das Kind wirkt. Die Menschheit kann heute in etwas anderes, was in ihrem Seelenvermögen liegt, den Christus-Impuls noch nicht hineinnehmen. Hineinzuleiten diesen Christus-Impuls in das aufrechte Gehen, in Sprechen und Denken, das ist durch dasjenige möglich, was seit Jahrtausenden für die Menschen da ist mit der Menschheitskultur. In ein viertes Element hineinzuleiten den Christus-Impuls, vorzubereiten dieses Hineinleiten in ein viertes menschliches Vermögen, daran müssen wir auch denken, wenn wir uns im rechten Sinn auf den Boden der Geisteswissenschaft stellen. Daran müssen wir auch denken! Wo hinein der Christus-Impuls noch nicht geleitet werden kann, wo hineingeleitet zu werden er sich aber vorbereitet, das ist die menschliche Erinnerung, das Erinnern des Menschen. Denn außer dem Aufrechtgehen und -stehen, dem Reden oder Sprechen, dem Denken, tritt jetzt die Christus-Kraft in das Erinnern ein. Wir können verstehen den Christus, wenn er durch die Evangelien zu uns spricht. Aber wir werden als Menschen erst dazu vorbereitet, daß der Christus auch eintritt in die Gedanken, die dann als erinnerte Gedanken und Vorstellungen in uns leben und sind und so weiter in uns leben. Und eine Zeit wird herankommen für die Menschheit, die allerdings erst vollständig werden wird in der sechsten größeren Periode der Menschheitsentwickelung, aber jetzt sich vorbereitet, wo die Menschen hinsehen werden auf das, was sie erlebt und erfahren haben und was als Erinnerung in ihnen lebt, und werden sehen können, daß in der Kraft des Erinnerns der Christus mitlebt. Durch jede Vorstellung wird der Christus sprechen können. Und auch wenn wir unsere Vorstellungen in der Erinnerung wiederbeleben, so wird in der Erinnerung, in dem, was so eng, so intim mit uns verbunden ist wie unsere Erinnerung, der Christus mit verbunden sein. Zurückblicken wird der Mensch können auf sein Leben und sagen wird er sich: So wie ich mich erinnere, so wie die Kraft des Gedächtnisses in mir lebt, so lebt in diesem Gedächtnis der hineingegossene ChristusImpuls. Der Weg, der den Menschen geboten wird, immer mehr und mehr wahr zu machen die Worte: Nicht ich, der Christus in mir, — der Weg wird dadurch geebnet, daß in die Erinnerungskraft allmählich der Christus-Impuls einziehen wird. Er ist jetzt noch nicht darinnen. Wenn er darinnen sein wird, wenn nicht nur im Verständnis des Menschen der Christus-Impuls lebt, sondern wenn der Christus-Impuls sich über den ganzen Saum, über den ganzen Streifen von Erinnerungen ausgießen wird, dann wird der Mensch zum Beispiel nicht nur angewiesen sein darauf, aus äußeren Dokumenten Geschichte zu lernen, denn dann wird sich seine Erinnerungskraft erweitern. Der Christus wird in dieser Erinnerung leben. Und der Mensch wird dadurch, daß der Christus in seine Erinnerungskraft eingezogen ist, dadurch, daß der Christus in der Erinnerungskraft lebt, der Mensch wird dadurch wissen, wie bis zum Mysterium von Golgatha hin der Christus außerirdisch gewirkt hat, wie er es vorbereitet hat und durchgegangen ist durch dieses Mysterium von Golgatha, und wie er als Impuls weiterwirkt in der Geschichte. So wahr und wirklich wird der Mensch das überschauen, wie jetzt im gewöhnlichen Leben die Erinnerung da ist. Man wird die irdische Entwickelung der Menschheit nicht anders überschauen können innerlich als so, daß man dann den Christus-Impuls im Mittelpunkt erblickt. Alle Erinnerungskraft wird durchsetzt und zugleich verstärkt werden durch das Eindringen des Christus-Impulses in die Gedächtniskraft, in die Erinnerungskraft. In der Zukunft kann für uns, die wir das Christentum lebendig erfassen sollen, auch das noch Geltung haben:
[ 24 ] Just as life flows into thought through the Christ impulse, so it will also flow into something that belongs to the capacity of the human soul and that must not be confused with mere thought. From the unconscious, the child develops its capacities. As it attains ego-consciousness, it enters the sphere where it can assimilate, where it must develop, that which can enter from the outside through the Christ impulse. Once the child has learned to walk, once it has learned to speak, and as it begins to work its way toward the “I” through the process of learning to think, we can already gradually see how the conscious Christ impulse, which has entered through the Mystery of Golgotha, works upon the child. Humanity today cannot yet take in the Christ impulse into something else that lies within its soul capacities. To guide this Christ impulse into upright walking, into speaking and thinking—this is made possible by what has been there for humanity for millennia through human culture. To introduce the Christ impulse into a fourth element, to prepare for this introduction into a fourth human faculty—we must also bear this in mind when we stand firmly on the ground of Spiritual Science. We must also bear this in mind! Where the Christ impulse cannot yet be introduced, but where it is preparing to be introduced—that is human memory, the act of remembering. For in addition to upright walking and standing, speaking, and thinking, the Christ power now enters into memory. We can understand Christ when he speaks to us through the Gospels. But we are only being prepared as human beings for Christ to also enter into our thoughts, which then live and exist within us as remembered thoughts and mental images, and continue to live within us in this way. And a time will come for humanity—which, however, will only be fully realized in the sixth major period of human development, but is now being prepared—when people will look back on what they have experienced and what lives within them as memory, and will be able to see that Christ lives within the power of memory. Through every mental image, Christ will be able to speak. And even when we revive our mental images in memory, Christ will be connected to that memory—to that which is as closely, as intimately connected to us as our memory itself. Humanity will be able to look back on its life and say to itself: Just as I remember, just as the power of memory lives within me, so does the Christ impulse poured into this memory live within it. The path offered to human beings to make the words “Not I, but Christ in me” ever more real—this path is paved by the fact that the Christ impulse will gradually enter into the power of memory. It is not yet there. When it is within, when the Christ impulse lives not only in the human mind but when the Christ impulse pours out over the entire expanse, over the entire strip of memories, then the human being will, for example, no longer be limited to learning history from external documents, for then their power of memory will expand. Christ will live in this memory. And because Christ has entered into their power of remembrance, because Christ lives in their power of remembrance, human beings will thereby know how Christ worked in a super-earthly way up to the Mystery of Golgotha, how he prepared for it and passed through this Mystery of Golgotha, and how he continues to work as an impulse in history. Just as truly and really as memory is present in ordinary life today, so will human beings be able to survey this. One will not be able to survey the earthly development of humanity inwardly in any other way than by then perceiving the Christ impulse at the center. All the power of memory will be permeated and at the same time strengthened by the penetration of the Christ impulse into the power of memory, into the power of recollection. In the future, the following may also hold true for us who are to grasp Christianity in a living way:
Im Urbeginne ist die Erinnerung,
Und die Erinnerung lebt weiter,
Und göttlich ist die Erinnerung.
Und die Erinnerung ist Leben,
Und dieses Leben ist das Ich des Menschen,
Das im Menschen selber strömt.
Nicht er allein, der Christus in ihm.
Wenn er sich an das göttliche Leben erinnert,
Ist in seiner Erinnerung der Christus,
Und als strahlendes Erinnerungsleben
Wird der Christus leuchten
In jede unmittelbar gegenwärtige Finsternis.
In the very beginning is memory,
And memory lives on,
And memory is divine.
And memory is life,
And this life is the human self,
Which flows within the human being himself.
Not he alone, but the Christ within him.
When he remembers the divine life,
The Christ is in his memory,
And as a radiant life of remembrance
The Christ will shine
Into every darkness that is immediately present.
[ 25 ] Wir werden sagen können: Der Christus ist in unserem inneren Seelenleben. Das wird mancher von uns empfinden dadurch, daß wir lernen, uns mit dem Christus-Impuls zu verbinden durch die Erinnerung, wie der Mensch als Kind gelernt hat sich aufzurichten, zu sprechen, indem er sich mit dem Christus-Impuls verbunden hat. Mancher von uns empfindet auch dadurch, daß wir unser Erinnerungsvermögen in dem Zustand, wie wir es jetzt haben, wie eine Vorbereitung betrachten, etwas, das in Unordnung kommen würde in Zukunft, wenn es nicht den Willen hätte, sich von dem ChristusImpuls durchdringen zu lassen. Würde es einen Materialismus auf der Erde geben, der den Christus ableugnet, dann würde die Erinnerung in Unordnung kommen. Dann würden immer mehr und mehr Menschen auftreten, deren Erinnerung chaotisch würde, die dumpfer und dumpfer sein würden in ihrem finsteren Ich-Bewußtsein, wenn nicht Erinnerung in dieses finstere Ich-Bewußtsein hereinleuchten würde. Unser Erinnerungsvermögen kann nur dann sich richtig entwickeln, wenn der Christus-Impuls richtig geschaut wird. Dann wird Geschichte wie eine lebendige Erinnerung so leben, daß in die Erinnerung das Verständnis für die wahren Geschehnisse dringt. Dann wird die menschliche Erinnerung den Mittelpunkt des Weltgeschehens verstehen. Dann macht sich für den Menschen das Schauen geltend. Die gewöhnliche Erinnerung, die auf ein Leben sich nur richtet, die wird sich ausdehnen auf die vorhergehenden Inkarnationen. Erinnerung ist jetzt eine Vorbereitung, aber ausgestaltet wird sie durch den Christus. Ob wir nach außen blicken, wie wir uns als Kind heraufentwickelt haben noch unbewußt, ob wir dann nach innen blicken, ob wir durch weitergehende Vertiefung unseres Innern bis zu dem, was als unser Inneres in der Erinnerung bleibt, hineinblicken, überall sehen wir die lebendige Kraft und Wirksamkeit des Christus-Impulses.
[ 25 ] We will be able to say: Christ is present in our inner spiritual life. Some of us will sense this as we learn to connect with the Christ impulse by recalling how, as children, we learned to stand upright and speak by connecting with the Christ impulse. Some of us also sense this by regarding our memory, as it is now, as a preparation—something that would fall into disarray in the future if it did not have the will to allow itself to be permeated by the Christ impulse. If there were a materialism on Earth that denied the Christ, then memory would fall into disarray. Then more and more people would appear whose memory would become chaotic, who would grow increasingly dull in their dark ego-consciousness, were it not for memory shining into this dark ego-consciousness. Our memory can only develop properly if the Christ impulse is properly understood. Then history will live as a living memory in such a way that an understanding of the true events penetrates into memory. Then human memory will understand the center of world events. Then the power of vision will assert itself for the human being. Ordinary memory, which is directed only toward one life, will expand to include previous incarnations. Memory is now a preparation, but it is perfected by the Christ. Whether we look outward, seeing how we developed as children while still unconscious, or whether we then look inward, or whether we look into what remains in memory as our inner self through a deeper exploration of our inner being—everywhere we see the living power and efficacy of the Christ impulse.
[ 26 ] In dem neuen Christus-Ereignis, das jetzt nicht physisch, aber ätherisch herankommt, das zusammenhängt mit der ersten Entfachung der Erinnerungsfähigkeit, mit der ersten Entfachung des Durchchristetwerdens der Erinnerung, wird dieses Christus-Ereignis so sein, daß der Christus als engelartiges Wesen an den Menschen herantreten wird. Darauf müssen wir uns vorbereiten.
[ 26 ] In the new Christ event, which is now approaching not physically but etherically, and which is connected with the first awakening of the power of memory, with the first awakening of the Christ-infusion of memory, this Christ event will be such that Christ will approach humanity as an angelic being. We must prepare ourselves for this.
[ 27 ] So soll uns Geisteswissenschaft nicht etwa bloß mit Theorien bereichern, sondern sie soll in uns etwas ergießen, was uns fähig macht, dasjenige, was in der Welt herantritt an uns, und das, was wir selber sind, mit anderen Empfindungen und Gefühlen aufzunehmen. Unser Gefühls- und Empfindungsleben kann bereichert werden, wenn wir in richtigem Sinne durch Geisteswissenschaft eindringen in das Wesen des Christus-Impulses und sein Walten im Menschen und in der geistigen Wesenheit des Menschen. Gut ist es, wenn wir oft daran denken:
[ 27 ] Thus, Spiritual Science should not merely enrich us with theories, but should instill within us something that enables us to perceive both what the world presents to us and what we ourselves are with different sensations and feelings. Our emotional and sensory life can be enriched if, through Spiritual Science, we truly penetrate the essence of the Christ impulse and its working within the human being and in the spiritual nature of the human being. It is good if we often remember this:
Im Urbeginne war die Kraft der Erinnerung.
Die Kraft der Erinnerung soll werden göttlich,
Und ein Göttliches soll werden die Kraft der Erinnerung.
Alles, was im Ich entsteht,
Soll werden so,
Daß es ein Entstandenes ist
Aus der durchchristlichten, durchgöttlichten Erinnerung.
In ihr soll sein das Leben,
Und in ihr soll sein das strahlende Licht,
Das aus dem sich erinnernden Denken
In die Finsternis der Gegenwart hereinstrahlt.
Und die Finsternis so, wie sie gegenwärtig ist,
Möge begreifen das Licht der göttlich gewordenen Erinnerung.
In the very beginning was the power of memory.
The power of memory shall become divine,
And the power of memory shall become divine.
Everything that arises within the self,
Shall become such,
That it is something that has arisen
From memory illuminated by Christ, made divine.
In it shall be life,
And in it shall be the radiant light,
Which from the remembering mind
Shines into the darkness of the present.
And may the darkness, as it is now,
Be penetrated by the light of memory made divine.
[ 28 ] Wenn wir den Sinn solcher Worte in uns aufnehmen, dann nehmen wir etwas auf, was sich für uns Menschen geziemt aufzunehmen. Wie die Pflanze den Keim für das nächste Pflanzenleben bildet, so lernen wir in uns empfinden nicht nur mit den Früchten, die uns aus früheren Inkarnationen kommen, sondern so zu empfinden, daß wir verstehen, herüberzugehen in die folgenden Inkarnationen. In den folgenden Inkarnationen würde es um unser Erinnerungsvermögen schlecht stehen, wenn wir uns nicht mit dem Christus-Impuls durchdringen würden. Noch ist das Denken im spärlichsten Maße durchdrungen von dem Christus-Impuls und schon tritt er heran an die Erinnerung. Lernen wir aus der Geisteswissenschaft heraus nicht nur für den zeitlichen Menschen zu leben, der zwischen Geburt und Tod lebt, sondern lernen wir für jenen Menschen zu leben, der durch immer wiederkehrende Inkarnationen geht. Und lernen wir durch Geisteswissenschaft, was uns sein kann für das volle Ausleben der eigenen menschlichen Seele das richtige Verstehen und Verständnis, das richtige Empfinden, das richtige Fühlen des stärksten Impulses in der ganzen Menschheitsentwickelung: des Christus-Impulses.
[ 28 ] When we take the meaning of such words to heart, we are taking in something that is fitting for us as human beings to take in. Just as the plant forms the seed for the next plant life, so do we learn to feel within ourselves not only with the fruits that come to us from earlier incarnations, but to feel in such a way that we understand how to pass over into the following incarnations. In the following incarnations, our capacity for memory would be in a poor state if we did not imbue ourselves with the Christ impulse. Thinking is still only sparingly permeated by the Christ impulse, and yet it is already approaching our memory. Let us learn through Spiritual Science not only to live for the temporal human being who lives between birth and death, but let us learn to live for that human being who passes through ever-recurring incarnations. And let us learn through Spiritual Science what can be for us, for the full living out of our own human soul, the right understanding and comprehension, the right perception, the right feeling of the strongest impulse in the entire development of humanity: the Christ impulse.
