Building Stones for an Understanding
of the Mystery of Golgotha
GA 175
12 April 1917
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Building Stones for an Understanding of the Mystery of Golgotha, tr. Parker
Elfter Vortrag
Lecture IV
[ 1 ] Beschäftigt man sich geisteswissenschaftlich immer weiter und weiter nach den Prinzipien, die Ihnen bekannt sind, mit dem Mysterium von Golgatha, so kommt man dazu, anzuerkennen, daß kommende Zeiten immer tiefer und tiefer werden eindringen müssen in dieses Mysterium von Golgatha; wie in einen natürlichen Gang der Ereignisse werden sie immer tiefer und tiefer eindringen müssen. Und in bezug auf vieles wird man einsehen, daß dasjenige, was bisher von dem Mysterium von Golgatha erfaßt werden konnte, ja, auch dasjenige, was heute erfaßt werden kann, nur eine Art von Vorbereitung ist zu dem, was über dieses Mysterium von Golgatha erfaßt werden muß, und vor allen Dingen, was von der Erdenmenschheit durch das Mysterium von Golgatha wird gelebt werden müssen. Es ist ganz zweifellos richtig, daß dasjenige, was wir heute noch gezwungen sind innerhalb der geisteswissenschaftlichen Bewegung in einer komplizierten, wie manche vielleicht sagen «schwerverständlichen» Weise durch Heraufholung von allem Möglichen auseinanderzusetzen, daß das einmal einfach, wie man sagen könnte «einfältig», in einer geringen Anzahl von Worten an die Menschheit wird überliefert werden können. Das ist durchaus vorauszusetzen, daß es wird so sein können. Aber das ist einmal der Gang des Geisteslebens, daß die großen, einfachen, in wenigen Worten zu umfassenden Wahrheiten erst errungen werden müssen, erst erarbeitet werden müssen; daß man nicht zu jeder Zeit tiefste Wahrheiten auch gleich in einfachste Formeln bringen kann. Und daher müssen wir es schon als unser Zeitenkarma betrachten, daß wir heute noch manches zusammentragen müssen, um die ganze Schwere und die ganze Gewichtigkeit des Mysteriums von Golgatha einmal an unsere Seelen heranzuführen.
[ 1 ] The more we study the Mystery of Golgotha in the light of Spiritual Science, the more we realize that future generations will have to penetrate ever more deeply into this Mystery. In fact, what we have known of this Mystery hitherto and what we know of it today is but a preparation for a future understanding and especially for what will be experienced by mankind through this Mystery. A time will come when it will be possible to reveal to mankind in a few simple words what Spiritual Science, by exploring the widest fields of knowledge, is obliged to expound in a somewhat involved way, a way that some would perhaps say is “difficult to comprehend”. We can safely anticipate that this possibility will be realized. But the nature of spiritual development is such that the understanding of the greatest and simplest truths must be earned by patient effort, that the most profound truths cannot be reduced to simplest terms in every epoch. And therefore we must accept it as the karma of our epoch that we have much to learn before we can grasp the full import and the full gravity of the Mystery of Golgotha.
[ 2 ] Nun möchte ich zunächst heute in dieser wieder aphoristisch gehaltenen Besprechung davon ausgehen, daß es notwendig ist, die Anschauung, die Vorstellung von «Vertrauen», von «Glauben» als etwas Kraftgetragenem, wie wir letzthin auseinandersetzten, durchaus sehr bedeutsam zu nehmen.
[ 2 ] I should like to open our lecture today by emphasizing that we must attach great importance to the idea of faith, or trust, as an active and positive force.
[ 3 ] Man muß sich schon klarmachen, daß die äußere materialistische Weltanschauung, wenn wir sie so nennen dürfen, auf dem Wege ist, aus der Weltbetrachtung herauszuwerfen die moralische Betrachtung der Dinge. Ich habe es ja mehrfach auseinandergesetzt, wie bestrebt nicht nur das gelehrte, sondern auch das populäre, das einfachste Denken unserer Zeit ist, aus seiner Anschauung über den Werdegang der Welt das Moralische herauszuwerfen. Man stellt sich das heute so vor, daß man nur darauf Rücksicht nimmt, durch welche physikalischen, chemischen Gesetze am Anfang des Erdenbeginns aus einem Weltennebel heraus sich das irdische Dasein gebildet haben konnte, und man strebt danach zu begreifen, wie diese physikalischen Gesetze es bedingen werden, einmal eine Art Erdenende herbeizuführen. Unsere moralischen Vorstellungen gewinnen wir gewissermaßen neben diesen physischen Vorstellungen. Und ich deutete schon an, sie sind nicht stark genug, um Realität in sich zu haben: Dazu sind wir gewissermaßen in der Gegenwart verurteilt. Und diese Entwickelung innerhalb solcher Vorstellungen wird noch immer weiter und weitergehen. Es gilt doch heute dem Menschen, der feststehen will auf dem Boden der naturwissenschaftlichen Anschauung, natürlich als etwas geradezu Phantastisches, Abergläubisches, sich vorzustellen, daß am Ausgange unseres Erdendaseins eine Tat oder ein Geschehen steht, das moralisch zu beurteilen ist, wie es in der biblischen Geschichte vom Sündenfall der Fall ist. Und es reicht die heutige Vorstellung der Menschen nicht aus, um von dieser Vorstellung aus an das Ende des Erdendaseins eine moralische Entwickelung zu setzen, so daß gewissermaßen das, was physisch-chemisch in unserem Erdendasein vorgeht, durch etwas Moralisches herausgehoben würde zu einem anderen planetarischen Dasein, zu einem JupiterDasein. Es stehen nebeneinander naturwissenschaftliche Vorstellungen über Physisches und Vorstellungen über Moralisches; sie können einander sozusagen nicht gegenseitig tragen. Die Naturwissenschaft strebt darauf hin, das Moralische ganz aus ihrer Betrachtungsweise zu beseitigen, und das Moralische beginnt, ich möchte sagen, sich damit abzufinden, daß ihm keine physisch tragenden Kräfte innewohnen. Sogar die Dogmatik gewisser Religionsbekenntnisse sucht solche Vorstellungen auszubilden, die eine Art Kompromiß schließen mit der Naturwissenschaft, indem der Naturwissenschafter darauf aufmerksam macht, daß man das Moralische recht reinlich trennen soll von dem, was physisch, chemisch, geologisch und so weiter geschieht.
[ 3 ] We have to realize that both academic and popular thinking are at pains to exclude morality from their view of world evolution. Today scientists are interested only in the physical and chemical laws which determined the emergence of the Earth out of an original nebula and their aim is to discover how the end of the world will be determined by these same laws. To a certain extent we acquire our moral ideas in conjunction with these physical conceptions and I have already pointed out that they are not powerful enough to act as a positive force. Such is the position today. And in the future our moral ideas will become increasingly impotent. The idea that a deed or an occurrence, such as the “Fall”, which stands at the beginning of terrestrial existence, must be judged by moral laws is regarded by the scientific mind as sheer superstition. Our present understanding is not sufficient of itself to conceive of a moral evolution at the end of terrestrial existence whereby the physical and chemical processes of the Earth would be raised by a moral impulse to the Jupiter condition. Conceptions about what is physical and what is moral co-exist, but cannot, so to speak, “tolerate” each other; the two spheres are strictly delimited. Whilst natural science excludes morality entirely from its ideology, morality is resigned to the fact that it is without effective life, that it has no place in the physical world. Indeed certain religious confessions seek to accentuate this cleavage between the physical and the moral, which permits them to reach a kind of compromise with natural science in that the scientist emphasizes that a clear line of demarcation must be drawn between the sphere of morality and what belongs to the sphere of chemistry, physics and geology, etc.
[ 4 ] Nun werde ich heute den Ausgangspunkt nehmen von etwas, was scheinbar mit unserer Betrachtungsweise gar nicht zusammenhängt, aber uns gerade recht in dieselbe hereinführen wird. Ich möchte zunächst einmal darauf aufmerksam machen, daß nicht alle Menschen, welche sich Weltenbetrachtungen hingegeben haben, so veranlagt waren, daß sie gewissermaßen alle moralischen Urteile ausschlossen, wenn sie sich an die äußere Natur und an das Naturgeschehen gewandt haben. Das ist etwas außerordentlich Interessantes. Dem heutigen Botaniker wird gar nicht einfallen, moralische Begriffe anzuwenden, wenn er die Gesetze studieren will, nach denen die Pflanzen wachsen. Ja, er würde es als kindisch ansehen, wenn er moralische Maßstäbe an die Vegetation der Pflanzen anlegen sollte, wenn er gewissermaßen die Pflanzen um ihre Moral fragen würde. Denken Sie nur einmal, wie jemand angesehen würde, der nur Miene machte, so irgend etwas geltend zu machen. Aber nicht alle Menschen waren immer so. Und ich möchte Ihnen ein charakteristisches Beispiel eines Menschen geben, der nicht so war, eines Menschen, der von vielen nicht als ein Christ angesehen wird, der aber ein besserer Christ war in seiner Weltenbetrachtung als viele andere. Sie können insbesondere katholische Betrachtungen über Goethe aufschlagen, und Sie werden darin finden, daß Goethe — nun, er wird ja zuweilen, weil er doch eine gewisse Größe war, nachsichtig behandelt es mit dem Christentum nicht ernst genommen habe. Das wird insbesondere in katholischen Betrachtungen über Goethe recht kräftiglich hervorgehoben. In Goethe steckte jedoch seiner ganzen Veranlagung nach etwas tief Christliches, etwas viel tiefer Christliches als in sehr vielen solchen Christen, die nach einem bekannten Ausspruche bei jeder Gelegenheit das «Herr, Herr» auf der Zunge haben. Dieses «Herr, Herr» hatte Goethe allerdings nicht immer auf der Zunge, aber seine Betrachtungsweise der Welt hat einen Zug von tiefer Christlichkeit. Und da möchte ich auf etwas aufmerksam machen, auf das nicht sehr häufig bei Goethe aufmerksam gemacht wird.
[ 4 ] I propose to begin my lecture today with something that is seemingly wholly unrelated to our subject but which leads directly into it. First, let me say that not all who have devoted themselves to cosmology excluded moral judgements from their study of external nature and natural phenomena. It would never occur to the modern botanist to apply moral ideas to the laws of plant growth. He would consider it childish to apply moral standards to the plant kingdom or to enquire into plant morality. Imagine the reception that would be accorded to anyone who took such an idea seriously. But people did not always share this attitude. I should like to quote the example of Goethe whom many did not regard as a Christian, but whose “Weltanschauung” was more Christian than that of many others. If you refer to critical studies on Goethe, especially those by Catholic authors, you will find that they are of the opinion that Goethe—as a man of stature he was sometimes treated indulgently—did not take Christianity seriously. Goethe, however, was by temperament and disposition inherently Christian, more profoundly Christian than those who forever have “Lord, Lord” upon their lips. Goethe certainly did not wear Christianity on his sleeve, but his view of the world was profoundly Christian in character. And here I would like to draw your attention to an aspect of Goethe's thought which is often neglected.
[ 5 ] Goethe hat ja bekanntlich versucht, in seiner Metamorphosenlehre Vorstellungen zu gewinnen über das Wachstum der Pflanzen. Sie wissen, ich habe öfter aufmerksam gemacht: er kam über diese Metamorphosenlehre einmal in ein Gespräch mit Schiller, als die beiden einen Vortrag des Jenenser Professors Batsch gehört hatten. Da gefiel Schiller die Art, wie Batsch von den Pflanzen sprach, nicht sehr, und er sagte, man brauche nicht alles so zu zerstückeln, man könne sich eine ganz andere Betrachtungsweise denken. Goethe zeichnete dann mit einigen Strichen die Idee seiner Metamorphose der Pflanzen auf, um zu zeigen, was man sich gleichsam als geistiges Band der einzelnen Pflanzenerscheinungen denken könne. Und Schiller sagte: Das ist keine Erfahrung, das ist eine Idee. Keine äußere erfahrungsgemäße Wirklichkeit, sondern eine Idee. — Goethe verstand diesen Einwand nicht recht, sondern er sagte: Das kann mir sehr lieb sein, daß ich Ideen habe ohne es zu wissen, und sie sogar mit Augen sehe. — Also er verstand das nicht, wie das eine Idee bedeuten solle, was doch aus der Wirklichkeit, wie ein Ton oder eine Farbe aufgenommen wird. Er behauptete, er sehe seine Ideen mit Augen. Das verrät schon, daß Goethe das Geistige mitzusehen versuchte, innerhalb des Pflanzenwachstums zum Beispiel.
[ 5 ] In his theory of metamorphosis Goethe attempted, as we know, to gain insight into plant growth. I have often had occasion to refer to a conversation between Goethe and Schiller on this subject after they had attended a lecture by Professor Batsch in Jena. Schiller did not approve of the way in which Batsch classified plants. He said that the method of dividing and classifying was unnecessary and that a totally different approach was possible. Thereupon Goethe illustrated with a simple sketch his idea of the metamorphosis of plants, in order to show how the spiritual link common to the individual plant forms could be envisaged. Schiller shook his head and replied: “That is not an experience; that is an idea.” Goethe did not really understand this objection and said: “I am glad to hear that I have ideas without knowing it and that I can even perceive them with my own eyes.”—Goethe could not understand how that which was derived from reality, like a tune or a colour, could be described as an idea. He maintained that he actually saw his ideas. Goethe, therefore, strove to discover the spiritual behind phenomena, to find the spiritual element underlying plant growth.
[ 6 ] Nun, sehen Sie, Goethe war sich immer klar darüber, daß er das, was er eigentlich zu sagen hatte, doch nur bis zu einem gewissen Grade seiner Mitwelt beibringen könne; daß für gewisse Dinge die Zeit doch zu wenig reif sei. Und da stellte es sich denn heraus, daß auch andere sich anregen ließen, die nun spezielle Naturforscher waren. Zum Beispiel Schelver, der Botaniker, Henschel, sie ließen sich anregen von Goethes Metamorphosenlehre. Und Schelver, Henschel schrieben merkwürdige Dinge über das Pflanzenwachstum, ganz merkwürdige Dinge, die aber Goethe mit großem Wohlgefallen betrachtete. Für den heutigen Botaniker ist diese ganze Geschichte, die da verhandelt wurde zwischen Goethe, Schelver und Henschel, der hellste Wahnsinn. Aber man muß sich bei einer solchen Gelegenheit immer an das Paulus-Wort erinnern, daß die Torheit der Menschen größte Weisheit sein kann vor Gott. Und Goethe schrieb dann auch einige aphoristische Dinge auf über dasjenige, was er als Eindruck bekommen hat von der Schelverschen Darstellungsweise.
[ 6 ] Now Goethe realized that he could not fully communicate his ideas to his contemporaries, for the time was not yet ripe to receive them. Meanwhile other naturalists, amongst them the botanists Schelver and Henschel, had been stimulated by Goethe's theory of metamorphosis. They wrote the most remarkable things about plant growth which met with Goethe's approbation. But the modern botanist regards this whole subject as dealt with by Goethe, Schelver and Henschel as midsummer madness. In cases such as this we must adapt the words of Paul and say: “What is foolishness to man may be wisdom in the sight of God.” And Goethe then jotted down his impressions of Schelver's method of presentation.
[ 7 ] Nun muß ich mit ein paar Worten anführen, was denn dieser Schelver eigentlich wollte. Diesem Schelver wurde zuwider die ganze Art, wie die Menschen, die Botaniker, die Pflanzen betrachten. Und er sagte ungefähr so: Seht ihr, da stellen sich die Menschen Pflanzen vor; die gedeihen so, daß sie auf der einen Seite in der Blüte den Fruchtknoten entwickeln, auf der anderen Seite die Staubgefäße. Und der Fruchtknoten wird nach Anschauung der Menschen durch die Staubgefäße befruchtet, und dadurch entsteht eine neue Pflanze. — Das war nun dem Schelver ganz und gar nicht recht, sondern er sagte: Das ist eigentlich keine im Sinne des Pflanzenreiches gehaltene Idee, sondern die Wirklichkeit besteht darinnen, daß jede Pflanze rein dadurch, daß sie eine Pflanze ist, auch ihresgleichen wieder hervorbringen kann. Und daß eine Befruchtung geschehen muß, das betrachtete er als eine mehr nebensächliche Erscheinung, eine Erscheinung, die Schelver eigentlich, man könnte schon sagen, als etwas Falsches, wie einen Irrtum der Natur betrachtete. Das Richtige der Natur würde Schelver darin gesehen haben, daß jede Pflanze ohne weitere Befruchtung aus sich selbst eine weitere Pflanze hervorbrächte, nicht daß bloß der Antherenstaub durch den Wind an den Fruchtknoten geworfen werden muß und dadurch die ganze Pflanzenwelt sich fortentwickelt.
[ 7 ] I will now outline briefly what Schelver wished to establish. The existing approach to botanical studies was anathema to him. At this time the generally accepted view was that plants are divided into plants with female flowers and plants with male flowers, that the ovule is fertilized by the pollen from the stamens and so a new individual arises. Schelver firmly rejected this view since it did not accord with the nature of the plant kingdom. The fact is, he said, that every plant, by virtue of its nature, can reproduce its kind. He looked upon fertilization as a more or less secondary phenomenon, as a mistake, an aberration of nature. If nature followed the right course, Schelver believed, then each plant would reproduce its kind without fertilization; there would be no need for pollination in order to ensure the continuity of the plant species.1In sexual reproduction of plants fertilization takes place by means of pollination (windblown pollen, transference of pollen by insects, etc.). Asexual reproduction is of a vegetative nature by means of bulbs, bulbules, tubers and runners. The fern shows alternate sexual and asexual reproduction. The spores fall to the ground where a new plant is formed. The plant which develops from a spore is attached to the ground by the prothallus (root-like hairs) which bears a number of male and female organs.
[ 8 ] Goethe, der ja seine Aufmerksamkeit immer auf solche Erscheinungen gewendet hat, wo die Pflanze sich umwandelt, das Blatt in die Blüte, der wollte das durchaus als etwas Selbstverständliches betrachten, daß die ganze Pflanze in Metamorphose eine neue Pflanze hervorbringen kann. Da gefiel ihm diese Schelversche Idee. Und allen Ernstes schrieb nun Goethe einen Aphorismus, der außerordentlich interessant ist, der von ihm ganz ernsthaftig gemeint ist, aber selbstverständlich für einen heutigen Botaniker der hellste Wahnsinn ist. Goethe schrieb zum Beispiel unter anderem in dem Aufsatz, den er über Schelver schrieb:
[ 8 ] Goethe who had made a close study of such phenomena as the metamorphosis of the leaf into the flower, regarded it as self-evident that the whole plant would reproduce its kind through metamorphosis. He was attracted by Schelver's idea and in all seriousness he recorded his reflections on the subject in a series of aphorisms which are extremely interesting, but which modern botanists regard as pure nonsense. In his article on Schelver he wrote amongst other things:
[ 9 ] «Diese neue Verstäubungslehre wäre nun beim Vortrag gegen junge Personen und Frauen höchst willkommen und schicklich; denn der persönlich Lehrende war bisher durchaus in großer Verlegenheit. Wenn sodann auch solche unschuldige Seelen, um durch eigenes Studium weiterzukommen, botanische Lehrbücher in die Hand nahmen, so konnten sie nicht verbergen, daß ihr sittliches Gefühl beleidigt sei; die ewigen Hochzeiten, die man nicht los wird, wobei die Monogamie, auf welche Sitte, Gesetz und Religion gegründet sind, ganz in eine vage Lüsternheit sich auflöst, bleiben dem reinen Menschensinne völlig unerträglich.»
[ 9 ] “This new theory of pollination would doubtless be most welcome and most seemly when lecturing to young people and ladies, for, with the existing theories the teacher finds himself in considerable embarrassment. Moreover whenever innocent young minds, desirous of perfecting their knowledge, consulted botanical textbooks, they could not conceal the fact that their moral feelings were outraged. These perpetual “nuptials” which reduce monogamy, on which morals, law and religion are founded, into a vague and undefined lasciviousness are wholly intolerable to the pure in heart.”
[ 10 ] Also denken Sie sich: Goethe wirft den Blick hin über die Pflanzenwelt und findet es unerträglich, daß da die ewigen Hochzeiten gefeiert werden sollen, daß da ewige Befruchtung stattfinden soll, oder er findet es — wie er sich graziös ausdrückt — schicklicher, wenn man nicht mehr davon sprechen müßte, sondern sagen könnte, daß die Pflanze aus eigener Kraft ihresgleichen hervorbrächte. Und er führt das dann weiter aus. Er sagt:
[ 10 ] Thus Goethe, surveying the plant kingdom, finds it intolerable that there is no escape from these perpetual “nuptials”. He finds it—as he so delicately puts it—more seemly not to have to mention them; it is far better (in his view) to teach the a-sexual reproduction of plants. He then elaborated further on this and wrote:
[ 11 ] «Man hat sprachgelehrten Männern oft, und nicht ganz ungerecht, vorgeworfen, daß sie, um wegen der unerfreulichen Trockenheit ihrer Bemühungen sich einigermaßen zu entschädigen, gar gerne an verfängliche, leichtfertige Stellen alter Autoren mehr Mühe als billig verwenden. Und so ließen sich auch Naturforscher manchmal betreten, daß sie, der guten Mutter einige Blößen abmerkend, an ihr, als an der alten Baubo, höchst zweideutige Belustigung fanden. Ja, wir erinnern uns, Arabesken gesehen zu haben, wo die Sexualverhältnisse innerhalb der Blumenkelche auf antike Weise höchst anschaulich vorgestellt waren.»
[ 11 ] “People have often reproached scholars—and not without justification—for having shown undue interest in the slightly improper and frivolous passages of ancient authors in order to compensate to some extent for the tedium and aridity of their own writings. In the same way certain naturalists, seeing Mother Nature partly in the buff, went so far as to crack ribald jokes at her expense, as they never failed to do about old Baubo.2Baubo tried to divert the sorrowing Demeter by cynical jests or obscene antics. Goethe applies the name elsewhere to an immodest merry-maker in the Roman carnival, in Faust. She appears in the Walpurgis Night scene. We recall having seen arabesques which depicted most realistically, in the style of antique art, the sexual relationships within the calix.”
[ 12 ] Also Goethe betrachtet es als eine höchst wünschenswerte Idee, daß diese Sexualbetrachtung mit Bezug auf die Pflanzenwelt entfernt werden könnte. Das war schon zu seiner Zeit eine verrückte Idee, selbstverständlich; heute, im Zeitalter der Psychoanalyse, wo man anstrebt, daß alles womöglich aus der Sexualität erklärt werde, ist es eine noch größere Verrücktheit, wenn jemand sagt, was das für eine schöne Naturbetrachtung wäre, wenn man nicht diese unmoralische Einmischung des Sexualprinzipes hätte. Goethe sagt ausdrücklich: «Wie man jetzt nach allen Seiten hin Ultras hat, liberale sowohl als königische, so war Schelver ein Ultra in der Metamorphosenlehre; er brach den letzten Damm noch durch, der sie innerhalb des früher gezogenen Kreises gefangen hielt»; aber er sagt nicht, daß ihm ein solcher Ultra irgendwie unangenehm wäre, sondern im Gegenteil, er begrüßt das Auftreten mit großer Freude.
[ 12 ] Goethe therefore thought it highly desirable that the study of sexual behaviour in the plant kingdom should be abolished. But, of course, this was considered to be an absurd idea even in Goethe's time. And today in the age of psychoanalysis which seeks a sexual explanation for everything, it would seem more foolish still to say that it would he a good thing if we could dispense with this immoral notion of sexuality in our study of nature. Goethe expressly says: “Just as we find everywhere today ultras 3Ultra—one holding extreme views of the ultra royalist party in France, 1827. (The party of ultras split into parties of the “right” and the “left”.) —liberal as well as royalist—so Schelver was an ultra on the question of metamorphosis. He broke through the narrow limitations of the earlier theory.” Goethe does not say that he found an ultra such as Schelver in any way antipathetic; on the contrary he warmly welcomed his appearance.
[ 13 ] Nun muß man schon etwas tiefer in Goethes Seele hineinschauen, ich möchte sagen, in Goethes christliche Seele hineinschauen, um zu erkennen, was da eigentlich zugrunde liegt. Denken Sie sich einmal: Derjenige, der die Natur betrachtet, so wie sie ist, mit der Gesinnung, welche die heutige Naturwissenschaft hat, der kann natürlich mit solchen Vorstellungen überhaupt nichts machen, denn zu solchen Vorstellungen sind gewisse Voraussetzungen notwendig. Die Voraussetzung ist die, daß eigentlich so, wie die Pflanzen jetzt sind, sie ihrer Anlage, ihrer ursprünglichen Anlage widersprechen, daß eigentlich für den, der sich so recht vertieft in die Pflanzenwelt, die Notwendigkeit vorliegt, zu sagen: Ja, wenn ich auf die erste Anlage des Pflanzenwachstums sehe, dann stimmt die Art und Weise, wie da der Blütenstaub herumfliegt und befruchtet, nicht zu der ursprünglichen Anlage der Pflanzen. Das sollte anders sein! — Da gibt es nichts anderes, als sich bekanntzumachen damit, daß allerdings das ganze Pflanzenreich, so wie es um uns herum ausgebreitet ist, heruntergestiegen ist von einer ursprünglich anderen Gestalt zu der Gestalt, die es jetzt hat, und daß eine solche Naturbetrachtung, wie die Goethes war, in dem, wie die Pflanzen heute sind, noch eine Ahnung davon bekam, wie das Pflanzenreich, sagen wir, vor dem Sündenfall war, um diesen symbolischen Ausdruck zu gebrauchen. Und in der Tat, man versteht die Goethesche Metamorphosenlehre nicht, wenn man nicht ihre Unschuld versteht, ihre Kindlichkeit versteht, wenn man nicht versteht, daß Goethe schon mit der Metamorphosenlehre sagen wollte: Seht, was da im Pflanzenreich vorgeht, das war ihm ursprünglich nicht vorbestimmt, dazu ist es erst gelangt, nachdem die Erdenentwickelung von einer gewissen Sphäre in ihre jetzige heruntergesunken ist.
[ 13 ] We shall the better understand what lies behind all this if we enter more deeply into the soul of Goethe, I mean, into his Christian soul. Those who study nature as it is from the standpoint of modern science can of course make nothing of such ideas, for certain assumptions are necessary before these ideas can be understood. It must first be assumed that the plants, as they are at present, belie their original design. Those who make a detailed study of the plant kingdom are compelled to acknowledge that, when they reflect upon the original design of plant growth, they find that fertilization by wind-blown pollen does not accord with the original intention of nature. Fertilization should take a different form. The only course open to us therefore is to recognize that the whole flora around us shows a deterioration from its original form and that a view of nature such as that of Goethe still discovered in the form of plants as they are today an intimation of what they had been before the Fall. Indeed we cannot understand Goethe's theory of metamorphosis unless we appreciate its child-like innocence, unless we realize that Goethe wished to indicate by this theory that the present mode of reproduction in the plant kingdom is not what was originally intended; it arose only after the Earth had fallen from a higher sphere to its present level.
[ 14 ] Von da ausgehend, werden Sie sich auch die Vorstellung bilden können — die ich jetzt nicht genauer ausführen kann, aber alle diese Dinge könnten und werden ja einmal von uns ausgeführt werden —, daß es ebenso mit dem Mineralreich ist, daß das auch nicht so ist, wie es ursprünglich war. Und derjenige, der diese Dinge nun wirklich wissenschaftlich betrachtet, kommt auch dazu einzusehen, daß das, was ich jetzt sagte, richtig ist bis in das Tierreich hinein, insofern wir es mit den sogenannten kaltblütigen, auch wechselwarm genannten, also nicht mit warmblütigen Tieren zu tun haben. Also Mineralreich, Pflanzenreich und das Reich der kaltblütigen Tiere, die nicht innere Leibeswärme haben, welche ständig die äußere Wärme überragt, diese Reiche sind nicht so, wie sie ursprünglich veranlagt waren. Sie sind heruntergestiegen aus einer Sphäre in die andere und sind dasjenige erst geworden, was heute notwendig macht, daß das Sexualitätsprinzip in ihnen waltet. Man kann sagen, diese Reiche kommen nicht zur völligen Ausbildung der Anlagen, die sie in sich haben, sondern es muß nachgeholfen werden. Die Pflanze hat in sich die ursprüngliche Anlage, wie sie ist für sich, nicht nur sich zu metamorphosieren vom Blatt zur Blüte, sondern auch eine ganz neue Pflanze hervorzubringen. Aber es fehlen ihr die Kräfte, dazu zu kommen; dazu bedarf es einer äußeren Anregung, weil die Region verlassen worden ist, in der das Pflanzenreich war. Auch mit dem Mineralreich würde es anders sein, und mit dem Reich der kaltblütigen Tiere. Diese Wesen sind dazu verurteilt, gewissermaßen auf halbem Wege stehenzubleiben.
[ 14 ] It follows from this—I cannot enter into precise details at the moment, but we shall have an opportunity to discuss these matters later—that the same applies to the mineral kingdom; that it too is not as originally constituted. And those who make a careful scientific study of these problems will also realize that what I have said is applicable to the animal kingdom, to the so-called cold-blooded animals, but not to the warm-blooded animals. The mineral kingdom, the plant kingdom and the kingdom of the cold-blooded animals, whose blood temperature is permanently below that of the environment in which they live, these three kingdoms are not such as they were originally intended to be. They have fallen from a higher sphere, with the result that they are of necessity subject to the sexual principle which governs them today. These three kingdoms are unable to develop their potentialities to the full; they must be given assistance in order to fulfil their development. Originally, plants possessed a natural capacity, peculiar to themselves, not only to metamorphose leaf into blossom, but also to bring forth an entirely new plant. But they now lack the vital energies to do this; they require a new stimulus from without, because they have forsaken the realm to which they originally belonged. And the mineral kingdom and the kingdom of the cold-blooded animals too were intended to be different from what they are now; they have stopped short midway in their evolution.
[ 15 ] Und sehen wir das andere Ende der Natur an: das Reich der warmblütigen Tiere, das Reich derjenigen Pflanzen, die es bis zur Verholzung bringen, die Bäume — denn die, von denen ich gesprochen habe, welche die Metamorphose regelmäßig haben, das sind Pflanzen, die grüne Laubblätter und Stengel hervorbringen, nicht die verholzenden Pflanzen —, und sehen wir uns an die warmblütigen Tiere und das physische Menschengeschlecht. Ich habe schon im vorletzten Vortrage aufmerksam gemacht, daß der physische Mensch, so wie er ist, seiner Anlage nicht entspricht, daß er eigentlich zur Unsterblichkeit seines Leibes die Anlage hat. Aber diese Erkenntnis geht viel weiter. Nicht nur der physische Mensch, der also zur Unsterblichkeit geschaffen ist, hat nicht seine Anlage in sich, sondern auch die anderen Wesen, die verholzenden Gewächse und die warmblütigen Tiere tragen schon den Tod in sich. Sie sind nicht so, wie sie ursprünglich waren; nicht als ob sie schon unsterblich geschaffen wären: sie sind heruntergestiegen. Dadurch aber ist für sie etwas anderes eingetreten. Ich sagte: Die Wesen des Mineralreiches, des Pflanzenreiches und des kaltblütigen Tierreiches, die kommen mit ihren Anlagen nicht zu Ende, sie brauchen einen äußeren Einfluß. Die Wesen des warmblütigen Tierreiches, der sich verholzenden Pflanzen, also der rinden- und holzbildenden Pflanzen, und das Menschenreich, die sind so, daß sie in der Gestalt, wie sie jetzt leben, nicht ihren Ursprung offenbaren, ihren Anfang nicht offenbaren. Also die ersteren Wesen kommen mit ihrer Entwickelung nicht zu Ende; sie bedürfen eines anderen Einflusses. Die Wesen, die ich als zweite Gruppe genannt habe, die verholzenden Pflanzen, die warmblütigen Tiere und die Menschen, die verleugnen in der Art, wie sie jetzt sind, ihren Anfang; die offenbaren ihren Anfang nicht. Die anderen kommen nicht zu Ende, und diese Wesen zeigen sich heute so, daß man aus dem, wie sie sind, nicht unmittelbar ihren Anfang erkennen kann.
[ 15 ] Let us now turn to the other realms of nature: to the kingdom of the warm-blooded animals, to the human kingdom and to the kingdom of the ligneous plants, i.e. trees.4Ligneous plants are wood-forming plants, e.g. trees, shrubs, etc. Non-ligneous plants are herbaceous plants, e.g. annuals, herbs, etc. The plants I have already mentioned which follow normal metamorphosis are those which develop green leaves and stems, the herbaceous plants. I pointed out in my previous lecture that physical man, as at present constituted, does not answer to his inherent potentialities; his physical body was originally destined for immortality. This idea has further implications. Not only has physical man who was destined for immortality forfeited his claim to immortality, but also the other living beings, the ligneous plants and the warm-blooded animals bear the seeds of death in them. They are not as originally created; not that they were created immortal, but they have deteriorated. In consequence a new situation has arisen for them. I stated that the kingdom of the herbaceous plants, and the kingdom of the cold-blooded animals are unable to fulfil their potentialities; they are in need of an external stimulus. The warm-blooded animals, the ligneous plants and man do not betray their origin in their present form. Thus the first group do not develop to the full their potentialities and need some external influence to further their development. The second group, the ligneous plants, the warm-blooded animals, and man as at present constituted, do not betray their origin. The former fail to fulfil their development; the latter do not immediately disclose their origin in their present form.
[ 16 ] Wenn Sie dies nehmen, so haben Sie ungefähr das, was Vorhersage ist einer gewissen Richtung, welche die Naturbetrachtung in der Zukunft nehmen muß. Sie wird durchaus unterscheiden müssen zwischen dem, wie die Wesen veranlagt sind, und dem, wie sie jetzt sind.
[ 16 ] If we accept this point of view we can predict to a certain extent the direction which the study of nature must take in the future. We must make a clear distinction between what the beings were destined to become and what they are at the present moment.
[ 17 ] Nun entsteht die Frage: Woher ist denn das alles so gekommen? Wir haben ja ungefähr die ganze um uns liegende Natur, die, auch naturwissenschaftlich betrachtet, nicht so ist, wie sie sein sollte. Woher ist denn das eigentlich gekommen? Was liegt da zugrunde? Wer ist an alledem schuld? Und da bekommt man dennoch die Antwort: Der Mensch ist an alledem schuld! Und die Schuld des Menschen besteht eben in dem Erliegen der luziferischen Versuchung, wie ich sie immer geschildert habe, in dem, was am Ausgangspunkt der biblischen Darstellung die Erbsünde, die Erbschuld genannt wird. Es ist für die Geisteswissenschaft eben ein wirkliches, ein echtes Faktum, aber ein solches Faktum, das sich nicht nur beim Menschen abgespielt hat, sondern das sich abgespielt hat zwar zunächst im Menschen, aber der Mensch war dazumal noch so mächtig, so stark, daß er die ganze übrige Natur hineingezogen hat. Der Mensch hat mit sich gezogen die Entwickelung der Pflanzen, so daß sie nicht zu Ende kommen können mit ihrer Entwickelung, daß sie einen äußeren Anstoß brauchen. Der Mensch hat es dahin gebracht, daß neben den kaltblütigen Tieren noch die warmblütigen sind, das heißt solche, die mit ihm gleichen Schmerz erleiden können. Also die warmblütigen Tiere hat der Mensch mit sich hereingezogen in die Sphäre, in die er selbst sich gezogen hat dadurch, daß er der luziferischen Versuchung verfallen ist.
[ 17 ] The question then is: how are we to account for this deterioration? Virtually the whole of nature around us, even when investigated scientifically, is not such as it was intended to be. Who is responsible for this? The blame lies with man because he succumbed to the Luciferic temptation, to what is called in the opening chapter of Genesis, the “Fall”, or original sin. To Spiritual Science this is a real and genuine drama in which man was not only involved, but which was first played out in the soul of man. At that time man was still so powerful that he involved the whole of nature in his fall. He involved in his fall the plants. Consequently they were unable to complete their development and required a stimulus from without. It was his responsibility that, alongside the cold-blooded animals, there are also warm-blooded animals, that is, animals capable of suffering pain, as he does. Man therefore has dragged the animals down with him because he succumbed to the Luciferic temptation.
[ 18 ] Man stellt sich heute vor, daß der Mensch immer in einem solchen Verhältnis zur Welt war wie heute, daß er sozusagen nichts machen kann mit Bezug auf die übrige Natur, daß die Tiere neben ihm entstehen, die Pflanzen neben ihm entstehen, scheinbar ohne seinen Einfluß. Aber so war es nicht immer, sondern ehe die Naturordnung eingetreten ist, die die jetzige ist, war der Mensch ein mächtiges Wesen, das in jener Tat, die man die luziferische Versuchung nennt, nicht nur sich betätigte, sondern wirklich die ganze übrige Natur der Erde hineingezogen ‚hat und das machte, was zuletzt darin gipfelte, daß die moralische Ordnung völlig abriß von der Naturordnung.
[ 18 ] People often imagine that man's relation to the universe has always been the same as it is today, that he is powerless in the face of nature, that he has no apparent influence upon the creation of the animals and plants around him. But this has not always been the case. Before the present order of nature arose man was a powerful being who not only succumbed to the Luciferic temptation, but involved the rest of creation in his fall, with the result that the moral order was completely divorced from the natural order.
[ 19 ] Wenn man heute das so ausspricht, wie ich es jetzt ausspreche, so sagt man natürlich etwas, was nicht im geringsten verständlich ist für den, der naturwissenschaftlich denkt. Und dennoch, es wird verständlich werden müssen! Es wird verständlich werden müssen! Die heutige Naturwissenschaft ist nur eine Episode. Trotz aller ihrer Verdienste, trotz aller ihrer großen Errungenschaften: sie ist eine Episode. Sie wird ersetzt werden durch eine andere, welche erst wieder erkennen wird, daß es eine höhere Weltbetrachtung gibt, innerhalb welcher das Natürliche und das Moralische zwei Seiten ein und desselben Wesens sind. Aber mit einer pantheistischen Verschwommenheit kommt man nicht
[ 19 ] Whoever expresses the view I have expressed today will not meet with the slightest understanding from those who think along the lines of natural science. None the less it is imperative that such views should be understood in the future. Despite all the services it has rendered to mankind, despite its great achievements, modern science is but an interlude. It will be replaced by another science which will recognize once more that there is a higher vision of the world in which the natural law and the moral law are two aspects of a single whole. But this higher vision will not be reached through a vague pantheism, but from a concrete insight into reality.
[ 20 ] zu einer solchen Betrachtung; da muß man schon konkret hinsehen, “wie wirklich das äußere Dasein zeigt, daß es anders veranlagt gewesen ist, als es sich heute in der gewöhnlichen Naturordnung zeigt. Da muß man den Mut haben, moralische Maßstäbe auch an das äußere Naturdasein anlegen zu können. Diejenige Weltbetrachtung, die sich heute die monistische nennt, und die ihre Glorie darin sieht, überall das Moralische auszuschließen, die tut das aus Feigheit, aus Erkenntnisfeigheit, weil sie nicht tief genug eindringen will bis dahin, wo wirklich, wie es bei Goethe der Fall war — in solchen Grenzen, wie ich es dargestellt habe — die Notwendigkeit, moralische Maßstäbe anzulegen, ebenso eintritt, wie für eine äußere Betrachtung die Notwendigkeit eintritt, rein äußerliche naturwissenschaftliche Maßstäbe anzulegen.
[ 20 ] We must recognize, as external nature unmistakably shows, that it was originally designed for something other than is disclosed in the existing order of nature today. We must have the courage to measure external nature also by the yardstick of morality. The materialistic monism of today which prides itself on excluding moral principles does so from intellectural cowardice, because it has not the courage to probe deeply enough to a point where, as was the case with Goethe, it becomes imperative to apply moral standards, just as it is necessary to apply scientific standards to the study of external nature.
[ 21 ] Aber dieses, was ich nun sage, die Möglichkeit, die Welt wiederum durchmoralisiert zu denken, diese Möglichkeit, die wäre gerade dem Menschen verlorengegangen, wenn im Beginne unserer Zeitrechung nicht das Mysterium von Golgatha eingetreten wäre. Denn wir haben jetzt gesehen, daß im Grunde alles, was bloß natürliche Ordnung ist, in gewissem Sinne korrumpiert ist, aus einer anderen Region in die jetzige erst heruntergestiegen ist, daß es in einer Weltanschauungs-Höhenlage liegt, aus der es sich wieder erheben muß. So ist es mit unserer Weltanschauung, daß sie in einer Weltanschauungs-Höhenlage liegt, aus der sie sich wieder erheben muß. Zu diesem Naturgemäßen gehört nun wirklich auch unser Denken selber. Und wenn die heutigen Du BoisReymonds und andere davon sprechen, daß unser Denken nicht in die Wirklichkeit hineinkommen kann, daß sie das Ignorabimus feststellen, daß man nicht erkennen kann, so ist das in einem gewissen Sinne wahr, aber warum wahr? Ja, weil unser Denken eben auch aus seiner ursprünglich veranlagten Region herausgekommen ist und erst wiederum den Weg zurückfinden muß. Alles steht unter dem Einflusse des Abstieges des Denkens selber. So daß man sagen kann: Gewiß, ihr, die ihr behauptet, das Denken kann nicht eindringen in die Wirklichkeit, ihr habt bis zu einem gewissen Grade recht; aber es ist dieses Denken selber mit den anderen Wesenheiten korrumpiert, es muß sich erst wiederum erheben. Der Impuls selbst zu der Erhebung dieses Denkens liegt in dem Mysterium von Golgatha, das heißt in dem, was als ein Impuls in die Menschheit durch das Mysterium von Golgatha eingezogen ist. Selbst unser Denken unterliegt gewissermaßen der Erbsünde und muß von ihr erlöst werden, um wiederum in die Wirklichkeit einzudringen. Und unsere Naturwissenschaft, so wie sie heute dasteht mit ihrer morallosen Notwendigkeit, ist nur das Produkt jenes Denkens, das korrumpiert ist, das heruntergestiegen ist. Hat man nicht den Mut, dieses zu bekennen, so steht man überhaupt nicht innerhalb, sondern außerhalb der Wirklichkeit.
[ 21 ] Mankind would have found it impossible to think of the world as once again imbued with morality if the Mystery of Golgotha had not supervened at the beginning of our present era. We have seen that everything pertaining to the natural order has, in a certain sense, been corrupted, has fallen from a higher sphere and must recover once again its former high estate. And our “Weltanschauung” likewise must rise above its present level. Our thinking also is an integral part of this natural order. And when Du-Bois Reymond and other scholars maintain that our thinking cannot attain to reality, when they assert that we can never know the ultimates (ignorabimus) this is to some extent true. And why? Because our thinking has forsaken the realm for which it was originally predestined and must find its way back once again. Thinking has declined everywhere and those who maintain that thinking cannot attain to reality are right to some extent. This thinking, together with the rest of creation, has been corrupted and must lift itself to a higher level. The necessary impulse through which this thinking can be raised to a higher level is found in the Mystery of Golgotha, that is, in the new stimulus which the Mystery of Golgotha brought to mankind. Even our thinking is subject to some extent to original sin and must be redeemed before it can again participate in reality. And our present natural science with its necessarily a-moral outlook is simply the outcome of this deterioration of thought. If we have not the courage to admit this, we have completely lost touch with reality.
[ 22 ] Was in dem Mysterium von Golgatha liegt, um dasjenige, was aus einer höheren Region in eine tiefere heruntergestiegen ist, wieder heraufzubringen, das wird einem insbesondere klar, wenn man einzelne konkrete Dinge ins Auge faßt, wenn man sich die Frage vorlegt: Was würde denn geschehen mit der Erdenentwickelung, die durch den Menschen in die Naturordnung heruntergebracht worden ist — das sage ich nicht aus irgendeinem Ausspintisieren heraus, sondern ich sage es als ein ebensolches geisteswissenschaftliches Ergebnis, wie es die naturwissenschaftlichen Tatsachen sind: Was würde geschehen mit der Erdenentwickelung, nachdem sie durch die Menschen heruntergesunken ist, wenn das Mysterium von Golgatha nicht einen neuen Impuls gegeben hätte? So wahr, wie eine Pflanze sich nicht fortentwickeln kann, wenn man den Fruchtknoten abreißt, so wahr hätte die Erde nicht ihre Entwickelung finden können, wenn das Mysterium von Golgatha nicht dagewesen wäre!
[ 22 ] The new spiritual impulse that was brought by the Mystery of Golgotha and whose purpose was to raise up the fallen kingdom of nature becomes abundantly clear to us if we bear in mind certain concrete facts, if we ask ourselves the question: What then would have been the fate of Earth evolution after its involvement in the Fall through the action of men—I say this not as an expression of opinion but as the result of spiritual investigation, just as the findings of natural science are the result of scientific investigation—what, I repeat, would have been the fate of Earth evolution if the Mystery of Golgotha had not brought a new spiritual impulse? Just as the plant cannot fulfil its development if the ovary is removed, so the Earth could not have fulfilled its evolution if the Mystery of Golgotha had not taken place.
[ 23 ] Heute stehen wir ja erst im fünften nachatlantischen Zeitraume. Im vierten, in seinem ersten Drittel, trat das Mysterium von Golgatha ein. Die eine Strömung, die abwärtsgehende, ist durchaus da, und derjenige, der nicht blind ist, kann auch durchaus beurteilen, daß sie da ist. Oh, es hat mit dem in die Tiefen des Wesens der Dinge eindringenden Denken sehr, sehr stark einen Niedergang genommen! Es ist gar sehr ein Abstieg zu bemerken in dem Denken, in dem Empfinden über das Wesen der Dinge, das in die Tiefe geht. Die kopernikanische Weltanschauung und ähnliche Dinge, sie sind gewiß großartige Erscheinungen in bezug auf die Oberflächenerkenntnis der Dinge, aber sie dringen nicht in die Tiefe, sie sind gerade dadurch zustandegekommen, daß man eine Zeitlang nicht in die Tiefe eingedrungen ist. Dieses Nicht-in-die-TiefeDringen würde immer weiter und weiter gehen. Und man kann schon heute einzelne konkrete Dinge angeben — so sehr man auch, wenn man sie angibt, als ein Phantast angesehen wird —, zu denen es kommen müßte, wenn die Richtung glatt so fortginge, die gewissermaßen schon veranlagt ist, die aufgegeben werden muß dadurch, daß der Impuls des Mysteriums von Golgatha immer mächtiger und mächtiger gemacht wird.
[ 23 ] Today we have just entered the Fifth post-Atlantean epoch. The Mystery of Golgotha took place during the first third of the Fourth epoch. Everywhere we find evidence of a progressive decline; this is patent to all. Thinking that is capable of penetrating into the essential nature of things has suffered a catastrophic decline. The Copernican theory and allied theories are valuable contributions to knowledge at a superficial level, but they do not probe deeply enough. They are the outcome of man's failure over the years to go to the heart of things, a failure that will become progressively more pronounced. Today, we can cite instances, fantastic as they may seem, of the situation that must arise if this trend of thought, which is already to some extent endemic, were to continue unimpeded. This trend of thought will have to be abandoned because the impulse of the Mystery of Golgotha will gather increasing strength.
[ 24 ] Ich bitte, sehen Sie mit mir für einige Augenblicke wie durch ein Fenster in die Entwickelungsmöglichkeiten, und vergessen Sie, indem ich Sie durch ein Fenster blicken lasse, für die Außenwelt, was ich gesagt habe, damit Sie nicht zu stark durch das Schildern einer Tatsache ausgelacht werden. Denn natürlich erhebt sich heute noch ein Hohngelächter der Hölle, wenn man so etwas ausspricht. Wenn die Gesinnung, die heute zum Beispiel herrscht auf dem Boden der reinen Universitäts-Naturwissenschaft, weiter so fortgeht, wenn sie sich ausbreiten würde, namentlich wenn sie intensiver und intensiver werden würde wir leben im fünften nachatlantischen Zeitraum, und zwar erst im Anfang, es wird ein sechster, ein siebenter kommen —, da würden gewisse Dinge, wenn das Mysterium von Golgatha nicht eine vertiefte Auffassung erführe, ganz sonderbare Formen annehmen. Heute nun, wenn einer von einer neuen wissenschaftlichen Anschauung über den Sündenfall so redet, wie es hier geschehen ist, so reden würde außerhalb eines vorbereiteten Kreises, außerhalb eines Kreises, der sich durch Jahre angeeignet hat Vorstellungen, die ihm beweisen, daß die Sachen ganz. wissenschaftlich bewiesen werden können, so würde er im Beginne dieses unseres fünften nachatlantischen Zeitraumes eben bloß für einen Narren gehalten werden, selbstverständlich; er würde ausgelacht werden, verhöhnt werden. Man würde ihm ganz sicher, wenn man nur merken würde, daß er solche Anschauungen hat, draußen in der materialistischen Welt kein sonderliches Vertrauen entgegenbringen, in der Welt, die außerhalb des Christentums steht. Aber im sechsten nachatlantischen Zeitraum würde es noch ganz anders werden, und es wird auch anders werden bei einem Teil der Menschheit; es wird harte Kämpfe geben, um den Christus-Impuls durchzuführen.
[ 24 ] I ask you to look with me for a moment through a window into the possibilities of future evolution and not to discuss what I have said in public lest you lay yourselves open to ridicule for stating a plain truth, for today such ideas will only meet with derision. If the present outlook of academic science persists, if it should spread further afield and become increasingly pervasive—we are now living at the beginning of the Fifth postAtlantean epoch which will be followed by a Sixth and a Seventh epoch—then, unless the Mystery of Golgotha is understood at a deeper level, the situation can only grow worse. Today, if one were to speak, as I have done, of a new conception of the “Fall”, outside an esoteric circle, a circle that for years has been accustomed to ideas which provide evidence that this new conception can be scientifically demonstrated, he would of course be laughed to scorn. The materialistic, non-Christian world would have precious little confidence in him, if he were known to hold such views. But in the Sixth post-Atlantean epoch things will be totally different and there will be a different attitude amongst a certain section of mankind. There will be a bitter struggle before the Christ Impulse can be realized.
[ 25 ] Heute denkt man, mit der Zuchtrute des Hohnes, mit der Zuchtrute der Verspottung oder, wie man es oftmals nennt, der Zuchtrute der Kritik, zu begegnen demjenigen, der versucht, aus den geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen die Wahrheit zu sagen. Im sechsten Zeitraum wird man anfangen, diese Leute zu heilen — zu heilen! Das heißt, man wird bis dahin Arzneien erfunden haben, die man denen zwangsgemäß beibringen wird, welche davon reden, daß es eine Norm des Guten und des Bösen gibt, daß Gut und Böse etwas anderes ist als Menschensatzung. Es wird eine Zeit kommen, da wird man sagen: Wie redet ihr von Gut und Böse? Gut und Böse, das macht der Staat. Was in den Gesetzen steht, daß es gut ist, das ist gut; was in den Gesetzen: steht, daß es unterlassen werden soll, das ist böse. Wenn ihr davon redet, daß es ein moralisches Gut und Böse gibt, so seid ihr krank! — Und man gibt ihnen Arzneien, und man wird die Leute kurieren. Das ist die Tendenz. Das ist keine Übertreibung, das ist nur das Fenster, durch das ich Sie blicken lassen möchte. Dahin geht der Lauf der Zeit. Und was im siebenten nachatlantischen Zeitraum folgen würde — durch dieses Fenster will ich Sie vorläufig nicht blicken lassen. Aber wahr ist es. Kommen wird eine Zeit, denn das läßt sich ja nicht zurückschrauben, was in der Menschennatur ist, es wird schon auf eine solche Weise allmählich zum Ausdruck kommen, daß man nach den Begriffen der naturwissenschaftlichen Weltanschauung die Menschen wird für krank ansehen können, und die notwendige Heilung wird herbeizuführen versuchen. Das ist nicht eine Phantasie. Gerade die allernüchternste Betrachtung der Wirklichkeit, die gibt das, von dem da gesprochen wird. Und wer nur Augen hat zu sehen und Ohren zu hören, der sieht überall die Anfänge dazu.
[ 25 ] People imagine that those who strive to arrive at the truth by means of Spiritual Science can be met with the weapons of scorn and ridicule that often pass for criticism. In the Sixth epoch they will be treated medically! By that time medicaments will have been discovered which will be administered compulsorily to those who believe in a recognized canon of good and evil independent of social sanctions. A time will come when people will say: “What is all this talk about good and evil? Good and evil are determined by the State. What the State declares to be good is good; what it declares to be evil is evil. When you speak of good and evil as moral values, you are obviously ill.” And medicaments will be administered to such people in order to cure them. It is no exaggeration to say that this is the direction in which our epoch is moving; it is a pointer to the future. For the moment I will not disclose what will follow in the Seventh epoch. A time will come—for human nature cannot be changed—when people will be adjudged ill according to the concepts of natural science and the necessary steps will be taken to cure them. This is no flight of fancy. Even the most sober observation of the world around confirms what I have said. And those who have eyes to see and ears to hear see on every side the first steps in this direction.
[ 26 ] Da handelt es sich darum, in aller Tiefe einzusehen und allmählich ins Leben überzuführen, daß dasjenige, was menschlicher Ätherleib ist, nicht so ist — und darum handelt es sich ja eigentlich, denn davon geht alles übrige aus —, zunächst nicht so ist, wie es ursprünglich für den Menschen bestimmt war. Denn dieser menschliche Ätherleib, der enthält unter dem verschiedenen Ätherischen, das er ursprünglich enthielt — und er enthielt ursprünglich alle Athersorten in völliger Lebendigkeit —, heute die Wärme. Daher hat der Mensch mit den Tieren, die er in seinen «Fall» mit hineingebracht hat, warmes Blut. Da hat der Mensch die Möglichkeit, den Wärmeäther in besonderer Weise zu verarbeiten. Aber schon mit dem Lichtäther ist es nicht so. Den Lichtäther nimmt der Mensch zwar auf, aber er strahlt ihn so aus, daß nur ein gewisses niederes Hellsehen dazu kommt, in der Aura die ätherischen Farben im Menschen zu sehen. Die sind vorhanden. Aber außerdem ist der Mensch auch für einen eigenen Ton veranlagt gewesen, in der ganzen Harmonie der Sphären mit seinem eigenen Ton und mit einem ursprünglichen Leben, so daß der Ätherleib immer die Möglichkeit gehabt hätte, den physischen Leib unsterblich zu erhalten, wenn dieser Ätherleib seine ursprüngliche Lebendigkeit beibehalten hätte. Es würden andere Dinge nicht gekommen sein. Denn wäre dieser Ätherleib in seiner ursprünglichen Gestalt geblieben, so wäre der Mensch ja in der oberen Region geblieben, von der er in die untere heruntergestiegen ist. Er wäre dann nicht der luziferischen Versuchung verfallen. In dieser oberen Region wären ganz andere Verhältnisse gewesen. Die waren aber einmal. Und solche Geister wie Saint-Martin hatten noch ein gewisses Bewußtsein, daß solche Verhältnisse einmal waren. Daher sprechen sie von diesen Verhältnissen wie von einer einstmaligen Realität.
[ 26 ] Now the etheric body is not such as it was originally designed to be and this is the determining factor in all development subsequent to the “Fall”. It is of paramount importance to be alive to this fact and gradually to turn it to account in our life. Amongst the various etheric formative forces which our etheric body originally possessed—and originally it possessed all etheric formative forces in their full and vigorous vitality—is the warmth ether that is still active within it. This explains why man and the animals which he dragged down with him in his Fall both have warm blood. It was therefore possible for man to transform the warmth ether in a special way. This he could not do with the light ether. Admittedly he assimilates light ether, but he simply radiates it again so that a lower form of clairvoyance is enabled to perceive the etheric colours in the human aura. They are actually present there. But in addition, man was also designed for a particular tone; he was endowed with his own specific tone in the whole Harmony of the Spheres, and also with an original vitality, so that it would always have been possible for the etheric body, if it had retained its original vitality, to have preserved the immortality of the physical body. And man would have been spared the consequences. For had the etheric body preserved its original form man would have continued to dwell in those higher realms from which he has fallen. He would not have succumbed to the Luciferic temptation, for in those higher realms totally different conditions would have prevailed. And in former times those conditions really did exist. Great souls like Saint-Martin were to some extent still aware that such conditions had once existed and therefore they spoke of these conditions as a former reality.
[ 27 ] Lassen wir nur eines von diesen Verhältnissen einmal vor unsere Seele treten. So, wie der Mensch heute spricht, hätte er nicht sprechen können, denn er hätte sein Wort niemals so geprägt, daß die Sprache in verschiedene Sprachen differenziert worden wäre. Denn daß die Sprache in verschiedene Sprachen differenziert worden ist, das rührt nur davon her, daß die Sprache etwas Bleibendes wurde. Aber die Sprache war dazumal nicht veranlagt, etwas Bleibendes zu sein, sondern sie war zu etwas ganz anderem veranlagt. Sie müssen sich nur lebendig vorstellen, wozu der Mensch veranlagt war. Wird einmal wirklich ein Funke von Goethescher Weltanschauung — ich meine jetzt nicht bloß der Theorie, sondern der Seele nach — in der Menschheit sein, so wird man einsehen, was mit einem solchen Satz gemeint ist, auch aus der Goetheschen Weltanschauung heraus. Stellen Sie sich nur einmal vor, der Mensch hätte die ursprünglichen Anlagen, die ihm zugedacht waren. Da würde er hingeschaut haben auf dasjenige, was von außen auf ihn Eindrücke machen kann. Aber es würden nicht bloß Farben, Töne herankommen an ihn, nicht bloß dasjenige, was von außen die Eindrücke sind, sondern es würde überall Geist herausfließen aus den Dingen: mit der roten Farbe zugleich der Geist des Rot, mit der grünen Farbe der Geist des Grün und so weiter. Überall würde der Geist an ihn herankommen, wovon Goethe nur eine Ahnung hatte, indem er sagte: Ja, wenn diese Pflanze nur eine Idee sein soll, so sehe ich meine Ideen, dann sind sie draußen wie Farben. — Das ist eine ahnungsvolle Idee. Dies bitte ich Sie, sich in konkreter, vollsubstantieller Wirklichkeit vorzustellen: daß wirklich der Geist lebendig herankommt. Wenn aber die äußeren Eindrücke so lebendig herangekommen wären, dann würde — es begegnet sich immer mit dem, was durch unser Haupt, durch unsere Sinne hereinkommt, dasjenige, was in unserer Atmung lebt —, es würde sich mit jedem äußeren Eindruck der Atmungsprozeß begegnen. Ein Rot: der Eindruck kommt von außen herein; von innen kommt ihm die Atmung entgegen, die aber dann Ton wäre. Mit jedem einzelnen Eindruck würde der Ton aus dem Menschen entspringen. Eine Sprache, die bleibt, gäbe es nicht, sondern es würde immer jedes Ding, jeder Eindruck unmittelbar mit einer tönenden Geste von innen beantwortet. Man stünde mit dem Worte ganz in der äußeren Wesenheit darinnen. Von dieser lebendig-flüssigen Sprache ist dasjenige, was sich als Sprache dann ausgebildet hat, nur die irdische Projektion, das Heruntergefallene, das Abgefallene. Und an diese ursprüngliche Sprache, die man spricht mit der ganzen Welt, erinnert der Ausdruck, der heute so wenig verstanden wird, der Ausdruck von dem «verlorengegangenen Wort». Aber an diesen ursprünglichen Geist, wo der Mensch nicht nur Augen hatte zu sehen, sondern Augen hatte, den Geist wahrzunehmen, und wo er im Innern seines Atmungsprozesses auf die Wahrnehmung des Auges antwortete mit der tönenden Geste — an dieses lebendige Mitdem-Geiste-Zusammensein erinnert das Wort: «Im Urbeginne war das Wort, und das Wort war bei Gott, und ein Gott war das Wort.» Von diesem Leben in dem Göttlichen spricht der Beginn des Johannes-Evangeliums.
[ 27 ] Let us recall for a moment one of these conditions. Man could not have spoken at that time as he does today, for speech had not yet been differentiated into separate languages.5On this subject see: Dr. Arnold Wadler, Der Turm von Babel. Urgemeingeschaft der Sprachen. Rudolf Geering Verlag, Stuttgart, 1935. Translated as One Language: American Press for Art and Science, 1948. This differentiation was due to the fact that speech became static. It was never intended originally that language should remain static. You must have a clear picture of what was originally intended for man. If ever a fraction of Goethe's world-conception is realized in the life of man—I do not mean theoretically, but in actual practice—then people will realize what are the implications of this statement. Suppose for a moment that man still had the potentialities with which he was originally endowed. He would have looked out upon a world from which he received external impressions; he would be aware not only of colours and tones, not only of external impressions, but also of spirit emanating from things on every hand—from the colour red the spirit of red, from the colour green the spirit of green, and so on. At all times he would have been aware of the spirit. This was anticipated by Goethe when he said: if the Urpflanze, the archetypal plant, is nothing more than an idea, then I can see my ideas with my own eyes and they are realities in the external world like colours. This is prescient of the future. I beg you to accept as a solid, concrete fact that the spirit is an active force that streams into us. If, however, the external impressions were to stream into us with the same vital energy as the spirit, we would respond to each of these impressions in our breathing process—for our breathing always responds to the impressions we receive through our brain and our senses. For example, an impression of red invades us from without; from within, our breathing responds to this impression with tone. Tone issues from man with every impression he receives from without. There was no such thing as a static language; each object each impression was immediately answered by tone from within. There was complete correspondence between the word and the external impression. Speech in its later development is simply the external projection, the residuum of that original, living and flexible language which was once common to all. And the expression “the lost word” which is so little understood today is a reminder of this original language. The opening words of the Gospel of St. John, “In the beginning was the Word, and the Word was with God and the Word was God” recall living “at-one-ment” with the spirit—this primal spirit, when man not only had eyes to see the external world, but also to perceive the spirit, when, through the breathing process he responded to visual impressions with a tone. It is to this communion with the divine that the opening words of St. John's Gospel refer.
[ 28 ] Ja, das ist das eine. Das andere aber ist das: Beim Atmungsprozeß, insofern er sich nach dem Haupte hinauf fortsetzt, indem wir einatmen und ausatmen, geht ja nicht bloß im Wechselverkehr mit der Außenwelt etwas vor sich, sondern da kommt eine Pulsation unseres ganzen Organismus zustande. Es begegnet sich der Atmungsprozeß im Haupte mit den Eindrücken, die wir von außen haben. Aber auch im unteren Organismus begegnet sich der Atmungsprozeß mit dem Stoffwechselprozeß. Hätte der Mensch die ursprüngliche Belebung seines Ätherleibes noch, dann würde mit dem Prozeß des Atmens etwas ganz anderes noch verbunden sein, als heute damit verbunden ist. Denn das, was der Stoffwechselprozeß ist, ist nicht so ganz unabhängig vom Atmungsprozeß, nur liegt die Abhängigkeit, ich möchte sagen, hinter den Kulissen des Daseins, im Okkulten. Aber sie würde auf einem ganz anderen Plane liegen, wenn der Mensch seinen ursprünglich belebten Ätherleib weiter behalten hätte, wenn der nicht gewissermaßen abgedämpft worden wäre in seinem Leben, was ja auch von innen heraus, nicht nur durch den äußeren physischen Leib, sondern von innen heraus, gerade den Tod bewirkt. Hätte der Mensch seine ursprüngliche Veranlagung beibehalten, dann würde er einen solchen Stoffwechsel haben, daß hervorgebracht würde etwas Substantielles durch den Menschen. Und dieses Substantielle würde der eine Pol sein. Nicht Absonderungen bloß würde der Mensch hervorbringen, sondern ein Substantielles durch den Stoffwechsel. Das würde der eine Pol sein. Der andere Pol würde die vom Menschen ausgeatmete Luft sein, die aber Formgewalten in sich haben würde. Das Substantielle, das der Mensch entwickelt, würde ergriffen von den Formgewalten seines Ausgeatmeten. Das würde in seiner Umgebung durch ihn dasjenige hervorbringen, was die Tierwelt ursprünglich hat werden sollen. Denn die Tierwelt ist eine Absonderung vom Menschen, sollte eine Absonderung sein, damit der Mensch gewissermaßen die Herrschaft seines Daseins über sich hinaus verbreitete. Die Tiere sind durchaus so zu denken. Das geht ja aus all den Betrachtungen, die ich Ihnen gegeben habe, hervor.
[ 28 ] So much for the one aspect. On the other hand, in respiration (in so far as it extends to the head), as we inhale or exhale there is not only an interaction with the external world, but a pulsation is set up within our whole organism. The respiration that extends to the head responds to the impressions we receive from without. But in the lower organism our respiration responds to the metabolic process. If man still possessed the original vitality of his etheric body, then something totally different would be associated with his respiration than is associated with it today. For the metabolic process is not wholly independent of respiration; its dependence is simply concealed, it lies beneath the threshold of consciousness. But man would be conscious of it if he had preserved the original vitality of his etheric body, if in the course of his life he had not lost this vitality to some extent, for it is this loss of vitality, not only through the physical body, but from within, that is the cause of death. If man had retained his original potentialities, it would have been possible for him, via his metabolism, not only to secrete waste products, but to produce something of a material nature. So much for the one possibility. On the other hand, the exhalations of man would have contained formative forces and the formative forces of his exhalations would have laid hold of the material substance and thus he would have created in his environment the animal kingdom as it was originally intended to be. For the animal kingdom is a secretion of man and was intended to be so, in order that man could extend his dominion over the kingdom of nature. It is in this way that we should think of the animal kingdom. All this is the conclusion drawn from the investigations I have laid down before you.
[ 29 ] Darauf kommt übrigens heute schon ein wenig die Naturwissenschaft, daß die Tiere ursprünglich viel verwandter waren mit dem Menschen, wie ich es auch schon erwähnt habe; also nicht so, wie es sich der grobe materialistische Darwinismus vorstellt, daß der Mensch heraufgestiegen ist, sondern die Tiere sind herabgestiegen. Heute kann man dem ganzen Zusammenhang des Menschen mit der Tierwelt nicht den ursprünglichen Geist mehr ansehen. So wie die Pflanzenwelt nicht an ihr Ende kommt mit der Entwickelung, so offenbart die Tierwelt _ nicht ihren Ursprung. Die Tiere sind da neben dem Menschen. Die Naturforscher denken nach, wie sie sich hätten entwickeln können. Die Gründe, warum sie da sind neben dem Menschen, die liegen erst in der Region, aus welcher der Mensch heruntergestiegen ist. Daher kann man sie nicht finden da, wo sie Darwin und seine materialistischen Ausleger suchen. Sie liegen in den großen vorgeschichtlichen Ereignissen.
[ 29 ] Today natural science is inclined to think that originally the animals were much more closely related to man. The truth is not that man has ascended the ladder of evolution as the crude theory of Darwin imagines but that today we can no longer grasp the real relationship of man to the animal kingdom. The vegetable kingdom does not fulfil its development on the terrestrial plane, and the animal kingdom likewise does not develop its origin on this plane. Naturalists speculate on how animals which co-exist with man have evolved. The reason for their co-existence must be sought in the sphere from which man has descended. It cannot be found where Darwin and his materialistic commentators expected to find it; it will be found in the mighty events of prehistoric times.
[ 30 ] Und nehmen Sie dazu die Tatsache, die ich Ihnen neulich sagte, daß für denjenigen, der die Dinge geisteswissenschaftlich durchschaut, das klar wird, daß im sechsten, siebenten Jahrtausend die Menschheit in ihrem gegenwärtigen Sinne anfängt, unfruchtbar zu werden. Die Frauen, sagte ich, werden unfruchtbar. Es wird auf die gegenwärtige Art die Menschheit sich nicht fortpflanzen können. Das muß eine Metamorphose durchmachen, das muß wieder den Anschluß finden an eine höhere Welt. Damit dies geschehen kann, daß die Welt nicht nur in die Dekadenz kommt, wo «geheilt» würde alles Gesinntsein zum Guten und Bösen, damit das Gute und Böse, alles Sich-Bekennen zum Guten und Bösen, nicht bloß als Staats-, als Menschensatzung angesehen würde, damit das nicht zustande komme in der Zeit, wo die gegenwärtige Naturordnung innerhalb des Menschengeschlechts mit Notwendigkeit aufhört, ein Menschengeschlecht zu erhalten — denn mit derselben Notwendigkeit, mit der bei der Frau in einem gewissen Alter eine Fruchtbarkeit aufhört, so hört in der Erdenentwickelung mit einem bestimmten Zeitpunkte die Möglichkeit auf, daß die Menschen sich fortpflanzen in der bisherigen Weise —, damit das nicht eintrete, dazu kam der Christus-Impuls.
[ 30 ] And bear in mind also what I mentioned recently: that spiritual investigation shows that in the sixth and seventh millennium there will be a decline in fertility. Women will become increasingly sterile. The present method of reproduction will no longer be possible; it must be transposed to a higher plane. In order that the world may not fall into a state of decadence, when opinions as to what is good and evil will be treated medically, in order that good and evil, all personal determination of what is good and evil, should not be recorded merely as a matter to be decided by State regulation or human conventions in order that this should not arise at a time when the natural order that at present prevails in the human species will of necessity have ceased to maintain the race—for just as in women fertility ceases at a certain age, so too the present method of reproduction in the human species will cease at a certain stage of Earth evolution—in order to forestall this, the Christ Impulse was bestowed upon mankind.
[ 31 ] Da haben Sie den Christus-Impuls hineingestellt in die ganze Erdenentwickelung. Und ich möchte den kennen, der glauben kann, daß der Christus-Impuls irgend etwas von seiner Hoheit, von seiner Erhabenheit verliert, wenn man ihn so in die ganze Weltenordnung hineinstellt, wenn man, mit anderen Worten, diesem Christus-Impuls wirklich seinen kosmischen Rang wieder zurückgibt, wenn man wirklich denkt: im Anfang der Erdenentwickelung und am Ende der Erdenentwickelung liegt eine andere Ordnung, als heute die Naturordnung ist und die nichts Physisches in sich enthaltende moralische Ordnung. Aber daß am Ende der Erdenentwickelung dasjenige liege, was des Anfanges der Erdenentwickelung würdig ist, dazu mußte der Christus-Impuls kommen. $o stellt sich der Christus-Impuls in unsere Erdenentwickelung hinein. So muß er aber auch eingesehen werden. Und wer nicht äußerlich die Worte der Evangelien nimmt, sondern wer wirklich auch den von dem Christus geforderten echten Glauben aufbringt, der kann schon in den Evangelien finden alle Anlagen, alle Veranlagung, allmählich immer mehr und mehr solches Verständnis des Christus-Impulses herbeizuführen, das dann auch wiederum der äußeren Betrachtung gewachsen ist, das den Christus-Impuls wieder anknüpfen kann an die ganze kosmische Weltenordnung. Man versteht nur gewisse Dinge in der Bibel erst, wenn man an sie herangeht mit der zugrunde gelegten geisteswissenschaftlichen Forschung.
[ 31 ] Thus the Christ Impulse was implanted in the whole of Earth evolution. I doubt if there is a single person who imagines that the Christ Impulse loses anything of its majesty or sublimity when it is incorporated in this way in the whole world order; when, in other words, it is restored to its cosmic rank, and when men really acknowledge that at the beginning of Earth evolution there existed, and at the end of Earth evolution there will exist, an order different from the present natural order, and a moral order that transcends the physical. The Christ Impulse was necessary in order that the end of Earth evolution should be worthy of the beginning. It was for this purpose that the Christ Impulse entered our Earth evolution and it is in this sense that we must understand it. And those who accept the words of the Gospels, not in an external sense, but with the true faith demanded by Christ, can find in them the necessary attributes whereby an increasing understanding of the Christ Impulse can gradually be developed, an understanding that can meet the demands of external investigation and once again relate the Christ Impulse to the cosmic world order.
[ 32 ] Sehen Sie, da steht geschrieben: Es soll kein Jota und kein Häkchen geändert werden an dem Gesetz. — Das erklären manche Ausleger so, als ob gemeint wäre, der Christus habe alles so, wie es eben im Judentum war, lassen und nur seinerseits noch etwas hinzutun wollen. Das wäre der eigentliche Sinn dieser Stelle, daß er sich gegen das Judentum eigentlich nicht auflehnen, sondern nur so noch etwas dazutun wollte. — Das ist zunächst nicht mit dieser Stelle gemeint, und es darf auch keine Stelle im Evangelium herausgerissen werden aus ihrem Zusammenhang, sondern es ist gerade der intensivste Zusammenhang im Evangelium zu finden. Wer diesen Zusammenhang studiert — ich kann in diesem Augenblick nicht auf alle Einzelheiten eingehen, die zwingen, dasjenige anzuerkennen, was ich nun aussprechen will —, wer diesen Zusammenhang studiert, der findet das Folgende. Der Christus will sagen in diesem Augenblick, da, wo er von Jota und Häkchen spricht: Damals, in älteren Zeiten, als das Gesetz entstanden ist, da war die Menschheit noch mit den alten Erbgütern jener Erdenweisheit ausgestattet, war noch nicht so weit heruntergekommen, wie sie jetzt ist, wo das Reich des Gottes nahe ist, wo die Umkehr stattfinden muß, eine Sinnesänderung. Damals, in alten Zeiten, da gab es noch die prophetischen Männer, die Prophetenpersönlichkeiten, die aus dem Geiste heraus das Gesetz finden konnten. Ihr aber, die ihr jetzt im Reiche der Welt hier herum lebt, ihr seid nicht mehr fähig, irgend etwas zum Gesetze hinzuzufügen oder zu ändern. Es darf nicht ein Jota und nicht ein Häkchen geändert werden, wenn das Gesetz echt bleiben soll. Denn um Gesetzesänderungen zu machen auf diesen Wegen, dazu ist jetzt nicht mehr die Zeit; das muß so stehenbleiben, wie es ist. Im Gegenteil, man muß versuchen, mit dem Neu-Errungenen den alten Sinn wieder zu erkennen. Ihr seid die Schriftgelehrten, aber ihr seid nicht fähig, irgend etwas von der Schrift zu erkennen. Denn ihr müßtet zu dem Geiste, in dem sie ursprünglich geschrieben ist, kommen. Ihr seid draußen im Reiche der Welt; da entstehen nicht neue Gesetze. Diejenigen, die herinnen sind im Geistigen, sie sind es, denen der Impuls gegeben wird, der Impuls der lebendigen Kraft, von dem ich letzthin sagte, daß er sogar so gegeben werden mußte, daß er nicht aufgeschrieben wurde von dem Christus. Ihr aber, ihr nehmt etwas, was nicht ins Gesetz geschrieben werden soll, das unmittelbar leben muß, ihr nehmt etwas ganz anderes. Ihr müßt anfangen damit, überhaupt die Welt ganz anders zu beurteilen, als sie zunächst als äußere Sinneswelt ausschaut.
[ 32 ] There are certain passages in the Bible that can only be understood with the help of Spiritual Science. It is written in the Bible: “One jot or tittle shall in no wise pass from the law.” Many expositors interpret these words as implying that Christ wished to preserve the Mosaic law intact and simply added to it His own contribution. They claimed that this was the real meaning of the passage. Now the passage has no such meaning. A passage should not be torn from its context, for everything in the Gospels is closely interrelated. When we study this interrelation—at the moment I cannot enter into the details which would provide convincing proof of what I am about to say—we find the following.—On the occasion when He spoke of the “jot or tittle”, Christ implied that, in olden times, when the law was first framed, man still possessed his ancient inheritance of wisdom. He had not declined to the extent he has at the present day, when the Kingdom of Heaven is at hand, when he must change his mental attitude. In olden times there were still prophets, or seers who were able to discover the law through the power of the spirit within them. “You who are now living in the kingdom of this world are no longer capable of adding to the law or of changing the law. If the law is to remain just, not a jot or tittle must be changed. The time is now past when the law can be changed after the ancient fashion; it must remain as it is. (But at the same time we must endeavour to rediscover its original meaning with the new powers that the Christ Impulse has brought.) You, the Scribes, are incapable of understanding the Scriptures. You must recover the spirit in which they were originally written. You are without, in the kingdom of the world; no new laws can originate there. But to those who are within the kingdom is granted the impulse of that living Force”—which, as I said recently, had to be transmitted orally, for it was not recorded in writing by Christ. “It cannot be codified, cannot be written into the law. It is something that is totally different from the Mosaic law, something that must be grasped spiritually. You, the Scribes, must approach the world in a new light, as something more than a purely phenomenal world.”
[ 33 ] Damit war zuerst der große Impuls gegeben, die Welt anders zu beurteilen, als wie sie als äußere Sinneswelt ausschaut. Das kann sich nur langsam und allmählich einleben. Manchmal, ich möchte sagen, hat ein Mensch so einen Anfall, im christlichen Sinne zu sprechen; dann lacht man ihn aus. Schelling, Hegel haben manchmal sich verleiten lassen wenn sie auch wiederum, besonders von katholischer Seite, nicht als die richtigen Christen angesehen werden —, sie haben sich verleiten lassen, etwas echt Christliches zu sagen. Aber gerade das können Sie auf die schärfste Weise getadelt finden. Man hat ihnen eingewendet: Ja, aber das ist nicht so in der Natur, wie ihr das sagt! — Und da ließen sich Schelling und Hegel einmal verleiten zu sagen: Um so schlimmer für die Natur! — Das ist zwar nicht naturwissenschaftlich im heutigen Sinne gesprochen, aber christlich ist es gesprochen, ebenso wie es christlich gesprochen ist, wenn der Christus Jesus selber sagt: Wenn die Schriftgelehrten noch so viel von Gesetzen sprechen, das ist nicht das Gesetz. Es ist nicht nur ein Jota und Häkchen, es ist da vieles vom Gesetz geändert; denn die reden aus der äußeren Welt, nicht aus dem Reiche Gottes heraus. Wer aus dem Reiche Gottes heraus redet, der redet von einer Weltenordnung, von der die Naturordnung nur ein untergeordneter Teil ist. — Darauf muß man erwidern: Um so schlimmer für die Natur! Denn Goethe würde auch gesagt haben, wenn man ihm eingewendet hätte: Du sagst, der Pflanzenwelt liege die Sexualität nicht zugrunde, aber sieh dir die Pflanze an; die Naturforschung zeigt dir, daß überall der Wind den Antherenstaub treiben muß auf die Fruchtknoten, — er würde gesagt haben, wenn er seine innerste Gesinnung ausgesprochen hätte: Um so schlimmer für die Pflanzenwelt, daß es so weit gekommen ist innerhalb der Naturordnung!
[ 33 ] Thus the first powerful influence was given to mankind to see the world as something more than a world perceptible to the senses alone. It is only slowly and gradually that we can accommodate ourselves to this new outlook. Occasionally one feels impelled to speak from a Christian standpoint and then one becomes the butt of ridicule. So too Schelling and Hegel, although not regarded as orthodox Christians especially by the Catholics, sometimes allowed themselves to express genuine Christian sentiments. And they have been sharply criticized for it. The objection levelled against them was: “Nature is not as you describe it.” To which they were so misguided as to reply: “So much the worse for Nature!” This reply, it is true, is not “scientific” as we understand the word today, but it is Christian in spirit, the spirit in which Christ Himself spoke when He said: However much the Scribes may speak of laws, they do not speak of the real Law. Not only has a jot or tittle passed from the Mosaic law, but the law itself has changed in many respects. The Scribes speak from the kingdom of this world and not from the Kingdom of Heaven. He who speaks from the Kingdom of Heaven speaks of a cosmic order of which the natural order is only a subordinate part. To this one must reply: So much the worse for nature! To those who objected to Goethe's claim—that plant propagation was not determined by sexual reproduction—on the grounds that scientific observation shows that the ovaries are fertilized by windblown pollen—he too would have replied, if he had given his honest opinion: So much the worse for the plant kingdom if it is so deeply committed to the natural order.
[ 34 ] Aber auf der anderen Seite werden solche Geister auch immer betonen: Es muß ausgehen von der menschlichen Auffassung, es muß sich einleben in die menschliche Empfindung so, daß es die Menschen denken, empfinden, erleben können, es muß wiederum Realität werden können — bis in das sechste, siebente Jahrtausend hinein muß es so Realität werden können —, daß dasjenige, was der Mensch spricht, das Wort, eine solche Kraft wiederum haben kann auf die Außenwelt, wie es heute der Same hat. Das Wort muß wiederum die Kraft gewinnen; das Wort, das heute abstrakt ist, es muß schöpferische Kraft gewinnen, das Wort, das im Urbeginne war. Und wer sich nicht getraut, aus geisteswissenschaftlichen Grundlagen heraus heute das Wort des Johannes-Evangeliums zu ergänzen, indem er nicht nur sagt: «Im Urbeginne war das Wort, und das Wort war bei Gott, und ein Gott war das Wort», sondern hinzufügt: «Es wird einstmals das Wort wieder sein!» der redet nicht in dem Sinne, den der Christus Jesus gemeint hat. Denn der Christus Jesus hat schon seine Worte so gesetzt, daß sie gar sehr der Außenwelt widersprechen. Aber natürlich: Er hat den Impuls gegeben. Ich möchte sagen, die schiefe Ebene nach abwärts ist mittlerweile noch weiter gegangen, und es muß eine immer größere und größere Kraft aufgewendet werden im Christus-Impuls, um die Erde in die Aufwärtsbewegung hineinzubringen. In gewisser Beziehung sind wir durchaus ein Stück nach aufwärts gekommen seit dem Mysterium von Golgatha, aber zumeist ist es ohne das denkende Bewußtsein geschehen. Es müssen die Menschen aber auch lernen, in bewußter Weise wiederum mitzuwirken in dem Weltenprozeß. Sie müssen lernen nicht bloß zu glauben: Wenn ich denke, da geht etwas in meinem Gehirn vor, sondern lernen zu erkennen: Wenn ich denke, da geschieht etwas im Kosmos! — Und sie müssen lernen so zu denken, daß anvertraut werde das Denken dem Kosmos, daß mit dem Kosmos das Menschenwesen selber wiederum in demselben Maße verbunden werde.
[ 34 ] On the other hand, minds such as Goethe's will always insist that man's understanding must be enlarged, that man must become sensitively aware so that he will be able to think, feel and experience that up to the sixth and seventh millennium the spoken word will once again become a reality and will have the same creative power in the external world as the power of fecundation in the seeds of the plant kingdom today. The word which has become abstract today must regain the original creative power it once possessed “in the beginning”. Those who, in the light of Spiritual Science are reluctant to amplify the opening words of the Gospel of St. John, “In the beginning was the Word, and the Word was with God and the Word was a God”, by adding “and the Word one day will live again”, have not fully grasped the Christian message. For Christ Jesus has set forth His teaching in a form that conflicts with the external world. It is to Him that we owe the impulse to regeneration. The world meanwhile has declined rapidly and the Christ Impulse must be increasingly reinforced before this decline can be arrested. To a certain extent we have gone some way towards reversing this doctrine since the Mystery of Golgotha, but for the most part without being consciously aware of it. Man must learn once again to participate consciously in cosmic events. He must begin to realize not merely: “when I think, something takes place in my brain”, but “when I think, something takes place in the Cosmos”! And he must learn to think in such a way that just as he can entrust his thinking to the Cosmos, so too he can once again unite his being with the Cosmos.
[ 35 ] Was im äußeren Leben wird eintreten müssen, damit der ChristusImpuls wirklich leben kann auch im äußeren sozialen Leben, davon werden diejenigen Menschen, die heute schon etwas davon wissen, heute noch nichts sagen, denn es gibt gewisse Gründe, die das zurückhalten. Nur unter bestimmten Voraussetzungen kann man davon sprechen. Ich möchte sagen, man kann nur charakterisieren. Aber nehmen Sie den Zeitpunkt, auf den hin ich Sie habe durch ein Fenster blicken lassen wollen, wo man medizinisch behandeln wird diejenigen Menschen, die etwas anderes anerkennen als Staatssatzungen. Nehmen Sie diesen Zeitpunkt! Bis zu diesem Zeitpunkt wird aber auch eine Gegenwirkung geschehen sein. Jenes wird zwar bei einem Teil der Menschheit eintreten, aber ein anderer Teil der Menschheit wird den ChristusImpuls in die Zukunft hineintragen, und es wird eine Gegenwirkung geschehen. Es wird ein Kampf stattfinden zwischen dem niedergehenden und dem aufgehenden Reiche. Und der Christus-Impuls wird lebendig bleiben. Wenn in unserem Jahrhundert der ätherische Christus kommt, so wird von da ausgehend der Christus-Impuls in einer Weise lebendig werden, daß er imstande sein wird, solche Impulse in der Menschenseele zu erzeugen, die es allmählich unmöglich machen werden, daß regiert werde so, daß dem Regieren werden zugrunde liegen Ehrgeiz oder Eitelkeit und selbst Vorurteile oder Irrtum sogar. Es gibt eine Möglichkeit, solche Regierungsgrundsätze zu finden, welche die Eitelkeit, die Ruhmsucht, die Vorurteile, und sogar Kopflosigkeit und den Irrtum ausschließen. Aber nur auf dem Wege der richtigen, konkreten Erfassung des Christus-Impulses gibt es das. Parlamente werden diese Impulse nicht beschließen, das wird auf andere Weise in die Welt kommen. Aber die Strömung geht dahin. Dahin geht dasjenige, was man nennen könnte die Sehnsucht, neben der Erfassung des Christus in der Weltenentwickelung, einzuleben den Christus in die soziale Entwickelung der Menschheit. Dazu gehört aber das Umdenken in vieler Beziehung. Und Stärkung wird dazu gehören, die wirklich so etwas ernst zu nehmen vermag, wie das, was ich Ihnen angeführt habe für den Christus. Als er sprach, was er eigentlich zu sagen hatte, da sind die anderen so in Wut gekommen, daß sie ihn haben zum Berge herunterwerfen wollen. Man soll sich wirklich die Weltenentwickelung nicht allzu leicht vorstellen. Man soll sich nur schon klar darüber sein, daß derjenige, der über manche Dinge das Richtige zu sagen hat, schon solcher Stimmung begegnet sein kann, wie diejenige war, die dazumal dem Christus Jesus entgegentrat, als er den Berg heruntergeworfen werden sollte.
[ 35 ] The necessary changes that will have to be effected in our external life in order that our social life may be invested with the Christ Impulse are ignored by those who are already aware of this need. There are reasons for their reticence. One can only speak of them when certain prior conditions have been met; only brief indications can be given here. You will recall that earlier in this lecture I opened a window on to the future when I pointed out that those who recognize other laws than those decreed by the State will be treated medically. Before this time arrives, however, a reaction will have set in. One section of mankind will adopt the measures referred to above, but another section will be the bearer of the future Christ Impulse. A battle will ensue between the two groups between the past and the future. And the Christ Impulse will win the day. When the etheric Christ appears in the present century the Impulse that streams from Him will be able to awaken such a response in the souls of men that governments based on ambition, vanity, prejudice or error, will gradually become an impossibility. It will be possible to discover principles of government free from these human frailties but only if they are founded on a true and concrete acceptance of the Christ Impulse. Christian impulses will not be determined by parliamentary decrees; they will enter the world in a different way. This tendency exists already. Alongside the incorporation of the Christ Impulse into world evolution there is a longing to incorporate the Christ Impulse into social evolution. In order to achieve this goal a considerable reorientation of thinking is called for. And great strength of mind will be necessary before people can accept seriously what I have said about the Christ. When Jesus had delivered His message to the multitude they were filled with wrath and sought to cast Him from the mountain top. The course of world evolution is not so simple as one imagines. We must realize that those who have some truth to impart may already have encountered an attitude of mind such as Christ encountered in those who sought to cast Him from the mountain.
[ 36 ] In einer Zeit, wo allerdings die Menschen so denken: Nur ja nicht viel über das oder jenes hinausgehen! Nur ja nicht anstoßen! Nur ja nicht in den Geruch kommen, gegen das eine oder andere Rebellion zu machen! — in einem solchen Zeitalter bereitet sich das vor, und vielleicht gerade in einem solchen Zeitalter mit Recht. In den Untergründen des Bewußtseins bereitet es sich vor; aber es ist eben an der Oberfläche wenig zu sehen davon. An der Oberfläche herrscht das unchristliche Prinzip der Opportunität, das unchristliche Prinzip, das sich nirgends zu der christgemäßen Anklage erheben kann: Für euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ist allerdings das Reich Gottes nicht! Nur muß man erst verstehen, was heute an der Stelle steht, die Christus gedeutet hat, als er damals von den Schriftgelehrten und Pharisäern sprach. Entschuldigende Worte hat man ja viele für dasjenige, was der Christus Jesus gesagt hat. Und ein moderner Prediger, allerdings keiner, der innerhalb einer positiven Kirchengemeinde steht, der hat mancherlei Schönes über den Christus Jesus gesagt, aber er hat sich doch nicht enthalten können zu sagen: Ein praktischer Mensch war er eigentlich nicht, denn er hat ja geraten zum Beispiel, so zu leben wie die Vögel in der Luft: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen und damit käme man doch in der heutigen Welt nicht gerade weit. — Dieser Prediger, er hat sich nur nicht sehr angestrengt, den Impuls, der in den Evangelien liegt, wirklich zu begreifen. Es macht ja manchmal Schwierigkeiten, so das Wort zu hören, das Wort zu lesen: Schlägt dich einer auf die eine Backe, so halte ihm auch die andere hin. Nimmt dir einer den Mantel, so laß ihm auch den Rock. Will jemand etwas von dir haben, so gib es ihm. Nimmt dir einer dein Eigentum, so fordere es nicht zurück.
[ 36 ] In an age whose motto is—moderation at all costs, never give offence, avoid a reputation for iconoclasm—in such an age the ground is being prepared for the entry of Christ into the social evolution of mankind and perhaps with good reason in this particular age. It is being prepared in the subconscious; little evidence of it is to be seen on the surface where the unchristian principle of opportunism prevails, that unchristian principle that dare not openly declare like Christ: “The Kingdom of Heaven is not for you, ye Scribes and Pharisees.”—I ask you to pause and consider what has replaced the Scribes and Pharisees today. Gospel commentators are wont to excuse or explain away many of Christ's statements. And recently a priest, certainly not of the orthodox persuasion, who has uttered many fine statements about Christ Jesus, went so far as to say that Christ was obviously not a practical person for He advised people to live like the fowls of the air, “for they sow not, neither do they reap, nor gather into barns”. Such advice would not take us very far today. This preacher did not make very serious efforts to grasp the impulse which permeates the Gospels. People find it difficult to cope with precepts such as “whoever shall smite thee on thy right cheek, turn to him the other also; if any man take away thy coat, let him have thy cloak also. Give to him that asketh of thee and from him that would borrow of thee, turn not thou away.” (Matt. V, 39-42.)
[ 37 ] Nun, wenn man all das liest, was zur milden Auffassung dieser nicht sehr beliebten Stelle vorgebracht worden ist, so muß man sagen: Im Verzeihen gegenüber dem Christus Jesus, daß er so sonderbare Worte manchmal gesprochen hat, hat es ja die moderne Menschheit ein wenig weit gebracht. Verziehen hat man schon manches, damit man nur das Evangelium erhalten kann, nach seiner Fasson erhalten kann. Aber bei allen diesen Dingen handelt es sich viel mehr darum, die Dinge zu verstehen. Nun ist das wiederum schwer, weil alle diese Dinge im vollen Zusammenhang drinnenstehen. Aber ahnen kann man wenigstens den Zusammenhang, wenn man nur weiterliest, nachdem da steht: Nimmt dir einer dein Eigentum, so fordere es nicht zurück — und es kommt der Satz im Lukas-Evangelium, im Matthäus-Evangelium ist es noch klarer: Wie ihr von den anderen behandelt zu werden wünscht, so behandelt auch sie. — Das ist natürlich auf das Vorhergehende anzuwenden. Der Christus verlangt die Kraft des Glaubens, das Vertrauen zu den Dingen.
[ 37 ] When we read all that has been said in extenuation of this rather unpopular passage we have to admit that mankind today has gone half way towards excusing Christ for the strange sentiments He sometimes expressed. They are prepared to excuse much if they can only retain the Gospels—after their own fashion. But in matters such as this it is far more important to understand what is implied. And this is difficult because these things are closely interrelated. But at least we can have an intimation of this interrelationship if we read on from the passage: “and of him that taketh away thy goods ask thou not again” (which occurs in the Gospel of St. Luke) to the more explicit statement in the Gospel of St. Matthew (VII, 12): “Whatever ye would that men should do to you, do ye even to them.” These words, of course, refer to what has gone before. Christ is here appealing to faith and trust.
[ 38 ] Ja, wenn der Christus Jesus nur diejenigen Begriffe entwickeln würde, die in der Außenwelt an der Oberfläche so unmittelbar leben, dann hätte er natürlich niemals sagen können: Wenn dir jemand den Mantel nimmt, so gib ihm auch noch den Rock. — Aber er redet ja nicht von dem, was da draußen herrschen soll, denn das ist für die Schriftgelehrten, was da draußen herrschen soll, das ist für die Hohenpriester; er redet von dem Reiche der Himmel, und er will an dieser Stelle besonders klarmachen, daß da andere Gesetze walten als in der äußeren Welt. Und vergleichen Sie die Stelle, wie sie hier steht, mit der Art, wie sie im Matthäus-Evangelium steht — es müssen diese Dinge auch einmal einer richtigen Übersetzung unterliegen —, da werden Sie sehen, daß der Christus Jesus etwas sagen will, was eine Glaubensgesinnung in dem Menschen anregt, die vor allen Dingen unnötig macht alles dasjenige, was an Gesetzesbestimmungen, an menschlichen Satzungen aufgestellt wird über das Stehlen von Rock und Mantel. Denn dadurch, daß man bloß lehrt — so will der Christus Jesus sagen —: «Du sollst nicht stehlen», ist nichts getan. Sie wissen, er sagt: Von dem Gesetz soll kein Jota genommen werden; aber so in der ursprünglichen Fassung ist es heute kein Impuls mehr. Man muß wirklich die Kraft in sich entwickeln, unter Umständen, solange überhaupt die Ordnung da ist, daß jemand einem den Mantel nehmen kann, ihm auch noch den Rock zu geben. Denn unter dem Einfluß der Gesinnung: Wie du nicht von anderen behandelt zu werden wünschest, so behandle auch sie nicht! — unter dem Einfluß der Gesinnung, wenn man vor allen Dingen diese Gesinnung zu einer allgemeinen macht, wird keiner einem den Mantel nehmen können. Aber es nimmt einem nur dann keiner den Mantel, wenn derjenige, dem der Mantel genommen werden soll, wirklich die Kraft der Gesinnung hat: Sobald er mir den Mantel nimmt, gebe ich ihm auch den Rock.
[ 38 ] If Christ had shared only the current superficial ideas He could never have said: “If any man take away thy coat, let him have thy cloak also.” He is speaking here of laws that govern social life and conduct—such are for the Scribes and High Priests—He is speaking of the Kingdom of Heaven. In this passage He wishes to emphasize that in the Kingdom of Heaven other laws prevail than those of the external world. And if you compare the passage in the St. Matthew—and much depends upon the correct translation—you will realize that He wished to say that a faith must be awakened in man which would dispense with the laws and statutes concerning the stealing of another's coat and cloak. Christ wished to show that it was pointless simply to teach, “Thou shalt not steal”. You will recall that He said: “a jot shall in no wise pass from the law”. But as they were originally understood those words no longer provide any impulse for the present epoch. We must really develop within ourselves the power, under the present circumstances, to offer our cloak to whomsoever has taken our coat. If we follow the precept that “whatever ye would that men should do to you, do ye even so to them”, and especially if this principle can be adopted by all, it would be impossible for anyone to steal another's cloak. No one will steal another's cloak if the victim has the strength of mind to say: whoever takes my coat, to him I will give my cloak also.
[ 39 ] Das muß soziale Ordnung sein. Ist das soziale Ordnung, dann wird nicht gestohlen. Das will der Christus sagen, weil das das Reich Gottes ist gegenüber dem Reiche der Welt. In einer Welt, wo jener Grundsatz herrscht: ich gebe dem den Rock, der mir den Mantel nimmt! — in dieser Welt wird nicht gestohlen. Aber man muß die Kraft des Glaubens entwickeln, das heißt die Sittlichkeit muß beruhen auf dieser inneren Kraft des Glaubens, das heißt, sie muß ein Wunder sein. Jede sittliche Tat muß ein Wunder sein; sie darf nicht bloß eine Naturtatsache sein, sie muß ein Wunder sein. Der Mensch muß des Wunders fähig sein. Weil die ursprüngliche Weltenordnung aus ihrer Höhe hat heruntergeholt werden können in eine niedere Region, muß der bloßen Naturordnung wiederum eine übernatürliche moralische Ordnung entgegengesetzt werden, die mehr tut, als die bloße Naturordnung befolgen. Es ist nicht genug, wenn ihr bloß die alten Gebote, die unter anderen Voraussetzungen gegeben worden sind, haltet, auch nicht, wenn ihr sie umwandelt, sondern wenn ihr euch in die andere Ordnung, die nicht die Naturordnung ist, einlebt: daß, wenn mir jemand den Mantel nimmt, ich so gesinnt bin, daß ich ihm auch den Rock gebe, daß ich ihn nicht zu Gericht schleife. Im Matthäus-Evangelium ist ausgedrückt, daß der Christus Jesus die Gerichte ausschalten will. Aber es hätte gar keinen Sinn, an die Stelle von Mantel und Rock unmittelbar anschließen zu lassen «Wie ihr von anderen behandelt zu werden wünscht, so behandelt auch sie», wenn nicht die Sache auf ein anderes Reich gemünzt wäre, ‚auf das Reich, in dem Wunder geschehen. Denn der Christus Jesus hat die Zeichen, die Wunder getan aus seiner großen, seiner überirdischen Glaubenskraft. Niemand, der den Menschen bloß betrachtet als Naturwesen, der nicht die Kraft aufbringt, ihn als etwas anderes zu betrachten als ein Naturwesen, kann das tun, was der Christus getan hat. Nun verlangt der Christus als Anschauung, daß, wenigstens im moralischen Gebiet, in der Vorstellung mehr lebt als in der äußeren Wirklichkeit. In der äußeren Wirklichkeit heißt es so: Wenn dir jemand deinen Mantel nimmt, so nimm ihn wieder zurück! Aber mit diesem Grundsatz begründet man keine soziale Ordnung im Sinne des ChristusImpulses. Da muß man mehr haben in der Vorstellung als dasjenige, was bloß der Außenwelt entspricht. Sonst würde ein sonderbarer Zusammenhang zwischen diesen einzelnen Sätzen zustande kommen. Denn denken Sie einmal, wenn Sie die Sache so durchführen: «Schlägt dich einer auf die eine Backe, so halte ihm auch die andere hin. Nimmt dir einer den Mantel, so laß ihm auch den Rock. Will jemand etwas von dir haben, so gib es ihm. Nimmt dir einer dein Eigentum, so fordere es nicht zurück.» — Und: «Wie ihr von den anderen behandelt zu werden wünscht, so behandelt auch sie!»: «Schlägst du einen auf die eine Bakke, so setze nur gleich voraus, daß er dir die andere auch reicht, damit du deine Lust an der zweiten auch befriedigen kannst; nimmst du einem den Mantel, so bleibe nicht dabei, sondern nimm ihm auch den Rock weg; willst du von jemand etwas haben, so sorge dafür, daß er es dir gibt» und so weiter — das würde die Umkehrung des Satzes sein, unter dem Einfluß des Nachsatzes «Wie ihr von den anderen behandelt zu werden wünschet, so behandelt auch sie!»
[ 39 ] In a social order where this attitude of mind prevails there will be an end to stealing. This was the implication of Christ's words. The Kingdom of Heaven is contrasted with the kingdom of the world. We must develop the power of faith. Morality must be founded upon this inner power. Every moral act must be a miracle, not merely a fact of nature. Man must be capable of performing miracles. Since the original world order has descended from its former high estate, the purely natural order must be replaced by a supernatural moral order which transcends the natural order. It is not sufficient merely to keep to the old commandments which had been given to the world under totally different conditions, nor is it sufficient to change them; man must adapt himself to a supernatural moral order, so that if someone steals my coat I shall be prepared to give him my cloak also, and not proceed against him. The Gospel of St. Matthew clearly states that Christ wished to debar judicial proceedings. In that event there would have been no point in adding to the passage about the coat and cloak the injunction: “Whatsoever ye would that men should do to you, do ye even so to them” unless Christ had intended to refer to another kingdom, to a kingdom in which miracles take place. For Christ performed signs and wonders through His sovereign, supernal power of faith. No one can do what Christ has done as part of the natural order, if he cannot bring himself to see in man something more than a nature being. Now what Christ demands of us is that, in the moral sphere at least, our ideas should transcend the limitations of external reality. In external life we act on the principle: if someone takes your coat, then get it back again! But on this basis it is impossible to establish a social order that complies with the Christ Impulse. In Christ's kingdom there must be something more in our moral concepts than a mere concern with, or the satisfaction of material interests. Otherwise the following passages would be strange bedfellows. First, “whoever shall smite thee on thy right cheek, turn to him the other also. If any man take away thy coat, let him have thy cloak also. Give to every man that asketh of thee and of him that taketh away thy goods ask not again. Whatever ye would that men should do to you, do ye even so to them.” And then contrast with these precepts the words: “If you smite someone on the right cheek, then see to it that he offers the other also, so that you can experience the satisfaction a second time. If you steal a man's coat, do not hesitate to take his cloak also. If you want anything from anyone, see that he gives it you, etc.” This negates the principle: Whatever ye would that men should do to you, do ye even so to them.
[ 40 ] Sehen Sie, irdisch gesprochen, hat das ganze keinen Sinn. Es ist einfach sinnlos diese Aufeinanderfolge der Sätze. Sie gewinnt erst Sinn, wenn man die Voraussetzung macht: Derjenige, der sich beteiligen würde an jener Rettung der Welt, die durch den Christus-Impuls eingeleitet werden soll, wodurch die Welt wiederum hinaufgetragen werden soll in die höheren Regionen, der muß mehr als die Außenwelt von Grundsätzen ausgehen, die sich nicht bloß decken mit der Außenwelt; dann wird das geschehen, was den moralischen Ideen, den moralischen Vorstellungen wiederum physische Kraft geben kann.
[ 40 ] From the point of view of the practical world these injunctions of Christ are meaningless, a mere sequence of empty phrases. They first take on meaning if we presuppose that those who would take an active part in the salvation of the world which shall be initiated by the Christ Impulse through which the world will be raised once again to higher realms, must start from principles which do not apply to the external world only. It will then be possible to give practical effect to moral ideas and conceptions once again.
[ 41 ] Zur Erfassung des Evangeliums im Sinne des Mysteriums von Golgatha gehört vor allen Dingen ein innerer Mut der Seele, den heute die Menschen sich aneignen müssen. Es gehört dazu, die Dinge ernst zu nehmen vor allen Dingen, bei denen von dem Christus Jesus im Gegensatz zu dem Reiche, das sich allmählich herausgebildet hatte unter der herabsteigenden Strömung, zu dem Reiche der Welt, die Reiche der Himmel hinzugefügt werden, ihm entgegengesetzt werden. Ja, dem, der in solchen Zeiten, wie die jetzigen es sind, Ostern so erlebt, dem können schon, meine lieben Freunde, Sehnsuchten kommen dahingehend, daß das Mysterium von Golgatha wiederum mit Mut verstanden werde, daß man sich verbinde mit dem Impuls von Golgatha mit Mut. Denn das Evangelium spricht in jedem seiner Teile: Mut! — enthält in jedem seiner Teile den Aufruf, nichts anderem zu folgen als jenem Impuls, den der Christus Jesus wirklich einprägt der Erdenentwickelung.
[ 41 ] To understand the Gospels in the light of the Mystery of Golgotha demands spiritual courage, a courage which mankind sorely needs today. And this implies that we must take seriously all that Christ said about the opposition between the kingdom of this world, the consequence of the progressive decline of mankind, and the Kingdom of Heaven. Those who in times such as the present (1917) are celebrating the Easter Festival, may already feel a growing desire to find the courage to understand once again the Mystery of Golgotha and to be united with the Impulse of Golgotha. Everywhere the Gospels speak of courage; they insistently call for courage to follow that Impulse which Christ Jesus has implanted in the evolution of the Earth.
[ 42 ] Ich wollte Ihnen durch eine solche Schilderung heute das Mysterium von Golgatha ein wenig nahebringen, um gerade einmal diese Seite tiefer zu betonen, die da zeigt, wie das Mysterium von Golgatha in die ganze kosmische Ordnung wiederum hineingestellt werden muß, und nur verstanden werden kann, wenn man auch das Evangelium so nimmt, als wenn eine höhere Form der Sprache durch dasselbe spräche, nicht die Sprache der Menschen. Das neunzehnte Jahrhundert hat in seiner theologischen Entwickelung, da, wo Theologie waltet als gelehrte Theologie, gerade versucht, das Evangelium herunterzuholen ins Menschenwort. Die nächste Aufgabe ist diese, das Evangelium wieder zu lesen vom Standpunkte des Gottes-Wortes. In dieser Beziehung wird Geisteswissenschaft dem Verständnisse des Evangeliums dienen.
[ 42 ] In this lecture I have endeavoured to give you a clearer insight into the Mystery of Golgotha in order to impress upon you that aspect which shows how this Mystery must again be incorporated in the whole Cosmic order and can be understood only when we recognize that the Gospels speak with the tongues of Angels and not with the tongues of men. In the course of its development the academic theology of the nineteenth century has tried to reduce the Gospels to the level of human speech. Our immediate task is to learn to read the Gospels once more as the Word of God. In this connection Spiritual Science will contribute to a better understanding of the Gospels.
