Building Stones for an Understanding
of the Mystery of Golgotha
GA 175
14 April 1917
Translate the original German text into any language:
Versions Available:
Bausteine zu einer Erkenntnis des Mysteriums von Golgatha, 3rd ed.
Zwölfter Vortrag
Zwölfter Vortrag
[ 1 ] In verschiedenen Zusammenhängen mit der neueren Geistesgeschichte habe ich öfter den Namen Herman Grimm genannt. Nun möchte ich die heutigen Betrachtungen anknüpfen an eine von den verschiedenen, man möchte sagen, instinktiven Bemerkungen, die Herman Grimm machen konnte über dasjenige, was Bedürfnis der neueren Geistesgeschichte ist, ohne daß er in der Lage war, seine instinktive, wie gefühlte Ahnung in Erkenntnis umzusetzen. Ich möchte an eine der vielen Bemerkungen, die er instinktiv in dieser Richtung machte, anknüpfen. Sie betrifft eine Art Opposition, in welcher Herman Grimm stand gegenüber der ganzen modernen Geschichtsbetrachtung, indem er ein richtiges Gefühl davon hatte, daß diese Geschichtsbetrachtung unbewußt, selbstverständlich auch wiederum instinktiv, vor allen Dingen darauf ausgeht, aus dem Laufe der geschichtlichen Menschheitsbetrachtung das Christus-Ereignis auszuschließen, die Geschichte so zu betrachten, wie man sie betrachten kann, ohne daß man darauf Rücksicht nimmt, daß sich in den Verlauf der Menschheitsentwickelung das ChristusEreignis als etwas in allererster Linie Bestimmendes hineinstellt. Herman Grimm wollte im Gegenteil eine Geschichtsbetrachtung haben, welche den Christus als einen wesentlichen Faktor hineinstellt in den geschichtlichen Verlauf der Menschheit, so daß an einer solchen Geschichtsbetrachtung oder durch eine solche Geschichtsbetrachtung ersichtlich worden wäre oder ersichtlich würde, welcher bedeutsame Impuls eingegriffen hat in den Entwickelungsgang der Menschheit durch das Mysterium von Golgatha. Wie gesagt, bei Herman Grimm ist es aus seinem instinktiven Darinnenstehen in dem, was man die Goethesche Weltanschauung nennen kann, aber zu gleicher Zeit — bei seiner mangelnden Einsicht in die geistigen Welten — ist es instinktiv geblieben, mehr eine Ahnung, die er nicht durchdenken konnte.
[ 1 ] In verschiedenen Zusammenhängen mit der neueren Geistesgeschichte habe ich öfter den Namen Herman Grimm genannt. Nun möchte ich die heutigen Betrachtungen anknüpfen an eine von den verschiedenen, man möchte sagen, instinktiven Bemerkungen, die Herman Grimm machen konnte über dasjenige, was Bedürfnis der neueren Geistesgeschichte ist, ohne daß er in der Lage war, seine instinktive, wie gefühlte Ahnung in Erkenntnis umzusetzen. Ich möchte an eine der vielen Bemerkungen, die er instinktiv in dieser Richtung machte, anknüpfen. Sie betrifft eine Art Opposition, in welcher Herman Grimm stand gegenüber der ganzen modernen Geschichtsbetrachtung, indem er ein richtiges Gefühl davon hatte, daß diese Geschichtsbetrachtung unbewußt, selbstverständlich auch wiederum instinktiv, vor allen Dingen darauf ausgeht, aus dem Laufe der geschichtlichen Menschheitsbetrachtung das Christus-Ereignis auszuschließen, die Geschichte so zu betrachten, wie man sie betrachten kann, ohne daß man darauf Rücksicht nimmt, daß sich in den Verlauf der Menschheitsentwickelung das ChristusEreignis als etwas in allererster Linie Bestimmendes hineinstellt. Herman Grimm wollte im Gegenteil eine Geschichtsbetrachtung haben, welche den Christus als einen wesentlichen Faktor hineinstellt in den geschichtlichen Verlauf der Menschheit, so daß an einer solchen Geschichtsbetrachtung oder durch eine solche Geschichtsbetrachtung ersichtlich worden wäre oder ersichtlich würde, welcher bedeutsame Impuls eingegriffen hat in den Entwickelungsgang der Menschheit durch das Mysterium von Golgatha. Wie gesagt, bei Herman Grimm ist es aus seinem instinktiven Darinnenstehen in dem, was man die Goethesche Weltanschauung nennen kann, aber zu gleicher Zeit — bei seiner mangelnden Einsicht in die geistigen Welten — ist es instinktiv geblieben, mehr eine Ahnung, die er nicht durchdenken konnte.
[ 2 ] Es erscheint paradox, wenn man sagt, daß die geschichtliche Betrachtung vor allen Dingen sich zur Aufgabe macht, das Christus JesusEreignis aus der historischen Betrachtung herauszutilgen. Und dennoch ist es eine Wahrheit. Eine Wahrheit, welche so instinktiv eingewurzelt ist in der modernen Weltanschauung, daß manche Leute gar viel tun in Weltanschauungsfragen, um dieses Christus-Ereignis nur ja nicht seiner wahren, tieferen Bedeutung nach hereinkommen zu lassen in den geschichtlichen Verlauf der Menschheitstatsachen. Und unter diesem instinktiven Impuls, der in den Seelen so stark lebt, stellt sich das heraus, daß im allgemeinen Menschheitsbewußitsein viel, viel Finsternis verbreitet wird über diejenigen Jahrhunderte, welche vorangegangen sind und nachfolgen dem Mysterium von Golgatha. Nicht allein, daß man nicht versucht — das ließe sich ja begreifen aus mancherlei, das wir auch schon anführen konnten im Laufe unserer geisteswissenschaftlichen Betrachtungen -, nicht allein, daß man nicht versucht, das Mysterium von Golgatha selber in seiner Geschichtlichkeit vollständig zu betrachten, sondern man sucht auch dasjenige, was vorher und nachher geschehen ist, gewissermaßen einzutauchen in solche Vorstellungen, daß man an der Betrachtung dieser Jahrhunderte nicht merkt, was da eigentlich innerhalb dieser Jahrhunderte zur Zeit des Mysteriums von Golgatha geschehen ist. Man könnte sagen, es wird alles angestellt, um die Geschichte dieser Jahrhunderte so zu betrachten, daß man nicht merkt, daß an den Ereignissen dieser Jahrhunderte deutlich zutage tritt, wie gewaltig das Mysterium von Golgatha eingegriffen hat. Wenn man dabei bedenkt, wie abhängig unsere von aller Autorität selbstverständlich unabhängige Zeit vom Autoritätsglauben ist, wie so sehr abhängig, dann kann man auch ermessen, wie gründlich es gelungen ist, möglichst wenig Bewußtsein entstehen zu lassen von dem, was sich in jenen Jahrhunderten eigentlich mit der Menschheitsentwickelung abgespielt hat. Und wenn dann einmal ein solcher Geist da ist, wie es Goethe war, von dem wir das letzte Mal ein besonderes Beispiel seiner Naturbetrachtung anführen konnten, die direkt hineinführt in eine Weltauffassung, welche Moralismus und Naturalismus in einem schaut — wenn einmal eine solche Persönlichkeit da war, so sucht man, wiederum instinktiv, womöglich dasjenige bei diesem Menschen abzuschwächen, abzulehnen, was gerade bei einer solchen Persönlichkeit, wenn es angefaßt würde in der richtigen Weise, hineinführen würde, in bewundernswürdiger, grandioser Weise hineinführen würde in eine geisteswissenschaftliche Weltbetrachtung.
[ 2 ] Es erscheint paradox, wenn man sagt, daß die geschichtliche Betrachtung vor allen Dingen sich zur Aufgabe macht, das Christus JesusEreignis aus der historischen Betrachtung herauszutilgen. Und dennoch ist es eine Wahrheit. Eine Wahrheit, welche so instinktiv eingewurzelt ist in der modernen Weltanschauung, daß manche Leute gar viel tun in Weltanschauungsfragen, um dieses Christus-Ereignis nur ja nicht seiner wahren, tieferen Bedeutung nach hereinkommen zu lassen in den geschichtlichen Verlauf der Menschheitstatsachen. Und unter diesem instinktiven Impuls, der in den Seelen so stark lebt, stellt sich das heraus, daß im allgemeinen Menschheitsbewußitsein viel, viel Finsternis verbreitet wird über diejenigen Jahrhunderte, welche vorangegangen sind und nachfolgen dem Mysterium von Golgatha. Nicht allein, daß man nicht versucht — das ließe sich ja begreifen aus mancherlei, das wir auch schon anführen konnten im Laufe unserer geisteswissenschaftlichen Betrachtungen -, nicht allein, daß man nicht versucht, das Mysterium von Golgatha selber in seiner Geschichtlichkeit vollständig zu betrachten, sondern man sucht auch dasjenige, was vorher und nachher geschehen ist, gewissermaßen einzutauchen in solche Vorstellungen, daß man an der Betrachtung dieser Jahrhunderte nicht merkt, was da eigentlich innerhalb dieser Jahrhunderte zur Zeit des Mysteriums von Golgatha geschehen ist. Man könnte sagen, es wird alles angestellt, um die Geschichte dieser Jahrhunderte so zu betrachten, daß man nicht merkt, daß an den Ereignissen dieser Jahrhunderte deutlich zutage tritt, wie gewaltig das Mysterium von Golgatha eingegriffen hat. Wenn man dabei bedenkt, wie abhängig unsere von aller Autorität selbstverständlich unabhängige Zeit vom Autoritätsglauben ist, wie so sehr abhängig, dann kann man auch ermessen, wie gründlich es gelungen ist, möglichst wenig Bewußtsein entstehen zu lassen von dem, was sich in jenen Jahrhunderten eigentlich mit der Menschheitsentwickelung abgespielt hat. Und wenn dann einmal ein solcher Geist da ist, wie es Goethe war, von dem wir das letzte Mal ein besonderes Beispiel seiner Naturbetrachtung anführen konnten, die direkt hineinführt in eine Weltauffassung, welche Moralismus und Naturalismus in einem schaut — wenn einmal eine solche Persönlichkeit da war, so sucht man, wiederum instinktiv, womöglich dasjenige bei diesem Menschen abzuschwächen, abzulehnen, was gerade bei einer solchen Persönlichkeit, wenn es angefaßt würde in der richtigen Weise, hineinführen würde, in bewundernswürdiger, grandioser Weise hineinführen würde in eine geisteswissenschaftliche Weltbetrachtung.
[ 3 ] Da kann man das Merkwürdigste erleben. Sehen sie, ich habe Ihnen angeführt: Goethe genügte nicht die gewöhnliche Botanik, sondern er wollte eine vergeistigte Botanik haben, kam aber dadurch gerade dazu, den Geist zu finden, wie er sich im Pflanzenreiche offenbart, jenen Geist zu finden, bis zu dem das Pflanzenreich in seiner heutigen Gestaltung selber nicht kommen kann, weil es seine Anlage nicht völlig ausbilden kann, wie ich es das letztemal ausgeführt habe. Also Goethe versuchte, tiefer zu schauen in die Anlagen des Pflanzenreiches - er versuchte das auch beim Mineralreiche -, tiefer zu schauen als die bloße Sinnesbeobachtung gestattet, die ja nur das gibt, bis zu dem eben das Pflanzenreich gekommen ist. Daher war es Goethe besonders ungelegen, daß zu seiner Zeit die Hallersche Anschauung auftauchte, die Haller so schön zusammengefaßt hat in den Worten:
[ 3 ] Da kann man das Merkwürdigste erleben. Sehen sie, ich habe Ihnen angeführt: Goethe genügte nicht die gewöhnliche Botanik, sondern er wollte eine vergeistigte Botanik haben, kam aber dadurch gerade dazu, den Geist zu finden, wie er sich im Pflanzenreiche offenbart, jenen Geist zu finden, bis zu dem das Pflanzenreich in seiner heutigen Gestaltung selber nicht kommen kann, weil es seine Anlage nicht völlig ausbilden kann, wie ich es das letztemal ausgeführt habe. Also Goethe versuchte, tiefer zu schauen in die Anlagen des Pflanzenreiches - er versuchte das auch beim Mineralreiche -, tiefer zu schauen als die bloße Sinnesbeobachtung gestattet, die ja nur das gibt, bis zu dem eben das Pflanzenreich gekommen ist. Daher war es Goethe besonders ungelegen, daß zu seiner Zeit die Hallersche Anschauung auftauchte, die Haller so schön zusammengefaßt hat in den Worten:
«Ins Innere der Natur
Dringt kein erschaffner Geist.
Glückselig! wem sie nur
Die äußere Schale weist!»
«Ins Innere der Natur
Dringt kein erschaffner Geist.
Glückselig! wem sie nur
Die äußere Schale weist!»
[ 4 ] Sie wissen — ich habe es oft zitiert -, Goethe sagt gegenüber diesem Ausspruch «Ins Innere der Natur dringt kein erschaffner Geist, glück selig, wem sie nur die äußere Schale weist»:
[ 4 ] Sie wissen — ich habe es oft zitiert -, Goethe sagt gegenüber diesem Ausspruch «Ins Innere der Natur dringt kein erschaffner Geist, glück selig, wem sie nur die äußere Schale weist»:
«Das hör’ ich sechzig Jahre wiederholen,
Und fluche drauf, aber verstohlen;
Sage mir tausend tausendmale:
Alles gibt sie reichlich und gern;
Natur hat weder Kern
Noch Schale,
Alles ist sie mit einemmale;
Dich prüfe du nur allermeist,
Ob Du Kern oder Schale seist?»
«Das hör’ ich sechzig Jahre wiederholen,
Und fluche drauf, aber verstohlen;
Sage mir tausend tausendmale:
Alles gibt sie reichlich und gern;
Natur hat weder Kern
Noch Schale,
Alles ist sie mit einemmale;
Dich prüfe du nur allermeist,
Ob Du Kern oder Schale seist?»
[ 5 ] Also Goethe, man kann sagen, lehnt sich gerade mit aller Macht auf gegen die Anschauung: Ins Innere der Natur dringt kein erschaffner Geist. - Warum tut er das? Ja, sehen Sie, weil Goethe überall den großen geistigen Hintergrund in seinen Erkenntnis-Instinkten hatte, jenen geistigen Hintergrund, den mehr oder weniger das neunzehnte Jahrhundert so recht unter Schutt und Trümmer zu begraben versuchte. Wie geläufig ist dem Weltbetrachter des neunzehnten Jahrhunderts das Schopenhauersche Wort geworden: «Die Welt ist meine Vorstellung», «Keine Farbe, kein Licht ohne Auge». — Goethe setzt von sich aus dem ganz konsequent entgegen: Gewiß, kein Licht ohne Auge ist wahrzunehmen; gewiß, wären nicht die Augen da, die Welt wäre finster und stumm! - Ich habe öfter, sogar in öffentlichen Vorträgen, auf diese Anschauung des neunzehnten Jahrhunderts aufmerksam gemacht. Aber Goethe setzt dem entgegen: Ohne Licht kein Auge, denn das Licht hat das Auge gebildet für das Licht. Aus unbestimmten Organen, sagte Goethe, hat das Licht hervorgezaubert das Auge! — Will man tiefer in die Sache eindringen, so stellt sich da etwas ganz Eigentümliches heraus.
[ 5 ] Also Goethe, man kann sagen, lehnt sich gerade mit aller Macht auf gegen die Anschauung: Ins Innere der Natur dringt kein erschaffner Geist. - Warum tut er das? Ja, sehen Sie, weil Goethe überall den großen geistigen Hintergrund in seinen Erkenntnis-Instinkten hatte, jenen geistigen Hintergrund, den mehr oder weniger das neunzehnte Jahrhundert so recht unter Schutt und Trümmer zu begraben versuchte. Wie geläufig ist dem Weltbetrachter des neunzehnten Jahrhunderts das Schopenhauersche Wort geworden: «Die Welt ist meine Vorstellung», «Keine Farbe, kein Licht ohne Auge». — Goethe setzt von sich aus dem ganz konsequent entgegen: Gewiß, kein Licht ohne Auge ist wahrzunehmen; gewiß, wären nicht die Augen da, die Welt wäre finster und stumm! - Ich habe öfter, sogar in öffentlichen Vorträgen, auf diese Anschauung des neunzehnten Jahrhunderts aufmerksam gemacht. Aber Goethe setzt dem entgegen: Ohne Licht kein Auge, denn das Licht hat das Auge gebildet für das Licht. Aus unbestimmten Organen, sagte Goethe, hat das Licht hervorgezaubert das Auge! — Will man tiefer in die Sache eindringen, so stellt sich da etwas ganz Eigentümliches heraus.
[ 6 ] Nicht wahr, das Pflanzenreich war nach den Andeutungen, die ich das letztemal gemacht habe, eigentlich dazu berufen, aus sich selbst heraus, ohne Befruchtung, immer seinesgleichen durch die Metamorphose hervorzubringen. Die Befruchtung hätte einen ganz anderen Sinn haben sollen, als sie ihn jetzt hat für das Pflanzenreich. Goethe ahnte das. Daher gefiel ihm die Schelversche Ausführung über den Befruchtungsvorgang so außerordentlich, und er hatte den Mut, bei der Pflanzenbetrachtung zu moralisieren. Er hatte diesen Mut. Das Pflanzenreich lebt eben in einer anderen Sphäre als in derjenigen, in der es die Metamorphose reinlich ausbilden würde. Das ist durch jenes große Ereignis gekommen, wodurch die Menschheit von einer höheren Sphäre in eine tiefere durch die luziferische Versuchung heruntergekommen ist. Aber das, was da in den Pflanzen wirksam wäre, wenn sie die Metamorphose völlig zum Ausdruck brächten, wenn also aus der Pflanze die nachfolgende einfach herauswüchse und nicht die sinnliche Befruchtung eintreten würde, die Kräfte, die da leben würden, die sind geistig geworden, leben geistig in unserer Umgebung, und die machen es, daß der Mensch seine sinnlichen Organe so hat, wie er sie jetzt hat. Indem Luzifers Wort dahinging: «Eure Augen werden aufgetan sein», meinte er damit: «Ihr werdet als Menschen in eine andere Sphäre versetzt werden.» Diese andere Sphäre hatte notwendig im Gefolge, daß die Pflanzenwesen ihre Anlage nicht voll entwickeln konnten, aber die menschlichen Augen wurden aufgetan. Das Licht wirkte so, daß es wirklich im Goetheschen Sinne die Augen auftun konnte. Aber allerdings, dieses Auftun der Augen war in anderer Beziehung ein Zumachen. Denn indem die Menschen ihre Augen richten konnten, überhaupt ihre Sinne richten konnten auf die äußere Sinneswelt, drang der Geist nicht in sie ein, der in der Sinneswelt lebte. Sie wurden geschlossen für die Offenbarung des Geistes, diese Augen. Und so kam jene merkwürdige Anschauung zustande, die insbesondere im neunzehnten Jahrhundert ihre wilden Triebe getrieben hat, indem man sagte: Der Mensch sieht ja nur die äußere Sinneswelt und er kann nicht hinter diese Sinneswelt schauen. «Ins Innere der Natur dringt kein erschaffner Geist, glückselig, wem sie nur die äußere Schale weist.» Man meint, der Mensch könne nicht da hinüberschauen. Mit einem erhöhten, gereinigten Bewußtsein kann er es, und Goethe wußte das. Es kam diese merkwürdige, ich möchte sagen finstere Lehre, daß man sagte: Der Mensch sieht nur dasjenige, was in seiner sinnlichen Umgebung ist. Die Lehre, die auf naturwissenschaftlichem Felde bloß verderblich ist, aber in ihrer Verderblichkeit brauchbar ist, auf künstlerischem Felde ist sie so, daß, wenn jemals ihr Analogon einen Künstler ergreifen würde, wenn der Künstler nicht gegen diese Anschauung arbeiten würde, ich meine, schaffen würde, so würde er überhaupt durch diese Anschauung in seiner künstlerischen Phantasie ertötet werden. Denn diese Anschauung gleicht keiner anderen als der, wenn man sagt: Goethes «Faust», der ist ja nur in Büchern erhalten; da sehen wir die Buchstaben; aber der «Faust» ist jenseits der Buchstaben; ins Innere dieser Buchstaben dringt keiner; glückselig, wem sie nur die Schale weisen, die Buchstaben! — Nun, man kann ja von gewissen Philologen zugeben, daß sie in dieser Glückseligkeit leben, daß ihnen der «Faust» nur die äußeren Buchstaben weist. Aber man kann schon sagen: Diese Buchstaben müssen ja da sein, aber für das Verständnis des «Faust» sind sie dasjenige, durch das man gerade durchsieht, an dem man nicht haften bleibt; das da sein muß, von dem man aber nicht weiter redet. Man merkt gar nicht, wie man widerspricht der alleralltäglichsten Tatsache mit dem, was sozusagen in Fleisch und Blut eingezogen ist in unserem materialistischen Zeitalter.
[ 6 ] Nicht wahr, das Pflanzenreich war nach den Andeutungen, die ich das letztemal gemacht habe, eigentlich dazu berufen, aus sich selbst heraus, ohne Befruchtung, immer seinesgleichen durch die Metamorphose hervorzubringen. Die Befruchtung hätte einen ganz anderen Sinn haben sollen, als sie ihn jetzt hat für das Pflanzenreich. Goethe ahnte das. Daher gefiel ihm die Schelversche Ausführung über den Befruchtungsvorgang so außerordentlich, und er hatte den Mut, bei der Pflanzenbetrachtung zu moralisieren. Er hatte diesen Mut. Das Pflanzenreich lebt eben in einer anderen Sphäre als in derjenigen, in der es die Metamorphose reinlich ausbilden würde. Das ist durch jenes große Ereignis gekommen, wodurch die Menschheit von einer höheren Sphäre in eine tiefere durch die luziferische Versuchung heruntergekommen ist. Aber das, was da in den Pflanzen wirksam wäre, wenn sie die Metamorphose völlig zum Ausdruck brächten, wenn also aus der Pflanze die nachfolgende einfach herauswüchse und nicht die sinnliche Befruchtung eintreten würde, die Kräfte, die da leben würden, die sind geistig geworden, leben geistig in unserer Umgebung, und die machen es, daß der Mensch seine sinnlichen Organe so hat, wie er sie jetzt hat. Indem Luzifers Wort dahinging: «Eure Augen werden aufgetan sein», meinte er damit: «Ihr werdet als Menschen in eine andere Sphäre versetzt werden.» Diese andere Sphäre hatte notwendig im Gefolge, daß die Pflanzenwesen ihre Anlage nicht voll entwickeln konnten, aber die menschlichen Augen wurden aufgetan. Das Licht wirkte so, daß es wirklich im Goetheschen Sinne die Augen auftun konnte. Aber allerdings, dieses Auftun der Augen war in anderer Beziehung ein Zumachen. Denn indem die Menschen ihre Augen richten konnten, überhaupt ihre Sinne richten konnten auf die äußere Sinneswelt, drang der Geist nicht in sie ein, der in der Sinneswelt lebte. Sie wurden geschlossen für die Offenbarung des Geistes, diese Augen. Und so kam jene merkwürdige Anschauung zustande, die insbesondere im neunzehnten Jahrhundert ihre wilden Triebe getrieben hat, indem man sagte: Der Mensch sieht ja nur die äußere Sinneswelt und er kann nicht hinter diese Sinneswelt schauen. «Ins Innere der Natur dringt kein erschaffner Geist, glückselig, wem sie nur die äußere Schale weist.» Man meint, der Mensch könne nicht da hinüberschauen. Mit einem erhöhten, gereinigten Bewußtsein kann er es, und Goethe wußte das. Es kam diese merkwürdige, ich möchte sagen finstere Lehre, daß man sagte: Der Mensch sieht nur dasjenige, was in seiner sinnlichen Umgebung ist. Die Lehre, die auf naturwissenschaftlichem Felde bloß verderblich ist, aber in ihrer Verderblichkeit brauchbar ist, auf künstlerischem Felde ist sie so, daß, wenn jemals ihr Analogon einen Künstler ergreifen würde, wenn der Künstler nicht gegen diese Anschauung arbeiten würde, ich meine, schaffen würde, so würde er überhaupt durch diese Anschauung in seiner künstlerischen Phantasie ertötet werden. Denn diese Anschauung gleicht keiner anderen als der, wenn man sagt: Goethes «Faust», der ist ja nur in Büchern erhalten; da sehen wir die Buchstaben; aber der «Faust» ist jenseits der Buchstaben; ins Innere dieser Buchstaben dringt keiner; glückselig, wem sie nur die Schale weisen, die Buchstaben! — Nun, man kann ja von gewissen Philologen zugeben, daß sie in dieser Glückseligkeit leben, daß ihnen der «Faust» nur die äußeren Buchstaben weist. Aber man kann schon sagen: Diese Buchstaben müssen ja da sein, aber für das Verständnis des «Faust» sind sie dasjenige, durch das man gerade durchsieht, an dem man nicht haften bleibt; das da sein muß, von dem man aber nicht weiter redet. Man merkt gar nicht, wie man widerspricht der alleralltäglichsten Tatsache mit dem, was sozusagen in Fleisch und Blut eingezogen ist in unserem materialistischen Zeitalter.
[ 7 ] Aber zu einer anderen Anschauung würde man eben nur kommen, wenn man ein wenig hätte mitempfinden können die Worte, an die wir wiederum erinnern:
[ 7 ] Aber zu einer anderen Anschauung würde man eben nur kommen, wenn man ein wenig hätte mitempfinden können die Worte, an die wir wiederum erinnern:
Das hör’ ich sechzig Jahre wiederholen,
Und fluche drauf, aber verstohlen...
Natur hat weder Kern
Noch Schale,
Alles ist sie mit einemmale;
Dich prüfe du nur allermeist,
Ob du Kern oder Schale seist?
Das hör’ ich sechzig Jahre wiederholen,
Und fluche drauf, aber verstohlen...
Natur hat weder Kern
Noch Schale,
Alles ist sie mit einemmale;
Dich prüfe du nur allermeist,
Ob du Kern oder Schale seist?
[ 8 ] Denn, sehen Sie, es waltet das merkwürdige Geheimnis in der Menschheitsentwickelung, daß, wenn man sich emanzipiert von dieser Goetheschen Anschauung und sich bekennt zu der Hallerschen Anschauung, dann kann man die Geschichte vor dem Mysterium von Golgatha so betrachten, daß man nichts merkt von der eigentlichen Bedeutung des Mysteriums von Golgatha, und man kann die Geschichte nach dem Mysterium von Golgatha so betrachten, daß man wiederum nichts merkt von der eigentlichen Bedeutung des Mysteriums von Golgatha. Das klingt zunächst paradox; aber es ist doch so. Es ist so, daß, wenn man die Anti-Goethesche Weltanschauung anwendet auf den geschichtlichen Verlauf, dann wird unter dem Einfluß dieser Anti-Goetheschen Weltanschauung die vorchristliche Zeit so, daß man höchstens dazu kommt, irgendein historisches Ereignis anzunehmen im Beginne unserer christlichen Zeitrechnung, aber den ganzen starken Impuls des Mysteriums von Golgatha muß man dann, nun, ins Innere verlegen, zu dem kein erschaffener Geist vordringen soll. Man merkt dann nicht, daß, indem die Geschichte sich abwickelt bis zum Mysterium von Golgatha hin, da etwas hereinkommt, was einen wirklich gewaltigen Wendepunkt, und zwar den größten Wendepunkt in der irdischen Menschheitsentwickelung bedeutet; und man merkt auch nicht, wenn man das auf die nachchristliche Geschichte anwendet, daß dieser Wendepunkt drinnensteckt, in seiner Nachwirkung drinnensteckt. Daher besteht das instinktive Bedürfnis, die Goethesche Weltanschauung ein wenig unvermerkt herauszueskamotieren aus dem gegenwärtigen Denken, sie ja nicht im gegenwärtigen Denken gar zu groß werden zu lassen.
[ 8 ] Denn, sehen Sie, es waltet das merkwürdige Geheimnis in der Menschheitsentwickelung, daß, wenn man sich emanzipiert von dieser Goetheschen Anschauung und sich bekennt zu der Hallerschen Anschauung, dann kann man die Geschichte vor dem Mysterium von Golgatha so betrachten, daß man nichts merkt von der eigentlichen Bedeutung des Mysteriums von Golgatha, und man kann die Geschichte nach dem Mysterium von Golgatha so betrachten, daß man wiederum nichts merkt von der eigentlichen Bedeutung des Mysteriums von Golgatha. Das klingt zunächst paradox; aber es ist doch so. Es ist so, daß, wenn man die Anti-Goethesche Weltanschauung anwendet auf den geschichtlichen Verlauf, dann wird unter dem Einfluß dieser Anti-Goetheschen Weltanschauung die vorchristliche Zeit so, daß man höchstens dazu kommt, irgendein historisches Ereignis anzunehmen im Beginne unserer christlichen Zeitrechnung, aber den ganzen starken Impuls des Mysteriums von Golgatha muß man dann, nun, ins Innere verlegen, zu dem kein erschaffener Geist vordringen soll. Man merkt dann nicht, daß, indem die Geschichte sich abwickelt bis zum Mysterium von Golgatha hin, da etwas hereinkommt, was einen wirklich gewaltigen Wendepunkt, und zwar den größten Wendepunkt in der irdischen Menschheitsentwickelung bedeutet; und man merkt auch nicht, wenn man das auf die nachchristliche Geschichte anwendet, daß dieser Wendepunkt drinnensteckt, in seiner Nachwirkung drinnensteckt. Daher besteht das instinktive Bedürfnis, die Goethesche Weltanschauung ein wenig unvermerkt herauszueskamotieren aus dem gegenwärtigen Denken, sie ja nicht im gegenwärtigen Denken gar zu groß werden zu lassen.
[ 9 ] Man kann manchmal die Leute abfangen bei diesem instinktiven Bestreben. Das, was ich sage, soll keine moralische Anklage wider irgend jemanden sein, denn selbstverständlich kenne ich den Einwand, der gemacht werden kann: Ja, solch ein Mensch, der da die Goethe-Weltanschauung hinauskomplimentieren möchte aus der gegenwärtigen Betrachtung der Welt, er hat doch das Beste gemeint! Nun, man kennt ja Shakespeares bekannte Antonius-Worte: «Ehrenwerte Männer sind sie alle!», es wird dies von vornherein zugegeben, selbstverständlich; aber es kommt ja nicht darauf an, daß man von einem Menschen sagen kann, er habe diese oder jene Absicht nicht gehabt, sondern darauf, wie dasjenige, was von ihm ausgeht, wirkt, wie sich das einlebt in die Menschheitsentwickelung. Und sehen Sie, da kann man eben manchmal ein bißchen, ich möchte sagen, die Leute abfangen bei diesem wohllöblichen Vorhaben, das Christus-Ereignis dadurch herauszukomplimentieren aus der Geschichte, daß man die Goethesche Weltanschauung nicht aufnimmt in seine Betrachtungsweise, die, wenn wir sie heute aufnehmen, einfach zur Geisteswissenschaft fortgebildet werden muß. Und da kommt einem ein Büchelchen, das großen Einfluß in der Gegenwart gehabt hat, in die Hände, in dem Betrachtungen angestellt werden über Geschichte, insofern sie Bezug hat auch auf den Christus Jesus. Und instinktiv soll herausgeworfen werden aus der Geschichtsbetrachtung die Möglichkeit, das Mysterium von Golgatha ordentlich zu beurteilen als den größten Wendepunkt der Erdenmenschheit. Das kann der Mann nur dadurch, daß er nun auch die ganze Geschichtsbetrachtung in die Perspektive hineinstellt, daß man ins Innere der Geschichte nicht dringen kann, daß man da nur an der Schale bleiben kann; daß auch die Geschichte so betrachtet werden muß, daß man zu dem wichtigsten Ereignis sagen muß: Nun, man kann eben nicht ins Innere der Geschichte hineindringen. - Was tut der Mann? Ich werde Ihnen seine Worte vorlesen, sie sind sehr interessant.
[ 9 ] Man kann manchmal die Leute abfangen bei diesem instinktiven Bestreben. Das, was ich sage, soll keine moralische Anklage wider irgend jemanden sein, denn selbstverständlich kenne ich den Einwand, der gemacht werden kann: Ja, solch ein Mensch, der da die Goethe-Weltanschauung hinauskomplimentieren möchte aus der gegenwärtigen Betrachtung der Welt, er hat doch das Beste gemeint! Nun, man kennt ja Shakespeares bekannte Antonius-Worte: «Ehrenwerte Männer sind sie alle!», es wird dies von vornherein zugegeben, selbstverständlich; aber es kommt ja nicht darauf an, daß man von einem Menschen sagen kann, er habe diese oder jene Absicht nicht gehabt, sondern darauf, wie dasjenige, was von ihm ausgeht, wirkt, wie sich das einlebt in die Menschheitsentwickelung. Und sehen Sie, da kann man eben manchmal ein bißchen, ich möchte sagen, die Leute abfangen bei diesem wohllöblichen Vorhaben, das Christus-Ereignis dadurch herauszukomplimentieren aus der Geschichte, daß man die Goethesche Weltanschauung nicht aufnimmt in seine Betrachtungsweise, die, wenn wir sie heute aufnehmen, einfach zur Geisteswissenschaft fortgebildet werden muß. Und da kommt einem ein Büchelchen, das großen Einfluß in der Gegenwart gehabt hat, in die Hände, in dem Betrachtungen angestellt werden über Geschichte, insofern sie Bezug hat auch auf den Christus Jesus. Und instinktiv soll herausgeworfen werden aus der Geschichtsbetrachtung die Möglichkeit, das Mysterium von Golgatha ordentlich zu beurteilen als den größten Wendepunkt der Erdenmenschheit. Das kann der Mann nur dadurch, daß er nun auch die ganze Geschichtsbetrachtung in die Perspektive hineinstellt, daß man ins Innere der Geschichte nicht dringen kann, daß man da nur an der Schale bleiben kann; daß auch die Geschichte so betrachtet werden muß, daß man zu dem wichtigsten Ereignis sagen muß: Nun, man kann eben nicht ins Innere der Geschichte hineindringen. - Was tut der Mann? Ich werde Ihnen seine Worte vorlesen, sie sind sehr interessant.
[ 10 ] «Und da ist es nötig, vor allem auf den fragmentarischen Charakter aller unserer auch der vollständigsten historischen Erkenntnisse aufmerksam zu machen. Der Reichtum des Geschehenen, die geschichtliche Wirklichkeit in der Vergangenheit ist nach Inhalt und Umfang unendlich viel größer, als unser Wissen davon jemals sein wird, und wenn wir noch Jahrtausende forschten. Denn aus der unübersehbaren Masse der Geschehnisse können dem Historiker nur Teilbestandteile zugänglich werden, nur das, was irgendwie überliefert ist, durch Quellen, Urkunden, zu ihm kommt. Alles andere, was nicht überliefert wurde und überhaupt nicht überliefert werden konnte, weil es der geistigen Innenwelt angehört, dem unerforschlichen Gebiete des Seelenlebens, der inneren Motivation des persönlichen Lebens, kann der Historiker nicht «wissen», sondern höchstens erraten. Dieses «Erraten» wird unter allen Umständen, selbst bei dem exaktesten und gewissenhaftesten Vorgehen, mit Mängeln, mit subjektiven Momenten behaftet sein. Wenn Goethe sagt: ‹Ins Innere der Natur dringt kein erschaffner Geist›, so muß dieses Wort ergänzt werden: ‹Ins Innere der Geschichte dringt auch keiner.› »
[ 10 ] «Und da ist es nötig, vor allem auf den fragmentarischen Charakter aller unserer auch der vollständigsten historischen Erkenntnisse aufmerksam zu machen. Der Reichtum des Geschehenen, die geschichtliche Wirklichkeit in der Vergangenheit ist nach Inhalt und Umfang unendlich viel größer, als unser Wissen davon jemals sein wird, und wenn wir noch Jahrtausende forschten. Denn aus der unübersehbaren Masse der Geschehnisse können dem Historiker nur Teilbestandteile zugänglich werden, nur das, was irgendwie überliefert ist, durch Quellen, Urkunden, zu ihm kommt. Alles andere, was nicht überliefert wurde und überhaupt nicht überliefert werden konnte, weil es der geistigen Innenwelt angehört, dem unerforschlichen Gebiete des Seelenlebens, der inneren Motivation des persönlichen Lebens, kann der Historiker nicht «wissen», sondern höchstens erraten. Dieses «Erraten» wird unter allen Umständen, selbst bei dem exaktesten und gewissenhaftesten Vorgehen, mit Mängeln, mit subjektiven Momenten behaftet sein. Wenn Goethe sagt: ‹Ins Innere der Natur dringt kein erschaffner Geist›, so muß dieses Wort ergänzt werden: ‹Ins Innere der Geschichte dringt auch keiner.› »
[ 11 ] Wie gesagt, ich will keine moralischen Urteile fällen, sondern bloß das Objektive sagen: So fälscht man Goethe nach so kurzer Zeit! So fälscht man Goethe! Ins Entgegengesetzte fälscht man ihn um, indem man das heute der Menschheit mitteilt, die es selbstverständlich nicht merkt! Sie merkt es wirklich nicht! Denn dasjenige, was beschrieben worden ist hier, das nennt sich: «Das Christentum im Weltanschauungskampf der Gegenwart», und ist geschrieben, um zu zeigen, wie das Christentum im Weltanschauungskampfe der Gegenwart drinnensteht. Aber der ganze Geist, der in dieser Schrift waltet, der ist derselbe, der in dieser Goethe-Erkenntnis waltet. Da haben Sie einen solchen Punkt, wo man abfangen kann den Wahrheitssinn derjenigen, die heute ein großes Publikum haben. Denn ich habe Ihnen von demselben Manne neulich erzählt, daß er Vorträge vor kurzem gehalten hat, in denen man nachweisen kann, wie das Denken überall abreißt, wie es nirgends zusammenhängend ist, wie es vollständig korrumpiert ist, wie es nirgends auch nur versucht, in die Dinge einzudringen. Und ich hatte Ihnen versprochen — weil ich das betreffende Buch in Dornach lassen mußte, man kann ja jetzt nicht alles von einem Ort zum anderen führen -, es mir hier wieder zu verschaffen, um Ihnen einige Proben vorzulesen, die alle ebenso zeugen würden für die Diskontinuität, für die Korruptheit seines Denkens, wie das hier für die Korruptheit seiner GoetheAnschauung zeugt. Ich konnte mir das Buch nicht verschaffen; es ist so begehrt, daß es augenblicklich vergriffen ist, daß man es nicht mehr bekommt.
[ 11 ] Wie gesagt, ich will keine moralischen Urteile fällen, sondern bloß das Objektive sagen: So fälscht man Goethe nach so kurzer Zeit! So fälscht man Goethe! Ins Entgegengesetzte fälscht man ihn um, indem man das heute der Menschheit mitteilt, die es selbstverständlich nicht merkt! Sie merkt es wirklich nicht! Denn dasjenige, was beschrieben worden ist hier, das nennt sich: «Das Christentum im Weltanschauungskampf der Gegenwart», und ist geschrieben, um zu zeigen, wie das Christentum im Weltanschauungskampfe der Gegenwart drinnensteht. Aber der ganze Geist, der in dieser Schrift waltet, der ist derselbe, der in dieser Goethe-Erkenntnis waltet. Da haben Sie einen solchen Punkt, wo man abfangen kann den Wahrheitssinn derjenigen, die heute ein großes Publikum haben. Denn ich habe Ihnen von demselben Manne neulich erzählt, daß er Vorträge vor kurzem gehalten hat, in denen man nachweisen kann, wie das Denken überall abreißt, wie es nirgends zusammenhängend ist, wie es vollständig korrumpiert ist, wie es nirgends auch nur versucht, in die Dinge einzudringen. Und ich hatte Ihnen versprochen — weil ich das betreffende Buch in Dornach lassen mußte, man kann ja jetzt nicht alles von einem Ort zum anderen führen -, es mir hier wieder zu verschaffen, um Ihnen einige Proben vorzulesen, die alle ebenso zeugen würden für die Diskontinuität, für die Korruptheit seines Denkens, wie das hier für die Korruptheit seiner GoetheAnschauung zeugt. Ich konnte mir das Buch nicht verschaffen; es ist so begehrt, daß es augenblicklich vergriffen ist, daß man es nicht mehr bekommt.
[ 12 ] Sehen Sie, so sind die Dinge, wenn es sich darum handelt, heute dasjenige, was wahr ist, an sich herankommen zu lassen. Deshalb ist es nicht unnötig und ungerechtfertigt, in ernsten Worten auf das hinzuweisen, was nötig ist, und deshalb auch aufmerksam zu machen, daß hinter solchen Worten wie «Ändert den Sinn!» etwas ungeheuer Tiefes liegt, das schon auch historisch zu erfassen ist, wenn man es historisch erfassen will. Die Täufer-Worte «Ändert den Sinn!», die hängen nicht nur zusammen mit dem, was man geisteswissenschaftlich herausholen kann aus der Menschheitsentwickelung, sondern sie hängen auch zusammen mit dem, was man geschichtlich betrachten kann, wenn man nur die Goethe-Weltanschauung nicht nach dem Gelüste des modernen Philisters verarbeitet, sondern wenn man versucht, diese Goethesche Weltanschauung lebendig zu machen. Denn dann ist sie ein großer Impuls, in das Christentum wirklich wiederum hineinzukommen, und führt unmittelbar zu unserer Geisteswissenschaft hin.
[ 12 ] Sehen Sie, so sind die Dinge, wenn es sich darum handelt, heute dasjenige, was wahr ist, an sich herankommen zu lassen. Deshalb ist es nicht unnötig und ungerechtfertigt, in ernsten Worten auf das hinzuweisen, was nötig ist, und deshalb auch aufmerksam zu machen, daß hinter solchen Worten wie «Ändert den Sinn!» etwas ungeheuer Tiefes liegt, das schon auch historisch zu erfassen ist, wenn man es historisch erfassen will. Die Täufer-Worte «Ändert den Sinn!», die hängen nicht nur zusammen mit dem, was man geisteswissenschaftlich herausholen kann aus der Menschheitsentwickelung, sondern sie hängen auch zusammen mit dem, was man geschichtlich betrachten kann, wenn man nur die Goethe-Weltanschauung nicht nach dem Gelüste des modernen Philisters verarbeitet, sondern wenn man versucht, diese Goethesche Weltanschauung lebendig zu machen. Denn dann ist sie ein großer Impuls, in das Christentum wirklich wiederum hineinzukommen, und führt unmittelbar zu unserer Geisteswissenschaft hin.
[ 13 ] Sehen Sie, uns wird heute am leichtesten klar werden, um was es sich in der Menschheitsentwickelung eigentlich handelt, wenn wir uns an manches erinnern, das wir ja im einzelnen oftmals ausgeführt haben. — Ausgeführt haben wir, wie in der vorchristlichen Zeit Mysterien da waren. Ich habe auf das, was in diesen Mysterien gesucht worden ist, hinzuweisen versucht in meinem Buch «Das Christentum als mystische Tatsache», indem ich Plato-Worte angeführt habe, die von diesen Mysterien sprechen. Gewiß, man kann heute mit einem vornehmen Lächeln, das aber im Grunde genommen doch nur ein materialistisch-philiströses Lächeln ist, auch auf solche Aussprüche Platos hinsehen wie diesen, wenn Plato sagt: Diejenigen, die in die Mysterien eingeweiht sind, sie nehmen teil an dem Leben im Ewigen. Die anderen sind wie im Sumpfe. — Ich habe ganz absichtlich damals, als ich «Das Christentum als mystische Tatsache» schrieb, auf diese Worte Platos hingewiesen, denn sie bezeugen in ernster Weise, was Plato von den Mysterien zu sagen hatte.
[ 13 ] Sehen Sie, uns wird heute am leichtesten klar werden, um was es sich in der Menschheitsentwickelung eigentlich handelt, wenn wir uns an manches erinnern, das wir ja im einzelnen oftmals ausgeführt haben. — Ausgeführt haben wir, wie in der vorchristlichen Zeit Mysterien da waren. Ich habe auf das, was in diesen Mysterien gesucht worden ist, hinzuweisen versucht in meinem Buch «Das Christentum als mystische Tatsache», indem ich Plato-Worte angeführt habe, die von diesen Mysterien sprechen. Gewiß, man kann heute mit einem vornehmen Lächeln, das aber im Grunde genommen doch nur ein materialistisch-philiströses Lächeln ist, auch auf solche Aussprüche Platos hinsehen wie diesen, wenn Plato sagt: Diejenigen, die in die Mysterien eingeweiht sind, sie nehmen teil an dem Leben im Ewigen. Die anderen sind wie im Sumpfe. — Ich habe ganz absichtlich damals, als ich «Das Christentum als mystische Tatsache» schrieb, auf diese Worte Platos hingewiesen, denn sie bezeugen in ernster Weise, was Plato von den Mysterien zu sagen hatte.
[ 14 ] Im Grunde genommen bestand ja das große Geheimnis, das durch eine besondere Menschheitszucht dem Mysterienschüler in den vorchristlichen Zeiten vermittelt worden war, darinnen, anzuschauen dasjenige, wozu die mineralische und pflanzliche Natur geworden wäre, wenn sie sich in gerader Linie mit ihren Anlagen hätte fortentwickeln können. Denn dadurch würde ein Menschheitserkennen zustande gekommen sein, so daß man hätte sagen können: Wären Mineralreich und Pflanzenreich so, daß sie ihre Anlage voll hätten entwickeln können, dann würde der Mensch sein wahres Gesicht zeigen in derjenigen Sphäre, in der er dann sein würde. Und das war eine vollständige Verwandlung, die der Mysterienschüler durchmachte, wenn er gewissermaßen eingeführt wurde ins Innere der Natur, wenn er den Menschen so sehen durfte, wie der Mensch eigentlich ursprünglich beabsichtigt war. Denn dann sah dieser Mysterienschüler auch ein, wie das, was jetzt im warmblütigen Tierreiche, im rindenbegabten, im holzbegabten Pflanzenreiche, im physischen Menschenreiche existiert, nicht seinen Ursprung zeigt, offenbart, sondern unerklärt dasteht, weil es seinen Ursprung nicht unmittelbar in sich trägt. Während also die Pflanzen und Mineralien nicht ans Ende kommen, kommen die Menschen und Tiere nicht bis zu ihrem Ursprung zurück.
[ 14 ] Im Grunde genommen bestand ja das große Geheimnis, das durch eine besondere Menschheitszucht dem Mysterienschüler in den vorchristlichen Zeiten vermittelt worden war, darinnen, anzuschauen dasjenige, wozu die mineralische und pflanzliche Natur geworden wäre, wenn sie sich in gerader Linie mit ihren Anlagen hätte fortentwickeln können. Denn dadurch würde ein Menschheitserkennen zustande gekommen sein, so daß man hätte sagen können: Wären Mineralreich und Pflanzenreich so, daß sie ihre Anlage voll hätten entwickeln können, dann würde der Mensch sein wahres Gesicht zeigen in derjenigen Sphäre, in der er dann sein würde. Und das war eine vollständige Verwandlung, die der Mysterienschüler durchmachte, wenn er gewissermaßen eingeführt wurde ins Innere der Natur, wenn er den Menschen so sehen durfte, wie der Mensch eigentlich ursprünglich beabsichtigt war. Denn dann sah dieser Mysterienschüler auch ein, wie das, was jetzt im warmblütigen Tierreiche, im rindenbegabten, im holzbegabten Pflanzenreiche, im physischen Menschenreiche existiert, nicht seinen Ursprung zeigt, offenbart, sondern unerklärt dasteht, weil es seinen Ursprung nicht unmittelbar in sich trägt. Während also die Pflanzen und Mineralien nicht ans Ende kommen, kommen die Menschen und Tiere nicht bis zu ihrem Ursprung zurück.
[ 15 ] Ja, notwendig war es - dafür zeugt das, was die Mysterien eigentlich waren —, notwendig war es in der vorchristlichen Zeit, einzuweihen gewisse Menschen. In den allerältesten Zeiten war das ja eine atavistische Erkenntnis aller Menschen, nur in späteren Zeiten, als die atavistische Erkenntnis zurückgegangen war, war es notwendig, einzelne einzuweihen. Es war also notwendig, die einzelnen Menschen einzuweihen in die Geheimnisse der äußeren Natur, des mineralischen, des pflanzlichen Reiches, um den Menschen zu sehen, um zu sehen, was er eigentlich ist. Ebenso wird es notwendig in unserer Zeit, wiederum auf seinen Ursprung hinzuweisen, den Menschen kennenzulernen von der anderen Seite, so daß er wiederum seinen Ursprung offenbart — was ja versucht worden ist in der «Geheimwissenschaft» in der stammelnden Weise, wie das in der jetzigen Zeit möglich ist —, so daß der Mensch wiederum angegliedert wird an das ganze Sein. Wie sich das andere zeigte für die vorchristliche Zeit, so zeigt sich das letztere für die Zeit, in der wir jetzt, also nach dem Mysterium von Golgatha, leben. Aber nur, wenn man das weiß, daß das Mysterium von Golgatha ein so tiefer Einschnitt ist, daß sich wirklich das geschichtliche Werden in zwei Teile gliedert, nur dann kann man zu einer wahren Betrachtung des Mysteriums von Golgatha allmählich aufsteigen. Aber das kann sich einem zeigen, indem man einfach nicht durch solche Brillen, wie sie durch den Anti-Goetheanismus den Menschen aufgesteckt werden, die Zeiten um das Mysterium von Golgatha herum verfinstert, sondern indem man sie wirklich so betrachtet, wie es gewissermaßen Herman Grimm haben wollte. Aber er hatte nicht die Kraft dazu.
[ 15 ] Ja, notwendig war es - dafür zeugt das, was die Mysterien eigentlich waren —, notwendig war es in der vorchristlichen Zeit, einzuweihen gewisse Menschen. In den allerältesten Zeiten war das ja eine atavistische Erkenntnis aller Menschen, nur in späteren Zeiten, als die atavistische Erkenntnis zurückgegangen war, war es notwendig, einzelne einzuweihen. Es war also notwendig, die einzelnen Menschen einzuweihen in die Geheimnisse der äußeren Natur, des mineralischen, des pflanzlichen Reiches, um den Menschen zu sehen, um zu sehen, was er eigentlich ist. Ebenso wird es notwendig in unserer Zeit, wiederum auf seinen Ursprung hinzuweisen, den Menschen kennenzulernen von der anderen Seite, so daß er wiederum seinen Ursprung offenbart — was ja versucht worden ist in der «Geheimwissenschaft» in der stammelnden Weise, wie das in der jetzigen Zeit möglich ist —, so daß der Mensch wiederum angegliedert wird an das ganze Sein. Wie sich das andere zeigte für die vorchristliche Zeit, so zeigt sich das letztere für die Zeit, in der wir jetzt, also nach dem Mysterium von Golgatha, leben. Aber nur, wenn man das weiß, daß das Mysterium von Golgatha ein so tiefer Einschnitt ist, daß sich wirklich das geschichtliche Werden in zwei Teile gliedert, nur dann kann man zu einer wahren Betrachtung des Mysteriums von Golgatha allmählich aufsteigen. Aber das kann sich einem zeigen, indem man einfach nicht durch solche Brillen, wie sie durch den Anti-Goetheanismus den Menschen aufgesteckt werden, die Zeiten um das Mysterium von Golgatha herum verfinstert, sondern indem man sie wirklich so betrachtet, wie es gewissermaßen Herman Grimm haben wollte. Aber er hatte nicht die Kraft dazu.
[ 16 ] Die Mysterien-Leiter, die Mysterien-Führer der alten Zeiten, sie haben wohl gewußt, warum sie eine Menschenzucht verlangten von denjenigen, die sie einweihten. Und sie haben bis in eine gewisse Zeit hinein streng darauf gehalten, daß niemand in die Mysterien eingeweiht wurde, der nicht diese Zucht durchgemacht hatte. Und insbesondere wurde auch noch in den älteren Zeiten in Griechenland viel darauf gesehen, daß niemand in die Mysterien eingeweiht wurde, der nicht eine strenge Zucht durchgemacht hatte. Das, was er da erfuhr, war: die Geheimnisse in der richtigen Weise ins Leben hineinzustellen. Darauf wurde insbesondere in griechischen Gegenden sehr, sehr viel gesehen. Und es wurde streng darauf gehalten, daß die Mysterien an Unwürdige ebensowenig verraten wurden, wie der Christus Jesus nicht die Geheimnisse des Reiches Gottes an die Schriftgelehrten und Pharisäer ausliefern will, sondern nur an diejenigen, die er zu seinen Schülern machen kann.
[ 16 ] Die Mysterien-Leiter, die Mysterien-Führer der alten Zeiten, sie haben wohl gewußt, warum sie eine Menschenzucht verlangten von denjenigen, die sie einweihten. Und sie haben bis in eine gewisse Zeit hinein streng darauf gehalten, daß niemand in die Mysterien eingeweiht wurde, der nicht diese Zucht durchgemacht hatte. Und insbesondere wurde auch noch in den älteren Zeiten in Griechenland viel darauf gesehen, daß niemand in die Mysterien eingeweiht wurde, der nicht eine strenge Zucht durchgemacht hatte. Das, was er da erfuhr, war: die Geheimnisse in der richtigen Weise ins Leben hineinzustellen. Darauf wurde insbesondere in griechischen Gegenden sehr, sehr viel gesehen. Und es wurde streng darauf gehalten, daß die Mysterien an Unwürdige ebensowenig verraten wurden, wie der Christus Jesus nicht die Geheimnisse des Reiches Gottes an die Schriftgelehrten und Pharisäer ausliefern will, sondern nur an diejenigen, die er zu seinen Schülern machen kann.
[ 17 ] Ohne daß diejenigen, welche die Mysterien-Führer waren, die geringste Schuld haben, ging es aber nun nicht mehr, das MysterienGeheimnis in den Zeiten, in denen das Ereignis von Golgatha herankam, in der entsprechenden Weise geheim zu halten. Das ging nicht mehr. Und warum ging es nicht mehr? Ich sage: Ohne die Schuld der Mysterien-Führer ging es nicht mehr. Die Mysterien-Führer, die MysterienLeiter, hatten keine Schuld daran. Dasjenige, was die Mysterien in unrichtiger Weise herauszog aus ihrer Geheimnis-Sphäre, das war das Imperium Romanum, das war der römische Imperialismus. Und es war unmöglich, daß die Führer der Mysterien den Befehlen namentlich der römischen Cäsaren widerstanden. Es rückte die Zeit heran, in der die Mysterien-Führer nicht mehr widerstehen konnten den Befehlen der römischen Cäsaren. Und dieses, daß durch den römischen Cäsarismus vergewaltigt wurde das geistige Leben, dieses spiegelt sich ja in allen Ereignissen der damaligen Zeit ab. Dieses sah auch ein Mensch wie der Täufer durchaus herankommen in allen Einzelheiten. Denn derjenige, der sehen will, der sieht in den Einzelheiten, was herankommt. Nur diejenigen sehen es nicht, die nicht sehen wollen. Das liegt in den Worten, die immer sehr vieldeutig, aber immer in allen Bedeutungen wahr sind; in den Worten solcher Leute wie dem Täufer Johannes liegt es. In: den Worten: «Ändert den Sinn, die Reiche der Himmel sind nahe» liegt auch das, was man etwa so übersetzen könnte: Seht hin, dasjenige, was der Menschheit Heil gebracht hat als altes Mysteriengut, das ist nicht mehr, das wird mit Beschlag belegt durch das Imperium Romanum, das seine Fittiche auch ausgebreitet hat über das um euch herum liegende Judentum. Ändert daher den Sinn! Sucht nicht mehr in dem, was von dem Imperium Romanum ausstrahlt, das Heil, sondern sucht es in dem, was nicht auf dieser Erde ist. Empfanget die Taufe, die euren Ätherleib lockert, damit ihr seht, was da kommen soll, und was neue Mysterien einleiten soll, denn die alten Mysterien sind mit Beschlag belegt.
[ 17 ] Ohne daß diejenigen, welche die Mysterien-Führer waren, die geringste Schuld haben, ging es aber nun nicht mehr, das MysterienGeheimnis in den Zeiten, in denen das Ereignis von Golgatha herankam, in der entsprechenden Weise geheim zu halten. Das ging nicht mehr. Und warum ging es nicht mehr? Ich sage: Ohne die Schuld der Mysterien-Führer ging es nicht mehr. Die Mysterien-Führer, die MysterienLeiter, hatten keine Schuld daran. Dasjenige, was die Mysterien in unrichtiger Weise herauszog aus ihrer Geheimnis-Sphäre, das war das Imperium Romanum, das war der römische Imperialismus. Und es war unmöglich, daß die Führer der Mysterien den Befehlen namentlich der römischen Cäsaren widerstanden. Es rückte die Zeit heran, in der die Mysterien-Führer nicht mehr widerstehen konnten den Befehlen der römischen Cäsaren. Und dieses, daß durch den römischen Cäsarismus vergewaltigt wurde das geistige Leben, dieses spiegelt sich ja in allen Ereignissen der damaligen Zeit ab. Dieses sah auch ein Mensch wie der Täufer durchaus herankommen in allen Einzelheiten. Denn derjenige, der sehen will, der sieht in den Einzelheiten, was herankommt. Nur diejenigen sehen es nicht, die nicht sehen wollen. Das liegt in den Worten, die immer sehr vieldeutig, aber immer in allen Bedeutungen wahr sind; in den Worten solcher Leute wie dem Täufer Johannes liegt es. In: den Worten: «Ändert den Sinn, die Reiche der Himmel sind nahe» liegt auch das, was man etwa so übersetzen könnte: Seht hin, dasjenige, was der Menschheit Heil gebracht hat als altes Mysteriengut, das ist nicht mehr, das wird mit Beschlag belegt durch das Imperium Romanum, das seine Fittiche auch ausgebreitet hat über das um euch herum liegende Judentum. Ändert daher den Sinn! Sucht nicht mehr in dem, was von dem Imperium Romanum ausstrahlt, das Heil, sondern sucht es in dem, was nicht auf dieser Erde ist. Empfanget die Taufe, die euren Ätherleib lockert, damit ihr seht, was da kommen soll, und was neue Mysterien einleiten soll, denn die alten Mysterien sind mit Beschlag belegt.
[ 18 ] Was herankam, was bei Augustus zuerst der Fall war, der aber noch keinen Mißbrauch damit getrieben hat, war, daß die römischen Cäsaren einfach durch ihren Cäsarenbefehl eingeweiht werden mußten in die Mysterien. Das wurde überhaupt Sitte. Das war es, wogegen sich vor allen Dingen der Täufer Johannes wendete, indem er herauszunehmen suchte aus der Menschheitsentwickelung diejenigen, welche die Taufe empfangen wollten, damit sie nicht bloß das Heil der Menschheitsentwickelung in dem sahen, was vom Imperium Romanum ausstrahlte.
[ 18 ] Was herankam, was bei Augustus zuerst der Fall war, der aber noch keinen Mißbrauch damit getrieben hat, war, daß die römischen Cäsaren einfach durch ihren Cäsarenbefehl eingeweiht werden mußten in die Mysterien. Das wurde überhaupt Sitte. Das war es, wogegen sich vor allen Dingen der Täufer Johannes wendete, indem er herauszunehmen suchte aus der Menschheitsentwickelung diejenigen, welche die Taufe empfangen wollten, damit sie nicht bloß das Heil der Menschheitsentwickelung in dem sahen, was vom Imperium Romanum ausstrahlte.
[ 19 ] Sehen Sie, einer derjenigen römischen Cäsaren, die am gründlichsten eingeweiht waren in die Geheimnisse der Mysterien, war Caligula, und später Nero. Und es gehört zu den Geheimnissen der geschichtlichen Entwickelung, daß Caligula und Nero Eingeweihte waren, daß sie sich erzwungen haben, Kenntnis zu haben von den Geheimnissen der Mysterien. Und denken Sie einmal nach über die Seelenverfassung derjenigen, die da wußten: das, das rückt heran, — und die zu gleicher Zeit eine Empfindung, ein Gefühl davon haben konnten, was das bedeutete. Denken Sie sich in die Seelenverfassung dieser Menschen hinein. Die konnten natürlich sagen: Dasjenige, was kommen muß, und was kommen wird, ist das Reich der Himmel, und in diesem müssen fortan die Menschen suchen, wenn sie nach den heiligen Geheimnissen suchen, nicht im Reiche der Menschen! Die Geschichte spricht oftmals durch ihre Symbole. Diogenes ging noch, weil er in Griechenland war, auf dem Athener Markt mit der Laterne herum, um den «Menschen» zu suchen, der verlorengegangen war, dessen Anschauung verlorengegangen war. Warum verlorengegangen? Nicht deshalb, weil man diesen Menschen nicht kannte, oder weil Zeiten heranrückten, in denen man dasjenige, was in den Mysterien über die Geheimnisse der Menschenentwickelung mitgeteilt werden konnte, nicht suchte. In den Fundamenten wußten das Menschen wie Caligula und Nero. Aber gerade dadurch wurde es in Finsternis gehüllt. Und Diogenes fühlte wie Johannes der Täufer - Diogenes in seiner Art - die Zeit herankommen, wo gerade dadurch, daß man das Mysterien-Geheimnis von dem Menschen verraten wußte, der Mensch in Finsternis getaucht wird und man ihn mit der Laterne suchen muß.
[ 19 ] Sehen Sie, einer derjenigen römischen Cäsaren, die am gründlichsten eingeweiht waren in die Geheimnisse der Mysterien, war Caligula, und später Nero. Und es gehört zu den Geheimnissen der geschichtlichen Entwickelung, daß Caligula und Nero Eingeweihte waren, daß sie sich erzwungen haben, Kenntnis zu haben von den Geheimnissen der Mysterien. Und denken Sie einmal nach über die Seelenverfassung derjenigen, die da wußten: das, das rückt heran, — und die zu gleicher Zeit eine Empfindung, ein Gefühl davon haben konnten, was das bedeutete. Denken Sie sich in die Seelenverfassung dieser Menschen hinein. Die konnten natürlich sagen: Dasjenige, was kommen muß, und was kommen wird, ist das Reich der Himmel, und in diesem müssen fortan die Menschen suchen, wenn sie nach den heiligen Geheimnissen suchen, nicht im Reiche der Menschen! Die Geschichte spricht oftmals durch ihre Symbole. Diogenes ging noch, weil er in Griechenland war, auf dem Athener Markt mit der Laterne herum, um den «Menschen» zu suchen, der verlorengegangen war, dessen Anschauung verlorengegangen war. Warum verlorengegangen? Nicht deshalb, weil man diesen Menschen nicht kannte, oder weil Zeiten heranrückten, in denen man dasjenige, was in den Mysterien über die Geheimnisse der Menschenentwickelung mitgeteilt werden konnte, nicht suchte. In den Fundamenten wußten das Menschen wie Caligula und Nero. Aber gerade dadurch wurde es in Finsternis gehüllt. Und Diogenes fühlte wie Johannes der Täufer - Diogenes in seiner Art - die Zeit herankommen, wo gerade dadurch, daß man das Mysterien-Geheimnis von dem Menschen verraten wußte, der Mensch in Finsternis getaucht wird und man ihn mit der Laterne suchen muß.
[ 20 ] Caligula hatte seine Anleitung bekommen, richtig nach Art der alten Mysterien zu leben in den geistigen Zusammenhängen darinnen. Caligula verstand es daher, sein Bewußtsein vom Einschlafen bis zum Aufwachen so zu organisieren, daß er darinnen mit all demjenigen in der geistigen Welt verkehren konnte, was die alten Mysterien kannten als die Luna-Götter, als die Götter des Mondes. Und Caligula verstand die Kunst der alten Mysterien, in seinem nächtlichen Bewußtsein Zwiesprache zu halten mit den Geistern des Mondes. Das gehörte zu den alten Mysterien-Geheimnissen: kennenzulernen dasjenige, was hinter dem gewöhnlichen Bewußtsein, hinter dem Tagesbewußtsein liegt, und kennenzulernen, wie sich dadurch das gewöhnliche Tagesbewußtsein ändert, daß man die Geheimnisse dieses anderen Bewußtseins durchdringt. Denn der Mensch wird dadurch, daß er weiß, wo seine Individualität ist, wenn sie vom Einschlafen bis zum Aufwachen in der geistigen Welt ist, auch aufmerksam gemacht darauf, wie diese Individualität nicht nur hier als eingekörpert wie ein Naturwesen zu anderen Naturwesen in Beziehung steht, sondern wie sie, diese Individualität, mit der geistigen Welt, mit alledem, was in den geistigen Hierarchien lebt, in Beziehung steht. Daher ändert sich selbstverständlich, wenn ein Mensch die Geheimnisse der Mondengottheiten kennt, auch sein Verhältnis zu den Sonnengottheiten, zu den Gottheiten, die das durch Luzifer abgestumpfte Schauen des Tages nicht sieht in der Umwelt, und die dieses erwachte Bewußtsein dann sieht. Weiß der Mensch, wie Caligula, durch eigene Erfahrung, daß die menschliche Individualität vom Einschlafen bis zum Erwachen in der geistigen Welt darinnen ist, dann wird sie auch aufmerksam darauf, daß sie im Tagesbewußtsein nicht bloß in der Schale der äußeren Natur waltet, sondern daß sie im Tagesbewußtsein unter den Geistern des Sonnenlebens waltet; daß sie nicht bloß unter den physischen Sonnenstrahlen, sondern unter den Geistern des Sonnenlebens waltet.
[ 20 ] Caligula hatte seine Anleitung bekommen, richtig nach Art der alten Mysterien zu leben in den geistigen Zusammenhängen darinnen. Caligula verstand es daher, sein Bewußtsein vom Einschlafen bis zum Aufwachen so zu organisieren, daß er darinnen mit all demjenigen in der geistigen Welt verkehren konnte, was die alten Mysterien kannten als die Luna-Götter, als die Götter des Mondes. Und Caligula verstand die Kunst der alten Mysterien, in seinem nächtlichen Bewußtsein Zwiesprache zu halten mit den Geistern des Mondes. Das gehörte zu den alten Mysterien-Geheimnissen: kennenzulernen dasjenige, was hinter dem gewöhnlichen Bewußtsein, hinter dem Tagesbewußtsein liegt, und kennenzulernen, wie sich dadurch das gewöhnliche Tagesbewußtsein ändert, daß man die Geheimnisse dieses anderen Bewußtseins durchdringt. Denn der Mensch wird dadurch, daß er weiß, wo seine Individualität ist, wenn sie vom Einschlafen bis zum Aufwachen in der geistigen Welt ist, auch aufmerksam gemacht darauf, wie diese Individualität nicht nur hier als eingekörpert wie ein Naturwesen zu anderen Naturwesen in Beziehung steht, sondern wie sie, diese Individualität, mit der geistigen Welt, mit alledem, was in den geistigen Hierarchien lebt, in Beziehung steht. Daher ändert sich selbstverständlich, wenn ein Mensch die Geheimnisse der Mondengottheiten kennt, auch sein Verhältnis zu den Sonnengottheiten, zu den Gottheiten, die das durch Luzifer abgestumpfte Schauen des Tages nicht sieht in der Umwelt, und die dieses erwachte Bewußtsein dann sieht. Weiß der Mensch, wie Caligula, durch eigene Erfahrung, daß die menschliche Individualität vom Einschlafen bis zum Erwachen in der geistigen Welt darinnen ist, dann wird sie auch aufmerksam darauf, daß sie im Tagesbewußtsein nicht bloß in der Schale der äußeren Natur waltet, sondern daß sie im Tagesbewußtsein unter den Geistern des Sonnenlebens waltet; daß sie nicht bloß unter den physischen Sonnenstrahlen, sondern unter den Geistern des Sonnenlebens waltet.
[ 21 ] Aber Caligula - er hatte nicht die Zucht, selbstverständlich —, Caligula wußte daher Zwiesprache zu halten mit den lunarischen Geistern im Schlafe; und das brachte hervor, daß er im Tage ansprach Jupiter, den man im alten Griechenland als Zeus in einer noch anderen Sphäre gedacht hat, als «Bruder Jupiter». Das war eine gewöhnliche Redensart des Caligula, von «Bruder Jupiter» zu sprechen. Denn selbstverständlich fühlte er sich als ein Bürger der geistigen Welt, in der Jupiter ist, und er redete ihn als Bruder Jupiter an. Er, Caligula, wußte sich in der Welt der geistigen Wesenheiten darinnen. Daher trat er so auf, daß durchaus manifestiert wurde durch sein Auftreten, daß er der geistigen Welt angehöre. Er erschien zu gewissen Zeiten im Bacchus-Kostüm mit dem Thyrsus-Stab, mit dem Eichenkranz auf dem Haupt, und ließ sich als Bacchus huldigen. Er erschien zu gewissen Zeiten als Herkules mit der Keule und der Löwenhaut und ließ sich huldigen als Herkules. Dann erschien er wieder als Apoll und ließ sich huldigen, indem er die Strahlenkrone auf dem Haupt und den Appollo-Bogen in der Hand hatte, ließ sich huldigen von einem Chor, der ihn umgab, und der die entsprechenden Chorgesänge zu seiner Ehre sang. Er erschien mit geflügeltem Kopf mit dem Heroldstab als der Gott Merkur. Er erschien auch als Jupiter. Ein Tragödiendichter, den man als Sachverständigen ansah und aufgefordert hatte, zu entscheiden, wer der Größere sei, Caligula oder Jupiter, den er in einer Statue neben sich hinstellen ließ, wurde gegeißelt, weil er nicht darauf einging, Caligula als den Größeren hinzustellen.
[ 21 ] Aber Caligula - er hatte nicht die Zucht, selbstverständlich —, Caligula wußte daher Zwiesprache zu halten mit den lunarischen Geistern im Schlafe; und das brachte hervor, daß er im Tage ansprach Jupiter, den man im alten Griechenland als Zeus in einer noch anderen Sphäre gedacht hat, als «Bruder Jupiter». Das war eine gewöhnliche Redensart des Caligula, von «Bruder Jupiter» zu sprechen. Denn selbstverständlich fühlte er sich als ein Bürger der geistigen Welt, in der Jupiter ist, und er redete ihn als Bruder Jupiter an. Er, Caligula, wußte sich in der Welt der geistigen Wesenheiten darinnen. Daher trat er so auf, daß durchaus manifestiert wurde durch sein Auftreten, daß er der geistigen Welt angehöre. Er erschien zu gewissen Zeiten im Bacchus-Kostüm mit dem Thyrsus-Stab, mit dem Eichenkranz auf dem Haupt, und ließ sich als Bacchus huldigen. Er erschien zu gewissen Zeiten als Herkules mit der Keule und der Löwenhaut und ließ sich huldigen als Herkules. Dann erschien er wieder als Apoll und ließ sich huldigen, indem er die Strahlenkrone auf dem Haupt und den Appollo-Bogen in der Hand hatte, ließ sich huldigen von einem Chor, der ihn umgab, und der die entsprechenden Chorgesänge zu seiner Ehre sang. Er erschien mit geflügeltem Kopf mit dem Heroldstab als der Gott Merkur. Er erschien auch als Jupiter. Ein Tragödiendichter, den man als Sachverständigen ansah und aufgefordert hatte, zu entscheiden, wer der Größere sei, Caligula oder Jupiter, den er in einer Statue neben sich hinstellen ließ, wurde gegeißelt, weil er nicht darauf einging, Caligula als den Größeren hinzustellen.
[ 22 ] Aber wie sah es mit dem Urteil des Caligula aus? Angefügt wurde ja bei der luziferischen Versuchung dem Worte: Eure Sinne sollen aufgetan sein, und ihr sollt werden wie Götter — angefügt wurde: Ihr sollt unterscheiden das Gute und das Böse. — Aber diese Unterscheidung des Guten und des Bösen, die wurde ja von einem Geiste der Menschheit eingeimpft, der nur bis zu einer gewissen Zeit in der Entwickelung leben konnte. Diese Zeit war abgelaufen. In jener Zeit lief sie ab, in der der Täufer Johannes zuerst auftrat mit den Worten: «Die Reiche der Himmel sind nahe gekommen»; er sagte nur nicht mit dem Terminus technicus den Zusatz: «und das Reich des Luzifer ist abgelaufen». Natürlich sprach er nur von dem Reiche der Himmel. Man sieht es insbesondere an dem Urteil des Caligula, wie jenes Reich abgelaufen war. Denn als einmal unter der Regierung des Caligula ein richterlicher Irrtum vorgekommen war — man hatte nämlich einen Unschuldigen statt eines Schuldigen, weil man den Unschuldigen mit dem Schuldigen verwechselt hatte, zum Tode verurteilt und dem Tode überführt -, da sagte Caligula: Das macht nichts, denn der Unschuldige war ebenso schuldig wie der Schuldige! Und als Petronius verurteilt wurde zum Tode, da sagte Caligula: Diejenigen, die ihn verurteilt haben, die könnten ebensogut verurteilt werden, denn die sind ganz gleich schuldig mit demjenigen, den sie zum Tode verurteilt haben. - Sie sehen, die Unterscheidung hatte schon aufgehört, die Unterscheidung des Guten und des Bösen. Sie reichte nicht mehr bis in diesen Zeitpunkt hinein, von dem ich rede. Wir können ihn fassen, wenn wir die geschichtlichen Ereignisse wirklich auf uns wirken lassen. Wir können ihn fassen.
[ 22 ] Aber wie sah es mit dem Urteil des Caligula aus? Angefügt wurde ja bei der luziferischen Versuchung dem Worte: Eure Sinne sollen aufgetan sein, und ihr sollt werden wie Götter — angefügt wurde: Ihr sollt unterscheiden das Gute und das Böse. — Aber diese Unterscheidung des Guten und des Bösen, die wurde ja von einem Geiste der Menschheit eingeimpft, der nur bis zu einer gewissen Zeit in der Entwickelung leben konnte. Diese Zeit war abgelaufen. In jener Zeit lief sie ab, in der der Täufer Johannes zuerst auftrat mit den Worten: «Die Reiche der Himmel sind nahe gekommen»; er sagte nur nicht mit dem Terminus technicus den Zusatz: «und das Reich des Luzifer ist abgelaufen». Natürlich sprach er nur von dem Reiche der Himmel. Man sieht es insbesondere an dem Urteil des Caligula, wie jenes Reich abgelaufen war. Denn als einmal unter der Regierung des Caligula ein richterlicher Irrtum vorgekommen war — man hatte nämlich einen Unschuldigen statt eines Schuldigen, weil man den Unschuldigen mit dem Schuldigen verwechselt hatte, zum Tode verurteilt und dem Tode überführt -, da sagte Caligula: Das macht nichts, denn der Unschuldige war ebenso schuldig wie der Schuldige! Und als Petronius verurteilt wurde zum Tode, da sagte Caligula: Diejenigen, die ihn verurteilt haben, die könnten ebensogut verurteilt werden, denn die sind ganz gleich schuldig mit demjenigen, den sie zum Tode verurteilt haben. - Sie sehen, die Unterscheidung hatte schon aufgehört, die Unterscheidung des Guten und des Bösen. Sie reichte nicht mehr bis in diesen Zeitpunkt hinein, von dem ich rede. Wir können ihn fassen, wenn wir die geschichtlichen Ereignisse wirklich auf uns wirken lassen. Wir können ihn fassen.
[ 23 ] Ein solcher Eingeweihter war Nero. Und Nero war im Grunde genommen — nur nicht so philiströs, wie es manche unter unseren modernen Zeitgenossen sind, sondern grandios, ins Heroische übersetzt - ein Psychoanalytiker. Nero war sogar der erste Psychoanalytiker, denn er vertrat zuerst den Satz, daß alles im Menschen von der Libido abhängt, daß, was auch im Menschen auftritt, abhängt von dem, was als das Sexuelle in ihm wirkt - eine Lehre, die philiströs die Psychoanalytiker in unserem Zeitalter wiederum erneuert haben. Aber der Professor Sigmund Freud ist eben kein Nero. Dazu fehlt ihm allerdings nicht die Seele, aber die Größe.
[ 23 ] Ein solcher Eingeweihter war Nero. Und Nero war im Grunde genommen — nur nicht so philiströs, wie es manche unter unseren modernen Zeitgenossen sind, sondern grandios, ins Heroische übersetzt - ein Psychoanalytiker. Nero war sogar der erste Psychoanalytiker, denn er vertrat zuerst den Satz, daß alles im Menschen von der Libido abhängt, daß, was auch im Menschen auftritt, abhängt von dem, was als das Sexuelle in ihm wirkt - eine Lehre, die philiströs die Psychoanalytiker in unserem Zeitalter wiederum erneuert haben. Aber der Professor Sigmund Freud ist eben kein Nero. Dazu fehlt ihm allerdings nicht die Seele, aber die Größe.
[ 24 ] Aber was Johannes der Täufer wußte, wußte auch Nero. Denn auch Nero wußte -— und jetzt unterscheidet sich auf diesem Gebiete Nero von dem Caligula -, auch Nero wußte aus seiner Einweihung in die Mysterien heraus, daß es mit dem, was der Mensch ist, eine sonderbare Bewandtnis hat, daß gewissermaßen die Wahrheiten der alten Mysterien in ihren wahren Impulsen verklungen sind, daß sie ihre Gewalt verloren haben, daß man sie daher nur durch äußere Gewalt aufrecht erhalten kann. Nicht etwa bloß Johannes der Täufer hat gesagt: «Die alte Weltordnung ist abgelaufen» — nur hat er dazugesetzt: «Die Reiche der Himmel sind nahe herbeigekommen, ändert den Sinn!» -, auch Nero wußte, daß die Reiche der alten Welt abgelaufen sind, auch Nero wußte, daß ein gewaltiger Einschnitt in der Entwickelung der Erde da ist. Aber Nero hatte sein teuflisches Bewußtsein dazu, er hatte alle Teufeleien, die der unwürdige Eingeweihte haben kann, in sich. Und deshalb rechnete er, genauso wie Johannes der Täufer, genauso wie der Christus Jesus, mit dem Weltuntergang. Versteht man dasjenige, was Johannes der Täufer und der Christus Jesus sagen von dem Weltuntergang in der richtigen Weise, dann hat man nicht nötig, es in der philisterhaften Art auszulegen, daß es dann und dann kommen werde, sondern dann kann man verstehen, wie die Bibel sagt, der Weltuntergang wäre da. Aber Sie ahnen schon — das nächste Mal werde ich über diesen Punkt weiterreden -, daß die Parusie eine Wirklichkeit ist, wenn sie in der richtigen Weise verstanden wird. Nero wußte, daß eine ganz neue Ordnung kommt, aber es freute ihn nicht. Es paßte ihm nicht. Und charakteristisch ist daher sein Ausspruch, daß er an nichts lieber teilnehmen wollte als am Weltuntergang. Seine Worte sind charakteristisch: Wenn die Welt in Feuer aufgeht, dann werde ich meine besondere Freude daran haben! Das war sein besonderer Wahnsinn: die Sehnsucht, die Welt in Feuer aufgehen zu sehen. Und daraus entsprang das, was man ja historisch bezweifeln kann, was aber wahr ist: daß er Rom in Brand stecken ließ, weil er sich in seinem Wahnsinn vorstellte, von dem Brande von Rom aus würde sich der Brand so weit erstrecken, daß die ganze Welt verbrennen würde.
[ 24 ] Aber was Johannes der Täufer wußte, wußte auch Nero. Denn auch Nero wußte -— und jetzt unterscheidet sich auf diesem Gebiete Nero von dem Caligula -, auch Nero wußte aus seiner Einweihung in die Mysterien heraus, daß es mit dem, was der Mensch ist, eine sonderbare Bewandtnis hat, daß gewissermaßen die Wahrheiten der alten Mysterien in ihren wahren Impulsen verklungen sind, daß sie ihre Gewalt verloren haben, daß man sie daher nur durch äußere Gewalt aufrecht erhalten kann. Nicht etwa bloß Johannes der Täufer hat gesagt: «Die alte Weltordnung ist abgelaufen» — nur hat er dazugesetzt: «Die Reiche der Himmel sind nahe herbeigekommen, ändert den Sinn!» -, auch Nero wußte, daß die Reiche der alten Welt abgelaufen sind, auch Nero wußte, daß ein gewaltiger Einschnitt in der Entwickelung der Erde da ist. Aber Nero hatte sein teuflisches Bewußtsein dazu, er hatte alle Teufeleien, die der unwürdige Eingeweihte haben kann, in sich. Und deshalb rechnete er, genauso wie Johannes der Täufer, genauso wie der Christus Jesus, mit dem Weltuntergang. Versteht man dasjenige, was Johannes der Täufer und der Christus Jesus sagen von dem Weltuntergang in der richtigen Weise, dann hat man nicht nötig, es in der philisterhaften Art auszulegen, daß es dann und dann kommen werde, sondern dann kann man verstehen, wie die Bibel sagt, der Weltuntergang wäre da. Aber Sie ahnen schon — das nächste Mal werde ich über diesen Punkt weiterreden -, daß die Parusie eine Wirklichkeit ist, wenn sie in der richtigen Weise verstanden wird. Nero wußte, daß eine ganz neue Ordnung kommt, aber es freute ihn nicht. Es paßte ihm nicht. Und charakteristisch ist daher sein Ausspruch, daß er an nichts lieber teilnehmen wollte als am Weltuntergang. Seine Worte sind charakteristisch: Wenn die Welt in Feuer aufgeht, dann werde ich meine besondere Freude daran haben! Das war sein besonderer Wahnsinn: die Sehnsucht, die Welt in Feuer aufgehen zu sehen. Und daraus entsprang das, was man ja historisch bezweifeln kann, was aber wahr ist: daß er Rom in Brand stecken ließ, weil er sich in seinem Wahnsinn vorstellte, von dem Brande von Rom aus würde sich der Brand so weit erstrecken, daß die ganze Welt verbrennen würde.
[ 25 ] Ich habe Ihnen einige Symptome angegeben, die charakterisieren sollen, wie in einer gewissen Weise die Welt damals zu Ende ging und neu anfangen mußte. Aber in der äußeren Wirklichkeit geschehen die Dinge so, daß immer eines ins andere hineinläuft, daß das Alte noch vielfach bestehen bleibt, wenn das Neue seinen ersten Impuls schon gezeigt hat. Und obgleich daher die Reiche der Himmel seit dem Mysterium von Golgatha da sind, blieb daneben in absteigender Entwickelung, in dekadenter Entwickelung, das Imperium Romanum, blieb dasjenige, was dahin geführt hat, daß bei den Wissenden auch der Gegenwart mit den verschiedensten guten und bösen Absichten immer wieder und wiederum betont wird: Was in der Gegenwart mitten unter uns lebt, was durchsetzt die christlichen Ansätze, das ist der Geist des alten Imperium Romanum, das ist der Geist des römischen Imperialismus! — Man käme da auf ein eigentümliches Kapitel, wenn man in diesem Sinne weitersprechen würde. Man würde anfangen damit, daß man zeigen würde, wie die Rechtsbegriffe, die später aufgetaucht sind, alle auf das römische Recht zurückführen, wie das römische Recht, dieses antichristliche im Christus-Sinne, sich überall hineingeflochten hat. Und man würde manche andere, noch viele Gebiete zu streifen haben, wollte man das Fortleben des römischen Imperialismus bis in unsere Tage hinein besprechen; und gar erst, wollte man alles dasjenige besprechen, was zusammenhängt mit dem Fortschreiten in absteigender Entwickelung des Imperium Romanum.
[ 25 ] Ich habe Ihnen einige Symptome angegeben, die charakterisieren sollen, wie in einer gewissen Weise die Welt damals zu Ende ging und neu anfangen mußte. Aber in der äußeren Wirklichkeit geschehen die Dinge so, daß immer eines ins andere hineinläuft, daß das Alte noch vielfach bestehen bleibt, wenn das Neue seinen ersten Impuls schon gezeigt hat. Und obgleich daher die Reiche der Himmel seit dem Mysterium von Golgatha da sind, blieb daneben in absteigender Entwickelung, in dekadenter Entwickelung, das Imperium Romanum, blieb dasjenige, was dahin geführt hat, daß bei den Wissenden auch der Gegenwart mit den verschiedensten guten und bösen Absichten immer wieder und wiederum betont wird: Was in der Gegenwart mitten unter uns lebt, was durchsetzt die christlichen Ansätze, das ist der Geist des alten Imperium Romanum, das ist der Geist des römischen Imperialismus! — Man käme da auf ein eigentümliches Kapitel, wenn man in diesem Sinne weitersprechen würde. Man würde anfangen damit, daß man zeigen würde, wie die Rechtsbegriffe, die später aufgetaucht sind, alle auf das römische Recht zurückführen, wie das römische Recht, dieses antichristliche im Christus-Sinne, sich überall hineingeflochten hat. Und man würde manche andere, noch viele Gebiete zu streifen haben, wollte man das Fortleben des römischen Imperialismus bis in unsere Tage hinein besprechen; und gar erst, wollte man alles dasjenige besprechen, was zusammenhängt mit dem Fortschreiten in absteigender Entwickelung des Imperium Romanum.
[ 26 ] Es liegt etwas Instinktives in der Tatsache, wie man in den Schulen römische Geschichte lehrt, und wie die Historiker, die ja die Fable convenue schreiben, welche man gegenwärtig Geschichte nennt, der Menschheit das Bewußtsein von dem Imperium Romanum beibringen, so daß der Geist, der darinnen waltet, gerade von den Gelehrtesten ausgeschaltet wird. Dadurch aber wird ein Sicheres erreicht, meine lieben Freunde. Dadurch wird das sicher erreicht, daß zum allgemeinen Bewußtsein der Menschheit die ganze Tragweite des historischen Augenblicks nicht kommt, in dem das Kreuz auf Golgatha aufgerichtet worden ist. Zu verdecken suchte man, wenn auch instinktiv, die ganze Bedeutung der Ereignisse, die sich abgespielt haben. Denn wenig ist vorhanden von dem Mute, der dazu gehört, von der äußeren Schale ins Innere auch der Geschichte zu dringen. Und wir sehen ja, es gibt Leute, die ein großes Publikum finden, welche sogar Goethe fälschen, um bei den Menschen die Meinung hervorzurufen, auch Goethes Anschauung wäre dazu geeignet, die Geschichte so zu betrachten, als ob sie nur eine äußere Schale sei. Dasjenige, was so wirkt, wirkt aber in den breiten Impulsen des menschlichen Seelenlebens, und es ist ja nicht bloß darum zu tun, daß man zu keiner richtigen Betrachtung dieses oder jenes Punktes kommt, sondern das ganze Leben ist gewissermaßen davon beeinflußt, entwickelt eine solche Tendenz. Ein solcher Impuls waltet, das ganze Leben ist beeinflußt von diesem Impulse, läuft sozusagen in der Richtung dieses Impulses. Daher bleiben Menschen wie Goethe Prediger in der Wüste, werden noch dazu verleumdet, indem man ihnen die entgegengesetzte Erkenntnisgesinnung andichtet.
[ 26 ] Es liegt etwas Instinktives in der Tatsache, wie man in den Schulen römische Geschichte lehrt, und wie die Historiker, die ja die Fable convenue schreiben, welche man gegenwärtig Geschichte nennt, der Menschheit das Bewußtsein von dem Imperium Romanum beibringen, so daß der Geist, der darinnen waltet, gerade von den Gelehrtesten ausgeschaltet wird. Dadurch aber wird ein Sicheres erreicht, meine lieben Freunde. Dadurch wird das sicher erreicht, daß zum allgemeinen Bewußtsein der Menschheit die ganze Tragweite des historischen Augenblicks nicht kommt, in dem das Kreuz auf Golgatha aufgerichtet worden ist. Zu verdecken suchte man, wenn auch instinktiv, die ganze Bedeutung der Ereignisse, die sich abgespielt haben. Denn wenig ist vorhanden von dem Mute, der dazu gehört, von der äußeren Schale ins Innere auch der Geschichte zu dringen. Und wir sehen ja, es gibt Leute, die ein großes Publikum finden, welche sogar Goethe fälschen, um bei den Menschen die Meinung hervorzurufen, auch Goethes Anschauung wäre dazu geeignet, die Geschichte so zu betrachten, als ob sie nur eine äußere Schale sei. Dasjenige, was so wirkt, wirkt aber in den breiten Impulsen des menschlichen Seelenlebens, und es ist ja nicht bloß darum zu tun, daß man zu keiner richtigen Betrachtung dieses oder jenes Punktes kommt, sondern das ganze Leben ist gewissermaßen davon beeinflußt, entwickelt eine solche Tendenz. Ein solcher Impuls waltet, das ganze Leben ist beeinflußt von diesem Impulse, läuft sozusagen in der Richtung dieses Impulses. Daher bleiben Menschen wie Goethe Prediger in der Wüste, werden noch dazu verleumdet, indem man ihnen die entgegengesetzte Erkenntnisgesinnung andichtet.
[ 27 ] Aber man kann es auch sehen, wohin solche Impulse führen. Das Karma führt einem ja manches zu, auch wenn man sucht, Erkenntnisse abzurunden, um sie vor seinen Mitmenschen aussprechen zu können. Und so fiel mir gestern der Ausspruch eines unserer Zeitgenossen in die Hände. Erst gestern fiel mir dieser Ausspruch in die Hände; aber er hängt recht sehr zusammen mit demjenigen, was ich wie den inneren Impuls leben lassen mußte durch diese Besprechungen des Mysteriums von Golgatha hindurch. Dieser Zeitgenosse hat verschiedene Wandlungen durchgemacht. Zuletzt hat er sich zum Christentum in der Form des Katholizimus gefunden, um dafür propagieren zu können. Und wir haben also das merkwürdige Faktum, daß ein Freigeist vor seiner Mitwelt auftritt als Zeuge für den Christus, noch dazu im katholischen Sinne. Nun sprach er seine Gesinnung aus über den Christus in der Färbung, wie er ihn jetzt von sich aus vertritt. Und dieses Zeugnis ist charakteristisch, ist so richtig ein Dokument der Gegenwart. Ich will Ihnen dieses Zeugnis eines modernen Christus-Zeugen vorlesen:
[ 27 ] Aber man kann es auch sehen, wohin solche Impulse führen. Das Karma führt einem ja manches zu, auch wenn man sucht, Erkenntnisse abzurunden, um sie vor seinen Mitmenschen aussprechen zu können. Und so fiel mir gestern der Ausspruch eines unserer Zeitgenossen in die Hände. Erst gestern fiel mir dieser Ausspruch in die Hände; aber er hängt recht sehr zusammen mit demjenigen, was ich wie den inneren Impuls leben lassen mußte durch diese Besprechungen des Mysteriums von Golgatha hindurch. Dieser Zeitgenosse hat verschiedene Wandlungen durchgemacht. Zuletzt hat er sich zum Christentum in der Form des Katholizimus gefunden, um dafür propagieren zu können. Und wir haben also das merkwürdige Faktum, daß ein Freigeist vor seiner Mitwelt auftritt als Zeuge für den Christus, noch dazu im katholischen Sinne. Nun sprach er seine Gesinnung aus über den Christus in der Färbung, wie er ihn jetzt von sich aus vertritt. Und dieses Zeugnis ist charakteristisch, ist so richtig ein Dokument der Gegenwart. Ich will Ihnen dieses Zeugnis eines modernen Christus-Zeugen vorlesen:
[ 28 ] «Es ist vergebliche Mühe, das Jenseits zu suchen. Es existiert vielleicht nicht einmal, und wie wir’s auch anpacken, wir können nichts davon erfahren. Überlassen wir jedweden Okkultismus den Erleuchteten und den Gauklern; welche Form der Mystizismus auch annehmen mag, er widerspricht der Vernunft. Aber geben wir uns dennoch der Kirche hin ..., weil sie mit der Autorität der Jahrhunderte und großer praktischer Erfahrung die Regeln jener Ethik formuliert» (die Kirche nämlich!), «die man die Völker und Kinder lehren muß. Und endlich weil sie weit davon entfernt, uns dem Mystizismus auszuliefern, uns direkt gegen ihn verteidigt, die Stimmen der geheimnisvollen Haine» (so nennt er dasjenige, was etwa aus der geistigen Welt herauskommen könnte) «zum Schweigen bringt, die Evangelien auslegt, und den großmütigen Anarchismus des Heilandes den Bedürfnissen der Gesellschaft opfert.»
[ 28 ] «Es ist vergebliche Mühe, das Jenseits zu suchen. Es existiert vielleicht nicht einmal, und wie wir’s auch anpacken, wir können nichts davon erfahren. Überlassen wir jedweden Okkultismus den Erleuchteten und den Gauklern; welche Form der Mystizismus auch annehmen mag, er widerspricht der Vernunft. Aber geben wir uns dennoch der Kirche hin ..., weil sie mit der Autorität der Jahrhunderte und großer praktischer Erfahrung die Regeln jener Ethik formuliert» (die Kirche nämlich!), «die man die Völker und Kinder lehren muß. Und endlich weil sie weit davon entfernt, uns dem Mystizismus auszuliefern, uns direkt gegen ihn verteidigt, die Stimmen der geheimnisvollen Haine» (so nennt er dasjenige, was etwa aus der geistigen Welt herauskommen könnte) «zum Schweigen bringt, die Evangelien auslegt, und den großmütigen Anarchismus des Heilandes den Bedürfnissen der Gesellschaft opfert.»
[ 29 ] Hier haben Sie das Geständnis eines Mannes, der sich zum Christentum bekehrt hat vom modernen Materialismus aus; der sich zum Christentum bekehrt hat, indem er es als sein Ideal hinstellt, in dem Sinne sich zum Christentum bekehren zu können, daß dasjenige, was Christus als seine grandiosen Impulse der Welt überliefert hat, angepaßt worden ist, geopfert worden ist den Bedürfnissen der modernen Gesellschaft. Aber auch das, was sich in einem solchen Christus-Zeugen ausspricht, hat ein großes Publikum, ein viel größeres, als man denkt. Denn das Bedürfnis ist außerordentlich groß, ja den Christus so erscheinen zu lassen, wie es dem modernen Menschen gefällt, wie es dem modernen Menschen paßt. Und die Instinkte wirken dahin, ja nicht die Menschenseele auf die Wahrheit kommen zu lassen, daß Jesu Tod ein ganz selbstverständliches Ereignis war, das bedingt wurde dadurch, daß Christentum und Imperium Romanum nicht zusammengehen konnten, daß aus dem Zusammensein von Christentum und dem Imperium Romanum nur der Tod des Christus folgen konnte. Daraus aber folgt, daß aufgesucht werden muß im modernen Leben, wenn man überhaupt zum Lichte kommen will und nicht in der Finsternis wandeln will, wie sich manches in diesem modernen Leben zum echtverstandenen Christentum verhält, und daß aufgebracht werden muß nach und nach jener göttliche Zorn, den Christus selber hatte, als er oftmals zu erwidern hatte auf dasjenige, was die vorbrachten, die er die Schriftgelehrten und Pharisäer nannte.
[ 29 ] Hier haben Sie das Geständnis eines Mannes, der sich zum Christentum bekehrt hat vom modernen Materialismus aus; der sich zum Christentum bekehrt hat, indem er es als sein Ideal hinstellt, in dem Sinne sich zum Christentum bekehren zu können, daß dasjenige, was Christus als seine grandiosen Impulse der Welt überliefert hat, angepaßt worden ist, geopfert worden ist den Bedürfnissen der modernen Gesellschaft. Aber auch das, was sich in einem solchen Christus-Zeugen ausspricht, hat ein großes Publikum, ein viel größeres, als man denkt. Denn das Bedürfnis ist außerordentlich groß, ja den Christus so erscheinen zu lassen, wie es dem modernen Menschen gefällt, wie es dem modernen Menschen paßt. Und die Instinkte wirken dahin, ja nicht die Menschenseele auf die Wahrheit kommen zu lassen, daß Jesu Tod ein ganz selbstverständliches Ereignis war, das bedingt wurde dadurch, daß Christentum und Imperium Romanum nicht zusammengehen konnten, daß aus dem Zusammensein von Christentum und dem Imperium Romanum nur der Tod des Christus folgen konnte. Daraus aber folgt, daß aufgesucht werden muß im modernen Leben, wenn man überhaupt zum Lichte kommen will und nicht in der Finsternis wandeln will, wie sich manches in diesem modernen Leben zum echtverstandenen Christentum verhält, und daß aufgebracht werden muß nach und nach jener göttliche Zorn, den Christus selber hatte, als er oftmals zu erwidern hatte auf dasjenige, was die vorbrachten, die er die Schriftgelehrten und Pharisäer nannte.
[ 30 ] Ich wollte Ihnen heute ein Bild davon geben, was schon in den Jahrhunderten gelebt hat, in die das Christentum hereingebrochen ist, und wollte aufmerksam machen darauf, daß die Geschichtsbetrachtung insbesondere vertieft werden muß an der Stelle, an der das Mysterium von Golgatha steht. Denn das kann geschehen, auch wenn man nur bei der Geschichte stehen bleibt. Nur muß man sich ein Gefühl aneignen dafür, wie man die einzelnen Dinge zu werten hat, was man als das Bedeutsame und für die Zeit Sprechende anzusehen hat, und was als das Unbedeutende. Man muß sich ein Gefühl dafür aneignen, was dann von den verschiedenen Strömungen weiterlebt, wo die Dinge weiterleben.
[ 30 ] Ich wollte Ihnen heute ein Bild davon geben, was schon in den Jahrhunderten gelebt hat, in die das Christentum hereingebrochen ist, und wollte aufmerksam machen darauf, daß die Geschichtsbetrachtung insbesondere vertieft werden muß an der Stelle, an der das Mysterium von Golgatha steht. Denn das kann geschehen, auch wenn man nur bei der Geschichte stehen bleibt. Nur muß man sich ein Gefühl aneignen dafür, wie man die einzelnen Dinge zu werten hat, was man als das Bedeutsame und für die Zeit Sprechende anzusehen hat, und was als das Unbedeutende. Man muß sich ein Gefühl dafür aneignen, was dann von den verschiedenen Strömungen weiterlebt, wo die Dinge weiterleben.
