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Precursors to the Mystery of Golgotha
GA 152

27 May 1914, Paris

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Precursors to the Mystery of Golgotha, tr. SOL
  1. Vorstufen zum Mysterium von Golgatha

9. Der Fortschritt in der Erkenntnis des Christus das Fünfte Evangelium

9. Progress in the Knowledge of Christ: The Fifth Gospel

[ 1 ] In der heutigen Betrachtung möchte ich zuerst sprechen über dasjenige, was wir innerhalb der okkulten Forschung jetzt wissen können über die Christus-Wesenheit, um dann eine Auseinandersetzung daran zu knüpfen über die Fortschritte, die wir seit dem Mysterium von Golgatha in der Erkenntnis des Christus haben machen können.

[ 1 ] In today’s discussion, I would first like to speak about what we can now know within occult research regarding the Christ Being, and then follow that with a discussion of the progress we have made in our understanding of the Christ since the Mystery of Golgotha.

[ 2 ] Es ist innerhalb unserer Geistesbewegung wiederholt auf die große Bedeutung des Mysteriums von Golgatha für die ganze Erdenentwickelung hingewiesen worden. Indem innerhalb der okkulten Forschung diese Bedeutung des Mysteriums von Golgatha weiter verfolgt wurde, konnte man kommen zu drei Vorstufen des Mysteriums von Golgatha, die sich innerhalb der Erdenentwickelung und zusammenhängend damit zugetragen haben. Drei Vorstufen gehen dem Mysterium von Golgatha voran, bereiten es vor, aber sie spielen sich nicht ab auf dem physischen Plan, sondern sie spielen sich ab in den höheren Welten.

[ 2 ] Within our spiritual movement, the great significance of the Mystery of Golgotha for the entire development of the Earth has been repeatedly emphasized. By further exploring this significance of the Mystery of Golgotha within occult research, we were able to identify three preliminary stages of the Mystery of Golgotha that took place within Earth’s evolution and in connection with it. Three preliminary stages precede the Mystery of Golgotha, preparing the way for it, but they do not take place on the physical plane; rather, they unfold in the higher worlds.

[ 3 ] Das erste dieser Ereignisse fällt in die Zeit der lemurischen Entwickelung der Erde. Die zwei weiteren Ereignisse, das zweite und das dritte, fallen in die Zeit der atlantischen Entwickelung der Erde. Und das vierte ist das Mysterium von Golgatha, das sich in der nachatlantischen Zeit, im Beginne unserer Zeitrechnung, auf dem physischen Plan abspielte.

[ 3 ] The first of these events occurred during the Lemurian period of Earth's evolution. The other two events, the second and the third, occurred during the Atlantean period of Earth’s development. And the fourth is the Mystery of Golgotha, which took place on the physical plane during the post-Atlantean era, at the beginning of our calendar.

[ 4 ] In der lemurischen Zeit verbindet sich dasselbe Wesen, das wir kennen als das Christus-Wesen, mit einem anderen Wesen der höheren Welten, mit einem Wesen der höheren Welten, das nicht auf dem physischen Plane sich verkörperte, sondern der Welt der höheren Hierarchien angehörte. Und so, wie wir gegenüber dem Mysterium von Golgatha davon sprechen, daß der Christus eingezogen ist in den Leib des Jesus von Nazareth, so können wir für die alte lemurische Zeit davon sprechen, daß der Christus eingezogen ist in eine erzengelartige Wesenheit der höheren Welten. Man könnte davon sprechen, daß ein ähnliches Ereignis, ins Geistige übersetzt, sich abspielte während der lemurischen Entwickelung, wie sich später abspielte auf dem physischen Plan die Johannestaufe im Jordan. Wir treffen also in jener alten Zeit die Christus-Wesenheit in dem Seelenleib eines Erzengels. Und durch dieses Opfer der Christus-Wesenheit, des Eintretens in einen Leib, in einen Seelenleib eines Erzengels, wird eine ganz bestimmte Wirkung von den geistigen Welten hereingestrahlt in die Erdenentwickelung.

[ 4 ] During the Lemurian epoch, the same Being we know as the Christ Being united with another Being from the higher worlds—a Being who did not incarnate on the physical plane but belonged to the world of the higher hierarchies. And just as we speak, in relation to the Mystery of Golgotha, of Christ entering the body of Jesus of Nazareth, so we can speak, in relation to the ancient Lemurian era, of Christ entering an archangelic being of the higher worlds. One could say that a similar event, translated into the spiritual realm, took place during the Lemurian evolution, just as the baptism of John in the Jordan later took place on the physical plane. We thus encounter the Christ-being in that ancient time within the soul-body of an archangel. And through this sacrifice of the Christ-being—the entry into a body, into the soul-body of an archangel—a very specific effect is radiated from the spiritual worlds into the development of the Earth.

[ 5 ] Um die Bedeutung dieses Ereignisses kennenzulernen, müssen wir von einer Gefahr sprechen, welche der ganzen menschlichen Entwickelung in der lemurischen Zeit durch die luziferischen Kräfte bevorstand. Wenn diese Gefahr von der Menschheit nicht abgewendet worden wäre, so wäre all dasjenige, was wir sinnliche Wahrnehmungsfähigkeit des Menschen nennen, in Unordnung gekommen. Die Sinneskräfte hätten sich unter dem luziferischen Einfluß nicht so entwickeln können, wie sie sich entwickelt haben, sondern sie wären viel sensibler, viel erregungsfähiger geworden gegenüber der Außenwelt. Zum Beispiel hätten wir dann so dutch die Welt gehen müssen: Wenn wir eine blaue Farbe gesehen hätten, so würde diese an unserem Auge wie gesogen haben und wir würden etwas wie eine aussaugende Kraft empfunden haben, und wenn wir eine rote Farbe gesehen hätten, würden wir etwas empfunden haben wie ein Stechen in den Augen. Wir müssen uns nur vorstellen, was wir Menschen geworden wären, wenn wir auf Schritt und Tritt im Leben durch die Sinneswahrnehmungen in lauter erregenden Eindrücken hin und her geworfen worden wären. Diese Gefahr wurde dadurch abgewendet, daß sich der Christus, ich muß jetzt sagen, nicht verkörperte, sondern verseelte in einer Erzengelwesenheit, und die Kräfte, die dadurch von den geistigen Welten ausstrahlen konnten, ergossen sich in die Menschheitsentwickelung, und die Sinneskräfte wurden harmonisiert, so daß die eben besprochene Gefahr von den Menschen abgewendet wurde und sie das nötige Gleichmaß bekamen. Wir können also heute, wenn wir daran denken, in welcher Mäßigkeit unsere Sinneswahrnehmungen verlaufen, zurückblicken in die alte lemurische Zeit und sagen: Damals war es, dal3 der Christus sich opferte, sich verseelte in einer Erzengelwesenheit und von uns nahm die Gefahr der Hypersensitivität unseres Sinnensystems.

[ 5 ] To understand the significance of this event, we must speak of a danger that threatened the entire course of human development during the Lemurian epoch due to the Luciferic forces. If humanity had not averted this danger, everything we call the human capacity for sensory perception would have been thrown into disarray. Under the influence of Lucifer, the sensory faculties would not have been able to develop as they did; instead, they would have become much more sensitive and much more easily aroused by the external world. For example, we would then have had to go through the world like this: If we had seen a blue color, it would have seemed to suck at our eyes, and we would have felt something like a draining force; and if we had seen a red color, we would have felt something like a stinging in the eyes. We need only create a mental image of what we humans would have become if, at every turn in life, we had been tossed back and forth by our sensory perceptions in a constant stream of stimulating impressions. This danger was averted by the fact that Christ—I must now say—did not incarnate, but rather infused a Archangelic being with his spirit, and the forces that were thereby able to radiate from the spiritual worlds poured into human evolution, and the sensory powers were harmonized, so that the danger just discussed was averted from humanity and they attained the necessary balance. So today, when we consider the moderation with which our sensory perceptions function, we can look back to the ancient Lemurian era and say: It was then that Christ sacrificed himself, became the soul of an archangelic being, and took from us the danger of hypersensitivity in our sensory system.

[ 6 ] Die zweite Gefahr drohte der menschlichen Entwickelung, und zwar jetzt durch Ahriman und Luzifer zusammen, in der ersten Zeit der atlantischen Entwickelung. In dieser Zeit drohte eine abnorme Entwickelung den Lebenskräften. Die Lebenskräfte sollten sich so entwickeln, daß zum Beispiel, wenn der Mensch Hunger empfunden und Nahrung vor sich gehabt hätte, er mit tierischer Gier sich über die Nahrung gestürzt haben würde. Und auf der anderen Seite zum Beispiel, wenn er irgendeine Nahrung vor sich gehabt hätte, die ihm nicht zuträglich gewesen wäre, würde er furchtbaren Ekel empfunden haben und vor der Nahrung geflohen sein. Die Hyperempfindlichkeit der Lebenskräfte drohte dem Menschen in jener Zeit. Der Christus verseelte sich neuerdings in einer erzengelartigen Wesenheit der höheren Hierarchien, und durch dieses Opfer des Christus wurde die Gefahr, die eben geschildert worden ist, von der Menschheit abgewendet, und die Lebenskräfte wurden so harmonisiert, daß wir sie jetzt in der Mäßigkeit und im Gleichmaß gebrauchen können.

[ 6 ] The second danger to human evolution—this time posed jointly by Ahriman and Lucifer—arose during the early period of Atlantean development. During this time, an abnormal development threatened the life forces. The life forces were to develop in such a way that, for example, if a human felt hunger and had food before them, they would have pounced on the food with animalistic greed. And on the other hand, for example, if they had had any food before them that was not beneficial to them, they would have felt terrible revulsion and fled from the food. The hypersensitivity of the life forces threatened humanity at that time. Christ once again incarnated in an archangelic being of the higher hierarchies, and through this sacrifice of Christ, the danger just described was averted from humanity, and the life forces were harmonized in such a way that we can now use them with moderation and balance.

[ 7 ] Die dritte Gefahr drohte der menschlichen Entwickelung gegen das Ende der atlantischen Zeit. In Unordnung sollten kommen durch den Einfluß Luzifers und Ahrimans die drei Seelenkräfte, Denken, Fühlen und Wollen, so daß sie ungeordnet, daß sie durcheinander, chaotisch gewirkt haben würden, wenn diese Gefahr nicht abgewendet worden wäre.

[ 7 ] The third danger threatened human development toward the end of the Atlantean epoch. Under the influence of Lucifer and Ahriman, the three soul forces—thinking, feeling, and willing—were to be thrown into disorder, so that they would have acted in a disorderly, confused, and chaotic manner had this danger not been averted.

[ 8 ] Wenn wir verstehen wollen, wie es mit dieser Sache eigentlich sich verhält, so müssen wir uns klar sein darüber, daß die Erde nicht nur das ist, was die Geologen meinen, ein mineralischer Körper, sondern daß die Erde ein ganzer Organismus ist. Was aus dem Grund der Erde aufsteigt, sich als neblige Dünste aus dem Grund der Erde heraus erhebt, ist nicht nur physikalischer Dunst, sondern auch die Verkörperung von Leidenschaften, die sich vereinigen können mit den Leidenschaften und Trieben der Menschen und die durchsetzt sind von luziferischen und ahrimanischen Kräften. Die würden in der angegebenen Zeit in der menschlichen Seele das Chaotische von Denken, Fühlen und Wollen bewirkt haben. Und würde diese Gefahr nicht abgewendet worden sein, so hätte das ganze Menschengeschlecht durch das Chaotische von Denken, Fühlen und Wollen in eine Art Delirium kommen müssen. Das Menschengeschlecht würde sich zu einem Wahnsinn hinentwickelt haben, der der normale Zustand der Erde geworden wäre. Da verseelte sich zum dritten Mal die Christus-Wesenheit in einem erzengelartigen Wesen und wendete diese Gefahr ab durch die Strahlungen, die durch dieses eben charakterisierte Opfer wiederum auf die Menschheitsentwickelung ausgeübt werden konnte. Die Wirkung dieser dritten Verseelung der Christus-Wesenheit ist die Harmonisierung von Denken, Fühlen und Wollen in der menschlichen Seelennatur.

[ 8 ] If we want to understand what this matter is really all about, we must be clear that the Earth is not merely what geologists mean by a mineral body, but that the Earth is an entire organism. What rises from the depths of the Earth, what rises as misty vapors from the depths of the Earth, is not merely physical vapor, but also the embodiment of passions that can unite with the passions and drives of human beings and are permeated by Luciferic and Ahrimanic forces. At the specified time, these would have caused chaos in human thinking, feeling, and willing. And had this danger not been averted, the entire human race would have fallen into a kind of delirium due to the chaos in thinking, feeling, and willing. The human race would have developed into a state of madness that would have become the normal condition of the Earth. Then, for the third time, the Christ Being incarnated in an archangelic being and averted this danger through the rays that could once again be directed toward human development through the sacrifice just described. The effect of this third incarnation of the Christ Being is the harmonization of thinking, feeling, and willing in the nature of the human soul.

[ 9 ] Die Griechen, die in ihrer Mythologie etwas wie Nachbilder der Vorgänge während der atlantischen Zeit empfunden haben, sie haben in ihrer Mythologie auch diese eben erwähnte übersinnliche Tatsache ausgedrückt. Und das Bild, das Nachbild, unter dem sich die Griechen die dritte Verseelung des Christus in einem erzengelartigen Wesen vorgestellt haben, ist Apollo, der Sonnengott. Apollo als Beschützer der Aussprüche der Pythia erscheint als diejenige Wesenheit, welche harmonisiert den Drachen, der aus der Erde in Form von Dämpfen heraufsteigt. Würde ohne die Harmonisierung des Apollo dieser Dunst in die Leidenschaft der Pythia fließen, so würde Denken, Fühlen und Wollen als Wahnsinn zum Ausdruck kommen. Durch die Imprägnierung mit den Kräften des Apollo wird das, was die Pythia zu sagen hat, zuweilen zu den weisesten Ratschlägen, die den Griechen gegeben wurden.

[ 9 ] The Greeks, who perceived in their mythology something like afterimages of the events that took place during the Atlantean era, also expressed this very supernatural fact in their mythology. And the image, the afterimage, through which the Greeks formed a mental image of the third incarnation of Christ in an archangel-like being, is Apollo, the sun god. Apollo, as the protector of the Pythia’s utterances, appears as the being who harmonizes the dragon rising from the earth in the form of vapors. If, without Apollo’s harmonizing influence, this vapor were to flow into the Pythia’s passion, then thinking, feeling, and willing would manifest as madness. Through the infusion of Apollo’s powers, what the Pythia has to say sometimes becomes the wisest counsel ever given to the Greeks.

[ 10 ] Würde man einen Eingeweihten der alten Mysterien auf seine wahre Meinung hin haben fragen können, wer Apollo ist, so würde er ganz gewiß die Antwort gegeben haben: Er ist der Vorläufer des Christus Jesus, der nur noch nicht heruntergestiegen ist bis zum physischen Plan.

[ 10 ] If one could have asked an initiate of the ancient mysteries for his true opinion on who Apollo is, he would certainly have answered: He is the forerunner of Christ Jesus, who has simply not yet descended to the physical plane.

[ 11 ] Die Menschheit hat sich eine wunderbare Imagination dieses dritten Christus-Ereignisses erhalten in dem Bilde: Sankt Georg besiegt den Drachen, oder der Erzengel Michael besiegt den Drachen. Es ist wunderbar, aufmerksam darauf sein zu können, wie in der Tat diese Imagination: Sankt Georg besiegt den Drachen, ein Nachklang ist des dritten übersinnlichen Christus-Ereignisses.

[ 11 ] Humanity has preserved a wonderful image of this third Christ event in the depiction of Saint George slaying the dragon, or the Archangel Michael slaying the dragon. It is wonderful to be able to observe how this image—St. George defeating the dragon—is in fact an echo of the third supersensible Christ event.

[ 12 ] Und das vierte Ereignis kam in der nachatlantischen Zeit, wo die Menschheit wiederum der Gefahr ausgesetzt war, im Laufe der Entwickelung in Unordnung zu kommen mit den Seelenkräften. Jetzt sollte direkt in Unordnung kommen das menschliche Ich selbst.

[ 12 ] And the fourth event occurred in the post-Atlantean era, when humanity was once again in danger of becoming disordered in its spiritual development. Now it was the human ego itself that was to become directly disordered.

[ 13 ] Die erste Gefahr bestand darin, daß die Sinneskräfte in Unordnung gekommen wären. Die zweite Gefahr darin, daß die Lebenskräfte in Unordnung gekommen wären. Die dritte Gefahr darin, daß die Seelenkräfte, Denken, Fühlen und Wollen in Unordnung gekommen wären. Die vierte Gefahr darin, daß die Kräfte des Ich in Unordnung gekommen wären.

[ 13 ] The first danger was that the sensory faculties would have become disordered. The second danger was that the life forces would have become disordered. The third danger was that the soul faculties—thinking, feeling, and willing—would have become disordered. The fourth danger was that the forces of the ego would have become disordered.

[ 14 ] Dieselbe Wesenheit, die Christus-Wesenheit, die sich vorher dreimal verseelt hatte, verkörperte sich jetzt im Mysterium von Golgatha in Jesus von Nazareth, um diese vierte Gefahr durch ihre Ausstrahlung in die Erdenaura von der Menschheit abzuwenden.

[ 14 ] The same Being—the Christ Being—who had previously incarnated three times, now incarnated in Jesus of Nazareth during the Mystery of Golgotha in order to avert this fourth danger from humanity through its radiation into the Earth’s aura.

[ 15 ] Man kann wirklich in der Menschheitsentwickelung innerhalb der Jahrhunderte, die dem Mysterium von Golgatha vorangegangen sind, und denjenigen Jahrhunderten, die ihm folgten, ersehen, wie die Gefahr vorhanden war, die das Ich und seine Kraft in Unordnung bringen sollten. Wir sehen, wie beim Aufblühen der Ich-Kraft, die wir beobachten können in der griechischen Philosophie bei Sokrates, Plato, Aristoteles — schon von Thales, Heraklit angefangen —, wir sehen, wie neben dem Aufblühen der Ich-Kraft durch die griechische Philosophie etwas anderes einhergeht; als die Kräfte des menschlichen Gedankens in Thales, Heraklit, in Sokrates, Plato, Aristoteles aufblühen, sehen wir ungefähr von demselben Zeitpunkte an sich über den ganzen damals kultivierten Teil der Erde verbreitend, da und dort sich zeigend, die Kräfte der sogenannten Sibyllen. Diese Sibyllen, die als Parallelerscheinung neben der Entstehung der Philosophie einhergehen, sie stellen dar, wie hereindringen soll das Chaos in die Ich-Kräfte. Wir sehen, wie auf der einen Seite aus dem, was solche Sibyllen verkünden, hervorgehen kann Wahres, Gut-Prophetisches, auf der anderen Seite Mißverständnisse, trügerische, ungeordnete Ich-Kräfte, die aus den Sibyllen sprechen. Wie das Chaotisch-Irdische aus den Sibyllen spricht, das hat in wunderbarer Weise später aus der Tradition heraus Michelangelo dargestellt in der Sixtinischen Kapelle. Bis in die Darstellung der Gebärde hinein ist es zu sehen, wie durch die einzelnen Sibyllen das Ungeordnete der Ich-Kräfte wirkte, die auf die mannigfaltigste Weise zum Ausdruck kommen.

[ 15 ] One can truly see, in the course of human development over the centuries that preceded the Mystery of Golgotha and those that followed it, how the danger existed that would throw the ego and its power into disarray. We see how, with the blossoming of the ego force—which we can observe in Greek philosophy in Socrates, Plato, and Aristotle, beginning as early as Thales and Heraclitus— we see how, alongside the blossoming of the ego-force through Greek philosophy, something else goes hand in hand; as the forces of human thought blossom in Thales, Heraclitus, in Socrates, Plato, and Aristotle, we see, spreading across the entire part of the Earth that was cultivated at that time, appearing here and there, the forces of the so-called Sibyls. These Sibyls, who appear as a parallel phenomenon alongside the emergence of philosophy, represent how chaos is to penetrate the ego forces. We see how, on the one hand, what such Sibyls proclaim can give rise to truth and good prophecy, while on the other hand, misunderstandings and deceptive, disordered ego-forces speak through the Sibyls. How the chaotic-earthly speaks through the Sibyls was later depicted in a marvelous way by Michelangelo in the Sistine Chapel, drawing from tradition. Even in the depiction of their gestures, one can see how the disorder of the ego forces worked through the individual Sibyls, finding expression in the most manifold ways.

[ 16 ] Und Michelangelo hat als polarische Erscheinung neben die Sibyllenkräfte hingestellt diejenigen, welche versucht haben das Ich zu suchen, das Ich aufzufinden in der menschlichen Natur und es fruchtbar zu machen für die geschichtliche Entwickelung der Menschheit: es sind die Propheten. Was uns bei Michelangelo in den Sibyllen und Propheten erscheint, es stellt die beiden Pole dar: Auf der einen Seite die Tendenz des Ich, in Unordnung zu kommen, auf der anderen Seite das Suchen des jüdischen Prophetentums, die Ich-Kräfte in Ordnung zu bringen. Es gärte in der menschlichen Natur um das eigentliche Bewußtwerden des Ich, das dazumal eintreten sollte, und wäre die Gefahr nicht abgewiesen worden, so würden heute in unserem Ich chaotisch durcheinandergehen dunkle prophetische Kräfte und dunkle Sibyllenkräfte. Eine wirkliche Klarheit des Ich hätte es nicht geben können in der Entwickelung der folgenden Jahrhunderte. Da fiel die Inkarnation des Christus in dem Jesus von Nazareth in diese Gärung hinein und bewirkte zum vierten Male die Harmonisierung der menschlichen Natur. Geschehen konnte dies nur dadurch, daß die Christus-Wesenheit sich verkörperte in einer menschlichen Wesenheit, welche im höchsten Sinne alle damals an den Menschen herantretenden Fähigkeiten in sich zur Entwickelung gebracht hatte.

[ 16 ] And Michelangelo placed, as a polar counterpart to the forces of the Sibyls, those who sought the ego, who sought to discover the ego within human nature and to make it fruitful for the historical development of humanity: these are the prophets. What appears to us in Michelangelo’s Sibyls and prophets represents the two poles: on the one hand, the tendency of the ego to fall into disorder; on the other, the quest of Jewish prophecy to bring the ego forces into order. There was a ferment in human nature surrounding the actual awakening of the ego that was to take place at that time, and had the danger not been averted, dark prophetic forces and dark Sibylline forces would today be in chaotic disarray within our ego. There could have been no true clarity of the ego in the development of the following centuries. Then the incarnation of the Christ in Jesus of Nazareth fell into this ferment and brought about, for the fourth time, the harmonization of human nature. This could only happen because the Christ-being incarnated in a human being who, in the highest sense, had developed within himself all the capacities then available to humanity.

[ 17 ] Ebenso wie uns die heutige okkulte Forschung möglich macht, Licht zu werfen auf die vier Etappen des Mysteriums von Golgatha, ebenso setzt sie uns in den Stand, Licht zu verbreiten über die Wesenheit des Jesus von Nazareth, in der sich die Christus-Wesenheit durch das Mysterium von Golgatha, die letzte Etappe, verkörpert hat. Ich konnte bei früheren Gelegenheiten darauf aufmerksam machen, daß geboren wurden im Beginn unserer Zeitrechnung zwei Jesusknaben. Ich konnte darauf hinweisen, daß im zwölften Jahr des einen Jesusknaben, der aus der nathanischen Linie des Hauses David abstammte, hereinzog die Seele des anderen Jesusknaben, der aus der salomonischen Linie stammte, so daß aus den zwei Jesusknaben ein Wesen wurde. Fragen wir uns, wer nun dieser zwölfjährige Jesus von Nazareth war, so antwortet uns heute die okkulte Forschung: Es ist die Seele des Zarathustra in einer ganz besonderen Menschenwesenheit, die eben abstammte aus der nathanischen Linie des Hauses David. — Und wenn wir nun den geistigen Blick hinwenden auf das Wesen des Zarathustra in dem nathanischen Jesus, so stellt sich uns dar, wie sich dieser Jesus von Nazareth nun weiter bis zu seinem dreißigsten Jahr entwickelt hat.

[ 17 ] Just as modern occult research enables us to shed light on the four stages of the Mystery of Golgotha, so too does it enable us to shed light on the being of Jesus of Nazareth, in whom the Christ-being was incarnated through the Mystery of Golgotha, the final stage. On previous occasions, I have been able to point out that two Jesus children were born at the beginning of our era. I have been able to indicate that in the twelfth year of one Jesus child, who descended from the Nathanic line of the House of David, the soul of the other Jesus child, who descended from the Solomonic line, entered him, so that the two Jesus children became one being. If we ask ourselves who this twelve-year-old Jesus of Nazareth was, occult research answers us today: It is the soul of Zarathustra in a very special human being who descended from the Nathanic line of the House of David. — And when we now turn our spiritual gaze to the being of Zarathustra in the Nathanic Jesus, we see how this Jesus of Nazareth continued to develop until his thirtieth year.

[ 18 ] Wir können drei Epochen in der Entwickelung dieses Jesus von Nazareth unterscheiden. Die erste vom zwölften bis zum achtzehnten Lebensjahr. Die zweite vom achtzehnten bis zum vierundzwanzigsten Lebensjahr. Die dritte etwa vom vierundzwanzigsten bis zum dreißigsten Lebensjahr. Es lebte der junge Jesus von Nazareth in dem Hause, dem vorstand sein wirklicher Vater und die Mutter des salomonischen Jesusknaben. Die beiden anderen waren mittlerweile gestorben. Der junge Jesus von Nazareth wurde äußerlich eingeführt in das Handwerk des Vaters, eine Art Schreiner- oder Zimmermannshandwerk. Dabei aber entwickelte er sich merkwürdigerweise mit unendlicher Vollkommenheit des geistigen Lebens in seiner Seele. Festhalten müssen wir, daß im Grunde genommen die tief bedeutungsvolle Entwickelung des jungen Jesus von Nazareth niemand aus seiner Familienumgebung verstand. Er war mit ihr einsam schon als Knabe von zwölf bis achtzehn Jahren; ganz einsam mit ihr. Merkwürdig war diese innere Entwickelung, die sich in der Einsamkeit der Seele vollzog, dadurch daß wie aus dem tiefen Seelengrund heraufholen konnte Jesus von Nazareth all dasjenige, was an großen Offenbarungen dem jüdischen Volk im Laufe der Zeit geworden war. Das israelitische Volk hatte ja in der Zeit, in der Jesus von Nazareth lebte, kaum noch etwas anderes als schriftliche Überlieferungen desjenigen, was einstmals die uralten Propheten in unmittelbaren Offenbarungen erhalten hatten aus den geistigen Welten herunter. Man wußte aus den Schriften, was die Alten geoffenbart erhalten hatten, aber man hatte keine Möglichkeit mehr, hinaufzureichen zu dieser Offenbarung selbst, die einstmals den uralten Propheten zugekommen war durch jene Stimme, die man die große Bath-Kol nannte. Wie in rückläufiger Entwickelung machte Jesus von Nazareth in sich selbst alles dasjenige wieder durch, was das jüdische Volk durchgemacht hatte, und er arbeitete sich hinauf bis zu dem Punkte, daß seine Seele verspürte: Die große Bath-Kol spricht wieder zu mir. Unmittelbar aus der geistigen Welt vernehme ich die Stimme, die einmal die Propheten empfangen haben. Und wie es bei solch innerer Entwickelung geht, so war es auch bei Jesus von Nazareth: diese innere Entwickelung war verbunden mit dem tiefsten seelischen Schmerz und Leid. Die höchsten Erkenntnisse erwirbt man sich nicht ohne Schmerz und Leid. Namentlich war es eines, das sich wie ein furchtbarer Schmerz ablagerte in der Seele des etwa siebzehnbis achtzehnjährigen Jesus von Nazareth, als er sich sagte: Einmal hat gesprochen die große Bath-Kol die wunderbarsten Offenbarungen zu dem jüdischen Volk. Heute ist das jüdische Volk da, aber wenn die große Bath-Kol heute zu ihm sprechen würde, es wäre niemand da, sie zu hören. Die Schriften verstehen sie, die lebendige Schrift aber verstehen sie nicht mehr. — Einsam war er in sich; eine ungeheure Traurigkeit kam über seine Seele, über dasjenige, was aus seinem Volk geworden war in der herabgehenden Entwickelung der Menschheit. Dann kam die Zeit, wo hinausgeschickt werden sollte in die Welt Jesus von Nazareth. Er wanderte, indem er sein Handwerk da und dort betrieb, in den verschiedensten Gegenden umher, sowohl in Palästina als auch außerhalb Palästinas, in heidnischen Gegenden. Merkwürdig waren diese Wanderungen namentlich in ihrem Eindruck auf die Menschen, zu denen Jesus von Nazareth kam. Das, was der Schmerz in seiner Seele verrichtet hatte, das hatte sich umgewandelt in etwas wie Liebe, die man unmittelbar in seiner Gegenwart von ihm ausströmen fühlte. Wenn er so am Abend, nachdem er die Arbeit verrichtet hatte, bei den Menschen war, die er besuchte, mit ihnen zusammensaß, so fühlten sie, wie eine Atmosphäre von Liebe mit seinen Worten, aber auch durch seine bloße Anwesenheit, auf sie überging. Das Liebedurchtränkte, was er mit ihnen sprechen konnte, das machte den tiefsten Eindruck auf die Leute, und wenn er weggegangen war, anderswo zu arbeiten, so blieb bei den Leuten, die er verlassen hatte, etwas wie die allerlebendigste Erinnerung an ihn zurück. Oftmals kam es vor, daß Jesus von Nazareth schon drei oder vier Wochen weg war, da hatten die Leute, die er vor drei bis vier Wochen verlassen hatte, die gemeinsame Vision, daß er wiederum zu ihnen hereinträte und mit ihnen sprach — die Vision sprach mit ihnen. So tief war der Eindruck, daß er im Grunde genommen bei ihnen geblieben war, dieser Jesus von Nazareth. So drückte sich das, was Jesus von Nazareth war, in Hundert und Aberhundert von Seelen ein, da er herumwanderte in seinem achtzehnten bis vierundzwanzigsten Jahr.

[ 18 ] We can distinguish three periods in the development of this Jesus of Nazareth. The first from the age of twelve to eighteen. The second from the age of eighteen to twenty-four. The third from about the age of twenty-four to thirty. The young Jesus of Nazareth lived in the household headed by his biological father and the mother of the Solomonic Jesus-child. The other two had died in the meantime. The young Jesus of Nazareth was outwardly introduced to his father’s trade, a kind of carpentry or joinery. Yet, strangely enough, he developed with infinite perfection of spiritual life within his soul. We must note that, fundamentally speaking, no one in his family circle understood the profoundly significant development of the young Jesus of Nazareth. He was already alone with it as a boy from the age of twelve to eighteen; completely alone with it. This inner development, which took place in the solitude of the soul, was remarkable in that Jesus of Nazareth was able to draw up from the depths of his soul all that had come to the Jewish people in the course of time in the form of great revelations. After all, during the time Jesus of Nazareth lived, the Israelite people had scarcely anything left but written traditions of what the ancient prophets had once received in direct revelations from the spiritual worlds. People knew from the Scriptures what the ancients had received as revelation, but they no longer had any way of reaching up to that revelation itself, which had once come to the ancient prophets through that voice known as the Great Bath-Kol. As if in a process of regressive development, Jesus of Nazareth relived within himself all that the Jewish people had gone through, and he worked his way upward to the point where his soul sensed: The Great Bath-Kol is speaking to me again. Directly from the spiritual world I hear the voice that the prophets once received. And as is the case with such inner development, so it was with Jesus of Nazareth: this inner development was accompanied by the deepest spiritual pain and suffering. The highest insights are not attained without pain and suffering. In particular, there was one thing that settled like a terrible pain in the soul of the seventeen- or eighteen-year-old Jesus of Nazareth when he said to himself: Once the great Bath-Kol spoke the most wondrous revelations to the Jewish people. Today the Jewish people are here, but if the great Bath-Kol were to speak to them today, there would be no one there to hear it. They understand the Scriptures, but they no longer understand the living Word. — He was lonely within himself; an immense sadness came over his soul, over what had become of his people in the downward course of human development. Then came the time when Jesus of Nazareth was to be sent out into the world. He wandered about, practicing his craft here and there, in the most diverse regions, both in Palestine and outside Palestine, in pagan lands. These wanderings were remarkable, especially in the impression they made on the people to whom Jesus of Nazareth came. What the pain had wrought in his soul had been transformed into something like love, which one could feel radiating from him immediately in his presence. When, in the evening after he had finished his work, he was with the people he visited, sitting together with them, they felt how an atmosphere of love passed over to them through his words, but also through his mere presence. The love-filled words he could speak to them made the deepest impression on the people, and when he had gone away to work elsewhere, something like the most vivid memory of him remained with the people he had left behind. It often happened that Jesus of Nazareth had already been gone for three or four weeks, yet the people he had left three or four weeks earlier shared a common vision that he was entering their midst again and speaking to them—the vision spoke to them. So deep was the impression that, in essence, he had remained with them, this Jesus of Nazareth. Thus did the essence of who Jesus of Nazareth was imprint itself upon hundreds and hundreds of souls as he wandered about during his eighteenth to twenty-fourth years.

[ 19 ] Bei diesen Wanderungen kam Jesus von Nazareth auch in heidnische Gegenden. Er traf eines Tages einen heidnischen Ort, in dem die Bevölkerung verwahrlost war. Der Ort war verlassen von seinen Priestern. An diesem Ort war eine Opferstätte, aber sie war verödet. Die Priester waren weggeflohen, weil eine böse Krankheit unter den Leuten des Ortes ausgebrochen war. Solche Opferorte und die Kultusverrichtungen an diesen Opferstätten leiteten sich her aus den Mysterien. Was in den Mysterien sich geoflenbart hatte, das ging über in die zeremoniellen Handlungen an diesen Opferstätten. Um eine solche Sache zu verstehen, muß man ein wenig auf die Bedeutung der zeremoniellen Opferung aufmerksam sein. Durch die Art, wie die Opferhandlungen vorgenommen werden, und dutch die Gebete, die diese Opferhandlungen durchdringen, fließen tatsächlich spirituelle Kräfte sozusagen auf die Altäre herab. Aber Jesus von Nazareth fand, als er zur Kultstätte des erwähnten Ortes kam, nicht mehr die guten Kräfte, die einstmals bei den alten Opfern heruntergeflossen waren auf die Altäre. Er fand die Kultstätten, die von ihren Priestern verlassen waren, bevölkert von Dämonengewalten, die um den Altar herum waren. Selbst die verwahrlosten, siechen, herabgekommenen Menschen dieses heidnischen Ortes hatten einen tiefen Eindruck, als sie herankommen merkten Jesus von Nazareth, den sie ja nicht kannten, der aber eine Atmosphäre der Liebe ausströmte. Sie glaubten zuerst, einer ihrer alten Priester, der sie verlassen hatte, käme wieder und wolle ihnen ihre heidnischen Opfer darbringen. Jesus von Nazareth wollte selbstverständlich nicht das heidnische Opfer darbringen, aber er trat unter die Leute. Da wurde er erfaßt von der Kraft der Dämonen, die um den Altar waren, und er fiel wie tot hin. Als die Leute das sahen, flohen sie, und im Betäubtwerden sah Jesus von Nazareth noch, wie die Leute von den Dämonengewalten verfolgt wurden. Dann verlor er das gewöhnliche Bewußtsein und wurde entrückt in geistige Welten. Und wahrnehmen konnte er jetzt, was den alten Mysterienpriestern in Reinheit und Wahrheit einmal geoflenbart war, wahrnehmen konnte er die alten heidnischen Offenbarungen, wie er in der Stimme der großen Bath-Kol die jüdischen Offenbarungen wahrgenommen hatte. Und hören konnte er jetzt die uralt heidnische Offenbarung, die etwa in der folgenden Weise in der heutigen Sprache wiederholt werden kann:

[ 19 ] During these travels, Jesus of Nazareth also came to pagan regions. One day he came upon a pagan town where the people were in a state of neglect. The town had been abandoned by its priests. There was a place of sacrifice there, but it lay desolate. The priests had fled because a terrible disease had broken out among the people of the town. Such places of sacrifice and the rituals performed at them were derived from the Mysteries. What had been revealed in the Mysteries was carried over into the ceremonial acts at these places of sacrifice. To understand such a thing, one must pay a little attention to the significance of ceremonial sacrifice. Through the manner in which the sacrificial acts are performed, and through the prayers that permeate these acts, spiritual forces do indeed flow down, so to speak, onto the altars. But when Jesus of Nazareth came to the place of worship in the aforementioned location, he no longer found the good forces that had once flowed down upon the altars during the ancient sacrifices. He found the places of worship, abandoned by their priests, populated by demonic forces that were gathered around the altar. Even the neglected, ailing, and downtrodden people of this pagan place were deeply moved when they noticed Jesus of Nazareth approaching—a man they did not know, yet who radiated an atmosphere of love. At first, they believed that one of their old priests, who had abandoned them, had returned and intended to offer their pagan sacrifices. Jesus of Nazareth, of course, did not intend to offer the pagan sacrifice, but he stepped among the people. Then he was seized by the power of the demons that were around the altar, and he fell down as if dead. When the people saw this, they fled, and as he was being overcome, Jesus of Nazareth still saw how the people were being pursued by the demonic forces. Then he lost his ordinary consciousness and was carried away into spiritual worlds. And now he could perceive what had once been revealed to the ancient mystery priests in purity and truth; he could perceive the ancient pagan revelations, just as he had perceived the Jewish revelations in the voice of the great Bath-Kol. And now he could hear the ancient pagan revelation, which can be rendered in today’s language roughly as follows:

Amen
Es walten die Übel
Zeugen sich lösender Ichheit
Von andern erschuldete Selbstheitschuld
Erlebet im täglichen Brote
In dem nicht waltet der Himmel Wille
Indem der Mensch sich schied von Eurem Reiche
Und vergaß Euren Namen
Ihr Väter in den Himmeln.

Amen
Evil reigns
Witnessing the dissolution of the self
Guilt of selfhood blamed on others
Experienced in our daily bread
In which the will of Heaven does not reign
As man separated himself from Your Kingdom
And forgot Your name
You Fathers in Heaven.

[ 20 ] Und es wußte Jesus von Nazareth in seinem veränderten Bewußtseinszustand, daß diese Offenbarung durchgegangen war durch die uralt heiligen Lehren der Mysterien. Er erwachte und hatte zurückbehalten die Erinnerung an dasjenige, was einmal die uralt heiligen Lehren der heidnischen Religionen war. Dasjenige, was er in dieser Offenbarung empfangen hatte, er wendete es für den weiteren Fortschritt der Menschheit dann um und es wurde das « Vaterunser » daraus.

[ 20 ] And Jesus of Nazareth knew, in his altered state of consciousness, that this revelation had passed through the ancient sacred teachings of the mysteries. He awoke and retained the memory of what had once been the ancient sacred teachings of the pagan religions. He then adapted what he had received in this revelation for the further progress of humanity, and it became the “Lord’s Prayer.”

[ 21 ] Dasjenige, was man in bezug auf die höheren Welten lernt, lernt man nicht bloß durch Lehren, sondern vielmehr durch Tatsachen, die man in den höheren Welten erlebt. Man erfährt aber dann in unendlich tieferer Weise die ganze Bedeutung einer solchen Offenbarung, als man jemals etwas durch Lehren oder Theorien erfahren kann. Ein neuer großer Schmerz lagerte sich in der Seele des Jesus von Nazareth ab. Er hatte vor sich in einem besonders klaren Fall das ganze Elend, zu dem die heidnischen Offenbarungen geworden waren, und konnte es nun kontrastieren mit dem, was sie einstmals gewesen waren.

[ 21 ] What one learns about the higher worlds is not learned merely through teachings, but rather through experiences one has in those higher worlds. One then comes to understand the full significance of such a revelation in a far deeper way than one could ever do through teachings or theories. A new, great sorrow settled in the soul of Jesus of Nazareth. He saw before him, in a particularly clear instance, the utter misery into which the pagan revelations had descended, and could now contrast it with what they had once been.

[ 22 ] Wie er inmitten des jüdischen Volkes sagen konnte: Und wenn auch heute ertönen würde die Stimme der großen Bath-Kol, die Menschen sind nicht mehr da, die sie verstehen könnten ; man ist einsam mit ihr, — so konnte er jetzt in bezug auf das heidnische Volk sagen: Und wenn sie wieder überall erklingen würden, die Stimmen der alten heidnischen Mysterien, die Menschen wären nicht mehr da, die sie verstehen könnten.

[ 22 ] Just as he had said, speaking to the Jewish people: “And even if the voice of the great Bath-Kol were to sound today, there are no longer people who could understand it; one is left alone with it”—so he could now say, with regard to the pagan peoples: “And even if the voices of the ancient pagan mysteries were to resound everywhere once more, there would no longer be people who could understand them.”

[ 23 ] So sollte Jesus von Nazareth in tiefstem Schmerz die absteigende Entwickelung der Menschheit erfahren.

[ 23 ] Thus, Jesus of Nazareth was to experience, with the deepest sorrow, the decline of humanity.

[ 24 ] Das eben Erzählte trug sich etwa im vierundzwanzigsten Lebensjahr des Jesus von Nazareth zu. Kurz nachdem sich das zugetragen hatte, kehrte er nach Hause zurück. Es war ungefähr die Zeit, in der sein Vater in Nazareth starb.

[ 24 ] The events just described took place when Jesus of Nazareth was about twenty-four years old. Shortly after this happened, he returned home. It was around the time his father died in Nazareth.

[ 25 ] In der Zeit zwischen seinem vierundzwanzigsten und dreißigsten Lebensjahr kam er nun, da er wieder zu Hause war in Nazareth, in Verbindung mit den Essäern, die dort die eine oder andere Kolonie in der betreffenden Gegend hatten. Er wurde nicht eigentlich Essäer, aber durch sein tiefes Seelenleben, durch den zwiefachen großen Schmerz, der sich in seiner Seele abgelagert und in Liebe verwandelt hatte, nahmen ihn die Essäer auf und sprachen mit ihm oftmals über ihre tiefsten Geheimnisse, über die sie sonst nur zu ihresgleichen, zu Eingeweihten gesprochen hatten. Nur zu ihm sprachen sie über ihre tiefsten Geheimnisse. Und er lernte in den Essäern Menschen kennen, welche in damaliger Zeit durch eine besondere innere Entwickelung wiederum hinaufzusteigen trachteten zu dem, wovon sich die Menschheit nach abwärts entwickelt hatte. Begierig nahm er auf das, was er über die menschliche Entwickelung eines solchen Aufstieges von den Essäern erfahren konnte. Eines Tages aber, als er das Haus der Essäer verließ und durch das Tor ging, hatte er eine besonders bemerkenswerte Vision: Zu beiden Seiten des Tores sah er zwei Gestalten, von denen er später, durch seine späteren Erlebnisse, wußte, daß es Luzifer und Ahriman waren. Die flohen von den Toren der Essäer hinweg in die übrige Welt hinaus. Und er war nun durch dasjenige, was er in seiner eigenen inneren Entwickelung durchgemacht hatte, so weit, daß er sozusagen lesen konnte in der okkulten Schrift die Bedeutung dieses Hinwegfliehens Luzifers und Ahrimans von den Toren der Essäer. Er wußte nun: Ja, möglich ist es auch in dieser Gegenwart, daß einzelne

[ 25 ] During the years between his twenty-fourth and thirtieth, now that he was back home in Nazareth, he came into contact with the Essenes, who had one or two colonies in that region. He did not actually become an Essene, but because of his deep inner life, because of the twofold great sorrow that had settled in his soul and been transformed into love, the Essenes accepted him and often spoke with him about their deepest secrets, which they had otherwise shared only with their own kind, with initiates. Only to him did they speak of their deepest secrets. And among the Essenes he came to know people who, at that time, through a special inner development, were striving to ascend once more to that from which humanity had descended. He eagerly absorbed what he could learn from the Essenes about the human development involved in such an ascent. One day, however, as he left the house of the Essenes and passed through the gate, he had a particularly remarkable vision: on either side of the gate he saw two figures, whom he later, through his subsequent experiences, knew to be Lucifer and Ahriman. They fled from the gates of the Essenes out into the rest of the world. And he had now, through what he had undergone in his own inner development, reached a point where he could, so to speak, read in the occult script the significance of this flight of Lucifer and Ahriman from the gates of the Essenes. He now knew: Yes, it is possible even in the present that individual

[ 26 ] Menschen durch eine besondere seelische Entwickelung hinaufkommen zu den geistigen Höhen, aber nur auf Kosten der übrigen Menschen. Denn die Essäerentwickelung konnten nur einzelne Auserwählte durchmachen und sie konnten es nur dadurch, daß andere auf unteren Stufen zurückblieben. Er wußte, daß die Essäer sich durch ihre mystische Entwickelung frei machten von dem Einflusse Luzifers und Ahrimans, daß aber Luzifer und Ahriman deshalb, weil sie fliehen mußten von den Essäerhäusern, gerade zu den anderen Menschen hinflohen und die übrige Menschheit nur um so mehr ergriffen. Und aus diesem okkulten Erlebnis kam ihm der dritte große Schmerz, indem er sich sagen konnte: Ja, einzelnen besonders auserwählten Menschen ist es möglich, aufzusteigen zu dem, was früher den Menschen geoftenbart worden ist, aber nur auf Kosten der übrigen Menschen können sie aufsteigen. — Das schnitt ihm fast das Herz ab, denn er war voll Liebe zu allen Menschen. Und jetzt konnte er sich als Ergebnis. des dritten großen Schmerzes sagen: Wie auch in unserer Gegenwart einzelne Menschen hinaufsteigen zu den höheren spirituellen Erkenntnissen, den übrigen Menschen müssen sie entzogen werden. Wie hoch eine Seele auch steigen mag, was sie auch wissen mag, es mitzuerleben mit den Essäern, dazu sind die anderen Menschen im weiten Erdenrund viel zu elend.

[ 26 ] People can ascend to spiritual heights through a special spiritual development, but only at the expense of the rest of humanity. For only a select few could undergo the Essene development, and they could do so only because others remained on lower levels. He knew that through their mystical development the Essenes freed themselves from the influence of Lucifer and Ahriman, but that Lucifer and Ahriman, precisely because they had to flee from the Essenes’ homes, fled to the other people and took hold of the rest of humanity all the more. And from this occult experience came his third great sorrow, as he could say to himself: Yes, it is possible for individual, specially chosen people to ascend to what was once revealed to humanity, but they can only ascend at the expense of the rest of humanity. — This nearly tore his heart out, for he was full of love for all people. And now, as a result of the third great pain, he could say to himself: Just as in our present time individual people ascend to higher spiritual insights, these must be withheld from the rest of humanity. No matter how high a soul may rise, no matter what it may know, to experience it alongside the Essenes—for that, the other people across the vast earth are far too wretched.

[ 27 ] Als Jesus von Nazareth solches erlebte, konnte er erfahren, wie seine Stief- oder Ziehmutter immer mehr und mehr Verständnis faßte für sein inneres Leben. Namentlich seit dem Tode des Vaters war dies der Fall. Und während in früheren Jahren Jesus von Nazareth ganz allein und einsam in der Familie war, entwickelte sich in dieser Zeit so manches Gespräch mit der Mutter, in dem Jesus von Nazareth sprechen konnte von dem, was er in seiner einsamen Seele erlebte. Und es kam zu einem großen entscheidenden Gespräch zwischen Jesus von Nazareth und der Mutter im dreißigsten Jahre seines Lebens. All dasjenige, was sich an Erkenntnissen seit dem zwölften Jahre in seiner Seele abgelagert hatte — bei dem Vernehmen der Stimme der großen Bath-Kol, durch das kosmische Vaterunser, durch das Erlebnis mit den Essäern —, all das, was sich so an Erkenntnissen in seiner Seele aufgespeichert hatte, von dem sprach er zu seiner Mutter eines Tages. Und er sprach so zu seiner Mutter, daß tief erschütternd wirkt dieses Gespräch, auch wenn es hinterher aus der Akasha-Chronik von der okkulten Forschung entziffert wird. Die Worte gingen nicht nur wie Worte hinüber zur Mutter, sondern wie lebendige Kräfte, die wie auf Flügeln hinübertrugen das Wesen der Seele des Jesus von Nazareth in das Wesen der Seele der Mutter hinein. So tief verbunden war Jesus von Nazareth mit dem, was er in seine Worte zu kleiden hatte, daß sein Leid und seine Erkenntnisse übergingen in die Worte und hinüberströmten in Herz und Seele der Mutter. Und es war, wie wenn die Mutter von einem neuen Leben durchzogen worden wäre; wie verjüngt lebte sie neu auf.

[ 27 ] As Jesus of Nazareth went through these experiences, he came to realize how his stepmother or foster mother was gaining a deeper and deeper understanding of his inner life. This was especially true after his father’s death. And while in earlier years Jesus of Nazareth had been quite alone and lonely within the family, during this time many a conversation developed with his mother in which Jesus of Nazareth could speak of what he was experiencing in his lonely soul. And a great, decisive conversation took place between Jesus of Nazareth and his mother in the thirtieth year of his life. All the insights that had accumulated in his soul since the age of twelve—through hearing the voice of the great Bath-Kol, through the Cosmic Lord’s Prayer, through his experience with the Essenes—all the insights that had been stored in his soul in this way, he spoke of to his mother one day. And he spoke to his mother in such a way that this conversation has a deeply moving effect, even when it is later deciphered from the Akashic Records by occult research. The words did not merely reach his mother as words, but as living forces that, as if on wings, carried the essence of the soul of Jesus of Nazareth into the essence of his mother’s soul. So deeply was Jesus of Nazareth connected to what he had to clothe in his words that his suffering and his insights passed into the words and flowed over into the heart and soul of his mother. And it was as if the mother had been permeated by a new life; rejuvenated, she came alive anew.

[ 28 ] Jesus von Nazareth aber kam wie in einen ganz anderen Seelenzustand hinein. Mit den Worten hatte er das, was so innig mit ihnen verbunden war, das eigene Ich hinausgeströmt. Das Ich des Zarathustra hatte die drei Leiber, physischen, Äther- und Astralleib des Jesus von Nazareth verlassen und die kosmischen Kräfte wirkten in die drei Leiber hinein. Ohne Ich-Bewußtsein, wie in einem höheren Traumleben, wurde Jesus von Nazareth hingetrieben auf den Weg zu Johannes dem Täufer: Jesus von Nazareth, der im Gespräch mit der Mutter sein Zarathustra-Ich ausgehaucht hatte.

[ 28 ] Jesus of Nazareth, however, entered into a completely different state of mind. Through his words, he had poured out that which was so intimately connected with them—his own “I.” The ego of Zarathustra had left the three bodies—the physical, etheric, and astral bodies—of Jesus of Nazareth, and the cosmic forces were now working into the three bodies. Without ego-consciousness, as if in a higher dream state, Jesus of Nazareth was drawn along the path toward John the Baptist: Jesus of Nazareth, who had breathed out his Zarathustra-ego in conversation with his mother.

[ 29 ] So war er vorbereitet, nach Hingabe seines Zarathustra-Ich aufzunehmen die Christus-Wesenheit als sein neues Ich. Das Mysterium von Golgatha als die vierte Etappe der Christus-Ereignisse, von denen wir gesprochen haben, war damit vorbereitet. Es spielte sich ab während der drei Jahre, in denen der Christus lebte im Leibe des Jesus von Nazareth bis zu dem Mysterium von Golgatha hin. Und erst bei demjenigen Ereignis, dessen Andenken wir feiern in dem Pfingstereignis, kamen die Jünger, wie selbst aus einem anderen Bewußtseinszustande heraus, zur Erkenntnis dessen, was sich mit dem Christus Jesus abgespielt hatte.

[ 29 ] Thus he was prepared, after surrendering his Zarathustra-self, to receive the Christ-being as his new self. The Mystery of Golgotha, as the fourth stage of the Christ events of which we have spoken, was thereby prepared. It unfolded during the three years in which the Christ lived in the body of Jesus of Nazareth, leading up to the Mystery of Golgotha. And it was only at that event, the memory of which we celebrate in the Pentecost event, that the disciples, as if emerging from a different state of consciousness, came to realize what had transpired with the Christ Jesus.

[ 30 ] Wenn wir dasjenige, was über die Christus-Wesenheit nunmehr betrachtet worden ist als ein Ergebnis der okkulten Forschung der Gegenwart, überblicken, können wir dann sagen, daß unser Herz und unsere Seele weniger erschüttert würden durch diese Oftenbarungen für unsere Zeit, als durch jene Offenbarungen, die einer früheren Zeit

[ 30 ] When we survey what has now been considered regarding the Christ-being as a result of contemporary occult research, can we then say that our hearts and souls would be less shaken by these revelations for our time than by those revelations from an earlier era

[ 31 ] über Jesus und Christus geworden sind? Die okkulte Wissenschaft unserer Tage setzt uns wirklich in den Stand, ein Mehreres und ein Tieferes über den Christus Jesus zu wissen, als verflossene Jahrhunderte gewußt haben. Und das dürfen wir sagen: Die Gestalt des Christus wächst zu kosmischer Größe, indem wir sie zu erkennen versuchen mit den Mitteln, die uns der moderne Okkultismus zur Verfügung stellt.

[ 31 ] about Jesus and have come to be known as Christ? The occult science of our day truly enables us to know more and to understand more deeply about Christ Jesus than has been known in past centuries. And we may say this: The figure of Christ grows to cosmic stature as we seek to recognize him through the means that modern occultism places at our disposal.

[ 32 ] Blicken wir zurück auf das, was einer früheren Menschheit über den Christus Jesus gegeben war, zum Beispiel in den vier Evangelien. Im okkulten Standpunkt sind wir uns klar darüber, daß diejenigen, die die Evangelien geschrieben haben, sie nach den Inspirationen alter Mysterien, aus einem atavistischen Hellsehen heraus geschrieben haben. Ich habe darauf hingewiesen in meinem Buche «Das Christentum als mystische Tatsache». Der erste, welcher eine Impression hatte von der kosmischen Bedeutung des Christus, war Paulus; Paulus, der wahrnehmen konnte, wie hereingeströmt war die Kraft der ChristusWesenheit in die Erdenaura. Dasjenige, was dem Paulus für einen bestimmten Punkt der Christus-Erkenntnis aufgegangen war, das kann, wenn wir den Okkultismus unserer Tage vertiefen, für weitere Felder der Christus-Erkenntnis dem Menschen aufgehen. Denn indem das Schauen des Paulus ausgedehnt wird von dem Mysterium von Golgatha auf seine drei Vorstufen, indem es ausgedehnt wird von dem, was bei Paulus fast nur die Wahrnehmung ist des Jesus von Nazareth, auf das Leben des Christus Jesus, dann wird gewissermaßen die Paulinische Methode von einem einzigen Zentrum aus über die ganze große Erscheinung des Christus Jesus-Lebens verbreitet. Indem wir auf diese Weise heute dutch eine hingebungsvolle okkulte Forschung in die Lage kommen können, die Paulinische Methode gleichsam allgemein zu machen für die Christus-Erkenntnis, hat sich ein wirklicher Fortschritt in der Erkenntnis des Christus vollzogen.

[ 32 ] Let us look back at what was given to an earlier humanity concerning Christ Jesus, for example in the four Gospels. From an occult perspective, we are well aware that those who wrote the Gospels did so under the inspiration of ancient mysteries, drawing upon an atavistic clairvoyance. I have pointed this out in my book *Christianity as a Mystical Fact*. The first to have an impression of the cosmic significance of Christ was Paul; Paul, who could perceive how the power of the Christ Being had poured into the Earth’s aura. What dawned upon Paul regarding a specific aspect of Christ-knowledge can, as we deepen the occultism of our day, dawn upon humanity in further realms of Christ-knowledge. For as Paul’s vision is extended from the Mystery of Golgotha to its three preliminary stages, as it is extended from what in Paul is almost exclusively the perception of Jesus of Nazareth to the life of Christ Jesus, then the Pauline method is, so to speak, spread from a single center across the entire great phenomenon of the life of Christ Jesus. In that we are thus able today, through devoted occult research, to make the Pauline method, as it were, universal for the knowledge of Christ, a real advance has been made in the knowledge of Christ.

[ 33 ] Nicht in abstrakter Weise wollte ich sprechen über die Entwickelung des Fortschrittes in der Erkenntnis des Christus, sondern konkret wollte ich anschaulich machen, welche Christus-Erkenntnis in der Gegenwart von der okkulten Wissenschaft errungen werden kann. So wird uns denn ersichtlich geworden sein aus unserer heutigen Betrachtung, daß Geisteswissenschaft, wie wir sie meinen, ein Instrument sein kann zu einer immer tieferen Christus-Erkenntnis. Zu hoffen steht, daß, wenn die Menschheit durch die materialistischen Einflüsse auch noch so weit kommen sollte in der Ablehnung der alten religiösen Vorstellungen über den Christus, die neuere Geisteswissenschaft den Christus der Menschheit wiederum geben wird. Denn diese Geisteswissenschaft spricht nicht aus Theorien heraus über den Christus, sondern eingedenk des Christus-Wortes selbst: Ich bin bei euch bis ans Ende der Erdentage! — Denn in die Erdenaura, in die wir selbst eingebettet sind, ist der Christus hineinergossen. Er lebt darinnen! Und wir können mit ihm als einem geistigen Wesen in der Erdenaura verkehren, wenn wir uns die Möglichkeit dazu aneignen, wie die Jünger einmal auf dem physischen Plan mit dem Christus Jesus gelebt haben. Wir müssen uns nur daran gewöhnen, die lebendige Anwesenheit des Christus in der Erdenaura wirklich zu durchschauen und das Christentum nicht nur zu identifizieren mit einer bloßen Lehre, einer bloßen Doktrin. Seit dem Mysterium von Golgatha ist der Christus da, ist um uns herum. Wir können ihn finden in derselben Welt, in der wir sind, in der er ist, nur nicht in einer physischen Gestalt, sondern als Geistwesenheit.

[ 33 ] I did not wish to speak in abstract terms about the development of progress in the knowledge of Christ, but rather I wanted to illustrate concretely what knowledge of Christ can be attained in the present day through occult science. Thus, it will have become clear to us from our present-day consideration that Spiritual Science, as we understand it, can be an instrument for an ever-deeper knowledge of Christ. It is to be hoped that, even if humanity were to go so far in rejecting the old religious mental images of Christ due to materialistic influences, modern Spiritual Science will once again give Christ back to humanity. For this Spiritual Science does not speak of Christ from a theoretical standpoint, but in remembrance of Christ’s own words: “I am with you until the end of the age!” — For Christ has poured Himself into the Earth’s aura, in which we ourselves are embedded. He lives within it! And we can commune with him as a spiritual being within the Earth’s aura if we acquire the ability to do so, just as the disciples once lived with Christ Jesus on the physical plane. We need only accustom ourselves to truly perceiving the living presence of Christ in the Earth’s aura and not merely identifying Christianity with a mere teaching, a mere doctrine. Since the Mystery of Golgotha, the Christ has been here, all around us. We can find him in the very same world in which we are, in which he is—only not in a physical form, but as a spiritual being.

[ 34 ] Und wir können verfolgen, wie er tätig ist als Wesenheit, unabhängig von dem, was die Menschen über ihn zu denken vermochten. Haben wir es nicht erlebt, daß in Konzilien und sonstigen Streitstätten die Meinungen, die Lehren über den Christus hin- und hergegangen sind, daß die Menschen nicht fähig waren, mit ihren Gedanken über den Christus zurechtzukommen? Wie viele Meinungen sind erlebt worden über den Christus! Wenn aber die Fortentwickelung des Christus-Impulses abhängig gewesen wäre von den Meinungen der Menschen über denselben, so stände es wahrlich schlecht mit dieser Fortentwickelung des Christus-Impulses. Dieser Christus-Impuls ist in der Erdenentwickelung als eine lebendige Realität, und er wirkt in ihr als Realität, ganz abgesehen davon, wie die Menschen über ihn dachten.

[ 34 ] And we can observe how he acts as a being, regardless of what people were able to think about him. Have we not seen that in councils and other forums of debate, opinions and teachings about the Christ have gone back and forth, that people were unable to come to terms with their thoughts about the Christ? How many opinions have been held about Christ! But if the further development of the Christ impulse had depended on people’s opinions about it, the state of this further development of the Christ impulse would indeed be dire. This Christ impulse is a living reality in the development of the Earth, and it acts within it as a reality, quite regardless of what people thought about it.

[ 35 ] Fassen wir, um uns so etwas zu vergegenwärtigen, das Datum des 28. Oktober 312 ins Auge. Damals stand vor den Toren Roms Konstantin, der Sohn des Constantius Chlorus, er stand vor dem Rom, das Maxentius regierte. Konstantin mit seinem verhältnismäßig kleineren Heer näherte sich Rom, in dem Maxentius ein bedeutend größeres Heer befehligte. Maxentius war innerhalb der Mauern Roms sicher. Konstantin rückte auf freiem Felde heran. Jene Schlacht, die damals geschlagen wurde, entschied über die Landkarte Europas. Derjenige, der die Geschichte studiert in ihren Tiefen, wird stets zugeben müssen: Damals entschieden nicht die Ideen der Generäle, nicht die Vernunftgründe der Menschen über das, was in der Schlacht geschah, sondern etwas ganz anderes! Maxentius fragte bei den sibyllinischen Büchern an und er bekam zur Antwort: Wenn du außerhalb der Tore Roms Konstantin angreifen wirst, so wirst du den größten Feind Roms vernichten. — Ein rechtes Orakel! Und in der Nacht, die der Schlacht voranging, hatte Maxentius einen Traum, der ihn antrieb, die gesicherte Stellung in den Mauern Roms zu verlassen und Konstantin entgegenzugehen. Konstantin aber, mit seinem viel kleineren Heer, er hatte in der Nacht einen Traum, der ihn anwies, das Symbolum des Christus seinen Heere vorantragen zu lassen und in diesem Zeichen zu siegen. Keine Vernunftgründe, keine strategischen Gründe, keine Kenntnisse des Kriegswesens hatten dazumal eine Rolle gespielt, da es auf die Entscheidung ankam, sondern unterbewußte Kräfte standen sich gegenüber in Maxentius und Konstantin. Man mag über den Wert oder Unwert Konstantins denken, wie man will, in dem Siege, den Konstantin dazumal erfocht, lebte der Impuls des Christus als eine wirkliche, reale Kraft, die durch das Unterbewußte der Menschen wirkte seit dem Mysterium von Golgatha, ganz abgesehen davon, was die Menschen über den Christus dachten.

[ 35 ] To put this into perspective, let us consider the date of October 28, 312. At that time, Constantine, the son of Constantius Chlorus, stood at the gates of Rome, which was ruled by Maxentius. Constantine, with his relatively smaller army, approached Rome, where Maxentius commanded a significantly larger army. Maxentius was safe within the walls of Rome. Constantine advanced across the open field. That battle, fought at that time, determined the map of Europe. Anyone who studies history in depth will always have to admit: Back then, it was not the generals’ ideas, nor the rational arguments of men, that determined what happened in the battle, but something entirely different! Maxentius consulted the Sibylline Books and received this answer: If you attack Constantine outside the gates of Rome, you will destroy Rome’s greatest enemy. — A true oracle! And on the night preceding the battle, Maxentius had a dream that drove him to leave the secure position within Rome’s walls and go out to meet Constantine. Constantine, however, with his much smaller army, had a dream that night instructing him to have the symbol of Christ carried before his army and to win under that sign. No rational reasons, no strategic reasons, no knowledge of the art of war had played a role at that time, for it came down to a decisive moment; rather, subconscious forces stood opposed to one another in Maxentius and Constantine. Whatever one may think of Constantine’s merits or demerits, in the victory that Constantine won at that time, the impulse of Christ lived as a real, tangible force that had been working through the subconscious of human beings since the Mystery of Golgotha, quite apart from what people thought of Christ.

[ 36 ] Das ist nur eines der Ereignisse, deren viele angeführt werden könnten, die uns bezeugen, wie zuerst in die unterbewußten Seelenkräfte hinein, die sonst ins Sibyllinische übergegangen wären, der Christus-Impuls kam und sich heraufarbeitete. Und während die oberbewußten Seelenkräfte immer mehr dazu drängten, den ChristusImpuls durch die materialistische Strömung nicht mehr zu verstehen, arbeitet in den unterbewußten Seelenkräften der Menschen der Christus weiter, so wie er gewirkt hat in Konstantin und in Maxentius.

[ 36 ] This is just one of many events that could be cited to show how the Christ impulse first entered the subconscious forces of the soul—forces that would otherwise have faded into the realm of the Sibylline—and worked its way upward. And while the superconscious soul forces increasingly urged people to no longer understand the Christ impulse due to the materialistic current, the Christ continues to work within the subconscious soul forces of human beings, just as he worked in Constantine and Maxentius.

[ 37 ] Heute aber stehen wir vor der Notwendigkeit, das, was in den unterbewußten Seelenkräften gewirkt hat, heraufzuholen und bewußt vor die Seele hinzustellen. Bewußt erkennen sollen wir das Wesen, das seit dem Mysterium von Golgatha in der Erdenaura, in den Seelen der Menschen wirkt, und das die Geschicke der Erdenentwickelung, der Menschheit seit dem Mysterium von Golgatha aus dieser Erdenaura heraus bestimmt hat,

[ 37 ] Today, however, we are faced with the necessity of bringing to the surface what has been at work in the subconscious forces of the soul and placing it consciously before the soul. We must consciously recognize the being that has been working in the Earth’s aura and in the souls of human beings since the Mystery of Golgotha, and which has determined the course of Earth’s development and of humanity since the Mystery of Golgotha from within this Earth’s aura,

[ 38 ] Indem wir uns dies so vor Augen halten, verstehen wir den Fortschritt, den die menschliche Erkenntnis in bezug auf den Christus gemacht hat, und wir verstehen unsere eigene Aufgabe gegenüber den Fortschritten in der Erkenntnis Christi.

[ 38 ] By keeping this in mind, we can understand the progress that human understanding has made with regard to Christ, and we can understand our own role in relation to the advances in our understanding of Christ.