Building Stones for an Understanding
of the Mystery of Golgotha
GA 175
12 April 1917
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Bausteine zu einer Erkenntnis des Mysteriums von Golgatha, 3rd ed.
Elfter Vortrag
Elfter Vortrag
[ 1 ] Beschäftigt man sich geisteswissenschaftlich immer weiter und weiter nach den Prinzipien, die Ihnen bekannt sind, mit dem Mysterium von Golgatha, so kommt man dazu, anzuerkennen, daß kommende Zeiten immer tiefer und tiefer werden eindringen müssen in dieses Mysterium von Golgatha; wie in einen natürlichen Gang der Ereignisse werden sie immer tiefer und tiefer eindringen müssen. Und in bezug auf vieles wird man einsehen, daß dasjenige, was bisher von dem Mysterium von Golgatha erfaßt werden konnte, ja, auch dasjenige, was heute erfaßt werden kann, nur eine Art von Vorbereitung ist zu dem, was über dieses Mysterium von Golgatha erfaßt werden muß, und vor allen Dingen, was von der Erdenmenschheit durch das Mysterium von Golgatha wird gelebt werden müssen. Es ist ganz zweifellos richtig, daß dasjenige, was wir heute noch gezwungen sind innerhalb der geisteswissenschaftlichen Bewegung in einer komplizierten, wie manche vielleicht sagen «schwerverständlichen» Weise durch Heraufholung von allem Möglichen auseinanderzusetzen, daß das einmal einfach, wie man sagen könnte «einfältig», in einer geringen Anzahl von Worten an die Menschheit wird überliefert werden können. Das ist durchaus vorauszusetzen, daß es wird so sein können. Aber das ist einmal der Gang des Geisteslebens, daß die großen, einfachen, in wenigen Worten zu umfassenden Wahrheiten erst errungen werden müssen, erst erarbeitet werden müssen; daß man nicht zu jeder Zeit tiefste Wahrheiten auch gleich in einfachste Formeln bringen kann. Und daher müssen wir es schon als unser Zeitenkarma betrachten, daß wir heute noch manches zusammentragen müssen, um die ganze Schwere und die ganze Gewichtigkeit des Mysteriums von Golgatha einmal an unsere Seelen heranzuführen.
[ 1 ] Beschäftigt man sich geisteswissenschaftlich immer weiter und weiter nach den Prinzipien, die Ihnen bekannt sind, mit dem Mysterium von Golgatha, so kommt man dazu, anzuerkennen, daß kommende Zeiten immer tiefer und tiefer werden eindringen müssen in dieses Mysterium von Golgatha; wie in einen natürlichen Gang der Ereignisse werden sie immer tiefer und tiefer eindringen müssen. Und in bezug auf vieles wird man einsehen, daß dasjenige, was bisher von dem Mysterium von Golgatha erfaßt werden konnte, ja, auch dasjenige, was heute erfaßt werden kann, nur eine Art von Vorbereitung ist zu dem, was über dieses Mysterium von Golgatha erfaßt werden muß, und vor allen Dingen, was von der Erdenmenschheit durch das Mysterium von Golgatha wird gelebt werden müssen. Es ist ganz zweifellos richtig, daß dasjenige, was wir heute noch gezwungen sind innerhalb der geisteswissenschaftlichen Bewegung in einer komplizierten, wie manche vielleicht sagen «schwerverständlichen» Weise durch Heraufholung von allem Möglichen auseinanderzusetzen, daß das einmal einfach, wie man sagen könnte «einfältig», in einer geringen Anzahl von Worten an die Menschheit wird überliefert werden können. Das ist durchaus vorauszusetzen, daß es wird so sein können. Aber das ist einmal der Gang des Geisteslebens, daß die großen, einfachen, in wenigen Worten zu umfassenden Wahrheiten erst errungen werden müssen, erst erarbeitet werden müssen; daß man nicht zu jeder Zeit tiefste Wahrheiten auch gleich in einfachste Formeln bringen kann. Und daher müssen wir es schon als unser Zeitenkarma betrachten, daß wir heute noch manches zusammentragen müssen, um die ganze Schwere und die ganze Gewichtigkeit des Mysteriums von Golgatha einmal an unsere Seelen heranzuführen.
[ 2 ] Nun möchte ich zunächst heute in dieser wieder aphoristisch gehaltenen Besprechung davon ausgehen, daß es notwendig ist, die Anschauung, die Vorstellung von «Vertrauen», von «Glauben» als etwas Kraftgetragenem, wie wir letzthin auseinandersetzten, durchaus sehr bedeutsam zu nehmen.
[ 2 ] Nun möchte ich zunächst heute in dieser wieder aphoristisch gehaltenen Besprechung davon ausgehen, daß es notwendig ist, die Anschauung, die Vorstellung von «Vertrauen», von «Glauben» als etwas Kraftgetragenem, wie wir letzthin auseinandersetzten, durchaus sehr bedeutsam zu nehmen.
[ 3 ] Man muß sich schon klarmachen, daß die äußere materialistische Weltanschauung, wenn wir sie so nennen dürfen, auf dem Wege ist, aus der Weltbetrachtung herauszuwerfen die moralische Betrachtung der Dinge. Ich habe es ja mehrfach auseinandergesetzt, wie bestrebt nicht nur das gelehrte, sondern auch das populäre, das einfachste Denken unserer Zeit ist, aus seiner Anschauung über den Werdegang der Welt das Moralische herauszuwerfen. Man stellt sich das heute so vor, daß man nur darauf Rücksicht nimmt, durch welche physikalischen, chemischen Gesetze am Anfang des Erdenbeginns aus einem Weltennebel heraus sich das irdische Dasein gebildet haben konnte, und man strebt danach zu begreifen, wie diese physikalischen Gesetze es bedingen werden, einmal eine Art Erdenende herbeizuführen. Unsere moralischen Vorstellungen gewinnen wir gewissermaßen neben diesen physischen Vorstellungen. Und ich deutete schon an, sie sind nicht stark genug, um Realität in sich zu haben: Dazu sind wir gewissermaßen in der Gegenwart verurteilt. Und diese Entwickelung innerhalb solcher Vorstellungen wird noch immer weiter und weitergehen. Es gilt doch heute dem Menschen, der feststehen will auf dem Boden der naturwissenschaftlichen Anschauung, natürlich als etwas geradezu Phantastisches, Abergläubisches, sich vorzustellen, daß am Ausgange unseres Erdendaseins eine Tat oder ein Geschehen steht, das moralisch zu beurteilen ist, wie es in der biblischen Geschichte vom Sündenfall der Fall ist. Und es reicht die heutige Vorstellung der Menschen nicht aus, um von dieser Vorstellung aus an das Ende des Erdendaseins eine moralische Entwickelung zu setzen, so daß gewissermaßen das, was physisch-chemisch in unserem Erdendasein vorgeht, durch etwas Moralisches herausgehoben würde zu einem anderen planetarischen Dasein, zu einem JupiterDasein. Es stehen nebeneinander naturwissenschaftliche Vorstellungen über Physisches und Vorstellungen über Moralisches; sie können einander sozusagen nicht gegenseitig tragen. Die Naturwissenschaft strebt darauf hin, das Moralische ganz aus ihrer Betrachtungsweise zu beseitigen, und das Moralische beginnt, ich möchte sagen, sich damit abzufinden, daß ihm keine physisch tragenden Kräfte innewohnen. Sogar die Dogmatik gewisser Religionsbekenntnisse sucht solche Vorstellungen auszubilden, die eine Art Kompromiß schließen mit der Naturwissenschaft, indem der Naturwissenschafter darauf aufmerksam macht, daß man das Moralische recht reinlich trennen soll von dem, was physisch, chemisch, geologisch und so weiter geschieht.
[ 3 ] Man muß sich schon klarmachen, daß die äußere materialistische Weltanschauung, wenn wir sie so nennen dürfen, auf dem Wege ist, aus der Weltbetrachtung herauszuwerfen die moralische Betrachtung der Dinge. Ich habe es ja mehrfach auseinandergesetzt, wie bestrebt nicht nur das gelehrte, sondern auch das populäre, das einfachste Denken unserer Zeit ist, aus seiner Anschauung über den Werdegang der Welt das Moralische herauszuwerfen. Man stellt sich das heute so vor, daß man nur darauf Rücksicht nimmt, durch welche physikalischen, chemischen Gesetze am Anfang des Erdenbeginns aus einem Weltennebel heraus sich das irdische Dasein gebildet haben konnte, und man strebt danach zu begreifen, wie diese physikalischen Gesetze es bedingen werden, einmal eine Art Erdenende herbeizuführen. Unsere moralischen Vorstellungen gewinnen wir gewissermaßen neben diesen physischen Vorstellungen. Und ich deutete schon an, sie sind nicht stark genug, um Realität in sich zu haben: Dazu sind wir gewissermaßen in der Gegenwart verurteilt. Und diese Entwickelung innerhalb solcher Vorstellungen wird noch immer weiter und weitergehen. Es gilt doch heute dem Menschen, der feststehen will auf dem Boden der naturwissenschaftlichen Anschauung, natürlich als etwas geradezu Phantastisches, Abergläubisches, sich vorzustellen, daß am Ausgange unseres Erdendaseins eine Tat oder ein Geschehen steht, das moralisch zu beurteilen ist, wie es in der biblischen Geschichte vom Sündenfall der Fall ist. Und es reicht die heutige Vorstellung der Menschen nicht aus, um von dieser Vorstellung aus an das Ende des Erdendaseins eine moralische Entwickelung zu setzen, so daß gewissermaßen das, was physisch-chemisch in unserem Erdendasein vorgeht, durch etwas Moralisches herausgehoben würde zu einem anderen planetarischen Dasein, zu einem JupiterDasein. Es stehen nebeneinander naturwissenschaftliche Vorstellungen über Physisches und Vorstellungen über Moralisches; sie können einander sozusagen nicht gegenseitig tragen. Die Naturwissenschaft strebt darauf hin, das Moralische ganz aus ihrer Betrachtungsweise zu beseitigen, und das Moralische beginnt, ich möchte sagen, sich damit abzufinden, daß ihm keine physisch tragenden Kräfte innewohnen. Sogar die Dogmatik gewisser Religionsbekenntnisse sucht solche Vorstellungen auszubilden, die eine Art Kompromiß schließen mit der Naturwissenschaft, indem der Naturwissenschafter darauf aufmerksam macht, daß man das Moralische recht reinlich trennen soll von dem, was physisch, chemisch, geologisch und so weiter geschieht.
[ 4 ] Nun werde ich heute den Ausgangspunkt nehmen von etwas, was scheinbar mit unserer Betrachtungsweise gar nicht zusammenhängt, aber uns gerade recht in dieselbe hereinführen wird. Ich möchte zunächst einmal darauf aufmerksam machen, daß nicht alle Menschen, welche sich Weltenbetrachtungen hingegeben haben, so veranlagt waren, daß sie gewissermaßen alle moralischen Urteile ausschlossen, wenn sie sich an die äußere Natur und an das Naturgeschehen gewandt haben. Das ist etwas außerordentlich Interessantes. Dem heutigen Botaniker wird gar nicht einfallen, moralische Begriffe anzuwenden, wenn er die Gesetze studieren will, nach denen die Pflanzen wachsen. Ja, er würde es als kindisch ansehen, wenn er moralische Maßstäbe an die Vegetation der Pflanzen anlegen sollte, wenn er gewissermaßen die Pflanzen um ihre Moral fragen würde. Denken Sie nur einmal, wie jemand angesehen würde, der nur Miene machte, so irgend etwas geltend zu machen. Aber nicht alle Menschen waren immer so. Und ich möchte Ihnen ein charakteristisches Beispiel eines Menschen geben, der nicht so war, eines Menschen, der von vielen nicht als ein Christ angesehen wird, der aber ein besserer Christ war in seiner Weltenbetrachtung als viele andere. Sie können insbesondere katholische Betrachtungen über Goethe aufschlagen, und Sie werden darin finden, daß Goethe — nun, er wird ja zuweilen, weil er doch eine gewisse Größe war, nachsichtig behandelt es mit dem Christentum nicht ernst genommen habe. Das wird insbesondere in katholischen Betrachtungen über Goethe recht kräftiglich hervorgehoben. In Goethe steckte jedoch seiner ganzen Veranlagung nach etwas tief Christliches, etwas viel tiefer Christliches als in sehr vielen solchen Christen, die nach einem bekannten Ausspruche bei jeder Gelegenheit das «Herr, Herr» auf der Zunge haben. Dieses «Herr, Herr» hatte Goethe allerdings nicht immer auf der Zunge, aber seine Betrachtungsweise der Welt hat einen Zug von tiefer Christlichkeit. Und da möchte ich auf etwas aufmerksam machen, auf das nicht sehr häufig bei Goethe aufmerksam gemacht wird.
[ 4 ] Nun werde ich heute den Ausgangspunkt nehmen von etwas, was scheinbar mit unserer Betrachtungsweise gar nicht zusammenhängt, aber uns gerade recht in dieselbe hereinführen wird. Ich möchte zunächst einmal darauf aufmerksam machen, daß nicht alle Menschen, welche sich Weltenbetrachtungen hingegeben haben, so veranlagt waren, daß sie gewissermaßen alle moralischen Urteile ausschlossen, wenn sie sich an die äußere Natur und an das Naturgeschehen gewandt haben. Das ist etwas außerordentlich Interessantes. Dem heutigen Botaniker wird gar nicht einfallen, moralische Begriffe anzuwenden, wenn er die Gesetze studieren will, nach denen die Pflanzen wachsen. Ja, er würde es als kindisch ansehen, wenn er moralische Maßstäbe an die Vegetation der Pflanzen anlegen sollte, wenn er gewissermaßen die Pflanzen um ihre Moral fragen würde. Denken Sie nur einmal, wie jemand angesehen würde, der nur Miene machte, so irgend etwas geltend zu machen. Aber nicht alle Menschen waren immer so. Und ich möchte Ihnen ein charakteristisches Beispiel eines Menschen geben, der nicht so war, eines Menschen, der von vielen nicht als ein Christ angesehen wird, der aber ein besserer Christ war in seiner Weltenbetrachtung als viele andere. Sie können insbesondere katholische Betrachtungen über Goethe aufschlagen, und Sie werden darin finden, daß Goethe — nun, er wird ja zuweilen, weil er doch eine gewisse Größe war, nachsichtig behandelt es mit dem Christentum nicht ernst genommen habe. Das wird insbesondere in katholischen Betrachtungen über Goethe recht kräftiglich hervorgehoben. In Goethe steckte jedoch seiner ganzen Veranlagung nach etwas tief Christliches, etwas viel tiefer Christliches als in sehr vielen solchen Christen, die nach einem bekannten Ausspruche bei jeder Gelegenheit das «Herr, Herr» auf der Zunge haben. Dieses «Herr, Herr» hatte Goethe allerdings nicht immer auf der Zunge, aber seine Betrachtungsweise der Welt hat einen Zug von tiefer Christlichkeit. Und da möchte ich auf etwas aufmerksam machen, auf das nicht sehr häufig bei Goethe aufmerksam gemacht wird.
[ 5 ] Goethe hat ja bekanntlich versucht, in seiner Metamorphosenlehre Vorstellungen zu gewinnen über das Wachstum der Pflanzen. Sie wissen, ich habe öfter aufmerksam gemacht: er kam über diese Metamorphosenlehre einmal in ein Gespräch mit Schiller, als die beiden einen Vortrag des Jenenser Professors Batsch gehört hatten. Da gefiel Schiller die Art, wie Batsch von den Pflanzen sprach, nicht sehr, und er sagte, man brauche nicht alles so zu zerstückeln, man könne sich eine ganz andere Betrachtungsweise denken. Goethe zeichnete dann mit einigen Strichen die Idee seiner Metamorphose der Pflanzen auf, um zu zeigen, was man sich gleichsam als geistiges Band der einzelnen Pflanzenerscheinungen denken könne. Und Schiller sagte: Das ist keine Erfahrung, das ist eine Idee. Keine äußere erfahrungsgemäße Wirklichkeit, sondern eine Idee. — Goethe verstand diesen Einwand nicht recht, sondern er sagte: Das kann mir sehr lieb sein, daß ich Ideen habe ohne es zu wissen, und sie sogar mit Augen sehe. — Also er verstand das nicht, wie das eine Idee bedeuten solle, was doch aus der Wirklichkeit, wie ein Ton oder eine Farbe aufgenommen wird. Er behauptete, er sehe seine Ideen mit Augen. Das verrät schon, daß Goethe das Geistige mitzusehen versuchte, innerhalb des Pflanzenwachstums zum Beispiel.
[ 5 ] Goethe hat ja bekanntlich versucht, in seiner Metamorphosenlehre Vorstellungen zu gewinnen über das Wachstum der Pflanzen. Sie wissen, ich habe öfter aufmerksam gemacht: er kam über diese Metamorphosenlehre einmal in ein Gespräch mit Schiller, als die beiden einen Vortrag des Jenenser Professors Batsch gehört hatten. Da gefiel Schiller die Art, wie Batsch von den Pflanzen sprach, nicht sehr, und er sagte, man brauche nicht alles so zu zerstückeln, man könne sich eine ganz andere Betrachtungsweise denken. Goethe zeichnete dann mit einigen Strichen die Idee seiner Metamorphose der Pflanzen auf, um zu zeigen, was man sich gleichsam als geistiges Band der einzelnen Pflanzenerscheinungen denken könne. Und Schiller sagte: Das ist keine Erfahrung, das ist eine Idee. Keine äußere erfahrungsgemäße Wirklichkeit, sondern eine Idee. — Goethe verstand diesen Einwand nicht recht, sondern er sagte: Das kann mir sehr lieb sein, daß ich Ideen habe ohne es zu wissen, und sie sogar mit Augen sehe. — Also er verstand das nicht, wie das eine Idee bedeuten solle, was doch aus der Wirklichkeit, wie ein Ton oder eine Farbe aufgenommen wird. Er behauptete, er sehe seine Ideen mit Augen. Das verrät schon, daß Goethe das Geistige mitzusehen versuchte, innerhalb des Pflanzenwachstums zum Beispiel.
[ 6 ] Nun, sehen Sie, Goethe war sich immer klar darüber, daß er das, was er eigentlich zu sagen hatte, doch nur bis zu einem gewissen Grade seiner Mitwelt beibringen könne; daß für gewisse Dinge die Zeit doch zu wenig reif sei. Und da stellte es sich denn heraus, daß auch andere sich anregen ließen, die nun spezielle Naturforscher waren. Zum Beispiel Schelver, der Botaniker, Henschel, sie ließen sich anregen von Goethes Metamorphosenlehre. Und Schelver, Henschel schrieben merkwürdige Dinge über das Pflanzenwachstum, ganz merkwürdige Dinge, die aber Goethe mit großem Wohlgefallen betrachtete. Für den heutigen Botaniker ist diese ganze Geschichte, die da verhandelt wurde zwischen Goethe, Schelver und Henschel, der hellste Wahnsinn. Aber man muß sich bei einer solchen Gelegenheit immer an das Paulus-Wort erinnern, daß die Torheit der Menschen größte Weisheit sein kann vor Gott. Und Goethe schrieb dann auch einige aphoristische Dinge auf über dasjenige, was er als Eindruck bekommen hat von der Schelverschen Darstellungsweise.
[ 6 ] Nun, sehen Sie, Goethe war sich immer klar darüber, daß er das, was er eigentlich zu sagen hatte, doch nur bis zu einem gewissen Grade seiner Mitwelt beibringen könne; daß für gewisse Dinge die Zeit doch zu wenig reif sei. Und da stellte es sich denn heraus, daß auch andere sich anregen ließen, die nun spezielle Naturforscher waren. Zum Beispiel Schelver, der Botaniker, Henschel, sie ließen sich anregen von Goethes Metamorphosenlehre. Und Schelver, Henschel schrieben merkwürdige Dinge über das Pflanzenwachstum, ganz merkwürdige Dinge, die aber Goethe mit großem Wohlgefallen betrachtete. Für den heutigen Botaniker ist diese ganze Geschichte, die da verhandelt wurde zwischen Goethe, Schelver und Henschel, der hellste Wahnsinn. Aber man muß sich bei einer solchen Gelegenheit immer an das Paulus-Wort erinnern, daß die Torheit der Menschen größte Weisheit sein kann vor Gott. Und Goethe schrieb dann auch einige aphoristische Dinge auf über dasjenige, was er als Eindruck bekommen hat von der Schelverschen Darstellungsweise.
[ 7 ] Nun muß ich mit ein paar Worten anführen, was denn dieser Schelver eigentlich wollte. Diesem Schelver wurde zuwider die ganze Art, wie die Menschen, die Botaniker, die Pflanzen betrachten. Und er sagte ungefähr so: Seht ihr, da stellen sich die Menschen Pflanzen vor; die gedeihen so, daß sie auf der einen Seite in der Blüte den Fruchtknoten entwickeln, auf der anderen Seite die Staubgefäße. Und der Fruchtknoten wird nach Anschauung der Menschen durch die Staubgefäße befruchtet, und dadurch entsteht eine neue Pflanze. — Das war nun dem Schelver ganz und gar nicht recht, sondern er sagte: Das ist eigentlich keine im Sinne des Pflanzenreiches gehaltene Idee, sondern die Wirklichkeit besteht darinnen, daß jede Pflanze rein dadurch, daß sie eine Pflanze ist, auch ihresgleichen wieder hervorbringen kann. Und daß eine Befruchtung geschehen muß, das betrachtete er als eine mehr nebensächliche Erscheinung, eine Erscheinung, die Schelver eigentlich, man könnte schon sagen, als etwas Falsches, wie einen Irrtum der Natur betrachtete. Das Richtige der Natur würde Schelver darin gesehen haben, daß jede Pflanze ohne weitere Befruchtung aus sich selbst eine weitere Pflanze hervorbrächte, nicht daß bloß der Antherenstaub durch den Wind an den Fruchtknoten geworfen werden muß und dadurch die ganze Pflanzenwelt sich fortentwickelt.
[ 7 ] Nun muß ich mit ein paar Worten anführen, was denn dieser Schelver eigentlich wollte. Diesem Schelver wurde zuwider die ganze Art, wie die Menschen, die Botaniker, die Pflanzen betrachten. Und er sagte ungefähr so: Seht ihr, da stellen sich die Menschen Pflanzen vor; die gedeihen so, daß sie auf der einen Seite in der Blüte den Fruchtknoten entwickeln, auf der anderen Seite die Staubgefäße. Und der Fruchtknoten wird nach Anschauung der Menschen durch die Staubgefäße befruchtet, und dadurch entsteht eine neue Pflanze. — Das war nun dem Schelver ganz und gar nicht recht, sondern er sagte: Das ist eigentlich keine im Sinne des Pflanzenreiches gehaltene Idee, sondern die Wirklichkeit besteht darinnen, daß jede Pflanze rein dadurch, daß sie eine Pflanze ist, auch ihresgleichen wieder hervorbringen kann. Und daß eine Befruchtung geschehen muß, das betrachtete er als eine mehr nebensächliche Erscheinung, eine Erscheinung, die Schelver eigentlich, man könnte schon sagen, als etwas Falsches, wie einen Irrtum der Natur betrachtete. Das Richtige der Natur würde Schelver darin gesehen haben, daß jede Pflanze ohne weitere Befruchtung aus sich selbst eine weitere Pflanze hervorbrächte, nicht daß bloß der Antherenstaub durch den Wind an den Fruchtknoten geworfen werden muß und dadurch die ganze Pflanzenwelt sich fortentwickelt.
[ 8 ] Goethe, der ja seine Aufmerksamkeit immer auf solche Erscheinungen gewendet hat, wo die Pflanze sich umwandelt, das Blatt in die Blüte, der wollte das durchaus als etwas Selbstverständliches betrachten, daß die ganze Pflanze in Metamorphose eine neue Pflanze hervorbringen kann. Da gefiel ihm diese Schelversche Idee. Und allen Ernstes schrieb nun Goethe einen Aphorismus, der außerordentlich interessant ist, der von ihm ganz ernsthaftig gemeint ist, aber selbstverständlich für einen heutigen Botaniker der hellste Wahnsinn ist. Goethe schrieb zum Beispiel unter anderem in dem Aufsatz, den er über Schelver schrieb:
[ 8 ] Goethe, der ja seine Aufmerksamkeit immer auf solche Erscheinungen gewendet hat, wo die Pflanze sich umwandelt, das Blatt in die Blüte, der wollte das durchaus als etwas Selbstverständliches betrachten, daß die ganze Pflanze in Metamorphose eine neue Pflanze hervorbringen kann. Da gefiel ihm diese Schelversche Idee. Und allen Ernstes schrieb nun Goethe einen Aphorismus, der außerordentlich interessant ist, der von ihm ganz ernsthaftig gemeint ist, aber selbstverständlich für einen heutigen Botaniker der hellste Wahnsinn ist. Goethe schrieb zum Beispiel unter anderem in dem Aufsatz, den er über Schelver schrieb:
[ 9 ] «Diese neue Verstäubungslehre wäre nun beim Vortrag gegen junge Personen und Frauen höchst willkommen und schicklich; denn der persönlich Lehrende war bisher durchaus in großer Verlegenheit. Wenn sodann auch solche unschuldige Seelen, um durch eigenes Studium weiterzukommen, botanische Lehrbücher in die Hand nahmen, so konnten sie nicht verbergen, daß ihr sittliches Gefühl beleidigt sei; die ewigen Hochzeiten, die man nicht los wird, wobei die Monogamie, auf welche Sitte, Gesetz und Religion gegründet sind, ganz in eine vage Lüsternheit sich auflöst, bleiben dem reinen Menschensinne völlig unerträglich.»
[ 9 ] «Diese neue Verstäubungslehre wäre nun beim Vortrag gegen junge Personen und Frauen höchst willkommen und schicklich; denn der persönlich Lehrende war bisher durchaus in großer Verlegenheit. Wenn sodann auch solche unschuldige Seelen, um durch eigenes Studium weiterzukommen, botanische Lehrbücher in die Hand nahmen, so konnten sie nicht verbergen, daß ihr sittliches Gefühl beleidigt sei; die ewigen Hochzeiten, die man nicht los wird, wobei die Monogamie, auf welche Sitte, Gesetz und Religion gegründet sind, ganz in eine vage Lüsternheit sich auflöst, bleiben dem reinen Menschensinne völlig unerträglich.»
[ 10 ] Also denken Sie sich: Goethe wirft den Blick hin über die Pflanzenwelt und findet es unerträglich, daß da die ewigen Hochzeiten gefeiert werden sollen, daß da ewige Befruchtung stattfinden soll, oder er findet es — wie er sich graziös ausdrückt — schicklicher, wenn man nicht mehr davon sprechen müßte, sondern sagen könnte, daß die Pflanze aus eigener Kraft ihresgleichen hervorbrächte. Und er führt das dann weiter aus. Er sagt:
[ 10 ] Also denken Sie sich: Goethe wirft den Blick hin über die Pflanzenwelt und findet es unerträglich, daß da die ewigen Hochzeiten gefeiert werden sollen, daß da ewige Befruchtung stattfinden soll, oder er findet es — wie er sich graziös ausdrückt — schicklicher, wenn man nicht mehr davon sprechen müßte, sondern sagen könnte, daß die Pflanze aus eigener Kraft ihresgleichen hervorbrächte. Und er führt das dann weiter aus. Er sagt:
[ 11 ] «Man hat sprachgelehrten Männern oft, und nicht ganz ungerecht, vorgeworfen, daß sie, um wegen der unerfreulichen Trockenheit ihrer Bemühungen sich einigermaßen zu entschädigen, gar gerne an verfängliche, leichtfertige Stellen alter Autoren mehr Mühe als billig verwenden. Und so ließen sich auch Naturforscher manchmal betreten, daß sie, der guten Mutter einige Blößen abmerkend, an ihr, als an der alten Baubo, höchst zweideutige Belustigung fanden. Ja, wir erinnern uns, Arabesken gesehen zu haben, wo die Sexualverhältnisse innerhalb der Blumenkelche auf antike Weise höchst anschaulich vorgestellt waren.»
[ 11 ] «Man hat sprachgelehrten Männern oft, und nicht ganz ungerecht, vorgeworfen, daß sie, um wegen der unerfreulichen Trockenheit ihrer Bemühungen sich einigermaßen zu entschädigen, gar gerne an verfängliche, leichtfertige Stellen alter Autoren mehr Mühe als billig verwenden. Und so ließen sich auch Naturforscher manchmal betreten, daß sie, der guten Mutter einige Blößen abmerkend, an ihr, als an der alten Baubo, höchst zweideutige Belustigung fanden. Ja, wir erinnern uns, Arabesken gesehen zu haben, wo die Sexualverhältnisse innerhalb der Blumenkelche auf antike Weise höchst anschaulich vorgestellt waren.»
[ 12 ] Also Goethe betrachtet es als eine höchst wünschenswerte Idee, daß diese Sexualbetrachtung mit Bezug auf die Pflanzenwelt entfernt werden könnte. Das war schon zu seiner Zeit eine verrückte Idee, selbstverständlich; heute, im Zeitalter der Psychoanalyse, wo man anstrebt, daß alles womöglich aus der Sexualität erklärt werde, ist es eine noch größere Verrücktheit, wenn jemand sagt, was das für eine schöne Naturbetrachtung wäre, wenn man nicht diese unmoralische Einmischung des Sexualprinzipes hätte. Goethe sagt ausdrücklich: «Wie man jetzt nach allen Seiten hin Ultras hat, liberale sowohl als königische, so war Schelver ein Ultra in der Metamorphosenlehre; er brach den letzten Damm noch durch, der sie innerhalb des früher gezogenen Kreises gefangen hielt»; aber er sagt nicht, daß ihm ein solcher Ultra irgendwie unangenehm wäre, sondern im Gegenteil, er begrüßt das Auftreten mit großer Freude.
[ 12 ] Also Goethe betrachtet es als eine höchst wünschenswerte Idee, daß diese Sexualbetrachtung mit Bezug auf die Pflanzenwelt entfernt werden könnte. Das war schon zu seiner Zeit eine verrückte Idee, selbstverständlich; heute, im Zeitalter der Psychoanalyse, wo man anstrebt, daß alles womöglich aus der Sexualität erklärt werde, ist es eine noch größere Verrücktheit, wenn jemand sagt, was das für eine schöne Naturbetrachtung wäre, wenn man nicht diese unmoralische Einmischung des Sexualprinzipes hätte. Goethe sagt ausdrücklich: «Wie man jetzt nach allen Seiten hin Ultras hat, liberale sowohl als königische, so war Schelver ein Ultra in der Metamorphosenlehre; er brach den letzten Damm noch durch, der sie innerhalb des früher gezogenen Kreises gefangen hielt»; aber er sagt nicht, daß ihm ein solcher Ultra irgendwie unangenehm wäre, sondern im Gegenteil, er begrüßt das Auftreten mit großer Freude.
[ 13 ] Nun muß man schon etwas tiefer in Goethes Seele hineinschauen, ich möchte sagen, in Goethes christliche Seele hineinschauen, um zu erkennen, was da eigentlich zugrunde liegt. Denken Sie sich einmal: Derjenige, der die Natur betrachtet, so wie sie ist, mit der Gesinnung, welche die heutige Naturwissenschaft hat, der kann natürlich mit solchen Vorstellungen überhaupt nichts machen, denn zu solchen Vorstellungen sind gewisse Voraussetzungen notwendig. Die Voraussetzung ist die, daß eigentlich so, wie die Pflanzen jetzt sind, sie ihrer Anlage, ihrer ursprünglichen Anlage widersprechen, daß eigentlich für den, der sich so recht vertieft in die Pflanzenwelt, die Notwendigkeit vorliegt, zu sagen: Ja, wenn ich auf die erste Anlage des Pflanzenwachstums sehe, dann stimmt die Art und Weise, wie da der Blütenstaub herumfliegt und befruchtet, nicht zu der ursprünglichen Anlage der Pflanzen. Das sollte anders sein! — Da gibt es nichts anderes, als sich bekanntzumachen damit, daß allerdings das ganze Pflanzenreich, so wie es um uns herum ausgebreitet ist, heruntergestiegen ist von einer ursprünglich anderen Gestalt zu der Gestalt, die es jetzt hat, und daß eine solche Naturbetrachtung, wie die Goethes war, in dem, wie die Pflanzen heute sind, noch eine Ahnung davon bekam, wie das Pflanzenreich, sagen wir, vor dem Sündenfall war, um diesen symbolischen Ausdruck zu gebrauchen. Und in der Tat, man versteht die Goethesche Metamorphosenlehre nicht, wenn man nicht ihre Unschuld versteht, ihre Kindlichkeit versteht, wenn man nicht versteht, daß Goethe schon mit der Metamorphosenlehre sagen wollte: Seht, was da im Pflanzenreich vorgeht, das war ihm ursprünglich nicht vorbestimmt, dazu ist es erst gelangt, nachdem die Erdenentwickelung von einer gewissen Sphäre in ihre jetzige heruntergesunken ist.
[ 13 ] Nun muß man schon etwas tiefer in Goethes Seele hineinschauen, ich möchte sagen, in Goethes christliche Seele hineinschauen, um zu erkennen, was da eigentlich zugrunde liegt. Denken Sie sich einmal: Derjenige, der die Natur betrachtet, so wie sie ist, mit der Gesinnung, welche die heutige Naturwissenschaft hat, der kann natürlich mit solchen Vorstellungen überhaupt nichts machen, denn zu solchen Vorstellungen sind gewisse Voraussetzungen notwendig. Die Voraussetzung ist die, daß eigentlich so, wie die Pflanzen jetzt sind, sie ihrer Anlage, ihrer ursprünglichen Anlage widersprechen, daß eigentlich für den, der sich so recht vertieft in die Pflanzenwelt, die Notwendigkeit vorliegt, zu sagen: Ja, wenn ich auf die erste Anlage des Pflanzenwachstums sehe, dann stimmt die Art und Weise, wie da der Blütenstaub herumfliegt und befruchtet, nicht zu der ursprünglichen Anlage der Pflanzen. Das sollte anders sein! — Da gibt es nichts anderes, als sich bekanntzumachen damit, daß allerdings das ganze Pflanzenreich, so wie es um uns herum ausgebreitet ist, heruntergestiegen ist von einer ursprünglich anderen Gestalt zu der Gestalt, die es jetzt hat, und daß eine solche Naturbetrachtung, wie die Goethes war, in dem, wie die Pflanzen heute sind, noch eine Ahnung davon bekam, wie das Pflanzenreich, sagen wir, vor dem Sündenfall war, um diesen symbolischen Ausdruck zu gebrauchen. Und in der Tat, man versteht die Goethesche Metamorphosenlehre nicht, wenn man nicht ihre Unschuld versteht, ihre Kindlichkeit versteht, wenn man nicht versteht, daß Goethe schon mit der Metamorphosenlehre sagen wollte: Seht, was da im Pflanzenreich vorgeht, das war ihm ursprünglich nicht vorbestimmt, dazu ist es erst gelangt, nachdem die Erdenentwickelung von einer gewissen Sphäre in ihre jetzige heruntergesunken ist.
[ 14 ] Von da ausgehend, werden Sie sich auch die Vorstellung bilden können — die ich jetzt nicht genauer ausführen kann, aber alle diese Dinge könnten und werden ja einmal von uns ausgeführt werden —, daß es ebenso mit dem Mineralreich ist, daß das auch nicht so ist, wie es ursprünglich war. Und derjenige, der diese Dinge nun wirklich wissenschaftlich betrachtet, kommt auch dazu einzusehen, daß das, was ich jetzt sagte, richtig ist bis in das Tierreich hinein, insofern wir es mit den sogenannten kaltblütigen, auch wechselwarm genannten, also nicht mit warmblütigen Tieren zu tun haben. Also Mineralreich, Pflanzenreich und das Reich der kaltblütigen Tiere, die nicht innere Leibeswärme haben, welche ständig die äußere Wärme überragt, diese Reiche sind nicht so, wie sie ursprünglich veranlagt waren. Sie sind heruntergestiegen aus einer Sphäre in die andere und sind dasjenige erst geworden, was heute notwendig macht, daß das Sexualitätsprinzip in ihnen waltet. Man kann sagen, diese Reiche kommen nicht zur völligen Ausbildung der Anlagen, die sie in sich haben, sondern es muß nachgeholfen werden. Die Pflanze hat in sich die ursprüngliche Anlage, wie sie ist für sich, nicht nur sich zu metamorphosieren vom Blatt zur Blüte, sondern auch eine ganz neue Pflanze hervorzubringen. Aber es fehlen ihr die Kräfte, dazu zu kommen; dazu bedarf es einer äußeren Anregung, weil die Region verlassen worden ist, in der das Pflanzenreich war. Auch mit dem Mineralreich würde es anders sein, und mit dem Reich der kaltblütigen Tiere. Diese Wesen sind dazu verurteilt, gewissermaßen auf halbem Wege stehenzubleiben.
[ 14 ] Von da ausgehend, werden Sie sich auch die Vorstellung bilden können — die ich jetzt nicht genauer ausführen kann, aber alle diese Dinge könnten und werden ja einmal von uns ausgeführt werden —, daß es ebenso mit dem Mineralreich ist, daß das auch nicht so ist, wie es ursprünglich war. Und derjenige, der diese Dinge nun wirklich wissenschaftlich betrachtet, kommt auch dazu einzusehen, daß das, was ich jetzt sagte, richtig ist bis in das Tierreich hinein, insofern wir es mit den sogenannten kaltblütigen, auch wechselwarm genannten, also nicht mit warmblütigen Tieren zu tun haben. Also Mineralreich, Pflanzenreich und das Reich der kaltblütigen Tiere, die nicht innere Leibeswärme haben, welche ständig die äußere Wärme überragt, diese Reiche sind nicht so, wie sie ursprünglich veranlagt waren. Sie sind heruntergestiegen aus einer Sphäre in die andere und sind dasjenige erst geworden, was heute notwendig macht, daß das Sexualitätsprinzip in ihnen waltet. Man kann sagen, diese Reiche kommen nicht zur völligen Ausbildung der Anlagen, die sie in sich haben, sondern es muß nachgeholfen werden. Die Pflanze hat in sich die ursprüngliche Anlage, wie sie ist für sich, nicht nur sich zu metamorphosieren vom Blatt zur Blüte, sondern auch eine ganz neue Pflanze hervorzubringen. Aber es fehlen ihr die Kräfte, dazu zu kommen; dazu bedarf es einer äußeren Anregung, weil die Region verlassen worden ist, in der das Pflanzenreich war. Auch mit dem Mineralreich würde es anders sein, und mit dem Reich der kaltblütigen Tiere. Diese Wesen sind dazu verurteilt, gewissermaßen auf halbem Wege stehenzubleiben.
[ 15 ] Und sehen wir das andere Ende der Natur an: das Reich der warmblütigen Tiere, das Reich derjenigen Pflanzen, die es bis zur Verholzung bringen, die Bäume — denn die, von denen ich gesprochen habe, welche die Metamorphose regelmäßig haben, das sind Pflanzen, die grüne Laubblätter und Stengel hervorbringen, nicht die verholzenden Pflanzen —, und sehen wir uns an die warmblütigen Tiere und das physische Menschengeschlecht. Ich habe schon im vorletzten Vortrage aufmerksam gemacht, daß der physische Mensch, so wie er ist, seiner Anlage nicht entspricht, daß er eigentlich zur Unsterblichkeit seines Leibes die Anlage hat. Aber diese Erkenntnis geht viel weiter. Nicht nur der physische Mensch, der also zur Unsterblichkeit geschaffen ist, hat nicht seine Anlage in sich, sondern auch die anderen Wesen, die verholzenden Gewächse und die warmblütigen Tiere tragen schon den Tod in sich. Sie sind nicht so, wie sie ursprünglich waren; nicht als ob sie schon unsterblich geschaffen wären: sie sind heruntergestiegen. Dadurch aber ist für sie etwas anderes eingetreten. Ich sagte: Die Wesen des Mineralreiches, des Pflanzenreiches und des kaltblütigen Tierreiches, die kommen mit ihren Anlagen nicht zu Ende, sie brauchen einen äußeren Einfluß. Die Wesen des warmblütigen Tierreiches, der sich verholzenden Pflanzen, also der rinden- und holzbildenden Pflanzen, und das Menschenreich, die sind so, daß sie in der Gestalt, wie sie jetzt leben, nicht ihren Ursprung offenbaren, ihren Anfang nicht offenbaren. Also die ersteren Wesen kommen mit ihrer Entwickelung nicht zu Ende; sie bedürfen eines anderen Einflusses. Die Wesen, die ich als zweite Gruppe genannt habe, die verholzenden Pflanzen, die warmblütigen Tiere und die Menschen, die verleugnen in der Art, wie sie jetzt sind, ihren Anfang; die offenbaren ihren Anfang nicht. Die anderen kommen nicht zu Ende, und diese Wesen zeigen sich heute so, daß man aus dem, wie sie sind, nicht unmittelbar ihren Anfang erkennen kann.
[ 15 ] Und sehen wir das andere Ende der Natur an: das Reich der warmblütigen Tiere, das Reich derjenigen Pflanzen, die es bis zur Verholzung bringen, die Bäume — denn die, von denen ich gesprochen habe, welche die Metamorphose regelmäßig haben, das sind Pflanzen, die grüne Laubblätter und Stengel hervorbringen, nicht die verholzenden Pflanzen —, und sehen wir uns an die warmblütigen Tiere und das physische Menschengeschlecht. Ich habe schon im vorletzten Vortrage aufmerksam gemacht, daß der physische Mensch, so wie er ist, seiner Anlage nicht entspricht, daß er eigentlich zur Unsterblichkeit seines Leibes die Anlage hat. Aber diese Erkenntnis geht viel weiter. Nicht nur der physische Mensch, der also zur Unsterblichkeit geschaffen ist, hat nicht seine Anlage in sich, sondern auch die anderen Wesen, die verholzenden Gewächse und die warmblütigen Tiere tragen schon den Tod in sich. Sie sind nicht so, wie sie ursprünglich waren; nicht als ob sie schon unsterblich geschaffen wären: sie sind heruntergestiegen. Dadurch aber ist für sie etwas anderes eingetreten. Ich sagte: Die Wesen des Mineralreiches, des Pflanzenreiches und des kaltblütigen Tierreiches, die kommen mit ihren Anlagen nicht zu Ende, sie brauchen einen äußeren Einfluß. Die Wesen des warmblütigen Tierreiches, der sich verholzenden Pflanzen, also der rinden- und holzbildenden Pflanzen, und das Menschenreich, die sind so, daß sie in der Gestalt, wie sie jetzt leben, nicht ihren Ursprung offenbaren, ihren Anfang nicht offenbaren. Also die ersteren Wesen kommen mit ihrer Entwickelung nicht zu Ende; sie bedürfen eines anderen Einflusses. Die Wesen, die ich als zweite Gruppe genannt habe, die verholzenden Pflanzen, die warmblütigen Tiere und die Menschen, die verleugnen in der Art, wie sie jetzt sind, ihren Anfang; die offenbaren ihren Anfang nicht. Die anderen kommen nicht zu Ende, und diese Wesen zeigen sich heute so, daß man aus dem, wie sie sind, nicht unmittelbar ihren Anfang erkennen kann.
[ 16 ] Wenn Sie dies nehmen, so haben Sie ungefähr das, was Vorhersage ist einer gewissen Richtung, welche die Naturbetrachtung in der Zukunft nehmen muß. Sie wird durchaus unterscheiden müssen zwischen dem, wie die Wesen veranlagt sind, und dem, wie sie jetzt sind.
[ 16 ] Wenn Sie dies nehmen, so haben Sie ungefähr das, was Vorhersage ist einer gewissen Richtung, welche die Naturbetrachtung in der Zukunft nehmen muß. Sie wird durchaus unterscheiden müssen zwischen dem, wie die Wesen veranlagt sind, und dem, wie sie jetzt sind.
[ 17 ] Nun entsteht die Frage: Woher ist denn das alles so gekommen? Wir haben ja ungefähr die ganze um uns liegende Natur, die, auch naturwissenschaftlich betrachtet, nicht so ist, wie sie sein sollte. Woher ist denn das eigentlich gekommen? Was liegt da zugrunde? Wer ist an alledem schuld? Und da bekommt man dennoch die Antwort: Der Mensch ist an alledem schuld! Und die Schuld des Menschen besteht eben in dem Erliegen der luziferischen Versuchung, wie ich sie immer geschildert habe, in dem, was am Ausgangspunkt der biblischen Darstellung die Erbsünde, die Erbschuld genannt wird. Es ist für die Geisteswissenschaft eben ein wirkliches, ein echtes Faktum, aber ein solches Faktum, das sich nicht nur beim Menschen abgespielt hat, sondern das sich abgespielt hat zwar zunächst im Menschen, aber der Mensch war dazumal noch so mächtig, so stark, daß er die ganze übrige Natur hineingezogen hat. Der Mensch hat mit sich gezogen die Entwickelung der Pflanzen, so daß sie nicht zu Ende kommen können mit ihrer Entwickelung, daß sie einen äußeren Anstoß brauchen. Der Mensch hat es dahin gebracht, daß neben den kaltblütigen Tieren noch die warmblütigen sind, das heißt solche, die mit ihm gleichen Schmerz erleiden können. Also die warmblütigen Tiere hat der Mensch mit sich hereingezogen in die Sphäre, in die er selbst sich gezogen hat dadurch, daß er der luziferischen Versuchung verfallen ist.
[ 17 ] Nun entsteht die Frage: Woher ist denn das alles so gekommen? Wir haben ja ungefähr die ganze um uns liegende Natur, die, auch naturwissenschaftlich betrachtet, nicht so ist, wie sie sein sollte. Woher ist denn das eigentlich gekommen? Was liegt da zugrunde? Wer ist an alledem schuld? Und da bekommt man dennoch die Antwort: Der Mensch ist an alledem schuld! Und die Schuld des Menschen besteht eben in dem Erliegen der luziferischen Versuchung, wie ich sie immer geschildert habe, in dem, was am Ausgangspunkt der biblischen Darstellung die Erbsünde, die Erbschuld genannt wird. Es ist für die Geisteswissenschaft eben ein wirkliches, ein echtes Faktum, aber ein solches Faktum, das sich nicht nur beim Menschen abgespielt hat, sondern das sich abgespielt hat zwar zunächst im Menschen, aber der Mensch war dazumal noch so mächtig, so stark, daß er die ganze übrige Natur hineingezogen hat. Der Mensch hat mit sich gezogen die Entwickelung der Pflanzen, so daß sie nicht zu Ende kommen können mit ihrer Entwickelung, daß sie einen äußeren Anstoß brauchen. Der Mensch hat es dahin gebracht, daß neben den kaltblütigen Tieren noch die warmblütigen sind, das heißt solche, die mit ihm gleichen Schmerz erleiden können. Also die warmblütigen Tiere hat der Mensch mit sich hereingezogen in die Sphäre, in die er selbst sich gezogen hat dadurch, daß er der luziferischen Versuchung verfallen ist.
[ 18 ] Man stellt sich heute vor, daß der Mensch immer in einem solchen Verhältnis zur Welt war wie heute, daß er sozusagen nichts machen kann mit Bezug auf die übrige Natur, daß die Tiere neben ihm entstehen, die Pflanzen neben ihm entstehen, scheinbar ohne seinen Einfluß. Aber so war es nicht immer, sondern ehe die Naturordnung eingetreten ist, die die jetzige ist, war der Mensch ein mächtiges Wesen, das in jener Tat, die man die luziferische Versuchung nennt, nicht nur sich betätigte, sondern wirklich die ganze übrige Natur der Erde hineingezogen ‚hat und das machte, was zuletzt darin gipfelte, daß die moralische Ordnung völlig abriß von der Naturordnung.
[ 18 ] Man stellt sich heute vor, daß der Mensch immer in einem solchen Verhältnis zur Welt war wie heute, daß er sozusagen nichts machen kann mit Bezug auf die übrige Natur, daß die Tiere neben ihm entstehen, die Pflanzen neben ihm entstehen, scheinbar ohne seinen Einfluß. Aber so war es nicht immer, sondern ehe die Naturordnung eingetreten ist, die die jetzige ist, war der Mensch ein mächtiges Wesen, das in jener Tat, die man die luziferische Versuchung nennt, nicht nur sich betätigte, sondern wirklich die ganze übrige Natur der Erde hineingezogen ‚hat und das machte, was zuletzt darin gipfelte, daß die moralische Ordnung völlig abriß von der Naturordnung.
[ 19 ] Wenn man heute das so ausspricht, wie ich es jetzt ausspreche, so sagt man natürlich etwas, was nicht im geringsten verständlich ist für den, der naturwissenschaftlich denkt. Und dennoch, es wird verständlich werden müssen! Es wird verständlich werden müssen! Die heutige Naturwissenschaft ist nur eine Episode. Trotz aller ihrer Verdienste, trotz aller ihrer großen Errungenschaften: sie ist eine Episode. Sie wird ersetzt werden durch eine andere, welche erst wieder erkennen wird, daß es eine höhere Weltbetrachtung gibt, innerhalb welcher das Natürliche und das Moralische zwei Seiten ein und desselben Wesens sind. Aber mit einer pantheistischen Verschwommenheit kommt man nicht
[ 19 ] Wenn man heute das so ausspricht, wie ich es jetzt ausspreche, so sagt man natürlich etwas, was nicht im geringsten verständlich ist für den, der naturwissenschaftlich denkt. Und dennoch, es wird verständlich werden müssen! Es wird verständlich werden müssen! Die heutige Naturwissenschaft ist nur eine Episode. Trotz aller ihrer Verdienste, trotz aller ihrer großen Errungenschaften: sie ist eine Episode. Sie wird ersetzt werden durch eine andere, welche erst wieder erkennen wird, daß es eine höhere Weltbetrachtung gibt, innerhalb welcher das Natürliche und das Moralische zwei Seiten ein und desselben Wesens sind. Aber mit einer pantheistischen Verschwommenheit kommt man nicht
[ 20 ] zu einer solchen Betrachtung; da muß man schon konkret hinsehen, “wie wirklich das äußere Dasein zeigt, daß es anders veranlagt gewesen ist, als es sich heute in der gewöhnlichen Naturordnung zeigt. Da muß man den Mut haben, moralische Maßstäbe auch an das äußere Naturdasein anlegen zu können. Diejenige Weltbetrachtung, die sich heute die monistische nennt, und die ihre Glorie darin sieht, überall das Moralische auszuschließen, die tut das aus Feigheit, aus Erkenntnisfeigheit, weil sie nicht tief genug eindringen will bis dahin, wo wirklich, wie es bei Goethe der Fall war — in solchen Grenzen, wie ich es dargestellt habe — die Notwendigkeit, moralische Maßstäbe anzulegen, ebenso eintritt, wie für eine äußere Betrachtung die Notwendigkeit eintritt, rein äußerliche naturwissenschaftliche Maßstäbe anzulegen.
[ 20 ] zu einer solchen Betrachtung; da muß man schon konkret hinsehen, “wie wirklich das äußere Dasein zeigt, daß es anders veranlagt gewesen ist, als es sich heute in der gewöhnlichen Naturordnung zeigt. Da muß man den Mut haben, moralische Maßstäbe auch an das äußere Naturdasein anlegen zu können. Diejenige Weltbetrachtung, die sich heute die monistische nennt, und die ihre Glorie darin sieht, überall das Moralische auszuschließen, die tut das aus Feigheit, aus Erkenntnisfeigheit, weil sie nicht tief genug eindringen will bis dahin, wo wirklich, wie es bei Goethe der Fall war — in solchen Grenzen, wie ich es dargestellt habe — die Notwendigkeit, moralische Maßstäbe anzulegen, ebenso eintritt, wie für eine äußere Betrachtung die Notwendigkeit eintritt, rein äußerliche naturwissenschaftliche Maßstäbe anzulegen.
[ 21 ] Aber dieses, was ich nun sage, die Möglichkeit, die Welt wiederum durchmoralisiert zu denken, diese Möglichkeit, die wäre gerade dem Menschen verlorengegangen, wenn im Beginne unserer Zeitrechung nicht das Mysterium von Golgatha eingetreten wäre. Denn wir haben jetzt gesehen, daß im Grunde alles, was bloß natürliche Ordnung ist, in gewissem Sinne korrumpiert ist, aus einer anderen Region in die jetzige erst heruntergestiegen ist, daß es in einer Weltanschauungs-Höhenlage liegt, aus der es sich wieder erheben muß. So ist es mit unserer Weltanschauung, daß sie in einer Weltanschauungs-Höhenlage liegt, aus der sie sich wieder erheben muß. Zu diesem Naturgemäßen gehört nun wirklich auch unser Denken selber. Und wenn die heutigen Du BoisReymonds und andere davon sprechen, daß unser Denken nicht in die Wirklichkeit hineinkommen kann, daß sie das Ignorabimus feststellen, daß man nicht erkennen kann, so ist das in einem gewissen Sinne wahr, aber warum wahr? Ja, weil unser Denken eben auch aus seiner ursprünglich veranlagten Region herausgekommen ist und erst wiederum den Weg zurückfinden muß. Alles steht unter dem Einflusse des Abstieges des Denkens selber. So daß man sagen kann: Gewiß, ihr, die ihr behauptet, das Denken kann nicht eindringen in die Wirklichkeit, ihr habt bis zu einem gewissen Grade recht; aber es ist dieses Denken selber mit den anderen Wesenheiten korrumpiert, es muß sich erst wiederum erheben. Der Impuls selbst zu der Erhebung dieses Denkens liegt in dem Mysterium von Golgatha, das heißt in dem, was als ein Impuls in die Menschheit durch das Mysterium von Golgatha eingezogen ist. Selbst unser Denken unterliegt gewissermaßen der Erbsünde und muß von ihr erlöst werden, um wiederum in die Wirklichkeit einzudringen. Und unsere Naturwissenschaft, so wie sie heute dasteht mit ihrer morallosen Notwendigkeit, ist nur das Produkt jenes Denkens, das korrumpiert ist, das heruntergestiegen ist. Hat man nicht den Mut, dieses zu bekennen, so steht man überhaupt nicht innerhalb, sondern außerhalb der Wirklichkeit.
[ 21 ] Aber dieses, was ich nun sage, die Möglichkeit, die Welt wiederum durchmoralisiert zu denken, diese Möglichkeit, die wäre gerade dem Menschen verlorengegangen, wenn im Beginne unserer Zeitrechung nicht das Mysterium von Golgatha eingetreten wäre. Denn wir haben jetzt gesehen, daß im Grunde alles, was bloß natürliche Ordnung ist, in gewissem Sinne korrumpiert ist, aus einer anderen Region in die jetzige erst heruntergestiegen ist, daß es in einer Weltanschauungs-Höhenlage liegt, aus der es sich wieder erheben muß. So ist es mit unserer Weltanschauung, daß sie in einer Weltanschauungs-Höhenlage liegt, aus der sie sich wieder erheben muß. Zu diesem Naturgemäßen gehört nun wirklich auch unser Denken selber. Und wenn die heutigen Du BoisReymonds und andere davon sprechen, daß unser Denken nicht in die Wirklichkeit hineinkommen kann, daß sie das Ignorabimus feststellen, daß man nicht erkennen kann, so ist das in einem gewissen Sinne wahr, aber warum wahr? Ja, weil unser Denken eben auch aus seiner ursprünglich veranlagten Region herausgekommen ist und erst wiederum den Weg zurückfinden muß. Alles steht unter dem Einflusse des Abstieges des Denkens selber. So daß man sagen kann: Gewiß, ihr, die ihr behauptet, das Denken kann nicht eindringen in die Wirklichkeit, ihr habt bis zu einem gewissen Grade recht; aber es ist dieses Denken selber mit den anderen Wesenheiten korrumpiert, es muß sich erst wiederum erheben. Der Impuls selbst zu der Erhebung dieses Denkens liegt in dem Mysterium von Golgatha, das heißt in dem, was als ein Impuls in die Menschheit durch das Mysterium von Golgatha eingezogen ist. Selbst unser Denken unterliegt gewissermaßen der Erbsünde und muß von ihr erlöst werden, um wiederum in die Wirklichkeit einzudringen. Und unsere Naturwissenschaft, so wie sie heute dasteht mit ihrer morallosen Notwendigkeit, ist nur das Produkt jenes Denkens, das korrumpiert ist, das heruntergestiegen ist. Hat man nicht den Mut, dieses zu bekennen, so steht man überhaupt nicht innerhalb, sondern außerhalb der Wirklichkeit.
[ 22 ] Was in dem Mysterium von Golgatha liegt, um dasjenige, was aus einer höheren Region in eine tiefere heruntergestiegen ist, wieder heraufzubringen, das wird einem insbesondere klar, wenn man einzelne konkrete Dinge ins Auge faßt, wenn man sich die Frage vorlegt: Was würde denn geschehen mit der Erdenentwickelung, die durch den Menschen in die Naturordnung heruntergebracht worden ist — das sage ich nicht aus irgendeinem Ausspintisieren heraus, sondern ich sage es als ein ebensolches geisteswissenschaftliches Ergebnis, wie es die naturwissenschaftlichen Tatsachen sind: Was würde geschehen mit der Erdenentwickelung, nachdem sie durch die Menschen heruntergesunken ist, wenn das Mysterium von Golgatha nicht einen neuen Impuls gegeben hätte? So wahr, wie eine Pflanze sich nicht fortentwickeln kann, wenn man den Fruchtknoten abreißt, so wahr hätte die Erde nicht ihre Entwickelung finden können, wenn das Mysterium von Golgatha nicht dagewesen wäre!
[ 22 ] Was in dem Mysterium von Golgatha liegt, um dasjenige, was aus einer höheren Region in eine tiefere heruntergestiegen ist, wieder heraufzubringen, das wird einem insbesondere klar, wenn man einzelne konkrete Dinge ins Auge faßt, wenn man sich die Frage vorlegt: Was würde denn geschehen mit der Erdenentwickelung, die durch den Menschen in die Naturordnung heruntergebracht worden ist — das sage ich nicht aus irgendeinem Ausspintisieren heraus, sondern ich sage es als ein ebensolches geisteswissenschaftliches Ergebnis, wie es die naturwissenschaftlichen Tatsachen sind: Was würde geschehen mit der Erdenentwickelung, nachdem sie durch die Menschen heruntergesunken ist, wenn das Mysterium von Golgatha nicht einen neuen Impuls gegeben hätte? So wahr, wie eine Pflanze sich nicht fortentwickeln kann, wenn man den Fruchtknoten abreißt, so wahr hätte die Erde nicht ihre Entwickelung finden können, wenn das Mysterium von Golgatha nicht dagewesen wäre!
[ 23 ] Heute stehen wir ja erst im fünften nachatlantischen Zeitraume. Im vierten, in seinem ersten Drittel, trat das Mysterium von Golgatha ein. Die eine Strömung, die abwärtsgehende, ist durchaus da, und derjenige, der nicht blind ist, kann auch durchaus beurteilen, daß sie da ist. Oh, es hat mit dem in die Tiefen des Wesens der Dinge eindringenden Denken sehr, sehr stark einen Niedergang genommen! Es ist gar sehr ein Abstieg zu bemerken in dem Denken, in dem Empfinden über das Wesen der Dinge, das in die Tiefe geht. Die kopernikanische Weltanschauung und ähnliche Dinge, sie sind gewiß großartige Erscheinungen in bezug auf die Oberflächenerkenntnis der Dinge, aber sie dringen nicht in die Tiefe, sie sind gerade dadurch zustandegekommen, daß man eine Zeitlang nicht in die Tiefe eingedrungen ist. Dieses Nicht-in-die-TiefeDringen würde immer weiter und weiter gehen. Und man kann schon heute einzelne konkrete Dinge angeben — so sehr man auch, wenn man sie angibt, als ein Phantast angesehen wird —, zu denen es kommen müßte, wenn die Richtung glatt so fortginge, die gewissermaßen schon veranlagt ist, die aufgegeben werden muß dadurch, daß der Impuls des Mysteriums von Golgatha immer mächtiger und mächtiger gemacht wird.
[ 23 ] Heute stehen wir ja erst im fünften nachatlantischen Zeitraume. Im vierten, in seinem ersten Drittel, trat das Mysterium von Golgatha ein. Die eine Strömung, die abwärtsgehende, ist durchaus da, und derjenige, der nicht blind ist, kann auch durchaus beurteilen, daß sie da ist. Oh, es hat mit dem in die Tiefen des Wesens der Dinge eindringenden Denken sehr, sehr stark einen Niedergang genommen! Es ist gar sehr ein Abstieg zu bemerken in dem Denken, in dem Empfinden über das Wesen der Dinge, das in die Tiefe geht. Die kopernikanische Weltanschauung und ähnliche Dinge, sie sind gewiß großartige Erscheinungen in bezug auf die Oberflächenerkenntnis der Dinge, aber sie dringen nicht in die Tiefe, sie sind gerade dadurch zustandegekommen, daß man eine Zeitlang nicht in die Tiefe eingedrungen ist. Dieses Nicht-in-die-TiefeDringen würde immer weiter und weiter gehen. Und man kann schon heute einzelne konkrete Dinge angeben — so sehr man auch, wenn man sie angibt, als ein Phantast angesehen wird —, zu denen es kommen müßte, wenn die Richtung glatt so fortginge, die gewissermaßen schon veranlagt ist, die aufgegeben werden muß dadurch, daß der Impuls des Mysteriums von Golgatha immer mächtiger und mächtiger gemacht wird.
[ 24 ] Ich bitte, sehen Sie mit mir für einige Augenblicke wie durch ein Fenster in die Entwickelungsmöglichkeiten, und vergessen Sie, indem ich Sie durch ein Fenster blicken lasse, für die Außenwelt, was ich gesagt habe, damit Sie nicht zu stark durch das Schildern einer Tatsache ausgelacht werden. Denn natürlich erhebt sich heute noch ein Hohngelächter der Hölle, wenn man so etwas ausspricht. Wenn die Gesinnung, die heute zum Beispiel herrscht auf dem Boden der reinen Universitäts-Naturwissenschaft, weiter so fortgeht, wenn sie sich ausbreiten würde, namentlich wenn sie intensiver und intensiver werden würde wir leben im fünften nachatlantischen Zeitraum, und zwar erst im Anfang, es wird ein sechster, ein siebenter kommen —, da würden gewisse Dinge, wenn das Mysterium von Golgatha nicht eine vertiefte Auffassung erführe, ganz sonderbare Formen annehmen. Heute nun, wenn einer von einer neuen wissenschaftlichen Anschauung über den Sündenfall so redet, wie es hier geschehen ist, so reden würde außerhalb eines vorbereiteten Kreises, außerhalb eines Kreises, der sich durch Jahre angeeignet hat Vorstellungen, die ihm beweisen, daß die Sachen ganz. wissenschaftlich bewiesen werden können, so würde er im Beginne dieses unseres fünften nachatlantischen Zeitraumes eben bloß für einen Narren gehalten werden, selbstverständlich; er würde ausgelacht werden, verhöhnt werden. Man würde ihm ganz sicher, wenn man nur merken würde, daß er solche Anschauungen hat, draußen in der materialistischen Welt kein sonderliches Vertrauen entgegenbringen, in der Welt, die außerhalb des Christentums steht. Aber im sechsten nachatlantischen Zeitraum würde es noch ganz anders werden, und es wird auch anders werden bei einem Teil der Menschheit; es wird harte Kämpfe geben, um den Christus-Impuls durchzuführen.
[ 24 ] Ich bitte, sehen Sie mit mir für einige Augenblicke wie durch ein Fenster in die Entwickelungsmöglichkeiten, und vergessen Sie, indem ich Sie durch ein Fenster blicken lasse, für die Außenwelt, was ich gesagt habe, damit Sie nicht zu stark durch das Schildern einer Tatsache ausgelacht werden. Denn natürlich erhebt sich heute noch ein Hohngelächter der Hölle, wenn man so etwas ausspricht. Wenn die Gesinnung, die heute zum Beispiel herrscht auf dem Boden der reinen Universitäts-Naturwissenschaft, weiter so fortgeht, wenn sie sich ausbreiten würde, namentlich wenn sie intensiver und intensiver werden würde wir leben im fünften nachatlantischen Zeitraum, und zwar erst im Anfang, es wird ein sechster, ein siebenter kommen —, da würden gewisse Dinge, wenn das Mysterium von Golgatha nicht eine vertiefte Auffassung erführe, ganz sonderbare Formen annehmen. Heute nun, wenn einer von einer neuen wissenschaftlichen Anschauung über den Sündenfall so redet, wie es hier geschehen ist, so reden würde außerhalb eines vorbereiteten Kreises, außerhalb eines Kreises, der sich durch Jahre angeeignet hat Vorstellungen, die ihm beweisen, daß die Sachen ganz. wissenschaftlich bewiesen werden können, so würde er im Beginne dieses unseres fünften nachatlantischen Zeitraumes eben bloß für einen Narren gehalten werden, selbstverständlich; er würde ausgelacht werden, verhöhnt werden. Man würde ihm ganz sicher, wenn man nur merken würde, daß er solche Anschauungen hat, draußen in der materialistischen Welt kein sonderliches Vertrauen entgegenbringen, in der Welt, die außerhalb des Christentums steht. Aber im sechsten nachatlantischen Zeitraum würde es noch ganz anders werden, und es wird auch anders werden bei einem Teil der Menschheit; es wird harte Kämpfe geben, um den Christus-Impuls durchzuführen.
[ 25 ] Heute denkt man, mit der Zuchtrute des Hohnes, mit der Zuchtrute der Verspottung oder, wie man es oftmals nennt, der Zuchtrute der Kritik, zu begegnen demjenigen, der versucht, aus den geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen die Wahrheit zu sagen. Im sechsten Zeitraum wird man anfangen, diese Leute zu heilen — zu heilen! Das heißt, man wird bis dahin Arzneien erfunden haben, die man denen zwangsgemäß beibringen wird, welche davon reden, daß es eine Norm des Guten und des Bösen gibt, daß Gut und Böse etwas anderes ist als Menschensatzung. Es wird eine Zeit kommen, da wird man sagen: Wie redet ihr von Gut und Böse? Gut und Böse, das macht der Staat. Was in den Gesetzen steht, daß es gut ist, das ist gut; was in den Gesetzen: steht, daß es unterlassen werden soll, das ist böse. Wenn ihr davon redet, daß es ein moralisches Gut und Böse gibt, so seid ihr krank! — Und man gibt ihnen Arzneien, und man wird die Leute kurieren. Das ist die Tendenz. Das ist keine Übertreibung, das ist nur das Fenster, durch das ich Sie blicken lassen möchte. Dahin geht der Lauf der Zeit. Und was im siebenten nachatlantischen Zeitraum folgen würde — durch dieses Fenster will ich Sie vorläufig nicht blicken lassen. Aber wahr ist es. Kommen wird eine Zeit, denn das läßt sich ja nicht zurückschrauben, was in der Menschennatur ist, es wird schon auf eine solche Weise allmählich zum Ausdruck kommen, daß man nach den Begriffen der naturwissenschaftlichen Weltanschauung die Menschen wird für krank ansehen können, und die notwendige Heilung wird herbeizuführen versuchen. Das ist nicht eine Phantasie. Gerade die allernüchternste Betrachtung der Wirklichkeit, die gibt das, von dem da gesprochen wird. Und wer nur Augen hat zu sehen und Ohren zu hören, der sieht überall die Anfänge dazu.
[ 25 ] Heute denkt man, mit der Zuchtrute des Hohnes, mit der Zuchtrute der Verspottung oder, wie man es oftmals nennt, der Zuchtrute der Kritik, zu begegnen demjenigen, der versucht, aus den geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen die Wahrheit zu sagen. Im sechsten Zeitraum wird man anfangen, diese Leute zu heilen — zu heilen! Das heißt, man wird bis dahin Arzneien erfunden haben, die man denen zwangsgemäß beibringen wird, welche davon reden, daß es eine Norm des Guten und des Bösen gibt, daß Gut und Böse etwas anderes ist als Menschensatzung. Es wird eine Zeit kommen, da wird man sagen: Wie redet ihr von Gut und Böse? Gut und Böse, das macht der Staat. Was in den Gesetzen steht, daß es gut ist, das ist gut; was in den Gesetzen: steht, daß es unterlassen werden soll, das ist böse. Wenn ihr davon redet, daß es ein moralisches Gut und Böse gibt, so seid ihr krank! — Und man gibt ihnen Arzneien, und man wird die Leute kurieren. Das ist die Tendenz. Das ist keine Übertreibung, das ist nur das Fenster, durch das ich Sie blicken lassen möchte. Dahin geht der Lauf der Zeit. Und was im siebenten nachatlantischen Zeitraum folgen würde — durch dieses Fenster will ich Sie vorläufig nicht blicken lassen. Aber wahr ist es. Kommen wird eine Zeit, denn das läßt sich ja nicht zurückschrauben, was in der Menschennatur ist, es wird schon auf eine solche Weise allmählich zum Ausdruck kommen, daß man nach den Begriffen der naturwissenschaftlichen Weltanschauung die Menschen wird für krank ansehen können, und die notwendige Heilung wird herbeizuführen versuchen. Das ist nicht eine Phantasie. Gerade die allernüchternste Betrachtung der Wirklichkeit, die gibt das, von dem da gesprochen wird. Und wer nur Augen hat zu sehen und Ohren zu hören, der sieht überall die Anfänge dazu.
[ 26 ] Da handelt es sich darum, in aller Tiefe einzusehen und allmählich ins Leben überzuführen, daß dasjenige, was menschlicher Ätherleib ist, nicht so ist — und darum handelt es sich ja eigentlich, denn davon geht alles übrige aus —, zunächst nicht so ist, wie es ursprünglich für den Menschen bestimmt war. Denn dieser menschliche Ätherleib, der enthält unter dem verschiedenen Ätherischen, das er ursprünglich enthielt — und er enthielt ursprünglich alle Athersorten in völliger Lebendigkeit —, heute die Wärme. Daher hat der Mensch mit den Tieren, die er in seinen «Fall» mit hineingebracht hat, warmes Blut. Da hat der Mensch die Möglichkeit, den Wärmeäther in besonderer Weise zu verarbeiten. Aber schon mit dem Lichtäther ist es nicht so. Den Lichtäther nimmt der Mensch zwar auf, aber er strahlt ihn so aus, daß nur ein gewisses niederes Hellsehen dazu kommt, in der Aura die ätherischen Farben im Menschen zu sehen. Die sind vorhanden. Aber außerdem ist der Mensch auch für einen eigenen Ton veranlagt gewesen, in der ganzen Harmonie der Sphären mit seinem eigenen Ton und mit einem ursprünglichen Leben, so daß der Ätherleib immer die Möglichkeit gehabt hätte, den physischen Leib unsterblich zu erhalten, wenn dieser Ätherleib seine ursprüngliche Lebendigkeit beibehalten hätte. Es würden andere Dinge nicht gekommen sein. Denn wäre dieser Ätherleib in seiner ursprünglichen Gestalt geblieben, so wäre der Mensch ja in der oberen Region geblieben, von der er in die untere heruntergestiegen ist. Er wäre dann nicht der luziferischen Versuchung verfallen. In dieser oberen Region wären ganz andere Verhältnisse gewesen. Die waren aber einmal. Und solche Geister wie Saint-Martin hatten noch ein gewisses Bewußtsein, daß solche Verhältnisse einmal waren. Daher sprechen sie von diesen Verhältnissen wie von einer einstmaligen Realität.
[ 26 ] Da handelt es sich darum, in aller Tiefe einzusehen und allmählich ins Leben überzuführen, daß dasjenige, was menschlicher Ätherleib ist, nicht so ist — und darum handelt es sich ja eigentlich, denn davon geht alles übrige aus —, zunächst nicht so ist, wie es ursprünglich für den Menschen bestimmt war. Denn dieser menschliche Ätherleib, der enthält unter dem verschiedenen Ätherischen, das er ursprünglich enthielt — und er enthielt ursprünglich alle Athersorten in völliger Lebendigkeit —, heute die Wärme. Daher hat der Mensch mit den Tieren, die er in seinen «Fall» mit hineingebracht hat, warmes Blut. Da hat der Mensch die Möglichkeit, den Wärmeäther in besonderer Weise zu verarbeiten. Aber schon mit dem Lichtäther ist es nicht so. Den Lichtäther nimmt der Mensch zwar auf, aber er strahlt ihn so aus, daß nur ein gewisses niederes Hellsehen dazu kommt, in der Aura die ätherischen Farben im Menschen zu sehen. Die sind vorhanden. Aber außerdem ist der Mensch auch für einen eigenen Ton veranlagt gewesen, in der ganzen Harmonie der Sphären mit seinem eigenen Ton und mit einem ursprünglichen Leben, so daß der Ätherleib immer die Möglichkeit gehabt hätte, den physischen Leib unsterblich zu erhalten, wenn dieser Ätherleib seine ursprüngliche Lebendigkeit beibehalten hätte. Es würden andere Dinge nicht gekommen sein. Denn wäre dieser Ätherleib in seiner ursprünglichen Gestalt geblieben, so wäre der Mensch ja in der oberen Region geblieben, von der er in die untere heruntergestiegen ist. Er wäre dann nicht der luziferischen Versuchung verfallen. In dieser oberen Region wären ganz andere Verhältnisse gewesen. Die waren aber einmal. Und solche Geister wie Saint-Martin hatten noch ein gewisses Bewußtsein, daß solche Verhältnisse einmal waren. Daher sprechen sie von diesen Verhältnissen wie von einer einstmaligen Realität.
[ 27 ] Lassen wir nur eines von diesen Verhältnissen einmal vor unsere Seele treten. So, wie der Mensch heute spricht, hätte er nicht sprechen können, denn er hätte sein Wort niemals so geprägt, daß die Sprache in verschiedene Sprachen differenziert worden wäre. Denn daß die Sprache in verschiedene Sprachen differenziert worden ist, das rührt nur davon her, daß die Sprache etwas Bleibendes wurde. Aber die Sprache war dazumal nicht veranlagt, etwas Bleibendes zu sein, sondern sie war zu etwas ganz anderem veranlagt. Sie müssen sich nur lebendig vorstellen, wozu der Mensch veranlagt war. Wird einmal wirklich ein Funke von Goethescher Weltanschauung — ich meine jetzt nicht bloß der Theorie, sondern der Seele nach — in der Menschheit sein, so wird man einsehen, was mit einem solchen Satz gemeint ist, auch aus der Goetheschen Weltanschauung heraus. Stellen Sie sich nur einmal vor, der Mensch hätte die ursprünglichen Anlagen, die ihm zugedacht waren. Da würde er hingeschaut haben auf dasjenige, was von außen auf ihn Eindrücke machen kann. Aber es würden nicht bloß Farben, Töne herankommen an ihn, nicht bloß dasjenige, was von außen die Eindrücke sind, sondern es würde überall Geist herausfließen aus den Dingen: mit der roten Farbe zugleich der Geist des Rot, mit der grünen Farbe der Geist des Grün und so weiter. Überall würde der Geist an ihn herankommen, wovon Goethe nur eine Ahnung hatte, indem er sagte: Ja, wenn diese Pflanze nur eine Idee sein soll, so sehe ich meine Ideen, dann sind sie draußen wie Farben. — Das ist eine ahnungsvolle Idee. Dies bitte ich Sie, sich in konkreter, vollsubstantieller Wirklichkeit vorzustellen: daß wirklich der Geist lebendig herankommt. Wenn aber die äußeren Eindrücke so lebendig herangekommen wären, dann würde — es begegnet sich immer mit dem, was durch unser Haupt, durch unsere Sinne hereinkommt, dasjenige, was in unserer Atmung lebt —, es würde sich mit jedem äußeren Eindruck der Atmungsprozeß begegnen. Ein Rot: der Eindruck kommt von außen herein; von innen kommt ihm die Atmung entgegen, die aber dann Ton wäre. Mit jedem einzelnen Eindruck würde der Ton aus dem Menschen entspringen. Eine Sprache, die bleibt, gäbe es nicht, sondern es würde immer jedes Ding, jeder Eindruck unmittelbar mit einer tönenden Geste von innen beantwortet. Man stünde mit dem Worte ganz in der äußeren Wesenheit darinnen. Von dieser lebendig-flüssigen Sprache ist dasjenige, was sich als Sprache dann ausgebildet hat, nur die irdische Projektion, das Heruntergefallene, das Abgefallene. Und an diese ursprüngliche Sprache, die man spricht mit der ganzen Welt, erinnert der Ausdruck, der heute so wenig verstanden wird, der Ausdruck von dem «verlorengegangenen Wort». Aber an diesen ursprünglichen Geist, wo der Mensch nicht nur Augen hatte zu sehen, sondern Augen hatte, den Geist wahrzunehmen, und wo er im Innern seines Atmungsprozesses auf die Wahrnehmung des Auges antwortete mit der tönenden Geste — an dieses lebendige Mitdem-Geiste-Zusammensein erinnert das Wort: «Im Urbeginne war das Wort, und das Wort war bei Gott, und ein Gott war das Wort.» Von diesem Leben in dem Göttlichen spricht der Beginn des Johannes-Evangeliums.
[ 27 ] Lassen wir nur eines von diesen Verhältnissen einmal vor unsere Seele treten. So, wie der Mensch heute spricht, hätte er nicht sprechen können, denn er hätte sein Wort niemals so geprägt, daß die Sprache in verschiedene Sprachen differenziert worden wäre. Denn daß die Sprache in verschiedene Sprachen differenziert worden ist, das rührt nur davon her, daß die Sprache etwas Bleibendes wurde. Aber die Sprache war dazumal nicht veranlagt, etwas Bleibendes zu sein, sondern sie war zu etwas ganz anderem veranlagt. Sie müssen sich nur lebendig vorstellen, wozu der Mensch veranlagt war. Wird einmal wirklich ein Funke von Goethescher Weltanschauung — ich meine jetzt nicht bloß der Theorie, sondern der Seele nach — in der Menschheit sein, so wird man einsehen, was mit einem solchen Satz gemeint ist, auch aus der Goetheschen Weltanschauung heraus. Stellen Sie sich nur einmal vor, der Mensch hätte die ursprünglichen Anlagen, die ihm zugedacht waren. Da würde er hingeschaut haben auf dasjenige, was von außen auf ihn Eindrücke machen kann. Aber es würden nicht bloß Farben, Töne herankommen an ihn, nicht bloß dasjenige, was von außen die Eindrücke sind, sondern es würde überall Geist herausfließen aus den Dingen: mit der roten Farbe zugleich der Geist des Rot, mit der grünen Farbe der Geist des Grün und so weiter. Überall würde der Geist an ihn herankommen, wovon Goethe nur eine Ahnung hatte, indem er sagte: Ja, wenn diese Pflanze nur eine Idee sein soll, so sehe ich meine Ideen, dann sind sie draußen wie Farben. — Das ist eine ahnungsvolle Idee. Dies bitte ich Sie, sich in konkreter, vollsubstantieller Wirklichkeit vorzustellen: daß wirklich der Geist lebendig herankommt. Wenn aber die äußeren Eindrücke so lebendig herangekommen wären, dann würde — es begegnet sich immer mit dem, was durch unser Haupt, durch unsere Sinne hereinkommt, dasjenige, was in unserer Atmung lebt —, es würde sich mit jedem äußeren Eindruck der Atmungsprozeß begegnen. Ein Rot: der Eindruck kommt von außen herein; von innen kommt ihm die Atmung entgegen, die aber dann Ton wäre. Mit jedem einzelnen Eindruck würde der Ton aus dem Menschen entspringen. Eine Sprache, die bleibt, gäbe es nicht, sondern es würde immer jedes Ding, jeder Eindruck unmittelbar mit einer tönenden Geste von innen beantwortet. Man stünde mit dem Worte ganz in der äußeren Wesenheit darinnen. Von dieser lebendig-flüssigen Sprache ist dasjenige, was sich als Sprache dann ausgebildet hat, nur die irdische Projektion, das Heruntergefallene, das Abgefallene. Und an diese ursprüngliche Sprache, die man spricht mit der ganzen Welt, erinnert der Ausdruck, der heute so wenig verstanden wird, der Ausdruck von dem «verlorengegangenen Wort». Aber an diesen ursprünglichen Geist, wo der Mensch nicht nur Augen hatte zu sehen, sondern Augen hatte, den Geist wahrzunehmen, und wo er im Innern seines Atmungsprozesses auf die Wahrnehmung des Auges antwortete mit der tönenden Geste — an dieses lebendige Mitdem-Geiste-Zusammensein erinnert das Wort: «Im Urbeginne war das Wort, und das Wort war bei Gott, und ein Gott war das Wort.» Von diesem Leben in dem Göttlichen spricht der Beginn des Johannes-Evangeliums.
[ 28 ] Ja, das ist das eine. Das andere aber ist das: Beim Atmungsprozeß, insofern er sich nach dem Haupte hinauf fortsetzt, indem wir einatmen und ausatmen, geht ja nicht bloß im Wechselverkehr mit der Außenwelt etwas vor sich, sondern da kommt eine Pulsation unseres ganzen Organismus zustande. Es begegnet sich der Atmungsprozeß im Haupte mit den Eindrücken, die wir von außen haben. Aber auch im unteren Organismus begegnet sich der Atmungsprozeß mit dem Stoffwechselprozeß. Hätte der Mensch die ursprüngliche Belebung seines Ätherleibes noch, dann würde mit dem Prozeß des Atmens etwas ganz anderes noch verbunden sein, als heute damit verbunden ist. Denn das, was der Stoffwechselprozeß ist, ist nicht so ganz unabhängig vom Atmungsprozeß, nur liegt die Abhängigkeit, ich möchte sagen, hinter den Kulissen des Daseins, im Okkulten. Aber sie würde auf einem ganz anderen Plane liegen, wenn der Mensch seinen ursprünglich belebten Ätherleib weiter behalten hätte, wenn der nicht gewissermaßen abgedämpft worden wäre in seinem Leben, was ja auch von innen heraus, nicht nur durch den äußeren physischen Leib, sondern von innen heraus, gerade den Tod bewirkt. Hätte der Mensch seine ursprüngliche Veranlagung beibehalten, dann würde er einen solchen Stoffwechsel haben, daß hervorgebracht würde etwas Substantielles durch den Menschen. Und dieses Substantielle würde der eine Pol sein. Nicht Absonderungen bloß würde der Mensch hervorbringen, sondern ein Substantielles durch den Stoffwechsel. Das würde der eine Pol sein. Der andere Pol würde die vom Menschen ausgeatmete Luft sein, die aber Formgewalten in sich haben würde. Das Substantielle, das der Mensch entwickelt, würde ergriffen von den Formgewalten seines Ausgeatmeten. Das würde in seiner Umgebung durch ihn dasjenige hervorbringen, was die Tierwelt ursprünglich hat werden sollen. Denn die Tierwelt ist eine Absonderung vom Menschen, sollte eine Absonderung sein, damit der Mensch gewissermaßen die Herrschaft seines Daseins über sich hinaus verbreitete. Die Tiere sind durchaus so zu denken. Das geht ja aus all den Betrachtungen, die ich Ihnen gegeben habe, hervor.
[ 28 ] Ja, das ist das eine. Das andere aber ist das: Beim Atmungsprozeß, insofern er sich nach dem Haupte hinauf fortsetzt, indem wir einatmen und ausatmen, geht ja nicht bloß im Wechselverkehr mit der Außenwelt etwas vor sich, sondern da kommt eine Pulsation unseres ganzen Organismus zustande. Es begegnet sich der Atmungsprozeß im Haupte mit den Eindrücken, die wir von außen haben. Aber auch im unteren Organismus begegnet sich der Atmungsprozeß mit dem Stoffwechselprozeß. Hätte der Mensch die ursprüngliche Belebung seines Ätherleibes noch, dann würde mit dem Prozeß des Atmens etwas ganz anderes noch verbunden sein, als heute damit verbunden ist. Denn das, was der Stoffwechselprozeß ist, ist nicht so ganz unabhängig vom Atmungsprozeß, nur liegt die Abhängigkeit, ich möchte sagen, hinter den Kulissen des Daseins, im Okkulten. Aber sie würde auf einem ganz anderen Plane liegen, wenn der Mensch seinen ursprünglich belebten Ätherleib weiter behalten hätte, wenn der nicht gewissermaßen abgedämpft worden wäre in seinem Leben, was ja auch von innen heraus, nicht nur durch den äußeren physischen Leib, sondern von innen heraus, gerade den Tod bewirkt. Hätte der Mensch seine ursprüngliche Veranlagung beibehalten, dann würde er einen solchen Stoffwechsel haben, daß hervorgebracht würde etwas Substantielles durch den Menschen. Und dieses Substantielle würde der eine Pol sein. Nicht Absonderungen bloß würde der Mensch hervorbringen, sondern ein Substantielles durch den Stoffwechsel. Das würde der eine Pol sein. Der andere Pol würde die vom Menschen ausgeatmete Luft sein, die aber Formgewalten in sich haben würde. Das Substantielle, das der Mensch entwickelt, würde ergriffen von den Formgewalten seines Ausgeatmeten. Das würde in seiner Umgebung durch ihn dasjenige hervorbringen, was die Tierwelt ursprünglich hat werden sollen. Denn die Tierwelt ist eine Absonderung vom Menschen, sollte eine Absonderung sein, damit der Mensch gewissermaßen die Herrschaft seines Daseins über sich hinaus verbreitete. Die Tiere sind durchaus so zu denken. Das geht ja aus all den Betrachtungen, die ich Ihnen gegeben habe, hervor.
[ 29 ] Darauf kommt übrigens heute schon ein wenig die Naturwissenschaft, daß die Tiere ursprünglich viel verwandter waren mit dem Menschen, wie ich es auch schon erwähnt habe; also nicht so, wie es sich der grobe materialistische Darwinismus vorstellt, daß der Mensch heraufgestiegen ist, sondern die Tiere sind herabgestiegen. Heute kann man dem ganzen Zusammenhang des Menschen mit der Tierwelt nicht den ursprünglichen Geist mehr ansehen. So wie die Pflanzenwelt nicht an ihr Ende kommt mit der Entwickelung, so offenbart die Tierwelt _ nicht ihren Ursprung. Die Tiere sind da neben dem Menschen. Die Naturforscher denken nach, wie sie sich hätten entwickeln können. Die Gründe, warum sie da sind neben dem Menschen, die liegen erst in der Region, aus welcher der Mensch heruntergestiegen ist. Daher kann man sie nicht finden da, wo sie Darwin und seine materialistischen Ausleger suchen. Sie liegen in den großen vorgeschichtlichen Ereignissen.
[ 29 ] Darauf kommt übrigens heute schon ein wenig die Naturwissenschaft, daß die Tiere ursprünglich viel verwandter waren mit dem Menschen, wie ich es auch schon erwähnt habe; also nicht so, wie es sich der grobe materialistische Darwinismus vorstellt, daß der Mensch heraufgestiegen ist, sondern die Tiere sind herabgestiegen. Heute kann man dem ganzen Zusammenhang des Menschen mit der Tierwelt nicht den ursprünglichen Geist mehr ansehen. So wie die Pflanzenwelt nicht an ihr Ende kommt mit der Entwickelung, so offenbart die Tierwelt _ nicht ihren Ursprung. Die Tiere sind da neben dem Menschen. Die Naturforscher denken nach, wie sie sich hätten entwickeln können. Die Gründe, warum sie da sind neben dem Menschen, die liegen erst in der Region, aus welcher der Mensch heruntergestiegen ist. Daher kann man sie nicht finden da, wo sie Darwin und seine materialistischen Ausleger suchen. Sie liegen in den großen vorgeschichtlichen Ereignissen.
[ 30 ] Und nehmen Sie dazu die Tatsache, die ich Ihnen neulich sagte, daß für denjenigen, der die Dinge geisteswissenschaftlich durchschaut, das klar wird, daß im sechsten, siebenten Jahrtausend die Menschheit in ihrem gegenwärtigen Sinne anfängt, unfruchtbar zu werden. Die Frauen, sagte ich, werden unfruchtbar. Es wird auf die gegenwärtige Art die Menschheit sich nicht fortpflanzen können. Das muß eine Metamorphose durchmachen, das muß wieder den Anschluß finden an eine höhere Welt. Damit dies geschehen kann, daß die Welt nicht nur in die Dekadenz kommt, wo «geheilt» würde alles Gesinntsein zum Guten und Bösen, damit das Gute und Böse, alles Sich-Bekennen zum Guten und Bösen, nicht bloß als Staats-, als Menschensatzung angesehen würde, damit das nicht zustande komme in der Zeit, wo die gegenwärtige Naturordnung innerhalb des Menschengeschlechts mit Notwendigkeit aufhört, ein Menschengeschlecht zu erhalten — denn mit derselben Notwendigkeit, mit der bei der Frau in einem gewissen Alter eine Fruchtbarkeit aufhört, so hört in der Erdenentwickelung mit einem bestimmten Zeitpunkte die Möglichkeit auf, daß die Menschen sich fortpflanzen in der bisherigen Weise —, damit das nicht eintrete, dazu kam der Christus-Impuls.
[ 30 ] Und nehmen Sie dazu die Tatsache, die ich Ihnen neulich sagte, daß für denjenigen, der die Dinge geisteswissenschaftlich durchschaut, das klar wird, daß im sechsten, siebenten Jahrtausend die Menschheit in ihrem gegenwärtigen Sinne anfängt, unfruchtbar zu werden. Die Frauen, sagte ich, werden unfruchtbar. Es wird auf die gegenwärtige Art die Menschheit sich nicht fortpflanzen können. Das muß eine Metamorphose durchmachen, das muß wieder den Anschluß finden an eine höhere Welt. Damit dies geschehen kann, daß die Welt nicht nur in die Dekadenz kommt, wo «geheilt» würde alles Gesinntsein zum Guten und Bösen, damit das Gute und Böse, alles Sich-Bekennen zum Guten und Bösen, nicht bloß als Staats-, als Menschensatzung angesehen würde, damit das nicht zustande komme in der Zeit, wo die gegenwärtige Naturordnung innerhalb des Menschengeschlechts mit Notwendigkeit aufhört, ein Menschengeschlecht zu erhalten — denn mit derselben Notwendigkeit, mit der bei der Frau in einem gewissen Alter eine Fruchtbarkeit aufhört, so hört in der Erdenentwickelung mit einem bestimmten Zeitpunkte die Möglichkeit auf, daß die Menschen sich fortpflanzen in der bisherigen Weise —, damit das nicht eintrete, dazu kam der Christus-Impuls.
[ 31 ] Da haben Sie den Christus-Impuls hineingestellt in die ganze Erdenentwickelung. Und ich möchte den kennen, der glauben kann, daß der Christus-Impuls irgend etwas von seiner Hoheit, von seiner Erhabenheit verliert, wenn man ihn so in die ganze Weltenordnung hineinstellt, wenn man, mit anderen Worten, diesem Christus-Impuls wirklich seinen kosmischen Rang wieder zurückgibt, wenn man wirklich denkt: im Anfang der Erdenentwickelung und am Ende der Erdenentwickelung liegt eine andere Ordnung, als heute die Naturordnung ist und die nichts Physisches in sich enthaltende moralische Ordnung. Aber daß am Ende der Erdenentwickelung dasjenige liege, was des Anfanges der Erdenentwickelung würdig ist, dazu mußte der Christus-Impuls kommen. $o stellt sich der Christus-Impuls in unsere Erdenentwickelung hinein. So muß er aber auch eingesehen werden. Und wer nicht äußerlich die Worte der Evangelien nimmt, sondern wer wirklich auch den von dem Christus geforderten echten Glauben aufbringt, der kann schon in den Evangelien finden alle Anlagen, alle Veranlagung, allmählich immer mehr und mehr solches Verständnis des Christus-Impulses herbeizuführen, das dann auch wiederum der äußeren Betrachtung gewachsen ist, das den Christus-Impuls wieder anknüpfen kann an die ganze kosmische Weltenordnung. Man versteht nur gewisse Dinge in der Bibel erst, wenn man an sie herangeht mit der zugrunde gelegten geisteswissenschaftlichen Forschung.
[ 31 ] Da haben Sie den Christus-Impuls hineingestellt in die ganze Erdenentwickelung. Und ich möchte den kennen, der glauben kann, daß der Christus-Impuls irgend etwas von seiner Hoheit, von seiner Erhabenheit verliert, wenn man ihn so in die ganze Weltenordnung hineinstellt, wenn man, mit anderen Worten, diesem Christus-Impuls wirklich seinen kosmischen Rang wieder zurückgibt, wenn man wirklich denkt: im Anfang der Erdenentwickelung und am Ende der Erdenentwickelung liegt eine andere Ordnung, als heute die Naturordnung ist und die nichts Physisches in sich enthaltende moralische Ordnung. Aber daß am Ende der Erdenentwickelung dasjenige liege, was des Anfanges der Erdenentwickelung würdig ist, dazu mußte der Christus-Impuls kommen. $o stellt sich der Christus-Impuls in unsere Erdenentwickelung hinein. So muß er aber auch eingesehen werden. Und wer nicht äußerlich die Worte der Evangelien nimmt, sondern wer wirklich auch den von dem Christus geforderten echten Glauben aufbringt, der kann schon in den Evangelien finden alle Anlagen, alle Veranlagung, allmählich immer mehr und mehr solches Verständnis des Christus-Impulses herbeizuführen, das dann auch wiederum der äußeren Betrachtung gewachsen ist, das den Christus-Impuls wieder anknüpfen kann an die ganze kosmische Weltenordnung. Man versteht nur gewisse Dinge in der Bibel erst, wenn man an sie herangeht mit der zugrunde gelegten geisteswissenschaftlichen Forschung.
[ 32 ] Sehen Sie, da steht geschrieben: Es soll kein Jota und kein Häkchen geändert werden an dem Gesetz. — Das erklären manche Ausleger so, als ob gemeint wäre, der Christus habe alles so, wie es eben im Judentum war, lassen und nur seinerseits noch etwas hinzutun wollen. Das wäre der eigentliche Sinn dieser Stelle, daß er sich gegen das Judentum eigentlich nicht auflehnen, sondern nur so noch etwas dazutun wollte. — Das ist zunächst nicht mit dieser Stelle gemeint, und es darf auch keine Stelle im Evangelium herausgerissen werden aus ihrem Zusammenhang, sondern es ist gerade der intensivste Zusammenhang im Evangelium zu finden. Wer diesen Zusammenhang studiert — ich kann in diesem Augenblick nicht auf alle Einzelheiten eingehen, die zwingen, dasjenige anzuerkennen, was ich nun aussprechen will —, wer diesen Zusammenhang studiert, der findet das Folgende. Der Christus will sagen in diesem Augenblick, da, wo er von Jota und Häkchen spricht: Damals, in älteren Zeiten, als das Gesetz entstanden ist, da war die Menschheit noch mit den alten Erbgütern jener Erdenweisheit ausgestattet, war noch nicht so weit heruntergekommen, wie sie jetzt ist, wo das Reich des Gottes nahe ist, wo die Umkehr stattfinden muß, eine Sinnesänderung. Damals, in alten Zeiten, da gab es noch die prophetischen Männer, die Prophetenpersönlichkeiten, die aus dem Geiste heraus das Gesetz finden konnten. Ihr aber, die ihr jetzt im Reiche der Welt hier herum lebt, ihr seid nicht mehr fähig, irgend etwas zum Gesetze hinzuzufügen oder zu ändern. Es darf nicht ein Jota und nicht ein Häkchen geändert werden, wenn das Gesetz echt bleiben soll. Denn um Gesetzesänderungen zu machen auf diesen Wegen, dazu ist jetzt nicht mehr die Zeit; das muß so stehenbleiben, wie es ist. Im Gegenteil, man muß versuchen, mit dem Neu-Errungenen den alten Sinn wieder zu erkennen. Ihr seid die Schriftgelehrten, aber ihr seid nicht fähig, irgend etwas von der Schrift zu erkennen. Denn ihr müßtet zu dem Geiste, in dem sie ursprünglich geschrieben ist, kommen. Ihr seid draußen im Reiche der Welt; da entstehen nicht neue Gesetze. Diejenigen, die herinnen sind im Geistigen, sie sind es, denen der Impuls gegeben wird, der Impuls der lebendigen Kraft, von dem ich letzthin sagte, daß er sogar so gegeben werden mußte, daß er nicht aufgeschrieben wurde von dem Christus. Ihr aber, ihr nehmt etwas, was nicht ins Gesetz geschrieben werden soll, das unmittelbar leben muß, ihr nehmt etwas ganz anderes. Ihr müßt anfangen damit, überhaupt die Welt ganz anders zu beurteilen, als sie zunächst als äußere Sinneswelt ausschaut.
[ 32 ] Sehen Sie, da steht geschrieben: Es soll kein Jota und kein Häkchen geändert werden an dem Gesetz. — Das erklären manche Ausleger so, als ob gemeint wäre, der Christus habe alles so, wie es eben im Judentum war, lassen und nur seinerseits noch etwas hinzutun wollen. Das wäre der eigentliche Sinn dieser Stelle, daß er sich gegen das Judentum eigentlich nicht auflehnen, sondern nur so noch etwas dazutun wollte. — Das ist zunächst nicht mit dieser Stelle gemeint, und es darf auch keine Stelle im Evangelium herausgerissen werden aus ihrem Zusammenhang, sondern es ist gerade der intensivste Zusammenhang im Evangelium zu finden. Wer diesen Zusammenhang studiert — ich kann in diesem Augenblick nicht auf alle Einzelheiten eingehen, die zwingen, dasjenige anzuerkennen, was ich nun aussprechen will —, wer diesen Zusammenhang studiert, der findet das Folgende. Der Christus will sagen in diesem Augenblick, da, wo er von Jota und Häkchen spricht: Damals, in älteren Zeiten, als das Gesetz entstanden ist, da war die Menschheit noch mit den alten Erbgütern jener Erdenweisheit ausgestattet, war noch nicht so weit heruntergekommen, wie sie jetzt ist, wo das Reich des Gottes nahe ist, wo die Umkehr stattfinden muß, eine Sinnesänderung. Damals, in alten Zeiten, da gab es noch die prophetischen Männer, die Prophetenpersönlichkeiten, die aus dem Geiste heraus das Gesetz finden konnten. Ihr aber, die ihr jetzt im Reiche der Welt hier herum lebt, ihr seid nicht mehr fähig, irgend etwas zum Gesetze hinzuzufügen oder zu ändern. Es darf nicht ein Jota und nicht ein Häkchen geändert werden, wenn das Gesetz echt bleiben soll. Denn um Gesetzesänderungen zu machen auf diesen Wegen, dazu ist jetzt nicht mehr die Zeit; das muß so stehenbleiben, wie es ist. Im Gegenteil, man muß versuchen, mit dem Neu-Errungenen den alten Sinn wieder zu erkennen. Ihr seid die Schriftgelehrten, aber ihr seid nicht fähig, irgend etwas von der Schrift zu erkennen. Denn ihr müßtet zu dem Geiste, in dem sie ursprünglich geschrieben ist, kommen. Ihr seid draußen im Reiche der Welt; da entstehen nicht neue Gesetze. Diejenigen, die herinnen sind im Geistigen, sie sind es, denen der Impuls gegeben wird, der Impuls der lebendigen Kraft, von dem ich letzthin sagte, daß er sogar so gegeben werden mußte, daß er nicht aufgeschrieben wurde von dem Christus. Ihr aber, ihr nehmt etwas, was nicht ins Gesetz geschrieben werden soll, das unmittelbar leben muß, ihr nehmt etwas ganz anderes. Ihr müßt anfangen damit, überhaupt die Welt ganz anders zu beurteilen, als sie zunächst als äußere Sinneswelt ausschaut.
[ 33 ] Damit war zuerst der große Impuls gegeben, die Welt anders zu beurteilen, als wie sie als äußere Sinneswelt ausschaut. Das kann sich nur langsam und allmählich einleben. Manchmal, ich möchte sagen, hat ein Mensch so einen Anfall, im christlichen Sinne zu sprechen; dann lacht man ihn aus. Schelling, Hegel haben manchmal sich verleiten lassen wenn sie auch wiederum, besonders von katholischer Seite, nicht als die richtigen Christen angesehen werden —, sie haben sich verleiten lassen, etwas echt Christliches zu sagen. Aber gerade das können Sie auf die schärfste Weise getadelt finden. Man hat ihnen eingewendet: Ja, aber das ist nicht so in der Natur, wie ihr das sagt! — Und da ließen sich Schelling und Hegel einmal verleiten zu sagen: Um so schlimmer für die Natur! — Das ist zwar nicht naturwissenschaftlich im heutigen Sinne gesprochen, aber christlich ist es gesprochen, ebenso wie es christlich gesprochen ist, wenn der Christus Jesus selber sagt: Wenn die Schriftgelehrten noch so viel von Gesetzen sprechen, das ist nicht das Gesetz. Es ist nicht nur ein Jota und Häkchen, es ist da vieles vom Gesetz geändert; denn die reden aus der äußeren Welt, nicht aus dem Reiche Gottes heraus. Wer aus dem Reiche Gottes heraus redet, der redet von einer Weltenordnung, von der die Naturordnung nur ein untergeordneter Teil ist. — Darauf muß man erwidern: Um so schlimmer für die Natur! Denn Goethe würde auch gesagt haben, wenn man ihm eingewendet hätte: Du sagst, der Pflanzenwelt liege die Sexualität nicht zugrunde, aber sieh dir die Pflanze an; die Naturforschung zeigt dir, daß überall der Wind den Antherenstaub treiben muß auf die Fruchtknoten, — er würde gesagt haben, wenn er seine innerste Gesinnung ausgesprochen hätte: Um so schlimmer für die Pflanzenwelt, daß es so weit gekommen ist innerhalb der Naturordnung!
[ 33 ] Damit war zuerst der große Impuls gegeben, die Welt anders zu beurteilen, als wie sie als äußere Sinneswelt ausschaut. Das kann sich nur langsam und allmählich einleben. Manchmal, ich möchte sagen, hat ein Mensch so einen Anfall, im christlichen Sinne zu sprechen; dann lacht man ihn aus. Schelling, Hegel haben manchmal sich verleiten lassen wenn sie auch wiederum, besonders von katholischer Seite, nicht als die richtigen Christen angesehen werden —, sie haben sich verleiten lassen, etwas echt Christliches zu sagen. Aber gerade das können Sie auf die schärfste Weise getadelt finden. Man hat ihnen eingewendet: Ja, aber das ist nicht so in der Natur, wie ihr das sagt! — Und da ließen sich Schelling und Hegel einmal verleiten zu sagen: Um so schlimmer für die Natur! — Das ist zwar nicht naturwissenschaftlich im heutigen Sinne gesprochen, aber christlich ist es gesprochen, ebenso wie es christlich gesprochen ist, wenn der Christus Jesus selber sagt: Wenn die Schriftgelehrten noch so viel von Gesetzen sprechen, das ist nicht das Gesetz. Es ist nicht nur ein Jota und Häkchen, es ist da vieles vom Gesetz geändert; denn die reden aus der äußeren Welt, nicht aus dem Reiche Gottes heraus. Wer aus dem Reiche Gottes heraus redet, der redet von einer Weltenordnung, von der die Naturordnung nur ein untergeordneter Teil ist. — Darauf muß man erwidern: Um so schlimmer für die Natur! Denn Goethe würde auch gesagt haben, wenn man ihm eingewendet hätte: Du sagst, der Pflanzenwelt liege die Sexualität nicht zugrunde, aber sieh dir die Pflanze an; die Naturforschung zeigt dir, daß überall der Wind den Antherenstaub treiben muß auf die Fruchtknoten, — er würde gesagt haben, wenn er seine innerste Gesinnung ausgesprochen hätte: Um so schlimmer für die Pflanzenwelt, daß es so weit gekommen ist innerhalb der Naturordnung!
[ 34 ] Aber auf der anderen Seite werden solche Geister auch immer betonen: Es muß ausgehen von der menschlichen Auffassung, es muß sich einleben in die menschliche Empfindung so, daß es die Menschen denken, empfinden, erleben können, es muß wiederum Realität werden können — bis in das sechste, siebente Jahrtausend hinein muß es so Realität werden können —, daß dasjenige, was der Mensch spricht, das Wort, eine solche Kraft wiederum haben kann auf die Außenwelt, wie es heute der Same hat. Das Wort muß wiederum die Kraft gewinnen; das Wort, das heute abstrakt ist, es muß schöpferische Kraft gewinnen, das Wort, das im Urbeginne war. Und wer sich nicht getraut, aus geisteswissenschaftlichen Grundlagen heraus heute das Wort des Johannes-Evangeliums zu ergänzen, indem er nicht nur sagt: «Im Urbeginne war das Wort, und das Wort war bei Gott, und ein Gott war das Wort», sondern hinzufügt: «Es wird einstmals das Wort wieder sein!» der redet nicht in dem Sinne, den der Christus Jesus gemeint hat. Denn der Christus Jesus hat schon seine Worte so gesetzt, daß sie gar sehr der Außenwelt widersprechen. Aber natürlich: Er hat den Impuls gegeben. Ich möchte sagen, die schiefe Ebene nach abwärts ist mittlerweile noch weiter gegangen, und es muß eine immer größere und größere Kraft aufgewendet werden im Christus-Impuls, um die Erde in die Aufwärtsbewegung hineinzubringen. In gewisser Beziehung sind wir durchaus ein Stück nach aufwärts gekommen seit dem Mysterium von Golgatha, aber zumeist ist es ohne das denkende Bewußtsein geschehen. Es müssen die Menschen aber auch lernen, in bewußter Weise wiederum mitzuwirken in dem Weltenprozeß. Sie müssen lernen nicht bloß zu glauben: Wenn ich denke, da geht etwas in meinem Gehirn vor, sondern lernen zu erkennen: Wenn ich denke, da geschieht etwas im Kosmos! — Und sie müssen lernen so zu denken, daß anvertraut werde das Denken dem Kosmos, daß mit dem Kosmos das Menschenwesen selber wiederum in demselben Maße verbunden werde.
[ 34 ] Aber auf der anderen Seite werden solche Geister auch immer betonen: Es muß ausgehen von der menschlichen Auffassung, es muß sich einleben in die menschliche Empfindung so, daß es die Menschen denken, empfinden, erleben können, es muß wiederum Realität werden können — bis in das sechste, siebente Jahrtausend hinein muß es so Realität werden können —, daß dasjenige, was der Mensch spricht, das Wort, eine solche Kraft wiederum haben kann auf die Außenwelt, wie es heute der Same hat. Das Wort muß wiederum die Kraft gewinnen; das Wort, das heute abstrakt ist, es muß schöpferische Kraft gewinnen, das Wort, das im Urbeginne war. Und wer sich nicht getraut, aus geisteswissenschaftlichen Grundlagen heraus heute das Wort des Johannes-Evangeliums zu ergänzen, indem er nicht nur sagt: «Im Urbeginne war das Wort, und das Wort war bei Gott, und ein Gott war das Wort», sondern hinzufügt: «Es wird einstmals das Wort wieder sein!» der redet nicht in dem Sinne, den der Christus Jesus gemeint hat. Denn der Christus Jesus hat schon seine Worte so gesetzt, daß sie gar sehr der Außenwelt widersprechen. Aber natürlich: Er hat den Impuls gegeben. Ich möchte sagen, die schiefe Ebene nach abwärts ist mittlerweile noch weiter gegangen, und es muß eine immer größere und größere Kraft aufgewendet werden im Christus-Impuls, um die Erde in die Aufwärtsbewegung hineinzubringen. In gewisser Beziehung sind wir durchaus ein Stück nach aufwärts gekommen seit dem Mysterium von Golgatha, aber zumeist ist es ohne das denkende Bewußtsein geschehen. Es müssen die Menschen aber auch lernen, in bewußter Weise wiederum mitzuwirken in dem Weltenprozeß. Sie müssen lernen nicht bloß zu glauben: Wenn ich denke, da geht etwas in meinem Gehirn vor, sondern lernen zu erkennen: Wenn ich denke, da geschieht etwas im Kosmos! — Und sie müssen lernen so zu denken, daß anvertraut werde das Denken dem Kosmos, daß mit dem Kosmos das Menschenwesen selber wiederum in demselben Maße verbunden werde.
[ 35 ] Was im äußeren Leben wird eintreten müssen, damit der ChristusImpuls wirklich leben kann auch im äußeren sozialen Leben, davon werden diejenigen Menschen, die heute schon etwas davon wissen, heute noch nichts sagen, denn es gibt gewisse Gründe, die das zurückhalten. Nur unter bestimmten Voraussetzungen kann man davon sprechen. Ich möchte sagen, man kann nur charakterisieren. Aber nehmen Sie den Zeitpunkt, auf den hin ich Sie habe durch ein Fenster blicken lassen wollen, wo man medizinisch behandeln wird diejenigen Menschen, die etwas anderes anerkennen als Staatssatzungen. Nehmen Sie diesen Zeitpunkt! Bis zu diesem Zeitpunkt wird aber auch eine Gegenwirkung geschehen sein. Jenes wird zwar bei einem Teil der Menschheit eintreten, aber ein anderer Teil der Menschheit wird den ChristusImpuls in die Zukunft hineintragen, und es wird eine Gegenwirkung geschehen. Es wird ein Kampf stattfinden zwischen dem niedergehenden und dem aufgehenden Reiche. Und der Christus-Impuls wird lebendig bleiben. Wenn in unserem Jahrhundert der ätherische Christus kommt, so wird von da ausgehend der Christus-Impuls in einer Weise lebendig werden, daß er imstande sein wird, solche Impulse in der Menschenseele zu erzeugen, die es allmählich unmöglich machen werden, daß regiert werde so, daß dem Regieren werden zugrunde liegen Ehrgeiz oder Eitelkeit und selbst Vorurteile oder Irrtum sogar. Es gibt eine Möglichkeit, solche Regierungsgrundsätze zu finden, welche die Eitelkeit, die Ruhmsucht, die Vorurteile, und sogar Kopflosigkeit und den Irrtum ausschließen. Aber nur auf dem Wege der richtigen, konkreten Erfassung des Christus-Impulses gibt es das. Parlamente werden diese Impulse nicht beschließen, das wird auf andere Weise in die Welt kommen. Aber die Strömung geht dahin. Dahin geht dasjenige, was man nennen könnte die Sehnsucht, neben der Erfassung des Christus in der Weltenentwickelung, einzuleben den Christus in die soziale Entwickelung der Menschheit. Dazu gehört aber das Umdenken in vieler Beziehung. Und Stärkung wird dazu gehören, die wirklich so etwas ernst zu nehmen vermag, wie das, was ich Ihnen angeführt habe für den Christus. Als er sprach, was er eigentlich zu sagen hatte, da sind die anderen so in Wut gekommen, daß sie ihn haben zum Berge herunterwerfen wollen. Man soll sich wirklich die Weltenentwickelung nicht allzu leicht vorstellen. Man soll sich nur schon klar darüber sein, daß derjenige, der über manche Dinge das Richtige zu sagen hat, schon solcher Stimmung begegnet sein kann, wie diejenige war, die dazumal dem Christus Jesus entgegentrat, als er den Berg heruntergeworfen werden sollte.
[ 35 ] Was im äußeren Leben wird eintreten müssen, damit der ChristusImpuls wirklich leben kann auch im äußeren sozialen Leben, davon werden diejenigen Menschen, die heute schon etwas davon wissen, heute noch nichts sagen, denn es gibt gewisse Gründe, die das zurückhalten. Nur unter bestimmten Voraussetzungen kann man davon sprechen. Ich möchte sagen, man kann nur charakterisieren. Aber nehmen Sie den Zeitpunkt, auf den hin ich Sie habe durch ein Fenster blicken lassen wollen, wo man medizinisch behandeln wird diejenigen Menschen, die etwas anderes anerkennen als Staatssatzungen. Nehmen Sie diesen Zeitpunkt! Bis zu diesem Zeitpunkt wird aber auch eine Gegenwirkung geschehen sein. Jenes wird zwar bei einem Teil der Menschheit eintreten, aber ein anderer Teil der Menschheit wird den ChristusImpuls in die Zukunft hineintragen, und es wird eine Gegenwirkung geschehen. Es wird ein Kampf stattfinden zwischen dem niedergehenden und dem aufgehenden Reiche. Und der Christus-Impuls wird lebendig bleiben. Wenn in unserem Jahrhundert der ätherische Christus kommt, so wird von da ausgehend der Christus-Impuls in einer Weise lebendig werden, daß er imstande sein wird, solche Impulse in der Menschenseele zu erzeugen, die es allmählich unmöglich machen werden, daß regiert werde so, daß dem Regieren werden zugrunde liegen Ehrgeiz oder Eitelkeit und selbst Vorurteile oder Irrtum sogar. Es gibt eine Möglichkeit, solche Regierungsgrundsätze zu finden, welche die Eitelkeit, die Ruhmsucht, die Vorurteile, und sogar Kopflosigkeit und den Irrtum ausschließen. Aber nur auf dem Wege der richtigen, konkreten Erfassung des Christus-Impulses gibt es das. Parlamente werden diese Impulse nicht beschließen, das wird auf andere Weise in die Welt kommen. Aber die Strömung geht dahin. Dahin geht dasjenige, was man nennen könnte die Sehnsucht, neben der Erfassung des Christus in der Weltenentwickelung, einzuleben den Christus in die soziale Entwickelung der Menschheit. Dazu gehört aber das Umdenken in vieler Beziehung. Und Stärkung wird dazu gehören, die wirklich so etwas ernst zu nehmen vermag, wie das, was ich Ihnen angeführt habe für den Christus. Als er sprach, was er eigentlich zu sagen hatte, da sind die anderen so in Wut gekommen, daß sie ihn haben zum Berge herunterwerfen wollen. Man soll sich wirklich die Weltenentwickelung nicht allzu leicht vorstellen. Man soll sich nur schon klar darüber sein, daß derjenige, der über manche Dinge das Richtige zu sagen hat, schon solcher Stimmung begegnet sein kann, wie diejenige war, die dazumal dem Christus Jesus entgegentrat, als er den Berg heruntergeworfen werden sollte.
[ 36 ] In einer Zeit, wo allerdings die Menschen so denken: Nur ja nicht viel über das oder jenes hinausgehen! Nur ja nicht anstoßen! Nur ja nicht in den Geruch kommen, gegen das eine oder andere Rebellion zu machen! — in einem solchen Zeitalter bereitet sich das vor, und vielleicht gerade in einem solchen Zeitalter mit Recht. In den Untergründen des Bewußtseins bereitet es sich vor; aber es ist eben an der Oberfläche wenig zu sehen davon. An der Oberfläche herrscht das unchristliche Prinzip der Opportunität, das unchristliche Prinzip, das sich nirgends zu der christgemäßen Anklage erheben kann: Für euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ist allerdings das Reich Gottes nicht! Nur muß man erst verstehen, was heute an der Stelle steht, die Christus gedeutet hat, als er damals von den Schriftgelehrten und Pharisäern sprach. Entschuldigende Worte hat man ja viele für dasjenige, was der Christus Jesus gesagt hat. Und ein moderner Prediger, allerdings keiner, der innerhalb einer positiven Kirchengemeinde steht, der hat mancherlei Schönes über den Christus Jesus gesagt, aber er hat sich doch nicht enthalten können zu sagen: Ein praktischer Mensch war er eigentlich nicht, denn er hat ja geraten zum Beispiel, so zu leben wie die Vögel in der Luft: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen und damit käme man doch in der heutigen Welt nicht gerade weit. — Dieser Prediger, er hat sich nur nicht sehr angestrengt, den Impuls, der in den Evangelien liegt, wirklich zu begreifen. Es macht ja manchmal Schwierigkeiten, so das Wort zu hören, das Wort zu lesen: Schlägt dich einer auf die eine Backe, so halte ihm auch die andere hin. Nimmt dir einer den Mantel, so laß ihm auch den Rock. Will jemand etwas von dir haben, so gib es ihm. Nimmt dir einer dein Eigentum, so fordere es nicht zurück.
[ 36 ] In einer Zeit, wo allerdings die Menschen so denken: Nur ja nicht viel über das oder jenes hinausgehen! Nur ja nicht anstoßen! Nur ja nicht in den Geruch kommen, gegen das eine oder andere Rebellion zu machen! — in einem solchen Zeitalter bereitet sich das vor, und vielleicht gerade in einem solchen Zeitalter mit Recht. In den Untergründen des Bewußtseins bereitet es sich vor; aber es ist eben an der Oberfläche wenig zu sehen davon. An der Oberfläche herrscht das unchristliche Prinzip der Opportunität, das unchristliche Prinzip, das sich nirgends zu der christgemäßen Anklage erheben kann: Für euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ist allerdings das Reich Gottes nicht! Nur muß man erst verstehen, was heute an der Stelle steht, die Christus gedeutet hat, als er damals von den Schriftgelehrten und Pharisäern sprach. Entschuldigende Worte hat man ja viele für dasjenige, was der Christus Jesus gesagt hat. Und ein moderner Prediger, allerdings keiner, der innerhalb einer positiven Kirchengemeinde steht, der hat mancherlei Schönes über den Christus Jesus gesagt, aber er hat sich doch nicht enthalten können zu sagen: Ein praktischer Mensch war er eigentlich nicht, denn er hat ja geraten zum Beispiel, so zu leben wie die Vögel in der Luft: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen und damit käme man doch in der heutigen Welt nicht gerade weit. — Dieser Prediger, er hat sich nur nicht sehr angestrengt, den Impuls, der in den Evangelien liegt, wirklich zu begreifen. Es macht ja manchmal Schwierigkeiten, so das Wort zu hören, das Wort zu lesen: Schlägt dich einer auf die eine Backe, so halte ihm auch die andere hin. Nimmt dir einer den Mantel, so laß ihm auch den Rock. Will jemand etwas von dir haben, so gib es ihm. Nimmt dir einer dein Eigentum, so fordere es nicht zurück.
[ 37 ] Nun, wenn man all das liest, was zur milden Auffassung dieser nicht sehr beliebten Stelle vorgebracht worden ist, so muß man sagen: Im Verzeihen gegenüber dem Christus Jesus, daß er so sonderbare Worte manchmal gesprochen hat, hat es ja die moderne Menschheit ein wenig weit gebracht. Verziehen hat man schon manches, damit man nur das Evangelium erhalten kann, nach seiner Fasson erhalten kann. Aber bei allen diesen Dingen handelt es sich viel mehr darum, die Dinge zu verstehen. Nun ist das wiederum schwer, weil alle diese Dinge im vollen Zusammenhang drinnenstehen. Aber ahnen kann man wenigstens den Zusammenhang, wenn man nur weiterliest, nachdem da steht: Nimmt dir einer dein Eigentum, so fordere es nicht zurück — und es kommt der Satz im Lukas-Evangelium, im Matthäus-Evangelium ist es noch klarer: Wie ihr von den anderen behandelt zu werden wünscht, so behandelt auch sie. — Das ist natürlich auf das Vorhergehende anzuwenden. Der Christus verlangt die Kraft des Glaubens, das Vertrauen zu den Dingen.
[ 37 ] Nun, wenn man all das liest, was zur milden Auffassung dieser nicht sehr beliebten Stelle vorgebracht worden ist, so muß man sagen: Im Verzeihen gegenüber dem Christus Jesus, daß er so sonderbare Worte manchmal gesprochen hat, hat es ja die moderne Menschheit ein wenig weit gebracht. Verziehen hat man schon manches, damit man nur das Evangelium erhalten kann, nach seiner Fasson erhalten kann. Aber bei allen diesen Dingen handelt es sich viel mehr darum, die Dinge zu verstehen. Nun ist das wiederum schwer, weil alle diese Dinge im vollen Zusammenhang drinnenstehen. Aber ahnen kann man wenigstens den Zusammenhang, wenn man nur weiterliest, nachdem da steht: Nimmt dir einer dein Eigentum, so fordere es nicht zurück — und es kommt der Satz im Lukas-Evangelium, im Matthäus-Evangelium ist es noch klarer: Wie ihr von den anderen behandelt zu werden wünscht, so behandelt auch sie. — Das ist natürlich auf das Vorhergehende anzuwenden. Der Christus verlangt die Kraft des Glaubens, das Vertrauen zu den Dingen.
[ 38 ] Ja, wenn der Christus Jesus nur diejenigen Begriffe entwickeln würde, die in der Außenwelt an der Oberfläche so unmittelbar leben, dann hätte er natürlich niemals sagen können: Wenn dir jemand den Mantel nimmt, so gib ihm auch noch den Rock. — Aber er redet ja nicht von dem, was da draußen herrschen soll, denn das ist für die Schriftgelehrten, was da draußen herrschen soll, das ist für die Hohenpriester; er redet von dem Reiche der Himmel, und er will an dieser Stelle besonders klarmachen, daß da andere Gesetze walten als in der äußeren Welt. Und vergleichen Sie die Stelle, wie sie hier steht, mit der Art, wie sie im Matthäus-Evangelium steht — es müssen diese Dinge auch einmal einer richtigen Übersetzung unterliegen —, da werden Sie sehen, daß der Christus Jesus etwas sagen will, was eine Glaubensgesinnung in dem Menschen anregt, die vor allen Dingen unnötig macht alles dasjenige, was an Gesetzesbestimmungen, an menschlichen Satzungen aufgestellt wird über das Stehlen von Rock und Mantel. Denn dadurch, daß man bloß lehrt — so will der Christus Jesus sagen —: «Du sollst nicht stehlen», ist nichts getan. Sie wissen, er sagt: Von dem Gesetz soll kein Jota genommen werden; aber so in der ursprünglichen Fassung ist es heute kein Impuls mehr. Man muß wirklich die Kraft in sich entwickeln, unter Umständen, solange überhaupt die Ordnung da ist, daß jemand einem den Mantel nehmen kann, ihm auch noch den Rock zu geben. Denn unter dem Einfluß der Gesinnung: Wie du nicht von anderen behandelt zu werden wünschest, so behandle auch sie nicht! — unter dem Einfluß der Gesinnung, wenn man vor allen Dingen diese Gesinnung zu einer allgemeinen macht, wird keiner einem den Mantel nehmen können. Aber es nimmt einem nur dann keiner den Mantel, wenn derjenige, dem der Mantel genommen werden soll, wirklich die Kraft der Gesinnung hat: Sobald er mir den Mantel nimmt, gebe ich ihm auch den Rock.
[ 38 ] Ja, wenn der Christus Jesus nur diejenigen Begriffe entwickeln würde, die in der Außenwelt an der Oberfläche so unmittelbar leben, dann hätte er natürlich niemals sagen können: Wenn dir jemand den Mantel nimmt, so gib ihm auch noch den Rock. — Aber er redet ja nicht von dem, was da draußen herrschen soll, denn das ist für die Schriftgelehrten, was da draußen herrschen soll, das ist für die Hohenpriester; er redet von dem Reiche der Himmel, und er will an dieser Stelle besonders klarmachen, daß da andere Gesetze walten als in der äußeren Welt. Und vergleichen Sie die Stelle, wie sie hier steht, mit der Art, wie sie im Matthäus-Evangelium steht — es müssen diese Dinge auch einmal einer richtigen Übersetzung unterliegen —, da werden Sie sehen, daß der Christus Jesus etwas sagen will, was eine Glaubensgesinnung in dem Menschen anregt, die vor allen Dingen unnötig macht alles dasjenige, was an Gesetzesbestimmungen, an menschlichen Satzungen aufgestellt wird über das Stehlen von Rock und Mantel. Denn dadurch, daß man bloß lehrt — so will der Christus Jesus sagen —: «Du sollst nicht stehlen», ist nichts getan. Sie wissen, er sagt: Von dem Gesetz soll kein Jota genommen werden; aber so in der ursprünglichen Fassung ist es heute kein Impuls mehr. Man muß wirklich die Kraft in sich entwickeln, unter Umständen, solange überhaupt die Ordnung da ist, daß jemand einem den Mantel nehmen kann, ihm auch noch den Rock zu geben. Denn unter dem Einfluß der Gesinnung: Wie du nicht von anderen behandelt zu werden wünschest, so behandle auch sie nicht! — unter dem Einfluß der Gesinnung, wenn man vor allen Dingen diese Gesinnung zu einer allgemeinen macht, wird keiner einem den Mantel nehmen können. Aber es nimmt einem nur dann keiner den Mantel, wenn derjenige, dem der Mantel genommen werden soll, wirklich die Kraft der Gesinnung hat: Sobald er mir den Mantel nimmt, gebe ich ihm auch den Rock.
[ 39 ] Das muß soziale Ordnung sein. Ist das soziale Ordnung, dann wird nicht gestohlen. Das will der Christus sagen, weil das das Reich Gottes ist gegenüber dem Reiche der Welt. In einer Welt, wo jener Grundsatz herrscht: ich gebe dem den Rock, der mir den Mantel nimmt! — in dieser Welt wird nicht gestohlen. Aber man muß die Kraft des Glaubens entwickeln, das heißt die Sittlichkeit muß beruhen auf dieser inneren Kraft des Glaubens, das heißt, sie muß ein Wunder sein. Jede sittliche Tat muß ein Wunder sein; sie darf nicht bloß eine Naturtatsache sein, sie muß ein Wunder sein. Der Mensch muß des Wunders fähig sein. Weil die ursprüngliche Weltenordnung aus ihrer Höhe hat heruntergeholt werden können in eine niedere Region, muß der bloßen Naturordnung wiederum eine übernatürliche moralische Ordnung entgegengesetzt werden, die mehr tut, als die bloße Naturordnung befolgen. Es ist nicht genug, wenn ihr bloß die alten Gebote, die unter anderen Voraussetzungen gegeben worden sind, haltet, auch nicht, wenn ihr sie umwandelt, sondern wenn ihr euch in die andere Ordnung, die nicht die Naturordnung ist, einlebt: daß, wenn mir jemand den Mantel nimmt, ich so gesinnt bin, daß ich ihm auch den Rock gebe, daß ich ihn nicht zu Gericht schleife. Im Matthäus-Evangelium ist ausgedrückt, daß der Christus Jesus die Gerichte ausschalten will. Aber es hätte gar keinen Sinn, an die Stelle von Mantel und Rock unmittelbar anschließen zu lassen «Wie ihr von anderen behandelt zu werden wünscht, so behandelt auch sie», wenn nicht die Sache auf ein anderes Reich gemünzt wäre, ‚auf das Reich, in dem Wunder geschehen. Denn der Christus Jesus hat die Zeichen, die Wunder getan aus seiner großen, seiner überirdischen Glaubenskraft. Niemand, der den Menschen bloß betrachtet als Naturwesen, der nicht die Kraft aufbringt, ihn als etwas anderes zu betrachten als ein Naturwesen, kann das tun, was der Christus getan hat. Nun verlangt der Christus als Anschauung, daß, wenigstens im moralischen Gebiet, in der Vorstellung mehr lebt als in der äußeren Wirklichkeit. In der äußeren Wirklichkeit heißt es so: Wenn dir jemand deinen Mantel nimmt, so nimm ihn wieder zurück! Aber mit diesem Grundsatz begründet man keine soziale Ordnung im Sinne des ChristusImpulses. Da muß man mehr haben in der Vorstellung als dasjenige, was bloß der Außenwelt entspricht. Sonst würde ein sonderbarer Zusammenhang zwischen diesen einzelnen Sätzen zustande kommen. Denn denken Sie einmal, wenn Sie die Sache so durchführen: «Schlägt dich einer auf die eine Backe, so halte ihm auch die andere hin. Nimmt dir einer den Mantel, so laß ihm auch den Rock. Will jemand etwas von dir haben, so gib es ihm. Nimmt dir einer dein Eigentum, so fordere es nicht zurück.» — Und: «Wie ihr von den anderen behandelt zu werden wünscht, so behandelt auch sie!»: «Schlägst du einen auf die eine Bakke, so setze nur gleich voraus, daß er dir die andere auch reicht, damit du deine Lust an der zweiten auch befriedigen kannst; nimmst du einem den Mantel, so bleibe nicht dabei, sondern nimm ihm auch den Rock weg; willst du von jemand etwas haben, so sorge dafür, daß er es dir gibt» und so weiter — das würde die Umkehrung des Satzes sein, unter dem Einfluß des Nachsatzes «Wie ihr von den anderen behandelt zu werden wünschet, so behandelt auch sie!»
[ 39 ] Das muß soziale Ordnung sein. Ist das soziale Ordnung, dann wird nicht gestohlen. Das will der Christus sagen, weil das das Reich Gottes ist gegenüber dem Reiche der Welt. In einer Welt, wo jener Grundsatz herrscht: ich gebe dem den Rock, der mir den Mantel nimmt! — in dieser Welt wird nicht gestohlen. Aber man muß die Kraft des Glaubens entwickeln, das heißt die Sittlichkeit muß beruhen auf dieser inneren Kraft des Glaubens, das heißt, sie muß ein Wunder sein. Jede sittliche Tat muß ein Wunder sein; sie darf nicht bloß eine Naturtatsache sein, sie muß ein Wunder sein. Der Mensch muß des Wunders fähig sein. Weil die ursprüngliche Weltenordnung aus ihrer Höhe hat heruntergeholt werden können in eine niedere Region, muß der bloßen Naturordnung wiederum eine übernatürliche moralische Ordnung entgegengesetzt werden, die mehr tut, als die bloße Naturordnung befolgen. Es ist nicht genug, wenn ihr bloß die alten Gebote, die unter anderen Voraussetzungen gegeben worden sind, haltet, auch nicht, wenn ihr sie umwandelt, sondern wenn ihr euch in die andere Ordnung, die nicht die Naturordnung ist, einlebt: daß, wenn mir jemand den Mantel nimmt, ich so gesinnt bin, daß ich ihm auch den Rock gebe, daß ich ihn nicht zu Gericht schleife. Im Matthäus-Evangelium ist ausgedrückt, daß der Christus Jesus die Gerichte ausschalten will. Aber es hätte gar keinen Sinn, an die Stelle von Mantel und Rock unmittelbar anschließen zu lassen «Wie ihr von anderen behandelt zu werden wünscht, so behandelt auch sie», wenn nicht die Sache auf ein anderes Reich gemünzt wäre, ‚auf das Reich, in dem Wunder geschehen. Denn der Christus Jesus hat die Zeichen, die Wunder getan aus seiner großen, seiner überirdischen Glaubenskraft. Niemand, der den Menschen bloß betrachtet als Naturwesen, der nicht die Kraft aufbringt, ihn als etwas anderes zu betrachten als ein Naturwesen, kann das tun, was der Christus getan hat. Nun verlangt der Christus als Anschauung, daß, wenigstens im moralischen Gebiet, in der Vorstellung mehr lebt als in der äußeren Wirklichkeit. In der äußeren Wirklichkeit heißt es so: Wenn dir jemand deinen Mantel nimmt, so nimm ihn wieder zurück! Aber mit diesem Grundsatz begründet man keine soziale Ordnung im Sinne des ChristusImpulses. Da muß man mehr haben in der Vorstellung als dasjenige, was bloß der Außenwelt entspricht. Sonst würde ein sonderbarer Zusammenhang zwischen diesen einzelnen Sätzen zustande kommen. Denn denken Sie einmal, wenn Sie die Sache so durchführen: «Schlägt dich einer auf die eine Backe, so halte ihm auch die andere hin. Nimmt dir einer den Mantel, so laß ihm auch den Rock. Will jemand etwas von dir haben, so gib es ihm. Nimmt dir einer dein Eigentum, so fordere es nicht zurück.» — Und: «Wie ihr von den anderen behandelt zu werden wünscht, so behandelt auch sie!»: «Schlägst du einen auf die eine Bakke, so setze nur gleich voraus, daß er dir die andere auch reicht, damit du deine Lust an der zweiten auch befriedigen kannst; nimmst du einem den Mantel, so bleibe nicht dabei, sondern nimm ihm auch den Rock weg; willst du von jemand etwas haben, so sorge dafür, daß er es dir gibt» und so weiter — das würde die Umkehrung des Satzes sein, unter dem Einfluß des Nachsatzes «Wie ihr von den anderen behandelt zu werden wünschet, so behandelt auch sie!»
[ 40 ] Sehen Sie, irdisch gesprochen, hat das ganze keinen Sinn. Es ist einfach sinnlos diese Aufeinanderfolge der Sätze. Sie gewinnt erst Sinn, wenn man die Voraussetzung macht: Derjenige, der sich beteiligen würde an jener Rettung der Welt, die durch den Christus-Impuls eingeleitet werden soll, wodurch die Welt wiederum hinaufgetragen werden soll in die höheren Regionen, der muß mehr als die Außenwelt von Grundsätzen ausgehen, die sich nicht bloß decken mit der Außenwelt; dann wird das geschehen, was den moralischen Ideen, den moralischen Vorstellungen wiederum physische Kraft geben kann.
[ 40 ] Sehen Sie, irdisch gesprochen, hat das ganze keinen Sinn. Es ist einfach sinnlos diese Aufeinanderfolge der Sätze. Sie gewinnt erst Sinn, wenn man die Voraussetzung macht: Derjenige, der sich beteiligen würde an jener Rettung der Welt, die durch den Christus-Impuls eingeleitet werden soll, wodurch die Welt wiederum hinaufgetragen werden soll in die höheren Regionen, der muß mehr als die Außenwelt von Grundsätzen ausgehen, die sich nicht bloß decken mit der Außenwelt; dann wird das geschehen, was den moralischen Ideen, den moralischen Vorstellungen wiederum physische Kraft geben kann.
[ 41 ] Zur Erfassung des Evangeliums im Sinne des Mysteriums von Golgatha gehört vor allen Dingen ein innerer Mut der Seele, den heute die Menschen sich aneignen müssen. Es gehört dazu, die Dinge ernst zu nehmen vor allen Dingen, bei denen von dem Christus Jesus im Gegensatz zu dem Reiche, das sich allmählich herausgebildet hatte unter der herabsteigenden Strömung, zu dem Reiche der Welt, die Reiche der Himmel hinzugefügt werden, ihm entgegengesetzt werden. Ja, dem, der in solchen Zeiten, wie die jetzigen es sind, Ostern so erlebt, dem können schon, meine lieben Freunde, Sehnsuchten kommen dahingehend, daß das Mysterium von Golgatha wiederum mit Mut verstanden werde, daß man sich verbinde mit dem Impuls von Golgatha mit Mut. Denn das Evangelium spricht in jedem seiner Teile: Mut! — enthält in jedem seiner Teile den Aufruf, nichts anderem zu folgen als jenem Impuls, den der Christus Jesus wirklich einprägt der Erdenentwickelung.
[ 41 ] Zur Erfassung des Evangeliums im Sinne des Mysteriums von Golgatha gehört vor allen Dingen ein innerer Mut der Seele, den heute die Menschen sich aneignen müssen. Es gehört dazu, die Dinge ernst zu nehmen vor allen Dingen, bei denen von dem Christus Jesus im Gegensatz zu dem Reiche, das sich allmählich herausgebildet hatte unter der herabsteigenden Strömung, zu dem Reiche der Welt, die Reiche der Himmel hinzugefügt werden, ihm entgegengesetzt werden. Ja, dem, der in solchen Zeiten, wie die jetzigen es sind, Ostern so erlebt, dem können schon, meine lieben Freunde, Sehnsuchten kommen dahingehend, daß das Mysterium von Golgatha wiederum mit Mut verstanden werde, daß man sich verbinde mit dem Impuls von Golgatha mit Mut. Denn das Evangelium spricht in jedem seiner Teile: Mut! — enthält in jedem seiner Teile den Aufruf, nichts anderem zu folgen als jenem Impuls, den der Christus Jesus wirklich einprägt der Erdenentwickelung.
[ 42 ] Ich wollte Ihnen durch eine solche Schilderung heute das Mysterium von Golgatha ein wenig nahebringen, um gerade einmal diese Seite tiefer zu betonen, die da zeigt, wie das Mysterium von Golgatha in die ganze kosmische Ordnung wiederum hineingestellt werden muß, und nur verstanden werden kann, wenn man auch das Evangelium so nimmt, als wenn eine höhere Form der Sprache durch dasselbe spräche, nicht die Sprache der Menschen. Das neunzehnte Jahrhundert hat in seiner theologischen Entwickelung, da, wo Theologie waltet als gelehrte Theologie, gerade versucht, das Evangelium herunterzuholen ins Menschenwort. Die nächste Aufgabe ist diese, das Evangelium wieder zu lesen vom Standpunkte des Gottes-Wortes. In dieser Beziehung wird Geisteswissenschaft dem Verständnisse des Evangeliums dienen.
[ 42 ] Ich wollte Ihnen durch eine solche Schilderung heute das Mysterium von Golgatha ein wenig nahebringen, um gerade einmal diese Seite tiefer zu betonen, die da zeigt, wie das Mysterium von Golgatha in die ganze kosmische Ordnung wiederum hineingestellt werden muß, und nur verstanden werden kann, wenn man auch das Evangelium so nimmt, als wenn eine höhere Form der Sprache durch dasselbe spräche, nicht die Sprache der Menschen. Das neunzehnte Jahrhundert hat in seiner theologischen Entwickelung, da, wo Theologie waltet als gelehrte Theologie, gerade versucht, das Evangelium herunterzuholen ins Menschenwort. Die nächste Aufgabe ist diese, das Evangelium wieder zu lesen vom Standpunkte des Gottes-Wortes. In dieser Beziehung wird Geisteswissenschaft dem Verständnisse des Evangeliums dienen.
