Precursors to the Mystery of Golgotha
GA 152
1 June 1914, Basel
Translate the original German text into any language:
Versions Available:
Precursors to the Mystery of Golgotha, tr. SOL
10. Die Vier Christus-Opfer
10. The Four Sacrifices of Christ
[ 1 ] Die Drei Vorstufen Des Mysteriums Von Golgatha
[ 1 ] The Three Preliminary Stages of the Mystery of Golgotha
[ 2 ] Für unsere gegenwärtige Kultur ist vor allen Dingen nötig, daß wir immer mehr und mehr gewinnen, indem wir die Ergebnisse der Geisteswissenschaft auf uns wirken lassen, eine neue Christus-Erkenntnis. Und gerade dieser neuen Christus-Erkenntnis ist manches so feindlich, was heute das Amtssiegel des Christlichen trägt. Notwendig ist, daß immer mehr und mehr ein Verständnis erworben wird dafür, wie wir für unsere Kultur eine Schule der Selbstlosigkeit brauchen. Eine Erneuerung der Moral, eine Vertiefung des menschlichen sittlichen Lebens kann nur kommen durch die Schulung der Selbstlosigkeit. Diese Schule der Selbstlosigkeit kann der Mensch nach den Bedingungen des gegenwärtigen Zeitenzyklus nur durchmachen, wenn er sich ein Verständnis erwirbt für wirkliche Selbstlosigkeit, ein durchdringendes Verständnis sich erwirbt für wirkliche Selbstlosigkeit. Nun können wir, wenn wir die Weltenevolution, die Weltenentwickelung durchgehen, kein tieferes Verständnis finden für Selbstlosigkeit als dasjenige, was uns durch die Erscheinung des Christus auf Erden gegeben worden ist. Und den Christus erkennen, heißt die Schule der Selbstlosigkeit durchmachen. Christus erkennen, heißt sich bekanntmachen mit all denjenigen Impulsen der Menschheitsentwickelung, die so in unsere Seele hineinträufeln, daß sie alles, was in dieser Seele zur Selbstlosigkeit veranlagt ist, durchglühen, durchwärmen und aufrufen zum aktiven Seelensein, zur Selbstlosigkeit. Unter dem Einfluß des Materialismus ging die Selbstlosigkeit der Menschheit in einer Weise verloren, wie es in zukünftigen Zeiten der Menschheit erst erkannt werden wird. Aber durch die Vertiefung in das Mysterium von Golgatha, die Durchdringung der Erkenntnis des Mysteriums von Golgatha mit unserem ganzen Gefühl, unserem ganzen seelischen Wesen, können wir uns wiederum eine Kultur der Selbstlosigkeit aneignen. Und wir können sagen: Was Christus für die Erdenentwickelung getan hat, ist beschlossen in dem Grundimpuls der Selbstlosigkeit, und was er werden kann für die bewußte Entwickelung der menschlichen Seele, ist die Schule der Selbstlosigkeit! Das werden wir am besten gewahr, wenn wir das Mysterium von Golgatha in seinem großen Zusammenhang betrachten.
[ 2 ] What our present culture needs above all is that, by allowing the findings of Spiritual Science to take effect within us, we may gain a new understanding of Christ. And it is precisely this new understanding of Christ that is met with hostility by many who today bear the official seal of Christianity. It is necessary that we increasingly develop an understanding of how our culture needs a school of selflessness. A renewal of morality, a deepening of human moral life, can only come through the training of selflessness. Under the conditions of the present cycle of time, human beings can only undergo this school of selflessness if they acquire an understanding of true selflessness—a penetrating understanding of true selflessness. Now, as we survey the evolution of the world, the development of the world, we cannot find a deeper understanding of selflessness than that which has been given to us through the appearance of Christ on earth. And to recognize Christ means to undergo the school of selflessness. To recognize Christ means to become acquainted with all those impulses of human development that trickle into our soul in such a way that they ignite, warm, and call forth everything in that soul that is predisposed to selflessness, to active soul-life, to selflessness. Under the influence of materialism, humanity’s selflessness was lost in a way that will only be fully recognized in the future. But by delving into the Mystery of Golgotha, by permeating our entire feeling, our entire soul being, with the knowledge of the Mystery of Golgotha, we can once again acquire a culture of selflessness. And we can say: What Christ has done for the development of the Earth is encapsulated in the fundamental impulse of selflessness, and what he can become for the conscious development of the human soul is the school of selflessness! We become most aware of this when we view the Mystery of Golgotha in its broader context.
[ 3 ] Dieses Mysterium von Golgatha ist so, wie wir es kennen, einmal verlaufen innerhalb der physischen Erdenentwickelung. Einmal verleiblichte sich diejenige Wesenheit, die wir als die Christus-Wesenheit anerkennen, in einem menschlichen Leibe, in dem Leibe des Jesus von Nazareth. Aber drei Vorstufen hat dieses Mysterium von Golgatha. Dreimal ist vorher etwas geschehen, allerdings noch nicht auf der Erde, aber in der geistigen Welt. Und gewissermaßen haben wir drei Mysterien von Golgatha, von denen wir sagen müssen, daß sie noch nicht auf dem physischen Plan sich vollzogen haben. Das vierte erst hat sich auf dem physischen Plan abgespielt und ist dasjenige, von dem uns die Evangelien und die Paulinischen Briefe Kunde geben. Vorbereitet ist dieses größte Erdenereignis durch drei überirdische Ereignisse. Diese überirdischen Ereignisse fielen so, daß das eine in der alten lemurischen Zeit liegt, zwei liegen in der atlantischen Zeit. Das vierte Ereignis liegt in der nachatlantischen Zeit und ist unser Mysterium von Golgatha.
[ 3 ] This Mystery of Golgotha, as we know it, has taken place once in the course of Earth’s physical evolution. Once, the being we recognize as the Christ-being incarnated in a human body, in the body of Jesus of Nazareth. But this Mystery of Golgotha has three preliminary stages. Three times something happened beforehand, though not yet on Earth, but in the spiritual world. And in a sense, we have three Mysteries of Golgotha, of which we must say that they have not yet taken place on the physical plane. Only the fourth took place on the physical plane and is the one of which the Gospels and the Pauline Epistles tell us. This greatest event on Earth was prepared by three super-earthly events. These super-earthly events occurred such that one lies in the ancient Lemurian epoch, two lie in the Atlantean epoch. The fourth event lies in the post-Atlantean epoch and is our Mystery of Golgotha.
[ 4 ] Die drei vorhergehenden sind Ereignisse, die sich nicht auf der Erde abgespielt haben, sondern in der überirdischen Welt, aber die Kraft dieser Ereignisse ist auf die Erde heruntergedrungen. Wir wollen versuchen zu verstehen, wie die Kräfte der drei, das Mysterium von Golgatha vorbereitenden überirdischen Ereignisse in die Menschheitsentwickelung hereingewirkt haben.
[ 4 ] The three preceding events did not take place on Earth, but in the spiritual world; however, the power of these events has penetrated down to Earth. Let us try to understand how the forces of these three supermundane events, which prepared the way for the Mystery of Golgotha, have influenced the development of humanity.
[ 5 ] In bezug auf unser sittliches Leben, unser Weltverständnis und in bezug auf dasjenige, was innerhalb unserer Bewußtseinsseele sich abspielt, müssen wir erst selbstlos werden. Das ist eine Aufgabe der jetzigen Kultur gegen die Zukunft hin. Die Menschheit muß immer selbstloser und selbstloser werden, darin liegt die Zukunft der richtigen sittlichen Lebenstaten, die Zukunft aller Liebestaten, die durch die Erdenmenschheit geschehen können. Unser bewußtes Leben ist auf dem Wege zur Selbstlosigkeit oder muß auf dem Wege zur Selbstlosigkeit sein. In einer gewissen Beziehung aber gibt es in uns schon wesenhaft Selbstloses. Und es wäre das größte Unglück des Erdenmenschen, wenn er mit Bezug auf gewisse Teile seines Wesens so selbstsüchtig sein müßte, wie er es in vieler Beziehung heute noch sein muß in bezug auf sein moralisches, intellektuelles und gefühlsmäßiges Leben. Wenn die Selbstsucht zum Beispiel in demselben Grad unsere Sinne ergreifen würde oder ergreifen könnte, wie sie unsere Moral ergreift, so wäre dies das größte Unglück für den Erdenmenschen. Denn unsere Sinne wirken an unserem Leibe so, daß in dieser Sinneswirkung sich Selbstlosigkeit ausspricht.
[ 5 ] With regard to our moral life, our understanding of the world, and what takes place within our conscious soul, we must first become selfless. This is a task for our present culture as we look toward the future. Humanity must become ever more selfless; therein lies the future of true moral deeds, the future of all acts of love that can be accomplished by humanity on Earth. Our conscious life is on the path to selflessness, or must be on the path to selflessness. In a certain sense, however, there is already something essentially selfless within us. And it would be the greatest misfortune for human beings on Earth if, with regard to certain aspects of their nature, they had to be as selfish as they still must be in many respects today with regard to their moral, intellectual, and emotional lives. If, for example, selfishness were to seize our senses—or could seize them—to the same degree that it seizes our morality, this would be the greatest misfortune for human beings on Earth. For our senses act upon our bodies in such a way that selflessness is expressed in this sensory effect.
[ 6 ] Wir haben Augen in unserm Leibe. Durch diese Augen sehen wir. Aber wir sehen nur dadurch, daß tatsächlich die Augen selbstlos sind, daß wir sie gar nicht spüren. Wir tragen sie in uns, wir sehen gleichsam durch die Augen hindurch die Dinge, aber die Augen selbst sind ausgelöscht als solche in unserem Wahrnehmen. So ist es auch mit den anderen Sinnen. Wir nehmen die Welt dadurch wahr, daß unser Sinnensystem selbstlos ist. Nehmen wir einmal an, unsere Augen wären selbstsüchtig. Was würde dann mit dem Menschen geschehen? Wir würden uns zum Beispiel einer blauen Farbe nähern, und indem wir uns ihr nähern, würde unser Auge, weil das Auge so wirken würde, daß es nicht die Farbe durchlassen, sondern sie unmittelbar im Auge selbst erschöpfen würde, von dem Blau, indem es sich ihm näherte, ausgesogen werden. Wie eine Saugkraft würde man es im Auge empfinden, wenn das Auge so selbstsüchtig werden könnte, wie wir in unserem moralischen, intellektuellen und Gefühlsleben sind. Wenn wir uns einer roten Farbe nähern und unser Auge sich nicht selbstlos verhalten würde, sondern Anspruch darauf machen würde, die Wirkung des Rot in sich zu erleben, so würde das Rot wie stechend auf unser Auge wirken. Und wenn unser Auge selbstsüchtig würde, so wäre es so, daß wir gegenüber allen Eindrücken einen Saug- oder Stechschmerz hätten. Wir wären uns bewußt, daß wir Augen haben, aber wir würden bloß Saug- oder Stechschmerzen wahrnehmen. In Wirklichkeit ist es für den heutigen Menschen so, daß er durch die Welt geht und weiß, daß Farben- und Lichtwirkungen da sind. Aber er braucht nicht an das Auge zu denken. Es löscht sich selbstlos aus während des Wahrnehmens. Und ebenso ist es mit den andern Sinnen.
[ 6 ] We have eyes in our bodies. We see through these eyes. But we see only because the eyes themselves are selfless; we are not even aware of them. We carry them within us; we see things, as it were, through the eyes, but the eyes themselves are erased as such from our perception. The same is true of the other senses. We perceive the world because our sensory system is selfless. Let us suppose for a moment that our eyes were self-centered. What would happen to us then? We would, for example, approach a blue color, and as we approached it, our eye—because the eye would function in such a way that it would not let the color pass through but would immediately absorb it within the eye itself—would be sucked dry by the blue as it drew near. One would feel it in the eye like a suction force if the eye could become as selfish as we are in our moral, intellectual, and emotional lives. If we were to approach a red color and our eye were not to behave selflessly, but were to lay claim to experiencing the effect of the red within itself, the red would have a stinging effect on our eye. And if our eye were to become selfish, we would experience a sucking or stinging pain in response to all impressions. We would be aware that we have eyes, but we would perceive nothing but a sucking or stinging pain. In reality, modern human beings go through the world knowing that color and light effects exist. But they need not think of the eye. It selflessly effaces itself during perception. And it is the same with the other senses.
[ 7 ] In unseren Sinnen waltet Selbstlosigkeit. Aber zu dieser Selbstlosigkeit wären die Sinne nicht gekommen, schon in der lemurischen Zeit wäre ihnen die Selbstlosigkeit genommen worden, wenn Luzifer frei für sich hätte wirken können in dieser alten lemurischen Zeit. Der Geist, von dem mit Recht das biblische Wort gesagt wird: Euer Auge wird geöffnet sein —, dieser Geist hat notwendig gemacht, daß der Mensch in eine Sphäre des Erdenlebens versetzt worden ist, in welcher seine Augen, wenn sie sich so entwickelt hätten, wie sie sich unter dem Einflusse Luzifers hätten entwickeln müssen, selbstsüchtig geworden wären. Und bei jedem Eindruck — und so würde es auch für die andern Sinne sein — hätte der Mensch gerufen: Ach, hier sticht es! — und er hätte nicht die rote Farbe in seiner Umgebung wahrgenommen, oder er hätte gesagt: Ach, es saugt an mir — und hätte nicht die blaue Farbe wahrgenommen, sondern im Auge die saugende Wirkung. Abgewendet worden ist noch in der lemurischen Zeit diese Gefahr von der Menschheitsentwickelung dadurch, daß sich — aber jetzt nicht auf der Erde, sondern in den überirdischen Welten — diejenige Wesenheit, die später durch das Mysterium von Golgatha sich in dem Leib des Jesus von Nazareth verleiblicht hat, dazumal verseelt — ich kann nicht sagen verleiblicht — hat in ein Erzengelwesen, ein Wesen aus der Hierarchie der Archangeloi. So lebte, während die Erde ihr lemurisches Zeitalter durchmachte, in geistigen Höhen ein Wesen, welches — man möchte sagen, durch eine Art Vorbotschaft der Johannestaufe — dadurch entstanden ist, daß ein Erzengel seine Seelischheit hingeopfert hat und der Christus dieses Erzengelwesen durchdrang. Dadurch aber löste er eine Kraft aus, die in die menschliche Erdenentwickelung hereinwirkte. Und das Ergebnis dieser Einwirkung war eine Beruhigung der Sinne, ein Harmonischwerden der Sinne. Und wenn wir uns heute unserer Sinne so bedienen können, daß diese Sinne selbstlos sind, werden wir — wenn wir in bezug auf diese Tatsache verstanden haben und der Weltenordnung dankbar gemacht worden sind — hinschauen in alte Zeiten und werden sagen: Das, was wir als Sinnenmenschen sind, was möglich macht, daß wir nicht Schmerz durch unsere Sinne, sondern die herrliche Natur um uns herum empfinden, das rührt von dem ersten Christus-Opfer her. Dadurch, daß er sich verseelt hat in einem Erzengel, bringt er die Wirkung hervor, welche die Gefahr der Selbstsucht der Sinne von der Menschheitsentwickelung ablenkte. Das war die erste Vorstufe des Mystetiums von Golgatha.
[ 7 ] Selflessness reigns in our senses. But the senses would never have attained this selflessness; it would have been taken from them as early as the Lemurian era if Lucifer had been free to act on his own in that ancient time. The spirit of whom the Bible rightly says: ‘Your eyes shall be opened’—this spirit made it necessary for human beings to be placed in a sphere of earthly life in which their eyes, had they developed as they would have had to under the influence of Lucifer, would have become selfish. And at every impression—and so it would have been for the other senses as well—the human being would have cried out: ‘Oh, it stings here!’ — and he would not have perceived the red color in his surroundings, or he would have said: ‘Oh, it is sucking at me’ — and would not have perceived the blue color, but rather the sucking effect in his eye. This danger to human development was averted as early as the Lemurian epoch by the fact that — but not on Earth at that time, rather in the supersensible worlds — the very being who later, through the Mystery of Golgotha, incarnated in the body of Jesus of Nazareth, was at that time ensouled—I cannot say incarnated—in an archangelic being, a being from the hierarchy of the Archangeloi. Thus, while the Earth was passing through its Lemurian epoch, there lived in spiritual heights a being who—one might say, through a kind of foreshadowing of the baptism of John—came into being because an archangel sacrificed his soul, and the Christ permeated this archangelic being. Through this, however, he unleashed a force that worked into human earthly evolution. And the result of this influence was a calming of the senses, a harmonization of the senses. And when we are able today to use our senses in such a way that these senses are selfless, we will—if we have understood this fact and have been made grateful to the world order—look back to ancient times and say: What we are as sensory beings, what makes it possible for us to perceive not pain through our senses but the magnificent nature around us, stems from the first Christ sacrifice. By incarnating in an archangel, he brought about the effect that diverted the danger of sensory selfishness from human evolution. That was the first preliminary stage of the Mystery of Golgotha.
[ 8 ] Lernen wird der Mensch allmählich das tiefe, bedeutsame religiöse Gefühl entwickeln, wenn er hinschaut auf die Herrlichkeit der Natur, wenn er hinaufschaut zum Sternenhimmel, auf alles dasjenige, was das Sonnenlicht bescheint, was im tierischen, im mineralischen, im pflanzlichen Reich um uns herum ist, sagen lernen wird der Mensch: Daß ich so die Welt um mich herum schauen kann, daß ich so hineingestellt bin in diese Welt, daß meine Sinne nicht Quellen von Schmerzen sind, sondern das Werkzeug der Wahrnehmung der Herrlichkeit der Welt, das verdanke ich dem ersten Opfer, das von seiten des Christus als Vorbereitung vorangegangen ist dem Mysterium von Golgatha. Und vor uns erblicken wir perspektivisch eine Zeit, in der die Naturbetrachtung, der Naturgenuß durchchristet sein wird, wo die Menschen fühlen werden, sich sagen werden, wenn sie hinausgehen und sich erlaben an dem herrlichen Frühling, an den Schönheiten des Sommers oder an sonstigen Hertlichkeiten der Natur: Indem wir das alles aufnehmen können, was Herrliches die Natur um uns ausbreitet, müssen wir uns bewußt sein: Nicht wir, der Christus in unseren Sinnen Ist es, der uns geeignet macht, also die herrliche Natur zu empfinden.
[ 8 ] Gradually, human beings will learn to develop a deep, meaningful religious feeling when they look upon the splendor of nature, when they gaze up at the starry sky, at everything that sunlight illuminates, at all that surrounds us in the animal, mineral, and plant kingdoms; human beings will learn to say: That I can thus behold the world around me, that I am thus placed within this world, that my senses are not sources of pain but instruments for perceiving the world’s glory—I owe this to the first sacrifice made by Christ as a preparation for the Mystery of Golgotha. And before us we glimpse, in perspective, a time when the contemplation of nature, the enjoyment of nature, will be permeated by Christ, when people will feel and say to themselves, as they go out and delight in the glorious spring, in the beauties of summer, or in other delights of nature: As we take in all the splendor that nature spreads out around us, we must be aware: It is not we, but Christ within our senses who makes us capable of perceiving nature in this way.
[ 9 ] Und es war in den ersten Zeiten der atlantischen Entwickelung, da wollte sich — jetzt durch Luzifer und Ahriman bewirkt — die Selbstsucht eines andern Systems der menschlichen Organisation bemächtigen, nämlich der Lebensorgane. Versuchen wir einmal, uns das Wesentliche unserer Lebensorganisation von diesem Gesichtspunkt aus vor Augen zu führen. Was ist denn dieses Wesentliche? Man braucht nur zu denken, wie es dem Menschen ergeht, wenn dieses Wesentliche der Lebensorgane beeinträchtigt ist. Und es ist beeinträchtigt, wenn organische Erkrankungen der Lebensorgane auftreten. Da beginnt der Mensch zu erleben die Selbstsucht seiner Lunge, seines Herzens, Magens und anderer Organe. Da beginnen die Zeiten, wo der Mensch, erst indem er den Schmerz fühlt, weiß, er hat einen Magen, ein Herz, wo er es weiß im unmittelbaren Bewußtsein: Kranksein heißt, ein Organ ist selbstsüchtig geworden, führt ein eigenes Leben in unserem Organismus. In dem gewöhnlichen normalen Menschenleben ist das nicht der Fall. Da leben in der Gesamtorganisation des Menschen die einzelnen Organe des Menschen selbstlos. Und unsere alltägliche Verfassung hält uns nur dann sicher in der Welt aufrecht, wenn wir mit selbstlosen Organen durch die Welt gehen können, wenn wir nicht spüren, daß wir Magen, Lunge und so weiter haben, sondern wenn wir sie haben, ohne sie zu spüren, wenn sie nicht selbst sich gleich geltend machen, sondern wenn sie im ganzen Organismus dienende Glieder sind.
[ 9 ] And it was in the early stages of Atlantean development that—now driven by Lucifer and Ahriman—selfishness sought to take hold of another system of human organization, namely the life organs. Let us try to visualize the essence of our life organization from this perspective. What, then, is this essence? One need only consider what happens to a person when this essence of the life organs is impaired. And it is impaired when organic diseases of the life organs arise. Then the person begins to experience the selfishness of their lungs, heart, stomach, and other organs. That is when the times begin when a person, only by feeling the pain, knows they have a stomach, a heart—when they know it in their immediate consciousness: Being sick means that an organ has become selfish, leading a life of its own within our organism. In ordinary, normal human life, this is not the case. There, within the overall organization of the human being, the individual organs live selflessly. And our everyday condition only keeps us securely upright in the world when we can go through the world with selfless organs, when we do not feel that we have a stomach, lungs, and so on, but when we have them without feeling them, when they do not assert themselves immediately, but when they are serving members of the whole organism.
[ 10 ] Bei anderer Gelegenheit, ein andermal werden wir davon sprechen, warum Krankheit durch die Selbstsucht der Organe bewirkt wird, heute soll nur auf den normalen Zustand hingewiesen werden. Wäre es nur auf Ahriman und Luzifer angekommen, so wären ganz andere Zustände eingetreten schon in der atlantischen Entwickelung. Jedes einzelne menschliche Organ wäre selbstsüchtig geworden und etwas ganz Merkwürdiges hätte sich ereignet. Nehmen wir an, der Mensch näherte sich irgendeiner Frucht, also etwas, was in der Außenwelt ist und was von uns genossen werden kann oder was in irgendeiner Beziehung zu unserer Leibesorganisation steht. Es wird einmal gerade diese Beziehung zu unseren Lebensorganen ein Gegenstand des medizinischen Studiums sein, wenn die Wissenschaft sich wird anregen lassen von der Geisteswissenschaft. Dann wird man wissen, daß, wenn der Mensch zum Beispiel sich Kirschen pflückt vom Baum und sie ißt, gerade das, was mit den Kirschen in die Organisation übergeht, eine besondere Beziehung zu gewissen Organen hat, andere Früchte haben andere Beziehungen zu andern Organen. Alles was in die menschliche Organisation hineinkommt, hat gewisse Beziehungen zu dieser Organisation. Wenn das erfüllt worden wäre, was durch Ahriman und Luzifer hätte geschehen sollen in der atlantischen Zeit, dann hätten wir zum Beispiel Kirschen gepflückt, und im höchsten Maße hätte das Organ, das zu den Kirschen Beziehung hat, eine Gier gehabt. Eine unendliche Gier wäre da zum Ausdruck gekommen, und der Mensch hätte gespürt das betreffende Organ, das selbstsüchtig sich herausstellen würde aus dem Gesamtorganismus, aber die andern Organe würden dafür ebenso selbstsüchtig dagegen streiten in seinem Organismus. Oder nehmen wir einen andern Fall: es sei irgend etwas da, was dem Menschen schädlich ist. Geradeso wie die Dinge der Außenwelt gewisse Beziehungen zum Menschen haben im guten Sinn, so haben andere Dinge der Außenwelt nachteilige Beziehungen. Wenn der Mensch sich irgendeiner giftigen Pflanze näherte oder etwas anderem, was nur nachteilige Beziehungen zu diesem oder jenem Organ hätte, so würde er diese Beziehung durch die innere Tätigkeit des Organes spüren, und dies würde sich ausdrücken in einem furchtbaren, quälenden Angstgefühl. Der Mensch würde fühlen: vor ihm ist etwas, was da auf sein Organ so wirkt, daß es sich gleichsam ausgebrannt fühlt.
[ 10 ] On another occasion, at another time, we will discuss why illness is caused by the selfishness of the organs; today we shall merely point out the normal state of affairs. If it had depended solely on Ahriman and Lucifer, entirely different conditions would have arisen as early as the Atlantean epoch. Every single human organ would have become self-centered, and something quite remarkable would have occurred. Let us suppose that a person approached a piece of fruit—that is, something that exists in the external world and can be consumed by us, or that has some connection to our physical constitution. One day, this very relationship to our vital organs will become a subject of medical study, when science allows itself to be inspired by Spiritual Science. Then we will know that, for example, when a person picks cherries from a tree and eats them, precisely what passes into the organism through the cherries has a special relationship to certain organs; other fruits have different relationships to other organs. Everything that enters the human organism has certain relationships to this organism. If what was meant to have happened through Ahriman and Lucifer in the Atlantean era had been fulfilled, then, for example, we would have picked cherries, and the organ related to the cherries would have felt an intense craving. An infinite greed would have been expressed there, and the human being would have felt the organ in question selfishly standing out from the whole organism, but the other organs would have fought against it just as selfishly within his organism. Or let us take another case: suppose there is something that is harmful to the human being. Just as things in the external world have certain beneficial relationships with the human being, so do other things in the external world have harmful relationships. If the human being were to approach some poisonous plant or something else that would have only harmful effects on this or that organ, he would sense this relationship through the inner activity of the organ, and this would express itself in a terrible, agonizing feeling of fear. The person would feel: there is something before them that affects their organ in such a way that it feels, as it were, burned out.
[ 11 ] Nehmen wir jetzt nicht dasjenige, was der Mensch ißt, nehmen wir die Luft, die uns umgibt. Alles was in der Luft auftritt, hat Beziehung zu unseren Organen. Wenn das in Erfüllung gegangen wäre, was Ahriman und Luzifer gewollt haben, wenn der Mensch nur so auf sich angewiesen wäre, so würde er gejagt werden durch die Welt zwischen tierischster Begierde nach dem, was dem einen oder andern Organ zuträglich ist, und furchtbarem Ekel vor dem, was dem einen oder andern Organ schädlich ist. Stellen wir uns vor, wenn wir so hineingestellt wären in die Welt, mit solchen Leibesorganen, daß wir im höchsten Maße ein Spielball wären für jedes angenehme Aroma, dem wir, wennschon es eine Stunde entfernt ist, nachlaufen würden, oder ein Ekelgefühl nötigte uns schon von weither, daß wir entflöhen. Wenn wir so wie ein Kautschukball hin- und hergeworfen würden, denken Sie sich, wie könnten wir uns da entwickeln in der Welt? Daß das nicht so kam, daß unsere Lebensorgane abgedämpft worden sind, daß sie harmonisiert worden sind, ist die Folge davon, daß sich in der Zeit, in der der Mensch die erste atlantische Entwickelung durchmachte, in überirdischen Sphären die zweite Vorstufe des Mysteriums von Golgatha ereignete. Wieder verseelte sich die Christus-Wesenheit in einer Erzengelwesenheit, und das, was dadurch bewirkt wurde, das strahlte in die Erdenatmosphäre herunter. Da entstand jene Harmonisierung, jene Abdämpfung der Lebensorgane, die die Organe im Menschen selbstlos macht. In unserem Zusammensein mit der Außenwelt würden wir fortwährend die Ursache haben von den schlimmsten Erkrankungen, wir könnten gar nicht gesund sein, wenn nicht dieses zweite Christus-Ereignis eingetreten wäre. Und wiederum wird sich — das tritt uns als eine Perspektive für die Zukunft entgegen — die Menschheit, wenn sie sich wird durchdringen können mit einem wirklichen Verständnis von der geistigen Welt, ein Dankbarkeitsgefühl aneignen gegenüber den geistigen Wesenheiten, von denen der Mensch abhängt. Es wird sich die Menschheit erfüllen mit jenem wahren Frommsein, durch das sie sagen wird: Ich empfinde es, daß ich ein physischer Mensch mit der Selbstlosigkeit der Organe nur sein kann dadurch, daß nicht ich allein in der Welt mich entwickelt habe, sondern der Christus in mir, der mir meine Organe so gestaltet hat, daß ich Mensch sein kann! — So lernen wir immer mehr und mehr, daß wir im Grunde genommen alles dasjenige, was uns zum Menschen macht, im allerumfassendsten Sinne so auffassen müssen, daß wir sagen: Nicht ich, der Christus in mir. — Der Christus hat gesorgt für die ganze Menschheitsentwickelung in den drei Vorstufen des Mysteriums von Golgatha, die er verrichtet hat vor dem eigentlichen Mysterium von Golgatha.
[ 11 ] Let us not consider what humans eat, but rather the air that surrounds us. Everything present in the air has a connection to our organs. If what Ahriman and Lucifer intended had come to pass, if human beings were left entirely to their own devices, they would be driven through the world by the most animalistic craving for whatever is beneficial to one organ or another, and by a terrible revulsion toward whatever is harmful to one organ or another. Let us create a mental image of ourselves being placed in the world in this way, with such physical organs, so that we would be, to the highest degree, a plaything for every pleasant aroma, which we would chase after even if it were an hour away, or a feeling of revulsion would compel us from afar to flee. If we were tossed back and forth like a rubber ball, just imagine, how could we possibly develop in the world? That this did not come to pass, that our life organs have been tempered, that they have been harmonized, is the result of the fact that during the time when humanity underwent the first Atlantean development, the second preliminary stage of the Mystery of Golgotha took place in the super-earthly spheres. Once again, the Christ Being incarnated in an archangelic being, and what was brought about by this radiated down into the Earth’s atmosphere. This gave rise to that harmonization, that dampening of the life organs, which makes the organs in human beings selfless. In our interaction with the external world, we would constantly be the cause of the worst illnesses; we could not be healthy at all if this second Christ event had not taken place. And again—this presents itself to us as a prospect for the future—when humanity is able to imbue itself with a genuine understanding of the spiritual world, it will develop a sense of gratitude toward the spiritual beings on whom human beings depend. Humanity will be filled with that true piety through which it will say: I feel that I can only be a physical human being with the selflessness of my organs because it is not I alone who have developed in the world, but the Christ within me, who has fashioned my organs in such a way that I can be human! — Thus we learn more and more that, fundamentally, we must understand everything that makes us human in the most all-encompassing sense in such a way that we say: Not I, but the Christ within me. — The Christ has provided for the entire development of humanity in the three preliminary stages of the Mystery of Golgotha, which He accomplished prior to the actual Mystery of Golgotha.
[ 12 ] Es war in den letzten Zeiten der atlantischen Entwickelung, da stand die Menschheit vor einer dritten Gefahr. Da sollte in Unordnung kommen Denken, Fühlen und Wollen. Die Selbstsucht sollte einziehen in Denken, Fühlen und Wollen. Was würde dadurch entstanden sein? Nun, der Mensch würde dieses oder jenes gewollt haben, würde diesen oder jenen Willensimpulsen nachgegangen sein, einem andern Impuls würde sein Denken, wieder einem andern sein Fühlen nachgegangen sein. Notwendig war es für die Menschheitsentwickelung, daß Denken, Fühlen und Wollen sich als selbstlose Dinge der Gesamtheit der Seele einfügten. Unter dem bloßen Einfluß von Luzifer und Ahriman würden sie das nicht gekonnt haben. Da würden Denken, Fühlen, Wollen selbstsüchtig geworden sein, sie hätten gleichsam das harmonische Wirken der Seele zerrissen. Da trat dann, gegen Ende der atlantischen Entwickelung, das dritte Christus-Ereignis ein. Wiederum verseelte sich die Christus-Wesenheit in einem Erzengelwesen, und die Kraft, die in der überirdischen Welt dadurch entstand, daß der Christus ein Erzengelwesen durchdrang, die ermöglichte die Harmonisierung von Denken, Fühlen und Wollen. Wahrhaftig, so wie die physischen Sonnenstrahlen auf die Erde wirken müssen, damit nicht alles Pflanzenleben verdorrt, so muß von überirdischen Welten der Sonnengeist spiegelnd auf die Erde herein wirken, wie ich es jetzt geschildert habe. Auf der dritten Stufe hat er harmonisiert Denken, Fühlen und Wollen, so wie sie für das normale Menschenleben harmonisiert werden mußten.
[ 12 ] It was during the final stages of the Atlantean era that humanity faced a third danger. Thinking, feeling, and willing were to be thrown into disorder. Selfishness was to take hold of thinking, feeling, and willing. What would have resulted from this? Well, human beings would have willed this or that, would have followed this or that impulse of the will; their thinking would have followed one impulse, their feeling another. It was necessary for the development of humanity that thinking, feeling, and willing be integrated into the totality of the soul as selfless elements. Under the mere influence of Lucifer and Ahriman, they would not have been able to do this. Then thinking, feeling, and willing would have become selfish; they would have, as it were, torn apart the soul’s harmonious working. Then, toward the end of the Atlantean development, the third Christ event occurred. Once again, the Christ Being incarnated in an archangelic being, and the power that arose in the supersensible world through the Christ permeating an archangelic being made possible the harmonization of thinking, feeling, and willing. Truly, just as the physical rays of the sun must act upon the earth so that all plant life does not wither, so must the Sun Spirit from the supersensible worlds reflect its light upon the earth, as I have now described. On the third stage, it harmonized thinking, feeling, and willing, just as they had to be harmonized for normal human life.
[ 13 ] Was wäre aus dem Menschen geworden, wenn dieses dritte ChristusEreignis nicht eingetreten wäre? Furienhaft würde er erfaßt worden sein von seinen wilden Begierden, von seinem Willensleben. Rasend hätte er werden können, trotzdem auf der andern Seite wiederum sein Verstand selbstsüchtig höhnisch gedacht hätte über dasjenige, was rasend der Wille vollbringt. Das ist abgewendet worden durch das dritte Christus-Ereignis, da der Christus zum dritten Mal als ChristusWesenheit in der äußeren Seele eines Erzengels war, eines Wesens aus der Hierarchie der Archangeloi.
[ 13 ] What would have become of humankind if this third Christ event had not taken place? It would have been seized with fury by its wild desires, by the life of its will. He might have gone mad, even as, on the other hand, his intellect would have thought selfishly and scornfully about what the will accomplishes in its frenzy. This was averted by the third Christ event, for the Christ was present for the third time as a Christ-being in the outer soul of an archangel, a being from the hierarchy of the Archangeloi.
[ 14 ] Die Menschheit hat sich eine Erinnerung erhalten daran, wie die menschliche Leidenschaft und das menschliche Denken harmonisiert worden sind durch die Kräfte, die damals herunterwirkten aus den überirdischen Welten. Und dieses Erinnerungszeichen ist vorhanden, wird nur nicht in richtiger Weise verstanden. St. Georg, der den Drachen besiegt, oder Michael, der den Drachen besiegt, ist das Zeichen, das gebildet worden ist für das dritte Christus-Ereignis, da in Erzengelgestalt sich verseelt hat der Christus. Und der Drache, den er zertritt, ist derjenige, der in Unordnung gebracht hat das menschliche Denken, Fühlen und Wollen. Alle, die auf St. Georg mit dem Drachen oder auf Michael mit dem Drachen oder auf ähnliche Angelegenheiten hinblicken, sprechen in Wahrheit von dem dritten Christus-Ereignis. Und die Griechen, welche in ihrer wunderbaren Mythologie etwas geschaffen haben wie Nachbilder desjenigen, was sich am Ende der atlantischen Zeit in der geistigen Welt zugetragen hat, verehrten den Sonnengeist als den Harmonisator von Denken, Fühlen und Wollen in den Menschen. Du Sonnengeist — so sagten sich diejenigen Menschen in Griechenland, die etwas davon gewußt haben —, du hast dich in ätherischer Geistgestalt — denn so ist die Gestalt derer, die wir heute Archangeloi nennen — verseelt. Da hast du dasjenige, was sonst wild und unbeherrscht in der menschlichen Seele als Denken, Fühlen und Wollen durcheinanderrasen würde, zur Harmonie entfaltet auf deiner wunderbaren Leier, auf der du die Töne der menschlichen Seele harmonisch erklingen läßt! — Da wurde der Sonnengeist der Schutzgeist der im Menschen wild stürmenden Leidenschaften, wenn sie, wie es geschehen konnte, auflebten in den wilden Dämpfen, die aus dem Innern der Erde aufsteigen, die durch die Erde brechen. Und wenn nun ein Mensch sich ihnen aussetzen würde und nur diese Dämpfe auf sich wirken ließe, er würde wild durcheinanderrasen haben in sich Denken, Fühlen und Wollen. So setzte der Grieche die Pythia über solche, die Leidenschaften von der Erde aus durch Luzifer und Ahriman in Unordnung bringenden Dämpfe, aber Apollo überleuchtete die Pythia, besiegte die Wildheit der Leidenschaften — und sie wurde zur Weissagerin. In dem Sonnengeist des Apollo empfand der Grieche den Christus des dritten Christus-Ereignisses. Und in dem Verhältnis dazu der die Leidenschaften beherrschenden Stimmung der Pythia, in diesem Schutz, den der Gott Apollo der Pythia angedeihen ließ, in ihm sah der Grieche die Wirkung des dritten Christus-Opfers: die Harmonisierung der in Unordnung kommenden menschlichen Leidenschaften durch das dritte Christus-Ereignis. Der Sonnengeist Apoll aber ist im Grunde genommen dasselbe für die Griechen, was im Bild dargestellt wurde als Michael oder St.Georg, der den Drachen besiegt.
[ 14 ] Humanity has preserved a memory of how human passion and human thought were harmonized by the forces that were then working down from the super-earthly worlds. And this symbol of remembrance exists; it is simply not understood correctly. St. George defeating the dragon, or Michael defeating the dragon, is the symbol that was created for the third Christ event, since Christ took on the form of an archangel. And the dragon he tramples is the one who has thrown human thinking, feeling, and willing into disorder. All who look to St. George and the dragon, or to Michael and the dragon, or to similar matters, are in truth speaking of the third Christ event. And the Greeks, who in their wondrous mythology created something like afterimages of what took place in the spiritual world at the end of the Atlantean epoch, revered the Sun Spirit as the harmonizer of thinking, feeling, and willing in human beings. “You, Sun Spirit,” said those people in Greece who knew something of this, “ you have taken on a soul in an ethereal spiritual form—for such is the form of those we now call Archangels. There you have unfolded into harmony, upon your wondrous lyre on which you make the tones of the human soul resound harmoniously, that which would otherwise rage wildly and uncontrollably through the human soul as thinking, feeling, and willing! — Thus the Sun Spirit became the guardian spirit of the passions raging wildly within the human being, when they, as could happen, were stirred to life by the wild vapors rising from the earth’s interior, breaking through the earth. And if a human being were to expose themselves to these vapors and allow only them to affect them, their thinking, feeling, and willing would be in a wild, chaotic turmoil within them. Thus the Greeks placed the Pythia above those vapors that, through Lucifer and Ahriman, brought the passions from the earth into disorder; but Apollo outshone the Pythia, vanquished the wildness of the passions—and she became a prophetess. In the sun spirit of Apollo, the Greeks perceived the Christ of the third Christ event. And in the relationship to this—the mood of the Pythia that governs the passions, in this protection that the god Apollo bestowed upon the Pythia—in this, the Greeks saw the effect of the third Christ sacrifice: the harmonization of human passions thrown into disorder through the third Christ event. But the sun spirit Apollo is, in essence, the same for the Greeks as what was depicted in the image as Michael or St. George defeating the dragon.
[ 15 ] So schen wir, daß es einen Sinn hatte, wenn Justin, der Märtyrer, einen merkwürdigen Ausspruch tut. Einen Ausspruch, der, da ihn der Märtyrer getan hat, doch auch als christlich angesehen werden darf, trotzdem verschiedene heutige Vertreter des Christentums ihn verketzern würden. Justin sagte: Heraklit und Sokrates und Plato waren auch Christen, aber nur solche, wie man Christ sein konnte bevor eben das Mysterium von Golgatha sich vollzogen hatte. Die Theologen von heute wissen nichts mehr davon, aber die ersten Zeiten des Christentums, die christlichen Märtyrer wußten es noch, daß die alten griechischen Weisen, wenn sie auch vielleicht nicht den Namen des Christus angewandt haben, doch, wenn man gefragt hätte: Wer war Apollo? aus ihrem Mysterienwissen heraus geantwortet hätten: Der große Sonnengeist, der später in einem Menschen leben wird, der tritt in Apollo uns so entgegen, daß er wie in einer Erzengelgestalt in ihm verseelt ist.
[ 15 ] So we see that it made sense for Justin the Martyr to make a curious statement. A statement which, since it was made by the martyr, may still be regarded as Christian, even though various contemporary representatives of Christianity would condemn it as heretical. Justin said: Heraclitus, Socrates, and Plato were also Christians, but only in the sense that one could be a Christian before the Mystery of Golgotha had been fulfilled. Today’s theologians know nothing of this anymore, but the early days of Christianity, the Christian martyrs, still knew that the ancient Greek sages, even if they may not have used the name of Christ, would nevertheless have answered, based on their knowledge of the mysteries, if asked: ‘Who was Apollo?’ they would have answered, drawing on their knowledge of the mysteries: ‘The great Sun Spirit who will later live in a human being; he appears to us in Apollo in such a way that he is ensouled within him as in the form of an archangel.’
[ 16 ] Und dann kam das vierte, das irdische Mysterium, das von Golgatha. Dieselbe Christus-Wesenheit, die sich dreimal in Erzengelgestalt verseelt hat, dieselbe Christus-Gestalt verleiblicht sich dann durch das Ereignis, das wir die Johannestaufe im Jordan nennen, in dem Leibe des Jesus von Nazareth.
[ 16 ] And then came the fourth, the earthly Mystery, that of Golgotha. The same Christ-being who had incarnated three times in the form of an archangel—that same Christ-figure—then incarnated in the body of Jesus of Nazareth through the event we call the baptism of John in the Jordan.
[ 17 ] Ich gebe zu, daß es Ihnen sonderbar erscheinen wird, wenn ich sage: Dreimal hat sich diese Wesenheit in Erzengelgestalt verseelt und dann in Menschengestalt verleiblicht. Denn schematischer wäre es, zu sagen, zwischen der Verseelung in einer Erzengelgestalt und der Verleiblichung läge eine Verseelung in einer Engelgestalt, das heißt es würde sich der Christus auf einer der Stufen in einer Engelgestalt verseelt haben. So kommt es einem vor. Aber wenn die Menschen einem auch unterstellen, daß die Dinge, die aus der Geisteswissenschaft kommen, erdichtet sind, wahrhaftig, es ist nicht so. Das können Sie ja auch aus andern Dingen entnehmen. Und wenn Sie mich fragen: Wie kommt es, da der Christus nicht herunterstieg von Hierarchie zu Hierarchie und dann erst zum Menschen herunterstieg —, wenn Sie mich heute darum fragen, so muß ich Ihnen antworten: Das weiß ich nicht, weil ich überhaupt nicht kombiniere. Sondern die Tatsachenforschung ergibt, daß der Christus sich dreimal einer Erzengelgestalt — die Engelgestalt wurde ausgelassen — und dann einer Menschengestalt bediente. Ich überlasse es späterer Forschung, festzustellen, warum das so ist. Heute weiß ich es noch nicht, aber es ist so. Wenn man erdichten wollte, würde man es — das können Sie aus dem eben Gesagten entnehmen — ganz anders machen.
[ 17 ] I admit that it will seem strange to you when I say: Three times has this being incarnated in the form of an archangel and then taken on a human form. For it would be more logical to say that between the incarnation in the form of an archangel and the incarnation in human form there was an incarnation in the form of an angel—that is, that the Christ would have incarnated in the form of an angel at one of the stages. That is how it appears. But even if people accuse one of fabricating the things that come from Spiritual Science, truly, it is not so. You can see that from other things as well. And if you ask me: How is it that Christ did not descend from hierarchy to hierarchy and only then descend to humanity—if you ask me that today, I must answer: I do not know, because I do not speculate at all. Rather, factual research shows that Christ made use of an archangelic form three times—the angelic form was omitted—and then of a human form. I leave it to future research to determine why this is so. Today I do not yet know, but it is so. If one were to invent it, one would—as you can gather from what has just been said—do it quite differently.
[ 18 ] Es trat also die vierte Stufe des Mysteriums von Golgatha ein. Dieses Mysterium von Golgatha hat eine andere Gefahr abgewendet, die Gefahr, die darin bestanden hätte, daß durch den Einfluß Luzifers und Ahrimans das Ich des Menschen in Unordnung gekommen wäre. Die Sinnesorgane wären in Unordnung gekommen durch Luzifer in der lemurischen Zeit; in der ersten atlantischen Zeit drohte den Lebensorganen Unordnung und Disharmonie; in den letzten atlantischen Zeiten den Gemütsorganen, denjenigen Organen, die dem Denken, Fühlen und Wollen zugrunde liegen. Und in der nachatlantischen Zeit drohte dem Ich selber Unordnung. Weil das Ich in dieser Zeit Platz greifen sollte in der menschlichen Entwickelung, suchte man die Harmonie herzustellen zwischen diesem Ich und den Kräften des Kosmos, so daß das Ich nicht ein Spielball werde der Kräfte des Kosmos. Es hätte ein Spielball werden können zwischen diesen Kräften. Es wäre so ausgebildet worden, daß es sein Selbst nicht hätte bei sich behalten können, und wenn man es diesen Kräften überliefert hätte, so wäre das, was von der Seele kommt, hingerissen worden von allen elementarischen Kräften, die von Wind, Luft, Wellengang abstammen. Sie hätten den Menschen überall hingerissen.
[ 18 ] Thus began the fourth stage of the Mystery of Golgotha. This Mystery of Golgotha averted another danger: the danger that, under the influence of Lucifer and Ahriman, the human ego would have fallen into disorder. The sense organs would have been thrown into disorder by Lucifer during the Lemurian epoch; in the early Atlantean epoch, disorder and disharmony threatened the life organs; in the late Atlantean epoch, the soul organs—those organs underlying thinking, feeling, and willing—were threatened. And in the post-Atlantean era, disorder threatened the ego itself. Because the ego was to take its place in human development during this time, efforts were made to establish harmony between this ego and the forces of the cosmos, so that the ego would not become a plaything of the cosmic forces. It could have become a plaything between these forces. It would have been formed in such a way that it could not have retained its self, and if it had been surrendered to these forces, that which comes from the soul would have been carried away by all the elemental forces derived from wind, air, and waves. They would have carried the human being away everywhere.
[ 19 ] Michelangelo hat es gemalt. Sehen Sie sich die Bilder an, die Michelangelo gemalt hat. Er hat das gemalt, was dem Menschen gedroht hat. Es trat hervor in den Sibyllen. Wunderbar hat er es gemalt, wie sie denjenigen Menschentypus darstellen, der sein Ich in Unordnung kommen fühlt, so daß, wenn dieses Ich in Unordnung kommt, alle möglichen wunderbaren Weisheiten hervorkommen können, aber so, daß der Mensch sie nicht dirigieren kann. Sehen Sie sich an, wie Michelangelo sie gemalt hat. Sie stellen dar die verschiedenen Stufen des durch Unordnung des Ich an die Elementarwesen Hingegebenen. Auf der andern Seite aber kommt auch anderes auf. In denselben Raum hat er hineingemalt die sinnenden Gestalten des Prophetismus, denen man es ansieht, daß sie dasjenige aufleuchten lassen, was die Ordnung des Ich gegenüber dem Kosmos erhält. Es ergreift uns wunderbar, wenn wir den Drang nach dem Ich sehen in den Propheten, und auf der andern Seite die menschlichen Wesen sehen, die durch das Ich selber in Unordnung gekommen sind, und dann den Christus selber in diesem Raume sehen, den Christus, der sich in einem menschlichen Leibe verleiblicht, und der das Ich, das in die Welt kommen sollte, in Ordnung zu bringen hat.
[ 19 ] Michelangelo painted it. Look at the paintings Michelangelo created. He painted what threatened humanity. It was evident in the Sibyls. He painted it wonderfully, depicting the type of person who feels their ego falling into disorder, so that when this ego falls into disorder, all kinds of wonderful wisdom can emerge, but in such a way that the person cannot control it. Look at how Michelangelo painted them. They depict the various stages of those who, through the disorder of the ego, have surrendered to the elemental beings. On the other hand, however, something else also emerges. In the same space, he has painted the contemplative figures of prophecy, in whom one can see that they let shine forth that which maintains the order of the ego in relation to the cosmos. It moves us deeply when we see the yearning for the ego in the prophets, and on the other hand see the human beings who have been thrown into disorder by the ego itself, and then see Christ himself in this space—Christ, who incarnates in a human body and who must bring order to the ego that was to come into the world.
[ 20 ] Ja, Geisteswissenschaft wird uns gerade tiefer und immer tiefer zeigen, wie dieses Ich des Menschen durch das vierte Christus-Ereignis, das Mysterium von Golgatha, zur Selbstlosigkeit kommen kann. Die Sinne haben gesagt: Nicht ich, der Christus in uns. Die Lebensorgane haben gesagt: Nicht ich, der Christus in uns. Die Gemütsorgane haben gesagt: Nicht ich, der Christus in uns. Des Menschen moralisches und intellektuelles Leben muß lernen zu sagen: Nicht ich, der Christus in mir. — Jeder Schritt in die geistige Welt hinein zeigt uns dieses.
[ 20 ] Yes, Spiritual Science will show us ever more deeply how this human “I” can attain selflessness through the fourth Christ event, the Mystery of Golgotha. The senses have said: Not I, but Christ within us. The organs of life have said: Not I, but Christ within us. The organs of the soul have said: Not I, but Christ within us. The moral and intellectual life of the human being must learn to say: Not I, but Christ within me. — Every step into the spiritual world shows us this.
[ 21 ] Ich wollte heute dieses auseinandersetzen, damit wir bei einer andern Gelegenheit, die wir hoffentlich recht bald haben werden, einzelne okkulte Belege für diese Tatsachen liefern können und damit wir zeigen können, wie das, was wir da Geisteswissenschaft nennen, in unser moralisches und intellektuelles Leben so sich hineinergießen wird, daß der Mensch ein Schüler der Selbstlosigkeit wird, daß der Christus in uns lebt, daß wir den Christus lebendig fühlen in jedem Worte, das über Geisteswissenschaft gesprochen wird.
[ 21 ] I wanted to discuss this today so that, on another occasion—which we will hopefully have quite soon— we can provide specific occult evidence for these facts and show how what we call Spiritual Science will permeate our moral and intellectual lives in such a way that human beings become disciples of selflessness, that Christ lives within us, and that we feel Christ alive in every word spoken about Spiritual Science.
[ 22 ] Nur eines sei noch angeführt. Sie wissen, daß wir seit dem Jahre 1909 in München unsere Mysteriendramen aufgeführt haben. Man mag das, was wir zur Darstellung auf der Mysterienbühne gebracht haben, gut oder schlecht finden, darum kann es sich jetzt nicht handeln. Aber dasjenige, was getan worden ist, brauchte eine gewisse Kraft, eine Kraft, welche an den Menschen nicht so ohne weiteres herankommt dadurch, daß er Mensch auf Erden ist. Sehen Sie, wenn wir jetzt in Dornach arbeiten können, wenn wit unsere verschiedenen Arten von Harthölzern verarbeiten wollen, brauchen wir Muskelkraft. Wir können nicht sagen, daß wir diese Muskelkraft uns bewußt geben können. Sie kommt von unserem Leibe, von dem, was wir in der Seele können. Wir haben sie nicht in der Hand. Auch das haben wir nicht alles in der Hand, was wit im Geistigen verrichten und wozu wir spirituelle Kraft brauchen. Das hängt nicht allein ab von unsern Talenten als Mensch, so wie es nicht von unsern Talenten abhängt, ob wir etwas tun können, sondern auch von der Muskelkraft unseres Leibes. So brauchen wir spirituelle Kräfte, die ebenso außer uns sind wie die Muskelkräfte außer unserer Seele sind. Ich weiß, daß Flachlinge kommen und sagen können: Du bist ein Tor, du glaubst, daß dir spirituelle Kräfte von außen kommen, während sie nur aufsteigen aus dem eigenen Innern. — Mögen sie mich für einen Toren halten. Ich finde sie gerade von der Gescheitheit der Menschen, die nicht den Hunger von einem Stück Brot unterscheiden können. Ich weiß, wie spirituelle Kräfte von außen in den Menschen einfließen. So wie man, nur wenn man verrückt ist, glauben kann, daß der Hunger selber das Brot erzeugt, das ihn stillt, so wenig wie das der Fall ist, so wenig erzeugt die Kraft unserer Seele diejenigen Kräfte, die wir zum spirituellen Wirken brauchen: sie müssen in uns hereinfließen, müssen uns zufließen. Und ebenso wie wir ganz genau wissen, daß der Hunger in uns ist und das Brot von außen kommt, wenn wir nicht verrückt sind, ebenso weiß derjenige, der in geistigen Welten lebt, was in ihm ist und was von außen kommt. Und ich für meine Person fühlte seit dem Jahre 1909 immer mehr und mehr, wenn es sich darum handelte, in aller Stille und Ruhe dasjenige zu entwickeln, was für die Mysterienspiele notwendig war, ich fühlte die spirituelle Kraft, die von außen kam. Ich wußte ruhen das geistige Auge einer spirituellen Wesenheit auf demjenigen, was getan worden ist. Und ich spreche es aus als ein unmittelbares Erlebnis.
[ 22 ] Let me mention just one more thing. You know that we have been performing our Mystery Dramas in Munich since 1909. One may consider what we have presented on the Mystery Stage to be good or bad, but that is not the issue at hand. But what has been done required a certain kind of power—a power that does not readily come to a person simply because they are a human being on earth. You see, when we work in Dornach today, when we want to work with our various types of hardwoods, we need physical strength. We cannot say that we can consciously summon this physical strength. It comes from our body, from what we are capable of in the soul. We do not have it in our hands. Nor do we have everything in our hands that we accomplish in the spiritual realm and for which we need spiritual strength. That does not depend solely on our talents as human beings, just as it does not depend on our talents whether we can do something, but also on the muscular strength of our body. Thus we need spiritual powers that are just as outside of us as the muscular powers are outside our soul. I know that shallow people may come and say: You are a fool; you believe that spiritual powers come to you from outside, whereas they arise only from within yourself. — Let them take me for a fool. I find them to be precisely the kind of people who cannot distinguish hunger from a piece of bread. I know how spiritual forces flow into people from outside. Just as one can believe—only if one is mad—that hunger itself produces the bread that satisfies it, so little is that the case; just as little does the power of our soul produce those forces we need for spiritual work: they must flow into us, must come to us. And just as we know very well that hunger is within us and bread comes from outside—if we are not mad—so too does the one who lives in spiritual worlds know what is within him and what comes from outside. And for my part, since the year 1909, whenever it came to developing in all stillness and tranquility what was necessary for the Mystery Plays, I felt the spiritual power that came from outside. I knew that the spiritual eye of a spiritual being rested upon what had been done. And I speak of this as a direct experience.
[ 23 ] In den ersten Zeiten, als wir in Deutschland arbeiteten auf dem Felde unserer Geisteswissenschaft, kam zu uns eine befreundete Persönlichkeit, die mit einem wunderbaren Enthusiasmus aufnahm, was wir damals geben konnten. Aber nicht nur mit einem wunderbaren hingebenden Enthusiasmus nahm sie auf, was dazumal möglich war zu geben über Menschheitsentwickelung, kosmische Geheimnisse, über Reinkarnation und Karma, sondern sie verband damit zugleich einen wunderbaren ästhetischen Sinn. In Schönheit getaucht war alles, was man lehrend und unterredend mit dieser Persönlichkeit durchging. Wir waren damals noch wenige. In solchem Raum uns zu drükken, wie das heute der Fall ist, hatten wir noch nicht nötig. Und die Dinge, die wir heute vor großem Zuhörerkreis sprechen, bei deren Besprechung waren wir nur drei: ich mit zwei andern Personen. Die eine dieser Personen verließ uns schon 1904 auf dem physischen Plan, ging in die geistige Welt. Wie es so ist: solche Personen machen eine Entwickelung durch nach dem Tode. Im Jahre 1907, als wir zu unserem Kongreß die Schurésche Rekonstruktion des Mysteriums von Eleusis aufführten, war noch nichts von solchem Einfluß wahrnehmbar. 1909 fing es an, und immer mehr kam es in den letzten Jahren. Genau wußte ich, das ist die Individualität jener uns so befreundeten Persönlichkeit, die man wahrhaftig objektiv, rein wegen solcher Eigenart, lieb haben konnte. Entrückt in die geistige Welt wirkte sie wie ein Schutzengel für das, was wir zu leisten hatten zur Vermählung des Ästhetischen mit dem Esoterischen in unsern Mysterien. Und gut behütet fühlte man so von dieser Persönlichkeit, die 1904 entrückt war in die geistige Welt, dasjenige, was dann übergegangen ist in unsere irdische Wirksamkeit, was hereingeflossen ist in Erdenwirksamkeit und was uns durchdrungen hat, zu dem wir dankbar emporblicken, indem es durch das Ruhen des Seelenauges einer geistigen Persönlichkeit auf unseren Taten zum Ausdruck kam.
[ 23 ] In the early days, when we were working in Germany in the field of our Spiritual Science, a friend of ours came to us who received what we were able to offer at that time with wonderful enthusiasm. But she not only received with a wonderful, devoted enthusiasm what we were able to offer at that time regarding human evolution, cosmic mysteries, reincarnation, and karma; she also combined this with a wonderful aesthetic sense. Everything we went through with this person in teaching and conversation was bathed in beauty. We were still few in number back then. We had not yet needed to squeeze into such a space as is the case today. And the things we speak of today before a large audience—when we discussed them, there were only three of us: myself and two other people. One of these people left us on the physical plane as early as 1904, passing into the spiritual world. As is often the case, such individuals undergo a process of development after death. In 1907, when we performed Schuré’s reconstruction of the Eleusinian Mysteries at our congress, there was still no sign of such an influence. It began in 1909 and has grown steadily in recent years. I knew precisely that this was the individuality of that personality so dear to us, whom one could truly love objectively, purely because of such a quality. Having passed into the spiritual world, she acted as a guardian angel for what we had to accomplish in uniting the aesthetic with the esoteric in our mysteries. And thus, one felt well protected by this personality, who had been taken into the spiritual world in 1904, by that which then passed into our earthly activity, which flowed into earthly activity and which permeated us—to which we look up gratefully, as it was expressed through the resting gaze of a spiritual personality upon our deeds.
[ 24 ] Aber dann, wenn es sich darum handelte, dasjenige mit der Persönlichkeit zu pflegen, was man nennen kann: Zwiesprache — man kann es Ziwiesprache nennen, weil es eine Art von Wechselwirkung ist —, wenn das eintreten sollte, war es immer wiederum so, daß jene Persönlichkeit offenbarte: sie könne um so besser den Weg finden zu unserer Erdenwirksamkeit, je mehr wir uns durchdringen mit dem Gedanken des Christus in der Erdenentwickelung. Würde ich in Erdenworte dasjenige kleiden, was diese Individualität immer wiederum sprach, so würde ich sagen — ich muß aber selbstverständlich nur symbolisch ausdrücken das, was in der geistigen Welt anders ist: Ich finde so gut den Weg zu euch, weil ihr immer mehr und mehr den Weg findet, eure Geisteswissenschaft zu einem Ausdruck dessen zu machen, was das lebendige Wort des Christus selber ist.
[ 24 ] But then, when it came to cultivating with that personality what one might call: dialogue—one can call it a dialogue because it is a kind of interaction—when that should occur, it was always the case that this personality revealed: the more we imbue ourselves with the thought of Christ in earthly evolution, the better we can find the path to our earthly effectiveness. If I were to clothe in earthly words what this individuality always spoke, I would say—though of course I must express only symbolically what is different in the spiritual world: I find my way to you so well because you are increasingly finding the way to make your Spiritual Science an expression of what the living Word of Christ itself is.
[ 25 ] Das wird uns der Christus-Impuls werden: die lebendige Brücke zwischen dem Leben der Erde und dem Leben in überirdischen Welten. Dreimal hat der Christus aus überirdischen Welten herein dem Menschen jene Wesenheit veranlagt, die er braucht, damit er recht leben kann. Dreimal hat der Christus des Menschen Sinnes-, Lebens- und Gemütsorgane selbstlos gemacht. Jetzt ist es an dem Menschen, selbstlos zu werden in intellektueller und moralischer Beziehung dadurch, daß er für dieses intellektuelle und moralische Leben verstehen lernt das Wort: Nicht ich, der Christus in mir.
[ 25 ] This will become the Christ impulse for us: the living bridge between life on Earth and life in the higher worlds. Three times has the Christ, from the higher worlds, endowed humanity with the very nature it needs in order to live rightly. Three times has the Christ made the human organs of sense, life, and feeling selfless. Now it is up to human beings to become selfless in intellectual and moral terms by learning to understand, for this intellectual and moral life, the words: Not I, but the Christ in me.
[ 26 ] Das wird die Welt erkennen, daß das, was wir als Geisteswissenschaft verkündigen, das Wort Christi ist. Er hat gesagt: Ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Erde. — Die Mission der Geisteswissenschaft in unserer Zeit ist, zu eröffnen die Tore zu dem lebendigen Christus. Mit dem Verständnis der Lebenden vereinigen sich die Toten, die wissen, daß der Christus den Übergang gefunden hat vom Himmel zur Erdenwirksamkeit. Und wenn die Toten sich neigen wie die nächsten Schutzgötter den irdisch Lebenden, dann finden sie die Seelen der irdisch Lebendigen um so intensiver, um so mehr, je mehr diese Seelen selber von dem Christus-Impuls durchdrungen und durchgeistigt sind. Der Christus, er stieg als der hohe Sonnengeist aus den überirdischen Welten durch das Mysterium von Golgatha herab, damit er Wohnung finde in den Menschenseelen. Geisteswissenschaft soll werden die Botschaft davon, wie der Christus Wohnung finden kann in den Menschenseelen. Wenn der Christus in den MenschenErdenseelen Wohnung finden wird, dann wird von der Erdenaura die Christus-Kraft wiederum zurückstrahlen in diejenigen Welten, die der Christus verlassen hat zum Heil der Erdenmenschen, und der ganze Kosmos wird durchchristet sein.
[ 26 ] The world will recognize that what we proclaim as Spiritual Science is the Word of Christ. He said: “I am with you always, even to the end of the age.” — The mission of Spiritual Science in our time is to open the gates to the living Christ. The dead unite with the living in understanding, knowing that Christ has found the transition from heaven to earthly activity. And when the dead draw near to the living on earth as their closest guardian spirits, they find the souls of the living all the more intensely, all the more so, the more these souls themselves are permeated and spiritualized by the Christ impulse. Christ, as the high Sun Spirit, descended from the super-earthly worlds through the Mystery of Golgotha so that he might take up residence in human souls. Spiritual Science is to become the message of how Christ can take up residence in human souls. When Christ takes up residence in human souls on Earth, then the Christ-force will in turn radiate back from the Earth’s aura into those worlds which Christ has left for the salvation of Earth’s people, and the entire cosmos will be permeated by Christ.
[ 27 ] Zu solch tiefem Verständnis des Mysteriums von Golgatha schwingen wir uns allmählich auf durch wirkliches Durchdringen mit Geisteswissenschaft. Wenn wir das so bedenken, und dazu bedenken, wie sie sein muß eine Schule der Selbstlosigkeit für das intellektuelle und moralische Leben der Menschheit in die Zukunft hinein, dann werden wir so intensiv durchdrungen werden von der Notwendigkeit der geisteswissenschaftlichen Verkündigung des Mysteriums von Golgatha! Dann werden wir wissen, was gemeint ist mit den geisteswissenschaftlichen Impulsen, die hereinkommen wollen in die Gegenwart. Dann wird jener Christus-Impuls die Menschheit durchdringen, den wahrhaftig alle Menschen annehmen können, weil der Christus nicht einer Nation erschienen ist, sondern weil er das hohe Sonnenwesen ist, das der ganzen Erde angehört und das in alle Menschenseelen eindringen kann, gleichgültig welcher Nation und Religion sie angehören. Mögen nach und nach recht viele Menschen den Weg finden zu solchem Verständnis des Christus-Impulses und zu solchem Verständnis des Mysteriums von Golgatha, dann wird vielleicht dasjenige als das christlichste erscheinen, was heute von vielen, die sich christlich abgestempelt wähnen, unchristlich genannt und verketzert wird.
[ 27 ] We gradually rise to such a deep understanding of the Mystery of Golgotha through a genuine immersion in Spiritual Science. When we consider this, and also consider what a school of selflessness must be like for the intellectual and moral life of humanity in the future, then we will be so intensely imbued with the necessity of the proclamation of the Mystery of Golgotha by Spiritual Science! Then we will know what is meant by the spiritual-scientific impulses that seek to enter the present. Then that Christ impulse will permeate humanity—one that truly all people can accept, because Christ did not appear to a single nation, but because he is the high solar being who belongs to the whole earth and who can penetrate all human souls, regardless of which nation or religion they belong to. May, little by little, a great many people find their way to such an understanding of the Christ impulse and to such an understanding of the Mystery of Golgotha; then perhaps that which is today called unchristian and condemned as heresy by many who consider themselves Christian will appear to be the most Christian of all.
[ 28 ] Versuchen wir nicht bloß ein verstandesmäßiges Begreifen des Mysteriums von Golgatha, versuchen wir ein Ergreifen dieses Mysteriums von Golgatha mit unserer ganzen Seele, dann brauchen wir dazu die Geisteswissenschaft. Dann aber auch werden wir uns als Zugehörige unserer spirituellen Strömung, als jene Seelen wissen dürfen, welche verstehen, was der Menschheit jetzt und in der nächsten Zukunft nötig ist.
[ 28 ] Let us not merely attempt to grasp the Mystery of Golgotha intellectually; let us strive to embrace this Mystery of Golgotha with our whole soul—and for this, we need Spiritual Science. Then, too, we will be able to know ourselves as members of our spiritual movement, as those souls who understand what humanity needs now and in the near future.
[ 29 ] Das waren die Dinge, über die ich heute mit Ihnen sprechen wollte. Hoffentlich gelingt es in nicht allzuferner Zeit, Betrachtungen, die sich unmittelbar an diese anschließen können, wiederum in dieser Stadt pflegen zu können.
[ 29 ] Those were the topics I wanted to discuss with you today. I hope that, in the not-too-distant future, I will have the opportunity to continue these reflections here in this city.
