Building Stones for an Understanding
of the Mystery of Golgotha
GA 175
14 April 1917
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Building Stones for an Understanding of the Mystery of Golgotha, tr. SOL
Zwölfter Vortrag
Twelfth Lecture
[ 1 ] In verschiedenen Zusammenhängen mit der neueren Geistesgeschichte habe ich öfter den Namen Herman Grimm genannt. Nun möchte ich die heutigen Betrachtungen anknüpfen an eine von den verschiedenen, man möchte sagen, instinktiven Bemerkungen, die Herman Grimm machen konnte über dasjenige, was Bedürfnis der neueren Geistesgeschichte ist, ohne daß er in der Lage war, seine instinktive, wie gefühlte Ahnung in Erkenntnis umzusetzen. Ich möchte an eine der vielen Bemerkungen, die er instinktiv in dieser Richtung machte, anknüpfen. Sie betrifft eine Art Opposition, in welcher Herman Grimm stand gegenüber der ganzen modernen Geschichtsbetrachtung, indem er ein richtiges Gefühl davon hatte, daß diese Geschichtsbetrachtung unbewußt, selbstverständlich auch wiederum instinktiv, vor allen Dingen darauf ausgeht, aus dem Laufe der geschichtlichen Menschheitsbetrachtung das Christus-Ereignis auszuschließen, die Geschichte so zu betrachten, wie man sie betrachten kann, ohne daß man darauf Rücksicht nimmt, daß sich in den Verlauf der Menschheitsentwickelung das ChristusEreignis als etwas in allererster Linie Bestimmendes hineinstellt. Herman Grimm wollte im Gegenteil eine Geschichtsbetrachtung haben, welche den Christus als einen wesentlichen Faktor hineinstellt in den geschichtlichen Verlauf der Menschheit, so daß an einer solchen Geschichtsbetrachtung oder durch eine solche Geschichtsbetrachtung ersichtlich worden wäre oder ersichtlich würde, welcher bedeutsame Impuls eingegriffen hat in den Entwickelungsgang der Menschheit durch das Mysterium von Golgatha. Wie gesagt, bei Herman Grimm ist es aus seinem instinktiven Darinnenstehen in dem, was man die Goethesche Weltanschauung nennen kann, aber zu gleicher Zeit — bei seiner mangelnden Einsicht in die geistigen Welten — ist es instinktiv geblieben, mehr eine Ahnung, die er nicht durchdenken konnte.
[ 1 ] In various contexts relating to recent intellectual history, I have often mentioned the name Herman Grimm. Now I would like to link today's reflections to one of the various, one might say instinctive, remarks that Herman Grimm made about what is needed in recent intellectual history, without being able to translate his instinctive, intuitive insight into knowledge. I would like to refer to one of the many remarks he instinctively made in this direction. It concerns a kind of opposition in which Herman Grimm stood in relation to the whole modern view of history, in that he had a correct feeling that this view of history unconsciously, and of course also instinctively, aims above all to exclude the Christ event from the course of historical human observation, to view history as it can be viewed without taking into account that the Christ event is something that stands out as the foremost determining factor in the course of human development. On the contrary, Herman Grimm wanted to have a view of history which places Christ as an essential factor in the historical course of humanity, so that such a view of history, or through such a view of history, would have become apparent or would become apparent what significant impulse has intervened in the course of human development through the mystery of Golgotha. As I said, in Herman Grimm's case, due to his instinctive immersion in what might be called Goethe's worldview, but at the same time — due to his lack of insight into the spiritual worlds — it remained instinctive, more of a hunch that he was unable to think through.
[ 2 ] Es erscheint paradox, wenn man sagt, daß die geschichtliche Betrachtung vor allen Dingen sich zur Aufgabe macht, das Christus JesusEreignis aus der historischen Betrachtung herauszutilgen. Und dennoch ist es eine Wahrheit. Eine Wahrheit, welche so instinktiv eingewurzelt ist in der modernen Weltanschauung, daß manche Leute gar viel tun in Weltanschauungsfragen, um dieses Christus-Ereignis nur ja nicht seiner wahren, tieferen Bedeutung nach hereinkommen zu lassen in den geschichtlichen Verlauf der Menschheitstatsachen. Und unter diesem instinktiven Impuls, der in den Seelen so stark lebt, stellt sich das heraus, daß im allgemeinen Menschheitsbewußitsein viel, viel Finsternis verbreitet wird über diejenigen Jahrhunderte, welche vorangegangen sind und nachfolgen dem Mysterium von Golgatha. Nicht allein, daß man nicht versucht — das ließe sich ja begreifen aus mancherlei, das wir auch schon anführen konnten im Laufe unserer geisteswissenschaftlichen Betrachtungen -, nicht allein, daß man nicht versucht, das Mysterium von Golgatha selber in seiner Geschichtlichkeit vollständig zu betrachten, sondern man sucht auch dasjenige, was vorher und nachher geschehen ist, gewissermaßen einzutauchen in solche Vorstellungen, daß man an der Betrachtung dieser Jahrhunderte nicht merkt, was da eigentlich innerhalb dieser Jahrhunderte zur Zeit des Mysteriums von Golgatha geschehen ist. Man könnte sagen, es wird alles angestellt, um die Geschichte dieser Jahrhunderte so zu betrachten, daß man nicht merkt, daß an den Ereignissen dieser Jahrhunderte deutlich zutage tritt, wie gewaltig das Mysterium von Golgatha eingegriffen hat. Wenn man dabei bedenkt, wie abhängig unsere von aller Autorität selbstverständlich unabhängige Zeit vom Autoritätsglauben ist, wie so sehr abhängig, dann kann man auch ermessen, wie gründlich es gelungen ist, möglichst wenig Bewußtsein entstehen zu lassen von dem, was sich in jenen Jahrhunderten eigentlich mit der Menschheitsentwickelung abgespielt hat. Und wenn dann einmal ein solcher Geist da ist, wie es Goethe war, von dem wir das letzte Mal ein besonderes Beispiel seiner Naturbetrachtung anführen konnten, die direkt hineinführt in eine Weltauffassung, welche Moralismus und Naturalismus in einem schaut — wenn einmal eine solche Persönlichkeit da war, so sucht man, wiederum instinktiv, womöglich dasjenige bei diesem Menschen abzuschwächen, abzulehnen, was gerade bei einer solchen Persönlichkeit, wenn es angefaßt würde in der richtigen Weise, hineinführen würde, in bewundernswürdiger, grandioser Weise hineinführen würde in eine geisteswissenschaftliche Weltbetrachtung.
[ 2 ] It seems paradoxical to say that the historical view makes it its primary task to erase the Christ Jesus event from historical consideration. And yet it is a truth. A truth that is so instinctively rooted in the modern worldview that some people do a great deal in matters of worldview to prevent this Christ event from entering into the historical course of human facts in its true, deeper meaning. And under this instinctive impulse, which lives so strongly in souls, it turns out that much, much darkness is spread in the general consciousness of humanity about the centuries that preceded and followed the mystery of Golgotha. Not only is there no attempt — which is understandable for various reasons that we have already mentioned in the course of our considerations in Spiritual Science — not only is there no attempt to view the Mystery of Golgotha itself in its entirety in its historical context, but people also seek to immerse themselves in what happened before and after to immerse oneself, as it were, in such mental images that, when considering these centuries, one does not notice what actually happened within them at the time of the Mystery of Golgotha. One could say that everything is done to view the history of these centuries in such a way that one does not notice how clearly the events of these centuries reveal the enormous impact of the mystery of Golgotha. When one considers how dependent our age, which is of course independent of all authority, is on the belief in authority, how very dependent, then one can also gauge how thoroughly it has succeeded in allowing as little awareness as possible to arise of what actually took place in those centuries with regard to human development. And then, once a spirit such as Goethe's is present, of whom we were able to cite a special example of his observation of nature last time, which leads directly to a worldview that sees moralism and naturalism as one — once such a personality has emerged, people instinctively seek to weaken or reject in this person precisely what, if handled in the right way, would lead them in an admirable, grandiose way to a view of the world based on Spiritual Science.
[ 3 ] Da kann man das Merkwürdigste erleben. Sehen sie, ich habe Ihnen angeführt: Goethe genügte nicht die gewöhnliche Botanik, sondern er wollte eine vergeistigte Botanik haben, kam aber dadurch gerade dazu, den Geist zu finden, wie er sich im Pflanzenreiche offenbart, jenen Geist zu finden, bis zu dem das Pflanzenreich in seiner heutigen Gestaltung selber nicht kommen kann, weil es seine Anlage nicht völlig ausbilden kann, wie ich es das letztemal ausgeführt habe. Also Goethe versuchte, tiefer zu schauen in die Anlagen des Pflanzenreiches - er versuchte das auch beim Mineralreiche -, tiefer zu schauen als die bloße Sinnesbeobachtung gestattet, die ja nur das gibt, bis zu dem eben das Pflanzenreich gekommen ist. Daher war es Goethe besonders ungelegen, daß zu seiner Zeit die Hallersche Anschauung auftauchte, die Haller so schön zusammengefaßt hat in den Worten:
[ 3 ] This can lead to the most remarkable experiences. You see, I mentioned to you that Goethe was not satisfied with ordinary botany; he wanted to have a spiritualized botany, but in doing so he came to find the spirit as it reveals itself in the plant kingdom, to find that spirit which the plant kingdom itself cannot attain in its present form because it cannot fully develop its potential, as I explained last time. So Goethe tried to look deeper into the potential of the plant kingdom — he also tried this with the mineral kingdom — to look deeper than mere sensory observation allows, which only reveals what the plant kingdom has actually achieved. Therefore, it was particularly inconvenient for Goethe that Haller's view emerged in his time, which Haller so beautifully summarized in the words:
«Ins Innere der Natur
Dringt kein erschaffner Geist.
Glückselig! wem sie nur
Die äußere Schale weist!»
“No creative spirit penetrates the innermost depths of nature.
Blessed are those to whom it shows only its outer shell!”
The outer shell!“
[ 4 ] Sie wissen — ich habe es oft zitiert -, Goethe sagt gegenüber diesem Ausspruch «Ins Innere der Natur dringt kein erschaffner Geist, glück selig, wem sie nur die äußere Schale weist»:
[ 4 ] You know — I have often quoted it — Goethe says in response to this statement, ”No creative spirit penetrates the innermost nature; blessed are those to whom it shows only the outer shell":
«Das hör’ ich sechzig Jahre wiederholen,
Und fluche drauf, aber verstohlen;
Sage mir tausend tausendmale:
Alles gibt sie reichlich und gern;
Natur hat weder Kern
Noch Schale,
Alles ist sie mit einemmale;
Dich prüfe du nur allermeist,
Ob Du Kern oder Schale seist?»
"I've heard that repeated for sixty years,
And curse it, but secretly;
Tell me a thousand thousand times:
She gives everything abundantly and gladly;
Nature has neither core
Nor shell,
She is everything at once;
Just examine yourself most of all,
Whether you are core or shell?"
[ 5 ] Also Goethe, man kann sagen, lehnt sich gerade mit aller Macht auf gegen die Anschauung: Ins Innere der Natur dringt kein erschaffner Geist. - Warum tut er das? Ja, sehen Sie, weil Goethe überall den großen geistigen Hintergrund in seinen Erkenntnis-Instinkten hatte, jenen geistigen Hintergrund, den mehr oder weniger das neunzehnte Jahrhundert so recht unter Schutt und Trümmer zu begraben versuchte. Wie geläufig ist dem Weltbetrachter des neunzehnten Jahrhunderts das Schopenhauersche Wort geworden: «Die Welt ist meine Vorstellung», «Keine Farbe, kein Licht ohne Auge». — Goethe setzt von sich aus dem ganz konsequent entgegen: Gewiß, kein Licht ohne Auge ist wahrzunehmen; gewiß, wären nicht die Augen da, die Welt wäre finster und stumm! - Ich habe öfter, sogar in öffentlichen Vorträgen, auf diese Anschauung des neunzehnten Jahrhunderts aufmerksam gemacht. Aber Goethe setzt dem entgegen: Ohne Licht kein Auge, denn das Licht hat das Auge gebildet für das Licht. Aus unbestimmten Organen, sagte Goethe, hat das Licht hervorgezaubert das Auge! — Will man tiefer in die Sache eindringen, so stellt sich da etwas ganz Eigentümliches heraus.
[ 5 ] So Goethe, one might say, rebels with all his might against the view that no creative spirit penetrates the innermost depths of nature. Why does he do this? Well, you see, because Goethe had the great spiritual background in his instincts of knowledge everywhere, that spiritual background which the nineteenth century more or less tried to bury under rubble and debris. How familiar did Schopenhauer's words become to nineteenth-century observers of the world: “The world is my mental image,” “No color, no light without the eye.” Goethe consistently counters this with his own view: Certainly, no light can be perceived without the eye; certainly, if the eyes were not there, the world would be dark and silent! I have often drawn attention to this nineteenth-century view, even in public lectures. But Goethe counters this: without light there would be no eye, for light has formed the eye for light. From indeterminate organs, said Goethe, light has conjured up the eye! If one wants to delve deeper into the matter, something very peculiar emerges.
[ 6 ] Nicht wahr, das Pflanzenreich war nach den Andeutungen, die ich das letztemal gemacht habe, eigentlich dazu berufen, aus sich selbst heraus, ohne Befruchtung, immer seinesgleichen durch die Metamorphose hervorzubringen. Die Befruchtung hätte einen ganz anderen Sinn haben sollen, als sie ihn jetzt hat für das Pflanzenreich. Goethe ahnte das. Daher gefiel ihm die Schelversche Ausführung über den Befruchtungsvorgang so außerordentlich, und er hatte den Mut, bei der Pflanzenbetrachtung zu moralisieren. Er hatte diesen Mut. Das Pflanzenreich lebt eben in einer anderen Sphäre als in derjenigen, in der es die Metamorphose reinlich ausbilden würde. Das ist durch jenes große Ereignis gekommen, wodurch die Menschheit von einer höheren Sphäre in eine tiefere durch die luziferische Versuchung heruntergekommen ist. Aber das, was da in den Pflanzen wirksam wäre, wenn sie die Metamorphose völlig zum Ausdruck brächten, wenn also aus der Pflanze die nachfolgende einfach herauswüchse und nicht die sinnliche Befruchtung eintreten würde, die Kräfte, die da leben würden, die sind geistig geworden, leben geistig in unserer Umgebung, und die machen es, daß der Mensch seine sinnlichen Organe so hat, wie er sie jetzt hat. Indem Luzifers Wort dahinging: «Eure Augen werden aufgetan sein», meinte er damit: «Ihr werdet als Menschen in eine andere Sphäre versetzt werden.» Diese andere Sphäre hatte notwendig im Gefolge, daß die Pflanzenwesen ihre Anlage nicht voll entwickeln konnten, aber die menschlichen Augen wurden aufgetan. Das Licht wirkte so, daß es wirklich im Goetheschen Sinne die Augen auftun konnte. Aber allerdings, dieses Auftun der Augen war in anderer Beziehung ein Zumachen. Denn indem die Menschen ihre Augen richten konnten, überhaupt ihre Sinne richten konnten auf die äußere Sinneswelt, drang der Geist nicht in sie ein, der in der Sinneswelt lebte. Sie wurden geschlossen für die Offenbarung des Geistes, diese Augen. Und so kam jene merkwürdige Anschauung zustande, die insbesondere im neunzehnten Jahrhundert ihre wilden Triebe getrieben hat, indem man sagte: Der Mensch sieht ja nur die äußere Sinneswelt und er kann nicht hinter diese Sinneswelt schauen. «Ins Innere der Natur dringt kein erschaffner Geist, glückselig, wem sie nur die äußere Schale weist.» Man meint, der Mensch könne nicht da hinüberschauen. Mit einem erhöhten, gereinigten Bewußtsein kann er es, und Goethe wußte das. Es kam diese merkwürdige, ich möchte sagen finstere Lehre, daß man sagte: Der Mensch sieht nur dasjenige, was in seiner sinnlichen Umgebung ist. Die Lehre, die auf naturwissenschaftlichem Felde bloß verderblich ist, aber in ihrer Verderblichkeit brauchbar ist, auf künstlerischem Felde ist sie so, daß, wenn jemals ihr Analogon einen Künstler ergreifen würde, wenn der Künstler nicht gegen diese Anschauung arbeiten würde, ich meine, schaffen würde, so würde er überhaupt durch diese Anschauung in seiner künstlerischen Phantasie ertötet werden. Denn diese Anschauung gleicht keiner anderen als der, wenn man sagt: Goethes «Faust», der ist ja nur in Büchern erhalten; da sehen wir die Buchstaben; aber der «Faust» ist jenseits der Buchstaben; ins Innere dieser Buchstaben dringt keiner; glückselig, wem sie nur die Schale weisen, die Buchstaben! — Nun, man kann ja von gewissen Philologen zugeben, daß sie in dieser Glückseligkeit leben, daß ihnen der «Faust» nur die äußeren Buchstaben weist. Aber man kann schon sagen: Diese Buchstaben müssen ja da sein, aber für das Verständnis des «Faust» sind sie dasjenige, durch das man gerade durchsieht, an dem man nicht haften bleibt; das da sein muß, von dem man aber nicht weiter redet. Man merkt gar nicht, wie man widerspricht der alleralltäglichsten Tatsache mit dem, was sozusagen in Fleisch und Blut eingezogen ist in unserem materialistischen Zeitalter.
[ 6 ] Isn't it true that, according to the hints I made last time, the plant kingdom was actually called upon to produce its own kind through metamorphosis, without fertilization? Fertilization should have had a completely different meaning than it now has for the plant kingdom. Goethe sensed this. That is why he liked Schelvers' explanation of the fertilization process so much, and he had the courage to moralize when observing plants. He had this courage. The plant kingdom lives in a different sphere than the one in which it would develop metamorphosis purely. This came about through that great event whereby humanity descended from a higher sphere to a lower one through the Luciferic temptation. But what would be effective in plants if they fully expressed metamorphosis, if the next plant simply grew out of the previous one and sensual fertilization did not occur, the forces that would live there have become spiritual, live spiritually in our environment, and they cause human beings to have their sensory organs as they now have them. When Lucifer said, “Your eyes will be opened,” he meant, “You will be transferred as human beings to another sphere.” This other sphere necessarily meant that plant beings could not fully develop their potential, but human eyes were opened. The light had such an effect that it could truly open the eyes in Goethe's sense. But, of course, this opening of the eyes was in another sense a closing. For when human beings were able to focus their eyes, to focus their senses at all on the external sensory world, the spirit that lived in the sensory world did not penetrate them. These eyes became closed to the revelation of the spirit. And so that strange view came about, which ran wild especially in the nineteenth century, when people said: Man sees only the outer sensory world and cannot see behind this sensory world. “No creative spirit penetrates into the inner nature of things; blessed are those to whom it shows only its outer shell.” People think that human beings cannot see beyond this. With an elevated, purified consciousness, they can, and Goethe knew this. This strange, I would say sinister, doctrine arose, which said: Man sees only what is in his sensory environment. This doctrine, which is merely pernicious in the field of natural science, but useful in its perniciousness, is such in the field of art that if its analogue were ever to take hold of an artist, if the artist did not work against this view, I mean create, he would be killed in his artistic imagination by this view. For this view is like no other than when one says: Goethe's “Faust” is only preserved in books; there we see the letters; but “Faust” is beyond the letters; no one penetrates into the interior of these letters; blessed are those to whom only the shell, the letters, are shown! — Well, one can admit that certain philologists live in this bliss, that Faust shows them only the outer letters. But one can already say: these letters must be there, but for the understanding of Faust they are that through which one sees right through, to which one does not cling; that which must be there, but which one does not talk about further. One does not even notice how one contradicts the most everyday fact with what has, so to speak, become second nature in our materialistic age.
[ 7 ] Aber zu einer anderen Anschauung würde man eben nur kommen, wenn man ein wenig hätte mitempfinden können die Worte, an die wir wiederum erinnern:
[ 7 ] But one would only come to a different view if one could empathize a little with the words we recall:
Das hör’ ich sechzig Jahre wiederholen,
Und fluche drauf, aber verstohlen...
Natur hat weder Kern
Noch Schale,
Alles ist sie mit einemmale;
Dich prüfe du nur allermeist,
Ob du Kern oder Schale seist?
I've heard that repeated for sixty years,
And I curse it, but secretly...
Nature has neither core
Nor shell,
It is everything at once;
Just examine yourself most of all,
Whether you are core or shell?
[ 8 ] Denn, sehen Sie, es waltet das merkwürdige Geheimnis in der Menschheitsentwickelung, daß, wenn man sich emanzipiert von dieser Goetheschen Anschauung und sich bekennt zu der Hallerschen Anschauung, dann kann man die Geschichte vor dem Mysterium von Golgatha so betrachten, daß man nichts merkt von der eigentlichen Bedeutung des Mysteriums von Golgatha, und man kann die Geschichte nach dem Mysterium von Golgatha so betrachten, daß man wiederum nichts merkt von der eigentlichen Bedeutung des Mysteriums von Golgatha. Das klingt zunächst paradox; aber es ist doch so. Es ist so, daß, wenn man die Anti-Goethesche Weltanschauung anwendet auf den geschichtlichen Verlauf, dann wird unter dem Einfluß dieser Anti-Goetheschen Weltanschauung die vorchristliche Zeit so, daß man höchstens dazu kommt, irgendein historisches Ereignis anzunehmen im Beginne unserer christlichen Zeitrechnung, aber den ganzen starken Impuls des Mysteriums von Golgatha muß man dann, nun, ins Innere verlegen, zu dem kein erschaffener Geist vordringen soll. Man merkt dann nicht, daß, indem die Geschichte sich abwickelt bis zum Mysterium von Golgatha hin, da etwas hereinkommt, was einen wirklich gewaltigen Wendepunkt, und zwar den größten Wendepunkt in der irdischen Menschheitsentwickelung bedeutet; und man merkt auch nicht, wenn man das auf die nachchristliche Geschichte anwendet, daß dieser Wendepunkt drinnensteckt, in seiner Nachwirkung drinnensteckt. Daher besteht das instinktive Bedürfnis, die Goethesche Weltanschauung ein wenig unvermerkt herauszueskamotieren aus dem gegenwärtigen Denken, sie ja nicht im gegenwärtigen Denken gar zu groß werden zu lassen.
[ 8 ] For, you see, there is a strange mystery at work in human development, namely that if one emancipates oneself from this Goethean view and professes the Hallerian view, then one can look at the history before the Mystery of Golgotha in such a way that one notices nothing of the actual meaning of the Mystery of Golgotha, and one can view history after the Mystery of Golgotha in such a way that one again fails to notice the actual significance of the Mystery of Golgotha. This sounds paradoxical at first; but it is true. It is true that if one applies the anti-Goethean worldview to the course of history, then under the influence of this anti-Goethean worldview, the pre-Christian era becomes such that one can at most assume some historical event at the beginning of our Christian era, but the whole powerful impulse of the mystery of Golgotha must then be transferred to the inner realm, where no created spirit can penetrate. One then fails to notice that, as history unfolds up to the mystery of Golgotha, something comes in that represents a truly momentous turning point, indeed the greatest turning point in the earthly development of humanity; and one also fails to notice, when applying this to post-Christian history, that this turning point is contained within it, contained within its after-effects. Hence there is an instinctive need to extract Goethe's worldview from contemporary thinking a little unnoticed, so as not to let it become too big in contemporary thinking.
[ 9 ] Man kann manchmal die Leute abfangen bei diesem instinktiven Bestreben. Das, was ich sage, soll keine moralische Anklage wider irgend jemanden sein, denn selbstverständlich kenne ich den Einwand, der gemacht werden kann: Ja, solch ein Mensch, der da die Goethe-Weltanschauung hinauskomplimentieren möchte aus der gegenwärtigen Betrachtung der Welt, er hat doch das Beste gemeint! Nun, man kennt ja Shakespeares bekannte Antonius-Worte: «Ehrenwerte Männer sind sie alle!», es wird dies von vornherein zugegeben, selbstverständlich; aber es kommt ja nicht darauf an, daß man von einem Menschen sagen kann, er habe diese oder jene Absicht nicht gehabt, sondern darauf, wie dasjenige, was von ihm ausgeht, wirkt, wie sich das einlebt in die Menschheitsentwickelung. Und sehen Sie, da kann man eben manchmal ein bißchen, ich möchte sagen, die Leute abfangen bei diesem wohllöblichen Vorhaben, das Christus-Ereignis dadurch herauszukomplimentieren aus der Geschichte, daß man die Goethesche Weltanschauung nicht aufnimmt in seine Betrachtungsweise, die, wenn wir sie heute aufnehmen, einfach zur Geisteswissenschaft fortgebildet werden muß. Und da kommt einem ein Büchelchen, das großen Einfluß in der Gegenwart gehabt hat, in die Hände, in dem Betrachtungen angestellt werden über Geschichte, insofern sie Bezug hat auch auf den Christus Jesus. Und instinktiv soll herausgeworfen werden aus der Geschichtsbetrachtung die Möglichkeit, das Mysterium von Golgatha ordentlich zu beurteilen als den größten Wendepunkt der Erdenmenschheit. Das kann der Mann nur dadurch, daß er nun auch die ganze Geschichtsbetrachtung in die Perspektive hineinstellt, daß man ins Innere der Geschichte nicht dringen kann, daß man da nur an der Schale bleiben kann; daß auch die Geschichte so betrachtet werden muß, daß man zu dem wichtigsten Ereignis sagen muß: Nun, man kann eben nicht ins Innere der Geschichte hineindringen. - Was tut der Mann? Ich werde Ihnen seine Worte vorlesen, sie sind sehr interessant.
[ 9 ] One can sometimes catch people in this instinctive endeavor. What I am saying is not meant to be a moral accusation against anyone, for I am of course aware of the objection that can be made: Yes, such a person, who wants to compliment Goethe's worldview out of the current view of the world, meant well! Well, we all know Shakespeare's famous words of Antony: “Honorable men are they all!” this is admitted from the outset, of course; but what matters is not that one can say of a person that he did not have this or that intention, but how what emanates from him affects, how it becomes established in the development of humanity. And you see, sometimes one can I would say, people in this well-intentioned endeavor to compliment the Christ event out of history by not including Goethe's worldview in their perspective, which, if we take it up today, simply has to be developed into Spiritual Science. And then a little book comes along that has had a great influence in the present day, in which reflections are made on history insofar as it also relates to Christ Jesus. And instinctively, the possibility of properly assessing the mystery of Golgotha as the greatest turning point in the history of humanity is to be thrown out of the consideration of history. Man can only do this by placing the whole view of history in perspective, by realizing that one cannot penetrate into the innermost core of history, that one can only remain on the surface; that history must also be viewed in such a way that one must say about the most important event: Well, one simply cannot penetrate into the innermost core of history. What does man do? I will read his words to you; they are very interesting.
[ 10 ] «Und da ist es nötig, vor allem auf den fragmentarischen Charakter aller unserer auch der vollständigsten historischen Erkenntnisse aufmerksam zu machen. Der Reichtum des Geschehenen, die geschichtliche Wirklichkeit in der Vergangenheit ist nach Inhalt und Umfang unendlich viel größer, als unser Wissen davon jemals sein wird, und wenn wir noch Jahrtausende forschten. Denn aus der unübersehbaren Masse der Geschehnisse können dem Historiker nur Teilbestandteile zugänglich werden, nur das, was irgendwie überliefert ist, durch Quellen, Urkunden, zu ihm kommt. Alles andere, was nicht überliefert wurde und überhaupt nicht überliefert werden konnte, weil es der geistigen Innenwelt angehört, dem unerforschlichen Gebiete des Seelenlebens, der inneren Motivation des persönlichen Lebens, kann der Historiker nicht «wissen», sondern höchstens erraten. Dieses «Erraten» wird unter allen Umständen, selbst bei dem exaktesten und gewissenhaftesten Vorgehen, mit Mängeln, mit subjektiven Momenten behaftet sein. Wenn Goethe sagt: ‹Ins Innere der Natur dringt kein erschaffner Geist›, so muß dieses Wort ergänzt werden: ‹Ins Innere der Geschichte dringt auch keiner.› »
[ 10 ] "And so it is necessary, above all, to draw attention to the fragmentary nature of all our historical knowledge, even the most complete. The richness of what has happened, the historical reality of the past, is infinitely greater in content and scope than our knowledge of it will ever be, even if we were to research it for thousands of years. For from the vast mass of events, only partial components are accessible to the historian, only what has been handed down to him in some way, through sources and documents. Everything else that has not been handed down and could not be handed down at all because it belongs to the inner world of the mind, the unexplored realm of the soul, the inner motivation of personal life, the historian cannot “know,” but at best guess. This “guessing” will, under all circumstances, even with the most precise and conscientious approach, be fraught with shortcomings and subjective moments. When Goethe says, “No creative spirit penetrates the innermost depths of nature,” these words must be supplemented with, “Nor does any penetrate the innermost depths of history.”
[ 11 ] Wie gesagt, ich will keine moralischen Urteile fällen, sondern bloß das Objektive sagen: So fälscht man Goethe nach so kurzer Zeit! So fälscht man Goethe! Ins Entgegengesetzte fälscht man ihn um, indem man das heute der Menschheit mitteilt, die es selbstverständlich nicht merkt! Sie merkt es wirklich nicht! Denn dasjenige, was beschrieben worden ist hier, das nennt sich: «Das Christentum im Weltanschauungskampf der Gegenwart», und ist geschrieben, um zu zeigen, wie das Christentum im Weltanschauungskampfe der Gegenwart drinnensteht. Aber der ganze Geist, der in dieser Schrift waltet, der ist derselbe, der in dieser Goethe-Erkenntnis waltet. Da haben Sie einen solchen Punkt, wo man abfangen kann den Wahrheitssinn derjenigen, die heute ein großes Publikum haben. Denn ich habe Ihnen von demselben Manne neulich erzählt, daß er Vorträge vor kurzem gehalten hat, in denen man nachweisen kann, wie das Denken überall abreißt, wie es nirgends zusammenhängend ist, wie es vollständig korrumpiert ist, wie es nirgends auch nur versucht, in die Dinge einzudringen. Und ich hatte Ihnen versprochen — weil ich das betreffende Buch in Dornach lassen mußte, man kann ja jetzt nicht alles von einem Ort zum anderen führen -, es mir hier wieder zu verschaffen, um Ihnen einige Proben vorzulesen, die alle ebenso zeugen würden für die Diskontinuität, für die Korruptheit seines Denkens, wie das hier für die Korruptheit seiner GoetheAnschauung zeugt. Ich konnte mir das Buch nicht verschaffen; es ist so begehrt, daß es augenblicklich vergriffen ist, daß man es nicht mehr bekommt.
[ 11 ] As I said, I do not want to make moral judgments, but merely state the objective facts: this is how Goethe is falsified after such a short time! This is how Goethe is falsified! He is falsified into the opposite of what he was by communicating this to humanity today, which of course does not notice it! They really don't notice! For what has been described here is called: “Christianity in the Worldview Struggle of the Present,” and it is written to show how Christianity stands in the worldview struggle of the present. But the whole spirit that prevails in this writing is the same as that which prevails in this Goethe insight. Here you have a point where you can intercept the sense of truth of those who have a large audience today. For I told you recently about the same man who recently gave lectures in which one can demonstrate how thinking breaks off everywhere, how it is nowhere coherent, how it is completely corrupt, how it nowhere even attempts to penetrate things. And I promised you — because I had to leave the book in question in Dornach, since one cannot carry everything from one place to another at present — to obtain it again here in order to read you some samples that would testify just as much to the discontinuity and corruption of his thinking as this one testifies to the corruption of his view of Goethe. I was unable to obtain the book; it is so sought after that it is currently out of print and no longer available.
[ 12 ] Sehen Sie, so sind die Dinge, wenn es sich darum handelt, heute dasjenige, was wahr ist, an sich herankommen zu lassen. Deshalb ist es nicht unnötig und ungerechtfertigt, in ernsten Worten auf das hinzuweisen, was nötig ist, und deshalb auch aufmerksam zu machen, daß hinter solchen Worten wie «Ändert den Sinn!» etwas ungeheuer Tiefes liegt, das schon auch historisch zu erfassen ist, wenn man es historisch erfassen will. Die Täufer-Worte «Ändert den Sinn!», die hängen nicht nur zusammen mit dem, was man geisteswissenschaftlich herausholen kann aus der Menschheitsentwickelung, sondern sie hängen auch zusammen mit dem, was man geschichtlich betrachten kann, wenn man nur die Goethe-Weltanschauung nicht nach dem Gelüste des modernen Philisters verarbeitet, sondern wenn man versucht, diese Goethesche Weltanschauung lebendig zu machen. Denn dann ist sie ein großer Impuls, in das Christentum wirklich wiederum hineinzukommen, und führt unmittelbar zu unserer Geisteswissenschaft hin.
[ 12 ] You see, that is how things are when it comes to approaching what is true in itself today. That is why it is not unnecessary or unjustified to point out in serious words what is necessary, and therefore also to draw attention to the fact that behind words such as “Change your mind!” lies something tremendously profound, which can also be understood historically, if one wants to understand it historically. The Anabaptist words “Change your mind!” are not only connected with what can be gleaned from the development of humanity through Spiritual Science, but they are also connected with what can be observed historically, if one does not process Goethe's worldview according to the desires of the modern philistine, but if one tries to bring this Goethean worldview to life. For then it is a great impulse to really re-enter Christianity, and it leads directly to our Spiritual Science.
[ 13 ] Sehen Sie, uns wird heute am leichtesten klar werden, um was es sich in der Menschheitsentwickelung eigentlich handelt, wenn wir uns an manches erinnern, das wir ja im einzelnen oftmals ausgeführt haben. — Ausgeführt haben wir, wie in der vorchristlichen Zeit Mysterien da waren. Ich habe auf das, was in diesen Mysterien gesucht worden ist, hinzuweisen versucht in meinem Buch «Das Christentum als mystische Tatsache», indem ich Plato-Worte angeführt habe, die von diesen Mysterien sprechen. Gewiß, man kann heute mit einem vornehmen Lächeln, das aber im Grunde genommen doch nur ein materialistisch-philiströses Lächeln ist, auch auf solche Aussprüche Platos hinsehen wie diesen, wenn Plato sagt: Diejenigen, die in die Mysterien eingeweiht sind, sie nehmen teil an dem Leben im Ewigen. Die anderen sind wie im Sumpfe. — Ich habe ganz absichtlich damals, als ich «Das Christentum als mystische Tatsache» schrieb, auf diese Worte Platos hingewiesen, denn sie bezeugen in ernster Weise, was Plato von den Mysterien zu sagen hatte.
[ 13 ] You see, today it will be easiest for us to understand what human development is actually about if we remember some of the things we have often discussed in detail. We have discussed how there were mysteries in pre-Christian times. I have tried to point out what was sought in these mysteries in my book Christianity as a Mystical Fact, by quoting Plato's words that speak of these mysteries. Certainly, today one can look at such statements by Plato with a distinguished smile, which is, however, basically only a materialistic, philistine smile, when Plato says: Those who are initiated into the mysteries participate in life in the eternal. The others are as if in a swamp.“ When I wrote ”Christianity as a Mystical Fact," I deliberately referred to these words of Plato, because they bear serious witness to what Plato had to say about the mysteries.
[ 14 ] Im Grunde genommen bestand ja das große Geheimnis, das durch eine besondere Menschheitszucht dem Mysterienschüler in den vorchristlichen Zeiten vermittelt worden war, darinnen, anzuschauen dasjenige, wozu die mineralische und pflanzliche Natur geworden wäre, wenn sie sich in gerader Linie mit ihren Anlagen hätte fortentwickeln können. Denn dadurch würde ein Menschheitserkennen zustande gekommen sein, so daß man hätte sagen können: Wären Mineralreich und Pflanzenreich so, daß sie ihre Anlage voll hätten entwickeln können, dann würde der Mensch sein wahres Gesicht zeigen in derjenigen Sphäre, in der er dann sein würde. Und das war eine vollständige Verwandlung, die der Mysterienschüler durchmachte, wenn er gewissermaßen eingeführt wurde ins Innere der Natur, wenn er den Menschen so sehen durfte, wie der Mensch eigentlich ursprünglich beabsichtigt war. Denn dann sah dieser Mysterienschüler auch ein, wie das, was jetzt im warmblütigen Tierreiche, im rindenbegabten, im holzbegabten Pflanzenreiche, im physischen Menschenreiche existiert, nicht seinen Ursprung zeigt, offenbart, sondern unerklärt dasteht, weil es seinen Ursprung nicht unmittelbar in sich trägt. Während also die Pflanzen und Mineralien nicht ans Ende kommen, kommen die Menschen und Tiere nicht bis zu ihrem Ursprung zurück.
[ 14 ] Basically, the great secret that was imparted to mystery students in pre-Christian times through a special human breeding program consisted in seeing what mineral and plant nature would have become if it had been able to develop in a straight line with its predispositions. For this would have brought about a recognition of humanity such that one could have said: if the mineral and plant kingdoms had been able to develop their potential to the full, then human beings would show their true face in the sphere in which they would then be. And this was a complete transformation that the mystery student underwent when he was, so to speak, introduced into the inner nature of things, when he was allowed to see human beings as they were originally intended to be. For then this mystery student also understood how that which now exists in the warm-blooded animal kingdom, in the bark-endowed, wood-endowed plant kingdom, in the physical human kingdom, does not reveal its origin, but stands unexplained because it does not carry its origin directly within itself. So while plants and minerals do not come to an end, humans and animals do not return to their origin.
[ 15 ] Ja, notwendig war es - dafür zeugt das, was die Mysterien eigentlich waren —, notwendig war es in der vorchristlichen Zeit, einzuweihen gewisse Menschen. In den allerältesten Zeiten war das ja eine atavistische Erkenntnis aller Menschen, nur in späteren Zeiten, als die atavistische Erkenntnis zurückgegangen war, war es notwendig, einzelne einzuweihen. Es war also notwendig, die einzelnen Menschen einzuweihen in die Geheimnisse der äußeren Natur, des mineralischen, des pflanzlichen Reiches, um den Menschen zu sehen, um zu sehen, was er eigentlich ist. Ebenso wird es notwendig in unserer Zeit, wiederum auf seinen Ursprung hinzuweisen, den Menschen kennenzulernen von der anderen Seite, so daß er wiederum seinen Ursprung offenbart — was ja versucht worden ist in der «Geheimwissenschaft» in der stammelnden Weise, wie das in der jetzigen Zeit möglich ist —, so daß der Mensch wiederum angegliedert wird an das ganze Sein. Wie sich das andere zeigte für die vorchristliche Zeit, so zeigt sich das letztere für die Zeit, in der wir jetzt, also nach dem Mysterium von Golgatha, leben. Aber nur, wenn man das weiß, daß das Mysterium von Golgatha ein so tiefer Einschnitt ist, daß sich wirklich das geschichtliche Werden in zwei Teile gliedert, nur dann kann man zu einer wahren Betrachtung des Mysteriums von Golgatha allmählich aufsteigen. Aber das kann sich einem zeigen, indem man einfach nicht durch solche Brillen, wie sie durch den Anti-Goetheanismus den Menschen aufgesteckt werden, die Zeiten um das Mysterium von Golgatha herum verfinstert, sondern indem man sie wirklich so betrachtet, wie es gewissermaßen Herman Grimm haben wollte. Aber er hatte nicht die Kraft dazu.
[ 15 ] Yes, it was necessary — as evidenced by what the mysteries actually were — it was necessary in pre-Christian times to initiate certain people. In the earliest times, this was an atavistic knowledge of all people, but in later times, when atavistic knowledge had declined, it became necessary to initiate individuals. It was therefore necessary to initiate individuals into the mysteries of outer nature, of the mineral and plant kingdoms, in order to see the human being, to see what he actually is. Likewise, in our time it is necessary to point to his origin again, to get to know the human being from the other side, so that he reveals his origin again — which has been attempted in “The Secret Science” in the stammering way that is possible in the present time — so that the human being is again connected to the whole of being. Just as the other side was revealed in pre-Christian times, so the latter is revealed for the time in which we now live, that is, after the Mystery of Golgotha. But only when one knows that the Mystery of Golgotha is such a profound turning point that historical development is truly divided into two parts, only then can one gradually ascend to a true contemplation of the Mystery of Golgotha. But this can become apparent to us if we simply do not view the times surrounding the Mystery of Golgotha through the lens imposed on people by anti-Goetheanism, which obscures them, but rather view them as Herman Grimm, in a sense, wanted us to. But he did not have the strength to do so.
[ 16 ] Die Mysterien-Leiter, die Mysterien-Führer der alten Zeiten, sie haben wohl gewußt, warum sie eine Menschenzucht verlangten von denjenigen, die sie einweihten. Und sie haben bis in eine gewisse Zeit hinein streng darauf gehalten, daß niemand in die Mysterien eingeweiht wurde, der nicht diese Zucht durchgemacht hatte. Und insbesondere wurde auch noch in den älteren Zeiten in Griechenland viel darauf gesehen, daß niemand in die Mysterien eingeweiht wurde, der nicht eine strenge Zucht durchgemacht hatte. Das, was er da erfuhr, war: die Geheimnisse in der richtigen Weise ins Leben hineinzustellen. Darauf wurde insbesondere in griechischen Gegenden sehr, sehr viel gesehen. Und es wurde streng darauf gehalten, daß die Mysterien an Unwürdige ebensowenig verraten wurden, wie der Christus Jesus nicht die Geheimnisse des Reiches Gottes an die Schriftgelehrten und Pharisäer ausliefern will, sondern nur an diejenigen, die er zu seinen Schülern machen kann.
[ 16 ] The mystery leaders, the mystery guides of ancient times, knew very well why they demanded discipline from those they initiated. And until a certain time, they strictly insisted that no one be initiated into the mysteries who had not undergone this discipline. And in particular, in the older times in Greece, great importance was attached to that no one was initiated into the mysteries who had not undergone strict discipline. What he learned there was how to apply the secrets to life in the right way. This was considered very, very important, especially in Greek regions. And it was strictly enforced that the mysteries were not revealed to the unworthy, just as Christ Jesus did not want to reveal the secrets of the Kingdom of God to the scribes and Pharisees, but only to those whom he could make his disciples.
[ 17 ] Ohne daß diejenigen, welche die Mysterien-Führer waren, die geringste Schuld haben, ging es aber nun nicht mehr, das MysterienGeheimnis in den Zeiten, in denen das Ereignis von Golgatha herankam, in der entsprechenden Weise geheim zu halten. Das ging nicht mehr. Und warum ging es nicht mehr? Ich sage: Ohne die Schuld der Mysterien-Führer ging es nicht mehr. Die Mysterien-Führer, die MysterienLeiter, hatten keine Schuld daran. Dasjenige, was die Mysterien in unrichtiger Weise herauszog aus ihrer Geheimnis-Sphäre, das war das Imperium Romanum, das war der römische Imperialismus. Und es war unmöglich, daß die Führer der Mysterien den Befehlen namentlich der römischen Cäsaren widerstanden. Es rückte die Zeit heran, in der die Mysterien-Führer nicht mehr widerstehen konnten den Befehlen der römischen Cäsaren. Und dieses, daß durch den römischen Cäsarismus vergewaltigt wurde das geistige Leben, dieses spiegelt sich ja in allen Ereignissen der damaligen Zeit ab. Dieses sah auch ein Mensch wie der Täufer durchaus herankommen in allen Einzelheiten. Denn derjenige, der sehen will, der sieht in den Einzelheiten, was herankommt. Nur diejenigen sehen es nicht, die nicht sehen wollen. Das liegt in den Worten, die immer sehr vieldeutig, aber immer in allen Bedeutungen wahr sind; in den Worten solcher Leute wie dem Täufer Johannes liegt es. In: den Worten: «Ändert den Sinn, die Reiche der Himmel sind nahe» liegt auch das, was man etwa so übersetzen könnte: Seht hin, dasjenige, was der Menschheit Heil gebracht hat als altes Mysteriengut, das ist nicht mehr, das wird mit Beschlag belegt durch das Imperium Romanum, das seine Fittiche auch ausgebreitet hat über das um euch herum liegende Judentum. Ändert daher den Sinn! Sucht nicht mehr in dem, was von dem Imperium Romanum ausstrahlt, das Heil, sondern sucht es in dem, was nicht auf dieser Erde ist. Empfanget die Taufe, die euren Ätherleib lockert, damit ihr seht, was da kommen soll, und was neue Mysterien einleiten soll, denn die alten Mysterien sind mit Beschlag belegt.
[ 17 ] Without those who were the mystery leaders being in the least to blame, it was no longer possible to keep the mystery secret in the appropriate manner in the times when the event of Golgotha was approaching. It was no longer possible. And why was it no longer possible? I say: it was no longer possible through no fault of the mystery leaders. The mystery leaders, the mystery masters, were not to blame. What drew the mysteries out of their sphere of secrecy in an incorrect way was the Roman Empire, that was Roman imperialism. And it was impossible for the leaders of the mysteries to resist the commands of the Roman Caesars in particular. The time was approaching when the mystery leaders could no longer resist the commands of the Roman Caesars. And this, that spiritual life was violated by Roman Caesarism, is reflected in all the events of that time. A person like John the Baptist also saw this coming in all its details. For those who want to see will see in the details what is coming. Only those who do not want to see do not see it. This lies in the words, which are always very ambiguous, but always true in all their meanings; it lies in the words of people such as John the Baptist. In the words: “Change your minds, the kingdom of heaven is near” also lies what could be translated as: Look, that which brought salvation to humanity as ancient mystery knowledge is no longer, it is being taken over by the Roman Empire, which has also spread its wings over the Judaism that surrounds you. Therefore, change your minds! No longer seek salvation in what emanates from the Roman Empire, but seek it in what is not on this earth. Receive baptism, which loosens your etheric body, so that you may see what is to come and what is to usher in new mysteries, for the old mysteries have been seized.
[ 18 ] Was herankam, was bei Augustus zuerst der Fall war, der aber noch keinen Mißbrauch damit getrieben hat, war, daß die römischen Cäsaren einfach durch ihren Cäsarenbefehl eingeweiht werden mußten in die Mysterien. Das wurde überhaupt Sitte. Das war es, wogegen sich vor allen Dingen der Täufer Johannes wendete, indem er herauszunehmen suchte aus der Menschheitsentwickelung diejenigen, welche die Taufe empfangen wollten, damit sie nicht bloß das Heil der Menschheitsentwickelung in dem sahen, was vom Imperium Romanum ausstrahlte.
[ 18 ] What was approaching, what was first the case with Augustus, who did not yet abuse it, was that the Roman Caesars simply had to be initiated into the mysteries by their Caesar's command. This became customary. This was what John the Baptist opposed above all else, seeking to remove from human development those who wanted to receive baptism, so that they would not see the salvation of human development solely in what emanated from the Roman Empire.
[ 19 ] Sehen Sie, einer derjenigen römischen Cäsaren, die am gründlichsten eingeweiht waren in die Geheimnisse der Mysterien, war Caligula, und später Nero. Und es gehört zu den Geheimnissen der geschichtlichen Entwickelung, daß Caligula und Nero Eingeweihte waren, daß sie sich erzwungen haben, Kenntnis zu haben von den Geheimnissen der Mysterien. Und denken Sie einmal nach über die Seelenverfassung derjenigen, die da wußten: das, das rückt heran, — und die zu gleicher Zeit eine Empfindung, ein Gefühl davon haben konnten, was das bedeutete. Denken Sie sich in die Seelenverfassung dieser Menschen hinein. Die konnten natürlich sagen: Dasjenige, was kommen muß, und was kommen wird, ist das Reich der Himmel, und in diesem müssen fortan die Menschen suchen, wenn sie nach den heiligen Geheimnissen suchen, nicht im Reiche der Menschen! Die Geschichte spricht oftmals durch ihre Symbole. Diogenes ging noch, weil er in Griechenland war, auf dem Athener Markt mit der Laterne herum, um den «Menschen» zu suchen, der verlorengegangen war, dessen Anschauung verlorengegangen war. Warum verlorengegangen? Nicht deshalb, weil man diesen Menschen nicht kannte, oder weil Zeiten heranrückten, in denen man dasjenige, was in den Mysterien über die Geheimnisse der Menschenentwickelung mitgeteilt werden konnte, nicht suchte. In den Fundamenten wußten das Menschen wie Caligula und Nero. Aber gerade dadurch wurde es in Finsternis gehüllt. Und Diogenes fühlte wie Johannes der Täufer - Diogenes in seiner Art - die Zeit herankommen, wo gerade dadurch, daß man das Mysterien-Geheimnis von dem Menschen verraten wußte, der Mensch in Finsternis getaucht wird und man ihn mit der Laterne suchen muß.
[ 19 ] You see, one of the Roman Caesars who was most thoroughly initiated into the secrets of the mysteries was Caligula, and later Nero. And it is one of the secrets of historical development that Caligula and Nero were initiates, that they forced themselves to have knowledge of the secrets of the mysteries. And think for a moment about the state of mind of those who knew: that which is approaching — and who at the same time could have a sense, a feeling of what that meant. Think about the state of mind of these people. They could, of course, say: That which must come, and which will come, is the kingdom of heaven, and from now on, if people seek the sacred mysteries, they must seek them there, not in the kingdom of men! History often speaks through its symbols. Diogenes, because he was in Greece, still walked around the Athenian market with a lantern, searching for the “human being” who had been lost, whose vision had been lost. Why lost? Not because this man was unknown, or because times were approaching in which people no longer sought what could be communicated in the mysteries about the secrets of human development. People like Caligula and Nero knew this in their hearts. But precisely because of this, it was shrouded in darkness. And Diogenes, like John the Baptist — Diogenes in his own way — sensed the time approaching when, precisely because the mystery of the mysteries was known to have been betrayed by man, man would be plunged into darkness and one would have to search for him with a lantern.
[ 20 ] Caligula hatte seine Anleitung bekommen, richtig nach Art der alten Mysterien zu leben in den geistigen Zusammenhängen darinnen. Caligula verstand es daher, sein Bewußtsein vom Einschlafen bis zum Aufwachen so zu organisieren, daß er darinnen mit all demjenigen in der geistigen Welt verkehren konnte, was die alten Mysterien kannten als die Luna-Götter, als die Götter des Mondes. Und Caligula verstand die Kunst der alten Mysterien, in seinem nächtlichen Bewußtsein Zwiesprache zu halten mit den Geistern des Mondes. Das gehörte zu den alten Mysterien-Geheimnissen: kennenzulernen dasjenige, was hinter dem gewöhnlichen Bewußtsein, hinter dem Tagesbewußtsein liegt, und kennenzulernen, wie sich dadurch das gewöhnliche Tagesbewußtsein ändert, daß man die Geheimnisse dieses anderen Bewußtseins durchdringt. Denn der Mensch wird dadurch, daß er weiß, wo seine Individualität ist, wenn sie vom Einschlafen bis zum Aufwachen in der geistigen Welt ist, auch aufmerksam gemacht darauf, wie diese Individualität nicht nur hier als eingekörpert wie ein Naturwesen zu anderen Naturwesen in Beziehung steht, sondern wie sie, diese Individualität, mit der geistigen Welt, mit alledem, was in den geistigen Hierarchien lebt, in Beziehung steht. Daher ändert sich selbstverständlich, wenn ein Mensch die Geheimnisse der Mondengottheiten kennt, auch sein Verhältnis zu den Sonnengottheiten, zu den Gottheiten, die das durch Luzifer abgestumpfte Schauen des Tages nicht sieht in der Umwelt, und die dieses erwachte Bewußtsein dann sieht. Weiß der Mensch, wie Caligula, durch eigene Erfahrung, daß die menschliche Individualität vom Einschlafen bis zum Erwachen in der geistigen Welt darinnen ist, dann wird sie auch aufmerksam darauf, daß sie im Tagesbewußtsein nicht bloß in der Schale der äußeren Natur waltet, sondern daß sie im Tagesbewußtsein unter den Geistern des Sonnenlebens waltet; daß sie nicht bloß unter den physischen Sonnenstrahlen, sondern unter den Geistern des Sonnenlebens waltet.
[ 20 ] Caligula had received his instruction to live correctly according to the ancient mysteries in the spiritual contexts within them. Caligula therefore understood how to organize his consciousness from falling asleep to waking up in such a way that he could commune with everything in the spiritual world that the ancient mysteries knew as the Luna gods, the gods of the moon. And Caligula understood the art of the ancient mysteries, of communicating with the spirits of the moon in his nocturnal consciousness. This was one of the ancient mysteries: to learn about what lies behind ordinary consciousness, behind daytime consciousness, and to learn how ordinary daytime consciousness changes when one penetrates the secrets of this other consciousness. For by knowing where his individuality is when it is in the spiritual world from falling asleep to waking up, man also becomes aware of how this individuality not only relates to other natural beings here as an embodied natural being, but how it, this individuality, relates to the spiritual world, to everything that lives in the spiritual hierarchies. Therefore, when a person knows the secrets of the moon deities, their relationship to the sun deities, to the deities that the day's vision, dulled by Lucifer, does not see in the environment, and which this awakened consciousness then sees. If, like Caligula, a person knows from their own experience that human individuality is in the spiritual world from falling asleep to waking up, then they also become aware that in daytime consciousness it does not merely reign in the shell of outer nature, but that in daytime consciousness it reigns among the spirits of solar life; that it reigns not only under the physical rays of the sun, but under the spirits of solar life.
[ 21 ] Aber Caligula - er hatte nicht die Zucht, selbstverständlich —, Caligula wußte daher Zwiesprache zu halten mit den lunarischen Geistern im Schlafe; und das brachte hervor, daß er im Tage ansprach Jupiter, den man im alten Griechenland als Zeus in einer noch anderen Sphäre gedacht hat, als «Bruder Jupiter». Das war eine gewöhnliche Redensart des Caligula, von «Bruder Jupiter» zu sprechen. Denn selbstverständlich fühlte er sich als ein Bürger der geistigen Welt, in der Jupiter ist, und er redete ihn als Bruder Jupiter an. Er, Caligula, wußte sich in der Welt der geistigen Wesenheiten darinnen. Daher trat er so auf, daß durchaus manifestiert wurde durch sein Auftreten, daß er der geistigen Welt angehöre. Er erschien zu gewissen Zeiten im Bacchus-Kostüm mit dem Thyrsus-Stab, mit dem Eichenkranz auf dem Haupt, und ließ sich als Bacchus huldigen. Er erschien zu gewissen Zeiten als Herkules mit der Keule und der Löwenhaut und ließ sich huldigen als Herkules. Dann erschien er wieder als Apoll und ließ sich huldigen, indem er die Strahlenkrone auf dem Haupt und den Appollo-Bogen in der Hand hatte, ließ sich huldigen von einem Chor, der ihn umgab, und der die entsprechenden Chorgesänge zu seiner Ehre sang. Er erschien mit geflügeltem Kopf mit dem Heroldstab als der Gott Merkur. Er erschien auch als Jupiter. Ein Tragödiendichter, den man als Sachverständigen ansah und aufgefordert hatte, zu entscheiden, wer der Größere sei, Caligula oder Jupiter, den er in einer Statue neben sich hinstellen ließ, wurde gegeißelt, weil er nicht darauf einging, Caligula als den Größeren hinzustellen.
[ 21 ] But Caligula — who, of course, had no discipline — knew how to communicate with the lunar spirits in his sleep; and this resulted in his addressing Jupiter, whom the ancient Greeks thought of as Zeus in yet another sphere, as “Brother Jupiter” during the day. It was a common expression of Caligula to speak of “Brother Jupiter.” For, of course, he felt himself to be a citizen of the spiritual world in which Jupiter is, and he addressed him as Brother Jupiter. He, Caligula, knew himself to be in the world of spiritual beings. Therefore, he behaved in such a way that it was clearly manifested through his behavior that he belonged to the spiritual world. At certain times he appeared in the costume of Bacchus with the thyrsus staff, with the oak wreath on his head, and allowed himself to be worshipped as Bacchus. At certain times he appeared as Hercules with the club and the lion skin and allowed himself to be worshipped as Hercules. Then he appeared again as Apollo and allowed himself to be worshipped, wearing the radiant crown on his head and holding the Apollo bow in his hand, and was worshipped by a choir that surrounded him and sang the appropriate choral songs in his honor. He appeared with a winged head and the herald's staff as the god Mercury. He also appeared as Jupiter. A tragedian, who was regarded as an expert and had been asked to decide who was greater, Caligula or Jupiter, whom he had placed in a statue next to him, was flogged because he did not agree to portray Caligula as the greater.
[ 22 ] Aber wie sah es mit dem Urteil des Caligula aus? Angefügt wurde ja bei der luziferischen Versuchung dem Worte: Eure Sinne sollen aufgetan sein, und ihr sollt werden wie Götter — angefügt wurde: Ihr sollt unterscheiden das Gute und das Böse. — Aber diese Unterscheidung des Guten und des Bösen, die wurde ja von einem Geiste der Menschheit eingeimpft, der nur bis zu einer gewissen Zeit in der Entwickelung leben konnte. Diese Zeit war abgelaufen. In jener Zeit lief sie ab, in der der Täufer Johannes zuerst auftrat mit den Worten: «Die Reiche der Himmel sind nahe gekommen»; er sagte nur nicht mit dem Terminus technicus den Zusatz: «und das Reich des Luzifer ist abgelaufen». Natürlich sprach er nur von dem Reiche der Himmel. Man sieht es insbesondere an dem Urteil des Caligula, wie jenes Reich abgelaufen war. Denn als einmal unter der Regierung des Caligula ein richterlicher Irrtum vorgekommen war — man hatte nämlich einen Unschuldigen statt eines Schuldigen, weil man den Unschuldigen mit dem Schuldigen verwechselt hatte, zum Tode verurteilt und dem Tode überführt -, da sagte Caligula: Das macht nichts, denn der Unschuldige war ebenso schuldig wie der Schuldige! Und als Petronius verurteilt wurde zum Tode, da sagte Caligula: Diejenigen, die ihn verurteilt haben, die könnten ebensogut verurteilt werden, denn die sind ganz gleich schuldig mit demjenigen, den sie zum Tode verurteilt haben. - Sie sehen, die Unterscheidung hatte schon aufgehört, die Unterscheidung des Guten und des Bösen. Sie reichte nicht mehr bis in diesen Zeitpunkt hinein, von dem ich rede. Wir können ihn fassen, wenn wir die geschichtlichen Ereignisse wirklich auf uns wirken lassen. Wir können ihn fassen.
[ 22 ] But what about Caligula's judgment? In the Luciferic temptation, the words: Your senses shall be opened, and you shall become like gods — were followed by: You shall distinguish between good and evil. — But this distinction between good and evil was instilled by a spirit of humanity that could only live until a certain time in its development. That time had passed. It passed at the time when John the Baptist first appeared with the words: “The kingdom of heaven is at hand”; he just did not add the technical term: “and the kingdom of Lucifer has come to an end.” Of course, he spoke only of the kingdom of heaven. One can see in particular from Caligula's judgment how that kingdom had come to an end. For once, under Caligula's rule, a judicial error had occurred — namely, an innocent man had been sentenced to death and executed instead of a guilty man, because the innocent man had been confused with the guilty man — Caligula said: It doesn't matter, because the innocent man was just as guilty as the guilty man! And when Petronius was sentenced to death, Caligula said: Those who sentenced him could just as well be sentenced themselves, for they are just as guilty as the one they sentenced to death. You see, the distinction had already ceased, the distinction between good and evil. It no longer extended to the time I am talking about. We can grasp it if we really let the historical events sink in. We can grasp it.
[ 23 ] Ein solcher Eingeweihter war Nero. Und Nero war im Grunde genommen — nur nicht so philiströs, wie es manche unter unseren modernen Zeitgenossen sind, sondern grandios, ins Heroische übersetzt - ein Psychoanalytiker. Nero war sogar der erste Psychoanalytiker, denn er vertrat zuerst den Satz, daß alles im Menschen von der Libido abhängt, daß, was auch im Menschen auftritt, abhängt von dem, was als das Sexuelle in ihm wirkt - eine Lehre, die philiströs die Psychoanalytiker in unserem Zeitalter wiederum erneuert haben. Aber der Professor Sigmund Freud ist eben kein Nero. Dazu fehlt ihm allerdings nicht die Seele, aber die Größe.
[ 23 ] Nero was such an initiate. And Nero was basically — only not as philistine as some of our modern contemporaries are, but grandiose, translated into the heroic – a psychoanalyst. Nero was even the first psychoanalyst, for he was the first to assert that everything in human beings depends on the libido, that whatever occurs in human beings depends on what acts as the sexual in them – a doctrine that the philistines among psychoanalysts in our age have renewed. But Professor Sigmund Freud is not Nero. He does not lack the soul, but the greatness.
[ 24 ] Aber was Johannes der Täufer wußte, wußte auch Nero. Denn auch Nero wußte -— und jetzt unterscheidet sich auf diesem Gebiete Nero von dem Caligula -, auch Nero wußte aus seiner Einweihung in die Mysterien heraus, daß es mit dem, was der Mensch ist, eine sonderbare Bewandtnis hat, daß gewissermaßen die Wahrheiten der alten Mysterien in ihren wahren Impulsen verklungen sind, daß sie ihre Gewalt verloren haben, daß man sie daher nur durch äußere Gewalt aufrecht erhalten kann. Nicht etwa bloß Johannes der Täufer hat gesagt: «Die alte Weltordnung ist abgelaufen» — nur hat er dazugesetzt: «Die Reiche der Himmel sind nahe herbeigekommen, ändert den Sinn!» -, auch Nero wußte, daß die Reiche der alten Welt abgelaufen sind, auch Nero wußte, daß ein gewaltiger Einschnitt in der Entwickelung der Erde da ist. Aber Nero hatte sein teuflisches Bewußtsein dazu, er hatte alle Teufeleien, die der unwürdige Eingeweihte haben kann, in sich. Und deshalb rechnete er, genauso wie Johannes der Täufer, genauso wie der Christus Jesus, mit dem Weltuntergang. Versteht man dasjenige, was Johannes der Täufer und der Christus Jesus sagen von dem Weltuntergang in der richtigen Weise, dann hat man nicht nötig, es in der philisterhaften Art auszulegen, daß es dann und dann kommen werde, sondern dann kann man verstehen, wie die Bibel sagt, der Weltuntergang wäre da. Aber Sie ahnen schon — das nächste Mal werde ich über diesen Punkt weiterreden -, daß die Parusie eine Wirklichkeit ist, wenn sie in der richtigen Weise verstanden wird. Nero wußte, daß eine ganz neue Ordnung kommt, aber es freute ihn nicht. Es paßte ihm nicht. Und charakteristisch ist daher sein Ausspruch, daß er an nichts lieber teilnehmen wollte als am Weltuntergang. Seine Worte sind charakteristisch: Wenn die Welt in Feuer aufgeht, dann werde ich meine besondere Freude daran haben! Das war sein besonderer Wahnsinn: die Sehnsucht, die Welt in Feuer aufgehen zu sehen. Und daraus entsprang das, was man ja historisch bezweifeln kann, was aber wahr ist: daß er Rom in Brand stecken ließ, weil er sich in seinem Wahnsinn vorstellte, von dem Brande von Rom aus würde sich der Brand so weit erstrecken, daß die ganze Welt verbrennen würde.
[ 24 ] But what John the Baptist knew, Nero also knew. For Nero also knew — and here Nero differs from Caligula — Nero also knew from his initiation into the mysteries that there is something strange about what man is, that the truths of the ancient mysteries have, in a sense, faded away in their true impulses, that they have lost their power, and that they can therefore only be maintained by external force. It was not only John the Baptist who said: “The old world order has come to an end” — he added: “The kingdom of heaven is at hand, change your ways!” — Nero also knew that the kingdoms of the old world had come to an end, Nero also knew that there was a tremendous turning point in the development of the earth. But Nero had his devilish consciousness, he had all the devilry that an unworthy initiate can have within him. And that is why he, just like John the Baptist, just like Christ Jesus, expected the end of the world. If one understands what John the Baptist and Christ Jesus say about the end of the world in the right way, then one does not need to interpret it in a philistine manner, saying that it will come at such and such a time, but then one can understand, as the Bible says, that the end of the world is here. But you already suspect — I will continue to talk about this point next time — that the Parousia is a reality when it is understood in the right way. Nero knew that a whole new order was coming, but it did not please him. It did not suit him. And therefore his statement that he wanted nothing more than to participate in the end of the world is characteristic. His words are characteristic: When the world goes up in flames, I will take special pleasure in it! That was his particular madness: the longing to see the world go up in flames. And from this arose what can be doubted historically, but which is true: that he had Rome set on fire because, in his madness, he had a mental image of the fire spreading so far from Rome that the whole world would burn.
[ 25 ] Ich habe Ihnen einige Symptome angegeben, die charakterisieren sollen, wie in einer gewissen Weise die Welt damals zu Ende ging und neu anfangen mußte. Aber in der äußeren Wirklichkeit geschehen die Dinge so, daß immer eines ins andere hineinläuft, daß das Alte noch vielfach bestehen bleibt, wenn das Neue seinen ersten Impuls schon gezeigt hat. Und obgleich daher die Reiche der Himmel seit dem Mysterium von Golgatha da sind, blieb daneben in absteigender Entwickelung, in dekadenter Entwickelung, das Imperium Romanum, blieb dasjenige, was dahin geführt hat, daß bei den Wissenden auch der Gegenwart mit den verschiedensten guten und bösen Absichten immer wieder und wiederum betont wird: Was in der Gegenwart mitten unter uns lebt, was durchsetzt die christlichen Ansätze, das ist der Geist des alten Imperium Romanum, das ist der Geist des römischen Imperialismus! — Man käme da auf ein eigentümliches Kapitel, wenn man in diesem Sinne weitersprechen würde. Man würde anfangen damit, daß man zeigen würde, wie die Rechtsbegriffe, die später aufgetaucht sind, alle auf das römische Recht zurückführen, wie das römische Recht, dieses antichristliche im Christus-Sinne, sich überall hineingeflochten hat. Und man würde manche andere, noch viele Gebiete zu streifen haben, wollte man das Fortleben des römischen Imperialismus bis in unsere Tage hinein besprechen; und gar erst, wollte man alles dasjenige besprechen, was zusammenhängt mit dem Fortschreiten in absteigender Entwickelung des Imperium Romanum.
[ 25 ] I have given you some symptoms that are supposed to characterize how, in a certain way, the world came to an end at that time and had to start anew. But in external reality, things happen in such a way that one thing always flows into another, that the old often remains in existence even after the new has already shown its first impulse. And although the kingdoms of heaven have been there since the mystery of Golgotha, the Roman Empire remained alongside them in a state of decline and decadence, and what led to this is repeatedly emphasized by those in the know, with the most diverse good and evil intentions: what lives among us in the present, what permeates Christian approaches, is the spirit of the old Roman Empire, that is the spirit of Roman imperialism! — One would arrive at a peculiar chapter if one were to continue speaking in this sense. One would begin by showing how the legal concepts that emerged later can all be traced back to Roman law, how Roman law, which is anti-Christian in the Christ sense, has woven itself into everything. And one would have to touch on many other areas if one wanted to discuss the survival of Roman imperialism to the present day; and even more so if one wanted to discuss everything connected with the decline of the Roman Empire.
[ 26 ] Es liegt etwas Instinktives in der Tatsache, wie man in den Schulen römische Geschichte lehrt, und wie die Historiker, die ja die Fable convenue schreiben, welche man gegenwärtig Geschichte nennt, der Menschheit das Bewußtsein von dem Imperium Romanum beibringen, so daß der Geist, der darinnen waltet, gerade von den Gelehrtesten ausgeschaltet wird. Dadurch aber wird ein Sicheres erreicht, meine lieben Freunde. Dadurch wird das sicher erreicht, daß zum allgemeinen Bewußtsein der Menschheit die ganze Tragweite des historischen Augenblicks nicht kommt, in dem das Kreuz auf Golgatha aufgerichtet worden ist. Zu verdecken suchte man, wenn auch instinktiv, die ganze Bedeutung der Ereignisse, die sich abgespielt haben. Denn wenig ist vorhanden von dem Mute, der dazu gehört, von der äußeren Schale ins Innere auch der Geschichte zu dringen. Und wir sehen ja, es gibt Leute, die ein großes Publikum finden, welche sogar Goethe fälschen, um bei den Menschen die Meinung hervorzurufen, auch Goethes Anschauung wäre dazu geeignet, die Geschichte so zu betrachten, als ob sie nur eine äußere Schale sei. Dasjenige, was so wirkt, wirkt aber in den breiten Impulsen des menschlichen Seelenlebens, und es ist ja nicht bloß darum zu tun, daß man zu keiner richtigen Betrachtung dieses oder jenes Punktes kommt, sondern das ganze Leben ist gewissermaßen davon beeinflußt, entwickelt eine solche Tendenz. Ein solcher Impuls waltet, das ganze Leben ist beeinflußt von diesem Impulse, läuft sozusagen in der Richtung dieses Impulses. Daher bleiben Menschen wie Goethe Prediger in der Wüste, werden noch dazu verleumdet, indem man ihnen die entgegengesetzte Erkenntnisgesinnung andichtet.
[ 26 ] There is something instinctive in the way Roman history is taught in schools and in the way historians, who write the fable convenue that is currently called history, teach humanity about the Roman Empire, so that the spirit that reigns within it is eliminated by the most learned. But this achieves one thing for sure, my dear friends. It ensures that the full significance of the historical moment when the cross was erected on Golgotha does not enter the general consciousness of humanity. An attempt was made, albeit instinctively, to conceal the full meaning of the events that took place. For there is little of the courage that is needed to penetrate from the outer shell to the inner core of history. And we see that there are people who find a large audience, who even falsify Goethe in order to make people believe that Goethe's view was also suitable for looking at history as if it were only an outer shell. But what has this effect works in the broad impulses of human soul life, and it is not just a matter of not arriving at a correct view of this or that point, but rather that the whole of life is influenced by it, so to speak, and develops such a tendency. Such an impulse prevails, the whole of life is influenced by this impulse, runs, so to speak, in the direction of this impulse. That is why people like Goethe remain preachers in the desert, and are even slandered by having the opposite attitude to knowledge attributed to them.
[ 27 ] Aber man kann es auch sehen, wohin solche Impulse führen. Das Karma führt einem ja manches zu, auch wenn man sucht, Erkenntnisse abzurunden, um sie vor seinen Mitmenschen aussprechen zu können. Und so fiel mir gestern der Ausspruch eines unserer Zeitgenossen in die Hände. Erst gestern fiel mir dieser Ausspruch in die Hände; aber er hängt recht sehr zusammen mit demjenigen, was ich wie den inneren Impuls leben lassen mußte durch diese Besprechungen des Mysteriums von Golgatha hindurch. Dieser Zeitgenosse hat verschiedene Wandlungen durchgemacht. Zuletzt hat er sich zum Christentum in der Form des Katholizimus gefunden, um dafür propagieren zu können. Und wir haben also das merkwürdige Faktum, daß ein Freigeist vor seiner Mitwelt auftritt als Zeuge für den Christus, noch dazu im katholischen Sinne. Nun sprach er seine Gesinnung aus über den Christus in der Färbung, wie er ihn jetzt von sich aus vertritt. Und dieses Zeugnis ist charakteristisch, ist so richtig ein Dokument der Gegenwart. Ich will Ihnen dieses Zeugnis eines modernen Christus-Zeugen vorlesen:
[ 27 ] But one can also see where such impulses lead. Karma brings many things to us, even when we seek to round off our insights so that we can express them to our fellow human beings. And so yesterday I came across a saying by one of our contemporaries. I only came across this statement yesterday, but it is very much connected with what I had to live as an inner impulse throughout these discussions of the mystery of Golgotha. This contemporary has undergone various transformations. Most recently, he has found his way to Christianity in the form of Catholicism in order to be able to propagate it. And so we have the remarkable fact that a free spirit appears before his contemporaries as a witness for Christ, and moreover in the Catholic sense. Now he expressed his opinion about Christ in the coloration in which he now represents him. And this testimony is characteristic, it is truly a document of the present. I would like to read to you this testimony of a modern witness to Christ:
[ 28 ] «Es ist vergebliche Mühe, das Jenseits zu suchen. Es existiert vielleicht nicht einmal, und wie wir’s auch anpacken, wir können nichts davon erfahren. Überlassen wir jedweden Okkultismus den Erleuchteten und den Gauklern; welche Form der Mystizismus auch annehmen mag, er widerspricht der Vernunft. Aber geben wir uns dennoch der Kirche hin ..., weil sie mit der Autorität der Jahrhunderte und großer praktischer Erfahrung die Regeln jener Ethik formuliert» (die Kirche nämlich!), «die man die Völker und Kinder lehren muß. Und endlich weil sie weit davon entfernt, uns dem Mystizismus auszuliefern, uns direkt gegen ihn verteidigt, die Stimmen der geheimnisvollen Haine» (so nennt er dasjenige, was etwa aus der geistigen Welt herauskommen könnte) «zum Schweigen bringt, die Evangelien auslegt, und den großmütigen Anarchismus des Heilandes den Bedürfnissen der Gesellschaft opfert.»
[ 28 ] "It is a futile effort to seek the afterlife. It may not even exist, and no matter how we approach it, we cannot learn anything about it. Let us leave all occultism to the enlightened and the charlatans; whatever form mysticism may take, it contradicts reason. But let us nevertheless devote ourselves to the Church ... because, with the authority of centuries and great practical experience, it formulates the rules of that ethic" (namely the Church!), “which must be taught to the peoples and children. And finally, because, far from delivering us to mysticism, it defends us directly against it, silences the voices of the mysterious groves” (as he calls what might come out of the spiritual world), interprets the Gospels, and sacrifices the magnanimous anarchism of the Savior to the needs of society."
[ 29 ] Hier haben Sie das Geständnis eines Mannes, der sich zum Christentum bekehrt hat vom modernen Materialismus aus; der sich zum Christentum bekehrt hat, indem er es als sein Ideal hinstellt, in dem Sinne sich zum Christentum bekehren zu können, daß dasjenige, was Christus als seine grandiosen Impulse der Welt überliefert hat, angepaßt worden ist, geopfert worden ist den Bedürfnissen der modernen Gesellschaft. Aber auch das, was sich in einem solchen Christus-Zeugen ausspricht, hat ein großes Publikum, ein viel größeres, als man denkt. Denn das Bedürfnis ist außerordentlich groß, ja den Christus so erscheinen zu lassen, wie es dem modernen Menschen gefällt, wie es dem modernen Menschen paßt. Und die Instinkte wirken dahin, ja nicht die Menschenseele auf die Wahrheit kommen zu lassen, daß Jesu Tod ein ganz selbstverständliches Ereignis war, das bedingt wurde dadurch, daß Christentum und Imperium Romanum nicht zusammengehen konnten, daß aus dem Zusammensein von Christentum und dem Imperium Romanum nur der Tod des Christus folgen konnte. Daraus aber folgt, daß aufgesucht werden muß im modernen Leben, wenn man überhaupt zum Lichte kommen will und nicht in der Finsternis wandeln will, wie sich manches in diesem modernen Leben zum echtverstandenen Christentum verhält, und daß aufgebracht werden muß nach und nach jener göttliche Zorn, den Christus selber hatte, als er oftmals zu erwidern hatte auf dasjenige, was die vorbrachten, die er die Schriftgelehrten und Pharisäer nannte.
[29] Here you have the confession of a man who converted to Christianity from modern materialism; who converted to Christianity by presenting it as his ideal, in the sense of being able to convert to Christianity in that what Christ handed down to the world as his grandiose impulses has been adapted, sacrificed to the needs of modern society. But even what is expressed in such a witness to Christ has a large audience, much larger than one might think. For there is an extraordinarily great need to present Christ in a way that pleases modern man, that suits modern man. And instincts work to prevent the human soul from coming to the truth that Jesus' death was a completely natural event, caused by the fact that Christianity and the Roman Empire could not coexist, that the coexistence of Christianity and the Roman Empire could only result in the death of Christ. But it follows from this that, if one wants to come to the light at all and not walk in darkness, one must seek out in modern life how certain things in this modern life relate to genuinely understood Christianity, and that we must gradually bring forth that divine wrath that Christ himself had when he often had to respond to what those whom he called the scribes and Pharisees brought forth.
[ 30 ] Ich wollte Ihnen heute ein Bild davon geben, was schon in den Jahrhunderten gelebt hat, in die das Christentum hereingebrochen ist, und wollte aufmerksam machen darauf, daß die Geschichtsbetrachtung insbesondere vertieft werden muß an der Stelle, an der das Mysterium von Golgatha steht. Denn das kann geschehen, auch wenn man nur bei der Geschichte stehen bleibt. Nur muß man sich ein Gefühl aneignen dafür, wie man die einzelnen Dinge zu werten hat, was man als das Bedeutsame und für die Zeit Sprechende anzusehen hat, und was als das Unbedeutende. Man muß sich ein Gefühl dafür aneignen, was dann von den verschiedenen Strömungen weiterlebt, wo die Dinge weiterleben.
[ 30 ] Today I wanted to give you a picture of what already existed in the centuries into which Christianity burst, and I wanted to draw your attention to the fact that our view of history must be deepened, especially at the point where the mystery of Golgotha stands. For this can happen even if one remains with history alone. But one must acquire a feeling for how to evaluate the individual things, what is to be regarded as significant and relevant to the time, and what is insignificant. One must acquire a feeling for what then lives on from the various currents, where things live on.
