Building Stones for an Understanding
of the Mystery of Golgotha
GA 175
17 April 1917
Translate the original German text into any language:
Versions Available:
Bausteine zu einer Erkenntnis des Mysteriums von Golgatha, 3rd ed.
Dreizehnter Vortrag
Dreizehnter Vortrag
[ 1 ] Vieles ist in der Gegenwart und wird namentlich sein unter den Gestaltungen, welche die Ereignisse der Gegenwart und der nächsten Zukunft annehmen werden, was seinem Wesen nach durchschaut werden kann, wenn man in vernünftiger und geistiger Weise das Fortwirken jener Ereignisse ins Auge fassen wird, welche sich abgespielt haben durch die erste Verbreitung des Christentums. Das mag heute noch manchem paradox klingen. Und dennoch: daß nicht allgemeiner verständlich gemacht werden kann, wie gewisse Kräfte, die dazumal dem menschlichen Werden und dem Erdenwerden überhaupt bei der Verbreitung des Christentums eingeprägt und eingeimpft worden sind, heute noch fortwirken, das rührt nur davon her, daß man heute, nach den ja oftmals charakterisierten Meinungen, die nun einmal in unserer Zeitgenossenschaft herrschen, nicht auf die tieferen Impulse, auf die tieferliegenden Kräfte sieht, die in den Zeitereignissen wirken, und alles nur unter dem Gesichtspunkte desjenigen betrachten möchte, was sich so an der Oberfläche abspielt. Die tieferen geistigen Kräfte sind ja heute dem Menschen aus dem Grunde nicht zugänglich, weil man deren Betrachtung nicht eigentlich liebt. Wer aber nur sich ein wenig einlassen will auf dasjenige, was dem Oberflächengeschehen in unserer Zeit zugrunde liegt, der wird in manchem Dokumente, das in unserer Zeit an die Oberfläche des Daseins tritt, als wirksame Kraft — sogar in manchem, das da und dort geschieht bei den Menschen, die sich nicht bewußt sind, unter welchen Impulsen sie handeln —, der wird unter allem Impulse gewahr werden, die oftmals ein Fortwirken, sogar ein Wiedererscheinen gewisser, besonders in den ersten Jahrhunderten der Verbreitung des Christentums auftretender Impulse sind. Es ist gar nicht einmal möglich, die bedeutungsvollsten, man könnte sagen, Auferweckungen alter Impulse in unserer Zeit heute zu charakterisieren, weil die Menschen eine solche Charakteristik nicht vertragen. Aber derjenige, der von einem gewissen Gesichtspunkte aus gerade die ersten christlichen Jahrhunderte in Europa betrachtet, der wird darauf kommen können, welche Kräfte wirksam sind und wieder erscheinen. Daher war ich und bin ich bestrebt, gewisse Erscheinungen, die mit der Ausbreitung des Christentums in den ersten Jahrhunderten der christlichen Zeitrechnung zusammenhängen, gerade jetzt vor Ihre Seele zu führen, weil Sie durch den entsprechenden Gebrauch der dadurch erlangbaren Vorstellungen gerade vieles in der Gegenwart von selbst durch die eigene Seele werden verstehen können.
[ 1 ] Vieles ist in der Gegenwart und wird namentlich sein unter den Gestaltungen, welche die Ereignisse der Gegenwart und der nächsten Zukunft annehmen werden, was seinem Wesen nach durchschaut werden kann, wenn man in vernünftiger und geistiger Weise das Fortwirken jener Ereignisse ins Auge fassen wird, welche sich abgespielt haben durch die erste Verbreitung des Christentums. Das mag heute noch manchem paradox klingen. Und dennoch: daß nicht allgemeiner verständlich gemacht werden kann, wie gewisse Kräfte, die dazumal dem menschlichen Werden und dem Erdenwerden überhaupt bei der Verbreitung des Christentums eingeprägt und eingeimpft worden sind, heute noch fortwirken, das rührt nur davon her, daß man heute, nach den ja oftmals charakterisierten Meinungen, die nun einmal in unserer Zeitgenossenschaft herrschen, nicht auf die tieferen Impulse, auf die tieferliegenden Kräfte sieht, die in den Zeitereignissen wirken, und alles nur unter dem Gesichtspunkte desjenigen betrachten möchte, was sich so an der Oberfläche abspielt. Die tieferen geistigen Kräfte sind ja heute dem Menschen aus dem Grunde nicht zugänglich, weil man deren Betrachtung nicht eigentlich liebt. Wer aber nur sich ein wenig einlassen will auf dasjenige, was dem Oberflächengeschehen in unserer Zeit zugrunde liegt, der wird in manchem Dokumente, das in unserer Zeit an die Oberfläche des Daseins tritt, als wirksame Kraft — sogar in manchem, das da und dort geschieht bei den Menschen, die sich nicht bewußt sind, unter welchen Impulsen sie handeln —, der wird unter allem Impulse gewahr werden, die oftmals ein Fortwirken, sogar ein Wiedererscheinen gewisser, besonders in den ersten Jahrhunderten der Verbreitung des Christentums auftretender Impulse sind. Es ist gar nicht einmal möglich, die bedeutungsvollsten, man könnte sagen, Auferweckungen alter Impulse in unserer Zeit heute zu charakterisieren, weil die Menschen eine solche Charakteristik nicht vertragen. Aber derjenige, der von einem gewissen Gesichtspunkte aus gerade die ersten christlichen Jahrhunderte in Europa betrachtet, der wird darauf kommen können, welche Kräfte wirksam sind und wieder erscheinen. Daher war ich und bin ich bestrebt, gewisse Erscheinungen, die mit der Ausbreitung des Christentums in den ersten Jahrhunderten der christlichen Zeitrechnung zusammenhängen, gerade jetzt vor Ihre Seele zu führen, weil Sie durch den entsprechenden Gebrauch der dadurch erlangbaren Vorstellungen gerade vieles in der Gegenwart von selbst durch die eigene Seele werden verstehen können.
[ 2 ] Ich will nun heute einiges, das sich aufbaut auf unsere letzten Betrachtungen, herbeitragen, das dann einer späteren Ausführung noch unterliegen wird, das wir aber zuerst einmal uns anschauen wollen, damit diese spätere Betrachtung fruchtbar wird sein können.
[ 2 ] Ich will nun heute einiges, das sich aufbaut auf unsere letzten Betrachtungen, herbeitragen, das dann einer späteren Ausführung noch unterliegen wird, das wir aber zuerst einmal uns anschauen wollen, damit diese spätere Betrachtung fruchtbar wird sein können.
[ 3 ] Sehen Sie, ich habe Ihnen öfter von dieser eigentümlichen, merkwürdigen Tatsache gesprochen, daß die ersten römischen Cäsaren, die römischen Kaiser, in einer gewissen Weise sich die Initiation erzwungen hatten. Und daß gerade manche Handlungen der römischen Kaiser unter diesem Einflusse geschehen sind, der davon kam, daß sie sich die Initiation erzwungen hatten und daher gewisse Dinge wußten, die mit den Weltenereignissen, mit den großen Impulsen der Weltenereignisse, zusammenhingen, aber daß sie eben, wie wir das letzte Mal gesehen haben, diese Initiationsgeheimnisse in ihrer Art ausnützten.
[ 3 ] Sehen Sie, ich habe Ihnen öfter von dieser eigentümlichen, merkwürdigen Tatsache gesprochen, daß die ersten römischen Cäsaren, die römischen Kaiser, in einer gewissen Weise sich die Initiation erzwungen hatten. Und daß gerade manche Handlungen der römischen Kaiser unter diesem Einflusse geschehen sind, der davon kam, daß sie sich die Initiation erzwungen hatten und daher gewisse Dinge wußten, die mit den Weltenereignissen, mit den großen Impulsen der Weltenereignisse, zusammenhingen, aber daß sie eben, wie wir das letzte Mal gesehen haben, diese Initiationsgeheimnisse in ihrer Art ausnützten.
[ 4 ] Nun handelt es sich bei der Betrachtung dieser Dinge vor allem darum, zuerst einzusehen, daß das Hereinkommen des Christus-Impulses in die weltgeschichtliche Bewegung der Menschheit nicht bloß ein äußeres Ereignis des physischen Planes war, welches man versteht, wenn man geschichtlich die Tatsachen, die überliefert sind, betrachtet, sondern daß es ein wirklich geistiges Ereignis war. Ich habe schon darauf hingewiesen, daß etwas Tieferes hinter den in den Evangelien auftretenden Mitteilungen liegt, daß den Christus die Dämonen erkannt haben. Es wird erzählt, daß der Christus Heilungen vollführt hat, welche in den Evangelien dargelegt werden als Dämonen-Austreibungen. Und wir werden immer wiederum darauf aufmerksam gemacht, daß auf der einen Seite die Dämonen, die auf diese Weise gewissermaßen aus dem Menschen herauskamen, eine Kenntnis davon hatten, wer der Christus sei; und auf der anderen Seite wiederum werden wir immer darauf hingewiesen, daß der Christus selbst zu den Dämonen sagte, daß es nicht an der Zeit ist, von ihm zu sprechen, daß sie ihn, wie es in der gangbaren Evangelien-Übersetzung heißt, nicht «verraten» sollen. So daß man also sagen kann: Als der Christus auftrat, waren nicht etwa bloß die Urteile der Menschen beteiligt. Es hätte sein können, daß die Menschen zunächst nicht die geringste Ahnung gehabt hätten, was hinter dem Auftreten des Christus stak. Aber die Dämonen, die Geister, die also gedacht waren angehörend einer übersinnlichen Welt, die haben ihn erkannt. Wir sehen, es ist also ein Ereignis, bei dessen Erkenntnis die übersinnliche Welt mitspielt. Und diese Erkenntnis vor allen Dingen ist es, die von den kenntnisreicheren Führern der ersten Christen mit einer großen Intensität festgehalten worden ist: daß das Christentum gekommen ist nicht bloß als ein irdisches Ereignis, daß sich da nicht etwas abgespielt hat bloß in der Erdenwelt, sondern etwas, was die geistige Welt angeht, was in der geistigen Welt gewissermaßen eine Art Revolutionierung hervorgerufen hat. Das ist es, was von diesen Führern und den Geistern der ersten Christenheit streng und stark festgehalten worden ist.
[ 4 ] Nun handelt es sich bei der Betrachtung dieser Dinge vor allem darum, zuerst einzusehen, daß das Hereinkommen des Christus-Impulses in die weltgeschichtliche Bewegung der Menschheit nicht bloß ein äußeres Ereignis des physischen Planes war, welches man versteht, wenn man geschichtlich die Tatsachen, die überliefert sind, betrachtet, sondern daß es ein wirklich geistiges Ereignis war. Ich habe schon darauf hingewiesen, daß etwas Tieferes hinter den in den Evangelien auftretenden Mitteilungen liegt, daß den Christus die Dämonen erkannt haben. Es wird erzählt, daß der Christus Heilungen vollführt hat, welche in den Evangelien dargelegt werden als Dämonen-Austreibungen. Und wir werden immer wiederum darauf aufmerksam gemacht, daß auf der einen Seite die Dämonen, die auf diese Weise gewissermaßen aus dem Menschen herauskamen, eine Kenntnis davon hatten, wer der Christus sei; und auf der anderen Seite wiederum werden wir immer darauf hingewiesen, daß der Christus selbst zu den Dämonen sagte, daß es nicht an der Zeit ist, von ihm zu sprechen, daß sie ihn, wie es in der gangbaren Evangelien-Übersetzung heißt, nicht «verraten» sollen. So daß man also sagen kann: Als der Christus auftrat, waren nicht etwa bloß die Urteile der Menschen beteiligt. Es hätte sein können, daß die Menschen zunächst nicht die geringste Ahnung gehabt hätten, was hinter dem Auftreten des Christus stak. Aber die Dämonen, die Geister, die also gedacht waren angehörend einer übersinnlichen Welt, die haben ihn erkannt. Wir sehen, es ist also ein Ereignis, bei dessen Erkenntnis die übersinnliche Welt mitspielt. Und diese Erkenntnis vor allen Dingen ist es, die von den kenntnisreicheren Führern der ersten Christen mit einer großen Intensität festgehalten worden ist: daß das Christentum gekommen ist nicht bloß als ein irdisches Ereignis, daß sich da nicht etwas abgespielt hat bloß in der Erdenwelt, sondern etwas, was die geistige Welt angeht, was in der geistigen Welt gewissermaßen eine Art Revolutionierung hervorgerufen hat. Das ist es, was von diesen Führern und den Geistern der ersten Christenheit streng und stark festgehalten worden ist.
[ 5 ] Nun ist es eine eigentümliche Erscheinung, daß gerade die römischen Cäsaren, welche also um gewisse Dinge, gewisse Geheimnisse der geistigen Welt wußten, da sie sich die Initiation erzwungen hatten, daß diese römischen Cäsaren mehr oder weniger durchaus, gerade durch ihre Initiation, eine Ahnung hatten von der ganzen, großen, weitgehenden Bedeutung des Christus-Impulses. Selbstverständlich gab es unter den römischen Cäsaren solche, die, trotzdem sie sich die Initiation erzwungen hatten, nicht viel verstanden von den Geheimnissen; aber es gab auch solche, die so viel verstanden, daß sie die Wirksamkeit, die Kraft des Christus-Mysteriums ahnen konnten. Und gerade die begabteren und einsichtsvolleren dieser initiierten Cäsaren, die fingen an, eine gewisse Politik zu verfolgen gegenüber dem sich verbreitenden Christentum. Sogar der erste Kaiser nach dem Augustus, Tiberius, fing schon damit an. Obwohl man da einwenden könnte: Ja, da hatte das Christentum ja noch gar keine Verbreitung — so gilt dieser Einwand nicht. Denn Tiberius, als in gewissem Sinne in die alten Mysterien eingeweiht, wußte genau, daß es sich um Bedeutsames handelte, als ihm von Palästina aus gemeldet worden war, was da als Christus-Impuls in die Welt eingezogen war. Und so müssen wir schon ein wenig hinschauen, wie schon unter Tiberius jene Politik begann, welche die initiierten römischen Casären gegenüber dem Christentum befolgt haben. Tiberius hat gerade seinen Willen kundgegeben, der darin bestand, Christus aufzunehmen als einen der Götter unter die anderen römischen Götter.
[ 5 ] Nun ist es eine eigentümliche Erscheinung, daß gerade die römischen Cäsaren, welche also um gewisse Dinge, gewisse Geheimnisse der geistigen Welt wußten, da sie sich die Initiation erzwungen hatten, daß diese römischen Cäsaren mehr oder weniger durchaus, gerade durch ihre Initiation, eine Ahnung hatten von der ganzen, großen, weitgehenden Bedeutung des Christus-Impulses. Selbstverständlich gab es unter den römischen Cäsaren solche, die, trotzdem sie sich die Initiation erzwungen hatten, nicht viel verstanden von den Geheimnissen; aber es gab auch solche, die so viel verstanden, daß sie die Wirksamkeit, die Kraft des Christus-Mysteriums ahnen konnten. Und gerade die begabteren und einsichtsvolleren dieser initiierten Cäsaren, die fingen an, eine gewisse Politik zu verfolgen gegenüber dem sich verbreitenden Christentum. Sogar der erste Kaiser nach dem Augustus, Tiberius, fing schon damit an. Obwohl man da einwenden könnte: Ja, da hatte das Christentum ja noch gar keine Verbreitung — so gilt dieser Einwand nicht. Denn Tiberius, als in gewissem Sinne in die alten Mysterien eingeweiht, wußte genau, daß es sich um Bedeutsames handelte, als ihm von Palästina aus gemeldet worden war, was da als Christus-Impuls in die Welt eingezogen war. Und so müssen wir schon ein wenig hinschauen, wie schon unter Tiberius jene Politik begann, welche die initiierten römischen Casären gegenüber dem Christentum befolgt haben. Tiberius hat gerade seinen Willen kundgegeben, der darin bestand, Christus aufzunehmen als einen der Götter unter die anderen römischen Götter.
[ 6 ] Das römische Weltreich hat ja gegenüber der Götterverehrung eine ganz bestimmte Politik befolgt. Im wesentlichen bestand diese Politik darin, daß, wenn die Römer über ein Volk den Sieg davongetragen hatten, es erobert hatten, sie mit dem Volke dann auch dessen Götter in ihren Götter-Olymp aufnahmen. Das heißt, sie sagten: Diese Götter dürfen auch verehrt werden, und unsere Götter sind eben um die Zahl dieser Götter vermehrt. Sie hatten eben in ihre Götter-Familie einige andere aufgenommen, und so hatten sich nach und nach die römischen Götter selber auf diese Weise vermehrt. Das war gewissermaßen die Politik, welche die römischen Herrscher befolgten, um all dasjenige, was sie erobern wollten, wirklich auch mit dem Geistigen, dem Seelischen, herüberzunehmen. Und da namentlich solch ein initiierter Cäsar weit davon entfernt war, in den Göttern nur die äußeren Bilder zu sehen, weit davon entfernt war, in den Göttern nur das zu sehen, was das Volk sah, sondern wußte, daß hinter dem, was in den Bildern der Götter aufgestellt war, wirklich geistige Mächte schon vorhanden waren aus den verschiedensten Hierarchien, so war diese Politik eine durchaus verständliche, eine durchaus begreifliche; denn es wurde ja bewußtermaßen der Kraft des römischen Herrschaftsprinzips eingefügt die Kraft, die in der Aufnahme der Götter, der Aneignung der Götter, liegen sollte. Und in der Regel wurde nicht nur äußerlich exoterisch die Götterreligion übernommen, sondern es wurden in den römischen Initiationsstätten auch die Geheimnisse der fremden Mysterien mit aufgenommen und mit dem Mysterienkultus des alten römischen Reiches verbunden. Und da dazumal eben durchaus die Anschauung war, daß man ohne geistige Kräfte, wie sie die Götter repräsentieren, nicht regieren solle und könne, so war das, wie gesagt, eine ganz verständliche Sache.
[ 6 ] Das römische Weltreich hat ja gegenüber der Götterverehrung eine ganz bestimmte Politik befolgt. Im wesentlichen bestand diese Politik darin, daß, wenn die Römer über ein Volk den Sieg davongetragen hatten, es erobert hatten, sie mit dem Volke dann auch dessen Götter in ihren Götter-Olymp aufnahmen. Das heißt, sie sagten: Diese Götter dürfen auch verehrt werden, und unsere Götter sind eben um die Zahl dieser Götter vermehrt. Sie hatten eben in ihre Götter-Familie einige andere aufgenommen, und so hatten sich nach und nach die römischen Götter selber auf diese Weise vermehrt. Das war gewissermaßen die Politik, welche die römischen Herrscher befolgten, um all dasjenige, was sie erobern wollten, wirklich auch mit dem Geistigen, dem Seelischen, herüberzunehmen. Und da namentlich solch ein initiierter Cäsar weit davon entfernt war, in den Göttern nur die äußeren Bilder zu sehen, weit davon entfernt war, in den Göttern nur das zu sehen, was das Volk sah, sondern wußte, daß hinter dem, was in den Bildern der Götter aufgestellt war, wirklich geistige Mächte schon vorhanden waren aus den verschiedensten Hierarchien, so war diese Politik eine durchaus verständliche, eine durchaus begreifliche; denn es wurde ja bewußtermaßen der Kraft des römischen Herrschaftsprinzips eingefügt die Kraft, die in der Aufnahme der Götter, der Aneignung der Götter, liegen sollte. Und in der Regel wurde nicht nur äußerlich exoterisch die Götterreligion übernommen, sondern es wurden in den römischen Initiationsstätten auch die Geheimnisse der fremden Mysterien mit aufgenommen und mit dem Mysterienkultus des alten römischen Reiches verbunden. Und da dazumal eben durchaus die Anschauung war, daß man ohne geistige Kräfte, wie sie die Götter repräsentieren, nicht regieren solle und könne, so war das, wie gesagt, eine ganz verständliche Sache.
[ 7 ] Tiberius wollte also erreichen, daß auch die Kraft des Christus, wie er sich sie vorstellte, einfach eingefügt werde den Impulsen, die von den anderen von ihm und seinen Völkern anerkannten göttlichen Mächten ausgingen. Der römische Senat vereitelte dem Tiberius dieses Ansinnen, und es kam nicht zustande. Aber immer wieder haben die initiierten Cäsaren diesen Versuch gemacht. Hadrian zum Beispiel hat diesen Versuch gemacht. Aber immer wiederum sträubten sich die Würdenträger, diejenigen, die einen gewissen Einfluß geltend machen konnten, gegen diese Politik der initiierten Cäsaren. Nun, wenn man prüft, was eigentlich vorgebracht wurde gegen diese Politik der initiierten Cäsaren, dann bekommt man gerade durch diese Prüfung eine gute Vorstellung davon, was in diesem allerbedeutsamsten Wendepunkt der menschlichen Erdenentwickelung eigentlich gespielt hat.
[ 7 ] Tiberius wollte also erreichen, daß auch die Kraft des Christus, wie er sich sie vorstellte, einfach eingefügt werde den Impulsen, die von den anderen von ihm und seinen Völkern anerkannten göttlichen Mächten ausgingen. Der römische Senat vereitelte dem Tiberius dieses Ansinnen, und es kam nicht zustande. Aber immer wieder haben die initiierten Cäsaren diesen Versuch gemacht. Hadrian zum Beispiel hat diesen Versuch gemacht. Aber immer wiederum sträubten sich die Würdenträger, diejenigen, die einen gewissen Einfluß geltend machen konnten, gegen diese Politik der initiierten Cäsaren. Nun, wenn man prüft, was eigentlich vorgebracht wurde gegen diese Politik der initiierten Cäsaren, dann bekommt man gerade durch diese Prüfung eine gute Vorstellung davon, was in diesem allerbedeutsamsten Wendepunkt der menschlichen Erdenentwickelung eigentlich gespielt hat.
[ 8 ] Es ist ein merkwürdiges Zusamnmentreffen, das uns da vor Augen treten kann. Sehen Sie, unzählige Male ist von römischen Schriftstellern, römischen einflußreichen Persönlichkeiten, und von da ausgehend auch innerhalb des größeren römischen Volkes immer wieder geltend gemacht worden gegen die Christen, so wie sie dazumal sich zeigten, wie sie sich ausbreiteten: daß diese Christen dasjenige für unheilig halten, was die anderen für heilig halten, und daß sie dasjenige für heilig halten, was die anderen für unheilig halten. Das heißt, es wurde von seiten der Römer darauf aufmerksam gemacht, immer wieder darauf hingewiesen, daß diese Christen sich radikal unterscheiden in ihrem Denken, in ihrem Fühlen, in ihrem Empfinden von den Römern und von allen anderen Völkern; denn die anderen Völker hatten die Römer gewissermaßen mit ihren Göttern eben aufgesogen. Sie sehen daraus, daß es schon so war, daß alle Welt gewissermaßen die Christen als andere Leute ansah, als Leute mit anderen, mit sogar entgegengesetzten Empfindungen und Gefühlen. Nun könnte man das einfach damit abtun, daß man sagte, das wäre eine Verleumdung. Mit solchen Dingen ist man ja bald zur Hand, nicht wahr, wenn man oberflächlich die Geschichte ansehen will. Aber man wird nicht sagen, das sei eine Verleumdung, wenn man folgendes bedenkt: Vieles ist dem Wortlaute nach — Sie wissen ja, solchen Wortlaut überschätzen wir nicht, aber gerade deshalb, weil wir ihn nicht überschätzen, dürfen wir ihn hervorheben —, vieles ist dem Wortlaute nach aus den Anschauungen der Vor- und Mitwelt gegenüber dem Mysterium von Golgatha in die Lehre der Christen übergegangen. Besser könnte man sagen: Die Christen haben mit Worten ihre Empfindungen ausgesprochen, die bei manchen ihrer Zeitgenossen schon zu finden waren. Einer derjenigen, der vielleicht wirklich dem Wortlaute nach dasjenige hat, was bei den Christen wiederum aufgetreten ist, das ist Philo von Alexandrien, den ich ja auch schon öfter hier erwähnt habe, ein Zeitgenosse des Christus. Philo von Alexandrien hat nun einen merkwürdigen Satz; der lautet einfach: Nach dem, was mir überliefert ist, muß ich dasjenige hassen, was die anderen. lieben — und er meint die Römer —, und dasjenige lieben, was die anderen hassen — er meint die Römer. Und wenn Sie diesen Satz des Philo ins Auge fassen und dann in den Evangelien nachschauen, so werden Sie unzählige Anklänge, namentlich im Matthäus-Evangelium, an diesen Satz des Philo finden. So daß man schon sagen kann: das Christentum ist wie aus einer geistigen Aura herausgewachsen, welche bedingt, daß gesagt wurde: Wir lieben dasjenige, was die anderen hassen. Das heißt, die Christen — und dieser Satz wurde oftmals in Christen-Gemeinschaften der ersten Zeit ausgesprochen, war sogar einer der Hauptsätze bei christlichen Unterweisungen —, die Christen sprachen selber das aus, was ihnen die anderen vorwarfen. Es war also keine bloße Verleumdung, sondern es trifft zusammen mit dem, was die Römer sagten: Die Christen lieben, was wir hassen, und hassen, was wir lieben. Aber die Christen sagten auf der anderen Seite dasselbe in bezug auf die Römer.
[ 8 ] Es ist ein merkwürdiges Zusamnmentreffen, das uns da vor Augen treten kann. Sehen Sie, unzählige Male ist von römischen Schriftstellern, römischen einflußreichen Persönlichkeiten, und von da ausgehend auch innerhalb des größeren römischen Volkes immer wieder geltend gemacht worden gegen die Christen, so wie sie dazumal sich zeigten, wie sie sich ausbreiteten: daß diese Christen dasjenige für unheilig halten, was die anderen für heilig halten, und daß sie dasjenige für heilig halten, was die anderen für unheilig halten. Das heißt, es wurde von seiten der Römer darauf aufmerksam gemacht, immer wieder darauf hingewiesen, daß diese Christen sich radikal unterscheiden in ihrem Denken, in ihrem Fühlen, in ihrem Empfinden von den Römern und von allen anderen Völkern; denn die anderen Völker hatten die Römer gewissermaßen mit ihren Göttern eben aufgesogen. Sie sehen daraus, daß es schon so war, daß alle Welt gewissermaßen die Christen als andere Leute ansah, als Leute mit anderen, mit sogar entgegengesetzten Empfindungen und Gefühlen. Nun könnte man das einfach damit abtun, daß man sagte, das wäre eine Verleumdung. Mit solchen Dingen ist man ja bald zur Hand, nicht wahr, wenn man oberflächlich die Geschichte ansehen will. Aber man wird nicht sagen, das sei eine Verleumdung, wenn man folgendes bedenkt: Vieles ist dem Wortlaute nach — Sie wissen ja, solchen Wortlaut überschätzen wir nicht, aber gerade deshalb, weil wir ihn nicht überschätzen, dürfen wir ihn hervorheben —, vieles ist dem Wortlaute nach aus den Anschauungen der Vor- und Mitwelt gegenüber dem Mysterium von Golgatha in die Lehre der Christen übergegangen. Besser könnte man sagen: Die Christen haben mit Worten ihre Empfindungen ausgesprochen, die bei manchen ihrer Zeitgenossen schon zu finden waren. Einer derjenigen, der vielleicht wirklich dem Wortlaute nach dasjenige hat, was bei den Christen wiederum aufgetreten ist, das ist Philo von Alexandrien, den ich ja auch schon öfter hier erwähnt habe, ein Zeitgenosse des Christus. Philo von Alexandrien hat nun einen merkwürdigen Satz; der lautet einfach: Nach dem, was mir überliefert ist, muß ich dasjenige hassen, was die anderen. lieben — und er meint die Römer —, und dasjenige lieben, was die anderen hassen — er meint die Römer. Und wenn Sie diesen Satz des Philo ins Auge fassen und dann in den Evangelien nachschauen, so werden Sie unzählige Anklänge, namentlich im Matthäus-Evangelium, an diesen Satz des Philo finden. So daß man schon sagen kann: das Christentum ist wie aus einer geistigen Aura herausgewachsen, welche bedingt, daß gesagt wurde: Wir lieben dasjenige, was die anderen hassen. Das heißt, die Christen — und dieser Satz wurde oftmals in Christen-Gemeinschaften der ersten Zeit ausgesprochen, war sogar einer der Hauptsätze bei christlichen Unterweisungen —, die Christen sprachen selber das aus, was ihnen die anderen vorwarfen. Es war also keine bloße Verleumdung, sondern es trifft zusammen mit dem, was die Römer sagten: Die Christen lieben, was wir hassen, und hassen, was wir lieben. Aber die Christen sagten auf der anderen Seite dasselbe in bezug auf die Römer.
[ 9 ] Daraus sehen Sie, daß wirklich — sonst hätte sich das ja nicht in so starker Weise zum Ausdruck bringen können —, daß wirklich etwas von dem Vorhergehenden ungeheuer Verschiedenes da in die Weltentwickelung der Menschheit eingetreten ist. Natürlich muß man, wenn man diese ganze Situation beurteilen will, sich klar sein, daß das, was eingetreten ist, wirklich herabgekommen ist aus geistigen Welten, und daß manche, die Zeitgenossen waren des Mysteriums von Golgatha, wie Philo, es in gebrochenen Strahlen gesehen und dann auf ihre Art ausgesprochen haben. So daß man manchmal Evangelienworte, die man heute vielfach nun so deutet, wie ich Ihnen das bei jenem Manne am Schlusse des letzten Vortrages angeführt habe, die man heute der Opportunität der Menschen anpaßt, erst im rechten Lichte sehen wird, wenn man sich nicht auf den Standpunkt stellt, in beliebiger Weise zu interpretieren, sondern wenn man aus dem ganzen Geiste der Zeit heraus wirklich die Interpretation gestalten wird. Es sind merkwürdige Sätze in den Evangelien. Sie werden ja wirklich heute zuweilen recht merkwürdig interpretiert. Aber es klingt gerade bei Philo manches stark an die Evangelien an. So möchte ich Ihnen einen Satz aus Philo mitteilen, aus dem Sie sehen werden, daß Philo, nur weil er nicht so inspiriert ist wie die Evangelisten später, in einer etwas anderen Weise schrieb als diese; weil er mehr im weltmännischen Sinne schriftgewandt war, drückte er manches so aus, daß man, um ihn zu verstehen, nicht so viel braucht, wie man bei den Evangelisten braucht, um die Evangelien zu verstehen. Einen merkwürdigen Satz finden Sie bei Philo, der aber ausdrückt manches, was da hereingekommen ist in die Herzen und in die Köpfe der Menschen. Da sagt Philo: Lasset die Erbschaftsregister und die Dokumente der Despoten, lasset überhaupt alles Leibliche laufen; schreibt weder dem sogenannten Bürger Bürgerrechte und Freiheitsvorrechte, noch dem niedrig Geborenen oder durch Kauf erlangten Sklaven Unfreiheit zu, sondern seht allein auf die Abstammung der Seele! Sie werden, wenn Sie mit Verstand das Evangelium lesen, nicht verkennen, daß, allerdings in eine besondere geistige Sphäre heraufgehoben, etwas von dieser Gesinnung gerade die Evangelien durchglüht, und daß daher ein heutiger Opportunistling eben schon sagen kann das, was ich Ihnen das letzte Mal vorgelesen habe, und was jedenfalls wert ist, daß wir es uns recht gut einprägen, daher ich es noch einmal vorlesen will:
[ 9 ] Daraus sehen Sie, daß wirklich — sonst hätte sich das ja nicht in so starker Weise zum Ausdruck bringen können —, daß wirklich etwas von dem Vorhergehenden ungeheuer Verschiedenes da in die Weltentwickelung der Menschheit eingetreten ist. Natürlich muß man, wenn man diese ganze Situation beurteilen will, sich klar sein, daß das, was eingetreten ist, wirklich herabgekommen ist aus geistigen Welten, und daß manche, die Zeitgenossen waren des Mysteriums von Golgatha, wie Philo, es in gebrochenen Strahlen gesehen und dann auf ihre Art ausgesprochen haben. So daß man manchmal Evangelienworte, die man heute vielfach nun so deutet, wie ich Ihnen das bei jenem Manne am Schlusse des letzten Vortrages angeführt habe, die man heute der Opportunität der Menschen anpaßt, erst im rechten Lichte sehen wird, wenn man sich nicht auf den Standpunkt stellt, in beliebiger Weise zu interpretieren, sondern wenn man aus dem ganzen Geiste der Zeit heraus wirklich die Interpretation gestalten wird. Es sind merkwürdige Sätze in den Evangelien. Sie werden ja wirklich heute zuweilen recht merkwürdig interpretiert. Aber es klingt gerade bei Philo manches stark an die Evangelien an. So möchte ich Ihnen einen Satz aus Philo mitteilen, aus dem Sie sehen werden, daß Philo, nur weil er nicht so inspiriert ist wie die Evangelisten später, in einer etwas anderen Weise schrieb als diese; weil er mehr im weltmännischen Sinne schriftgewandt war, drückte er manches so aus, daß man, um ihn zu verstehen, nicht so viel braucht, wie man bei den Evangelisten braucht, um die Evangelien zu verstehen. Einen merkwürdigen Satz finden Sie bei Philo, der aber ausdrückt manches, was da hereingekommen ist in die Herzen und in die Köpfe der Menschen. Da sagt Philo: Lasset die Erbschaftsregister und die Dokumente der Despoten, lasset überhaupt alles Leibliche laufen; schreibt weder dem sogenannten Bürger Bürgerrechte und Freiheitsvorrechte, noch dem niedrig Geborenen oder durch Kauf erlangten Sklaven Unfreiheit zu, sondern seht allein auf die Abstammung der Seele! Sie werden, wenn Sie mit Verstand das Evangelium lesen, nicht verkennen, daß, allerdings in eine besondere geistige Sphäre heraufgehoben, etwas von dieser Gesinnung gerade die Evangelien durchglüht, und daß daher ein heutiger Opportunistling eben schon sagen kann das, was ich Ihnen das letzte Mal vorgelesen habe, und was jedenfalls wert ist, daß wir es uns recht gut einprägen, daher ich es noch einmal vorlesen will:
[ 10 ] «Es ist vergebliche Mühe, das Jenseits zu suchen. Es existiert vielleicht nicht einmal, und wie wir’s auch anpacken, wir können nichts davon erfahren. Überlassen wir jedweden Okkultismus den Erleuchteten und den Gauklern; welche Form der Mystizismus auch annehmen mag, er widerspricht der Vernunft. Aber geben wir uns dennoch der Kirche hin... weil sie mit der Autorität der Jahrhunderte und großer praktischer Erfahrung die Regeln jener Ethik formuliert, die man die Völker und Kinder lehren muß. Und endlich weil sie, weit davon entfernt, uns dem Mystizismus auszuliefern, uns direkt gegen ihn verteidigt, die Stimmen der geheimnisvollen Haine zum Schweigen bringt, die Evangelien auslegt, und den großmütigen Anarchismus des Heilandes den Bedürfnissen der Gesellschaft opfert.»
[ 10 ] «Es ist vergebliche Mühe, das Jenseits zu suchen. Es existiert vielleicht nicht einmal, und wie wir’s auch anpacken, wir können nichts davon erfahren. Überlassen wir jedweden Okkultismus den Erleuchteten und den Gauklern; welche Form der Mystizismus auch annehmen mag, er widerspricht der Vernunft. Aber geben wir uns dennoch der Kirche hin... weil sie mit der Autorität der Jahrhunderte und großer praktischer Erfahrung die Regeln jener Ethik formuliert, die man die Völker und Kinder lehren muß. Und endlich weil sie, weit davon entfernt, uns dem Mystizismus auszuliefern, uns direkt gegen ihn verteidigt, die Stimmen der geheimnisvollen Haine zum Schweigen bringt, die Evangelien auslegt, und den großmütigen Anarchismus des Heilandes den Bedürfnissen der Gesellschaft opfert.»
[ 11 ] Gerade bei einem solchen Satz, wie dem, den ich Ihnen eben aus Philo mitgeteilt habe, können Sie sehen, da er in der Bibel, in dem Neuen Testament, immer wiederum anklingt, was eigentlich hinter dieser ganzen Bewegung steckt. Und wenn Philo von der Abstammung der Seele spricht, so meint er viel, aber er meint allerdings etwas, was sich aufbäumt gegen alle Anschauungen, die im Römerreiche die maßgebenden waren. Denn im Römerreiche galt nur die Abstammung des Leibes, in den verschiedensten Formen, selbstverständlich; und die ganze soziale Ordnung war aufgebaut auf die Abstammung des Leibes. Und hineingeworfen wurde da auf einmal das Wort: «Lasset laufen alle Abstammung des Leibes und sehet nur auf die Abstammung der Seele!» Man kann sich etwas, was radikaler brach mit allen Prinzipien des Römerreiches, gar nicht vorstellen. Das gibt es nicht, daß ein größerer Gegensatz vorgestellt werden könnte. Und dieser Gegensatz, der wurde durch das Auftreten des Christus Jesus auf ein höheres Niveau erhoben — die Welt wartete ja auf ihn —, er wurde auf ein höheres Niveau erhoben und mit aller Impulsivität der damaligen äußeren Weltenordnung entgegengesetzt.
[ 11 ] Gerade bei einem solchen Satz, wie dem, den ich Ihnen eben aus Philo mitgeteilt habe, können Sie sehen, da er in der Bibel, in dem Neuen Testament, immer wiederum anklingt, was eigentlich hinter dieser ganzen Bewegung steckt. Und wenn Philo von der Abstammung der Seele spricht, so meint er viel, aber er meint allerdings etwas, was sich aufbäumt gegen alle Anschauungen, die im Römerreiche die maßgebenden waren. Denn im Römerreiche galt nur die Abstammung des Leibes, in den verschiedensten Formen, selbstverständlich; und die ganze soziale Ordnung war aufgebaut auf die Abstammung des Leibes. Und hineingeworfen wurde da auf einmal das Wort: «Lasset laufen alle Abstammung des Leibes und sehet nur auf die Abstammung der Seele!» Man kann sich etwas, was radikaler brach mit allen Prinzipien des Römerreiches, gar nicht vorstellen. Das gibt es nicht, daß ein größerer Gegensatz vorgestellt werden könnte. Und dieser Gegensatz, der wurde durch das Auftreten des Christus Jesus auf ein höheres Niveau erhoben — die Welt wartete ja auf ihn —, er wurde auf ein höheres Niveau erhoben und mit aller Impulsivität der damaligen äußeren Weltenordnung entgegengesetzt.
[ 12 ] Man kann sagen: Es hätte den römischen Cäsaren schon recht sein können, das, was da auftrat, was aber den Grundnerv ihrer Sozialität negierte, in das Pantheon ihrer Götter einzureihen als einen neuen Gott in den Kreis ihrer vielen anderen Götter; damit wäre er, der ChristusGott, hinter dem so viel Tieferes steckt, trivial ausgedrückt, einer der ihrigen geworden. Aber diese initiierten Cäsaren, die sollten merken, daß sie es nicht leicht haben würden mit dem, was da aus geistigen Höhen zu ihnen gekommen war. Wenn Kräfte der Initiation so stark äußerlich wirksam sind, wie sie äußerlich wirksam sein müssen, wenn einfach ein Zwangsgesetz geworden ist, daß die Cäsaren initiiert werden müssen, wie es nach dem Augustus in Rom der Fall war, dann wirken natürlich mit alledem, was die Cäsaren äußerlich verrichten, bedeutsame Kräfte mit. Sie wirken sozusagen in den Maßnahmen, in den Impulsen, durch welche die Sozialität gestaltet wird. Und da zeigen sich die Absichten stärker, als sie sich für den gewöhnlichen initiierten Menschen zeigen. Denn nehmen wir an, irgendeiner der Cäsaren, den die Initiation berührt hat, hätte gesagt: Nun ja — ich meine, nehmen wir das hypothetisch an —, da trat der Täufer auf mit der Wassertaufe. Durch diese Wassertaufe wurden die Ätherleiber gelockert — selbstverständlich wußten das die initiierten Cäsaren —, dadurch erlangten die Täuflinge Einsicht in das innere Gefüge der geistigen Welt, sie wußten vor allen Dingen, daß jetzt ein Weltenwendepunkt ist. — Denn das wußten diejenigen, die getauft worden sind durch das Untertauchen in das Wasser; dadurch, daß ihre Ätherleiber gelockert wurden, wußten sie gerade das Geheimnis der Weltenwende. Und denken Sie sich, solch ein initiierter Cäsar hätte gesagt: Ich will den Kampf aufnehmen — das gab es innerhalb der Mysterien —, ich will den Kampf aufnehmen gegen das, was da in die Weltenwende hereingetreten ist! — Von dem Machtwillen dieser Cäsaren muß man sich nur eine genügend starke Vorstellung machen. Sie sind nicht darauf verfallen, daß sie etwa ohnmächtig sein könnten gegen den Willen der Götter, sondern sie haben — dazu ließen sie sich ja initiieren —, sie haben durchaus beschlossen, es mit den geistigen Weltenimpulsen aufzunehmen, gewissermaßen dem Weltenlaufe sich entgegenzustemmen. Das ist zu anderen Zeiten auch geschehen. Geschieht auch heute. Nur merken es heute die Leute nicht, wissen es nicht.
[ 12 ] Man kann sagen: Es hätte den römischen Cäsaren schon recht sein können, das, was da auftrat, was aber den Grundnerv ihrer Sozialität negierte, in das Pantheon ihrer Götter einzureihen als einen neuen Gott in den Kreis ihrer vielen anderen Götter; damit wäre er, der ChristusGott, hinter dem so viel Tieferes steckt, trivial ausgedrückt, einer der ihrigen geworden. Aber diese initiierten Cäsaren, die sollten merken, daß sie es nicht leicht haben würden mit dem, was da aus geistigen Höhen zu ihnen gekommen war. Wenn Kräfte der Initiation so stark äußerlich wirksam sind, wie sie äußerlich wirksam sein müssen, wenn einfach ein Zwangsgesetz geworden ist, daß die Cäsaren initiiert werden müssen, wie es nach dem Augustus in Rom der Fall war, dann wirken natürlich mit alledem, was die Cäsaren äußerlich verrichten, bedeutsame Kräfte mit. Sie wirken sozusagen in den Maßnahmen, in den Impulsen, durch welche die Sozialität gestaltet wird. Und da zeigen sich die Absichten stärker, als sie sich für den gewöhnlichen initiierten Menschen zeigen. Denn nehmen wir an, irgendeiner der Cäsaren, den die Initiation berührt hat, hätte gesagt: Nun ja — ich meine, nehmen wir das hypothetisch an —, da trat der Täufer auf mit der Wassertaufe. Durch diese Wassertaufe wurden die Ätherleiber gelockert — selbstverständlich wußten das die initiierten Cäsaren —, dadurch erlangten die Täuflinge Einsicht in das innere Gefüge der geistigen Welt, sie wußten vor allen Dingen, daß jetzt ein Weltenwendepunkt ist. — Denn das wußten diejenigen, die getauft worden sind durch das Untertauchen in das Wasser; dadurch, daß ihre Ätherleiber gelockert wurden, wußten sie gerade das Geheimnis der Weltenwende. Und denken Sie sich, solch ein initiierter Cäsar hätte gesagt: Ich will den Kampf aufnehmen — das gab es innerhalb der Mysterien —, ich will den Kampf aufnehmen gegen das, was da in die Weltenwende hereingetreten ist! — Von dem Machtwillen dieser Cäsaren muß man sich nur eine genügend starke Vorstellung machen. Sie sind nicht darauf verfallen, daß sie etwa ohnmächtig sein könnten gegen den Willen der Götter, sondern sie haben — dazu ließen sie sich ja initiieren —, sie haben durchaus beschlossen, es mit den geistigen Weltenimpulsen aufzunehmen, gewissermaßen dem Weltenlaufe sich entgegenzustemmen. Das ist zu anderen Zeiten auch geschehen. Geschieht auch heute. Nur merken es heute die Leute nicht, wissen es nicht.
[ 13 ] Nun ist dieser Hypothese gegenüber, die ich jetzt aufgestellt habe, folgendes geschehen: Licinius, der zur Zeit des Konstantin mitregiert hatte den anderen Teil des Reiches, der hat ungefähr die Empfindung gehabt, sich den Göttern entgegenzusetzen. Er wollte ein Zeichen verrichten, denn in solchen Zeichen, Kult-Zeichen, Kultus-Zeichen, drückt sich gewissermaßen der Kampf gegen die geistigen Mächte aus. Er wollte ein Kult-Zeichen verrichten, durch das manifestiert werden sollte in der äußeren physischen Welt: Ich nehme diesen Kampf auf! Er wollte — mit anderen Worten sei es gesagt — die Taufe, durch die herausgekommen war vor der ganzen Welt: «Weltenwende ist da!», vor der ganzen Mitwelt verspotten und damit das Christentum bekämpfen, ihm die Stärke seines Impulses abstumpfen. Dazu wurde ein besonderes Fest veranstaltet, ein Schaufest zu Heliopolis. Ein Mime, Gelasinus, wurde veranlaßt, im weißen Taufgewand untergetaucht zu werden in warmes Wasser. Das sollte als Schaustück aufgeführt werden, und dies sollte der Hohn sein auf die christliche Taufe. Was geschah? Gelasinus wurde also ins priesterlich-weiße Gewand gehüllt, wurde untergetaucht ins warme Wasser, wurde herausgezogen, und nun sollte er zum Gespötte da sein. Und was geschah? Nun, er sagte: «Jetzt bin ich Christ und bleibe es mit allen Kräften meiner Seele!» Das heißt, es war dem Licinius die Antwort der geistigen Welt zugekommen: statt der Verspottung der Taufe war die Wirkung der Taufe eingetreten. Er hat erkannt die Weltenwende. — Solch ein initiierter Cäsar, wie der Licinius war, der nahm es also auf, die Götter zu fragen, mit Göttern zu kämpfen, und holte sich die absagende Antwort.
[ 13 ] Nun ist dieser Hypothese gegenüber, die ich jetzt aufgestellt habe, folgendes geschehen: Licinius, der zur Zeit des Konstantin mitregiert hatte den anderen Teil des Reiches, der hat ungefähr die Empfindung gehabt, sich den Göttern entgegenzusetzen. Er wollte ein Zeichen verrichten, denn in solchen Zeichen, Kult-Zeichen, Kultus-Zeichen, drückt sich gewissermaßen der Kampf gegen die geistigen Mächte aus. Er wollte ein Kult-Zeichen verrichten, durch das manifestiert werden sollte in der äußeren physischen Welt: Ich nehme diesen Kampf auf! Er wollte — mit anderen Worten sei es gesagt — die Taufe, durch die herausgekommen war vor der ganzen Welt: «Weltenwende ist da!», vor der ganzen Mitwelt verspotten und damit das Christentum bekämpfen, ihm die Stärke seines Impulses abstumpfen. Dazu wurde ein besonderes Fest veranstaltet, ein Schaufest zu Heliopolis. Ein Mime, Gelasinus, wurde veranlaßt, im weißen Taufgewand untergetaucht zu werden in warmes Wasser. Das sollte als Schaustück aufgeführt werden, und dies sollte der Hohn sein auf die christliche Taufe. Was geschah? Gelasinus wurde also ins priesterlich-weiße Gewand gehüllt, wurde untergetaucht ins warme Wasser, wurde herausgezogen, und nun sollte er zum Gespötte da sein. Und was geschah? Nun, er sagte: «Jetzt bin ich Christ und bleibe es mit allen Kräften meiner Seele!» Das heißt, es war dem Licinius die Antwort der geistigen Welt zugekommen: statt der Verspottung der Taufe war die Wirkung der Taufe eingetreten. Er hat erkannt die Weltenwende. — Solch ein initiierter Cäsar, wie der Licinius war, der nahm es also auf, die Götter zu fragen, mit Göttern zu kämpfen, und holte sich die absagende Antwort.
[ 14 ] Gewiß, in unserer Zeit wird man keine rechte Vorstellung sich machen können von der Bedeutung, die eine solche Antwort hat. Dazumal war sie für alle Menschen, auch für die Heiden, eine vollgültige Antwort, eine Antwort, mit der man schon rechnete. Es war ja auch von anderer Seite gewissermaßen in das Bewußtsein gerade der mit den Geheimnissen des Weltgeschehens bekannten Leute der damaligen Zeit etwas gekommen, was sie vertraut machte mit den Gedanken, die durch die Ausbreitung des Christentums heraufkamen. Aus alten Zeiten hatten sich ja die verschiedensten Gebräuche fortgepflanzt, die aber alle einen okkulten Sinn hatten. In der Antoninen-Zeit sprachen die Sibyllen; oder man hörte und suchte sich Rat bei ihnen, bei den Sibyllinischen Orakeln. Und ein bedeutsames Orakel aus der Antoninen-Zeit hatte ausdrücklich festgestellt: Rom ist dem Untergang geweiht; das alte Rom wird nicht fortbestehen können! Nun, Orakel sprechen ja so, daß man sie vieldeutig, aber auch recht verstehen kann. Dieses Orakel sprach merkwürdig. Es sagte: Rom werde untergehen, und an der Stelle, wo das alte Rom war, werden Füchse und Wölfe hausen, die ihre Macht entfalten werden. — Das war auch etwas, womit man rechnete. Natürlich suchte man hinter all dem einen tieferen Sinn; aber, daß Weltenwende ist, das fühlte man. Das, was in Rom geherrscht hat, das wird verglimmen. Füchse und Wölfe werden da sein, die werden von da aus ihre Herrschaft entfalten. Natürlich, Orakel sprechen vieldeutig; und zuweilen ging auch dazumal durch einen gewöhnlichen, nicht eingeweihten Weisen die Aura der Initiation, so daß er manchmal merkwürdige Dinge sprach, die nur im völligen Zusammenhang mit der Zeit der Weltenwende zu verstehen sind.
[ 14 ] Gewiß, in unserer Zeit wird man keine rechte Vorstellung sich machen können von der Bedeutung, die eine solche Antwort hat. Dazumal war sie für alle Menschen, auch für die Heiden, eine vollgültige Antwort, eine Antwort, mit der man schon rechnete. Es war ja auch von anderer Seite gewissermaßen in das Bewußtsein gerade der mit den Geheimnissen des Weltgeschehens bekannten Leute der damaligen Zeit etwas gekommen, was sie vertraut machte mit den Gedanken, die durch die Ausbreitung des Christentums heraufkamen. Aus alten Zeiten hatten sich ja die verschiedensten Gebräuche fortgepflanzt, die aber alle einen okkulten Sinn hatten. In der Antoninen-Zeit sprachen die Sibyllen; oder man hörte und suchte sich Rat bei ihnen, bei den Sibyllinischen Orakeln. Und ein bedeutsames Orakel aus der Antoninen-Zeit hatte ausdrücklich festgestellt: Rom ist dem Untergang geweiht; das alte Rom wird nicht fortbestehen können! Nun, Orakel sprechen ja so, daß man sie vieldeutig, aber auch recht verstehen kann. Dieses Orakel sprach merkwürdig. Es sagte: Rom werde untergehen, und an der Stelle, wo das alte Rom war, werden Füchse und Wölfe hausen, die ihre Macht entfalten werden. — Das war auch etwas, womit man rechnete. Natürlich suchte man hinter all dem einen tieferen Sinn; aber, daß Weltenwende ist, das fühlte man. Das, was in Rom geherrscht hat, das wird verglimmen. Füchse und Wölfe werden da sein, die werden von da aus ihre Herrschaft entfalten. Natürlich, Orakel sprechen vieldeutig; und zuweilen ging auch dazumal durch einen gewöhnlichen, nicht eingeweihten Weisen die Aura der Initiation, so daß er manchmal merkwürdige Dinge sprach, die nur im völligen Zusammenhang mit der Zeit der Weltenwende zu verstehen sind.
[ 15 ] Ich habe Ihnen das letztemal von Nero erzählt, was dieser initiierte Cäsar eigentlich dachte. Er wollte die Welt anzünden, um bei dem Weltenende selbst dabei zu sein. Also er wollte gewissermaßen, wenn schon das Ende Roms kommen sollte, wenigstens dieses Ende Roms, das heißt die Herrschaft des Erdkreises von Rom aus, in der Hand haben. Seneca warnte ihn einmal, warnte ihn in einem merkwürdigen Ausspruch. Diesen Ausspruch versteht man nur, wenn man eben weiß, daß die römischen Cäsaren im Besitz des Initiierten-Prinzips sich selber mit Götter-Machtvollkommenheit ausgerüstet glaubten, welche entsprechende Verehrung ihnen gerade die Christen nicht darbringen wollten. Seneca sagte zu dem Cäsar Nero: Du vermagst vieles — er wußte dem Gewaltmenschen die Sache nicht anders beizubringen —, du vermagst vieles, du kannst vieles, auch töten lassen die, von denen du glaubst, daß sie irgend etwas werden beitragen können zu der Weltordnung, die nach dem Untergang des alten Rom kommen wird. Allein eines ist, was kein Despot vermag — so sagte Seneca —, er kann nämlich seinen Nachfolger niemals ermorden lassen. — Es war ein sehr bedeutsames, tiefes Wort. Sie dürfen natürlich nicht darunter verstehen den eventuell bestimmten Nachfolger, sondern wirklich den Nachfolger. Seneca wollte ihm bedeuten, daß der Tod seiner Macht eine Grenze setzt. So daß schon gerade in Römerkreisen diese Tradition eine bedeutsame Rolle spielt, die Tradition von dem Untergange Roms.
[ 15 ] Ich habe Ihnen das letztemal von Nero erzählt, was dieser initiierte Cäsar eigentlich dachte. Er wollte die Welt anzünden, um bei dem Weltenende selbst dabei zu sein. Also er wollte gewissermaßen, wenn schon das Ende Roms kommen sollte, wenigstens dieses Ende Roms, das heißt die Herrschaft des Erdkreises von Rom aus, in der Hand haben. Seneca warnte ihn einmal, warnte ihn in einem merkwürdigen Ausspruch. Diesen Ausspruch versteht man nur, wenn man eben weiß, daß die römischen Cäsaren im Besitz des Initiierten-Prinzips sich selber mit Götter-Machtvollkommenheit ausgerüstet glaubten, welche entsprechende Verehrung ihnen gerade die Christen nicht darbringen wollten. Seneca sagte zu dem Cäsar Nero: Du vermagst vieles — er wußte dem Gewaltmenschen die Sache nicht anders beizubringen —, du vermagst vieles, du kannst vieles, auch töten lassen die, von denen du glaubst, daß sie irgend etwas werden beitragen können zu der Weltordnung, die nach dem Untergang des alten Rom kommen wird. Allein eines ist, was kein Despot vermag — so sagte Seneca —, er kann nämlich seinen Nachfolger niemals ermorden lassen. — Es war ein sehr bedeutsames, tiefes Wort. Sie dürfen natürlich nicht darunter verstehen den eventuell bestimmten Nachfolger, sondern wirklich den Nachfolger. Seneca wollte ihm bedeuten, daß der Tod seiner Macht eine Grenze setzt. So daß schon gerade in Römerkreisen diese Tradition eine bedeutsame Rolle spielt, die Tradition von dem Untergange Roms.
[ 16 ] Und merkwürdig ist es, daß gerade in dieser Tradition wiederum die Christen sich radikal unterschieden von den Römern. Und jetzt kommt etwas sehr Paradoxes: Die Christen unterschieden sich dadurch, daß sie gerade bei sich, wenn sie unter sich waren, die These verfochten, daß Rom nicht untergehen werde, sondern bis ans Ende, wobei man immer dachte an das Ende eines Zyklus, die Herrschaft Roms dauern werde. Also gerade die Christen waren es, welche die These verfochten, daß die Herrschaft Roms fortdauern werde, daß sie gewissermaßen die Wölfe und die Füchse überdauern werde. Nicht als ob die Christen gesagt hätten, um jetzt ein bißchen ebenso zu sprechen, wie das Orakel: es würden in Rom nicht Wölfe und Füchse hausen oder herrschen; das haben sie nicht negiert, aber sie haben dem entgegengesetzt: die Herrschaft Roms wird fortdauern.
[ 16 ] Und merkwürdig ist es, daß gerade in dieser Tradition wiederum die Christen sich radikal unterschieden von den Römern. Und jetzt kommt etwas sehr Paradoxes: Die Christen unterschieden sich dadurch, daß sie gerade bei sich, wenn sie unter sich waren, die These verfochten, daß Rom nicht untergehen werde, sondern bis ans Ende, wobei man immer dachte an das Ende eines Zyklus, die Herrschaft Roms dauern werde. Also gerade die Christen waren es, welche die These verfochten, daß die Herrschaft Roms fortdauern werde, daß sie gewissermaßen die Wölfe und die Füchse überdauern werde. Nicht als ob die Christen gesagt hätten, um jetzt ein bißchen ebenso zu sprechen, wie das Orakel: es würden in Rom nicht Wölfe und Füchse hausen oder herrschen; das haben sie nicht negiert, aber sie haben dem entgegengesetzt: die Herrschaft Roms wird fortdauern.
[ 17 ] Alle diese Stimmungen, die muß man wirklich ganz entsprechend ins Auge fassen. Manches davon ist ja sogar verwirklicht worden. So zum Beispiel die Mutter des Alexander Severus, die eine Schülerin des Origenes war — denken Sie, des Origenes, der, wenn auch als ein verdächtiger, aber doch als eine Art Kirchenvater angesehen wird —, also die Mutter des Alexander Severus, die eine Schülerin war des Origenes, die hatte es für sich zu ihrem Privatgebrauch durchgeführt, sich eine Art Pantheon der Verehrung aufzurichten. Denn sie verehrte gleichzeitig in ihrer Privatkammer: Abraham, Orpheus, Apollonius von Tyana und Christus, und hielt durchaus die Verehrung dieser Vier — Abraham, Christus, Orpheus, Apollonius von Tyana — für ihr eigenes Heil notwendig und richtig. Also immerhin fand sie es, die doch eine gute Schülerin des Origenes war, gar nicht als der Lehre des Origenes widersprechend, sich so zu verhalten.
[ 17 ] Alle diese Stimmungen, die muß man wirklich ganz entsprechend ins Auge fassen. Manches davon ist ja sogar verwirklicht worden. So zum Beispiel die Mutter des Alexander Severus, die eine Schülerin des Origenes war — denken Sie, des Origenes, der, wenn auch als ein verdächtiger, aber doch als eine Art Kirchenvater angesehen wird —, also die Mutter des Alexander Severus, die eine Schülerin war des Origenes, die hatte es für sich zu ihrem Privatgebrauch durchgeführt, sich eine Art Pantheon der Verehrung aufzurichten. Denn sie verehrte gleichzeitig in ihrer Privatkammer: Abraham, Orpheus, Apollonius von Tyana und Christus, und hielt durchaus die Verehrung dieser Vier — Abraham, Christus, Orpheus, Apollonius von Tyana — für ihr eigenes Heil notwendig und richtig. Also immerhin fand sie es, die doch eine gute Schülerin des Origenes war, gar nicht als der Lehre des Origenes widersprechend, sich so zu verhalten.
[ 18 ] Nun, wenn wir so diese Stimmungen festhalten, die ich Ihnen mit einigen Strichen anzudeuten versuchte, so haben wir in ihnen etwa die Stimmungen der ersten Jahrhunderte bis ins vierte Jahrhundert hinein. Und wir finden immer wieder und wiederum in dieser Zeit initiierte Cäsaren, welche bestrebt waren, gewissermaßen das Christentum mit unter ihre Religionssysteme aufzunehmen, sich mit dem Christentum abzufinden. Trotz der von der Geschichte mitgeteilten Christen-Verfolgungen ist das doch richtig; wir finden das bis ins 4. Jahrhundert hinein.
[ 18 ] Nun, wenn wir so diese Stimmungen festhalten, die ich Ihnen mit einigen Strichen anzudeuten versuchte, so haben wir in ihnen etwa die Stimmungen der ersten Jahrhunderte bis ins vierte Jahrhundert hinein. Und wir finden immer wieder und wiederum in dieser Zeit initiierte Cäsaren, welche bestrebt waren, gewissermaßen das Christentum mit unter ihre Religionssysteme aufzunehmen, sich mit dem Christentum abzufinden. Trotz der von der Geschichte mitgeteilten Christen-Verfolgungen ist das doch richtig; wir finden das bis ins 4. Jahrhundert hinein.
[ 19 ] Im vierten Jahrhundert tritt ja, wie Sie wissen, eine merkwürdige Persönlichkeit auf in dem Kaiser Konstantin, dem Zeitgenossen des Licinius — eine merkwürdige Persönlichkeit. Konstantin war eine außerordentlich bedeutende Persönlichkeit, auch eine geistig bedeutende Persönlichkeit; und ich habe ja bei anderen Gelegenheiten darauf hingewiesen, wie Geistiges hereinwirkte gerade in der Persönlichkeit des Konstantin, gewissermaßen in der Führung des Abendlandes, die ja eine komplizierte ist. Wir wollen ihn heute von einem anderen Gesichtspunkte betrachten.
[ 19 ] Im vierten Jahrhundert tritt ja, wie Sie wissen, eine merkwürdige Persönlichkeit auf in dem Kaiser Konstantin, dem Zeitgenossen des Licinius — eine merkwürdige Persönlichkeit. Konstantin war eine außerordentlich bedeutende Persönlichkeit, auch eine geistig bedeutende Persönlichkeit; und ich habe ja bei anderen Gelegenheiten darauf hingewiesen, wie Geistiges hereinwirkte gerade in der Persönlichkeit des Konstantin, gewissermaßen in der Führung des Abendlandes, die ja eine komplizierte ist. Wir wollen ihn heute von einem anderen Gesichtspunkte betrachten.
[ 20 ] Sehen Sie, er war eine bedeutende, auch eine geistige Persönlichkeit, aber seine geistige Artung war so, daß er kein rechtes Verhältnis zu der alten Initiation finden konnte. Er konnte kein rechtes Verhältnis zu der alten Initiation finden. Er schreckte gewissermaßen zurück vor dem, wovor seine Vorfahren und Zeitgenossen nicht zurückgeschreckt sind: die Initiation in die alten Mysterien sich zu erzwingen. Er hatte gewissermaßen Furcht davor, sich die Initiation in die alten Mysterien zu erzwingen. Dabei lastete auf seiner Seele das Sibyllinische Orakel, lasteten alle die anderen Dinge, die man dazumal wußte über den Niedergang Roms, des Römischen Reiches und so weiter. Allerdings, auch das andere wußte er, daß die Christen die Tradition, die These haben, daß Rom sich bis ans Ende der Welt erhalten werde. Über alle diese Dinge wußte er Bescheid. Aber er schreckte zurück vor der Initiation in die alten Mysterien. Er schreckte davor zurück, gewissermaßen in den Mysterien den Kampf mit dem Christentum aufzunehmen. Das ist außerordentlich bedeutsam.
[ 20 ] Sehen Sie, er war eine bedeutende, auch eine geistige Persönlichkeit, aber seine geistige Artung war so, daß er kein rechtes Verhältnis zu der alten Initiation finden konnte. Er konnte kein rechtes Verhältnis zu der alten Initiation finden. Er schreckte gewissermaßen zurück vor dem, wovor seine Vorfahren und Zeitgenossen nicht zurückgeschreckt sind: die Initiation in die alten Mysterien sich zu erzwingen. Er hatte gewissermaßen Furcht davor, sich die Initiation in die alten Mysterien zu erzwingen. Dabei lastete auf seiner Seele das Sibyllinische Orakel, lasteten alle die anderen Dinge, die man dazumal wußte über den Niedergang Roms, des Römischen Reiches und so weiter. Allerdings, auch das andere wußte er, daß die Christen die Tradition, die These haben, daß Rom sich bis ans Ende der Welt erhalten werde. Über alle diese Dinge wußte er Bescheid. Aber er schreckte zurück vor der Initiation in die alten Mysterien. Er schreckte davor zurück, gewissermaßen in den Mysterien den Kampf mit dem Christentum aufzunehmen. Das ist außerordentlich bedeutsam.
[ 21 ] Was Ihnen in der Geschichte nun erzählt wird über den Kaiser Konstantin, das ist ja außerordentlich interessant und zeigt Ihnen, wie Konstantin auf eine andere Weise ein Verhältnis zum Christentum zu gewinnen versuchte, wie er gewissermaßen als der große Protektor des Christentums auftrat, wie er das Römische Reich eigentlich ganz mit dem Christentum, so wie er es verstand, durchsetzte. Aber er konnte nicht recht anknüpfen dieses Christentum an das alte Initiationsprinzip. Da lag ja auch eine große Schwierigkeit vor; denn die Christen selber und ihre Führer hatten sich gegen das gesträubt, durchaus gesträubt, und zwar aus dem Grunde, weil sie ein Gefühl dafür hatten, viele auch eine Einsicht hatten, daß durch das Christentum das alte Mysterium, das in den Mysterientempeln verhüllt war, auf den Schauplatz der Weltgeschichte herausgetragen werde und so vor alle Welt hingestellt worden ist. Sie wollten vor alle Welt die Mysterienwahrheiten hinstellen, nicht sie einschließen in die Tempel. Und diese initiierten Cäsaren wollten im Grunde genommen nichts anderes, als das Christentum hereinnehmen wiederum aus der Welt in die Mysterientempel. Dann wären die Leute in das Christentum auf ähnliche Weise initiiert worden, wie sie initiiert worden sind in die Geheimnisse der alten Götterlehre. Aber gegen das, was die Christen selber anstrebten, war es auch für Konstantin schwer, durchzudringen, denn die Christen verstanden damals unter dem Impuls, der nach ihrer Meinung bei dieser Weltenwende durch die Welt gehen sollte, einen durchaus geistigen Impuls. Und von diesem Gesichtspunkt eines durchaus geistigen Impulses muß man auch ihre These verstehen: «Das Römische Reich wird fortbestehen.» Diese These, die tritt in einer ganz besonders deutlichen Weise zutage, wenn man, ich möchte sagen, die Geheimlehre der ersten Christen ins Auge faßt. Sie wollten nämlich mit diesem Fortbestehen des Römischen Reiches dasjenige damals schon andeuten, was ja auch geschehen ist. Ich habe Ihnen schon neulich gesagt: Dasjenige, was der eigentliche tiefere Impuls des Imperium Romanum war, das hat ja nicht aufgehört, es lebt fort; und nicht nur die Jurisprudenz, wie ich Ihnen gesagt habe, enthält die Impulse des Imperium Romanum. Ja, das ist das Bedeutsame, daß im einzelnen mancherlei aufgetreten ist, was diejenigen, die nicht tiefer sehen, als etwas Neues ansehen; in Wahrheit aber ist eigentlich zu dem, was in den Impulsen des Imperium Romanum lag, auf einem gewissen Gebiete später nichts hinzugekommen. Man hat eine Fortsetzung des Imperium Romanum; das hat sich ausgebreitet. Wenn auch das alte Römerreich nicht mehr ist, sein Geist lebt aber weit, weit verbreitet fort und tief eingreifend fort.
[ 21 ] Was Ihnen in der Geschichte nun erzählt wird über den Kaiser Konstantin, das ist ja außerordentlich interessant und zeigt Ihnen, wie Konstantin auf eine andere Weise ein Verhältnis zum Christentum zu gewinnen versuchte, wie er gewissermaßen als der große Protektor des Christentums auftrat, wie er das Römische Reich eigentlich ganz mit dem Christentum, so wie er es verstand, durchsetzte. Aber er konnte nicht recht anknüpfen dieses Christentum an das alte Initiationsprinzip. Da lag ja auch eine große Schwierigkeit vor; denn die Christen selber und ihre Führer hatten sich gegen das gesträubt, durchaus gesträubt, und zwar aus dem Grunde, weil sie ein Gefühl dafür hatten, viele auch eine Einsicht hatten, daß durch das Christentum das alte Mysterium, das in den Mysterientempeln verhüllt war, auf den Schauplatz der Weltgeschichte herausgetragen werde und so vor alle Welt hingestellt worden ist. Sie wollten vor alle Welt die Mysterienwahrheiten hinstellen, nicht sie einschließen in die Tempel. Und diese initiierten Cäsaren wollten im Grunde genommen nichts anderes, als das Christentum hereinnehmen wiederum aus der Welt in die Mysterientempel. Dann wären die Leute in das Christentum auf ähnliche Weise initiiert worden, wie sie initiiert worden sind in die Geheimnisse der alten Götterlehre. Aber gegen das, was die Christen selber anstrebten, war es auch für Konstantin schwer, durchzudringen, denn die Christen verstanden damals unter dem Impuls, der nach ihrer Meinung bei dieser Weltenwende durch die Welt gehen sollte, einen durchaus geistigen Impuls. Und von diesem Gesichtspunkt eines durchaus geistigen Impulses muß man auch ihre These verstehen: «Das Römische Reich wird fortbestehen.» Diese These, die tritt in einer ganz besonders deutlichen Weise zutage, wenn man, ich möchte sagen, die Geheimlehre der ersten Christen ins Auge faßt. Sie wollten nämlich mit diesem Fortbestehen des Römischen Reiches dasjenige damals schon andeuten, was ja auch geschehen ist. Ich habe Ihnen schon neulich gesagt: Dasjenige, was der eigentliche tiefere Impuls des Imperium Romanum war, das hat ja nicht aufgehört, es lebt fort; und nicht nur die Jurisprudenz, wie ich Ihnen gesagt habe, enthält die Impulse des Imperium Romanum. Ja, das ist das Bedeutsame, daß im einzelnen mancherlei aufgetreten ist, was diejenigen, die nicht tiefer sehen, als etwas Neues ansehen; in Wahrheit aber ist eigentlich zu dem, was in den Impulsen des Imperium Romanum lag, auf einem gewissen Gebiete später nichts hinzugekommen. Man hat eine Fortsetzung des Imperium Romanum; das hat sich ausgebreitet. Wenn auch das alte Römerreich nicht mehr ist, sein Geist lebt aber weit, weit verbreitet fort und tief eingreifend fort.
[ 22 ] Gewisse Leute, welche die Geheimnisse kennen, sprechen in der Gegenwart davon, daß dasjenige, was bis in unsere Zeit und immer umgehen wird, das Gespenst des alten Römischen Reiches ist, das überall mitten unter uns lebt. Das ist eine ständige Formel für diejenigen, die in solche Dinge eingeweiht sind, bis heute, und wird es immer sein. Darauf wollten die Christen hinweisen. Aber sie wollten zu gleicher Zeit sagen: In dem, was Christentum ist, wird immer etwas liegen, was dieses Imperium Romanum zu bekämpfen hat. Immer wird das Übersinnliche des Christentums im Kampfe stehen mit dem Sinnlichen des Imperium Romanum. Also es lag in dieser These eine Vorhersage, eine Weissagung.
[ 22 ] Gewisse Leute, welche die Geheimnisse kennen, sprechen in der Gegenwart davon, daß dasjenige, was bis in unsere Zeit und immer umgehen wird, das Gespenst des alten Römischen Reiches ist, das überall mitten unter uns lebt. Das ist eine ständige Formel für diejenigen, die in solche Dinge eingeweiht sind, bis heute, und wird es immer sein. Darauf wollten die Christen hinweisen. Aber sie wollten zu gleicher Zeit sagen: In dem, was Christentum ist, wird immer etwas liegen, was dieses Imperium Romanum zu bekämpfen hat. Immer wird das Übersinnliche des Christentums im Kampfe stehen mit dem Sinnlichen des Imperium Romanum. Also es lag in dieser These eine Vorhersage, eine Weissagung.
[ 23 ] Und jetzt verstehen Sie auch besser, warum die römischen Senatoren und Cäsaren Angst hatten; denn die mußten in ihrer Art den Untergang auf das äußere Reich beziehen, und das sahen sie ja Stück für Stück abbröckeln gerade unter dem Einfluß des Christentums. Und unter diesem Eindruck stand ein solcher Mensch wie der Kaiser Konstantin. Ohne initiiert zu sein, wußte der Kaiser Konstantin folgendes: Es gab eine Urweisheit der Menschheit. Diese Urweisheit war eben einmal da, sie war in alten Zeiten da, als die Menschen atavistisches Hellsehen hatten; sie war dann auf spätere Zeiten übertragen worden, war bewahrt worden von den Priestern, war allmählich korrumpiert worden, aber sie war da, diese Urweisheit. Auch wir Römer, sagte sich Konstantin, haben eigentlich in unserer sozialen Ordnung etwas, was mit den Institutionen dieser Urweisheit zusammenhängt, nur haben wir es begraben unter der auf das äußere sinnliche Reich gebauten sozialen Ordnung. — Das drückte sich aus in einem bedeutsamen Symbolum, das eine Imagination ist, aber nicht nur eine Imagination, sondern auch eine weltgeschichtliche Kulthandlung, wie diese Imaginationen sehr häufig in Kulthandlungen sich ausdrückten; das drückte sich aus darin, daß man sagte: Die Weisheit war früher nicht von den Menschen erdacht gewesen, sondern aus der geistigen Welt heraus geoffenbart. So haben sie auch noch unsere allerersten urväterlichen Priester gehabt, allerdings nicht in Rom, sondern drüben in Ilion, in Troja, wo unsere urväterlichen Priester waren. Und das drückt sich aus in der Sage von dem Palladium, dem so genannten Bildnis der Athene; das Palladium, das vom Himmel gefallen war in Troja, das in einem Heiligtum aufbewahrt wurde, das dann nach Rom gekommen war und unter einer Porphyr-Säule begraben war. Die Porphyr-Säule erhob sich darüber. Indem man dies fühlte, was mit dieser imaginativen Kulthandlung zusammenhing, fühlte man: Wir führen auch unsere Kultur zurück auf die alte Urweisheit, die aus den geistigen Welten herabgekommen ist, aber wir können nicht heran zu derjenigen Gestalt, die diese Urweisheit im alten Troja gehabt hat.
[ 23 ] Und jetzt verstehen Sie auch besser, warum die römischen Senatoren und Cäsaren Angst hatten; denn die mußten in ihrer Art den Untergang auf das äußere Reich beziehen, und das sahen sie ja Stück für Stück abbröckeln gerade unter dem Einfluß des Christentums. Und unter diesem Eindruck stand ein solcher Mensch wie der Kaiser Konstantin. Ohne initiiert zu sein, wußte der Kaiser Konstantin folgendes: Es gab eine Urweisheit der Menschheit. Diese Urweisheit war eben einmal da, sie war in alten Zeiten da, als die Menschen atavistisches Hellsehen hatten; sie war dann auf spätere Zeiten übertragen worden, war bewahrt worden von den Priestern, war allmählich korrumpiert worden, aber sie war da, diese Urweisheit. Auch wir Römer, sagte sich Konstantin, haben eigentlich in unserer sozialen Ordnung etwas, was mit den Institutionen dieser Urweisheit zusammenhängt, nur haben wir es begraben unter der auf das äußere sinnliche Reich gebauten sozialen Ordnung. — Das drückte sich aus in einem bedeutsamen Symbolum, das eine Imagination ist, aber nicht nur eine Imagination, sondern auch eine weltgeschichtliche Kulthandlung, wie diese Imaginationen sehr häufig in Kulthandlungen sich ausdrückten; das drückte sich aus darin, daß man sagte: Die Weisheit war früher nicht von den Menschen erdacht gewesen, sondern aus der geistigen Welt heraus geoffenbart. So haben sie auch noch unsere allerersten urväterlichen Priester gehabt, allerdings nicht in Rom, sondern drüben in Ilion, in Troja, wo unsere urväterlichen Priester waren. Und das drückt sich aus in der Sage von dem Palladium, dem so genannten Bildnis der Athene; das Palladium, das vom Himmel gefallen war in Troja, das in einem Heiligtum aufbewahrt wurde, das dann nach Rom gekommen war und unter einer Porphyr-Säule begraben war. Die Porphyr-Säule erhob sich darüber. Indem man dies fühlte, was mit dieser imaginativen Kulthandlung zusammenhing, fühlte man: Wir führen auch unsere Kultur zurück auf die alte Urweisheit, die aus den geistigen Welten herabgekommen ist, aber wir können nicht heran zu derjenigen Gestalt, die diese Urweisheit im alten Troja gehabt hat.
[ 24 ] Das fühlte Konstantin. Daher fühlte er auch, daß ihm die späteren Mysterien, wenn er auch in sie initiiert worden wäre, nicht viel helfen würden; sie würden ihn nicht führen zu dem Palladium, zu der alten Urweisheit. Und da beschloß denn Konstantin, auf seine Art aufzunehmen gewissermaßen den Kampf mit den Weltenmächten; auf seine Art etwas zu tun, um gewissermaßen das Prinzip des Imperium Romanum zu retten. Natürlich war er nicht so töricht zu glauben, daß das nicht geschehen müsse im Sinne, in der Strömung gewisser Welten-Impulse. Er wußte, daß es geschehen müßte wiederum im Sinne gewisser Kulthandlungen, die vor die ganze Weltentwickelung hingestellt werden. Da beschloß er denn zuerst, Rom wiederum zurückzuverlegen nach Troja, das vergrabene Palladium ausgraben zu lassen und es wiederum nach Troja zurückbringen zu lassen. Die Sache vereitelte sich. Aus dem Plane, in Troja ein neues Rom aufzurichten, entstand der andere, Konstantinopel zu gründen und ihm zu übertragen die Kraft, das untergehende Rom für eine Zukunft zu retten. Er glaubte nun gerade dadurch gegen die Weltenwende sich zu stemmen. Er wollte wiederum, im Sinne des Sibyllinischen Orakels gesprochen, die Füchse und Wölfe in Rom hausen lassen, aber die geheimnisvollen Impulse von Rom an eine andere Stätte verpflanzen, gewissermaßen an ihren Ursprung zurückbringen. Und so entstand in ihm der große Plan, Konstantinopel zu begründen. 326 wurde das ausgeführt. Daß er diese Begründung im Zusammenhang dachte mit den großen Weltenwende-Ereignissen, das entnehmen Sie einfach daraus, daß er, als er gewissermaßen den Grundstein legte, dazu den Zeitpunkt wählte, da die Sonne im Schützen stand . und der Krebs die Tagesstunde regierte. Also er richtete sich wohl nach den kosmischen Zeichen. Und dann wollte er aus diesem Konstantinopel allerdings etwas ganz Bedeutsames machen. Er wollte den ewigen Impuls der ewigen Roma auf Konstantinopel übertragen. Daher ließ er auch die Porphyrsäule herüberverfrachten nach Konstantinopel, die nur später die Stürme zerstört haben. Und er ließ das Palladium ausgraben und unter diese Porphyrsäule legen. Er hatte Überreste des Kreuzes von Golgatha, auch Überreste der Nägel, mit denen es beschlagen war. Die Überreste des Kreuzes, die verwendete er dazu, eine Art Umrahmung zu machen für eine besonders wertvolle Apollo-Statue, und die Nägel des Kreuzes, um Apollo eine Strahlenkrone aufzusetzen. Das wurde auf die Porphyrsäule gesetzt, die ja später zerstört worden ist. Und eine Inschrift war da zu lesen, die ungefähr besagte: Dasjenige, was hier wirkt, soll ewig wirken wie die Sonne, und soll die Macht seines Gründers Konstantin in die Ewigkeit tragen! — Die Dinge alle sind natürlich mehr oder weniger auch imaginativ zu nehmen; aber mit der Einschränkung, daß sie imaginativ zu nehmen sind, bedeuten sie durchaus strikte historische Ereignisse.
[ 24 ] Das fühlte Konstantin. Daher fühlte er auch, daß ihm die späteren Mysterien, wenn er auch in sie initiiert worden wäre, nicht viel helfen würden; sie würden ihn nicht führen zu dem Palladium, zu der alten Urweisheit. Und da beschloß denn Konstantin, auf seine Art aufzunehmen gewissermaßen den Kampf mit den Weltenmächten; auf seine Art etwas zu tun, um gewissermaßen das Prinzip des Imperium Romanum zu retten. Natürlich war er nicht so töricht zu glauben, daß das nicht geschehen müsse im Sinne, in der Strömung gewisser Welten-Impulse. Er wußte, daß es geschehen müßte wiederum im Sinne gewisser Kulthandlungen, die vor die ganze Weltentwickelung hingestellt werden. Da beschloß er denn zuerst, Rom wiederum zurückzuverlegen nach Troja, das vergrabene Palladium ausgraben zu lassen und es wiederum nach Troja zurückbringen zu lassen. Die Sache vereitelte sich. Aus dem Plane, in Troja ein neues Rom aufzurichten, entstand der andere, Konstantinopel zu gründen und ihm zu übertragen die Kraft, das untergehende Rom für eine Zukunft zu retten. Er glaubte nun gerade dadurch gegen die Weltenwende sich zu stemmen. Er wollte wiederum, im Sinne des Sibyllinischen Orakels gesprochen, die Füchse und Wölfe in Rom hausen lassen, aber die geheimnisvollen Impulse von Rom an eine andere Stätte verpflanzen, gewissermaßen an ihren Ursprung zurückbringen. Und so entstand in ihm der große Plan, Konstantinopel zu begründen. 326 wurde das ausgeführt. Daß er diese Begründung im Zusammenhang dachte mit den großen Weltenwende-Ereignissen, das entnehmen Sie einfach daraus, daß er, als er gewissermaßen den Grundstein legte, dazu den Zeitpunkt wählte, da die Sonne im Schützen stand . und der Krebs die Tagesstunde regierte. Also er richtete sich wohl nach den kosmischen Zeichen. Und dann wollte er aus diesem Konstantinopel allerdings etwas ganz Bedeutsames machen. Er wollte den ewigen Impuls der ewigen Roma auf Konstantinopel übertragen. Daher ließ er auch die Porphyrsäule herüberverfrachten nach Konstantinopel, die nur später die Stürme zerstört haben. Und er ließ das Palladium ausgraben und unter diese Porphyrsäule legen. Er hatte Überreste des Kreuzes von Golgatha, auch Überreste der Nägel, mit denen es beschlagen war. Die Überreste des Kreuzes, die verwendete er dazu, eine Art Umrahmung zu machen für eine besonders wertvolle Apollo-Statue, und die Nägel des Kreuzes, um Apollo eine Strahlenkrone aufzusetzen. Das wurde auf die Porphyrsäule gesetzt, die ja später zerstört worden ist. Und eine Inschrift war da zu lesen, die ungefähr besagte: Dasjenige, was hier wirkt, soll ewig wirken wie die Sonne, und soll die Macht seines Gründers Konstantin in die Ewigkeit tragen! — Die Dinge alle sind natürlich mehr oder weniger auch imaginativ zu nehmen; aber mit der Einschränkung, daß sie imaginativ zu nehmen sind, bedeuten sie durchaus strikte historische Ereignisse.
[ 25 ] Und die Sage — ich will nur sagen die Sage — hat sich dieser ganzen Geschichte bemächtigt. Die ganze Geschichte lebt metamorphosiert in der Sage weiter, in der Sage, die ungefähr das Folgende ausspricht: Das Palladium, was ja natürlich ein Symbolum ist für eine ganz bestimmte Urweisheitsstätte, es war einstmals in den geheimnisvollen Stätten der trojanischen initiierten Priester; die haben es verborgen gehabt. Dann kam es an die Sonne zum ersten Male, indem es auf verschiedenen Umwegen herübergebracht wurde von Troja nach Rom; es kam ein zweites Mal an die Sonne, als es von Rom durch Konstantin nach Konstantinopel gebracht worden ist. Und diejenigen, die die Sage aufnehmen, fügen hinzu: Es wird ein drittes Mal an die Sonne kommen, wenn es hinübergetragen wird von Konstantinopel in eine slawische Stadt. Diese Sage lebt tief impulsiv in vielem, lebt in der mannigfaltigsten Weise. In unserer Zeit kommen ja gar mancherlei Dinge in ihren, ich möchte sagen, rein physischen Aspekten zum Vorschein, aber hinter diesen physischen Aspekten verbirgt sich dann gar mancherlei.
[ 25 ] Und die Sage — ich will nur sagen die Sage — hat sich dieser ganzen Geschichte bemächtigt. Die ganze Geschichte lebt metamorphosiert in der Sage weiter, in der Sage, die ungefähr das Folgende ausspricht: Das Palladium, was ja natürlich ein Symbolum ist für eine ganz bestimmte Urweisheitsstätte, es war einstmals in den geheimnisvollen Stätten der trojanischen initiierten Priester; die haben es verborgen gehabt. Dann kam es an die Sonne zum ersten Male, indem es auf verschiedenen Umwegen herübergebracht wurde von Troja nach Rom; es kam ein zweites Mal an die Sonne, als es von Rom durch Konstantin nach Konstantinopel gebracht worden ist. Und diejenigen, die die Sage aufnehmen, fügen hinzu: Es wird ein drittes Mal an die Sonne kommen, wenn es hinübergetragen wird von Konstantinopel in eine slawische Stadt. Diese Sage lebt tief impulsiv in vielem, lebt in der mannigfaltigsten Weise. In unserer Zeit kommen ja gar mancherlei Dinge in ihren, ich möchte sagen, rein physischen Aspekten zum Vorschein, aber hinter diesen physischen Aspekten verbirgt sich dann gar mancherlei.
[ 26 ] Konstantin hat also unmittelbar entgegenwirken wollen dem Untergang des Imperium Romanum, trotzdem er fest an das Sibyllen-Orakel geglaubt hat. Er hat sozusagen Rom seiner eigenen Untergangsstätte entreißen wollen.
[ 26 ] Konstantin hat also unmittelbar entgegenwirken wollen dem Untergang des Imperium Romanum, trotzdem er fest an das Sibyllen-Orakel geglaubt hat. Er hat sozusagen Rom seiner eigenen Untergangsstätte entreißen wollen.
[ 27 ] Nun, Sie brauchen ja nur in alledem, was ich Ihnen erzählt habe, wirksame Seelenimpulse in dieser welthistorischen Persönlichkeit des Kaisers Konstantin zu sehen; dann haben Sie in diesen Seelenimpulsen wichtige und wesentliche Zusammenhänge, bedeutsame Zusammenhänge. Und nehmen Sie dazu, was eben die ersten Christen und ihre Führer gesagt haben: Nein, das Imperum Romanum wird nicht untergehen, es wird bestehen bleiben, und der Impuls, den wir aufgenommen haben, wird sich auch verwirklichen, wird immer da sein, — dann haben Sie Bedeutsames nebeneinander, und dann haben Sie eben Bedeutsames mit Bezug auf verschiedene Strömungen, die in der abendländischen Kulturentwickelung gewirkt haben. Vor allen Dingen haben Sie die Möglichkeit, sich ein Bild davon zu machen, wie man in den ersten Jahrhunderten des Christentums und noch zu Zeiten des Kaisers Konstantin über Rom, über das Imperium Romanum gedacht hat, und wie man im radikalen Gegensatz stand zu der Art, in der man sich die Zukunft gedacht hat. Und Sie werden vielleicht in Ihrer Seele Anhaltspunkte finden, mancherlei von den Ereignissen, die später gekommen sind, in dem rechten Lichte zu sehen. Mancherlei von dem, was später gekommen ist, kann man nämlich nur dadurch richtig beurteilen, daß man sich die Frage beantwortet: Wie stimmt es bisher mit demjenigen, was intendiert war, und was hat zu geschehen, damit es besser stimme?
[ 27 ] Nun, Sie brauchen ja nur in alledem, was ich Ihnen erzählt habe, wirksame Seelenimpulse in dieser welthistorischen Persönlichkeit des Kaisers Konstantin zu sehen; dann haben Sie in diesen Seelenimpulsen wichtige und wesentliche Zusammenhänge, bedeutsame Zusammenhänge. Und nehmen Sie dazu, was eben die ersten Christen und ihre Führer gesagt haben: Nein, das Imperum Romanum wird nicht untergehen, es wird bestehen bleiben, und der Impuls, den wir aufgenommen haben, wird sich auch verwirklichen, wird immer da sein, — dann haben Sie Bedeutsames nebeneinander, und dann haben Sie eben Bedeutsames mit Bezug auf verschiedene Strömungen, die in der abendländischen Kulturentwickelung gewirkt haben. Vor allen Dingen haben Sie die Möglichkeit, sich ein Bild davon zu machen, wie man in den ersten Jahrhunderten des Christentums und noch zu Zeiten des Kaisers Konstantin über Rom, über das Imperium Romanum gedacht hat, und wie man im radikalen Gegensatz stand zu der Art, in der man sich die Zukunft gedacht hat. Und Sie werden vielleicht in Ihrer Seele Anhaltspunkte finden, mancherlei von den Ereignissen, die später gekommen sind, in dem rechten Lichte zu sehen. Mancherlei von dem, was später gekommen ist, kann man nämlich nur dadurch richtig beurteilen, daß man sich die Frage beantwortet: Wie stimmt es bisher mit demjenigen, was intendiert war, und was hat zu geschehen, damit es besser stimme?
[ 28 ] Nun wird es uns des weiteren obliegen, auf einen noch wichtigeren Moment hinzuweisen in der Entwickelung mit Bezug auf die Ausbreitung des Christentums, der dann eintrat, als wiederum ein initiierter römischer Cäsar diesem sich entwickelnden Christentum gegenübertrat, nämlich Julian, der der Apostat genannt wird. Und daran werden wir dann schließen können, gerade aus dieser historischen Betrachtung heraus, eine Betrachtung über die Frage: Wie kommt man nun dem Christus, der ja seine ätherische Gegenwart hereinversetzen wird in die Welt in diesem Jahrhundert, — wie kommt man dem Christus durch entsprechende Seelenvorbereitung ganz besonders nahe? Wie findet man den Weg gerade in unserer Zeit, ihm nahe zu kommen?
[ 28 ] Nun wird es uns des weiteren obliegen, auf einen noch wichtigeren Moment hinzuweisen in der Entwickelung mit Bezug auf die Ausbreitung des Christentums, der dann eintrat, als wiederum ein initiierter römischer Cäsar diesem sich entwickelnden Christentum gegenübertrat, nämlich Julian, der der Apostat genannt wird. Und daran werden wir dann schließen können, gerade aus dieser historischen Betrachtung heraus, eine Betrachtung über die Frage: Wie kommt man nun dem Christus, der ja seine ätherische Gegenwart hereinversetzen wird in die Welt in diesem Jahrhundert, — wie kommt man dem Christus durch entsprechende Seelenvorbereitung ganz besonders nahe? Wie findet man den Weg gerade in unserer Zeit, ihm nahe zu kommen?
[ 29 ] Wie sich dann die Dinge gestaltet haben wiederum unter einem initiierten Cäsar, unter Julian dem Apostaten, und die Andeutungen über das Verhältnis der Gegenwart zu dem Christus, soweit das heute gesagt werden darf, möchte ich das nächste Mal vor Ihnen besprechen.
[ 29 ] Wie sich dann die Dinge gestaltet haben wiederum unter einem initiierten Cäsar, unter Julian dem Apostaten, und die Andeutungen über das Verhältnis der Gegenwart zu dem Christus, soweit das heute gesagt werden darf, möchte ich das nächste Mal vor Ihnen besprechen.
