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Precursors to the Mystery of Golgotha
GA 152

30 March 1914, Munich

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Precursors to the Mystery of Golgotha, tr. SOL
  1. Vorstufen zum Mysterium von Golgatha

8. Der Christus-Geist und seine Beziehungen zur Bewusstseinsentwickelung

8. The Spirit of Christ and Its Relationship to the Development of Consciousness

[ 1 ] Alles, was in unsere Arbeiten hereintritt, kristallisiert sich schließlich um den einen Punkt: den Zusammenschluß zu finden mit den geistigen Mächten, welche die Menschheit vorwärtsbringen. Von diesem Gesichtspunkte aus wurde hier immer wieder gesprochen von der Bedeutung der Christus-Wesenheit in der Welt. Heute möchte ich einige Worte zu Ihnen sprechen, welche geeignet sein sollen, unsere Vorstellungen über diesen Christus-Impuls und seine Beziehungen zu uns Menschen immer wichtiger zu gestalten. Wir müssen uns, wenn wir diesen Christus-Impuls in seiner Wahrheit erfassen wollen, schon dazu bequemen, über mancherlei nachzudenken. Man hört in unserer Zeit wohl nichts mehr, als da und dort den Gedanken äußern, man solle alles Schulmeisterliche, Pedantische, alles Lehrhafte zurückdrängen und das lebendige Leben ergreifen in Kunst und Weltanschauung. Es äußern so viele Geister der Gegenwart ihre Ermüdung gegenüber allem Lehrhaften. Merkwürdig ist nur, daß, sowie Angelegenheiten der Weltanschauung zur Sprache kommen, man immer wieder in die Sehnsucht nach dem Lehrhaften zurückfällt.

[ 1 ] Everything that enters into our work ultimately crystallizes around a single point: finding union with the spiritual forces that drive humanity forward. From this perspective, we have repeatedly spoken here of the significance of the Christ Being in the world. Today I would like to say a few words to you that are intended to help us develop a deeper mental image of this Christ impulse and its relationship to us as human beings. If we wish to grasp this Christ impulse in its truth, we must be willing to reflect on various matters. In our time, one hears nothing more than the occasional suggestion that we should push aside everything schoolmasterly, pedantic, and didactic, and embrace living life in art and worldview. So many contemporary minds express their weariness with all things didactic. It is only strange that, as soon as matters of worldview come up, one repeatedly falls back into a longing for the didactic.

[ 2 ] Wir haben hören müssen, wie gesprochen wird von Christus wie von einem Weltenlehrer; ich habe einmal den Ausdruck gebraucht: «übermenschlicher Weltenschulmeister». Viele fühlen sich wohl, wenn sie so denken können, mit Christus sei jemand, der etwas gelehrt hatte, in die Welt gekommen. Demgegenüber haben wir immer wieder den Lebenscharakter, den Kraftcharakter des Christus-Impulses betont. Durch das, was bei der Jordantaufe geschah, hat eine Wesenheit in das irdische Leben den Weg gefunden, dadurch, daß sie das Schicksal der Menschheit drei Jahre lang teilte. Dann strömte sie aus in die Erdenaura und wirkt da seitdem fort.

[ 2 ] We have had to listen to people speaking of Christ as a world teacher; I once used the expression: “superhuman world teacher.” Many feel comfortable thinking that Christ was someone who came into the world to teach. In contrast, we have repeatedly emphasized the life-giving and life-strengthening nature of the Christ impulse. Through what happened at the baptism in the Jordan, a being found its way into earthly life by sharing the destiny of humanity for three years. Then it flowed out into the Earth’s aura and has been working there ever since.

[ 3 ] Wenn man auf dieses Christus-Ereignis hinblickt, muß man sagen, dieses Ereignis von Golgatha ist ein einmaliges Erlebnis in der Erdenentwickelung. Gegenüber der Erdenentwickelung hat sich dies einmal vollzogen, aber das Christus-Ereignis hat sich vorbereitet in der geistigen Welt.

[ 3 ] When we look back on this Christ event, we must say that the event at Golgotha is a unique occurrence in the history of the Earth. In the context of Earth’s history, this took place only once, but the Christ event had been prepared in the spiritual world.

[ 4 ] Obwohl es durch und durch falsch ist, wenn man in einem anderen Leib die Christus-Wesenheit anwesend denkt, muß man doch hinweisen auf ein vorbereitendes Ereignis in der Entwickelung der Welt, namentlich auf drei vorbereitende Ereignisse, Vorstufen des Ereignisses von Golgatha. Sie haben sich in überirdischen, rein geistigen Welten abgespielt.

[ 4 ] Although it is thoroughly mistaken to imagine the Christ-being present in another body, one must nevertheless point to a preparatory event in the development of the world—namely, three preparatory events, preliminary stages of the event at Golgotha. They took place in supermundane, purely spiritual worlds.

[ 5 ] Ich sprach von den beiden Jesusknaben, dem salomonischen und dem nathanischen Jesusknaben. Der salomonische trug das Ich des Zarathustra in sich. Es ging in den anderen Knaben über und lebte da vom zwölften bis zum dreißigsten Jahre. Dann wurde die Hülle erfüllt von der Christus-Wesenheit. Dieser nathanische Jesus, auch er ist, das muß ausdrücklich erwähnt werden, so wie er geboren wird am Beginn unserer Zeitrechnung, in einem Menschenleibe zum ersten Mal richtig verkörpert in der Welt. Denn die Vorstufen seines Daseins verlebte er in geistigen Welten. Er war vorher niemals richtig in einem menschlichen Leibe verkörpert. Die Beziehung zu Krishna war nicht eine richtige Verkörperung, sondern eine stellvertretende Verkörperung. Wenn wir die Wesenheit dieses späteren nathanischen Jesus vor uns stellen, müssen wir zu den Engelwesen schauen und können sagen: Bevor der Christus auf der Erde erschien, war er nicht verkörpert, sondern verseelt dreimal vorhanden in der geistigen Welt, aber in jeder dieser drei Daseinsstufen trat für ihn immer wieder etwas ein, ähnlich dem Ereignis von Golgatha. Die Vorankündigungsstufen von Golgatha müssen wir also in den geistigen Welten suchen. Jedes dieser Ereignisse hat eine tiefe Bedeutung für das ganze Leben der Menschen auf der Erde. Das, was wir da erleben, wird nicht beeinflußt von dem nur, was innerhalb der physischen Erde geschieht, sondern auch aus geistigen Welten. Was durch die drei Vorstufen bewirkt wurde, wurde von außen herein bewirkt.

[ 5 ] I spoke of the two Jesus children, the Solomonic and the Nathanic Jesus child. The Solomonic one carried the I of Zarathustra within him. It passed into the other child and lived there from the age of twelve to thirty. Then the vessel was filled with the Christ-being. This Nathanic Jesus—and this must be explicitly stated—was, as he was born at the beginning of our era, truly incarnated in a human body for the first time in the world. For he had spent the preliminary stages of his existence in spiritual worlds. He had never before been truly incarnated in a human body. The relationship to Krishna was not a true incarnation, but a vicarious incarnation. When we picture the being of this later Nathanic Jesus before us, we must look to the angelic beings and can say: Before the Christ appeared on Earth, he was not incarnated, but existed three times in the spiritual world as a soul, yet in each of these three stages of existence, something occurred for him again and again, similar to the event of Golgotha. We must therefore seek the preliminary stages of Golgotha in the spiritual worlds. Each of these events has a profound significance for the entire life of humanity on Earth. What we experience there is not influenced solely by what happens within the physical Earth, but also by the spiritual worlds. What was brought about through the three preliminary stages was brought about from outside.

[ 6 ] Als die Menschheit in der lemurischen Epoche lebte, war schon der luziferische Einfluß über sie herniedergegangen. Er sandte gleichsam seine Kraftstrahlen in die Menschennatur hinein. Die Wirkung war darinnen. Der Mensch mußte sich da anders entwickeln, als wenn kein luziferischer Einfluß gekommen wäre. Der Mensch war sozusagen infiziert mit dem luziferischen Impuls. Wir können aus der Geisteswissenschaft heraus sagen, was dieser luziferische Einfluß bewirkt hat. Wäre er so stark geblieben wie in Lemurien, wäre mit unserer Menschennatur etwas geschehen, was sie in große Gefahr gebracht hätte. Es wäre geschehen, was man etwa so charakterisieren könnte: Die zwölf Sinneskräfte — denn es sind zwölf — des Menschen hätten sich so gestaltet, daß der Mensch übersensitiv geworden wäre. Während wir jetzt das Rot der Rose so betrachten, daß es im Anschauen objektiv auf uns wirkt, würde dann das Rot wie mit Stacheln in unsere Augen eindringen, Blau würde an unserer Sehkraft saugen. Wir würden übersensitiv sein. So würde es auch mit dem Gehör und allen Sinnesempfindungen eines Menschen sein. Wir würden nichts wahrnehmen können, ohne Schmerz oder Wollust zu empfinden. Dem ging die Menschheit durch Luzifer entgegen. Das sahen die Wesenheiten der höheren Hierarchien. So wie der nathanische Jesus später lebte, war er in der lemurischen Zeit in der Geisteswelt vorhanden in einer Engelwesenheit, und ihm war es vorgesetzt, sich mit der Christus-Wesenheit zu durchdringen. Während die Hüllen später durchdrungen wurden mit der Christus-Wesenheit, wurde damals das seelische Element dieses Engelwesens durchgeistigt von dem Christus-Impuls. Damals senkte sich schon der Christus-Impuls in die Seele des späteren nathanischen Jesus herab. Das geschah in der Geisteswelt, aber die Strahlen, die davon ausgingen, breiteten sich über die Erde und besänftigten die überempfindlichen menschlichen Sinne, so daß die Gefahr beseitigt wurde, daß die Menschen nur unter Schmerz und entwürdigender Wollust das Sinnliche hätten erblicken können. So blicken wir auf den ersten Vorboten des Ereignisses von Golgatha und sagen uns: Wir sind in bezug auf unsere zwölf Sinne dadurch so geworden, daß der Christus sich in die Seele des späteren nathanischen Jesus senkte und das menschliche Sinneswesen besänftigte.

[ 6 ] When humanity lived during the Lemurian epoch, the Luciferic influence had already descended upon it. It sent, as it were, its rays of power into human nature. The effect was felt within. Humanity had to develop differently than it would have if no Luciferic influence had come. Humanity was, so to speak, infected with the Luciferic impulse. From the perspective of Spiritual Science, we can say what this Luciferic influence brought about. Had it remained as strong as it was in Lemuria, something would have happened to our human nature that would have placed it in great danger. What would have happened could be characterized roughly as follows: The twelve sensory powers—for there are twelve—of the human being would have developed in such a way that the human being would have become hypersensitive. Whereas we now look at the red of a rose in such a way that it acts objectively upon us as we gaze at it, the red would then penetrate our eyes as if with thorns, and blue would suck at our vision. We would be hypersensitive. The same would be true of a person’s hearing and all sensory perceptions. We would be unable to perceive anything without feeling pain or pleasure. Humanity was heading toward this through Lucifer. The beings of the higher hierarchies saw this. Just as the Nathanic Jesus later lived, he was present in the spiritual world during the Lemurian epoch as an angelic being, and it was his task to become imbued with the Christ-being. While the physical bodies were later imbued with the Christ-being, at that time the soul element of this angelic being was spiritualized by the Christ-impulse. At that time, the Christ impulse had already descended into the soul of the later Nathanic Jesus. This took place in the spiritual world, but the rays emanating from it spread across the Earth and soothed the hypersensitive human senses, so that the danger was averted that human beings might have perceived the sensory realm only through pain and degrading lust. Thus we look upon the first harbinger of the event at Golgotha and say to ourselves: We have become what we are with regard to our twelve senses because Christ descended into the soul of the future Nathanic Jesus and soothed the human sensory nature.

[ 7 ] Dann in der atlantischen Zeit kam durch den allmählich mit dem luziferischen Einfluß sich verbindenden ahrimanischen Einfluß wiederum eine Gefahr in das menschliche Leben. Während in Lemurien die Sinne vor einer Gefahr standen, standen jetzt in der ersten Zeit von Atlantien die Lebensorgane und der Ätherleib des Menschen in Gefahr. Diese Organe eines von dem Einfluß von Luzifer und Ahriman durchsetzten Ätherleibes hätten sich so entwickelt, daß der Mensch eine dem Menschenwesen unwürdige Gestalt angenommen hätte. Alles hätte so gemacht werden müssen, daß der Mensch das ihm Nützliche mit Gier verfolgt hätte und das, was ihm nicht zuträglich, nur unter Ekel hätte anschauen können. Zwischen Gier und Ekel wäre das menschliche Leben verlaufen. Alle Organe wären so gestaltet worden, daß der Mensch sich wie ein wildes Tier in entwürdigender Weise über das gestürzt hätte, was er aufnehmen mußte, und unter Ekel tief sich erniedrigt gefühlt hätte unter dem, was ihm nicht zuträglich. Daß das nicht so wurde, rührt her von der zweiten Vorstufe des Ereignisses von Golgatha. Die Gefahr war so, daß selbst beim Atmen der Mensch mit Gier die Atemluft geschöpft hätte und daß sich in einer furchtbaren Weise geäußert hätte jedes Aufleuchten von etwas für ihn Ungeeignetem, unter furchtbaren Ekelausbrüchen. Da war es das zweite Mal, daß diese Engelwesenheit durchdrungen wurde mit dem Christus-Impuls und dadurch Kraftstrahlen in die Erdenaura kamen und des Menschen Leben besänftigten.

[ 7 ] Then, during the Atlantean epoch, a new danger arose in human life as a result of the Ahrimanic influence gradually combining with the Luciferic influence. Whereas in Lemuria the senses were in danger, now, in the early days of Atlantis, the life organs and the etheric body of the human being were in danger. These organs of an etheric body permeated by the influences of Lucifer and Ahriman would have developed in such a way that human beings would have taken on a form unworthy of the human being. Everything would have had to be arranged so that human beings would have pursued what was useful to them with greed and would have been able to regard what was not beneficial to them only with disgust. Human life would have unfolded between greed and disgust. All organs would have been designed in such a way that human beings would have pounced in a degrading manner, like wild animals, upon what they had to take in, and would have felt deeply humiliated by what was not beneficial to them. That this did not come to pass stems from the second preliminary stage of the event at Golgotha. The danger was such that even in breathing, man would have greedily scooped up the air, and every glimpse of something unsuitable for him would have manifested in a terrible way, accompanied by terrible outbursts of disgust. It was then, for the second time, that this angelic being was permeated by the Christ impulse, and through this, rays of power entered the Earth’s aura and soothed human life.

[ 8 ] Gegen Ende der atlantischen Zeit entwickelte sich die dritte Vorstufe. Wieder stand die Menschheit vor einer großen Gefahr. Jetzt sollte das Denken, Fühlen und Wollen untereinandergebracht werden. Die Seelenäußerungen sollten disharmoniert werden, so daß der Mensch nicht in geordneter Weise das Denken, Fühlen und Wollen hätte entwickeln können, sondern daß diese sich wie wahnsinnig untereinander gerührt hätten. Das wurde durch die dritte Vorstufe abgewendet. Noch einmal durchdrang sich die Wesenheit, die später der nathanische Jesus wurde, mit dem Christus-Impuls, und Ordnung und Harmonie wurde in den Zusammenklang von Denken, Fühlen und Wollen hineingebracht. Das empfand man noch lange in nachatlantischer Zeit. In Zeiten, die unserer Gedankenentwickelung vorangingen, gestalteten sich schon die Vorboten eines Bildes, das in unsere Zeit hereinragt, aber noch nicht richtig verstanden wird. Als am Ende der atlantischen Zeit Christus durchseelte diese Seele, welche später Jesus von Nazareth wurde, bewirkte dies, daß es eine Wesenheit gab, welche immer Herr wurde über die wild durcheinanderstürmenden Affekte, Sieger wurde über das zu dichten Gebilden werdende Denken, Fühlen und Wollen. Das stellte sich die Menschheit hin in dem Bilde vom heiligen Georg oder dem heiligen Michael, dem Drachenbesieger. Das ist unmittelbar der imaginative Ausdruck des dritten Vorboten des Ereignisses von Golgatha.

[ 8 ] Toward the end of the Atlantean epoch, the third preliminary stage developed. Once again, humanity faced a great danger. Now, thinking, feeling, and willing were to be thrown into disarray. The soul’s expressions were to be thrown into disharmony, so that human beings would not have been able to develop thinking, feeling, and willing in an orderly manner, but rather these would have been thrown into a frenzied turmoil. This was averted by the third preliminary stage. Once again, the being who later became the Nathanic Jesus was imbued with the Christ impulse, and order and harmony were brought into the interplay of thinking, feeling, and willing. This was still felt long into the post-Atlantean era. In times that preceded the development of our thinking, the harbingers of an image were already taking shape—an image that extends into our time but is not yet properly understood. When, at the end of the Atlantean era, Christ animated this soul—which later became Jesus of Nazareth—this brought about a being who always mastered the wildly surging emotions and triumphed over the thinking, feeling, and willing that were taking shape as a coherent structure. Humanity then expressed this in the image of St. George or St. Michael, the dragon-slayer. This is the direct imaginative expression of the third harbinger of the event of Golgotha.

[ 9 ] Die Griechen, welche in ihren Vorstellungen belebten, was herüberleuchtete aus den Geheimnissen von Atlantien, schufen sich ein Götterbild von dem Wesen, das in Atlantien tätig war. Sie verehrten in Apollo den Geist, von dem sie sich vorstellten: das ist Er, der durchdrungen ist mit dem Sonnengeist. Sie nannten es nicht Christus, aber auf den Namen kommt es nicht an. Sie verehrten in ihrem Sonnendienst die dritte Vorstufe des Ereignisses von Golgatha und drückten das äußerlich aus, indem sie in den wichtigsten Angelegenheiten sich Rat holten bei den Priestern des Apollo. Sie wußten, diese Griechen, daß in die Geheimnisse des Daseins hineingewebt ist, was in der Erdenaura webt, und wie es Denken, Fühlen und Wollen in Ordnung gebracht hat. Sie fühlten es so mit der Erde verbunden, daß sie sagten: Aus der Erde stieg in dichter Form das auf, was, wenn es nicht durch Apollo besiegt worden wäre, Denken und Fühlen und Wollen in Unordnung gebracht hätte. Aber Apollo bringt Ordnung hinein, so daß aus der Erdenaura statt Disharmonie, statt Wahnsinn, in Denken, Fühlen und Wollen Weisheit übergeht.

[ 9 ] The Greeks, who brought to life in their mental images what shone through from the mysteries of Atlantis, created a divine image of the being who was active in Atlantis. In Apollo, they worshipped the spirit whom they imagined to be the one imbued with the spirit of the sun. They did not call him Christ, but the name is not important. In their sun worship, they honored the third preliminary stage of the event at Golgotha and expressed this outwardly by seeking counsel from the priests of Apollo in matters of great importance. These Greeks knew that woven into the mysteries of existence is that which weaves within the Earth’s aura, and how it has brought order to thinking, feeling, and willing. They felt it so closely connected to the Earth that they said: From the Earth arose in dense form that which, had it not been overcome by Apollo, would have thrown thinking, feeling, and willing into disorder. But Apollo brings order, so that from the Earth’s aura, instead of disharmony, instead of madness, wisdom flows into thinking, feeling, and willing.

[ 10 ] Sie schauten nach jener Gegend, wo aus der Erde heraufdrang der Dampf, den sie bannten, in ihrem Heiligtum auffingen, um über die Öffnung die Priesterin des Apollo zu setzen, durch die er selbst so sprach, daß es sich durch seine Weisheit umsetzte in Orakel, in Ratschläge für die Angelegenheit jener, welche diese Weisheit suchten. Wie Georg und Michael im Bilde erscheinen, so Apollo in seinem Heiligtum, den durch ihn Redenden Weissagungen in die Seele gießend.

[ 10 ] They looked toward that area where steam rose from the earth; they channelled it, collecting it in their sanctuary, so that they might place the priestess of Apollo over the opening, through whom he himself spoke, transforming his wisdom into oracles and counsel for those who sought this wisdom. Just as George and Michael appear in the image, so does Apollo in his sanctuary, pouring prophecies into the soul of the one speaking through him.

[ 11 ] Oh, das Christentum ist uralt! Nicht auf den Christus-Namen kommt es an. Apollo-Dienst verehrte Christus, den Sonnengeist, so daß in dieser Verehrung das Bewußtsein liegt von der dritten Vorstufe des Ereignisses von Golgatha. Dann kam die Zeit, wo die Menschheit vor einer vierten großen Gefahr stand. In Lemurien stand der physische Leib vor einer Gefahr, dann in Atlantien die Ätherorgane und die astralischen Organe. Jetzt war es das Ich, das in Unordnung kommen sollte. Das bereitet sich so vor, daß zur Zeit, als das Ich den Menschen ergreifen sollte im griechischen Gedankenleben, sich in einer ganz sonderbaren Erscheinung zeigt, daß alle Bedingungen vorhanden sind, Unordnung in das Ich zu bringen. Man wird nach und nach erst verstehen, wie sich das, was dieses Ich hervortreiben sollte, in griechischer Philosophie und so weiter entwickelt. Ich versuchte schon darzustellen, wie das Ich erwachte. Es zeigt sich durch Betrachtung der Philosophie, die im Gedankenleben des Plato und Aristoteles gipfelt, wie das Ich allmählich herankommt. Als Thales, Pherekydes von Syros, Anaxagoras die großen Gedanken erst ins Leben riefen, da ging parallel eine Erscheinung, die von Griechenland sich über die griechische Welt verbreitete: da ging parallel dem Herankommen des Ich das Sibyllentum. Überall machten sich die Sibyllen geltend. Sie sprachen zuweilen große Weisheiten für die Zukunft aus, aber zum Teil auch Wahnsinniges. Alles das, was das Ich in Unordnung bringen kann, wie das Ich in Unordnung kommen muß ohne den Christus-Impuls, drückte sich in ihren Weissagungen aus. Zweierlei bereitete sich vor: Propheten, Vorbereiter für den Christus-Impuls, welche in reiner seelischer Vertiefung die junge Christus-Kraft aufzunehmen suchen, die in geordnetem Gedankenleben das durchmachen, was in der Menschheitsentwickelung webt; die Sibyllen auf der anderen Seite, die an die äußeren Einflüsse der Erdenaura hingegeben sind. Es tritt uns in Michelangelos Darstellung der Sixtinischen Kapelle in Rom dieser Gegensatz von Sibyllen und Propheten entgegen. Michelangelo zeigt, wie bei den Sibyllen der Wind und anderes wirkt, was mit der Erde elementar zusammenhängt, zeigt, daß bei den Sibyllen Gefahr vorhanden war, daß das Ich in Unordnung kommt, und wie die Propheten wirken, dieses Ich zu beruhigen. Das Studium der Propheten neben den Sibyllen in den Bildern Michelangelos kann uns tief hineinweisen in manche Geheimnisse. In den Kräften, die durch die Sibyllen wirkten, zeigt sich, wie das menschliche Ich auf einer vierten Stufe in Unordnung kommen will. Die Ordnung, die der Propheten Lehre ankündigt, wurde durch das Mysterium von Golgatha hergestellt, die Ordnung der Ich-Kräfte in der Form, daß das Ich des Menschen immer tiefer fühlen lernte: Nicht ich, sondern der Christus in mir. — Was bei den Sibyllen zur Unordnung des Ich hätte beitragen müssen, tritt durch den Christus-Impuls in geordneter Weise hervor. Weil das Ich des Menschen sich auf der Erde entwickeln muß, mußte das Ereignis von Golgatha auf der Erde stattfinden, Christus mußte den Leib des Jesus durchdringen, den wirklichen physischen Leib, während bei den Vorstufen ein Engel durchseelt wurde.

[ 11 ] Oh, Christianity is ancient! It is not the name “Christ” that matters. The cult of Apollo worshipped Christ, the Sun Spirit, so that this worship embodies the awareness of the third preliminary stage of the event at Golgotha. Then came the time when humanity faced a fourth great danger. In Lemuria, the physical body faced a danger; then, in Atlantis, the etheric and astral bodies. Now it was the ego that was to be thrown into disorder. This is prepared in such a way that, at the time when the ego was to take hold of human beings in Greek intellectual life, a very peculiar phenomenon reveals itself: all the conditions are present to bring disorder into the ego. One will gradually come to understand how that which was to bring forth this “I” developed in Greek philosophy and so on. I have already attempted to describe how the “I” awoke. It becomes evident through an examination of the philosophy that culminates in the intellectual life of Plato and Aristotle how the “I” gradually emerges. When Thales, Pherecydes of Syros, and Anaxagoras first gave birth to these great ideas, a parallel phenomenon was spreading from Greece throughout the Greek world: alongside the emergence of the “I” came the Sibylline oracles. The Sibyls made their presence felt everywhere. They sometimes spoke great wisdom about the future, but at times also utter madness. Everything that can throw the ego into disorder—just as the ego must fall into disorder without the Christ impulse—found expression in their prophecies. Two things were taking shape: prophets, preparers for the Christ impulse, who sought to receive the young Christ force through pure spiritual deepening, who, in an ordered life of thought, worked through what was unfolding in human evolution; on the other hand, the Sibyls, who are at the mercy of the external influences of the Earth’s aura. We encounter this contrast between Sibyls and prophets in Michelangelo’s depiction in the Sistine Chapel in Rome. Michelangelo shows how the wind and other forces connected elementally with the earth act upon the Sibyls, revealing that there was a danger for the Sibyls that the ego might fall into disorder, and how the prophets act to calm this ego. The study of the prophets alongside the Sibyls in Michelangelo’s paintings can lead us deeply into many mysteries. In the forces at work through the Sibyls, we see how the human ego seeks to fall into disorder on a fourth level. The order heralded by the Prophet’s teaching was established through the Mystery of Golgotha—the order of the ego forces in such a way that the human ego learned to feel ever more deeply: not I, but Christ within me. — What in the case of the Sibyls would have contributed to the disorder of the ego emerges in an orderly manner through the Christ impulse. Because the human ego must develop on Earth, the event of Golgotha had to take place on Earth; Christ had to permeate the body of Jesus, the actual physical body, whereas in the preliminary stages an angel was animated.

[ 12 ] So rückte Golgatha an die Erdenentwickelung heran. Tief wahr ist, was Augustinus sagt: Christentum hat es immer gegeben, nur daß man es jetzt Christentum nennt. — Man fühlte zu Augustins Zeiten etwas davon, daß Apollos Diener Christen waren, wenn auch nicht dem Namen nach. Es war Verehrung des dritten, nur noch geistigen Ereignisses. So näherte sich Christus allmählich der Erde. In der Devachanwelt war die erste und zweite Vorstufe, in der Astralwelt die dritte und in der physischen Welt das Ereignis von Golgatha.

[ 12 ] Thus did Golgotha come to play a role in the development of the Earth. There is deep truth in what Augustine says: Christianity has always existed; it is only now that we call it Christianity. — In Augustine’s time, people sensed that the servants of Apollos were Christians, even if they were not called by that name. It was a veneration of the third, now purely spiritual event. Thus Christ gradually drew near to the Earth. The first and second preliminary stages took place in the Devachan world, the third in the astral world, and the event of Golgotha in the physical world.

[ 13 ] Aber nicht als Lehrer, sondern durch seine Kraft drang Christus in die Erdenaura ein. Das muß immer wieder betont werden. Wenn Christus nur durch das hätte wirken wollen, was die Menschen von ihm hätten verstehen können, würde er wenig haben wirken können.

[ 13 ] But Christ did not enter the Earth’s aura as a teacher; rather, he did so through his own power. This must be emphasized again and again. If Christ had sought to work only through what people could have understood of him, he would have been able to accomplish very little.

[ 14 ] Er trat als lebendige Wesenheit in die Entwickelung ein. Das menschliche Verständnis muß sich zu ihm hinaufringen. Dadurch sehen wir, wie sich die Dogmenstreitigkeiten abspielen. Die menschliche Urteilskraft ist noch weit entfernt davon, in den Christus-Impuls einzudringen. Der Christus-Impuls wirkt in den Tiefen durch die Seelen hindurch als lebendige Kraft. Wir können diese Kraft verfolgen. Sehen wir auf ein Ereignis hin vom 28. Oktober 312. Damals lieferte Konstantin dem Maxentius bei Rom eine Schlacht. Maxentius’ Heer war viermal so stark wie das des Konstantin. Konstantin siegte. Wer die Geschichte recht betrachtet, sagt: Das Leben von ganz Europa wäre anders geworden, wenn Konstantin nicht gesiegt hätte. — Eine merkwürdige Schlacht war das. Es siegte nicht äußere Stärke, nicht Urteilskraft. Die Schlacht wurde nicht geschlagen mit dem, was aus Urteilskraft hervorging. Sie wurde geschlagen von jeder Seite nach. unterbewußten Impulsen, in die der Christus-Impuls hineinspielte. Maxentius frug die sibyllinischen Bücher. Sie sagten ihm: Wenn du nicht am Orte verbleibst, wo du bist, wenn du aus Rom hinausgehst, wirst du den großen Feind Roms knechten. — Ein Traum sagte ihm noch, er solle Rom verlassen und vor den Toren kämpfen. In Rom war er sicher verschanzt. Menschliche Utteilskraft entschied nicht über das, was in dieser Schlacht spielte. Das Unterbewußtsein wirkte in Maxentius’ und Konstantins Seele hinein. Dem Konstantin oftenbarte ein Traum, daß er das Symbol des Christentums dem Heer vorantragen solle. Träume entschieden über diese Schlacht, die über das Schicksal Europas entschied. Die menschliche Urteilskraft war nicht geeignet, das herbeizuführen, was herbeigeführt werden sollte, sondern der Christus-Impuls wirkte und stellte das viermal schwächere Heer Konstantins außerhalb Roms Maxentius gegenüber. Durch das, was die Menschen nicht beurteilen können, geschah die Leitung der menschlichen Angelegenheiten. Das ist bedeutungsvoll für die ganze Leitung der menschlichen Geschichte.

[ 14 ] He entered into the course of development as a living being. Human understanding must strive to rise to his level. This is how we see the dogmatic disputes unfold. Human judgment is still far from being able to penetrate the Christ impulse. The Christ impulse works in the depths, flowing through souls as a living force. We can trace this force. Let us look at an event from October 28, 312. At that time, Constantine fought a battle against Maxentius near Rome. Maxentius’s army was four times as large as Constantine’s. Constantine was victorious. Anyone who looks at history objectively will say: The course of all of Europe would have been different if Constantine had not won. — It was a remarkable battle. It was not external strength that prevailed, nor was it human judgment. The battle was not fought with what arose from human judgment. It was fought by both sides according to subconscious impulses, into which the Christ impulse played a part. Maxentius consulted the Sibylline books. They told him: If you do not remain where you are, if you leave Rome, you will subdue Rome’s great enemy. — A dream also told him he should leave Rome and fight at the gates. In Rome, he was securely entrenched. Human judgment did not determine the outcome of this battle. The subconscious worked within the souls of Maxentius and Constantine. A dream revealed to Constantine that he should carry the symbol of Christianity at the head of the army. Dreams decided this battle, which determined the fate of Europe. Human judgment was not capable of bringing about what was to be brought about; rather, the Christ impulse was at work, pitting Constantine’s army—four times weaker—against Maxentius outside Rome. Through that which humans cannot judge, the guidance of human affairs took place. This is significant for the entire course of human history.

[ 15 ] Der Christus-Impuls wirkte im Unterbewußtsein der Seelen als geistiger Impuls. Ebenso hat er später gewirkt, als wieder einmal die Landkarte Europas eine ganz andere Form erhielt. Wäre im entscheidenden Augenblick nicht die Jungfrau von Orleans an die Seite ihres Königs getreten, alle europäischen Geschicke wären anders geworden. Wieder war es nicht Urteilskraft, sondern der Christus-Impuls, der sich eines menschlichen Werkzeuges bediente. Auf unser Urteil kommt es nicht an, ob man das gut oder schlecht findet.

[ 15 ] The Christ impulse worked in the subconscious of souls as a spiritual impulse. It worked in the same way later on, when the map of Europe once again took on a completely different shape. Had the Maid of Orleans not stepped to her king’s side at the decisive moment, the course of European history would have been entirely different. Once again, it was not human judgment but the Christ impulse that made use of a human instrument. It is not for us to judge whether this was good or bad.

[ 16 ] An etwas anderem kann ich zeigen, wie unter der Schwelle des Bewußtseins der Christus-Impuls wirkt. Er bedient sich merkwürdiger Offenbarungsarten, merkwürdig für den Materialisten. Als das neuzeitliche Geistesleben heranrückte, war in seiner Entwickelung etwas, was bewirkt haben würde, daß der Materialismus seine Arme noch viel mehr über das europäische Leben ausgestreckt hätte. Wenn gewisse Vorgänge nicht eingetreten wären, wäre es möglich gewesen, daß selbst in den Seelen, die sich noch geistig fühlten, ganz materielle Vorstellungen eingetreten wären. Es würde eben das Verständnis für den Christus-Impuls schon in viel früheren Jahrhunderten so weit heruntergekommen sein, daß man sein physisches Dasein angezweifelt hätte. Dann würden Arthur Drews und andere viel leichteres Spiel haben. Es verbreitete sich über die entferntesten Gegenden Europas im 16. und 17. Jahrhundert, als die Gefahr vorhanden war, daß man gar keinen Zusammenhang mehr hätte mit dem Christus-Impuls, die Stimmung: Warum soll man glauben, daß Christus gelebt habe? — Und da geschah an den verschiedensten Orten gleichzeitig das gleiche. In fast allen Gegenden Europas, überall zeigte sich, daß durch die verschiedensten menschlichen Stätten, durch Dörfer und Städte nicht immer die gleiche, sondern immer eine andere physische, menschliche Persönlichkeit ging. Es verbreitete sich die Meinung, daß diese menschliche Persönlichkeit, welche in einem besonders merkwürdigen Aufzug erschien, Ahasver, der ewige Jude, sei, der durch die Welt gewandert, seitdem er Christus von sich gestoßen. Die Kunde verbreitete sich, daß da ein Mensch lebt, der aus eigener Anschauung sagen kann: Ich habe Christus gesehen, er hat wirklich gelebt. — An den verschiedensten Orten ging diese Persönlichkeit durch die Dörfer, nahm in furchtbarer Verfassung, in ganz veralteter Kleidung an den Gottesdiensten teil und erzählte das Ereignis, von dem sie Zeugnis ablegen kann. Bischöfe, Äbte haben solche Persönlichkeiten zu Gastmahlen eingeladen, Festlichkeiten veranstaltet. Diese Persönlichkeiten erzählten da immer: Wir können euch bestärken im Bewußtsein, daß Christus über die Erde ging, denn an mir ging er vorüber, und weil ich ihn so behandelte, muß ich jetzt so durch die Welt ziehen.

[ 16 ] I can illustrate how the Christ impulse works beneath the threshold of consciousness through another example. It makes use of strange forms of revelation—strange, that is, to the materialist. As modern spiritual life approached, there was something in its development that would have caused materialism to extend its reach even further over European life. If certain events had not occurred, it would have been possible that even in souls that still felt themselves to be spiritual, entirely material mental images would have taken hold. Indeed, understanding of the Christ impulse would have declined so far even in much earlier centuries that people would have doubted his physical existence. Then Arthur Drews and others would have had a much easier time of it. In the 16th and 17th centuries, when there was a danger of losing all connection with the Christ impulse, the sentiment spread across the remotest regions of Europe: Why should one believe that Christ ever lived? — And the same thing happened simultaneously in the most diverse places. In almost all regions of Europe, everywhere it became apparent that through the most diverse human settlements, through villages and towns, it was not always the same, but always a different physical, human personality who passed through. The opinion spread that this human personality, who appeared in a particularly strange guise, was Ahasver, the eternal Jew, who had wandered through the world ever since he had cast Christ from himself. The news spread that there lived a person who could say from personal experience: I have seen Christ; he truly lived. — In the most diverse places, this figure walked through the villages, attended church services in a dreadful state, clad in completely outdated clothing, and recounted the event to which they could bear witness. Bishops and abbots invited such figures to banquets and organized festivities. There, these figures always said: “We can strengthen your conviction that Christ walked the earth, for he passed by me, and because I treated him as I did, I must now wander through the world in this state.”

[ 17 ] Aus dem, was man in der Geschichte erfährt, hat man keine Vorstellung, wie tief vor ein paar Jahrhunderten in die menschlichen Gemüter hineinwirkte, was Ahasver erzählte. Es waren immer andere Persönlichkeiten, aber sie sahen, wie in einer Ahasver-Rückschau, Christus an sich vorübergehen, so daß ihnen geglaubt wurde. Von ihnen ging das Bewußtsein aus: Ja! Er hat gelebt, denn er kann von

[ 17 ] From what we learn in history, we have no mental image of how deeply Ahasver’s stories affected people’s minds a few centuries ago. They were always different individuals, but they saw Christ pass before them, as in an Ahasver retrospective, so that they were believed. From them came the conviction: Yes! He lived, for he can speak of

[ 18 ] ihm erzählen. — Die oberflächlichen Menschen heute können sagen: Soll das einen so großen Einfluß gehabt haben, daß dadurch die Ge fahr, daß Christus als historischer Christus ganz vergessen worden wäre, hintangehalten wurde? — Sie wissen nicht, daß solche Ereignisse durch die Welt gingen, die die Geschichte nicht aufgezeichnet hat. Daß wir heute nicht vollständig im Materialismus versumpft sind, ist Folge von dem, was da von diesen Persönlichkeiten ausging. Heute “könnte das nicht geschehen. An einigen Orten hatte Ahasver dicke Schwielen, eigentümliche Kleidung, lange Haare, vergilbte Haut, war groß und hager, an anderen Orten war er klein, hatte einen Buckel, war aber immer von dem Bewußtsein, von der Anschauung dessen durchdrungen, was die Seele erlebt zu haben glaubte im Moment, als Christus vor ihr vorüberging.

[ 18 ] tell him. — Superficial people today might say: Could this really have had such a great influence that it averted the danger of the historical Christ being completely forgotten? — They do not know that such events took place throughout the world that history has not recorded. The fact that we are not completely mired in materialism today is a consequence of what emanated from these personalities. Today, “that could not happen.” In some places Ahasver had thick calluses, peculiar clothing, long hair, yellowed skin; he was tall and gaunt; in other places he was small, had a hunchback, but was always imbued with the consciousness, the vision of what the soul believed it had experienced at the moment when Christ passed before it.

[ 19 ] In zahlreiche Persönlichkeiten wurde das Bewußtsein versenkt, diese Fähigkeit, in die Akasha-Chronik zurückzuschauen und sich so damit zu identifizieren, daß sie es wirklich glaubten. Heute würden alle diese Ahasvere ins Irrenhaus kommen, damals waren sie Werkzeuge zur Verstärkung des geistigen Lebens. Bischöfe und Äbte ließen sich durch sie stärken in der Kraft des Christus-Glaubens. Aus geistigen Welten herein wurde in psychisch veranlagte Naturen der Keim gesenkt, zurückschauen zu können zu dem Ereignis von Golgatha. Die Erzähler sahen sich dann durch die Eigentümlichkeit ihres Bewußtseins selbst in dem Bilde darinnen. Das war wahr, war das lebendige Hinschauen auf das Ereignis von Golgatha. Viel mehr als im Oberbewußtsein des Menschen, in dem sich die Urteilskraft geltend macht, spielte sich in unterbewußten Seelenregionen ab, was vom ChristusImpuls ausging. Der heutige materiell denkende Mensch hat leicht spotten über solche Dinge. Er wird das für eine psychische Epidemie halten, wird sagen: Was kann man geben auf das, was aus krankhaften Seelen kommt. — Man möchte diesen Materialisten fragen, was er sagen würde, wenn einer psychisch krank wird, so daß ihn die Psychiater ins Irrenhaus sperren, aber dort beginnen würde aus seiner Erleuchtung heraus den wirklich als Idee den Menschen vorschwebenden Luftmotor zu ersinnen? Den würden sie dann auch von einer solchen Seele hinnehmen und nicht fragen, ob das aus einer krankhaften Seele kommt. Das ist kein Kriterium, kein Einwand, ob eine Seele krankhaft ist. Es handelt sich darum, den Inhalt dessen, was aus der Seele kommt, zu prüfen. Es ist das schlimmste an unserem materiellen Geist, daß man an Nebenrücksichten, nicht an Wahrheitskraft appelliert.

[ 19 ] This ability—to look back into the Akashic Records and identify with them to the point of truly believing in them—was instilled in numerous individuals. Today, all these Ahasveruses would be sent to an asylum; back then, they were instruments for strengthening spiritual life. Bishops and abbots drew strength from them in the power of the Christian faith. From the spiritual worlds, the seed was planted in psychically gifted individuals, enabling them to look back upon the event at Golgotha. Through the peculiar nature of their consciousness, the narrators then saw themselves within that image. That was true; it was the living contemplation of the event of Golgotha. Much more than in the human’s higher consciousness, where the power of judgment asserts itself, what emanated from the Christ impulse took place in the subconscious regions of the soul. Today’s materialistically minded person easily scoffs at such things. They will regard this as a psychological epidemic and say: What credence can be given to what comes from diseased souls? — One might ask this materialist what he would say if someone became mentally ill to the point that psychiatrists locked him up in an asylum, but there, out of his enlightenment, he began to conceive of the air motor that truly exists as an idea in people’s minds? They would then accept that from such a soul as well and not ask whether it comes from a diseased soul. Whether a soul is diseased is neither a criterion nor an objection. The point is to examine the content of what comes from the soul. The worst thing about our materialistic mindset is that we appeal to secondary considerations rather than to the power of truth.

[ 20 ] Wenn wir so die Entwickelung der Menschheit überblicken, wird uns klarwerden, daß wir den Christus-Impuls aufzufassen haben als lebendige Kraft, die viel mehr in den Untergründen der Seelen wirkt und sich physischer Mittel bedient, mehr als dessen, was die Menschen verstehen. Wäre er darauf beschränkt geblieben, wäre es mit seinem Einfluß nicht weit gekommen. Aber in unserer Zeit beginnt die Sache anders zu werden, so zu werden, daß nach und nach in uns das wirken muß, was für die Griechen der Gedanke war, mit dem zugleich eigentlich das Bewußtsein vom Menschen-Ich geboren worden ist. Wie macht sich dieser Gedanke heute geltend? Man braucht das nicht mit Geisteswissenschaft zu belegen, sondern mit Philosophie. In den Jahrhunderten vor der Begründung des Christentums, mit Pherekydes beginnend bis Aristoteles, beginnt der Gedanke in der Weltenentwickelung. Es beginnt das Denken in Bildern erst im griechischen Leben. Das bereitet das eigentliche Ich-Bewußtsein vor. Dann kommt der Christus-Impuls. Er wirkt mit dem zusammen, was als Ich-Kraft herausgekommen ist. In unserer Zeit sehen wir es am Hegeltum, das ja wenig beachtet wird, aber eine bedeutsame Erscheinung der Menschheit ist, wie Fege] ringt mit dem Gedanken, der die ganze Welt erfassen will. Der Mensch entwickelt sich in der Welt, er krönt die Entwickelung dadurch, daß der Gedanke die Welt erfüllt. Er erkennt dadurch die Umwelt. Aber zweierlei kann der Gedanke: Sich richtig entwickeln, was sich mit der Entwickelung des Keimes zur Blüte vergleichen läßt, oder es kann der Keim dienen zur menschlichen Nahrung. Da wird er aus seiner fortlaufenden Strömung herausgerissen. Bleibt er bei der fortlaufenden Strömung, entwickelt sich eine neue Pflanze, es kommt voraussichtlich Leben für die Zukunft aus ihm. Ebenso ist es mit dem menschlichen Gedanken. Man sagt, wir machen uns durch ihn Bilder von der Umwelt. Aber die Verwendung zu solcher Erkenntnis ist, wie wenn wir Keime zur Nahrung verwenden. Wir treiben den Gedanken von seiner Strömung ab. Beharrt er aber in seiner Strömung, verwenden wir ihn nicht gleichsam zur Nahrung, dann lassen wir ihn sein eigenes Keimleben leben, lassen ihn aufgehen in Meditation und Inspiration, lassen ihn sich entwickeln zu neu befruchtendem Dasein. Das ist die gerade Strömung für den Gedanken. Das wird man in Zukunft erkennen, daß das, was man als Erkenntnis der Welt angesehen hat, sich verhält wie das Korn, das nicht fortschreitet zu neuem Korn, sondern herausgetrieben wird in eine ganz andere Strömung; aber das, was wir erkennen lernen durch die Erkenntnis der höheren Welt, ist der in Freiheit philosophisch ergriffene Gedanke, der in Meditation und Konzentration direkt in das geistige Leben hinein leitet.

[ 20 ] When we look at the development of humanity in this way, it becomes clear to us that we must understand the Christ impulse as a living force that works far more in the depths of the soul and makes use of physical means than people realize. Had it remained limited to that, its influence would not have gone very far. But in our time, things are beginning to change, so that little by little what was thought for the Greeks—and with which the consciousness of the human ego was actually born—must begin to work within us. How does this thought assert itself today? This need not be substantiated by Spiritual Science, but by philosophy. In the centuries before the founding of Christianity, beginning with Parmenides and extending to Aristotle, thought begins to emerge in the development of the world. Thinking in images begins only in Greek life. This prepares the way for true self-consciousness. Then comes the Christ impulse. It works in conjunction with what has emerged as the power of the self. In our time, we see this in Hegelianism, which is indeed little noticed but is a significant phenomenon of humanity, as Hegel wrestles with the thought that seeks to encompass the entire world. Humanity develops in the world; it crowns this development by filling the world with thought. Through this, it perceives the environment. But thought can do two things: it can develop properly—which can be compared to the development of a seed into a flower—or the seed can serve as human nourishment. In that case, it is torn from its continuous flow. If it remains in the continuous flow, a new plant develops; life for the future is likely to spring from it. It is the same with human thought. It is said that through it we form images of the environment. But using it for such knowledge is like using seeds for food. We divert the thought from its current. But if it persists in its current—if we do not, so to speak, use it for nourishment—then we allow it to live its own germ life, let it blossom into meditation and inspiration, let it develop into a new, life-giving existence. That is the true current for the thought. In the future, people will recognize that what has been regarded as knowledge of the world behaves like the grain that does not develop into new grain but is driven out into an entirely different current; but what we learn to recognize through knowledge of the higher world is the thought grasped philosophically in freedom, which leads directly into spiritual life through meditation and concentration.

[ 21 ] Wir stehen an dem Punkte, wo erkannt werden wird, daß sich die gewöhnliche Erkenntnis zur übersinnlichen Erkenntnis verhält, wie sich verhält ein Korn, welches verwendet wird zur Nahrung, zu einem solchen, das fortschreitet zu neuem Korn. Innerliche Erkenntnis der Gedanken ist das, was die Zukunft bringen muß. Philosophie in der alten Art ist überwunden, hat ausgespielt. Man wird wissen, daß solche Erkenntnis immer da sein muß, aber zu einem Nebenstrom der Entwickelung führen muß. Man wird wissen, daß der lebende Gedanke, der sich zur Meditation und Konzentration umgestaltet, in geistige Erkenntnis der menschlichen Natur und zur Erkenntnis der geistigen Welt führt.

[ 21 ] We have reached the point where it will be recognized that ordinary knowledge stands to supersensory knowledge as a grain used for food stands to one that grows into new grain. Inner knowledge of thoughts is what the future must bring. Philosophy in the old sense has been overcome; its time has passed. People will realize that such knowledge must always exist, but that it must lead to a secondary stream of development. They will realize that the living thought, which transforms itself into meditation and concentration, leads to spiritual knowledge of human nature and to knowledge of the spiritual world.

[ 22 ] Wenn wir mancherlei Erscheinungen in unserem Geistesleben betrachten, kann manches auffallen. Hier darf man ja wohl solches sagen, besprechen, was in der Außenwelt mißverstanden würde. Ein Mann wird heute als großer philosophischer Geist angesehen, der im Grunde genommen seine Weisheit darauf beschränkt, immer wieder davon zu sprechen: Der Mensch darf nicht bei der äußeren Erkenntnis stehenbleiben, er muß den Geist erfassen. — Man könnte sagen, er sagt immer wieder in anderer Version: Der Mensch kann nicht stehenbleiben bei der bloßen äußeren Erkenntnis, er muß das Geistige in sich selbst erfassen, muß es in sich erleben, es darf nicht bloß in Begriffen erfaßt werden, muß lebendig werden. Er sagt nicht, was der Geist ist, erkannt wird nichts. Das ist das Kennzeichen der Euckenschen Philosophie. Sie führt nicht zur wirklichen Geist-Erkenntnis. Wenn das Denken sich aus sich selbst gestaltet, wird es nicht zu einem unbestimmten Geist-Erleben, sondern es wird in sich gerundet, und es schwingt dem Denken entgegen, was wir als Ätherleib kennengelernt haben. Verwandelt das Denken sich in Meditation, so wird dieser Gedanke sich formen und aus dem menschlichen Ätherleib ist da — der geistige Mensch. Die Menschheit ist in ihrer Entwickelung auf dem Weg aus der Philosophie zu einem lebendigen Geist-Erkennen.

[ 22 ] When we consider various phenomena in our spiritual life, certain things may strike us. Here, one is certainly free to say and discuss things that would be misunderstood in the outer world. A man is regarded today as a great philosophical mind who, in essence, limits his wisdom to repeating over and over again: Human beings must not stop at external knowledge; they must grasp the spirit. — One could say that he is repeating, in different variations: Human beings cannot stop at mere external knowledge; they must grasp the spiritual within themselves, must experience it within themselves; it must not be grasped merely in concepts, but must become alive. He does not say what the spirit is; nothing is recognized. This is the hallmark of Eucken’s philosophy. It does not lead to true spiritual knowledge. When thinking takes shape out of itself, it does not become an indeterminate spiritual experience, but rather it becomes rounded within itself, and what we have come to know as the etheric body resonates with thinking. When thinking transforms into meditation, this thought will take shape, and from the human etheric body there emerges—the spiritual human being. Humanity, in its development, is on the path from philosophy to a living knowledge of the spirit.

[ 23 ] Wir sind auf dem geraden Weg. Die das einsehen, erkennen ihre Zeit, aber es läßt sich nicht eine wirkliche Einsicht in diese Dinge gewinnen, ohne daß man eine heilige Scheu entwickelt vor der Erkenntnis, die einen zurückhält, mit der Urteilskraft, die man hat, überallden Maßstab anzulegen. Man muß sich immer wieder vorbereiten wollen zu neuer Erkenntnis, denn so wie die Seele ist, taugt sie nur zur Nebenströmung der Erkenntnis. Nur wenn sie sich höherentwickelt, taugt sie dazu, wirklich in die geistige Welt einzutreten. Dann erst verstehen wir unsere Aufgabe innerhalb unserer Gemeinschaft richtig, wenn wir fühlen, bei aller Demut, wie wir dazu berufen sind, etwas zu wissen von dieser großen Umwertung aller Erkenntnisbegriffe, die in das spirituelle Leben hineinführen wollen. Wir wollen ganz bescheiden bleiben, können aber manchen, der heute als großer Geist gilt, einen seichten Schwätzer nennen, weil das nicht abfällige Kritik ist. Das, wo hinein wir uns finden müssen, ist: klares, starkes und energisches Urteil über das, wonach wir streben, zu verbinden mit Demut; zu erkennen, daß wir im Großen gemessen erst am Anfang stehen, aber unser Herz schwellen kann, freudig erglühen kann bei dem Gedanken, was aus dem werden soll, dem wir zusteuern wollen, unsere intimsten Seelenkräfte widmen wollen. Nicht nur an Ihre Vorstellungskraft möchte ich mich wenden, sondern an Ihre tiefsten Herzenskräfte, an das in Ihren Seelen, wo Ihr tiefstes Fühlen für den Pulsschlag der Zeit zu finden ist. Dann verstehen Sie, was damit gemeint ist, daß mit solcher Rede nur angedeutet sein soll, was uns sprechen heißen die führenden Mächte unserer Zeit, die geistigen Individualitäten, von denen wir wissen, daß sie durch unsere Zeitströmung gehen. Nicht dadurch allein kommen wir vorwärts, daß wir immer mehr Begriffe uns aneignen für das, was die Geisteswelt ist wir müssen sie uns aneignen —, aber dadurch kommen wir erst richtig vorwärts, daß wir mit jeder neuen Idee etwas verbinden, was aus dem tiefsten Grunde unserer Seele herauskommt, so daß dies Immer-mehr-Verstehen sich erweisen kann gegenüber den führenden Mächten der Zeit. Wir können sie fühlen, wie sie in die intimsten Gründe unserer Seele sprechen. Lange bevor wir dies Sprechen wie eine Warnung vernehmen, können wir fühlen, wie unsere Bewegung so getragen wird von diesen geistigen Führermächten, deren Verkünder wir sind im richtigen Sinne innerhalb unserer Bewegung. Dieses Bewußtsein soll sich ausgießen wie eine wahre Seelenströmung über das, was wir treiben.

[ 23 ] We are on the right path. Those who recognize this understand the times, but one cannot gain a true understanding of these matters without developing a sacred reverence for knowledge—a reverence that restrains one from applying one’s own judgment as the ultimate standard. One must always be willing to prepare oneself for new knowledge, for as the soul is, it is fit only for the secondary stream of knowledge. Only when it develops further is it fit to truly enter the spiritual world. Only then do we truly understand our task within our community, when we feel, with all humility, how we are called to know something of this great reevaluation of all concepts of knowledge that seek to lead into spiritual life. We wish to remain entirely modest, yet we may call some who are regarded today as great minds mere shallow chatterers, for this is not disparaging criticism. What we must find our way into is: combining clear, strong, and energetic judgment regarding what we strive for with humility; recognizing that, in the grand scheme of things, we are only at the beginning, but our hearts can swell, can glow with joy at the thought of what is to become of that toward which we wish to steer, to which we wish to dedicate our most intimate soul forces. I wish to appeal not only to your imagination, but to the deepest powers of your heart, to that part of your soul where your deepest feeling for the pulse of the times is to be found. Then you will understand what is meant by the fact that such speech is intended only to hint at what the leading forces of our time—the spiritual individualities of whom we know that they move through the currents of our age—call upon us to speak. We do not move forward merely by acquiring ever more concepts for what the spiritual world is—we must make it our own—but we truly move forward only by connecting each new idea with something that springs from the deepest depths of our soul, so that this ever-increasing understanding may prove itself before the leading powers of the age. We can feel them speaking into the innermost depths of our soul. Long before we hear this speaking as a warning, we can feel how our movement is thus carried by these spiritual guiding powers, whose heralds we are in the true sense within our movement. This consciousness should pour out like a true stream of the soul over what we are doing.